Weltverbesserung
(von mir ausgewählte Textpassagen
in der Reihenfolge der Schriften)

.Doch auch der Mordkriege endliche
Überwindung durch den Menschengeist kann
nicht bewirken, daß sich die Gegenkräfte,
die in aller physischen Natur am Werke
sind, zu gleicher Strebensrichtung einen
könnten, denn solche Einung wäre die Ver
nichtung dieses ganzen äußeren Uni
versums...
.Das Reich des „ewigen Friedens”, das
so viele edle Menschen in der Zeiten Folge
heiß ersehnten, wird uns Menschengeistern
erst beschieden sein, wenn wir, — nach die‐
sem Erdenleben, — uns erneut in jenem
Lichte finden, das alles ewig in sich eint,
was einst mit ihm vereinigt war. — — —
196 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Dennoch regt sich auch in dieser dunklen
Zeit bereits das Wort, denn des Menschen
Bahn ist an der Schwelle eines jener „lichten
Höfe” angelangt, die auch in tiefster Nacht
zuzeiten Hoffnung geben...
324 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Du wirst aber auch niemals mehr von
einem „Himmel auf Erden” träumen, weil
du erkannt haben wirst, daß nicht einmal
das Tier, das dem Menschen dienstbar wer‐
den soll in dieser materiellen Welt, hier
seinen „Himmel” finden könnte, — daß
aber der wirkliche „Mensch” längst seinen
Himmel hatte, bevor er sich selber in das
Reich der physischen Gestaltung stürzte, all‐
wo ihm das „Menschtier” seine Kräfte dar‐
leihen muß, soll er wieder zurück in diesen
Himmel finden...
14 Das Buch vom Menschen
.Solange auf dieser Erde Menschen in
irgendeiner Art von Gemeinschaftsverbänden
leben, wird es immer und immer wieder
einzelne geben, die mit der Art des Ge‐
meinschaftslebens, das sie an andere bindet,
nicht zufrieden sind, und dennoch werden
die Menschen niemals eine vollkommene
Staatsform finden. —
.Stets wird der Vorteil des einen des
andern Nachteil sein, und immer werden
nur wenige auf ihren Vorteil verzichten
wollen, auch wenn sie sehen, daß er den an‐
deren Nachteil bringt.
.Es ist nicht möglich, daß auf dieser
Erde je ein „Gottesstaat” entsteht, der
alle Menschen frei in Liebe einen würde,
denn diese Erde wurde einst durch den Men
schen selbst entgottet, als er aus Furcht
vor seiner eigenen Macht die Herrschaft über
sie verlor. — — —
.So sehr man auch in Theorien aller
Menschen Seligkeit auf Erden prokla‐
mieren mag, so wird die Wirklichkeit
doch immer unbekümmert aller Theorien
spotten. —
.In allen „Republiken” wird es „
nige” und „Fürsten” geben, und kein
Despot” wird je verhindern können, daß
in seinem Reiche sich Gebiete finden, die
seine Macht und Willkür nie beherr
schen kann. — — —
.Nie wird dem „Rate aller” ein Gesetz
entsprießen, das jene weisen und erhabenen
Gesetze übertreffen könnte, die einst von
großen „Königen” der Welt gegeben wur‐
den.
.Es werden immer nur wenige sein,
denen Natur die Gabe und Kraft verlieh,
das Ungeordnete zu ordnen, und zu leiten,
was ohne Leitung sich und anderen kein
Gedeihen schafft. — —
.Noch seltener werden jene zu finden
sein, denen Natur das Recht zu herrschen
in die Wiege legte, — — zu herrschen über
alles, was nicht Selbstbeherrschung üben
kann und mag. —
132 Das Buch vom Menschen
.In allen Reichen des Kosmos, ob sie den
physischen oder den geistigen Sinnen
sich erschließen, herrscht das System der
Hierarchie”, herrscht Unter- und Über
ordnung, und immer kleiner wird die
Zahl der wirkenden Gewalten, je weiter ihre
Macht und ihre Wirkung reichen. — — —
.Auch des Erdenmenschen Gemein‐
schaftsleben ist diesem Gesetz unterworfen,
und jede Willkür, die in guter Absicht
„Gleichheit” schaffen möchte, ist von Anfang
an verurteilt durch sich selbst, — geht
den enttäuschungsreichen Weg, den stets
Natur für alle Menschenweisheit offenhält,
die ihr Gesetz noch nicht erkennt, oder
es mißachtet, falls sie es erkannte. —
.In jeder Art des menschlichen Gemein‐
schaftslebens auf der Erde läßt Hierarchie
und Stufenbildung sich, Naturgebot entspre‐
chend, auferbauen, und wird dies nicht be
wußt erstrebt, so baut Natur das ihr ge‐
mäße, ohne alle Rücksicht, selber auf, wie
groß die Zahl der Opfer dann auch wer‐
den möge, die das eherne Gesetz erfordert...
