Ueber die Liebe
(von mir ausgewählte Textpassagen
in der Reihenfolge der Schriften)

.Solche „Liebe” ist sehr weit entfernt
von jeglicher Art sentimentaler Schwärmerei
und allem Gefühlsüberschwang!
.Die hier gemeinte, durch geistiges Gesetz
geforderte Liebe ist vielmehr die höchste
und stärkste Selbst- und Allbejahung so
daß der von ihr durchdrungene Mensch so‐
wohl in sich selbst wie in allem Mit-Dasein
nur das Positive, das Geistgewollte er‐
fühlt, auch dann, wenn er sich genötigt sieht,
sich aufs schärfste der gleichzeitig wirksamen
negativen Kräfte der gleichen Erscheinung
zu erwehren. — —
45 Das Buch vom Jenseits
.Gott lieben” aber heißt: — alle Müh
sal und allen Schmerz der Erde so „lie‐
ben”, so willig hinnehmen, als habe man
das alles gerade so gewollt und erstrebt,
wie es in unser Leben tritt! —
.Gott lieben” heißt: — die Erde lieben
und alles was auf ihr lebt, — so, wie
es ist, — mag es unseren Wünschen auch
zuwider sein! —
.Gott lieben” heißt: — sich selbst
lieben und sich zuliebe alle Beschwernis
freudig auf sich nehmen, die uns zu tragen
gegeben wird auf dem langen und beschwer‐
lichen Wege, der aus Irrung und Verwirrung
zuletzt zu uns selber führt, so, wie wir
ewig sind in Gott! — —
54 Das Buch vom Jenseits
.Gefühle sind die Kräfte Deines Schaf‐
fens, und wenn Du wahrhaft «glücklich»
bist in Deiner Liebe, dann hast Du Dir im
Reiche der Gefühle einen Tempel aufer‐
baut, den keiner, außer Dir betreten kann,
und dessen Allerheiligstes das Gottesbild
umschließt, dem Du als Priester Deiner
Liebe dienen willst und Opfer spendest...
.Vielleicht bist Du noch niemals Dir be‐
wußt geworden, hier ein Schaffender zu
sein, — fühlst Dich bemeistert von Gefühlen,
die Dich leiten, oftmals gegen Deinen Wil‐
len, — glaubst Dich in Banden, die Dich
fesseln, wo Du gerne Fesseln tragen willst,
und lebst dem Wahn, dies alles käme nur
von außen her, und schalte frei mit Dir nach
ewig in das Erdenleben eingewobenen Ge‐
setzen?? —
.Du stehst Dir selbst im Lichte, wenn Du
also denken magst! — — —
.Wohl folgst Du ewig unbesiegbarem Ge‐
setz, wenn Deine Seele sich dem Strom der
Liebe öffnet, der das All durchfließt, und
mit geheimnisvoller Kraft die Seelen und
die Leiber zueinanderzieht, doch wird die
Folgeleistung Dir nur Glück versprechen,
und Du wirst in Deiner Liebe niemals auch
Dein Glück erreichen, wenn sie nicht
vermag, in Dir den Schaffenden zu wek‐
ken. — —
4 Das Buch vom Glück
.Was Dich dann wirklich «glücklich»
macht, das ist Dein eigen Werk, — das
Schaffen aus dem Chaos der Gefühle, und
dieses Schaffens Folge: — — jene Harmonie
der Seele, die sich selbst vollendet,
wenn sie sich der anderen Seele schenkt. —
.Selbst jener sinnliche Genuß, der unter
Menschen, die kein höheres Verlangen ken‐
nen als den Trieb der Tiere, «Liebe»
heißt, zwingt niederste Gefühle dennoch,
schaffend sich ein Trugschloß zu erbauen, in
dem sie ihrer geilen Träume Götzenbild, als
Sklaven ihres kurzen «Glückes» sich errich‐
ten.
5 Das Buch vom Glück
.Denkst Du in Harmonien, so wirst Du
in Anderen Harmonien zum Erklingen
bringen, doch denkst Du Verderben und
Chaos, so wirst Du auch in Anderen Ver‐
derben und Chaos bewirken. — — — — —
.Du kannst Dich selbst nicht gesund er‐
halten ohne stete, kontinuierlich festgehal‐
tene Gedanken voll Gesundheit, Schön
heit und Kraft, und Du wirst gleichzeitig
auf Andere wie ein Seuchenherd wirken
durch deine Gedanken, wenn Du, in Deinen
Gebresten seelisch wühlend, nichts als Krank‐
heit und Siechtum zu denken weißt.
.Ich kenne einen, der wurde von den
Ärzten für «unheilbar» erklärt und seine
Krankheit war von einer Art, die noch
heute kein Arzt zu heilen weiß, —
aber durch seiner Gedanken Kräfte hat er
sich selbst geheilt und lebt seit Jahr‐
zehnten als gesunder Mensch.
.Ich kenne einen Andern, dem offenbarte
man auf seinen dringenden Wunsch, daß er
«im besten Falle noch vier bis fünf
Jahre» zu leben habe; — er nahm keine der
ihm verordneten Medikamente, gebrauchte
keinerlei «Kur» und setzte es sich zum
Ziel, durch seine Gedankenkräfte al
lein sich am Leben zu erhalten. Nun sind es
fast zwanzig Jahre her, seit man ihn auf‐
gegeben hatte, — er lebt, ohne jede Kränk‐
lichkeit, in Frische und rüstiger Kraft, und
es erscheint ihm heute wie ein Traum, daß
er einmal die Ärzte brauchte. — — —
.Solche Menschen aber wirken wie Strah
lungszentren der Gesundheit auf ihre
weiteste Umgebung, auch wenn sie nach
strengen ärztlichen Begriffen nicht einmal
als de facto «geheilt» zu betrachten wären.
.Sie fühlen sich geheilt, und die Zeit gab
ihnen Recht, denn die Beschwerden sind
verschwunden.
.Die Sicherheit, die der Erfolg ihnen
gab, schafft ihren Gedanken weiter unwider‐
stehliche Gewalt, und so vermögen sie auf
weite Ferne als Gesundheitsträger nun
zu wirken. — —
.Denke stets Armut und Not, und Armut
und Not werden nicht auf sich warten las‐
sen, — fürchte stets irgendein Ungemach,
und das Mißgeschick wird sich mit Sicher‐
heit an Deine Fersen heften!
30 Das Buch vom Glück
.Ach nein, — Ihr, die Ihr um Euer Liebe‐
Glück Euch «betrogen» glaubt, — — Euer
erster Impuls, der Euch zueinander
führte, wird (in den allermeisten Fäl
len) Euch kaum betrogen haben, aber Ihr
betrügt Euch nun selbst, weil Ihr nicht
loskommen könnt von dem irrigen Glauben,
daß alles Liebe-Glück sich ohne Euer
Zutun finden lassen müsse...
.Ihr wißt nur noch nicht, daß Ihr Euer
Glück Euch erst schaffen müßt, soll es
Euch zu dauerndem Besitz, zu unver
lierbarer Lebensbereicherung wer
den! —
.Euer Wille, wirklich zum Glück zu
gelangen, war noch nicht rein!
.Zwar war der Wunsch, nun alles Liebe‐
Glück zu finden, wohl in Euch vorhanden,
aber «Wünsche» haben niemals befehlende
Gewalt und Euern Willen, der allein
Euer Glück hätte schaffen können, — habt
ihr in tausend kleinste Strebungen zer
splittert, statt ihn gesammelt auf das
eine Ziel zu lenken: Euer Glück zu
schaffen! — — —
.Wer immer sein Glück in der Liebe finden
will, und nicht nur «möchte», — der darf
hier nur sein Glück und nichts daneben
wollen.
.Er darf nicht von vornherein schon ge
sichert wähnen, was er erst schaffen soll, —
darf nicht wie ein Träumer Früchte ge
nießen wollen, bevor sie reifen konnten,
Früchte, die nur sein Traum ihm zeigt,
und die er schmerzlich vermissen muß, wenn
er durch ein plötzliches Pochen der Wirk‐
lichkeit aus seinem Traume erwacht. — —
.Vom ersten Tage seiner Liebe an muß er
den Willen zum Glück in sich zur Ent
faltung bringen und muß ihm alles unter‐
ordnen, was nur seiner Wünsche Ziel und
Sehnsucht ist. — — —
.Das Glück der Liebe läßt sich nur er‐
ringen, wenn man, mit einem wahren «Ei
gen-Sinn», mit dem Menschen, den man
liebt, auf die Dauer glücklich werden will. —
.Man darf nicht eine Sekunde mehr
mit dem Gedanken «spielen», daß es —
«auch anders kommen» könnte. — — — — —
.«Glück in der Liebe» ist, wie alles Glück,
ein Glück des Schaffenden, — ist die Be
friedigung, die wohlgewirktes Werk ver‐
leiht, ist «Werk» und Macht zum Werke...
.Das Werk der Liebe aber will stets den
geliebten Menschen glücklich durch uns
sehen, und als unser eigenes Glück wird die
Befriedigung empfunden, daß wir ihn
glücklich machen können. —
.Wer aber die Macht in sich besitzt, einen
anderen Menschen glücklich machen zu
können, der besitzt damit in gleicher
Weise auch die Macht, ihn tief unglück
lich zu machen. — —
.Faßt nicht ein fester Wille täglich neu
das Ziel ins Auge, die eigene Macht nur zur
Beglückung des geliebten Menschen zu
gebrauchen, dann wird diese Macht zur
Sklavin einer Dämonenschar, der Schar der
tausend kleinen und größeren Wünsche,
die das Leben des Tages stündlich wechselnd
erstehen läßt...
.Dann mag Deine Liebe, wenn sie echt
ist, zwar unter stetem neuem Leid am
Leben bleiben, doch das Glück der Liebe,
das Du in Wochen des Rausches und des
Träumens schon zu besitzen glaubtest,
wird gar bald Dich fliehen, statt zu dau
erndem Besitz zu werden. — — — — — —
.Ihr werdet Euch Beide fragen: «Wie
kommt es nur, daß wir uns nicht ver
stehen können, daß wir uns immer wie‐
der die trübsten Unglückstage bereiten,
nachdem doch, trotz all der gegenseitigen
Qual, unser Herz uns sagt, daß wir uns
dennoch wirklich lieben!?!» —
.Ihr werdet aber niemals die einzig er‐
lösende Antwort finden, werdet in guten
Stunden immer neue Pakte schließen,
um sie bald darauf schon wieder zu ver
letzen, werdet Euch aneinander zerreiben
und zermürben, und, — wenn es gut geht, —
schließlich in Resignation ein leidliches
Leben nebeneinander führen, — — überzeugt,
daß Ihr Beide nur Opfer eines grau
samen Schicksals seid...
