Struktur des Seins
(von mir ausgewählte Textpassagen
in der Reihenfolge der Schriften)

.Wenn ihr schlafenden Menschen nach
der Weise der Erde sagt: — wir sehen die
Welt durch das Auge, wir fühlen oder tasten
sie, und unser Ohr gibt von ihr Kunde,
dann redet ihr von einem kleinen Teile
der Welt, der euch mehr oder weniger er‐
kennbar wird.
.Ich aber weiß das Ganze und lebe be
wußt in ihm...
.Ich sehe, höre und fühle mehr wie ihr!
.Ich lebe in der ganzen Allwelt, die
aus Welten, der euren gleich, gebildet ist
und alles, was ist, in sich umfaßt.
.Ineinander verwoben, — einander durch‐
dringend, — sind alle Welten am gleichen
Ort.
.In eurer Welt verborgen, — verhüllt
durch eurer Welt sichtbare Formen, —
steht die Welt der geistigen Kräfte, denen
ich Selbstkraft aus dem Geiste bin.
.Urschöpferisch, aber auch: — durch
Schöpfung zerstörend, — wirken diese
Kräfte.
.Ohnmächtig sind sie aus sich allein, da
ihnen alle Impulse fehlen, sich aus Eigenem
auszuwirken, aber die Selbstkraft eines Ein‐
zigen, der — er selbst — ist, erfüllt sie
mit Antrieb zum Selbsterleben, und so
werden sie zu geistig gewollten Gewalten...
K+  K-
Die Urseinskräfte = die Geistgewalten sind weder geistgewollt (sind aus sich von Ewigkeit zu Ewigkeit) noch mächtig, wenn keine Selbstkraft (gegeben durch den/die Allgewaltige dem Menschen) sie zu Selbsterleben anregt. In der eruptiven Phase der Urseinselemente, in der grauenhaft erregten Urnatur - "Egoismus pur" ist das Motto des/r Allgewaltigen, will er/sie sich in ALLEN Eigenaspekte (Urseinselement) erleben können.
.Die Macht dieser Gewalten fühlen alle,
die hier auf Erden leben, — Könige, wie
Bettler, — Starke, wie Schwache, — Reiche,
wie Arme, — jedoch nur die wenigsten
ahnen, aus welchen Welten her solche Aus‐
wirkung sie erreicht.
.Fast allen ist es verborgen, weil sie nur
traumwach sind in ihren Erdenleibern,
während ihre Seelen schlafen. —
.Doch, höre weiter, du, der ein Auge
der Welten werden soll!
.Verwoben und eingesenkt der Welt, die
euch allein als die ganze Allwelt er
scheint, und in gleicher Weise auch ver‐
woben der Welt dieser Kräfte des leben
den Feuers von denen ich hier zu dir rede,
steht eine Welt des reinen Lichtes, das
alle Welten durchleuchtet und in sich zur
Offenbarung bringt.
.Diese drei Welten hält, — in sich ge‐
bettet, — sie durchströmend, und in sich
selber alle erlebend, — Der Gewaltige, der
sich selbst allein in Seinem Namen kennt.
.Uns offenbart Er sich im Schweigen...
.Aus Ihm und in Ihm lebt jeder, der
ein sehendes Auge der Welten wurde.
.Durch Ihn ist Selbstkraft Herrin der
Kräfte des lebenden Feuers.
.Du könntest Ihn wahrlich auch — Die
— Gewaltige nennen, denn Mann und Weib
sind in Ihm beschlossen.
.Im Urbeginn der Wesen, die sich „Men‐
schen” nennen, war der Mensch in der
ewigen Zeugung aus dem „Vater”, Eigner
der Selbstkraft und Herr aller Kräfte des
lebenden Feuers.
.Doch, als die Kräfte des lebenden Feuers
das ohne Flamme K+  K-
... brennender Ehrgeiz
brennt, dem urgezeugten
Menschen ihre Macht in allem Leben zeig‐
ten, vergaß er seiner Selbstkraft, der allein
die Kräfte des Feuers ihre Stärke, Größe
und Gewalt zu danken hatten, und —
fürchtete sich vor ihnen...
.Furcht ist des Menschen Urschuld,
— denn nur aus Furcht vor den Kräften,
deren Herr er war, fiel der Urgezeugte
aus dem ewigen Leuchten!
.Siehe, du kennst nun die Ursache alles
Bösen hier auf dieser Erde!
.Nicht nur der Mensch allein ist ihm
verfallen, sondern auch alle Welten in die
der Gefallene seine Urfurcht trug...
.Bewundernd stehst du vor den „Wun‐
dern der Natur”, ohne zu ahnen, daß da
alles was du wahrnimmst, aus deinem nun
gebannten ewigen Geisteswillen stammt,
und weitaus wunderbarer wäre, würde das
Reich, das du „die Natur” nennst, und dem
du selbst nunmehr verhaftet bist, dich heute
noch als seinen Herrn erkennen kön‐
nen. —
.Nun müssen alle Kräfte in ihm weiter
wirken wie die Räder eines Uhrwerks, das
man einmal aufgezogen hat.
.Du allein kannst auch „die Natur”
er-lösen, und wenn darüber noch Millio‐
nen Jahre vergehen sollten!
.Aber glaube nicht, daß dieser kleine
Stern auf dem wir hier jetzt leben, für sich
allein die Folgen deines „Falles” trägt!
.Den ganzen physisch wahrnehmbaren
Weltenraum mit allen seinen Sonnen und
Planeten, hat der Mensch, durch seinen Fall
aus dem Bewußtsein seiner Geistesmacht,
dazu verurteilt, ohne „Gott” zu sein, denn
nur dem Menschen allein war urbedingt
einst anvertraut, was heute unsichtbare gei‐
stesferne Machtgier sich zu eigenem Herrsch‐
bereich erzwungen hat.
.Unschuldig muss, durch des Menschen
Schuld, unzählbares Lebende leiden!
.Schuldhaft hat er über sein eigenes
irdisches Leben gleiches Schicksal verhängt.
.Nur durch den Menschen, der, in
Furcht verfallen, seiner urgegebenen Macht
vordem entsagte, kann alle Kreatur der‐
einst auch wieder ihren Peinigern entrissen
werden, die an dem unsagbaren Leid sich
weiden, das der Fall des Menschengeistes
ungewollt bewirken mußte.
.Nun höre weiter vom Schicksal des
Menschen, — dem Schicksal, das nicht auf‐
gehalten werden könnte, auch wenn ihm
ursprünglich nur einer der Menschen allein
verfallen wäre.
.Stets neues Übel neu bewirkend, durch‐
rollt es die Zeiten aller erdmenschlichen
Generationen, und mehrt die Furcht: —
die Urschuld, — in jedem der neuen Ge‐
schlechter.
.So sank der Mensch herab von seiner
geistigen Macht und in Gott gegründeten
Größe, bis eine vergängliche Tierform
seinem Selbsterleben letzte Rettung bot. —
.Was ihr „Urmenschen” nennt, waren
jene Tiere, denen sich der geistgezeugte
Mensch: — der „Herr der Erde”, einte,
nachdem er, durch Furcht überwunden,
aus seiner Gotteseinung „gefallen” war...
.Dennoch hat ihn die Kraft aus der Höhe
nicht ganz verlassen!
.Aus urgegebenen Kräften lebend und
den tierischen Körper durchdringend, ver
borgen dem Tiere und im Tier verhüllt
vor sich selbst, ahnt er doch Selbstkraft
in sich wie ein fremdes, höheres Wesen.
.Das Tier wurde Zuflucht dem Gefallenen,
der ohne Heimat irrte, — denn die Heimat
kannte ihn nicht mehr, — und des Tieres
Leib ward ihm auch zur Höhle der Er
lösung... K+  K-
eine Höhle, in welcher er diese Kraft (Selbstkraft) wieder anwenden lernen kann durch seine "Arbeit"?...

.Sobald nun Selbstkraft in ihm zu
leuchten beginnt, jauchzt er im Tiere, und
alle Brunst des Tieres wird in diesem
Lichte dunkel. —
.Darum verlangt er im Tiere ungestüm
nach solchem Licht, — und immer mehr
treibt heischendes Begehren ihn diesem
Lichte entgegen nach jedem neuen aufge‐
nommenen Strahl.
.Einige der Wesen, die sich hier auf
Erden nun „Menschen” nennen, — deren
Mut gestärkt war, da sie aus dem Geiste
her der Tierheit banges Mühen sahen, dem
sie selbst entgegengingen, — strebten mit
solcher Gewalt dem Lichte zu, daß sie das
Licht bereits vor ihrer irdischen Geburt
wieder erreichen konnten.
.Diesen wurde Selbstkraft aufs neue
zum Eigentum!
.Sie wurden die ersten Helfer ihrer im
Tiere schlafenden Brüder und dieser ihrer
Brüder Schwestern.
.Sie wurden die sehenden Augen der
Welten!
.Sie beherrschen die Kräfte des leben
den Feuers, die ihnen dienen mit feurigem
Eifer...”
103 Das Buch der königlichen Kunst
.Nur was die Sinne deines Körpers be‐
rührte, hattest du für das Seiende gehalten...
.Nun mußt du sehen, daß die vergängliche
Freude am Sinnenfälligen des Men‐
schen etwas sehr wesentlich anderes ist,
als die bleibende Freude am Menschen
selbst.
.Nun mußt du erkennen lernen, daß alle
„Sichtbarkeit” nur unsichtbarer Wirk
lichkeit zeitliches Zeugnis ist.
.Alle Wirklichkeit wirkt aus dem Un
sichtbaren!
196 Das Buch der königlichen Kunst
.Nun haben sie der Mühen Ziel erreicht,
und von „heiligen Bergen” her senden sie dir
Hilfe und Kraft. — — —
.Von jenen, die im höchsten Lichte ihres
Gottes sonnenhaft erstrahlen, die götter
gleich, als eine Einheit, eine Sonne aller
Sonnen, allen Sonnen, allen Welten, leuch‐
ten — — bis herab zu denen, die auf dieser
Erde geistgestaltet leben, und endlich de‐
nen, die hier noch das Kleid des Erden
tieres tragen, durchfließt ein Strom des
substantiellen Geisteslichtes alle Weiten
und einigt die von ihm Erfüllten zu erhaben‐
ster Gemeinsamkeit. — —
.Auf der dir nächsten, tiefsten Sprosse
dieser „Himmelsleiter” aber stehen jene Hel
fenden, die dir die Hand zur Hilfe bieten
können, wenn du ihre Hilfe willst...
.Sie lassen keinen je allein, der durch die
Nacht des Grauens sich den Weg zu bahnen
strebt, nach jenem friedvollen, stillen, hohen
Tempel, darin sein Gott sich in ihm selbst
aus Licht zu Licht — „gebären
kann. —
66 Das Buch vom Lebendigen Gott
.„Im Anfang ist das Wort, und das Wort
ist bei Gott, und Gott ist das Wort...”
.„In ihm hat alles Leben, und sein Le
ben ist der Menschen Licht.”
.„Und das Licht leuchtet in der Finster‐
nis, und die Finsternis kann es nicht aus
löschen.” — — —
103 Das Buch vom Lebendigen Gott
.En sôph”, „das Seiende aus sich
ist „Geist”, der Alles in sich faßt.
.Die Kräfte des Universums aber sind
Ursachen” vieler „Wirkungen”, und das
verführte euch, nach einer ersten Ursache
zu suchen.
.Doch nie hat es eineerste Ursache”,
nach eurem Sinne, gegeben! —
.Ewig gestaltet sich „Gott” aus dem
Chaos der Elemente des Seins! — — —
.Nichts ist hier „Ursache” und nichts ist
Wirkung”!
.Nur der freie, bewußte Wille des Geistes
gestaltet sich selbst für sich selber zu
Gott”! — — —
.Chaotisch wirken die Elemente des
Seins, dort, wo sie, aus Ursein hinaus
geschleudert, sich bezeugen, als die tief‐
sten, schöpfungsträchtigsten Gewalten der
Urnatur.
.Dort sind sie drang- und triebhaft tätig,
ohne Eigenbewußtes in ihrer Wirkung. —
.Dort stehen sie noch auseinander, und
jedes einzelne behauptet nur sich selbst.
— —
113 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Im Seelischen des Erdenmenschen
wird dann die Vereinung aller Urseins-Ele‐
mente wieder Wirklichkeit, wenn Men
schenwille sie erstrebt. — — —
.Was in deinem Herzen tobt und drängt
nach Gestaltung, — was dich ständig be‐
wegt und in Unrast erhält: — dieses jagende
Streben, irgend etwas erreichen zu müssen,
— — darin erkenne die Auswirkung jener
Urseinskräfte, die sich in dir erneut und
nun individuell bestimmt, vereinen wollen!
.Noch aber drängen sich in diesen Ele‐
menten, die sich in der hohen Form, die
dein Bewußtsein braucht, als deine See
lenkräfte offenbaren, gar viele Willen an
dich heran...
.Noch findest du dich nicht im gebieten
den Willen, der, alle die andern in sich zu
vereinen weiß...
.Alles was in dir nach Außen hin „Ich
sagt, und was du im Innern als „Ich” emp‐
findest, ist meist noch der vielen Willen
einer, die sich im Geistesfunkenlichte
deines Selbst-Bewußten einen sollen...
.Erst im bewußten Sein kann göttli
ches Bewußt-Sein sich in Urseinselementen
neu bezeugen!
115 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Von grauenvoll — im Unsichtbaren,
wie im Sichtbaren — erregter Urnatur
bis hin zur Einung im Bewußtsein eines
Erdenmenschen (und es gibt gar viele
Erden”!) führt der Weg der Urseinsele‐
mente zurück, hinauf, zu gottbewußtem,
„neuem” Sein. — —
.Was du jedoch von außen her betrach‐
test und „Naturkraft” nennst, ist nichts
als Wirkung, nichts als Wiederspiege
lung und Zeugnis gegenseitiger Beein
flussung der Urseinselemente, — aber kei
neswegs mit diesen selbst identisch! — — —
.Was du die „Wirklichkeit” des sicht‐
baren und unsichtbaren Universums nennst,
ist nur insofern „wirklich”, als es lediglich
die Wirkung urgegebenen Seins, in Ur
seinselementen auf verschiedener For
mungsstufe, als Erscheinung darstellt.
.Das Universum „ist”, soweit die Ur
seinselementesind”, — nicht aber „aus
sich selbst”!
.Ihr redet noch von einem „Gott”, —
dem „Schöpferaller Dinge, der eine un‐
endliche Welt sich zu Ehren „erschuf”, sich
zu Ehren „erhält”.
.Doch solche Gottesvorstellung und Welt‐
daseinserklärung war nur entschuldbar in
der Vorzeit, die noch nichts von alledem
kannte, wodurch sich heute Urseinselemente
in der Auswirkung bezeugen, und wahr‐
lich eurem Denken schon zum Anlaß wer‐
den sollten, die alten Vorstellungen auszu‐
löschen. —
.Sie jetzt noch beibehalten wollen, ist
zu gleichen Teilen Torheit, wie Läste
rung! — — —
.Gott” ist nur allein der Schöpfer sei
ner selbst in allem was da „ist”, und alles
wahrhaft „Seiende” ist Sein von seinem
Sein! — — —
.Gott” ist allein der Zeuger seiner selbst
und nicht, in eurem Sinn, der Menschen
und der Dinge Schaffer! — — —
.Aller Sonnen und Welten gestaltende
Kräfte sind Formen des Geistes, — Ur
seinselemente, — die sich in Zeit und
Raum erleben und so in Zeit und Raum
zeiträumliche Formen kristallisieren, —
zeitweilig nur Erscheinung, und je‐
weils bedingt durch den Raum...
.Urseinselemente aber werden immer
dar aus dem Ursein ausgeschleudert
und kehren immerdar zu ihm zurück.
.So war es von Ewigkeit her, und so
wird es in Ewigkeit bleiben!
.Stetig die Wirkung wechselnd, bezeu
gen sich Urseinselemente: — bald Erschei
nung, bald der Erscheinung Zerstörung
bewirkend.
.Sie selbst aber „sind” von Ewigkeit zu
Ewigkeit, wie immer sie auch ihre Wir
kungsweise wechseln, und sie werden
von keinem „gewirkt”...
.Es hat nie einen „Anfang” gegeben,
und nie kann ein Ende dieses urewigen Le
bens sein!
.Das ganze, weite, formengeschwängerte
Universum, mit aller seiner Sichtbarkeit und
seinem dir Unsichtbaren, — ist nur der
Wogenspiegel eines ewigen, geistigen
Meeres”, aus dem sich in eigener Kraft
die Wolke der Gottheit erhebt! — —
.„Gott” bedingt das Universum, und
das Universum bedingtGott”!
.Das „Perpetuum mobile”, das Weise
und Narren zu erfinden hofften, ist be
reits vorhanden und kann nicht ein zwei
tesmal „erfunden” werden...
.Alle, die nach seiner „Er-findung” streb‐
ten, ahnten nur, — wenn auch pygmäenhaft
verkleinert, — das Sein des unermeßli
chenGanzen”, — — das Sein dessen, das
da „istaus sich selbst, ohneAnfang
und ohneEnde”, das ewige „Leben”,
im Kreislauf des Seins! — — —
119 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Bisher wurde in den Worten dieses Bu‐
ches fast nur von jenem „Unsichtbaren” ge‐
sprochen, das deine Seele ist und in deinen
Seelenkräften sich entfaltet, sowie von jener
hohen Geisteswelt, der du entstammst,
und die du wiederfinden mußt, willst du
zu Gott gelangen und den Frieden finden,
den dir die Außenwelt nicht geben kann. —
.Es ist aber noch von einem anderen
„Unsichtbaren” zu reden: — von einem Un‐
sichtbaren, das dich von außen her umgibt,
wie alle Dinge und Gestalten materieller
Sichtbarkeit...
.Dieses „Unsichtbare” ist ein gar wenig
gekannter Teil dieser physisch-materiel
len Welt, und ist zugleich der unvergleich‐
bar größere Teil...
.Über dieses „Unsichtbare” muß zuerst
auch der geistige Führer schreiten, wie
über eine Brücke, wenn er dich, den annoch
Unbereiteten erreichen will, denn noch
bist du nicht fähig, ihn aus der Einheit
deiner Seelenkräfte zu vernehmen, so, wie
du später ihn erkennen sollst, — in Gott.
— —
.Er kann vorerst allein von diesem „un
sichtbaren Außen” her dein Inneres er‐
reichen!
.Es gab jederzeit Menschen, die dieses
unsichtbare Außen” mit aller Sicherheit
erkannten.
.Für die Erreichung ihres höchsten
Zieles war und ist solches Erkennen ohne
jeden Wert.
145 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Sie können, vorübergehend, Formen
und Stoffe bilden, so greifbar wie jedes
andere Erdending, wie jeder dir be
kannte Stoff, — denn diese Wesen sind die
unsichtbaren Wirkweber der physischen Ge‐
staltung, die aller sichtbaren Erscheinung
unsichtbare Fäden knüpfen...
.Sie können sich in Menschenformen
hüllen, von Menschen, die schon längst nicht
mehr auf Erden leben, — denn jede Form,
die hier auf Erden einmal „wurde” ist in
der Sphäre dieser Wesen so erhalten, wie —
beispielsweise, wenn der Vergleich auch hinkt
— etwa die galvanische Matrize, aus der man
jederzeit einen neuen Abguß nehmen kann.
.In Wirklichkeit ist die „Matrize” hier
ein unsichtbares, hauchzartes Gebilde:
— ein Lamellensystem, das die mathematisch
genaue Wiedergabe sämtlicher inneren und
äußeren Formen darstellt, die einst einen
Menschenkörper bildeten.
.Dieses, für gewöhnlich auf engsten Raum
in sich selbst zusammengezogene Gebilde
wird unter entsprechenden Bedingungen
gleichsam „aufgefüllt” mit den physischen
Kräften, die normalerweise den Erdenkör‐
per des „Mediums” erhalten.
.Das „Medium” muß während der Zeit
einer solchen Manifestation in jenem bewußt‐
losen Zustand verbleiben, den man unter
dem Namen „Trance” kennt.
.Der entstandene Scheinkörper ist wäh‐
rend seiner, auch im allergünstigsten Falle
überaus kurzen Darstellungszeit, das Wir‐
kungsfeld der Tierseele des bewußtlosen
Mediums”, wobei diese Tierseele zugleich
unter einer Art Hypnose gehalten wird
durch jene unsichtbaren Wesen der physi‐
schen Welt, die sich in dem erzeugten
Scheinkörper manifestieren.
.Wenn ein solches Phantom sogar zu spre
chen vermag und ganz in der Weise seines
verstorbenen Urbildes spricht, so ist das um
nichts verwunderlicher als das Sprechenkön‐
nen eines auf normale Art inkarnierten Men‐
schen, denn auch in dem Scheinkörper sind
für die Dauer seines Bestehens alle Organe
in solcher Form wieder physisch dargestellt,
wie sie voreinst in seinem Urbilde in Er‐
scheinung waren, — genau, selbst in Bezug auf
etwaige Deformierungen oder sonstige Mängel.
.Es wird, so hoffe ich, wohl kaum nötig
sein, hier noch zu sagen, daß diese zurück
bleibende Form im unsichtbaren Phy
sischen, mit dem sie ehemals bestimmen‐
den Menschen nicht mehr zu tun hat, als
die abgeworfene Schlangenhaut mit dem
Reptil, das ihrer sich entledigte. —
156 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Alle, die den hier in diesem Buche von
mir aufgezeigten Höhenweg betreten haben
und betreten werden, stehen in ihrem Inner‐
sten alsobald in naher Verbindung, auch
wenn in der Außenwelt sie Tausende von
Meilen trennen sollten...
.Solche „Verbindung” kommt auf zwiefa‐
che Weise zuwege: — Zuerst durch gegen‐
seitige Anziehung der Strahlungen, die durch
in sich bestimmte, menschliche Willens‐
zentren als Strahlen-„Wirbel” in gewissen,
höheren Regionen des unsichtbaren Phy
sischen, ungewollt und unbewußt, erzeugt
werden, und dort alles Gleichartige in
Konnex bringen.
.Dann aber durch direkte Influenz
wirkung der Seelenkräfte, die nur der
Gleichrichtung der in ihnen gegebenen
Willens-Strebungen bedürfen um sogleich,
und praktisch unabhängig von Raum und
Zeit, miteinander verbunden zu sein.
.Doch, es ist menschliche Art, sich auch im
Reiche der äußeren Erden-Sinne erkenn‐
bar und nahe sein zu wollen, sobald man
durch Einstellung auf das gleiche Ziel sich
einander zugehörig fühlt...
161 Das Buch vom Lebendigen Gott
.So auch sollst du von dir selber glau
ben, daß du die Kräfte in dir trägst, die
dich einst befähigen werden, die heiligen Wun‐
der des verborgenen Tempels auf dieser
Erde staunend in dir selber zu erleben...
.Es ist dir vonnöten, an deine eigenen
Kräfte zu glauben, weil dein Glaube eben‐
diese Kräfte in dir selbst ent-binden, aber
auch in Fesseln schlagen kann...
.Wozu du dich nicht vorher fähig glaubst,
das wirst du nachmals schwerlich können! —
.So auch wirst du aller Hilfe aus dem un
sichtbaren Tempel unerreichbar bleiben
bis zu jenem Tage, der den felsenfesten Glau
ben in dir findet, daß du die Kräfte in dir
trägst, diese Hilfe zu erlangen. — — —
167 Das Buch vom Lebendigen Gott
.In beiden Reichen dieser physischen Welt:
— dem sichtbaren, wie dem unsichtbaren, —
trägt jede Tat auch ihre sichtbaren wie ihre
unsichtbaren Folgen. — —
.Jeder Willens-Impuls, jeder Gedanke
und jedes Wort ist hier als „Tat” zu werten....
.Du bleibst verhaftet an die Folgen
deiner Tat, bis du deiner Seele Kräfte ge
eint, und dich mit ihnen Gott vereinigt ha‐
ben wirst. — —
.Dann erst wirst du deiner Taten Folge
vernichten können, soweit du sie vernich‐
ten willst.
.Vor undenklichen Zeiten warst du einst
mit deinem Gott vereinigt, als ein rein gei
stiger „Mensch” in geistiger Gestaltung,
einverwoben dem All-Leben wesenhaften,
substantiellen „Geistes”.
.Auch alle die weiten Reiche des unsicht
baren Teiles der physischen Welt, — ein
unermeßliches Gebiet des Universums, —
waren dazumal deinem wirkenden Willen
erschlossen, und du warst ihr Beherrscher...
.Ein Feld des Wirkens war dir offen, das
vom reinsten Geistigen hinaus in immer
dichtere Gestaltung reichte.
.So bist du bis an die Grenze gelangt, wo
unsichtbares Physisches sich zu erdensinn
lich sichtbarem Materiellen verdichtet.
.Du hast die schreckenerregenden
Mächte des ewigen Chaos am Wirken ge‐
sehen, — die Rückprallkräfte des abso
luten, starren und lavadichtenNichts”,
— und bist ihrem Groll gegen allesSei
ende” erlegen...
.Niemals hättest du ihnen aber erliegen
müssen, wärest du nicht vorher, im Taumel
deiner Macht, von deinem Gotteab
gefallen. — —
.So warst du hilflos geworden und hattest
deine höchste Macht verloren.
.Nun mußtest du zur Beute der niederen
Kräfte werden, die, — stets in den Bereich der
Rückprallwirkungen des absoluten „Nichts
gebannt, — in steter „Feindschaft” alles zu
ver-nichten, alles demNichtsgemäß
zu wandeln suchen, was aus den Sphären ewig
reinen Seins zu ihnen eindringt: — in ihre
dunkle Wirkungs-Zone „fällt”. — — —
.Auch die Kräfte, die du ehedem be
meistern konntest, und mit denen du gar
leicht die dir nun „feindlichen” Gewalten so
bezwungen hättest, daß sie sich zu ehrer
bietigen Dienern deines Willens umgewan‐
delt hätten, waren dir zu groß, zu vielver
mögend geworden...
.So überkam dich Furcht vor deinen ei
genen, einst beherrschten Kräften, und
aus der Furcht vor ihnen kam dir das Ver‐
langen nach einem neuen, anderen Leben,
in den Reichen materieller Greifbarkeit,
den Reichen dieses, physischen Sinnen faß‐
baren Universums, das jene ängstigenden
Mächte dem, der nicht die hier gezogene
Schranke bricht, verhüllt. — — —
.Dein Wille war aus dem hohen Leuch
ten gefallen, und wollte nun mit dir in die
Welt der physischen Materie...
.Du warst in der „Welt der Ursachen
heimisch, — doch deine Furcht trieb dich in
die „Welt der Wirkungen” hinaus. — — —
.Das ist die Wahrheit in den Sagen von
einem „Paradiese”, und vom „Sturze” des
Menschen durch einen „Sündenfall”! —
— —
.Vor diesem Sturze hast du dir bereits dein
Karma”, wie der Orient den Ursachen
stammbaum eines jeden Erdenmenschen‐
schicksals nennt, — geschaffen, durch den
GraddeinerAbkehrvon deinem
Gott, — durch den „Grad” deines tollen
Taumels, der dich in dir selbst einen „Gott
sehen lehren wollte. — —
.Eritis sicut Deus..... ”
.Die Zeit, da du in diese Erdenwelt ge‐
boren werden solltest, sowie die Abstam
mungslinie in der es geschah, und deines
Erdenlebens Schicksalswege, hast du dir
selbst bestimmt, als du aus einem Herr
scher durch deines Gottes Kraft in der
Geisteswelt, zum Sklaven niederer Ge
walten wurdest, in einer Welt, die jeder Tat
auch ihre „Folge” gibt und geben muß, da
sie selbst nur Wirkens-Wiederspiegelung
ist, und ohne Macht, die Kette des Gesche‐
hens in ihrem Bereiche willentlich zu be‐
enden.
.Auch daß du auf diesem Planeten hier
geboren wurdest, ist Folge der Artung deiner
ersten Tat in dem Bereich der Zwanges
folge, — denn wahrlich: — es gibt un
zählige, von „Menschen” und auch äußer
lich dem Erdenmenschtiere ähnlichen We‐
sen, bewohnte Planeten im unermeßlichen
Raum, und du hättest auch auf einem an
deren dieser Weltkörper deinen Tierleib fin‐
den können.
.Alle die Menschenwesen auf den bewohn‐
ten Planeten anderer Sonnensysteme sind in
gleicher Weise einst aus dem Leuchten „ge‐
fallen”, wie du!
.Es gibt weitaus glücklichere und tief
unglücklichere unter deinen fernen, ma‐
teriell verkörperten Gefährten...
.Du darfst sie dir freilich nicht in mon
strösen Gestalten vorstellen, denn die Form
des Erdenmenschtierleibes ist nicht aus
einer Willkürwirkung nur auf unserem
kleinen Sonnentrabanten entstanden, sondern
durch gesetzliche Gegebenheiten bestimmt,
die für das ganze, unermeßliche, physisch‐
materielle Universum gelten, und letzten En‐
des — geistigen Ursprungs sind...
.Der „Fall” des Menschengeistes aus rei‐
ner, substantieller Geisteswelt in die Einwir‐
kungszone des absoluten „Nichts”, geschah
nicht etwa nur in einer fernen Urzeit, son‐
dern ereignet sich immerdar seit Ewigkei‐
ten und in alle Ewigkeit, wie denn auch der
physisch materielle Kosmos in all seinem ste‐
ten Werden und Vergehen dennoch als Gan
zes urewig, zugleich mit dem Reiche ewi
gen Geistes als dessen — „äußerste Gegen
wirkung” besteht und bestehen wird...
.Immerdar aber gibt es auch einige wenige
Geistmenschwesen, die dem „Falle” nicht
erliegen und ihren Gott in sich nicht „ver‐
lieren”.
.Ich sprach schon von ihnen, als von den
Ältesten”, oder den hohen „Vätern” der
Leuchtenden des Urlichts, und du sollst nun
hier wissen, was dir zwar auch schon dein
eigenes Ahnen sagen könnte: — daß sich das
geistige Mühen dieser Nichtgefallenen, wie
ihrer durch sie erzogenen „Söhne” und „Brü‐
der” um die Er-lösung der in Tierheit
verstrickten, dem Lichtkreis der Geistes‐
welt Ent-fallenen durchaus nicht etwa auf
unsere Erdenmenschheit allein erstreckt...
.Auf allen bewohnten Planeten des uner‐
meßlichen Universums sind diese im bewuß‐
ten Leben des substantiellen Geistes verblie‐
benen Helfer zu finden, und für jede dieser
Welten erziehen sie sich aus den jeweils Ge‐
fallenen ihre geistigen „Söhne” und „Brü‐
der”, durch die sie auch hier auf dieser Erde
dich nun zu erreichen suchen und aus deinen
Nöten ziehen wollen.
177 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Die Sinnenwelt ist Wirkung geistiger
Urkraft in der geistigen Welt.
.Um aber als geistige Welt in geistige
Erscheinung zu treten muß die eine ewige
Urkraft sich in unendlichfältigen Aspekten
ihrer selbst in sich reflektieren, und, in
jedem solchen Aspekt als Urseins-Element
erstanden, sich jeweils in ihm solcherart be
haupten, daß jedes eine Element nur sich
selber auszuwirken sucht, so daß ihm alle
anderen Urseinselemente gleichsam leere
Formen sind, weil es sich selbst als Urkraft
nur in sich selber kennt.
.Jeder Aspekt der geistigen Urkraft: — je‐
des „Urseinselement”, — wird somit Ur
sache, daß auch die Erscheinungsform seiner
Auswirkung in der physischen Region
den Trieb erhält, nur für sich selber zu
leben und alle andere Erscheinungsform zur
Erhaltung eigenen Daseins zu verbrauchen.
.In jedem Urseinselement ist Urkraft un
zerteilt, möge es Ursache niederster oder
höchster Erscheinungsform in seiner Aus
wirkung sein.
.So kommt es, daß auch jede physische
Kraft, jede physische Erscheinungsform
sich zu behaupten sucht, als sei nur ihre
eigene und keine andere Existenz gewollt.
.Die winzige Zelle behauptet nur sich
selbst, auch wenn sie zeitweilig gezwun
gen ist, mit Milliarden ihrer Art gemeinsam
einem höheren Formwillen dienstbar zu
sein, dem ihr Dasein wieder nur insofern
von Wert ist, als er sie braucht und ver
braucht zur Behauptung seiner selbst.
— —
.Das physisch-sinnlich sichtbare Univer‐
sum ist der äußerste Gegenpol geistigen
Seins.
.Das „Leben” des Geistes bedingt un‐
endlichfältige geistige Gestaltung in ihm
selbst, in Urseinselementen, und deren
Auswirkung wieder bedingt zuletzt die
gleichsam „erstarrte” physische Erschei‐
nungsform: — unendlich „ausgedehnte
Geisteskraft in einem Zustand des Gebannt
seins, der relativen Ohnmacht, des Ge
bundenseins in starr bestimmten Form
willen...
.Aus dieser ihnen ungemäßesten Form
der Ausdehnung und starren Gebannt
heit in äußerste Spannung aber erheben
sich diese Geistkräfte wieder infolge mäch‐
tigster Anziehung aus der Region höchster
Geist-Seinsform zu neuen, weniger dichten
und starren Formen, bis sie, in unzählbaren
Wandlungen, immer freier werden von Aus‐
dehnungsspannung und schließlich sich em‐
porgerissen fühlen in ihren Ursprungs
zustand im innersten Geistesleben...
.Was wir aber physisch-sinnlich wahr
zunehmen vermögen, sind nicht die Zu‐
standsformen der Urseinselemente, sondern
nur die durch sie erzeugten Kraftwir
kungsresultate...
187 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Innerlich wahrnehmbar jedoch werden
uns die Urseinselemente in einer sehr
hohen Zustandsform, als — unsere „Seelen
kräfte”...
.Dies ist der ewige, — ewig sich er
neuende — Kreislauf des „Lebens” im sub‐
stantiellen, aus sich selbst „seienden” Geiste!
.Sich selbst zur „Nahrung” werdend, senkt
er sich in sich hernieder, um sich wieder zu
erheben und aufzunehmen in seine höchste,
jeder starren Formspannung freie Wesen‐
heit. — —
.Nur durch dieses „ewige Lebenkann
sich „Gott” im Geiste gestalten, — im gei
stigenMenschen”. — — —
189 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Selbst in die unsichtbaren Bereiche
der physischen Welt hat der Mensch den
Haß gebracht, denn auch seine ärgsten an‐
deren Feinde im physischen Unsichtbaren
vermögen nicht das Gefühl des Hasses zu
empfinden, und ihr dem Menschen feind‐
liches Bestreben geht aus sehr wesentlich
anderen Motiven hervor...
.Die furchtbarsten Unholde im physi‐
schen Unsichtbaren waren ehedem Erden
menschen, die sich durch ihr Erdenleben
selbstgerichtet” haben.
.So hoch sie ehedem sich geistig erhoben
hatten, so tief sind sie unter den Erbärm‐
lichsten der Erdenmenschen nun gesunken.
.Aeonen können vergehen bevor sie end‐
lich in Vernichtung enden dürfen, — doch
vorher suchen sie zu sich herabzuziehen,
was immer ihrem Haß erreichbar wird...
.Auch diese unsichtbaren Selbstgerich
teten werden nur durch das Empfinden
ihrer Ohnmacht zu ihrem grauenvollen Haß
erregt: —
191 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Doch auch der Mordkriege endliche
Überwindung durch den Menschengeist kann
nicht bewirken, daß sich die Gegenkräfte,
die in aller physischen Natur am Werke
sind, zu gleicher Strebensrichtung einen
könnten, denn solche Einung wäre die Ver
nichtung dieses ganzen äußeren Uni
versums...
.Das Reich des „ewigen Friedens”, das
so viele edle Menschen in der Zeiten Folge
heiß ersehnten, wird uns Menschengeistern
erst beschieden sein, wenn wir, — nach die‐
sem Erdenleben, — uns erneut in jenem
Lichte finden, das alles ewig in sich eint,
was einst mit ihm vereinigt war. — — —
196 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Ihr wißt von allen Dingen klug zu sagen,
wieso sie also sind wie sie sich zeigen, wes
halb ihr Wirken einmal sich ergibt, ein
andermal versagt, und manches Andere
mehr, — doch niemals dringt ihr zu den
letzten Gründen vor, denn was ihr „Gründe”
nennt, sind immer nur die Wirkungen von
Ursachen, und hinter diesen liegen erst
die wahren Gründe, die keiner von euch
aus Erfahrung kennt...
.Die Kräfte der Seele aber, — wenn ihr
sie aus eurem „Ich” heraus beherrschen
lerntet, wie sie beherrscht sein wollen, —
werden euch auch die letzten Gründe er‐
hellen, denn sie sind mit ihnen gleicher
Art, wenn auch nicht gleicher Wirkungs
form...
.Erweisbar wird diese Art von „Grün‐
den” freilich jenen nur, die selbst bereits
der Seele Kräfte zu gebrauchen wissen, —
während eure Beweise immerhin leichter
zu erlangen sind, obwohl sie auch nur dem
verstehbar werden, der die Voraussetzungen
sich erworben hat, auf denen die Beweise
eurer Art beruhen.
225 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Hast du dich nicht auf Erden hier mit
deinem Gott vereinigt, dann wirst du auch
nach deines Erdenkörpers Tod noch
nicht mit ihm vereinigt sein!
.Du wirst dann als „Ich” im allumfassen‐
den Geiste leben, in deiner substantiellen
geistigen Form, und je nach dem, was du
im Erdenkörperleben dir an Geistigem er‐
wirktest, wird diese Form gebildet sein, und
wirst du Macht besitzen, in ihr dich auszu‐
wirken...
.Unter hoher Leitung wirst du weiter‐
schreiten auf deinem „Wege”, bis sich der‐
einst dein Gott in dir gestalten kann...
.Aber es wird alsdann die Zeit bis zu die‐
ser Vereinigung wie eine „Ewigkeit” er‐
scheinen, denn auch im geistigen, erdenkör
perfreien Sein gibt es ein Entsprechendes,
wie hier die Empfindung des Raumes und der
Zeit...
.Es fehlt dir dann jedoch die Macht, dein
dir verbliebenes Seelenkräftereich, in dem,
und durch dessen Auswirkungsgegebenheiten
allein dein geistiges Erleben möglich wird, —
weiterhin nach deinem Willen zu wandeln..
.Du mußt mit dem, was du dir während
deines Erdenlebens an Seelenkräften zu ei
nen wußtest, nun ewig dich bescheiden...
.Dennoch wird niemals ein menschliches
Ich”, auch wenn es noch so arm an See
lenkräften einging in das Leben des Gei
stes, um in ihm seinen „Weg” zu Gott zu
vollenden, auch nur die leisesteSehn
suchtempfinden, wieder zurückkehren
zu können in das Erdenkörperleben, —
einerlei, was es in ihm zurücklassen mußte...
241 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Allein gelassen mit deiner schwachen
Kraft, wirst du eine Beute der Anziehungs‐
kräfte werden, die auf dich einwirken aus
dem Bereiche der niederen Lenker in den
dunklen Abgründen der ewigen Geburt der
Materie. —
.Du wirst — vielleicht — „okkulte
Kräfte” erlangen, besonders wenn du
strenge sexuelle Abstinenz zu üben weißt und
nur von Vegetabilien lebst, aber wehe dir
und allen die dir verfallen, — wenn du
solche Kräfte erlangst! — —
.Jene niederen Lenker sind die „Schaf
fenden des Grundes”, und die Zerstörer
alles dessen, was sich über den Grund, den
sie festigen, frei erheben will.
.Wähne nicht, daß sie dich die Geheim‐
nisse des Schaffens lehren könnten, wie so
mancher törichte „Zauberlehrling” es erwar‐
tet! — —
.Sie werden sich nur gierig deines Wil
lens bemächtigen, denn alle Gewalten im un‐
sichtbaren Kosmos brauchen menschliche
Agenten, wenn sie auf menschliche in‐
karnierte Willenszentren wirken wollen,
— — und nur als Zerstörender wirst du
ihnen dienen, auch wenn du aufzubauen
meinst.
.Die hohen Lenker können die Seele des
Erdenmenschen ebensowenig mit ihrer Ein‐
wirkung erreichen, wie die niedersten,
wenn ihnen nicht menschlich inkarnierte
Willenseinheiten dazu die „Brücke” schla‐
gen...
.Vielleicht ahnst du hier, was die Lehre
von dem „Sohne Gottes” besagen will, der
Mensch werden” mußte, um seine Men‐
schenbrüder „erlösen” zu können?! — — —
273 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Die Wirkungsweise geistiger Gewalten,
— sei ihre Wirkung nun von den höchsten
oder den niedersten unsichtbaren Lenkern
ausgelöst und in ihrer Art bestimmt, —
kennt kein zeitliches, kein örtliches
Hindernis.
.Heute noch wirken durch hohe wie
durch niedere Lenker einst ausgelöste und
bestimmte Gewalten in der Seelenwelt des
Erdenmenschen, obwohl diese Gewalten
schon vor vielen Hunderten, ja Tau
senden von Erdenjahren, den Weg zu
den Herzen fanden, — durch einen mensch‐
lichen Agenten...
.Wo auch ein solcher lebt oder lebte: —
die geistige Gewalt, die durch ihn zur Wir‐
kung kam, wird alle erreichen, die in ihr
ähnlichen Schwingungen vibrieren, mögen
die solcherart Prädisponierten auch auf des
Erdballs anderer Seite wohnen, oder erst in
einer zukünftigen Generation geboren wer‐
den...
274 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Während es aber ein sicheres Kennzei‐
chen hoher geistiger Lenkung ist, daß die
durch sie erregten geistigen Gewalten nur
unter sorglichster Wahrung der Freiheit
im Menschen wirken, — wie sie ja auch den
Erdenmenschen, der als „Brücke” dient,
zum freien Herrn der Kräfte, die durch ihn
wirken, vollendet, — so kann man die nie
deren Lenker stets daran erkennen, daß
alles was durch sie zur Wirkung kommt,
den Beeindruckten zu binden sucht, so daß
er zum Sklaven dieser niederen Lenker
wird, auch wenn sie ihn im Wahn erhalten,
„Herr” der durch sie erregten Gewalten zu
sein...
.Das Ende dessen, der ihnen als „Brücke”
dient, ist „Auflösung” in qualvoller Nacht! —
.Die aber „Brücken” der hohen Geistes
lenker sind, bilden eine ewige, königliche
Gemeinschaft des Lichtes im Geiste, denn
in jedem aus ihnen ist ein „Stern” entzün‐
det worden, der, aus reinster Lichtkraft des
Geistes gebildet, ewig den Seelen der Erden‐
menschen leuchtet...
275 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Wissend wird er „Brücke” und des
Brückenbaues Meister dann als Mensch der
Erde erst an jenem Tage, an dem er der
leuchtenden Gemeinschaft seiner geistigen
Brüder nahen darf — als einer, der auch
hier im Irdischen seine „Meisterprüfung”
bestanden hat. — — —
.Dann ist der „Sohn” der hohen geistigen
Väter” zu ihrem angenommenen geistigen
Bruder” geworden, als ein Leuchtender
des Urlichts...
.Aber ein jeder Erdenmensch, wer es
auch sei, kann „leuchtend” werden im
geistigen Licht, in ewiger Freiheit, —
auch wenn er das Licht empfängt, wie ein
Planet der eine Sonne umkreist.
.Im Reiche des Lichtes „neidet” keiner
dem anderen seinen Wirkungskreis, den ihm
der eine, ewigeMeisteraller Meister
schaft vertraute...
278 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Jeder, der in dieses Reich gelangt, ist ein
Vollendeter, frei in sich selbst, — und je‐
der weiß, daß ihm Vollendung nur erreichbar
war in seiner Eigenform. — — —
.Es ist nur Folge deiner erdgezeugten
Nichterkenntnis, wenn du etwa nach
einer Form der geistigen Vollendung strebst,
die nicht aus deiner Individualität heraus
gefordert ist...
279 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Die hier zu „ordnen” haben, was zu ord‐
nen ist, lenken den „Strom” jeweils in jene
Kanäle, die das Land dort, wo es am dürr
sten ist, befruchten...
.In diesen Tagen sollst du daher keine
andere „magische” Wirkung erwarten, als
die „Magie” des Wortes. — — —
.Das Wort, im „magischen” Sinne aufge‐
faßt, ist aber die höchste der „magischen”
Kräfte...
.Es werden Zeiten kommen, da man, —
durch die Kraft des Wortes allein, — Dinge
verrichten wird, die an „Wunder” grenzen...
.Ja: — „Wunderwird man im Worte
wirken! — — —
.„Wunder”, viel wunderbarer als alles,
was die alten Zeiten „Wunder” nannten!
.Es werden Tage erscheinen, an denen man
Werke durch das Wort zu wirken wissen
wird, zu deren Gestaltung heute noch tausend
Hände und gewaltige Maschinen nötig sind...
.Noch sind die Menschen ferne diesen
kommenden Gezeiten. —
.Noch weiß man das Wort nicht zuspre
chen”! — — —
323 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Hast du das Reich der Träume „über
stiegen”, dann erst betrittst du das Reich
des Geistes, das unschwer auch von deinen
lebhaftesten und „natürlichsten” Träumen
zu unterscheiden ist, denn du bist dort ver‐
möge deiner geistigen Sinne in einem Zu‐
stand des Bewußtseins, dem gegenüber selbst
das wacheste Tagesleben auf dieser Erde nur
wie ein Schlafwandeln erscheint. —
.Du siehst, hörst und fühlst die gleiche
ursächliche „Welt”, die du im tagwachen
Bewußtsein deines physischen Daseins als
physische Erscheinungswelt wahrnimmst,
— nur empfindest du sie „von der an
deren Seite”. — —
.Die dir im physischen Erdenkörper un
wahrnehmbare Gestaltung der ursäch
lichen, wesenhaften Welt ist dir plötzlich
wahrnehmbar geworden, und die nur phy
sisch-sinnlich wahrnehmbaren Dinge, die
du bisher die „reale” Welt nanntest, wer‐
den dir: — „leere Luft”. —
20 Das Buch vom Jenseits
.Es sind zuerst noch keineswegs hohe
geistige Bereiche, die von solchen innerlich
bewußt Erlebenden betreten werden können,
allein es ist stets doch bereits „das andere
Ufer” erreicht, auch wenn die dort zum
Bewußtsein Erwachten noch lange nicht
fähig sind, ins „Innere” des entdeckten
„Landes” vorzudringen, oder gar seine ragen‐
den „Gebirge” zu ersteigen. —
.Dahin gelangen während des Erden‐
lebens nur die überaus Wenigen, denen
hier auf dieser physischen Seite der ur‐
sächlichen Welt das uralte „Erbgut” ver‐
borgener geistiger Erfahrung anvertraut
wurde: — die geborenen „Hohenpriester”,
die „Meister” des verhüllten geistigen
Wirkens und ihre als solche geborenen,
legitimen Nachfolger.
.Was uns in bewußtem Erleben des
„Jenseits” zu gesichertem Erfahrungswissen
wurde, wird dir hier gegeben!
.Wir sehen täglich und stündlich Tau‐
sende von Menschen „das andere Ufer” für
die Dauer betreten, ohne daß wir ihnen
helfen könnten, denn sie verstanden in
ihrem Erdenleben nicht die Kunst des Ster‐
bens, und so kommen sie unbereitet am
„anderen Ufer” an, wie Schiffbrüchige, die
der Sturm ans Land wirft...
.Ratlos irren sie in der ihnen neuen Da‐
seinsform umher und sind nicht imstande,
die helfenden Hände zu ergreifen, die sich
ihnen entgegenstrecken.
.Noch fehlt ihnen jegliches Urteil, ob das,
was ihnen begegnet, Gefahr oder Hilfe bringt,
und angstvoll schrecken sie zurück, will
einer, der sie leiten könnte, ihnen nahen...
23 Das Buch vom Jenseits
.Ist der Sterbende auch bis zum letzten
Augenblick vollbewußt, so tritt dennoch im
Moment der beginnenden Loslösung des
geistigen Organismus von dem bis dahin
ihm vereinten, tierhaften Erdenleib, eine
Art des „Schlummers” ein, aus dem das Be‐
wußtsein erst wieder zu sich selbst erwacht,
wenn das „Sterben” bereits vollzogen ist.
28 Das Buch vom Jenseits
.Im Augenblick dieses Erwachens, das
einige Sekunden oder Minuten nach dem
äußerlich konstatierbaren „Tode” erfolgt,
findet sich der Mensch bereits in seinem,
ihm nun allein noch Erfahrung vermitteln‐
den geistigen Organismus auf der nur
geistig wahrnehmbaren „anderen Seite”
der ursächlichen Welt: — der ewigen
„Wirklichkeit”, die alle geistige, wie alle
physische Daseinsform aus sich ausstrahlt,
je nach der sie erregenden Anschauungs‐
weise.
.Die bisher durch seine physischen
Sinne bedingte Wahrnehmungsfähigkeit des
nun Gestorbenen wurde vertauscht mit einer
neuen, ihm vorher normalerweise noch nicht
bekannten Art des Wahrnehmens, wäh‐
rend seine formzeugende Anschauungs
weise vorerst noch unverändert bleibt. K+  K-
Wahrnehmung von Hitze erzeugt wirklich eine neue Form
- aber wahrnehmbar ist Geformtes nur ...

29 Das Buch vom Jenseits
.Er empfindet sich keineswegs als „gestalt‐
los”, denn sein bisheriger physischer Kör‐
per war ja nur ein mehr oder weniger voll‐
endetes Abbild des durch eigenen ewigen
Willen, — wenn auch dem Gehirnwissen
„unbewußt” — gestalteten geistigen Or‐
ganismus, den jetzt das Bewußtsein wahr
zunehmen fähig wurde, obwohl es ihn
noch nicht als ein vom physischen Körper
Verschiedenes erkennt.
30 Das Buch vom Jenseits
.Was nicht erlischt, ist das nun durch
den geistigen Organismus empfundene Be‐
wußtsein der eigenen Gegenwart, und das
klare Sehen und Erkennen aller physisch
gegenwärtigen Menschen in ihren geistigen
Formen, die ja — abgesehen von den phy‐
sischen Behinderungen ihrer Darstellung
auf Erden — durchaus den irdischen
Formen entsprechen.
33 Das Buch vom Jenseits
.Hier fängt dann für jene, die nicht „die
Kunst des Sterbens” während ihrer Er‐
dentage übten, das geistige Irren an, denn
der geistige Organismus eines Menschen wird
durch den Tod keineswegs etwa über die
bis dahin erlangte Sicherheit im Erkennen
hinaufgesteigert.
35 Das Buch vom Jenseits
wird bei der Einsicht in die Unmöglichkeit
des Zurückkehrens von einer qualvollen Ver‐
zweiflung erfaßt, die erst durchgekämpft sein
will, bevor er fähig wird, seine neuen Wir‐
kungsmöglichkeiten gegenüber der irdischen
Welt, die nun rein geistiger Art sind, zu
erkennen. —
36 Das Buch vom Jenseits
.Sie suchen nur nach einer Gelegenheit,
ihre „Idee” nun innerhalb ihres neuen
Lebensbereiches verwirklichen zu können
und sind blind gegenüber allen neuen Er‐
lebnismöglichkeiten.
37 Das Buch vom Jenseits
.Allen diesen, mit sich selbst und dem
eigenen mitgebrachten Vorstellungsleben Be‐
schäftigten wird schließlich eine Art Erfül‐
lung ihrer Wünsche, indem sie in eines jener
niederen geistigen Reiche gelangen, deren
unbewußte Mitschöpfer sie schon auf Erden
waren...
.Auch dieser Übergang ist keine „Orts‐
veränderung”, denn alle geistigen Welten,
— und es gibt deren unzählige, bis hin‐
auf zu der höchsten und reinsten Welt gott
gebärenden Geistes, — sind, einander durch‐
dringend, am gleichen kosmischen „Ort”. —
.Das bewußte Erleben geistiger Welten,
sowie der Übergang aus einer in die an‐
dere, ist jeweils von einer gewissen Wahr‐
nehmungswandlung abhängig, die das gei‐
stige Bewußtsein für bestimmte Erscheinun‐
gen gleichsam „blind”, für andere dagegen
„sehend” macht.
38 Das Buch vom Jenseits
.Aber gerade diese Wahrnehmungswand‐
lung läßt sich nicht willkürlich hervor‐
rufen, außer von den Meistern der ewigen
Darstellung des Menschen im höchsten
geistigen Reiche, oder ihren Beauftragten:
ihren erwählten Schülern, soweit deren ei‐
gene psychophysische Veranlagung dazu ge‐
eignet ist.
39 Das Buch vom Jenseits
.Ihn führen wir — vorbei an den man‐
cherlei „Strandreichen”, die irdisches Er‐
träumen und Wähnen sich durch die Kräfte
des mißleiteten Willens schuf — sogleich in
das „Innere” des nun betretenen „Landes”,
allwo liebevolle Leitung ihn dann näher und
näher seiner Vollendung bringt.
.Er ist ja durch das Aufgeben seines ir‐
dischen Leibes durchaus keinAnderer
geworden!
.Es kann ihm nicht plötzlich gegeben
werden, was ihm noch fehlt. —
.Nur was er auf Erden bereits zu er‐
langen wußte, bringt er mit, als Besitz.
.Was er auf Erden zu binden verstand,
bleibt auch im geistessinnlichen Leben für
ihn „gebunden”, und was er im Erden‐
leben zur Lösung brachte, bleibt auch jetzt
für ihn „gelöst”...
.Allmählich nur kann man ihn immer
höher führen, bis er dereinst fähig wird,
das erhabenste aller geistigen Reiche zu be‐
treten: — die reine Lichtwelt seligster und
absoluter Erfüllung. — —
.Die „Zeiten”, die zu diesem Aufstieg
nötig sind, werden bestimmt durch den auf
Erden bereits erreichten Grad relativer gei‐
stiger Vollendung und durch die aus solcher
Vollendung heraus erfolgte Abgeklärtheit des
ewigen Willens, innerhalb seiner Bewußt‐
seinsempfindung.
42 Das Buch vom Jenseits
.Auf der „anderen Seite” der Welt, —
dort, wo nur mit geistigen Sinnen wahr‐
genommen wird, — herrscht nicht nur die
„Wonne der Seligen”. —
.Es gibt dort wahrlich auch Reiche der
Qual und Verzweiflung, der zehrenden
Reue, und des Wunsches nach Selbst
vernichtung, obgleich diesem Wunsche
niemals entsprochen werden kann...
.Durch diese Reiche aber müssen un‐
fehlbar alle hindurch, die hier auf Erden
das Gesetz nicht erfüllen, das Liebe zu sich
selbst und allen Mitgeschöpfen von jedem
Erdenmenschen verlangt.
44 Das Buch vom Jenseits
.In solchem Falle trägt dann der Zer‐
störer seines Erdenleibes nicht die Verant‐
wortung für den Akt des Mordes, sondern
das geistige Gesetz erheischt von ihm Aus
gleich für alles verkehrte Denken und
Handeln, aus dem zuletzt die Tat im Wahn
erwuchs. —
.Dieser Ausgleich ist zumeist nur erreich‐
bar durch das Ertragen einer zweiten Ein‐
verleibung in den tiermenschlichen Körper
auf der Erde.
47 Das Buch vom Jenseits
.Alles, was auf dieser physisch wahr‐
nehmbaren Seite der Welt gedacht, emp‐
funden und gewirkt wird, übt eine stete
Wirkung aus in die „jenseitige” Welt.
.Die Früchte aller Werke der Tat, die
der Mensch hier im Irdischen erstehen
läßt, bleiben ihm erhalten, weit über den
Tod hinaus, auch wenn seine Werke auf
Erden nur physischen Zwecken dienen.
50 Das Buch vom Jenseits
.Bei allem was du denken oder tun magst,
— bei allem, was du auf dieser physisch
sinnlich erfahrbaren Seite der Welt treibst,
— bist du stets der unbewußte Schöpfer
deines späteren Schicksals in der geistig
sinnlichen Wahrnehmungswelt. —
.Was du hier auf Erden dein „Schick
sal” nennst, ist nur ein lächerlich kleiner
Ausschnitt eines unermeßlichen Ganzen,
und wenn du hier etwa mit deinem Schick‐
sal haderst, so mag dein Mißmut mensch‐
lich ja sehr verständlich und gewiß auch
entschuldbar sein, aber dennoch gleichst
du dann nur dem Kinde, das törichterweise
Dinge verlangt, die ihm heute noch nicht
gegeben werden können, weil sie ihm
schaden würden, während ihm später das
Verlangte in reichster Fülle zu Gebote
stehen wird...
.Erst auf hoher Stufe der geistigen Welt
angelangt, wirst du dereinst dein Schicksal
verstehen können, und dann wirst du lä‐
cheln, gedenkst du noch deines früheren
Urteils. — —
.Dann wirst du sehen, daß deine besten
Verstandesgründe, die dich ehedem zu dei‐
nem Urteil verführten, ebensoviele Tor
heiten waren, weil du die Schönheit der
Blüte und die süße Köstlichkeit der Frucht
aus dem Wurzelgefaser erschließen wolltest,
das deine Hände aus der dunklen Erde
wühlten.
.Nur wer sich selbst zu lösen weiß aus
den beengenden Vorstellungsbildern, die ihm
aus seiner physisch-sinnlichen Anschau‐
ungsform notgedrungen erwachsen sind, der
wird allmählich auch ein Weniges ahnen
von dem großen Ganzen in dem er wurzelt,
und dem er niemals mit den Mitteln phy
sisch-sinnlicher Erkenntnis näherkommen
kann...
52 Das Buch vom Jenseits
.Angenehm ist es freilich nicht, diesen
Wesen nahezukommen, und keiner der
es vermag, sich ihrer nach seinem Willen
zu bedienen, wird das jemals ohne Not
tun, und immer wird er dabei ein Gefühl
des Ekels zu überwinden haben.
.Mit diesen, etwa den Quallen südlicher
Meere irdisch vergleichbaren, aber normaler‐
weise nicht wie diese, physisch wahr‐
nehmbaren Geschöpfen, sowie mit ihren
dennoch rein physischen Kräften, kommt
ihr zumeist in Verbindung, während ihr mit
euren „verstorbenen Lieben” im Verkehr
zu sein wähnt, — es sei denn, daß eure
eigenen, euch unbewußten Kräfte aus der
gleichen Region, der diese unsichtbaren
physischen Geschöpfe angehören, alle Mani‐
festationen allein bewirken, und ihr euch
auf solche Weise unwissentlich selbst ein
Geistertheater vorspielt...
.Für euer seelisches und leibliches Wohl
ist solcher nichterkannte Selbstbetrug aber
immer noch weniger verhängnisvoll, als
der echte Konnex mit den hier geschilderten
Lemurenwesen, die eure Kräfte aussaugen
wie Blutegel, und nur mit Hilfe der euch
entzogenen Energien die vermeintlichen
„Wunder” eurer „spiritistischen Seancen”
hervorzubringen vermögen.
59 Das Buch vom Jenseits
.Der wirkliche „Verkehr”, — der ein‐
zige sichere Verkehr mit den ins „Jenseits”
Vorangegangenen, — spielt sich allein im
Innern, in der „Seele” ab, und ist rein
geistiger Art.
.Euer eigener geistigerLeib” ist das
Organ des Vernehmens der „Abgeschie‐
denen” für euch! —
.Jeder „durchgefühlte” Gedanke, jedes
euch ganz durchdringende Gefühl, wird
„auf der anderen Seite” vernommen wie hier
in der physisch-sinnlichen Welt das gespro‐
chene Wort.
.Ebenso aber vernehmt auch ihr, —
wenn ihr „in der Stille” und feinfühlig
genug dazu seid, — die Äußerungen derer,
die bereits auf der geistigen Seite der
Welt sich erleben, als leise Gedanken und
wie von außen in euch eindringende Ge
fühle, die bei einiger Übung des Unter‐
scheidungsvermögens ganz sicher von „eige
nen” Gedanken und Gefühlen zu sondern
sind. —
.Aber auch abgesehen von dem was euch
bewußt werden mag, besteht eine dauernde,
unterbewußte Influenzwirkung, und ihr
seid in solcher Weise oft in einem viel
richtigeren Sinne das „Medium” eines Vor‐
angegangenen, als jemals ein sogenanntes
„spiritistisches Medium” dies sein könnte,
auch wenn die „Jenseitigen” sich seiner be‐
dienen wollten...
61 Das Buch vom Jenseits
.Der ganze physische und geistige Kos‐
mos ist ein einheitliches Ganzes, auch
wenn dieses Ganze sich in sehr unter
schiedlichen Aspekten darstellt.
.Die eigentliche Wirklichkeit die hin‐
ter den Aspekten steht, war und ist immer
nur sehr wenigen Erdenmenschen aufge‐
schlossen.
.Sie entzieht sich sowohl dem Experiment
wie dem spekulierenden Denken.
.Auf der physisch-sinnlichen, wie auf
der geistigen Seite des Alls gibt es jeweils
wieder die verschiedensten Abwandlungen
der Anschauungsform, und alles solcher‐
art ins Bewußtsein gelangende tritt mit dem
gleichen Anspruch auf, — „das Wirkliche
zu sein.
.Die Wesen, die sich im All erleben,
sehen fast alle nur Teile des Wirklichen,
und selbst diese Teile nur in unbewußter
eigenschöpferischer Umgestaltung. K+  K-
... formzeugende Anschauung eben
.So ist auch das Leben nach dem „Tode”
des physischen Körpers bestimmt durch einen
Wechsel der Anschauungsform.
.Es wird das gleiche Wirkliche empfun‐
den und erlebt, — nur in geistiger An‐
schauungsform, — da die physischen Sinne
mit dem Erlöschen der einheitlichen Lebens‐
funktionen des irdischen Körpers aufhören,
brauchbare Vermittlungsorgane für das Er‐
leben zu sein.
.Sinnlich wahrnehmbar aber ist das
Leben in allen seinen Regionen, auch wenn
die Art der Sinnesorgane sehr verschieden
ist. —
.„Sterben” ist für den Erdenmenschen
nur ein Vorgang, der zwangsweise dazu
führt, bisher im Unterbewußten verbor‐
gene Sinne bewußt gebrauchen zu lernen...
.Auch während des Erdenlebens sind diese
geistigen Sinne schon vorhanden, — ja,
sie allein sind die Ursache, daß der Mensch
aus seiner tierleiblichen Sinneswahrnehmung
Eindrücke empfangen kann, die dem Tiere,
auch auf höchster Stufe, unerlebbar bleiben,
so sehr auch seine physische Sinnesschärfe
die des Menschen übertreffen mag. — —
.Nur in relativ seltenen Sonderfällen
wird es möglich, daß die Sinne des geistigen
„Leibes” im Menschen schon während die
ses Erdenlebens sich eröffnen, und es ge‐
schieht dies niemals in der Form einer
plötzlich sich einstellenden Fähigkeit, die
geistigen Sinnesorgane gebrauchen zu können,
sondern immer nur in der Art eines sukzes‐
siven „Wachwerdens”, das zwar sanft ge
fördert, aber keinesfalls durch willkürliche
Mittel erzwungen werden kann.