.Es läßt sich nichts umgehen, nichts auf
andere Art erzielen, wo das allgemeine,
kosmische Gesetz befiehlt. —
133 Das Buch vom Menschen
.Es ist verzeihlich, in den Dingen staat‐
licher Gestaltung an eine „Entwickelung”
zu glauben, denn das Auge des Menschen
ist nur allzu geneigt, die nächste Umwelt
für „die Welt” zu halten, und ebenso ver‐
mag der Mensch nur schwer, die Zeiten,
die er überschauen kann, als „Ewigkeits‐
sekunden” anzusehen. — —
.Die wenigen auf dieser Erde, die über
ein weiteres Blickfeld in Raum und Zeit
zu spähen vermögen, müssen sich, trotz
aller scheinbaren Gegengründe sagen, daß
alles, was der Mensch der Erde in Hin‐
sicht auf „Staatenordnung” für „Entwicke
lung” hält, nur eitel Täuschung ist, und
daß die Menschheit nach Jahrtausenden
in gleichen Kämpfen um die Vorherr
schaft der einen oder anderen sich ver
bluten wird, wie heute oder schon vor
Tausenden von Jahren, da Kulturen unter‐
gingen, deren Zeugnisse noch kein Forscher
je ergrub...
.Bald wird „das Volk” dem Wahn er‐
liegen, „Herrscher” sein zu können, und
sich selbst, — den „Herrscher” — —
zu beherrschen, bald werden Könige, in
denen nichts von wahremKönigtum
und seiner mystischen Gewalt zu finden
ist, den Thron, der ihnen nicht gebührt,
durch Waffen sichern wollen, und immer
wieder werden die Geschicke wechseln, bis
die letzten Menschen dieser Erde falls nicht
Geisteseinsicht sie noch hindert, gegenseitig
sich erschlagen, weil das letzte Tier ge‐
schlachtet und die letzte Pflanze längst in
Sand und Eis erstorben ist, — denn diese
Erde muß erstarren, und des Erdenmenschen
ewige „Erlösung” wird erst eine neue
Weltenperiode schauen. — — —
.Wehe den „letzten Menschen”, denn da
wird die Sage von Kain und Abel tausend
fältig Wiederholung finden, falls der Erden‐
mensch sich nicht vorher darauf besinnt, daß
jedes „Du” ein „Ich” ist, das in ihm sich
finden will. — —
.Jeder der Wenigen, denen Geist und
hohe Geistes-Übertragung Weiten der Zeit
und des Raumes lichtklar erhellte, ist mit
mir eines Sinnes in dem Wunsche: — Möchte
nur Einer derer, die in heutigen und
künftigen Tagen dieser Erdenwelt ein dauern‐
des Glück zu bereiten hoffen, fähig werden,
das zu sehen, was wir Wenigen, von Leid
um andere fast ausgelöscht, klar sehen
lernen müssen! — —
.Er würde sicherlich vor Schreck gelähmt,
und tiefe Scham im Herzen, seine Zukunfts‐
träume in den tiefsten Schacht der Seele
bannen, würde nie und nimmermehr auf
dieser Erde suchen, was sein Geist ihm
zeigt, und was er nur, in Irrtumswahn be‐
fangen, hier auf diesem Weltenstäubchen
„Erde” ausgestaltbar glaubt. — —
.Die Träume dieser Weltbeglücker sind
trotzdem aller Wahrheit voll, nur ist das
Glück, das sie der Menschheit wünschen,
nie auf Erden zu erreichen, nie mit Erden‐
mitteln auszuwirken, nie dem Menschen
dieser Erde, so wie sie ihn sich er
träumen, vorbehalten. — — —
.Laßt uns darum eine andere „neue
Menschheit” suchen, eine Menschheit, die,
obwohl sie auf der Erde lebt und sich
des Erdenlebens freut soweit dies möglich
ist, doch längst nicht mehr allein „von
dieser Erde” ist! —
.Wir müssen den Menschen zu einer
tieferen Quelle des Glückes führen, einer
Quelle, die reichlicher fließt, wenn wir
jenen, vom Wahne irdischen Glückes
betörten „Freunden der Menschheit” wahr‐
haft brüderlich zur Seite treten wollen. —
.Wir müssen sie von sich selbst und
ihren Träumen erlösen, wenn wir die
Wahrheit, die sie dumpf erfühlen und
dann in sterile Gedankengebäude bannen
wollen, wirklich der Menschheit, nutzbar
machen sollen. — — —
.Zwar liegt es nicht im Bereich der
Möglichkeit, daß ein wahrhaft gerechter
Mensch jemals Gerechtigkeit für alle
schaffen könnte, doch jeder Einzelne kann
Rechtlichkeit erstreben, und damit einen
Ausgleich schaffen helfen, gegenüber jenem
Unrechtswillen, den auch Götterkräfte
nie aus diesem Erdendasein tilgen könnten.
