Ueber die Arbeit
(von mir ausgewählte Textpassagen
in der Reihenfolge der Schriften)

.Höre! — Entbrennen, Glühen, Leuch
ten, oder: — Verfaulen, — — eines da‐
von ist dein Los!
.Suchst du dem zu entrinnen, so betrügt
dich nur eigene Torheit!
.Du hast nur die Wahl in der Hand!
26 Das Buch der königlichen Kunst
.Suche nichts, außer dem Zustand
innerster, wunschlos vertrauender see
lischer Stille!
74 Das Buch der königlichen Kunst
.Keine äußere Unrast kann diese hier
gemeinte Stille stören, die nur
durch dein eigenes Verhalten allein
bestimmt wird in dir. —
75 Das Buch der königlichen Kunst
.Ruhe und Tat sind in ewigem Wechsel
wie Ebbe und Flut, im ewigen Meere inner‐
sten Geschehens.
.Ewige Ruhe wäre wirklicher Tod!
.Ewige Tat wäre wirkliche Verdammnis!
.Ruhe und Tat in Freude vereinigt,
sind seliges Leben!
200 Das Buch der königlichen Kunst
.Du mußt als Mensch der Außenwelt, in
die du nun einmal geboren bist, zu wirken
trachten Tag für Tag, wie alle äußere Natur
stets wirkt und immer neue Formen bildet,
wenn du den Willen also in dir stählen
lernen willst, daß deiner Seele Kräfte ihm
gehorchen können! — —
.Kein Ding der Außenwelt ist so gering,
daß es dir nicht zum Lehrer werden könnte!
.Aus jeglichem Erleben kannst du Lehre
ziehen, und keine Tätigkeit ist so verächtlich,
daß du nicht aus ihr zu lernen hättest! —
80 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Tätig sollst du sein und wirken auf
deinem Wege, wo immer zu Tat und Wir‐
ken Kraft und Begabung sich in dir finden.
.Wenn du dereinst mit deinem Gott in
dir vereinigt bist, wird all dein Leben
nur ein Tun und Wirken, — ja du selber
wirst nur Tun und Wirken sein! — —
.Gottist ein lebendiges Feuer!
.In ihm wird alles zerstört, was tatlos
fault und erstarrt. — —
.Der Wille des Geistes kann sich in dir
nicht als dein Gott „gebären”, wenn du
nicht tätig bist, als wäre dein Gott schon
vereint mit dir...
.Dein Gott wird ein Gott der Kraft
und der Wagnisse sein, und nicht ein
Dämon der kraftlosen Wünsche, der zeh‐
renden Ängste! — — —
.Tätiges Wirken möge deine Liebe
finden zu jeder Zeit, wie auch der Geist in
Ewigkeit sich selber wirkt in steter Tat!
.Wie willst du hoffen, deinem Gott dich
zu vereinen, solange deine Liebe sich von
ihm entfernt?! — —
.Du kannst nur zu dir selbst gelangen
in deinem Gott, wenn du bereit bist, wir
kend deinem Gott dich zu vereinen, denn
der lebendige Gott ist nicht ein Gott
der Träumer und Phantasten!
.Nur in erwachten Seelen kann er sich
„gebären”...
.Sein Licht ist viel zu hell, als daß es
Dämmerseelen je vertragen hätten. — —
.Einige deiner Seele Kräfte zu ho
hem Tun!
.Vollende, was immer du auf Erden hier
vollenden kannst, und wirke, soweit du es
vermagst!
.So wirst du deinem Gott in dir, — dei‐
nem lebendigen Gott, — von Furcht be‐
freit, dereinst begegnen können.
.Du wärest nicht im Leben, wäre „Leben”
nicht als „Tat” des Geistes in dir wirkend...
.Ewig” ist dein Leben nur, weil alle
Tat” des ewigen Geistes ewig, wie er sel
ber ist. —
.Zeitlich aber bist du als die zeitliche
Erscheinung dieser Erdenwelt, und also
ist es Erdenpflicht für dich, allhier im
Zeitlichen das Zeitliche zu wirken, so wie
du selbst im Ewigen gewirkt wirst ewiglich
durch Ewiges! — — —
.Nur im steten Wirken kannst du dich
als bewährt erweisen, und in der Tat mußt
du dich selbst bereitet haben, wie es hohe
Führung von dir fordert, soll dein Gott
sich in dir selbst „gebären” können.
131 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Menschen wollen sie finden, die das
Leben zum Kunstwerk zu gestalten wissen,
nicht solche, die sich dem Leben
beugen, wie das Lasttier seiner Last!
— —
135 Das Buch vom Lebendigen Gott
.All deine beste Kraft geht dir ver
loren, willst du dem „Heiligen” gleichtun,
und vor allem dich „von Fehlern frei
zu halten suchen...
.Du kannst deine Kräfte nicht gebrau‐
chen, wenn es deine stete Sorge ist, jeden
Fehler zu vermeiden, denn wo immer du
wahrhaft tätig bist, wirst du zugleich auch
in Fehler und Sünde fallen, ohne es zu
wollen. — —
.Wie aber der Marmorstaub in des Bild
hauers Werkstatt gewiß nicht seines Bild
werks Wert verringert, so wird auch dein
Ich”, das du aus „rohem Stein” hervor
zu formen suchst, auf keinen Fall an Wert
verlieren durch den „Staub” und „Schutt”,
der ringsum liegen bleibt, bis endlich deine
klare Form herausgemeißelt ist.
.Vergiß der Werkstatt „Staub” und
Schutt” und denke stets nur an das
Werk”, das du aus deinem Dasein formen
sollst, zu hoher Schönheit und zu ewigem
Bestand! — —
137 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Jede Kraft wird nur entwickelt durch
Betätigung.
.Wenn ihr daher eurer Seele Kräfte nicht
schon in kleinen Dingen anfangs zu benüt
zen wißt, werden sie niemals so erstarken,
daß sie euch ihre hohen Wunder offenbaren
können.
.Es gibt hier vieles zu erkennen, was
wahrlich lohnen würde, daß ein Mensch sein
Leben lang, und wenn es hundert Jahre hier
auf dieser Erde währen sollte, darum dient...
.Doch müßt ihr erst einfach werden wie
die letzten Dinge selbst es sind, bevor sich
das Einfachste euch entschleiert...
226 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Sobald ihr euch durch den ganzen Erden‐
leib in eurem geistigen Leibe empfinden
lerntet, beginnt ihr, ohne daß es eines be‐
sonderen Wollens bedürfte, den Geist in
euch und im ganzen All — zu „atmen”, und
vielen ward damit schon solches Glück zu‐
teil, daß sie für lange Zeit dabei verweilten,
erkennend, daß sie höherem Erleben vor‐
erst noch nicht gewachsen waren...
.Nehmet aber unbesorgt, was man euch
geben wird und vertrauet dem Gesetz des
Geistes, das keine Willkür kennt und stets
nur euer Bestes bewirkt!
.Der Weg zum „innersten Osten” liegt
gangbar vor euch hingebreitet, und euer wa
ches Wollen nur bestimmt, ob man euch
bald auf ihm gewahren wird...
.Die Lande des „innersten Ostens” aber
umfassen viele Wohnstätten, und jedem
ernstlich Suchenden wird dort seine Wohn‐
statt zuteil, — niemals eines Anderen Stätte..
.Hier herrschen nicht minder bestimmte
Gesetze des Geschehens, wie in der Außen‐
welt. — —
.Auch kein Leuchtender des Urlichts
kann sie beugen!
260 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Da wir aber Umwege vermeiden lehren
wollen, und da uns die ewige Liebe also
handeln heißt, lehren wir euch die Kunst
des rechten Sterbens.
.Das Wesentliche dieser Kunst besteht
darin, daß man jederzeit, — inmitten
von Zukunftsplänen und regester Tätigkeit,
bei blühender Gesundheit und frischester
Kraft, — in fröhlicher Heiterkeit und siche‐
rer Zuversicht bereit ist, das „andere Ufer”
für die Dauer zu betreten, — ohne die Mög‐
lichkeit einer Rückkehr.
.Es ist ein Zustand des Gemüts, der da
gefordert wird.
.Mag er auch nicht jedem Menschen leicht
erreichbar erscheinen, so darf doch keiner
vergessen, daß dieser Zustand allein das
rechte Sterbenkönnen bedingt. —
.Wen die Dinge des physischen Erden‐
lebens so festzuhalten vermögen, daß er
ihrer nicht entraten zu können meint, —
wer sich keinen Zustand vorstellen kann,
in dem alle Ziele erdenhaften Begehrens
belanglos werden, — der wird schwerlich
die Kunst des rechten Sterbens erlernen. —
.Richtig und froh auf der Erde zu leben,
versteht aber erst der Mensch, der den Zu‐
stand der Bereitschaft zu sterben, täglich
und stündlich willkürlich in sich zu er‐
zeugen vermag, — frei von jeglicher Furcht
und von jeder Traurigkeit. — —
.Er weiß, daß nichts von dem, was er
hier zurücklassen müßte, — und seien es
auch die liebsten Menschen, die sorgebedürf‐
tigsten Wesen, — jemals von ihm getrennt
werden kann, wenn er nicht selbst die wirk‐
liche Trennung will und durch seinen Wil‐
len schafft. —
.Er weiß, daß er „hier” bleibt, am glei‐
chen kosmischen „Ort”, — noch näher den
Menschen die er liebt, als er ihnen je im
Erdenkörper nahekommen konnte. —
.Er weiß, daß er nach dem Sterben gewiß
nicht göttergleich verwandelt, und keines‐
wegs irdisch „allmächtig” sein wird, daß er
aber denen, die seiner Hilfe bedürfen, weit‐
aus mehr zu helfen imstande sein wird, als
dies jemals im physischen Leben möglich
werden konnte. — —
.Wer die Kunst des Sterbens auf solche
Weise übt, der weiß fortan, daß es für ihn
leicht werden wird, wirklich und un
widerruflich zu sterben, auch wenn der
Tod ihn gänzlich unerwartet treffen sollte...
