Seele des Seins
(von mir ausgewählte Textpassagen
in der Reihenfolge der Schriften)

.Du kennst noch den Reichtum nicht,
den deiner Seele Weiten in sich fassen! — —
.Hier gibt es „Kräfte” und „Mächte”,
denen du Anbetung darbringen würdest,
gleich dem Propheten vor dem brennenden
Busch, wenn ich sie dir sichtbarlich zeigen
könnte. — — —
.Deine Seele ist ein unermeßlicher
Ozean, und noch keiner hat seine Tiefen,
keiner die Wunder des Meeres der Seelen
kräfte ergründet! — —
.Du denkst an deine Seele wie an eine
lichte Hülle, und glaubst allein dich selbst
in ihr zu finden...
.Doch deine Seele ist wie ein Meer aus
Myriaden mit latenter Macht erfüllten
Meerestropfen, — oder wie eine leben
dige Wolke, gebildet aus Myriaden kraft
erfüllter Wesen, — und du sollst aller die‐
ser Wesen Herr und Meister werden. — —
.Sobald sie in dir nicht ihren sicheren
Herrscher erkennen, wirst du, betäubt von
ihrer, dich beängstigenden Kraft, zu ihrem
Sklaven werden. —
.Sie müssen dir dienen, wenn du sie be
meistert hast, — aber sie werden dich durch
die seltsamsten Gaukelspiele stets am Nar
renseil führen, wenn du dich in falscher
Demut vor ihnen beugst.
.Sie brauchen einen starken Willen, um
sich unter ihm zu einen...
.Bevor du sie nicht in einem Willen ge
einigt hast, wirst du in deiner Seele nie die
Ruhe finden, die allein das Erblühen der
heiligen „Lotosblume” bewirken kann. — —
.Nicht eher auch wirst du in dir, durch
deiner Seele Kräfte, Kunde erlangen von je‐
nem stillen Geister-Reiche, das nur durch
deiner Seele willenseins geeinte Kräfte dir
erkennbar, fühlbar, — ja zuweilen selbst
erschaubar und erhörbar werden kann, —
weil es in dir, wie allerorten, durch die
gleichen Kräfte lebt...
.Nicht eher auch wirst du von dem, der
dich aus dem Geiste leitet, ein sicheres
Zeichen erhalten — nicht eher die hohen
geistigen Lenker, des Urlichts Leuchtende,
in dir erfühlen..
78 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Du mußt als Mensch der Außenwelt, in
die du nun einmal geboren bist, zu wirken
trachten Tag für Tag, wie alle äußere Natur
stets wirkt und immer neue Formen bildet,
wenn du den Willen also in dir stählen
lernen willst, daß deiner Seele Kräfte ihm
gehorchen können! — —
.Kein Ding der Außenwelt ist so gering,
daß es dir nicht zum Lehrer werden könnte!
.Aus jeglichem Erleben kannst du Lehre
ziehen, und keine Tätigkeit ist so verächtlich,
daß du nicht aus ihr zu lernen hättest! —
80 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Jede einzelne Seelenkraft wird deinen
Willen nur für sich selbst besitzen wollen,
und keine wird sich willig deinem Willen
als Besitztum geben...
.Du wirst dies verstehen, wenn du dir klar
zu machen weißt, daß jede deiner Seelen
kräfte, — obwohl du sie alle als in dir ver‐
wobene „Eigen-schaften” betrachtest, —
ein selbständiges Seelenwesen ist, begabt
mit eigenem Willen und dem Drang, nur
sich selbst zur Darstellung zu bringen, und
sei es auch auf Kosten aller anderen Seelen‐
kräfte. — — —
82 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Ein Wunder ist geschehen!
.Ein Wunder, das ein Erdenmensch voll‐
brachte, — denn leichter ist es, einen wüten‐
den Elephanten an einem dünnen Hanfseil
durch das Gedränge des Marktes zu führen,
als die vielen Willen der Seelen-Kräfte,
die eines Menschen „Seelebilden, unter
den einen Willen dieses Menschen zu ei‐
nen! — — —
84 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Die Kräfte deiner Seele, bereits in dei
nem Willen straff geeint, müssen nun sich
auch den Worten, die du wähltest, einen,
und du mußt als Bewußtsein dieser Worte
dich empfinden! — — —
.Dann aber hast du Großes errungen auf
deinem Wege!
.Du wirst zum erstenmale nun erfahren,
was das „Leben” ist, das dich, wie alles
Lebende bewegt! — —
.Es wird dir sein, als seiest du auf einer
neuen Erde, — in einer neuen, nie ge
ahnten Welt...
.Du wirst erkennend innewerden, daß alles,
was die Menschen auf der Erde „Wach
sein” nennen, nichts anderes ist, als tiefer,
dumpfer Schlaf und wirrer Traum.
.Hier schon kann ein klares Erschauen
der geistigen Welt beginnen, wenn die von
Anbeginn in dich gelegten Kräfte solches
erlauben, und wenn du ein Mensch des
Schauens, nicht einer des begrifflichen
Erfassens bist. —
.Bist du jedoch, nach deiner Eigen-Art,
nur dann „im Bilde” wenn du das, was du
erkennen willst, „be-greifen” kannst, dann
wirst du kaum zum „Schauen”, wohl aber
zum be-greifbaren Erleben kommen...
.Zu einem neuen Menschen wirst du ge
wandelt sein, und ein Bewußtsein deiner
selbst wirst du errungen haben, das deinem
gegenwärtigen Bewußtsein kaum ver
gleichbar ist!
.Wie die strahlende Sonne des hellen
Mittags in ihrem Lichte einer kleinen Öl‐
Lampe Licht verschwinden läßt, so wird in
einem neuen Bewußtsein aufgehen und ver‐
schwinden, was du noch heute dein „Be
wußtsein” nennst...
.Du wirst dann wissen, warum der Weise
vom „Leben”, als vom „Lichte” der Men‐
schen redet, und wirst der vielgedeuteten
Worte herrlichen Sinn verstehen:
102 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Im Seelischen des Erdenmenschen
wird dann die Vereinung aller Urseins-Ele‐
mente wieder Wirklichkeit, wenn Men
schenwille sie erstrebt. — — —
.Was in deinem Herzen tobt und drängt
nach Gestaltung, — was dich ständig be‐
wegt und in Unrast erhält: — dieses jagende
Streben, irgend etwas erreichen zu müssen,
— — darin erkenne die Auswirkung jener
Urseinskräfte, die sich in dir erneut und
nun individuell bestimmt, vereinen wollen!
.Noch aber drängen sich in diesen Ele‐
menten, die sich in der hohen Form, die
dein Bewußtsein braucht, als deine See
lenkräfte offenbaren, gar viele Willen an
dich heran...
.Noch findest du dich nicht im gebieten
den Willen, der, alle die andern in sich zu
vereinen weiß...
.Alles was in dir nach Außen hin „Ich
sagt, und was du im Innern als „Ich” emp‐
findest, ist meist noch der vielen Willen
einer, die sich im Geistesfunkenlichte
deines Selbst-Bewußten einen sollen...
.Erst im bewußten Sein kann göttli
ches Bewußt-Sein sich in Urseinselementen
neu bezeugen!
115 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Die Menschen, in denen der Organis‐
mus für die Wahrnehmung des äußeren
Unsichtbaren völlig entwickelt ist, sind
daher immer auch begabt mit gleichsam „er
fahreneren” Seelenkräften, die schon in
vielen Menschen der Vorzeit wirksam waren.
148 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Diese „Schmarotzerkräfte” des unsicht‐
baren Teiles der physischen Welt, sind We‐
sen, die, dem Anschein nach, den Kräften,
aus denen sich die Seele auferbaut, sehr
ähnlich sind, jedoch beileibe nicht etwa mit
„Seelenkräften” verwechselt werden dürfen.
.Es wäre die gleiche Verwechslung, wie
wenn man die Grimassen der Affen an
den Gitterstäben ihres Käfigs, mit der geist‐
voll durchgebildeten Darstellungskunst
großer Menschendarsteller auf der
Schaubühne verwechseln wollte...
151 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Wehe dem Menschen, den diese We
sen bereitsbesitzen”!
.Sie saugen ihm das Mark des Lebens aus
wie Vampire, denn sie müssen sich von
seinen Kräften „nähren”, wenn sie ihm zu
Diensten stehen sollen. —
.Wenn er nicht selbst sie von sich schüt
teln kann, wird er der Sklave ihrer dunk‐
len Triebe werden, bis seine Seele selbst da‐
bei „erstirbt”, da ihre Kräfte nach und nach
von ihm sich lösen, — wonach dann, wenn
der Erdenkörper sich zum letzten Schlafe
niederlegt, sein einstiges Bewußtsein in Ver
nichtung endet, — — dem einzigen wah
ren, weil ewigen „Tode”, der dem Erden‐
menschen wirklich drohen kann. — — —
152 Das Buch vom Lebendigen Gott
.So tief du auch gefallen bist, so sind doch
jene Kräfte, aus denen sich, — von ihrer
chaotischen Wirkungsform bis zu ihrer
höchsten Darstellungsart, — unablässig
die Gottheit selbst gestaltet, in einer
sehr hohen Wirkungsform in dir am Werke..
.Immer noch blieb auch ein „Funke” gei
stigen Bewußtseins, wenn auch deinem Ge‐
hirnbewußtsein noch nicht verschmolzen, in
dir verborgen zurück, als hoher Lenker die‐
ser Kräfte, — und: — als deinGewissen”...
.Du kannst diesenFunkennie ver
lieren, wie tief du auch noch in deinem
Erdenleben sinken könntest!
.Selbst wenn du seelisch ihm „erstor
ben” bist, muß er verhüllt dennoch in dir
verharren, bis zu deinem letzten Atemzug...
.Er ist es auch, und nur er allein, der dein
Karma” kennt...
.Du kannst dieses „Karma” verbessern
oder verschlechtern, — nur — auslö
schen kannst du es nicht eher, als bis du
die vielen Willen in dir geeinigt hast, die
jetzt noch in dir chaotisch nebeneinander
wirken. — —
.Wenn sie sich alle in dem Funkenlichte
geistigen Bewußtseins, das dein wahrer, sub‐
stantieller, ewiger „Menschengeist” in dir
ist, — vereinen, dann wird dein Gott aus
Geist in dir „geboren”, und dann bist end‐
lich du befreit von deinem „Karma”, —
von deiner Urtat Folgenkette, — als ein
neu zurückgekehrter Mensch der Ewig
keit. — — —
.Wohl dir, wenn dies hier auf Erden
schon dir gelingt!
.Gelingt es dir nicht, dann wirst du, auch
nach dem Ablegen dieses Erdenkörpers,
nicht eher zu dir selbst in deine „Ruhe
kommen, als bis du deine Ruhe in deinem
Gott gefunden hast, geeinter Seelenkräfte
bewußt und ihr all-einiger Wille gewor‐
den...
.Dort” aber kann es gar lange währen,
bevor du soweit bist, denn alsdann kannst du
dein „Karma” nicht mehr verändern, nicht
verbessern, — und eher wirst du keines
falls dann ewiges Licht in dir erleben, als
bis auch die letzte Folge deiner Ur-Tat
sich erschöpfen konnte. — — —
.Indische Weisheit warnt den Menschen,
keinneues Karmazu schaffen, — und
wahrlich ist solche Warnung wahrer Er
kenntnis Frucht!
.Du sollst nur wissen, daß die Mahnung
dich allein vor üblem Karma warnen will! —
.Nicht eher kannst du im Reiche des sub‐
stantiellen Geistes deine Er-lösung finden,
als bis der letzte erdverhaftete Impuls der
einstmals von dir ausging, sich erschöpfte.
— —
.So suche denn mit allen deinen Kräften
dich noch während deines Erdenlebens
deinem Gotte zu vereinen, um aus sei
ner Kraft die Kette deines „Karma” zu
durchschneiden, damit sie nicht einst
durch Aeonen dich gebunden hält...
181 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Innerlich wahrnehmbar jedoch werden
uns die Urseinselemente in einer sehr
hohen Zustandsform, als — unsere „Seelen
kräfte”...
.Dies ist der ewige, — ewig sich er
neuende — Kreislauf des „Lebens” im sub‐
stantiellen, aus sich selbst „seienden” Geiste!
.Sich selbst zur „Nahrung” werdend, senkt
er sich in sich hernieder, um sich wieder zu
erheben und aufzunehmen in seine höchste,
jeder starren Formspannung freie Wesen‐
heit. — —
.Nur durch dieses „ewige Lebenkann
sich „Gott” im Geiste gestalten, — im gei
stigenMenschen”. — — —
189 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Ihr wißt von allen Dingen klug zu sagen,
wieso sie also sind wie sie sich zeigen, wes
halb ihr Wirken einmal sich ergibt, ein
andermal versagt, und manches Andere
mehr, — doch niemals dringt ihr zu den
letzten Gründen vor, denn was ihr „Gründe”
nennt, sind immer nur die Wirkungen von
Ursachen, und hinter diesen liegen erst
die wahren Gründe, die keiner von euch
aus Erfahrung kennt...
.Die Kräfte der Seele aber, — wenn ihr
sie aus eurem „Ich” heraus beherrschen
lerntet, wie sie beherrscht sein wollen, —
werden euch auch die letzten Gründe er‐
hellen, denn sie sind mit ihnen gleicher
Art, wenn auch nicht gleicher Wirkungs
form...
.Erweisbar wird diese Art von „Grün‐
den” freilich jenen nur, die selbst bereits
der Seele Kräfte zu gebrauchen wissen, —
während eure Beweise immerhin leichter
zu erlangen sind, obwohl sie auch nur dem
verstehbar werden, der die Voraussetzungen
sich erworben hat, auf denen die Beweise
eurer Art beruhen.
225 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Beharrliches und vertrauensvolles Suchen
in der Seele wird aber jedem Suchenden den
gleichen Brunnen öffnen, aus dem einst die
Weisen ferner Vorzeit in sich schöpften,
so daß er alsdann mit aller Klarheit in sich
besitzt, was unter der Überwucherung des
Aberglaubens kaum noch zu erkennen ist,
was ihm aber dann, aus eigenem Wissen her
erkennbar wird. — —
.Doch, ohne beharrliches Suchen im eige‐
nen Innern, — mit gleichem Mute und
gleicher Ausdauer geführt, wie ihr heute
noch nach Außen sucht, — wird euch nie
mals offenbar werden können, was jene
Kräfte vermögen, die in euch selbst ver‐
borgen sind. — —
.Ihr seid Bewahrer höchster „Wunder
kräfte”, — derweil ihr euch im Äußeren
bemüht um dürftigen Gewinn!
.Die hohen Kräfte des Erkennens, auf die
ich hier den Sinn zu lenken suche, sind in
jedem Menschen, — allein sie schlafen einen
tiefen Schlaf, bis sie der Eigner in sich selbst
erweckt und seinem Willen eint...
.Die meisten Menschen rüsten sich zum
letzten Schlafe, ohne je auch nur geahnt zu
haben, welche Schätze ihre Seele ihnen
bot...
.Wohl dem, der ihre Kräfte des Erkennens
noch zur rechten Zeit in sich zu wecken weiß!
.Er wird sein wahres Leben hier schon
auf der Erde finden und sein Unsterb
liches schon hier im Sterblichen erken
nen. — — —
230 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Du selbst kehrst schwerlich wieder, aber
niemand weiß, wie viele deiner Seelenkräfte
du dereinst, mit dir vereinigt, dir erhal
ten kannst, wenn du aus diesem Erdendasein
scheidest.
.Die du hier dir nicht geeinigt hast, wirst
du verlassen müssen, gleich dem Körper
dieser Erde, und so wie dieses Erdenleibes
dann aus ihrer zeitweiligen Form gelösten
Kräfte alsbald in andere Lebensformen über‐
gehen, so werden auch die von dir zurückge‐
lassenen Seelenkräfte sich einen anderen
Bereich ihrer Wirksamkeit suchen in einem
Erdenmenschen.
.Auch in dir sind heute viele Seelenkräfte
am Werke, die einst in anderen Menschen,
vor deiner Erdenzeit, wirkten.
.So könnte man die Erdenmenschen mit
Fug und Recht unterscheiden, in „seelisch
Jüngere” und „seelisch Ältere”, je nach
der Zeitdauer, die ihre Seelenkräfte bereits
in früheren Menschen am Werke sah...
.Unter den Menschen, die heute zu glei‐
cher Zeit auf Erden leben und die gleiche
Anzahl Jahre zählen seit ihrer irdischen Ge‐
burt, gibt es viele mit weit „jüngeren
Seelenkräften als sie der Mehrzahl eigen sind,
und ebenso nicht wenige mit weitaus „älte
ren” Seelenkräften...
.Jeden dieser Sonderfälle wird man schon
im äußeren Leben daran erkennen können,
daß der betreffende Mensch überraschend
anderes empfindet als die größte Zahl seiner
Mitmenschen und Altersgenossen, — daß er
gleichsam aus seiner Zeit „herausfällt”,
und entweder Neigungen zeigt, die einer
kaum vergangenen Zeit entsprochen haben
würden, oder solche, die einer lange zu
rückliegenden Kulturepoche gemäß sich
auszuwirken suchen, was nicht ausschließt,
daß beide Arten in der ihrem Erdenleben
gegebenen Zeit durchaus dieser Zeit gemäß
zu wirken, und ihr oft hohe Werte zu ver‐
mitteln wissen...
.Die Fülle der Kräfte, die jeweils deine
„Seele” bilden, wechselt immerdar, solange
du im Erdenleibe lebst.
.Bald sind es mehr, bald weniger See‐
lenkräfte, die in dir wirken...
.Du wirst auch kaum einen von dir als
seelisch nahestehend” empfundenen
Menschen durch den Tod für diese Erden‐
zeit verlieren, ohne ein „Erbe” seiner See‐
lenkräfte zu empfangen, — denn außeror
dentlich selten sind jene Menschen, die
alles, was sie an Seelenkräften in sich zur
Wirkung kommen sahen, in sich geeint,
und selbst vereint mit ihrem Gott, in ihr
nachirdisches Leben mit „hinüberneh‐
men” können...
.Die meisten, der Erde „Sterbenden”,
lassen ein reichliches „Erbe” zurück. —
.Für das geistige Auge ist deine „Seele”
eine leuchtende, lebendigeWolke”,
aus unzählbaren strahlendenPunk
ten”: — deinen Seelen-Kräften, — gebildet,
und diese Lichtwolke ist in steter Verände
rung, solange du auf Erden lebst...
.Aber nicht die gewaltige Fülle deiner
Seelenkräfte macht den „Reichtum” deiner
Seele aus, sondern die Einigung der in dir
tätigen Seelenkräfte in deinem „Ich”, in
deinem geistgezeugten Willen. — —
.Du wirst dir nur jene Seelenkräfte zu
dauerndem Besitz erhalten, die du in dir
geeinigt haben wirst, wenn deine Stunde
des Abschiedes von diesem Erdenleben
kommt...
239 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Hast du dich nicht auf Erden hier mit
deinem Gott vereinigt, dann wirst du auch
nach deines Erdenkörpers Tod noch
nicht mit ihm vereinigt sein!
.Du wirst dann als „Ich” im allumfassen‐
den Geiste leben, in deiner substantiellen
geistigen Form, und je nach dem, was du
im Erdenkörperleben dir an Geistigem er‐
wirktest, wird diese Form gebildet sein, und
wirst du Macht besitzen, in ihr dich auszu‐
wirken...