— — —
.Das Glück der Menschheit” ist ein
Glück der Einzelnen, und in der Seele
eines jeden Menschen allein nur erreichbar. —
.Die „neue Menschheit”, die auf dieser
Erde einst erstehen kann, wird ganz gewiß
ihr Glück nicht mehr von außen her er‐
warten. — Sie wird erkennen, daß die Dinge
dieser Außenwelt nur sind, was wir aus
ihnen machen, und daß sie nur insofern
uns bestimmen können, als wir uns be‐
stimmen lassen..
.Die innere Welt des Einzelnen muß
eine Welt des Friedens und des reinen
Glückes werden, und hier allein nur
kann der Mensch der Erde wahrem Glück
begegnen. — — —
.Wie dieses Glück des Einzelnen zu fin
den ist, das zeigt die Lehre, die in diesen
Büchern sich entrollt.
.Daß die Befolgung ihrer Winke auch
das Leben in der Außenwelt weit glück‐
licher gestalten kann, wird keiner leugnen
wollen, der einmal erkannte, daß das ganze
Leben dieser Außenwelt nur unsichtbarer
Kräftewirkung Zeugnis ist. — —
.Von Innen her muß alles keimen, was
im irdisch-äußerlichen Dasein wirkliche Be‐
glückung bringen soll. —
.Im Äußeren ist nur das Reich der
Wirkung jener Kräfte, die allein in tief
ster Seele ankern.
.Wer hier im Äußeren zu bessern sucht,
der wird nur Schein-Erfolge ernten, wird
nur dem Augenblick Beglückung schenken,
und was er wirkte, muß gar bald in sich
zusammenfallen, da die Wurzelkräfte feh‐
len, die es in der Außenwelt erhalten
könnten. — —
.Möchte doch dieses „Buch vom Men‐
schen” vielen die Augen öffnen, die, erfüllt
vom besten Streben, heute noch dabei sind,
ihre Kräfte zu vergeuden, weil sie in der
Außenwelt das „Glück der Menschheit” zu
erreichen hoffen!
.Möchten doch jene, die heute von früh
bis spät nach Rettung und Hilfe Aus
Schau halten, endlich zur Ein-Sicht kom‐
men!
.Nur wenn die Innen-Schau das Spähen
nach außen ablöst, kann auch im Äußeren
der Menschheit Dasein menschenwürdig
werden. — — —
.Dann erst kann mancher „Zukunfts‐
traum” erfüllbar sich gestalten, der durch
die Mittel, die man bis zu diesen Tagen
anzuwenden liebt, nur in Gefahr kommt,
sich in Dunst und Nebel aufzulösen. — —
.Diealte Menschheit” hat es gut ver‐
standen, die Außenwelt in ihren Dienst
zu zwingen, doch da sie nur von außen
„zwingen” kann, droht sie den Kräften zu
erliegen, die sie selbst zu ihrem Dienst ent‐
fesselt hat. —
.Die „neue Menschheit” wird nicht mehr
von außen zwingen wollen, was sie weit
ersprießlicher von innen her zu lenken
lernen wird. — —
.In jedem Einzelnen der „neuen Mensch‐
heit” werden sich Kräfte offenbaren, die
alles in den Schatten stellen, was der Mensch
der „alten Menschheit” stolz als „geistige
Errungenschaft” bewunderte, — in seinem
Innern nicht bewußt, daß alles Denken nie
den „Geist” erfassen kann, der, wirkend
wie die Kraft des Blitzes, alle Welt er‐
füllt, und der dem Menschen nie durch
Denken, nie durch äußere Mechanik dienst‐
bar wird, des Spottes spottend, den der
„Geist” so mancher „Denker” seiner Wirk
lichkeit entgegensetzt. — — —
.Zu weit von jeder Illusion entfernt,
weiß ich gewiß, daß der wirkliche Geist
weder heute noch morgen allerorten sich
offenbaren kann, denn systematisch hat die
alte Menschheit alle Schächte zugeschüttet,
durch die der Mensch der Gegenwart in sich
die Tiefe finden könnte, in der die Quellen
alles Werdens rauschen.