27 Das Buch vom Jenseits
.Ein solches, öfteres Vorauserleben aber
ist nötig, will man sicher sein, daß man
nach dem erfolgten Abscheiden des Bewußt‐
seins aus der erdensinnlichen Erfahrungs‐
weise sogleich sich zurechtzufinden wisse,
und vor allem erkenne, was zu suchen,
was zu meiden sei!
.Nur wer solche Sicherheit bereits wäh
rend seines Erdendaseins erlangte, wird
nach dem Übergang in die neue, rein gei
stessinnliche Wahrnehmungsart auch so‐
gleich die helfenden Hände entdecken, die
sich ihm dort entgegenstrecken, und wird
vertrauend sie zu ergreifen wissen...
.Ihm können wir helfen!
40 Das Buch vom Jenseits
.Es ist deinem ewigen Willen aber eine
große Macht eingeräumt, da du fähig bist,
durch Vorarbeit hier auf der physisch
wahrnehmbaren Seite der Welt, all dein
weiteres Schicksal sehr wesentlich zu be‐
stimmen.
.Voraussetzung ist allerdings ein verant‐
wortungsbewußter Lebenswandel, stets
orientiert nach dem hohen geistigen Ziel,
das nur in der uneigennützigen Liebe zu
allem Lebendigen erreichbar wird. K+  K-
..was leidlose Tiertötung nicht ausschließt ...

43 Das Buch vom Jenseits
.Ein Leben treuer Pflichterfüllung,
voll Liebe zu allem Lebenden, voll Stre‐
ben nach Herzensgüte und Wahrhaftigkeit,
nach Ordnung in deinem Willenshaus
halt und nach Veredelung deiner Freu
den, — ein Leben voll fröhlichen Glaubens
an die endgültige Erfüllung deiner höchsten
und geläutertsten Sehnsucht, — wird jederzeit
hier auf Erden für dich das beste Leben
sein, besonders, wenn du gleichzeitig bestrebt
bist, das zu lernen, was ich in dieser Abhand‐
lung „Die Kunst zu sterben” nenne.
48 Das Buch vom Jenseits
.Wer immer aber die Früchte ernten
will, die im Garten der hier vorgetragenen
Lehren wachsen, der muß sein ganzes
Leben zu einer immerwährenden „Übung”
machen!
.Das neue Leben, das er finden will,
ist bereits in seinem Alltagsleben enthalten,
— nur vermag er das ihm Neue nocht nicht
zu erkennen. —
.Er hat nicht nötig, sich von „Geheim‐
lehrern” übelwirkende „Übungen” auftragen
zu lassen, denn sein alltägliches Leben ist
selbst die wirksamste, wirklich geistige
„Übung”, die ihm das ewige Urlicht täg‐
lich neu zur Bearbeitung gibt. —
.Im alltäglichen Leben, — in aller
einfachster Form und ohne jede my
steriöse Geste, — wird er im Laufe der
Zeit seine ihm erreichbare Vollendung hier
auf Erden finden, — niemals aber in „esote‐
rischen Schulen” und überheblichen Zirkeln
angeblicher Eingeweihter die ihre Unver‐
frorenheit die Rolle geistiger „Lehrer” spielen
läßt, und denen man nur Vergebung er‐
bitten kann, weil sie nicht wissen, was
sie tun...
177 Das Buch vom Jenseits
.Es gibt wahrlich etwas, das nur mit dem
Verstande erlangt werden kann.
.Dieses soll man zu erdenken suchen
um es zu „wissen”!
.Alsdann aber erhebt sich der Weise
über das Wissen, bis er denken lernt, wie
Kinder denken! —
.Nicht „kindisch” sollst du denken ler‐
nen, sondern erneut zur Einheit des Den
kenden und des Gedachten kommen.
.In solcher Einheit hast du voreinst, als
du ein Kind warst, deine ersten Gedanken
gefaßt, und in gleicher Einheit nur lassen
sich die letzten und höchsten Gedanken
denken.
.So, wie dein frühestes Denken sein Ma‐
terial nicht „erdachte”, sondern in erster
irdischer Erfahrung fand, so muß dir zuletzt
deine geistige Erfahrung die Bausteine
liefern, mit denen du deiner Erkenntnis
hohen Dom überwölben sollst...
181 Das Buch vom Jenseits
.Alles Glück der Erde, und von ihm nur soll
in diesem Buche die Rede sein, ist ein Glück
des Schaffenden — — sei es, daß er in sich
das königliche Reich der Liebe schaffe, sei
es, daß sich sein Werk aus dem Geist ge‐
stalte, sei es, daß materielle Werte seinem
Schöpferwillen in Materie Gestaltung ge‐
ben. — — —
.Die Freude des Schaffenden an seinem
Werke allein ist Glück, und alles, was
Du sonst mit diesem Namen nennen magst,
wird, wenn Du ihm vertraust, Dich sicher‐
lich um wahres Glück, soweit es diese Erde
geben kann, — betrügen...
3 Das Buch vom Glück
.Gefühle sind die Kräfte Deines Schaf‐
fens, und wenn Du wahrhaft «glücklich»
bist in Deiner Liebe, dann hast Du Dir im
Reiche der Gefühle einen Tempel aufer‐
baut, den keiner, außer Dir betreten kann,
und dessen Allerheiligstes das Gottesbild
umschließt, dem Du als Priester Deiner
Liebe dienen willst und Opfer spendest...
.Vielleicht bist Du noch niemals Dir be‐
wußt geworden, hier ein Schaffender zu
sein, — fühlst Dich bemeistert von Gefühlen,
die Dich leiten, oftmals gegen Deinen Wil‐
len, — glaubst Dich in Banden, die Dich
fesseln, wo Du gerne Fesseln tragen willst,
und lebst dem Wahn, dies alles käme nur
von außen her, und schalte frei mit Dir nach
ewig in das Erdenleben eingewobenen Ge‐
setzen?? —
.Du stehst Dir selbst im Lichte, wenn Du
also denken magst! — — —
.Wohl folgst Du ewig unbesiegbarem Ge‐
setz, wenn Deine Seele sich dem Strom der
Liebe öffnet, der das All durchfließt, und
mit geheimnisvoller Kraft die Seelen und
die Leiber zueinanderzieht, doch wird die
Folgeleistung Dir nur Glück versprechen,
und Du wirst in Deiner Liebe niemals auch
Dein Glück erreichen, wenn sie nicht
vermag, in Dir den Schaffenden zu wek‐
ken. — —
4 Das Buch vom Glück
.Was Dich dann wirklich «glücklich»
macht, das ist Dein eigen Werk, — das
Schaffen aus dem Chaos der Gefühle, und
dieses Schaffens Folge: — — jene Harmonie
der Seele, die sich selbst vollendet,
wenn sie sich der anderen Seele schenkt. —
.Selbst jener sinnliche Genuß, der unter
Menschen, die kein höheres Verlangen ken‐
nen als den Trieb der Tiere, «Liebe»
heißt, zwingt niederste Gefühle dennoch,
schaffend sich ein Trugschloß zu erbauen, in
dem sie ihrer geilen Träume Götzenbild, als
Sklaven ihres kurzen «Glückes» sich errich‐
ten.
5 Das Buch vom Glück
.Aber wenn auch dies Alles von Dir er‐
rungen wurde, wirst Du am Ende immer
wieder Dir gestehen müssen, daß noch ein
Weiteres zu Deinem Glücke fehlt, und Du
wirst in Unrast weiter suchen, wo Du vorher
Dich am höchsten Ziele wähntest. — —
.Du ahnst nicht, welches Glück das Leben
dieser Erde in sich birgt, und daß es allen
«ewigen» Glückes Unterpfand und Nähr‐
boden ist! —
.Sinnlos wird dieser Erde Dasein für Dich
und zu einer Kette täglich sich erneuernder
größerer oder kleinerer Peinigungen, wenn
Du nicht hier auf dieser Erde zu Deinem
irdischen Glücke findest! —
.Glaube nicht jenen trostlosen Lehren, die
Dir ein «Glück der Ewigkeit» in Aussicht
stellen, wenn Du auf dieser Erde Glück
verzichtest!
.Auch hier und jetzt, zu dieser Stunde,
da Du dies lesen magst, bist Du mitten in
der Ewigkeit, und was Du jetzt Dir
nicht zu schaffen vermagst, wird Dir kein
Gott in aller Ewigkeit verschaffen können...