67 Das Buch vom Jenseits
.Wer nun schon im physisch-sinnlichen
Leben auch zum Gebrauch seiner geistigen
Sinne erwachte, der sieht die verschiedenen,
ihm schon erfahrbaren, niederen „Welten”
der einen und einzigen ursächlichen Welt
der Wirklichkeit wie ineinander „ver‐
schachtelt”, so daß es ihm oft schwer werden
kann, augenblicklich zu unterscheiden, was
den Regionen der physischen, und was den
Reichen der geistigen Sinnenwelten ange‐
hört.
.Nur die ganz wenigen Menschen, denen
sich auch die Welt der Ursache: — das
„Ding an sich”, von innen her aufgeschlos‐
sen hat, empfinden zugleich die eine, letzt‐
gründige Wirklichkeit, durch die sowohl
jede geistige, wie jede physisch-sinnlich
wahrnehmbare Welt „gewirkt” wird.
.Diese Urwirklichkeit ist Urgrund allen
Lebens, mag es nun auf geistige oder auf
physische Art zum sinnlichen Erfahren
und Selbsterleben kommen! —
.Der „Mensch” aber, — ob er sich nun
in geistiger Erscheinungsform oder im Er
dentierkörper erlebt, ist, in ewiger Wirk‐
lichkeit gesehen:
.Ewiges Leben in der Form individu
eller, bewußter Erlebnisfähigkeit.
.Durch die physisch-sinnliche Anschau‐
ungsweise hier auf Erden bestimmt, fällt es
freilich dem auf eine tierhafte Gestalt allein
verwiesenen ewigen Leben recht schwer,
sich individuell geformt, und doch dabei als
Konzentrationspunkt eines unermeßlichen
Ganzen zu empfinden: — eines Ganzen, das
in sich keine Lücke und keine Trennung
kennt, obwohl es sich in unendlichfältigen
Aspekten erfaßt. —
.Allzusehr hängt erdgebundene Vorstel‐
lung von dem Augen-Schein ab, der Indi
viduelles nur als ein von anderem Ge
trenntes kennt.
.In geistiger Anschauungsweise aber ist
Individualität ewige Darstellungsfunk
tion innerhalb des untrennbaren Ganzen: —
nicht etwa Spaltung in sich selbst, sondern
Darstellung eigener Viel-Einheit.
.Immer ist es das ganze, unteilbare
Leben, das sich in jeder seiner unendlich
vielen individuellen Selbstformungen in ei‐
nem bestimmten, einmaligen Aspekt erlebt...
69 Das Buch vom Jenseits
.Um die physisch-sinnliche Wahrneh‐
mung dieses Eindruckskomplexes zu bewir‐
ken, sind gewiß physikalische Eindrucks‐
erzeuger notwendig, hingegen wird der gleiche
Eindruckskomplex für geistige Sinne nur
dann wahrnehmbar, wenn geistige Ener‐
gien sich zu der nämlichen Eindruckserzeu‐
gung vereinen. — —
79 Das Buch vom Jenseits
.Auch auf der geistigen Seite der
ursächlichen Welt gibt es „Raum und
Zeit”, „Ursache und Wirkung”, wenn
wir auch zu alledem in wesentlich an‐
derer Beziehung stehen, als wir es auf
der Erde und im physisch-sinnlichen Leben
gewohnt sind. —
.Alles was hier in der geistigen Welt
erlebt wird, ist von gleicher Realität wie
die Dinge der mit physischen Sinnen
wahrnehmbaren Welt, kann aber nur auf
geistige Weise zu Bewußtsein gelangen.
.Was solcherart wahrgenommen wird, ist
auch keineswegs örtlich ferne der physi‐
schen Welt, aber es untersteht nicht mehr
den in der physischen Erscheinungswelt wirk‐
samen Gesetzen. —
.Wirkender Wille läßt im Geistigen er‐
wachsen, was uns im geistigen Leibe dienen
soll, und der gleiche Wille läßt die reife
Frucht ohne Mühe geerntet sein.
80 Das Buch vom Jenseits
.Wir kennen nur keine Tiere in dem
Bereiche der geistigen Welt, von dem hier
die Rede ist, obwohl die reine Formen
welt tierhafter Erscheinung auch hier kei‐
neswegs fehlt.
.Alles aber, was am Menschen auf Erden
des Tieres” ist, hat hier seine Macht
über uns in gleicher Weise verloren, wie
alles Feindliche, das uns auf Erden in
der Erscheinungsform des Tieres gegen‐
übertritt.
.Was im Geistigen sich uns offenbart in
Formen, die denen der Tiere auf der Erde
in höchster Schönheit entsprechen, hat
nicht das mindeste zu tun mit tierhaf
ter Natur, wie sie sich uns auf Erden in
tierischen Formen zeigt...
.Auf Erden mögen Menschen, um sich
irdisch zu nähren, das Fleisch der Tiere
genießen, andere es meiden, — hier im
geistig-sinnlichen Erleben aber gibt es keine
andere „Speise”, als die geistigen Aequiva‐
lente irdischer Pflanzenfrüchte, sowie der
irdischen Erscheinung von Wein und Brot.
.(Es wird kaum nötig sein, zu sagen, daß
es sich hier um „Brot” handelt, das ohne
Backofen wurde, und um „Wein” der wahr‐
lich nicht „berauscht”...)
.Aber „Speise” und „Trank” ist auch auf
der geistigen Seite der ursächlichen Welt
die geistsinnliche Form der Krafterneue
rung, gleichwie es einen Zustand der Er‐
quickung gibt im geistigen Erleben, der sich
vergleichen läßt mit dem gesunden Schlafe
der irdisch Ermüdeten.
.Da „Speise” und „Trank” im Geistigen
jedoch Erzeugnisse der Kraft des Willens
sind, so ist auch ihre Wirkung nur Ver‐
wandlung der gleichen Kraft in geistleib‐
liche Elemente und es entfällt somit für
den Leib des Geistes alle auf Erden tier‐
bedingte Ausscheidung.
81 Das Buch vom Jenseits
.Ein Reich des Geistes wie ihr es euch
erträumt und wie man seit Jahrtausenden
es immer wieder euch erträumen lehrte:
ohne Formen, ohne Symbole — gibt es
nirgends, es sei denn, man nähme vorlieb
mit den verblasenen Nebelreichen, die in
manchen Köpfen als „Wirklichkeit” gelten.
.Das „gestaltlose Meer der ungeformten
Gottheit”, von dem die Mystiker reden, ist
über allem Dasein, aber einmal verloren
in diesem Meere, würdet ihr euch nie mehr
wiederfinden.
.Aus ihm seid ihr hervorgegangen um
Gestalt und Ausdruck eures Willens zu
werden, aber was euch nun einmal indivi
dueller Formung übergab, müßte ewig einen
jeden abstoßen und stets wieder ins All hin‐
ausschleudern, falls einer in die unbegrenzte
Urflut zurückkehren könnte. — —
.Gar weit von dieser Urflut sind die armen
Träumer entfernt, die in ihrem Unterbe‐
wußtsein das verborgene Erfahrungsgut fern‐
ster Vorahnen fanden und deren Unfähig
keit zu individuellem Selbsterleben in
sich erneut durchkosteten, als vermeintliches
„Gottheitserleben”...
.Die innerste Lichtwelt geistiger Anschau‐
ung aus der wir euch Kunde bringen, ist
zwar der Formung nach das Werk aller,
die diese Geisteswelt zu erleben vermögen,
und dennoch bleibt jeder Einzelne der Ge‐
stalter seines eigenen Erlebens.
.In der Gemeinsamkeit der Willenswir‐
kung erstrebt jeder Einzelwille hier die
gleiche Formung.
.Für sich selbst aber schafft der Einzel‐
wille innerhalb unserer Gemeinsamkeit
dennoch sein eigenes Erleben, das hin‐
wieder keinen anderen Einzelwillen stört,
wie es ja auch niemals anderem Einzel‐
willen erlebbar werden könnte, es sei denn,
infolge gegenseitiger Durchdringung.
.Wenn aber nun auch die ganze geistig
sinnliche Weltgestaltung in gleicher Weise
als „reale” Welt empfunden wird wie die
Welt der physisch-sinnlichen Wahrneh‐
mung, so stellen sich doch unserem Willen
innerhalb der geistigen Welt keine der
Widerstände entgegen, die ihn auf Erden
hemmen und beschränken.
.Wollen wir, daß etwas sei, so genügt
unser Wille, damit es werde...
.Es wird, — je nach der Kraft unseres
Willens, früher oder später, — aber es wird
so, wie wir es wollen.
.Die schöpferischen Kräfte des Willens
allein lassen in der geistigen Welt ins Dasein
treten was gewollt wird, und andererseits
entschwindet das bisher Gewollte ohne
jede Spur, sobald der Wille es verneint,
so daß hier dann in Wahrheit die Macht
des Willens nahe an den Begriff der „All‐
macht” grenzt...
.Nur die von allen, die des hier beschrie‐
benen Erlebens innewerden, gemeinsam
gewollte geistige Welt, — als Ergebnis ge‐
meinsamer geistig-sinnlicher Anschauungs‐
form, — läßt sich ebensowenig verändern
oder vernichten wie die physische Sinnen‐
welt.
.Es gibt aber auch noch andere Welten
geistig-sinnlicher Anschauung: — Welten
getrübter Erkenntnis und mißleiteten
Willens.
.Das sind die Welten derer, die ins Gei‐
stige gerieten ohne sich lösen zu können
aus den engen Fesseln irdischer Hirnge‐
spinste und Gedankenketten.
.Unfähig, sich vollbewußt zu den er
kenntnisklaren Höhen schöpferischen
Geistes zu erheben, schafft jeder, der auf
solche Art Gefesselten sich eine niedere
geistsinnliche Scheinwelt, die den Vor‐
stellungen gleicht an die er auf der Erde
schon gebunden war, — aber das Erzeugnis
seines Willens hat keinen dauernden Bestand.
.Da jeder Anderes will als der andere,
so zerstört immer einer des anderen Werk.
.Dennoch bleiben auch solche Trugwelten
viele Jahrtausende hindurch erhalten,
sofern sie ihr Dasein gemeinsamen Vor
stellungen danken, die auf Erden lange
Zeit mit großer Glaubenskraft gehegt und
genährt wurden. —
.Die unbewußten Schöpfer dieser Welten
stehen jedoch immerfort im Kampfe gegen
ihre Widersacher: — gegen alle Willens‐
kräfte die ein anderes Ziel erstreben.
.Ihr wißt nicht, wieviel religiöse Un‐
duldsamkeit, wieviel nationaler Hader und
wieviel andere Zwistigkeiten auf Erden
nur Rückwirkungen sind, hervorgerufen
durch wuterfüllte Verteidigungskämpfe in
den Trugreichen, die sich der Mensch in
den niederen Regionen geistig-sinnlicher
Anschauungsform seit Urzeiten schuf. — —
.Alles, was auf der Erde ernstlich ge
glaubt oder gewollt wird, erzeugt in den
niederen Bereichen geistig sinnlicher Wahr‐
nehmung eine dem gleichen Glauben und
Wollen entsprechende „Welt”, die so lange
bestehen bleibt, wie dieser Glaube oder Wille
auf Erden besteht und Glaubende oder Wol‐
lende hinübersendet in jene Bereiche.
.Alles, was sich auf Erden bekämpft,
ist sich auch Feind in der Welt scheinbarer
Erfüllung, die es sich unwissenderweise in
diesen geistig-sinnlichen Bezirken schafft,
und was da geistig gegeneinander wütet,
wirkt mit seinen feindlichen Kräften zurück
auf die Erdenmenschheit. —
.Durch Wechselwirkung wird Feindschaft
und Haß auf beiden Seiten genährt.
.Aber alle diese Sonderwelten, — diese
geistigen „Strandreiche”, — gehen dereinst
zugrunde, mag auch ihr Bestand gesichert
erscheinen für Aeonen!
.Ewigen Bestand hat im Geistigen nur
jene Geistesweltgestaltung, die einem er‐
kenntnisdurchlichteten, ewig geeinten Kol
lektivwillen entstammt, der durch nichts
verändert werden kann, da in ihm der Selbst‐
bejahungswille aller Einzelnen identisch
ist mit der ewigen Liebe, als dem Urgrund
unvergänglichen Seins...
.Wir, die wir im Ewigen leben, unserer
Ewigkeit gewiß, — wir befeinden keine
Willensrichtung und keinen Glauben, mö‐
gen sie uns auch noch so absurd oder ver‐
werflich erscheinen.
.Wir haben unsere geistige Welt vor kei‐
nerlei Feinden zu schützen, denn die uns
feind sein könnten, sind nicht imstande
die Welt in der wir geistig leben, zu er‐
reichen.
.Was immer sie auch von uns gehört
haben, — wie immer auch ihr Wähnen und
Meinen uns beurteilen mag, — so wissen
sie ja doch nicht, wovon wir Zeugnis geben,
und werden es auch nicht erfahren können,
solange ihre geistige Blindheit nicht behoben
ist...
.So würde denn auch ihr uns feindlicher
Wille nur gegen ein Bild sich richten, das
sie sich selbst geschaffen haben, — nie‐
mals gegen uns selbst und unsere geistige
Welt. —
.Wir aber sehen, unermeßlich tief unter
den Firnenhöhen die uns im Geiste Heim‐
statt sind, jene vergänglichen geistigen Wel‐
ten, die sich erdversklavter Wille schuf,
und wir sind immerdar bereit, aus ihnen
zu befreien, was sich befreien lassen will.
.Keinen können wir erlösen, der nicht
reinen Willens, im Innersten wahr vor
sich selbst, das Höchste und Lichteste
von sich verlangt, und unerschütterlich an
die Hilfe ewiger Liebe glaubt!
.Selten genug ist der Wille, der sich in
solcher Weise äußert, — selten genug die
Einsicht, daß nur die Erschöpfung eigener
Kraft ein Anrecht auf Hilfe begründet...
91 Das Buch vom Jenseits
.Möge jeder, der diese Worte liest, von
der äußeren Persönlichkeit ihres Schreibers
gänzlich absehen, und nur im eigenen
Herzen sich fragen, ob dort Übereinstim‐
mung zu finden ist mit dem allhier Ge‐
gebenen!
.Die Zustimmung des Herzens wird
anfangs erst nur leise vernommen werden,
wenn der Leser noch in Gedanken und Vor‐
stellungen lebt, die von den niederen Grenz‐
reichen geist-sinnlicher Anschauungsart be‐
einflußt werden.
.Je höher er sich bereits über diese Ein‐
fluß-Zone erhoben hat, desto deutlicher wird
er im eigenen Innersten die Wahrheit meiner
Worte empfinden.
.Wer allerdings, wenn auch dessen nicht
bewußt, Mitschöpfer niederer Welten im
geistsinnlichen Grenzgebiet ist, und daher
im Banne der Rückwirkung seiner selbst‐
geschaffenen Vorstellungsgebilde steht, der
wird schwerlich den Drang empfinden, sich
aus seiner Selbstbindung zu befreien.
.Ebenso werden alle, die das Reich des
abstrakten Denkens für das Reich des
Geistes halten, nur ein Lächeln dafür übrig
haben, daß es eine Welt ewiger Erfüllung
im Geistigen geben solle, die so viele Ele‐
mente der physischen Erscheinungswelt
aufweist.
.Die Erkenntnis, daß alle physisch-sinn‐
liche Erscheinungswelt, im Größten wie im
Kleinsten, Nachformung geistig-sinnlicher
Erscheinungswelten ist, scheint allzuschwer
erreichbar...
98 Das Buch vom Jenseits
.Gewiß ist der erdensinnlich faßbare
Mensch mit dem Tode seines irdischen Kör‐
pers auf immer vernichtet!
.Was weiterbesteht, ist der aus sich ge‐
formte ewige Wille, so wie er sich bis zum
Tode des Körpers in diesem und durch
dessen Kräfte Ausdruck schuf, und das in
dieser Willensform sich selbst erkennende
Bewußtsein, so, wie es noch in den letzten
Momenten klaren Empfindens im Körper
sich auch sinnenhaft empfand.
.Beides aber genügt wahrlich, um den
nachfolgenden Zustand ein „Weiterleben
zu nennen, denn auch das irdische Leben
ist ja nur sinnenfällige „Äußerung” des
durch seine Eigenformung bestimmten, und
damit sein Selbstbewußtsein bestimmen‐
den ewigen Willens.
102 Das Buch vom Jenseits
.Du hast nun hoffentlich bereits be‐
gonnen, ein Weniges zu erahnen von dem
Geheimnis der ewig zeugenden, ewig ge‐
bärenden Ursachenwelt, die sich in allen
Anschauungsreichen offenbart, in unendlich‐
fältiger Erscheinungsfülle...
113 Das Buch vom Jenseits
.So muß ich auch hier dir in die Erin‐
nerung rufen, daß das Wirkliche immer
das gleiche Eine und Ursächliche bleibt,
auch wenn es auf die verschiedenste Art
zur Wahrnehmung gelangt in den physi
schen oder geistigen Erscheinungswelten.
115 Das Buch vom Jenseits
.Wer anders als wir, sollte dir also das
einzig Wirkliche, das aller und jeder
Erscheinung letzte Ursache ist, wenigstens
durch den Hinweis, den Worte einer Men‐
schensprache zu geben vermögen, hier auf
Erden aufweisen können?!
116 Das Buch vom Jenseits
.Dein Bewußtsein ist zwar nicht Schöpfer
der Wirklichkeit, denn es ist selbst ein
„Teil” dieser Wirklichkeit, — ist selbst
eine der verborgenen geistigen Urseinskräfte,
— aber es ist im „Diesseits” wie im „Jen‐
seits”: Schöpfer der Erscheinungsform,
die sich hier wie dort aufbaut auf der Aus‐
wirkung der gleichen Kräfte.
.Zu der „diesseitigen” Anschauungs‐
form gehört eine Auswirkungsfolge dieser
Kräfte, die dir sehr vertraut ist als die
Funktion deiner physischen Sinne.
.Durch diese, dir hier gegebenen Sinne
wird all dein Anschauen und Anerkennen
der Wirklichkeit auf Erden genau bestimmt,
und so nimmst du nichts anderes wahr,
als was sie dich wahrnehmen lassen.
.Da du aber selbst ein „Teil” der ewigen
Wirklichkeit bist, gleichwie ein Wasser‐
tropfen im Meere ein Teil des Meeres ist,
so trägst du auch in dir potentiell alle
Möglichkeiten die der ewigen Wirklich‐
keit innewohnen, wie der Tropfen im
Meere alle Eigenschaften des Meerwassers
aufweist.
.So bist du nicht nur fähig, durch die
Sinnesorgane deines physischen Organis‐
mus wahrzunehmen, denn du selbst bist
ja geistiger Natur und deines geistigen
Organismus ewiger Eigner.
.In deinem geistigen Organismus besitzest
du andere Sinnesorgane, die du bis jetzt
noch nicht kennst, und sie entsprechen auf
geistiger Seite durchaus deinen physi
schen Sinnesorganen hier im irdischen
Leib.
.Durch deine geistigen Sinne wirst du
im „Jenseits” ebenso zum Schöpfer deiner
geistigen Erscheinungswelt, wie du hier
auf Erden Schöpfer der dir wahrnehmbar
werdenden physischen Erscheinungswelt
bist, ohne darum zu wissen...
120 Das Buch vom Jenseits
.Betrachte, um deinem Verstehen zuhilfe
zu kommen, beispielsweise einen Menschen
in der Hypnose!
.Er sieht, hört und fühlt alles, was du
ihn durch deine Suggestion sehen, hören
oder fühlen lassen willst, und es gilt ihm
als wahrhaft vorhanden.
.Du glaubst mit aller Bestimmtheit, er
unterliege einer von dir gewollten Täuschung,
— allein du bist es, der sich in dieser
Annahme täuscht!
.Du hast den Hypnotisierten nur für
kurze Zeit von dem Zwang befreit, seinen
physischen Sinnen allein glauben zu müs‐
sen, und nun sieht, hört und fühlt er vor‐
übergehend, und dort, wo du es ihm be‐
fiehlst, auch mit seinen geistigen Sinnen,
und wird durch sie zum Schöpfer dessen,
was ihm wahrzunehmen aufgetragen ist.
.Nicht du zeigst ihm, was er sieht, und
er sieht auch gewiß noch nichts von dem,
was in geistigen Erscheinungswelten allen
dort Wahrnehmenden gemeinsam sichtbar
ist.
.Du leitest nur seine plastische Phantasie,
und da er, bei gehemmter Funktion der
physischen Sinne, zugleich auch mit sei‐
nen geistigen Sinnen wahrzunehmen ver‐
mag, so gestaltet sein Wille vorübergehend
in geistiger Substanz die Aequivalente der
Vorstellungsbilder, zu deren Erzeugung du
ihn veranlaßt hast.
.Nicht der Holzstab mit dem du seine
Hand berührst, — während du suggerierst, es
handle sich um ein glühendes Eisen, —
schafft die Brandblase, die alsbald auf der
Hand zu sehen ist, — sondern die geist
sinnliche Erscheinungsform eines glü
henden Eisenstabes hat sie bewirkt, und
sie konnte derartiges nur bewirken, weil
sie auf der Auswirkung der verborgenen
Kräfte aufgebaut war, die in aller Er‐
scheinung das einzig Wirkliche sind. —
.Keinen Augenblick wird der Hypnoti‐
sierte an der Objektivität seiner Eigen‐
schöpfung zweifeln, und wenn du ihm be‐
fohlen hast, sich seiner Erlebnisse auch
nach dem Erwachen noch zu erinnern,
so wird er dann im Wachzustand kaum zu
begreifen vermögen, daß seine Wahrneh‐
mungen nicht in der physischen Sinnen‐
welt erfolgten.
.So intensiv aber konnte er nur erleben,
weil sein Erleben auf der Auswirkung der
gleichen Wirklichkeit beruhte, wie die
ihm vertraute physische Erscheinungs‐
welt. — —
.Wenn nun die Hypnose hier auch nur
der Verständigung wegen erwähnt wurde,
und wenn auch gewiß die Einblicke in
geistig-sinnliche Bezirke, die sie gewährt,
sehr beengt und oberflächlich bleiben, so
kann dir dieses Beispiel doch immerhin
zeigen, daß deine gegenwärtige physisch
sinnliche Anschauungsmöglichkeit nicht
etwa die einzig vorhandene ist.
.Wir Menschen hier auf der Erde sind
alle gleichsam in einer Kollektivhypnose,
so daß wir hier nicht auf andere Weise
wahrnehmen können, als wie unser „Hyp‐
notiseur”, der hier unser eigener „ein-ge‐
borener” Wille ist, uns wahrnehmen lassen
mag, und er wäre nicht in irdischem Be‐
reiche, ginge sein Streben nicht nach dem
Selbsterleben in physisch-sinnlicher Er‐
scheinung.
.Sobald wir unseren zeitlich ins Physische
gerichteten ewigen Willen umzukehren
verstehen, werden wir andere Wahrneh‐
mungsarten und ihre Gesetze kennenler‐
nen. —
.Das ist zwar während des physischen
Daseins auf der Erde nur sehr wenigen
Menschen möglich, — es wird aber allen
zur Notwendigkeit, sobald der Tod des
Erdenkörpers dem Willensbewußtsein die
bisherigen Sinnesorgane entzieht.
.Alle „Furcht vor dem Tode” erwächst
aus dem Widerstreben des ins Physische
gerichteten Willens gegen eine Umkehr
seiner, im Akt des „Falles” aus dem Ur‐
licht eingeschlagenen Richtung. — —
125 Das Buch vom Jenseits
.Du wirst nun begreifen können, daß
jeder, der hier auf Erden noch nicht zum
geistigen „Erwachen” kam, im „Jenseits
zuerst nur eine „Grenzwelt” ertastet, die
seinen Vorstellungen und denen Gleich
gesinnter, entspricht, — daß er aber erst
vollständig Herr seiner selbst im eigenen
Willen geworden sein muß, bevor er in
die ewige geistige Lichtwelt absoluter
Erfüllung emporgeführt werden kann. —
.Wir können auch keinen brauchen, der
nicht alle seine selbstsüchtigen Wünsche
aufgegeben hat, denn sein bloßes Dasein
in der uns umschließenden geistigen Region
wäre schon gleichbedeutend mit ihrem Ver‐
sinken in Unordnung und Chaos, — gesetzt,
es wäre möglich, daß ein solcher die höchste
Licht-Welt im Geiste ersteigen könnte.
.Vielleicht verstehst du nun, weshalb ich
betonte, daß wir hier alle eines Willens
sind, der sich in seiner Zielrichtung nicht
verändern kann...
.Wir sind im geistigen Reiche souve‐
räne Beherrscher des einzig Wirklichen ge‐
worden, — durch die mit ihm verschmol‐
zene Einheit unseres Willens, in dem je‐
der Einzelwille nur noch als Allwille sich
wiederfindet...
.So wurden wir wissende Bildner der
höchsten und reinsten Erscheinungswelt im
Geistigen.
.Soweit in einem Zustand, der weder An‐
fang noch Ende kennt, da er immerdar zu
gleich Beides selber ist, dennoch von „Voll‐
endung” gesprochen werden kann, wissen
wir, daß unsere Vollendung bedingt ist,
durch stetes bewußtes Gestalten und Erhalten
der höchsten und lichtklarsten Erscheinungs‐
welt im Geiste, die uns Stätte des Wirkens
wie Tempel der Anbetung wurde...
.Wir „sind” nichts anderes, als nur das,
was unser geeinter ewiger Wille will!
127 Das Buch vom Jenseits
.Was man auf Erden und in der Rede
des Alltags „Wille” nennt, ist nur ein
Wünschen, ein Begehren, oder irgend
einer Neigung Ausdruck, bedingt durch
eine Gehirnfunktion.
.Würde der wirkliche ewige Wille des
Menschen auf der Erde den Wünschen
folgen, dann müßte sich jeder Wunsch und
jedes Begehren erfüllen.
.Dem ist aber nicht so, wie jeder weiß,
und wir können wahrlich dem Himmel
danken, daß allhier nicht hinter jedem
Wunsch ein Wille steht...
.Auf der Erde „will” unser ewiger Wille
nur in der Beschränkung, die ihm die ge
wollte physische Anschauungsweise
auferlegt, auch wenn die Wünsche diese
Schranken nur zu oft und zu gerne über
fliegen möchten.
.Erst im Geistigen, — in der anderen
Anschauungsform, — kann unser Wille auch
anders wollen.
.Dort ist der Bann „diesseitiger” Hypnose
gebrochen und die anderen, in uns vor‐
handenen Möglichkeiten der Anschauungs‐
weise können sich offenbaren.
128 Das Buch vom Jenseits
.Damit du verstehen lernst, was das
„Jenseits” ist, wirst du drei Reiche im Kos‐
mos unterscheiden lernen müssen.
.Einmal das Reich der physisch-sinn‐
lichen Anschauungsart, oder die physische
Welt.
.Dann das Reich geistig-sinnlicher An‐
schauung, oder die Welt des Geistes.
.Drittens aber das Reich der verborge
nen, ursacheschaffenden Kräfte des Ur
seins: — das einzig Wirkliche, auf des‐
sen Auswirkung alle Anschauungsformen
und ihre Erscheinungswelten, sowohl auf
der geistigen wie auf der physischen Seite
des Kosmos, beruhen.
.Diese verborgenen, ursacheschaffenden
Kräfte des Seins wirken im Erdenmenschen
als seine „Seelenkräfte”.
.Einmal in einem Menschenleben zu zeit‐
weiliger Kollektivform kristallisiert, nehmen
sie gleichsam die individuelle „Färbung” des
Menschen an und werden durch den in ihm
sich manifestierenden ewigen Willen, für
alle weitere Zeit bestimmt, so daß sie dem
einmal empfangenen Impuls fortan folgen
müssen, bis er Erfüllung fand.
.Ist diese Erfüllung im Erdenleben des
Menschen, der den Impuls gab, nicht zu
finden, dann äußern sich die einmal nun
nach bestimmter Richtung strebenden „See‐
lenkräfte” immer wieder in neuen Men
schenleben, bis sie zuletzt Erfüllung er‐
reichen, indem sie sich dem Willen, der sich
in einem Menschen manifestiert, verschmel
zen und mit ihm zur Einheit werden.
.Unrichtige Deutung dessen, was sie von
diesem Geschehen wahrzunehmen vermoch‐
ten, verführte die Völker des Ostens zu dem
Glauben an eine oftmalige „Wiedereinver‐
leibung” des Menschen durch Geburt auf
der Erde.
.Der Wahrheit nach ist aber solche Wieder‐
einverleibung, — also ein Zurückfallen in
die Selbsthypnose physisch-sinnlicher An‐
schauungsart, — nur möglich bei Menschen,
die bewußt und absichtlich selbst ihren Kör‐
per zerstören (was keinesfalls ein Werk des
ewigen Willens, sondern immer nur ein
Ausbruchsversuch des Wunsches ist! — —)
ferner: bei Kindern, die starben, bevor der
ewige Wille Erfüllung seines Dranges zu
physisch-sinnlicher Erfahrung fand, und drit‐
tens: bei Menschen in denen der Drang zu
solcher Erfahrung gleichsam in Hypertrophie
ausartete, so daß selbst der Tod des Erden‐
körpers nur für kurze Zeit die Selbsthyp‐
nose zu unterbrechen vermochte.
141 Das Buch vom Jenseits
.Jeder einzelne Mensch ist eine ein
malige und einzigartige Emanation des
Urwillens, — ist hervorgegangen aus dem
ewigen „ungeformten Meere der Gottheit”
um seine, von allen anderen Mitemana‐
tionen verschiedene, individuelle Formvol
lendung zu erlangen.
.Wer auf dieser Erde geboren wurde und
nun die Mühen, Bedrängnisse und Schmer‐
zen zu erdulden hat, die mit dem Dasein
im tierhaften Leibe untrennbar verbunden
sind, der hat sich dieses Schicksal selbst
geschaffen, denn um des Daseins in dieser
physisch-sinnlichen Erscheinung willen, hat
er den Weg zu seiner Formvollendung im
Geiste selber unterbrochen.
.Zwangsläufig muß er früher oder später
zur Rückkehr kommen, um dann aufs neue
seiner geistigen Formvollendung zuzustreben.
144 Das Buch vom Jenseits
.Es gibt unzählige geistige Welten, so
wie es unzählige Welten physisch-sinnlicher
Erscheinungsform gibt!
.Höchste Formvollendung aber findet
der individualisierte ewige Wille erst dann,
wenn er sein individuelles Wollen, ohne
jeglichen Rest einer Sonderstrebung, dem
Allwillen zu einen vermag, im innersten
Reich des Geistes: — dem Reiche der ur‐
sachesetzenden ewigen Wirkungskräfte des
Seins: — in der Lichtwelt des einzig Wirk
lichen...
.Darüber hinaus gibt es für den Men‐
schengeist nichts, denn diese erhabenste
aller Welten ist zeitlich, räumlich, und ihren
Erfüllungsmöglichkeiten nach unendlich.
.Soweit das „unbegrenzte” Sein, das
„uferlose, unergründliche Meer der Gott‐
heit”, dem durch die Formung des Wil
lens bestimmten und darum begrenzten,
— obgleich „unendlichen”, — Bewußtsein
zugänglich ist, wird es in dieser höch
sten Lichtwelt allein, in jedem der all‐
hier geeinten ewigen Willen, seiner selbst
bewußt. — —
146 Das Buch vom Jenseits
.Dennoch hatte solches Irren die Suchen‐
den in gewisser Weise gefördert, denn es
gibt keinen Irrtum, der nicht auf Umwegen
doch zur Wahrheit führen könnte.
.Darum soll keiner die Zeit seines Irrens
verfluchen”, denn er ahnt vielleicht nicht,
was er ihr zu danken hat. —
152 Das Buch vom Jenseits
.Ist der Suchende in hinreichenden Kon‐
takt mit seinen geistigen Helfern gekommen,
dann erfolgt zuerst eine Art Prüfung seiner
Kräfte, und je nach deren Ausfall wird die
weitere geistige Einwirkung auf ihn „abge‐
stimmt”.
.Die Skala möglicher geistiger Einstrah‐
lungen beginnt mit der bloßen Verstär
kung der Eigenkräfte des Suchenden und
reicht hinauf bis zu persönlicher geistiger
Führung.
.Bei den Wenigen, die schon vor ihrer
irdischen Geburt unter solcher Führung
stehen, da sie sich zu „Meistern” geistigen
Wirkens auf der Erde vollenden sollen,
kommt es zuletzt zu völliger geistiger Ver‐
schmelzung mit dem Führer, obwohl dieser
vielleicht in einem fernen Weltteil lebt, so
daß der Schüler nicht mehr begriffliche
Lehre empfängt, sondern alles miterlebt,
was im Geiste (nicht etwa dem „Gehirn
bewußtsein”!) seines Lehrers vorgeht.
.Die Absicht des „Meisters” gewisse in
ihm lebendige geistige Vorgänge auch sei
nem Schüler empfindbar zu machen, ge‐
nügt, damit der Schüler diese Vorgänge so
wahrnimmt, als erfolgten sie in ihm selbst,
obwohl er zweifelsfrei weiß, auf welche
Weise er zu solchem Miterleben kommt.
.Da der „Meister” für seine Individua‐
lität, die Vereinung mit dem „Urlicht”
längst erreicht hat, so erlebt der Schüler
diese Vereinung zuerst in der Verschmel
zung mit der durchlichteten Seele seines
Lehrers.
.Allmählich wird dann der Schüler reif
dazu, die Vereinung mit dem Urlicht selbst
ständig zu erreichen.
.An diesem Ziele angelangt, steht er
nicht nur im Bewußtsein seiner eigenen
geistigen und ewig unzerstörbaren In‐
dividualität, sondern empfindet in sich auch
gleichzeitig das Bewußtsein aller Indivi‐
dualitäten im Geiste, die jemals zur Offen‐
barung in einem Menschenbewußtsein ka‐
men...
.Der so Vollendete gewahrt sich mit allen
in gleicher Weise zur Vollendung Gelangten
verschmolzen zu einem ihm neuen Ge
meinschaftsbewußtsein, dem nichts auf
Erden Bekanntes vergleichbar ist.
.Sein eigenes individuelles Bewußtsein
ruht in diesem gemeinsamen Bewußtsein
eingebettet.
.Niemals jedoch kann das individu‐
elle Bewußtsein des Vollendeten etwa in
dem Gemeinschaftsbewußtsein „aufgelöst”
werden.
.Das einzelne Individuum lebt in die‐
ser Verschmelzung für alle Ewigkeit das
Leben des Ganzen, alle anderen Indivi‐
dualitäten dieses Ganzen durchdringend
und selbst von ihnen durchdrungen,
ohne daß eine der so geeinten Individu‐
alitäten des Geistes jemals ihr durch sich
selbst bestimmtes Eigendasein verlieren
könnte.
.Absolute Gewißheit in Bezug auf das
Fortbestehen des menschlichen Bewußtseins,
das über den Tod des irdischen Leibes hin‐
aus, ewig in geistiger Anschauungsform
sich erlebt, gibt es naturgemäß nur für
die Wenigen, die das hier aufgezeigte
Ziel in ihrem Erdendasein schon erreicht
haben.
169 Das Buch vom Jenseits
.Du wirst dann den „Urmenschen” ge‐
wiß nicht mehr auf diesem Planeten
suchen, — wirst erkennen, daß das, was du
bisher so nanntest, richtiger als ein Tier
der Urzeit zu benennen ist, aus dem sich
das feinere Tier entwickelt hat, das heute
dem Menschen nun als Träger und Werk‐
zeug dient, damit er sich in der physischen
Welt zu erleben vermag. —
.Du wirst auch nicht mehr „am Menschen
verzweifeln”, denn alles was dir bis jetzt
an dem Wesen, das man auf Erden den
Menschen” nennt, „verächtlich”, „klein”
und „erbärmlich” erschien, wird dir ver‐
stehbar werden als naturnotwendige, weil
tiergemäße Auswirkung des Erdentieres,
das allhier der wirkliche „Mensch” als Mittel
zur Selbstdarstellung zu benutzen strebt,
— das ihm aber oftmals stärkeren Wider‐
stand entgegensetzt, als er im Reiche der
physischen Welt zu überwinden vermag.
.Anderes wirst du verstehen lernen als
unvermeidliche „Reibungserscheinung
beim Aufeinanderwirken so verschiedener
Kräfte.
13 Das Buch vom Menschen
.Im ewigen Urgrund: im ewig sich selbst
und in sich alles Seiende zeugenden Geiste,
— in der Quelle allen Seins und Offenbar‐
werdens tief verborgen, — ruht das My‐
sterium „Mann und Weib”...
.Irdischer Erkenntnis Brücken bauend,
redet man vom „reinen Geiste” als dem
absoluten Sein”, obwohl ein solches,
ewig ruhendes „absolutes Sein”, für sich
allein in sich beharrend, niemals war, nicht
ist, noch jemals bestehen könnte.
.Wer solchen Hilfsbegriff einer Wirk
lichkeit gleichsetzt, der hat seinem Denken
allzusehr vertraut, und ist noch ferne der
Erkenntnis, daß denkendes Erschließen nie‐
mals weiter vordringt, als bis zur Grenze
jener Vorstellungen, die den Gesetzen, denen
sich das Denken fügen muß, noch unter
ordnet sind. —
.Die Wirklichkeit des reinen Geistes aber
ist sich selbst allein „Gesetz”, und un‐
erreichbar bleibt sie allen denkgerechten
Schlüssen! — —
.Sich selbst in sich umfassend, ist „reiner
Geist” von Ewigkeit zu Ewigkeit im Schaf
fen seiner selbst begriffen, — sich selbst
erzeugend und gebärend, — denn reiner
Geist ist: „Mann und Weib”. —
.Mann und Weibim Geiste aber
zeugen und gebären aus der urgegebenen
Selbstdarstellung weiter — anfanglos —
endlos — den Menschen des reinen Geistes,
und sie zeugen und gebären ihn, sich selbst
„zum Bilde und Gleichnis”, — als „Mann
und Weib”, vereint in urgegebener Ein
heit zwiepolaren Wesens...
.Alles was je Erscheinung wurde: — alle
Sonnen und Welten des geistigen, wie des
physisch-sinnlich wahrnehmbaren Kosmos,
alles, alles ist „Schöpfung” dieses, aus dem
Geiste gezeugten, rein geistigen „Men‐
schen”, insofern es „Erscheinung” ist,
— und diese Schöpfung ist daher auch Zeug‐
nis von „Mann und Weib” im ewigen
Geiste. —
.In unendlichfältiger Zahl, — in un
endlichfältiger Individualisierung
wird dieser erste „Mensch” des reinen Geistes
aus Mann und Weib im Geiste gezeugt und
geboren, und jeder einzelne ist ewig
schaffend: — ewig in sich zeugend und
gebärend, — denn er „ist” nur, soweit er
im ewigen Zeugen und Gebären sich dar
stellt, als „Mann und Weib”: — als
männlich-weiblich polarisierte Kraft.
.Was er zeugt und gebiert ist „er selbst”,
ist Sein aus seinem Sein, jedoch in gleich‐
sam „dichterer”, lichtärmerer Form, bis er
endlich, in ferner Weiterzeugung dem ur‐
gegebenen Sein bereits weit entrückt, sich
selbst in bestimmter geistiger „Dichte” als
Erscheinung” zeugt, aus sich gebärend
alle Welten, die sich als Erscheinung offen‐
baren.
.Unendlichfältig ist auch die „Er‐
scheinung” des Menschen der Ewigkeit in
seiner Erscheinungsschöpfung, und jede
einzelne Erscheinungsdarstellung die von ihm
ausgeht, zeugt und gebiert weiter die nächste
tieferstehende Erscheinungsart.
.Es gibt Stufen des „Menschen” im gei
stigen, und selbst im Kosmos physischer
Erscheinungswelten, die dem Erscheinungs‐
menschen dieser Erde — wenn er der
Wahrnehmung fähig wäre — höher erschei‐
nen würden als ein Gott...
.Eine der tiefsten Stufen der Erschei‐
nung des „Menschen” stellt aber der Erden‐
mensch selber dar.
.In ihm hat sich der urgezeugte Mensch
des reinen Geistes einem der unfreiesten
Wesen seiner Erscheinungsschöpfung: — der
Erscheinung des Tieres, verbunden.
22 Das Buch vom Menschen
.Hier, im Tiere der Erde, verlor der
Mensch des Geistes das Bewußtsein seiner
selbst und empfindet sich nun nur noch
in den Schwingungen erdhafter Zellenbe‐
wegung mit des feineren Tieres Bewußtsein,
das nur durch wenige schwache Strahlen aus
dem eigentlichen Menschentum im Geiste
jene Erhellung noch empfängt, die erden‐
menschliches Selbstempfinden über das Be‐
wußtsein anderer Erdentiere erhebt.
.Der „Mensch” wäre verloren im Tiere,
wäre ihm nicht aus der urgegebenen Zeu‐
gung sein Erbe nachgetragen worden auf
die Erde, so daß ihm wieder Kraft gegeben
werden kann, den leuchtenden und ganz
aus Licht gebildeten Kristall des reinen
Geistes in sich aufzunehmen, den er als
seinen Gott” dann in sich selber findet.
.Wie ein Brunnenbauer nicht in die Tiefe
des Schachtes steigt, ohne das Seil, das ihn
wieder ans Licht bringen soll, an fester
Stelle zu sichern, so stieg auch der Mensch
des Geistes nicht hinab in seine Erscheinungs‐
schöpfung ohne die immerwährende Siche‐
rung seiner Weiterzeugung durch den „sil‐
bernen Faden” strahlender Kräfte aus seiner
ersten Zeugung im reinen Geiste.
.Nur durch die Kräfte, die infolge solcher
Bindung ihn aus höchsten Höhen her auch
hier auf Erden noch erreichen, ist es dem
Erdenmenschen möglich, in sich selbst sich
seinem Gotte zu vereinen, und in ihm aus
Dunkelheit und Nacht zu Licht und Leuchten
sich empor zu ringen. —
.Wissend um seine hohe Sicherung, nach‐
dem sein Gott in ihm „geboren” wurde,
kann er sich gefahrbefreit nun in die tief‐
sten Abgründe wagen, in die sein Erden‐
schicksal ihn senden mag...
.Noch aber leben die meisten der Erden‐
menschen im Menschtiere der Erde ohne
Gott, auch wenn sie einem erträumten außer‐
weltlichen Gotte dienen.
.Noch suchen sie ihre Ahnen der Urzeit
nur auf diesem Planeten, wissen nichts
davon, daß das ganze Weltall des Men‐
schen ist, wissen nicht, daß die „Urzeitmen‐
schen”, deren Spuren noch auf der Erde
gefunden werden, nur ihre irdischen „müt
terlichen” Ahnen sind, während ihre „
terlichen” Ahnen, — das befruchtende
Element, — in den Reichen des Geistes
allein gefunden werden können.
.Die Befreiung des Geistmenschen aus
den selbstgeschlungenen Fesseln, in die er
als Erdenmensch gebunden ist, kann aber
nur erfolgen, wenn er endlich sich wieder
als nur eine der tausendfältigen Erschei
nungsformen des „Menschen” erkennt, und
den Wahn verläßt, als sei er allein nur so
wie er sich hier auf der kleinen Erde
findet, — der wahre „Mensch”, — des
Menschen einzige Darstellungsform. —
.Die Worte heiliger Bücher der Vorzeit
sind das Verderben derer, die an sie glauben,
solange der Mensch der Erde alles, was in
diesen Zeugnissen Erkennender vom „Men‐
schen” gesagt wird, nur auf sich allein:
— nur auf des Menschen Erscheinungsform
auf dieser Erde bezieht. —
.Aufwärts muß er seine Blicke lenken,
— aber nicht zu einem außerweltlichen
Gotte, den er sich hoch über den Wolken
erträumt, sondern „aufwärts” zu sich selbst
in seinen höheren Erscheinungsformen, —
„aufwärts” zu seinem Ursprung, dem reinen
Geiste, der sich in ihm selbst als „sein
Gott” aufs neue kristallisieren will! —
25 Das Buch vom Menschen
.Es lebt auf dieser Erde unsichtbar Einer,
der da ist wie er war: — einer aus der
väterlichen Urzeugung — aus dem mütter‐
lichen Gebären im reinen Geiste, — ein
reiner Geistesmensch des höchsten
Seins im ewigen Quellgrund göttlich
geistigen Lebens.
.Einer derer, die „Mann und Weib
im Geiste sich zum „Bild und Gleich
nis” zeugen und gebären! —
.Es leben aber auch andere unsichtbare
„Menschen” auf diesem Planeten: „Men‐
schen”, die der Urgezeugten Weiterzeugung
sind, — als solche zwar „gebunden” an ihre
eigene Erscheinungs-Schöpfung im Unsicht‐
baren, aber dennoch im „hohen Leuchten”
verharrend, — nicht aus Licht und Leuch‐
ten „gefallen”, wie der sichtbarliche Er‐
scheinungsmensch.
.Erkennend die tiefe Not des Menschen
in der irdischen Erscheinungsform, suchen
sie ihn zu erretten, sobald er sich in Wahr‐
heit erretten lassen will.
.Sie selbst aber wirken unter der Geistes‐
leitung jenes einen unsichtbaren Ur
gezeugten, der alles Geistige auf diesem
Planeten lenkt.
.Immer und immer wieder hat dieser
unsichtbare geistige Helferkreis unter höch‐
ster geistesmenschlicher Leitung neue Erden‐
menschen im Dasein gefunden, die er zu
Werkzeugen seines glühenden Helferwillens,
— zu wirkenden Meistern höchsten irdisch‐
geistigen Erkennens: — zu Mithelfern seines
Hilfswerkes, vollenden konnte, da sie schon
vor der Inkarnation im Erdenleibe sich zur
Mithilfe dargeboten hatten.
.Über diese, zur Erreichung der im Dun‐
keln tastenden Suchenden auf dieser Erde
unerläßlich nötige „Brücke” schritt und
schreitet zu allen Zeiten der ewige wahre
„Mensch” der Urzeugung im Geiste wieder
zu seiner gefallenen geistigen Selbst-Weiter‐
zeugung der lichtfernsten Form: — dem
Erdenmenschen — hin, suchend, wen er er
heben und in das Licht zurückführen könne.
— —
.Daß so viele der Erdenmenschen Su
chende sind, aber so wenige zu Findern
werden, hat seine Ursache darin, daß fast
alle Suchenden in der falschen Rich
tung suchen und so nur immer tiefer ins
Dunkle geraten...
31 Das Buch vom Menschen
.Jede Kraft wirkt nach der Richtung hin,
nach der sie ausgesandt wurde.
.Der Erdenmensch aber, in dem das den
Menschen tragende „Tier” die Oberhand
gewonnen hat, so daß er das irdisch-tierisch
Begründete an sich für sein Wesentliches,
ja für sich selber hält, sucht nun außer
sich, was er nur in sich finden könnte, allwo
ja die Verbindung mit den höheren Stufen
seines Menschseins immerdar gegeben bleibt
durch den „silbernen Faden” strahlender
Kräfte, der auch das, was wirklich „Mensch”
ist im Erdenmenschen, noch mit allem
Menschtum des Geistes verknüpft hält.
.Auch kein Helfer aus geistigen Re‐
gionen, und keiner derer, die als „Meister”
des geistigen Erkennens auf Erden in der
Sichtbarkeit leben um dem wirklichen
„Menschen” der Ewigkeit die „Brücke” zu
bauen, kann den Erdenmenschen in seinem
Bewußtseinskern anders erreichen, als nur
von Innen her, wo allein das wahrhaft
Menschliche gefunden wird.
32 Das Buch vom Menschen
.Nie und nimmer, solange du hier auf
der Erde lebst im Erdenkleid, wirst du zu
wirklicher Klarheit gelangen über dich selbst,
ehedenn du in dir denMenschenur
ewiger Zeugung fandest. —
.Du kannst ihn aber nicht finden, ohne
Stufe um Stufe die „Himmelsleiter” em‐
porzusteigen, deren unterste Sprossen Er
denmenschen bilden, in denen aber den‐
noch schon der reine Mensch des Geistes
Herr und König ist. — —
37 Das Buch vom Menschen
.Vor allem mußt du damit beginnen,
wenn du „Ich” zu dir selber sagst, nicht
mehr nur das feinere Tier, sondern den
ewigen „Menschen” zu rufen! — —
.„Mann und Weib” mußt du suchen in
allem was in dir und was über dir ist! —
.Magst du Mann sein oder Weib, —
immer wisse, daß du von Ewigkeit her
dich selbst polar bestimmt hast, und daß
diese polare Bestimmtheit auch in aller Ewig‐
keit nicht mehr wechseln kann, — aber stets
den Gegenpol zu sich selbst in sich ver‐
langt. —
.Dein geistiges Männliches darf das
geistig Weibliche in dir nicht unterdrücken
wollen, gleichwie dein geistig Weibliches
nicht das geistig Männliche in dir negieren
darf!
.So nur wirst du dereinst auch im Geiste
wieder deinem urgegebenen Gegenpol ver‐
einigt werden, in der gleichen geistigen Ver‐
einung die dich und ihn zu einer Einheit
band, bevor die Trennung sich vollziehen
mußte durch den „Fall” aus hohem Leuch‐
ten...
.Suche in rechter Weise, so wie ich all‐
hier dich suchen lehre, und du wirst einst
dich selbst als den „Menschen der Ewig
keit” finden!
.In ihm, — in dir, — wirst du über
alle Zwischenstufen empor gelangen, deinem
lebendigenGott vereint, in den Urstand
deines urgezeugten, nur durch eigene Willens‐
wahl für dein Bewußtsein preisgegebenen
Seins: — aus Geist gezeugt, im Geiste
geboren, — „aus Mann und Weibim
Geiste ewig lebend! — — —
.Nicht jeder Erdenmensch gelangt schon
während dieses tierverhafteten Lebens
zum Bewußtsein in der Welt des reinen,
substantiellen Geistes.
.Sehr wenige nur werden jeweils wäh‐
rend ihres Erdendaseins schon in der Geist‐
region der Erde wachbewußt.
.Alle aber können hier schon und
während ihrer Erdentage in sich selbst
ihr ewiges Leben finden! K+  K-
Also wirklich alle? Kein verunmöglichender Grad der Abkehr?
40 Das Buch vom Menschen
.Nur dann, wenn du in dir dein ewiges
Leben gefunden hast und in ihm lebst, wirst
du „vollkommen” sein wie der „Vater”,
der „im Himmel” ist, als ewig Zeugen
der im Mutterschoß ewigen Gebärens:
— Urkraft im Ursein, — „Mann” zugleich
und „Weib”! — — —
42 Das Buch vom Menschen
.In jener höchsten Sphäre geistiger Er‐
scheinungswelt, wo Geistesmenschentum sich
selbst zum erstenmale in Erscheinung
— hier aber immer noch in geistige Er‐
scheinung — zeugt, ist „Mann” und „Weib”
noch eng vereint in urgegebener Einheit
zwiepolarer „Ich”-Empfindung.
.Mit jeder neuen Weiterzeugung aber
werden die geistigen Welten in die dieser
erste geistige Erscheinungsmensch sich wei‐
terzeugt, „dichter” gleichsam und ärmer an
ursprungsgegebenem „Licht”, — doch immer
bleibt noch die engste Vereinung von „Mann
und Weib” in gemeinsamer zwiepolarer Er‐
scheinung.
.In seiner gleichsam „dichtesten” Dar‐
stellung geistiger Erscheinung endlich an‐
gelangt, — nur schwach noch von dem ur‐
sprungsgegebenen „Lichte” erhellt, lernt nun
der Geistmensch dieser, seiner ersten Zeu‐
gung so fernen Bereiche, zum erstenmale die
Welten der physischen Gestaltung kennen.
.Hier aber geschieht es, daß den weib
lichen Pol in ihm eine neue Empfindung:
— die Furcht, befällt.
.Furcht vor den ungeheuren Kräften,
denen der geeinte zwiepolare Geistmensch
bis hierher noch geboten hatte, die er aber
nun in einer neuen Art am Werke sieht, —
ihm selbst so fremd, daß er hier nicht mehr
zu gebieten wagt und damit seine Macht
verliert...
.Doch hinter dem Werke der ihm nun
bedrohlich erscheinenden Kräfte gewahrt
er — eine neue Welt, mit Lebewesen, die
alle aus seiner eigenen Kraft in höchster
geistiger Erscheinung stammen: — die Welt
der physisch-sinnlichen Anschauungs
form, — der physisch sich erlebenden
Erscheinung.
.Furcht vor den nicht mehr zu mei‐
sternden Kräften, und Anziehung, aus‐
gehend von den Formen der physischen
Welt, veranlassen schließlich, daß der weib
liche Pol des geistigen Erscheinungsmen‐
schen nun durch einen Willensakt die
Mauer bricht, die ihn bis dahin noch von
dem physisch-sinnlichen Kosmos schied.
.Zwingend überwältigt ihn das Wissen um
die neuentdeckte Möglichkeit zu ungekannter
Art der Selbsterfahrung, und vor Verlangen
in sich selber erbebend, erfolgt sein Los‐
reißen aus bisheriger Erscheinungsform: —
die Vereinung mit dem Tiere der Erde, —
nicht anders als wie ein Blitzstrahl sich los‐
reißt aus der Wolke um sich der Erde zu
einen. —
.Unzählige „Erden” gibt es im kosmi‐
schen Raum, auf denen der Geistmensch
solcherart nun im tierhaften Körper sich er‐
leben muß: — dem physischen Körper des
Tieres, dessen Reste man auf diesem Pla‐
neten erhalten findet, noch aus Zeiten her
in denen es noch nicht in sich den Geist
menschen trug, auch wenn es jetzt als „Ur‐
mensch” bezeichnet werden mag. —
.Mit der Losreißung aus geistiger Er‐
scheinungswelt und der neuen Bindung an
den Tierleib ist der „Fall” aus hohem Leuch‐
ten endgültig vollzogen.
.Der Geistmensch, der bis hierher „Mann”
war und „Weib”, — in gleicher „Ich”-Emp‐
findung vereint und sich selber stets in an‐
dere geistige Welten weiter-zeugend, — ist
damit nun entzweit, denn in der phy
sischen Erscheinungswelt trennen sich
zwangsläufig die Pole „Mann” und „Weib”
voneinander, da diese Welt nur Bestand hat
in der steten „Spannung” die aus der Ge
trenntheit beider urgegebenen Pole re‐
sultiert.
.Es ist zuerst der weibliche Pol des
geistigen Erscheinungsmenschen, der diesen
„Fall” bewirkt und das Dasein in der Tier‐
form begehrt, — aber in geistigen Reichen
vermag nichts zu verharren, in dem nur
einer der beiden Pole „Mann”, — „Weib”,
wirksam wäre, und so muß der männliche
Pol dem „Falle” gleichzeitig folgen.
.Die Tierform, die der weibliche Pol
sogleich in seinem „Falle” findet, — „ge‐
schaffen” bereits von Geistmenschen frü‐
hester Zeugung, — wird dem männlichen
Pole Zwang, die gleiche Form für sich zu
begehren.
.Da aber die Söhne der Götter sa
hen, daß die Töchter der Erde schön
waren, nahmen sie diese zu Weibern.” —
.(Die Töchter der „Götter” sind hier
bereits zu „Töchtern der Erde” geworden!
— Die Söhne der Götter folgen nach!
— —)
.So etwa läßt sich auf irdische Weise
der ewig sich erneuernde Vorgang schildern,
der den Menschen geistiger Erscheinungs‐
welt zuletzt an die Gestaltung physisch
sinnlicher Erscheinungswelt verhaftet.
.Es ereignet sich nichts anderes als ein
vom weiblichen Pol her zuerst gewollter
Wechsel der Anschauungsform, der so‐
fort die vorher geeinten Pole entzweit und
zerfallen läßt in einen für sich bestehenden
weiblichen, wie einen ebenso nun für sich
bestehenden männlichen Pol, — der Ge‐
schlechtertrennung des Erdenmenschentieres
angepaßt, das nur in solcher Trennung sich
zu erhalten vermag.
.Die Sage vom Paradiese läßt „Eva” durch
„die Schlange” verführt werden und danach
den „Adam” verführen. Mag auch diese
Sage, so wie wir sie kennen, nicht in ursprüng‐
licher Gestalt überliefert sein, so zeigt sie
doch noch deutlich, daß hier ein Erkennen‐
der sein Wissen um einen sich ewig er‐
neuernden Vorgang, in einen zeitgebundenen
Bericht symbolisch verhüllt, der Nachwelt
überliefern wollte, soweit sie seine Sprache
der Symbole kennen würde.
.Wer zu lesen weiß in den Worten dieses
Wissenden, der wird auch die weitere Folge
für „Mann” und „Weib”, in irdischer Tren‐
nung, alsbald durch die Worte bezeichnet
finden, die der Weise den „Herrn” zu
„Adam” und zu „Eva” sprechen läßt, Worte,
die in sehr bedeutsamer Unterscheidung
das Maß der Schuld-Folge verteilen.
.Es ist bei dem stetig sich wiederholenden
Vorgang des „Falles” — in jedem einzelnen
Falle — der seiner Natur nach passive
weibliche” Pol, der zuerst der „Urschuld”
durch Furcht, verfällt, der zuerst den An
ziehungskräften der physischen Welt er‐
liegt.
.Keineswegs ist aber der männliche Pol
etwa frei von Schuld, — etwa nur das
„Opfer” seiner Vereinung mit dem weib‐
lichen Pol!
.„Schuld” des „männlichen” Poles ist
die Aufgabe aktiven Widerstandes im
zwiepolaren gemeinsamen Leben, bei der
Bedrohung des weiblichen Poles durch
Furcht und Anziehung.
.So geschieht es, daß beide Pole ihre
Rolle tauschen: — eine geistige Perversion,
wobei der weibliche Pol aktive, der
männliche aber passive Haltung annimmt,
was den „Fall” in die physische Erschei‐
nungswelt unabwendbar macht.
.Entscheidend als „Urschuld” ist aber
allein der positive Willensakt im weib‐
lichen Pol. —
.Darum, in der Sage vom „Sündenfall”,
der „Fluch”, der die Menschheit trifft im
Weibe”, — der dem Weibe in erden‐
hafter Form körperliche Schmerzen, Ängste
und Nöte verheißt wie sie dem physi‐
schen Tierkörper nicht erspart werden kön‐
nen, und jenen steten Kampf mit der
schillernden „Schlange” physisch-sinnlicher
Anschauungsart.
.Dem „Manne” aber wird nur diese
Anschauungsweise selbst entwertet durch
ihre Verfluchung.
.Ihm wird nur die Mühe und Plage
verheißen, an die das Dasein in physischer
Anschauungsform gefesselt ist.
.Darum weiter, in der Sage, das Wort
des „Herrn” an das „Weib” im Menschen:
.Du sollst dem Manne untertan, und
er soll dein Herr sein!” — —
.Wie oft wurde dieses Wort schon miß
braucht als ein Freibrief zur Unterdrückung
weiblicher Individualität auf Grund der hier
vermeintlich zugestandenen unbedingten
Herrschgewalt des Mannes in der Ehe!
.Aber auch aller lächelnde oder entrü‐
stete Spott kann die große Wahrheit nicht
aus der Welt schaffen, die jener Wissende
nur dadurch bedeutungsvoll genug betont
glaubte, daß er den „Herrn” befehlend
also sprechen läßt zu Mann und Weib. —
.Hier ist wahrlich Anderes zu finden,
als jene wähnten, die sich aus dieser nur
noch leicht verhüllten Wahrheitsoffenbarung
eine willkommene göttliche Bestätigung der
Rechte männlicher Machtgelüste über das
Weib herauszulesen suchten!
.Hier ist der Weg gezeigt zur dermal‐
einstigen Wiedervereinung der beiden ir‐
disch getrennten Pole im Reiche des Geistes,
wie sie nur erfolgen kann durch Auflösung
der geistigen Perversion der Pole, die einst
Vorbedingung des „Falles” war!
.Hier ist auf das geistige Gesetz verwiesen,
das nur des Mannes hier auf dieser Erde
sich bedienen kann, soweit es menschliche
Antennen braucht um die „frohe Botschaft”
des Menschen der Ewigkeit dem im
„Dunkel” irrenden Erdenmenschen er‐
neut vernehmbar zu machen und ihm die
Kräfte zuzuleiten, die er zu seiner Rück‐
kehr in das „Licht” benötigt! — —
.Noch tragen Mann und Weib in dieser
irdischen Erscheinungswelt in sich die letz‐
ten Spuren einstiger Verbundenheit der
Pole.
.Im Weibe dieser Erde lebt noch etwas
wie „Erinnerung”, daß es geistig vormal‐
einst sein „Ich” auch im „Manne”: — in
einem männlichen Pole — fand, und der
Mann dieser Erde kann in sich die gleiche
Spur seiner vormaligen Vereinung mit dem
„Weibe”: — einem weiblichen Pole, —
noch entdecken...
.Alles seelische Vereinigungs-Streben
zwischen Mann und Weib auf dieser Erde
ist nur begründet in dem, was solcherart
noch im Manne vom Weibe, und im Weibe
vom Manne weiß. —
.Selbst die unerhörte Macht der in tier‐
hafter Leiblichkeit gegebenen sexualen
Anziehung bestimmter Individuen der bei‐
den Geschlechter würde im Menschen der
Erde nicht zu ihrer Auswirkung kommen
können, wären die hier in Betracht kom‐
menden seelischen Widerstände nicht bis
auf minimale Reste ausgeschaltet durch
ein seelisches „Erinnern”, — ein letztes
Erahnen — ehemaliger polarer Verei
nung. —
.Kein seelisches „Verstehen” zwischen
Mann und Weib im Erdenkörper wäre mög‐
lich, ohne das, was noch im Weibe weiter
wirkt aus seiner einstigen Vereinung mit
dem Manne her, — und ohne das was noch
im Manne an Auswirkungen des ihm einst‐
mals vereinten weiblichen Poles erhalten
ist. — —
.Nicht alle „Menschen” geistiger Er‐
scheinungsform sind dem „Falle”: — der
Ent-zweiung, — erlegen.
.Von den Nicht-Entzweiten, die in der
geistigen Region der Erde leben, — den
Nichtgefallenen, — geht immerfort er‐
neut der glühende, liebegeleitete Rettungs‐
wille aus, der nur das eine Ziel kennt: —
die in physisch-sinnliche Erscheinungsform
Gefallenen zurückzuführen in den geistigen
Urzustand.
56 Das Buch vom Menschen
.Diese unsichtbaren, zwiepolaren Men‐
schen geistiger Erscheinungsform leben —
wie ich schon vormals es bezeugte — hier
in der Geistesregion dieser Erde unter
der hohen, liebeerfüllten Leitung eines der
urgezeugten Geistes-„Menschen”, — eines
jener höchsten Erhabenen, die stets im
reinen Geiste bleiben, und niemals auch
nur in geistige Erscheinungswelten sich
weiterzuzeugen willens sind. —
58 Das Buch vom Menschen
.Da aber auch der aktive, männlichpolare
Geist trotz seinem vorher durch die Helfer
bewirkten völligen, teilweisen, oder auch
nur zeitweisen „Erwachen” dort nicht
ohne den Ausgleich weiblicher Polarität
bewußt sein könnte, so tritt aus der Höhe
ungeformten ewigen Geistes, aus dem „Ur‐
licht”, das „Mann” ist und „Weib”, ein
Strahl von weiblich-polarer Art in ihn ein,
verschmilzt mit seinem „Ich”, und schafft
ihm die notwendige geistige Vollendung.