.Unter hoher Leitung wirst du weiter‐
schreiten auf deinem „Wege”, bis sich der‐
einst dein Gott in dir gestalten kann...
.Aber es wird alsdann die Zeit bis zu die‐
ser Vereinigung wie eine „Ewigkeit” er‐
scheinen, denn auch im geistigen, erdenkör
perfreien Sein gibt es ein Entsprechendes,
wie hier die Empfindung des Raumes und der
Zeit...
.Es fehlt dir dann jedoch die Macht, dein
dir verbliebenes Seelenkräftereich, in dem,
und durch dessen Auswirkungsgegebenheiten
allein dein geistiges Erleben möglich wird, —
weiterhin nach deinem Willen zu wandeln..
.Du mußt mit dem, was du dir während
deines Erdenlebens an Seelenkräften zu ei
nen wußtest, nun ewig dich bescheiden...
.Dennoch wird niemals ein menschliches
Ich”, auch wenn es noch so arm an See
lenkräften einging in das Leben des Gei
stes, um in ihm seinen „Weg” zu Gott zu
vollenden, auch nur die leisesteSehn
suchtempfinden, wieder zurückkehren
zu können in das Erdenkörperleben, —
einerlei, was es in ihm zurücklassen mußte...
241 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Aber es gibt ein solches, verändertes
Wiederkommen, — jedoch nur in drei be‐
sonderen Fällen:
.Für jene, die es als Folge ihres üblen
Wirkens im Erdenleibe zu erdulden ha‐
ben...
.Für solche, die ihren Erdenleib am
Weiterleben und Erleben hinderten, da
sie vermeinten, durch den Tod sich einer un‐
ertragbar erscheinenden Qual, oder irgend‐
welchen Nöten, entziehen zu können...
.Und endlich für solche, deren Erden‐
lebenszeit zu kurz war, als daß sie schon ir‐
gendwelche Seelenkräfte sich im Willen hät‐
ten vereinen können, so daß sie unfähig
bleiben müßten, geistiges Erleben zu er‐
reichen, würde ihnen die Möglichkeit zur
Erlangung von Seelenkräften, wie sie das
Erdenleben allein zu bieten hat, nicht ein
zweitesmal geboten...
.Der gleiche Grund ist auch entscheidend
für die beiden ersten Kategorien, allwo
entweder ein „Ich” in Frage kommt, das
auch in ausreichendem Erdenleben kei
nerlei Seelenkräfte sich zu einen vermochte,
da das Tierhafte seines Trägers auf Erden
solchen Willen erstickte, — oder ein „Ich”,
das alle, ihm schon geeinten Seelenkräfte
preisgab in dem Moment, in dem es dem
Gedankenzwang erlag, seinen irdischen
Träger, als seinen, ihm zur Zeit gegebenen
Selbstdarstellungs-Organismus, vernichten
zu müssen...
.Den Menschen, für die ich diese Beleh‐
rungen hier niedergeschrieben habe, mag es
genügen, nun zu wissen, daß sie nur durch
eigene Schuld dahin gelangen können, die
Nöte des Lebens im tierhaften, allen phy‐
sisch-materiellen Einwirkungen ausgesetzten
Erdenleibe ein zweitesmal erdulden zu
müssen...
.Daß aber die allzufrüh durch unerbitt‐
liche physische Gesetze um ihren irdischen
Selbstdarstellungs-Organismus gebrach‐
ten Menschengeister ihn ein zweitesmal,
— und wenn auch dies durch physische Ge‐
setzauswirkungen umsonst gewesen wäre,
selbst mehreremale wiedererlangen kön‐
nen, was gegebenenfalls auch für die bei
den ersten Kategorien zutrifft, — wird je‐
der, der nun zu ahnen beginnt, was das Er‐
denleben für die „Rückkehr” des einst „ge‐
fallenen” Menschengeistes bedeutet, nur als
die notwendige Auswirkung der Liebe, die
alles Geistige, auch wenn es tief gefallen
ist, umfaßt, in seinem Herzen voll Dank
empfinden können...
.Möge jeder, der diese Worte liest, sie in
sich bewahren, und stets mehr und mehr
alsdann erkennen lernen, daß ihm sein Er
dendasein die unerhörte Macht verleiht,
sein weiteres Schicksal selbst zu be
stimmen!
.Wie diese Macht auf rechte Weise zu ge‐
brauchen ist, wird in diesem Buche gezeigt.
.Es sorge sich aber keiner um die der Erde
Gestorbenen, die „hinübergingen” ohne be‐
reits in ihrem Erdenleben soweit gelangt zu
sein, daß sich ihr Gott in ihnen „gebären”,
— daß sie sich mit den ihrem „Ich” geein‐
ten Seelenkräften ihrem Gotte vereinen
konnten!
.Auch sie umfaßt wahrlich die ewige
Liebe!
.Sie finden an allen, die jemals zur Ver‐
einigung mit ihrem Gott gelangten, ihre
getreuesten Helfer, denn alle Seelenkräfte
„berühren” sich im Reiche des substantiellen
Geistes, und was die Geeinten in Gott auf
Erden schon erlangten, und was sie im
Geiste erlangen, das „leiten” diese Kräfte
weiter auch zu ihnen, denen ihr Gott noch
nicht im „Ich” „geboren” ward! — — —
Zugleich aber wird diese Hilfe geleitet
durch die Niegefallenen, die im Reiche
des Geistes in gleicher Weise die einst ge‐
fallenen Menschengeister zurück ins Ur
licht führen, wie schon hier auf Erden,
wo immer sie dem Willen zur Rückkehr
begegnen...
.Strebe du danach, dein höchstes Ziel
schon hier auf Erden zu erreichen, aber
ängstige dich nicht um jene, die es hier
noch nicht erreichen konnten!
.Du kannst ihnen jedoch auch deine Hilfe
bieten, wenn du voll lebendiger Liebe
ihrer gedenkst! — — —
.Sie alle werden einst in ihrem Gott mit
dir vereinigt sein....
.In dir wirst du, — vereint mit
deinem Gott, — einst allen bewußt ver
einigt sein, die du umfassen kannst in
deiner Liebe! — — —
245 Das Buch vom Lebendigen Gott
.„Sind wir zu Ende, wenn es hier zu
Ende geht, oder kann nach diesem Ende
unser Selbstsein weiterleben?! — ”
.Sehet: — die vor euch also fragten, sind
in euch, in eurem inneren „Reiche”, und
könnten euch da Antwort geben, wenn ihr
nicht taub geworden wäret im Lärm der
Außenwelt. — — —
.Eure eigene Seele ist das „Reich der
Geister”, die ewig mit und in euch leben
werden! — — —
.In euch selbst umfaßt ihr die Un
endlichkeit...
.In euch lebt, was war, was ist, und was
werden wird...
.Allgegenwart ist euer Sein, — — doch
ihr seid an das „Da-Sein” noch verhaftet, und
gegenwärtig nur, wo ihr dem niemals
Kommenden entgegen wartet! — —
.Ihr glaubt noch, das Reich des Friedens
sei ein fernes Land in Sternenweite, derweil
es in euch lebt und ihr in ihm...
.Jeder, der dieses Reich in sich er-langte,
ist für ewig dieses Reiches „König”! — —
.So, wie ihr alles Menschenwesen in
seinem ewigen Geistesleben dort finden
werdet, so werdet ihr selbst dort gefun
den, in allen, die dieses Reich in sich er
langten.
.Es ist ein einziges Reich der Geister,
aber jedem, der Unzähligen, die es in sich
fanden, „gehört” dieses Reich als unge‐
schmälerter Besitz, — jeder ist dieses Rei‐
ches ungehinderter „König”, und sein Reich
ist „Ewigkeit”, — nicht anders, als ob er,
aus allen Unzählbaren, allein des Reiches
„König” wäre, das jeder nur als „das Reich”
seiner Seele besitzt...
.Ihr könnt das Reich der Geister nicht
er-langen, außer euch selbst! —
.In euch ist es allein für euch erreich
bar. — —
.Wollt ihr „außen” suchen, so müßt ihr
der Täuschung verfallen, denn alles, was außer
der Ewigkeitswelt des innersten „Ich” sich
finden läßt, ist nur — vergängliches „Bild”:
zeitweiliges Erleben, — wie das Erleben
dieses todbegrenzten Erdenlebens...
.Dort, wo die Seele bei sich selber ist,
im „Ich” geeint und von ihm geleitet, wird
erst das „Reich”, das ewig währt, gefunden.
— —
.Dort gibt es keine Täuschung mehr!
.Dort nur allein ist „Ewigkeit” Besitz! —
.Euer „Ich” allein ist dieses „Reiches”
unbeschränkter Besitzer! — — —
.Unendlich an Zahl sind die „Könige”
dieses Reiches, und jeder, dem es „König‐
reich” geworden, ist in sich vereint mit al
len anderen die hier wohlberechtigt ihre
Krone tragen, ist der Eine, in dem Alle
herrschen...
.Nicht nebeneinander, sondern mit
einander, in-einander leben alle, die hier
ewig leben!
286 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Nicht dieser Glaube ist nötig zur Selig‐
keit deiner Seele! — —
.Wir wollen aber dein Empfinden öffnen
für eine ewige Kraft, die in dir lebt, und
stetig in lebendiger Bewegung, stetig
schaffend, deines Willens Kräfte in ge‐
formte Wirkung faßt. —
.Glaube ist Gestaltungskraft im Geiste!
.Glaube schafft die Form, durch die das
Wirken deines Willens sich bestimmt!
.Glaube ist die Wirkungsform des
Willens!
.Du kannst nicht wahrhaft wollen, ohne
zu glauben, — denn ungeformter Wille
ist eine zerfließende Kraft und wird als
solche ohne Wirkung vergeudet. — —
.Sobald du aber deinem Willen eine feste
Form durch deinen Glauben schaffst,
wird er zur mächtigen Gewalt und wan‐
delt selbst die scheinbar festgefügten Ketten‐
glieder äußeren Geschehens derart um, daß
sie wie Wachs sich ändern nach deiner
Glaubensform...
.Deine Seele schmachtet, solange du
nicht glauben kannst, und sie wird dich
selbst zum Aberglauben verführen in ihrer
Not! — —
.Deiner Seele „Leben” ist Wille, und
aller Wille will seine feste Form gewin
nen, in der er zur Wirkung kommen kann.
— —
.Wenn du erst fühlen wirst, was „Glaube”
wirklich ist, dann wirst du wahrlich glau‐
ben können...
.Dein Glaube ist das Modell, nach dem das
flüssige Erz deines Schicksals sich formt. —
.Dein Glaube braucht absolute Freiheit!
.Du selbst allein bist deines Glaubens
Norm! — — —
.Dir zum Bilde formt dein Glaube dei‐
nen Gott, wie er deine Götter formte...
.Ungeformt ist Göttliches in seinem un
ergründbaren Sein...
.Geformt nur wird es dir ergründbar.
— —
.Dir offenbart es sich in dir nur in
deiner Form!
.Darum kannst du deinen Gott nicht
deinem Bruder zeigen, denn er kann dei
nen Gott in Ewigkeit nicht schauen...
.Er sieht die gleiche Gottheit, aber ge‐
formt nach seinem Bilde...
.Du glaubst noch, deinen Bruder zu dei
nem Gott ver-führen zu können, aber wenn
er sich verführen läßt, wird er „ein Bild
anbeten und seinem Gotte entfremdet
werden. — — —
.Unendlichfältig offenbart sich der
Eine, und wehe denen, die Ihm auch nur
eine einzige Seiner Formen streitig machen
wollen!
.Im gleichen Augenblick, in dem du dei
nes Gottes inneres Bild einem anderen
Menschen schamlos enthüllst, hast du dei‐
nen Gott verloren! —
.Glaube nicht, daß unter allen Tausenden,
die sich um einen von ihnen allen hochge‐
lobten Gottesnamen scharen, auch nur
zwei wahrhaft Gläubige sind, die in diesem
Namen Gleiches glauben! — —
.Der Glaube selbst aber kann sich eines
jeden Gottes- oder Teufels- Namens be‐
dienen...
.Die formende Kraft des Glaubens,
die deinen Willen bestimmt, ist die allei‐
nige Ursache aller „magischenWirkung.
.Weiße” und „schwarze” Magie grün‐
den in der gleichen Kraft!
.Wie die Weltkraft, die der Blitz dir
kündet, dem Menschen dienstbar wird, sobald
er sie in Form zu bannen weiß, — wie sie
sich binden läßt und aufbewahren in Metallen
und Gefäßen, — so läßt sich auch die Kraft
des Willens, der durch den Glauben seine
Formung fand, in Gebilde der Materie
binden...
313 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Dein Bewußtsein ist zwar nicht Schöpfer
der Wirklichkeit, denn es ist selbst ein
„Teil” dieser Wirklichkeit, — ist selbst
eine der verborgenen geistigen Urseinskräfte,
— aber es ist im „Diesseits” wie im „Jen‐
seits”: Schöpfer der Erscheinungsform,
die sich hier wie dort aufbaut auf der Aus‐
wirkung der gleichen Kräfte.
.Zu der „diesseitigen” Anschauungs‐
form gehört eine Auswirkungsfolge dieser
Kräfte, die dir sehr vertraut ist als die
Funktion deiner physischen Sinne.
.Durch diese, dir hier gegebenen Sinne
wird all dein Anschauen und Anerkennen
der Wirklichkeit auf Erden genau bestimmt,
und so nimmst du nichts anderes wahr,
als was sie dich wahrnehmen lassen.
.Da du aber selbst ein „Teil” der ewigen
Wirklichkeit bist, gleichwie ein Wasser‐
tropfen im Meere ein Teil des Meeres ist,
so trägst du auch in dir potentiell alle
Möglichkeiten die der ewigen Wirklich‐
keit innewohnen, wie der Tropfen im
Meere alle Eigenschaften des Meerwassers
aufweist.
.So bist du nicht nur fähig, durch die
Sinnesorgane deines physischen Organis‐
mus wahrzunehmen, denn du selbst bist
ja geistiger Natur und deines geistigen
Organismus ewiger Eigner.
.In deinem geistigen Organismus besitzest
du andere Sinnesorgane, die du bis jetzt
noch nicht kennst, und sie entsprechen auf
geistiger Seite durchaus deinen physi
schen Sinnesorganen hier im irdischen
Leib.
.Durch deine geistigen Sinne wirst du
im „Jenseits” ebenso zum Schöpfer deiner
geistigen Erscheinungswelt, wie du hier
auf Erden Schöpfer der dir wahrnehmbar
werdenden physischen Erscheinungswelt
bist, ohne darum zu wissen...
120 Das Buch vom Jenseits
.Damit du verstehen lernst, was das
„Jenseits” ist, wirst du drei Reiche im Kos‐
mos unterscheiden lernen müssen.
.Einmal das Reich der physisch-sinn‐
lichen Anschauungsart, oder die physische
Welt.
.Dann das Reich geistig-sinnlicher An‐
schauung, oder die Welt des Geistes.
.Drittens aber das Reich der verborge
nen, ursacheschaffenden Kräfte des Ur
seins: — das einzig Wirkliche, auf des‐
sen Auswirkung alle Anschauungsformen
und ihre Erscheinungswelten, sowohl auf
der geistigen wie auf der physischen Seite
des Kosmos, beruhen.
.Diese verborgenen, ursacheschaffenden
Kräfte des Seins wirken im Erdenmenschen
als seine „Seelenkräfte”.
.Einmal in einem Menschenleben zu zeit‐
weiliger Kollektivform kristallisiert, nehmen
sie gleichsam die individuelle „Färbung” des
Menschen an und werden durch den in ihm
sich manifestierenden ewigen Willen, für
alle weitere Zeit bestimmt, so daß sie dem
einmal empfangenen Impuls fortan folgen
müssen, bis er Erfüllung fand.
.Ist diese Erfüllung im Erdenleben des
Menschen, der den Impuls gab, nicht zu
finden, dann äußern sich die einmal nun
nach bestimmter Richtung strebenden „See‐
lenkräfte” immer wieder in neuen Men
schenleben, bis sie zuletzt Erfüllung er‐
reichen, indem sie sich dem Willen, der sich
in einem Menschen manifestiert, verschmel
zen und mit ihm zur Einheit werden.
.Unrichtige Deutung dessen, was sie von
diesem Geschehen wahrzunehmen vermoch‐
ten, verführte die Völker des Ostens zu dem
Glauben an eine oftmalige „Wiedereinver‐
leibung” des Menschen durch Geburt auf
der Erde.
.Der Wahrheit nach ist aber solche Wieder‐
einverleibung, — also ein Zurückfallen in
die Selbsthypnose physisch-sinnlicher An‐
schauungsart, — nur möglich bei Menschen,
die bewußt und absichtlich selbst ihren Kör‐
per zerstören (was keinesfalls ein Werk des
ewigen Willens, sondern immer nur ein
Ausbruchsversuch des Wunsches ist! — —)
ferner: bei Kindern, die starben, bevor der
ewige Wille Erfüllung seines Dranges zu
physisch-sinnlicher Erfahrung fand, und drit‐
tens: bei Menschen in denen der Drang zu
solcher Erfahrung gleichsam in Hypertrophie
ausartete, so daß selbst der Tod des Erden‐
körpers nur für kurze Zeit die Selbsthyp‐
nose zu unterbrechen vermochte.
141 Das Buch vom Jenseits
.Wenn in dir „Erinnerungen” oder auch
nur leise Ahnungen auftauchen, die dir den
Glauben nahelegen, du könntest schon frü‐
her einmal ein Erdenleben durchlebt haben,
so ist es zwar möglich, daß dich solcher
Glaube nicht täuscht, und daß du selbst
ein Beispiel bildest zu einem der drei Son
derfälle, die allein eine Wiederverkörpe‐
rung zulassen, — aber du wirst besser tun,
wenn du die Frage ruhen läßt, bis dir nach
diesem Erdendasein dereinst im Geistigen
die einzig sichere Antwort wird.
.Das Gefühl, ehedem als eine von dir
verschiedene Individualität auf Erden
gelebt zu haben, ist immer und mit aller
Sicherheit eine Täuschung, denn in den
genannten drei Sonderfällen, die allein mehr‐
malige Verkörperung auf Erden erlauben,
bleibt auch in der neuen Einverleibung im‐
mer die gleiche Individualität in Erlebnis‐
bereitschaft ihrer selbst im Erdendasein.
.Dagegen ist fast von jedem innerlich
nicht ganz empfindungsträgen Menschen mit
Gewißheit anzunehmen, daß er in sich zu‐
weilen „Seelenkräfte” am Werke gewahrt,
die ihren Impuls von Menschen früherer
Zeiten empfingen und ihn nun zur Erfüllung
zu bringen suchen.
.Dann kann es sein, daß sich dem Men‐
schen der solches in sich erfährt, sehr leb‐
haft geformte Erinnerungsbilder zeigen,
die dem Leben jener Menschen entstammen,
die voreinst den nun in einem neuen Men‐
schenleben tätigen „Seelenkräften” ihren Im‐
puls gegeben haben.
.Der Irrtum, dann zu glauben, man sei
selbst voreinst der gewesen, von dem diese
Erinnerungsbilder an Selbsterlebtes stam‐
men, ist zwar sehr leicht erklärlich, aber
doch nur durch allzu oberflächliche Erfahrung
zur Not zu stützen.