.Aber alles dies ist in den weitaus meisten
Fällen nichts als Täuschung, ist Folge
eines Wahns, der sich ein Glück erträumt,
und nach seiner Träume Vorbild wünschend
erhofft, statt es zu wollen und festen
Willens zu erschaffen. —
.Noch heute ist Euch das Glück der
Liebe nicht verloren, wenn noch ein
Fünklein echter Liebe tief verschüttet
in Euch glüht, sobald Ihr Euch der Er
kenntnis nicht verschließen wollt, daß Ihr
nur deshalb Eurer Liebe Glück nicht
fandet, weil Ihr es findbar erhofftet, ohne
es selbst zu schaffen, weil Ihr ernten
wolltet ohne Saat! — — —
.Noch heute könnt Ihr beginnen, das
Leben der Liebe wirklich leben zu ler‐
nen, könnt Euch erwecken aus dem
Traum, der Euch zu Unglück führte und
zu entsagungsschwerem Verzicht!
.Ihr werdet Euch gegenseitig wohl man‐
ches zu verzeihen haben, was schwer ver‐
zeihbar ist, — und manches böse Wort wird
sich nicht leicht aus Eurer Seele tilgen lassen,
allein — wenn Euch jemals, auch nur für
Stunden, wahrhafte Liebe einte, dann
werdet Ihr bald mit aller Klarheit sehen,
daß Ihr einem Selbst-Betrug erlegen
wart, und daß alles, was Ihr Euch zu ver
zeihen haben werdet, nur gegenseitig einem
Phantom entgegengeschleudert war, das
Ihr verbittert aus Euch selbst gestaltet habt,
an das Ihr glaubtet und auch heute noch
wohl glaubt, weil das Phantom dem einst
Geliebten Vorbild wurde, sich tatsäch
lich auch nach ihm zu formen...
.Ihr müßt Euch vor allem nun anders
sehen wollen, wenn Eure Liebe noch ge
sunden soll, wenn Ihr Eurer Liebe Glück
in nunmehr wahrhafter «Ent-Täu‐
schung», also: von Täuschung frei, — er‐
schaffen wollt! —
.Nicht leicht mag es Euch werden, im
Anfang jenen steten Argwohn zu besiegen,
jenen «argen Wahn», der förmlich danach
sucht, ob nicht der einst Geliebte, und nun
vielleicht schon lange Zeit fast Gehaßte,
doch noch das Bild des Phantoms in
seinem Herzen trägt...
.Aber wenn trotz aller Anfangs-Rück‐
fälle, täglich und stündlich der eigen-sinnige
Wille erneuert wird, die Macht, die Ihr
gegenseitig über einander besitzt, nur
auszüuben, um den Anderen wahrhaft
glücklich zu machen, dann werdet Ihr
sicher in Bälde lernen, Euer Glück zu schaf
fen. — — —
.Du wirst vielleicht sagen: «Ja, aber was
nutzt es mir, wenn ich selbst auch den
besten Willen habe, uns zum Glück zu füh‐
ren, wenn aber mein Partner nicht des
gleichen Willens ist? — — »
.Solange Du noch so fragen kannst, hast
Du noch nicht begriffen, was es heißt: —
sein Glück zu schaffen!
.Du möchtest Dich immer noch von außen
abhängig sehen, und wagst es noch nicht,
Dich auf eigene Füße zu stellen.
.Du schenkst Dir selber noch kein Ver
trauen und bist noch weit davon entfernt,
Deinen Willen wirklich gebrauchen zu
wollen. —
.Sobald Du Dein Liebe-Glück Dir wirk‐
lich schaffen willst, darf es Dich wenig
stören, ob der Geliebte Deinen Wünschen
«entgegenkommt» oder ihnen entgegen
handelt. —
.Du mußt Deine eigenen Wünsche völlig
zur Ruhe bringen, damit sie Deinen Willen
nicht mehr stören können!
.Du darfst nichts anderes wollen, als
den Erfolg Deiner Macht, den geliebten
Menschen glücklich machen zu können. —
.Im Genuß des Erfolges wirst Du dann
selber glücklich werden!
.Hier gilt es Selbst-Beherrschung zu
lernen, um sich selbst zum Erfolge zu
führen. — — — — — — —
.Du wirst Neigungen zu bekämpfen,
aufwallende Affekte zu bändigen haben,
wirst stündlich Wünsche unterdrücken
lernen müssen, — aber alles dieses wird Dir
eine Quelle des Selbst-Genusses werden,
denn Du wirst fühlen, welches Glück Du
allein Dir schon dadurch schaffst, daß Du
Herr wirst über Dich selbst, wo Du bis
heute vielleicht noch nicht einmal zu ahnen
vermagst, wie sehr Du noch in den Skla
venketten alles dessen liegst, was —
nicht Du selber bist...
.Du läßt Dich vielleicht heute noch in
Erregung bringen, wenn Du siehst, daß
der geliebte Mensch eine Sache, die Du
richtig erkennst, in durchaus falscher
Weise betrachtet, wenn Du siehst, daß er
Vorlieben hegt, wo Du Abscheu empfin‐
dest, daß sein «Geschmack» ihn Manches
lieben läßt, was Dir fast «unerträglich
geschmacklos» erscheint. — —
.Was sind aber alle diese Dinge gegen der
Liebe Glück!?!
.Wie lächerlich nebensächlich ist doch
dies alles gegen das Glück, das zwei Lie
bende sich geben können!
.Wer immer auch von Euch Beiden in sol‐
chen Dingen «Recht» oder «Unrecht»
haben mag, kommt gar nicht in Be
tracht, wo es gilt, das Glück einer Liebe
aufzurichten!
.Es ist nur übelste Sucht nach Macht‐
Ersatz, wenn Du immer darauf beharrst,
daß der von Dir geliebte Mensch in Deiner
Auffassung der Dinge auch die seine sehen
soll, magst Du nun wirklich «Recht», oder
nur in eingebildetem Rechte, durchaus
«Unrecht» haben. —
.Wenn Du erst Deine Macht, den geliebten
Menschen glücklich machen zu können, er
folgreich sehen wirst, dann wirst Du auch
mit Staunen sehen, wie Eure früher so entge
gengesetzte Art die Dinge zu betrachten,
— plötzlich zu Vereinigung kommt. — — —
.Dann wirst Du beschämt Dir gestehen
müssen, daß doch all Euer früheres Streiten
um nichtige Dinge, die Euch so «wichtig»
erschienen, — nur eitel Torheit war. —
.Du wirst dann erkennen, daß Ihr ver‐
geblich Eure «Ansichten» zu einigen er‐
strebtet, solange ihr noch selbst nicht ge‐
einigt waret. — —
.Das Glück der Liebe will erst geschaf
fen werden, bevor es aus Euch jene «Ein
heit zu Zweien» gestalten kann, die aller
Trennung, aller Scheidung spottet, und
Euch vereint in allem Denken und Emp‐
finden. — — —
.Auch in Eurer Liebe, — mein Freund, —
meine Freundin, — seid Ihr verpflichtet, —
glücklich zu sein, — — und all Euer «Un
Glück» ist nur — Pflicht-Verletzung!! — —
44 Das Buch vom Glück
.Hier wird die Rede sein von einer
Kraft, die geistig alle Kräfte dieser Erde
meistert, — von einer Kraft, die nur die
wenigsten in sich erleben, da sie zwar vieles
kennen, was sie „Liebe” nennen, jedoch,
zu leicht befriedigt, sich damit begnügen,
ohne ihre eigene tiefste Tiefe zu ergründen,
in der sich erst die Kraft der Liebe ihnen
offenbaren könnte.
.Nur der aber, der in sich selbst seine
tiefste Tiefe ergründet, wird dort auch die
Be-gründung jener weisen Liebeslehren
finden, die ihm der heiligen Bücher alte
Texte aufbewahren, — wie sie wohl jeder
„kennt”, soweit die Worte dieser Bücher
ihn erreichten, doch die nur selten einer
im Geiste erfaßt, da keiner ahnt, daß ein
Gesetz in diesen Lehren Offenbarung wird,
dem auch der Mächtigste sich beugen muß,
will er trotz aller Macht, nicht früher oder
später — an sich selbst — zerschellen. —
.Wüßte man, was die Liebe in Wahrheit
ist, dann hätte längst das Antlitz dieser
Erde sich gewandelt, und alles Leben
hätte längst sich stets erneuter Qual ent‐
wunden. — — —
7 Das Buch der Liebe
.Was er erkannte, war dann nicht mehr
jene „Liebe”, die er vordem zu erkennen
glaubte, denn er gewahrte eine Urgewalt,
die ihre Schauer ihm durch Mark und Kno‐
chen sandte, — die ihn erbeben ließ in
innerstem Erleben und ihn zum Herrscher
machte, wo er vordem Sklave war! —
9 Das Buch der Liebe
.Es gab so manchen, der sich in der
Liebe glaubte, weil er nicht hassen konnte.
.Doch dieses Unvermögen ist noch lange
nicht Gewähr dafür, daß man die Liebe
kennt!
.Haß ist der Gegenpol der Liebe, ist
die gleiche Kraft in ihrer Umkehr, —
und wer nicht fähig ist, zu hassen, obwohl
er längst erkannte, daß nur Torheit sich
dem Haß ergibt, der wird auch niemals
diese Liebe in sich finden, von der Paulus,
wahrhaftig ein Liebender, zu sagen wußte:
.Wenn ich mit Menschen- und
Engelszungen redete, und hätte die
Liebe nicht, so wäre ich gleich einem
tönenden Erz oder einer klingenden
Schelle.” — — —
10 Das Buch der Liebe
.Sowohl die indische Sage, wie das Wort
des den Christus Jesus predigenden „Völker‐
lehrers” Paulus läßt den Tieferschürfenden
erahnen, daß wahrlich hier doch nicht nur
von Gefühlstrunkenheit die Kunde geht,
— daß hier vielmehr die hohe Kraft allein
verherrlicht werden soll, die, wie ich ein‐
gangs sagte: — aller Erdenkräfte geistige
Herrin ist! —
.Verschieden ist die Form der Offen‐
barung dieser Kraft im Erdenleben.
.Du findest sie in jeder Pflanze, jedem
Tier, und aller Gattungstrieb ist ihrer All‐
gewalt Bezeugung...