.Doch einmal werden diese Quellen sich
erneut erschließen, und die alsdann aus
ihnen schöpfen können, werden gar man‐
ches durch des wirklichen Geistes Kraft ver‐
mögen, was heute mit aller Denkkraft der
Gehirne nur vergeblich erstrebt wird.
.Auch dann jedoch wird diese Erde nicht
zum „Himmel” werden, und unbezwungene
Kräfte werden stets die Mehrzahl der Men‐
schen in Banden halten. — —
.Die „neue Menschheit” wird ein Reich
der Erwählten und Berufenen sein, und
Einzelne sind bereits heute schon dabei,
dieses Reich in sich zu gründen.
.Es ist immerhin möglich, daß diese
Generation seine ersten Spuren erleben mag,
— doch sicher werden die Kinder unse
rer Kinder einst von seinen Kräften wis
sen, wie wir heute jene Kräfte kennen,
die der Mensch der alten Menschheit der
Natur entrissen glaubte, weil er sie mit
List, von außen her, in seinen Dienst zu
stellen wußte.
.Die heiligen Bücher alter Tage künden
jedoch mit Recht ein Reich der „Kinder
des Lichtes” und ein Reich der „Kinder
dieser Welt” der unausgleichbaren äußeren
Kräfte, und Einer, der es wahrlich wissen
konnte, sagte: „Die Kinder dieser Welt sind
in ihrer Art klüger, als die Kinder des
Lichtes!” — —
.Es wäre zu wünschen, daß auch die
„Kinder des Lichtes” in ihrer Art „klü
ger” würden und den Bann zu brechen
wüßten, in dem sie durch die „Kinder
dieser Welt” gefesselt sind!
145 Das Buch vom Menschen
.Schon unsere Enkel werden diese Tage
der Wahnverblendung, die sich ihrem
Ende zuneigen, mag auch das endliche
Ende noch gar fern erscheinen, nicht mehr
kennen.
.Sie werden kaum in sich noch ein Ver
stehen finden für den Krankheitszustand
der Gehirne, die heute toller Tänze Tanz‐
plan sind, weil sie in der Verstrickung
dunkler Mächte, denen sie sich selbst er‐
gaben, der Torheit Tür und Tore offen
ließen, als sei „der Mensch” nur das arme
Erdentier, — viel ärmer noch, als alle
andern Tiere dieser Erde, — als das er sich
empfindet, solange er nicht weiß, daß er
des Geistesmenschen Pforte zur Erlösung
darstellt.
.Erst dieses Wissen aber bringt Gewiß‐
heit, daß ihm die höchste Form der Liebe
allein die unerhörte Macht verleihen kann,
dieser Erde Angesicht derart zu verwan
deln, daß alle Trübsal, die der Mensch auf
Erden fand, — daß Krankheit, Not und
Jammer von der Erde schwinden muß,
wie jene Ungeheuer schwanden, die einst
das frühe Menschentier erst floh und dann
besiegen lernte! — —
.Wir alle, die wir heute dieser dunklen
Tage Todesschatten über unsern Häuptern
lasten fühlen, sind die Totengräber einer
alten Zeit und sind zugleich die Zeugen
den des neuen Lebens, das diese Erde
einst be-leben soll! — — —
.Von uns allen wird alle Menschheit, die
noch dieser Erdball tragen soll, Verant
wortung verlangen, wenn jenes kosmische:
Es ist vollbracht!”
durch alle jene Sphären tönen wird, die Zu‐
fluchtsort dem Geistesmenschen wurden,
nachdem er selbst sich einstens aus der
Gottheit losgelöst, und ungeahntem
Schicksal sich als edles Treibgut über‐
geben hatte! —
.Wir alle sind es, die der Erde Antlitz
wandeln werden, oder seiner Wandlung
Hemmung bleiben, wenngleich erst spä
tere Geschlechter Frucht erernten können,
die der Saat entspricht, die wir der Erde
anvertrauten! — —
.Doch glaube nicht, daß wir nicht selbst
schon unsrer Tat Erfüllung sehen könn‐
ten, auch wenn nur Blühen uns erst wer‐
den mag, wo Spätere die Früchte ernten
werden!