143 Das Buch vom Jenseits
.Du sollst aber nicht an irgend ein „Welt‐
bild” glauben, nur weil es auch andere Gläu‐
bige fand, denn nicht eher wird deine Seele
im Frieden sein, als bis sie sich wiederer‐
kannte: — als Selbstbezeugung des ein
zig Wirklichen.
148 Das Buch vom Jenseits
.Die geistige Vollendung verlangt den
ganzen Menschen!
.Körper” und „Seele” sind bei der
Erstrebung dieser Vollendung niemals ge
trennt zu empfinden!
.Es gibt kein „Körperliches”, das nicht
zugleich ein „Seelisches” wäre, und es
handelt sich nicht um „Vergeistigung” des
Körpers, sondern um die irdisch mögliche
und irdisch faßbare Verkörperung des
ewigen Geistes durch die Kräfte der
Seele. — —
.Die den Körper verachten und den
noch in das Reich des wesenhaften ewigen
Geistes zu gelangen hoffen, finden statt
dessen nur ein neues Reich der Illusion!
.Vom Körper aber wird verlangt, daß er
glauben” lerne an das in ihm verborgene
ewige, überpersönliche „Ich”, dem er Dar
stellung werden soll.
179 Das Buch vom Jenseits
.Nicht nur des Geistesmenschen Offen‐
barung ist in jedem Kinde einzigartig und
von jedem anderen Kinde dieser Erden‐
welt verschieden, — nein, auch die See
lenkräfte, die um jeden solchen Geistes‐
mittelpunkt, Kristallen gleich, sich anein‐
anderschließen, bilden jeweils völlig neue
Formen, und sind zuweilen schon durch
viele Menschengenerationen vorgeformt.
— — —
120 Das Buch vom Menschen
.Und wieder eines anderen Kindes
Seelenkräfte wurden vielleicht geformt
von einem Menschen, der einstmals unfrei‐
willig aus dem Leben scheiden mußte, oder
auch als Märtyrer seiner Überzeugung
starb...
.In eines Armen Heimstatt kann ein Kind
geboren werden, dessen Seelenkräfte ihre
Formung einst auf einem Throne fanden,
und in dem Kinde eines Reichen können
Seelenkräfte nach Entfaltung streben, die einst
der Impuls eines Landstreichers formte...
121 Das Buch vom Menschen
.Es wird deine Aufgabe sein, die Seelen‐
kräfteformen, die du aus schlechten Im‐
pulsen hervorgegangen fühlst, nicht etwa
nun durch „strenge Zucht” und äußere Ge‐
walt an ihrer Auswirkung zu hindern, denn
was du so erreichen könntest wäre stets nur
Täuschung, auch wenn dein Kind in acht‐
bar hoher Stellung später äußerlich ver‐
gessen ließe, was es dennoch weiter in
sich trägt. — —
.Es wird deine Aufgabe sein, diese See‐
lenkräfte vielmehr umzulenken, so daß sie,
in früher Jugend schon, zwar die Auswir‐
kung finden, die sie erstreben, jedoch auf
solche Ziele eingestellt, die weder deinem
Kinde, noch auch anderen jemals Scha
den bringen können. — — —
.Es würde gar manche „Familien-Schande”
sich vermeiden lassen, wollte man sich be‐
quemen, sobald man die ersten Regungen
bemerkt, die Nichtersprießliches verkünden,
— sogleich mit weiser Geduld die nichter‐
freulichen Seelenkräfte „umzulenken”, auf
Wege, die ihrem Streben gemäß, und
dennoch nicht verderblich sind. — — —
.Es hängt vom Einzelfalle ab und muß in
nüchterner Erwägung sorgsam entschieden
werden, welche Art der „Ablenkung” hier
jeweils geboten ist.
.Nur lasse man sich nicht etwa täuschen!
.Ein Trieb ist nicht vernichtet, wenn
er aus Furcht vor Strafe sich nicht zu
äußern wagt! — —
.Es ist auch nicht das Ziel, die uner‐
wünschten Seelenkräfte zu vernichten, denn
alle Seelenkraft ist gut an sich und kann,
in richtige Geleise eingelenkt, zum höch
sten Segen und zu menschlicher Voll
endung führen. — — —
.Ich sprach hier nur von jenen Seelen‐
kräfteformen, die einst durch niedrige Im‐
pulse in die Welt der Wirkung traten.
.Doch werden dir vielleicht auch Seelen‐
kräfteformen „unerwünscht” erscheinen,
die ihre Formung einem Impuls danken,
der in einer hohen, allem Schlechten
weit entrückten Seele lebte, — — nur
weil sie deinen eigenen Seelenkräften
fremd, und den Impulsen feindlich sind
die in dir selber Formung finden. — —
.Du möchtest jene Seelenkräfteformen,
die du selber schaffst, in deinem Kinde
nun zur Wirkung kommen sehen, und
findest, daß in diesem Kinde völlig an
deres lebt und wirkt. —
.Hier wird von dir eine hohe und weise
Entsagung gefordert, wenn sie auch oft‐
mals Schwerstes von dir verlangt, willst
du nicht zum Verbrecher an der Seele
deines Kindes werden. —
124 Das Buch vom Menschen
.Was Dich dann wirklich «glücklich»
macht, das ist Dein eigen Werk, — das
Schaffen aus dem Chaos der Gefühle, und
dieses Schaffens Folge: — — jene Harmonie
der Seele, die sich selbst vollendet,
wenn sie sich der anderen Seele schenkt. —
.Selbst jener sinnliche Genuß, der unter
Menschen, die kein höheres Verlangen ken‐
nen als den Trieb der Tiere, «Liebe»
heißt, zwingt niederste Gefühle dennoch,
schaffend sich ein Trugschloß zu erbauen, in
dem sie ihrer geilen Träume Götzenbild, als
Sklaven ihres kurzen «Glückes» sich errich‐
ten.
5 Das Buch vom Glück
.Ich sagte dir schon, daß es für den Ge
samtorganismus der Menschheit, dessen
Teil Du bist, nichts Verborgenes gibt,
und auch Deine verborgensten Gedanken
sind ihm entschleiert.
.Hier möchte ich aber nicht den Irrtum
verschulden, als lehrte ich etwa eine «Ge‐
samtmenschheits-Seele», als ein für sich
bestehendes, bewußtes Wesen!
.Bewußt wird der Gesamtorganismus der
Menschheit stets nur in seinen «Mittel‐
punkten», — den einzelnen Menschen, und
in jedem Einzelnen wird er seiner selbst
anders, sowie bald mehr, bald in gerin
gerem Grade bewußt.
.Wenn ich sage: «nichts ist dem Gesamt‐
organismus der Menschheit als solchem je‐
mals verhüllt», — so will ich Dir nur be‐
greiflich machen, daß alles was Du denken
oder tun magst, weit über Dich als
Person hinaus, mit automatischer Sicher‐
heit auf den ganzen geistigen Organis
mus der Gesamtmenschheit einwirkt
und dort seine Folgen zeitigt, für die Du
dann später oft vergeblich nach einer Ver
ursachung suchst, weil es Dir nie in den
Sinn gekommen ist, daß auch Deine leise‐
sten Gedanken, die Du fast vor Dir selbst
schon verborgen glaubtest, so weittragender
Folgen Ursache werden könnten. — — — — —
28 Das Buch vom Glück
.Du wirst deiner Seele Kräfte in dir selbst nur
dann also zu sammeln und zu einen wissen,
wenn dir die Ströme geistigen Lebens Kraft
verleihen, die von denen in die Erdennacht
geleitet werden, die aus dem wesenhaften
Geiste wirken, weil sie also wirken müssen! —
.Sie selbst sind nur Werkzeuge göttli
chen Willens!
.Nicht ihre Kräfte kannst du empfangen, son‐
dern allein des Geistes Kraft, aus der sie leben
in des Geistes wacher Welt. Umformer sind
sie der Kraft des Geistes, die anders nicht
in dieser Erdentieresdunkelheit dir
fühlbar werden könnte...
.Sie glauben nicht «Höheres» zu sein als du,
denn alles was sie einst etwa glauben
mochten, zu sein, haben sie aufgelöst
in dem, aus dem sie sind...
.Wenn du dieses Sein jedoch dir über
ordnet fühlst, so wisse, dass auch sie es
allem überordnet fühlen, was sie als Erden
menschen einst für sich erreichbar oder
wünschbar wussten. Sie gieren wahrlich nicht
nach Dank für ihre Hilfe, und all ihr «Helfen»
beruht nur in ihrem Sein!
51 Der Weg zu Gott
.Wie sollten sie die Seelen die allhier im Dun‐
kel sind, in liebender Verströmung aller Geistes‐
kraft die sich durch sie ergiesst, aus dieser Fin‐
sternis erretten können, wären des Erdenmen‐
schen Nöte ihnen fremd!? —
.Durch ihr Erkennen aller Menschen
not wird ja die Kraft des Geistes also um
gewandelt, dass sie den Seelen in der Form
der Hilfe, deren sie auf ihrem Weg zu
Gott bedürfen erst fühlbar und erfassbar
wird! — —
.Du kannst dich wahrlich ihnen anvertrauen,
zumal, da man ja nichts von dir verlangt, als
dass du dich vor jedem Sträuben gegen ihre
Hilfe hütest.
52 Der Weg zu Gott
.Wenn du auch nur in wenigem dich
sicher fühlst, so trägst du doch in dir be‐
stimmt eine Sicherheit, Gefahr zu wittern,
die nie dich verlassen wird, sobald es dei
nes armen Erdenleibes Erhaltung gilt!
.Die gleiche Sicherheit besitzest du zwar
auch, wo es sich um deiner Seele Leben
handelt, doch da du deine Seele verlieren
kannst, ohne des Erdenleibes Leben ein‐
zubüßen, so achtest du kaum mehr der War‐
nungszeichen, die dir im Innern werden,
wenn der Seele Leben in Gefahr zu kom‐
men droht! —
84 Das Buch der Liebe
.Sie glauben der Lösung des Rätsels
aller Rätsel auf der Spur zu sein, und
lassen sich von selbstbetrogenen „Adepten”
sagen, auf diesem Wege werde göttliche
Freiheit winken, während sie nur der Schar
der höllischen „Hunde des Abgrundes
harmlos entgegenlaufen, denen schon die
Lefzen triefen vor Gier, ihre Seelen zerreißen
zu können, so wie sie jene bereits zerrissen
haben, die diesen Arglosen heute als macht‐
erfüllte Meister ihres teuflisch verwirrten
Glaubens dünken. —
.Wohl waren Phallus und Yoni seit ur‐
alten Zeiten heilige Symbole, und beide
Gegenpole bilden der tiefsten Mysterien hei‐
lige Anker im Erdenleben, doch — wer hier
suchen möchte, bevor man ihn sucht, der
hüte sich wohl, daß er nicht die Wirkungs‐
region verwechsle, und statt der „heiligen
Anker”: schlüpfrige Schlangen aus der
Tiefe hole!
.Es gibt wahrlich kein Gebiet okkulter
Kräfte, das so der Täuschung Raum ge‐
währt, wie der Bereich des Sexualmyste
riums!
— — — — — — — — — —
.Wehe denen, die hier zu finden glau‐
ben was sie suchen! —
.Sie werden im besten Fall ihre som
nambulen Kräfte wecken, die ihnen jedes
Trugbild gerne gewähren, das ihr Wähnen
nährt, bis sie, in solcher Verstrickung sich
wie die Götter” wähnend, zu spät, und
unerlösbar geworden, einst in Verzweiflung
entdecken, daß sie der „Schlange des Pa
radieses” Gehör gegeben hatten. —
.Wer auf diesen Wegen sich weiß, der
reiße sich eilends los von allem, was
ihn an diese Wege binden mag, denn die
Gefahr ist unnennbar groß! —
.Wer aber nicht alles, was ihm lieb war,
nötigenfalls verlassen kann um des „Him
melreichs” willen, der ist wahrhaftig des
„Reiches” nicht wert, und wird nicht hin‐
dern können, daß er hinausgeschleudert wird
in die äußerste Finsternis”, — wenn
nicht zu dauernder Vernichtung, so doch
zu äonenlanger dumpfer Qual im Wissen
um die eigene Schuld!
.Alles, was hohe und oft dunkle Worte
von jenem Geheimnis sagen, das irdische
Zeugungskraft und ihre Organe umgibt,
wird erst dann in Wahrheit erfaßt, wenn
man weiß, daß die hier verborgenen Kräfte
sich in ihrer segenbringenden Form nur
dem Vollendeten des Urlichts ergeben,
und nur als ungesuchte Folge der Vollen‐
dung!
.Allerdings verhält sich die dem wahr‐
haft Berufenen mögliche geistige Lösung die‐
ser Kräfte zu dem, was da in gewissen „eso‐
terischen” Zirkeln vorgeht, wie höchstent‐
wickelte Chemie zu dem absurden Treiben
wahnwitziger Sudelköche. —
.Wer nicht zu den geistig Vollendeten
gehört, die, ehe sie auf Erden geboren
wurden, höchste „Meisterschaft” erlangten,
der bleibe hier allem Suchen fern, denn
was er zu finden vermeint, wird er hier
niemals finden, und was er finden kann,
würde ihn nur zur Beute dunkler Ge
walten werden lassen, der seit der Urzeit
Tausende und Abertausende in die Netze
gerieten, oft noch für geraume Zeit in die‐
sem Erdenleben angestaunt als wahre „Adep‐
ten”, und ihren Vernichtern so als Köder
dienend für weitere Vernichtungsopfer! —
.Ich brauche wohl kaum zu sagen, daß
ich hier alle geheimgehaltenen „Methoden”
kenne, die solche vermeintliche „Geistes‐
kräfte” entfesseln können.
.Ich kenne jedoch auch das Schicksal
derer, die sie entfesselt haben, und darum
wird mir die Pflicht der Warnung, — für
alle, die sich warnen lassen wollen. — —
115 Das Buch der Liebe
.„Okkulte Kräfte” werden allerdings in
der „irdischen” Liebe nicht von solchen
gesucht, — wohl aber können sie in ihr,
wenn seelisches Empfinden leibliche Ver‐
einung überhöht, die ersten Ahnungs
schauer finden, die sie empor zu höchster
Form der Liebe leiten, — dorthin, wo sie
himmlisch” wird, da sich ihr Wirken über
dieses Erdenleben hoch hinauferhebt, über
die fernsten Sterne hoch empor, bis in
das reine Lichtreich ewiger Gestaltung, das
nur denen sich erschließt, die „reinen Her
zens” sind.
— — — — — — — — — —
.Doch muß dir nicht auf Erden „irdi
sche” Liebe werden, um zu der höchsten
„himmlischen” Form der gleichen Kraft
zu gelangen!
.Wohl sollst du gewiß die „irdische
Form nicht fliehen, wenn sie dir nahen will
in seelischer Überhöhung, — in wahr‐
haft heilig gehaltener Ehe, — doch wenn
du sie nur als bloße Befriedigung leibli
chen Begehrens finden könntest, dann rate
auch ich dir zur Enthaltung, obwohl ich
wahrhaftig weit, weit von jenem Wahn mich
weiß, als sei Enthaltung von „irdischer”
Liebe der geforderte Preis für höchste see‐
lische Entfaltung. —
.Lieber aber noch sollst du mit wachem
Willen auf eine Erdenglückesmöglich
keit verzichten, als daß du in tierhafter
Brunst das heilige Feuer entweihst. — —
118 Das Buch der Liebe
.Nachdem so ein folgenschwerer Irrtum
Berichtigung fand, sei hier nun die Rede
von der bedeutsamen Kraft der Seele,
die durch jede Art von Arbeit — jedoch
allein nur, wenn sie in der intensivsten
Art betrieben wird — gewonnen werden
kann, und die in allem Leid auch die
Kraft des echten inneren Trostes fördert.
44 Das Buch des Trostes
.Nichts schafft dir eher den inneren Trost,
der sich als Kraft dir offenbart, und lehrt
dich mit seiner Hilfe auch das herbste
Leid bezwingen als Arbeit, die du so
verrichtest, wie jede Arbeit getan werden
will, soll sie dein Seelisches fördern!
.Nichts führt dich eher zum Neube
ginn!
46 Das Buch des Trostes
.Wer solche Art der Arbeit kennt, der
allein hat auch ein Recht, nach getaner
Arbeit zu ruhen, aber auch seine Ruhe
wird ihm fruchtbar werden, weil ihm als‐
dann die Frucht der Arbeit anderer Gei‐
ster durch mentale Influenzen dargeboten
wird, nach seiner Fassungskraft. —
.Und ebenso wird dir, wenn du im
Leide stehst und die Kraft des Trostes
durch deine Arbeit zu erreichen suchst,
nachher in deiner Ruhe großer Trost
im eigenen Innern werden, der von gei
stiger Seite stammt, und den du in sol‐
chem, durch die Arbeit wiederhergestell‐
tem Gleichgewicht allein zu empfangen
fähig bist. —
47 Das Buch des Trostes
.«Die Welt der Seele ist ständiges Geschehen.
.Nicht anders kann die Welt der Seele sich dir
enträtseln, als dadurch, dass du eingehst in
diese, irdischen Sinnen unerfassbare Welt, als
ein Zeuge ihres Geschehens.
.Dann wirst du erst jene Weisheit finden, von
der auch der Weiseste nichts 'wissen' kann, son‐
dern der nur wirklich weiss, der jenes Ge
schehen in sich erlebt hat und zu jeder
Stunde neu zu erleben vermag...»
6 Das Buch der Gespräche
.Wieder fragte ich einst den hohen Weisen,
der mir zu jener Zeit sein Wissen übertrug, be‐
vor ich selbst zu «Wissen im Geiste» werden
konnte, ob nicht doch aus alten, geheimgehal‐
tenen Büchern, in der «Wissenden» Besitz, sich
manche Weisheit, manches hohe Können er‐
lernen lasse, und er antwortete mir:
.«Mehr sollst du dich freuen über jede
kleinste Weisheit, die dein Geist
dir gibt, als über alle Lasten 'erlernten'
Wissens! —
.Mehr sollst du dich freuen über jedes klein
ste Gelingen, das dein Geist dir schenken
mag, als über alle erlernte Kenntnis und
Geschicklichkeit der Erde! —
.Du sollst nichts zu tun haben wollen mit de‐
nen, die alles 'gelernt' haben müssen, um es
zu können! — —
.Du sollst nichts zu tun haben wollen mit
denen, die alles 'gehört' haben müssen, oder
'gelesen' um es zu wissen! — — —
.Dein Geist soll immerdar frei sein und in
Freiheit seine Kräfte erproben können!
.Dein Geist soll allezeit all deiner Seelen
kräfte Herr und Meister sein und sie unter
seiner Herrschaft einen! — — —
.Wahrlich, deine Seele hat tiefe Kräfte,
die noch keiner in sich völlig ergründet
hat, und auch dein Körper hat vieles geheime
Können, das noch keiner völlig in sich er
kannte! — —
.Ich will deinen Körper lösen und lebendig
machen und deiner Seele Kräfte dir zu stets
bereiten Dienern geben!