.Doch findest du sie so erst auf der tief
sten Stufe ihres Wirkens und du wirst
hier gewiß nicht auch zugleich ihre höchste
Wirkungsart erkennen, obwohl auch hier
schon weitaus mehr zutage tritt, als du bis‐
her vielleicht erspähen konntest. — — —
.Hättest du jemals, obwohl es dir wahr‐
lich nahe liegen müßte, — in dieser tief
sten Form der Liebe schon die Schöpfungs
schauer entflammter Gattungstriebe dir zum
Zeugnis dienen lassen, dann wärest du längst
schon zu der Erkenntnis gelangt, daß solche
Urgewalt gewiß auch mehr vermag, als
aus dem Irdischen das Irdische zu zeugen! —
.Du hättest längst zugleich erkannt, daß
diese Schöpfungsschauer auch der höch
sten Form der Liebe eignen müssen, und
wärest wohl gewiß dem holden Irrtum nicht
erlegen, der da bewirkt, daß dir ein sänftig‐
lich Gefühl der Zuneigung und from
mer Weichheit schon zu genügen scheint,
um, nach dem Worte jenes Liebenden, keine
„klingende Schelle” und kein „tönendes
Erz” zu sein. —
.All das, was der hier bezeichnete wahre
Liebende noch weiter von der Liebe Be
kundungsweise sagt, sind nur die Zei
chen, die der Liebe folgen werden, dort,
wo sie in höchster Form sich offenbart. —
.Du aber hast diese Zeichen für die
Liebe selbst gehalten und mühst dich nun,
die Zeichen hervorzubringen, die dir von
selbst zu eigen werden würden, hättest du
die Liebe! — — —
12 Das Buch der Liebe
.Wenn hier der Liebe Lichtkraft deinem
Schauen sich enthüllen soll, so ziemt es sich
19 Das Buch der Liebe
.Hier ist ein Mysterium, das ich an anderer
Stelle schon, mit Scheu nur, zu enthüllen
wagte, — und nur, weil Pflicht es mir ge‐
bot...
.Wer es erfassen kann, der fasse es!
.Hier ward ein Geisteskraftstrom allem
Menschengeist erschlossen durch die Liebe,
die dieses Buch dir kündet, ein Kraftstrom,
der nur durch das Opfer eines allgewaltig
Liebenden erschließbar war. —
.Hier wurde der „Gott” der Rache, —
der ärgste Dämon der Unsichtbaren im
physischen Kosmos, — von einem Erden‐
menschen überwunden durch die absolute
Austilgung jeglicher Racheregung: —
ein Werk, das nur der höchsten Form ur‐
geistiger Liebe möglich werden konnte...
31 Das Buch der Liebe
.Und doch, mein Freund, wirst du die
Liebe, die der Meister kannte, nimmer
finden, wenn du in dir nur süßliche Ge
fühle weckst und deine Menschenfreund
lichkeit gepaart mit Mitleid, — „Liebe”
nennst! — —
.Schlecht paßt zu diesem Schwächebild
vermeinter „Liebe”: der von Verachtung
des Verächtlichen erfüllte Meister, der sich
im Gefolge der Seinen Stricke dreht, das
Händlervolk der Tempelschänder aus
zutreiben, — der für der Wechsler
Gold nur einen Fußtritt hat, und der
die Priester seines Volkes jene bösen
Worte hören läßt, die sie in ihrer Rach
sucht nimmermehr vergeben konnten!
48 Das Buch der Liebe
.Ach nein, — wenn du die Liebe in dir
Wirklichkeit und Leben zeugen sehen
willst, dann mußt du wahrlich andere
Wege gehen, als jene, die man dir zu zeigen
wußte!
.Kannst du denn nicht verstehen, daß
die Kraft der Liebe sich auf ihrer höch
sten Stufe keineswegs in schwächerer Be‐
kundung zeigen wird, als dort, wo sie in
niederer Form schon all dein Sinnen,
Tun und Trachten steigert, so daß du oft
Fesseln sprengst, die vorher nie dir lösbar
schienen?!? —
.Nur, wenn du etwas in dir suchst, das
auch in höchster Geistigkeit die gleichen
Kräfte weckt, und alles meistert, was
dich sonst in Banden hält, wirst du die
Liebe, die der Meister lebte, in dir finden
können! — —
.Dann erst wirst du die Freiheit der
Kinder des Lichtes” erlangen und jenen
Frieden, den die Welt nicht geben
kann”!
49 Das Buch der Liebe
.Sage nicht, du habest die Liebe, so‐
lange du noch Sorge trägst um dich selbst!
.Den „Lilien des Feldes”, — die im Orient
wild über weite Strecken wachsen, — und
den „Vögeln des Himmels” gleich, darfst du
die Sorge um dich selbst nicht mehr
kennen, wenn du der Liebe fähig werden
willst, in ihrer höchsten Form!
.Solange dich noch die gemeine angst‐
genährte Sorge um dich und dein Erden
schicksal quält, — die nichts anderes als
offenkundiger Mangel an Vertrauen zum
Ewigen ist, — weißt du wahrlich noch nichts
von der Liebe, die einst der hohe Meister
lehrte, — der Liebe, die allein dir die Frei
heit geben kann. — —
.Du versklavst dich selbst deiner Sorge
und kannst doch bei allem Sorgen nichts
dadurch gewinnen!
.Die göttlichste Kraft aber ruht un
genutzt in dir, da du sie nicht zu ge
brauchen weißt!
.Du „liebst” vielleicht „aus ganzem
Herzen” alle, die dir „teuer” sind, die du
nie in diesem Erdenleben verlieren möch‐
test, und du hast dich wohl gar zu einer
„allgemeinen Menschenliebe” überredet, —
ja du „liebst” die Tiere und die Pflan
zen, „liebst” alles, was du erblicken magst?
.Du wirst erstaunt sein, wenn ich dir
sage, daß du trotz alldem, schwerlich schon
in der Liebe lebst!
.Die Sprache deines Landes kann dich
hier belehren, denn du pflegst von einem,
den du auf deine Weise „liebst” zu sagen:
Ich habe ihn gern.” —
.Auf das „Haben” kommt es dir bei
deiner „Liebe” an und auf ein Wohl
gefühl bei diesem „Haben”, — sei es auch
nur ein „Haben” durch Sehen und Hören,
oder durch bloßes Bewußtsein, daß ein
nahe oder ferne weilender Mitmensch dir
zugehöre! — —
.Die Liebe aber, von der des „großen
Liebenden” Lehre redet, die Liebe, von der
dieses Buch hier dir künden soll, ist eine
geistige und zugleich auch irdisch, allem
Leben einverwobene urweltliche Kraft, die
dich so durchströmen muß, wie dich die
niedere Form der gleichen Kraft durch‐
strömt in alles überwindendem Erschauern,
wenn du die Liebesflammen deiner Erden
tierheit in dir brennen fühlst! —
.In dieser „irdischen” Liebe begehrst
du noch, denn hier will die Liebe den
Gegenstand der Liebe; — in ihrer „himm‐
lischen” Form aber wird sie sich selbst
zum Gegenstand, so daß hier jedes Be
gehren dich verläßt! —
.In der „irdischen” Form der Liebe
ist stets ein Ver-langen, ein Daneben
langen, — ein Greifen nach außen und
ein Heranziehen; — in ihrer „himm‐
lischen” Form jedoch wird sie inneres
Leuchten, ein Strahlen und Wärme
geben, — ein Überströmen aus dem In
nern über alles Äußere...
.Diese hohe Form der Liebe erst wirkt
alle wahren Geisteswunder innerer Er
weckung, läßt alles das „von selbst” in
dir werden, um das du dich noch mühst,
es zu erlangen, im Glauben, irgend eine
mysteriöse Methode, irgend ein „Training”
könne es dir eines Tages bringen!
.Deine Menschenfreundlichkeit aber,
und dein geistiges Besitzverlangen, das
du „Liebe” nennst, können dir freilich
niemals die Kraft zu eigen werden lassen,
die in wörtlichster Wahrheit „stärker ist
als der Tod”! — —
.Alles, was du bis jetzt mit dem Worte
„Liebe” zu bezeichnen pflegtest, wenn du
nicht nur an die tiefere Stufe der Liebe
dachtest, in der sich die Leiber begehren,
— alles das wird erst wahrhaft vollendet
werden, wenn du selbst erfüllt bist von
der Urfeuerkraft der Liebe!
.Deinem ganzen Sein wird alsdann ent
strömen, was du jetzt noch mit mancher
Mühe zu verwirklichen suchst! —
.Was dir heute noch „Pflicht” und
Tugend” heißt, wird dann die selbstver‐
ständlichste Erfüllung deines Daseins
werden! —
.Du kannst auch die Urfeuerkraft der
Liebe nicht in dir entflammen, ohne in
einemfort ihre Strahlen aus dir zu er
gießen, und alles, was dir nahekommt,
wird dieses stete Strahlen empfinden.
.Was ehedem nur Widerstand oder An‐
griff war, wenn es dir begegnete, wird dann
dir entgegenkommen, um sich mit dir aus
freien Stücken zu verbünden!
.Eine innere Umkehr aber wird von dir
verlangt, willst du zu einem Sonnenfeuer
höchster Liebeskraft entbrennen. —
.Ohne diese bewußte Umkehr, ohne solche
dauernd festgehaltene neue Einstellung dei‐
nes Strebens, wirst du gewiß nicht in die
Liebe gelangen!
.Du wirst dich wandeln wollen müssen,
willst du dich verwandelt sehen! — —
.Bisher warst du auch im Geistigen
ein Verlangender, — aber man kann dir
hier nur geben, was du noch nicht be
sitzest, einerlei, um was immer du bitten
magst, und ob du um deinen geistigen
Besitzstand weißt, oder nicht. —
.Du aber besitzest bereits, wenn auch
ohne dein Wissen, in dir die hohe Kraft
der Liebe, von der ich rede, so daß man
sie dir nicht erst zu geben braucht, und
es kommt nur auf dich an, ob du sie
gebrauchen willst, damit sie sich dir offen‐
bare! —
.Du mußt zur „Sonne” werden wollen, —
zur „Sonne”, die aus sich selber leuchtet,
— — und sobald du diesen Willen dauernd
hegst, wirst du mehr und mehr im Feuer
höchster Wirkungsweise der Liebe erglühen!
.Noch hast du zu viel Furcht vor diesem
Entbrennen!
.Deine törichte Angst, dich etwa zu ver‐
lieren, hält dich von dem Wagnis zurück,
das du wagen solltest!
.Du fühlst in dir wohl eine mäßige
Wärme, nennst sie „die Liebe”, und läßt
dir gerne daran genügen, — nur wunderst
du dich dann, daß dieser schwachen Wärme
Strahlen nichts in dir und nichts nach
außen hin vermögen, ja daß sie auch in
deinem Erdenschicksal völlig machtlos
bleiben! —
.Du ahnst noch nicht, zu welcher Strah
lungskraft du gelangen könntest, wenn
du dich selbst zur „Sonne” wandeln woll‐
test, statt träge nur von anderen Sonnen
erwärmende oder stärkende geistige Strahlen
zu erwarten!
.Alles in dir muß fortan geben wollen,
wenn du das Höchste, das in dir selber
ist, aus dir empfangen willst! — —
.Mag dir auch nur ärmlich wenig schei‐
nen, was du vorerst zu geben hast, so
wird doch selbst dieses Wenige schon völlig
genügen, um dich zum „Strahlen” zu
bringen, wenn nur dein Wille intakt bleibt,
mehr geben zu wollen als von anderen
zu erwarten!