.Je eher wir uns selbst zu wacher Tat
ermannen, desto gewisser werden wir aus
dieser Tat, die eine Tat des Herzens ist,
die Blütenknospen sich erschließen sehen,
die einst den Nachgeborenen zu Früchten
werden!
.Ein unerfaßlich Großes hat das Schick‐
sal unserm Willen anvertraut in diesen
ernsten Tagen, und — wahrlich: „es ist
eine Lust, zu leben” in solcher Zeit, —
für jeden, der seines Eigenlebens Wert
für alle Zukunft kommender Geschlechter,
in Wachheit und Verantwortung zu wer
ten weiß!
81 Das Buch der Liebe
.Nur dann, wenn die Erkenntnis aufzu‐
glühen beginnt, daß die Form des mensch‐
lichen Zusammenlebens auf dieser Erde
durch die Arbeit des Einzelnen an sich
selbst bestimmt wird und nur in sehr
bedingtem Maße von außen her zu beein‐
flussen ist, darf man sicher sein, sich auf
dem Wege zu befinden, auf den ich die mir
Vertrauenden zu leiten suche.
.Es ist der einzige Weg, der aus der
Wirrnis dieser Tage hinaus und hinauf
zur Klarheit wertbestimmender Überblicke
führt, und zugleich der einzige Weg, der
den verirrten Einzelnen in sich den Frie
den finden läßt, nach dem alle noch nicht
völlig verhärteten Herzen so heiß verlangen.
.Tierhafte Kampflust wird sich dann
nicht mehr ungezähmt, als Zerstörungs‐
faktor inmitten menschlicher Gemeinschaft
austoben können, sondern, zu geistiger
Wehrhaftigkeit sublimiert, die Vielheit
der Einzelnen fähig machen, alle Angriffe
niederer planetarischer Gewalten auf die
eigene Seele in sich selber zurückzuweisen,
— im sicheren Bewußtsein der einzigen
Kraft, die alle auf Erden drohenden, glück‐
zerstörenden Triebkräfte siegend bezwingt!
137 Das Buch der Liebe
.Ich gehöre wahrlich nicht zu denen, die
dich in dem Wahn erhalten möchten, als
sei das Leid auf dieser Erde „gottgewollt”
und auch in seinen furchtbarsten Formen
eine eherne Notwendigkeit.
.Vielmehr weiß ich dir zu sagen, daß
das allermeiste Leid auf dieser Erde ver
schwinden könnte, würde der Mensch
das Leid nicht mehr erwarten.
.Niemals aber wird diese Erde darum
völlig leidfrei sein.
21 Das Buch des Trostes
.Allein, sobald das Leid den Menschen
überwältigt, also daß er weiter leiden
will, folgt er, und wenn er es auch keines‐
wegs erkennt und eingestehen könnte,
einer dumpfen Lust, die ihn verleitet,
immerfort aufs neue seine Wunden auf‐
zureißen, damit an seinem Blute sich die
Unsichtbaren laben können, die als ekle
Parasiten sich von seinen Kräften nähren.
.Ihnen gilt es zu entrinnen, und wenn
auch nie das Leid von dieser Erde schwin
den wird, so läßt sich doch solcherart
dann wirklich auf das Äußerste be
schränken, was die Gesetze dieser äuße‐
ren Erscheinungswelt in ihrer Auswirkung,
als beigegebene Folge, zeitigen müssen.
.Alles was diese Folge übersteigt
alles was außer ihr liegt, soweit sie be‐
gründet ist in „naturnotwendigem” Ge‐
schehen — kann aus dem Leben der Men‐
schen allmählich ausgeschieden werden
und wird es im Leben eines jeden Ein‐
zelnen, wenn jeder für sich selbst erkennt,
daß er sich nur den unsichtbaren Unhol‐
den zum Opfer bringt, solange er dem
Wahn ergeben bleibt, der seit Jahrtausen‐
den das Leid der Erde heiligspricht. —
28 Das Buch des Trostes
.Ich hörte einst von einer kleinen Ge‐
meinschaft, die das Heil zu finden glaubte,
wenn sie von allem sich entblößte, was
nicht durch ihrer eigenen Hände Arbeit
gefertigt war.
.So strebten die edlen Schwärmer „zu‐
rück zur Natur” und ließen in der Ein‐
samkeit sich nieder.
.Nur eines wollten sie nicht missen: —
Bücher — und noch eines: — einen herr‐
lichen Flügel, auf dem ein Hochbegabter
aus ihnen die Werke der Tonkunst zu Ge‐
hör bringen konnte.