.Du sollst nicht aus Büchern haben, was du
an Weisheit erlangst, und nicht von anderen
sollst du dir dein Können borgen! — — —
.Du hast selbst in dir deinen kunst
reichsten Lehrer, und alle Weisheit, die
in Büchern aufgezeichnet wurde, ist nur ein
Kleines neben dem, was deine Seele in sich
selber birgt! —»
19 Das Buch der Gespräche
.Der Allbarmherzige, der Erbarmer, — sein
Name sei gelobt, — ist gleich einem Schah-in‐
Schah, der über alle Königreiche der Erde
herrscht.
.Er setzt, in Gerechtigkeit und Liebe, Könige
über die Länder der geistigen Welt und gibt
ihnen Macht und Weisheit, auf dass sie das An‐
vertraute verwalten können, aber ihm allein
bleibt dennoch alles Land. —
.Im innersten Herzen, in euch selbst, ist ein
Vorraum, gross wie ein Senfkorn, und in ihm
eine kleine Pforte, kleiner als das kleinste
Sonnenstäubchen.
.Durch diese Pforte muss sich zwängen, wer
zum 'innersten Osten' will! — —
.Ist er da hindurch, dann wird er hinter der
Pforte ausgebreitete Länder finden, — eine ewige
'Erde' — ein 'Indien' aller Indien, — ein 'Ge‐
birge' aller Gebirge...
.Dort wird er sein Reich gegründet finden, von
aller Ewigkeit her.
.Bevor er aber zu seinem Reiche hingelangen
kann, das in jenen Landen ihm verliehen wird
von jenem Schah-in-Schah, der dort von Ewig‐
keit zu Ewigkeiten herrscht, muss er an den
heiligen Strom gelangen, der ewig im
Kreislauf um das Innerste der Lande fliesst,
der keine Quelle und keinen Abfluss hat, —
der stets sich selbst erzeugt und sich selbst
verschlingt...
.Dort wird er den 'Fährmann' finden und der
Fährmann wird ihn nach seinem 'Namen'
fragen. —
.Weiss er hier seinen 'Namen' nicht, so muss
er unweigerlich sogleich zurück auf die äussere
Erde.
.Doch, wenn er dem Fährmann Antwort geben
kann, so wird er ihn übersetzen auf die an
dere Seite des Stromes, wo er alsdann im —
'innersten Osten' ist. — — —
.Dort wird er den Führer finden, der ihn zum
'grossen Gebirge' im 'innersten Osten' hingelei‐
ten wird.
.Dort wird er inmitten ewig schneebedeckter
Höhen plötzlich ewig grüne Matten voll
blühender Blumen finden, so dass er sich
vor Staunen kaum zu fassen wissen wird.
.Dort wird er die ragenden Kuppeln eines him‐
melhohen Tempels erspähen, — und wenn er
endlich anlangt und ihn betreten darf, — dann
wird er in diesem Tempel auch die 'weisen
Männer des Ostens' sehen, nach denen er
bis hierher stets vergeblich suchte.» — — — — —
— — — — — — — — — —
.Als aber die Frager weiter fragten, ob es denn
unumgänglich nötig sei, die «weisen Männer»
des Ostens zu finden, wenn einst die Seele ihr
geistiges Reich erlangen wolle, sprach der Weise:
.«Ihr wisst noch nicht, was ihr da fragt! —
.Wer das Reich seiner Seele finden will, dem
muss von innen her dabei geholfen werden. —
.Helfen aber können nur jene Wenigen,
die im 'innersten Osten' leben, und die der
Allerbarmer mit Macht begabte, ihren 'Brü‐
dern im Dunkel' Licht zu spenden, sobald
deren Wille und nicht nur ihr 'Wünschen' ernst‐
lich nach solchem Lichte verlangt. — — —
.Also müsst ihr die 'weisen Männer des Ostens'
in euch finden, wenn ihr jemals das Reich,
das in euch ist, erlangen wollt! — — — — — —»
29 Das Buch der Gespräche
.Die Lehre von der Seele, wie sie in grauer
Vorzeit schon die Leuchtenden erkannten,
will ich dir hier verkünden.
.Dies ist die Weisheit jener Wenigen, die auch
heute noch im Lichte dieser Lehre leben. —
.Menschen des Westens lehrten andere
Lehre, und selbst auch im Osten wirst du sel
ten nur dieser Lehre der wahrhaft durch
Selbsterfahrung Wissenden begegnen...
.Dennoch wird jeder dich in Irrtum führen,
der anderes lehrt! — — — — — — — — — —
.So höre denn, und verstehe in deinem Herzen:
.Urewig ist des Menschen Geist, anfanglos
und ohne ein Ende. —
.Ewig lebt er in eigenem, wesenhaftem
Lichte, denn er selbst ist Licht, — ein
leuchtender Funke jener ewig sich selbst ge‐
bärenden Sonne, die stetig sprühend ihren
Funkenregen in den Raum ergiesst. — — —
.Nenne diese «Sonne» nicht «Gott», denn
Gott ist etwas anderes!
.Schwer wird es werden, dir das begreiflich zu
machen. —
.Ich muss ein Wort aus der Alltagswelt ge‐
brauchen, um dir verständlich zu werden, und
so sage ich dir denn:
.«Gott» ist das subtilste Destillat des
Geistes, nicht «der Geist» in seinem
stetig sich gebärenden Entbrennen! — —
.Des Menschen ewiger Einzelgeist aber
ist gleichsam ein Funke jener ewig sprühenden
Sonne, ein Funke, in dem sich das Destillat
des Geistes bilden, — in dem sich der leben
dige Gott unendlichfältig gebären kann...
.Ewig gebärt sich selbst die ewig sprühende
Ursonne ewigen Geistes!
.Ewig sprüht diese kreisende Sonne ihre
Geistesfunken, als Geister-Hierarchien in den
geistigen «Raum»!
.Die «Funken», die sie selbst aus sich
sprüht, sind gleichsam noch selbst Riesen
sonnen, doch diese sprühen wieder ewig
«Funken», ewig «Sonnen» aus, die wieder
in gleicher Weise stets kleinere und schwä
chere «Funken» oder Funkensonnen sprü‐
hen...
.Was im Menschtier der Erde sich selbst ge‐
fangen hat, der Geistesfunke, durch den
dieses Menschtier erst zum «Menschen» wird,
ist keineswegs der kleinste dieser Funken.
.Du kannst deiner Vorstellung dadurch am
besten zu Hilfe kommen, wenn du die
«Grösse» dieses «Funkens» etwa im gleichen
Verhältnis zu grösseren und kleineren «Geistes
funkensonnen» suchst, wie sie das Verhältnis
der Grösse dieses Erd-Planeten zu grösse
ren oder kleineren Weltkörpern zeigt. — — —
.Es lag im Wesen des Geistesfunkens, der sich
im Erdenmenschentiere sein Gefängnis schuf,
beschlossen, dass er das Reich der Seele sich
als Wirkungsfeld erkor, und dass er schliesslich,
um auch Herrscher in dem Reiche der Materie
zu werden, nach einem «Körper», einem «Leib»
der materiellen Gestaltung strebte.
.Ein solcher «Körper» aber war ihm bereits
gegeben, ein Körper, der wohl der Materie
verbunden, doch nicht ihr unterworfen
war. — — —
.Dass er aus Furcht vor der materiellen Wir‐
kung seiner Kräfte sich mit dem Körper des
Menschentieres der Erde verband, das erst
gereichte seinem Streben zum «Fall». —
.Ein «Fall» ist dieses Streben, doch zugleich
ein Tauchen in die tiefsten Tiefen, in denen
ein neues Bewusstsein geboren werden
kann. — —
.Es verlor zwar der Geistesfunke im Fallen
das Bewusstsein um sich selbst, als einer
Sonne des ewigen Geistes, aber die ewige
Kraft, die ihm trotzdem innewohnen bleibt,
treibt ihn wieder empor zu sich selbst, aufs
neue sich selbst erkennend bei seiner völligen
Rückkehr, und dies in einer Herrlichkeit, die
nur aus der Tiefe, in die er gefallen war, zu er‐
schauen und zu empfinden ist ............
.Uranfänglich muss jeder dieser kleineren
Geistesfunken, dieser kleinen «Funkensonnen»,
nach dem Reiche der Seele streben, und nur
die Heftigkeit seines Strebens lässt ihn das
Ziel, das er eigentlich erreichen will, über
schiessen. —
54 Das Buch der Gespräche
.Zum Reiche der Seele muss jeder dieser
Geistesfunken, will er sich seine Welt ge
stalten und sich selbst in seiner Wirkung
finden.
.Vorher ist nur ein Wissen um sich selbst in
ihm, als ein Wissen um sein reines Sein. —
.Im Reiche der Seele erst wird er seiner
eigenen Wirkungskräfte bewusst. — — —
.Im Reiche der Seele erst kann er nach
seiner Göttlichkeit in sich verlangen und erst im
nach «Gott» verlangenden Geiste kann sich
das «Destillat» des Geistes gestalten, kann
sich sein lebendiger «Gott» im Geistesfunken
«gebären». — — — — — — — — — —
.In jener ewig kreisenden, ihrer selbst allein
in ihrer unermesslichen Grösse bewussten
«Geistessonne», die ewig ihre «Funkensonnen»
in den geistigen Raum ersprüht, — dort ist kein
Bedürfen nach einem «Gott», denn dort ist
alles nur leuchtende Einheit des Seins...
.Damit aber «Gott» sein könne, muss etwas
Empfindendes sein, das nicht «Gott» ist,
nicht nur in sich selber kreist, in sich
selbst genug und vollendet...
.Wie das weisse Licht des Tages sich
zerspalten lässt in helle und dunklere Farben,
also muss sich die Ur-Einheit des Geistes
gleichsam zerteilen in mancherlei Strahlen,
wenn «Gott» sich im «Geiste» gebären kön‐
nen soll...
.Es müssen farbige Dunkelheiten im an
sich farblos weissen Lichte des Geistes wer‐
den, damit das gold-weisse Licht der Gott
heit sich zeigen kann. — — — — —
.Dazu aber dient das Reich der Seele.
56 Das Buch der Gespräche
.Ein jeder Menschengeistesfunke taucht ein in
dieses Reich, und um ihn bilden sich, wie Kri‐
stalle in einer salzgeschwängerten Flüssigkeit,
die seelischen Formen, die eure westliche
Lehre: seine «Seele» nennt. — —
.Ihr glaubt im Abendlande hier, diese «Seele»
sei gleichsam ein abgeschlossener Leib aus un‐
sichtbarem, fluidischem Stoff, und eure Lehre
lässt diesen Seelenorganismus mit eurer Geburt
im Fleische entstehen, damit er nie mehr euch
verlasse, damit er, in der Zeit entstanden, ewig
erhalten bleibe. —
.Eure «Seele» ist aber keineswegs dies festge‐
fügte, in sich Geschlossene, denn das Reich der
Seele ist ein unsichtbares, fluidisches Meer,
in dem es keine unveränderlichen Formen
gibt, ausser jenen unzählbaren Kräften, die man
als Seelen-Atome bezeichnen könnte, und die
zeitweilig euere Seele bilden, sie aus sich ge
stalten; doch in jeder «Seele» sind es jeweils
ihrer Tausende, und mehr als tausendmal
Tausende! — — — —
.Sobald das, was ihr wirklich im höchsten
Sinne seid, jener ewige Geistesfunke, das
Reich der Seele erreicht, sobald er eintaucht
in dieses fluidische Meer, — schiessen diese Mil‐
liarden von Kräften um ihn zusammen und
werden von dem Eigenlichte des Geistes erfüllt.
.Der Geistesfunke aber strebt tiefer und tiefer,
bis auf den Grund dieses Meeres, wo ihm die
furchterregenden Kräfte dann begegnen, die ihn
verleiten, im äusseren Reiche der dich
testen Materie Schutz zu suchen, so dass er
sich dem Menschentiere eint, und sich in
seiner Form verliert.
57 Das Buch der Gespräche
.Aus einer Mutter Leibe wird er nun hier als
der Mensch der Erde geboren.
.Stetig aber bleibt er, auch auf dem «Grunde»
des Meeres der Seele, in seiner Hülle von Fleisch
und Blut, von dem Meere umschlossen. —
.Allmählich lernt er die Formen, die sich um
ihn kristallisieren, im eigenen, wenn auch sehr
verdunkelten, Geisteslicht erkennen.
.Nicht zum ersten Male bildeten diese
Kräfte solche Formen!
.Sie dienten schon vielen Menschengeistes‐
funken in früherer Zeit und werden sich stetig
wieder lösen und wieder von neuem ähnliche
Formen bilden, bis der Impuls, der sie einst
Form zu bilden zwang, durch einen Menschen‐
geistesfunken völlig zur Auswirkung
kommt, bis dass ein Menschengeistesfunke
alle Kräfte dieser Form in seinem Willen
zu einigen weiss. — — —
.So kommt es, dass du in deiner «Seele»
Klänge findest, die nicht erst in diesem deinem
Erdenleben zum erstenmal erklangen, — — und
dies verführte die Völker des Ostens zu jenem
Glauben, als ob der Menschengeistesfunke oft
mals diese irdische tierhafte Einkörperung zu
überstehen habe. —
.Dem ist aber nicht so, wie man im Osten
glaubt, und wie auch im Abendlande heute gar
viele annehmen möchten.
.Zwar gibt es Fälle, gleichsam des «Miss‐
lingens», in denen zweimal einem Menschen‐
geistesfunken jener tiefste Fall zum Triebe
wird, allein es sind dies Sonderfälle, die so selten
sind, dass sie der Regel keinen Abbruch tun.
.Selbstmord und früher Tod, auch allzu
dichtes Einverkrusten in die dichte
Tiereshülle können diesen Trieb zur Wieder‐
Inkarnierung schaffen, allein auch hier nur in
besonderen Fällen, die nicht allzuoft sich
ereignen.
.Du findest in dir vielleicht Menschen früher
Vorzeit wieder?!
.Du kannst, wenn du einmal zu den Erwach‐
ten des Geistes gehörst, selbst ganze Lebens
läufe zum Erklingen bringen, und dies Erinnern
deiner Seelenkräfte wird dann dir bewusst, —
dem heute auf der Erde Lebenden, — allein, —
nicht du warst jener, den du heute also
neu erlebst! — — — — —
.Du trägst nur jene Seelenformen, die in
seinem Erdenleben sich gestaltet hatten und
nicht in ihm zum letzten Ausgleich der
geschaffenen Impulse kamen. — — —
.Was du deine «Seele» nennst, ist ein stetig
wechselndes Gebilde im Meere der Seelen‐
kräfte, im Reiche der Seele.
.Jeder Gedanke, jeder Willensimpuls,
jede Tat kann dieses Gebilde sogleich ver
ändern. —
.Du wirst, wenn du nicht ganz im Materiellen
verkrustet bist, von Jahr zu Jahr eine andere
«Seele» haben, und nach den Lehren uralter
Weisheit wirst du sicher alle sieben Jahre
völlig andere Seelenkräfte bei dir tätig fin‐
den. —
.Gewisse Seelenformen werden sich auch bei
dir wiederholen, und jene, denen du nicht
zur Vollendung verhilfst, wirst du den Men‐
schengeistesfunken hinterlassen, die einst, in
späteren Tagen, dieses Erdendasein durch‐
leben müssen.
.Mit dieser Hinterlassenschaft verbunden ist
stets die Möglichkeit des Rückerinnerns an
das Erdenleben dessen, von dem sie stammt.
.So kann sich ein anderer einst auch deines
Lebens erinnern und zu dem Irrglauben kom‐
men, er habe dein Leben einst hier gelebt...
.Das Reich der Seele hält dich so umschlossen,
dass du niemals seine Grenzen finden oder gar
überschreiten könntest. —
.Mit den an dich jeweils kristallisierten Seelen
formen, die in steter Veränderung sind,
wirst du dich immer in diesem fluidischen,
und irdischen Augen unsichtbaren «Meere
der Seelenkräfte» bewegen. — —
.Aber auch nach dem «Tode» des tierischen
Erdenkörpers wird dir dort nichts zu völliger
Macht verhelfen, bevor nicht alle Impulse,
deren Erzeuger du während deines Erden‐
lebens warst, in späteren Menschenleben ihre
restlose Auswirkung fanden. — —
.Du selbst kannst deine Seelenformen dann
nicht mehr ändern!
.So wie sie waren, als dein Erdentiereskörper
dieser Welt der materiellen Kräfte nicht mehr
genügen konnte, so wirst du sie behalten müs‐
sen, bis zu jenem Tage, da auch der letzte der
von dir geschaffenen Impulse durch einen
später hier lebenden Menschengeist seine Aus
wirkung fand...
.Jedoch, fürchte dich nicht!
.Die vor dir im Reiche der Seele zu freien
Beherrschern wurden, werden dir dort zur
Seite stehen, und die Zeit bis zu deiner wahr‐
haften «Auferstehung» wird nicht ungenützt
verstreichen, auch wenn es sich um «Jahr‐
tausende», nach irdischem Zeitbegriff, handeln
sollte. —
62 Das Buch der Gespräche
.Wie aber du dann auf den letzten deiner Er‐
löser harren magst, so warten heute Menschen‐
geister, die in früher Vorzeit auf der
Erde im Fleische waren, — auf dich! — — —
.Siehe zu, dass in deinem Leben den letzten
Ausgleich findet, was du von jenen früheren
in dir trägst!
.Siehe zu, dass du auch nicht neue Impulse
schaffst, wenn du nicht selbst gewillt bist,
sie in deinem Erdenleben zum völligen Er
schöpfen zu bringen! — —
.Du sollst zwar auch neue Impulse schaf‐
fen, aber nur solche, denen du sicher in
deinem Erdenleben selbst genügen kannst,
nach menschlichem Ermessen. — — — — —
.Was nützt es dir, wenn du Impulse schaffst,
die deiner Ansicht nach das Wohl der ganzen
Welt bezwecken, wenn aber deiner Hand sich
dann entwindet, was du also schufst, bevor du
selbst imstande warst, das so geschaffene zum
Ausklang hinzuleiten! — — — — — — — — — —
.Dir und anderen wirst du so nur Leiden
schaffen, denn im Reiche der Seele kann nichts
verursacht werden, ohne bis in seine letz
ten Konsequenzen durchzuwirken durch
Jahrtausende...
63 Das Buch der Gespräche
.Lehre die westliche Welt, dass die magischen
Kräfte auf dieser Erde nicht verschwunden
sind, und dass sie nur einer neuen Menschheit
harren, um sich aufs neue zu betätigen.
.Lehre alle, die dich fragen, wie sie den magi‐
schen Pol in sich selber wieder zum Leben brin‐
gen können.
.Lehre sie, dass Bereitsein, hohen Kräften
zu begegnen, diese Kräfte wieder ins Leben
rufen kann!
.Lehre sie, dass aller Anspruch auf höheres in‐
neres Erleben sich nur auf die innere Hal
tung gründet, niemals auf die Heftigkeit des
Wunsches!
.Lehre sie, dass nur in völliger Ruhe der
Seele die Botschaft des Geistes zu empfangen
ist!
.Lehre sie, dass die Fähigkeiten ihrer
Seele nur zum allerkleinsten Teil sich
ihrem Bewusstsein zeigen!
.Lehre sie, auf nichts sich zu verlassen, als auf
das eigene innerste 'Ich' das alle Hilfe
automatisch herbeizieht, deren es bedarf!
.Alles Vertrauen, so sage ihnen, muss Ver‐
trauen zum Leben, zum eigenen 'Ich' muss
Selbstvertrauen sein!