.Von einem indischen Fürsten wird
berichtet, daß er einst einen Yogi fragte,
welches die Empfindungen eines Vollende‐
ten seien? Der Yogi aber sagte darauf, man
habe ihn ebenso einst nach den Gefühlen
eines Liebenden gefragt und er habe nur
antworten können:
.Wenn du ein Liebender bist, wirst
du es wissen.” —
.So kann auch ich hier von der höch
sten Form der Liebe, als einer ewigen,
urweltlichen Kraft nur immer in Bildern
reden, denn ich kann dir ebensowenig diese
himmlische” Liebe in Worten erklären,
wie ich dir jene andere Form der Liebe
in Worten faßbar machen könnte, die man,
da sie nur allein im Erdendasein sich
auswirkt, die „irdische” Liebe nennt. —
.Du mußt in beiden Fällen dich von der
Liebe entflammen lassen, wenn du wissen
willst, was die Liebe in ihrer ans Physi
sche gebundenen, oder in ihrer höchsten
geistigen Form in Wirklichkeit ist!
.Wie du als ein erdenhaft Liebender die
irdische” Form der Liebe in dir trägst,
auch dann, wenn ihre Glut zur Zeit dich
nicht entbrennen läßt, so ist auch jeder
zeit, obwohl sie dir noch nicht bewußt
ward, zugleich die „himmlische” Form
der gleichen Kraft in dir, die über dieses
Erdendasein weit hinaus in Wirkung tritt,
und dir auf Erden eine Götterfreiheit
gibt, weil alles sich ihr beugen muß, was
dir begegnen kann. — —
.Von solcher Liebe und ihrer Allgewalt
sprach einst der hohe Meister aus Nazareth,
und er selbst nahm alle seine Kraft aus
dieser Liebe...
71 Das Buch der Liebe
.Die Liebe, von der wir hier reden, aber
wirkt stets aus sich selber, ohne Anstoß
von außenher!
.Wie lange noch soll sich der Mensch der
Erde dieser Liebe verschließen?! —
.Wenige nur haben um sie gewußt, —
wenige nur wurden ihr zum Gefäße, — aus
all den Geschlechtern, die je dieser Erden‐
sonne Licht empfingen.
.Die Kräfte der äußeren Erdnatur
lernten längst den Menschen als Herrscher
kennen, jedoch in seinem inneren Bereich
begnügt er sich in schwächlichen Versuchen,
mit seinen Kräften zu paktieren, da er die
hohe Kraft in sich nicht kennt, durch die
er nicht nur Herr der Innenkräfte sei
ner physischen Natur geworden wäre,
— sondern auch nach außen hin der höch‐
sten Wirkung mächtig, — würde auch nur
ein größerer Teil der Erdenmenschheit ge‐
meinsam sich in dieser Kraft ver-einen...
.Wo jemals Seelen aus dem Dunkel
fanden, wo jemals hohe Tat geschah, um
durch Jahrhunderte zu leuchten, wo je das
Tier im Menschen sich dem Geistesmen
schen unterwerfen mußte, dort war diese
hohe Kraft im Einzelnen erwacht und
konnte in die Vielen überströmen um sie
zu entflammen. —
.Immer wieder aber haben die so Ent‐
flammten alsbald das himmlische Feuer wie‐
der erlöschen lassen, weil sie zu träge
wurden, ihm aus Eigenem neue Nahrung
darzubieten...
73 Das Buch der Liebe
.In seiner Liebe letzter Vollendung löste
siegessicher er jene starre Fessel, die, seit der
Bindung durch die allererste Einkehr gei
stesmenschlicher Gestaltung in die Form
des Erdentieres, alles Menschsein hier auf
Erden eisenstark umwunden hielt! —
86 Das Buch der Liebe
.Wenn du des Zimmermanns, der des
Urlichts Leuchtender war, wie der, dem
diese Worte Formung danken, dich wahr‐
haft würdig willst erweisen, dann sei bereit,
die hohe Liebe in dir zu erwecken, die
dich verzehren muß, will sie dich selbst
zu einem neuen Sein verwandeln!
.Dann erst wirst du wahrhaft sein
Schüler, sein Jünger sein!
.Dann erst wird er dich in seiner Liebe
wissen, so wie er sich selbst in seines
Vaters” Liebe wußte! —
.Dann erst wird er dich als einen derer
anerkennen können, die der „Vater” liebt,
weil sie in des Vaters „Sohn” Vollendung
fanden...
.Dann erst wird Jehoschuah, der Zim
mermann aus Nazareth, von dem die alte
Kunde dir erzählt, und der dir entfremdet
ward durch alter Göttersagen Hörige, — die
ihn der Menschheit viel zu nahe gewahr‐
ten, so daß sie ihn mit ihrem Götterwahn
drapierten, — — dann erst wird er dir nahe
kommen, und dann erst wirst du in Wahr
heit sagen dürfen:
.Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!”
— — des Menschen-„Sohn”, der einst den
Seinen bestätigen durfte, daß er bei ihnen
bleibe „bis ans Ende der Welt”!
— — — — — — — — — —
.Aus der Urfeuerkraft der Liebe allein
ist es möglich, ein solches Versprechen
auch einzuhalten! —
.Wohl ist es dem in sich Vollendeten
ein unbeschreiblich hartes, dauernd dar‐
gebrachtes Opfer, sich nach dem Tode des
Erdenkörpers in einem Zustande zu erhal‐
ten, in dem er irdisch-eingeengtem mensch‐
lichem Erfühlen noch erreichbar bleibt...
.Aber man darf sich unter diesem, mir
und den mir Artgemeinsamen wohlbekann‐
ten Verharren im Fühlfelde erdenmensch‐
licher Bewußtseinsreichweite gewiß nicht
ein mysteriös umwittertes „Wunder” vor‐
zustellen suchen!
.Es handelt sich um nichts anderes, als
um eine geistgesetzlich genau begründete Be
wußtseinsfixierung, — weit über die Ver‐
brauchsdauer des irdischen Menschenkörpers
hinaus, — bis zum letzten Vibrieren seeli‐
schen Suchens im Bereiche dieses Planeten.
.Daß hier kein geringes Opfer gebracht
wird, ergibt sich schon aus der Notwendig‐
keit, in einem selbstgestalteten, zwar erden‐
sinnlich unwahrnehmbaren, und doch der
unsichtbaren physischen Welt noch ein‐
geordneten Körper — als dem Bewußtseins‐
träger — zu verbleiben...
.Solcher Bewußtseinsfixierung aber ist zu‐
gleich naturgeboten: alles seelische Leid
der ganzen Menschheit mitempfinden zu
müssen, und nur die Urfeuerkraft der Liebe
vermag es, solches Miterleiden allen mensch‐
lichen Leides dem selbstgebundenen Bewußt‐
sein des Leuchtenden ertragbar zu machen,
bis auch der letzte seiner irdischen Menschen‐
brüder einging ins Licht
89 Das Buch der Liebe
.Sie werden aus Leben und geistiger Tat
alsbald auch in die Liebe gelangen, und
in der Liebe entbrannt, dereinst zu ewigem
Leuchten!
.Dieses Leuchten aber aus dem Urlicht,
ist dein unvergängliches Ziel, und damit
du es dereinst erreichen wirst, suche ich
allen Schutt, der dich noch anfüllt und im
Dunkel hält, aus deinem Innern zu ent‐
fernen...
.Glaube mir, oder glaube mir nicht, —
nur handle nach meinen Worten und ver
halte dich folgerichtig ihrem Sinne
gemäß, damit du in dir selbst zu geistiger
Erfahrung kommst und dann nicht mehr
abhängig bist von der Bestätigung oder
dem Zweifel deiner selbstgesponnenen Ge‐
danken!
107 Das Buch der Liebe
.In urgewaltigem Drang offenbart sich
Liebe schon in ihrer irdisch niederen
Form, und hier schon zeigt sie sich als
Schöpferkraft, so daß älteste Kulte be‐
reits in dieser niederen Form der Liebe
letztes Geheimnis zu finden hofften. —
.Bis auf die heutige Zeit sind solche Kul‐
te erhalten, und irreleitende Lehren haben
das verderblichste Wähnen asiatischer Ge‐
heimsekten auf düsteren Wegen neuerdings
aufgegriffen, damit es auch im Abendlande
Verbreitung fände. Leider hat es weitere
Verbreitung gefunden, als die „aufgeklärte”
Öffentlichkeit der westlichen Weltstädte heute
noch ahnt! —
.Verhängnisvolle Zerstörungskräfte,
ausgesandt aus nachtschwarzen Tempelgrüf‐
ten teuflisch fanatisierter Asiaten, suchen
so ihre Opfer in der weißen Rasse!
111 Das Buch der Liebe
.Sie glauben der Lösung des Rätsels
aller Rätsel auf der Spur zu sein, und
lassen sich von selbstbetrogenen „Adepten”
sagen, auf diesem Wege werde göttliche
Freiheit winken, während sie nur der Schar
der höllischen „Hunde des Abgrundes
harmlos entgegenlaufen, denen schon die
Lefzen triefen vor Gier, ihre Seelen zerreißen
zu können, so wie sie jene bereits zerrissen
haben, die diesen Arglosen heute als macht‐
erfüllte Meister ihres teuflisch verwirrten
Glaubens dünken. —
.Wohl waren Phallus und Yoni seit ur‐
alten Zeiten heilige Symbole, und beide
Gegenpole bilden der tiefsten Mysterien hei‐
lige Anker im Erdenleben, doch — wer hier
suchen möchte, bevor man ihn sucht, der
hüte sich wohl, daß er nicht die Wirkungs‐
region verwechsle, und statt der „heiligen
Anker”: schlüpfrige Schlangen aus der
Tiefe hole!
.Es gibt wahrlich kein Gebiet okkulter
Kräfte, das so der Täuschung Raum ge‐
währt, wie der Bereich des Sexualmyste
riums!
— — — — — — — — — —
.Wehe denen, die hier zu finden glau‐
ben was sie suchen! —
.Sie werden im besten Fall ihre som
nambulen Kräfte wecken, die ihnen jedes
Trugbild gerne gewähren, das ihr Wähnen
nährt, bis sie, in solcher Verstrickung sich
wie die Götter” wähnend, zu spät, und
unerlösbar geworden, einst in Verzweiflung
entdecken, daß sie der „Schlange des Pa
radieses” Gehör gegeben hatten. —
.Wer auf diesen Wegen sich weiß, der
reiße sich eilends los von allem, was
ihn an diese Wege binden mag, denn die
Gefahr ist unnennbar groß! —
.Wer aber nicht alles, was ihm lieb war,
nötigenfalls verlassen kann um des „Him
melreichs” willen, der ist wahrhaftig des
„Reiches” nicht wert, und wird nicht hin‐
dern können, daß er hinausgeschleudert wird
in die äußerste Finsternis”, — wenn
nicht zu dauernder Vernichtung, so doch
zu äonenlanger dumpfer Qual im Wissen
um die eigene Schuld!
.Alles, was hohe und oft dunkle Worte
von jenem Geheimnis sagen, das irdische
Zeugungskraft und ihre Organe umgibt,
wird erst dann in Wahrheit erfaßt, wenn
man weiß, daß die hier verborgenen Kräfte
sich in ihrer segenbringenden Form nur
dem Vollendeten des Urlichts ergeben,
und nur als ungesuchte Folge der Vollen‐
dung!