.Du wirst erkennen lernen müssen, daß
alles Glück nur Folge einer Fähigkeit ist,
die Du in Dir trägst, und daß Du niemals
glücklich werden kannst, weder jetzt, noch
in irgend einer anderen Daseinsform, wenn
Du diese Fähigkeit K+  K-
Gestaltungs-, Ordnungsfähigkeit - Kreativität
nicht zur Entfaltung
bringen magst, wenn Du träge wartest dar‐
auf, daß Dir einst Dein Glück begegnen
müsse, oder wenn Du gar glaubst, es müsse
als «Belohnung» Deiner Taten Dir von
außen her, als Folge «göttlicher Gerechtig‐
keit», gegeben werden! — — —
.Nur als ein Schaffender wirst Du Dein
Glück erringen und für die Dauer Dir er‐
halten!
.Nur was Du Dir selber jetzt in Dir auf‐
erbauen kannst, wird ewig Dir Befriedigung
gewähren!
.Nur wenn Du Dir Glück zu schaffen
weißt, wirst Du in jeder Lebensform zu
Deinem Glücke gelangen! — — — — — — —
7 Das Buch vom Glück
.Kein anderer Wunsch darf seinen Willen
behindern, das größte Glück, das diese Erde
ihm zu geben hat, durch seine freie Tat zu
schaffen.
.Keine andere Aufgabe darf ihm höher
stehen, als die Pflicht, zum reinsten dauern‐
den Glück zu gelangen, und dieser Erde
Glück in sich, und dadurch auch für Andere,
zu mehren.
10 Das Buch vom Glück
.Glück ist die Befriedigung des
Schaffenden in seiner Schöpfung.
.Diese Schöpfung aber ist niemals be
endet, und ihr Schöpfer kennt nur «Ruhe‐
tage», — Sabbate der Seele, die ihm neue
Kraft zu neuer Schöpfung spenden.
.Der Glückliche ist allezeit ein Schaf
fender und wird des Schaffens niemals
müde.
.Was er schaffend formt, ist sein Glücks
grund und die Bedingung seines Glückes, —
sein Glück aber ist die Macht des Schaffen‐
den, die ihm alles zuführt, was ihm dauernde
Befriedigung gewährt.
13 Das Buch vom Glück
.«Suchet vor allem das Reich Gottes und
seine Gerechtigkeit, so wird Euch alles
Übrige beigegeben werden!»
.Wie übel hat man doch diese Worte des
Meisters von Nazareth mißdeutet!
.Zwar sagte er nach den Büchern, die seine
Lehre schildern, auch die Worte: «Das
Reich Gottes ist nicht da oder dort; es ist
in Euch!» und zeigte dadurch eine Kraft
im Menschen auf, deren «Gerechtigkeit»,
deren Gesetzbedingungen zu erfüllen
sind, wenn «alles Übrige beigegeben
werden» soll, — — allein wer hatte je den
Mut, die Worte, die hier überliefert wurden,
so zu deuten, wie der Meister sie in schlichter
Weisheit einst gegeben hatte!?!
14 Das Buch vom Glück
.Du wirst für alles, was Du erhalten willst,
vollwertige Äquivalente darbieten müs‐
sen, oder der Menschheit Gesamtorganismus
wird von Dir einstens fordern, was Du
schuldig geblieben bist, und Du darfst Dich
nicht beklagen, wenn er in einer, durch
Deine Wünsche unbeirrbaren Weise, sich zu
seinem Rechte verhilft...
.Ob es nun Dein Verhalten zu völlig
Fremden anlangt, ob Deine Liebe und
Dein Liebesbedürfnis in den Beziehungen
zwischen Weib und Mann in Frage kommt,
ob es sich um die Liebe der Eltern zu
ihren Kindern oder der Kinder zu
ihren Eltern handelt, oder um Geschwi
sterliebe, — — nie darfst Du rechtmäßig
mehr erwarten als Du gibst, und gibt man
Dir mehr, so siehe zu, daß Du baldigst
das Deine dafür entrichtest, wenn Du nicht
willst, daß man es einmal von Dir nehmen
wird, wenn Du es am wenigsten erwartest,
und auf eine Art, die Dir vielleicht wenig
gefallen wird! — — — —
.Die geistigen Gesetze wirken nicht
anders, als die sogenannten physikali
schen Gesetze der äußeren Natur, und wenn
Du eines dieser Gesetze verletzt, dann
weißt Du aus Erfahrung, daß Du die Folgen
zu tragen hast, ob sie Dir gefallen oder nicht.
25 Das Buch vom Glück
.Denkst Du in Harmonien, so wirst Du
in Anderen Harmonien zum Erklingen
bringen, doch denkst Du Verderben und
Chaos, so wirst Du auch in Anderen Ver‐
derben und Chaos bewirken. — — — — —
.Du kannst Dich selbst nicht gesund er‐
halten ohne stete, kontinuierlich festgehal‐
tene Gedanken voll Gesundheit, Schön
heit und Kraft, und Du wirst gleichzeitig
auf Andere wie ein Seuchenherd wirken
durch deine Gedanken, wenn Du, in Deinen
Gebresten seelisch wühlend, nichts als Krank‐
heit und Siechtum zu denken weißt.
.Ich kenne einen, der wurde von den
Ärzten für «unheilbar» erklärt und seine
Krankheit war von einer Art, die noch
heute kein Arzt zu heilen weiß, —
aber durch seiner Gedanken Kräfte hat er
sich selbst geheilt und lebt seit Jahr‐
zehnten als gesunder Mensch.
.Ich kenne einen Andern, dem offenbarte
man auf seinen dringenden Wunsch, daß er
«im besten Falle noch vier bis fünf
Jahre» zu leben habe; — er nahm keine der
ihm verordneten Medikamente, gebrauchte
keinerlei «Kur» und setzte es sich zum
Ziel, durch seine Gedankenkräfte al
lein sich am Leben zu erhalten. Nun sind es
fast zwanzig Jahre her, seit man ihn auf‐
gegeben hatte, — er lebt, ohne jede Kränk‐
lichkeit, in Frische und rüstiger Kraft, und
es erscheint ihm heute wie ein Traum, daß
er einmal die Ärzte brauchte. — — —
.Solche Menschen aber wirken wie Strah
lungszentren der Gesundheit auf ihre
weiteste Umgebung, auch wenn sie nach
strengen ärztlichen Begriffen nicht einmal
als de facto «geheilt» zu betrachten wären.
.Sie fühlen sich geheilt, und die Zeit gab
ihnen Recht, denn die Beschwerden sind
verschwunden.
.Die Sicherheit, die der Erfolg ihnen
gab, schafft ihren Gedanken weiter unwider‐
stehliche Gewalt, und so vermögen sie auf
weite Ferne als Gesundheitsträger nun
zu wirken. — —
.Denke stets Armut und Not, und Armut
und Not werden nicht auf sich warten las‐
sen, — fürchte stets irgendein Ungemach,
und das Mißgeschick wird sich mit Sicher‐
heit an Deine Fersen heften!
30 Das Buch vom Glück
.Willst Du «reich» werden, und glaubst
Du, daß «Reichtum» hier auf dieser Erde
zu Deinem Glücke unerläßlich ist, dann prüfe
Dich auf Herz und Nieren, damit Du die
Äquivalente findest, mit denen Du Deinen
zu erhoffenden Reichtum zu bezahlen ge‐
denkst! — — —
.Es wird Dir auf dieser Erde wie in aller
Ewigkeit niemals etwas geschenkt, und
wenn Du hier in die Lage kommst, jemals
Geschenke, und seien es auch nur Ge‐
schenke konventioneller Art, wie man sie zu
gewissen Festestagen gibt, annehmen zu
müssen, dann frage Dich sofort, wie Du
diese Geschenke an das Menschheits
ganze wieder bezahlen kannst, sonst
wirst Du sie bezahlen müssen, dort, wo Du
es keinesfalls willst...
.Du siehst, es ist nicht ganz leicht,
willst Du alle Bedingungen erfüllen, die
man von Dir verlangt, wenn Du zu
«Reichtum», sei es auch nur in beschei
denster Weise, jemals gelangen willst. — —
.Aber glaube mir, — alle, die jemals zu
Reichtum gelangten, haben ihn nicht auf
andere Weise erreicht, auch wenn sie
selbst sich nicht Rechenschaft geben
konnten!
.Immerfort findet ein Austausch der Güter
statt auf dieser Erde.
.Es ist nichts zu erlangen und auf die
Dauer zu besitzen, wenn Du verwei
gerst, was Du als Gegengabe zu geben
hast an anderen Werten. —
.Hast Du aber nichts zu geben, dann
darfst Du auch gerechterweise nichts er
warten!
.Du wirst nicht mehr erwerben, als was
dem Kaufpreis entspricht. — — —
.Gib Dich keiner Täuschung hin!
.Hier walten unerbittliche Gesetze, und
Du kannst nur durch den Austausch
irgendwelcher in Dir ruhenden Werte
jemals zu «Reichtum» kommen...
56 Das Buch vom Glück
.Gewiß sollst Du nicht «vor dem Götzen
Mammon knien» und den Geldbesitz als
Endzweck erstreben. Dein ganzes Trach‐
ten soll vielmehr als Ziel nur die Bewe
gung des Geldes sehen, soll Dir weniger den
Besitz, als die Möglichkeit schaffen,
immer größere Summen im Dienste geistiger
Werte «ins Rollen» zu bringen. — —
.So wenig Geld Du auch Dein Eigen nennst,
sollst Du doch der Kraft bewußt sein, die in
jedem Pfennig steckt, einem Steinchen
gleich, das eine Lawine verursachen kann,
die größten Summen in Bewegung
setzen zu können. — — —
.Und Du mußt der bewegenden Kraft, die
hinter dem Gelde steht, auch Vertrauen
schenken!