101 Das Buch der Gespräche
.Was ich in meinen Schriften mit dem
Worte „Geist” bezeichne, läßt sich irdisch
Bekanntem nicht vergleichen.
.Es ist die wesensgemäßeste Darstel‐
lungsform für das Ur-Sein aus dem alles
Dasein ausgeht, — von dem alles Dasein
Leben” empfängt, solange es bestehen
bleibt in seiner jeweiligen Eigenform.
.Wenn ich sage: es ist wie freie, unfaß‐
bar hochgespannte Elektrizität, die jeden
in ihr Kraftfeld gebrachten Körper durch
dringt, und je nach seiner Eignung sich
in ihm manifestiert, — so ist das gewiß
kein Vergleich, wohl aber doch ein brauch‐
bares Bild, das Irrtum verhüten helfen
kann.
.Wir tragen ein Erlebnisvermögen für
dieses Ur-Seiende in uns, aber ohne unser
bewußtes Mitwirken vermag auch keine
„Gnade” das hier gemeinte Vermögen so
zu entfalten, daß es uns die ihm zugäng‐
liche Welt des wesenhaften substantiellen
Geistes zu offenbaren imstande ist.
.Diese Welt des urewigen Geistes, die
wieder unzählige Einzelwelten in sich faßt,
ist kein unwandelbar Starres, kein unge‐
ordnetes Chaos, sondern ein stets Beweg‐
tes: — ein Kosmos klarster, in steter Ver‐
wandlung begriffener, dennoch im Sein mit
sich selbst identischer Formen.
.Wer im Geiste die Welt des Geistes
erleben lernen will, der muß zuvor in sich
selbst die Hemmungen beseitigen, die ihm
aus der Vorstellung erwachsen sind, als
sei das dem irdischen Auge unerfaßbare
Geistige in keiner Weise sinnengemäß, viel‐
mehr ein flüchtiges, in sich ungegliedertes
Wehen und Wogen ohne bestimmte For‐
menerzeugung.
.Er wird sich klar darüber werden müssen,
daß seine eigene letzte Lebensursache
der Geist ist, — daß auch in irdischer Ver‐
körperung der Organismus des geistigen
„Leibes” zur Tätigkeit kommen kann, und
daß dann rein geistige „Sinne” an Stelle
der Körpersinne sich entfalten.
.Allerdings wird sich der Suchende auch
sagen müssen, daß im Geiste nur erlebt
werden kann nach geistiger Anschauungs‐
weise, genau so, wie die uns hier auf Er‐
den umgebende und leibvertraute physische
Welt nur infolge physisch-sinnlicher
Anschauungsart erlebbar ist.
.Und wie in der physischen Welt das
Welterlebnis durch die physischen Sinne
bedingt ist, so kann auch im Geiste nur
das erlebt werden, was der jeweilige Ent‐
faltungszustand der geistigen Sinne des
Einzelnen erlebensmöglich werden läßt.
.So, wie nun in unserer physischen Er‐
denwelt die irdischen Sinne ganz verschie‐
dene Entwicklungsmöglichkeiten aufweisen,
wodurch denn das Welterlebnis eines je‐
den Menschen anders bestimmt wird, je
nachdem der eine oder der andere Sinn
die Führung übernimmt, so ist auch das
Geisterlebnis von der in jedem Menschen‐
geist anders geordneten Entfaltungsfähigkeit
der geistigen Sinne abhängig.
.Soll die Reihe der Analogien, die ich
hier aufzeige, aber vollständig sein, so muß
ich den Schüler noch auf eine sehr wesent‐
liche Gleichheit aufmerksam machen, die
zwar alles Vorgenannte voraussetzt, aber
für die Beurteilung geistigen Erlebens
keineswegs etwa erst an letzter Stelle steht.
.Ich meine hier die Tatsache, daß wir
das Geistige ebenso wie das Physischsinn‐
liche sowohl kalt-sachlich erkennend,
wie auch mit der ganzen Wärme seelischen
Einklangs erleben können.
.Beim erdensinnlichen, wie beim
geistsinnlichen Erleben handelt es sich
immer nur um das Erleben von verschie‐
denen Aspekten der gleichen Urkraft,
die ich in einem meiner Bücher daher gerade‐
zu als „das einzig Wirkliche” bezeich‐
net habe.
.In dieses „Einzigwirkliche” vermag
in aller Ewigkeit kein anderes, als sein
eigenes „Bewußtsein” einzudringen, so
daß es selbst den höchsten, irdisch schon
unvorstellbaren Stufen ewigen Geistesmen‐
schentums wie nicht vorhanden wäre, be‐
wirkte sein Dasein nicht die Influenz-Er‐
scheinung der Seelenkräfte, die sich so‐
wohl im physisch-sinnlichen wie im
geistsinnlichen Leben in uns auszuwirken
trachten, wenn wir dieses Wirken nicht
selbst unterbinden.
.Darum ist es so überaus bedeutsam,
welche Seelenkräfte wir in unserem innersten
Wollen zu einen, — mit diesem Wollen
zu identifizieren wissen. —
.Nicht nur für unser erdenzeitliches, son‐
dern in noch weit höherem Maße auch für
unser geistig-ewiges Erleben!
.Darum ist es Denen, die in den Geist
gelangen wollen, höchste und strengste
Pflicht, ihre Seelenkräfte vor „Schaden”
zu wahren, damit nicht höchstes Streben
mit dem „Tode” der Seele ende, denn
jenes kalt-sachliche Erkennen, dem die
Inbrunst der Seele fehlt, ist Selbstver
dammnis die sich nicht eher endigen läßt,
als bis sich das Individualbewußtsein im
Laufe von Aeonen darin verbrauchte...
.Darum sind die ungestümen Streiter für
die Seele, denen es darum geht, daß der
„Geist” der Gehirne nicht die Seele töte,
zwar in Unkenntnis des ewigen substan
tiellen Geistes, aber innerhalb ihrer Er‐
lebnisweite keineswegs im Irrtum. —
.Das Erleben des ewigen, substantiellen
Geistes ist an sich gänzlich unabhängig
vom „Geist” der Gehirne: — vom Denken
und gedanklichen Erschließenkönnen.
.Nur zur Widerspiegelung und Mit
teilung des geistig Erlebten bedürfen wir
hier, im physisch-sinnlichen Zustand, der
Arbeit des Gehirns.
.Hingegen sind die Seelenkräfte, die —
wenn ich ohne Gefahr, irriges Verstehen
zu begünstigen, so sagen darf — in unserem
geistgeformten „Ich” an Stelle des phy‐
sischen Gehirns treten, erst dieses Erlebens
ewige Rechtfertigung.
47 Der Weg meiner Schüler
.Wer aber sein Pfund vergräbt und nur
wiederbringt, was ihm von Anfang an ge‐
geben war, der wird nach den ewigen Ge‐
setzen „die äußerste Finsternis” erleben müs‐
sen: die aller Seelenwärme beraubte Region,
in der „Heulen und Zähneklappern” herrscht
vor innerer Kälte und Verdüsterung. — —
Die hier herangezogenen Worte der Evan‐
gelien sind nichts anderes als bildhaft ge‐
staltete, lebendige Darstellungen der Wir‐
kungsweise ewiger Gesetze.
.Körperliches können wir auch wahr‐
nehmen ohne die Seele, wenn auch die
durch die Seele geleitete körperliche
Wahrnehmung wesentlich andere Bewußt‐
seinseindrücke ergibt, als sie die feineren
physischen Kräfte vermitteln können.
.Der Glaube des Volkes, der kein Leben
des Körpers ohne „Seele” kennt, meint hier
irrigerweise mit dem Wort „Seele” nur jene
feineren, fluidischen, physi
schen Kräfte, auch wenn dabei gleichzeitig
diesen Kräften Eigenschaften zugeschrieben
werden, die nur der wirklichen Seele zu‐
kommen.
.Möchte nur der Körper, seelenlos
geworden, auch „leblos” sein, — dann
würden nicht so viel Seelenlose dieses Erden‐
dasein um seine Wärme bringen, und die War‐
nungen der Evangelien wären gegenstandslos
gewesen!
.Während aber de facto der Körper auch
ohne Seele sein Bewußtsein hat, wäh‐
rend auch der Seelenlose sich selbst als kör‐
perlich bedingtes „Ich” — etwa im Sinne
Stirners — empfindet, ist es völlig
unmöglich für uns, das Reich des reinen
Geistes, die realen geistigen
Welten, ohne Seele wahrzunehmen. —
JenesIch”, das allein auch dort
wahrzunehmen vermag, ist selbst eine
Seelenkraft, die von einem Funken ewigen
Geisteslichtes durchlebt und durch‐
leuchtet wird für alle Ewigkeit, sobald sie
einmal die Fähigkeit in sich erwachend er‐
kannte, diesem ewigen Geistesfunken ewiger
leuchtender „Leib” zu werden, sobald, um
mit anderen Worten zu reden, der „lebendige
Gott” sich in diesem „Ich” die „Geburt” be‐
reiten konnte.
.Um diesesIch” müssen alle anderen
Seelenkräfte sich kristallisieren, — ihm müs‐
sen alle Seelenkräfte geeinigt werden,
soll der Mensch vollbewußt das ewige Reich
des wesenhaften Geistes betreten können! —
86 Das Mysterium von Golgatha
.Absonderung kann zu Zeiten von
Nutzen sein, sobald man zu fühlen beginnt,
daß die Einstellung auf das Empfinden wirk‐
licher Seelenkräfte verloren zu gehen droht,
aber die Absonderung soll nur kürzeste
Zeit währen und nur dazu dienen, „die
Einstellung wieder zu finden.” So‐
bald man sie gefunden hat, kehre man wieder
zu seinem gewohnten Leben zurück!
92 Das Mysterium von Golgatha
.Er lebt die Lehre, die er seinen Schülern
kündet, — zeigt ihnen, wie der Seele
Wachstum Leben braucht und Tat.
96 Das Mysterium von Golgatha
In den Gleichnissen sagt er das, was als
„Übung” allein nötig ist: Die Einstel
lung des Bewußtseins auf die Re‐
gungen der Kräfte der Seele, und die
Folgeleistung, die der Wille diesen
Anregungen schuldig ist.
142 Das Mysterium von Golgatha
.Die magischen Riten der alten Kulte
sind wahrlich von Weisen geformt, die um
die Gesetze alles geistigen Geschehens wuß‐
ten.
Hier waren Wirkende am Werke die im
Geisteslicht erkannten, daß der Mensch mit
beiden Füßen fest auf dieser Erde Boden
stehen müsse, wenn er mit weitgespreiteten
Armen himmlische Gestirne in die Macht
seiner Hände zwingen wolle...
Gleichweit entfernt von selbstgeschaffener
Ekstase wie von jenem engen, erdgebundenen
Blicke der sich über seine nächste Umwelt
nicht erheben kann, erlebten sie im Innersten
die unvergleichliche hohe Einung aller
Seelenkräfte, die alles Äußere ins Innere
bringt und die kein «Außen» kennt, das nicht
der sichtbarliche Ausdruck innersten Ge‐
schehens wäre. —
So wußten sie ein äußeres Tun zu formen,
das Allerinnerstes erreichen mußte, um
durch dies Allerinnerste das Äußere zu
wandeln.
Den geistigen Gesetzen untertan, suchten
sie Menschen und Dinge aus erdenhafter
Bindung zu erlösen.
Sie lehrten äußere Kräfte so gebrauchen,
daß Allerinnerstes, durch sie zur Wir
kung angeregt, die Banden sprengte,
die anders nicht zu lösen waren.
Selbst hohe Magier, lehrten sie Magie
der göttlich höchsten Art und wurden
so zu Erlösern ihrer im Tiere schlafenden
Brüder.
Nicht jene irdische Erkenntnis wollten sie
vermitteln, die, als Frucht des Denkens,
zwar hohe Werte fördern, aber nie zu
geistigem Erwachen tauglich machen
kann.
Ihr Wirken galt dem geistigen Erkennen,
dem jene Dinge sich entschleiern müssen,
die nie dem Denken sich enthüllen kön‐
nen, da sie dem Schein entrückt, als letzte
Wirklichkeit im Sein allein sich finden. —
57 Kultmagie und Mythos
.Du selbst bist dieses höchste Gut
in jenem Allerinnersten der Seele,
das nie ein Anderer berühren kann,
und das selbst dir nur im Erleben
sich bezeugt, da nie dein Denken es
be-greifen wird! — —
39 Der Sinn des Daseins
.Wohl spricht man mit Recht von
der «Seele» des Tieres, und diese
Art «Seele» west auch in dir, allein
sie ist nur fluidisch-physischer Natur
und darf nicht verwechselt werden mit
der ewigen Seele aus dem Ozean der
Seelenkräfte, die nur im Menschen
Tiere und neben dessen «Tierseele»
sich erlebt. —
.Nur durch die Kräfte der ewigen
Seele bist du befähigt, dich in das
mutmaßliche Empfinden eines anderen
Lebewesens zu «versetzen»! Nur
durch diese Kräfte bist du imstande,
mit zu leiden, wenn du ein anderes
Lebewesen leiden siehst!
64 Der Sinn des Daseins
.Das, was überdies in normalen Fällen
allein „reinkarniert”, sind lediglich die
nicht saturierten niederen Seelenkräfte,
die im Seelenkomplex neuer Menschen
immer wieder auftreten, bis der Impuls,
durch den sie in einem früheren Men‐
schen geformt wurden, endgültig er‐
schöpft ist.
.Sie können freilich von Männern auf
Frauen und von Frauen auf Männer über‐
tragen werden, aber ohne die bestimmte
Sexualität ihrer jeweiligen Träger zu ver‐
ändern.
123 Mehr Licht
Regionen des Geschehens, die völlig un‐
erkannt bleiben, solange man sie in kon‐
tinuierlichem Zusammenhang mit jenen
Möglichkeiten des Geschehens glaubt, die
uns als naturgesetzlich begründet er‐
scheinen. —
Zwei Worte stehen mir zur Bezeichnung
dieser höheren Regionen zur Wahl: „Seele
und „Geist”.
.In neuerer Zeit gibt es gar viele, die
dem Worte „Seele” höheren Rang an‐
weisen, aber ich glaube, daß schon die
Genesis dieses Wortes innerhalb der deut‐
schen Sprache mir ein Recht geben dürfte,
es als Bezeichnung jenes „flutenden” lich‐
ten Zwischenreiches zu wählen, das zwischen
dem, was man die physische „Na‐
tur” zu nennen pflegt, und dem urgrün‐
digen, wesenhaften Reiche höchster Kraft
und Weisheit, das ich das Reich des
Geistes nenne, mitteninne liegt.
.Das Reich der Seele gleicht einem „flu‐
tenden Meere” geheimnisvoller, vom Rei‐
che des Geistes überstrahlter Kräfte, die
alles übersteigen, was in der Region der
okkulten Kräfte der physischen „Natur”
zu finden ist, und die durchaus unab
hängig von jenen Gesetzen wirken, durch
die sich das Wirken der okkulten Kräfte
der physischen „Natur” bestimmt sieht.
.Auch in dieser Region der Seele ist der
Mensch, gleichwie in der physischen „Na‐
tur”, in seinem Eigentum. Auch hier ist
er selbst ein Teil des unermeßlichen Gan‐
zen, und seine Eigenseele ist ein Komplex
aus Myriaden dieser Kräfte des „Meeres”
der Seele.
.Hier hat er jedoch ein Recht, sich Kräfte
untertan zu machen! Hier ist es Gebot für
ihn, die Kräfte meistern, zu lernen! —
Zwischenliegend, zwischen den Kräften
der physischen „Natur” und denen des
reinen Geistes, ist das Reich der „Seele
beider Influenz erreichbar. Seine Kräfte
sind jedoch nicht etwa den Kräften der
physischen „Natur” unterworfen!
.Beruf des Menschen ist es, sich selbst,
soweit er Niederem zugehört, dem
heren in ihm zu Dienste zu geben. Nur
so kann er sich zu ewiger Gestaltung
schaffen, als individuelle Wesenheit.
.Darum muß er auch noch über das
Reich der Seele hinaus zu seinem Ursein,
im Geiste, das er einst verließ, zurück
gelangen.
.Hier erst ist er wirklich in seiner „Hei‐
mat”, und von hier aus erst vermag er es,
sich ewig zu erhalten.
158 Mehr Licht
Nicht „ferne” dieser physischen Allnatur
ist die Welt des reinen Geistes, und das
Meer der Seelenkräfte, dem der Men‐
schengeist die Möglichkeit seiner indivi
duellen Formung dankt!
189 Mehr Licht
daß die Seele für den Menschen dieser
Erde eine gähnende Leere, ein inhalts‐
loses Sprechen, eine Uhr ohne Zifferblatt,
eine Werkstatt mit tausend surrenden,
aber leerlaufenden Rädern, ein ungemünz‐
ter und unhebbarer Reichtum wäre, ohne
den Inhalt ihres Erlebens, das ihr, hier
auf dieser Erde, durch den Körper ver‐
mittelt wird.
.Man wußte nicht, daß wir keinen einzi‐
gen Gedanken fassen können, der nicht
im Erdenkörper seine analoge Beziehung
hat, seinen eigentlichen Inhalt irdisch sin
nenfällig dargestellt findet: daß all unsere
Vorstellungsbilder, — selbst die kompli‐
ziertesten, im Körper vorgebildet sind,
und daß uns keine Empfindung bewußt
zu werden vermag, ohne Beziehung auf
die Empfindungsfähigkeit des Körpers und
seiner Organe. —
Aber auch heute noch sind die Wenigen
zu zählen, die wissen, daß bei jeglichem
erdbewußten seelischen Wahrnehmen, bei
jeglichem Denken, etwas mehr in Tätigkeit
gesetzt wird, als nur das Gehirn: — daß viel‐
mehr jedes Atom unseres Körpers uns die
nen muß zu seelischer Wahrnehmung, so‐
lange wir diesem Körper in einer phy
sisch körperlichen Erscheinungswelt ver‐
haftet sind, — und daß der Reichtum der
Seele, wie seine Gebrauchsmöglichkeit,
uns hier auf Erden nur durch die Mit
arbeit des irdischen Körpers erreichbar
ist.
.Was wir „fühlen” und „empfinden”
nennen, ist in gewisser Weise Äußerung
der gleichen Kraft, durch die wir auch zu
„denken” vermögen, und unser Fühlen
und Empfinden läßt sich zu gleicher,
wenn nicht weit größerer Schärfe der Ein
stellung, tatsächlich aber zu weit höhe
rer Sicherheit emporentwickeln, als das
Denken.
.Die Vorgänge, die da in Betracht kom‐
men, sind dem blitzschnellen Aussenden
bewußter und halbbewußter Fragen ver‐
gleichbar, auf die meist mit der gleichen
Schnelligkeit die Beantwortung erfolgt,
und die Antwort kommt uns stets, — ohne
daß wir es ahnen, — vom Körper her, auch
wenn wir glauben, ohne ihn fertig werden
zu können und ihn undankbarerweise ver
achten zu dürfen meinen...
.Bei jedem Gedanken, bei jedem Emp‐
findungsanreiz, und handle es sich um Ge‐
danken noch so abstrakter, um Empfin‐
dungen noch so sublimer Art, senden wir
mit Hilfe unseres Gehirns gleichsam einen
Kundschafter aus in jene Teile des Kör‐
pers, — ob wir sie nun kennen oder nicht,
— in denen das Analogon zu jenen ge‐
danklichen oder empfindungsmäßig zu fas‐
senden Verhältnissen physisch-körperlich
dargestellt ist, die uns im Moment beschäf‐
tigen. Und fast in gleicher Sekunde kehrt
der Bote zurück und berichtet uns — wie‐
der in der Transformation durch das Ge‐
hirn, — von dem, was er gefunden hat.