61 Das Buch vom Menschen
.Der hohe Weg des Weibes, der aber nicht
nur ausschließlich dem Weibe vorbehalten
bleibt, ist solcherart ein indirekter Weg,
führt jedoch ebenso wie der nur wenigen
erreichbare direkte Weg des Mannes einst zu‐
rück zu geistiger Vereinung von „Mann”
und „Weib”, und damit zu selbstbewußtem
Leben in den Welten geistiger „Erschei‐
nung”, die weit höher liegen als das „Jen‐
seits”, — in dem sich jeder Menschengeist
— auch ohne jedes Streben — sogleich nach
dem Tode seines irdischen Körpers findet: —
jenseits der Anschauungsform physischer
Außen-Sinne.
64 Das Buch vom Menschen
.Auch jene heiligen Frauen, die einst dem
Meister dienten, den die Evangelien schil‐
dern, fanden erst nach vollbrachtem Erden‐
leben in ihm den Helfer, der ihnen das Reich
des Geistes eröffnen konnte, nachdem er
selbst den Erdenkörper verlassen hatte.
.Vorher „erkannten” sie ihn nicht und
hielten ihn für den „Gärtner” irdischer
Gärten...
65 Das Buch vom Menschen
.Erst wenn das Weib der Erde wieder
frei von dem voreinst erstrebten Erden‐
körper wurde, — nach einem Erden
leben, das darauf gerichtet war, das
Sein im Geiste später wieder zu er
reichen, in geistiger Gestaltung und mit
wohlgeeinten Seelenkräften, erfüllt von sei‐
nem „lebendigenGott, — — erst dann
darf es erwarten daß ihm ein Meister nahen
kann in geistiger Gestaltung, der ihm zu‐
rückerstattet, was es einstmals als weiblicher
Pol des Geistesmenschen dort zurücklassen
mußte, wo die Paralysierung seiner Kraft
erfolgte durch die Verkehrung seiner Stre‐
bensrichtung...
.Dann aber wird es mit Sicherheit auch
seinen geistigen Gegenpol zu finden ver‐
mögen, mit dem es voreinst vereint war und
nun ewig aufs neue vereint wieder den
„vollendeten” Geistesmenschen darstellt, —
sich selbst in seinem „Ich” bewußt emp‐
findend und zugleich, im selben „Ich”,
seinen männlichen geistesmenschlichen Ge‐
genpol.
68 Das Buch vom Menschen
.Der „Weg des Weibes” ist wie der des Man‐
nes ein Weg zurück zum Urstande in der gei
stigen Erscheinungswelt, bevor der Mensch
seine geistigen Sinne in die physischen
Sinne des „Tieres” versenkte und sie auf
solche Weise unfähig machte Geistiges noch
wahrzunehmen.
71 Das Buch vom Menschen
.Alles Geistige, was dem Manne erreich‐
bar ist, wird dermaleinst durch den Mann
auch dem Weibe wieder erreichbar.
.Es zieht alsdann der männliche Pol
des geistigen Menschen den weiblichen
nach, gleichwie ehedem der weibliche Pol
den männlichen nachzog in das Leben
physisch-sinnlicher Anschauungsform...
74 Das Buch vom Menschen
.Der Mann allerdings, der einmal wirk‐
lich erfaßte, daß es schon bei den ersten
Schritten auf seinem geistigen Wege das
Geistig-Weibliche ist, das ihn hinanzieht,
— das über höchste geistige Hierarchien bis
herab zu seinen erdenmenschlichen geistigen
Helfern flutet um ihn zu erreichen, — der
ist gewiß gegen die Gefahr gesichert, sich
als Mann für höherwertiger zu halten als
das Weib...
.Er wird dem Weibe geben, was des
Weibes, und dem Manne, was des Mannes
ist, — wissend, daß der Mensch der gei
stigen Erscheinungswelten, nur dann er‐
neut erstehen kann in bleibender Vollendung,
wenn Männliches und Weibliches sich der‐
einst wieder eint zu einem Geisteswesen,
in dem er alsdann sich selbst und sei
nen Gegenpol erlebt in seinem eigenen
Ich”. —
82 Das Buch vom Menschen
.An jenem Ziele dann, das allen hier
auf Erden schon erreichbar ist, die ernst‐
haft und beharrlich es erreichen wollen:
denlebendigenGott im eigenen
Herzen, — werden Mann und Weib zuletzt
von den höchsten Kräften mitgerissen, die
jene Wenigen zu jeder Zeit durchströmen,
deren sich göttliche Liebe bedient um empor‐
zuleiten was nach Licht verlangt und nach
Befreiung aus der Chaos-Nacht ungewissen
Willens.
.Sicherer als Lehre in Wort und Schrift
es jemals vermöchte, werden alle ehrlich
Suchenden von jenen Welten klaren Lichtes
her geleitet, die aus allen hier auf Erden
Lebenden allein die Meister kosmischen Er‐
kennens mit Bewußtsein, wissend und aus
solchem Wissen handelnd, zu betreten fähig
sind noch während ihrer Erdentage. —
.Dereinst erlöst aus irdischer Gebunden‐
heit werden „Mann” und „Weib” in der
vollkommensten Erhaltung individueller
Eigenart, — in ausgeprägter polarer Ver‐
schiedenheit als zwei in sich geschlossene
Geisteswesen, — dennoch in einem ein
zigenIchvereinigt sein, da sich im
neugeborenen Geistesmenschen dann beider
Sonder-„Ich” restlos „deckt”, und jedes
Einzel-„Ich” zugleich das „Ich” des Gegen‐
pols in sich empfindet wie sich selbst. —
.Was Zwei war und ent-zweit, wird so
in einem Dritten, als ein neugeeintes Gei‐
steswesen das aus „Mann” und „Weib”
besteht, durch alle Ewigkeit verbunden
bleiben. — — —
86 Das Buch vom Menschen
.In diesem Erdenleben tritt allerorten
einer für den andern ein.
.Dein Verhalten zu deinen Nebenmen‐
schen wird unerbittlich seine Folgen zeigen,
und die Folgen werden deiner Tat ent‐
sprechen.
.Wenn du jemals einem Menschen Übles
zufügtest, wirst du durch keine List und
keine Vorsicht je verhindern können, daß
dir das gleiche Üble widerfährt, ganz
gleich, ob es der Mensch dir antun wird,
dem du es zugefügt, oder ob ein anderer
dafür an seine Stelle tritt, — ganz gleich,
ob es dieselbe Form des Bösen ist, die dich
belastet, oder ob das Böse zurückkehrt zu
dir in einer anderen Form. — —
.Stets wird es genau dem Grade des
Übels, das du selbst geschaffen, entsprechen.
.Der es dir zufügt, tritt nur an die Stelle
dessen, der durch deine Tat betroffen
wurde, auch wenn der, den du durch böse
Tat bedrücktest, dir von Herzen längst ver
ziehen hat und nie zu eigener Vergel
tung des Bösen fähig wäre...
.Verzeihung kannst du finden, aber
niemals kannst du deinem „Karma”, kannst
du den Folgen deiner Tat entgehen. — —
.Du wirst vielleicht triumphieren, weil
dich die Folge nicht in Bälde trifft, aber
juble nicht zu früh!! —
.Auch wenn Jahrzehnte darüber vergehen
sollten, wirst du einst selbst erfahren, was
du andere erfahren ließest! — — —
.Und findet der Ausgleich nicht in deinem
Erdenleben seine geeignete Zeit, dann
wirst du ihn einst in anderer Daseinsform
in ganz der gleichen Weise erleben müssen,
denn hier gibt es kein Entrinnen. — —
.Das Gleiche, was hier von dem Üblen
gesagt ist, das du über andere verhängtest,
gilt ebenso für alles Gute, für jede noch
so verborgene Liebestat, mit der du andere
erfreutest. —
.Die Folgen lassen sich nicht aufhalten,
und du brauchst heute den Menschen nicht
zu kennen, der ihnen einst Werkzeug wird...
.Früher oder später wird er in dein Leben
treten, und er wird selbst nicht ahnen, daß
er in seiner Handlungsweise nur der Voll‐
strecker deiner selbstgeschaffenen Tatenfol‐
gen ist, im Guten wie im Üblen, das er
dir erweist. — —
97 Das Buch vom Menschen
.Dieses „Etwas” blickt dich aus den
Augen deines Kindes an und sucht in dir
das gleiche „Etwas”, das vielleicht in
deinem Körper Herr geworden, meistens
aber durch des Körpers Kräfte über
wältigt und gefesselt ist. — —
.Dieses „Etwas” ist der Mensch des
reinen Geistes, der sich hier dem Men‐
schentiere dieser Erde eint in einer der tief
sten Formen seines Erscheinens, und auf
Erden nur „Erlösung” findet, wenn er dieses
„Tier” bezwingt. — —
.Er ist deinem Kinde nicht ein Erbe,
das es dir verdankt so viel es dir auch wohl
verdanken mag an übererbter Formung sei‐
ner Hirngewinde!
.Er stammt aus gleichen Höhenre
gionen, wie der Geistesmensch in dir, den
du vielleicht noch niemals als dich selbst
erkanntest, vielleicht ihn derart vergewal
tigt hast durch deines Körpers Eigenkräfte,
daß du auch keine Spur mehr seines Da‐
seins ahnst, und dich in dir selbst nur jenen
feinen Körperkräften gleichwähnst, die
bei der Mehrzahl aller Erdenmenschen an die
Stelle ihres geistigen Bewußtseins traten. —
.Im Auge deines Kindes blickt er for‐
schend dir ins Angesicht, auch wenn dieses
Auge ihm noch nicht zum wohlbeherrschten
Werkzeug wurde, und sucht, ob er noch,
seinesgleichen ungefesselt hier auf dieser
Erde fände...
.Du hast hier allen Grund, vor deinem
eigenen Kinde Ehrfurcht zu empfinden,
soweit der Geistesmensch in dir nicht
völlig deiner feineren Körperkräfte
Herr und Meister ist, denn aus dem Auge
deines Kindes blickt er dir noch ursprungs
rein entgegen. —
.In deine Hand ist nun sein Schicksal
hingegeben. — — —
.Es liegt fast nur bei dir, ob dieser Gei‐
stesmensch, der, — wenn es sich um keine
der an anderer Stelle schon erwähnten sel‐
tenen Ausnahmen handelt, — noch nie auf
dieser Erde lebte, der niemals wieder
kommen wird, und der in jedem neuen
Menschen einzigartig in Erscheinung tritt,
nun das in deinem Kinde frei beherrschen
lernen kann, was du als Leibeserbschaft
ihm gegeben hast. —
112 Das Buch vom Menschen
.Doch damit nicht genug, wird beides
erst verbunden durch Seelenkräfte aus
ferner Vorzeit, die nicht zu völliger Ent
faltung kamen, und in deinem Kinde nun
nach Auswirkung verlangen! — — —
.Auch diese Kräfte gabst du deinem
Kinde nicht zum Erbe!
.Die Menschen, die in dieser Hinsicht
deines Kindes „Ahnen” sind, wirst du nur
dann erspähen können, wenn in dir der
Geistesmensch so völlig Herrschaft übt, daß
er mit dir bewußt identisch wurde und
dich „sehen” lehrte, was kein Auge dieser
Erde sieht. — —
.Du hast kein Recht, des Kindes See
lenkräfte, wenn sie hohe Gaben in sich
schließen, deinem Blutes-Erbe zuzuzäh‐
len! — Du hast kein Recht, des Kindes
Seelenkräfte, wenn sie deinen Wünschen
nicht entsprechen, einzuengen oder gar
zu unterjochen! — —
113 Das Buch vom Menschen
.Dein Kind kann weitaus älter als du
selber sein, durch jene Seelenkräfte aus der
fernen Vorzeit, die in ihm sich neu ver‐
einigen, und die durch einen Menschengeist
zur Dauereinigung gelangen wollen. —
.Du kannst nicht erwarten daß dein Kind
dich ehrt, wenn es weit höher steht als
du...
117 Das Buch vom Menschen
.Nicht nur des Geistesmenschen Offen‐
barung ist in jedem Kinde einzigartig und
von jedem anderen Kinde dieser Erden‐
welt verschieden, — nein, auch die See
lenkräfte, die um jeden solchen Geistes‐
mittelpunkt, Kristallen gleich, sich anein‐
anderschließen, bilden jeweils völlig neue
Formen, und sind zuweilen schon durch
viele Menschengenerationen vorgeformt.
— — —
120 Das Buch vom Menschen
.Und wieder eines anderen Kindes
Seelenkräfte wurden vielleicht geformt
von einem Menschen, der einstmals unfrei‐
willig aus dem Leben scheiden mußte, oder
auch als Märtyrer seiner Überzeugung
starb...
.In eines Armen Heimstatt kann ein Kind
geboren werden, dessen Seelenkräfte ihre
Formung einst auf einem Throne fanden,
und in dem Kinde eines Reichen können
Seelenkräfte nach Entfaltung streben, die einst
der Impuls eines Landstreichers formte...
121 Das Buch vom Menschen
.Es wird deine Aufgabe sein, die Seelen‐
kräfteformen, die du aus schlechten Im‐
pulsen hervorgegangen fühlst, nicht etwa
nun durch „strenge Zucht” und äußere Ge‐
walt an ihrer Auswirkung zu hindern, denn
was du so erreichen könntest wäre stets nur
Täuschung, auch wenn dein Kind in acht‐
bar hoher Stellung später äußerlich ver‐
gessen ließe, was es dennoch weiter in
sich trägt. — —
.Es wird deine Aufgabe sein, diese See‐
lenkräfte vielmehr umzulenken, so daß sie,
in früher Jugend schon, zwar die Auswir‐
kung finden, die sie erstreben, jedoch auf
solche Ziele eingestellt, die weder deinem
Kinde, noch auch anderen jemals Scha
den bringen können. — — —
.Es würde gar manche „Familien-Schande”
sich vermeiden lassen, wollte man sich be‐
quemen, sobald man die ersten Regungen
bemerkt, die Nichtersprießliches verkünden,
— sogleich mit weiser Geduld die nichter‐
freulichen Seelenkräfte „umzulenken”, auf
Wege, die ihrem Streben gemäß, und
dennoch nicht verderblich sind. — — —
.Es hängt vom Einzelfalle ab und muß in
nüchterner Erwägung sorgsam entschieden
werden, welche Art der „Ablenkung” hier
jeweils geboten ist.
.Nur lasse man sich nicht etwa täuschen!
.Ein Trieb ist nicht vernichtet, wenn
er aus Furcht vor Strafe sich nicht zu
äußern wagt! — —
.Es ist auch nicht das Ziel, die uner‐
wünschten Seelenkräfte zu vernichten, denn
alle Seelenkraft ist gut an sich und kann,
in richtige Geleise eingelenkt, zum höch
sten Segen und zu menschlicher Voll
endung führen. — — —
.Ich sprach hier nur von jenen Seelen‐
kräfteformen, die einst durch niedrige Im‐
pulse in die Welt der Wirkung traten.
.Doch werden dir vielleicht auch Seelen‐
kräfteformen „unerwünscht” erscheinen,
die ihre Formung einem Impuls danken,
der in einer hohen, allem Schlechten
weit entrückten Seele lebte, — — nur
weil sie deinen eigenen Seelenkräften
fremd, und den Impulsen feindlich sind
die in dir selber Formung finden. — —
.Du möchtest jene Seelenkräfteformen,
die du selber schaffst, in deinem Kinde
nun zur Wirkung kommen sehen, und
findest, daß in diesem Kinde völlig an
deres lebt und wirkt. —
.Hier wird von dir eine hohe und weise
Entsagung gefordert, wenn sie auch oft‐
mals Schwerstes von dir verlangt, willst
du nicht zum Verbrecher an der Seele
deines Kindes werden. —
124 Das Buch vom Menschen
.In allen Reichen des Kosmos, ob sie den
physischen oder den geistigen Sinnen
sich erschließen, herrscht das System der
Hierarchie”, herrscht Unter- und Über
ordnung, und immer kleiner wird die
Zahl der wirkenden Gewalten, je weiter ihre
Macht und ihre Wirkung reichen. — — —
.Auch des Erdenmenschen Gemein‐
schaftsleben ist diesem Gesetz unterworfen,
und jede Willkür, die in guter Absicht
„Gleichheit” schaffen möchte, ist von Anfang
an verurteilt durch sich selbst, — geht
den enttäuschungsreichen Weg, den stets
Natur für alle Menschenweisheit offenhält,
die ihr Gesetz noch nicht erkennt, oder
es mißachtet, falls sie es erkannte. —
.In jeder Art des menschlichen Gemein‐
schaftslebens auf der Erde läßt Hierarchie
und Stufenbildung sich, Naturgebot entspre‐
chend, auferbauen, und wird dies nicht be
wußt erstrebt, so baut Natur das ihr ge‐
mäße, ohne alle Rücksicht, selber auf, wie
groß die Zahl der Opfer dann auch wer‐
den möge, die das eherne Gesetz erfordert...
.Es läßt sich nichts umgehen, nichts auf
andere Art erzielen, wo das allgemeine,
kosmische Gesetz befiehlt. —
133 Das Buch vom Menschen
.Allen Wissenden aller Zeiten ward aber
gezeigt, daß in dieser Weltenperiode immer
nur Wenige diesen Willen zur Befreiung in
sich wirken lassen wollen, und daß erst eine
neue Weltenperiode und eine neue Erde ent‐
stehen muß, bis das «Warten aller Kreatur
auf die Erlösung durch die Kinder Gottes»,
von dem Paulus spricht, eine kosmische
Tatsache werden kann. — — — — —
15 Das Buch vom Glück
.Du empfindest Dich allein als «Ich» und
keinen Anderen außer Dir kannst Du in
diesem «Ich» noch unterbringen.
.Für Dich bist Du als «Ich» der Mittel‐
punkt der Welt.
.Du bist für Dich, als «Ich», das «Ich»
der ganzen Menschheit. — —
.Diese «Menschheit» aber ist ein homo
genes Ganzes, gebildet aus Milliarden von
«Ichen», von denen zwar kein einziges
Dir völlig gleicht, und deren jedes doch,
der Formgestaltung nach, mit dem, was
Du in Dir als «Ich» empfindest, durchaus
identisch ist. — — —
.Schwer in menschliche Worte zu fassen ist,
was ich Dir hier sagen will, und ich muß
Dich bitten, meiner Rede letzten Sinn er
fühlend zu ertasten, denn ich weiß gar
wohl, daß letzte Klarheit hier in Worten
sich nicht restlos geben läßt, und daß ich
nur in meiner Sprache reden kann, die
Du erst in die Deine «übersetzen» lernen
mußt.
.Ich möchte Dir zum Bewußtsein bringen,
daß Du der einzigartige Mittelpunkt
eines Ganzen bist, das nur aus einzigarti‐
gen «Mittelpunkten» gebildet ist, und, da
es ein Unendliches, wenn auch nicht Un‐
Begrenztes, ist, an jeder Stelle seinen
«Mittelpunkt» besitzt . . . . . . . . . . . . . . . . .
.Jeder Mittelpunkt aber ist sich selbst
hier «Ich» und jeder andere Mittelpunkt
ist für ihn «Du». —
.Willst Du Dein Mittelpunkts-Glück Dir
schaffen, so mußt Du diese Gegebenheit im
Auge behalten, und mußt die geheimen
Beziehungen zu finden suchen, die zwischen
«Ich» und «Du» obwalten.
.Diese Beziehungen sind stets fluktuierend
und in jedem Augenblick anders zu beur‐
teilen.
.Unabänderlich bestehen bleibt allein der
immerfort geregelte Ausgleich aller Wir‐
kungen und Gegenwirkungen im Mensch‐
heits-Ganzen.
.Du kannst als «Ich» auf ein «Du» nur
wirken, entweder absichtslos, ohne daß
Du eine Wirkung erzielen willst, — oder
bewußten Willens.
.Willst Du aber auf ein «Du» wirken,
so sind Deine Mittel: Bitte, Überredung
oder Gewalt.
.Wisse aber, daß Du für allen Erfolg Dei‐
nes Wirkens, ja für die Absicht schon,
einen bestimmten, unabänderlichen Preis
zu erlegen hast! — — —
.Bitte und überrede daher nicht, wenn Du
Dich nicht willens findest, Dich von irgend‐
einem anderen «Du» gleichfalls bitten und
überreden zu lassen, — noch weniger aber
wirke durch Gewalt, wenn Du selbst jede
Gewalt als unerträglichen Zwang emp‐
findest! —
.Es wird dir nichts «geschenkt» werden, so
sicher Du Dich auch geborgen fühlen magst
und so gut Du auch Deine wahren Absichten
verhüllt glaubst.
.Vor dem einzelnen «Du» kannst Du Dich
wohl verbergen, aber dem Gesamtorga
nismus der Menschheit ist stets alles
enthüllt, was in Dir vorgeht, und mit auto
matischer Sicherheit wirst Du die Kon
sequenzen Deiner Handlungsweise zu ge‐
setzmäßig gegebener Zeit, früher oder spä‐
ter, zu tragen haben. — — — — — — —
.Wenn Du Dich selbst nicht gerne bit‐
ten läßt, und dennoch bittest, wenn Du
selbst keiner Überredung zugänglich bist,
und dennoch zu überreden suchst, — wenn
Du selbst Dir nicht Gewalt antun lassen
magst, und dennoch Gewalt gebrauchst, so
wirst Du in jedem dieser Fälle etwas er‐
reichen, für das du den Kaufpreis nicht ent‐
richten zu müssen glaubst, aber Du irrst! —
.Die Gesetze des Geistes lassen sich nicht
wie irdische Gesetze — umgehen, oder nur
zu Deinen Gunsten deuteln. Du fin‐
dest auch keinen Anwalt, der versuchen
würde, Dich vor den Folgen Deiner Hand‐
lungsweise zu bewahren. —
.Du mußt restlos alles bezahlen, was
Du durch Dein Verhalten, irgend einem
anderen Menschen gegenüber, der Mensch
heit schuldig geworden bist und du
wirst dem Gesetze nicht entrinnen, bis auch
«der letzte Heller» bezahlt ist. — —
.Je länger man Dir die Zahlung stundet,
desto mehr hast Du alle Ursache, recht be‐
sorgt zu sein, — denn es werden dir Zins und
Zinseszins in Ewigkeit nicht erlassen...
.Ja noch mehr!
.Du selbst kannst für Dich zum Gläubi‐
ger werden, denn auch Du bist für Deine
Person der Menschheit verantwort
lich und Du darfst von Dir nichts ver‐
langen, wofür Dir nicht ein Äquiva
lent durch die Menschheit in Aussicht
steht...
.Andernfalls mußt Du für Dich ebenfalls
den Kaufpreis Deines Handelns früher oder
später erlegen, — mit Zins und Zinseszins, —
wie für irgend einen Andern. — — —
.Du hörst erst heute zum erstenmal von
diesem Gesetze, oder es wird Dir vielleicht
erst heute zum erstenmal seine unerbittliche
Folgerichtigkeit und Unbeirrbarkeit klar? —
.Es steigen Bedenken in Dir auf wegen
Deiner früheren Taten, auch wenn Du
nun entschlossen bist, Deine Handlungs‐
weise diesem Gesetze gemäß in Zukunft
weise abzuwägen? —
.Willst Du Dein Glück Dir schaffen, dann
wisse, daß Du Mittel und Wege finden
wirst, Deine Schuld an die Menschheit in
einer Dir genehmen Weise abzutragen,
sobald Du erst wissen wirst, was Du wirk‐
lich noch zu bezahlen hast!
.Du mußt nicht warten, bis das Gesetz mit
rücksichtsloser Gleichgültigkeit gegen Dein
Wohl und Wehe seine Forderung geltend
macht. —
.Arbeite Dir selber eine «Bilanz» aus und
erschrick nicht, wenn das «Soll» Dein
«Haben» ganz gewaltig übersteigt!
.So unerbittlich der Gesamtorganismus der
Menschheit von jedem seiner Einzelglieder
jede Forderung einziehen muß, an deren
Bezahlung geflissentlich «vergessen» wurde,
so teilnahmslos und automatisch muß er
auch einem anderen Gesetze folgen, das
ihm jede Gewaltsamkeit unmöglich macht,
jede Selbsteintreibung verbietet, sobald
Du auch nur den Willen zur Begleichung
Deiner Schuld einmal ernsthaft in Dir auf‐
gerichtet hast, und solange Du Dich stets
verpflichtet fühlst, — auch wenn Dir die
Umstände noch nicht gleich erlauben, die
ganze Schuld zu begleichen, ohne dadurch
wieder aufs neue Dich oder Andere zu
Schaden zu bringen.
23 Das Buch vom Glück
.Du wirst für alles, was Du erhalten willst,
vollwertige Äquivalente darbieten müs‐
sen, oder der Menschheit Gesamtorganismus
wird von Dir einstens fordern, was Du
schuldig geblieben bist, und Du darfst Dich
nicht beklagen, wenn er in einer, durch
Deine Wünsche unbeirrbaren Weise, sich zu
seinem Rechte verhilft...
.Ob es nun Dein Verhalten zu völlig
Fremden anlangt, ob Deine Liebe und
Dein Liebesbedürfnis in den Beziehungen
zwischen Weib und Mann in Frage kommt,
ob es sich um die Liebe der Eltern zu
ihren Kindern oder der Kinder zu
ihren Eltern handelt, oder um Geschwi
sterliebe, — — nie darfst Du rechtmäßig
mehr erwarten als Du gibst, und gibt man
Dir mehr, so siehe zu, daß Du baldigst
das Deine dafür entrichtest, wenn Du nicht
willst, daß man es einmal von Dir nehmen
wird, wenn Du es am wenigsten erwartest,
und auf eine Art, die Dir vielleicht wenig
gefallen wird! — — — —
.Die geistigen Gesetze wirken nicht
anders, als die sogenannten physikali
schen Gesetze der äußeren Natur, und wenn
Du eines dieser Gesetze verletzt, dann
weißt Du aus Erfahrung, daß Du die Folgen
zu tragen hast, ob sie Dir gefallen oder nicht.
25 Das Buch vom Glück
.Ich sagte dir schon, daß es für den Ge
samtorganismus der Menschheit, dessen
Teil Du bist, nichts Verborgenes gibt,
und auch Deine verborgensten Gedanken
sind ihm entschleiert.
.Hier möchte ich aber nicht den Irrtum
verschulden, als lehrte ich etwa eine «Ge‐
samtmenschheits-Seele», als ein für sich
bestehendes, bewußtes Wesen!
.Bewußt wird der Gesamtorganismus der
Menschheit stets nur in seinen «Mittel‐
punkten», — den einzelnen Menschen, und
in jedem Einzelnen wird er seiner selbst
anders, sowie bald mehr, bald in gerin
gerem Grade bewußt.
.Wenn ich sage: «nichts ist dem Gesamt‐
organismus der Menschheit als solchem je‐
mals verhüllt», — so will ich Dir nur be‐
greiflich machen, daß alles was Du denken
oder tun magst, weit über Dich als
Person hinaus, mit automatischer Sicher‐
heit auf den ganzen geistigen Organis
mus der Gesamtmenschheit einwirkt
und dort seine Folgen zeitigt, für die Du
dann später oft vergeblich nach einer Ver
ursachung suchst, weil es Dir nie in den
Sinn gekommen ist, daß auch Deine leise‐
sten Gedanken, die Du fast vor Dir selbst
schon verborgen glaubtest, so weittragender
Folgen Ursache werden könnten. — — — — —
28 Das Buch vom Glück
.Denkst Du in Harmonien, so wirst Du
in Anderen Harmonien zum Erklingen
bringen, doch denkst Du Verderben und
Chaos, so wirst Du auch in Anderen Ver‐
derben und Chaos bewirken. — — — — —
.Du kannst Dich selbst nicht gesund er‐
halten ohne stete, kontinuierlich festgehal‐
tene Gedanken voll Gesundheit, Schön
heit und Kraft, und Du wirst gleichzeitig
auf Andere wie ein Seuchenherd wirken
durch deine Gedanken, wenn Du, in Deinen
Gebresten seelisch wühlend, nichts als Krank‐
heit und Siechtum zu denken weißt.
.Ich kenne einen, der wurde von den
Ärzten für «unheilbar» erklärt und seine
Krankheit war von einer Art, die noch
heute kein Arzt zu heilen weiß, —
aber durch seiner Gedanken Kräfte hat er
sich selbst geheilt und lebt seit Jahr‐
zehnten als gesunder Mensch.
.Ich kenne einen Andern, dem offenbarte
man auf seinen dringenden Wunsch, daß er
«im besten Falle noch vier bis fünf
Jahre» zu leben habe; — er nahm keine der
ihm verordneten Medikamente, gebrauchte
keinerlei «Kur» und setzte es sich zum
Ziel, durch seine Gedankenkräfte al
lein sich am Leben zu erhalten. Nun sind es
fast zwanzig Jahre her, seit man ihn auf‐
gegeben hatte, — er lebt, ohne jede Kränk‐
lichkeit, in Frische und rüstiger Kraft, und
es erscheint ihm heute wie ein Traum, daß
er einmal die Ärzte brauchte. — — —
.Solche Menschen aber wirken wie Strah
lungszentren der Gesundheit auf ihre
weiteste Umgebung, auch wenn sie nach
strengen ärztlichen Begriffen nicht einmal
als de facto «geheilt» zu betrachten wären.
.Sie fühlen sich geheilt, und die Zeit gab
ihnen Recht, denn die Beschwerden sind
verschwunden.
.Die Sicherheit, die der Erfolg ihnen
gab, schafft ihren Gedanken weiter unwider‐
stehliche Gewalt, und so vermögen sie auf
weite Ferne als Gesundheitsträger nun
zu wirken. — —
.Denke stets Armut und Not, und Armut
und Not werden nicht auf sich warten las‐
sen, — fürchte stets irgendein Ungemach,
und das Mißgeschick wird sich mit Sicher‐
heit an Deine Fersen heften!
30 Das Buch vom Glück
.Du selber bist der Magnet für
Dein Wohl und Wehe!
.Du kannst Dich «einstellen» für die
Kräfte, die Du heranziehen willst, und sie
müssen Dir folgen. —
.Du wirkst aber nicht nur als «Ich» für
Dich selbst, sondern zugleich für jedes
«Du», das mit Dir im gesamten Mensch‐
heitsorganismus geistig verbunden ist. — — —
.Die Stärke Deiner Wirkung wird sich
viel weniger als Du glaubst nach äußeren
Entfernungen richten, vielmehr werden
alle Stärkegrade bestimmt durch die grö
ßere oder geringere Ähnlichkeit Dei
ner Eigenschwingungen mit denen
anderer Menschen. — Aber ein Jeder aus
den Milliarden, die Du als «Du» empfin‐
dest, wird in irgendeiner Weise noch
von den Ausklängen der von Dir erzeug‐
ten Wirkungen erreicht werden. —
.Daher trägst Du ungeheure Verantwor‐
tung! — — — — —
.Du bist niemals allein, magst Du Dich
auch hinter den dicksten Mauern verborgen
glauben...
.Stets handelst Du, als «Ich», in Bezie
hung und Verbindung mit allem
«Du», denn obwohl Du ein einzigarti
ges «Ich» jeweils bist, herrscht doch völ
lige Identität aller «Mittelpunkte» des
Menschheitsganzen...
32 Das Buch vom Glück
.Alles Leben im Kosmos ist die Wirkung
polarer Gegensätze, ist Austausch zwi‐
schen polar entgegengesetzten Kräften.
.Wer da den Reichtum vernichten
möchte, um der Armut zu helfen, der hat
noch nicht erkannt, daß auch Armut und
Reichtum einander brauchen, wie je
der Pol seines Gegenpoles bedarf.
.Nur wenn die entgegengesetzten Pole in
vollem Gegensatz verbleiben, gestaltet
sich Leben und erblüht das Werk des Men‐
schen. — —
46 Das Buch vom Glück
.Alles, was man heute noch «Strafe des
Verbrechers» nennt, ist ein übles Unter‐
fangen, denn es geht nicht von der Erkennt‐
nis aus, daß der gesamte Menschheits‐
Organismus aufs engste verbunden ist,
und daß die gesamte Menschheit die
Tat des Verbrechers mit verschuldet
haben muß, — sobald sie möglich wird. — — —
.Hier wird höhere Erkenntnis einst
weit segensreicher wirken, indem sie das
Verbrechen unmöglich werden läßt,
während man heute noch geradezu das
Verbrechen als naturnotwendige Ge
gebenheit nimmt, und nur darauf sinnt,
den Verbrecher zu «bestrafen». — — — — —
.Aber abgesehen vom «Verbrecher» wird
es jederzeit gar manche Menschen geben,
deren Nutzen für das Erdenwohl der Mensch‐
heit nicht recht einzusehen ist und die den
noch von eigentlichem Mangel frei er‐
halten werden müssen, will sich die Mensch‐
heit nicht durch sie in ihrer Gesamtheit
schaden.
.So viel über den Begriff des Mangels,
den die Menschheit zu tilgen suchen muß,
will sie nicht selbst an ihrem Gesamt
organismus Schaden leiden und dadurch
stets neue Schäden schaffen.
.Niemals aber darf sie versuchen, Armut
und Reichtum tilgen zu wollen, wenn sie
sich nicht selbst vertilgen will. — — —
.Armut und Reichtum sind Gegenpole, die
der Menschheit Leben bewirken, die
den Gesamtorganismus der Menschheit in
jener Kräftespannung erhalten, in der er
allein seine kosmische Aufgabe einst
erfüllen kann. —
.Wehe einer Menschheit, die den Reich
tum nicht mehr mit Ehrfurcht achten
kann! — —
.Wehe einer Menschheit, die vor der Ar
mut nicht mehr in Ehrerbietung sich
neigt! —
49 Das Buch vom Glück
.Dies kann sehr lange währen und erst die
Erben des Erben treffen, denn die geistigen
Gesetze wirken stets gemäß dem Impuls,
der ihnen einst genügen wollte.
.Ein schnell errafftes Vermögen wird
auch schnell verschwunden sein, sobald
nicht neue Impulse es zu schützen wissen,
und schwer errungener Besitz wird sich
noch lange halten, auch wenn die Erben
ganz gewiß nicht seiner würdig sind. — —
.Glaube nur ja nicht, daß hier irgendeine
«Ungerechtigkeit» im Spiele sei!
.Und Dir auch wird gewißlich nichts ent‐
zogen!
.Es steht Dir jederzeit frei, zu erringen,
was Du erringen kannst, und Du kannst
erringen, was Du wahrhaft erringen willst.
— — —
.Daß Andere vieles besitzen, ohne es
selbst errungen zu haben, darf Dich dabei
nicht stören.
.Der Reichtum, über den die Erde ver
fügt, ist so unermeßlich groß, daß jeder‐
zeit auch für Dich der ungeheuerlich
ste Reichtum verfügbar bleibt. — — — — —
.Aber verwechsle nicht Deine Wünsche
mit Deinem Willen!!
.Deine Wünsche werden nur etwas er‐
reichen, wenn es ihnen gelingen sollte, etwa
Deinen Willen in ihrem Sinne zu überreden.
.Die Menschen des großen Willens haben
fast unermeßliche Vermögen geschaffen, ob‐
wohl sie beginnen mußten in tiefster Ar
mut; — die Menschen des großen Wün
schens aber kannst Du auf allen Gassen
finden, und Du wirst selten einem begegnen,
der auch nur das Wenigste seiner Wün‐
sche schließlich durch seinen Willen in Er‐
scheinung treten lassen konnte...
54 Das Buch vom Glück
.Willst Du «reich» werden, und glaubst
Du, daß «Reichtum» hier auf dieser Erde
zu Deinem Glücke unerläßlich ist, dann prüfe
Dich auf Herz und Nieren, damit Du die
Äquivalente findest, mit denen Du Deinen
zu erhoffenden Reichtum zu bezahlen ge‐
denkst! — — —
.Es wird Dir auf dieser Erde wie in aller
Ewigkeit niemals etwas geschenkt, und
wenn Du hier in die Lage kommst, jemals
Geschenke, und seien es auch nur Ge‐
schenke konventioneller Art, wie man sie zu
gewissen Festestagen gibt, annehmen zu
müssen, dann frage Dich sofort, wie Du
diese Geschenke an das Menschheits
ganze wieder bezahlen kannst, sonst
wirst Du sie bezahlen müssen, dort, wo Du
es keinesfalls willst...
.Du siehst, es ist nicht ganz leicht,
willst Du alle Bedingungen erfüllen, die
man von Dir verlangt, wenn Du zu
«Reichtum», sei es auch nur in beschei
denster Weise, jemals gelangen willst. — —
.Aber glaube mir, — alle, die jemals zu
Reichtum gelangten, haben ihn nicht auf
andere Weise erreicht, auch wenn sie
selbst sich nicht Rechenschaft geben
konnten!
.Immerfort findet ein Austausch der Güter
statt auf dieser Erde.
.Es ist nichts zu erlangen und auf die
Dauer zu besitzen, wenn Du verwei
gerst, was Du als Gegengabe zu geben
hast an anderen Werten. —
.Hast Du aber nichts zu geben, dann
darfst Du auch gerechterweise nichts er
warten!
.Du wirst nicht mehr erwerben, als was
dem Kaufpreis entspricht. — — —
.Gib Dich keiner Täuschung hin!
.Hier walten unerbittliche Gesetze, und
Du kannst nur durch den Austausch
irgendwelcher in Dir ruhenden Werte
jemals zu «Reichtum» kommen...
56 Das Buch vom Glück
.Kein Mensch, der die «Kurse» der
Börsen liest, wird auf den Gedanken kom‐
men, daß hier Gesetze des Geistes, der alle
Materie beseelt, ihren vollentsprechen
den Ausdruck finden. — —
58 Das Buch vom Glück
.Geld ist nur ein Ausdruck für den Wert,
den irgend etwas Geistiges in der mate
riellen Welt sich zu erringen vermag.
.Geistige Werte sind auch in letzter Linie
Besitz und Vermögen, denn es gibt
keinen Besitz und gibt kein Vermögen, von
denen nicht zu behaupten wäre, daß sie in
irgendeiner Weise geistigen Werten ihren
Ursprung dankten.
59 Das Buch vom Glück
.Ein noch so hoher geistiger Wert, dem es
nicht gelingt, die allgemein gültige Aus
drucksform materieller Werte, — das
Geld, in Bewegung zu setzen, wird der
Menschheit nicht faßbar, nicht nutzbar
werden. —
.Je größer die Summen sind, die ein gei‐
stiger Wert in Bewegung setzt, desto fester
wird er sich hier in der materiellen Welt
verankern. — — —
61 Das Buch vom Glück
.Diese Gesetze wissen einen Jeden auf
irgendeine Weise zu erreichen und sie for‐
dern dann Begleichung bis zum letzten
Heller, ganz gleich, in welchen Äqui‐
valenten Du allein Entschädigung leisten
kannst, und wenn auch der Andere, den
Du geschädigt hast, persönlich nicht da‐
durch entschädigt werden wird.
.Den Gesetzen im geistigen Menschheits‐
Gesamtorganismus ist es niemals darum zu
tun, den Einzelnen etwa zu «entschädi‐
gen» oder den Schadenstifter zu «bestra‐
fen». — Sie haben nur Ausgleich zu schaf‐
fen im organisch verbundenen Leben des
gesamten Ganzen, und jeder Einzelne
tritt ihnen für den Anderen ein, — kann, ohne
es zu ahnen, Werkzeug werden ihrer uner‐
bittlich sicheren, automatisch geregelten
Tätigkeit...
65 Das Buch vom Glück
.Sehr viele wissen auch nicht, daß es
durchaus nicht in ihrem Belieben
steht, bis zu welcher Höhe sie neue mate‐
rielle Werte erzeugen wollen, sondern daß
jeder Einsatz seine bestimmte Summe
neuer Geldes-Werte schaffen muß, ob diese
Summe nun über oder unter dem er
wünschten Ergebnis steht. — —
66 Das Buch vom Glück
.Wohl oder übel wirst Du auch Geld zu den
Wirkungsmitteln Deines irdischen Glückes
rechnen müssen, und willst Du Dein Glück
Dir schaffen, mußt Du auf die Gesetze
achten lernen, denen Geld und aller
materielle Wert, den Geld vertritt, stets
nur ein Diener geistiger Impulse ist...
70 Das Buch vom Glück
.Jeder trägt eine Schuld von Äonen in
sich, die es abzutragen gilt, denn was auch
immer an diesem Gesamtleib der Mensch‐
heit krank und bresthaft ist, das hat
jeder Einzelne im «Ur-Sprung» mit
verschuldet, als sich die Menschheit
aus ihrer Gottheit löste...
.Der ganze unendliche Kosmos könnte ein
Garten unnennbarer Seligkeit sein, wäre
jener Ur-Sprung niemals erfolgt, den erst
Äonen wieder schließen können.
.Aber auch heute, auf unserem Wege
durch diese Äonen, kann die Erde viel mehr
Glück erstehen sehen, als die Menschheit
ahnt und glauben will, wenn auch in dieser
Weltenperiode gewiß kein «himmlisches»
Leben auf Erden erreichbar ist.
72 Das Buch vom Glück
.Je mehr solcher einzelner wahrhaft
Glücklicher diese Erde trägt, desto mehr
wird die Kraft des Chaos von ihrer Ober‐
fläche verschwinden, die heute noch so viel
Unglück schafft. — — —
.Es ist Sisyphus-Arbeit, das Unglück
auf dieser Erde anders tilgen zu wollen,
denn Glück und Unglück sind nur Ergebnis
restloser Auswirkung geistiger Gesetze, aber
niemals werden die okkulten Kräfte, die alles,
was wir «Unglück» nennen, automatisch in
diesem Weltall wirken, zu paralysieren
sein, wenn nicht die Kräfte des Glücks
durch stetes bewußtes Empfinden, wie
der galvanische Strom in einer Spirale von
Kupferdraht, derart verstärkt zur Wirkung
gelangen können, daß sie die Kräfte des
Unglücks aus ihrer Richtung zu rei
ßen vermögen, so daß sie genau so auto‐
matisch dann dem schöpferischen Auf
bau in der Welt des Menschen dienen müs‐
sen. — — —
.Um alle «Unglückskräfte» im weiten
Weltenraum aus ihrer verderblichen Rich‐
tungsbahn zu lenken, reicht unsere Erden
Willenskraft nicht aus, und ihren Ein‐
fluß würde der Mensch der Erde immer noch
verspüren, auch wenn es gelänge, aller Un‐
glückskräfte in diesem Erden-Planeten Herr
zu werden. — — —
.Aber auf dieser Erde, auf dem Plane‐
ten, der ihn trägt, kann jeder einzelne
Mensch, durch seinen Willen zum Glück,
wahre «Wunder» bewirken, und je mehr der
Menschen sich in dieser Hinsicht üben, desto
größer wird die Zahl der Glücklichen, der
Glückes-Träger hier auf dieser Erde wer‐
den. —
.Da aber alles mit Allem verbunden und
durch geheimnisvolle Kräfte in Verknüp
fung ist, so wirkt das vermehrte Glück auf
dieser Erde auch «hinaus» auf den gan
zen Weltenraum, und keine Vorstellung
ist zu phantastisch, um nicht noch immer
hinter der Wirklichkeit zurückzu
bleiben, — will sie sich ein Bild jener Wir
kungen gestalten, die durch ein rapid ver‐
mehrtes Glücksempfinden auf dieser
Erde, bis in die entferntesten Räume der
Sphären ausgelöst werden können...
83 Das Buch vom Glück
.Wie gar gering musst du vom Reiche des
Geistes denken, wenn du nicht ahnend fühlst,
dass auch in diesem Reiche Stufe auf Stufe
folgt, und dass fast unendliche Hierarchien
folge sich erhebt, bevor die höchsten Geistes‐
fürsten erst erreichbar sind, die wirklich, als im
innersten Lichte der Gottheit lebend, sich
dem Bilde einen, das menschliche Phantasie
sich von den höchsten «Engeln», vom «Se
raph» und «Cherub» schuf! — — — — —
25 Der Weg zu Gott
.Du wirst deiner Seele Kräfte in dir selbst nur
dann also zu sammeln und zu einen wissen,
wenn dir die Ströme geistigen Lebens Kraft
verleihen, die von denen in die Erdennacht
geleitet werden, die aus dem wesenhaften
Geiste wirken, weil sie also wirken müssen! —
.Sie selbst sind nur Werkzeuge göttli
chen Willens!
.Nicht ihre Kräfte kannst du empfangen, son‐
dern allein des Geistes Kraft, aus der sie leben
in des Geistes wacher Welt. Umformer sind
sie der Kraft des Geistes, die anders nicht
in dieser Erdentieresdunkelheit dir
fühlbar werden könnte...
.Sie glauben nicht «Höheres» zu sein als du,
denn alles was sie einst etwa glauben
mochten, zu sein, haben sie aufgelöst
in dem, aus dem sie sind...
.Wenn du dieses Sein jedoch dir über
ordnet fühlst, so wisse, dass auch sie es
allem überordnet fühlen, was sie als Erden
menschen einst für sich erreichbar oder
wünschbar wussten. Sie gieren wahrlich nicht
nach Dank für ihre Hilfe, und all ihr «Helfen»
beruht nur in ihrem Sein!
51 Der Weg zu Gott
.Auch wenn du von heute an keinen Men‐
schen mehr siehst, bleibst du doch mit den
Menschen eng verbunden!
.Durch unsichtbare Schwingungen die
deines Denkens, Fühlens und Erlebens stets
getreue Boten sind, bleibst du auch aus der
weitesten Entfernung her mit allen eng
vereint, die deiner eigenen Artung ähnlich
sind, und du empfängst von ihnen auf die
gleiche Weise stete Botschaft...
.Wohl bist du dir noch dessen nicht be
wusst, — doch, magst du darum wissen oder
nicht: — nie wird das stetige Geschehen hier
sich ändern lassen! —
.So helfen sich alle, die auf gleichen
Wegen sind!
.So wirst auch du den Anderen helfen, die
sich selbst bestimmen wollen, wenn du
dich in dir selber bestimmst! —
.So wird dein eigenes «Ja» und «Nein»
auch Anderen zu ihrem «Ja» und «Nein»
verhelfen! — — —
64 Der Weg zu Gott
.Zuvor aber gilt es, zu erkennen: — wer der
ist, mit dem du zu kämpfen hast?!
.Der dich in unsichtbaren Banden hält,
ist selber unsichtbar, und gerne lässt er sich
von dir — der du ihn fühlen kannst, auch wenn
du niemals ihn ergründest — als «Gott» ver‐
ehren und sich Opfer bringen...
.Er ist fürwahr kein «selbstgeschaffener
Götze» und seine Macht erhält er nicht aus
deinem Glauben!
.Er ist auch nicht, wie alte Glaubenslehren
wollen, Gottes «Feind» und Gegenspieler, denn
er weiss nichts von Gott, und aller Gottes‐
glaube ist ihm menschliche Torheit. —
.Sieht er den Menschen nach Gott verlangen,
so ist er selbst allein sich als ein «Gott» ge‐
wiss und setzt sich selbst als den Verlangten,
— erkennt er aber, dass der Mensch in Wahrheit
einen Weg zu suchen unternimmt, auf dem er
seinen Fesseln sich entwinden könn
te, so wird er des Menschen fürchterlicher
Feind und sucht sein Erdenleben zu ver‐
nichten...
.Wären seiner Macht nicht mächtigere
Grenzen gesetzt, so würde wahrlich keiner der
Erdenmenschen je in diesem Erdendasein
zu Gott gelangen können! — — —
.Es sprach euch einer derer, die aus dieses
unsichtbaren Herrschers starken Fesseln frei
geworden sind, von ihm, als dem «Fürsten
der Finsternis», — aber ihr wusstet nicht,
von wem er sprach und wisst es noch heute
nicht...
.Wenn man nicht vorzog, das Wort nur sym
bolisch zu nehmen, dann schuf man einen
Kinderschreck in seiner Vorstellung, dem dieses
Wort entsprechen sollte...
.Der aber, den das Wort vom «Fürsten der
Finsternis» in jenes hohen Meisters bestimmter
Auffassung bezeichnete, ist wahrlich ein
«Fürst» der kosmischen Nacht, auch
wenn seine Herrschaft durch den gleichen Men‐
schen, dessen Mund ihn erstmals so bezeichnet
hatte, gar sehr gemindert wurde. — —
.Hier ist die Rede von einer wirklichen
Wesenheit im unsichtbaren physischen Kos‐
mos, der da alles auf der Erde — soweit es irdi
scher Natur ist — irdisch unterordnet
bleibt, bis sie selbst einst mit diesem Planeten
zerfällt: — sich auflöst in unbewusste kos
mische Kraft! — — —
.Mit deiner Erdentierheit — die auch dein
Denken mitumfasst, und alles was der Mensch
der Erde jemals an mechanischen Werken
schuf und schaffen wird — bist du durchaus in
dieser Wesenheit Gewalt.
.Sie ist der «Herr der irdischen Natur»
und so auch deiner Erdentierheit Herr, so
dass du wahrlich sie als «Gott» verehren könn‐
test, wärest du nicht Anderes noch als dieses
Erdentier! — — —
.Nur weil du noch Anderes bist als eine
Geburt der Erde, kannst du ihm entrinnen,
und dich, soweit du unvergänglich bist,
über den Vergänglichen erheben! —
.Immerhin wirst du auch dann noch mit
deiner Erdenleiblichkeit unter seiner Herr
schaft stehen, aber als einer, der nicht mehr
unbedingt in seine Gewalt gegeben ist, auch
wenn er sie zuweilen bitter fühlen muss. — —
.Es ist ein gar grosses Unterfangen, diesem Ge
waltigen des Kosmos Fehde anzusagen! —
.Mehr als menschlicher «Mut» gehört
dazu, mit ihm zu kämpfen! —
.Und dennoch wirst du diesen Kampf er
öffnen und bestehen müssen, — diesen Kampf,
der erst dann ein Ende findet, wenn das
Erdentier in dem du lebst, dereinst von dir,
dem Unvergänglichen, sich löst. — — —
.Gar mancher blieb schon auf der Walstatt,
der da mit grosser Gebärde sich erkühnte,
diesen Kampf zu kämpfen und nicht wusste,
mit wem er focht...
.Auch hier ist dir hohe Hilfe nötig, wenn du
im Siege bleiben willst, solange du noch auf
der Erde lebst. — —
.Hier ist der Kampfplatz keineswegs nur in
dir selbst!
.Auch von aussen her wird dir harter
Kampf geboten, und du wirst stetig dich be‐
währen müssen in der blossen Gegenwehr,
denn die Eröffnung dieses Kampfes deiner
seits kann niemals Angriff sein, sondern nur
Absage an den Herrn des Erdentieres,
das dir fürderhin ein irdisches Werkzeug
werden soll, während du vordem dich, den
Unvergänglichen, ihm unterordnet hattest.
.Nie wird der Fürst der finsteren Materie
dir willig überlassen, was unter seiner
Herrschaft steht, und was du dennoch dei
nem Willen dienstbar machen musst, willst du
in diesem Erdenleben schon zu deinem
Gott gelangen in dir selbst! — — —
.Er wird auch nie dein Tun «begreifen»
können, es sei denn als Vermessenheit,
denn ihm ist alles Geistige, und somit auch
dein Gott, ein Hirngespinst der einzigen aus
allen den Geburten dieser Erde die in seine
Macht gegeben sind, die ihm trotz allem
«fremd» erscheint.
.Er selbst wird niemals sich im Kampfe
stellen!
.Dazu verachtet er dich viel zu sehr. Im
Kampfe auch wird er des Erdentieres «Fürst»
verbleiben und dich allein durch seine Höri
gen bekämpfen lassen...
.Gar ungleich ist so dieser Kampf, in dem
sich Einer stets mit Vielen messen muss, —
wobei denn wieder Viele sind, die ihm allein
schon weitaus überlegen wären, würde er
nicht durch des Geistes hohe Kräfte
immer neu gestärkt. — — —
70 Der Weg zu Gott
.Es ist ein folgenschwerer Tag, an dem dein
Inneres sich gegen dieses unsichtbaren Fürsten
Macht erhebt — dem ausser seinen eigenen
Scharen auch die Tiefgesunkenen ergeben
sind, die einst als «Meister» aus dem hohen
Leuchten fielen — und sich entschliesst, ihm
nun für alle Zukunft den Gehorsam abzu‐
schwören...
.Zuerst mag es dir leichthin so erscheinen,
als sei dies nur ein kindliches Komödienspiel,
das du dir selbst bereitest, und ohne jede
Wirkung in den unsichtbaren kosmischen Be‐
reichen.
.Bald aber wirst du anderen Sinnes werden,
und nur zu deutlich wirst du sehen lernen,
mit wem du nun im Kampfe stehst...
.Was aber auch dir nun begegnen möge: —
sei unverzagt und wisse, dass dir hohe
Hilfe nahe ist, — auch dann, wenn du schon
glauben möchtest, deine Niederlage sei ge
wiss! — — —
.Du wirst nicht unterliegen können, so‐
lange du nur dein Vertrauen in den Sieg
ausschliesslich in der Kraft des Geistes
gründest.
.Die hier unterlegen sind, waren stets zu
sicher ihrer eigenen Kraft, so dass die Hilfe
aus der Kraft des Geistes sich an ihrem
Kampfe nicht beteiligen konnte.
.Nur dann, wenn du der Kraft des Geistes
Anteil lässt an deinem Kampfe, wird sie für
dich streiten...
.Es sind die Schlechtesten nicht und
nicht die Feigen, die solchen Anteil am
Kampfe nicht gewähren möchten. —
.Nicht immer ist es Eigendünkel, wenn ein
Mensch den Kampf allein durch seine eigene
Kraft entscheidbar glaubt. — —
.Doch immer ist es menschlich enges Irren,
glaubt der Mensch sich selbst befähigt, ohne
Geisteshilfe hier den Sieg sich zu erkämpfen. — —
.Ihm kann dann nicht geholfen werden,
auch wenn er Geisteshilfe dringend braucht,
da all sein Tun die Hilfe abweist, die für ihn
den Kampf zu Ende kämpfen will...
.Wer hier den Sieg für sich errungen
wissen will, der darf ihn niemals aus der
eigenen Kraft erringen wollen!
.Dankbar muss er den Sieg entgegenneh
men, den des Geistes hohe Kraft für ihn
erringt. — —
.Stets muss er in sich selbst bewusst sein, dass
sein Wille, diesen Kampf zu kämpfen, alles
ist, was man vom Geiste her von ihm ver‐
langt, dass aber dieser Kampf allein vom
Geiste nur entschieden werden kann...
.Der aber, der aus eigener Kraft den Sieg
erlangbar wähnt, der weiss noch nicht, was hier
der Kampfpreis ist: — der ahnt nicht, dass es
letzten Endes gilt, allhier ein Irdisches der
erdenhaften Bindung zu entreissen, damit es
sich dem Geiste einen könne. —
.Gewiss wirst du auch dann, nachdem durch
Geisteskraft der Sieg errungen ist, mit deiner
erdentierischen Natur dem «Fürsten dieser
Welt» noch dienstbar bleiben müssen, so‐
lange du auf dieser Erde lebst; — allein, es ist nur
das, was einst verwesen wird, das noch in
seiner Hörigkeit verbleibt...
.Was aber über diese, einst verwesliche
Substanz hinaus als Erdenmensch dir zuge‐
hört — wie du auch immer es benennen magst —
das wird nunmehr auch nach dem Erdentode
noch dein eigen sein, und wird dir zugehören,
— dir, dem Unvergänglichen geeint, — für
alle Ewigkeit...
.So gehe sicher und vertrauend denn in
diesen Kampf, in dem du nur mit Geisteskraft,
durch Abwehr, siegen kannst!
.Du wirst den Sieg gewiss erringen, so du nur
der Kraft des Geistes Anteil lässt an deinem
Kampf!
.Zwar sollst du hier das Deine tun, — doch
ist «das Deine» allzeit nur die Abkehr von
des Erdendämons kosmischer Gewalt, und
deines Willens Wendung, ihm die Gegen‐
wehr zu bieten — unausgesetzt, in jedem
Augenblicke deines weiteren Erden
lebens. — — —
.Wird dieses «Deine» stetig durch dich
selbst getan, dann wird des Geistes hohe
Kraft für dich den Sieg erlangen! Du wirst dein
Irdisches, soweit es nicht verweslich ist,
alsdann mit deinem Geistigen für alle Zeit
vereinen lernen!
.So, in dir selbst geeint, wirst du den
Weg zu Gott in dir nicht mehr verlieren
können, bis du dereinst das hohe Ziel des
Weges in dir selbst erreichst! — — —
74 Der Weg zu Gott
.Es sind nicht zwei Menschen auf dieser Erde,
die sich in allem gleichen würden.
.So aber, wie im Samenkorn der Pflanze ihre
künftige Gestaltung schon beschlossen
ruht, so trägt ein jeder Menschengeist in sich
das Urbild seiner einstigen Vollendung. —
.Unendlichfältig sind die Lebensformen,
in denen sich Gott erlebt in sich selbst...
.Unendlichfältig spiegelt sich der Gottheit
Leben in den Menschengeistern...
.Unendlichfältig sind die Formen der
Vollendung...
.Du kannst für dich nur deine eigene Voll‐
endung in dir selbst erreichen und eines
jeden Anderen Vollendung kann dir nur zum
Ansporn werden, auch die deine in dir selbst
zu suchen.
.Des Anderen Vollendung ist die deine
nicht und kann dir nie ersetzen, was du in dir
selber versäumst.
76 Der Weg zu Gott
.Hier wird die Rede sein von einer
Kraft, die geistig alle Kräfte dieser Erde
meistert, — von einer Kraft, die nur die
wenigsten in sich erleben, da sie zwar vieles
kennen, was sie „Liebe” nennen, jedoch,
zu leicht befriedigt, sich damit begnügen,
ohne ihre eigene tiefste Tiefe zu ergründen,
in der sich erst die Kraft der Liebe ihnen
offenbaren könnte.
.Nur der aber, der in sich selbst seine
tiefste Tiefe ergründet, wird dort auch die
Be-gründung jener weisen Liebeslehren
finden, die ihm der heiligen Bücher alte
Texte aufbewahren, — wie sie wohl jeder
„kennt”, soweit die Worte dieser Bücher
ihn erreichten, doch die nur selten einer
im Geiste erfaßt, da keiner ahnt, daß ein
Gesetz in diesen Lehren Offenbarung wird,
dem auch der Mächtigste sich beugen muß,
will er trotz aller Macht, nicht früher oder
später — an sich selbst — zerschellen. —
.Wüßte man, was die Liebe in Wahrheit
ist, dann hätte längst das Antlitz dieser
Erde sich gewandelt, und alles Leben
hätte längst sich stets erneuter Qual ent‐
wunden. — — —
7 Das Buch der Liebe
.Was er erkannte, war dann nicht mehr
jene „Liebe”, die er vordem zu erkennen
glaubte, denn er gewahrte eine Urgewalt,
die ihre Schauer ihm durch Mark und Kno‐
chen sandte, — die ihn erbeben ließ in
innerstem Erleben und ihn zum Herrscher
machte, wo er vordem Sklave war! —
9 Das Buch der Liebe
.Ich lehre dich hier als der einzige aller
mir Gleichgearteten, der heute in der Öffent‐
lichkeit wirkt, — und als der einzige Erden‐
mensch, der heute von sich sagen darf, daß
er nur ewigkeitsgezeugtem Geistesgut das
Behältnis des Wortes formt.
16 Das Buch der Liebe
.Als aber ein Bote der Lichtgemein
schaft, der er angehörte, in jener angst‐
erfüllten Nacht zu Gethsemane ihm endlich
zeigte, daß sein Weg, so wie er ihn sich
selbst gestaltet hatte, auch durch den
Vater” aller derer, die in dieser Licht‐
gemeinschaft wirken, nicht mehr abzulenken
sei, — da kehrt er in sich selbst zurück um
sich im Priesterkönigtum des Leuch
tenden zu finden, und geht als Held den
letzten, schweren Gang, belastet mit dem
Holz des Kreuzesgalgens. —
30 Das Buch der Liebe
.Hier ist ein Mysterium, das ich an anderer
Stelle schon, mit Scheu nur, zu enthüllen
wagte, — und nur, weil Pflicht es mir ge‐
bot...
.Wer es erfassen kann, der fasse es!
.Hier ward ein Geisteskraftstrom allem
Menschengeist erschlossen durch die Liebe,
die dieses Buch dir kündet, ein Kraftstrom,
der nur durch das Opfer eines allgewaltig
Liebenden erschließbar war. —
.Hier wurde der „Gott” der Rache, —
der ärgste Dämon der Unsichtbaren im
physischen Kosmos, — von einem Erden‐
menschen überwunden durch die absolute
Austilgung jeglicher Racheregung: —
ein Werk, das nur der höchsten Form ur‐
geistiger Liebe möglich werden konnte...
31 Das Buch der Liebe
.Auch dieses Faktum ist mir nur er‐
wiesen, durch die mir im Urlicht geistig
Vereinten, die allein hier „wissen” kön‐
nen, doch mag es sein, daß spätere Ge‐
schlechter hier auch noch auf textliche und
andere Spuren stoßen, die dann auch äußer
lich die Wahrheit meiner Worte offenbaren
werden, denn in geistigem Schauen sehe ich
solche Fragmente und Textstücke noch im
Bereiche der Erde, wenn ich auch nicht den
Ort, an dem sie ruhen, zu bestimmen weiß...
38 Das Buch der Liebe
.Daß Geistiges aber nur im Geiste
faßbar werden kann, war den frommen
alten Chronisten ein eben so ferner Ge‐
danke, wie den Wundersüchtigen unserer
Zeit, obwohl doch der Meister Gott nur „im
Geiste” suchen hieß. —
41 Das Buch der Liebe
.Dazu wußte er, als ein Leuchtender
des Urlichtes, denn doch wahrlich viel zu
gewiß, daß durch „Gebote” niemals Segen
werden kann, — und daß das Heil nur zu
erlangen ist, wenn man aus freier Wahl
danach verlangt.
53 Das Buch der Liebe
.Die seine Brüder sind, — ihm völlig
geeint in Geistvereinigung wie er ihnen, —
nennen ihn: „den großen Liebenden”,
da keiner vor ihm jene große Liebestat
vollbrachte, der er aus freiem Willen sich
zum Opfer weihte, — da keiner nach ihm
jemals eine Tat vollbringen kann, die nur
vergleichbar seinem Liebeswerke wäre,
durch das die Geistes-„Aura” dieser Erde
sich verwandelte für alle Zeiten und für
alle Erdenmenschen, so daß seitdem allen
Menschen geistige Regionen zugänglich wur‐
den, die vorher nur wenige Einzelne in
unerhörter Selbstbezwingung erreichten.
56 Das Buch der Liebe
.Was jetzt verschwelt, ist gewiß ver
loren, und mit ihm teures Gut, das einst
der Menschheit eigen war, allein das wieder
neu ersprossende junge Grün der Erde wird
nicht ein zweites Mal vernichtet werden,
wird nicht aufs neue unter-irdischen
Feuers lüstern erlangter, leckerer Fraß!