.Diese magische Kraft reagiert sehr emp‐
findlich auf jeden Mangel an Vertrauen,
wie sie auch umgekehrt, ein unerschütter
liches Vertrauen, das mit Geduld ge‐
paart ist, niemals enttäuscht.
.Je mehr Geld Du für eine an sich gute
Sache «arbeiten» lassen kannst, desto mehr
Aussicht wirst Du haben, dieses Geld im
Laufe der Zeit mit Zins und Zinseszins zu‐
rückerstattet zu erhalten.
62 Das Buch vom Glück
.Eine jede Sache, durch die Du der
Menschheit wirklichen Nutzen bringst,
wird früher oder später mit aller Sicher
heit auch neue materielle Werte schaf‐
fen, aber jede Sache verlangt auch den ihr
entsprechenden Einsatz, und wenn er Dir
nicht zur Verfügung steht, dann ist es bes‐
ser, Du läßt Deine Hände völlig aus dem
Spiele, auch wenn Dir die Förderung dieser
Sache hohen Gewinn zu versprechen scheint
und allen Menschen großen Vorteil bringen
könnte.
.Du würdest nur von vornherein unehr
lich handeln, wenn Du einen Gewinn er‐
warten wolltest, ohne den ihm entsprechen‐
den Einsatz riskieren zu können.
.Niemals auch darfst Du das Geld ande
rer Menschen für eine Dir am Herzen
liegende Sache in Bewegung setzen, wenn
Du nicht mit Sicherheit weißt, daß jene
Anderen auch den erforderlichen vollen Ein‐
satz zur Verfügung haben, der ihnen
letztlich die Schaffung neuer Werte und
damit den ihrem Einsatz entsprechenden
Gewinn verbürgt.
.Du könntest nur sonst jene Anderen um
ihre Habe bringen, und Dich allein würden
die geistigen Gesetze des Menschheitsganzen
dann für den angerichteten Schaden haftbar
machen.
64 Das Buch vom Glück
.Sehr viele wissen auch nicht, daß es
durchaus nicht in ihrem Belieben
steht, bis zu welcher Höhe sie neue mate‐
rielle Werte erzeugen wollen, sondern daß
jeder Einsatz seine bestimmte Summe
neuer Geldes-Werte schaffen muß, ob diese
Summe nun über oder unter dem er
wünschten Ergebnis steht. — —
66 Das Buch vom Glück
.Wohl oder übel wirst Du auch Geld zu den
Wirkungsmitteln Deines irdischen Glückes
rechnen müssen, und willst Du Dein Glück
Dir schaffen, mußt Du auf die Gesetze
achten lernen, denen Geld und aller
materielle Wert, den Geld vertritt, stets
nur ein Diener geistiger Impulse ist...
70 Das Buch vom Glück
.Wer entschlossen ist, sein Glück zu schaf‐
fen, für den gibt es keinen «grauen All
tag», keine Furcht und keine Sorge mehr!
.Er weiß eine Macht in sich, die alles
Trübe, alles Drohende bezwingt.
.Er wird sich heute nicht um das, was
«Morgen» sein mag, sorgen, und doch wird
jeder seiner Tage ihm den kommenden
Tag in bester Weise vorbereiten. —
.Er wird zu lernen wissen, in der Gegen
wart zu leben, und als ein Schaffender
das Gegenwärtige zu formen.
.Er wird der Bildner seines eigenen Le
bens sein, und wird die Kunst, das Leben
lebenswert zu machen, durch Beispiel,
Alle, die ihm nahekommen, lehren.
.Zwar wird er nicht Allzuviele als seine
Schüler sehen, allein ein Jeder, dem er
durch sein Beispiel Lehre gibt, wird als
«Geheilter» durch diese Lehre auch wieder
Andere «heilen» und so die kranken Zellen
im Menschheits-Gesamtorganismus vermin‐
dern helfen.
71 Das Buch vom Glück
.Um Dir Dein Glück zu schaffen, mußt
Du jedoch, trotz allem Übel, trotz allem
Schlechten, das Dir begegnen mag, mit
unerschütterlicher Energie Dir den Glau
ben an die siegende Kraft alles Guten
erkämpfen.
.Du darfst niemals den Mut verlieren,
wie trübe sich auch die Wetterwolken über
Deinem Haupte zusammenballen mögen! — —
.Bist Du krank, dann er-glaube Dir Deine
Gesundheit, und wenn Dein Körper noch
zu retten ist, dann werden die Ärzte, denen
Du Dich vertraust, Dir dankbar für Deine
Hilfe zur Genesung sein! Ist aber Deinem
Körper nicht mehr aufzuhelfen, dann hast Du
durch Deinen Glauben Dir einen Fond an
Energien geschaffen, der Deinem geisti
gen Körper dienen wird, sobald Du diesen
Körper der sichtbaren Erde, der Dich quälte,
von Dir abgespalten haben wirst.
76 Das Buch vom Glück
.Aus allem, was Dir begegnet, mußt Du
ein, wenn auch noch so winziges, Fünkchen
Glück herauszuschlagen suchen und stets
mußt Du bestrebt sein, alles zu Deinem
Glück zu deuten!
.Vom Morgen bis zum Abend darf kein
Geschehnis, und sei es auch noch so unbe‐
deutend, an Dir vorüberziehen, aus dem Du
nicht irgendein noch so kleines Glück Dir
herauszuholen weißt.
.Jeder Blick Deiner Augen, alles was Du
hören magst, muß Dir irgendein Weniges
als Glücks-Tribut hinterlassen und Du mußt
Dich so daran gewöhnen, wie Dich das Glück
tatsächlich auf all Deinen Wegen verfolgt,
daß es Dir «selbstverständlich» wird,
wenn Dir ein großes Glück dereinst be‐
gegnet. — — —
.Ohne die stete Gewöhnung, auf allen
Wegen dem Glück auf allerlei Weise und
auch im allerkleinsten Ausmaß begegnen zu
wollen, wirst Du nicht die richtige
Atmosphäre schaffen, die Du brauchst, um
Dir Dein volles Erdenglück zu gestalten. —
.Du mußt für Dich und Andere ein Ma
gnet des Glückes werden, wenn du bald
und ohne Fehlschlag zum Schöpfer Deines
Glückes werden willst. —
80 Das Buch vom Glück
.Gehe gelassen Deinen Dir gegebenen Er‐
denweg und bewahre stets Deine innere
Ruhe, wie sehr auch von außen her die
«Schicksals-Schläge» regnen mögen.
.Läßt Du Dich aus Deiner Ruhe zerren,
dann bist Du freilich verloren, aber niemals
werden Dich die Kräfte, die auf dieser Erde
Unglück schaffen, wirklich besiegen kön‐
nen, wenn Du in steter sicherer Ruhe, trotz
ihres Wütens, auf Dein Glück und auf die
helfenden Mächte, die Dir zur Seite ste‐
hen, vertraust. — — —
.Du wirst mit einiger Ausdauer sicher
Dein Glück Dir zu schaffen vermögen, auch
wenn Du zu dieser Stunde noch umgeben
sein magst von «Unglück» aller nur er‐
denklichen Art. —
89 Das Buch vom Glück
.„Nicht wer: Herr, Herr! zu mir sagt,
wird in das Reich der Himmel aufgenom‐
men, sondern wer den Willen meines
Vaters tut,” — wer diesen Willen in sich
fühlt, und ihn in seiner Tat erfüllt! —
98 Das Buch der Liebe
.Sie werden aus Leben und geistiger Tat
alsbald auch in die Liebe gelangen, und
in der Liebe entbrannt, dereinst zu ewigem
Leuchten!
.Dieses Leuchten aber aus dem Urlicht,
ist dein unvergängliches Ziel, und damit
du es dereinst erreichen wirst, suche ich
allen Schutt, der dich noch anfüllt und im
Dunkel hält, aus deinem Innern zu ent‐
fernen...
.Glaube mir, oder glaube mir nicht, —
nur handle nach meinen Worten und ver
halte dich folgerichtig ihrem Sinne
gemäß, damit du in dir selbst zu geistiger
Erfahrung kommst und dann nicht mehr
abhängig bist von der Bestätigung oder
dem Zweifel deiner selbstgesponnenen Ge‐
danken!
107 Das Buch der Liebe
.Die höchste, „himmlische” Form der
Liebe kann sich dir enthüllen, selbst in
deinem nüchternsten Tagewerk, und gar
mancher saß schon am Webstuhl oder ging
hinter dem Pfluge her, dem sie in all seiner
Einfalt zu eigen ward, während andere sie
auf hohen Kanzeln verkünden konnten
ihr Leben lang, ohne sie jemals in sich
selbst zu finden. — —
.Selbst dort, wo du wahrhaftig nur in
Mühsal werkeltäglich Tun zu treiben
glaubst, kann sie in dir sich schöpferisch
entfalten...
.Weit stärker noch empfindet sie wohl ein
jeder am Werke, der sich zu schöpferischem
Tun berufen weiß: — der selbst gestaltend
formt, wozu der Geist ihn treibt.