.Es ist nicht ganz leicht, diesen Vorgang
zu verstehen. Aber unsere ganze Wahr‐
nehmung der physisch gegebenen Welt
wird nur auf solche Art erreicht, und die
ganze äußere Welt wäre uns ein Chaos, —
hätte weder Maß noch Grenze und bliebe
uns seelisch unerfaßbar, — ohne diese
Mithilfe des Körpers — nicht etwa nur
des Gehirnes allein, — obwohl gewiß das
Gehirn die zentrale Regierungsstelle des
Körpers ist, und nichts Körperliches zum
Bewußtsein unserer Seele dringen kann,
ohne diese Zentralstelle durchlaufen zu
haben um in ihr für unsere seelische Wahr‐
nehmung empfindungsfähige Gestaltung
zu erhalten.
Auch alles künstlerische Künden der
Seele ist nur möglich auf dieser Erde durch
die Mitarbeit des Körpers.
.Die künstlerische Ausdrucksform kann
— in jeglichem Einzelfall — nur dann zu
einer Sprache der Seele werden, wenn
bewußt oder unbewußt Rhythmen in ihr
und durch sie zum Schwingen gebracht
werden, die irgendwo im Körper analoge
Rhythmen zum Mitschwingen bringen.
.Selbst die äußere Wiedergabe der
menschlichen Gestalt und der Dinge, die
sie umgeben, in der bildenden Kunst, ist
seelisch nur faßbar durch die Auslösung
gewisser Beziehungs-Bewußtheiten im
Körper des Beschauers, auch wenn er le‐
diglich durch das Auge, und mit Hilfe des
Gehirns, des Geschauten habhaft zu wer‐
den glaubt.
.Wer aber das eigentlich Wesentliche in
aller Kunst erfassen will, der wird stets
mehr mit dem Körper aufzunehmen ge‐
nötigt sein, als er weiß und zugeben
möchte.
.Wohl wird Musik primär durch das Ohr
empfangen, aber der Prozeß des Bewußt
werdens ist komplizierter als mancher
Hörende ahnt! — Das Ohr ist nur Auf
nahmeapparat für die Schallwellen. Um
diese aber zu deuten, ist es genötigt, den
empfangenen rhythmischen und klang‐
lichen Anstoß durch den ganzen Körper
zu leiten, bis er jeweils jene Stellen im
Körper erreicht, die ihm analog sind: —
die gleiche Beziehungsintervalle, gleiche
Schwingungseinheiten, gleiche Rhythmen
aufweisen, und so wie ein Echo die Ant
wort zurücksenden zum Mechanismus des
Ohres, das die Antwort sogleich dem Ge
hirn vermittelt, in dem sie allein sich
zu jener Sprache verdichten kann, die
der Seele faßbar ist.
.Ein Gleiches geschieht in Bezug auf das
Auge, sobald es sich um die Wahrneh‐
mung eines künstlerischen Bauwerkes, ei‐
nes Werkes der Plastik oder der Malerei
handelt, während oft alle Sinne zugleich
beansprucht werden, insonderheit aber
immer das Gehör, sobald es sich um das,
wenn auch im stillen Lesen erfolgende
Aufnehmen eines Werkes der Dichtkunst
handelt.
.Es ist immer der gleiche Vorgang!
.„Geheimnisvoll am lichten Tag...”
.Alles Wirken „künstlerischer Ausdrucks
formen” ist: — Zeichen-Magie, bedingt
durch das Finden der gleichen Kräftedia‐
gramme, wie sie der Körper physisch-real
in sich zur Darstellung bringt.
.Das gilt sowohl von dem schöpferischen
Gestalten, als auch vom empfindungsbe‐
wegten seelischen Erfassen eines jeglichen
Werkes jeglicher Kunst, wenn auch für
den Gestalter künstlerischer Ausdrucks‐
form ebenso wie für den durch sie Ange‐
sprochenen geheimnisvoll bleibt, was bei‐
der Erleben erregt.
209 Mehr Licht
um die Vereinung der Seele mit ihrem
verlassenen Lebensquell: um eine „Unio
mystica”: — die Verschmelzung des ge
trennt Individuellen mit dem ewigen Ur
Individuum, das allein allen individuellen
Daseins gemeinsamer Seinsgrund ist.
218 Mehr Licht
.Was nützt alles verstandesmäßige Er‐
kennen, alles Wissen über die Welten des
Geistes, wenn doch alles das mit dem Fort‐
fall der Gehirnfunktionen lautlos in Nichts
zerstäubt und nie mehr im seelischen Be‐
wußtsein gefunden werden kann, falls die‐
ses seelische Bewußtsein nicht vorher,
noch während es das Gehirn zur Verfügung
hatte, den ewigen Willen zur Einigung
mit seinem lebendigen Gott, seinem gött‐
lichen Geistesfunken im innersten Innen,
erreichte?
Diese Einigung aller Seelenkräfte, al
ler Empfindungsmöglichkeiten, auch der
durch den Körper allein gegebenen, im
allerinnersten „Ich”, — in der höchsten
Region inneren Fühlens, die allein die
Gottheit erreicht und sie eben nur im
Menschen selbst, als den in ihm leben
digen Gott erreichen kann, — ist die ein
zige geistige Aufgabe des Menschen, die
sich wirklich aller Anstrengung wert er‐
weist.
.„Das Himmelreich leidet Gewalt, und
nur die Gewalt brauchen, reißen es an
sich!”
.Wahrlich, es braucht „Gewalt”, alle
störenden Einreden des nur auf die phy
sische Welt und auf die aus ihr abgelei‐
teten Spekulationen beschränkten Ver
standes abzuweisen, damit die innere
Stille zustande kommt, die uns das Urbild
unseres „Ich” empfinden läßt, unsern le
bendigen Gott, der uns jeden Augenblick
unseres Seins stets neu nach seinem Bilde
schafft, — dessen ewigen Schaffens Aus
druck wir geistig sind, — dem wir völlig
uns angleichen sollen, damit wir aus sei
nem Bewußtsein heraus, durch alle Ewi‐
keit hindurch, uns selbst in Bewußtseins
identität zu erhalten fähig werden!
279 Mehr Licht
.Es war nicht klügliches Ersinnen, was die
alten Weisen immer wieder zu der Mahnung
drängte, den Geist in der Stille zu suchen,
bei «verschlossenen Türen» des Geistes Ruf
zu erwarten. —
Was dann im Inneren vernommen werden
kann, wird nur der Seele hörbar sein, und
fühlend nur wird sie vernehmen können,
was niemals sich in Worte einer Menschen‐
sprache fassen läßt...
Wohl dem, der solcherart fühlend zu hören
weiß!
13 Das hohe Ziel
Um wieviel mehr jedoch ist es Gebot der
Pflicht, erst zu prüfen, bevor man Folge
leistet, wenn von solcher Folge das Wohl oder
Wehe der Licht und Klarheit verlangenden
Seele abhängig ist! —
59 Auferstehung
Solange du eine Werkstatt des Alltags bist,
— und das sollst du im Alltag sein, — wirst
du auch mit der Seelenspeise, die dir der All
tag bringt, vorlieb nehmen müssen, und für
die Zeit deiner Arbeit in der äusseren Welt
wird dir solche Nahrung auch genügen.
Zuweilen aber wird sich deine Seele ermü
det zeigen, was du daran bemerkst, dass sie
die Speise, die ihr der Alltag bietet, nicht
mehr aufzunehmen fähig ist.
Sie hungert alsdann nach einer anderen Er‐
nährung, die ihr der Alltag — und sei er an
seelischer Speise noch so reich — nie und nimmer
gewähren kann.
In solchen Stunden musst du wissen, dass es nun
an der Zeit ist, der Seele ein Fest zu bereiten!
120 Auferstehung
Du bist die Liebe, — du das Licht, das aus der
Liebe lebt!
Nun trage wissend ich dich in mir, — ich weiß
dich wie ich mich selber weiß!
In mir selber bin ich dir vereinigt, — meiner Seele
bist du in mir geboren...
In deinem Lichte darf ich deine Herrlichkeit
schauen, — das Auge des Geistes hast du mir ge‐
öffnet...
Ich sehe dich, du ewiges Urlicht, unerfaßbar für
dich selbst im Sein, — ich sehe wie du selbst dich
ewiglich als Urwort fassest...
Du zeigst mir wie das Urwort ewiglich den „Ewi
gen Menschen” spricht: — den Geistgeborenen,
der ewiglich in ihm verharrt...
Du zeigst mir, wie der Menschengeist in dieser
Finsternis nur Zeugnis jenes „Ewigen Menschen
ist, — des „Alten der Tage”, — des „Vaters” aller
deiner Leuchtenden...
Aus ihm nur kannst du in dir selbst dem Menschen
geiste dieser Erde fassbar werden...
Aus ihm hast du mir Erlösung bereitet...
Aus ihm ward mir der Führer gesandt...
*
Du allein bist der Seiende!
Als Urwort offenbarst du dich für dich selbst!
Im „Ewigen Menschen” schaffst du dir des
Urworts Offenbarung, die weiterzeugend alle
Hierarchien hoher Geister bis herab zum Men
schengeiste dieser Erde aus sich selber offen
bart...
Ruhe und Schaffen sind in dir...
Ruhe bist du in deinem Sein, — als Schaffenden
spricht dich das Urwort aus...
Mann” und „Weib” bist du in deinem Sein, du
ewiges Urlicht, — du ewiger Geist der Wahr
heit, — du, der du selbst die Liebe bist...
Mann” und „Weib” spricht das Urwort aus...
Mann” und „Weib” ist der Ewige Mensch...
*
In einem Funkenstrahl deines Lichtes nur vermag
ich dich zu ertragen...
So bist du mir vereint, als mein lebendiger Gott! —
In dir erkenne ich, daß diese Liebe, die du selber
bist, stets Tat und Wirken aus weiser Ruhe will...
Alles Erkennen sehe ich fruchtlos und ohne Wert,
wenn es nicht gründet in dir, der du die Liebe
bist!
35 Psalmen
Nur was der geistgezeugten
Seele sie allhier gewonnen,
Ist ihnen nicht
Im Todeslicht zerronnen,
Und was aus ihrer Zeit
Sie mitgenommen haben,
Ist die Gestaltung
Die sie selbst der Seele gaben.
115 Leben im Licht
Die, deren sichtbare Gestaltung —
Durch jeder Erdenzeugung zubestimmte
Wandlung alles Wandelbaren —
Nun nicht mehr sichtbar,
Nicht mehr körpersinnlich fühlbar ist,
Sind dennoch, seelenraumhaft,
Uns, die wir sie wahrhaft lieben,
Weit näher als sie waren,
In der Seele Raum verblieben.
Selbst, wenn sie auch zuerst,
In anderseitigem Erfahren,
An erdenhaften Irrtum,
Erdenhaften Tagestraum gebunden,
Noch nicht zu ihrer wahrhaften
Erlösung aus dem ihnen nun
Nicht mehr Gemäßen hingefunden,
So lehrt sie doch alsbald
Das raumhafte Erleben ihrer Seelen,
Alles Seelische das noch im Erdenleibe
Lebt, nun — in sich selber — finden,
Und sich den in der „Zeit” Gefesselten
In deren Seelenraum verbinden.
*
Erst, wenn die erdentrückte Seele
Nichts mehr in sich findet,
Das sie — im Bösen wie im Guten —
Noch an irdisches Erleben bindet,
Vermag sie sich zum Lichte zu erheben
Und sieht im Ewigen
Ihr erdgelebtes Leben
Nun lichtgelöst,
Und frei von erdenhaftem Streben,
Als klares Wahrbild
Sich zurückgegeben.
Hier erst geschieht
Geheimnisreiche Wendung: —
Hier offenbart sich jeder Seele
Ihre geistgelenkte Sendung...
In lichtdurchlohtem Seelenraum
Erlebt die Seele hier,
Nun aus der Liebe leuchtend,
Ihre ewige Vollendung.
*
da Ihre Seele ja
aus dem gleichen Urgrund stammt wie die
meine, und ich in meinen Büchern nach
nichts anderem trachte, als nach Darstel‐
lung der ewigen, von allem zeitlichen
Meinen und Glauben ganz unberührten
Wirklichkeit, die aller Seele Urbesitz ist,
auch wenn in diesem, von physisch Kör‐
perlichem laut übertönten Erdenleben das
Bewußtsein um solchen Besitz bis zu nur
traumhafter Fernschau einer verblaßten
Erinnerung abgedrängt wird. So betrach‐
tet, überrascht mich Ihre Behauptung nicht
im mindesten. Sie zeigt mir nur, daß ein‐
zelne meiner Worte das normalerweise wäh‐
rend dieses Erdenlebens kaum noch faß‐
bare Erinnerungsbild der Seele soweit in
Ihnen zu verstärken imstande waren, daß
es Ihnen in den berührten Punkten wort‐
geformt faßbar wurde.
.Diese Bücher lassen sich nicht „auslesen”,
weil ihr Inhalt allen überhaupt möglichen
Konstellationen seelischen Bewußtwerdens
Darstellung gibt, und weil jedes erneute
Lesen den Leser in einer anderen seelischen
Aufnahmefähigkeit findet.
.Sie hatten vielleicht Ihre Vertrautheit
mit dem, was es für uns Menschen in der
Seele zu erleben gibt, überschätzt, und
müssen sich nun zu der Erkenntnis durch‐
arbeiten, daß es unvergleichlich mehr See‐
lisches zu erleben gibt, als Sie bis jetzt zu
erahnen vermochten.
.Wenn die gegenwärtigen Zweifel an Ihrer
Erlebensfähigkeit dem Seelischen gegen‐
über, Sie vor solchem, so verhängnisvollen
Überschätzen dessen, was Sie seelisch er‐
lebt zu haben glauben, in Zukunft bewah‐
ren werden, dann ist Ihre augenblickliche
Enttäuschung das beste Vorzeichen dafür,
daß Sie sich dereinst — wenn es auch länger
hingehen mag, als Ihnen erwünscht wäre —
im Reiche der Seele erwacht finden wer‐
den. Fassen Sie neuen Mut und bedenken
Sie, daß Ihr Ziel zu seiner Erreichung große
Hingabe erfordert!
daß ich Sie nur in der allen seelisch Suchen‐
den zu Anfang eigentümlichen Verfassung
sehe, sich selbst zu wichtig zu nehmen. —
Sich selbst und das Urteil Anderer!
.Aber das ist, gleichnisweise gesagt, eine
Art psychophysischer Kinderkrankheit, die
nur dann zu Besorgnis Anlaß bieten könnte,
wenn sie nicht in absehbarer Zeit zum Ver‐
schwinden gebracht würde.
.Sie stehen heute am allerersten Beginn
eines Weges, dessen Ziel Ihnen zwar ge‐
dankenmäßig vorstellbar, aber in seiner
Wirklichkeit nur ahnungsweise bekannt ist.
Ihr Weg ist in Ihnen selbst, und nur in
Ihnen selbst finden Sie dereinst sich auch
an dieses Weges seelischem Ziel. In Ihnen
selbst aber sind auch alle die Waldteiche,
Sümpfe und Pfützen, in denen Sie bisher
sich so gerne zu betrachten liebten.
.Sie werden wissen, was ich meine, auch
wenn ich die Art dieser Spiegelungsgelegen‐
heiten hier absichtlich nicht mit Fachaus‐
drücken der Psychologie benenne. Dieses
Selbstbetrachten und Sich-im-Bilde-sehen‐
Wollen werden Sie allmählich ganz auf
geben lernen müssen, wenn Sie auf Ihrem
Wege zu sich selbst das Ziel nicht aus den
Augen verlieren wollen.
.Sie sind ganz der Gleiche, einerlei, ob
Sie sich bei Ihren Selbstbespiegelungen im
Bilde gefallen oder nicht! Jedes von Ihnen
im Innern aufgenommene Spiegelbild Ihres
jeweiligen Bewußtseinszustandes bewirkt
aber ein Festhaften an der Stelle, die Sie
durch Weiterschreiten ja gerade verlassen
lernen sollen. —
.Als was Sie sich selbst und Anderen hier
im Erdenleben gelten: — welche Stellung
Sie einnehmen, welche Bedeutung dieser
Stellung zukommt, — ob Sie zu befehlen
oder zu gehorchen haben, und tausend an‐
dere irdische Wichtigkeiten, an die Sie sich
hier gefesselt fühlen oder von denen Sie
gar nicht befreit sein möchten, — das alles
sind Dinge zwischen Geburt und Grab. —
Was aber in Ihrer Seele von Ihnen erst ge‐
sucht und gefunden werden will, ist Ewi
ges, das von alledem unberührt bleibt, was
Ihnen hier auf Erden irdisch so wichtig ist.
.Trachten Sie immerhin nach dem, was
Sie in Ihrem irdischen Dasein irdisch hoch
bewerten, aber versäumen Sie darüber Ihr
Ewiges nicht!
.Ihr Erdenkörper ist nur die Werkstatt,
in der Sie Ihrem Ewigen Gestaltung schaf‐
fen können. — Er bietet Ihnen das Werk
zeug, das Sie zur Selbstformung brauchen,
aber Sie selbst nur schaffen sich damit —
die Form!
.Ohne sich selbst diese, Ihre geistige
„Form” aus Ihrem Ewigen gestaltet zu
haben, können Sie unmöglich in Bewußt‐
seinsidentität mit Ihrem persönlichen ir
dischen Bewußtsein, in Ihrem Ewigen be‐
wußt werden! — Aus der Perspektive des
in seine tierorganbestimmten Sinne gefes‐
selten Erdenmenschen her gesehen, wäre
Ihr Ewiges auch ewig Ihr Fremdestes, denn
er weiß nichts von ihm und kann höch‐
stens, durch Überredung, in sehr fragwür‐
diger Weise, daran zu „glauben” bewogen
werden. Ihr Ewiges wird Ihnen jedoch be‐
wußt werden als unverlierbarer Bewußt‐
seinsbesitz, sobald Sie ihm die Ihnen ge‐
mäße geistige Form gestaltet haben, die nur
Sie allein ihm gestalten können, durch die
Ihnen entsprechende, kontinuierlich bei‐
behaltene Willenshaltung.
.Die Hilfe, wie die geistige Führung
durch einen Leuchtenden im Urlicht, und
somit durch unsere ewige Gemeinsamkeit,
bezieht sich niemals auf Dinge, die zwischen
Geburt und Grab ihre Erfüllung finden
müssen, wenn sie sich gestaltet sehen sollen,
sondern immer nur auf das Erwachen der
Seele im geistigen ewigen Bereich, und
die dadurch — möglichst schon während
des Erdendaseins — zu erlangende Über‐
tragung des individuellen irdisch-seeli‐
schen Bewußtseins in das eigene Ewige
des Menschen. —
.Aber die ganze Angst vor der — zweifellos
auch wirklich vorhandenen — Schwierig‐
keit der gegenüber den Seelenkräften be‐
stehenden Aufgabe, stellt sich immer wie‐
der als Folge einer falschen Vorstellung
von der Natur dieser Kräfte heraus.