.Auf solche Weise führten sie ihr eige‐
nes Evangelium ad absurdum und merk
ten es seltsamerweise nicht. —
42 Das Buch des Trostes
Wüßte die Menschheit der Erde um
ihre Macht — wahrhaftig, sie würde
schon seit fast zwei Jahrtausenden der
Erde Angesicht verwandelt haben, so daß
den Menschen, die in diesen Tagen noch
der Erde Not erleiden, ein Erdenzustand
dargeboten wäre, der ihnen wie des Him‐
mels Seligkeit erscheinen müßte. —
Zwar wird auf dieser Erde nie ein
«Garten Eden» sich erschaffen lassen;
allein, was hier sich dennoch wandeln
läßt, ist so gewaltig, daß späte Enkel
sicherlich in gleicher Weise voll Entsetzen
stehen, finden sie die Spuren heutigen
Geschehens unter Menschen — wie jeden
heute Lebenden das Grauen packt, wenn
er die Gräber jener Menschtierahnen
öffnet, die, wie die Funde zeigen, ihrer
Feinde Hirne aus den Schädeln saugten
und das Mark aus ihren Knochen fraßen.
Erst wenn diese Menschheit erkennen
wird, was sie vermag, sobald sie, aus
der Liebe wirkend, dieser Erde An‐
gesicht zu wandeln sucht, wird jene
Liebestat auf Golgatha ihr end‐
lich fruchtbar werden. —
67 Die Weisheit des Johannes
.Hoch erhebt der Kritiktrieb den Men‐
schen über das Tier!
.Auch das intelligenteste Tier nimmt seine
Umwelt hin wie sie ist, und äußert nicht
die leisesten Anzeichen wirklich kritischen
Verhaltens.
.Freudiges Annehmen, oder Abwendung
und Widerstand im Verhalten des Tieres
zur Außenwelt, sind nur Äußerungen seines
Selbsterhaltungstriebes und dürfen nie‐
mals als Ergebnis kritischen Erwägens ge‐
deutet werden.
.Der Kritiktrieb des Menschen setzt die
Erahnung eines vollkommeneren Zustandes
der Dinge voraus, als er jemals hier auf
Erden anzutreffen ist.
.Wäre der Mensch hier im Leben der
physischen Erscheinungswelt heimisch, wie
das Tier, — wie würde er Kritik üben
können an seiner ihm äußeren Welt!? —
.Nur weil sein Geistiges Vollkomme
neres kennt, als die ihn umgebende irdische
Welt, konnte der Mensch den Trieb zur
Kritik in sich erzeugen.
.Die ihm heute nicht mehr bewußtseins‐
gegenwärtige Erfahrung seines urgegebenen
geistigen Seins ist dennoch Ursache seines
kritischen Verhaltens gegenüber der ihn
nun umgebenden physischen Welt.
.Durch eigene Willens-Strebung ausge‐
stoßen aus dem Bewußtseinsbereich des
reinen Erlebens wesenhaft geistiger Ge‐
staltung, bleibt die ewige Geistsubstanz, die
im Erdmenschtiere sich nun physisch-sinnlich
erlebt, doch immer noch Träger der Er‐
innerung an ihren vormaleinst erlebten
Seinszustand, und wenn auch das erden‐
tierhafte Gehirn nicht ohne weiteres fähig
ist, an solcher „Er-Innerung” teilzunehmen,
so wird es gleichwohl ihrer ahnend teil‐
haftig durch Influenzwirkung. —
.Alle Auswirkung gesunden Triebes zur
Kritik ist bestimmt durch unbewußtes Ver‐
gleichen des im Irdischen Dargebotenen
mit der Form absoluter Vollkommenheit,
die ihm in geistiger Erscheinung ent‐
sprechen würde.
.Wir Menschen hier auf Erden leben
unter dem Einfluß zweier, voneinander
äußerst verschiedener Vollkommenheits‐
Ideale, mögen wir unsere Doppelstrebigkeit
ignorieren, oder — wie alle nicht ganz
irdisch verkrusteten Naturen — bitter an
ihr leiden...
.Wären wir nur irdisch-sinnliche Na‐
turen, dann wäre die Zwiestrebigkeit und
alles ihr entspringende Leid unmöglich.