.Allerdings verhält sich die dem wahr‐
haft Berufenen mögliche geistige Lösung die‐
ser Kräfte zu dem, was da in gewissen „eso‐
terischen” Zirkeln vorgeht, wie höchstent‐
wickelte Chemie zu dem absurden Treiben
wahnwitziger Sudelköche. —
.Wer nicht zu den geistig Vollendeten
gehört, die, ehe sie auf Erden geboren
wurden, höchste „Meisterschaft” erlangten,
der bleibe hier allem Suchen fern, denn
was er zu finden vermeint, wird er hier
niemals finden, und was er finden kann,
würde ihn nur zur Beute dunkler Ge
walten werden lassen, der seit der Urzeit
Tausende und Abertausende in die Netze
gerieten, oft noch für geraume Zeit in die‐
sem Erdenleben angestaunt als wahre „Adep‐
ten”, und ihren Vernichtern so als Köder
dienend für weitere Vernichtungsopfer! —
.Ich brauche wohl kaum zu sagen, daß
ich hier alle geheimgehaltenen „Methoden”
kenne, die solche vermeintliche „Geistes‐
kräfte” entfesseln können.
.Ich kenne jedoch auch das Schicksal
derer, die sie entfesselt haben, und darum
wird mir die Pflicht der Warnung, — für
alle, die sich warnen lassen wollen. — —
115 Das Buch der Liebe
.Euch allen aber, die ihr nach Licht und
Erleuchtung sucht, und nicht euch trü‐
gerischen Täuschungskräften übergeben
möchtet, denen nichts anderes zugänglich
wird, als was in eurer Körperzellen
Ahnenreihe aufgespeichert wurde, —
euch allen will ich hier der Liebe Schöpfer
kräfte am Werke zeigen, so wie sie euch
zuteil werden können ohne jegliche Gefahr:
— in jener hohen „himmlischen” Bekundung
ewiger Liebe, die lebendes Licht in euch
gießt und leuchtendes Sonnenfeuer,
gleichwie sie in „irdischer” niederer Form
nur den Brand der Sinne entfacht, um eure
Art zu erhalten und euch ahnen zu las‐
sen in dieser Glut, daß sie auch wahrlich
Höheres vermag. — —
116 Das Buch der Liebe
.„Okkulte Kräfte” werden allerdings in
der „irdischen” Liebe nicht von solchen
gesucht, — wohl aber können sie in ihr,
wenn seelisches Empfinden leibliche Ver‐
einung überhöht, die ersten Ahnungs
schauer finden, die sie empor zu höchster
Form der Liebe leiten, — dorthin, wo sie
himmlisch” wird, da sich ihr Wirken über
dieses Erdenleben hoch hinauferhebt, über
die fernsten Sterne hoch empor, bis in
das reine Lichtreich ewiger Gestaltung, das
nur denen sich erschließt, die „reinen Her
zens” sind.
— — — — — — — — — —
.Doch muß dir nicht auf Erden „irdi
sche” Liebe werden, um zu der höchsten
„himmlischen” Form der gleichen Kraft
zu gelangen!
.Wohl sollst du gewiß die „irdische
Form nicht fliehen, wenn sie dir nahen will
in seelischer Überhöhung, — in wahr‐
haft heilig gehaltener Ehe, — doch wenn
du sie nur als bloße Befriedigung leibli
chen Begehrens finden könntest, dann rate
auch ich dir zur Enthaltung, obwohl ich
wahrhaftig weit, weit von jenem Wahn mich
weiß, als sei Enthaltung von „irdischer”
Liebe der geforderte Preis für höchste see‐
lische Entfaltung. —
.Lieber aber noch sollst du mit wachem
Willen auf eine Erdenglückesmöglich
keit verzichten, als daß du in tierhafter
Brunst das heilige Feuer entweihst. — —
118 Das Buch der Liebe
.Die höchste, „himmlische” Form der
Liebe kann sich dir enthüllen, selbst in
deinem nüchternsten Tagewerk, und gar
mancher saß schon am Webstuhl oder ging
hinter dem Pfluge her, dem sie in all seiner
Einfalt zu eigen ward, während andere sie
auf hohen Kanzeln verkünden konnten
ihr Leben lang, ohne sie jemals in sich
selbst zu finden. — —
.Selbst dort, wo du wahrhaftig nur in
Mühsal werkeltäglich Tun zu treiben
glaubst, kann sie in dir sich schöpferisch
entfalten...
.Weit stärker noch empfindet sie wohl ein
jeder am Werke, der sich zu schöpferischem
Tun berufen weiß: — der selbst gestaltend
formt, wozu der Geist ihn treibt.
.Kein großes Werk echter Kunst ist hier
auf Erden je entstanden, ohne die Schöpfer
kraft der Liebe, die den Formenden er‐
füllte!
.Doch wäre es wahrlich ein enger Irrtum,
wollte der Künstler allein sich solcherart
begnadet wähnen!
.Es gibt gar vieles Tun in diesem Erden‐
leben, bei dem in anderer Art, auf weniger
sichtbare Weise, der Liebe Schöpferkraft
den Wirkenden erfüllen muß, soll seines
Lebens Werk die höchste Weihe tragen!
.So manches Tun, das recht ferne dem
Bereich der hohen Kunst sich auswirkt,
kann in höherer Betrachtungsweise der glei
chen Urgesetze Offenbarung zeigen, und
den gleichen schöpferischen Drang ver‐
langen, der sich im Werk des Künstlers
nur in augenfälligerer Art bekundet.
.Es gibt kein Erdenwirken für den Men‐
schen, das nicht der Liebe hohe Schöpfer
kraft aus seiner Enge Fessel lösen könnte!
.Doch, willst du die Schöpferkraft der
„himmlischen” Liebe in ihrer wundersam
sten Auswirkung erkennen, dann mußt du
selbst dich ihr als Material der Formung
überlassen!
.Vergeblich wirst du aus dir selbst
heraus versuchen, deine höchste Form
zu finden, solange du nicht willig durch der
Liebe Schöpferkraft dich wandeln lassen
willst!
.Vergeblich wirst du Tag um Tag an dir
zu feilen und zu schleifen suchen, solange
du die Schöpferkraft der „himmlischen
Form der Liebe hinderst, aus dir selbst
das Götterbild zu formen, das den Geist
in dir verkörpert zeigen soll!
.Aus deiner Formkraft Auswirkung al
lein kann es sich nie gestalten, so sehr
auch die ewige Schöpferkraft der Liebe
deines Wirkens Kräfte, die sie selbst dir
gab, zu ihrem Werk bedarf! —
.Du sollst gewiß nicht müßig sein, und
deine Eigenkräfte können nur durch stete
Übung so erstarken, daß sie der hohen
Schöpferkraft der Liebe wahrhaft Werk
zeug werden bei der Formung deiner selbst;
— allein du wirst das Werkzeug nur der
geistigen Meisterschaft höchster Liebe an‐
vertrauen dürfen, willst du dich selbst in
höchster Form erstehen sehen!
— — — — — — — — — —
.Auch dann noch wird, solange du auf
Erden leben magst, gar manches Äußere
der höchsten Formung sich nicht stetig
gen wollen und du wirst immerfort das
Werkzeug tauglich halten müssen, damit
die hohe Form, die dir verliehen ward, nicht
wieder schwindet, und nur ein Torso übrig
bleibt, der schmerzvoll ahnen läßt, was
hier einst schon gestaltet war...
121 Das Buch der Liebe
.Noch ward auf dieser Erde keiner je
vollendet durch die Schöpferkraft der
Liebe, dem nicht des Erdenlebens nimmer
ruhende Zerstörungskräfte seine hohe Form
bedrohten, und wenn du etwa glaubst, die
Leuchtenden des Urlichts seien hier wohl
aller Sorge ledig, — so lasse dir sagen, daß
auch sie, wie jeder, der des Tieres Leben
seinem Ewigen zu einen sucht, sich stünd‐
lich wach erhalten müssen, wollen sie nicht
aus dem hohen Leuchten fallen, wie ein
Stern, der plötzlich in den Abgrund fährt,
und dort zerstäubt in seine Uratome!
.Es sind solche Fälle zwar überaus selten,
aber sie sind immerhin möglich.
.Im äußeren Leben wird aus einem sol‐
chen Gefallenen dann ein furchtbarer Fana
tiker der Bosheit: — ein Mensch, der
„über Leichen geht”, und seinen größten
Selbstgenuß darin findet, alles allenthalben
zu zerstören, an dessen Aufbau er einst
beteiligt war...
.Es bleibt daher immer ein unerhörtes
Wagnis für jeden im Geiste dazu Vorberei‐
teten, die Berufung zur Einung des Geist‐
menschen mit dem Menschentiere freiwillig
anzunehmen, denn sein Erdenweg ist, weit
mehr als der aller anderen Menschen, von
zahllosen unsichtbaren Gefahren umdroht.
.Du wirst daher auch in dem Leuchten
den des Urlichts einen Menschen-Bruder
sehen lernen müssen, der, — wahrlich allem
Erdenmenschenfehlen nicht entrückt, — zu
kämpfen hat wie du, um aus dem Kampf
des Lichtes mit der Finsternis hervorzugehen
als ein Sieger, wenn einst sein Erdenlauf
vollendet ist!
123 Das Buch der Liebe
.Die solcher Machtlust Rausch einmal
genossen haben, sind fürderhin verloren
für die Stimme der Wahrheit, sind ver
loren für der Wahrheit unerbittlich fixierte,
geistige Voraussetzungen...
.Doch sollst du auch den für die Wahr‐
heit Verlorenen gewiß nicht zürnen, wenn
du der Liebe Schöpferkraft zu deiner
eigenen, höchsten Formung dich überlassen
willst!
.Du würdest sonst ein Hemmnis schaf‐
fen, das deiner Eigenformung schwere Schä
digung bewirken müßte! — —
.Du, den nach Licht und Leuchten
verlangt, — — lerne Barmherzigkeit üben
auch gegen jene, die dich am liebsten in
ihrem Dämmerdunkel halten möchten!
.Sie haben es meistens nicht selbst ver‐
schuldet, daß sie also werden mußten, wie
sie heute sind, — und allzu schwer ist es für
viele, sich furchtlos Fesseln zu entwinden,
die oft für sie die einzige Errettung vor
dem Sturz in noch weit tiefere Verfinste‐
rung bedeuten, für sie, die nur zu sehr in
allen Fasern fühlen, daß nur die feste Fes
sel ihnen Halt verleihen kann. — —
.Für viele dieser blinden Blindenführer
ist auch die Angst vor dem Versiegen der
Ernährungsquelle Grund genug um dem er‐
kannten Irrtum weiterhin zu dienen, dem
sie nur zu gern entsagen würden, wüßten
sie, wovon sie fernerhin leben sollten, mit
denen, die bislang ihre Pfründe leidlich
ernährt.