.Kein großes Werk echter Kunst ist hier
auf Erden je entstanden, ohne die Schöpfer
kraft der Liebe, die den Formenden er‐
füllte!
.Doch wäre es wahrlich ein enger Irrtum,
wollte der Künstler allein sich solcherart
begnadet wähnen!
.Es gibt gar vieles Tun in diesem Erden‐
leben, bei dem in anderer Art, auf weniger
sichtbare Weise, der Liebe Schöpferkraft
den Wirkenden erfüllen muß, soll seines
Lebens Werk die höchste Weihe tragen!
.So manches Tun, das recht ferne dem
Bereich der hohen Kunst sich auswirkt,
kann in höherer Betrachtungsweise der glei
chen Urgesetze Offenbarung zeigen, und
den gleichen schöpferischen Drang ver‐
langen, der sich im Werk des Künstlers
nur in augenfälligerer Art bekundet.
.Es gibt kein Erdenwirken für den Men‐
schen, das nicht der Liebe hohe Schöpfer
kraft aus seiner Enge Fessel lösen könnte!
.Doch, willst du die Schöpferkraft der
„himmlischen” Liebe in ihrer wundersam
sten Auswirkung erkennen, dann mußt du
selbst dich ihr als Material der Formung
überlassen!
.Vergeblich wirst du aus dir selbst
heraus versuchen, deine höchste Form
zu finden, solange du nicht willig durch der
Liebe Schöpferkraft dich wandeln lassen
willst!
.Vergeblich wirst du Tag um Tag an dir
zu feilen und zu schleifen suchen, solange
du die Schöpferkraft der „himmlischen
Form der Liebe hinderst, aus dir selbst
das Götterbild zu formen, das den Geist
in dir verkörpert zeigen soll!
.Aus deiner Formkraft Auswirkung al
lein kann es sich nie gestalten, so sehr
auch die ewige Schöpferkraft der Liebe
deines Wirkens Kräfte, die sie selbst dir
gab, zu ihrem Werk bedarf! —
.Du sollst gewiß nicht müßig sein, und
deine Eigenkräfte können nur durch stete
Übung so erstarken, daß sie der hohen
Schöpferkraft der Liebe wahrhaft Werk
zeug werden bei der Formung deiner selbst;
— allein du wirst das Werkzeug nur der
geistigen Meisterschaft höchster Liebe an‐
vertrauen dürfen, willst du dich selbst in
höchster Form erstehen sehen!
— — — — — — — — — —
.Auch dann noch wird, solange du auf
Erden leben magst, gar manches Äußere
der höchsten Formung sich nicht stetig
gen wollen und du wirst immerfort das
Werkzeug tauglich halten müssen, damit
die hohe Form, die dir verliehen ward, nicht
wieder schwindet, und nur ein Torso übrig
bleibt, der schmerzvoll ahnen läßt, was
hier einst schon gestaltet war...
121 Das Buch der Liebe
.Nur dann, wenn die Erkenntnis aufzu‐
glühen beginnt, daß die Form des mensch‐
lichen Zusammenlebens auf dieser Erde
durch die Arbeit des Einzelnen an sich
selbst bestimmt wird und nur in sehr
bedingtem Maße von außen her zu beein‐
flussen ist, darf man sicher sein, sich auf
dem Wege zu befinden, auf den ich die mir
Vertrauenden zu leiten suche.
.Es ist der einzige Weg, der aus der
Wirrnis dieser Tage hinaus und hinauf
zur Klarheit wertbestimmender Überblicke
führt, und zugleich der einzige Weg, der
den verirrten Einzelnen in sich den Frie
den finden läßt, nach dem alle noch nicht
völlig verhärteten Herzen so heiß verlangen.
.Tierhafte Kampflust wird sich dann
nicht mehr ungezähmt, als Zerstörungs‐
faktor inmitten menschlicher Gemeinschaft
austoben können, sondern, zu geistiger
Wehrhaftigkeit sublimiert, die Vielheit
der Einzelnen fähig machen, alle Angriffe
niederer planetarischer Gewalten auf die
eigene Seele in sich selber zurückzuweisen,
— im sicheren Bewußtsein der einzigen
Kraft, die alle auf Erden drohenden, glück‐
zerstörenden Triebkräfte siegend bezwingt!
137 Das Buch der Liebe
.Arm ist — wirklich bettelarm, und
wenn er über alle Schätze der Erde ver‐
fügen würde — wer die unerschöpfliche
Verstärkungsmöglichkeit aller seiner
Kräfte nicht kennt, die in der Fähigkeit
zur Arbeit ihm gegeben ist. —
39 Das Buch des Trostes
.Nachdem so ein folgenschwerer Irrtum
Berichtigung fand, sei hier nun die Rede
von der bedeutsamen Kraft der Seele,
die durch jede Art von Arbeit — jedoch
allein nur, wenn sie in der intensivsten
Art betrieben wird — gewonnen werden
kann, und die in allem Leid auch die
Kraft des echten inneren Trostes fördert.
44 Das Buch des Trostes
.Nichts schafft dir eher den inneren Trost,
der sich als Kraft dir offenbart, und lehrt
dich mit seiner Hilfe auch das herbste
Leid bezwingen als Arbeit, die du so
verrichtest, wie jede Arbeit getan werden
will, soll sie dein Seelisches fördern!
.Nichts führt dich eher zum Neube
ginn!
46 Das Buch des Trostes
.Wer solche Art der Arbeit kennt, der
allein hat auch ein Recht, nach getaner
Arbeit zu ruhen, aber auch seine Ruhe
wird ihm fruchtbar werden, weil ihm als‐
dann die Frucht der Arbeit anderer Gei‐
ster durch mentale Influenzen dargeboten
wird, nach seiner Fassungskraft. —
.Und ebenso wird dir, wenn du im
Leide stehst und die Kraft des Trostes
durch deine Arbeit zu erreichen suchst,
nachher in deiner Ruhe großer Trost
im eigenen Innern werden, der von gei
stiger Seite stammt, und den du in sol‐
chem, durch die Arbeit wiederhergestell‐
tem Gleichgewicht allein zu empfangen
fähig bist. —
47 Das Buch des Trostes
.Ein anderes Mal kam die Rede darauf, wie
das Erleben des Erdendaseins, im Lichte
des Geistes betrachtet, zu werten sei, und
der Erhabene begann zu sprechen:
.«Du sollst dein Erleben schleifen, wie man
den Diamanten schleift, — in seinem eige
nen Staube!...
.Du sollst dein Erleben 'fassen' — wie einen
kostbaren Edelstein! — —
.All dein Erleben muss sich in klare Facet
ten schleifen lassen, damit es das Licht des
Himmels gleichsam: wie in geometrisch geord‐
neten Formen, wiederstrahle. —
.Wie ein Goldschmied sollst du bedächtig den
'goldenen Ring' zu schaffen wissen, der deinem
'geschliffenen' Erleben die würdige 'Fas
sung' werden darf!
.Du selbst bist dein Erleben! —
.Du selbst bist die 'Fassung'! —
.Du selbst bist der Edelstein-Schleifer
und der Goldschmied deines Lebens-Rin
ges! —
.Was du so schaffen wirst, — schenke du
dem Unendlichen! —
.Dich selbst — schenke dem Unendlichen,
als ein Geschmeide!...
.In seiner Schatzkammer wirst du sicher
und geborgen sein. — — —
.Als ein Kleinod des Herzens wird dein
Erleben ewig im Lichte der Ewigkeit
strahlen! —»
21 Das Buch der Gespräche
.Wie aber du dann auf den letzten deiner Er‐
löser harren magst, so warten heute Menschen‐
geister, die in früher Vorzeit auf der
Erde im Fleische waren, — auf dich! — — —
.Siehe zu, dass in deinem Leben den letzten
Ausgleich findet, was du von jenen früheren
in dir trägst!
.Siehe zu, dass du auch nicht neue Impulse
schaffst, wenn du nicht selbst gewillt bist,
sie in deinem Erdenleben zum völligen Er
schöpfen zu bringen! — —
.Du sollst zwar auch neue Impulse schaf‐
fen, aber nur solche, denen du sicher in
deinem Erdenleben selbst genügen kannst,
nach menschlichem Ermessen. — — — — —
.Was nützt es dir, wenn du Impulse schaffst,
die deiner Ansicht nach das Wohl der ganzen
Welt bezwecken, wenn aber deiner Hand sich
dann entwindet, was du also schufst, bevor du
selbst imstande warst, das so geschaffene zum
Ausklang hinzuleiten! — — — — — — — — — —
.Dir und anderen wirst du so nur Leiden
schaffen, denn im Reiche der Seele kann nichts
verursacht werden, ohne bis in seine letz
ten Konsequenzen durchzuwirken durch
Jahrtausende...
63 Das Buch der Gespräche
.Wehe dem, der noch in Zweiheit lebt und
noch nicht 'Ich' geworden ist in mir! — — —
.Alles Äussere ist dir gegeben, es zu überwin‐
den!