.So aber sagt uns das physische Dasein
zwar mit brutaler Vehemenz, was ihm für
sich „Vollkommenheit” heißt, während wir
durch das gleiche physische Gehirn auch
rein geistige Influenz aufnehmen, womit
uns die Vorstellung einer Vollkommenheit
gegeben wird, neben der alles irdisch Voll‐
kommene für uns zur Unvollkommen
heit verdammt erscheint. — —
.Es muß zu innerer „Zerrissenheit”
führen, wenn ein Mensch danach strebt,
Dinge, die ganz der physischen Gesetz‐
lichkeit unterordnet sind, zu einer Voll‐
kommenheit zu führen, die nur im Gei
stigen gegeben ist!
.Alles Streben nach „Vergeistigung” des
Körperlichen gehört hierher...
.Es ist uns nur die erhabene Möglichkeit
geboten, hier im Physischen den Geist zu
verkörpern, aber auch diese Geist-Verkör
perung ist nur nach der Weise physisch
sinnlicher Vollkommenheit vollziehbar, —
wird also der Vollkommenheit des ewigen
Geistes gegenüber allzeit als „unvoll
kommen” gelten müssen. — — —
.Nun verleitet uns aber der zwar geist
gezeugte, jedoch nur im Physischen sich
auswirkende Kritiktrieb immer wieder zu
der irrtümlichen Annahme, wir könnten
das in der physisch-sinnlichen Erscheinung
Gegebene zu jener Vollkommenheit führen,
die nur im Geistigen möglich ist.
.Daher dann die Übersteigerung unserer
Ansprüche an uns selbst und die mit uns
Lebenden, — daher die Hypertrophie
des ungehemmten Kritiktriebes! —
100 Wegweiser
IRRIG sind alle beraten und keine guten Zeichen‐
deuter, die da auf dieser Erde alle Finsternis be
siegbar wähnen!...
Vergeblich ist ihr Kampf: — die Nacht des Grauens
bleibt immer an ihrem Ort!...
Solange Menschen auf der Erde wohnen, werden
auch Menschen sein, die mehr der Nacht vertrauen,
als dem lichten Tag! — — —
Aber ein jeder, der in die Liebe und in ihr zum
Lichte fand, mehrt wahrlich die Kraft des Lichtes,
mehrt die Kraft der Liebe in den Reichen der Fin‐
sternis!...
Ein jeder, der in die Liebe und in ihr zum Lichte
fand, ist gut geborgen und die Liebe wird durch
ihn auch andere zum Lichte leiten!...
Er selber schafft Gewähr, daß sicherlich durch
ihn zugleich ein anderer zum Lichte kommen
wird!...
So wird der Finsternis Macht immer mehr gebrochen;
— die Tiere des Dunkels finden keine neue Nah‐
rung mehr...
Was sie am Leben erhält, auch wenn sie schlafen:
— die Dünste dampfenden Blutes, sie werden von
der Erde verschwinden; — der Haß wird sich in
Liebe wandeln!...
53 Psalmen
In aller Kraft der Liebe wird die neue Mensch
heit dennoch stets bewußt sein der Grenzen ihrer
Macht! —
Sie wird nicht wähnen, daß sie alles was da Men
schenantlitz trägt, hinfort zu einen fähig sei in
hoher Liebe! — —
Allein die neue Menschheit wird die Werte die
ihr überkommen sind, gar weislich zu prüfen wis‐
sen! —
Alles, was da in der Liebe seine Geltung nicht
erweist, wird dieser neuen Menschheit: Unwert
heißen! — —
In siegreicher Arbeit um der Arbeit willen wird sie
ohne Schwertstreich zu besiegen wissen, was der
Liebe sich entgegenstellen möchte!...
Die „Ehre”, durch Mord sich Recht zu schaffen,
wird ihr verwerfliche Torheit sein!...
*
Nur denen, die ihr mordend nahen und in Mordlust
ihren Frieden stören, wird sie mit dem Schwerte
wehren, so sie anders sich nicht mehr schützen
kann. — —
Sie wird das Schwert jedoch nicht länger führen,
als es zur Abwehr vonnöten ist! —
Nie wird sie Macht erstreben unter den Völkern, die
nur durch Menschenmord zu begründen wäre! — —
Nie wird sie anderen das Ihre neiden und es durch
Mord in ihre Macht zu bringen suchen! — — —
Der Tierheit niedrige Gelüste werden der Freude
weichen; — die Gier der Leidenschaft wird schwin‐
den in der Ruhe einer stillen Kraft!...
55 Psalmen
— und auch wenn nie ein Mensch dem
anderen Leid bereitet hätte, wäre
wahrlich Leid genug auf Erden anzu‐
treffen, denn alles, was in dieser Außen
Welt: Erscheinung bildet, hat Da-Sein
nur durch Leid: — vermag sich nur im
Da-Sein zu erhalten, indem es seinet‐
wegen Anderes leiden läßt...