.Auch hier sind wahrlich hohe Hüter
am Werk, auch wenn sie nicht verhindern
durften, daß Vernichtung fand, was in
sich selbst den Willen zur Vernichtung
trug, ohne darum zu wissen...
.Die hohen Hüter, die hier wirken, wer‐
den weislich jedes neue junge Grün vor der
Vernichtung Feuer zu bewahren wissen,
und werden, als des Menschen wahre Freunde,
voll Verstehen und voll Rat, die knochen‐
klappernden Gerippe, die gleich ungeheuren
Fledermäusen, in faltenweiten Mänteln vor
der Sonne schwirren, mitleiderfüllt zurück
in ihre Gräber senden, so daß das Licht
der Ur-Sonne ewigen Geistes endlich alle
Wärme seiner Strahlen allem Leben
spenden kann. —
.Aus dieser Ursonne nur strömt alle
Strahlungskraft den einzelnen geistigen
„Sonnen” zu, die diese Erdenmenschheit
braucht, wie die Schwärme der Wandelsterne
des Firmamentes ihre Myriaden Sonnen‐
feuer brauchen, um in geordneter Bahn
sich selbst zu erhalten...
76 Das Buch der Liebe
.Schon unsere Enkel werden diese Tage
der Wahnverblendung, die sich ihrem
Ende zuneigen, mag auch das endliche
Ende noch gar fern erscheinen, nicht mehr
kennen.
.Sie werden kaum in sich noch ein Ver
stehen finden für den Krankheitszustand
der Gehirne, die heute toller Tänze Tanz‐
plan sind, weil sie in der Verstrickung
dunkler Mächte, denen sie sich selbst er‐
gaben, der Torheit Tür und Tore offen
ließen, als sei „der Mensch” nur das arme
Erdentier, — viel ärmer noch, als alle
andern Tiere dieser Erde, — als das er sich
empfindet, solange er nicht weiß, daß er
des Geistesmenschen Pforte zur Erlösung
darstellt.
.Erst dieses Wissen aber bringt Gewiß‐
heit, daß ihm die höchste Form der Liebe
allein die unerhörte Macht verleihen kann,
dieser Erde Angesicht derart zu verwan
deln, daß alle Trübsal, die der Mensch auf
Erden fand, — daß Krankheit, Not und
Jammer von der Erde schwinden muß,
wie jene Ungeheuer schwanden, die einst
das frühe Menschentier erst floh und dann
besiegen lernte! — —
.Wir alle, die wir heute dieser dunklen
Tage Todesschatten über unsern Häuptern
lasten fühlen, sind die Totengräber einer
alten Zeit und sind zugleich die Zeugen
den des neuen Lebens, das diese Erde
einst be-leben soll! — — —
.Von uns allen wird alle Menschheit, die
noch dieser Erdball tragen soll, Verant
wortung verlangen, wenn jenes kosmische:
Es ist vollbracht!”
durch alle jene Sphären tönen wird, die Zu‐
fluchtsort dem Geistesmenschen wurden,
nachdem er selbst sich einstens aus der
Gottheit losgelöst, und ungeahntem
Schicksal sich als edles Treibgut über‐
geben hatte! —
.Wir alle sind es, die der Erde Antlitz
wandeln werden, oder seiner Wandlung
Hemmung bleiben, wenngleich erst spä
tere Geschlechter Frucht erernten können,
die der Saat entspricht, die wir der Erde
anvertrauten! — —
.Doch glaube nicht, daß wir nicht selbst
schon unsrer Tat Erfüllung sehen könn‐
ten, auch wenn nur Blühen uns erst wer‐
den mag, wo Spätere die Früchte ernten
werden!
.Je eher wir uns selbst zu wacher Tat
ermannen, desto gewisser werden wir aus
dieser Tat, die eine Tat des Herzens ist,
die Blütenknospen sich erschließen sehen,
die einst den Nachgeborenen zu Früchten
werden!
.Ein unerfaßlich Großes hat das Schick‐
sal unserm Willen anvertraut in diesen
ernsten Tagen, und — wahrlich: „es ist
eine Lust, zu leben” in solcher Zeit, —
für jeden, der seines Eigenlebens Wert
für alle Zukunft kommender Geschlechter,
in Wachheit und Verantwortung zu wer
ten weiß!
81 Das Buch der Liebe
.Wenn du auch nur in wenigem dich
sicher fühlst, so trägst du doch in dir be‐
stimmt eine Sicherheit, Gefahr zu wittern,
die nie dich verlassen wird, sobald es dei
nes armen Erdenleibes Erhaltung gilt!
.Die gleiche Sicherheit besitzest du zwar
auch, wo es sich um deiner Seele Leben
handelt, doch da du deine Seele verlieren
kannst, ohne des Erdenleibes Leben ein‐
zubüßen, so achtest du kaum mehr der War‐
nungszeichen, die dir im Innern werden,
wenn der Seele Leben in Gefahr zu kom‐
men droht! —
84 Das Buch der Liebe
.In seiner Liebe letzter Vollendung löste
siegessicher er jene starre Fessel, die, seit der
Bindung durch die allererste Einkehr gei
stesmenschlicher Gestaltung in die Form
des Erdentieres, alles Menschsein hier auf
Erden eisenstark umwunden hielt! —
86 Das Buch der Liebe
.Wenn du des Zimmermanns, der des
Urlichts Leuchtender war, wie der, dem
diese Worte Formung danken, dich wahr‐
haft würdig willst erweisen, dann sei bereit,
die hohe Liebe in dir zu erwecken, die
dich verzehren muß, will sie dich selbst
zu einem neuen Sein verwandeln!
.Dann erst wirst du wahrhaft sein
Schüler, sein Jünger sein!
.Dann erst wird er dich in seiner Liebe
wissen, so wie er sich selbst in seines
Vaters” Liebe wußte! —
.Dann erst wird er dich als einen derer
anerkennen können, die der „Vater” liebt,
weil sie in des Vaters „Sohn” Vollendung
fanden...
.Dann erst wird Jehoschuah, der Zim
mermann aus Nazareth, von dem die alte
Kunde dir erzählt, und der dir entfremdet
ward durch alter Göttersagen Hörige, — die
ihn der Menschheit viel zu nahe gewahr‐
ten, so daß sie ihn mit ihrem Götterwahn
drapierten, — — dann erst wird er dir nahe
kommen, und dann erst wirst du in Wahr
heit sagen dürfen:
.Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!”
— — des Menschen-„Sohn”, der einst den
Seinen bestätigen durfte, daß er bei ihnen
bleibe „bis ans Ende der Welt”!
— — — — — — — — — —
.Aus der Urfeuerkraft der Liebe allein
ist es möglich, ein solches Versprechen
auch einzuhalten! —
.Wohl ist es dem in sich Vollendeten
ein unbeschreiblich hartes, dauernd dar‐
gebrachtes Opfer, sich nach dem Tode des
Erdenkörpers in einem Zustande zu erhal‐
ten, in dem er irdisch-eingeengtem mensch‐
lichem Erfühlen noch erreichbar bleibt...
.Aber man darf sich unter diesem, mir
und den mir Artgemeinsamen wohlbekann‐
ten Verharren im Fühlfelde erdenmensch‐
licher Bewußtseinsreichweite gewiß nicht
ein mysteriös umwittertes „Wunder” vor‐
zustellen suchen!
.Es handelt sich um nichts anderes, als
um eine geistgesetzlich genau begründete Be
wußtseinsfixierung, — weit über die Ver‐
brauchsdauer des irdischen Menschenkörpers
hinaus, — bis zum letzten Vibrieren seeli‐
schen Suchens im Bereiche dieses Planeten.
.Daß hier kein geringes Opfer gebracht
wird, ergibt sich schon aus der Notwendig‐
keit, in einem selbstgestalteten, zwar erden‐
sinnlich unwahrnehmbaren, und doch der
unsichtbaren physischen Welt noch ein‐
geordneten Körper — als dem Bewußtseins‐
träger — zu verbleiben...
.Solcher Bewußtseinsfixierung aber ist zu‐
gleich naturgeboten: alles seelische Leid
der ganzen Menschheit mitempfinden zu
müssen, und nur die Urfeuerkraft der Liebe
vermag es, solches Miterleiden allen mensch‐
lichen Leides dem selbstgebundenen Bewußt‐
sein des Leuchtenden ertragbar zu machen,
bis auch der letzte seiner irdischen Menschen‐
brüder einging ins Licht
89 Das Buch der Liebe
.Ich sagte dir auch schon, soweit es sag‐
bar wird, in einem anderen Buche, daß
dieser „Vater” aller Leuchtenden des Ur‐
lichts, der ewig aus dem Urwort licht‐
gezeugte Geistmensch ist, selbst „Wort”
im „Wort” und „Gott bei Gott” — der
große „Alte”, der im „Anfang” ist, —
der selbst des Urworts erste Selbstgestal
tung darstellt, der „Mensch der Ewig
keitin seiner ersten Zeugung ewig
lich verharrend.
.In alter Lehre wird er als der höchste
aller „Engel” aufgefaßt, — die „Krone
jener Hierarchie der Geister, die in den
Leuchtenden des Urlichts hier auf Erden
sich die „Brückenbauer” schuf für jene
„große Brücke”, die den Erdenmenschen
aus dem Reich des Tieres leitet, so daß er
seine Geistesheimat wiederfinden kann,
der er sich vor Aeonen einst entwand! —
.In jedem Leuchtenden des Urlichts ist
dieser „Vater”, ewig weiterzeugend seinen
Sohn”, den Leuchtenden, — in Wahrheit
eines Wesens mit dessen Lichtnatur, der
dieser Erde Leib nur äußeres Vehikel ist,
um erdenhaft zu wirken, was der Erde For
mung braucht, soll es im Erdenmenschen‐
leben in Erscheinung treten! —
.So konnte in Wahrheit der Meister von
Nazareth seinen Schülern sagen: „Wer mich
sieht, der sieht auch den Vater”, — und
Niemand kommt zum 'Vater' denn
durch mich”: — durch das, was in mir
Leben ist, als des „Vaters” geistgezeugter
„Sohn”...
96 Das Buch der Liebe
.Noch ward auf dieser Erde keiner je
vollendet durch die Schöpferkraft der
Liebe, dem nicht des Erdenlebens nimmer
ruhende Zerstörungskräfte seine hohe Form
bedrohten, und wenn du etwa glaubst, die
Leuchtenden des Urlichts seien hier wohl
aller Sorge ledig, — so lasse dir sagen, daß
auch sie, wie jeder, der des Tieres Leben
seinem Ewigen zu einen sucht, sich stünd‐
lich wach erhalten müssen, wollen sie nicht
aus dem hohen Leuchten fallen, wie ein
Stern, der plötzlich in den Abgrund fährt,
und dort zerstäubt in seine Uratome!
.Es sind solche Fälle zwar überaus selten,
aber sie sind immerhin möglich.
.Im äußeren Leben wird aus einem sol‐
chen Gefallenen dann ein furchtbarer Fana
tiker der Bosheit: — ein Mensch, der
„über Leichen geht”, und seinen größten
Selbstgenuß darin findet, alles allenthalben
zu zerstören, an dessen Aufbau er einst
beteiligt war...
.Es bleibt daher immer ein unerhörtes
Wagnis für jeden im Geiste dazu Vorberei‐
teten, die Berufung zur Einung des Geist‐
menschen mit dem Menschentiere freiwillig
anzunehmen, denn sein Erdenweg ist, weit
mehr als der aller anderen Menschen, von
zahllosen unsichtbaren Gefahren umdroht.
.Du wirst daher auch in dem Leuchten
den des Urlichts einen Menschen-Bruder
sehen lernen müssen, der, — wahrlich allem
Erdenmenschenfehlen nicht entrückt, — zu
kämpfen hat wie du, um aus dem Kampf
des Lichtes mit der Finsternis hervorzugehen
als ein Sieger, wenn einst sein Erdenlauf
vollendet ist!
123 Das Buch der Liebe
.Die solcher Machtlust Rausch einmal
genossen haben, sind fürderhin verloren
für die Stimme der Wahrheit, sind ver
loren für der Wahrheit unerbittlich fixierte,
geistige Voraussetzungen...
.Doch sollst du auch den für die Wahr‐
heit Verlorenen gewiß nicht zürnen, wenn
du der Liebe Schöpferkraft zu deiner
eigenen, höchsten Formung dich überlassen
willst!
.Du würdest sonst ein Hemmnis schaf‐
fen, das deiner Eigenformung schwere Schä
digung bewirken müßte! — —
.Du, den nach Licht und Leuchten
verlangt, — — lerne Barmherzigkeit üben
auch gegen jene, die dich am liebsten in
ihrem Dämmerdunkel halten möchten!
.Sie haben es meistens nicht selbst ver‐
schuldet, daß sie also werden mußten, wie
sie heute sind, — und allzu schwer ist es für
viele, sich furchtlos Fesseln zu entwinden,
die oft für sie die einzige Errettung vor
dem Sturz in noch weit tiefere Verfinste‐
rung bedeuten, für sie, die nur zu sehr in
allen Fasern fühlen, daß nur die feste Fes
sel ihnen Halt verleihen kann. — —
.Für viele dieser blinden Blindenführer
ist auch die Angst vor dem Versiegen der
Ernährungsquelle Grund genug um dem er‐
kannten Irrtum weiterhin zu dienen, dem
sie nur zu gern entsagen würden, wüßten
sie, wovon sie fernerhin leben sollten, mit
denen, die bislang ihre Pfründe leidlich
ernährt.
.Der „Sünde” längstvergessener Geschlech‐
ter dargebrachte Opfer hat die Menschheit
heute nun in den Nachkommen zu beklagen,
und neue Schuld nur würde sie zur alten
häufen, wollte sie die armen Engumfesselten
entgelten lassen, daß sie der Vorzeit starre
Banden noch tragen! —
.Die noch die Arme regen können, wer‐
den jedoch mit einem Male, und ohne
daß einer der Ihren fehlen würde bei dem
Werke, die Welt in Erstaunen setzen!
.Sie werden in aller Stille den Tag sich
bereiten, an dem sie ihre Banden sprengen
werden, — ohne Altgeheiligtes zu verletzen!
.Sie werden „den Greuel der Verwüstung
an heiliger Stätte” nicht mehr dulden und
werden neu das Heiligtum errichten!
.Sie werden denen nicht mehr glauben,
die ihnen sagen: da und dort ist der „Ge‐
salbte”, und werden gar manche, die „in
seinem Namen” kamen, ihres Ruhmes ent‐
kleiden!
.Sie werden wahrlich nicht zerstören,
und dennoch wird das Abgelebte sich er
neuern, weil sie die alte Form erst mit
der Fülle allen Lebens, das sie fassen kann,
durchlichten werden! — —
.Noch ist der Tag, an dem solches begin‐
nen wird, gewiß nicht zu bestimmen, —
doch daß er dereinst erscheint, ist so sicher
wie das Erscheinen eines neuen Tages nach
dunkelschwangerer Nacht!
130 Das Buch der Liebe
.Die hohe Schöpferkraft der Liebe
wird alsdann die so Erwachten lehren, dem
Leben neue Form zu schaffen!
.Sie werden ferne sein dem Wahn, daß
nur aus Trümmern sich der Menschheit
hoher Tempel auferbauen lasse, und jeder
wird sich selbst zum „Baustein” weihen,
sobald er erst erkannte, daß das höchste
Heiligtum des Lebens nur aus Lebendi
gem errichtet werden kann!
136 Das Buch der Liebe
.Nur dann, wenn die Erkenntnis aufzu‐
glühen beginnt, daß die Form des mensch‐
lichen Zusammenlebens auf dieser Erde
durch die Arbeit des Einzelnen an sich
selbst bestimmt wird und nur in sehr
bedingtem Maße von außen her zu beein‐
flussen ist, darf man sicher sein, sich auf
dem Wege zu befinden, auf den ich die mir
Vertrauenden zu leiten suche.
.Es ist der einzige Weg, der aus der
Wirrnis dieser Tage hinaus und hinauf
zur Klarheit wertbestimmender Überblicke
führt, und zugleich der einzige Weg, der
den verirrten Einzelnen in sich den Frie
den finden läßt, nach dem alle noch nicht
völlig verhärteten Herzen so heiß verlangen.
.Tierhafte Kampflust wird sich dann
nicht mehr ungezähmt, als Zerstörungs‐
faktor inmitten menschlicher Gemeinschaft
austoben können, sondern, zu geistiger
Wehrhaftigkeit sublimiert, die Vielheit
der Einzelnen fähig machen, alle Angriffe
niederer planetarischer Gewalten auf die
eigene Seele in sich selber zurückzuweisen,
— im sicheren Bewußtsein der einzigen
Kraft, die alle auf Erden drohenden, glück‐
zerstörenden Triebkräfte siegend bezwingt!
137 Das Buch der Liebe
.In alter Enge dürftiger Erkenntnis ein‐
gesponnen, suchst du vergeblich eine
„Schuld” an dir, als deren „Sühne” du be‐
werten könntest, was dir widerfahren ist.
.Hier bist du schon der ersten groben
Täuschung ausgeliefert, denn nirgends
ist ein „Rächer” deiner Schuld, der dir
nach jenes engen Wähnens Weise „Sühne”
auferlegen könnte.
.Wohl trägt zwar jede Tat in sich die
unabänderlich gesetzte Folge, und nie‐
mals wirst du es vermögen, solcher Folge
zu entrinnen, allein es kann dich herbstes
Leid auch hart in Banden schlagen, das
keineswegs aus deiner Tat erwachsen ist.
15 Das Buch des Trostes
.Du bist des Leides Lüge noch allzu‐
sehr verhaftet, und sie lehrt dich hegen
dein Leid, so daß du unwillig wirst, wenn
man dir die Freude zeigen will, die eben‐
so in Dauer steht, wie alles Leid in Ver
gänglichkeit. —
19 Das Buch des Trostes
.So hat man es gar lieben gelernt und
dabei nicht geahnt, daß man — nach
eingewobenem Gesetz der Kräfte dieses
Universums — durch solche Liebe nur
das Leid auf dieser Erde mehrte...
.Es gibt aber unsichtbare Gewalten
in diesem Kosmos der Kräfte, die daran
allergrößtes Interesse haben, daß der
Mensch der Erde leide, da sie sich aus
des Menschen Kräften nähren und er
neuern, und da der Mensch zu keiner
anderen Zeit so willig ihnen seine Kräfte
überläßt, als wenn er sich im Leide
findet. —
26 Das Buch des Trostes
.Ich erachte es als eine grobe Blasphe
mie, wenn man sich nicht entblödet, einen
ewigen „Gott”, von dem gesagt ist, daß
er die Liebe sei, den unsichtbaren Vam
piren gleichzusetzen, die sich im Dunst‐
kreis dieser Erde aus den Kräften des Men‐
schen nähren — indem man unbewußt
lästernd zu sagen weiß:
.Wen Gott lieb hat, den züchtigt
er.” —
30 Das Buch des Trostes
.Ich erwähne hier abschweifend diese
Erfahrung, weil sie zum Greifen deutlich
zeigt, wie alles, was eine Kultur an hohen
geistigen Werten hervorbringen und ver‐
mitteln kann, stets bedingt ist durch un‐
zähliger Hände und Köpfe Alltagsarbeit.
.Es mag das Tun eines Menschen ihm
selbst auch noch so alltäglich erscheinen,
so kann er dennoch sicher sein, daß es
auf irgendeinem Umweg in den höch
sten Werken der mit ihm Lebenden zu‐
tage tritt, und wiederum sind die Werke
der schöpferischen Geister — mögen
sie auch aller Alltagssorge weit entrückt
erscheinen — die einzige Gewähr dafür,
daß ein Kulturkreis sich erhält und allen,
auch den Kleinsten, gutgelohnte Arbeit
bieten kann. —
43 Das Buch des Trostes
.Wer solche Art der Arbeit kennt, der
allein hat auch ein Recht, nach getaner
Arbeit zu ruhen, aber auch seine Ruhe
wird ihm fruchtbar werden, weil ihm als‐
dann die Frucht der Arbeit anderer Gei‐
ster durch mentale Influenzen dargeboten
wird, nach seiner Fassungskraft. —
.Und ebenso wird dir, wenn du im
Leide stehst und die Kraft des Trostes
durch deine Arbeit zu erreichen suchst,
nachher in deiner Ruhe großer Trost
im eigenen Innern werden, der von gei
stiger Seite stammt, und den du in sol‐
chem, durch die Arbeit wiederhergestell‐
tem Gleichgewicht allein zu empfangen
fähig bist. —
47 Das Buch des Trostes
.In dieser letzteren Vorstellung ist in‐
sofern eine Spur der Wahrheit enthalten,
als gänzlich vertierte, nur an Irdischem
haftende Naturen wohl Äonen in seeli‐
scher Finsternis verharren können, bevor
sie geeignet werden, seelisch-geistiges
Licht zu schauen.
.Jedoch auch hier ist das Gesetz des
Geistes, dessen Leben Liebe ist, unend‐
lich milder als die Unbarmherzigkeit des
Menschenurteils, und wer auf Erden Liebe
hinterlassen hat, kann nie und nimmer
solcher äonenlanger Umnachtung verfal‐
len, so fehlbar er auch war. —
59 Das Buch des Trostes
.Was aber den Zustand des Bewußtseins
anlangt, in dem ein von der Erde Abge
schiedener sich findet, so sei hier gesagt,
daß er zuerst nach seinem Erdentode er‐
wacht in einer niederen geistigen Region,
die dieser Erde noch sehr nahe ist.
.Ist er geistig durch sein Erdenleben be‐
reits bereitet, so verläßt er diese niedere
Region alsbald an der Hand von siche‐
ren Führern, die einst auf der Erde lebten
wie er, oder auch niemals der Erde Leib
getragen haben.
.Auf seiner Höhenwanderung, die aller‐
dings nicht mehr mit dem Zeitbegriff der
Erde rechnet, begegnet er sodann auch
Helfern, die auf der Erde noch im Erden
leibe geistig wirken, dort in der geisti‐
gen Region aber in ihrer Geistesform
zugegen sind, und wird auch von ihnen
stets weitergeleitet, immer lichterem Er‐
kennen und Empfinden des geistigen
Lebens zu. —
.Dies ist der Weg des Menschengeistes,
der geistig sich während seines Erden
lebens in Liebe, Tat und Wirken an
sich selbst dazu geschult hat, auch seither
unbekannte Wirklichkeit in ihrem We‐
sen zu erkennen, und denen Folge zu
leisten, die allein ihn dort weiter
führen können. —
.Die allermeisten aber, die zu jeder Zeit
die Erde verlassen, finden sich jedoch —
nachdem sie erfassen, daß sie gestaltet,
bewußt und handlungsfähig sind —
recht wohl in dem niederen geistigen
Zwischenreiche und suchen dort zu fin
den, was ihren Vorstellungen ent‐
spricht. —
.Da hier die Vorstellung, wie im Trau‐
me, als Wirklichkeit erscheint, so sind
sie benommen von ihrer selbstgeschaffe‐
nen Welt, und sie hören ebensowenig auf
die Stimme derer, die sie höher führen
könnten, wie etwa ein in tiefem Schlafe
Träumender oft nicht erwacht, auch wenn
Stimmen in seiner Nähe zu hören sind.
.Da auch der Geist des Schuldbewuß
ten immer Gründe kennt, die ihn vor sich
selber entschuldbar erscheinen lassen,
so wird er sehr bald mit Vorstellungen
fertig, die etwa zuerst seiner Furcht vor
ewiger „Strafe” oder quälender Läute
rung entsprachen, um nun ein „Him
melreich” zu schauen, in dem er alles
genau so findet, wie es seiner Erden‐
vorstellung nach seinem Glauben ent‐
spricht. —
.Der aber ehemals glaubte, nach dem
Tode des Körpers sei sein Leben zu Ende,
erschafft sich auf gleiche Weise Vorstel‐
lungen erdenhaften Weiterlebens, und
jeder derer, die an solchen „Strandrei‐
chen” beteiligt sind, ist auf seine Art
glücklich, bis auch für ihn allmählich
das Erwachen kommt und er die gemein‐
sam mit anderen erträumte, scheinbare
Erfüllungswelt durchschaut, wie ein
auf Erden aus dem Schlaf der Nacht
Erwachter seinen allein geschaffenen
Traum. —
.Dann erst ist er reif, die Stimme des
Helfenden zu hören und seine Hand
zu ergreifen, um den Weg in die höhe
ren geistigen Welten anzutreten, in be‐
wußter Arbeit an sich selbst, von Stufe
zu Stufe, immer mehr dem wesenhaften
Lichte des Geistes zu, in der Liebe er‐
starkend und von dem Urquell der
Liebe angezogen. —
.Hatte der Menschengeist, der sich auf
dieser Erde darstellen wollte, aber erst in
eines Kindes Körper Darstellung gefun‐
den, und war dieses Kind auch nur so lange
im Erdenleben, daß die Vereinigung des
Geistes mit den gegebenen Seelenato‐
men erfolgen konnte, dann ist er wohl
seiner selbst bewußt, entbehrt aber noch
der Fähigkeit, sich aus irdischen Erinne‐
rungsbildern eine Vorstellungswelt zu
schaffen, oder besitzt sie nur in so gerin‐
gem Maße, daß er dennoch verschont
davor bleibt, den bei Erwachsenen oft
sehr lange währenden Kollektivtraum
einer Scheinglückseligkeit zu träumen.
.Er wird dann sogleich von den geisti‐
gen Helfern gleichsam an die Hand ge‐
nommen und höhergeleitet, und wenn
er auch weit länger braucht, um seine
Stufen zu ersteigen, da ihm auf Erden
gesammelte geistige Erfahrung fehlt, so
ist er dafür von Anfang an in der lich‐
ten Wahrheit und in der Hand der
sicheren Führer. —
.Ein „Wiedersehen” und Erkennen
kann erst erfolgen, wenn entweder die
„Strandreich”-Sphäre der erträumten
Erfüllung nie betreten worden war, es
sei denn als eilig zu durchwanderndes
Land, oder aber nachdem das Erwachen
aus solcher erträumter „Seligkeit” bereits
erfolgte und bewußt an der Hand des
Führers höhere geistige Welten betreten
wurden.
.Es ist dann jederzeit ein „Wieder‐
sehen” möglich zwischen allen, die sich
in ihren Erdentagen kannten oder auch
nur voneinander wußten, jedoch nur
insofern, als sie durch innere Sympathie
verbunden waren, mögen sie nun auch
auf sehr verschieden hohen Stufen ihrer
Entfaltung angelangt sein. —
.Das Kind, das die Mutter hier in sei‐
nen frühen Tagen verlor, wird sich zu
erst ihr in der Erscheinung zeigen, in der
sie es kannte, und vor ihren Augen wird
es sodann sich wandeln in die Geist
form, die ihm dauernd bleibt...
.So wird jeder den anderen erst so er‐
blicken, wie es seiner Erdenerscheinung
entsprach, um dann ihn zu sehen in sei‐
ner bleibenden geistigen Erschei‐
nungsform, denn die Substanz, die das
geistige Bewußtsein trägt, schmiegt sich
jeder Vorstellung an, die das Bewußtsein
des Menschengeistes von sich haben kann,
so daß, um nur ein Beispiel zu nennen,
ein Mensch, der krüppelhaft auf Erden
geboren wurde, zuerst für die ihn Wie‐
dersehenden, die nur so ihn in der Vor
stellung tragen können, sich auch zeigt
in Form dieser Vorstellung, um sie, die
er wahrlich hinter sich gelassen wissen
will, sogleich wieder zu verlassen und sich
als der Gleiche in seiner vollkommenen
Geistform zu zeigen. —
.All diese Dinge klingen wie die Schil‐
derungen der Märchenbücher und sind
dennoch so getreu der Wirklichkeit ent‐
sprechend, wie wenn ich hier eine Reihe
von irdischen Vorgängen zu schildern
hätte, die dir so vertraut sind, daß du so‐
fort sie wiedererkennen würdest. —
.Vielleicht darfst du dich fragen, ob nicht
so manche Märchenvorstellung hinauf
in des Menschen Urheimat weist, und
sei es auch nur, daß die Schöpfer des Mär‐
chens unbewußt sie erahnten...
66 Das Buch des Trostes
.Vor allem aber trage Sorge, daß man
dich stetig in der Liebe finde!
.Nur, die in der Liebe sind, können
Führung finden hier wie dort, und erst
wenn das Traumreich selbstischer
Wünsche dich verläßt, wirst du in die
Liebe gelangen, die alles Trostes hehrste
Quelle ist! —
70 Das Buch des Trostes
.In jenen Tagen fragte ich den hohen Meister,
ob es wohl wirklich, wie man mir sagte, — Men‐
schen auf dieser Erde gäbe, denen letztes Ge‐
heimnis kund und geistige Macht zu eigen sei,
die aber von ihrer Macht nur zum Schaden der
Menschheit Gebrauch zu machen wüssten? —
.Und der Verehrungswürdige sprach:
.«Wer aufgenommen wurde in die hohe Ge‐
meinschaft der Leuchtenden, den verpflichtet
das Gesetz, sich selbst und anderen als eine
Sonne des unendlichen Raumes zu
leuchten.
.Wollte er weiter bei anderen sein Licht zu
borgen suchen, wie es dem Schüler noch zu‐
stehen mag, so müsste er die hohen, schaffenden
Kräfte, die ihm übertragen wurden, unweiger‐
lich verlieren...
.Für ihn, der ein 'sehendes Auge der Welten'
wurde, darf es in keiner Weise mehr Verwir
rung geben, denn er trägt eine Macht in sich,
die von ihm Rechenschaft fordert, für jeden
Augenblick, den er durchlebt. — — —
.Mit Königen und Bettlern muss er spre‐
chen lernen, als ob er jeweils ihresgleichen
wäre, und er darf in jedem Menschen nur den
Menschen sehen, muss Stand und Rang, Ver‐
dienst und Schuld, Krone und Bettelstab ver
gessen können. — —
.Er wird vor keiner Macht der Menschen je
betört verweilen, denn alle Macht, die ihm be‐
gegnen kann, hat in sich selbst ihr Ende, je‐
doch die Macht, die er bewussten Willens trägt
und der er dient, trotzdem er ihr befehlen darf
und sie nach seinem Willen lenken muss, ist
in sich selbst unendlich. — — —
.So sehr er auch ans Erdenmenschliche sich
selbst gebunden fühlen mag, so ist er doch in
jedem Augenblick auch davon frei, denn seine
Seele ist 'ein Reich der Ewigkeit' geworden. —
.Nichts ausser ihm selbst kann ihn jemals
dieses Reiches Krone und Zepter verlieren las‐
sen...
.Nur er selbst kann sich verderben durch
eigene Schuld!
.Doch, wenn er auch auf solche Weise 'fallen'
kann, so bleibt er dennoch, auch nach dem
Fall, verbunden jener Macht, der er zum Trä
ger wurde...
.Er zählt dann zu jenen Kräften der Zerstö
rung, die im Meere psychischen Daseins so
vonnöten sind, wie Sturm und innerer Aufruhr
irdischem Meer. —
.Er wird zum Feinde dann, dort wo er
Freund und 'Bruder' war, und die erhabene
Gemeinschaft trauert um einen Stern, der sich
aus eigenem Willen hinab in den ewigen
Abgrund chaotischer Auflösung fallen
liess...
.In tiefster Finsternis, ohne die Kraft zur Er‐
hebung, lebt er nur noch dem Vernichtungs
willen, bis er einst selbst seinem eigenen
Willen erliegt, und so zerfällt in Tausende von
Energieatomen, die des Lebens Wanderung als
freigewordene Kräftezentren dann aufs neue be‐
ginnen. — K+  K-
... also sein "Ich" - sein "Geistesfunke" formt sich neu nach diesem gescheiterten Versuch - neue Bewußtwerdung.

16 Das Buch der Gespräche
.Die gleiche Macht wirkt in dem 'Leuch
tenden' und in seinem Gegenpol, dem Herrn
der Finsternis, und dieser Herrscher des
Abgrunds, erfüllt von Vernichtungswillen,
besitzt nur seine Macht, weil er sie einst erhielt
als — 'Leuchtender' — — — — — — —
.Durch seinen Fall aus dem 'Leuchten' ist er
einer der 'Brüder des Schattens' geworden.
.Dies ist die Wahrheit an dem, was man dir
erzählte, und auch in den Ländern des
Abendlandes gibt es unzählige Menschen,
die nicht ahnen, dass sie nur Marionetten
dieser grossen Vernichter sind, — ganz
deren grossem geistigen Einfluss hingegeben. —»
17 Das Buch der Gespräche
.Der Allbarmherzige, der Erbarmer, — sein
Name sei gelobt, — ist gleich einem Schah-in‐
Schah, der über alle Königreiche der Erde
herrscht.
.Er setzt, in Gerechtigkeit und Liebe, Könige
über die Länder der geistigen Welt und gibt
ihnen Macht und Weisheit, auf dass sie das An‐
vertraute verwalten können, aber ihm allein
bleibt dennoch alles Land. —
.Im innersten Herzen, in euch selbst, ist ein
Vorraum, gross wie ein Senfkorn, und in ihm
eine kleine Pforte, kleiner als das kleinste
Sonnenstäubchen.
.Durch diese Pforte muss sich zwängen, wer
zum 'innersten Osten' will! — —
.Ist er da hindurch, dann wird er hinter der
Pforte ausgebreitete Länder finden, — eine ewige
'Erde' — ein 'Indien' aller Indien, — ein 'Ge‐
birge' aller Gebirge...
.Dort wird er sein Reich gegründet finden, von
aller Ewigkeit her.
.Bevor er aber zu seinem Reiche hingelangen
kann, das in jenen Landen ihm verliehen wird
von jenem Schah-in-Schah, der dort von Ewig‐
keit zu Ewigkeiten herrscht, muss er an den
heiligen Strom gelangen, der ewig im
Kreislauf um das Innerste der Lande fliesst,
der keine Quelle und keinen Abfluss hat, —
der stets sich selbst erzeugt und sich selbst
verschlingt...
.Dort wird er den 'Fährmann' finden und der
Fährmann wird ihn nach seinem 'Namen'
fragen. —
.Weiss er hier seinen 'Namen' nicht, so muss
er unweigerlich sogleich zurück auf die äussere
Erde.
.Doch, wenn er dem Fährmann Antwort geben
kann, so wird er ihn übersetzen auf die an
dere Seite des Stromes, wo er alsdann im —
'innersten Osten' ist. — — —
.Dort wird er den Führer finden, der ihn zum
'grossen Gebirge' im 'innersten Osten' hingelei‐
ten wird.
.Dort wird er inmitten ewig schneebedeckter
Höhen plötzlich ewig grüne Matten voll
blühender Blumen finden, so dass er sich
vor Staunen kaum zu fassen wissen wird.
.Dort wird er die ragenden Kuppeln eines him‐
melhohen Tempels erspähen, — und wenn er
endlich anlangt und ihn betreten darf, — dann
wird er in diesem Tempel auch die 'weisen
Männer des Ostens' sehen, nach denen er
bis hierher stets vergeblich suchte.» — — — — —
— — — — — — — — — —
.Als aber die Frager weiter fragten, ob es denn
unumgänglich nötig sei, die «weisen Männer»
des Ostens zu finden, wenn einst die Seele ihr
geistiges Reich erlangen wolle, sprach der Weise:
.«Ihr wisst noch nicht, was ihr da fragt! —
.Wer das Reich seiner Seele finden will, dem
muss von innen her dabei geholfen werden. —
.Helfen aber können nur jene Wenigen,
die im 'innersten Osten' leben, und die der
Allerbarmer mit Macht begabte, ihren 'Brü‐
dern im Dunkel' Licht zu spenden, sobald
deren Wille und nicht nur ihr 'Wünschen' ernst‐
lich nach solchem Lichte verlangt. — — —
.Also müsst ihr die 'weisen Männer des Ostens'
in euch finden, wenn ihr jemals das Reich,
das in euch ist, erlangen wollt! — — — — — —»
29 Das Buch der Gespräche
.Bis dahin war der andere noch des Gesalb‐
ten Schüler, auch wenn er längst bereits unter
den Meistern der sieben Tore ein Meister
war...
.Nun spricht der Scheidende zu ihm:
.'Heute will ich dich zum Wege machen,
denn ich selbst war 'Weg' und habe mich selbst
überschritten.
.— Zwei sind fortan eines und aus zweien
wird der dritte, — — darin verbirgt sich das
Geheimnis, in dem nun du mit mir vereinigt
wirst! — — — — —
.Stets dreht sich der Kopf des Janus!
.Der Alte weicht dem Jungen und der
Junge muss der Alte werden. — — —
.Beide aber gebären aus sich den dritten, —
den einen, der immer im Dasein bleibt, und
da sein muss, wo immer 'Dasein' ist...
.Was mitten durch die Kette strömt, gibt
Leben dem Alten, dem Jungen, und dem,
den sie beide aus sich erstehen lassen! —
.So in die Kette verwoben durch alle kommen‐
den Gezeiten, spende du nun das Licht, das in
uns beiden leuchtet! —
.Dieses Kleid der Erde lege ich nun ab.
.Was es barg, lege ich in deine Hand!
.Mich selbst verberge ich nun in dir, denn
zu jenen gehöre ich, die bei den Menschen
dieser Erde helfend bleiben, und du gehörst
in gleicher Weise zu uns! — — —
.Niemals können wir die Erde verlassen, nicht
in dieser und nicht in einer kommenden
Weltenperiode, ehevor nicht der letzte der
Menschen einging ins Licht! —
.Es ist auf Erden kein Mysterium, das
diesem gleicht! —'
.So geht der Geist des Gesalbten ein, in den,
der vorher sein Schüler war, und beide sind nun
eines.....................................»
32 Das Buch der Gespräche
.Zum Reiche der Seele muss jeder dieser
Geistesfunken, will er sich seine Welt ge
stalten und sich selbst in seiner Wirkung
finden.
.Vorher ist nur ein Wissen um sich selbst in
ihm, als ein Wissen um sein reines Sein. —
.Im Reiche der Seele erst wird er seiner
eigenen Wirkungskräfte bewusst. — — —
.Im Reiche der Seele erst kann er nach
seiner Göttlichkeit in sich verlangen und erst im
nach «Gott» verlangenden Geiste kann sich
das «Destillat» des Geistes gestalten, kann
sich sein lebendiger «Gott» im Geistesfunken
«gebären». — — — — — — — — — —
.In jener ewig kreisenden, ihrer selbst allein
in ihrer unermesslichen Grösse bewussten
«Geistessonne», die ewig ihre «Funkensonnen»
in den geistigen Raum ersprüht, — dort ist kein
Bedürfen nach einem «Gott», denn dort ist
alles nur leuchtende Einheit des Seins...
.Damit aber «Gott» sein könne, muss etwas
Empfindendes sein, das nicht «Gott» ist,
nicht nur in sich selber kreist, in sich
selbst genug und vollendet...
.Wie das weisse Licht des Tages sich
zerspalten lässt in helle und dunklere Farben,
also muss sich die Ur-Einheit des Geistes
gleichsam zerteilen in mancherlei Strahlen,
wenn «Gott» sich im «Geiste» gebären kön‐
nen soll...
.Es müssen farbige Dunkelheiten im an
sich farblos weissen Lichte des Geistes wer‐
den, damit das gold-weisse Licht der Gott
heit sich zeigen kann. — — — — —
.Dazu aber dient das Reich der Seele.
56 Das Buch der Gespräche
.Ein jeder Menschengeistesfunke taucht ein in
dieses Reich, und um ihn bilden sich, wie Kri‐
stalle in einer salzgeschwängerten Flüssigkeit,
die seelischen Formen, die eure westliche
Lehre: seine «Seele» nennt. — —
.Ihr glaubt im Abendlande hier, diese «Seele»
sei gleichsam ein abgeschlossener Leib aus un‐
sichtbarem, fluidischem Stoff, und eure Lehre
lässt diesen Seelenorganismus mit eurer Geburt
im Fleische entstehen, damit er nie mehr euch
verlasse, damit er, in der Zeit entstanden, ewig
erhalten bleibe. —
.Eure «Seele» ist aber keineswegs dies festge‐
fügte, in sich Geschlossene, denn das Reich der
Seele ist ein unsichtbares, fluidisches Meer,
in dem es keine unveränderlichen Formen
gibt, ausser jenen unzählbaren Kräften, die man
als Seelen-Atome bezeichnen könnte, und die
zeitweilig euere Seele bilden, sie aus sich ge
stalten; doch in jeder «Seele» sind es jeweils
ihrer Tausende, und mehr als tausendmal
Tausende! — — — —
.Sobald das, was ihr wirklich im höchsten
Sinne seid, jener ewige Geistesfunke, das
Reich der Seele erreicht, sobald er eintaucht
in dieses fluidische Meer, — schiessen diese Mil‐
liarden von Kräften um ihn zusammen und
werden von dem Eigenlichte des Geistes erfüllt.
.Der Geistesfunke aber strebt tiefer und tiefer,
bis auf den Grund dieses Meeres, wo ihm die
furchterregenden Kräfte dann begegnen, die ihn
verleiten, im äusseren Reiche der dich
testen Materie Schutz zu suchen, so dass er
sich dem Menschentiere eint, und sich in
seiner Form verliert.
57 Das Buch der Gespräche
.Vielleicht bist du recht wenig geneigt, zu
glauben, dass es eine Möglichkeit gibt, diesen
Körper von Fleisch und Blut zu verlassen, ohne
zu «sterben», und dass jene Wenigen, die das
vermögen, in ihrem fluidischen Leibe fast
mit Gedankenschnelle die grössten Reisen aus‐
zuführen imstande sind, dass sie an bestimmten
Stellen und unter ganz genau gegebenen Be‐
dingungen sich unter Umständen sichtbar,
fühlbar und hörbar machen können, so dass
du sie niemals von «Menschen in Fleisch und
Blut» zu unterscheiden vermöchtest!? — — —
.Trotzdem ist dieses «Können» keineswegs nur
auf die legitimen Meister der «Weissen Loge»
beschränkt, und gar manche Sage mag der Be‐
tätigung solchen «Könnens» ihren Ursprung
danken. — —
.Du kannst nicht einmal mit absoluter Sicher‐
heit behaupten, dass solches «Können» dir
selber ferne läge, denn manche Menschen üben
es unbewusst, was soviel sagen will, dass ihr
Gehirnbewusstsein in tagwachem Zustand
nichts von ihrem Tun im äusseren Zustand
tiefen Schlafes ahnen kann...
.Hier sind wir auf einem Gebiete, von dem
unsere westliche Wissenschaft noch nicht die
Grenzgebiete kennt und das sie wohl auch
niemals genauer kennenlernen kann, denn die
Bedingungen zur Erforschung verlangen hier
den ganzen Menschen und nicht nur den
Verstand. — — — — — —
74 Das Buch der Gespräche
.Unser eigener Leib ist letzten Endes
für den Geist die Höhle der Erlösung;
ist die 'Erde', in deren innerste Tiefen wir
erst hinabsteigen müssen, um in ihnen den
Grund zu legen, der unseren geistigen Tem‐
pelbau tragen kann. —
.Die meisten aber möchten ihren geistigen
Tempel erbauen, indem sie — noch törichter
als jene sagenhaften Erbauer des Turmes zu
Babylon — zuerst die Kuppel zu wölben
versuchen, und sind dann gar sehr betroffen,
wenn ihr Werk alsbald in sich selbst zusam‐
menstürzen muß. —
.Sie fangen im Kopfe an und wölben
kühne Gedankenbogen, bevor sie im Inner
sten des Leibes, mit allen Fasern füh
lend, fest zu verankern wußten, was die
Kuppel stützen und tragen könnte! —
*
.Das Herz ist der Mittelpunkt des körper‐
lichen Lebens, und wenn es zu schlagen auf‐
hört, hat dieses Körpers Leben sein Ende
gefunden.
.Aber es ist durchaus nicht nur poeti
sches Bild, wenn dem Herzen auch in be‐
zug auf seelisches Fühlen und Erleben, bei
allen Völkern und zu allen Zeiten die bedeut‐
samste Wertung wird! — —
.Gewiß kann kein Anatom im Herzen des
Körpers jemals die Seele finden; aber alle
unsere körperlichen Organe entspre
chen korrelativen seelisch-geistigen
Organen, und wenn nun in geistiger Bedeu‐
tung vom 'Herzen' gesprochen wird, so ist
nur vom Herzen des geistigen Organismus
die Rede, dessen Regungen jedoch zum Her‐
zen des Körpers — während des Erdenda‐
seins — in steter Wechselbeziehung sind: so
daß gleichsam das Herz des Erdenleibes den
Resonanzboden bildet, durch dessen ver‐
stärkende Wirkung uns Menschen alles see‐
lisch-geistige Erleben mit größtmöglichster
Klarheit zu Bewußtsein kommt. — —
.Auch das Tier hat ja die gleichen Kör
perorgane, aber es fehlt ihm der gei
stige Organismus, der ihnen entspräche,
und was man so gemeinhin die 'Seele' des
Tieres nennen kann, ist nichts anderes als
der Gesamtkomplex seiner feineren
fluidischen Körperkräfte, die man ja,
in Unkenntnis befangen, meist auch beim
Menschen schon der 'Seele' zuzurechnen
dürfen glaubt...
.Der dem Tiere gleiche Leib ward einst des
aus seinem geistigen Urzustande 'gefallenen'
Geistesmenschen selbstgesuchte Zu
flucht, und dieser gleiche Tieresleib, in dem
er sich nun findet, sobald 'seine Zeit' gekom‐
men ist, wird ihm auch zur 'Höhle der Er
lösung', denn der Geist verlor auch in sei‐
nem 'Falle' keineswegs die Schöpferkraft,
so daß er sich selbst den Formen des
Tierleibes gleichzubilden wußte, so
allein erst auf Erden erlösbar werdend, da
er nur so dem Bewußtsein des Men
schentieres erfaßbar wird. — — —
*
Wer dieses unsagbar tiefe Mysterium in sei‐
ner unermeßlichen Tragweite fühlend er‐
kannte, dem wird hinfort sein Erdenleib ge‐
wiß nicht mehr als Hinderung und lästiger
Ballast erscheinen bei seinem Streben nach
Bewußtwerdung im reinen Geiste...
.'Was ihr auf Erden bindet, soll auch im
Himmel' — im Reiche des reinen Geistes —
'gebunden sein, und was ihr auf Erden löset,
soll auch im Himmel gelöset sein.' —
.Es gibt keine wahrhafte Erlösung
für den Erdenmenschen, es sei denn:
im Leibe und leiblich empfindbar
durch den, seinem Leibe gleichge
formten, lebendig substantiellen
Geist!! — — —
.Erst wenn er in seinem ganzen Selbst
empfinden durch den Erdenleib, sei‐
nes gleichgeformten geistigen Lebens inne
wird, ist er 'in den Geist gelangt', und
dann erst darf er ohne Furcht vor Täu‐
schung seinem Denken zugestehen, die hohe
Kuppel zu wölben, die den Tempel des Gei‐
stes weithin sichtbar bekrönen soll. —
178 Das Geheimnis
.Wer aber den Geist in sich finden will,
der bleibe sich bewußt, daß er ihn nur der
Materie gleichgeformt zu finden vermag,
aber weder in Materie versunken, noch
über allem Materiellen, in erträumter we‐
senloser Vorstellung!
*
.So auch kann der Geist, solange er noch
nicht dem eigenen Bewußtsein des Men‐
schen sich einte, niemals des Menschen Be‐
wußtsein anders erreichen, als indem er die
Möglichkeit schafft, daß das ihm noch nicht
geeinte Bewußtsein empfindend teilzuneh
men vermöge am inneren Lichtesleben eines
Menschenbewußtseins, das bereits dem
Geiste vereinigt ist! — — —
.Diese dem Geiste restlos Vereinigten
auf unserer Erde, sind aber jene wenigen
Männer zu jeder Zeit, von denen ich sprach,
als von des Urlichtes Leuchtenden!
.Nicht dadurch, daß man einen, oder sie
alle kennenlernt, kommt man ihnen nahe,
denn dieses Nahekommen hängt weder
ihrerseits noch unsererseits von freier
Willkür, von persönlichen Wünschen ab,
— sondern nur die eigene, durch Tat
und Leben bewirkte innere Einstel
lung entscheidet, ob man an ihrem geist‐
geeinten Bewußtseinsleben teilzunehmen
vermag, oder nicht! — — — — —
.Wer aber fähig wurde — wenn auch nur
in leisester Erahnung — daran teilzuneh‐
men, den könnte auch kein Gott daran ver‐
hindern; und je mehr er sich in solcher
Fähigkeit zu befestigen vermag, desto
mehr wird ihm Kraft aus jener geistigen
Sphäre kommen, in der das dem Gottesgeiste
geeinte Bewußtsein dieser Meister des Er‐
kennens ruht; je mehr wird ihm Hilfe zuteil
aus jenen Strömen geistiger Allgewalt, in
denen ihr Wille ewig wirkend nach dem Ge‐
setz des Geistes waltet! — — —
*
.Wer dies einmal erkannte, ist schon weit
vorangekommen auf seinem Wege, der ihn
zur Einheit im Geiste in sich selber
führen soll!
200 Das Geheimnis
.Siehe, alles, was Dir Dein Verstandeswis‐
sen gibt, ist nur in dem kleinsten Teil Dei‐
nes Körpers — in Deinem Gehirn veran‐
kert, allein das Wissen, das Dir ewig Nah‐
rung bieten soll, muß Deines ganzen Kör
pers eigen werden!
.Darauf wollen wir weiterbauen!
.Daraus soll Dir die Gewißheit werden,
daß Dein Körper Dir vonnöten ist,
willst du zu völliger Erkenntnis kommen!
— —
.Nicht von heute auf morgen ist solche Er‐
kenntnis zu erlangen, aber wer sie aus tief‐
stem Herzensgrunde sucht, dem wird sie
sicherlich werden! —
*
.Wie jede tiefere Erregung Deiner Seele
alsbald Deines ganzen Körpers Atome mit
schwingen läßt, so muß auch Dein Körper
willig sich bewegen lernen, wenn Geisti
ges Dein Bewußtsein berührt.
.Was Dir auch nahekommen mag, von gei‐
stigen Dingen: Du wirst es erst wahrhaft
erfassen und dann nur restlos Dir zu eigen
werden sehen, wenn jede Faser Deines
Erdenleibes greifend danach verlangt, um
so, wie zwei Hände einander finden, sich als‐
dann ergreifen zu lassen!
.Nur in solcher „„Ergriffenheit””, auch
Deines ganzen Körpers, wird sich Dir eini‐
gen können, was vom Geiste her zu Dir
kommt; und anders wird wahrhaft Gei
stiges niemals erlangt, als durch vollkom‐
mene Vereinigung! — — —
*
.Über Geistiges nachzudenken, mag
Dich wohl in gewisser Weise fördern, allein
zum Ziele führt es nicht!
.Wohl kannst Du Dir manches Wissen die‐
ser Erde auf solche Weise erwerben, aber so‐
bald Du einmal dieser Erde Leib verlassen
mußt, wird solches Wissen Dir verloren und
zu nichts mehr nütze sein!
.Geistiges Wissen ist wahrlich anderer
Art!
.Es kann Dir nur werden, wenn Du mit dem
Gegenstande dieses Wissens Dich zu ver
einigen vermagst! — — —
.Während vergängliches Wissen stets
nur ein Be-greifen, ein Er-fassen, ein
Ent-decken, ein Er-finden, ein Er
schließen ist, handelt es sich beim geisti
gen, ewig bleibenden Wissen um ein Inne
werden! — —
.Du kannst im Geistigen nichts erlangen,
es sei denn, Du selber läßt Dich in Deinem
innersten Innern durch das Geistige wan
deln und wirst, was Du erkennen
willst! — — — — —
*
.Das erscheint Dir heute noch unsagbar
schwer, da Dein Denken noch nicht gelernt
hat, Deinem Willen zu gehorchen.
.Nicht eher aber kannst Du Geistiges ver‐
nehmen in Dir selbst, als bis Du Deinem
Denken Schweigen zu gebieten vermagst
und seinem vorlauten Wichtigtun wehren
lerntest!
.Später, wenn Du dereinst im Innewerden
zur Erkenntnis in Vereinigung gekom‐
men bist, wirst Du Dein Denken reichlich
entschädigen können für die Zurückhaltung,
die Du ihm vorher auferlegen mußtest!
.Dann wirst Du ihm eine neue Unterlage
für sein Wirken geben können, auf der es
sodann in gleicher Sicherheit bauen mag,
wie dort wo die Sinnenwelt ihm Funda‐
mente bietet. — —
.Die Kraft des Denkenkönnens ist eine
wundersame Gabe, allein sie kann Dir dort
nur Segen bringen, wo Du ihr selbst die
sichere Unterlage gibst. — —
.Du darfst nicht durch Dein Denken erst
diese Unterlage schaffen oder finden zu
können wähnen, wenn Du nicht einem Wahn
erliegen willst, der in den Gehirnen schon
seit den frühesten Zeiten der Erden‐
menschheit bis auf unsere Tage, tausend‐
fachen Irrtums Ursache ward! — — —
.Man scheitert stets aufs neue daran, daß
man erdenken möchte, was allein im Inne‐
werden zu erleben ist und dann erst Ma‐
terial des Denkens werden kann.
.Man glaubt in seinem Denken Geistiges
zu erkennen und weiß nicht, daß Geistiges
nie in Gedanken faßbar wird, bevor man
es erlebte, da es nur im Erleben wahrhaft
empfunden werden kann; in einem Erleben,
das nichts mit gedanklichem Erkennen ge‐
meinsam hat. — —
*
.Jenseits allen Denkens, die Gedanken an
sicherem Halfter zügelnd, als Beherrscher
Deines Denkens, sollst Du das Erschau
bare in Dir selbst erschauen lernen durch
Versenkung in Deine innerste Tiefe: — als
dann erst darfst Du Deinen Gedanken Frei‐
heit geben, und dann erst werden Deines
Denkens Schlüsse Geistiges aus Geisti
gem zu erschließen vermögen! — —'
233 Das Geheimnis
.Urzeitigen Falles Versklavter, warst Du in
düsterste Nacht versunken, aus der nur gött‐
liche Kraft Dich zu befreien wußte.
.Selbsteigenen Willens Gebundener an die
Macht der Herren dieses äußeren physischen
Kosmos, ein Höriger des „Fürsten dieser
Welt”, wurdest Du Deiner Gedanken
Beute, — Du, der vordem Herr allen Den‐
kens war! —
.Aus solcher Hörigkeit gilt es Dich
zu lösen! — —
.Wäre jener nicht über diese Erde ge‐
schritten, von dem ich vordem sprach: jener,
den wir den Größten der Liebenden nen‐
nen, so würde nur wenigen erreichbar das
Ziel, von dem ich Dir künde...
.Er aber vermochte es, die „Aura” dieser
Erde so zu wandeln, daß alle, die da „guten
Willens” sind, einzugehen ins Licht, auch
die Kraft empfangen, die ihres Willens
Sehnsucht Erfüllung werden läßt. — —
.So können heute gar viele ihre „Erlö
sung” finden, die ohne seine Liebestat auf
Golgatha nur Opfer der Vernichtung hätten
werden müssen, — zum mindesten jedoch
äonenlanger Qualen Beute, bevor Befreiung
und Errettung ihnen hätte werden kön‐
nen. — — —
.Du hast es durch ihn nun leicht, Dich
selbst zu lösen, so Du Dich er-lösen
willst! —
*
.Laß fahren alle erdachte Weisheit und
scheine sie Dir auch „Götterwort”, um zu
jener Weisheit aus Tat und Leben hinzu‐
finden, die auch der Weisesten dieser Erde
hohe Lehren nicht ergründen, da sie in Tie‐
fen ankert, die kein Denken je ermessen
kann! — — —
.Die Einfalt des Kindes suche in Dir
zu erreichen, durch die Du vermagst, aus
Deiner vielfältig gewundenen Enge Dich
zu lösen, in der Dich gebunden hält, was
nicht Du selber bist! — —
.Es ist wahrlich leichter, daß ein Kamel
— und sei es auch nur ein Seil aus dessen Haa‐
ren — eingehe durch ein Nadelöhr, als ein
nach irdisch gerichteter Geistigkeit „Rei‐
cher” in das Himmelreich!!
*
.Das heißt: daß alle Verstandesweisheit
nur zur Torheit wird, wo es gilt, den Geist
des Lebens in sich selbst zu finden! —
.Hier gibt es kein „Training”, keine Schü‐
lerübung, die zum Erfolge führt, und nichts
kann sichere Gewähr verheißen, als nur die
Tat und waches, tatbereites Leben! —
.In wacher Tat nur kann der Strebende
hier vorwärts kommen, und so nur erschließt
sich ihm ein Geheimnis, das er vergeb
lich zu ergründen sucht, solange er noch in
Gedanken darum buhlt! — — —
.Hat er erkannt, um was es sich handelt,
dann wird er lächelnd seiner Torheit ge‐
denken, die vordem ihm erreichbar scheinen
ließ in menschlichem Erdenken, was nun
erfaßbar nur sich zeigt durch die hohe
Gnade. — —
246 Das Geheimnis
In dieser letzten Stunde ist es ihm ge‐
lungen, das Menschentier in sich der
Macht des Geistigen zu absoluter
Einheit des Empfindens zu ver‐
einen, so daß er die Vernichter seines
Erdenlebens noch in der Vernichtung
lieben konnte wie sich selbst.
Die unsichtbare Erde, die diesen Erd‐
ball in sich trägt gleichwie das Ei den
Dotter, ist seit jener heilighohen Stunde
der Macht des «Fürsten dieser Welt»
— des unsichtbaren, aber nur seiner
selbst und nicht im Geiste bewuß‐
ten, vergänglichen Gewaltigen, der
in dem liebeleeren Dunkel der Materie
sich selbst erlebt und alles in sein eige
nes Erleben ziehen möchte — für alle
Zeit entwunden...
So wie er selbst in dieser Stunde über‐
wunden wurde, kann alle Macht der
Finsternis auf dieser Erde nunmehr über‐
wunden werden, durch jene, die um
solche Macht des Menschen wissen und
«guten Willens» — wollend aus
der Liebe — sind.
65 Die Weisheit des Johannes
seine geistige Schuld: daß er — wenn
auch für Augenblicke nur — die äußer‐
liche Macht auf Erden sich zur Seite
stellen wollte, hatte sein Geschick ent‐
wunden jener hohen Geistesleitung, der
sie unterstanden und die auch ihn einst
führte, bevor er sich bei jenem Einzug
in Jerusalem für kurze Zeit betören ließ
durch das bestürmende Begehren derer,
die in ihm den Retter aus der äußeren
Bedrängnis sahen.
Die Wandlung der Gesetze in der un
sichtbaren Erde, die er dann selbst
durch seine Liebestat auf Golgatha voll
brachte, hätte sein Endesschicksal ihm
erspart, wenn vor ihm ein Anderer
ihr Vollbringer gewesen wäre.
Da aber diese Wandlung erst in seiner
letzten Stunde sich durch ihn vollbrin‐
gen ließ, so mußten seine hohen Brüder,
schmerzerfüllt und doch im Innern ju‐
belnd seines Siegs gewärtig, ihn den Lei‐
densweg betreten lassen. — —
75 Die Weisheit des Johannes
Hier wird
Verwirrung nur vermieden, wenn man
weiß, daß einmal nur von der Art des
Menschengeistes gesprochen wird, der
latent die Erlebnismöglichkeit in
sich enthält, durch die ihm das Reich des
Geistes Gewißheit werden kann, doch
ohne die Fähigkeit, sich in den höchsten
Regionen geistiger Welten bewußt wie
hier im Erdenleben und noch wäh
rend dieses Erdenlebens zu empfinden
— und ein andermal von dem höch
sten Ziele des Menschengeistes: daß er
nach diesem Erdenleben und vielleicht
erst nach einer langen Vorbereitung in
der geistigen Welt eine neue Lebens
form erlange, in der er erst sich selbst
im Innersten des geistigen Reiches be
wußt und wirkend erleben kann. —
Es sind hier verschiedene aufein‐
anderfolgende Zustände im Auge zu
behalten.
Der erste ist die Erweckung des Men‐
schengeistes aus seinem Schlafe im Men‐
schentiere, wodurch er, aus der Nacht der
Nichterkenntnis erwachend, ahnend
erfühlt, daß er nicht von dieser
Erde ist: daß er aus einem Lebensreiche
stammt, in dem das Leben anderer Ge‐
setze Formung ist als hier in dieser ir
dischen Erscheinungswelt. — Hieraus
ergibt sich als zweites dann das Entgegen‐
streben, dem Urlicht zu, aus dem
durch des Geistes hierarchisch geordnetes
Leben stufenweise weitergeleitet, letzten
Ursprungs das Leben des Menschengeistes
in ewigem Sein sich findet.
Diesem Entgegenstreben aber kann noch
während dieses Erdendaseins Erfül
lung werden, indem ein «Geistes
funke», ein Strahl aus dem Urlicht
— durch alle hierarchischen Stufen gei‐
stigen Lebens herabgeleitet —, im Men‐
schengeiste und aus dieses Menschen‐
geistes Kräften einen geistigen Orga
nismus schafft, durch den sich der
Menschengeist vereinigt findet mit
diesem göttlichen «Geistesfunken» oder
«Strahl» des Urlichts, den er erkennt
als seinen «lebendigen Gott».
Nun ist ihm sicherste Gewißheit ge‐
worden, was vorher nur ahnendes Er
fühlen war: — er ist sich seines Lebens
im Geiste und aus dem Geiste be
wußt!
Noch aber ist er keineswegs fähig,
auch jenes hohe Geistesreich bewußt
und handelnd betreten zu können,
aus dem er einst sich selbst durch seine
Willensneigung löste in jenem «Fall»
aus hohem Leuchten, der ihn an diese
irdische Erscheinungswelt verhaftet
hat. —
Hierzu ist anderes vonnöten; und wenn
er auch der Erde irdische Gestaltung
einstens nicht mehr trägt und sich in
Geistesform nach seines Körpers Erden‐
tod bewußt und lebend findet in den
niederen Regionen geistigen Lebens, so
bleibt ihm dennoch jenes höchste,
innerste der geistigen Erscheinungs‐
reiche — «das Reich Gottes» im höch
sten Sinne — so lange verschlossen, bis
er in ihm «aufs neue geboren» wird:
aus geistigem Samen neu gezeugt —
aus den Urwassern des Lebens im
Geiste.
«Geburt» in irdische Erscheinungs‐
welt ist die Frucht der Weiterzeugung
tierischen Lebens und ermöglicht
allein Bewußtsein und Handeln in die‐
ser irdischen Erscheinungswelt.
Wer nicht in sie geboren wird, kann
anders nicht in sie hineingelangen: — sie
ist ihm nicht erschlossen, auch wenn er
um sie wüßte.
So auch kann in keine der geistigen
Erscheinungswelten — und alles, was im
Reiche des Geistes lebt, ist sich nur er‐
faßbar als geistige Erscheinung
ein Menschengeist hineingelangen, er sei
denn hineingeboren.