.Ich aber bin der Herr des Äusseren und
Inneren, und du wirst nur in mir, — mit mir
zu einem Ich vereint, jemals zur Herrschaft
gelangen können über alles, was in dir und
ausser dir ist! — — — '
69 Das Buch der Gespräche
.Wer aber zu uns kommen will, damit wir
ihm auf geistige Weise geben können, was
er sucht, der sei ein nüchterner, gütiger, stiller,
aber — — erdfarbener Mensch! — — —
.Ihn wird die hohe Gemeinschaft gewiss zu er‐
reichen wissen.
.Er wird ihrer Gaben an jedem Orte der Erde
und in jedem Zustand äusseren Lebens teilhaft
zu werden vermögen, und dies umso eher, je
mehr er sich bemüht, vor allem, was er geistig
erstrebt, seine irdischen Pflichten gegen
sich selbst, gegen seine Nächsten im engeren
Sinn, und gegen die Menschheit im allgemeinen,
zu erfüllen. — —
84 Das Buch der Gespräche
.Auch sollst du ihn lehren, seine 'Gehirn‐
gedanken' an Gehorsam zu gewöhnen, so dass
er nicht ihr Sklave wird. —
.Er soll lernen, jene Gedanken festzuhal
ten, die sein Tun bestimmen dürfen, allen
anderen aber keine Beachtung zu schen‐
ken. — —
.Er soll wissen, dass er nur seine Nerven zu‐
grunde richtet, wenn er unfruchtbare oder ver‐
derbliche Gedanken durch Kampf gegen sie,
aus sich entfernen will, dass er aber leicht ihr
Herr wird, wenn er sie völlig unbeachtet
lässt, wie sehr sie auch immer wieder sich in sein
Bewusstsein einzudrängen versuchen.
.Er muss wissen, dass er niemals, es sei denn
auf Kosten seiner Nerven, ohne Gedan
ken sein kann, dass es aber in seiner Macht
steht, den gewollten Gedanken sich hinzu‐
geben und die ungewollten dabei in aller
Ruhe, wie Bilder, die ihm nichts mehr zu sagen
haben, an sich vorüberziehen zu lassen. — — — —
.Solche stete Übung, die dann allmählich zur
Gewohnheit wird, schafft Ruhe und Ordnung
im Denken, das des Gehirns bedarf, und diese
Ruhe und Ordnung ist erste Vorbedingung,
will der Mensch einst dahin gelangen, den sich
selbst bewusst empfindenden, lebendigen
Urgedanken aus seinem Schlafe zu erwecken.
.Hat er ihn erst in sich erweckt, was allerdings
unter Zehntausenden kaum einem gelingt, nur
weil so wenige wagen, ihn zu erwecken, — dann
wird ihm alles 'Denken' wie er es vorher
gleich allen andern allein vermochte, nur wie
der Schatten eines Lichtes erscheinen, das er
bis dahin kaum in seinen fernsten Strahlen er‐
ahnte. — — — — — — — — — —»
92 Das Buch der Gespräche
.Alles mühsam erworbene Können wird
aufgerufen, jede seelische Quali
tät des Schaffenden wird in gestei
gertem Maße bewußt und lebendig, alle
Kräfte der Seele werden leicht und
frei, während das eigeneIch” in
ganz unerhört krafterfüllter Weise so schaltet
und waltet, daß der Künstler, wenn er später
wieder dem Alltag gehört, sich selbst
fremd vorkommt und zu der Annahme
neigt, er könne gar nicht der gleiche sein, der
in so souveräner Weise in den Stunden des
Schaffens all seine Seelenkräfte ans Licht zu
bringen wußte.
154 Das Mysterium von Golgatha
.Nicht nur dir selbst sollst du in diesem
Erdenleben deine Kräfte, deine Macht und
deine Sorge widmen, aber auch nicht nur
den Anderen!
.Auch hier mußt du mit unerbittlichen Ge‐
setzen rechnen...
.Je näher du der Harmonie, die geisti
ges Gesetz von dir verlangt, zu kommen
weißt, desto mehr wirst du an Bleibendem
gewinnen.
.Möge es dir gelingen auch dein geistiges
„Soll und Haben” derart in Ordnung zu
halten, wie es der gute Kaufmann innerhalb
der Welt der Erdenwerte von sich verlangt,
dann wirst du gewiß das Werk deiner Erden‐
tage niemals zu bereuen haben!
219 Das Mysterium von Golgatha
Beim Bau des erhabenen Domes, den es
geistig zu errichten gilt, ist jeder, der daran
arbeitet, Arbeiter, Werkzeug und Bau
stein zugleich.
.Arbeiter” durch seinen freien Willen,
wird er zum „Werkzeug” durch die er‐
worbene „Kunst”: — durch Deutung der
Symbole, die ihm ihre Anwendung zeigen,
— und zum „Baustein” endlich durch die
Arbeit an sich selbst, mittels der bau‐
gerechten Zubereitung im rechten Ge‐
brauch des dargebotenen Werkzeugs.
.Nur aus kunstgerecht nach geistiger An‐
weisung der bauleitenden „Steinmetzen”
behauenen Steinen kann der Dom der
Menschheit nach dem ewigen, aus der Lie‐
be, die Gott ist, gegebenen Bauplan er‐
stehen.
.Jeder, der an diesem hochheiligen Tem‐
pel Gottes „bauen” hilft so gut er es ver‐
mag, will sich selbst als tragenden Bau
stein seinem Gefüge einverleiben, den
Weisungen Derer entsprechend, die selbst,
durch eigenen Willens Auswirkung, zu ra‐
genden Säulen behauen, als Monolithen,
das hohe Gewölbe des Tempels zu tragen
haben.
.Um Baustein zu werden, muß jeder,
der danach strebt, das Handwerk erlernen,
muß Unterweisung erhalten von einem,
der bereits das Handwerk kennt, damit er
fähig wird, das Handwerkszeug gebrau
chen zu können und damit sich selbst nach
Vorschrift geistiger Planung zu bearbeiten.
.Noch ist er ein rauher, unregelmäßig ge‐
formter, dem Steinbruch entnommener
Stein. Er wird sich durch eigene Arbeit
behauen und schleifen müssen, auf daß er
zum maßgerechten an seine Stelle passen‐
den Baustein werde.
.Ist er es geworden, so wird er willig sich
an seiner ihm vorbehaltenen Stelle ein
fügen lassen in den heiligen geistigen
Tempelbau.
Doch, damit ist er für sich selbst noch nicht
am Ende des Werkes.
.Noch ist er innerlich dunkel, — aber er
soll als Baustein leuchtend werden, denn
der Dom, den es zu bauen gilt, ist aufer‐
baut aus innerlich leuchtenden Steinen,
damit er in den unermeßlichen Weiten der
Ewigkeit mit seinem geistigen Lichte er‐
strahle.
.Nun beginnt für den Mysten die innere
Arbeit, zu der ihn die altgeheiligten Sym
bole der geistigen Dombauhütte leiten, die
er schon zu Anfang kennen lernte, und die
er auch jetzt, nachdem er Baustein wurde,
dem das Handwerkszeug nichts mehr nützt,
in sich behält als untrügliche Räte.
.Trotzdem könnte er, aus sich selbst her‐
aus und allein auf sich beschränkt, nur
schwerlich, und erst nach unermeßlichen
Zeiten, zu eigenem Lichte kommen.
.Er bedarf der Aufnahme jener Strahlen,
die von den anderen „Steinen” ausgehen,
die gleich ihm sich einstens formten, aber
schon leuchtend wurden, — und vor allem
braucht er das Licht jener Säulen-Mono
lithen, die im Innern des Tempels stehen.
.Ohne seine eigene innere Arbeit, zu
der ihn die in seinem Innersten erkann
ten Symbole leiten, würde er aber nie‐
mals tauglich werden, dieses Licht, das
ihn allenthalben umstrahlt, auch aufzu
nehmen, und es könnte geschehen, daß
die hohen Dombaumeister in ihm einen
toten” Stein erkennen müßten: — daß
sie ihn also aus dem Gefüge des Baues zu
entfernen, und einen anderen Stein an
seine Stelle zu setzen hätten. —
K+  K-
.. an meinem! Platz? - Dombaustein ist demnach nicht
"mein Königreich", das nur ich regieren kann, so lange
ich in der Liebe bleibe.
.Bringt er sich aber durch eigene innere
Arbeit soweit, daß das Licht, das ihn rings‐
um überstrahlt, auch ihn im Innern leuch
tend werden lassen kann, dann wird er
für alle ewigen Zeiten in seinem eigenen
Lichte strahlen, allen kommenden Ge
schlechtern leuchtend, am Ziele seiner
mühereichen Arbeit angelangt.
.Mit anderen Worten gesagt: Einer der
ehedem in die Nacht der Nichterkenntnis
tierhaften Daseins gefallenen Menschen‐
geister hat sich selbst im Lichte der Ewig‐
keit wiedergefunden, seiner selbst nun
bewußt als eines ewig Lebenden!
Der hier gemeinte geistige Dombau ist
wahrhaftig noch nicht vollendet, und wird
nicht eher vollendet sein, als bis auch der
letzte der erdgebundenen Menschengei‐
ster, die zurück zu ihrer Urheimat streben,
seinen Weg heimgefunden hat ins Licht.