Nur dort, wo Güte: — träumendes
Verlangen, Mitleid: — Wahnwitz
zeugte, kann sich des Erdenmenschen
Denken so ver-messen, daß es die
Weise findbar glaubt, das Leid aus
dieser Außen-Welt, — in der es Folge
ihrer Raum verdrängenden und Eigen‐
Raum verschließenden Struktur ist, —
zu verbannen. — —
Wo immer Außen-Welt den an sich
homogenen Raum zerstückelt, dort
ist Leid, — und Menschenmacht ver‐
möchte dann nur dieses Leid zu tilgen,
wenn sie imstande wäre, alle „Außen”‐
Welt für immer zu vernichten, womit
jedoch zugleich auch alle „Innen”‐
Welt Vernichtung fände...
Ist aber diese äußerste der „Außen”‐
Welten, die wir, in tierverhafteter Ge‐
staltung, durch den Tier-Sinn wahrzu‐
nehmen uns gezwungen fühlen, auch
erfüllt von Leid, und sind auch weite
unsichtbare Reiche dieser „Außen”‐
Welt noch ganz in gleicher Weise —
manche sogar mehr — dem Leide aus‐
geliefert, da auch dort noch alles Da
Sein nur besteht in Räum-Verdrän
gung und in Eigen-Raum-Verschlie
ßung, so stehen doch dem gegenüber
unzählbare „Innen”-Welten, in denen
alles Sein, — dem homogenen Raume
keineswegs etwa entrückt, — sich
gegenseitig öffnet und durchdringt,
so daß hier jede Möglichkeit des Lei‐
den-Könnens völlig fehlt. — — —
Nie aber läßt sich eine Welt vom Leid
befreien, die nur bestehen kann durch
Leid, — und alles Mühen Einzelner,
durch Da-Seins-Unterdrückung und
Verzichtleistung auf Da-Sein, dieser
Erde Leid zu mindern, bleibt ergeb
nislos: ist nur des Mit-Leids tröstende
Betäubung...
In diesem Erdenleben ist des Menschen
ganze Macht darauf allein beschränkt,
daß er zwar dieser Erde Leid ins Un
gemessene und niemals Nötige zu
steigern fähig ist, — doch ebenso ver
mag, das Leid zurückzudrängen in die
urgegebenen Bereiche, aus denen es nicht
lösbar werden kann, wenn diese „Au
ßen”-Welt — und mit ihr jede „Innen”‐
Welt — bestehen bleiben soll, und wahr‐
lich „sollen” sie bestehen! — — —
90 Die Ehe
Seid sicher,
Daß auch nicht die Enkelkinder eurer Enkel
Eine Zeit erleben werden,
Die auf Erden keinen Krieg mehr kennt!
Seid sicher,
Daß auch noch der fernste Nachfahr
Mordbedrohung um der Selbstsucht willen
Unter Menschen dieser Erde:
„Zwangesläufig” und „Naturbedingnis”
      nennt!
Der Mensch mag alle Kräfte der Natur
Bezwingen: —
Das Raubtier in sich selbst zu zähmen,
Wird auf dieser Erde aber
Nur den Höchstgearteten, —
Den Hörigen des Menschentieres
Nie gelingen!
83 Über dem Alltag
.Was wirklich der Erdenmenschheit schon
in den Tagen zwischen Geburt und Grab ein
besseres Los zu schaffen vermag, ist nur das
Erwachen vieler Einzelseelen in ihrem
Ewigen. Es werden aber immer nur Teil
gruppen der Menschheit sein, in denen
genügend Einzelseelen, ihres Ewigen be‐
wußt, des ewigen Menschen wahrhaft wür
dige Lebensgestaltungen zu schaffen ver‐
mögen, und nur durch ihr Beispiel werden
sie auch andere Teilgruppen allmählich der
Tieresübermacht entreißen können. Ein
Teil der Erdenmenschheit wird dereinst
dem ewigen Geiste bereits im Mutterleib
erschlossene Kinder gebären, während ein
anderer Teil, — immer rettungslos tierver‐
haftet, — zwar nicht, wie die Visionen des
Zarathustradichters meinten: den „Über‐
menschen”, wohl aber — das Übertier zeu‐
gen wird, das aller Tiere Dumpfheit, Grau‐
samkeit und Krallenlust zuletzt bis zur
Selbstzerfleischung übersteigert...
84 Briefe an Einen und Viele