Ursprünglich ist nun der Menschengeist
in jenes innerste «Reich Gottes», aus
Gott gezeugt, von Ewigkeit her «geboren»,
ließ aber den geistigen, gottgebore
nen Organismus — in diesem Bilde ge‐
sprochen — im innersten Reiche des
Geistes zurück, allwo er wieder der Kraft
der Gottheit sich verschmolz, so daß eine
individuelle «Wiedergeburt» erfol‐
gen muß, soll sich der Menschengeist in
jenem «Reiche Gottes» einst be
wußt und handelnd finden können.
Vorher ist der Menschengeist, auch bei
höchster Entfaltung durch das Erden‐
leben, nur seiner selbst und seines
lebendigen Gottes bewußt und fin‐
det sich nach dem «Tode» des Erden‐
körpers nur in jenen niederen geisti‐
gen Welten, deren Organismus ihm
keimhaft erhalten blieb, auch nach
seinem Falle in tierische Erscheinungs‐
welt — als einzige geistige Daseinsform,
die er hier noch besitzt und zu entfalten
vermag durch seine Haltung im Erden‐
leben. Von diesem höchsten und letzten
Ziele allein aber läßt der Verfasser der
alten Sendschrift den Meister sprechen:
«WENN EINER NICHT WIEDERGE
BOREN WIRD AUS DEM WASSER IM
GEISTE — AUS GEISTIGEM SA‐
MEN —, SO KANN ER IN DAS REICH
GOTTES NICHT EINGEHEN
Und zur Bekräftigung und Verdeut‐
lichung läßt er den Meister weiter sagen:
«WAS AUS DEM FLEISCHE GE‐
BOREN IST, DAS IST FLEISCH; UND
WAS AUS DEM GEISTE GEBOREN
IST, DAS IST GEIST
Damit nur ja kein Zweifel sei, daß hier
die Erzeugung eines wirklichen Or
ganismus erfolge, wie aus dem Fleische,
so aus dem Geist...
114 Die Weisheit des Johannes
Denn eine andere Selbstdarstellung hat
der «Vater» im Urwort nicht auf dieser
Erde, als den Leuchtenden des Ur
lichts, den er sich als Selbstdarstellung
bereitet hat und dem er, noch während
der Leuchtende in irdischer Erschei‐
nung lebt, die Geistesform aus sich
erzeugte, die ihn bewußt werden ließ in
geistiger Erscheinungswelt, ohne ihn
dieser Erdenwelt zu entziehen. —
116 Die Weisheit des Johannes
Wie aber im Leuchtenden des Urlichts
bereits in dieser Zeit des Erdenlebens der
«Vater» im «Sohne» zur Selbst
darstellung kommt, — wie der Leuch‐
tende selbst sich erlebt als «Sohn»
des ewigen «Vaters», des höchsten
geistigen Oberhauptes aller Leuchtenden
auf Erden, aus dem und in dem ein
jedes Glied dieser geistigen Gemeinschaft
lebt in absoluter Vereinigung, so wird
auch durch ihn nur der «Vater», der
urgezeugte Mensch der Ewigkeit im
Urwort, erkannt in erdenmensch
licher Offenbarung. — —
120 Die Weisheit des Johannes
Urlicht selbst ist, das in seiner Selbst‐
aussprache als das Urwort den ewigen,
urgezeugten Menschen des Geistes
«spricht», der ewiglich in seiner Licht‐
gezeugtheit im Urwort verharrt und
«Vater» wird den Leuchtenden, damit
durch sie der Menschengeist auf dieser
Erde wieder Kunde empfange von seiner
Urheimat und von dem Wege, der zu ihr
zurückführt. —
122 Die Weisheit des Johannes
Doch nicht auf diese äußere Erschei‐
nungswelt der physischen Sinne allein
beschränkt sich das Wirken des Leuch‐
tenden.
Er wirkt ebenso im innersten Reiche
des Geistes — im Reiche der Ur
sachen — wie auf dieser Erde, wie auch
in jenen niederen geistigen Welten,
die der Menschengeist betritt, wenn er
diese Erde verläßt
125 Die Weisheit des Johannes
Man hatte die wirkliche «Dreieinheit»
nicht erkannt, die darin allein gesehen
werden muß, daß sich das gestaltlose,
unfaßbare und alles in sich umfassende
Urlicht — das unendliche, unergründ‐
liche, ewige «Meer der Gottheit» — ewig‐
lich selbst als Einheit im Urwort
offenbart — das «Wort», das «im An‐
fang» ist, der immer war und ist und
sein wird: «Gott» in der Gottheit —
und daß das Urwort aus sich selber
offenbart den «Menschen der Ewig
keit» — den lichtgezeugten ewigen
Geistesmenschen, der immerdar in
ihm verharrt und weiterzeugend als
«Vater» alle Geisteshierarchien aus sich
hervorgehen läßt, somit in Einheit
aller Vielheit Inbegriff, in sich offen‐
barend sich selbst in den Zahlen des
Ursprungs, aus denen hervorgeht alle
Unendlichfältigkeit des geistigen
Lebens...
Dieses ewige Sein des Geistes, gleich‐
zeitig Selbstoffenbarung des Gei‐
stes und dieser Selbstoffenbarung geistige
Folge:
     in Unerfaßbarkeit,
     in Einheit,
     in Zahl
die wieder Einheit zeugt unendlich
fältig —, ist letzte Wirklichkeit, mit
welchen Worten man ihr auch Bekun‐
dung geben will; denn mit dem gleichen
Rechte wäre sie auch zu bezeichnen als:
     das ewige Unoffenbare,
     das ewig sich Offenbarende,
     das ewige Offenbarte. —
148 Die Weisheit des Johannes
Der «Geist der Wahrheit» aber ist
des Urwortes Leben: — das Urlicht
selbst in seiner Unerfaßbarkeit —, das
sich als Urwort offenbart und in dem
alle Geisteshierarchien leben, die gleich‐
sam Ton und Stimme dieses Urwortes
sind und seine ewig weiterzeugende
Offenbarung in der Geisteswelt des Ur
lichts.
Auch das niedere geistige Leben, das
dem Menschengeiste noch verblieb nach
seinem Falle aus hohem Leuchten, lebt
nur aus dem gleichen Geiste der Wahr
heit: dem substantiellen Geiste des ewi‐
gen Urlichts, von dem der Menschen‐
geist auch schon in diesem Erdendasein
einen «Strahl» erfassen und in seinem
eigenen «Ich» erkennen kann als seinen
«Lebendigen Gott».
Das Urlicht ist allein die ewige
Quelle alles Lebens: das aus sich selber
Seiende!
In sich als Sein unfaßbar für sich selbst,
«spricht» es sich aus im Urwort, das
in ihm allein sein Leben hat «aus sich
selbst»...
Und weiterzeugend, offenbart sich so das
Urwort in dem ewigen Geistes
menschen, der wieder «aus sich selbst»
das gleiche Leben nur im Urlicht
hat und weiterzeugt die Hierarchien aller
Geisteswesenheiten, die alle «aus
sich selbst» das Leben haben, da sie alle
nur des Urlichts nähere und ferne
Offenbarung durch das Urwort
sind, das selbst des Urlichtes erstes,
ewiges Offenbaren ist. — —
150 Die Weisheit des Johannes
Aus Urlichtsonnenfeuern sprühet
.Weltensamen,
Und wird zu Weltensonnen,
Wird zu Welten, die um Sonnen kreisen.
Aus Welten keimen Wesen,
Denen hohe Geister sich im Fall ver‐
.einen...
Vereinigt, ziehen sie empor, was erdge‐
.boren —
Und stille Geisterscharen
Steigen stetig nun als Menschengeister
.zu den Sternen auf,
Und werden selbst zu Sternen,
Werden Menschengeistersonnen,
Die den Erdenwesen ferner leuchten.
— — — — — — — — — —
162 Wegweiser
Noch ist euch eures Leibes Kraft
Nur Quell der Sinnenlust...
Daß sie dem Geist den Körper schafft,
Ist Wenigen bewußt! — —
Geheimnisvoll verbirgt Natur
Das Wunder hinter dichten Hüllen, —
Doch weist sie selber auch die Spur,
Will einer ihr Gesetz erfüllen! — —
Ein Gleiches führet Mann und Weib
In heißer Liebesglut zusammen,
Und formt des Geistes neuen Leib
Aus ewig lichten, reinen Flammen! — — —
163 Wegweiser
.Die äußere Geste, oder eine Selbstbe‐
zeichnung, kann zwar das eigene Urteils‐
vermögen betören und die Nebenmenschen
täuschen, aber an der durch das eigene Tun
bestimmten Stellung im substantiellen gei‐
stigen Leben nicht das mindeste ändern.
10 Der Weg meiner Schüler
.Ich spreche in erlebender Ehrfurcht von
einer höchsten Triade, die ich: Ursein,
Urlicht und Urwort nenne, — von ihrer
Selbstdarstellung, die ich in Menschen‐
worten faßlich zu machen suche in der
Trias: Urlicht, Urwort, Ur-Geistes
mensch, — und ich zeige, wie das, was
ich voll erschauernder Anbetung als „Ur‐
Geistesmensch” zu benennen versuche,
Vater” ist — und auch „Mutter” zugleich:
— der erscheinenden Dreiheit des gei
stigen, seelischen, und verstandesartig
begreifenden Menschen...
.Ich versuche, zu zeigen, wie solcher‐
weise der wirkliche „Mensch” hinauf- und
hineinreicht in die innerste Gottheit, die
sich ihm liebend erlebensfaßbar macht, als
sein, ihm individuell vereinter „leben
digerGott...
.Ich habe schließlich darzulegen, wie in‐
folgedessen begriffen werden muß, daß das,
was man auf Erden als den „Menschen”
bezeichnet, nicht etwa der ewige Mensch
ist, sondern das erdgehörige Tier, in dem
sich ewige Menschenemanationen zu erleben
suchen, die über den Kulminationspunkt
ihres Individualzustandes hinausgelang
ten, was für sie ein Fallenmüssen zu
bedeuten hatte, — einen „sündhaften”,
weil verschuldeten „Fall” aus höchstem
Leuchten, — für den es keinen, den Wieder‐
aufstieg ermöglichenden Ausgleich gibt, als
die Inkarnation in einem der schuldfreien,
physischen Wesen des Weltalls: — einem
Tiere, — wobei allerdings nur eine Tier‐
form in Betracht kam, die Eignung zeigte,
ewig Menschlichem dereinst Ausdruck
werden zu können.
127 Der Weg meiner Schüler
.Es findet sich auch da eine Parallele
zu den im Urlicht Leuchtenden.
.Da es sich bei ihrer biologischen We‐
sensart um Jahrtausende vor der irdischen
Geburt erlangte Bestimmtheit des Da‐
seinswillens handelt, so muß im vorausge‐
gebenen Zeitpunkt Geburt angenommen
werden, die alle psychophysischen
Voraussetzungen für die übertragene
Aufgabe verbürgt, auch wenn in ihr
zugleich Erbteil mitgegeben ist, das der
Geborene während seines Erdendaseins
nur gerade im Zaum zu halten suchen
kann, weil er seine Kräfte anderwärts
braucht, und weil zugleich ein Nieder
ringen des Nichtgewollten, so wünschens‐
wert es auch wäre, die physische Basis
seines Wirkens in nicht zu verantworten‐
dem Grade verengen würde.
.Die in seiner vergänglichen physischen
Natur ihm solcherart „mitgegebenen” offen‐
sichtlichen Fehlneigungen können auf je‐
dem Gebiet erdenmenschlichen, durch die
physisch-tierischen Kräfte bedingten Han‐
delns sich bis zu einem gewissen Grade
zeigen, auch wenn der Leuchtende des Ur‐
lichts immer erneut Barrieren aufrichten
wird, um allzudrastische Äußerungsformen
unmöglich werden zu lassen.
.Kein Leuchtender im Urlicht hatte
jemals den kinderhaft törichten, eitelkeit‐
genährten Ehrgeiz, als ein „Heiliger” gelten
zu wollen, und keiner wird je solchen Ehr‐
geiz in sich nähren können!
.Wehe aber dem Leuchtenden, — und
stehe er auch auf menschlich kaum vor‐
stellbarer geistiger Höhe, — der die Äußer‐
ungen physisch-erdenmenschlicher Mängel
an einem seiner geistigen „Brüder” etwa
in anderer Art aufnehmen wollte, als
mit humorgetränkter, wissender Nachsicht!
.Da eine andere Haltung in diesem gei‐
stigen Kreise unmöglich ist, darf es hier
nur als dem Verstehen dienende Fiktion
aufgefaßt werden, wenn ich, um der gei‐
stigen Bedeutung dieser Dinge willen er‐
klären muß, daß auch schon die leiseste
Neigung eines Leuchtenden im Urlicht,
sich über den in physisch-irdischen Dingen
fehlbar gewordenen Bruder „erhaben” zu
fühlen, die Selbstvernichtung des eigenen
Geistesorganismus bedeuten müßte...
.Der Schüler des substantiellen, ewigen
Geistes kann nur dann auf den wirklichen
Erfolg seiner Mühen rechnen, wenn er in
jedem Mitstrebenden, — sei er ihm per‐
sönlich nahe, oder ganz unbekannt, — alles
vergängliche, physischirdisch Bedingte, in
wahrer Herzensgüte und verstehender Nach‐
sicht betrachtet, jedoch mehr und mehr dahin
gelangt, zu begreifen, daß der individuelle
Geistorganismus, den sein Gefährte in
sich bewußtseinsnahe erreichen will, glei
cher Substanz ist, wie sein eigener.
136 Der Weg meiner Schüler
.In der irdischen Außenwelt wird zwar
nur das mehrfach umgewandelte, letzte
Resultat, vom ewig Wirklichen ausgehen‐
der Kräfte — in der Reflexwirkung die‐
ser Kräfte aufeinander — erfahren, aber
damit ist dem Erdenmenschen keineswegs
nur ein Schein und Schatten gegeben!
.Alle irdische Erscheinung läßt sich für
den seiner geistigen Sinne bereits Mäch‐
tigen zurückverfolgen bis zur Anschau
ungswende, von der an die alle Form
wirkenden Urseinskräfte dann als ein sub‐
stantielles Geistiges erlebbar werden.
.So ist das Alleräußerste kontinuierlich
dem Allerinnersten verbunden, wenn das
Äußere”, seiner Darstellungsform nach,
auch der ewigen Starre: — dem absoluten
„Nichts”, — schon zu nahe ist, als daß es
jemals in das Allerfreieste, das in ewiger,
unfaßlicher Bewegung verharrende „In‐
nere” einzugehen vermöchte.
.Da der Erdenmensch aber ein in das
Alleräußerste verirrtes Inneres ist, so darf
er auch nur dann hoffen, wieder seiner
selbst als eines substantiell wirklichen
Inneren bewußt zu werden, wenn er von
dem Punkte ausgeht, auf dem er sich nun
einmal findet, — also vom Alleräußer
sten: — von seiner eigenen leiblichen, und
der dieses Erdenleibliche umgebenden „Aus
senwelt”. —
164 Der Weg meiner Schüler
.Ohne das Sein dieser kosmisch-geistigen
Ver-Einung wäre der geistige „Mensch”,
der durch den „Fall”, durch eigenen Impuls
in eine andere „Dimension” sich verirrte,
längst völlig im Erdenmenschtiere der Um‐
nachtung verfallen, dem ewigen und einzig
wirklichen „Tode”, — der Auflösung seiner
geistigen Individualempfindung, der Rückkehr
in das ungeformte „Chaos”, die Seins-Nacht
des Urgrundes, dem er einst, formgeworden,
entstieg, in diesem ewig sich selbst zur Form
zeugenden Urgrunde „gezeugt”, nicht „er‐
schaffen”! — — —
Ewige Liebe, glühend gleich einem unfaß‐
baren Lichtfeuerquell inmitten des urgrün‐
digen „Chaos”, — ewiges „Urlicht”, —
spricht sich selbst zum „Ur-Wort” aus,
in unendlichfältigem „Echo” gleichsam
sich selbst vernehmend in un
endlichfältiger Selbstdarstel
lung. —
.So „ergeht das 'Wort' des Herrn in alle
Lande”, und in jedem dieser „Worte” wird
es sich selbst zu anbetender „Ant-wort”,
in jedem ist es die glühende „Sonne”, die
aus sich ihr „Planetensystem” erzeugt, — die
individualisierte „Gottheit” des individuellen
Geistes, den sie aus sich heraus fortzeugend
gebärt...
.Aus diesem „Herzen Gottes”, dem
Lichtfeuerzentrum alles Seins, dem Quell‐
grund im ungeformten „Chaos”, den kein
menschliches Wort erfaßt, es sei denn, man
nenne ihn: „die Liebe, die aus sich
selbst ist”, — — stammt der „Heils‐
plan”, in der Liebe gegründet
von Ewigkeit her, der die Viel-Einheit
der „Leuchtenden” gestaltet, damit sie rette,
was verloren scheint, in selige Seinsgewißheit
wiederbringe, was sich selbst zerstreute und
so das Empfinden seiner Eigenform verlor. —
32 Das Mysterium von Golgatha
In diesem Unnennbaren vereint, in
dem des „Urwortes” erstes Selbsterfassen
Form und Wirkung wird, — als das
Wort”, dasbei Gottund das
Gott” in der Gottheit ist, — sind alle
„Leuchtenden des Urlichtes” im Willen und
Bewußtsein ewig nur Eines! — —
.Einheit ist Schlußstein und
Krönung fundamentaler Vielheit in al
lem Leben geistig-kosmischen Seins, wie die
Vielheit der Farben sich vereinigt im reinen
weißen Lichte zeigt. —
.Unendlichfältig wirkt sich das
Eine aus, das Alles ist, um sich in Ein
heit wieder zu finden, ohne jemals
seine Unendlichkeit zu opfern. —
.Liebe ist der innerste Ursprung
dieses Seins!
.Liebe ist sein nie endendes Leben!
.Liebe ist seine urewige Tat!
.Der auf Golgatha starb aber war das
vollkommenste Gefäß dieser Liebe,
das je auf Erden sich dargeboten hatte, der
Liebe, die unendlich ist, obwohl
sie in sich selbst ihre Grenzen
kennt...
44 Das Mysterium von Golgatha
Stets kämpfen die mächtigen, unsichtbaren
Intelligenzen der physischen Allnatur, die
nur ein zeitlich befristetes Leben
haben, wenn es auch nach Jahrtausenden
zählt, um deinen Besitz, da sie die „Welt”
des Geistes niemals erkennen können
und dich allein als ihren Untertan be‐
trachten. —
.Nicht alle sind in gleichem Grad
dem Haß ergeben, und manche sind sogar
„guten Glaubens”, dich vor einem Irr
tum zu behüten, wenn sie versuchen,
dich von deinem Aufstieg zum reinen Geiste
abzuhalten und dich in ihrem Macht‐
bereich zu binden. —
.Du mußt wissen, daß du durch die Kraft
der Liebe, die auch ihre Besten nicht
kennen, selbst wenn sie nicht dem Hasse
ergeben sind, — unendlich mächtiger
bist als sie! —
.Du mußt wissen, daß du zwar, deinem
irdischen Verstande nach, tief
unter den allermeisten dieser Gewaltigen
stehst, daß dein Denken ihrem zwingen‐
den Einfluß bis zu hohen Graden unter
worfen ist, daß du aber trotzdem
einer Erkenntnis durch dein innewohnendes
Geistiges fähig werden kannst, die ihnen
allen für alle Zeiten verschlossen bleibt,
da sie zum Geiste niemals gelangen kön
nen, weil sie selbst nicht „Geist”
sind, und also des Geistes Dasein
ihrem Wissen, sei es noch so erhaben, sich
nicht offenbaren kann, so wenig, wie du einem
Tiere dieser Erde die Fülle deiner Gedanken
und Gefühle jemals offenbaren könntest. — —
.Lasse dich nicht täuschen und blicke nicht
zu allem, was über dir steht, hinauf!
.Es gibt nur Eines, das deiner Ehrfurcht,
deines sehnenden Aufblicks würdig ist,
und das ist über dieser ganzen physischen
Allnatur mit all ihren Heeren gewaltiger, aber
unseren Sinnen unwahrnehmbarer Kraftbe‐
herrscher und hoher Intelligenzen!
.Deiner Urheimat im Reiche des reinen
Geistes soll allein deine aufwärts
blickende Sehnsucht gehören, und du kannst
sie erreichen, wenn du in der Liebe lebst!
77 Das Mysterium von Golgatha
.Da gilt es nun vor allem, sich klar darüber
zu werden, daß es zwei ganz ver
schiedene Arten erdensinnlich uner‐
faßbarer Kräfte gibt, je nach dem Lebens‐
bereich des universalen Seins, dem sie an‐
gehören.
.Beide sind — jeweils in ihrer Region —
das einzig Wirkliche”, das aller
Erscheinung zugrunde liegt, und beide stehen
in ihrem Bereich um eine Stufe tiefer,
als das, was durch sie vermittelt wird.
.Wenn ich sage, daß diese Kräfte in ihrem
Bereich allen „Erscheinungswelten” (es gibt
deren physische wie geistige) zugrunde
liegen, so will ich das so verstanden wissen,
wie wenn ich sagen würde, daß jedem Ge‐
mälde, gleichgültig, was es darstellt, die
Farben zugrunde liegen, daß die Far
benmaterie an ihm „das einzig Wirk‐
liche” ist, obwohl das durch die Farbe Dar
gestellte von einer weit bedeuten
deren Wirklichkeit Kunde zu geben ver‐
mag, — die aber hier nur durch die
Farbenmaterie mir bewußt werden kann. —
.So wird uns das ganze physische Universum
nur bewußt, weil ihm, — hinter allen Formen
„einzig wirklich” — die okkulten Kräfte der
physischen Natur zugrunde liegen,
weil wir, als Teil dieser Natur, dem Kör
perlichen nach, selbst eine dieser
physischen okkulten Kräfte sind, und
in unserem anscheinend „grobstofflichen”
Körper das Instrument, der feineren,
fluidischen Körperkräfte besitzen, das
den meisten schon als die Seele gilt, das aber
auch die anderen Tiere dieser Erde mit uns
gemeinsam haben, wenn auch in sehr ver‐
schieden starker Ausprägung seiner Fähig‐
keiten. — —
.Wie nun aber das ganze physische
Universum sich nur darstellt als Wirkung
physischer okkulter Kräfte, so stellen
sich auch die geistigen Welten nur
dar als Wirkung real geistiger okkulter
Kräfte, und diese wieder sind — für sich
betrachtet — nichts anderes als: das Reich
der flutenden Seele, das zwischen phy
sischer Weltdarstellung und geistiger
Erscheinungswelt mitteninne liegt.
.Wie wir in der physischen Welt nur wahr‐
nehmen, nur „bewußt” sein können, weil
wir selbst eine ihrer physischen ok‐
kulten Kräfte sind und in unserem Körper
die feineren fluidischen Kräfte dieser Welt
tragen, so auch können wir Geistiges
nur wahrnehmen, — können wir im Gei
stigen nur bewußt werden, — weil wir
selbst auch gleichzeitig eine der gei
stigen okkulten Kräfte sind und in uns
einen geistig-okkulten oder Seelen
organismus tragen, ohne den die gei‐
stigen Welten, deren „Substanz” diese Seelen‐
kräfte sind, uns niemals wahrnehmbar sein
könnten, ohne den wir niemals im Geiste
bewußt zu werden vermöchten.
135 Das Mysterium von Golgatha
.Die Wesen, um die es sich hier handelt,
wirken, der kosmischen Ordnung
gemäß, als gestaltende Former
innerhalb der physischen Erscheinungswelt.
150 Das Mysterium von Golgatha
Dabei ist das, was diese Wesen durch ihr
Medium hervorbringen, niemals Origi
nal, denn sie sind wohl von Natur aus
Formen-Bildner, aber nicht Formen‐
Schöpfer, sind keines eigenen
Gedankens, keiner eigenen Formidee
fähig, und müssen sich ihr Material dort, wo
sie nicht, ihrer Ordnung nach,
kosmischen Impulsen dienen,
also wenn sie ein „Medium” zu beherrschen
suchen, aus den Vorstellungsbildern
zusammenklauben, die durch mensch
liche Gehirne zur Gestaltung kamen!
155 Das Mysterium von Golgatha
.Man wird ihn zu der Quelle des Le
bens führen, zu jenem „Urlicht”, das
sich selbst als „Urwort” erkennt und das
seine „Worte” als lebende Geistes
wesenheiten „spricht” von Ewigkeit zu
Ewigkeit.
Wie ein Dichter, aus Worten der mensch‐
lichen Sprache, Gesänge, Epen und Hymnen
formt, so formt sich das „Urwort” aus
seinen „Worten”, aus eigener Schöpfer‐
kraft, seinen ewigen Preisgesang
in Gestalt unermeßbarer Hierarchien
geistiger Wesenheiten, und jener
Hierarchien letzter Ausklang findet sich
in den Brüdern der „Weißen Loge”,
die seit Urzeittagen auf dieser Erde Licht
zu verbreiten sucht, und deren Glieder al
lein die Vollmacht des Geistes be‐
sitzen, aus innerstemWissen”, aus
tiefster Erfahrung heraus, vom
Geiste zu zeugen.
.So gehen vom „Worte”, das „Gott
ist, von der Selbstaussprache des
ewigenUrlichts”, alle Strahlen aus,
die je auf Erden Licht zu zünden suchten!
.Das erscheint nur denen unfaßbar oder
des Zweifels wert, die noch keine in
nere Einsicht in jenes über alle Dar‐
stellungskraft erhabene Sein besitzen, das
in höchster Formung seiner selbst sich
als „Gott” erkennt. —
172 Das Mysterium von Golgatha
Dreifach äußert sich dieses ewige Le
ben, das der Gottheit „Nahrung” bildet,
in seinen jeweiligen Darstellungsformen: —
als physische Allnatur, als Reich
der flutenden Seele und als das
Königreich des Geistes!
.Kein „Schöpfer” hat eines dieser Reiche
„geschaffen”!
.Alles ist nur Darstellungsform des
einen, ewigen Lebens, das über allen
diesen drei Darstellungsformen erhaben, sich
selbst in seinem höchsten Bewußtsein
kristallisiert als das „Urlicht”, als der
Inbegriff dessen, was der Mensch in Wahr‐
heit als Urquelle alles Lebens er‐
schauernd in sich zu empfinden vermag, —
als seinen lebendigenGott”.
Ursache seiner selbst in allen
seinen Darstellungsformen fin‐
det dieses ewige Leben doch nur sein höch‐
stes Sein erst über aller Darstellungsform
erfüllt, obwohl auch jede seiner Dar
stellungsformen jeweils seines We‐
sens ist, aber gleichsam nur als Ozean
der Erneuerung dient, aus dem es
sich selbst, aus sich selbst,
stets neu erzeugt, durch die eigene,
selbst gegebene Kraft. —
.Darüber ist gesagt: „Als Nahrung
hat Brahma diese Welt gebil
det” — nur darf man hier nicht, in exo‐
terischer Denkart befangen, an einen Bildner
und sein Gebilde denken, denn dieses Wort
der Veden sagt dem Wissenden er‐
heblich mehr, — es enthüllt ihm die ab‐
grundtiefe Wirklichkeit, enthüllt ihm
das inhaerente Gesetz der Selbst
erzeugungBrahmas”, das Wesen
des einen, absoluten Seins, das da
ewiges Leben ist aus sich selbst,
und das seiner höchsten, allumfassenden
Selbsterkenntnis als „Gottheit”,
in seinen Darstellungsformen zur
„Nahrung” dient...
Urewig schöpfungsträchtig wirken die inhae‐
renten Kräfte der Darstellungsform des ewigen
Lebens als physische Allnatur
formgestaltend und formzerstörend, um neue
Form zu gestalten.
.Welten entstehen und Welten zerstäuben
im All zu jeder Zeit, aber niemals hat es da
einen „Anfang” gegeben, der ein Anfang des
Alls gewesen wäre, niemals gibt es einen
„Untergang” dessen, das in sich selber Le
ben ist, das in sich selber als Leben schöp‐
ferisch sich auswirkt und aller Welten Wer‐
den und Vergehen in sich schließt für alle
Ewigkeit. —
.Wie es Kraftzentren gibt in dieser Dar‐
stellungsform des ewigen Lebens, die kein
Mikroskop und kein noch so verfeinertes In‐
strument der Forschung dem Menschen-Sinn
je erschließt, so gibt es hier auch unsichtbare
Träger höchster Intelligenz, deren
Fähigkeiten die Kraft des gewaltigsten mensch‐
lichen Denkens übersteigen, wie das Denken
eines Urwaldnegers von der Denkkraft
eines Philosophen vom Range Spinozas oder
Kants überstiegen wird.
.Gleichzeitig aber gibt es in dieser
selben Darstellungsform des Lebens auch un‐
sichtbare Wesen, denen kaum die „Intelli‐
genz” der Tiere innewohnt, die der Mensch
als Lasttiere braucht.
Alle diese unsichtbaren Wesenheiten sind je‐
doch keineswegs „geistiger” Natur, sind
auch in ihren höchsten Formen,
obwohl ihre individuelle Lebensdauer Jahr‐
tausende betragen kann, noch keineswegs „un‐
sterblich”. — —
.Für die höchsten dieser Wesenheiten,
— in vielen Kulten alter Zeit wurden sie
als „Götter” verehrt, — gibt es keiner
lei „Rätsel” der Natur.
.Alles, was die physische — sichtbare wie
unsichtbare — Darstellungsform des ewigen
Lebens ausmacht, ist ihnen, die durch
und durch Intellekt sind, bis ins klein‐
ste erschlossen.
.Aber alles, was über diese Darstellungs‐
form hinausreicht, — das ganze un‐
ermeßliche Reich der flutenden
Seele und das Reich des Geistes,
ist ihnen nur absolutes Nichts. — —
.Sie kennen keine „Gottheit” und sie ver‐
achten das ihnen bekannte, intellektuelle Stre‐
ben des Menschen, einen „Gott”, ein „Dasein
Gottes” beweisen zu wollen, da sie wis‐
sen, daß für den Intellekt tatsäch‐
lich kein „Gott” existiert...
.Ihrem Einfluß ist jede Überschätzung des
menschlichen Denkens, jede Hy‐
pertrophie des Intellekts in der Mensch‐
heit zuzuschreiben.
.In der physischen Darstellungsform
des ewigen Lebens erkennt sich das Leben
selbst nur als physische Allnatur,
ohne seiner höheren Darstellungsformen
als Seele und Geist in sich selbst be‐
wußt zu werden.
Scharf von der Darstellungsform als phy
sische Allnatur geschieden, durch un‐
überbrückbare Kluft der Empfindungsfähig‐
keit von ihr getrennt, und dennoch
diese erste Darstellungsform durchdrin
gend, offenbart sich das Reich der flu
tenden Seele mit seinen unendlichfäl‐
tigen Formen empfindender Kräfte und We‐
senheiten.
.Ihnen allen ist sowohl das Dasein der
physischen Allnatur wie das Dasein
des geistigen Reiches „bewußt”, im
Sinne einer Empfindung der Wir
kungen, die sie aus beiden Reichen
wahrzunehmen fähig sind.
.Von dem Reiche der flutenden
Seele wieder scharf getrennt, wie
auch von dem Reiche der physischen
Allnatur, obwohl beide Darstellungsfor‐
men des ewigen Lebens durchdringend,
ist das Reich des Geistes mit seinen
unermeßlichen Hierarchien selbstbewuß
ter, selbstempfindender, den
kender, fühlender und in di
rekterAnschauungerkennen
der, ewiger, der Vergänglich
keit ihrer Individualität entrückter,
reiner Geisteswesen, — der höch
sten Form des Vielheitsempfin
dens im ewigen Leben.
In unermeßlicher Stufenfolge erhebt sich
ein Kreis der Vollkommenheit über dem
anderen, bis, in menschlicher Weise ge‐
sprochen, die höchste Spitze dieses
Lichtkegels im Eigenbewußtsein des
ewigen Lebens in höchster Er‐
kenntnis seiner selbst, die sein gan
zes Sein umfaßt, erstrahlt, im „Ur
licht” bewußt geworden, des Urlichtes
Sein erlebt, und in ihm zum „Urworte
wird, zur Selbstaussprache des
absoluten Seins, die wieder Leben
wirkt in allen drei Darstellungs
formen, die dem ewigen Leben eignen.
.Hier sind wir an der Quelle des Le
bens angelangt, an jener Quelle, die ewig
aus sich selber strömt, und ewig in
sich zurückfluten läßt, was ihr
entquoll.
181 Das Mysterium von Golgatha
.In solcher stets wachsender Not, als die
Gefahr des Versinkens in grauenvollste Nacht
des seelischen Erlöschens allmählich aller
Menschheit drohte, erbarmten die geistigen
Hierarchien sich aufs neue der Gefallenen im
Erdentiere und erwirkten ihnen Hilfe aus
der Geisteswelt: — sandten der Leuchtenden
einen mit einer Sendung aus, die vordem
keiner noch erfüllen mochte und die auch
nach ihm keiner mehr erfüllen könnte.
In unerfaßbarer Liebe hatte er selbst in der
geistigen Welt sich zu solcher Sendung dar‐
geboten...
Damit er fähig werde ihr zu entsprechen,
hatte er seine Liebeskraft schon im gei
stigen Reiche zu höchster Vollendung em‐
porgeläutert, bevor er dem «Tiere» dieser
Erde sich vereinte...
Als der Größte aller Liebenden die je
die Erde trug, vollbrachte er in seinem Tode
was er zu vollbringen übernommen hatte.
In seiner Todesstunde auf Golgatha wurde
durch ihn der Erde unsichtbare Aura
derart verwandelt, daß allen nun, die
ehrlich suchen und in sich den Willen von
der Finsternis zum Lichte kehren, Erlö
sung werden muß, so sie mit aller Inbrunst
in sich selber darum bitten...
Es war nun leicht geworden durch ihn, was
vor seiner Liebestat auf Golgatha die Kraft
der Stärksten kaum erreichen konnte! — —
Noch blieb die Finsternis zwar an ihrem Ort,
allein sie hat nicht mehr die Kraft, den
Menschen der ihr wahrhaft widerstehen will,
wie ehedem zu binden.
Ihre stärkste Macht ward durch jene Tat
der Liebe eines Erdenmenschen für
immerdar gebrochen! — — —
26 Kultmagie und Mythos
erkannte, daß nur ein einziger „Hei‐
land” uns von Urzeit an geboren ist, den
nie die süße Moderluft des Traumes ahnen
läßt.
.Wohl kamen euch Stimmen Rufender
in eure Wüsten, wohl wurde der eine Hei
land der wachen Wirklichkeit zu allen
Zeiten von einer „Jungfrau”, ohne Zeu‐
gung, geboren, allein der tosende Ton des
Muschelhorns, das alle zu ihm rief, die
starker Künste Könner werden sollten,
war euch viel zu rauh und wild, und störte
eurer Träume Spiel.
.So habt ihr die Urweltklänge, die sein
Odem neu und wieder neu ertönen ließ,
zu einer sanften, süß-verführerischen
Schäfermelodie gewandelt, damit sie woh‐
lig euch in neue Träume wiege.
.Hinter Jedem, den ihr „Heiland” und
„Erlöser” nennt, stand einer, der es wirk
lich war, weil jeder, der von euch so Be‐
nannten in Wahrheit jenen einen, ewigen
Heiland in sich trug, und aus Schlaf und
Traum erwacht, „des Menschen Sohn” in
sich vollendet hatte! Doch eure phantasti‐
schen Bilder dieser Großen, die ihr nun
im Träumen ehrt und lobt, sind Werke
eurer Träume: — wesenlos und Schatten
gleich. —
27 Mehr Licht
.Du lästerst das ewige Sein, das einzig
Wirkliche, das sich in dir zu deinem le
bendigen Gotte formen will und dessen
Form du bist, indes du dich im Traume
für „Das Werk seiner Hände” nimmst!
31 Mehr Licht
.Ihr wißt nicht, daß der lebendige Geist,
soll er des Erdenmenschen „Gott” sein,
den Menschen, der aus ihm hervorgeht,
braucht, „nach seinem Bilde” sich zu for‐
men. Das ungeformte Meer des Geistes
wollt ihr fassen, und es entgleitet, indem
ihr es zu halten wähnt, euren Händen!
.Einst sagte euch einer: „Der Geist er‐
forscht alles, auch die Tiefen der Gott
heit! — ” Ihr aber erdreistet euch in euren
Träumen, auch den Geist zu erforschen, —
gebt ihm wünschenswerte Attribute, und
nennt ihn, eurer Weisheit froh, in aller
vermeintlichen Ehrfurcht ehrfurchtslos:
— euren „Gott”!
32 Mehr Licht
.Unnahbar wie der Blitz, der von Wolke
zu Wolke überspringt, blendend wie die
Sonne am Mittag und sogleich wieder in
Nacht gehüllt, ist jenes Wirkliche ewig
lebendig, und wirkend sich selbst in sei‐
ner gewaltigen Macht und Größe.
.Aber es ist unendlich ferne eurer Vor‐
stellung vom „Geiste”, — unendlich ferne
jeder Vorstellung von „Gott”, die hier auf
diesem Erdball „Religionen” schuf.
.Und doch: — wenn je ein „Gott” den
Gläubigen erhört, mag dieser Gläubige
nun: Brahma, Allah, „Vater”, „Herr” und
„Heiland”, Christus oder Buddha rufen,
so ist es einzig jene Wirklichkeit, die ihm
Erhörung schafft. —
.Nur wirklich Erwachten wird sie offen
bar.
.Nur denen, die den Schlaf und seine
Träume für immer verlassen haben, gibt
sie sich zu erkennen.
.Nur wer erwacht, mit wachen Sinnen
seinen Gott vernehmen kann, darf hoffen,
daß er in ihm selbst das Wort des Lebens
spreche.
.Solange du noch glaubst, in deinen Träu
men der Gottheit zu begegnen, mußt du
es dulden, daß dich deine selbstgeschaf‐
fenen Götzen äffen und du ihr Spielball
wirst.
Glaube nicht, diese Götzen seien macht
los, wie du selbst dir erscheinst! —
34 Mehr Licht
.Jeder Mensch jedoch ist eine völlig ein
zigartige Emanation des mit Individualisie‐
rungswillen „geladenen” ewigen Geistes,
männlicher oder weiblich-polarer Span‐
nung, — obgleich im Manne auch Weib‐
liches und im Weibe Männliches lebt, —
und ein Mensch, der hier auf Erden seinen
Lebensweg vollendet hat, kehrt unter nor‐
malen Umständen niemals als ein späterer
Mensch auf die Erde zurück.
124 Mehr Licht
.Es gibt wahrlich etwas, das nicht inner
halb der von uns als „gesetzmäßig be‐
dingt” erkannten Abläufe des Geschehens
liegt, — das gänzlich anderen Bedingun‐
gen gehorcht, als alles, was wir als phy‐
sische „Natur” erkennen!
154 Mehr Licht
Regionen des Geschehens, die völlig un‐
erkannt bleiben, solange man sie in kon‐
tinuierlichem Zusammenhang mit jenen
Möglichkeiten des Geschehens glaubt, die
uns als naturgesetzlich begründet er‐
scheinen. —
Zwei Worte stehen mir zur Bezeichnung
dieser höheren Regionen zur Wahl: „Seele
und „Geist”.
.In neuerer Zeit gibt es gar viele, die
dem Worte „Seele” höheren Rang an‐
weisen, aber ich glaube, daß schon die
Genesis dieses Wortes innerhalb der deut‐
schen Sprache mir ein Recht geben dürfte,
es als Bezeichnung jenes „flutenden” lich‐
ten Zwischenreiches zu wählen, das zwischen
dem, was man die physische „Na‐
tur” zu nennen pflegt, und dem urgrün‐
digen, wesenhaften Reiche höchster Kraft
und Weisheit, das ich das Reich des
Geistes nenne, mitteninne liegt.
.Das Reich der Seele gleicht einem „flu‐
tenden Meere” geheimnisvoller, vom Rei‐
che des Geistes überstrahlter Kräfte, die
alles übersteigen, was in der Region der
okkulten Kräfte der physischen „Natur”
zu finden ist, und die durchaus unab
hängig von jenen Gesetzen wirken, durch
die sich das Wirken der okkulten Kräfte
der physischen „Natur” bestimmt sieht.
.Auch in dieser Region der Seele ist der
Mensch, gleichwie in der physischen „Na‐
tur”, in seinem Eigentum. Auch hier ist
er selbst ein Teil des unermeßlichen Gan‐
zen, und seine Eigenseele ist ein Komplex
aus Myriaden dieser Kräfte des „Meeres”
der Seele.
.Hier hat er jedoch ein Recht, sich Kräfte
untertan zu machen! Hier ist es Gebot für
ihn, die Kräfte meistern, zu lernen! —
Zwischenliegend, zwischen den Kräften
der physischen „Natur” und denen des
reinen Geistes, ist das Reich der „Seele
beider Influenz erreichbar. Seine Kräfte
sind jedoch nicht etwa den Kräften der
physischen „Natur” unterworfen!
.Beruf des Menschen ist es, sich selbst,
soweit er Niederem zugehört, dem
heren in ihm zu Dienste zu geben. Nur
so kann er sich zu ewiger Gestaltung
schaffen, als individuelle Wesenheit.
.Darum muß er auch noch über das
Reich der Seele hinaus zu seinem Ursein,
im Geiste, das er einst verließ, zurück
gelangen.
.Hier erst ist er wirklich in seiner „Hei‐
mat”, und von hier aus erst vermag er es,
sich ewig zu erhalten.
158 Mehr Licht
.In fast allen Religionen ist die Vorstel‐
lung einer individualisierten Selbstdar
stellung des ewigen Urlichtes als Spur
einer tiefen Wirklichkeitserkenntnis zu
finden.
175 Mehr Licht
.Gnostischer Erkenntnis entstammt der
„Logos”-Begriff. Hier aber, in dem „Wort”,
das aus Gott ist, und Gott ist, steht nichts
anderes vor uns, als die Selbstaussprache
des ewigen, unfaßbaren Urlichts in einer
individualisierten geistigen Gestaltung,
und diese Erkenntnis geistiger Wirklich‐
keit gelangte in die Lehre des Christen
tums, wo sie völlig der durchaus anders
gearteten „Gottessohnschaft” des Meisters
von Nazareth vermischt wurde, so daß der
„Gesalbte”, der Christos der Evangelien,
nun schon seit fast zweitausend Jahren
als: „menschgewordener” Logos aufgefaßt
und angebetet wird.
Im Grunde zeigt aber die gnostisch-alexan‐
drinische Logos-Lehre nur in aller Klarheit
die Erkenntnis einer Wirklichkeit, die
allen — wie man zu sagen pflegt: „persön‐
lichen” Gottesvorstellungen ihre volle Be
rechtigung gibt, — — vorausgesetzt, daß
sie nicht in anthropomorphe Ungeistig
keit ausarten, die dann dazu führt, einen
„persönlichen Gott” über den Wolken zu
erträumen, der nichts weiter ist, als ein
mit göttlichen Machtvollkommenheiten
ausgestatteter „irdisch-allzuirdischer” Po‐
tentat.
177 Mehr Licht
.Erst nach vollendeter Rückkehr, verei
nigt mit demWortedasGottist,
schaut der Geistesmensch die Gottheit,
wie sie ewig ist und wirkt „von An
gesicht zu Angesicht”, aber nicht von
außen her, sondern in sich selbst.
.Erst dann „erkennt” er, wie auch er
„erkannt wird”!
Aber schon am ersten Anfang dieses un‐
ermeßlichen Weges kann sein „leben
diger Gott” sich in ihm gebären, in
menschlich empfindbarer Form.
.Der „lebendige Gott” des erwachenden
oder erwachten Menschen auf dieser Erde
ist gleichsam ein unfaßbares Fünklein
aus dem ewigen Strahlenlichte des „Wor‐
tes” das da „Gott” ist von Ewigkeit zu
Ewigkeit, und das selbst das Urlicht in
seiner Selbstaussprache als Urwort ist, —
so wie es „gleichzeitig” sich selbst als ewi
geGottheit” erfaßt.
.Um letzter Klarheit willen, sei hier der
Vergleich erlaubt mit einer der Kräfte
des physischen Universums, die der Mensch
sich dienstbar zu machen wußte:
.So wie elektrische Kraft ein haardünnes
Fädchen zum Glühen und Leuchten brin‐
gen kann, wie aber der Strom der glei
chen Kraft, der eine große Stadt versor‐
gen soll, in seiner ganzen Stärke ge
braucht, diesen Kohlenfaden im Augen
blick vernichten würde, so würde auch
das Fassungsvermögen des irdischen Men‐
schen im Augenblick vernichtet sein,
könnte es unbereitet dem Strahlenglanze
des ewigenWortes” und damit dem Ur
lichte selber nahen, — während erden‐
menschliche Fassungskraft es wohl vermag,
jene unendlich zarte Durchströmung zu
ertragen, die im Innersten des seelischen
Innern jenen „Abglanz des Vaters”: —
jenen leuchtenden Stern erzeugt, in dem
ihm allein sein „lebendiger Gott” auf die‐
ser Erde erfaßbar werden kann, will er
des Erdgeborenen Bewußtsein nicht zer‐
stören durch seines Glanzes Fülle.
.Beschreitet dann der endlich Erwachte
den einzigen Weg, der wirklich zurück in
die Urheimat des Geistesmenschen führt,
so leuchtet ihm dieser Stern voran und
wird mit jedem errungenen höheren Zu‐
stand lichter und strahlenreicher, bis er
zuletzt, im unnennbaren Glanze des ewi‐
gen „Wortes”: — im sich selbst gebärenden
ewigen Urlicht, — sich mit ihm selber für
alle Ewigkeiten eint.
Das ist, nach menschlichem Vermögen dar‐
gestellt, der Weg, der den Geistesmen‐
schen nach seinem Falle wieder aufwärts
führt!
192 Mehr Licht
Du siehst die Sternenheere der Nacht und
du kannst nicht fassen, was sie erhält, und
dennoch ist dieses ganze Weltenall mit
seinen zahllosen Sonnensystemen nur das
geringste Zeugnis einer Kraft und ihres
eingewobenen Willens, einer Kraft, der
auch du dein Dasein dankst, und deren
höhere Offenbarung dir, bis in ihr ureigen‐
stes Wesen, werden kann, wenn du den
Weg, den Liebe und Erbarmen offenhal‐
ten beschreiten magst!
.Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr
gehört, was Gott denen bereitet hat, die
ihn lieben!” Nichts physisch Irdisches
kann das Ewige erfassen!
.Möchten dich meine Worte alles Gött
liche lieben lehren!
.Erst wenn du Göttliches, soweit du in
der Betrachtung das vermagst, erkennst,
wirst du es lieben! Sonst liebst du nur
einen Fetisch, den du dir selbst geschaffen
hast in deiner Vorstellung.
.Erst wenn du die aufwärts ziehende
Kraft des Göttlichen meditierend in dir
empfindest, wirst du auch die ewige Liebe
in dir erkennen, durch die du alles, was
zu deiner geistigen Rettung dient, voll‐
bringen kannst!
.Dann erst wirst du jene unvergleich‐
liche Kraft, die alle Kräfte meistert, auch
selbst gebrauchen lernen: — die Liebe,
losgelöst von jedem Gegenstand der Liebe!
.Diese göttlich lebendige, schwingende
Urkraft aus der geistigen „Welt”, durch
die allein das Leben des Menschen auf
dieser Erde erlöst werden kann aus aller
Gebundenheit!
.Diese höchste Kraft, durch die du aus
der Haftung dich befreien kannst, in der
dich die unsichtbaren Gewalten der phy‐
sischen Allnatur in der du lebst, gefangen
halten, — sie, die tief unter dir stehen,
und dennoch derzeit mächtiger sind als
du, bevor dich die Liebe an sich zum un‐
besiegbaren Herrn deines Lebens macht!
.Dann wirst du verstehen lernen, was
das Wort besagen will:
.Gott ist die Liebe, und wer in der
Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott
in ihm!”
197 Mehr Licht
Diese
Zurückweisung aber ist unumgänglich nö‐
tig, damit das große Lassenkönnen mög‐
lich werde, das, — als Vorausbedingung,
— erreicht sein muß, sollen alle unsere
Empfindungskräfte zu willigen Dienern
unseres inneren Gottes werden, aus dem
wir leben und sind, — soll der ewige
Mensch im Erdmenschen aus seinem Grabe
erstehen, aus dem Geiste neu geboren: —
Bild und Gleichnis seinesVaters” der
in ihm in seinem „Himmel” ist.
280 Mehr Licht
.Hier erkennt sich nur, was gleicher
Artung ist, und selbst ganz gottgeeinte
menschliche Geisteswesen können in gei‐
tigen Welten nur empor bis zu jenen Stu‐
fen dringen, die ihrer eigenen Geistigkeit
entsprechen.
.Wo es notwendig ist, steigen Wesen‐
heiten von höherer geistiger Stufe herab,
um belehrend Kunde zu bringen von dem,
was ihnen erschlossen ist, wie das bei der
Schaffung des irdischen Geeinten eines im
Urlichte Leuchtenden unvermeidbar wird,
— denn höhere Geistigkeit kann wohl die
Sphäre niederer Stufen zeitweilig ent‐
sagend betreten, während die Geistigen
auf solcher niederen Stufe sich selbst zer
stören würden, falls dies möglich wäre,
wollten sie versuchen, in Sphären des Gei‐
stes vorzudringen, zu deren Betreten sie
noch nicht bereitet sind. (Die niederen
mentalen Einflüsse die jeder Erdenmensch
erfahren kann, stammen nicht aus gei
stigen, sondern aus den Regionen der un‐
sichtbaren physischen Welt!) Es herrschen
allerwärts strengste geistige Gesetze, de‐
nen sich willig beugt, was wahrhaft des
ewigen Geistes ist.
290 Mehr Licht
Hier in diesem Erdenleben ist es dem Men‐
schen möglich, zu „wirken”. — Nach dem
Verlassen der physischen Welt aber findet
er sich in dem Zustand, den er sich selber
schuf, und muß passiv verharren, bis sich
ohne sein Zutun, vielleicht in kürzerer
Zeit, vielleicht auch erst nach Jahrtausen‐
den, — in irdischer Weise zu sprechen, —
sein Seelisches derart geläutert hat, daß
es substantiell gottgeeinten Geisteswesen‐
heiten gelingt, in ihm das Bewußtsein
vom wesenhaften Innewohnen seines gött‐
lichen Wesenskernes, seines lebendigen
Gottes, zu erwecken. Erst dann kann in
ihm die Willensumkehr erfolgen, durch
die er alle Kräfte seinem „lebendigen
Gott” zum Dienste überläßt, wodurch
dann erst die Vereinung seines Bewußt‐
seins mit dem ewigen Bewußtsein des
göttlichen Geistes in ihm herbeizuführen
ist, die auch kein „Gnadenakt” der Gott‐
heit jemals anders herbeizuführen vermag!
.Dann aber ist sein erdenmenschliches
Bewußtsein ihm längst entschwunden, wie
ein Traum, der sich selbst entschwand.
.Er ist zwar „gerettet”, aber sein Leben
auf dieser Erde mit all seinem Trachten,
seinem Glück und seiner Mühsal ist auf
ewig ihm unerinnerbar geworden, er hat
den Preis des Siegers, die Erweiterung
des Bewußtseins Dessen, der die äußer
sten Reiche göttlicher Selbstoffenbarung
durchlaufen hat, für sich nicht erlangt!
.Zwar wird auch er, — dann dem gött‐
lichen Geiste Darstellungsform geworden
und mit seinem ihm gleichgearteten männ‐
lichen oder weiblichen geistigen Gegen‐
pol vereint, — in der Fülle unendlichen
Glückes das Leben des reinen Geistes le‐
ben, doch ungleich höher ist die Art der
Selbstempfindung jener ewig Geistigen,
die in all ihrem unendlichen Glück auch
des Bewußtseins der tiefsten Tiefe noch
fähig bleiben, in die sie, dem Erdenmen‐
schentiere einst verbunden, hinabgetaucht
waren.
.Wie der Mensch der Ebene, in seiner
ganzen Seele erschüttert und beglückt vor
den Wundern der Bergwelt, steht, von dem
Gebirgsbewohner zuweilen kaum in seiner
Andacht verstanden, so ermißt erst der
Geist, der auch aller Tiefen noch bewußt
sich erinnern kann, die ganze Höhe seines
Glückes, und je höher die Stufen werden,
die er, wenn auch erst in Äonen, erreichen
soll, desto weniger möchte er die Er
innerungsmöglichkeit an seine tiefste
Stufe missen.
Da Geistiges niemals in seinem Wesen
veränderlich ist, so handelt es sich bei dem
Aufstieg der Seele auch niemals um eine
Veränderung ihres göttlich-geistigen, ewig
sie zeugenden Wesenskernes.
.Der „lebendige Gott” in des Menschen
innerstem Innen, dem er hier schon auf
dieser Erde sich im Bewußtsein zu einen
vermag, ist der Gleiche, auf jeder geistigen
Stufe, die je erreicht wird, durch alle
Ewigkeit hindurch.
.Nur der Zustand der Seele, der Zustand
menschlich-seelischen Bewußtseins erwei‐
tert sich, um stets höhere geistige Bewußt‐
heit zu erlangen, um stets weitere Un‐
ermeßlichkeiten geistigen Seins empfinden
zu können.
.Würde es sich nur darum handeln, ir
gendein Individualbewußtsein seelischer
Art um den geistigen, zeugenden Wesens‐
kern herum zu bilden, dann wäre jedes
Trachten nach der Einung des Bewußt‐
seins mit dem Geiste, hier während dieses
irdischen Lebens, völlig überflüssig, denn
die Einung kann, mit Ausnahme der Fälle
gänzlicher Bewußtseinsauflösung, nach
ewigen, dem göttlichen Leben inhärenten
Gesetzen noch erfolgen, auch wenn sie
erst in Äonen erfolgt.
.Der Weckruf aller wirklichen Geistes‐
lehrer der Menschheit erging zu allen Zei‐
ten deshalb, weil es das höchste Glück der
Seele in aller Ewigkeit ausmacht, ihr ir
disches Bewußtsein und damit die Fähig
keit des Erinnerns in sich zu erhalten,
und weil unsägliches Leid der Seele, das
zur Auslösung kommen kann, nachdem
sie den Erdenkörper verlassen hat, durch
ihre Geisteseinung während des irdischen
Lebens vermeidbar wird.
.Die Menschheit zu jeder Zeit durch ihre
berufenen Sprecher auf diese Bahn ver
mehrten Glückes hinzuleiten, ist Aufgabe
Derer, aus deren Mitte heraus ich diese
Lehren künde und jedes Wort dieses Bu‐
ches soll seine Leser nichts anderes lehren,
als diese Art des „rechten Gottesdienstes”.
Möge keiner, der diese Worte liest, aus
diesem Leben irdischer Mühsal scheiden,
bevor sein Bewußtsein geeinigt wurde
seinemlebendigen Gott”!
.Möge keiner in jene „Nacht” der Un
möglichkeit eigenen Wirkens gelangen,
aus der es kein Entrinnen gibt, ehe die
Schuld des Harrenden „bis auf den letzten
Heller” beglichen ist!
.Noch ist es „Tag” und hilfreiche Hände
sind am Werke, Allen geistige Hilfe zu‐
zuleiten, die danach verlangen. — Es be‐
darf keiner Sonderschulung, diese Hilfe
herbeizuziehen, und keiner persönlichen
Einzel-Belehrung, sie sich zu eigen zu
machen.
.Wer Ohren hat zu hören, der höre!”
298 Mehr Licht
Kein anderer kann sich in aller Ewigkeit
in deiner Geistesform vollenden!
Du findest in den niederen Bereichen phy‐
sisch-sinnlicher Natur zwar Individuen der
gleichen Gattung oft in solcher Ähnlichkeit,
daß aller Unterschied zu schwinden scheint;
aber schon hier wird die Betrachtung höhe
rer Arten dich alsbald belehren, daß jede
höhere Stufe auch in ihren individuellen
Darstellungen eine Mannigfaltigkeit er‐
zeugt, die selbst das ungeübte Auge nicht
mehr übersehen kann.
So gibt es auch im Geistigen gleichsam Ver
schiedenheit der Artung. —
Es gibt hier gleichsam «niedere» Arten, die
von ungefähr gesehen sich in ihren Individuen
zu gleichen scheinen, und es gibt höhere
und höchste Arten, deren Individuen stets
mehr und mehr sich voneinander unter
schieden zeigen. — —
Zu welcher dieser Arten du aber auch gehören
magst, so wisse: daß du von Ewigkeit her un‐
abänderlich in dir bestimmt und indivi
duell gesondert bist von allen anderen,
die etwa gleicher Artung angehören!
Dir ist — im allgemeinen Sinn gesprochen —
gewiß das gleiche hohe Ziel gesteckt, das
allen leuchtet, die im Schoß der Ewigkeit
aus Geist geboren werden, und dennoch ist
die Form, in der dir dieses hohe Ziel er‐
reichbar wird, von jeder Form verschieden,
in der es andere erreichen können! —
Von Ewigkeit her trägst du in dir selbst die
einmal nur aus Geist erzeugte Form, die
da die deine ist, und die nur DU allein in
aller Ewigkeit erreichen kannst, auch wenn
sie in Äonen erst für dich erreichbar würde.
— — — — —
59 Das hohe Ziel
Die Himmel fassen nicht, was Liebes
feuerkräfte in den Herzen Erdgeborener
zu wirken wissen, und in allen Abgrunds‐
tiefen ist nicht zu ergründen wo die Weihe
ankert, die da aus Menschentieren gött‐
lich überformte Geistesmenschen schafft!
— — —
Sonnen vergehen in kosmischen Gezeiten
und reißen Welten in den Abgrund unerfaß‐
lichen Vergehens mit hinab; jedoch des
Menschen Macht bleibt ihm für alle
Ewigkeit gegeben, mag auch der Boden, da
er zeitlich seine Hütte baute, unter seinen
Füßen wanken und zerbersten! —
Er, der aus hohem Leuchten fiel dereinst,
trägt dennoch Macht in sich, hoch über alle
Sterne sich empor zu heben!
.Du fragst, was solche hohe Macht dem
einst Gefallenen verleiht?!
Du fragst, was über alle unsichtbaren Fürsten
kosmischer Gestaltung ihn erhebt?!
Wisse: der Sprache Wort ist nicht vermö‐
gend, letzte Antwort hier zu formen und
tiefstem Ahnen nur bleibt vorbehalten hier
zu fühlen, was erfühlbar, aber kaum erfaß‐
bar ist! — —
Wie könnte jemals eines Menschen Zunge
künden, was über allem menschlichen Er‐
denken bleibt?
Selbst jenen hohen Sterngewaltigen, die
ihrem Wesen nach nur reinstes «Denken»
sind, — nur über alles erdenhafte Denken
hoch erhaben, — jenen unsichtbaren «Göt‐
tern» dieser Sichtbarkeit, — bleibt ewiglich
verhüllt, was nur des Menschen Seelen
Innerstes im tiefsten Schauen in sich selbst
erleben kann. — —
Höher als dieser Sternengötter höchste All‐
gewalt in kosmischem Geschehen, erhebt sich
Menschenmacht, die in der Liebe grün‐
det!
.Es ward gesagt:
«Gott ist die Liebe, und wer in der
Liebe bleibet, der bleibet in Gott
und Gott in ihm
Doch euch ward die «Liebe» allzunah der
Lust verwandt; ward euch zu holdem Füh‐
len lustgeschwängerter Gefühle; und statt
in «Gott» zu leben, habt ihr selbst den
Götzen aufgerichtet, vor dem ihr kniet
und der euch wahrlich nicht zu helfen weiß,
so daß die Klugen, denen solches Blendwerk
nicht verborgen blieb, sich von ihm wandten
und für euch nun «Gottesleugner» heißen,
da sie eures Götzen «Gottheit» kühn in
Frage stellen und verneinen!...
88 Das hohe Ziel
Zwar werden nach Äonen alle einst zur
«Seligkeit» gelangen; doch jene «Seligkeit»,
die allen so erreichbar wird, ist keineswegs
dem hohen Ziele je vergleichbar, das du
erreichen kannst, wenn du in deiner erdge‐
bundenen Erscheinungsform schon dich em‐
porzuringen trachtest und aus den Banden
der Gewaltigen des Kosmos dich zu lösen
weißt, die dich umschlungen halten können
durch Jahrtausende und durch Äonen!
Davon aber ist gesagt, daß keiner Befreiung
finden kann, «bis er den letzten Heller
bezahlt»! — — —
Heute jedoch hast du noch die Möglichkeit,
solcher Fessel zu entrinnen!
Heute noch kannst du wahrlich deines
Schicksals Meister werden, und solche deiner
Erdenbrüder, die es längst geworden sind,
kennen kein höheres Glück, als daß sie dir
helfen dürfen...
95 Das hohe Ziel
Kein einziger aus uns, so hoch ihn auch der
Geist erhoben haben mag, wird je dem Irr
sinn huldigen, er — der Sprecher — sei das
«Urwort» selbst, das aus ihm spricht, —
und also dünkt es uns: es sei verbrecherische
Schmähung, von jenem Größten aller
Liebenden zu glauben, daß er in solchem Irr‐
sinn sich gefallen habe...
Wir wollen ihn euch zeigen, so, wie er wirk‐
lich war, als er, gleich uns, der Erde Mühsal
trug, — so, wie er heute noch, — der geist‐
geeinte Bruder seiner Brüder, — in Geist‐
gestaltung uns erkennbar und vereinigt, sich
uns Tag für Tag bezeugt!
102 Das hohe Ziel
Das ewige reine Sein, dem allein in Wirk
lichkeit der Name «Gott» gebührt, ist in
sich selber eins und unteilbar, auch wenn
es sich selber darstellt in Unendlich
fältigkeit.
Wie könnte es jemals sich selbst in irgend
einer seiner Darstellungsformen negieren!? —
Nichts ist im Kosmos, das nicht letzten En
des eine der Darstellungsformen wäre des
ewigen Seins, das in sich selber liebend ver‐
harrt, indessen die Darstellungskräfte es, ewig
bewegt, gleichsam umkreisen.
Sich selbst ist dieses ewige Sein «Gesetz»
und «Norm», und alle die wahrlich unendlich
fältigen Kräfte, die seiner Darstellung die
nen, sind trotz aller Ausstossung als Gegen
Gesetztes dennoch ewig nur in seinem Sein
gegeben, könnten niemals ein Dagegen-Sein:
das «Dasein» wirken, ohne dieses ewige
Sein...
So ist denn jegliche Kraft nur gesetzt im
innewohnenden «Gesetz» des ewigen Seins und
trägt die Möglichkeiten ihres Wirkens un
veränderbar in sich, auch wenn in mensch‐
lich unermessbar langen Zeiten jene Kombi
nationen dieser Kräftewirkungen, die wir er‐
kannt zu haben glauben als «Naturgesetze»
manchem Wechsel unterworfen sind, den nur
der Mensch nicht wahrnimmt, da die
menschliche Beobachtung auf dieser Erde sol‐
che Zeiträume nicht umfasst.