.Es ist schwer, allein es ist nicht un
möglich!
.Es ist jedem normal empfindenden, wenn
auch nur recht primitiv gebildeten Men‐
schen möglich, die Schwierigkeiten dieser
Einung der Seelenkräfte in seinem Willen
zu überwinden, — allein es ist so manchem
zweifellos hochgelehrten und allseitiger
Bildung frohen Menschen leider nicht mög‐
lich, in sich die zu solcher Einung unbe‐
dingt erforderliche Energie und Ausdauer
aufzubringen...
so kann man auch zu einem schon
sehr umfassenden Erleben seines Ewigen
in der Seele kommen, wenn man energisch
und ausdauernd auf dem zielbestimmten
Wege bleibt, auch wenn keinerlei angebo‐
rene Eignung das Voranschreiten auf diesem
Wege erleichtert. Allerdings wird man sein
ganzes — inneres und äußeres — Leben
dementsprechend einrichten müssen, wo‐
bei die Art, wie und wo ein Mensch seine
Freuden sucht, von größter Bedeutung ist,
weil nichts derart stark auf seine Seele zu‐
rückwirkt, wie der Charakter der Dinge,
Beschäftigungen und Geschehnisse, die ihm
Freude bereiten. —
Man kann zwar sagen,
daß unsere Eigenschaften durch unsere
Seelenkräfte hervorgerufen werden, — also
die Arten unseres Empfindens mit Hilfe der
Sinne, und dieser selben Sinne Reaktions‐
bereitschaft, — aber man kann die Seelen‐
kräfte leider nicht derart deutlich vonein‐
ander sondern, wie die Sinne. Eher dürfte
man schon die Seelenkräfte mit den Nerven
kräften des irdischen Körpers, ja mit dem
ganzen Nervensystem in Vergleich setzen,
denn so, wie jeder Nerv seine bestimmte
Funktion hat und doch einer Unzahl anderer
Nerven nebengeordnet ist, so daß mannig‐
fache Wechselwirkungen entstehen, so hat
auch jede der Seelenkräfte — auch wenn
wir sie nicht mit bestimmtem Einzelnamen
zu benennen wissen — doch ihre geistig be‐
stimmte Funktion zu erfüllen und steht mit
allen anderen Seelenkräften, die zusammen
eine Seele ausmachen, in steter Wechsel‐
wirkung, ja wirkt unter gegebenen Sonder‐
umständen sogar weit über den Bereich der
sie umfassenden Seele hinaus.
denn die Einung der Seelenkräfte ist aus‐
schließlich eine Sache des Willens, der
ihnen allen, ohne Ausnahme, die Wirkungs‐
richtung gibt durch seine eigene klare Be‐
stimmtheit.
.Das Schwere dabei ist: — den Willen selbst
unausgesetzt in der gleichen Richtung zu
erhalten, von der er auch nicht eine Se
kunde bewußterweise abweichen darf, was
immer in der Außenwelt ihm dazu Ver‐
suchung bieten möge.
.Es ist das Schwerste, was auf dem Wege
zu Gott bewältigt werden muß, aber man
kann dieses Schwere bewältigen, und Un‐
zähligen ist es im Verlaufe der irdischen
Menschheitsgeschichte gelungen. Mit die‐
ser Aufgabe identisch ist die Formung des
eigenen Ewigen, von der ich in einem
früheren Briefe schrieb, daß ihr der ir‐
dische Körper Werkstatt sei
Noch sind Sie
ja „in Ihrer Werkstatt” und mit Hilfe der
in ihr dargebotenen Werkzeuge imstande,
Ihre ewige Form selbst zu bestimmen! Nach‐
dem Sie diesen Erdenleib verlassen haben,
hört freilich jeder weitere von Ihnen selbst
bestimmte Einfluß auf Ihre Eigenform im
Ewigen auf. Aber wir wollen hoffen, daß
Sie sich bis dahin bereits gestaltet haben,
wie Sie gestaltet sein wollen!
.Überlegen Sie, daß in jedem Erden‐
menschen, bei aller Tiergleichheit in bezug
auf den Leib und die wieder auflösbare
„Tierseele”, die Funktionsergebnis dieses
Leibes ist, auch ein Ewiges sich darlebt,
mag es auch bei vielen zeitlebens latent
bleiben. Dieser ewige „Geistesfunke”, dem
die aus ewigen Seelenkräften sich gestal‐
tende und daher ewige Seele Darstellungs‐
bereich ist, erfüllt innerhalb der Struktur
ewigen geistigen Lebens ebenso seine ihm
allein vorbehaltene Stätte, wie der ewige
Leuchtende des Urlichtes die seine ein‐
nimmt. Dem Leuchtenden, der erdenkör
perlich wirkt, ist ein solcher Geistesfunke
seit unermeßlicher Zeit geistig vereinigt,
und mit ihm dessen ewige Seelenkräfte,
so daß zuletzt auch Tierseele und Leib die
Influenzwirkungen des ewigen Leuchten‐
den erfahren, dessen zeitliche Werkzeuge
sie sind, solange sie auf Erden im Physi‐
schen lebensbeständig bleiben können.
Während aber dem Leuchtenden des Ur‐
lichtes alle Erlebensmöglichkeit, die das
Leben des ewigen Geistes umschließt, bis
ins Innerste dieses Lebens gegeben sind,
da er ja von ihm aus bewußt ist, kann er
doch nur dem ewigen Einzelmenschen‐
geiste, dem er sich im Ewigen vereinigte,
um durch ihn einst dann auf Erden die
Möglichkeit zu geistiger Hilfeleistung zu
haben, Anteil an seiner, alles geistige Le‐
ben in sich durchdringenden Erlebensweise
geben, indem er ihn, Jahrtausende vor der
ihn später tragenden „Tierwerdung” auf
Erden, in sich realiter „hineinnimmt” und
so ihn an allem teilnehmen läßt, was in
ihm selber Leben ist. Dieses „Hineinneh‐
men” ist geistesgesetzliche Folge der un‐
darstellbare Zeit vordem dargebotenen frei‐
willigen Verpflichtung, die der von nun an
geheimnisvollste Vorbereitung Genießende
eingegangen war. Allen anderen im Irdi‐
schen inkarnierten ewigen Geistesfunken
vermögen jedoch die Leuchtenden des Ur‐
lichtes nur dazu zu verhelfen, ihrer ewigen
Seelenkräfte habhaft und Herr zu werden,
um im Bewußtsein der Seele sich selbst
zu finden und die ihnen gemäße Form der
Seele sich bilden und vereinigen zu können.
Da nun zwischen den ewigen Seelenkräften
und dem gehirnbedingten Erkennen, Emp‐
finden und Erlebenkönnen stete Influenz‐
wirkungen bestehen, so kann dieses see‐
lische Erwachen in entscheidender Weise
von den Vorstellungsbereichen des Erden‐
menschen her gefördert werden, wie an‐
dererseits auch die Einflüsse aus dem ewigen
Geiste über die Individualgestaltung des
Geistes, die in dem ewigen Geistesfunken
des Menschen gegeben ist, allmählich den
ganzen tiernahen Leib derart zu durch‐
dringen vermögen, daß er zur Verkörpe‐
rung des Geistes auf Erden zu werden ver‐
mag.
.Dem Geistigen eines jeden Erdenmen‐
schen entsprechen nun aber ganz be‐
stimmte, nur ihm allein zugängliche gei‐
stige Erlebensformen und die hier mög‐
lichen Kombinationen sind der Zahl nach
unendlich, so daß es ganz unmöglich wäre,
sie alle jemals darzustellen, ja nur gruppen‐
weise zu charakterisieren. Da nun aber der
Erziehung des Vorstellungslebens so uner‐
meßliche Bedeutung zufällt, und der vom
Irdischen her nach dem Geistigen Suchende
möglichst von dem schon irdisch erfahren
haben sollte, was ihm geistiges Erleben
werden kann, so ist es besser, er weiß von
allem, was an diesen Dingen Menschen er‐
fahrbar zu werden vermag, als wenn ich
nur das Allgemeinste erörtern, alles Be‐
sondere aber verschweigen wollte. Ich sagte
Ihnen schon einmal, daß jeder, sich selbst
gegenüber ehrliche Suchende alsbald wissen
wird, was ihm in meinen Lehrtexten im
Besonderen gilt, wobei es ihm nur zu grö‐
ßerer und tieferer Einsicht in die Natur
alles Geistigen dienen kann, wenn er auch
von anderen Möglichkeiten erfährt, denen
gegenüber er spontan fühlt, daß sie der
Art nach nicht für ihn in Frage kommen,
auch wenn Andere so zum gleichen Ziele
gelangen.
.Es sind dunkle triebdumpfe Atavismen
die durch unsere tierleibliche Herkunft
aus der Substanz des Planeten nur zu sehr
erklärlich werden, wenn immer wieder der
widergeistige Gedanke in den Köpfen auf‐
lebt, alle Menschen seien „gleich” vor
Gott. Tröstlich bleibt dabei nur, daß dieser
„Gott” der Langweile das Erzeugnis gleich
wertiger Ursache ist. — Die Wirklichkeit
aber kennt in den Beziehungen zu Gott
innerhalb der Struktur des Lebens im ewi‐
gen Geiste nur unendlichfältige Verschie
denheit. Eine Gleichheit vor Gott darf le‐
diglich insofern zu Recht behauptet wer‐
den, als sie sich auf die allen Erdenmen‐
schen gemeinsame leibliche Tiernatur be‐
zieht, die von dem Planeten genommen
ist und ihm wieder anheimfällt. Soweit aber
das Doppelwesen, das sich auf Erden be‐
scheidenerweise für den Inbegriff des „Men‐
schen” hält, geistiger Natur zugehört, sind
seine einzelnen Geistesfunken verschie
dener voneinander als alles Verschiedene,
was es auf Erden an irdischen Formen zu
unterscheiden gibt! Und zwar nicht nur
im Nebeneinander gesehen, sondern eben‐
so in bezug auf die hierarchisch unfaßbar
scharf bestimmte Stufe der Eigenkapazität
innerhalb des geistigen Lebens!
.Hier läßt sich nichts abhandeln durch
philosophische Begriffsbildungen, die in
der Sphäre der Wirklichkeit so wenig Hei‐
matrecht haben, daß man sie nicht einmal
als Schatten und Schemengebilde wahr‐
nimmt.
.Hier läßt sich aber auch nichts erkaufen,
denn alles was der Andere hat, ist in glei
cher Weise wie das Eigene, in der Struktur
des geistigen Lebens gründender, ewig un‐
veräußerlicher Besitz.
.Sie sehen, daß sogar sehr scharfe Gren‐
zen zwischen den Erlebensmöglichkeiten
der einzelnen geistigen Individualitäten
bestehen, aber Sie werden auch bereits
entdeckt haben, daß die Oberfläche der
Erde nicht ausreichen dürfte, diese Gren‐
zen alle aufzuzeichnen, und daß die von
Ihnen vermißte „schärfere Scheidung”
dessen, was nur dem Leuchtenden des Ur‐
lichtes zu erleben möglich ist, und dessen,
was jeder Menschengeist nach dem Er‐
wachen seiner Seele aufzunehmen vermag,
schon dadurch ganz unmöglich würde, daß
es sich in dem einen Falle um eine, Un
endliches in sich fassende, im anderen um
die denkbar differenteste Erlebensfähig‐
keit des Selbstbegrenzten handelt! —
Ich konnte doch un‐
möglich annehmen, daß ein denkender
Mensch etwa zu der Meinung käme, ein
aus dem „Vater” in diese Erdenwelt ent‐
sandter geistgezeugter Leuchtender des
Urlichtes, als ewiges Wesen, könne unter
wie immer gearteten Umständen in grauen‐
voller, Äonen lang währender Umnach‐
tung seine geistige Auflösung erfahren, und
ebensowenig durfte ich nach allem, was
ich über den „ewigen Geistesfunken” im
Erdenmenschen an anderen Orten gesagt
hatte, vermuten, daß man am Ende diesen
ewigen geistigen Pol des Erdenmenschen
für auflösbar halten würde. Deutlich hatte
ich ja auch von der Seele gesprochen, die
zu einem „Reiche” der Ewigkeit geworden
sei, dessen „Krone und Zepter” dem „Auf
genommenen” in die Gemeinschaft der
Leuchtenden durch nichts verlierbar wer‐
den könne, außer durch ihn selbst. Ich habe
allerdings auch, abgesehen von Ihrem letz‐
ten Briefe, niemals eine Zuschrift erhalten,
aus der zu entnehmen gewesen wäre, daß
meine Worte einem Leser Schwierigkeiten
bereitet hätten. Wie man sieht, ist es ja
auch Ihnen gelungen, sich auf alle Fragen,
die Sie sich selbst an den bewußten Stellen
vorlegten, die richtige Antwort zu geben.
.Da der Leuchtende des Urlichtes, der in
erdenmenschliches Wirken eintritt, sich
mit dem ihm seit unvorstellbaren Zeiten
aus freien Stücken verpflichteten Men‐
schengeiste und dessen dann gegebener
erdenmenschlicher Darstellung so ganz ver‐
bindet, daß während des Erdenlebens ge‐
radezu von einer Verschmelzung gespro‐
chen werden muß, so ergibt sich infolge
solcher Verbindung auch eine Form der
Seele, die alles hier Verbundene in sich
zu empfinden vermag und an allem hier
gegebenen Bewußtsein teilnimmt. Wo diese
Seelenform nicht durch Willenswahn des
Irdischen zur Auflösung verurteilt wird,
dort geht sie nach der Beendung des erden‐
körperlichen Lebens nicht nur dem ewigen
Menschengeiste nicht verloren, sondern
bleibt mit ihm zugleich auch dem ewigen
Leuchtenden erhalten und sich selbst in
ihm. Aber auch dort, wo ihre Auflösung,
die allein durch die Willensüberheblich
keit des in dem geschilderten Verbande zu
findenden irdisch vergänglichen Teiles
möglich werden kann, unvermeidbar wird,
gehen natürlich keineswegs die ewigen
Urseinskräfte, die in ihrer hohen Form
als „Seelenkräfte” einst eine dem Leuch‐
tenden wie dem ihm verbundenen ewigen
Geistesmenschen gemeinsame Seelenform
gestaltet hatten, „verloren”, sondern wan
deln sich nur zurück in ihre eigene Aus
gangsform, nachdem sie sich, wie geschil‐
dert, aus dem voreinst so vollkommenen
Seelengebilde lösten. Es ist eine Bewußt‐
seinsauflösung durch Verlust des ewigen
Ich, das selber jedoch ebenso unverletzlich
im Geiste bestehen bleibt wie der Leuch‐
tende, dem es sich voreinst verpflichtet
hatte.
.Für irdisches Vorstellungsvermögen ist
freilich das, was da von mir angedeutet
wurde, nur dann leidlich erfaßbar, wenn
man sich, wie Sie, bei dem Schluß be‐
scheidet: „Ewiges kann nicht zerstörbar
sein, folglich muß es sich da um eine Be‐
wußtseinsform handeln, die zwar dazu ge‐
staltet war, auch Ewigem zu dienen, sich
selbst aber zu groß geworden fand, um sich
ihres nur im Ewigen und für das Ewige
gegebenen Seins gegenwärtig zu bleiben”.
Im Kleinen ereignet sich solcher Seelen‐
verlust tagtäglich tausendfach unter Men‐
schen auf Erden, die gewiß nicht einem
Leuchtenden des Urlichtes vereinigt sind.
Auch darüber habe ich ja genug geschrieben.
Ganz ähnlich erfährt auch hier der seelen‐
los Gewordene nach seinem leiblichen Tode
die qualvolle Bewußtseinsauflösung in ir‐
disch unvorstellbarer grauenvoller Nacht,
äonenlang noch dazu verdammt, um das
Unvermeidbare zu wissen, ohne ihm weh
ren zu können. — Und auch alle diese vielen
Seelenzerstörungen berühren in keiner
Weise die ewige Natur der Seelenkräfte,
die bei der Formung der nun in Auflösung
endenden „verlorenen” Seelen beteiligt
waren. Verursacht aber wird all dieser Mord
an der eigenen Seele immer wieder durch
das überhebliche Verlassen der Bewußt
seinsgegenwart vor dem Ewigen.
Sich nur im Ewigen achten
Und nur in ihm sich zu leben,
Wahrlich, ist schwerer
Als jegliches irdische Streben! —
Hart wird es Zeitlichem,
Hierfür sich selbst zu entsagen: —
Kaum vermag irdisches Trachten
Solchen Verzicht zu ertragen.
*
.Es ist die seit der Urzeit immer wieder‐
kehrende Tragik des Erdenmenschen, daß
er sich selbst gerade damit zerstört, womit
er sich zu erhalten und über das ihn Er‐
haltende emporzuschwingen meint...
Seelisches Leid kann aber auch Menschen
zustoßen, die praktisch vor allen Plagen
die den Körper zu peinigen vermögen, frei
sind, und das quälendste seelische Leid ist
Leid um Andere. —
.Mag man aber mehr an seelisches, oder
mehr an körperliches Leid denken bei
meinen Worten, so bleibt doch die Forde‐
rung der „Entwertung” die gleiche. Diese
„Entwertung” besteht in erster Linie da‐
rin, daß man dem Leide das große Pathos
entzieht, das ihm durch viele Jahrhunderte
hindurch immer erneut zugestanden wur‐
de, so daß geradezu Ehrfurcht vor dem Leid,
an Stelle der Leid-Verachtung, und Leid‐
Bekämpfung trat. Es ist unumgänglich gei‐
stig notwendig, daß man die ebenso törich‐
ten wie: satanisch-frivolen Vorstellungen
in sich und anderen tilge, die das Leid als
ein von Gott verordnetes Erziehungs- oder
Strafmittel angesehen wissen wollen und
dabei nicht einmal soviel Raum zu höherer
Einsicht lassen, daß der Mensch gewahr
werden könnte, welche furchtbare Gottes‐
auffassung sie verraten. Es ist für den Gott‐
bewußten kaum zu ertragendes Leid um
Andere, sehen zu müssen, was man da
einem geglaubten „Gotte” an Scheußlich‐
keit zuzutrauen wagt, und was gar noch
armen gequälten Menschen dabei als
„Trost” herhalten muß! Und noch schau‐
derhafter ist die so vielfach vor Augen lie‐
gende Tatsache, daß von den Leidenden
solcher Trostgrund angenommen wird,
denn hier zeigt sich erst der unglaubliche
Grad der Widerstandslosigkeit, mit dem
solche Glaubenszumutung rechnen darf...
.Demgegenüber ist es Bedingung für je‐
den Erdenmenschen, der im ewigen Geiste
bewußt werden und seinen lebendigen Gott
in sich selbst empfangen will, — daß er
lerne, das Leid nach Möglichkeit zu igno
rieren, jedenfalls aber ihm alle und jede
moralische Bedeutsamkeit abzuerkennen!
Aber Sie dürfen diese Worte beileibe nicht
so verstehen, als werde bei der geforderten
Entwertung des Leides übersehen, daß see‐
lisches Leid ein dumpf und stur dahin‐
lebendes Gemüt zu neuer Willensbildung
aufzurütteln vermag, und daß körperliche
Schmerzen Faktoren der Gesundung, —
Bedingungen der Heilung sein können.