.Der „Sünde” längstvergessener Geschlech‐
ter dargebrachte Opfer hat die Menschheit
heute nun in den Nachkommen zu beklagen,
und neue Schuld nur würde sie zur alten
häufen, wollte sie die armen Engumfesselten
entgelten lassen, daß sie der Vorzeit starre
Banden noch tragen! —
.Die noch die Arme regen können, wer‐
den jedoch mit einem Male, und ohne
daß einer der Ihren fehlen würde bei dem
Werke, die Welt in Erstaunen setzen!
.Sie werden in aller Stille den Tag sich
bereiten, an dem sie ihre Banden sprengen
werden, — ohne Altgeheiligtes zu verletzen!
.Sie werden „den Greuel der Verwüstung
an heiliger Stätte” nicht mehr dulden und
werden neu das Heiligtum errichten!
.Sie werden denen nicht mehr glauben,
die ihnen sagen: da und dort ist der „Ge‐
salbte”, und werden gar manche, die „in
seinem Namen” kamen, ihres Ruhmes ent‐
kleiden!
.Sie werden wahrlich nicht zerstören,
und dennoch wird das Abgelebte sich er
neuern, weil sie die alte Form erst mit
der Fülle allen Lebens, das sie fassen kann,
durchlichten werden! — —
.Noch ist der Tag, an dem solches begin‐
nen wird, gewiß nicht zu bestimmen, —
doch daß er dereinst erscheint, ist so sicher
wie das Erscheinen eines neuen Tages nach
dunkelschwangerer Nacht!
130 Das Buch der Liebe
.Die hohe Schöpferkraft der Liebe
wird alsdann die so Erwachten lehren, dem
Leben neue Form zu schaffen!
.Sie werden ferne sein dem Wahn, daß
nur aus Trümmern sich der Menschheit
hoher Tempel auferbauen lasse, und jeder
wird sich selbst zum „Baustein” weihen,
sobald er erst erkannte, daß das höchste
Heiligtum des Lebens nur aus Lebendi
gem errichtet werden kann!
136 Das Buch der Liebe
.Vor allem aber trage Sorge, daß man
dich stetig in der Liebe finde!
.Nur, die in der Liebe sind, können
Führung finden hier wie dort, und erst
wenn das Traumreich selbstischer
Wünsche dich verläßt, wirst du in die
Liebe gelangen, die alles Trostes hehrste
Quelle ist! —
70 Das Buch des Trostes
.Es ward von den vielerlei Formen gespro‐
chen, unter denen der Mensch sein «Ich» zu
erkennen vermeint.
.Schliesslich bat man den Meister um Beleh‐
rung.
.Er aber liess sich also vernehmen:
.«Was dem nottut, der das Leben im
Ewigen sucht, — hier, wie in nachir
dischen Zuständen, — das ist nicht Ver‐
neinung seiner Individualität, sondern
die innere Verneinung, die Nichtaner
kennung der Person, als die ihn die
Aussenwelt und seine eigene Unwissen
heit — maskiert. — — —
.Wunschlos geworden als «Person», kann er
dennoch Wünsche in sich hegen, die weiter
weisen, — über seinen Zustand hinaus, — empor
zu reinerer Höhe, wenn auch die Wünsche nie‐
mals anders wirksam werden können, als da‐
durch, dass sie Willenskraft in ihrem Sinn
bewegen. —
.Nur solche Wünsche wurzeln im wahrhaft
Individuellen.
.Die Wünsche der Person aber sind immer
derart, dass sie als bleibend erhoffen, was vor
übergehen soll, und als Wahrheit nehmen,
was nur zeitliche Täuschung ist. —
.Sie führen in ihrer Erfüllung niemals höher
und hindern nur das freie Höhersteigen...
.Wo noch Persönliches gehätschelt wird in
Vorstellung und Wunsch, kann Ewiges, kann
«Individualität» noch nicht zum Ausdruck
kommen.
.Wer als Person sich selbst erhalten will,
muss anderes vernichtet wissen wollen.
.Immer noch findet er ein anderes ausser ihm,
das ihm im Wege steht. —
.Auch Individualität will nur sich selbst,
aber nur, um in sich selbst alles andere zu
erhalten. — — —
Alles was ist, weiss Individualität mit
sich selbst vereinigt.
.Sie kann sich selbst nicht lieben, ohne in
sich selbst auch alles andere in Liebe zu um‐
fangen. —
.Nie wird sie Persönliches hassen!
.Sie hat es ja als unreal erkannt...
.Es ist ihr wie die 'Rolle' eines Schauspielers
geworden. —
.Sie mag die 'Rolle' werten nach dem Grade,
in dem sie ihren Träger, als ewige Individua
lität, zum Ausdruck kommen lässt.
.Stets wird 'Individualität' nur jene Werte
suchen, die zur Erhöhung und zu reinerer
Gestaltung alles Daseins führen.
.Was dem nicht dient, wird ihr wie 'nicht
vorhanden' sein. — —
.Ewige Individualität und bleibendes
'Ich' sind ineinander eines. —
.'Person' ist enge Begrenzung!
.Individualität ist zeitlich wie räumlich
unendlich! —
.Keine 'Individualität' könnte jemals die an‐
dere hindern, sich selbst zu entfalten.
.Jede hat ihr unendliches Reich für
sich!
.Vereinigt mit allen anderen 'Individuali‐
täten' alle anderen durchdringend und von
ihnen durchdrungen, erlebt sie alle nur in
sich selbst. — — —
.Stets dem einzig Seienden entströmend,
baut sie nur sich selbst, als eine der unend‐
lichfältigen Formen des einzig Seienden. —
.Trotzdem erlebt sie alle anderen dieser For‐
men in sich selbst und weiss sich mit allen
formal identisch.
.Nichts ausser ihr kann ihr jemals zum Hin
dernis werden, und nichts kann sie vernich
ten, wenn sie in sich selbst begründet
ruht. — — — — — — — — — —»
50 Das Buch der Gespräche
In dieser letzten Stunde ist es ihm ge‐
lungen, das Menschentier in sich der
Macht des Geistigen zu absoluter
Einheit des Empfindens zu ver‐
einen, so daß er die Vernichter seines
Erdenlebens noch in der Vernichtung
lieben konnte wie sich selbst.
Die unsichtbare Erde, die diesen Erd‐
ball in sich trägt gleichwie das Ei den
Dotter, ist seit jener heilighohen Stunde
der Macht des «Fürsten dieser Welt»
— des unsichtbaren, aber nur seiner
selbst und nicht im Geiste bewuß‐
ten, vergänglichen Gewaltigen, der
in dem liebeleeren Dunkel der Materie
sich selbst erlebt und alles in sein eige
nes Erleben ziehen möchte — für alle
Zeit entwunden...
So wie er selbst in dieser Stunde über‐
wunden wurde, kann alle Macht der
Finsternis auf dieser Erde nunmehr über‐
wunden werden, durch jene, die um
solche Macht des Menschen wissen und
«guten Willens» — wollend aus
der Liebe — sind.
65 Die Weisheit des Johannes
Die Liebe aber, die sich selbst im
anderen liebt, ist aller dieser Urseins‐
offenbarung innerster Impuls. —
Wer «in den Geist» gelangen, wer
bewußt des Urlichts Leben neu in
sich empfinden will, der trachte vor
allem, daß er stetig «in der Liebe»
sei! —
Ihm wird man öffnen jene enge Pforte,
die zum Leben führt; denn er weiß
anzuklopfen, er sucht auf
rechte Weise, und sicherlich
wird ihn zu finden wissen
— der «Paraklet».
151 Die Weisheit des Johannes
.Ein einziger positiver Wert kann
die Fülle aller vorhandenen Fehler
und Mängel überwiegen!
.Die Sage erzählt, daß Sodom vernichtet
wurde, weil die Sünde seiner Tausende
ihm zum Verderben gereichte, aber — um
zehn Gerechter” willen wäre die ganze
Stadt gerettet worden...
104 Wegweiser
Noch ist euch eures Leibes Kraft
Nur Quell der Sinnenlust...
Daß sie dem Geist den Körper schafft,
Ist Wenigen bewußt! — —
Geheimnisvoll verbirgt Natur
Das Wunder hinter dichten Hüllen, —
Doch weist sie selber auch die Spur,
Will einer ihr Gesetz erfüllen! — —
Ein Gleiches führet Mann und Weib
In heißer Liebesglut zusammen,
Und formt des Geistes neuen Leib
Aus ewig lichten, reinen Flammen! — — —
163 Wegweiser
.Zugleich muß ich hier schon jeden
meiner Schüler davor warnen, allzuviel
von sich selbst oder seinen ihm bekannten
Mitschülern zu verlangen.
25 Der Weg meiner Schüler
.Ich zeige aus dem Geiste der die Liebe
ist, die Weise der Liebe und allewig un‐
erschöpfbaren Barmherzigkeit: — den Weg
des sich selbst verströmenden Erbarmens.
41 Der Weg meiner Schüler
.Wohl soll die Fähigkeit, Haß empfin‐
den zu können, nicht etwa ausgerottet
werden, denn mit ihr wäre auch die Fähig‐
keit, urgeistige, ewige Liebe zu empfinden,
ausgerottet, — aber die aufkeimende Empfin‐
dung des Hasses darf nicht gehegt, sondern
nur „konstatiert” werden, wonach für
den Schüler im Geistigen die große Tat
beginnt, den eben in seiner ganzen Wucht
in sich vernommenen Haß — in Liebe
umzuwandeln, deren Gegenpol er ist, als
171 Der Weg meiner Schüler
Es gibt gewiß in diesem Weltall unsicht
bare Intelligenzen, die nur dem
Hasse leben, aber auch sie sollst du
nicht hassen, so sehr sie dich auch mit
ihrem Haß verfolgen.
.Als Sieger kannst du ihnen nur begegnen,
wenn du eine Liebe ihnen entgegensendest,
die auch ihren grimmigsten Haß entkräf
tet, so daß sie sich von dir wenden müs
sen, weil sie an deiner Liebe leiden
würden...
.Du kannst das Verachtungswürdige ver‐
achten, das heißt: seinem mangelnden Werte
nach ihm deine Achtung entziehen,
aber du sollst es nicht hassen zu müssen
glauben! —
.Sobald du zu hassen beginnst, setzt du dich
in Verbindung mit allen Wesen dieses physi‐
schen Weltalls, die ihrer Art nach jene ewige
Urkraft nur in der Form des Has
ses kennen und niemals sie in Liebe
zu verwandeln wissen werden.
.Du verstärkst die Ströme des Hasses, die
durch sie in Menschenherzen geleitet
werden, machst dich schuldig so an allem,
was bei den Menschen dieser Erde an Ver‐
derblichem aus Haß entsteht, — du
strebst der Tiefe des Abgrunds, der Vernich‐
tung zu, statt dich zu deinem Aufstieg zu
erheben...