Solange aber eine Kombination von Kräfte‐
wirkungen, — von uns «Naturgesetz» genannt,
— nicht wieder aufgelöst ist, kann das ewige
Sein sie niemals negieren, da ja auch sie in
ihm allein gesetzt ist, und es sich selber nicht
negieren kann. —
Hier sind die Grenzen der vermeinten
göttlichen «Allmacht»: — ewig unüber
schreitbar auch dem ewigen Sein!
Das heisst: — in der Weise schlichtesten Gottes‐
glaubens gesprochen — Gott würde gegen sich
selber wüten, wollte oder könnte göttlicher
Wille sich der Wirkungsart irdischer Kräfte
entgegenstemmen, da Norm und Gesetz
dieser Kräfte ja aus dem gleichen göttlichen
Willen ihre Bestimmung haben. —
Vollkommenheit ist an dieser Stelle nicht
durch göttlichen Willen gewollt: — kann
nicht gewollt werden, denn Vollkommenheit ist
nur möglich im reinen, absoluten Sein, nicht
aber in dem Dagegen-Gesetzten, das wir «Da
sein» nennen.
Die Einzigartigkeit des absoluten Seins
schliesst notwendig aus, dass Vollkommenheit
im Dasein gestaltbar wäre.
Alles «Dasein» ist ja nur «Reflex» eines be‐
stimmten Aspektes im reinen, absoluten Sein,
und so wie die Erdensonne gleichsam «voll‐
kommen» genannt werden könnte gegenüber
ihrem Spiegelbilde auf ruhiger Wasserfläche, so
ist nur das ewige Urbild jeglicher Darstellungs‐
kraft, die am «Dasein» wirkt, im ewigen Sein
vollkommen, — nicht aber der dargestellte Ge
gensatz, der in der Erscheinung fassbar
wird. —
Vom Göttlichen, Geistigen her kann die Er‐
scheinungswelt nur insofern beeinflusst wer‐
den, als göttlich-geistiger Wille auf sie einwir‐
ken kann, ohne sich selbst zum Widerspruch
zu werden.
Es wäre nicht die leiseste göttliche Ein‐
wirkung möglich auf diese Erscheinungswelt,
wären die Ketten kausalen Geschehens wirklich
so straff gespannt, wie menschliches Den‐
ken es wahrhaben möchte...
Gleichwie aber die Wirkung jener Kräfte-Kom‐
binationen, die der Mensch als «Naturgesetz»
fasst, keineswegs etwas Unveränderbares
darstellt, so ist auch die Richtung, in der sich
die einzelnen Kettenglieder des kausalen Ge‐
schehens aneinanderreihen, immer noch durch
den geistigen Willen relativ bestimmbar,
aber alle Macht des geistig-göttlichen Wil‐
lens ist auch nur in dieser durchaus rela
tiven Bestimmbarkeit kausalen Geschehens be‐
schlossen und kann die Grenzen nicht über‐
schreiten, die der gleiche Wille in sich sel
ber findet: — durch sich selbst gesetzt von
Ewigkeit zu Ewigkeit...
In aller gläubigen Einfalt gesprochen, könnte
man sagen: — Gott vermag es zwar, bis zu
einem gewissen Grade auf die irdischen
Begebnisse einzuwirken, doch bleibt sein Wille
hier stets durch innewohnendes, eigenes
Gesetz bestimmt, so dass alle Einwirkung
nur durch die Benützung der aus gleichem
Willen bestimmten Wirkungsart irdischer
Erscheinungs-Funktionen erfolgen kann. —
Der Mensch darf jederzeit sicher sein, dass
Gott jedes Unheil auf dieser Erde verhüten
wird, das Er hier verhüten kann, so dass
also alles Hadern mit Gott, weil Unheil nicht
durch Ihn verhütet wurde, nur aus der törichten
Annahme materieller göttlicher «All-Macht»
— im Sinne steter Abänderungsmöglich
keit des Geschehensverlaufes — seine schein‐
bare «Berechtigung» herzuleiten vermag und
darum Lästerung aus «Nichtwissen» dar‐
stellt. —
Was aber weiter zu wissen nottut, ist die un
umstössliche Tatsache, dass alle Möglich
keit der Richtungsablenkung irdischen kau‐
salen Geschehens von Gott aus durch den
Menschengeist allein gegeben ist: — dass
also jegliche Einwirkung Gottes auf irdisches
Dasein des Menschen bedarf, und des Men‐
schen Bereitschaft, solcher Möglichkeit die
Bahn frei zu machen, geschehe das nun in
bewusster menschlicher Willenseinstellung
oder durch passive Hingabe im Gebet. — —
Alle Kreatur wartet auf die Erlösung
durch die Kinder Gottes!
Aber auch solches wissend, soll der Mensch
nicht Unmögliches erwarten und stets dessen
eingedenk bleiben, dass die wirkliche «All‐
macht» Gottes von Ewigkeit her durch den
Willen zur Selbstdarstellung bestimmt ist,
nicht aber gegen diese Selbstbestimmtheit wir‐
ken kann, da dies, wenn es möglich wäre,
Selbstvernichtung bedeuten würde. — —
So ist denn wahrlich «Allmacht» im göttlichen
ewigen Sein, insofern, als alles «Dasein»
die Macht dieses absoluten Seins bezeugt,
aber nicht in jenem abstrusen Sinne, als könnte
das Göttliche jemals das durch eigenes Sein
bestimmte «Dasein» des aus ihm heraus und
sich entgegen-Gesetzten anders bestimmen,
als es von Ewigkeit her aus ihm bestimmt ist,
infolge innewohnender Notwendigkeit. — —
Bis in graueste Vorzeit erstreckt sich mensch‐
liches Mühen, die Gemüter in irrtumsbeladener
Vorstellung einer unmöglichen «Göttlichen
Allmacht» hypnotisch gebannt zu erhalten...
Wahrlich: es ist an der Zeit, dass dieser Bann
gebrochen werde, damit der Mensch nicht
allen Glauben an Gott verliere! —
Die Grenzen der Allmacht erkennen, heisst erst
wirklich das All verstehen, als Offenbarung
aller ewigen Macht! — — —
100 Auferstehung
Dieses Tier aber wurde, — im Gegensatz zu
anderen Tieren, — zum Manifestationsob
jekt einer geistigen Potenz, so dass im Laufe
der Jahrtausende auch die Psyche dieses Tie‐
res durch Influenzwirkung erweitert und er
höht wurde.
Trotzdem aber blieb die tierische Art er‐
halten und könnte, auch wenn sie in ihrer
Einzelform ewig währen würde, in aller Ewig‐
keit niemals «vergeistigt», — das heisst also:
in Geistiges umgewandelt werden.
Ebenso kann auch die geistige Potenz, die
sich in dieser Tierform manifestieren will, in
Ewigkeit nicht zur Vertierung gelangen.
Hingegen ist diese geistige Potenz an einen
Organismus gebunden, — einen Organismus
subtilster, unsichtbarer Art, — der, wenn
auch nicht «ausser»- oder «über»-kosmisch,
so doch wahrhaftig «über-irdisch» zu nennen
ist, da er aus einer Substanz besteht, die wohl
die Erde durchdringt, keineswegs aber zu
den integrierenden Substanzen des Planeten
«Erde» gehört.
Es handelt sich hier um den kosmisch-gei
stigen «Menschen» in seiner erdnächsten
Form, durch dessen Einwirkung erst aus
dem Erdentier, in dem er sich manifestiert, der
Erden-Mensch wird.
Nun ist zwar der kosmische Geistesmensch
erdnächster Form aufs engste mit seinem Mani‐
festationsobjekt: dem Erdenmenschtiere, ver
bunden, solange dieses Tieres Erscheinung
auf Erden währt, — allein, diese Verbindung
kann für den Geistmenschen ebenso Ursache
der Freude wie furchtbarster Höllenqual
sein, denn sein Drang, sich zu manifestieren,
kann ebenso durch das Erdentier gefördert,
wie behindert, ja völlig eliminiert werden.
Der gegebenen Norm nach ist der Erdenmensch
nur im Bewusstsein der durch Influenz des
Geistmenschen mehr oder weniger gehobenen
Tierheit.
Das gilt für Gelehrte und Ungelehrte
für Junge und Alte, für Mächtige wie
für Bettler!
Es ist jedoch möglich, die Norm zu durch
brechen, so dass der Erdenmensch alsdann
nicht mehr nur im Bewusstsein der Tierheit,
— sei diese auch noch so hoch differenziert,
— sondern zugleich im lichtdurchfluteten Be‐
wusstsein des Geistesmenschen steht.
Das aber lässt sich nur erreichen nach Erfül‐
lung jener Vorbedingung, die von den Er‐
leuchteten aller Zeiten «Selbstüberwindung»
genannt wird!
141 Auferstehung
.Wir müssen noch weitaus höher entschweben durch alle Sternen‐
räume!
.Über die fernsten Sonnen müssen wir hoch empor, damit wir in jene
Sphären gelangen, in denen dein inneres Auge dir erwachen soll aus
tausendjährigem Schlaf! — —
*
.Schon sind auch die Weltenkreise, die man auf Erden nur als lichte
Nebel am samtenen Himmel klarer Nächte sieht, tief unter uns, und noch
immer hat unser Höhenflug kein Ende gefunden...
.Wir gewahren uns nun in einem unermeßlichen Raum, und du
siehst staunend die gleichen lichten Sternen-Nebel, die tief unter uns
blieben, auch ferne über dir und nach allen Seiten hin uns jetzt um‐
schließen!
.Wir sind wie im Innern einer unfaßbar gewaltigen Kugel, deren äußere
Umgrenzung durch Myriaden von Weltsystemen gebildet wird...
.Inmitten dieses unermeßlichen Raumes aber gewahrst du nun ein neues
Licht, heller als der leuchtendste Blitz, strahlender als das hellste Sonnen‐
leuchten auf tropischen Meeren...
.— Ich höre deinen ersten Freudenruf?
.Ja, es ist keine Täuschung: — dein inneres Auge hat sich aufgetan! — — —
*
.Fester faßt du meine Hand?
.Du fühlst wohl schon, daß alles bisher Bekannte dich nun verlassen hat
und daß du in diesem Lichte hier erst sehen lernen mußt?!
.Wie jenes Leuchten, das die lange Nacht an den Eispolen des Erd‐
balls erhellt, so lebt auch dieses unendliche Lichtmeer, in dem wir jetzt
schweben, in aber tausend lodernden Strahlen und in wundersamer
Farbenpracht.
.Noch kann dein Auge nichts Formgewordenes in diesem lebenden
Lichte erkennen.
.Dazu bedarf es noch der Zeit und immer höheren Fluges! — —
*
.— Gewahrst du bereits die ersten schrillweißen Strahlenfunken, die uns
auf unserem Wege entgegenblitzen? —
.Wende deine Blicke aufwärts, ihrem Ausgangspunkte zu!
.Erschreckt bebst du zurück?!
.Du fühlst, daß wir längst nicht mehr emporsteigen aus eigener Kraft,
sondern daß jene unbeschreiblich strahlende URSONNE, die du jetzt im
Innersten des kugelförmigen Raumes erblicktest, mit magnetischer Gewalt
uns erfaßte, um uns in ihres Feuerlichtes Mitte einzusaugen!
.Du kannst nicht mehr Widerstand leisten, und während du noch voll
innerem Beben einzuhalten glaubst, bist du mit mir ihren äußern Licht‐
und Flammenhüllen schon immer näher gekommen...
*
.— Ich begreife deine Furcht, auch wenn ich sie längst nicht mehr teile.
.Auch ich habe einst dieses Erschauern durchlebt, als ein Anderer an
meiner Seite mich zum erstenmal in diese Region entführte.
.Aber ich sagte dir nur letzte Wahrheit, als ich dir versprach, dich in
deine Heimat zu führen, obwohl dein ganzes Sein jetzt in Furcht vor
Vernichtung erbebt. — —
*
.— Hörst du die dröhnenden Donner, die uns jetzt entgegenschallen, so
laß dich auch dadurch nicht ängsten!
.Auch durch diesen «Kreis der Schrecken» wird uns die Kraft dieser
Ursonne schneller emporziehen, als du vermuten magst.
.Bleibe nur deiner selbst gewiß und deines Willens, in deine Heimat zu
gelangen.
.Gib alles Fürchten und Vermuten auf, und selbst die Sorge um dein
Sein! —
.Sein oder Nichtsein muß dir gleichen Wertes dünken, wenn ich dich
nicht vergeblich auf diesem Höhenflug begleitet haben soll! — —
.Alles, was du selbst dir warst, was du selbst aus dir machtest, mußt du
opfern wollen.
.Du wirst gewißlich in diesem Urfeuer nun verwandelt werden, du
magst wollen oder nicht wollen, aber hier wird es sich nun erweisen, wer
du bist! — — —
.Du wirst hier verbrennen, um als leuchtender Stern zurückgesandt zu
werden in die Finsternis, damit sie von deinen Strahlen ewiges Licht
empfange, oder aber: — dein schwankender Wille wird dir zum Verderben
und bringt dir Aeonen erneuter Qual...
.Niemals hätte ich dich aus deinem Kerker geholt und zu diesem Fluge
überredet, wenn du nicht selbst mich vorher tausendmal «gerufen» hättest,
in den einsamen Nächten deiner Erdengefangenschaft. — —
.Nun ist dir kein Rückweg mehr möglich! — —
.Nun muß es sich zeigen, ob du schon zum «Rufen» berechtigt warst!
.Nur wer zu früh nach Erlösung schrie, kann hier seinen Untergang finden
und das Wissen um sich selbst für Aeonen in diesen Urfeuern verlieren. —
.Auch er wird einst wieder als «Funke» in den ewigen «Raum» gesandt,
aber er war noch nicht reif geworden, heute schon ein Stern zu sein und
die Urfeuer dieser Sonne, die seine Heimat ist, konnten ihn nicht zu
seinem höchsten Sein aufs neue gebären. — —
*
.Doch löse jetzt die Furcht von deinen Schultern!
.Furcht hat noch niemals ein großes Ziel erreicht! — —
.Solange die Furcht dich bedrückt, wirst du an diesem Ur-Ort nicht
deine Stätte finden, denn du willst noch nicht dich selbst zum Opfer
bringen, um dich selbst zu finden! —
.Kennst du die Worte des Meisters nicht, daß deine Seele dir verloren
sein wird, wenn du sie erhalten willst, daß du dich nur gewinnen kannst,
wenn du die Fesseln lösest, die an dich selbst dich binden? — —
22 Welten
.Im gleichen Urfeuer sind wir nun bewußt vereinigt durch alle Ewig‐
keiten!
.Und nun weißt du auch, daß jeder, der hier «Meister» ist, eines
Vollendeteren «Schüler» sein muß, und daß die Stufenleiter dieser
Hierarchie kein Ende haben kann, weil Absolutes in sich selbst kein
Ende kennt und jeder «höchsten» Stufe eine höhere erscheint, in die
sie wieder selbst sich wandelt, wenn sie ihr Höchstes in sich selbst ver‐
wirklicht hat. — — —
.Wir sind beide noch die untersten Stufensprossen dieser Himmels‐
leiter!
.Mir ward, wie du weißt, das bindende Gelöbnis einst auferlegt, den
Stromkreis des ewigen Geistes, aus dem der Erdenmensch lebt, nicht eher
zu verlassen, als bis auch der letzte meiner Menschenbrüder einging
ins Licht wie du: bis er der Stufenleiter ewig leuchtender Sterne ver‐
einigt ist. —
27 Welten
.— Erstaunend siehst du nun, daß hier, wo dir vordem nur lodernde
Strahlenmeere in allen Farben erschienen waren, eine neue Welt ur‐
sprünglicher Formen dich umgibt. —
.Jetzt siehst du alles erfüllt hier mit formenden Kräften, die selbst ge‐
formt sein müssen, damit sie weiterschaffend Formen bilden können. — — —
Noch ist dir das alles ein Chaos, und du weißt nicht, wie du es deuten
sollst!
.Bald aber wirst du es zu entwirren wissen, wenn du dein inneres Auge
nun gebrauchen lernst!
.Gar vieles wird sich dir dann enträtseln, das hieroglyphengleich dich
hier umgibt, und du wirst zuletzt hier auch den «Schlüssel» finden, der
jene Fesseln löst, die du auf Erden, als Mensch der irdischen Erscheinung,
tragen mußtest. —
.Dein tiefstes Sein wird dir so «erschlossen» werden!
*
.Tausendfach verschlungen und ineinanderverwoben tauchen unzählige
Bilder innersten Geschehens hier vor dir auf.
.Dir sind es noch «Bilder», weil dein Sinn noch nicht geschult ist, ur‐
sächliches Geschehen zu erfassen, und weil du gewohnt bist, alles dir zum
Bilde formen zu müssen, bevor du verstehen kannst. —
.In Wahrheit ist das, was du hier siehst, nur das Walten jener urgründig‐
verankerten Kräfte des Werdens, deren Wirkung alles ist, was je ge‐
worden ist...
.Du kannst deshalb auch alles je Gewordene hier wiederfinden und
erkennen lernen, und bevor du nicht zu erkennen vermagst, was hier zu
erkennen ist, hast du mit aller irdischen «Erkenntnis» dir nur trübe
täuschende Schleier geschaffen, auf die deine Phantasie jene Formeln
malt, die dir deine Nichterkenntnis verbergen sollen. — — — — —
*
.Unter all diesem tausendfältigen Geschehen wird dein innerer Sinn,
den du nun erlangtest und in dem hier alle anderen Sinne vereinigt sind,
gar bald Einzelnes aus der verschlungenen Vielheit des Ganzen zu lösen
wissen.
.Urweltliches, schöpferisches Geschehen wird in seinen einzelnen Phasen
sich dir enthüllen!
.Urzeitig Fernes wird dir zur Gegenwart werden!
Alles, was Menschen jemals erdenken konnten, ist nur Schatten und
Abbild dessen, was hier ist! — — —
.Erst wenn du dies weißt, wird dir diese Welt der farbenreichsten Wunder
ihre inneren Geheimnisse zeigen...
.Blicke nicht auf Irdisches zurück und suche nicht durch Vergleiche das
zu enträtseln, was nur ein Einmaliges ist und nur aus seiner eigenen Form
heraus sich erkennen läßt!
.Du wirst Zeichen, Formen und Farben sehen, denen manches
auf Erden gleicht, und dennoch darfst du nicht vergleichen wollen,
wenn du nicht verwirren willst, was in sich einfach und ohne Zweites
ist! —
.Es ist eine neue Sprache, die du hier verstehen lernen sollst, und erst
wenn sie in dir die gleichen Klänge weckt, wirst du allmählich ahnen, was
sie dir zu sagen hat. — — —
29 Welten
.Ewig im letzten Sinne: ohne Anfang und ohne Ende, ist der «Weltentag»,
den jene errechnen wollten — ewig zu gleicher Zeit jene «Welten-Nacht»! —
.Ewige EMANATION dieser Urfeuersonne, die dich zum leuchtenden
Stern gebar, setzt ewig sich äußerste Grenze ihres Wirkens in allen den
Weltsystemen, die uns als fernster, trübweißer Lichtnebel hier wie eine
Kugelform umschließen.
.Ewig entstehen dort neue Weltsysteme in dem nach allen Seiten ge‐
schlossenen Ring der entstandenen, und ewig werden Weltsysteme mit
unzählbaren Sonnen und ihren Planetenscharen wieder aufgesogen im
unendlichen «Raum». — —
.Keine Berechnung menschlicher Gehirne vermag die Zeiten darzu‐
stellen, in denen auch nur eines dieser Weltsysteme entstehen mag, oder
vergeht!
35 Welten
.Urewige Emanation der Urfeuersonne ewiger Liebe spricht sich selbst
in ewigem Werde-Willen aus, wird sich selbst zu rhythmisch geballter
Bewegung, wird zum Ur-Wort, das alles Werden aus sich selbst hervor‐
spricht, geordnet nach innewohnendem Maß, nach innewohnender
Zahl!
.Das Wort der Sprache des Menschenmundes ist nur fernster Ausklang
dieses «Wortes», das «bei Gott» und das Gott ist von Ewigkeit zu
Ewigkeit! —
.Der Weise spricht von einem «Anfang», der immer war und ewig sein
wird!
.Hier taucht vor deinem geistigen Auge dieser «Anfang» auf, und das
«Wort» offenbart sich dir in Rhythmus und Farbe, in Form und Klang
als erster Ausdruck des ewigen Willens zur Gestaltung.
.Fühlend verweile und suche in dir selbst, in deinem Allerinnersten,
dieses Urwortes tiefstes Sein zu erleben, aus dem alles wurde, was je
geworden ist, aus dem alles werden wird, was je werden kann! — — —
*
.Als «LUX IN TENEBRIS...», — als Licht in der Finsternis, spricht
sich selbst dieses Urwort aus in die unermeßlichen Tiefen des «Rau‐
mes» — erste Ur-Form gestaltend aus sich selbst, und in Schauern ei‐
genen Selbsterfassens baut es sich hier schon seinen Altar der Anbe‐
tung...
.Urträchtig zeugende Gestaltung steht wie ein Priesterchor voll Ehr‐
furcht um diesen Altar, in erster Seinsgestaltung kristallisiert, noch starr
gebunden, und dennoch schon ein stummes Beten...
*
.Doch hier ist kein Verharren im Gewordenen möglich, und alsbald
siehst du, wie sich aus erster Form der Formenfülle ewige Zeugung
ausergießt, wie immer neue Formung sich gestaltet, wogt und ineinander
sich verschlingt, bis aus der Fülle immer lichter sich das Kleinod hebt,
in dem das «Wort» sich selbst in der von ihm gesprochenen Welt erkennt
und formhaft faßt. — —
.Und wie es nun inmitten seiner Formung sieghaft leuchtet, erhebt sich
allzugleich der Jubelchor der ersten Schöpfung durch alle Geistes-Sphären.
.«TE DEUM LAUDAMUS...» — Dich Gott loben wir — erklingt der
Hymnus der Form durch die erstgeschaffene Welt des Geistes, und alle
Himmel sind erfüllt von hehrer Anbetung...
.Hier ist das «Wort» in seiner Schöpfung «Ich» geworden, und alle Geistes‐
form erkennt in ihm ihres Daseins Grund in jubelnder Verzückung. —
.Das Reich des reinen Geistes ist erstanden, um in seinen Formen ewig
in sich selbst zu kreisen.
.Das Ur-Wort wirkt sich aus in seiner innersten Erfüllung!
*
.Noch aber ist sein schöpferischer Werde-Wille hier in diesem Licht‐
kreis nicht am Ende seines Wirkens. —
.Auch dieses Reich der innersten Erfüllung ist schöpfungsträchtig ge‐
blieben und zeugt weiter im ewigen unermeßlichen «Raum», — zeugt
selbst sich seine Grenzen und schafft die Gegenwirkung ewigen «Raumes»,
ewiger Zeit. —
.Was im innersten Reiche des Geistes Eines ist — hier wird es nun zur
Zweiheit, und vor deinem geistigen Auge siehst du gleichsam eine kos‐
mische Werkstätte erstehen, in der die ungeborene Kraft des Geistes
formend baut, was Vorbedingung jener Weltsysteme ist, die uns wie ferne
Nebel hier in diese lichte Kugel schließen: — hier wird in schaffendem
Gestalten RAUM UND ZEIT der äußeren Weltgefüge! — —
.Dem ewigen «Raume» nicht mehr gleich und dennoch seine Gesetze in
sich bergend...
.Nicht mehr der «Raum» des Geistes, der seine Zeit in sich beschließt,
wird dieser neu geschaffene Raum die Zeit erst aus sich selber bilden. —
Während du selbst hier den ewigen «Raum» durchdringst, wie du von
ihm durchdrungen wirst, wird dir dieser zeitgebärende Raum an allen
Orten Grenzen setzen! —
.Während dein geistiges Auge hier in diesem ewigen «Raum» in einer
Weise zu sehen vermag, als wäre es selbst eine unermeßliche Kugel,
die alles in sich enthält und zugleich von allen Seiten sieht, wirst du
dort nur von innen nach außen sehen können und stets nur von einem
Punkte aus wahrzunehmen vermögen. —
*
.Nun beginnt erst die zweite Schöpfung, — gleichsam der Nachhall des
«Wortes», das die erste aus sich gebar!
.Wie ein unermeßliches Meer dehnen sich die Wogen der äußersten
Finsternis — doch: «der Geist Gottes schwebt über den Gewässern» und
sein schimmerndes Strahlenlicht voll Kraft und wirkender Gewalt senkt
in ewiger URZEUGUNG Werde-Willen in das Meer der Finsternis.
.Magische Urzeichen werden zu Formen äußerer Welten, und bald wird
deinem geistigen Auge die Finsternis sich lösen.
*
.WELTENKEIME siehst du erstehen in einem Domgewölbe wirkender
Kräfte.
.Immer erneut drängen sie ins Dasein, während das Meer der Finster‐
nis sich zu leuchtender Wolke wandelt.
*
.Schon siehst du aus diesen Keimen WERDENDE WELTEN ins Da‐
sein treten! Urmächtige Formkräfte wirken ihr Werk, und kosmisches
Licht zieht wie Nebelschwaden durch den geschaffenen Raum. —
.Bald wird ihr Werden vollendet sein.
*
.Was du nun sehen wirst, ist DIE GEBURT DES KOSMOS, der Aus‐
gang der gezeugten äußeren Welten aus dem Bereich der formenden kosmi‐
schen Kräfte...
.In der ewigen Weltennacht, in unendlicher Ferne von der Urfeuersonne
ewiger Liebe, die dich zum Stern gebar, sind Weltballgebilde erstanden in
unendlicher Zahl — die äußerste Grenze, die sich das Wirken des Ur‐
Wortes selber setzt — jene leuchtenden Weltennebel bildend, die uns
hier in unendlich weiter Wölbung von allen Seiten, oben und unten, um‐
fassen.
*
.Nun wird sich dein inneres Auge für jenes Geschehen öffnen, das auf
einer dieser Welten, die nun ihr eigenes Leben leben, sich erfüllt!
.Erinnere dich, daß ich dir sagte, wie nichts in aller Gestaltung je ge‐
schah, noch geschehen kann, das nicht in diesem Lichtreiche innersten
Werdens in ursächlichen Gesichten schaubar ist! —
.Hier wirst du nun den Wegen folgen, die der gefallene Geistmensch, —
«gefallen», da er sich seiner Urheimat entwand, um im Äußeren ihrer
Schöpfungsgrenzen sich zu erleben — auf diesen äußeren Welten durchwan‐
dern muß, um sich einst der Torheit seiner Willensrichtung zu entwinden
und die Rückkehr ins Licht seiner ewigen Heimat wollen zu können. —
*
.Zuerst findet er auf diesen Welten nur ein farbenprächtiges, starres,
enges LABYRINTH, das ihm stetig den Ausgang in ein neues Licht ver‐
heißt, um ihn stets erneut zu betrügen. —
.Ermattet hält er schließlich inne, denn er muß sehen, daß seiner Geistes‐
form hier keine Freiheit werden kann.
*
.So erfüllt ihn nun der DRANG ZUR GESTALTUNG, und er, der
einst über alle Begriffe frei war, schließt sich nun dem Zuge der Millionen
Wesen an, die auf diesen Welten ihre äußere Formgestaltung ersehnen.
*
.Endlich im Tiere zur Form der äußern Welt gekommen, glaubt er ein
neues Zeichen seiner rechten Wahl zu sehen, doch er verfällt nur der
schaurig grauenerfüllten Sphäre des ASTRALLICHTES, das jede dieser
äußeren Welten umgibt. —
.Täuschend ist dieses Licht, aber seine Kräfte lassen den nicht los, der
seine Region einmal betreten hat, und von Täuschung zu neuer Täuschung
tastend, verfällt er schließlich in Schuld, um dann in irrer Torheit allem
Lichte Hohn zu sprechen. — —
.Das Tier nimmt seine Geistigkeit nun völlig in Besitz, um in zügellosen
Orgien, aus vertierter Geistigkeit ersonnen, ihm sein SODOM zu be‐
reiten...
*
.Nun scheint ihm auch die letzte Hoffnung entschwunden, und in
grauenvoller Verfinsterung irrt er durch ein INFERNO, eine Hölle, die er
sich selber geschaffen hat — gepeinigt von Schrecken, die seiner Wahn‐
sinnstat wie Furien folgen.
.Hier scheint kein Entrinnen mehr möglich. —
.Alle Schauer des Entsetzens muß er verkosten, bis ihn Verzweiflung zu
Erinnerung an seine einstige Größe führt und er sich entsinnt, daß er
göttlichen Ursprungs ist. —
*
.Nun erst empfindet er zum erstenmal jenes sehnende Zurückverlangen,
das ihn einst wieder aufwärts führen soll, seiner Heimat zu, die jetzt noch
in unendlichen Fernen für ihn verschwunden scheint.
.Der erste Schritt zur Umkehr wird zaghaft und furchterfüllt getan...
.Eine bebende Ahnung möglicher Rettung erfüllt sein neues Sehnen.
*
.Nach schier endlosem, quälendem Suchen gewahrt er aber doch zuletzt
in aller Dunkelheit ein Leuchten, das er als seiner Heimat Licht erkennt.
.Mit verdoppelter Kraft lenkt er seine im Dunkel tappenden Schritte
diesem Leuchten entgegen.
.Endlich kommt er ihm näher.
.Er erblickt nun ein verborgenes Heiligtum inmitten seines Inferno.
.Schon möchte er sich gerettet glauben, aber furchtbare Augen blicken
ihn gespenstig an — entsetzliche Wächter halten hier drohende Wacht...
.Es bedarf seiner letzten Kraft, um hier nicht von tötender Furcht über‐
mannt zu werden.
.Unzählige Male macht er den Versuch, den hohen Stufen zu nahen, um
die Schwelle zu überschreiten.
.Stets wieder hält ihn seine Furcht vor den Hütern zurück.
.Doch endlich wird seine Ausdauer ihm belohnt.
.Aus der Höhe der Düsternis tönt ihm eine Stimme und erfüllt ihn mit
neuer Kraft.
.Er fühlt sich plötzlich wie an den Händen gehalten, und mit mutigem
Blick sieht er den drohenden Ungetümen ins Auge, um nun die Schwelle
sieghaft wie ein Held zu überschreiten.
.Nun ist er im Innern des Mysterienheiligtums, und sogleich ist ihm, als
sei das «Tier» von ihm abgeglitten. —
.Als geistiges Wesen fühlt er sich wieder, und aus der tiefsten Inbrunst
seines Fühlens entströmen seinen Lippen die Worte: «DE PROFUN-
DIS...», aus der Tiefe erlöse o Herr meine Seele!
.Anbetend neigt er sich vor dem Gottesbild, das in der Tiefe des lichten
Raumes er erblickt.
.Erste Erlösung aus unerträglicher Qual erscheint ihm hier sein Gebet...
*
.Aber wie er endlich die Augen hebt, gewahrt er hinter dem Gottesbild
eine neue strahlende Helle und fühlt sich von unsichtbarer Hand geleitet,
diesen Strahlenraum zu betreten.
.Unsicher wagt er Schritt um Schritt.
.Auch hier ist noch drohendes Geschehen zu durchschreiten, aber die
Furcht hat ihn nun verlassen.
.Endlich teilen sich vor ihm unter Donnergetöse die letzten Hüllen, und
vor sich erblickt er hell leuchtend das Kleinod der OFFENBARUNG...
.Längst entwöhnte Erinnerung wird ihm wieder, und er fühlt sich zurück‐
versetzt an jenen geistigen Ort, da einst auch er seine jubelnde Stimme in
einem «Te Deum» der Geisterchöre hörte.....
*
.So schreitet er trunken von innerer Freude dem Kleinod entgegen, das
sich vor seinen Augen zu einer Sonne wandelt, vor der auch die letzten
Hüllen, vom Lichte besiegt, zur Seite weichen.
.Jetzt erst wird ihm völlige ERLEUCHTUNG, und sein ganzes Sein er‐
strahlt in geistig reinem Licht. —
.So selbst zu reinstem Leuchten vollendet, überblickt er nun seinen Weg,
und aus Urgrundtiefen sieht er die Formen gestaltender Kräfte am Werke
der Schöpfung einen hohen Tempelraum erbauen, in dem die Hüllen des
Allerheiligsten sich langsam vor seinem Auge öffnen und ihm nun in weit
strahlenderer Gestalt ein noch reicheres Kleinod zeigen, als jenes selbst
war, das ihm die Offenbarung des Gottesbildes brachte.
.ERFÜLLUNG wird hier endlich seinem höchsten Sehnen...
*
.Nun aber verlangt ihn nach der äußeren Erde zurück, denn nun weiß
er, daß er sich selbst in seiner Erdenform nur erlösen kann, wenn er den
Geist in sich zu körperlichem Ausdruck bringt.
.Verkörperung des Geistes ist der «Schlüssel», wie er nunmehr fühlt, der
seine Erdenfessel dauernd lösen wird, so daß er als ein Freier, als ein Sohn
des Lichtes über den Erdball schreiten kann — ein Selbsterlöster und
Erlöser seiner Menschenbrüder — ein Helfer jener, die auch ihm, obwohl
er es nicht ahnte, auf dem Erlösungsweg zur Seite standen.
*
.Erfüllt von solchem großem, reinem Willen findet er sich fast im gleichen
Augenblick auf hohen Bergeszinnen, — und aus den Felsenschründen, aus
den Tälern, scheinen Lichtesgarben aufzusprießen.
.Was auch sein Auge sieht, erstrahlt in gold'nem Leuchten, und je‐
der Strahl verkündet ihm den SIEG!
*
.Doch für den Sieger gibt es kein Verweilen, will er die Frucht des Sieges
bergen.
.Hoch über seinem Standort findet nun sein Blick ein weitaus höher
ragendes Gebirge, ewig mit strahlenweißem Schnee bedeckt.
.Der Hort des Ewigen auf dieser Erde hat seinem Geistesauge sich
gezeigt...
.Er fühlt: — der ferne Gipfel dort im reinen Weiß vor golddurchglühtem
Himmel — — ist «HIMAVAT», der Berg der Einzigen auf dieser Erde, die
das Urlicht selbst zu Priesterkönigen sich weihte!
.Dort ist das Urbild jenes Tempels und seiner Hüterschar, dort ist die stete
Wirklichkeit, von der die Sage fromme Kunde geben wollte, die Menschen
einst in Formen, die sie fassen konnten, sprach: vom «heiligen Gral.» — —
*
.Dorthin führt ihn nunmehr sein Weg.
.Wohl sieht er, daß auf diesem Wege noch manche Hinderung ihm
drohen wird, allein, er weiß, daß man ihn dort erwartet, daß seiner dort
der Führer harrt, der durch das Erdenleben ihn geleiten soll, und ihm nach
der vollbrachten Zeit die Pforte öffnen wird, damit er, so wie du, zu seiner
Heimat finde.
.Die klebrig grünen, vorgewälzten Massen dumpfer Trägheit, denen er
zuerst begegnet, wollen seinen Fuß am Schreiten hindern, doch ihm genügt
ein Blick zum fernen Ziel, um sie zu überwinden!
.Der starre Felsenzackenzaun der Zweifel baut sich siegessicher vor ihm
auf, um seinen Mut zu lähmen, doch keine Kraft der Erde hält ihn mehr
zurück, und wenn er auch aus tausend Wunden bluten müßte, wird er
doch auch dies allerletzte Hindernis besiegen!
.Nach langer, harter Beschwernis endlich am Ziele angelangt, wird er
gewiß nicht mehr an die Gefahren des durchmessenen Weges denken.
.Als Finder seiner selbst wird man ihn empfangen und ihm den Goldreif
der Erkenntnis um die Stirne legen.
.Man wird ihn in heiliges, weißes Linnen kleiden, so daß kein Makel,
der ihn auf seinem Wege je befleckte, an ihm haften bleibt.
.So wird man ihn dem Ewigen weihen und ihn die hohe königliche Kunst
zu lehren wissen, die Kraft des reinen, wesenhaften Geistes durch die
Liebe erdenmenschhaft zu verkörpern. —
.Was vorher dunkle Tierheit war, wird dann in ihm verwandelt werden,
und all sein Erdenhaftes wird nur Ausdrucksform des Geistes sein. —
.Man wird ihn lehren, daß im ewigen Geiste nur der Tapfere seines
geistigen Reiches Krone dauernd behaupten kann, und daß nur Feigheit
oder angsterfüllte Torheit der Außenwelt der Erdensinne entfliehen möchte,
in die sich eigener Wille einst verhaftet hat...
*
.Doch — — ich greife bereits einer Lehre voraus, die du, der im Geiste
zum Stern der Ewigkeit Geborene nunmehr von mir erhalten sollst!
.Alles, was du bisher geschaut hast mit geöffnetem inneren Auge, war
ja nichts anderes als dein eigener Weg, vom Ausgang deines ewigen Seins
bis zu der Rückkehr, die dich nun zum Stern gewandelt vor mir sieht. —
.Du wirst hinfort gar oft in diesem innersten geistigen Reich der wesen‐
haften Schauung, mit mir vereint, als deinem dir verbundenen Führer,
dieses Reiches Wunder an dir vorüberziehen lassen, und es werden stets
andere Gesichte sein, die dir der Urgrund alles Werdens offenbart.
.Wisse aber, daß diese «Gesichte» stets nur wesenhaftes Wirken zeigen,
daß diese «Bilder» wahrhafte Urbilder allen Geschehens sind, davon du
auf Erden, in jener äußersten Region der Grenzen des Seins, nur immer
das Abbild siehst. — — —
*
.Wir kehren nun zurück zur Erde, die dein sieghaftes Leuchten braucht.
.Lasse nicht Trauer dein inneres Licht verhüllen, — gewähre dem Schmerz
keine Stätte in dir, wenn du jetzt das Reich des Lichtes mit mir verlassen
wirst, und dann, zurückgekehrt zur Erde, die trübe Geistesnacht gewahrst,
die dort dich umfängt!
.Wer wie du zurückkehrt in sein Erdendasein, hat keine Nacht mehr zu
fürchten, denn er trägt in sich selbst sein Licht — das Licht der Ewigkeit! —
.All deine Sorge sei es hinfür: mit dem dir eigenen Lichte alles zu ver
klären, was dir nahekommt, und als Stern aus der Urfeuersonne ewiger
Liebe allen, die noch im Dunkel sind, zu leuchten.
.Begehre nichts mehr für dich selbst und du wirst alles, was du brauchst
durch deines eigenen Lichtes Kraft besitzen! — —
.Du kannst keinen Strahl deines Lichtes auf andere Herzen ergießen,
der dir nicht tausendfach Herzen gewinnen würde!
.Du wirst dich nicht etwa mühen müssen, zu leuchten; — du wirst dich
nur mühen müssen, das Licht der Ewigkeit, das aus dir strahlen will,
niemals durch äußeres erdenhaftes Tun für andere zu verdunkeln! — —
.Wenn du nur selbst deinem Lichte dich vertraust, wird auch dein Erden‐
körper so durchleuchtet sein, daß er keinen Schatten mehr auf andere
wirft, die deines Lichtes in der Erdennacht bedürfen! —
*
.Mich aber wirst du allzeit finden, wenn du meiner bedarfst, und sollten
unsere Erdenkörper auch weite Meere trennen.
.Nicht in meinem äußeren Erdenkleide sollst du mich suchen, denn nie‐
mals könnte ich im Äußeren mich dir so vereinen, wie wir im Allerinnersten
nunmehr vereinigt sind. —
.Ins Allerinnerste deines Fühlens mußt du selbst dich begeben, wenn ich
dir wieder vernehmbar werden soll, und nur im Allerinnersten wirst du
auch stets wieder dieses Reich des wesenhaften Lichtes schauen! — —
48 Welten
Nun habe ich dich selbst als deines Lichtes Funken‐
strahl in mir erlangt: — dich, meinen lebendigen
Gott! — — —
Nun ist mir alle Finsternis erhellt in deinem
Lichte! —
Nun sehe ich den Weg vor mir, den ich durch‐
wandeln muß, um einst durch dich in deinem Reiche
neu gezeugt zu werden: — in deinem Lichte neu
geboren! — — —
Du, der sich selbst in mir geboren hat, wirst
mein Erzeuger: — ewiglich in mir dich selbst
gebärend, und aus dir erzeugend mich in dir, zu
ewiger Neugeburt in deinem Lichte! — — —
Erkenntnis ward mir aus der Liebe, die du selber
bist, den ich in meinem Allerinnersten mir nun
vereinigt weiß! — — —
Liebe hat das Wunder vollbracht!
31 Psalmen
Du bist die Liebe, — du das Licht, das aus der
Liebe lebt!
Nun trage wissend ich dich in mir, — ich weiß
dich wie ich mich selber weiß!
In mir selber bin ich dir vereinigt, — meiner Seele
bist du in mir geboren...
In deinem Lichte darf ich deine Herrlichkeit
schauen, — das Auge des Geistes hast du mir ge‐
öffnet...
Ich sehe dich, du ewiges Urlicht, unerfaßbar für
dich selbst im Sein, — ich sehe wie du selbst dich
ewiglich als Urwort fassest...
Du zeigst mir wie das Urwort ewiglich den „Ewi
gen Menschen” spricht: — den Geistgeborenen,
der ewiglich in ihm verharrt...
Du zeigst mir, wie der Menschengeist in dieser
Finsternis nur Zeugnis jenes „Ewigen Menschen
ist, — des „Alten der Tage”, — des „Vaters” aller
deiner Leuchtenden...
Aus ihm nur kannst du in dir selbst dem Menschen
geiste dieser Erde fassbar werden...
Aus ihm hast du mir Erlösung bereitet...
Aus ihm ward mir der Führer gesandt...
*
Du allein bist der Seiende!
Als Urwort offenbarst du dich für dich selbst!
Im „Ewigen Menschen” schaffst du dir des
Urworts Offenbarung, die weiterzeugend alle
Hierarchien hoher Geister bis herab zum Men
schengeiste dieser Erde aus sich selber offen
bart...
Ruhe und Schaffen sind in dir...
Ruhe bist du in deinem Sein, — als Schaffenden
spricht dich das Urwort aus...
Mann” und „Weib” bist du in deinem Sein, du
ewiges Urlicht, — du ewiger Geist der Wahr
heit, — du, der du selbst die Liebe bist...
Mann” und „Weib” spricht das Urwort aus...
Mann” und „Weib” ist der Ewige Mensch...
*
In einem Funkenstrahl deines Lichtes nur vermag
ich dich zu ertragen...
So bist du mir vereint, als mein lebendiger Gott! —
In dir erkenne ich, daß diese Liebe, die du selber
bist, stets Tat und Wirken aus weiser Ruhe will...
Alles Erkennen sehe ich fruchtlos und ohne Wert,
wenn es nicht gründet in dir, der du die Liebe
bist!
35 Psalmen
Heilig das unsichtbare Band, das
längst Gewordenes vereint, auf
daß es neuem Werden eine Stätte
schaffe! — — —
Glückselig Mann und Weib, die solches
fassen, und sich in liebender Vereinung
zu erkennen wissen, so wie der Ur
sprung alles Seins alsMannund
Weibsich selbst erkennt, in ewig
licher Liebeseinung! — — —
5 Die Ehe
Teilgestaltung wähnt Vollendung
sich zu schaffen, — jeder Ahnung bar,
daß sie ihr nur erreichbar wäre in Ver
schmelzung mit dem anderen, einst im
Geiste ihr vereinten, nur hier im Er
dendasein körperlich von ihr getrenn
ten Teil! — —
Beklagenswert vielmehr der Mann,
beklagenswert das Weib auf dieser Erde,
wenn es dem einen Teile hier in seinem
Dasein nicht gelingt, den ihm gemäßen
anderen Teil zu finden, mit dem ver
eint er erst ein Ganzes bilden würde,
er-gänzt in dem, was seines Einzel‐
poles Eigenschwingung ihm nicht ge‐
ben kann! — —
7 Die Ehe
Wohl kann zwar auch der Ehelose
seinen Weg zur Vollendung wahrlich
allein durchmessen und sein höchstes
Ziel auf seine Art dereinst erreichen,
auch wenn ihm während seiner Er
dentage niemals die Erfüllung werden
kann, die nur die Ehe ihm erreichbar
machen würde. — —
Stets kann er nur als Teil sich Teilvoll
endung zu erringen suchen, und wird im
Erdenleben nie zu jener Klarheit kom‐
men, die nur erreicht wird, wo der Mensch
die neue Einheit eines Ganzen, —
aus Männlichem und Weiblichem ver‐
eint, — in einer wahren Ehe schuf. — —
Doch wird der Ehelose dann nur sich auf
seine Weise Teilvollendung schaffen
können, wenn wirklich Gründe, die nicht
Menschenwahnwitz erst ergrub, vor
Gott die Ehelosigkeit als nicht ge
wollt bezeugen! — —
11 Die Ehe
ALLES Glücksverlangen, das hin‐
aufreicht über niederes irdisches
Begehren, ist nur Sehnsucht nach Ver
einigung der Geister in dem Geistes‐
Urgrund, der sie ewig zeugt, und ewig
sie aus sich entläßt, um ewig wieder
sie in sich zurückzunehmen...
Noch aber ist der Menschengeist der
Erde Irdischem verhaftet, das dort, wo
seine Sehnsucht Einung will, nur Tren
nung schafft. — —
Freundschaft entsteht, und sucht die
Trennung aufzuheben, — aber siehe:
— Freund und Freund verbleiben den‐
noch Einer nur und Einer, die sich beide
nie im Innersten zu Einheit ineinander‐
schmelzen können! — —
Nur die Ehe, die das Männliche dem
Weiblichen vereint, schafft wirklich
eine neue Einheit! — — —
Hier ist nun Mensch und Mensch zu
übererdenhaftem Ganzen neu ver‐
schmolzen, so wie einst beide vor dem
„Fall” in irdische Erscheinungswelt ver‐
einigt waren! — — —
Mag das auch den Vereinten nur in sel
tenen hohen Fällen zu Bewußtsein
kommen, so ändert dies nicht, daß die
Einung nun erneut im gleichen Ur
grund allen Seins Ereignis wurde,
in dem sie einstmals urgegebenes Er‐
eignis war. — — —
221 Die Ehe
Sobald auf dieser Erde Mann und
Weib sich gegenseitig angeloben, —
im festen Willen, ihr Gelöbnis immer
dar bis an das Ende ihres Erden
daseins aufrecht zu erhalten, — er‐
steht im wesenhaften Geiste eine neue
Einheit: der Form nach völlig jener
Einheit gleich, in der einst jeder dieser
beiden, auf der Erde nun geeinten Men‐
schengeister, im Geistigen mit seinem
urgegebenen Gegenpol vereinigt war.
Für diese Erdenzeit ist stets der leib
lich sichtbare, dem anderen Teile ehe
lich verbundene Gegenpol, allein in
Wirksamkeit, ganz einerlei, ob es
sich, — wie in äußerst seltenen Fällen,
wirklich um zwei Pole handelt,
die dermaleinst vereint gewesen
waren und in der Zeiten Fülle wie
der sich für alle Ewigkeit vereinen
werden, oder um zwei urgegeben
fremde” Pole! — — —
Jeder Eheteil hat darum nur in dem ihm
hier auf Erden angelobten anderen
Eheteile seinen ihm vereinten Ge
genpol zu sehen, da während die
ser Erdenzeit kein anderer sich ihm
einen kann...
Nur mit ihm hat er die Geistes-Ein
heit aufgerichtet, von der allhier die
Rede ist, und niemals weiß hier auch
der Weiseste mit aller Sicherheit,
ob dieser, für die Erdenlebenszeit
vereinte Gegenpol ihm nicht auch
ewig als sein urgegebener Er-gän
zungsteil verbunden bleiben wird.
— — —
Nur ganz bestimmte geistige Erfah
rungsfähigkeit kann da zuweilen, —
wenn auch nicht ganz leicht, — den
Schleier lüften...
Um aber keiner Frage Raum zu lassen,
muß ich hier erwähnen, daß auch dort,
wo sicherste Gewähr besteht, daß
zwei im Urzustand einst in Verei
nung geistgezeugte Gegenpole sich
als Erden-Menschen hier begegnet sind,
— die neue Einheitsform von der ich
rede, nur dann zu schaffen ist, wenn
diese beiden Erdenmenschen sich in
einer wahren Ehe hier für dieses
Erdenleben einen. — — —
Es ist diese „Einheitsform” eine gei‐
stige Gestaltung, die gleichsam latent,
im Geiste stets als Möglichkeit gege
ben ist, doch aber nur, wenn Ehe
wille sie erneut „erregt”, zur Seins
wirkung gelangt, wonach sie dann
bestehen bleibt, solange dieser Ehe‐
Wille sich erhält. — —
Erlischt er durch den Tod des Erden
körpers eines beider Eheteile, oder
durch die Lösung einer Ehe, so tritt
auch diese Einheitsform nun in Latenz
zurück, um stetig wieder neu zur
Seinswirkung zu kommen, wo
immer neuer, anderer Ehe-Wille sie
„erregt”. — — —
Man wähne nicht, im Ewigen sei
solches Werden und Vergehen, Ver
sinken und dann wieder Auferstehen
bestimmter Formen doch „unmöglich”,
da Ewiges doch keinen „Anfang” und
kein „Ende” dulde! —
Hier tat der menschliche Verstand dem
Menschen wahrlich schlechten Dienst,
wenn er ihn zu verleiten wußte, sich nach
seinen, nur im Irdischen begründeten
Gesetzen, ein Bild des Ewigen zu
konstruieren!...
Da hier auf dieser Erde, wie im gan‐
zen sichtbarlichen Kosmos, alles, was da
Anfang” nimmt, auch „Ende” finden
wird, — da hier, was sich aus „Ele‐
menten” einst zusammenfügte, auch
unerbittlich wieder auseinanderfallen
muß, — so glaubt der irdische Verstand
sich sehr berechtigt zu dem billigen
Schluß: — daß Ewiges dann nur im
Gegensatz zum Irdischen bestehen
könne, — — falls es überhaupt bestehe.
Und die in solcher Weise klügelnd kal‐
kulieren, — ihrer „Weisheit” froh, die
sie in unerschütterbaren „Denkge
setzen” felsenfest gegründet wähnen,
— ahnen nicht, daß sie mit einem
Maße messen, das im Ewigen nicht
existiert, da nur der wesenlose
Schein gewisser Denkvorgänge ihm
den Schein des Daseins schenkt.
— — —
Mag es für irdisch-menschliche Gehirne
aber auch als völlig „unbegreifbar
gelten, so bleibt doch Ewigkeit, — und
„Ewigkeit” ist nur das Sein des we
senhaften Geistes — anfang- und
endlos immerdar nur Sein als stets
bewegtes Leben, von dem das
„Leben” dieser Erdenwelt, wie alles
physisch-kosmische Geschehen, nur fer
ner, letzter Abglanz ist, getrübt
durch der „Materie” rauhen, dunklen
Spiegel. — — —
In wesenhafter Ewigkeit, — im reinen
Geiste, — ist die Ehe zweier Erden‐
menschen nur allein begründet! — — —
Wäre diese letztliche Begründung nicht
gegeben, dann wäre füglich nicht von
Ehe” mehr zu reden, sondern nur von
der Verbindung der Geschlechter: aus
eigenem Wohlgefallen aneinander,
und, um dieser Erdenmenschheit Nach
wuchs zu erzeugen...
Dann bliebe freilich alles Miteinander‐
leben der Geschlechter auch am besten
freier Willkür überlassen, — nur dort
etwa noch eingedämmt, wo Dämme auf‐
zuwerfen wären um der Gesamtheit
Wohl nicht zu gefährden. —
228 Die Ehe
In allen Atomen deines Körpers leuchte Ich! —
... Dieser Körper aus festem und halbfestem
Stoffe ist mir wie eine alabasterne Lampe, in
der ich, das Licht, alles durchleuchte. — —
Mich hält er nicht!
Mich kann nichts halten!
Alles ausser mir ist mir Bild, und ich bin
Licht allem Gebilde das ich durchleuchte! —
— — — — —
Ich bin fluidische Kraft und doch über allen
fluidischen Kräften! — —
Ich klinge in allen Lauten, Harfen und Flöten
des unendlichen Raumes! —
Ich bin der Meister unendlicher Symphonien,
von denen die Sphären der Ewigkeit wider‐
hallen!
Wer mich erkennen und aus der Kraft des
Lichtes in mir leben will in Ewigkeit, der
muss zu einem meiner Instrumente werden...
Im leuchtenden Tone einer meiner Sym‐
phonien muss er ewigen Sphären erklingen. — —
Ich binde die Klänge und ich löse sie auf
nach meinem eigenen Gesetz, das mir von Ewig‐
keit her innewohnt.
Ich habe als Meister meiner Symphonien gute
Spielleute unter mir.
Sie alle gehorchen meinem Winke, und keiner
wird jemals meinen Instrumenten falsche
Töne entlocken...
Ich selbst gebe nur die Zeichen.
Meine Spielleute aber bringen die Instrumente
alsdann zum Tönen, und ich bin hinwieder der
Ton, der ihnen entquillt. — — — — —
Manche der Instrumente werden sich dessen be
wusst, manche aber auch nicht, dass sie nur
durch mein Gesetz geleitet zum Ertönen ge‐
langen, und dass ich der Ton bin, der in ihnen
klingt. —
...Dieser Leichnam, den du siehst, wenn du
dich von aussen her betrachtest, bin wahrlich
nicht Ich! — — —
In ihm aber habe ich hier meiner Kraft einen
Stützpunkt gegeben, damit ich auf dieser
Erde alles zum Erklingen bringe, und selbst
mich in allem als Klang gebären könne...
Unnennbar ist die Zahl der Symphonien die in
mir verborgen ruhen und offenbar werden
wollen. — —
Zu leuchtendem Klang will ich mich formen
in allem was durch mich erklingen will!
Auch dich werden meine Spielleute nicht ver‐
gessen, wenn du zu einem meiner Instrumente
werden willst. —
Auch du sollst ewig leuchtend tönen in einer
meiner unendlichen Symphonien!
Ich bin es, der dich erlösen kann, denn nur
wenn ich selbst in Dir erklinge wirst du ewig
beseligt sein! — — —
Siehe, all deine Sehnsucht will nichts anderes,
als dich mir in leuchtendem Klange vereinen!
Du fühlst zwar deines Herzens Sehnsucht, aber
du weisst sie noch nicht zu deuten. —
Verhalten, wie in einer unberührten Saite, birgt
sich in dir dein eigener Klang; aber nur
wenn mir du dich einen willst, wirst du dich
selbst zum Erklingen bringen können. —
Ein neuer Ton wird dann dem All erklingen
und du wirst dich in Allgewalt vernehmen —
mir geeint — in deinem eigenen
Ich! — — —
14 Worte des Lebens
Siehe ich bin in allen Weltenräumen, und wenn
du gleich mir in allen Weltenräumen wärest, so
würdest du auch dort mich finden...
So aber bist du an deinem kosmischen Ort
allein! — —
Kein Anderer kann dort bei sich selber sein,
wo du allein im unermesslichen All bei dir
selber bist! — — —
Dort aber nur, wo du bei dir selber bist,
kannst du dich vernehmen, und nur wenn du
dich vernimmst, kann ich mich dir offen‐
baren. — — — — — — —
20 Worte des Lebens
Nur in dir selber wirst du mir begegnen; ich
aber bin es allein, der sich dir als die Kraft
zum Siege gibt! — — —
Ich bin die Kraft, die alle Kräfte meistert,
denn nur aus mir stammt aller Kräfte wirkende
Gewalt!
Täusche dich nicht und werde nicht irre an mir,
wenn du sehen musst, dass diese Kräfte sich als
Widerpart gegenüberstehen!
In unendlichfältiger Formung sende ich aus mir
selbst unendlichfältige Kräfte in alle Erschei‐
nungswelten und nur infolge ihrer Gegen
sätze vermögen sie zu wirken...
Ewig tot und kalt und starr wären die Welten
die ich ewig meinem Sein entgegen setze als
äussersten Gegen-Satz, würden die Kräfte, die
aus mir durch diese Welten strömen, nicht in
ewigen Gegensätzen verharren! — — —
Ich aber bin in mir selbst aller dieser sich selbst
entgegengesetzten Kräfte Kraft und Leben,
und in mir finden sie ihre Einigung, so sehr
sie auch in der Erscheinung auseinander
streben müssen...
55 Worte des Lebens
Lerne vor allem erkennen, dass dein Leben
nichts ausser dir ist, — dass all dein Wissen um
dich selbst nur ein Wissen um die Auswirkun
gen dessen darstellt, was sich in dir als eigen‐
gründiges Leben selbst erlebt...
Ich aber bin, was sich so als dein Leben
offenbart, und nur wenn du mich in dir gefun‐
den hast, bist du wissend deinem Leben ver‐
einigt!
Vorher nimmst du noch die Wirkung für die
Ursache und was du als dich selbst empfindest,
ist nur der Widerschein des Lebens in dem
dein ewiges Bewusstsein um dich selbst dir in
mir gegeben ist; denn siehe: mich selbst habe
ich dir geschenkt, auf dass du aus meiner Kraft
dich ewiglich in mir begründet finden mö‐
gest! — — —
62 Worte des Lebens
Was du «Bewusstsein» nennst, ist nur das
seiner selbst gewisse Spiegelbild aufleuch
tender Seelenatome, vergleichbar jenem
Bilde deines Körperinnern, das der Arzt auf
einem Schirm von chemischer Substanz erhält,
wenn er mit jenen Strahlen deinen Leib durch‐
leuchtet, die dichte, dunkle Körper zu durch‐
dringen fähig sind...
Wie aber der Schirm, der jene Strahlen sichtbar
machen soll, bereitet sein muss nach Gesetz
und Regel, soll er deines Körperinnern untrüg‐
liches Bild in leuchtender Erscheinung zeigen,
so musst auch du selbst dich bereiten,
willst du dir selbst zum Spiegel deines Aller‐
innersten werden! — —
Nicht eher wirst du mich in dir als dein inner‐
stes Sein und Leben erkunden, als bis du selbst
dich mit wachem Willen bereitet hast, so dass
deine Seelenatome leuchtend dir das Bild deines
Lebens wiederspiegeln!
Dann aber wirst du in diesem Bilde dich mit
mir vereinigt finden, denn was auf solche
Weise zum Aufleuchten kommt, bin in Wahr‐
heit ich selbst, so wie in dir ich mich er‐
lebe. — —
Dunkel bleibt dir, trotzdem ich es durch‐
strahle, alles, was nicht du selber bist! —
Dunkel bleibt alles, was nicht mit wachem
Willen bereitet ist! —
Jenen irdisch-geheimnisvollen Strahlen gleich,
von denen ich vordem zu dir sprach, bleibe ich
unwahrnehmbar der unbereiteten Seele...
So aber du selbst dich in dir bereitet hast,
wirst du in meinem Eigenlichte erstrahlen, und
als dein eigenes Leben will ich dir mich
enthüllen in dir selbst! — — —
64 Worte des Lebens
Du selbst bist Herr deines Schicksals gewor‐
den von dem unvordenklichen Augenblicke an,
da ich dich nach deinem Willen aus mir, der
ich ewig im Augenblick verharre, zu dei‐
ner selbstgewollten Wanderung entliess! — — —
Vorher erlebtest du dich selbst in mir, im ste
tigen Erleben des Augenblicks, gleich‐
sam den steten Querschnitt alles Daseins fas‐
send; — nach deinem Ausgang aber konn‐
test und kannst du, wenn ich im Bilde mich dir
offenbaren soll, nur noch gleichsam den Längs
schnitt alles dessen was ist, erleben, bis du der‐
einst — sei es nach dem Gesetz der Freiheit oder
der Bindung in deinen Ausgangspunkt zu
rückgefunden hast, der ich selber bin! — — —
74 Worte des Lebens
Noch aber trägst du auch hier in deiner Ver‐
finsterung die Kraft in dir, dich wieder zu mir
und zu deiner ersten Höhe zu erheben! —
Noch bist du in gleicher Gestalt und wirst sie
dir ewiglich erhalten können, in der ich dich in
mir fand, als ich dich entlassen musste, da dein
Wille nicht mehr Höhe sondern Tiefe suchte!
— — —
Noch vermagst du aufs neue, hell in mir — im
Lichte allen Lichtes — aufzustrahlen! — — —
Du selbst aber musst deinen Willen zur Über
kehr bewegen, damit du endlich — da du bereits
Aeonen vor deiner Geburt im Tiere der Erde,
durch dunkle Umnachtung irrtest, — in den Be‐
reich des ewigen Lichtes findest, das ich sel
ber bin, um in mir für alle Ewigkeit erneut zu
leben!
Siehe, ich leide in dir, da ich in mir selbst nicht
leiden kann und alles Leid vor meinem Lichte
Lüge wird!
Ich aber bin ewige Wahrheit und was nicht in
mir sich erfüllt, ist Trug und Schein!
Darum rufe ich dich, den ich liebe, damit du die
Lüge verlassen mögest, die sich als Leid dir
bekundet! — —
75 Worte des Lebens
Als «Luzifer», als Träger Deines Lichtes, war
ich einst Dir nahe, ehe ich mich selbst in grauen‐
hafte Finsternis versinken liess, da ich ver‐
meinte, selbst das
Licht
zu sein! — — — — —
107 Worte des Lebens
Nun weiss ich, dass ich selbst nur Abbild
Deines Lebens bin, und dass alles, was ich
selbst mir zuschrieb, einzig und allein nur Dei
ner Allkraft Wirkung war! — — —
109 Worte des Lebens
Lichtgezeugt in ungezeugtem Lichte,
Nicht beschwert von niederziehendem Gewichte,
Würde jeder Leuchtende zunichte,
Wagte er sich in der Erde Dichte,
Wehrend, sich dem Dichten zu vereinen.
Denn im schwerefreien Lichten, Reinen,
Ist, was ist, gelöst von Schein und Meinen,
Urverschmolzen nur dem ewig Einen.
Um dem Vielen fördernd sich zu geben,
Braucht es dieser Vielheit Schein und Streben,
Braucht es zeitbedingtes Tun und Leben,
Braucht es Schweres, um es zu erheben.
Darum drängt der Leuchtende zur Erde,
Spähend wie der Adler über einer Herde,
Daß der Erdmensch ihm zu eigen werde,
Der im Willen ihm verbunden war,
Unberechenbare Zeiten eher,
Vordem den Verbundenen ein Weib der Erde
Sich zum Menschensohn gebar!
27 Über dem Alltag
Ich kann nur geben,
Was der Vater gibt.
Ich kann nur lieben,
Was der Vater liebt.
Ich kann nur künden,
Was der Vater kündet,
Dem ich, in allen Sünden,
Sohn bin: — Eingebündet
Seinem ewig einen Leben,
Das er aus Ewigem
Auch Irdischem gegeben:
Um hier Versunkenes
Zu finden
Und erneut emporzuheben.
Ich bin nicht selbstgezeugt
Im Geiste,
Aus dem „Urwort”,
Wie der Vater,
Der als seine Selbstgestaltung
Stets im Geist verbleibt.
Ich bin, —
Ein Wort der Ewigkeit, —
Im „Wort” gezeugt,
Urewig.
Und zu urbestimmter Zeit
Ward, zeitbedingt,
Dem Erdenmenschen
Ich — der Urgezeugte —
Einverleibt.