265 Mehr Licht
Dieser rechte Gottesdienst ist kein Be
dienen der Gottheit, kein Kult, in der Mei‐
nung zelebriert, damit der Gottheit schul
digen Tribut zu entrichten, sondern ein
freiwilliges Darbieten aller Kräfte und
Fähigkeiten des Menschen, damit sie Die
ner des göttlichen Willens werden, auf
daß sie bedingungslos sich der Lenkung
des lebendigen Gottes in des Menschen
eigener ewiger Geistigkeit unterordnen,
— eine Erlösung aus dem Chaos wilder
Wünsche, ein Kristallisationsprozeß, bei
dem jedes Kräfteatom sich der ewigen kos‐
mischen Gestaltungskraft überläßt, um so
an seine geordnete Stelle zu gelangen.
.Mag der Mensch auch in äußeren Kulten
seine Erhebung suchen, mag auch die Seele
tief innerlich berührt durch kultische
Handlung sein, so wird doch wirkliche Ver
einung der Seele mit der Gottheit nur ge‐
funden durch solche Hingabe aller Kräfte
des Menschen in ihre Hand.
Hier wird eine „Dienstbarkeit” gefordert,
die allein zu höchster Freiheit zu führen
vermag, ein Dienen, das zum Herrschen
lernen in sich selber leiten soll, ein Unter‐
ordnen, um alles Niedere dem Höchsten
anzugleichen, damit es im Rhythmus die‐
ses Höchsten zu schwingen vermag, und
so erhalten bleibe durch alle Äonen ewigen
Lebens. —
.Dieses Erhalten der Individualität, der
Bewußtseinsfülle, über den Tod des Kör‐
pers hinaus, aber durch ihn nicht berührt,
durch alle Ewigkeiten hindurch, — dieses
In-Gleichklang-Setzen aller Kräfte mit
dem ewigen Gottesfunken, um den herum
sich alles Bewußtsein geordnet kristalli‐
sieren soll, ist ja dem Wissenden der End‐
zweck allen richtigen geistigen Strebens
des Menschen auf dieser Erde.
276 Mehr Licht
Aber man braucht hier nicht weit zu suchen
und keine bedenklichen Seitenwege einzu‐
schlagen, um solche Stärkung zu finden.
Das Leben des Alltags wird sie reichlich
spenden, wenn man es recht zu leben weiß.
Hier aber wissen wieder wenige, wie hoch die
Kräftigung und Kraft-Erneuerung zu
werten ist, die da aus recht getaner Arbeit
fließt! — — —
76 Das hohe Ziel
So wie sie durch unablässige Tätigkeit nur
ihre Körperkraft erlangten, so kannst du
heute ungeahnte geistige Kraft aus jeder
Arbeit schöpfen, die du so zu tun weißt, daß
kein anderer sie besser leisten könnte! — — —
So wie jene Zirkusleute in angespannte
ster Aufmerksamkeit auf jeden Hand‐
griff, jede Bewegung achten müssen, soll ihr
Werk gelingen und ihr Leben nicht in äußer‐
ste Gefahr geraten, so wirst freilich auch du,
soll deine Arbeit dir geistig fruchtbar wer‐
den, stets alles, was sie von dir verlangt, mit
solcher Konzentration vollbringen müs‐
sen, als hinge dein Leben von jedem ge‐
wohnheitsmäßigen «Handgriff» ab! — — —
Ob deine Gedanken oder deine Hände
zumeist bei deiner Arbeit beteiligt sind, stets
wird es eine Menge solcher «Handgriffe» ge‐
ben, die du fast ohne Bewußtsein «rein
mechanisch» und gewohnheitsmäßig machst
und so selbst erniedrigst...
So werden sie dir freilich öde und eintönig er‐
scheinen!
Wie aber jene kühnen Akrobaten, deren Ar‐
beit dir wie ein fröhliches Spiel erscheint, an
jedem Abend, der sie zu gleicher Arbeit vor
eine zum Schauen bereite Menge ruft, aufs
neue stets auf jede leiseste Muskelbewegung
zu achten haben, da die gleiche Darbietung
ihrer Künste am heutigen Abend doch
mißlingen könnte, auch wenn sie gestern
gelang, so wirst auch du dir klar zu machen
haben, daß auch der gleiche «Handgriff»
immer ein Neues darstellt, so oft du ihn
auch geübt haben magst? —
.So «einförmig» auch, so «geisttötend»
dir deine Arbeit erscheinen mag: — beachte
sie in solchem Sinne und werte sie nicht vor
dir selbst noch mehr herab, — dann wirst du
entweder entdecken, wie du sie aus ihrer Ein‐
tönigkeit erlösen kannst, oder du wirst den
gleichen «Handgriff», das allezeit gleiche
Tun, das sie Tag für Tag von dir verlangt,
stets mit neuem Bewußtsein tun, so daß
dein Geist der gleichen Sache tausend neue
Seiten abgewinnen wird! — — —
Erziehe dich selbst dazu, an deiner
Arbeit Freude zu empfinden, auch wenn sie
keineswegs geeignet scheint, dir Freude zu
bereiten! — — —
Bezwinge deine Abneigung, und du
wirst auch der ödesten Arbeit überlegen
sein; — sie wird dir Freude bringen durch
die Art ihr zu begegnen!
Steht deiner Arbeit Aufeinanderfolge in dei‐
ner freien Wahl, dann wähle zuerst, was dir
am meisten widerstrebt und suche es zu
lieben!
Hast du dein stärkstes Widerstreben besiegt
und dich als stärker erwiesen, so wird dir
schon daraus allein eine Freude werden,
die dir auch alle weitere Arbeit in Freude
verwandeln wird! — —
.Du darfst deine Arbeit niemals nur als
Mittel betrachten, das eben gebraucht wer‐
den muß, um das zu erlangen, was deines
Lebens Notdurft erheischt! —
Hier irren die allermeisten!
Gewiß ist jede Arbeit ihres Lohnes
wert, und du selbst machst dich schuldig,
wenn du einem Ungerechten dienst, der etwa
dir vorenthalten möchte, was er dir
schuldig wurde als dein Schuldner für dei‐
ner Arbeit Wert! — — —
Allein was so dir als Frucht deiner Arbeit
gehört, ist geistig genau bestimmt! Du
machst dich nicht minder schuldig, wenn du
etwa mehr für deiner Arbeit Wert dir geben
läßt, als sie dem anderen, für den du sie lei‐
stest, Wertzuwachs schafft, — wobei du nie
vergessen darfst, inwieweit auch der andere
irgendwie durch seine Arbeit an der deinen
indirekt beteiligt ist! — — —
Doch aller Arbeit äußerliche Entlohnung
bleibt nur ein Geringes gegenüber dem, was
dir deine Arbeit an geistigen Werten ver‐
mitteln kann, so du sie zu schätzen weißt, als
Arbeit um der Arbeit willen!
In der gutgetanen Arbeit selbst liegt
ihr höchster Wert beschlossen, den dir
keiner vorenthalten, den dir keiner rauben
kann. — — —
.Auch in der allergeringsten Arbeit
läßt sich höchste Vollendung erstreben,
und wird sie erreicht, wie sie nur intensiv
ste Hingebung an die Arbeit erreichen
kann, dann ist stets ein unermeßlicher Zu
wachs geistiger Kraft die naturgegebene
Folge. —
Der Arbeiter an der Maschine, der Tag um
Tag nichts anderes da zu tun hat als etwa
Schrauben zu drehen, kann auf solche Weise
hohe geistige Kräfte in sich zutage för‐
dern, während ein anderer, der seiner Mei‐
nung nach nur in hohen geistigen Dingen
lebt, aber weit mehr auf seine geheimnis‐
vollen Schauer achtet, als auf die Güte der
Arbeit, die ihm in irgendeiner Weise aufge‐
tragen ist, völlig leer ausgeht und sich nur
selbst betrügt, wenn er seine geistigen
Kräfte im Wachsen glaubt. — — —
.Zur Erlangung der geistigen Kräfte, die
durch intensive und auf die höchste Arbeits‐
Leistung eingestellte Arbeit zu erhalten
sind, ist es nicht nötig, daß die Art der Ar‐
beit selbst schon Geistigem diene! —
Doch, wenn auch die dauerwertige Frucht
der Arbeit auf solche Weise in einem steten
Zuwachs geistiger Kraft besteht, so wäre
es dennoch töricht, wollte man hier der an
deren Früchte nicht achten, die solche
disziplinierte Arbeit auch dem Alltag
bringt. — —
Noch wissen die meisten nicht, was solche
Arbeit auch im Alltag bedeutet, obwohl sie
es wahrlich aus manchem Beispiel ersehen
könnten! —
Nur Arbeit um der Arbeit willen: —
Arbeit, die das höchste Resultat erstrebt,
kann jenen ersehnten allgemeinen Wohl
stand schaffen, der niemals zu erreichen ist,
solange Arbeit noch wie ein lästig Not
wendiges nur erduldet wird! — — —
Der weiß noch nichts vom Segen der Ar‐
beit, der seine Arbeit nicht lieben lernte! —
Der wird den Segen der Arbeit niemals ge‐
nießen, der sich ein Glück erträumt, dem
die Arbeit fehlt! — —
82 Das hohe Ziel
Solange du eine Werkstatt des Alltags bist,
— und das sollst du im Alltag sein, — wirst
du auch mit der Seelenspeise, die dir der All
tag bringt, vorlieb nehmen müssen, und für
die Zeit deiner Arbeit in der äusseren Welt
wird dir solche Nahrung auch genügen.