75 Das Mysterium von Golgatha
Du siehst die Sternenheere der Nacht und
du kannst nicht fassen, was sie erhält, und
dennoch ist dieses ganze Weltenall mit
seinen zahllosen Sonnensystemen nur das
geringste Zeugnis einer Kraft und ihres
eingewobenen Willens, einer Kraft, der
auch du dein Dasein dankst, und deren
höhere Offenbarung dir, bis in ihr ureigen‐
stes Wesen, werden kann, wenn du den
Weg, den Liebe und Erbarmen offenhal‐
ten beschreiten magst!
.Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr
gehört, was Gott denen bereitet hat, die
ihn lieben!” Nichts physisch Irdisches
kann das Ewige erfassen!
.Möchten dich meine Worte alles Gött
liche lieben lehren!
.Erst wenn du Göttliches, soweit du in
der Betrachtung das vermagst, erkennst,
wirst du es lieben! Sonst liebst du nur
einen Fetisch, den du dir selbst geschaffen
hast in deiner Vorstellung.
.Erst wenn du die aufwärts ziehende
Kraft des Göttlichen meditierend in dir
empfindest, wirst du auch die ewige Liebe
in dir erkennen, durch die du alles, was
zu deiner geistigen Rettung dient, voll‐
bringen kannst!
.Dann erst wirst du jene unvergleich‐
liche Kraft, die alle Kräfte meistert, auch
selbst gebrauchen lernen: — die Liebe,
losgelöst von jedem Gegenstand der Liebe!
.Diese göttlich lebendige, schwingende
Urkraft aus der geistigen „Welt”, durch
die allein das Leben des Menschen auf
dieser Erde erlöst werden kann aus aller
Gebundenheit!
.Diese höchste Kraft, durch die du aus
der Haftung dich befreien kannst, in der
dich die unsichtbaren Gewalten der phy‐
sischen Allnatur in der du lebst, gefangen
halten, — sie, die tief unter dir stehen,
und dennoch derzeit mächtiger sind als
du, bevor dich die Liebe an sich zum un‐
besiegbaren Herrn deines Lebens macht!
.Dann wirst du verstehen lernen, was
das Wort besagen will:
.Gott ist die Liebe, und wer in der
Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott
in ihm!”
197 Mehr Licht
Die Himmel fassen nicht, was Liebes
feuerkräfte in den Herzen Erdgeborener
zu wirken wissen, und in allen Abgrunds‐
tiefen ist nicht zu ergründen wo die Weihe
ankert, die da aus Menschentieren gött‐
lich überformte Geistesmenschen schafft!
— — —
Sonnen vergehen in kosmischen Gezeiten
und reißen Welten in den Abgrund unerfaß‐
lichen Vergehens mit hinab; jedoch des
Menschen Macht bleibt ihm für alle
Ewigkeit gegeben, mag auch der Boden, da
er zeitlich seine Hütte baute, unter seinen
Füßen wanken und zerbersten! —
Er, der aus hohem Leuchten fiel dereinst,
trägt dennoch Macht in sich, hoch über alle
Sterne sich empor zu heben!
.Du fragst, was solche hohe Macht dem
einst Gefallenen verleiht?!
Du fragst, was über alle unsichtbaren Fürsten
kosmischer Gestaltung ihn erhebt?!
Wisse: der Sprache Wort ist nicht vermö‐
gend, letzte Antwort hier zu formen und
tiefstem Ahnen nur bleibt vorbehalten hier
zu fühlen, was erfühlbar, aber kaum erfaß‐
bar ist! — —
Wie könnte jemals eines Menschen Zunge
künden, was über allem menschlichen Er‐
denken bleibt?
Selbst jenen hohen Sterngewaltigen, die
ihrem Wesen nach nur reinstes «Denken»
sind, — nur über alles erdenhafte Denken
hoch erhaben, — jenen unsichtbaren «Göt‐
tern» dieser Sichtbarkeit, — bleibt ewiglich
verhüllt, was nur des Menschen Seelen
Innerstes im tiefsten Schauen in sich selbst
erleben kann. — —
Höher als dieser Sternengötter höchste All‐
gewalt in kosmischem Geschehen, erhebt sich
Menschenmacht, die in der Liebe grün‐
det!
.Es ward gesagt:
«Gott ist die Liebe, und wer in der
Liebe bleibet, der bleibet in Gott
und Gott in ihm
Doch euch ward die «Liebe» allzunah der
Lust verwandt; ward euch zu holdem Füh‐
len lustgeschwängerter Gefühle; und statt
in «Gott» zu leben, habt ihr selbst den
Götzen aufgerichtet, vor dem ihr kniet
und der euch wahrlich nicht zu helfen weiß,
so daß die Klugen, denen solches Blendwerk
nicht verborgen blieb, sich von ihm wandten
und für euch nun «Gottesleugner» heißen,
da sie eures Götzen «Gottheit» kühn in
Frage stellen und verneinen!...
88 Das hohe Ziel
Wie wollt ihr ihn verstehen können, solange
ihr noch zögert, euch in gleichem Liebes‐
feuer aufzulösen und euch selbst dahinzu‐
geben, um euch in dieser Liebe dann aufs
neue zu gewinnen?!
.Es ist diese Liebe, von der ich hier
künde, niemals ganz zu erreichen, solange du
noch einen Gegenstand der Liebe brauchst,
den du außer dir suchen mußt!
Du selbst mußt dir Gegenstand dieser
Liebe werden, bis du zuletzt auch dich in
ihr verlierst und so dann selbst zu Liebe
wirst, die keines Gegenstandes mehr bedarf,
da alles, was je wurde oder werden kann, in
ihr beschlossen ruht! — — — —
Wenn dir geraten wird mit weisem Rat:
selbst deiner Seele zu entsagen, so sollst
du nur daraus entnehmen, daß du auch deine
Seele nicht zum Gegenstande deiner Liebe
machen darfst, wenn du die Liebe in dir selbst
erfahren willst, als welche Gott in dir sich
offenbart!
Willst du noch anderes, als was in deinem
tiefsten «Ich» sich selbst erfassen will, durch
«Liebe» dir zu eigen machen, so «liebst»
du noch nach irdisch-enger Weise und bleibst
so ferne jener wesenhaften Liebe, die eine
Geistesform der Gottheit ist!
Du aber sollst in dir die Liebe finden, die da
Gott ist, und sollst in der Liebe sein, auf
daß Gott in dir sei, und du in Gott! — — —
92 Das hohe Ziel
Empor gelangt nur, wer sich in sich selbst
«empört» und gegen alles Niedere zu stem‐
men weiß, das ihn in seiner Niederung zu
fesseln sucht!
Es ist ja wahrlich schon Empörung gegen
alles Niedere, wenn du nach einem «Gegen‐
Stand» der Liebe suchst, denn ahnend
fühlst du hier, daß du entgegen stehen
mußt dem Niederen, wenn du es überwinden
willst!
Aber solange du noch den «Gegen-Stand»
deiner Liebe draußen suchst, kannst du
dich in dir selbst nicht gründen, und dar‐
um werde vorerst selbst dir «Gegenstand»
deiner Liebe! —
Hast du in solcher Art dich in dir selbst
gegründet, dann mag es wohl dir leichter
werden, auch diese letzte Stütze dahinzu‐
geben und gegen dich selbst dich zu «em‐
pören», bis du dorthin emporgelangst, wo
weder Höhe noch Tiefe ist, da alles räum‐
liche Gleichnis zunichte wird, weil Unver
gleichliches hier zum Ereignis sich ge
staltet! —
.Siehe: die Himmel vermögen nicht zu
fassen, was dem Menschen vorbehalten ist,
der seines Anrechts sich nicht entäußern
mag!
94 Das hohe Ziel
Weise wirken deine hohen Kräfte: — gegründet
sind sie in deinem Willen...
Wie die Sonne ihre Strahlen sendet, so sendest du
deine Kräfte aus: — sie sind nicht mehr in dir, und
doch bist du in ihnen...
In allen Welten wirken sie auf gleiche Weise: —
auch diese Finsternis ist ihres Wirkens voll...
Liebe ist ihr innerstes Gesetz; — nur wer in der
Liebe ist, dem können sie dienen...
*
Wahrlich, der Menschengeist kann sich nicht son
dern aus dem All des Geistes: — was immer Geistes
zeugung ist, wird durchlebt von dem gleichen Le
ben. —
Töricht ist jeder der da handelt als ob ihm Tren
nung vom Ganzen möglich sei? —
Töricht ist jedes Streben das der Gemeinsamkeit
entraten will? —
Töricht ist jede Tat, wie hoch man sie auch an sich
selber werten möge, fügt sie sich nicht dem alles
Geistige vereinenden Gesetz der Liebe! —
Zahlreich ist solche törichte Tat in der Finsternis!
Die im Dunkel Träumenden erträumen sich eine
gesonderte Welt: — jeder nach seinen Wünschen
und Begierden...
So ist all ihr Tun ein totes Mühen: — die Kräfte
des Lebens sind ihrer Tat nicht verbunden!...
*
O ihr Menschengeister, die ihr in die Finsternis
geboren seid und nach dem Lichte verlangt, wisset,
daß ewige Geisteskräfte euch zu Dienern werden,
so all euer Tun in der Liebe bleibt! — — —
Letzter Antrieb zu allem Tun muß in der Liebe
gründen, soll eurer Tat die hohe Hilfe werden! —
Auf hohen Planen wirken die Kräfte des Gei
stes die euch dienstbar werden können: — Ur
sache schaffen sie aller Wirkung in der irdischen
Welt...
Dort wo sie wirken, dort reicht euer Ruf nicht hin;
— nur eurer Tat Impuls kann sich zu jenen hohen
Reichen heben, so er aus der Liebe stammt! — — —
*
Die hohen geistigen Kräfte werden euch allezeit
dienstbar sein, wenn all euer Tun in Harmonie
bestehen kann mit dem Gesetz des Geistes das in
der Liebe gründet! — —
Was nicht in Liebe sich dem Ganzen einen will,
läuft seinen leeren Lauf; — im Reiche des Geistes
wird seine Spur nicht gefunden! — — —
Ach, es sind viele Taten in der Menschen Mund, die
als „groß” und „weise” gelten: — im Reiche des
Geistes aber sind sie nie geschehen!...
Schein und Schatten nur vermochten sie zu be‐
wegen und in Schein und Schatten wirken ihre
Impulse fort!...
Sie waren nicht geboren aus der Liebe, und nur
was aus der Liebe stammt geht in die Liebe ein...
38 Psalmen
Man wollte Erkennen ohne Liebe, und wußte
nicht, daß alles gewisse Erkennen nur aus der Liebe
kommt...
44 Psalmen
Ach, es war grause Not und man wußte nicht, wie
man noch festen Fußes sich halten sollte...
*
Das Licht aber war auch in jenen Tagen allen nahe
die sich in der Liebe fanden; — der anderen Un‐
heil konnte sie nicht treffen...
Der Modergeruch verwesender Leiber ätzte sich allen
Sinnen ein; — nur die in der Liebe waren, konnte
er nicht erreichen...