19 Ewige Wirklichkeit
Es sprach einst einer, den die Welt
Der Gläubigen, die seinen Namen ehren,
Gut zu kennen glaubt,
Daß er gewiß nicht
In die Erdennacht gekommen sei,
Die Selbstgerechten von sich selber zu er‐
.lösen,
Sondern Befreiung bringen wolle
Für die „Sünder”.
Sein Wort hat heute lang schon
Alle Welt vernommen,
Doch alle Welt blieb fern dem,
Was der mir vereinte Künder
Durch seine Kündung alle fassen lehren
.wollte,
Damit es allen bangen Sündenängsten
In den Seelen wirksam wehren sollte.
Sünde sah er dort bereits geschehen,
Wo er die Abkehr sah
Von ewig geistbeschwingtem Leben,
Verkehrung geistgezeugten Willens
In den tierbedingten Willen:
Den Willen zeitgesetzter
Unabwendbarer Vergänglichkeit.
Was er die Gläubigen und ihre Priester
„Sünde” nennen hörte,
Sah er in alldurchdringend klarem Lichte
Als das erdgewirkte Werk der Sünde:
Als erstes Glied der argen Kette
Sündbedingter Folgen,
Das die Torheit Sündiger
Auf Erden „Sünde” nennt,
Weil sie es nicht
Als ungewollte Wirkung
Selbstgesetzter Ursache
Im Geistigen erkennt.
Jedem, den in solche Kette
Er geschmiedet fand,
Verkündete er die Erlösung,
Die durch Wiederumkehr
Erdverkehrter Willensrichtung
Irrig Wollenden erlangbar ist.
Die vor sich selber Heiligen
Und eitelkeitsbetörter Meinung nach:
„Gerechten”
Fand er freilich
Solchem Umkehrwillen fern.
So kam es, daß er nur dem Sündbeladenen
Jeweils verkünden konnte,
Daß durch erfolgte Umkehr
Seine Sünden ihm vergeben seien,
Und daß nur Sünder,
Die zur Umkehr willig waren,
Durch der Sünder „Heiland”
Die Erlösung fanden.
*
67 Ewige Wirklichkeit
Was wiederkehrt wechselnden Welten
Ist einzig das Urwort,
Das im Urlicht
Aus dem Ursein strahlt.
Das Urwort,
In dem alle „Worte” wesen
Die es ewig aus dem Ewigen
Sich selbst zu „Söhnen” zeugt: —
Als „Vater” ewig ihnen geeint, —
Ewiges Leben zeugend den Gezeugten.
So nur wird es in Irdischen
Die sich vor Ewigkeiten dargeboten,
Erdenhafte Offenbarung, —
Faßbar Kommenden und Zeitvereinten.
15 Leben im Licht
INEINANDERVERSCHMOLZEN
Der „Vater”
Ist im „Ursein” einbeschlossen,
Das sich als „Urlicht”
In das „Urwort” ausgegossen,
Aus dem der Vater,
Selbstgezeugt, sich selber lebt,
Und jeden in ihm „Leuchtenden”
Zum Urlicht in sich selbst erhebt.
In gleicher Weise
Leben alle ineinander,
Die im Vater
Aus dem Vater leben,
Und allen ist im Vater
Sein, und Licht, und Wort gegeben.
*
UNENDLICHFÄLTIGE
EINHEIT
Ewig Einer
In sich selber
Ist der Vater!
Doch faßt er zwiefach sich:
Denn er ist „Weib” in sich und „Mann”, —
Und allzugleich ist er, —
Als „Sein” und „Licht” und „Wort”, —
In dreigestaltiger Entfaltung
Selbst sich selber eigen.
So ist er gleicherweise auch
Die großen Vier:
Die viergestaltig gleichen
„Lenker” geistiger Impulse,
Geistigen Geschehens, —
Gleichwie er zehnfach in sich selbst
Die aus ihm wirkenden
Urgeistigen „Gewalten” ist,
Die aller Formung Former sind, —
Und zwölf der „Väter”:
Aller Offenbarung Gründer,
Deren jeder in der Einheit
Selbst der Vater bleibt, —
Sich selbst — dem Ewig-Einen —
Eigenhafte Selbstbezeugung,
Und in geistiger Gestaltung
Geistig leibhaft „einverleibt”.
Aus dieser Selbstbezeugung aber
Gehen alle „Leuchtenden” hervor,
Die in der Zeiten Folge,
Folgend ihrem „Lenker”,
Zu den Menschen dieser Erde finden,
Und hier die Lichtbestimmten
Wieder mit dem Licht verbinden.
So findet Vielheit
Sich zurück zum Ewig-Einen
Der alle Zahl setzt in sich selber,
Um unendlichfältig, —
Ewig in Erneuung, —
Brennend in den höchsten Liebesgluten,
Selbst sich selber zu vereinen.
*
ALLMACHT
Sich selbst Gesetz
Und nur sich selbst verpflichtet, —
Als „Ur-Sein”: dunkeltiefste Nacht,
Die sich als „Ur-Licht” lichtet, —
Als „Ur-Sein”: hartes Schweigen,
Das als „Ur-Wort” von sich selbst berichtet, —
Hält in sich selbst der Ewig-Eine
Alle Macht umschlossen,
Und hegt in sich
Was ihr in Ihm entflossen.
Wo sich jedoch das Innere
Erstarrt nach außen kehrt,
Hat Gottes Allmacht selbst
Sich manche Macht verwehrt, —
Im Reiche irdischer Gestaltung,
Und in irdischem Geschehen,
Muß diese Macht nun Irdischem erstehen.
In allem urgesetzten Werden und Vergehen
Lenkt die im All versenkte, allgeschenkte Macht
Der körperhaften Formen Trieb und Streben,
Und sie allein gebietet über Tod und Leben.
*
63 Leben im Licht
Je‐
der, der hier Zutritt hat, kommt in geist
räumlicher Selbstgestaltung, die ihm weit
mehr entspricht als sein irdischer Leib, und
keiner der Behinderungen unterordnet ist,
die äußere Materie hemmen.
54 Briefe an Einen und Viele
.Ich bitte Sie, sich mit der Antwort be‐
gnügen zu wollen, daß Ihnen solche Ein‐
sicht und Erkenntnis „wahrlich nicht
Fleisch und Blut gegeben” hat, sondern
Ihr eigenes Ewiges, aus dem allein die
Wahrheit über die Wirklichkeit, in der es
selbst lebendig ist, erlangt werden kann.
Die Erkenntnisse des Blutes — was besagen
will: des an tierhaft enge Bedingtheiten
gebundenen, erdmenschlichen Fühlens und
gehirnlichen Erdenkens — verhalten sich
zu dem, was nur das eigene Ewige zu ge‐
ben vermag, wie sich etwa das „Leben”
eines hartstarren Steines im nächstbesten
Bachbett zu den höchsten uns bekannten
Lebensäußerungen verhält. Nur aus dem
Ewigen kann Erkenntnis des Ewigen dem
Menschen zukommen! —
66 Briefe an Einen und Viele
.In allediesem Geschehen wirkt nur der
tiergebundene Mensch der Erde, und was
immer ihn zum Wirken drängt, ist — ein‐
schließlich aller lemurischen Antreiber‐
peitschenschläge aus dem unsichtbaren Teil
der physischen Welt — bloß irdisch verur‐
sacht, ohne die geringste Mitwirkung gei
stiger Einflüsse und Kräfte!
Ihr sagt:
„Die Weltgeschichte
Ist das Weltgericht!”
Gewiß!
Doch ein Gericht,
In dem der Mensch allein
Sich selbst das Urteil spricht!
Hier hat sich „Allmacht”
Aller Macht begeben...
Hier spricht nur geist-getrenntes,
Tierversklavtes Leben!
83 Briefe an Einen und Viele
Da aber alles Leben aus dem ewigen, sub‐
stantiellen Geiste hervorgeht und das erden‐
menschliche Gehirnbewußtsein, bei aller
darüber verhängten Dunkelheit der Tier‐
natur, dennoch Einflüsse aus dem ewigen
substantiellen Geiste fortwährend emp
fängt, ob es sie nun auffassen mag oder zu
dumpf ist dazu, so kann schon das bloße
Aufzeigen der Struktur ewigen Geistes‐
lebens zu einem ersten Erwachen führen,
wonach man die Welt freilich etwas anders
betrachten wird als früher.
.Ob einer damit schon alles hat, was er
sich vordem für seine Seele wünschte, oder
ob er sich nun erst recht veranlaßt sieht, in
die ihm von mir gezeigten weiteren Grade
des Erwachtseins vorzudringen, das wird
zwar von ihm allein abhängen — aber
nicht überall von ihm abhängig sind die
irdischen Voraussetzungen zu solcher Ent‐
scheidung.
.Es mag bei manchen viel guter Wille vor‐
handen sein, seelisch wacher und wacher zu
werden, aber nicht die Kraft, alle irdischen
Hindernisse, die ein helleres Erwachen un‐
möglich machen, aus dem Wege zu räumen.
Bei anderen mag diese Kraft schon da sein,
aber zugleich auch die Einsicht, daß an die
Beseitigung vorhandener Hindernisse nicht
gedacht werden darf, weil übernommene
Pflicht dadurch verletzt werden würde. Da
es aber nicht die Aufgabe des Menschen auf
der Erde ist, alles was er hier zu guter Er‐
füllung und zu einer wenigstens relativen
Vollendung zu bringen vermöchte, stehen
und liegen zu lassen um nur seiner Erkennt‐
nis zu leben, — ja, da er, wenn er so han‐
deln wollte, sich ganz sicher um die Frucht
seines Mühens bringen würde, so fördert
sich der Suchende nur durch sein Genü
gen an dem, was ihm seine irdischen Um‐
stände gewähren. Alles Weiterverlangen,
über das hinaus, was die äußeren Um‐
stände zulassen, ist hingegen ein Daneben
langen und kann selbst das in äußerste
Gefahr bringen, was ganz gewiß erreichbar
wäre, und Zuwachs geistigen Besitzes wer‐
den könnte.
.Es ist nicht viel anders, als mit den all‐
täglichen irdischen Dingen: — Wer zuviel
verlangt, kommt zu nichts! Man soll nicht
zu algebraischen Aufgaben und zum Inte‐
gralrechnen aufsteigen wollen, wenn einem
das Einmaleins noch nicht gehört.
.Aber die Suchenden machen sich auch
viel zu phantastische Vorstellungen von
dem, was sie sich im Geistigen erreichbar
glauben, und keine Belehrung vermag sie
davon abzuhalten, statt dem Erleben gei
stigen Lebens, die wunderlichsten Sensa‐
tionen und Ausweitungen im erdenkörper
lich bedingten, mit all seinem Inhalt der‐
einst sein sicheres Ende findenden Erleben
zu suchen. Ein exaltiertes Übersteigern an
sich wertvoller, den Gehalt der Seele ge‐
wichtig bereichernder und auch im körper‐
lichen Sinne urgesunder Empfindungen zu
bedenklichster Nervenerregung, bedeutet
den meisten schon „geistiges Erlebnis”.
Vielen gilt es noch immer als notwendiges
und darum höchst erstrebenswürdiges Ziel,
den Körper immer mehr zu „vergeistigen”,
was sie natürlich von einer Selbsttäuschung
zur anderen führen muß. Zur geistgesetz‐
lich geforderten Verkörperung des Geistes
gelangen die Allerwenigsten: — jene allein,
die nur das Wirkliche wollen, aber keine
Sensationen.
Es kann der Wissensmensch
Im Irdischen nicht leicht begreifen:
Daß alles ewige Erleben
Selbst sich Inhalt ist, —
Daß der Erlebende im Ewigen
Kein „Anderes” erlebt,
Das ihm — dem irdischen Erleben gleich —
Durch sein Erlebnis nahe käme.
Im Ewigen
Bleibt irdische Erlebensweise
Schein und Schaum...
Erst ein sich selbst erschließendes Erleben
Öffnet ewigkeitsgezeugten „Raum”!
122 Briefe an Einen und Viele
Alles ist in Gott, und Gott ist in Allem!
Primär in seinen ihm eigenen Wurzelbe‐
zirken: „Ursein”, „Urlicht” und „Urwort”,
wie in seiner Selbstgestaltung, dem „Va‐
ter” — sekundär in allem unsichtbaren,
wie in allem sichtbaren Leben.
.Das darf aber nicht etwa so verstanden
werden, als predigte ich da eine Art „Pan‐
theismus”, und ebensowenig ist es mein
Wille, das was Gott ist, als „Person” er‐
scheinen zu lassen. Auch „Ursein”, „Ur‐
licht” und „Urwort” sind wahrhaftig nicht
„Personen”, wie etwa im christlichen Tri‐
nitätsdogma: Vater, Sohn und Geist! Und
was den Leuchtenden des Urlichtes „der
Vater” ist, darf hinwiederum nicht im
Sinne dieses Dogmas aufgefaßt werden.
.Wir kennen und lehren die Wirklichkeit,
nicht irgendeine Glaubenslehre!
.Im Wirklichen aber: — in der Struktur
des geistigen Lebens, besteht ein Mono‐
theismus, der auch polytheistische Ausle‐
gungen verträgt, ohne dadurch zu sich selbst
in ein Mißverhältnis gebracht werden zu
können.
.Der Gott der Wirklichkeit ist nicht, wie
gesagt wird: „das höchste Wesen”! — Das
ist vielmehr — der Vater, der sich selbst
in die Formen der zwölf Väter ausstrahlt,
die seine Wirkungsaspekte sind. Gott aber
ist nicht „Wesen”, sondern: — hier in be‐
sonderem, einmaligen Sinne gemeint, —
die Wesenheit in allem, was wesenhaft
wirklich ist. So im „Ursein”, „Urlicht”
und „Urwort”! So im „Vater” in allen
seinen Aspekten!
.Der Vater aber ist — „Mensch” im Ur‐
sein, im Urlicht, im Urwort: — der sich
selber ewig zeugende Ur-Geistesmensch
und das Maß aller Dinge die aus ihm Ge‐
staltung erlangen, daher auch des Ewigen
im Erdenmenschen! —
.Gott ist ebenso absoluterweise Gott in
den „Vätern”: — der Offenbarungsform
des Vaters, — wie im Ursein, Urlicht und
Urwort. Für sich selber aber ist das, was
Gott ist, auch nur in sich selber „Gott”: —
die Wesenheit an sich selbst, — aber von
allem anderen in ihm Seienden im ewigen,
substantiellen geistigen Leben aus „ge‐
sehen”, ist Gott Wesenheit allen Wesens!
— Und „Wesen” ist Wirklichkeit aus „We‐
senheit”!
.Ich stelle aber hier kein „Nebeneinan‐
der” oder „Übereinander”, sondern das
„Ineinander” der Struktur ewigen, geistig‐
substantiellen Lebens dar, soweit ich es
durch Worte irdischer Sprache vermag.
.Man sage nicht, daß die Darbildung des
ewigen Wirklichen für den Menschen auf die‐
ser Erde praktisch zwecklos sei, da dieser
hier für ganz andere und ihn leiblich näher
angehende Fragen nach Lösung zu suchen
habe! Kein Mensch auf Erden kann vielmehr
die von jedem bewußt oder unbewußt er‐
sehnte innere Ruhe und Erlösung seiner
Seele finden, solange sein Vorstellungs‐
haushalt noch nicht gänzlich konform mit
der Struktur ewigen geistigen Lebens ge‐
ordnet ist.
144 Briefe an Einen und Viele
daß man den Be‐
griff „Wesenheit” für das Wesen-Gebende
gelten läßt. Das höchsteWesen” aber ist
dadurch „Wesen”, daß es in derWesen
heitist wie sie in ihm, und wenn ich
darstellen will, was ich darzustellen habe,
müssen mir beide Worte als Bestimmungen
zur Verfügung stehen. Nicht anders, als
wenn ich einem Menschen, der nach hun‐
dert Jahren wieder irdisch auferstanden
wäre, nun klarmachen sollte, daß ein Elek‐
tromotor sich nur dann bewegt, wenn er
unter Elektrizität steht. Auch da müßten
mir die Worte für Bewegtes und für das
Bewegende, zu Gebote stehen. Dieser Ver‐
gleich hinkt jedoch beträchtlich, denn mir
ist „Wesenheit” nicht bloß das Bewegende
des Wesens, sondern vielmehr in erster
Hinsicht des Wesens Allerinnerstes, — ver‐
gleichend gesagt: sein lebendiger „Kern”!
147 Briefe an Einen und Viele
„Ge‐
burt” Ihres „lebendigen Gottes” in Ihrer
ewigen Menschenseele sage, denn eben hier
handelt es sich um nichts anderes, als um
die von mir gemeinte „Wesenheit”, die
auch dem individuellen Erdenmenschen in
der, seiner Individualität auf das genaueste
entsprechenden Form bewußt werden kann
und durch die allein er wesenhaft zu wer‐
den vermag in Ewigkeit wie Zeit. —
.Der „Vater” ist nur den Leuchtenden
des Urlichtes, die seine eigene Zeugung
durch seine Offenbarungsform: — die
zwölf „Väter” — darstellen, bewußtseins
zugänglich, und zwar jedem einzelnen
Leuchtenden in der Form dessen unter
den zwölf mit dem Vater alle identischen
Vätern, der diesen individuellen Leuchten‐
den individuell im Urwort „zeugte”. Der
lebendige Gott” aber, von dem ich als
von der einzigen, allen Erdenmenschen
praktisch erreichbaren Selbstoffenbarung
Gottes spreche, kann jedem Menschen auf
Erden, — soweit dieser selbst sich dazu
vorzubereiten weiß, — seelisch erlebbar
werden, was ich mit einer „Geburt” Gottes
in der Seele vergleiche.
150 Briefe an Einen und Viele
der ich unlösbar im
Vater” und mit ihm Eines bin in dem
individuell bestimmten, der zwölf „Väter”,
durch den mich der Vater geistig im Ur‐
licht „zeugte”. So sind es auch nur die
Dinge des Vaters, denen ich heute, — hier
nun dem Irdischen in dem verbunden,
der sich mir, vordem die Erde ward, im
Geiste dargeboten hatte, — Ausdruck zu
schaffen trachte. Mein irdisches Dasein be‐
sitzt seinen Sinn nur in dem vor Ewig‐
keiten zugeschworenen Dienste, den es
mir, dem Geistgezeugten, heute darzu‐
bieten hat in seiner ihm bestimmten Er‐
denzeit.
.Verwunderlich wäre wahrhaftig, wenn
es auch Anderem dienen könnte!
.Wie die Dinge zwischen Geburt und Grab
so gestaltet und gelebt werden können, daß
die durch sie entstehenden Wirkungen ins
Unsichtbare und bis in die Welten des ewi‐
gen Geistes hinein, der Seele zu kraftvoller
Förderung werden, habe ich an jeder Stelle
meiner Schriften gezeigt, an der ich diese
Dinge erörtere.
156 Briefe an Einen und Viele
Wenn Sie den „Vater”, — der Ihnen ja
nicht bewußtseins-zugänglich ist, obwohl
auch Sie aus ihm leben, — als „sich in zwölf
Selbstreflexionen erlebende Einheit” auf‐
fassen wollen, so entfernen Sie sich durch‐
aus nicht von der Wirklichkeit. Nur müssen
Sie dann die alle zwölf „Selbstreflexionen”
umfassende zwölfeigene Einheit als ein
Dreizehntes hinzufügen, wie es wohlweis‐
licher Gebrauch „Wissender” der Vorzeit
war. Es ist mit Sicherheit zu sagen, daß
die in den Evangelien berichtete Zwölfzahl
der Jünger, mit Jesus als dem sie alle gei‐
stig umfassenden Dreizehnten, hierher‐
gehört
159 Briefe an Einen und Viele
Man hätte nur auch we
niger oder ebenso mehr der Schüler Jesu
in so besonders betonter Weise nennen
können, wenn hier nicht eine Parallele zu
dem Vater-Mysterium hätte sichtbar wer‐
den sollen, das ja zu Jesu Zeit nicht nur
einzelnen „Wissenden”, sondern ganzen
Mysterienvereinen bekannt war, aus denen
später viele Anhänger der Lehre Jesu
kamen.
161 Briefe an Einen und Viele
.Ein Träger ewigen Bewußtseins — wie
man ihn auch benennen möge — der sich
einem irdischen Menschen: dessen ewiger
Seele wie dessen zeitlich vergänglichem
Leibe, vereinigt, ja geradezu amalgamiert,
und das auf Grund freiwillig übernom‐
mener, um unvorstellbare Zeiträume zu‐
rückliegender Verpflichtung der ewigen
geistigen Individualität dieses Erdenmen‐
schen, — das ist für den modernen Euro‐
päer nichts als eine Reihe absurder Träume‐
reien, die er lediglich als Resultat einer
Gehirnerkrankung noch entschuldbar fin‐
det. Und man darf ihm bei seiner absoluten
Ahnungslosigkeit überzeitlichen Dingen
gegenüber, seine seelische Ignoranz nicht
einmal übelnehmen. Er kann nicht anders!
173 Briefe an Einen und Viele
.Überlegen Sie, daß in jedem Erden‐
menschen, bei aller Tiergleichheit in bezug
auf den Leib und die wieder auflösbare
„Tierseele”, die Funktionsergebnis dieses
Leibes ist, auch ein Ewiges sich darlebt,
mag es auch bei vielen zeitlebens latent
bleiben. Dieser ewige „Geistesfunke”, dem
die aus ewigen Seelenkräften sich gestal‐
tende und daher ewige Seele Darstellungs‐
bereich ist, erfüllt innerhalb der Struktur
ewigen geistigen Lebens ebenso seine ihm
allein vorbehaltene Stätte, wie der ewige
Leuchtende des Urlichtes die seine ein‐
nimmt. Dem Leuchtenden, der erdenkör
perlich wirkt, ist ein solcher Geistesfunke
seit unermeßlicher Zeit geistig vereinigt,
und mit ihm dessen ewige Seelenkräfte,
so daß zuletzt auch Tierseele und Leib die
Influenzwirkungen des ewigen Leuchten‐
den erfahren, dessen zeitliche Werkzeuge
sie sind, solange sie auf Erden im Physi‐
schen lebensbeständig bleiben können.
Während aber dem Leuchtenden des Ur‐
lichtes alle Erlebensmöglichkeit, die das
Leben des ewigen Geistes umschließt, bis
ins Innerste dieses Lebens gegeben sind,
da er ja von ihm aus bewußt ist, kann er
doch nur dem ewigen Einzelmenschen‐
geiste, dem er sich im Ewigen vereinigte,
um durch ihn einst dann auf Erden die
Möglichkeit zu geistiger Hilfeleistung zu
haben, Anteil an seiner, alles geistige Le‐
ben in sich durchdringenden Erlebensweise
geben, indem er ihn, Jahrtausende vor der
ihn später tragenden „Tierwerdung” auf
Erden, in sich realiter „hineinnimmt” und
so ihn an allem teilnehmen läßt, was in
ihm selber Leben ist. Dieses „Hineinneh‐
men” ist geistesgesetzliche Folge der un‐
darstellbare Zeit vordem dargebotenen frei‐
willigen Verpflichtung, die der von nun an
geheimnisvollste Vorbereitung Genießende
eingegangen war. Allen anderen im Irdi‐
schen inkarnierten ewigen Geistesfunken
vermögen jedoch die Leuchtenden des Ur‐
lichtes nur dazu zu verhelfen, ihrer ewigen
Seelenkräfte habhaft und Herr zu werden,
um im Bewußtsein der Seele sich selbst
zu finden und die ihnen gemäße Form der
Seele sich bilden und vereinigen zu können.
Da nun zwischen den ewigen Seelenkräften
und dem gehirnbedingten Erkennen, Emp‐
finden und Erlebenkönnen stete Influenz‐
wirkungen bestehen, so kann dieses see‐
lische Erwachen in entscheidender Weise
von den Vorstellungsbereichen des Erden‐
menschen her gefördert werden, wie an‐
dererseits auch die Einflüsse aus dem ewigen
Geiste über die Individualgestaltung des
Geistes, die in dem ewigen Geistesfunken
des Menschen gegeben ist, allmählich den
ganzen tiernahen Leib derart zu durch‐
dringen vermögen, daß er zur Verkörpe‐
rung des Geistes auf Erden zu werden ver‐
mag.
.Dem Geistigen eines jeden Erdenmen‐
schen entsprechen nun aber ganz be‐
stimmte, nur ihm allein zugängliche gei‐
stige Erlebensformen und die hier mög‐
lichen Kombinationen sind der Zahl nach
unendlich, so daß es ganz unmöglich wäre,
sie alle jemals darzustellen, ja nur gruppen‐
weise zu charakterisieren. Da nun aber der
Erziehung des Vorstellungslebens so uner‐
meßliche Bedeutung zufällt, und der vom
Irdischen her nach dem Geistigen Suchende
möglichst von dem schon irdisch erfahren
haben sollte, was ihm geistiges Erleben
werden kann, so ist es besser, er weiß von
allem, was an diesen Dingen Menschen er‐
fahrbar zu werden vermag, als wenn ich
nur das Allgemeinste erörtern, alles Be‐
sondere aber verschweigen wollte. Ich sagte
Ihnen schon einmal, daß jeder, sich selbst
gegenüber ehrliche Suchende alsbald wissen
wird, was ihm in meinen Lehrtexten im
Besonderen gilt, wobei es ihm nur zu grö‐
ßerer und tieferer Einsicht in die Natur
alles Geistigen dienen kann, wenn er auch
von anderen Möglichkeiten erfährt, denen
gegenüber er spontan fühlt, daß sie der
Art nach nicht für ihn in Frage kommen,
auch wenn Andere so zum gleichen Ziele
gelangen.
.Es sind dunkle triebdumpfe Atavismen
die durch unsere tierleibliche Herkunft
aus der Substanz des Planeten nur zu sehr
erklärlich werden, wenn immer wieder der
widergeistige Gedanke in den Köpfen auf‐
lebt, alle Menschen seien „gleich” vor
Gott. Tröstlich bleibt dabei nur, daß dieser
„Gott” der Langweile das Erzeugnis gleich
wertiger Ursache ist. — Die Wirklichkeit
aber kennt in den Beziehungen zu Gott
innerhalb der Struktur des Lebens im ewi‐
gen Geiste nur unendlichfältige Verschie
denheit. Eine Gleichheit vor Gott darf le‐
diglich insofern zu Recht behauptet wer‐
den, als sie sich auf die allen Erdenmen‐
schen gemeinsame leibliche Tiernatur be‐
zieht, die von dem Planeten genommen
ist und ihm wieder anheimfällt. Soweit aber
das Doppelwesen, das sich auf Erden be‐
scheidenerweise für den Inbegriff des „Men‐
schen” hält, geistiger Natur zugehört, sind
seine einzelnen Geistesfunken verschie
dener voneinander als alles Verschiedene,
was es auf Erden an irdischen Formen zu
unterscheiden gibt! Und zwar nicht nur
im Nebeneinander gesehen, sondern eben‐
so in bezug auf die hierarchisch unfaßbar
scharf bestimmte Stufe der Eigenkapazität
innerhalb des geistigen Lebens!
.Hier läßt sich nichts abhandeln durch
philosophische Begriffsbildungen, die in
der Sphäre der Wirklichkeit so wenig Hei‐
matrecht haben, daß man sie nicht einmal
als Schatten und Schemengebilde wahr‐
nimmt.
.Hier läßt sich aber auch nichts erkaufen,
denn alles was der Andere hat, ist in glei
cher Weise wie das Eigene, in der Struktur
des geistigen Lebens gründender, ewig un‐
veräußerlicher Besitz.
.Sie sehen, daß sogar sehr scharfe Gren‐
zen zwischen den Erlebensmöglichkeiten
der einzelnen geistigen Individualitäten
bestehen, aber Sie werden auch bereits
entdeckt haben, daß die Oberfläche der
Erde nicht ausreichen dürfte, diese Gren‐
zen alle aufzuzeichnen, und daß die von
Ihnen vermißte „schärfere Scheidung”
dessen, was nur dem Leuchtenden des Ur‐
lichtes zu erleben möglich ist, und dessen,
was jeder Menschengeist nach dem Er‐
wachen seiner Seele aufzunehmen vermag,
schon dadurch ganz unmöglich würde, daß
es sich in dem einen Falle um eine, Un
endliches in sich fassende, im anderen um
die denkbar differenteste Erlebensfähig‐
keit des Selbstbegrenzten handelt! —
182 Briefe an Einen und Viele
Ich konnte doch un‐
möglich annehmen, daß ein denkender
Mensch etwa zu der Meinung käme, ein
aus dem „Vater” in diese Erdenwelt ent‐
sandter geistgezeugter Leuchtender des
Urlichtes, als ewiges Wesen, könne unter
wie immer gearteten Umständen in grauen‐
voller, Äonen lang währender Umnach‐
tung seine geistige Auflösung erfahren, und
ebensowenig durfte ich nach allem, was
ich über den „ewigen Geistesfunken” im
Erdenmenschen an anderen Orten gesagt
hatte, vermuten, daß man am Ende diesen
ewigen geistigen Pol des Erdenmenschen
für auflösbar halten würde. Deutlich hatte
ich ja auch von der Seele gesprochen, die
zu einem „Reiche” der Ewigkeit geworden
sei, dessen „Krone und Zepter” dem „Auf
genommenen” in die Gemeinschaft der
Leuchtenden durch nichts verlierbar wer‐
den könne, außer durch ihn selbst. Ich habe
allerdings auch, abgesehen von Ihrem letz‐
ten Briefe, niemals eine Zuschrift erhalten,
aus der zu entnehmen gewesen wäre, daß
meine Worte einem Leser Schwierigkeiten
bereitet hätten. Wie man sieht, ist es ja
auch Ihnen gelungen, sich auf alle Fragen,
die Sie sich selbst an den bewußten Stellen
vorlegten, die richtige Antwort zu geben.
.Da der Leuchtende des Urlichtes, der in
erdenmenschliches Wirken eintritt, sich
mit dem ihm seit unvorstellbaren Zeiten
aus freien Stücken verpflichteten Men‐
schengeiste und dessen dann gegebener
erdenmenschlicher Darstellung so ganz ver‐
bindet, daß während des Erdenlebens ge‐
radezu von einer Verschmelzung gespro‐
chen werden muß, so ergibt sich infolge
solcher Verbindung auch eine Form der
Seele, die alles hier Verbundene in sich
zu empfinden vermag und an allem hier
gegebenen Bewußtsein teilnimmt. Wo diese
Seelenform nicht durch Willenswahn des
Irdischen zur Auflösung verurteilt wird,
dort geht sie nach der Beendung des erden‐
körperlichen Lebens nicht nur dem ewigen
Menschengeiste nicht verloren, sondern
bleibt mit ihm zugleich auch dem ewigen
Leuchtenden erhalten und sich selbst in
ihm. Aber auch dort, wo ihre Auflösung,
die allein durch die Willensüberheblich
keit des in dem geschilderten Verbande zu
findenden irdisch vergänglichen Teiles
möglich werden kann, unvermeidbar wird,
gehen natürlich keineswegs die ewigen
Urseinskräfte, die in ihrer hohen Form
als „Seelenkräfte” einst eine dem Leuch‐
tenden wie dem ihm verbundenen ewigen
Geistesmenschen gemeinsame Seelenform
gestaltet hatten, „verloren”, sondern wan
deln sich nur zurück in ihre eigene Aus
gangsform, nachdem sie sich, wie geschil‐
dert, aus dem voreinst so vollkommenen
Seelengebilde lösten. Es ist eine Bewußt‐
seinsauflösung durch Verlust des ewigen
Ich, das selber jedoch ebenso unverletzlich
im Geiste bestehen bleibt wie der Leuch‐
tende, dem es sich voreinst verpflichtet
hatte.
.Für irdisches Vorstellungsvermögen ist
freilich das, was da von mir angedeutet
wurde, nur dann leidlich erfaßbar, wenn
man sich, wie Sie, bei dem Schluß be‐
scheidet: „Ewiges kann nicht zerstörbar
sein, folglich muß es sich da um eine Be‐
wußtseinsform handeln, die zwar dazu ge‐
staltet war, auch Ewigem zu dienen, sich
selbst aber zu groß geworden fand, um sich
ihres nur im Ewigen und für das Ewige
gegebenen Seins gegenwärtig zu bleiben”.
Im Kleinen ereignet sich solcher Seelen‐
verlust tagtäglich tausendfach unter Men‐
schen auf Erden, die gewiß nicht einem
Leuchtenden des Urlichtes vereinigt sind.
Auch darüber habe ich ja genug geschrieben.
Ganz ähnlich erfährt auch hier der seelen‐
los Gewordene nach seinem leiblichen Tode
die qualvolle Bewußtseinsauflösung in ir‐
disch unvorstellbarer grauenvoller Nacht,
äonenlang noch dazu verdammt, um das
Unvermeidbare zu wissen, ohne ihm weh
ren zu können. — Und auch alle diese vielen
Seelenzerstörungen berühren in keiner
Weise die ewige Natur der Seelenkräfte,
die bei der Formung der nun in Auflösung
endenden „verlorenen” Seelen beteiligt
waren. Verursacht aber wird all dieser Mord
an der eigenen Seele immer wieder durch
das überhebliche Verlassen der Bewußt
seinsgegenwart vor dem Ewigen.
Sich nur im Ewigen achten
Und nur in ihm sich zu leben,
Wahrlich, ist schwerer
Als jegliches irdische Streben! —
Hart wird es Zeitlichem,
Hierfür sich selbst zu entsagen: —
Kaum vermag irdisches Trachten
Solchen Verzicht zu ertragen.
*
.Es ist die seit der Urzeit immer wieder‐
kehrende Tragik des Erdenmenschen, daß
er sich selbst gerade damit zerstört, womit
er sich zu erhalten und über das ihn Er‐
haltende emporzuschwingen meint...
199 Briefe an Einen und Viele
Seelisches Leid kann aber auch Menschen
zustoßen, die praktisch vor allen Plagen
die den Körper zu peinigen vermögen, frei
sind, und das quälendste seelische Leid ist
Leid um Andere. —
.Mag man aber mehr an seelisches, oder
mehr an körperliches Leid denken bei
meinen Worten, so bleibt doch die Forde‐
rung der „Entwertung” die gleiche. Diese
„Entwertung” besteht in erster Linie da‐
rin, daß man dem Leide das große Pathos
entzieht, das ihm durch viele Jahrhunderte
hindurch immer erneut zugestanden wur‐
de, so daß geradezu Ehrfurcht vor dem Leid,
an Stelle der Leid-Verachtung, und Leid‐
Bekämpfung trat. Es ist unumgänglich gei‐
stig notwendig, daß man die ebenso törich‐
ten wie: satanisch-frivolen Vorstellungen
in sich und anderen tilge, die das Leid als
ein von Gott verordnetes Erziehungs- oder
Strafmittel angesehen wissen wollen und
dabei nicht einmal soviel Raum zu höherer
Einsicht lassen, daß der Mensch gewahr
werden könnte, welche furchtbare Gottes‐
auffassung sie verraten. Es ist für den Gott‐
bewußten kaum zu ertragendes Leid um
Andere, sehen zu müssen, was man da
einem geglaubten „Gotte” an Scheußlich‐
keit zuzutrauen wagt, und was gar noch
armen gequälten Menschen dabei als
„Trost” herhalten muß! Und noch schau‐
derhafter ist die so vielfach vor Augen lie‐
gende Tatsache, daß von den Leidenden
solcher Trostgrund angenommen wird,
denn hier zeigt sich erst der unglaubliche
Grad der Widerstandslosigkeit, mit dem
solche Glaubenszumutung rechnen darf...
.Demgegenüber ist es Bedingung für je‐
den Erdenmenschen, der im ewigen Geiste
bewußt werden und seinen lebendigen Gott
in sich selbst empfangen will, — daß er
lerne, das Leid nach Möglichkeit zu igno
rieren, jedenfalls aber ihm alle und jede
moralische Bedeutsamkeit abzuerkennen!
Aber Sie dürfen diese Worte beileibe nicht
so verstehen, als werde bei der geforderten
Entwertung des Leides übersehen, daß see‐
lisches Leid ein dumpf und stur dahin‐
lebendes Gemüt zu neuer Willensbildung
aufzurütteln vermag, und daß körperliche
Schmerzen Faktoren der Gesundung, —
Bedingungen der Heilung sein können.
Doch, das sind Folgen, für die das Leid die
Ursache gewesen sein kann, während es
nach wie vor „Lüge” bleibt, da es dem
Geistigen im Menschen eine Bindung vor‐
täuscht, die sich ihm nur hier im tiernatur‐
bedingten Irdischen vortäuschen läßt, bis
es ihre Ohnmacht erkennt.
.Alles Leid ist nur in der Tiernatur ge‐
geben, die uns hier auf Erden zeitweilige
Darstellungsform ist, und selbst das er‐
greifendste seelische Leid, das hier emp‐
funden wird, gründet lediglich in der Tier
seele, die Funktionsergebnis des vergäng‐
lichen irdischen Leibes ist. Gewiß dürfen
Sie sich die Tierseele des Erdenmenschen
nicht derart beengt vorstellen, wie die
Tierseelen anderer Erdentiere! Durch die
Verbundenheit mit den ewigen Seelen‐
kräften der geistig nur dem Menschen ge‐
gebenen, vom Tode des Körpers nicht zu er‐
fassenden Seele und mit dem individuellen
ewigen Geistesmenschentum, empfängt die
menschliche Tierseele derart hohe In‐
fluenzwirkungen, daß fast alles, was der um
sich selbst am wenigsten wissende Erden‐
mensch „seelisches” Empfinden nennt, —
und dabei an ewig Seelisches oder an ein
dem Tierhaften doch weit übergeordnetes
Vergängliches denkt, — nur innerhalb der
hochgezüchteten erdmenschlichen Tier
seele erlebt wird, die ebenso Funktions‐
ergebnis des vergänglichen Menschtierlei‐
bes ist, wie das gehirnbedingte Denken, das
gleichfalls im Erdenmenschen das Denken
der Tiere um Gewaltiges überstiegen hat.
.So aber, wie ich das gehirngebundene
Denken, dort wo es in seinem Bereich
bleibt, wahrhaftig zu schätzen weiß, aber
nachdrücklich auch von einer anderen Art
des Gedankens spreche: — von dem Ge‐
danken, der sich selber denkt und, gänzlich
unabhängig von den Funktionen des Ge‐
hirns, diese nur dort benützt, wo er sich er‐
denmenschlich mitteilbar gemacht wissen
will, — so spreche ich, bei aller Bewunde‐
rung für das, was die Tierseele im Menschen‐
leib aus sich zu gestalten vermochte, doch an
den Stellen meiner Schriften, die von der
Seele handeln, fast ausschließlich nur von
der aus ewigen Seelenkräften gebildeten,
unter allen Tieren allein dem Menschen,
aus seinem Geistigen heraus gegebenen
Seele, während mir die Tierseele des Men‐
schen, als dem Vergänglichen an ihm zu‐
gehörend, keinen Anlaß zu besonderen
Ratschlägen für ihre weitere Entwicklung
bietet. Sie ist ja im Verlaufe der Jahrtau‐
sende allmählich zu solcher Entwicklung
gelangt, daß sie in den meisten Menschen
die Seele der Ewigkeit fast gänzlich über
deckt, und es tut wahrlich not, erkennen
zu lernen, daß unsagbar vieles, was der
Erdenmensch zu seinem höchsten Vermö‐
gen rechnet, nur das Werk seiner Tierseele
ist, — auch dort, wo sie sich mit dem ihr
unzugänglich bleibenden Ewigen auf ihre
Art zu befassen trachtet. — Und noch inner‐
halb dieser Tierseele wird auch das emp‐
funden, was wir auf Erden „seelisches”
Leid zu nennen pflegen.
.Wenn ich sage: „Alles Leid ist Lüge”
— so verneine ich, als guter Kenner viel‐
fachen tierseelisch empfindbaren und erd‐
körperlich erlebbaren Leides, wahrhaftig
nicht die intensive und bis zu vermeint‐
licher Un-Ertragbarkeit reichende Pein
gewalt des Leides, — wohl aber seine ihm
vom Erdenmenschen zuerkannte, pathe‐
tisch betonte Bedeutsamkeit, — im Sinne
einer vom Ewigen her dirigierten Erzie‐
hungs-Maßnahme, — durch deren perma‐
nente Anerkennung er nur für sich und
andere dem Leide Zuwachs auf dieser Erde
schafft, statt alle irdischen Möglichkeiten
zu seiner Vermeidung aufzurufen...
.Die von einem Leuchtenden des Urlichtes
in seiner erdmenschlichen Darstellung dar‐
gebotene irdische Leidens-Bereitschaft ge‐
hört nicht hierher, denn sie gleicht ja frei
willig dargebotenem „Tribut” an den
„Fürsten der Finsternis”, in dessen Ge‐
biet der Leuchtende — die Gesetze der
Finsternis verletzend — vorgedrungen ist.
Jedes Leid aber muß entlarvt werden als
ein in der Tiernatur gründendes Übel,
dessen Erduldenmüssen einen rein gesetz
mäßig zu erklärenden Zwang darstellt,
unendlich fern aller „erzieherisch” ge‐
dachten, göttlichen „Fügung”, wohl aber
Aufruf aller Kräfte des Menschen, die Leid
zu lindern, Leid zu tilgen vermögen. —
.Der Glaubens-„Trost”, unter göttlicher
Zuchtrute zu stehen, hat unter den Men‐
schen auf dieser Erde mehr verhütbares
Leid entstehen lassen als alle tiermensch‐
liche Bosheit! — Und das lediglich durch
folgerichtigen Ablauf des durch solchen
Glauben zur Auswirkung angeregten Ge‐
schehens im unsichtbaren Teil der physi‐
schen Welt!
.Hier sind jene „Peiniger” am Werk, von
denen ich im „Buch der Königlichen
Kunst”, Neuausgabe, Seite 101, gespro‐
chen habe!
.Das sind organisch gestaltete Intelligen‐
zen der unsichtbaren physischen Welt, in
denen alles Leid, das in einem sichtbaren,
greifbaren physischen Körper und der als
seinem Funktionsergebnis während seiner
Lebenszeit bestehenden Tierseele erlebt
werden kann, unbändige Wollustempfin
dungen auslöst, so daß diese vampirhaften
Lemuren ihre ganze, keineswegs unbe‐
trächtliche Kraft anwenden, um von ihrem
Bereiche her das Leid der Tiere und Men
schen, — ja auch selbst das, was im Leben
der Pflanzen dem Leide entspricht, — zu
veranlassen, zu erhalten, und auf den
höchsten Grad zu steigern.
.Durch die stete Anerkennung des Leides
als vermeintlicher „göttlicher” Schickung
wird aller Widerstand jener Abwehrkräfte
illusorisch, die, aus dem unsichtbaren Phy‐
sischen des Erdenmenschen her, den Über‐
wältigungsanstürmen dieser unsichtbaren
Peiniger begegnen könnten, — ja der arme
ahnungslose Mensch öffnet ihnen selbst alle
Wege zur Vermehrung des Leides in sei‐
nem Lebensbereich, während das Tier doch
wenigstens noch durch instinktive Abwehr
dessen, was ihm Unlustgefühle bereitet,
dem drohenden Schmerz auszuweichen
sucht...
.Es ist wahrlich nötig, das Leid zu ent‐
werten, und jeder soll dabei mithelfen, so‐
bald er in sich selbst zur Einsicht kam,
was die hier von ihm geforderte Wandlung
seiner Vorstellungen für ihn und seine Mit‐
menschen zu bedeuten hat.
.Auch Sie sind zu solcher Mithilfe auf‐
gerufen!
218 Briefe an Einen und Viele
Die Milde ewigen geistigen Lichtes wird
von überreizten Nerven nicht wahrgenom‐
men. Nur in der vorher erlangten unstör‐
baren heiteren Ruhe der Seele kann sich
das goldweiße Licht der Gottheit irdischem
Erfühlen offenbaren.
.Ich darf wahrhaftig über die Art des
Lebens und Erlebens im ewigen Geiste
mit innerster geistiger Vollmacht sprechen,
und so, wie es nur dem Selbsterfahrenden
möglich ist. Gerade darum aber muß ich
bekennen, daß auch im höchsten geistigen
Leben, das mir jedoch als faßbares Erlebnis
bewußt ist, die gleiche nüchtern klare
Einfachheit und Selbstverständlichkeit
herrscht, die jeder kennt, dem auch nur
ein einzigesmal in seinem Erdenleben
Ewiges, gleichviel in welchem Grade, zu
Bewußtsein kam.
.Was sich die meisten Menschen unter
dem Leben des ewigen Geistes und dem
menschlichen Erleben dieses geistigen
Lebens vorstellen, ist derart irdisch gefärbt
und derart kompliziert erdacht, daß es die
sicherste — Ausschaltung wirklichen Er‐
lebens im ewigen Geiste bewirkt. Wer aber
einmal vor der unsagbaren Selbstverständ
lichkeit und nüchtern klaren Einfachheit
geistigen Lebens und Erlebens im Tiefsten
erschüttert stand, der weiß zu begreifen,
weshalb ich vor allen phantastischen Vor‐
stellungen warne, die im voraus festlegen
möchten, wie Geistiges dem Irdischen sich
darbieten „müsse”.
Ich habe wahrhaftig allem Darstellbaren
ewiger substantieller Geistgestaltung ein
Wahrbild in Worten erwirkt, und nur jene
Gebiete der Struktur geistigen Lebens mit
Schweigen umhegt, die sich jedem Ver‐
gleich, und somit jeder Erfassung in irdi‐
scher Sprache entziehen. Aber auch dieser
Gebiete erhabenstes Geheimnis ist durch
ihre unbeschreibliche, irdisch unvorstell‐
bare Einfachheit geschützt: — durch das
über jede Frage hinaus „Selbstverständ‐
liche” des in ihnen zu erlebenden Ge‐
schehens. Es gibt da nichts Beunruhi‐
gendes, Aufregendes, Verblüffendes, Er‐
schreckendes oder gar „Unheimliches” zu
erleben, sondern vielmehr Welten abso
luter geistiger Klarheit, die jegliches Ver‐
schwommene, Fragwürdige und Ungewisse
ausschließen. So ist es in allen Bereichen
vollbewußten inneren, geistsubstantiellen
„ewigen” Lebens und mithin auch in der
ewigen Seele eines Irdischen, in der sich
ein Leuchtender des Urlichtes darlebt
innerhalb der Abmessungen seiner ihm
zubestimmten irdischen Zeit.
.Es ist jedoch der Leuchtende des Ur‐
lichtes nur darum der ewigen Seele des
ihm Dargebotenen im irdischen Leben ver‐
eint, weil allein durch solche Vereinung
auch allen anderen ewigen Seelen, die sich
zeitlich in Erdenmenschen erleben und
formen, die „Kraft aus der Höhe”: — die
geistgeborene ewige Lichtesenergie — zu‐
geleitet werden kann, deren sie zur Er‐
reichung ihres Erwachens im ewigen Be‐
wußtsein bedürfen. Was ich als Leuchten‐
der des Urlichtes in Worten lehre, mag
vielen zum ersten Anlaß werden, um durch
ihr eigenes Nachfühlen und Mitempfinden
sich allmählich für das Erwachen ihrer
ewigen Seele vorzubereiten, aber vom
ewigen substantiellen Geistigen her ge‐
sehen, ist mein bloßes geistigesDasein
innerhalb des Erdenlebens weitaus be‐
deutsamer als all mein bewußtes „Tun”,
wobei noch zu sagen ist, daß die in
Worte geformte, sichtbarlich aufnehm‐
bar gewordene Lehre wahrlich nur den
geringsten Teil dessen darstellt, was mir
vom ewigen Geiste her zu bewirken ob‐
liegt.
.Was aber mein bewußtes Tun — wie im
Seelischen, so bei der sprachlichen Dar‐
legung lehrenden Bekundens — am aller‐
ärgsten erschwert, ist die Diskrepanz zwi‐
schen der sich selbst immer weiter kom‐
plizierenden Kompliziertheit gehirnlich
bedingten Vorstellungserzeugens und der
irdisch unfaßbaren Einfachheit ewigen sub‐
stantiellen geistigen Lebens.
24 Hortus Conclusus
Ich weiß wahrlich „ein Lied davon zu sin‐
gen”, was es für einen Menschen der in der
freien Ur-Einfachheit des Ewigen heimisch,
und dessen psychophysischer Empfindungs‐
organismus aus dem ihm normalerweise ir‐
disch entsprechenden Bindungszustande
gelöst ist, seelisch bedeutet, allen den tau‐
senderlei geradezu „höllischen” Schwin‐
gungen ausgesetzt sein zu müssen, die den
Lebensraum der gegenwärtigen, an ihrer
fortzeugenden Kompliziertheit fast erstik‐
kenden abendländischen Zivilisation durch‐
beben. Aber die Unmöglichkeit, ewiges
substantielles geistiges Leben in seiner un‐
geahnten Einfachheit innerhalb des Lebens‐
raumes dieser Zivilisation anders zur Ein‐
wirkung zu bringen als durch das irdische
Mitleben” eines aus dem Urlichte Leuch‐
tenden, legt mir — als dem in dieser Zeit
dazu Geborenen — kategorisch die Pflicht
des Mit-Lebens auf, der ich nie und nim‐
mer genügen könnte, wenn ich mich — nur
vereint mit meinen, mir im ewigen Geiste
ewig gleichgeborenen geistigen Brüdern —
von den Bereichen äußeren Lebens, denen
meine europäischen und in der übrigen
Welt nach europäischer Weise lebenden
Mitmenschen einverwoben sind, fernhalten
oder gar dauernd sondern wollte.
.Wohl aber muß ich mir auch innerhalb
der Bereiche dieser komplizierten — übri‐
gens keineswegs an sich und in Bausch und
Bogen „verwerflichen” — abendländischen
Zivilisation dennoch eine relative Abge‐
schiedenheit schaffen, wenn es mir möglich
werden soll, alledem geistig zu entsprechen,
was mir in meinem Mitleben, zum Wohle
der Mitlebenden obliegt, denn das mir Ob‐
liegende verlangt Tag um Tag seine reich‐
lich bemessenen Stunden bedingungslos
dargebotener Einsamkeit.
27 Hortus Conclusus
kann mir vielmehr keinen Tag vorstellen,
an dem mein Bewußtsein nicht, aus mei‐
nem höchsten innersten ewigen Standort
herausgehend, alle Zwischenlagen wieder‐
erkunden würde bis zum untersten Tier‐
bewußten des vergänglichen Erdenkör‐
pers, den ich hier im Irdischen verbrauche.
Aus solcher Tiefe wieder in mein Ewiges
gelangt, bin ich imstande, erfühlend zu
ermessen, was jeweils aus dem ewigen Gei‐
stigen her getan werden muß. Wollte ich
mich immer nur auf meiner höchsten Höhe
erhalten, dann wäre ich nicht, der ich von
Ewigkeit her im ewigen „Augenblick” bin,
aus dem ich in diese Zeit nur dadurch ge‐
langen konnte, daß ich das Wagnis wagte,
aufzusuchen, was nur der „weiß”, der in
sich auch die tiefste Tiefe bewußt erlebt.
So bin „ich”: der im Urlicht Leuchtende,
— auch „ich”: ein im ewigen Geiste wie‐
der Bewußtgewordener aus denen, die
durch ihre Schuld in das Zeitliche fielen,
und zuletzt noch — dem irdisch bewirkten
Anscheine nach — „ich”: der vergängliche
Erdenmensch im Menschentier. — Die Stu‐
fenleiter von meinem eigenen Höchsten
herab in mein Tiefstes, ist freilich wesent‐
lich stufenreicher als diese knappe Skiz‐
zierung vermuten läßt. Es kann nur über
das Einzelne nicht gesprochen werden, da
kein Verstehen zu erzielen wäre. Nur, wer
als Leuchtender des Urlichtes dazu befähigt,
selbst diese Stufenleiter hinab und wieder
hinauf zu steigen vermag, — was dem Ir
dischen aus sich versagt ist — weiß um die
differenzierte Art ihrer Stufen. Jedem an‐
deren Bewußtsein wäre auch ein Wissen
darum zu nichts nütze.
.Ich spreche von allen diesen Dingen, um
den törichten Gedanken, — es könne etwa
„unter der Würde” sein, sich noch Emp‐
findungen zuzugestehen, die an die Besorg‐
nisse allererster Anfänge erinnern, —
gleich mit der Wurzel auszurotten, so daß
er niemals mehr erwachsen kann. Wenn es
mir Notwendigkeit ist, tagtäglich den
höchsten Standort meines ewigen geistigen
Bewußtseins zu verlassen, um den seeli‐
schen Zustand der in den tiefsten Erden‐
höllentiefen Lebenden mitempfindend zu
erleben, — dann darf auch jeder Suchende
ohne Sorge sein, wenn er dann und wann
sich wieder wie auf seiner ersten Stufe
gewahrt.
.Der Segen aus dem ewigen Lichte würde
ihn auch dann — und um gar vieles Inne‐
werden bereichert — wieder zu seiner der‐
zeit höchsten Höhe des Bewußtseins hinauf‐
geleiten, wenn er sich zuweilen abgrund‐
tief unter den erfühlten Einsichten seiner
allerersten Wegstufe gewahren müßte. Die‐
ser Stufenweg kennt ja keine „Rangstufen”
von denen einer hinabgestürzt werden
könnte, sondern nur Stufen der Einsicht
und Erleuchtung, und es bleibt ganz dem
Suchenden allein überlassen, ob und wann
er sich gelegentlich zu einer früheren Ein‐
sichtstufe zurückbegeben will, um auf ihr
in der Erinnerung wie sodann beim Wie‐
deraufstieg, das ihm bereits insgesamt
Zuteilgewordene erneut zu durchleben.
Dieser ganze Stufenweg ist ein Weg des
„Innewerdens”. Darum ist jede Stufe, die
erklommen wird, nicht nur für alle Zeit,
sondern auch in der Ewigkeit bleibender
Besitz, der selbst dann erhalten bleiben
würde, wenn er durch irdische Schuld
äonenlang für das Bewußtsein unzugänglich
werden müßte. Zu solchem unsäglich be‐
klagenswerten Schicksal neigen aber glück‐
licherweise nur wenige.
ÜBER BEWUSSTSEINSLAGEN
UND LEIDHILFE
Es ist gewiß niemals ganz leicht, von
einem Bewußtseinsinhalt der irdisch nicht
geschildert werden kann, — weil alle die
Klischeeworte, wie „absolute Harmonie”,
„reinste Klarheit”, „höchste Seligkeit”,
auch nicht entfernt vor ihm bestehen kön‐
nen, — freiwillig zu scheiden um durch
immer unerleuchtetere Regionen hinab‐
zusteigen, bis man die Dumpfheit des
bloßen Tiermenschentums wieder gewahr
zu werden vermag, — aber in alledem liegt
zugleich ein solcher Erlebensreichtum für
den noch der Erde Verbundenen, der na‐
turgemäß auch noch mit irdischen Meß‐
bändern zu messen versteht, daß ich es als
„Gnade”, empfinde, diesen täglichen Weg
immer neu erprüfen zu müssen.
.Gewiß muß auf diesem täglichen Weg ins
Dunkel und wieder zurück ins Licht, auch
alles Leid seelisch mit erduldet werden, das
alle die in verschiedenem Grade verdunkel‐
ten Regionen aufzuweisen haben. Das wäre
unerträglich, wenn ich nicht dazu seelisch
erzogen und geschult worden wäre, —
wenn ich nicht in jedem Leid zugleich die
„Lüge” am Werk sähe und um des Leides
sichere dereinstige „Umwertung” wüßte.
Ich muß aber zugeben, daß mir dieses, mit‐
unter alles bereits nur zu genau bekannte
noch um Unermeßliches übersteigernde
Leid zuweilen wahrhaftig nur mit Aufbie‐
tung aller seelischen Kräfte in all seinem
Furchtbaren bewußt miterleidbar wird,
und daß seine Schwingungen oft noch tage‐
lang peinigend in irdischem Bewußtsein
nachklingen, obwohl sie im ewigen Geisti‐
gen „augenblicklich” aufgelöst wurden.
Was will aber all mein freiwilliges Mitemp‐
finden, — als eigenes seelisches Leid, —
besagen, gegenüber der Überfülle von Leid,
die in allen Bewußtseinsregionen ohne
Unterlaß unfreiwillig de facto erduldet
wird! — Es wäre schon teuflische Gleich‐
gültigkeit dem Empfindenmüssen anderer
individueller Seele gegenüber, wenn einer,
der weiß, daß Miterleben hier nötig ist,
insoferne Linderung geschaffen werden
soll, sich vor diesem Miterleben scheuen
wollte, und es ist wahrhaftig kein „Ver‐
dienst” hier seiner selbst nicht zu schonen.
Kein einziger Bewußtseinsbereich öffnet
sich „von außen her”! Man muß selbst
vorübergehend in ihm nach seiner eigenen
Art bewußt sein wollen, wenn man inner‐
halb seiner Herrschaft Hilfe leisten kön‐
nen soll.
.Nach allem, was ich schon anderenortes
an Erläuterung gegeben habe, brauche ich
wohl kaum noch zu sagen, daß dieses frei‐
willig gewollte tägliche Miterleben der ver‐
schiedensten, nicht zur normalen eigenen
Bewußtseinslage gehörenden Bewußtseins‐
bereiche nicht etwa eine „Ortsverände‐
rung” bedeutet, und daß alles Miterleben
des in jedem Bewußtseinsbereich zu fin‐
denden Leides ein generelles Aufnehmen
der in diesem Bereich aktuellen Leid‐
„Schwingungen” darstellt, wobei mitemp‐
funden wird, was alle in dieser Region
durch Leid Gepeinigten primär empfinden,
aber ohne jede Aufrollung persönlicher
Schicksale innerhalb derer das Leid emp‐
funden wird. Die Hilfe besteht in der Aus
lösung der jeweils verlangten geistigen
Kräfte, die dann ohne jegliches Zutun
innerhalb des betreffenden Bewußtseins‐
bereiches ihr Wirken dort einsetzen, wo
es vonnöten ist: — je nach dem Einzelfall
als Kraftspendung zur weiteren Ertragung
des Leides, als Leid-Linderung, Leid-Be
freiung, oder in irgendeiner anderen nö‐
tigen Form.
.Allerdings ist solches Miterleben und
wirksame Helfen nur möglich durch uner‐
hörten Verbrauch an irdischen Lebens‐
energien. Oft ist es nötig, in wenigen Stun
den mehr Lebensenergien zu verbrauchen,
als Menschen, die im intensivsten tätigen
äußeren physischen oder gehirnbedingten
Leben stehen, in vielen Monaten zu ver‐
brauchen vermögen. Im ewigen geistigen
Wirken Dahingegebenes ist dabei natür‐
lich dem Irdischen unwiederbringlich ent‐
zogen. Äußere intensivste Tätigkeit emp‐
findet man geistigsubstantiellem Wirken
gegenüber zwar im Irdischen wie Erho‐
lung, aber man kann nicht Beides zugleich
tun, und was im rein geistigen Wirken
verbraucht wird, fehlt immer unersetzbar
im Erdendasein. Aus dem Ewigen strö‐
mende Kräfte hingegen, die sich ins Irdi‐
sche transformieren lassen, schaffen hier
nicht etwa irdischer Energie Zuwachs, son‐
dern — nur die Möglichkeit eines sonst
unmöglichen Mehrverbrauches irdisch ge‐
gebener Energien im Ewigen. — Es ist
keineswegs etwa so, daß Ewiges des Irdi‐
schen nicht bedürfte! Nur was der im Ur‐
lichte Leuchtende während seines Erden‐
lebens für sein Wirken im Ewigen freizu
halten weiß, kann er dort einsetzen, wo
er geistig helfen, und wo er vermeidbares
Leid verhüten will, gleichviel, welche Be‐
schwerde ihm selbst sein irdisches Dasein
aufbürden mag, das seiner ganzen Natur
nach ja nur ein Leben für Andere ist, ohne
Wahl und Frage.
VOM BEWUSSTSEIN
DER ABGESCHIEDENEN
Die stets wiederholten Erkundungen ei‐
ner ansehnlichen Reihe verschiedener Be‐
wußtseinslagen, wie sie zu meinen freiwillig
übernommenen täglichen geistigen Oblie‐
genheiten gehört, umfassen natürlich auch
die Bewußtseinsbereiche der von dieser
Erde Abgeschiedenen. Auch da aber gibt
es hinsichtlich der Unmöglichkeit, be‐
stimmte Einzelschicksale auszuforschen,
keine Ausnahme.
.Hingegen liegt die Zeit noch nicht lange
zurück, die mich episodisch auf andere,
nur schwer erträgliche Art in der Möglich‐
keit sah, unter gewissen seltenen aber
durchaus nicht von mir allein abhängigen
Verhältnissen, kurzen Kontakt auch mit
individuell bestimmten, von der Erde ab‐
geschiedenen Seelen innerhalb ihres Be‐
wußtseinsbereiches zu erlangen. Es war das
die nicht gerade erwünschte und auch ge‐
wiß von keiner Seite her erstrebte psy‐
chophysische Nachwirkung gewisser Not‐
wendigkeiten meiner früheren jahrelangen
geistkörperlichen Schulungen, und ich
habe sehr darunter gelitten, — auch kör‐
perlich! — da die ganze Situation einen
unerhörten Kräfteaufwand verlangte, um
ihr gewachsen zu bleiben. Gewiß konnte
ich auch in einzelnen Fällen Menschen die
ihnen Liebes verloren hatten, authenti‐
schen Trost bringen, aber die Vermittler‐
schaft zwischen auf der Erde im Sichtbaren
Lebenden und denen, die diese Sichtbar‐
keit verlassen haben, ist weder im physisch
kosmischen, noch vom ewigen geistigen
All her vorgesehen, und am allerwenigsten
könnte sie gerade meine Aufgabe sein. Ich
war daher recht froh, eines Tages keiner
Gegenwehr mehr zu bedürfen, und dann
immer deutlicher diesen unerwünschten
Zustand einer nicht gewollten Sensitivität
im Abklingen zu gewahren. Aber noch
mehr war ich erfreut, als es mir gelungen
war, ihn definitiv zu beenden, und ich
trauere ihm gewiß nicht nach.
.Über die Beziehungsmöglichkeiten eines
Leuchtenden des Urlichtes zu erdentrück‐
ten Menschenseelen herrschen selbst unter
sonst recht einsichtigen und belehrbaren
Menschen leider phantastische Vorstellun‐
gen. „Richtig” vermutet wird dabei nur,
daß wir imstande sind, innerhalb der Be‐
wußtseinsbereiche irdisch „Gestorbener”
zu empfinden. Was das aber in Wahrheit
bedeutet, macht man sich keineswegs klar,
— denn es bedeutet nichts anderes, als im‐
stande zu sein, sich selbst innerhalb der Be‐
wußtseinsbereiche Gestorbener als realiter
auf Erden „verstorben” zu empfinden. —
.Statt dessen aber nehmen sonst recht
urteilsfähige Menschen überlegungslos an,
es müsse einem doch ein Leichtes sein,
unter ungezählten Millionen Seelen, die
zu innerst in beglückender Konzentration
auf ihr geistig gegebenes Licht versunken
sind und allen „Anruf” als bitterste Stö‐
rung empfinden würden, eine bestimmt
bezeichnete Seele geradezu „herbeizu‐
rufen” um von ihr gleichsam eine Art
jenseitiges „Interview” zu erhalten.