Zuweilen aber wird sich deine Seele ermü
det zeigen, was du daran bemerkst, dass sie
die Speise, die ihr der Alltag bietet, nicht
mehr aufzunehmen fähig ist.
Sie hungert alsdann nach einer anderen Er‐
nährung, die ihr der Alltag — und sei er an
seelischer Speise noch so reich — nie und nimmer
gewähren kann.
In solchen Stunden musst du wissen, dass es nun
an der Zeit ist, der Seele ein Fest zu bereiten!
120 Auferstehung
Wohl ist es dir Pflicht, dem Alltag als Werk‐
statt zu dienen, doch sind dir auch Feier
stunden gesetzt, in denen du frei bist, die
Form zu wählen, die deiner Seele tiefstes
Sehnen verlangt.
In solchen Feierstunden kannst du dich selbst
zum hohen Dome wölben und in dir sel
ber kannst du die Mysterien begehen...
Du selbst kannst dich mit Glockenklang und
Orgelton erfüllen!
Du selbst wirst hier der Sänger heilig-hehrer
Psalmen sein!
Wenn du zu deuten weisst, was bildhaft hier
zur Sprache werden will, dann weisst du längst
schon um die Art der «Festesfreude», die deine
Seele braucht, soll sie im Alltagsdasein nicht
verkümmern.
Du kennst die Stunden nur zu gut, in denen
deine Seele müde wird und alles, was ihr sonst
als Nahrung diente, von sich weist.
Ich rate dir: quäle dich nicht in solchen Stun‐
den, sondern suche alsbald deiner Seele ein
Fest zu bereiten!
Schliesse dich ein in dein Zimmer oder gehe hin‐
aus in die Natur, um dort eine Stätte zu suchen,
in der dich niemand stören kann.
Dort oder hier, wo immer du mit dir allein
sein kannst, ist der rechte Ort, und sei es selbst
mitten unter anderen Menschen, so du nur sicher
sein darfst, dass sie dich nicht nötigen zur Rede.
Bist du mit dir alsdann allein, so ignoriere
alles in dir, was dich an den Alltag und an des
Alltags Kämpfe und Plagen noch erinnern will.
Du wirst später wieder Zeit genug finden, alles
zu schlichten und winkelrecht zu richten, was
dich jetzt etwa beirren möchte.
Mache dich leer von allem, was dir nicht fest
lich, nicht festesfreudig erscheint!
Dann aber forme in deinem Denken das reinste,
grösste und schönste Bild eines Menschen, das
noch in der Gewalt deiner Vorstellungskraft
beschlossen liegt.
Lasse dieses Bild in dir lebendig werden, und
wenn es greifbar vor deiner Seele steht, dann
identifiziere dich mit ihm und schlage
dir jeden Gedanken aus dem Sinn, der dir zu
zeigen suchen will, wie sehr du dich, — und
nicht zu deinen Gunsten, — von diesem idealen
Bilde unterscheidest! —
Gewiss bist du in deinem Alltagsdasein diesem
von dir selbst geformten und darum in dir als
Möglichkeit bezeugten Bilde noch nicht gleich,
und niemand weiss, ob du dir selber treu ge‐
nug zu sein vermagst, dich ihm einst völlig
anzugleichen.
Allein: — für diese deine Feierstunde sollst
du zu vergessen trachten, was an dir noch
Mangel ist!
Für diese deine Feierstunde sollst du dich nur
in dem von dir geformten hohen Menschen‐
bilde sehen, und alles, was ihm nicht ent‐
spricht, sollst du von dir weisen.
In solcher Haltung erzeuge nun in dir eine
heilige Weihestimmung voll innerer Festes‐
freude und Dankbarkeit, ohne jegliche Rück‐
sicht auf deine Gewohnheit, dir durch dein
Denken erst die Berechtigung zu deinem
Tun zu beweisen.
Sei ohne Sorge und glaube mir, dass nach dei‐
ner Rückkehr in das Alltagsdasein sich gar
manche Stunde anbieten wird, in der du alles
nachholen kannst, was du in deiner Feierstunde
etwa an Selbstkritik zu versäumen meinst! —
Es ist so unendlich wichtig für deine Seele,
dass sie alle deine menschlichen Schwächen und
Fehler kennt, aber es ist noch wichtiger, dass
du ihr dann auch des öfteren die Möglichkeit
schaffst, dich so zu sehen, wie du werden
kannst, nachdem du einst Herr geworden bist
in dir selbst! — —
123 Auferstehung
Weise wirken deine hohen Kräfte: — gegründet
sind sie in deinem Willen...
Wie die Sonne ihre Strahlen sendet, so sendest du
deine Kräfte aus: — sie sind nicht mehr in dir, und
doch bist du in ihnen...
In allen Welten wirken sie auf gleiche Weise: —
auch diese Finsternis ist ihres Wirkens voll...
Liebe ist ihr innerstes Gesetz; — nur wer in der
Liebe ist, dem können sie dienen...
*
Wahrlich, der Menschengeist kann sich nicht son
dern aus dem All des Geistes: — was immer Geistes
zeugung ist, wird durchlebt von dem gleichen Le
ben. —
Töricht ist jeder der da handelt als ob ihm Tren
nung vom Ganzen möglich sei? —
Töricht ist jedes Streben das der Gemeinsamkeit
entraten will? —
Töricht ist jede Tat, wie hoch man sie auch an sich
selber werten möge, fügt sie sich nicht dem alles
Geistige vereinenden Gesetz der Liebe! —
Zahlreich ist solche törichte Tat in der Finsternis!
Die im Dunkel Träumenden erträumen sich eine
gesonderte Welt: — jeder nach seinen Wünschen
und Begierden...
So ist all ihr Tun ein totes Mühen: — die Kräfte
des Lebens sind ihrer Tat nicht verbunden!...
*
O ihr Menschengeister, die ihr in die Finsternis
geboren seid und nach dem Lichte verlangt, wisset,
daß ewige Geisteskräfte euch zu Dienern werden,
so all euer Tun in der Liebe bleibt! — — —
Letzter Antrieb zu allem Tun muß in der Liebe
gründen, soll eurer Tat die hohe Hilfe werden! —
Auf hohen Planen wirken die Kräfte des Gei
stes die euch dienstbar werden können: — Ur
sache schaffen sie aller Wirkung in der irdischen
Welt...
Dort wo sie wirken, dort reicht euer Ruf nicht hin;
— nur eurer Tat Impuls kann sich zu jenen hohen
Reichen heben, so er aus der Liebe stammt! — — —
*
Die hohen geistigen Kräfte werden euch allezeit
dienstbar sein, wenn all euer Tun in Harmonie
bestehen kann mit dem Gesetz des Geistes das in
der Liebe gründet! — —
Was nicht in Liebe sich dem Ganzen einen will,
läuft seinen leeren Lauf; — im Reiche des Geistes
wird seine Spur nicht gefunden! — — —
Ach, es sind viele Taten in der Menschen Mund, die
als „groß” und „weise” gelten: — im Reiche des
Geistes aber sind sie nie geschehen!...
Schein und Schatten nur vermochten sie zu be‐
wegen und in Schein und Schatten wirken ihre
Impulse fort!...
Sie waren nicht geboren aus der Liebe, und nur
was aus der Liebe stammt geht in die Liebe ein...
38 Psalmen
Aus mir gezeugt, soll Tat sich aus dir gebä
ren, auf dass sie weiterzeugend wirke nach
meines ewigen Willens Geheiss! —
Du selbst sollst mir in heiliger Geburt geboren
werden, durch deine wache, selbstgewollte, freie
und des Freien wahrhaft würdig getane Tat! — —
37 Worte des Lebens
.Die Gefühlsfarbe der von Bô Yin Râ geschaffenen Werke, um auf
sie zurückzukommen, ist also mit unseren stets auf Gegensätze sich
stützenden Wortmitteln nicht recht erschöpfend auszudrücken. Den-
noch haben wir Erdgebundenen eine Ahnung von der höheren Ge-
fühlseinung, die über Lust und Schmerz hinausgeht und schon an-
gedeutet ist in den Ekstasen der Geschlechtsliebe, deren Empfindung
im Grunde weder als Schmerz noch als Lust bezeichnet werden kann.
Ebenso ist sie uns zugänglich in jedem schöpferischen Wirken, über-
haupt in jeder hingebenden Erfüllung einer gesetzten Aufgabe, ferner
in meditativer Übung. Es ist das Erlebnis der Erfüllung überhaupt in
seiner ganzen erektiven Gewalt, das Mittelpunktserlebnis des äoni-
schen Seins, also genau dessen, was wir durch das leider oft von Miß-
brauch beleidigte, aber nie zu entehrende Wort Liebe (Minne, caritas,
amor, eros, agape, alle trotz vermeintlicher Verschiedenheit iden-
tische Wortbegriffe) ausdrücken wollen. Diese Liebe als Kraft und
Seinsgehalt, als Entzückung und Einung, sie lebt in den Bildern von
90 R.Schott - Der Maler Bô Yin Râ
und gemäße Daseinsbestätigung. Man lebt dann weder, um zu arbei-
ten, noch arbeitet man, um zu leben. Arbeit soll nicht bloß dumpfe
Nötigung des Daseins, sondern Schaffen und erfrischender Sinn des
Lebens sein.
166 R.Schott - Der Maler Bô Yin Râ