Ihr Mitleid kannte wahrlich keine Grenzen,
allein der Strom der Bosheit verebbte vor ihren
Füßen...
Unsagbares Entsetzen sahen sie vor sich aufge‐
türmt: — die Schrecken der Hölle sahen sie wie
ein Schauspiel prunken...
46 Psalmen
Unsagbar lange währte diese Nacht!
Unendlich” schien sie denen, die das Licht auf
seinem Weg zum Siege glaubten!...
Und dennoch wird die Zeit der Erfüllung die nun
angebrochen ist, alle frühere Zeit der Umnach
tung unbeschreiblich überdauern!...
*
In dieser neuen Zeit aber werden endlich die Her
zen geöffnet werden!
In dieser kommenden Zeit wird die Liebe endlich
offene Herzen bereitet finden!
Schon schreiten viele die vor einer kurzen Zeit das
Licht kaum glauben konnten, nun liebenden Her‐
zens ihren Weg zur Lichterkenntnis; — die Liebe
wußte sie zu erfassen: — es verlor alle Macht über
sie die Finsternis!...
Mit jedem Tage wird man mehr und mehr der Lie
benden auf ihrem Wege finden!...
49 Psalmen
IRRIG sind alle beraten und keine guten Zeichen‐
deuter, die da auf dieser Erde alle Finsternis be
siegbar wähnen!...
Vergeblich ist ihr Kampf: — die Nacht des Grauens
bleibt immer an ihrem Ort!...
Solange Menschen auf der Erde wohnen, werden
auch Menschen sein, die mehr der Nacht vertrauen,
als dem lichten Tag! — — —
Aber ein jeder, der in die Liebe und in ihr zum
Lichte fand, mehrt wahrlich die Kraft des Lichtes,
mehrt die Kraft der Liebe in den Reichen der Fin‐
sternis!...
Ein jeder, der in die Liebe und in ihr zum Lichte
fand, ist gut geborgen und die Liebe wird durch
ihn auch andere zum Lichte leiten!...
Er selber schafft Gewähr, daß sicherlich durch
ihn zugleich ein anderer zum Lichte kommen
wird!...
So wird der Finsternis Macht immer mehr gebrochen;
— die Tiere des Dunkels finden keine neue Nah‐
rung mehr...
Was sie am Leben erhält, auch wenn sie schlafen:
— die Dünste dampfenden Blutes, sie werden von
der Erde verschwinden; — der Haß wird sich in
Liebe wandeln!...
53 Psalmen
In aller Kraft der Liebe wird die neue Mensch
heit dennoch stets bewußt sein der Grenzen ihrer
Macht! —
Sie wird nicht wähnen, daß sie alles was da Men
schenantlitz trägt, hinfort zu einen fähig sei in
hoher Liebe! — —
Allein die neue Menschheit wird die Werte die
ihr überkommen sind, gar weislich zu prüfen wis‐
sen! —
Alles, was da in der Liebe seine Geltung nicht
erweist, wird dieser neuen Menschheit: Unwert
heißen! — —
In siegreicher Arbeit um der Arbeit willen wird sie
ohne Schwertstreich zu besiegen wissen, was der
Liebe sich entgegenstellen möchte!...
Die „Ehre”, durch Mord sich Recht zu schaffen,
wird ihr verwerfliche Torheit sein!...
*
Nur denen, die ihr mordend nahen und in Mordlust
ihren Frieden stören, wird sie mit dem Schwerte
wehren, so sie anders sich nicht mehr schützen
kann. — —
Sie wird das Schwert jedoch nicht länger führen,
als es zur Abwehr vonnöten ist! —
Nie wird sie Macht erstreben unter den Völkern, die
nur durch Menschenmord zu begründen wäre! — —
Nie wird sie anderen das Ihre neiden und es durch
Mord in ihre Macht zu bringen suchen! — — —
Der Tierheit niedrige Gelüste werden der Freude
weichen; — die Gier der Leidenschaft wird schwin‐
den in der Ruhe einer stillen Kraft!...
55 Psalmen
Was man auf Erden „Liebe” nennt, ist
nur ein schwacher Wiederschein der
Liebe, die des Geistes Ewigkeit im
Sein durchflutet: — der Liebe, die in
Gott und Gottes Leben ist, — die alles
was das kosmische Gesetz erstrebt und
nie erreichen kann, erst zur Erfüllung
bringt! — — —
Ihr wirkungsvollster Wiederschein
auf Erden wird Erlebnis in der wahren
Ehe!
233 Die Ehe
Wahrlich, ich liebe mich selbst und du sollst
mir gleichen und dich über alles lieben!
Nicht deinen Leib, noch was sonst «Ich»
sagen mag an dir, sollst du so «über alles» zu
lieben wissen, auch wenn du deinem Leibe und
deinen unsichtbaren Kräften stets in Liebe
dich verbinden wirst!
«Über alles» sollst du nur dich selber lieben
im Innersten deines Innern, — dich selber,
der mich in sich birgt! — — —
«Über alles» zu lieben soll dir heissen: mehr
als alles was ausser dir ist, dich selbst zu
lieben; und liebst du auf solche Weise dich
selbst, so wirst du erst in dir selber deine
höchste Liebe finden in mir! — —— — —
Du bist gar irrig belehrt, wenn du etwa glauben
solltest, du müsstest alles lieben! —
Deine höchste Liebe, die du in mir erst finden
kannst, nachdem du dich selber lieben lern‐
test, ist frei von jedem Gegenstand der Liebe,
und Einige, die nur zur Hälfte erkannten, was
sich erkennen lässt, haben daraus gefolgert,
dass sie alles umfassen müsse. — —
Meine Liebe aber folgt nur dem mir innewoh‐
nenden Gesetz und ist in mir selbst be‐
schlossen. — — —
Alles was sie umfassen will, muss sie in mich
selber ziehen. — —
In mir aber ist nichts, das nicht mich selber
will! — — —
So lenke auch du deine Liebe, wenn du nach
aussen liebst, mit weiser Wahl!
Nicht lieben soll dir gewiss nicht etwa: hassen
heissen!
Du wirst Vieles ausser deiner Liebe lassen
müssen, was du durchaus nicht «hassen»
sollst! — —
Frei von Liebe und Hass wirst du dem
Allermeisten, was du nicht selber bist, be‐
gegnen müssen...
Lieben sollst du, was dich zu dir selber
bringt, und damit zu mir!
Alles Andere stehe allezeit ausser deiner
Liebe! — — —
Wie aber könntest du zu lieben wissen, was
du lieben sollst, wenn du dich selbst nicht
liebst, — dich selbst, in dem sich dir deine
höchste Liebe allein enthüllen kann?! —
Bevor du dich selbst ergründet hast und
dich selber «über alles» liebst, wird all deine
Liebe nach aussen nur ein Schein und ein
Blendwerk sein. — —
Du wirst dich selbst betrügen, wenn du vor‐
dem zu «lieben» meinst, und was du zu «lie‐
ben» vorgibst, wird von dir betrogen sein...
Erst dann wirst du ein wahrhaft Liebender,
wenn du dich selbst zu lieben weisst! — — —
Alle grossen Liebenden waren stets in der Liebe
ihrer selbst, umfingen sich selbst in allen
Gluten der Liebe! — —
Wisse aber, dass du auch dort, wo du keines‐
wegs lieben sollst, dich noch viel weniger dem
Hass überantworten darfst, wenn du mich in
deiner höchsten Liebe erreichen willst!
Dass du dich des Hassens fähig fühlst, sei dir
ein Beweis deiner Kraft zu lieben, — aber
nicht alles, dazu du dich fähig fühlst, dient dir,
dich selber zu erreichen! — —
Lieben ist die grosse Bejahung dessen, das
du liebst, — Nichtlieben die Verneinung, — —
Hass aber das Eingeständnis der Ohnmacht,
das Verneinte dir aus dem Wege räumen zu
können!
Alles Verneinte aber soll dir gelten als sei es
dir nicht vorhanden!
Du sollst es nicht mehr sehen wollen und ihm
die Kräfte nicht mehr senden, die es durch
deine Beachtung stetig neu erlangt. — — — — —
Lässt du den Hass aber in dir wirksam werden,
so nährst du das Gehasste immerfort mit
deinen Kräften, und du wirst Sorge tragen
müssen, dass es nicht zum Ungeheuer wird, das
dich verschlingt...
Die wahrhaft Liebenden, die mich in ihrer
höchsten Liebe fanden, waren wahrlich
keine lahmen Ja- und Amensager zu allem
was ihnen begegnen mochte, und sie wussten
kraftvoll zu verneinen wo es nötig war,
aber keiner aus ihnen übergab sich jemals dem
Hass! —
So sollst auch du des Hasses Herr zu werden
suchen, und wenn es dir heute noch nicht ge‐
lingen mag, so wirst du morgen den Hass
überwunden haben, sofern du nur wachsam
bleibst, und bestrebt, dich über den Hass zu
erheben. — — —
Je mehr du erkennst, dass all dein Hassen
nur das Gehasste nährt, desto eher wirst du
dich dem Hasse entwinden!
So manche Quelle des Übels auf dieser Erde
wäre längst vertrocknet, würde nicht immer
der Hass aufs neue sie zum Überströmen
bringen! —
Wenn du wirklich willst, dass ein Verderbliches
sich in sich selbst verzehre, dann brauchst du
ihm nur deine Liebe völlig zu entziehen! — —
Solange du noch aktiv bleibst in deiner ver‐
meintlichen «Verneinung», hast du nicht wahr‐
haft verneint! —
Was dir der Verneinung wert erscheint muss
völlig deiner Beachtung entschwinden und
darf in keiner Weise mehr von dir deiner Auf‐
merksamkeit gewürdigt werden. — —
So wirst du das Verneinte wirklich entkräften
und deine Liebe wird, von aller Fessel frei,
bejahen können was sie liebt! — — —
In deiner höchsten Liebe wirst du dann in
mir auch die höchste Bejahung finden, die
in sich selber ewig nur sich selber liebt! — —
— — — — —
28 Worte des Lebens
unabweisbar bestimmt, als einziger Über‐
setzer in erdenmenschliche Sprache zu
übertragen, was nur in wortelosem Er‐
leben erkundbar wird. — Man muß in sich
wahrhaftig jede Form versteckten oder offe‐
nen erdenmenschlichen Geltungstriebes
verlachen gelernt haben, soll man in sei‐
nem irdischen zeitbegrenzten Dasein nicht
an der Erfüllungsmöglichkeit der Aufgabe
verzweifeln! Nur unbegrenzte Liebe zu
allem ewig Liebenswerten, das man in je‐
dem seiner Mitmenschen gegeben sieht,
auch wenn es den meisten kaum bewußt
wird, erzeugt die Kraft, sich selber immer
wieder aus dem Ewigen her zu eröffnen,
trotzdem man weiß, daß man dennoch den
allermeisten seiner Mitmenschen ein „Hor‐
tus conclusus” bleibt.
16 Hortus Conclusus