49 Hortus Conclusus
Bei dem Hinabsteigen in niedere Bewußt‐
seinsbereiche sind es nicht die sachlich in
der Struktur dieser Bereiche zu findenden
„Gefahren”, die dem Leuchtenden des Ur‐
lichtes zu schaffen machen können. Vor
diesen Bedrohungen weiß sich der geistig
Bewußte zu schützen, wo immer sie ihm
begegnen mögen. Was ihn hingegen immer
wieder doch mit Grauen zu bedrängen
sucht, sobald er in Bewußtseinslagen hin‐
absteigt, die einen zeitweisen Verzicht auf
die ihm gemäße Bewußtseins-Stufe ver‐
langen, ist das unerbittliche Wissen darum,
daß er sich damit seiner geistigen Macht
zeitweilig begibt, und somit solange ohne
Wehr bleibt gegenüber möglichen „Über‐
fällen” zerstörender Kräfte des Unsicht‐
baren der physischen Welt, — wobei dieses
Wissen auch darum weiß, daß immerfort
subjektive Vernichtungsimpulse auf den
günstigsten Augenblick zur Auslösung sol‐
cher Überfälle auf jeden der Leuchtenden
des Urlichtes warten, der ihnen in dem
irdisch Zugänglichen erreichbar wird. Der
Mensch auf niederster Bewußtseinsstufe,
die aber zur Zeit die seine ist, bleibt ge
schützt vor jedem Angriffsversuch verder‐
benbringender Impulse aus der unsicht‐
baren physischen Welt, solange er nur sein
eigenes Fühlen und Wollen freizuhalten
weiß von gleichgearteten Zerstörungsten‐
denzen. Der Leuchtende des Urlichtes aber,
der sich bewußten Willens in eine ihm nicht
gemäße Bewußtseinsregion begeben will,
kann das nur, wenn er sich selbst zeitwei‐
lig aus seinem ihm zugehörigen geistigen
Bewußtsein löst und für bestimmte Dauer,
auf seine eigene geistige Form verzichtend,
niedere Form als „sich selbst” empfindet,
wobei er sich naturnotwendig selbst ent
waffnet halten muß, was jene Unsichtbaren
und ihre sichtbaren Handreicher sehr wohl
wissen, denen das irdische Wirken eines
jeden Leuchtenden des Urlichtes schwer‐
sten Abtrag für ihre eigene zeitbestimmte
Existenz bedeutet.
.So ist jedes derartige Niedersteigen —
scheinbar — tollkühne Torheit. Und wenn
man auch, — vom Irdischen her betrach‐
tet, — sein Tun mit ganz alltäglichen Ge‐
fahren vergleicht, denen man sich tausend‐
mal ausgesetzt hat und denen sich Tag um
Tag unzählige Menschen in aller Welt schon
auf den Wegen zu ihrer Arbeitsstätte aus‐
zusetzen gezwungen sind, — ganz abge‐
sehen von allen, deren Beruf an sich schon
voller Gefahren ist und zu ihrer Bewälti‐
gung jederzeit furchtlose Ruhe voraus‐
setzt, — dann bleibt doch die unerhörte
Höhe des Einsatzes unterscheidend, da die
Gefahren des Alltagslebens in einer großen
Stadt oder in gefahrumdrohtem Beruf zwar
das irdische Leibesleben in Frage stellen
können, — niemals aber: im Irdischen er‐
langtes geistiges Bewußtsein des eigenen
Ewigen. — Hier steht für den Leuchten‐
den des Urlichtes nichts Geringeres als der
Bewußtseinsverlust seines im Geiste be‐
wußten Irdischen zu befürchten, und kei‐
ner weiß im voraus mit Sicherheit, ob
es ihm bis zur Beendigung dieses Erden‐
lebens gelingt, sich seiner selbst immer
wieder auch erdenmenschlich bewußt zu
werden, oder ob ihm sein Irdisches eines
Tages doch für sein Ewiges verlorengeht: —
auf Erden also nichts von ihm übrig bleibt
als ein Irrsinniger oder eine kindisch ver‐
blödete Karikatur seiner selbst. Das ist
die wirkliche Gefahr in der noch jeder bis
zum irdischen Abscheiden schwebte, der
ewiges Licht in dieses Erdenleben brachte!
Was will dagegen alles jemals mögliche
physische und seelische Leid bedeuten! —
Es ist ein „Nichts” gegenüber dem, was
hier ständig bis zum letzten Atemzug
droht. Sowohl vom ewigen Geistigen, wie
von dem sein zeitumgrenztes Behagen su‐
chenden Erdenmenschlichen her gesehen,
ist wahrlich kein Anlaß gegeben, solchen
Gefahrzustand aufzusuchen, wo er nicht
unbedingte Voraussetzung einer unerläß‐
lichen geistigen Hilfeleistung ist, die allein
es ewiger Liebe möglich macht, ihr un
zugänglich gewordenes Bewußtsein wie‐
der zu erreichen.
.Ich werde kaum noch zu sagen brauchen,
daß natürlich solche Gefahr niemals ande
ren Erdenmenschen nahekommen kann,
einerlei welche Höhe der Einsicht sie be‐
wußt zu erreichen vermögen, denn selbst
wenn sie es wollten, könnten sie sich nicht
aus dem von ihnen erlangten Bewußtseins‐
bereich lösen um sich in geistesfernen Be‐
wußtseinslagen wach zu erleben.
.Träume können gewiß in die Gespinste
eines der unzähligen „Strandreiche” ver‐
flechten, deren Influenzen ja auch das tag‐
wache menschliche Trieb- und Empfin‐
dungsleben unausgesetzt erfährt, wenn der
Einzelne sich nicht selbst kategorisch feste
Richtlinien gibt, für das, was er an unsicht‐
baren Einflüssen anzunehmen gewillt ist
und das, was an ihm abprallen soll. Aber
mag auch das, was da geträumt wurde, so
lebhaft gewesen sein wie das eindrucks‐
vollste Tageserlebnis, so war es doch nie‐
mals etwas anderes als ein Traum, denn
es ist ja — glücklicherweise — nur den
Leuchtenden des Urlichtes allein möglich,
die Bewußtseinsakkumulierungen, die ich
als „Strandreiche” jenseitiger Welt be‐
zeichnet habe, wachbewußt wahrzuneh‐
men.
61 Hortus Conclusus
Wenn sowohl in der mittelalterlichen als
auch in der so viel älteren orientalischen
Mystik die Abkehr vom „Ich”, ja das innere
Auslöschen des „Ich” verlangt wird, so
darf ich gewiß von mir sagen, daß es wohl
kaum einen „Mystiker” auf Erden gab,
der mit solcher Bestimmtheit von sich wis‐
sen konnte, daß dieses vergängliche „Ich”
in ihm bis auf den letzten Funken ausge‐
brannt sei, wie ich das von mir — aus mei‐
nem bewußten ewigen Geistigen her ge‐
sehen — unumstößlich weiß. Sage ich also
in meinen Lehrtexten dennoch, daß der
Weise „Ich” ist von Grund auf, und daß
alles in ihm untertan ist seinem „Ich”, so
liegt doch wohl zutage, daß ich mit dem
gleichen Worte etwas Anderes meine als
die erwähnten „Mystiker”. Ich rede viel‐
mehr: — vom Entgegengesetzten, — von
der ewigen, aus dem ewigen Geiste stam‐
menden Urgestalt, deren verzerrte tier‐
heitsbestimmte Vortäuschung allein jene
Meister der Mystik meinen. Ich warne
wahrhaftig nicht vor der Verachtung dieser
Maske, die sich „Ich” nennt! Leider ge‐
nießt sie ja in aller Welt und unter allen
Völkern ein solches Ansehen, daß fast
keiner, der sie mit sich identifiziert
noch merkt, wie er damit nur sein
wirkliches Selbst karikiert. Kein Wunder,
daß nur so wenige Menschen das Trugbild
fahren zu lassen willens sind, wie das un‐
erbittliche Voraussetzung für das Bewußt‐
werden in der geistigen Urgestaltung
„Ich” ist! Man hat sich im selbstgeschaf‐
fenen Trugbilde seines ewigen „Ich” viel
zu lieb, ist viel zu sehr von seiner tatsäch‐
lich vorhandenen irdischen Geltung, von
wirklicher oder vermeintlicher, diesem
Trug-Ich zugedachter Bedeutung durch‐
drungen, als daß man sich noch dazu
überreden möchte, das gekannte, anschei‐
nend so Sichere dahinzugeben um eines
vermeintlich so Unsicheren willen, wie der
eigenen ewigen Urgestaltung „Ich”. —
.Keiner weiß mehr, daß das, was er im
Begriff und Wort „Ich” zusammenbündelt,
nur ein irdisch Angenommenes ist, das ihm
nur darum anzunehmen möglich wird,
weil die ihn durchlebende geistige Urge‐
staltung „Ich” das ihm unbewußte Vor
bild abgibt, dem er die seinen irdischen
Neigungen am meisten entsprechende Dar‐
stellung seiner selbst in sich gegenüber‐
zustellen sucht und so seinen täuschenden
„Ich”-Begriff sich selber suggeriert. —
.Das zum ersten Erkunden seiner Umwelt
fähig gewordene Kind weiß noch nicht, was
das ist, wenn eine Stimme in seiner Um‐
welt „Ich” sagt. Es ist sich selbst noch „Um‐
welt”, in der offenbar, wie ihm seine kleine
Alltagserfahrung zeigt, alle Dinge mit ge‐
wissen Lautverbindungen zusammenhän‐
gen. So hört es denn auch eine bestimmte
Lautegruppe immer mit seiner Selbstäuße‐
rung in Verbindung gebracht und lernt
seinen „Namen” in seiner Umwelt genau
so mit sich identifizieren, wie das auch
einem jungen Tiere gelingt, das in Men‐
schennähe lebt. Will das Kind aber, — das
ja vor allen Tieren die Möglichkeit einer
differenzierten Sprache voraushat, — sich
selbst bezeichnen, so nennt es das Stück
seiner Umwelt, das es für sich selber ist,
indem es den immer wieder dafür gehörten
Namen” sagt. Erst viel später lernt es
dann auf mechanische Art durch Nachspre‐
chen: — „Ich” sagen und dann auch all‐
mählich begreifen, daß das scheinbar der
Allen gemeinsame „Name” ist, wenn sie
von sich zu sprechen haben. Sagt das Kind
nun aber fortan auch zu sich selber: „Ich”,
so ist doch der Umfang und die Tiefe sei‐
nes Bewußtseinsinhaltes dadurch in keiner
Weise verändert, wenn auch den Erwach‐
senen der Gebrauch der ihnen so wichtigen
Selbstbezeichnung bei dem kleinen Wesen
wie ein gewaltiger Fortschritt erscheint.
.Für den heranwachsenden, wie später
für den erwachsenen Menschen, bedeutet
all seine Lebenserfahrung eine mosaikartig
geformte Zusammensetzung von vielem
Einzelnen, das erst „Umwelt” war, bis es
sich dem schon in kindhafter Zeit gebil‐
deten Selbstbegriff „Ich” einfügen ließ,
und falls unter dem vielen Einzelnen auch
der Glaube an eine Bewußtseinsfortdauer
über den Tod hinaus zu dem eigenen „Ich”‐
Mosaik gehört, dann erscheint dem Selbst‐
bewußtsein im „Ich” nichts einleuchten‐
der, als daß alle seine zusammengelebten
Inhalte auch auf „ewige” Dauer Anspruch
haben müßten.
Wenn dann aber doch die abgründige
Naivität dieser Annahme zu Bewußtsein
kommt, dann ist die Erschütterung derart
zerreißend, daß sich aller übrige Selbst‐
bewußtseinsinhalt nicht nur von dem vor‐
maligen Glauben, sondern auch von jeder
Möglichkeit, ihm eine weniger gefahrum‐
drohte Begründung zu finden, in brüsker
oder elegischer Weise löst. Eine Revision
der einzelnen Mosaiksteine auf ihre mög‐
liche Ewigkeitsbeständigkeit hin, und ein
rücksichtsloses Ausmerzen des mit Sicher‐
heit Vergänglichen aus dem „Ich”-beton‐
ten Bewußtseinsinhalt erscheint nicht nur
als unerfüllbare Zumutung, sondern auch
als aussichtslos. Man hat ja jeglichen Prüf‐
stein mitverloren, nach dem man be‐
stimmen könnte, was ewigkeitsgezeugt und
was irdisch vergänglich ist, so daß man nun‐
mehr nur dann noch sicher zu gehen meint,
wenn man unterschiedslos Alles dem Unbe‐
ständigen tellurischer Existenz zurechnet.
.Es ist ein Spottspiel, das von Gläubigen
wie von den ungläubig Gewordenen mit
dem ewigen „Ich” getrieben wird, dem
allein sie zu danken haben, daß sie nicht
nur Tiere, sondern auch „Menschen” sind:
72 Hortus Conclusus
Wahrheit” und substantiell-geistige
„Wirklichkeit” sind nicht das Gleiche,
auch wenn alles Wahre im Wirklichen grün‐
det! Wahrheit ist immer ein Bild der Wirk‐
lichkeit, wenn auch — dem Anspruch des
Wortes nach — unter allen Umständen ein
klargeprägt „ähnliches” Bild, bei dem nur
solche, „Retouchen” mit Stichel und Schab‐
eisen in Kauf genommen werden können,
die dazu dienen, eben diese „Ähnlichkeit”
noch zu vertiefen und klarer zutage zu
bringen. Während dieses Bild aber immer
„Bild” bleibt und niemals die ewige sub
stantiellgeistige Wirklichkeit selbst ist,
bleibt diese ewig die Ursache jeglicher
Wahrheitserkenntnis. Ich treibe hier durch‐
aus nicht etwa ein Spiel mit Worten! Die
beiden Begriffe bezeichnen Konkretes, das
genauestens auseinandergehalten werden
muß. In dem Buche: „Der Weg zu Gott”
ist schon vieles Hierhergehörige gesagt.
Wenn ich von ewiger geistsubstantieller
„Wirklichkeit” spreche, so will ich das auf
Erden mit irdischen Sinnen Unwahrnehm
bare, in sich selbst Lebendige und jeder‐
zeit „Ewige” gemeint wissen, das Jesus
„das Reich der Himmel” nennt: — das alle
Dauer in sich allein umschließende Reich
des substantiellen Geistes, der die einzige
unausschöpfbare Fülle aller Kräfte ist —
nichts, was mit dem „Denken” zu tun hat
— nichts Erdachtes, — sondern ewigkeits‐
gezeugter „Raum”. Weniges steht dem
inneren Auffinden dieser ewigen Wirklich‐
keit hindernder und bösartiger im Wege,
als der schauerlich verhängnisvolle Ge‐
brauch, das Wort „Geist” anzuwenden,
wenn von irgendwelchen Äußerungen des
menschlichen Gehirns: — von Gedanken
und Gedankenverknüpfung, „Gedanken‐
leben” und Denkerarbeit die Rede sein
soll. Wenn man diesen, durch die Tätigkeit
des irdisch-physischen Gehirns emporge‐
wirbelten Gedankenrauch als „Geist” zu
bezeichnen gewohnt ist, dann hält es wahr‐
haftig schwer, sein Bewußtsein aufnahme‐
bereit zu machen für den „creator spiri‐
tus”, den Schöpfergeist der Ewigkeit, der
das aus sich selber souveräne „ewige Le‐
ben” ist und alles in seinem substantiellen
Sein umfaßt, was seines Reiches Zeugung
darstellt, aber nichts in sich aufnimmt, was
nicht in Ewigkeit aus ihm hervorgegangen
war. Nur weil der Erdmensch, in seinem ir
disch unfaßbaren Kern, geistiger Zeugung
„Zeugnis” aus aller Ewigkeit her ist, kann
er, der sich selbst aus dem ewigen „Augen‐
blick” in die trügerische Scheindauer der
kosmischen „Zeit” fallen ließ, dereinst wie‐
der in sein Reich eingehen, mitnehmend aus
seinem irdischen Bewußtsein, was er mit‐
nehmen will, soweit es den inhärenten Ord‐
nungen dieses Reiches nicht widerspricht.
.Dieser ewigen „Wirklichkeit” gegenüber
ist ihr nachgeformtes Bild: — die „Wahr‐
heit”, — im Irdischen erfolgte Prägung, —
Ausformung des Siegels der Ewigkeit in
irdischem Siegelwachs! Der Mensch aber,
der nicht das Siegel des ewigen Geistes in
sich trägt, kann nicht die Wahrheit aus dem
ewigen Wirklichen künden, auch wenn er es
mit allen seinen irdischen, und allen Kräf‐
ten seiner ewigen Seele will! — Es handelt
sich ja hier nicht um das biedere mensch‐
liche „Die-Wahrheit-sagen-wollen”, son‐
dern um das Bezeugen des eigenen Ge
prägtseins durch die ewige Wirklichkeit,
und nur wer solchermaßen die Wahrheit
aus der ewigen Wirklichkeit in sich trägt,
kann aus der Wahrheit Kunde geben, weil
sein eigenes Bewußtsein in der ihm ein‐
geprägten Wahrheit leuchtend wurde und
lebendig ist!
81 Hortus Conclusus
Mit dem, was
ich den ewigkeitsgezeugten „Raum” im
ewigen Geiste nenne, haben alle diese
geometrisch eruierbaren Räume absolut
nichts zu tun. Das Ewige liegt, allem Er‐
rechenbaren, allem durch Denkmetho‐
den zu Findenden unerreichbar, zwar
am gleichen Ort wie die physische Welt,
aber gänzlich unvorstellbar im Bilde ir
disch zu errechnender Raumvorstellun
gen!
86 Hortus Conclusus
.Das ganze Weltenall ist „durchsetzt”, mit
Raumwelten, die einander normalerweise
unwahrnehmbar sind, solange nicht eine
Art „Isolationsbeschädigung” vorüberge‐
hend Kontakte, mit der Folgeerscheinung
des Einanderdurchdringens verschieden‐
räumiger „Materie”, schafft. Nur das abso‐
lute „Nichts”, — das als eine sehr reale
Sache dieses ganze Weltenall in ewiger
Starre, als irdisch unvorstellbar „Hartes”,
umgrenzt, — ist ohne Raum und außer
allem als möglich gegebenen Raum: — ab‐
solut distanzlos, gehirnlich auch im Bilde
nicht begreiflich.
.Ewiger „Raum” aber durchdringt alle
verschiedenräumigen Welten, ohne den sie
Wahrnehmenden: — den in ihnen allein
sich erlebenden Wesen, — aus ihrem eigen‐
raumbedingten Vermögen heraus ebenfalls
wahrnehmbar zu sein. Nie könnten Erden‐
menschen ihn erfahren, wären sie nicht in
ihrem ewigen Lebenskern geistig-substan‐
tiell mit ihm identisch! Diese Sachlage wird
durch die Unfähigkeit der Allermeisten,
sich während ihres Erdenlebens in diesem
innersten Kern zu erkennen, absolut nicht
beeinflußt, und diese Unfähigkeit ist nichts
Unentrinnbares, sondern bloß eine ver‐
hängnisvolle Folge bequemer Gemütsträg‐
heit. Mit dem „Verstand” ist da freilich
nichts zu ändern!
.Der Verstand braucht Material, mit dem
er arbeiten kann, und er ergreift jedes Ma‐
terial das man ihm vorlegt, nimmt es in
Arbeit und macht schließlich daraus, was
er daraus machen kann, je nach seiner eige‐
nen Kraftentwicklung und geordneten
Schulung. Um aber den innersten ewigen
Kern in sich zu finden: — den lebendigen
substantiellen Funken des Geistes, der das
menschliche Bewußtsein ins Ewige zu tra‐
gen und darin zu erhalten vermag, — be‐
darf es anderer Kräfte, die aber, ebenso
wie der Verstand, geübt und geschult
werden müssen, wenn sie noch in der
Zeit in der sie hier irdisch eingesetzt wer‐
den können, das ihnen Mögliche leisten
sollen.
90 Hortus Conclusus
Wo Licht eine Dunkelheit erleuchtet, dort
wird man in der Umgebung des Lichtes
auch Wärme gewahren. Aber nur in des
Lichtes räumlicher Nähe, und nicht etwa
überall dort, wohin seine Strahlen Erhel
lung bringen!
.So ist es auch Folge des auf dieser Erde an
eine bestimmte Stelle fixierten geistig-sub‐
stantiellen „Tempels der Ewigkeit” und
des an dieser, seiner Stätte seit Jahrtausen‐
den vollzogenen geistig-seelischen Ge‐
schehens, daß von solcher Lichtquelle her
eine ganz unbeabsichtigte aber aus der
Natur der Dinge auch unvermeidbare In‐
fluenz geistiger Art auf die geographischen
Umkreise ausstrahlte und ununterbrochen
weiter ausstrahlen muß. Da nun die er‐
wähnte Stätte inmitten der höchsten Berge
der Erde liegt und diese Berge tekto‐
nisch den sehr weiträumigen „geogra‐
phischen Mittelpunkt” Asiens bilden, so
ist es gewiß nicht verwunderlich, wenn aus
dem erdenkörperlich unzugänglichen Ort
der allerintensivsten geistigen Gescheh‐
nisse im Lebensbereich dieses Planeten
her, die Schwingungen in der kompak‐
ten Konsistenz geistiger Substanz die all‐
dorten erregt werden, sich noch über
beträchtliche räumliche Kreise jenes
Erdteiles hin fortpflanzen, bis sie allmäh‐
lich zum Ausschwingen kommen.
.Diesen mächtigen und relativ weithin
wirkenden geistig substantiellen Ausstrah‐
lungskreisen danken die Völker Inner-,
Ost- und Südasiens ihre Neigung zu seeli‐
scher Bereitschaft, Übersinnliches in das
seelische Bewußtsein aufzunehmen, und so
manche Wirklichkeits-Erahnung, die man
anderwärts vergeblich suchen würde.
103 Hortus Conclusus
Um diese Weise:
— das Wirkliche in sich selber als des
eigenen Daseins Urgrund erfahren zu
dürfen, — lehrend aufzuzeigen, wird man
gewiß der Vorstellungsbilder auch nicht
entraten können. Doch diese Vorstellungs‐
bilder werden sorglichst jedes Vorbild aus
dem Irdischen her meiden, das nicht in
hellster Transparenz zu durchschauen
wäre. Und alles, was sich in bildhaften
Worten sagen läßt, wird nur dazu dienen
wollen, in dem Belehrten die Vorstellung
von der Struktur des ewigen Wirklichen
zu erwecken, in dem und aus dem er
selber lebt. Gott ist so Vieles und so Viel
seitiges wie Verschiedenes zu gleicher
Zeit und gleicher Ewigkeit, daß es nie‐
mals möglich wäre zu sagen, was Gott ist,
wenn es nicht möglich wäre, die Struk‐
tur des geistigen Lebens, dessen Selbstbe‐
wußtsein Gott ist, in großen Linien auf‐
zuzeichnen. Die Seins-Aspekte Gottes, die
ich in solcher Weise aufgezeichnet habe,
von der geistigen Zahlwertauswirkung Eins
ausgehend, die dem Menschen nur „zwi‐
schenliegend” denkbaren verschiedenen
Wertauswirkungen bis zur Zahl Zwölf um‐
fassend, sind ausschließlich in solchem
Sinne gemeint, und es ist dabei an keiner
Stelle an ein Nebeneinander oder Überein‐
ander, wie es im Irdischen allein möglich
wäre, zu denken, sondern zu versuchen,
ein lückenloses gleich ewiges Ineinander
zu erfühlen, denn „vorstellen” läßt sich
dieses sich gegenseitig erfüllende Selbst‐
sein in der Struktur des ewigen Geistes
nicht, und es ist auch nicht meine Absicht
eine „Vorstellung” zu vermitteln, wo ich
die Wirklichkeit selbst dem Einfühlungs‐
vermögen meiner Mitmenschen empfin‐
dungsnahe bringen kann.
140 Hortus Conclusus
Wo ich aber aus meinem
Eigenen im ewigen Geiste nehme, was ich
zu künden vermag und zu geben habe,
dort wird man gewiß niemals gewahren,
daß ich von zukünftigen Dingen als Vor‐
aussager spreche, es sei denn, man rechne
hierzu das „jenseitige” Leben, das aller‐
dings meinen Lesern noch etwas Zukünf‐
tiges ist, — mir aber stete Gegenwart neben
dem gleichzeitigen äußeren physischen Er‐
denleben.
.Ich leugne jedoch wahrhaftig nicht, daß
aus meinem Eigenen im ewigen Geiste,
auch Zukünftiges mir bewußt ist, wie
längst Vergangenes und erdenzeitlich Ge
genwärtiges. Solches Bewußt-sein aber
ist ein Nach-Erleben dessen, was voreinst
in Menschenseelen durch ihr Erleben emp‐
funden wurde, — ein Mit-Erlebenmüssen
dessen, was in erdenzeitlicher Gegenwart
infolge erdenmenschlichen Erlebens im
Seelischen empfunden wird, — und ein
Vor-Erleben dessen, was erst zukünftiges
Geschehen zu seelischem Empfinden
bringt. An keinem Punkte solcher Er‐
lebens- und Empfindungsverbundenheit
sind mir etwa die äußeren Umstände
zugleich bewußt oder auch nur im Bilde
gegenwärtig, die das von mir seelisch Mit‐
empfundene äußerlich ausgelöst haben,
gegenwärtig auslösen, oder in Zukunft
auslösen werden! Ich selbst ziehe meinem
Miterleben in dieser Hinsicht die genaue‐
sten Grenzen, von denen ich alles fernhal‐
te, was nicht von mir mitempfunden wer‐
den muß und sich dennoch in mein
Bewußtsein eindrängen möchte. Was aber
in meinem rein geistig bestimmten Mit‐
empfindenmüssen von mir aufgenommen,
empfunden und erfahren wird, ist auch
nur meiner eigenen seelischen Ein-Sicht
zubestimmt, und soll niemals Gegenstand
einer Vorhersage werden, auch wenn es
Zukünftiges in sich umschließt.
.Weshalb mir jedoch zu verschiedenen
Zeiten aus dem Bewußtsein und Willen
Dessen, in dem ich ewig geistgeboren bin,
zubestimmt wurde, Hinweise auf Zukünf
tiges zu übermitteln, wird erst zukünfti
gen Menschen offenbar sein. Ehe Bestäti
gung fand, was meine Worte einer mir
selbst nicht vorher nach irdischem Zeitmaß
ausmeßbaren Zukunft zusagen mußten,
kann niemand erkennen, was erst spätere
Geschlechter aus der ihnen dargebotenen
Bestätigung erkennen werden.
157 Hortus Conclusus
Es
ist nicht gerade leicht, seine Träume am
hellichten Tage zu durchschauen und zu
gewahren, daß die geträumte Wirklichkeit
nur „Wirklichkeit” ist für den Traum, der
in ihr spielt. Es ist aber unsagbar viel
leichter, zu dieser Einsicht zu kommen,
solange der Erdenkörper noch der Emp‐
findung des Ewigen irdische Resonanz dar‐
zubieten vermag, als nach dem körper‐
lichen Tode, der solche Möglichkeit
definitiv entzieht.
162 Hortus Conclusus
Wenn immer wieder gesagt wird, daß der
Weg zum ewigen Lichte, ja, das ewige
Lichtreich selbst, aus dem der unzerstör‐
bare Kern geistigen Menschentums: — der
substantielle ewige „Geistesfunke” — ent‐
stammt und in das er mit oder ohne das
Individualbewußtsein des Erdenmenschen
wieder zurückkehren muß, — nur „im
Innern” zu finden ist, so wird damit frei‐
lich nicht gemeint, daß die erdgezeugte
Menschnatur das ewige geistige Licht‐
reich und den Weg zu ihm in sich um‐
schließe, wie ein Gefäß seinen Inhalt um‐
schließt. Der Mensch dieser Erde ist viel‐
mehr die Zusammenfassung einer Gruppe
von sehr verschiedenen Regionen der
Empfindungsfähigkeit, und der Weg zum
Lichte führt von einer dieser Regionen
zur anderen, immer näher zu der aller‐
innersten. Seit den ältesten Zeiten haben
alle, die von diesem Wege wußten, ihn
zwar im Bilde einer Stufenfolge und eines
Aufstieges dargestellt, aber es ist hier nicht
an einen Weg in die Ferne zu denken,
sondern immer festzuhalten, daß jede
„Stufe” auf dem „Wege” zum Lichte,
eine Stufe nach innen darstellt, und nur
„höher” als die vorherige liegt, weil sie in
nerlicher gelagert ist. Der „Weg” ist aus
konzentrisch geordneten Regionen immer
lichterer Empfindungsfähigkeit gebildet.
Man könnte ihn an einem technischen Ver‐
ständigungsmodell darzustellen suchen,
indem man vor eine Lichtquelle eine nicht
zu geringe Anzahl gleichgroßer kreisrun‐
der Glastafeln von verschiedener Färbung
befestigen würde, so, daß eine dieser Ta‐
feln nach der anderen zu entfernen wäre.
Zuerst würde kaum ein Schein des Lichtes
die farbigen Gläser durchdringen, aber je
mehrere man von den äußeren, die zu‐
gleich die dunkelfarbigsten sein müßten,
hinwegnähme, desto deutlicher käme die
Form des innen brennenden Lichtes dem
Auge zu Bewußtsein, wenn auch noch im‐
mer durch mancherlei Färbung gesehen,
bis zuletzt die gänzlich farbenfreie in‐
nerste Kreistafel auch die wirkliche Eigen
farbe des Lichtes freilegen würde.
.Seiner Tiernatur nach eingeboren der
allen bekannten äußeren physischen Welt,
sieht es der Mensch als seine nächstliegen‐
de, zumeist sogar als seine einzige Aufgabe
an, nur die alleräußerste Region der
Empfindungsfähigkeit, die gerade noch
seine Tierseele umschließt, sich zu Bewußt‐
sein zu bringen und auszukunden. Immer
wieder aber wurden Menschen, trotz der
fast undurchlässigen Dichte der ihnen allein
vertrauten äußeren Empfindungsregion,
doch das innere Licht fühlend in sich ge‐
wahr, wenn es ihnen auch nur in der Art
einer Ahnung aufschimmern konnte. So
entdeckte der Mensch, daß auch noch an‐
dere Regionen der Empfindungsfähigkeit
ihm gegeben seien, durch die er dem ge‐
ahnten Lichte näherkommen könne, und
wenn er auch zumeist nicht weiter gelangte
als in die Region der Bilder, wie sie in
den Offenbarungen seiner Religionen zum
Ausdruck kommt, so war damit doch schon
Entscheidendes erreicht. Bis hierher konn‐
te jeder geführt werden, um seines Inner‐
sten wenigstens im Bilde bewußt zu
werden.
.Es ist aber vielen auch mehr zu erlangen
möglich, wenn auch unter diesen wieder
nicht alle die Kraft der Zuversicht auf‐
bringen, die unbedingt und viele Jahre
oder selbst Jahrzehnte hindurch nötig ist,
um in jene Regionen der Empfindungs‐
fähigkeit zu gelangen, in denen die Kräfte
der ewigen Seele unvermittelt empfunden
werden können, oder gar in die aller
innerste Region hinzufinden, in der al‐
lein der ewige Geistesfunke um den die
ewigen Seelenkräfte „kristallisieren”, sich
dem Empfinden des irdischen Menschen
zu eigen gibt. Aber so, wie im äußeren
irdischen Leben gar viele lebensbedeut‐
same und richtungweisende Dinge keines‐
wegs allen Menschen erlebbar und versteh‐
bar werden können, obwohl die Auswir‐
kung dieser Dinge aller Menschheit fühl‐
bar wird und keinen ausnimmt, der sich
nicht selber ausschließt, so genügt es auch
vollauf, von den im Geistigen nicht allen
erfahrbaren und durchdringbaren Dingen
durch die Verkündigung der Leuchtenden
des Urlichtes zu wissen, — die in den hier
in Betracht kommenden Regionen allein
erfahrungsfähig sind und im Verlaufe der
Jahrtausende immer wieder ihren Ver‐
künder finden, — will man die Gefahr ver‐
meiden, daß man sich selber ausschließe
durch verkehrte Willensrichtung. Das
„Heil der Seele” wird durch den Willen
bestimmt, nicht durch ein Fürwahrhalten
irgendwelcher Berichte und Glaubens‐
lehren! Wenn sich der Wille des irdischen
Menschen weigert, seine Direktiven wei‐
terhin nur von seiner Tierseele allein ent‐
gegenzunehmen, so stellt sich der Mensch
schon damit in die Leitung des sich in
ihm erlebenden ewigen Geistesfunkens,
wodurch seine ewige Seele allmählich die
Form empfängt, die sie braucht um sein
sonst zeitlich vergängliches Individualbe‐
wußtsein in ihre Unvergänglichkeit auf‐
nehmen zu können. Diese „Transfusion”
erfolgt gänzlich unvermerkt, und unab‐
hängig davon, welche inneren Empfin‐
dungsregionen dem irdischen Menschen
schon zugänglich wurden. Nur der eigene
Wille des Menschen kann wieder scheiden,
was in solcher Art Verschmelzung fand.
173 Hortus Conclusus
Es handelt sich vielmehr
allein um den verborgenen substantiellen
Urgrund des eigenen zeitlichen Daseins
wie des eigenen Seins im ewigen substan‐
tiellen Geiste!
.Hat aber der Erdenmensch auch nur ein‐
mal diesen durch alle Geschlechterfolgen
weiter sich auswirkenden und in jedem
Einzelnen erneut sich individualisieren‐
den Urgrund seines eigenen Lebens leib‐
haftig empfindend in sich erfahren, dann
sieht er erst erschauernd, welcher Torheit
er voreinst verfallen war, als er noch
wähnte, dieses Erste und Letzte, — Ein‐
malige und Unendlichfältige, — lasse in
Worten sich erfragen und könne Frage‐
worten Antwort werden... Aller Auf‐
schluß über innere Zusammenhänge
ewigen, substantiellen geistigen Lebens
kann ja niemals das Bewußtwerden im
eigenen Innern ersetzen, und keine ge‐
dankliche Darlegung vermag jemals die
Gewißheit zu schaffen, die allein das Inne
werden dieses Einen, das alle Zahl in sich
darlebt, in der leibhaften Empfindung er‐
zeugt. Hier endet jeder Bereich der Frage
und alle gedanklich genährte Fragelust ist
erloschen. Wird aber auch solches Ein‐
gehen in die allerinnerste Region der
Empfindungsfähigkeit wahrhaftig nur
Wenigen gewährt, da nur die Wenigsten
darauf zu warten wissen, so bleibt doch
Allen wache Einsicht offen, wo auch
immer sich ihr Empfinden Ewigem einzu‐
beziehen strebt: — fraglos allem gehirn‐
bedingten Fragedrang sich selbst ver
sagend und dem Wirklichen zugekehrt,
das nur dem Empfindungsbewußtsein sich
offenbaren kann.
181 Hortus Conclusus
stößt die in
ewiger Starre sich selbst erschütternde
Nacht des Urseins ohne Unterbruch dunkle
Kräfte aus: — gleichsam Splitter ihrer eige‐
nen, ewigen unerschöpflichen Substanz, —
ewiges Ursein, wie sie selbst, und nach der
Auswirkung in einem jeweils bestimmten
schöpferischen Zyklus wieder in sie zu‐
rückkehrend. Ich habe dort dargelegt, wie
diese Urseinskräfte Ursache aller Gestal‐
tung im Weltenall sind. Ich zeigte aber auch,
wie sie in sehr verschiedenen Formen wir‐
ken. Eine der subtilsten dieser Formen
zeigte ich in den im „Urlicht” zu absolu‐
ter Klarheit aufleuchtenden Kräften, aus
denen die Individualform der ewigen Seele
des Menschen sich gestaltet. Diese Gestal‐
tung kann jedoch nur erfolgen, wenn der
ewige „Geistesfunke”, — der als dauernde
Individualisierung im ewigen Geiste, An‐
laß aller Individualisation im Zeitlichen
wird, — diese „Seelenkräfte” an sich zur
Kristallisation bringt, dadurch, daß der
Wille des Erdenmenschen sie ihm zur Eini‐
gung überläßt. Wie alles Gestaltete, ist
auch das Tiergemäße des Erdenmenschen,
und mit ihm, dessen Wille, nur Folge-Er‐
scheinung der Auswirkung jener Urseins‐
kräfte, die wieder in die Nacht des Urseins
zurückkehren, nachdem sie jeweils den
Zyklus ihres zeitlichen Wirkens vollbracht
haben. Im Tiere ist dieses Vollbringen mit
der Gestaltung der Tierseele geschehen,
die ebenso im Erdenmenschen — soweit
er des Tieres ist — sich darstellt als bloßes
zeitliches Funktionsergebnis seines tierge‐
mäßen Organismus, und aufhört zu beste‐
hen, sowie dieser Organismus seine Lebens‐
bedingungen nicht mehr erfüllen kann.
Der entscheidende Unterschied zwischen
Tier und Erdenmensch besteht darin, daß
der Mensch auch noch in der Tiergebun‐
denheit, in die er auf Erden gefesselt ist,
fähig bleibt, seiner selbst als des ewigen
„Geistesfunken” aus dem Urlicht bewußt
zu werden, — und das wieder ist innerhalb
des Irdischen nur möglich, weil der Erden‐
mensch nicht nur die Folge-Erscheinung
der Auswirkung bloß im Physischen gestal‐
tungsfähiger Urseinskräfte darstellt, son‐
dern jene hohen, durchlichtungsfähigen
Urseinskräfte, — die ihm schon allein aus
ihrer eigenen ewigen Dauer und Ewig‐
keitskonsistenz heraus seiner Seele „Un‐
sterblichkeit” verbürgen, — in direkter
Beziehung als sein Eigen in sich selber
findet. Es ist des Erdenmenschen not‐
wendige, durch sein Dasein selbstge‐
setzte Aufgabe, die hohe Form der Ur‐
seinskräfte, — die als „Ursein” im „Ur‐
licht” aufleuchtend, seine Seelenkräfte
bilden, um endlich im „Urwort” blei‐
bender Gestaltung der Seelenform zu
dienen, — im Kristallisationspunkt sei‐
nes Ewigen zu einen! Das aber erfolgt
durch einen konstanten Akt des erden‐
menschlichen Willens, der ja nur Folge‐
Erscheinung des Wirkens jener primiti
ven Form der ewigen Urseinskräfte ist,
deren dem Erdenmenschen zugängliche
höchste Form seine eigenen ewigen See‐
lenkräfte sind.
.Alle Ewigkeitsempfindung ist dem ins
Irdische „gefallenen” Menschen nur mög‐
lich durch die ewigen Seelenkräfte, — aber
nur dann, wenn sie ihren Herrn und Mei‐
ster in dem ewigen „Geistesfunken” des
Menschen fanden, und in ihm die Eini
gung. Ein wie geheimnisvoll Erhabenes
auch jede einzelne ewige Seelenkraft dar‐
stellt, so ist doch jede ein Eigenwilliges,
das — ohne Bündelung in einer individuell
bestimmten Seelenform — nur sich selber
und seine Eigenstrebung auswirkt. So
kann der Erdenmensch trotz allen seinen
Seelenkräften dennoch seinem Ewigen
verloren gehen, wenn er nicht seinen, nur
die Folge-Erscheinung geistiger Urseins‐
kräfte bildenden irdischen sekundären
Willen nach aller, wenn auch erdbehin‐
derten Möglichkeit konstant dem primä
ren Willen des ewigen Geistesfunken in
sich anzugleichen bestrebt ist. Denn nur
in diesem rein ewigkeitsbestimmten Wil‐
len lassen sich die ewigen Seelenkräfte
nach bestimmter, geistig dargebotener
Formung in der bleibenden ewigen Men‐
schenseele einen. So aber nur erfolgt auch
jene „festliche Einung”, in der des Men‐
schen nurirdisches Bewußtsein die Be‐
fruchtung aus ewigem Geistesmenschen
tum durch Erfassung des eigenen ewigen
Geistesfunkens in sich empfängt, wonach
dem nun geistig Überlichteten „sein le‐
bendiger Gott” in der eigenen, indivi‐
duell geformten Seele „geboren” wird.
191 Hortus Conclusus
Die dunklen Ur‐
seinskräfte ohne Eigenbewußtsein, die
Ursache für des Tieres Leben, Gestaltung
und Tierseele gewesen waren, sind hin‐
gegen nur indirekt durch das Erleben des
Tieres berührt worden, insofern als ein‐
drucksames und lange hindurch wieder‐
holt empfundenes Erleben in der Tier‐
seele die einzelnen Urseinskräfte gleich‐
sam zu imprägnieren vermag, so daß in
ihrer nächsten zur Gestaltung drängenden
Verbindung Ausdruck finden kann, was
sie in der vorhergehenden empfingen.
198 Hortus Conclusus
Ich weiß gewiß, daß die mir aus dem
Urewigen erwachsene Bewußtseins-Situ‐
ation: — im ewigen Urlicht, im ewigen
Geistesmenschen, wie im zeitlich ver
gänglichen tierverbundenen Erdenmen
schentum, — meinen Mitmenschen hier
auf der Erde als etwas Befremdliches er‐
scheint, da ihnen solche Situation im
eigenen Bewußtsein unbekannt ist, und
sie im guten Glauben einander seit Jahr‐
tausenden sich gegenseitig zu überzeugen
suchten, daß nur ein „Übernatürliches”
imstande sein könne, zugleich im Ir‐
dischen und im Ewigen bewußterweise
zu leben. Mir selbst wurde es von mei‐
nem Irdischen her durchaus nicht leicht
gemacht, meine urgegebene Bewußtseins‐
Situation auch im irdischen Gehirnver‐
stande verstehen zu lernen, und es ver‐
geht heute noch kein Tag, an dem ich
nicht aus dem Ewigen in meinem Irdi‐
schen dazu zu erfahren hätte. Als harte,
aber nötige Erschwerung hatte ich von
Jugend auf eine mir irdisch angeborene
bis zum Äußersten aktive Selbstkritik
und eine mich schon in meinem aner‐
zogenen Kinderglauben schwer bedrän‐
gende Neigung zu unerbittlicher Skepsis
zu überwinden. Dazu kam dann, — aller‐
dings wie Befreiung, — späterhin der Ein‐
blick in alle irdisch begründeten, im
allgemeinen wissenschaftlichen Gebrauch
„psychisch” genannten Vorgänge, die zu
irrigen Deutungen im gehirnlichen Be‐
wußtsein Anlaß werden können und
selbst jene noch in Bann zu ziehen ver‐
mögen, die Verdienste darum haben, das
versteckte Geschehen aufzuzeigen. Ich
bin also wahrhaftig aus eigener Erfahrung
imstande, für jedes Verhalten meiner
Verkündung gegenüber wie für jede ir‐
rige Beurteilung meiner selbst, alles er‐
denkliche Verständnis aufzubringen. Aber
gerade darum bin ich auch dem Abwei‐
sendsten unter meinen irdischen Mit‐
menschen — im Ewigenkein Fremder!
Vielleicht — bin ich ihm viel näher, als sein
irdisches Bewußtsein ahnt? —
.Doch die „Natürlichkeit” des Ewigen
ist keineswegs gleichbedeutend mit Form
losigkeit, und jeder, dem es gleich gilt,
ob er die Form — wo immer es sei — er‐
füllt oder verletzt, muß sich klar darüber
werden, daß er sich damit selbst allem
wirklichen Ewigen gegenüber isoliert,
das Form auf allen Wegen will, und nur
denen sich in ihrem Innersten offenbart,
die sich im Innersten wie im Äußeren
zum Gefäß des Göttlichen zu formen
trachten.
255 Hortus Conclusus
nicht geben kann. Sie zeigen deutlich, daß der Geist die Materie denkt
und bildet, daß auch die irdische Natur seine Schaubühne ist. Die
34 R.Schott - Der Maler Bô Yin Râ
lebt tief in unserem Herzen und dürstet nach Fleischwerdung. Im
griechisch überprägten Süden, sind sogar die Schatten noch
trunken und golden von Licht. So finden sich denn Licht und Schat-
ten schon hienieden in höherem Licht geeint, trotz der trägen Mate-
rie, die sich ja doch immer wieder als nichts denn eine Manifestation
des Geistes bekundet, als dessen Geheimniszustand, wie Novalis be-
griffen hat.
43 R.Schott - Der Maler Bô Yin Râ
Die
irdischen Formen sind ihm zu Gleichnissen geistigen Wirkens ge-
worden.

.Jedenfalls sind Willens- und Gesetzesgewalten im harmonischen
Dienst des Universalgefüges auch hier in Klippen und Gewässern des
ägäischen Inselmeeres für ein sehendes Auge am Werk, so daß den
54 R.Schott - Der Maler Bô Yin Râ
kann sich Bô Yin Râ der Nötigung nicht entziehen, die erschauten
quellenden Urgrundformen der wirkenden Welt in die abstrakteren,
begrifflich eingebannten Bildungen unserer gewirkten Welt umzu-
kneten.
112 R.Schott - Der Maler Bô Yin Râ
erlebnis aus, von der Tiefe der eigenen Individuation aus, die zwar
von allen zahllosen Individuationen unterschieden ist, aber mit dem
Göttlichen durch den "silbernen Faden", wie man schön gesagt hat,
verbunden ist. Mannigfaltig ja ist das Göttliche, mehr als alle Blätter
sämtlicher Bäume in der Welt zusammen; es ist weich und geschmei-
dig; es gibt sich in dem Maße, wie man sich ihm ergibt; es schenkt
sich nur dem Erlebnis, nie dem harten und spröden System, dessen
Artung dem Satanischen und Urnichtigen entspricht.
.Es ist unsere einzige und wirkliche Heimat, der wir einmal, süchtig
nach Ungemäßem und furchtsam vor der eigenen Kraftfülle, ent-
glitten ins bittere Exil des Tierseinwollens und Tierseinmüssens. Auf
unsere Heimat, die strahlende Überwelt, wenden wir jetzt den Blick
hin. Alsbald fühlen wir uns im Inneren der unermeßlichsten Kugel.
Das heilige Urlicht ist ihr Sinn und ihre Mittelpunktswirkung in
Sonnengestalt, außen wiederum Kugel, innen unergründlich und
Wonne ungeoffenbarter Geistigkeit. Unserem Wort und Bild eben
noch entfernt faßbar ist nur die geistige Erscheinungswelt, die in
Herrlichkeit von der Ursonne herstrahlt, hertönt und herpulst zu
unendlichfältiger, nach außen hin immer dichter werdender Offen-
barung. Da gibt es denn in unfaßbarer Entfernung von der Mitte für
jeden Kraftstrahl einen Punkt, wo die Ausgießung des Geistwortes
in letzter Verneinung verstummt und sich staut. Die zahllosen "End-
punkte" - dies anschaulich, nicht mathematisch gemeint! -backen
sich gewissermaßen zu einer starren Hohlkugelwand zusammen,
deren unausdenkbare Dichtigkeit und völlige Undurchdringlichkeit
alles Lebens Vernichtung bedeutet. So verdankt auch das schroffe
Nichts nur dem allgöttlichen Willen eine Art unerwartetet Bejahung
und Verwirklichung, in grausiger Starre den ewigen Schluß be-
kundende: "Bis hierher und nicht weiter!"¹
.¹ Hier sei an das überlieferte 17.Fragment des hellenistischen Philosophen Poseidonios
erinnert. Es lautet: "Die Welt ist eine Einheit, und zwar eine begrenze von kugelförmiger Ge-
stalt; denn diese ist für die Bewegung am geeignetsten." Einstein kam zu ähnlichen, aber minder
präzis ausgedrückten Vermutungen.
.Zwischen den beiden Urgegensätzen, dem unbedingten Ja des
Urlichts und seinem unumstößlich verstummen machenden Nein an
der Wand des Erznichts, fluten die Lebensströme des Alls. Um sich
zu formen und sich zu vereinzeln, lodern die Reize und Eingebungen
aus dem heiligen Unoffenbaren hinaus ins schimmernde Allkraftfeld,
schweben, allmählich gedrungener werdend, in immer dichtere Be-
reiche, unendlich weit sich entfernend und doch noch in Freiheit ge-
halten und gesegnet durch die magnetische Liebesbejahung der Ur-
sonne. Weit "draußen", an die "positive" Zone angrenzend, liegt aber
nun doch - als sehr dicke, aber noch vollkommen durchdringliche
Kugelschale ungefähr vorzustellen - eine Art Indifferenzzone, wo der
Gegensatz, den sich der göttliche Geist auf der äußersten aller Kugel-
schalen setzt, hereinzuwirken beginnt, eine Zone höchster Gefahr
gewissermaßen für alle Emanationen, wo sie, aus der Huld sich ent-
lassen fühlend, dem Wirkungsfeld der "Wand" sich nähern. Dort
- wir können leider immer wieder nur in schattenhaften Vergleichen
sprechen - ändern sich die Vorzeichen, dort wird Plus zu Minus,
dort saugt schließlich der düstere Abgrund mit der Unwiderstehlich-
keit der Zentrifugalkraft hinab. Das schwebende Dahingleiten durch
das wonnige Meer des Alls wird schließlich in der "negativen" Zone
zum Sturz und entsetzlichen Zwang, an der "Wand" zu zerschellen
und in Atome zu zersplittern, wie die Schiffe im orientalischen
Märchen, die in den Bann des Magnetberges geraten. Man denke
auch an die abwärts reißenden Gewässer der Styx und der sonstigen
Unterweltströme, von denen die griechische Sage berichtet. Frei-
lich gibt es in dieser Nachtregion des Zwanges Welten über Welten
- wir könnten sie nach kabbalistischer Weise auch Schalen nennen -,
wo sich die stürzenden Lebenskeime fangen und zum Innehalten über
den letzten Abgründen gebracht werden, um sich dann in äonen-
langer Bereitung den Rückweg zu erkämpfen. Solch eine Welt, solch
eine Schale ist auch unsere astrische Welt mit allen ihren galaktischen
Systemen, Sonnen, Irrsternen, Monden usw., noch bei weitem nicht
die dichteste, dunkelste und peinvollste Welt! Aber diese Welt-
systeme, diese äußersten Kugelschalen sind allesamt im Bann des
"Gegenseins" und dem "göttlichen Leben entrückt".
.Jene "Wand" des Nichts hat, an sich zwar unschöpferisch, in ihrer
verneinenden Bedeutung mittels ihres Widerstandes die bis hierhin
gelangten Atomfunken göttlicher Ausstrahlung in starre Form zu-
sammenzupressen. Gleichgerichtete und gleichgeartete Ur-Teilchen
schießen zu Energiegebilden von ungeheuren Kräften zusammen, die
lamellenartig die Hohlkugel übersäen und gleichsam die Gewalt des
Nichts aushalten und verstemmen. Man fühlt sich an eine ungeheure
Kristalldruse erinnert. Die Formen sind jedoch nicht kristallisch zu
denken, sondern wie hautdünne Platten von außerordentlicher Ge-
schmeidigkeit, fähig, sich walzenförmig zu rollen, sich kugelig zu
machen oder in vieldimensionale Stammformen einzugehen. Wir
müssen uns aber davor hüten, den Inbegriff dieser "Kruste", wie sie
Bô Yin Râ in Gesprächen oft anschaulich genannt hat und wie wir
sie nach ihm kurz nennen wollen, allzusehr mit den Vorstellungen
unserer Stoffwelt in Vergleich zu setzen. Vor allem ist zu bedenken,
daß jene gesamten Kräfteformen fähig sind, einander völlig zu durch-
dringen, und sich der geistigen Wahrnehmung auf vielfache Art und
in jedem Sinn (aber zugleich und einheitlich) dartun; das will heißen,
daß sie ebenso zu Gesicht wie zu Gehör, Geruch, Geschmack usw.
sprechen. Vielleicht darf hier an gewisse Götter, Gewalten und Un-
heuer okeanischer, chthonischer und unterweltlicher Abstammung
in hellenischen Mythologemen erinnert werden, an jene mit un-
geheuren Kräften begabten Mächte, wie Phokyaden, Graien, Gor-
.....
.In jenem Schalenreich also ist die sozusagen "objektive" Grund-
bedingung zu aller nur möglichen Realität und Wirkung gegeben, zu
jeder Kernhülle weiterhin, von den starrsten Verstrebungen dumpfer
Stoffwelten bis zu den leuchtenden Sphären und Sternen hehrster
Entelechien. Die Reichweite der Kruste ist ungeheuer, wobei sich
ihre Gebilde als unerschöpflicher Vorrat von Seelenkräften, Artun-
gen, Naturen kundtun, als das Meer der Möglichkeiten schlechthin,
deren Sehnsucht es ist, Wirklichkeiten zu werden.
.Wie aber das?
.Es ist schon gesagt worden, daß von der Ursonne unablässig Reize
und Eingebungen hinausgestrahlt werden ins Kraftfeld des sich
offenbarenden Kosmos. Wie unabsehbare Nebelschwaden
umwölken diese Reize zart das göttliche Feuer, ein Schwarm von
Ich-Keimen und Sternwerdungen, nach Gestaltung drängend. Zu-
nächst sind sie noch in strengen Gruppen gradlinig und geometrisch
zusammengenommen ....
..... Dann lockern sie sich auf zu wallenden Wolken und lichtem
Rauch (wie auf den Bildern "Tempel der Ewigkeit" und "Sonnen-
symphonie" zu sehen ist), befinden sich aber in welliger Bindung wie
bewegte Bänder und Schnüre. Sind sie doch auch geradezu "Nabel-
schnüre". Ihre Wirksamkeit ist lebenleitende Verknüpfung zwischen
Gebärendem und Geborenem. Endlich aber lösen sie sich ganz auf,
um als gestaltwollende Einzelwesen nach den Außenbereichen zu
dringen. Wenn diese sich in ewigkeitlicher Entfaltung sonnenhaft
verklärt haben, dann mag es sich ergeben, daß die Sonnen sich wieder
zu seligem Reigen verketten (ein Beispiel davon enthält das Bild
"Erlösung").
.Die Einzelwesen können ihrer Formung und Organisierung noch
innerhalb der "Indifferenzzone" völlig teilhaftig werden, selig ge-
borgen in leidlos elysischen Bezirken, wo die Kraft und Huld gött-
lichen Seins zwar verhaltener werden, aber immer noch in ihren
Würden stehen. Beträchtliche Gruppen aber geraten, durch die ihnen
zuteil gewordene Bewußtseinsentfaltung bestürzt und süchtig ge-
macht, bis in das "Gegensein": sie "fallen", fallen bis ins Tiersein, wie
bei uns, oder noch tiefer.
.Aber es ist doch so, daß auch die gefallenen Engel einen Punkt der
Umkehr erreichen, wie denn also sämtliche göttlichen Keime in der
Gestaltung den Rückweg finden, die einen noch im Umkreis be-
seligenden Lichtes, die anderen in der Feuerpein äußerer Gottver-
lassenheit und Leidensschule reingeglüht (aufwühlend versinnbild-
lichen das die Klage- und Feuerflüsse Acheron, Kokytos und Peri-
phlegethon des Hades!). Unablässiger Aufschwung, ewige Loslösung,
zu denen die Kruste Lenkung, Gestaltung und Seelenstoff hingibt.
Denn der Geist wird immer nur mittelbar gefaßt; auch die Geist-
funken, welche aus dem Urlichtmeer spritzten und strahlen. Die an
den Funken ankristallisierenden Seelenkräfte gehören von nun an dem
Geiste an, und sie werden ihm in der Einung zum Sinnbild. K+  K-
... sind die Seelenkräfte nicht Emanationen des Geistes? - in ihrer Rohform. Aber erst in ihrer Vergemeinschaftung (Einung) mit ihresgleichen unter einem Ich werden sie salonfähig in höheren Geistregionen..?
In un-
endlichem Aufstieg schwingt sich das durch alle Hierarchien empor
und nach innen, sein Ziel nie erreichend, ihm dennoch immer näher-
kommend und sich angleichend. Die dort zu findende Identität und
Verbundenheit mit dem innersten Ich ergibt, weil sie unendlich-
fältig ist, Identität mit dem kosmisch-metakosmisch Ganzen. Wer
dort innen ist, der ist auch überall außen zugleich.
.Nur in der Indifferenzzone ist die Freiheit der Entscheidung nach
unten und außen oder oben und innen gegeben. In der positiven
Zone hingegen überwiegt die Zentripetalkraft der Ursonne und be-
steht unwiderstehlich die Strebung gegen den Mittelpunkt hin, wo-
bei übrigens von hier oder von der Indifferenzzone her Wirkungs-
möglichkeit in der Richtung nach außen bis an die unausdenkbar
harte und urböse Nichts-Wand hin durchaus besteht. Der "Fall" ist
also nicht eigentlich gottgewollt und notwendig. Das Einwirken auf
die negative Zone ist nicht unbedingt mit einem Hineinstürzen in
dieselbe verkettet. Wenn zwar der "Fall" auch zur Gottheit gehört, so
doch nicht in ihrem ersten Willen, sondern gewissermaßen induktiv
in ihrem zweiten, von der Indifferenzzone aus nach der anderen Rich-
tung umschlagenden Willen. Wie alles, ist auch der Fall in ewigem
Ereignen und immerwährendem Vollzug. Das allzuweite Vordringen
der stürzenden Entelechien, hervorgerufen durch Gefühle von
Angst, Schwindel und zugleich Lüsternheit nach dem unkeuschen
Abgrund, reißt sie aus dem lebendig pulsenden Willen der hegenden
Geistigkeit; denn er reicht nur bis zu dem höchsten sublimierten Be-
zirk der Kruste hin.
.Auch der tiefste Fall bleibt ja noch im niedrigsten Guten irgend-
wo verborgen, im Bannkreis der einfachsten Gestaltungskräfte, wel-
che ungeheuren Druck zugleich ausüben und aushalten. Denn in der
düsteren Nähe der Wand, die das unschöpferische Urböse ist, fin-
det der gewaltigste Zusammenstoß zwischen dem Urbösen und dem
niedersten Guten statt. Wenn selbst das niederste Gute noch tief
unter den verbrecherischen Möglichkeiten der Menschen auf unserem
Planeten zu denken ist, dann besteht dennoch zwischen ihm und dem
völligen urbösen Nichts noch ein ewiger und unumstößlicher Gegen-
satz. Nur aus diesem Gegensatz heraus ist dem Nichts eine für uns
nicht ergründbare Bejahung erübrigt; denn es ist durch die Gottheit
erst "verwirklicht", und zwar als deren eigene Willensgrenze. Den
Griechen stand Ananke, die Notwendigkeit, über Gott und Nichts.
Indem sie aber beides ist, Gott und Nichts, birgt sie sich in den
Faltentiefen des ewig verhüllten göttlichen Geistes. Jene Griechen
wendeten ihr Leben nur dem Gotte der Erscheinungswelten und
Offenbarungsschalen zu, der da die Brücke ist und bildet zwischen
Urlicht und Nichts.
.Die Gottheit, welche Ananke begreift, ist alles in allem, Urlicht
und Urnichts und was dazwischen nach Gestaltung drängt.
.Aus alledem ergibt sich, daß die in den Fall geratenden und durch
Äonen voller Leid sich zurückschwingenden Engel - Engel oder
Angeloi, das sind Boten Gottes - dereinst in gewisser Beziehung noch
erfüllter sind als die nur himmlisch, nämlich in der positiven oder in
der Indifferenzzone verbliebenen Heerscharen, vermöge der furcht-
baren Erlebnisse in den Abgründen und Schalen des Grauens. Im
Lichgebiet ist ja, was wir Fall nennen, noch nicht oder nicht mehr
möglich, und so auch nicht das an das Nichts hinstreifende Erlebnis.
(Bei dieser Gelegenheit sei an die geheimnisvolle Lehre der Kabbala
von der Schechina, der Einwohnung Gottes im irrenden Menschen,
erinnert.)
.Mit Worten läßt sich aber an alle diese Dinge kaum herantasten.
So sei diese Darstellung mit der Erinnerung an ein tiefes Wort des
Juden Bescht, den sie den Baal-Schem genannt haben, einstweilen
beschlossen: "Das Böse ist der Stuhl des Guten."
hier allemal um Hilfsgleichnisse. Die lamellige Geistmaterie dieser
Art ist zugleich voll wirkenden Lebens; sie ist gestalthabende Kraft
von höchster Wucht....
......... Im Wirkungsfeld der Kruste, von dem hier gesprochen
wird, sind Kraft und Gestalt ein und dieselbe Sache, die den ihr inne-
wohnenden Impuls restlos dartut und auftut, welches nicht hindert,
daß sie sich als völlig durchdringlich erweist. Was die, wie gesagt,
lamellige Urstruktur aller Gestaltungskräfte, die selber immer Ge-
stalt haben, ....
.... Jenen Vorformen, wel-
che in der Kruste haften und sich unendlich mannigfaltig stufen,
schichten und abwandeln, obliegt es nun, die vom Lichtinneren der
Hohlkugel emanierten Funkenkeime zu umbilden und zu gliedern,
sie zu organisieren, man könnte wohl auch sagen: sie zu beseelen, sie
reich und vollbewußt zu machen. Das Haftende und das Schwebende,
eines drängt zum anderen in die Einung. Heilige Ströme fluten von
Pol zu Pol. "Das Leben im Urlicht ist kein starres Sein, und es muß
in sich selber Satz und Gegensatz setzen." So sagte Bô Yin Râ ein-
mal zu dem Verfasser.
.Wie gewinnt so ein Keim und Funke Gestalt? Es schmiegen sich
die Lamellenformkräfte dem Funken in der seiner Individualität ge-
mäßen Fülle an. In sachtem Aufstieg erweitert und dimensioniert
sich die Hülle zur Linse zuerst und dann zum Ei. Der Keimkern
gleitet zurück und umgreift und trägt dann das immer mehr Kugel-
gestalt annehmende Gebilde von unten her wie eine Schale, die im
Durchschnitt gesehen einer Sichel entspricht ....

nur noch hinzufügen müssen, daß die "Sichel" sich im Inneren wieder
als Kern sammelt, sobald die völlige Kugelgestalt schließlich
erreicht ist.
.Strukturteile, die sich nicht harmonisch zu einen vermögen und
durch den Drang des Kerns nicht ankristallisiert - auch dieses Wort
ist wie alles hier nur ein Hilfsbegriff und hinkendes Gleichnis! - wer-
den können, gleiten wieder ab und versuchen, im Anschluß an eine
andere Entelechie ihre Impuls auszuwerten. An sich sind sie alle aus-
nahmslos positiv, also gut und segenbergend. Erst die detonierende
und disharmonische Mischung ergibt oft die Farbe des Bösen. Seelen-
atome, aus denen ein Verbrecher gemischt ist, sind an sich nicht
minderwertig. Es kam nur, um einen chemischen Vergleich zu ge-
brauchen, zu einer Emulsion, aber nicht zu einer Verbindung. Nichts
hindert, daß die in eine mißglückte Kombination geratenen Seelen-
atome, in anderer Gruppierung und einem anderen Kern verbunden,
an edelster Erfüllung und Vollendung der Entelechie mitarbeiten.
122 R.Schott - Der Maler Bô Yin Râ