Doch, das sind Folgen, für die das Leid die
Ursache gewesen sein kann, während es
nach wie vor „Lüge” bleibt, da es dem
Geistigen im Menschen eine Bindung vor‐
täuscht, die sich ihm nur hier im tiernatur‐
bedingten Irdischen vortäuschen läßt, bis
es ihre Ohnmacht erkennt.
.Alles Leid ist nur in der Tiernatur ge‐
geben, die uns hier auf Erden zeitweilige
Darstellungsform ist, und selbst das er‐
greifendste seelische Leid, das hier emp‐
funden wird, gründet lediglich in der Tier
seele, die Funktionsergebnis des vergäng‐
lichen irdischen Leibes ist. Gewiß dürfen
Sie sich die Tierseele des Erdenmenschen
nicht derart beengt vorstellen, wie die
Tierseelen anderer Erdentiere! Durch die
Verbundenheit mit den ewigen Seelen‐
kräften der geistig nur dem Menschen ge‐
gebenen, vom Tode des Körpers nicht zu er‐
fassenden Seele und mit dem individuellen
ewigen Geistesmenschentum, empfängt die
menschliche Tierseele derart hohe In‐
fluenzwirkungen, daß fast alles, was der um
sich selbst am wenigsten wissende Erden‐
mensch „seelisches” Empfinden nennt, —
und dabei an ewig Seelisches oder an ein
dem Tierhaften doch weit übergeordnetes
Vergängliches denkt, — nur innerhalb der
hochgezüchteten erdmenschlichen Tier
seele erlebt wird, die ebenso Funktions‐
ergebnis des vergänglichen Menschtierlei‐
bes ist, wie das gehirnbedingte Denken, das
gleichfalls im Erdenmenschen das Denken
der Tiere um Gewaltiges überstiegen hat.
.So aber, wie ich das gehirngebundene
Denken, dort wo es in seinem Bereich
bleibt, wahrhaftig zu schätzen weiß, aber
nachdrücklich auch von einer anderen Art
des Gedankens spreche: — von dem Ge‐
danken, der sich selber denkt und, gänzlich
unabhängig von den Funktionen des Ge‐
hirns, diese nur dort benützt, wo er sich er‐
denmenschlich mitteilbar gemacht wissen
will, — so spreche ich, bei aller Bewunde‐
rung für das, was die Tierseele im Menschen‐
leib aus sich zu gestalten vermochte, doch an
den Stellen meiner Schriften, die von der
Seele handeln, fast ausschließlich nur von
der aus ewigen Seelenkräften gebildeten,
unter allen Tieren allein dem Menschen,
aus seinem Geistigen heraus gegebenen
Seele, während mir die Tierseele des Men‐
schen, als dem Vergänglichen an ihm zu‐
gehörend, keinen Anlaß zu besonderen
Ratschlägen für ihre weitere Entwicklung
bietet. Sie ist ja im Verlaufe der Jahrtau‐
sende allmählich zu solcher Entwicklung
gelangt, daß sie in den meisten Menschen
die Seele der Ewigkeit fast gänzlich über
deckt, und es tut wahrlich not, erkennen
zu lernen, daß unsagbar vieles, was der
Erdenmensch zu seinem höchsten Vermö‐
gen rechnet, nur das Werk seiner Tierseele
ist, — auch dort, wo sie sich mit dem ihr
unzugänglich bleibenden Ewigen auf ihre
Art zu befassen trachtet. — Und noch inner‐
halb dieser Tierseele wird auch das emp‐
funden, was wir auf Erden „seelisches”
Leid zu nennen pflegen.
.Wenn ich sage: „Alles Leid ist Lüge”
— so verneine ich, als guter Kenner viel‐
fachen tierseelisch empfindbaren und erd‐
körperlich erlebbaren Leides, wahrhaftig
nicht die intensive und bis zu vermeint‐
licher Un-Ertragbarkeit reichende Pein
gewalt des Leides, — wohl aber seine ihm
vom Erdenmenschen zuerkannte, pathe‐
tisch betonte Bedeutsamkeit, — im Sinne
einer vom Ewigen her dirigierten Erzie‐
hungs-Maßnahme, — durch deren perma‐
nente Anerkennung er nur für sich und
andere dem Leide Zuwachs auf dieser Erde
schafft, statt alle irdischen Möglichkeiten
zu seiner Vermeidung aufzurufen...
.Die von einem Leuchtenden des Urlichtes
in seiner erdmenschlichen Darstellung dar‐
gebotene irdische Leidens-Bereitschaft ge‐
hört nicht hierher, denn sie gleicht ja frei
willig dargebotenem „Tribut” an den
„Fürsten der Finsternis”, in dessen Ge‐
biet der Leuchtende — die Gesetze der
Finsternis verletzend — vorgedrungen ist.
Jedes Leid aber muß entlarvt werden als
ein in der Tiernatur gründendes Übel,
dessen Erduldenmüssen einen rein gesetz
mäßig zu erklärenden Zwang darstellt,
unendlich fern aller „erzieherisch” ge‐
dachten, göttlichen „Fügung”, wohl aber
Aufruf aller Kräfte des Menschen, die Leid
zu lindern, Leid zu tilgen vermögen. —
.Der Glaubens-„Trost”, unter göttlicher
Zuchtrute zu stehen, hat unter den Men‐
schen auf dieser Erde mehr verhütbares
Leid entstehen lassen als alle tiermensch‐
liche Bosheit! — Und das lediglich durch
folgerichtigen Ablauf des durch solchen
Glauben zur Auswirkung angeregten Ge‐
schehens im unsichtbaren Teil der physi‐
schen Welt!
.Hier sind jene „Peiniger” am Werk, von
denen ich im „Buch der Königlichen
Kunst”, Neuausgabe, Seite 101, gespro‐
chen habe!
.Das sind organisch gestaltete Intelligen‐
zen der unsichtbaren physischen Welt, in
denen alles Leid, das in einem sichtbaren,
greifbaren physischen Körper und der als
seinem Funktionsergebnis während seiner
Lebenszeit bestehenden Tierseele erlebt
werden kann, unbändige Wollustempfin
dungen auslöst, so daß diese vampirhaften
Lemuren ihre ganze, keineswegs unbe‐
trächtliche Kraft anwenden, um von ihrem
Bereiche her das Leid der Tiere und Men
schen, — ja auch selbst das, was im Leben
der Pflanzen dem Leide entspricht, — zu
veranlassen, zu erhalten, und auf den
höchsten Grad zu steigern.
.Durch die stete Anerkennung des Leides
als vermeintlicher „göttlicher” Schickung
wird aller Widerstand jener Abwehrkräfte
illusorisch, die, aus dem unsichtbaren Phy‐
sischen des Erdenmenschen her, den Über‐
wältigungsanstürmen dieser unsichtbaren
Peiniger begegnen könnten, — ja der arme
ahnungslose Mensch öffnet ihnen selbst alle
Wege zur Vermehrung des Leides in sei‐
nem Lebensbereich, während das Tier doch
wenigstens noch durch instinktive Abwehr
dessen, was ihm Unlustgefühle bereitet,
dem drohenden Schmerz auszuweichen
sucht...
.Es ist wahrlich nötig, das Leid zu ent‐
werten, und jeder soll dabei mithelfen, so‐
bald er in sich selbst zur Einsicht kam,
was die hier von ihm geforderte Wandlung
seiner Vorstellungen für ihn und seine Mit‐
menschen zu bedeuten hat.
.Auch Sie sind zu solcher Mithilfe auf‐
gerufen!
Ich weiß wahrlich „ein Lied davon zu sin‐
gen”, was es für einen Menschen der in der
freien Ur-Einfachheit des Ewigen heimisch,
und dessen psychophysischer Empfindungs‐
organismus aus dem ihm normalerweise ir‐
disch entsprechenden Bindungszustande
gelöst ist, seelisch bedeutet, allen den tau‐
senderlei geradezu „höllischen” Schwin‐
gungen ausgesetzt sein zu müssen, die den
Lebensraum der gegenwärtigen, an ihrer
fortzeugenden Kompliziertheit fast erstik‐
kenden abendländischen Zivilisation durch‐
beben. Aber die Unmöglichkeit, ewiges
substantielles geistiges Leben in seiner un‐
geahnten Einfachheit innerhalb des Lebens‐
raumes dieser Zivilisation anders zur Ein‐
wirkung zu bringen als durch das irdische
Mitleben” eines aus dem Urlichte Leuch‐
tenden, legt mir — als dem in dieser Zeit
dazu Geborenen — kategorisch die Pflicht
des Mit-Lebens auf, der ich nie und nim‐
mer genügen könnte, wenn ich mich — nur
vereint mit meinen, mir im ewigen Geiste
ewig gleichgeborenen geistigen Brüdern —
von den Bereichen äußeren Lebens, denen
meine europäischen und in der übrigen
Welt nach europäischer Weise lebenden
Mitmenschen einverwoben sind, fernhalten
oder gar dauernd sondern wollte.
.Wohl aber muß ich mir auch innerhalb
der Bereiche dieser komplizierten — übri‐
gens keineswegs an sich und in Bausch und
Bogen „verwerflichen” — abendländischen
Zivilisation dennoch eine relative Abge‐
schiedenheit schaffen, wenn es mir möglich
werden soll, alledem geistig zu entsprechen,
was mir in meinem Mitleben, zum Wohle
der Mitlebenden obliegt, denn das mir Ob‐
liegende verlangt Tag um Tag seine reich‐
lich bemessenen Stunden bedingungslos
dargebotener Einsamkeit.
kann mir vielmehr keinen Tag vorstellen,
an dem mein Bewußtsein nicht, aus mei‐
nem höchsten innersten ewigen Standort
herausgehend, alle Zwischenlagen wieder‐
erkunden würde bis zum untersten Tier‐
bewußten des vergänglichen Erdenkör‐
pers, den ich hier im Irdischen verbrauche.
Aus solcher Tiefe wieder in mein Ewiges
gelangt, bin ich imstande, erfühlend zu
ermessen, was jeweils aus dem ewigen Gei‐
stigen her getan werden muß. Wollte ich
mich immer nur auf meiner höchsten Höhe
erhalten, dann wäre ich nicht, der ich von
Ewigkeit her im ewigen „Augenblick” bin,
aus dem ich in diese Zeit nur dadurch ge‐
langen konnte, daß ich das Wagnis wagte,
aufzusuchen, was nur der „weiß”, der in
sich auch die tiefste Tiefe bewußt erlebt.
So bin „ich”: der im Urlicht Leuchtende,
— auch „ich”: ein im ewigen Geiste wie‐
der Bewußtgewordener aus denen, die
durch ihre Schuld in das Zeitliche fielen,
und zuletzt noch — dem irdisch bewirkten
Anscheine nach — „ich”: der vergängliche
Erdenmensch im Menschentier. — Die Stu‐
fenleiter von meinem eigenen Höchsten
herab in mein Tiefstes, ist freilich wesent‐
lich stufenreicher als diese knappe Skiz‐
zierung vermuten läßt. Es kann nur über
das Einzelne nicht gesprochen werden, da
kein Verstehen zu erzielen wäre. Nur, wer
als Leuchtender des Urlichtes dazu befähigt,
selbst diese Stufenleiter hinab und wieder
hinauf zu steigen vermag, — was dem Ir
dischen aus sich versagt ist — weiß um die
differenzierte Art ihrer Stufen. Jedem an‐
deren Bewußtsein wäre auch ein Wissen
darum zu nichts nütze.
.Ich spreche von allen diesen Dingen, um
den törichten Gedanken, — es könne etwa
„unter der Würde” sein, sich noch Emp‐
findungen zuzugestehen, die an die Besorg‐
nisse allererster Anfänge erinnern, —
gleich mit der Wurzel auszurotten, so daß
er niemals mehr erwachsen kann. Wenn es
mir Notwendigkeit ist, tagtäglich den
höchsten Standort meines ewigen geistigen
Bewußtseins zu verlassen, um den seeli‐
schen Zustand der in den tiefsten Erden‐
höllentiefen Lebenden mitempfindend zu
erleben, — dann darf auch jeder Suchende
ohne Sorge sein, wenn er dann und wann
sich wieder wie auf seiner ersten Stufe
gewahrt.
.Der Segen aus dem ewigen Lichte würde
ihn auch dann — und um gar vieles Inne‐
werden bereichert — wieder zu seiner der‐
zeit höchsten Höhe des Bewußtseins hinauf‐
geleiten, wenn er sich zuweilen abgrund‐
tief unter den erfühlten Einsichten seiner
allerersten Wegstufe gewahren müßte. Die‐
ser Stufenweg kennt ja keine „Rangstufen”
von denen einer hinabgestürzt werden
könnte, sondern nur Stufen der Einsicht
und Erleuchtung, und es bleibt ganz dem
Suchenden allein überlassen, ob und wann
er sich gelegentlich zu einer früheren Ein‐
sichtstufe zurückbegeben will, um auf ihr
in der Erinnerung wie sodann beim Wie‐
deraufstieg, das ihm bereits insgesamt
Zuteilgewordene erneut zu durchleben.
Dieser ganze Stufenweg ist ein Weg des
„Innewerdens”. Darum ist jede Stufe, die
erklommen wird, nicht nur für alle Zeit,
sondern auch in der Ewigkeit bleibender
Besitz, der selbst dann erhalten bleiben
würde, wenn er durch irdische Schuld
äonenlang für das Bewußtsein unzugänglich
werden müßte. Zu solchem unsäglich be‐
klagenswerten Schicksal neigen aber glück‐
licherweise nur wenige.
Es ist gewiß niemals ganz leicht, von
einem Bewußtseinsinhalt der irdisch nicht
geschildert werden kann, — weil alle die
Klischeeworte, wie „absolute Harmonie”,
„reinste Klarheit”, „höchste Seligkeit”,
auch nicht entfernt vor ihm bestehen kön‐
nen, — freiwillig zu scheiden um durch
immer unerleuchtetere Regionen hinab‐
zusteigen, bis man die Dumpfheit des
bloßen Tiermenschentums wieder gewahr
zu werden vermag, — aber in alledem liegt
zugleich ein solcher Erlebensreichtum für
den noch der Erde Verbundenen, der na‐
turgemäß auch noch mit irdischen Meß‐
bändern zu messen versteht, daß ich es als
„Gnade”, empfinde, diesen täglichen Weg
immer neu erprüfen zu müssen.
.Gewiß muß auf diesem täglichen Weg ins
Dunkel und wieder zurück ins Licht, auch
alles Leid seelisch mit erduldet werden, das
alle die in verschiedenem Grade verdunkel‐
ten Regionen aufzuweisen haben. Das wäre
unerträglich, wenn ich nicht dazu seelisch
erzogen und geschult worden wäre, —
wenn ich nicht in jedem Leid zugleich die
„Lüge” am Werk sähe und um des Leides
sichere dereinstige „Umwertung” wüßte.
Ich muß aber zugeben, daß mir dieses, mit‐
unter alles bereits nur zu genau bekannte
noch um Unermeßliches übersteigernde
Leid zuweilen wahrhaftig nur mit Aufbie‐
tung aller seelischen Kräfte in all seinem
Furchtbaren bewußt miterleidbar wird,
und daß seine Schwingungen oft noch tage‐
lang peinigend in irdischem Bewußtsein
nachklingen, obwohl sie im ewigen Geisti‐
gen „augenblicklich” aufgelöst wurden.
Was will aber all mein freiwilliges Mitemp‐
finden, — als eigenes seelisches Leid, —
besagen, gegenüber der Überfülle von Leid,
die in allen Bewußtseinsregionen ohne
Unterlaß unfreiwillig de facto erduldet
wird! — Es wäre schon teuflische Gleich‐
gültigkeit dem Empfindenmüssen anderer
individueller Seele gegenüber, wenn einer,
der weiß, daß Miterleben hier nötig ist,
insoferne Linderung geschaffen werden
soll, sich vor diesem Miterleben scheuen
wollte, und es ist wahrhaftig kein „Ver‐
dienst” hier seiner selbst nicht zu schonen.
Kein einziger Bewußtseinsbereich öffnet
sich „von außen her”! Man muß selbst
vorübergehend in ihm nach seiner eigenen
Art bewußt sein wollen, wenn man inner‐
halb seiner Herrschaft Hilfe leisten kön‐
nen soll.
.Nach allem, was ich schon anderenortes
an Erläuterung gegeben habe, brauche ich
wohl kaum noch zu sagen, daß dieses frei‐
willig gewollte tägliche Miterleben der ver‐
schiedensten, nicht zur normalen eigenen
Bewußtseinslage gehörenden Bewußtseins‐
bereiche nicht etwa eine „Ortsverände‐
rung” bedeutet, und daß alles Miterleben
des in jedem Bewußtseinsbereich zu fin‐
denden Leides ein generelles Aufnehmen
der in diesem Bereich aktuellen Leid‐
„Schwingungen” darstellt, wobei mitemp‐
funden wird, was alle in dieser Region
durch Leid Gepeinigten primär empfinden,
aber ohne jede Aufrollung persönlicher
Schicksale innerhalb derer das Leid emp‐
funden wird. Die Hilfe besteht in der Aus
lösung der jeweils verlangten geistigen
Kräfte, die dann ohne jegliches Zutun
innerhalb des betreffenden Bewußtseins‐
bereiches ihr Wirken dort einsetzen, wo
es vonnöten ist: — je nach dem Einzelfall
als Kraftspendung zur weiteren Ertragung
des Leides, als Leid-Linderung, Leid-Be
freiung, oder in irgendeiner anderen nö‐
tigen Form.
.Allerdings ist solches Miterleben und
wirksame Helfen nur möglich durch uner‐
hörten Verbrauch an irdischen Lebens‐
energien. Oft ist es nötig, in wenigen Stun
den mehr Lebensenergien zu verbrauchen,
als Menschen, die im intensivsten tätigen
äußeren physischen oder gehirnbedingten
Leben stehen, in vielen Monaten zu ver‐
brauchen vermögen. Im ewigen geistigen
Wirken Dahingegebenes ist dabei natür‐
lich dem Irdischen unwiederbringlich ent‐
zogen. Äußere intensivste Tätigkeit emp‐
findet man geistigsubstantiellem Wirken
gegenüber zwar im Irdischen wie Erho‐
lung, aber man kann nicht Beides zugleich
tun, und was im rein geistigen Wirken
verbraucht wird, fehlt immer unersetzbar
im Erdendasein. Aus dem Ewigen strö‐
mende Kräfte hingegen, die sich ins Irdi‐
sche transformieren lassen, schaffen hier
nicht etwa irdischer Energie Zuwachs, son‐
dern — nur die Möglichkeit eines sonst
unmöglichen Mehrverbrauches irdisch ge‐
gebener Energien im Ewigen. — Es ist
keineswegs etwa so, daß Ewiges des Irdi‐
schen nicht bedürfte! Nur was der im Ur‐
lichte Leuchtende während seines Erden‐
lebens für sein Wirken im Ewigen freizu
halten weiß, kann er dort einsetzen, wo
er geistig helfen, und wo er vermeidbares
Leid verhüten will, gleichviel, welche Be‐
schwerde ihm selbst sein irdisches Dasein
aufbürden mag, das seiner ganzen Natur
nach ja nur ein Leben für Andere ist, ohne
Wahl und Frage.
VOM BEWUSSTSEIN
DER ABGESCHIEDENEN
Die stets wiederholten Erkundungen ei‐
ner ansehnlichen Reihe verschiedener Be‐
wußtseinslagen, wie sie zu meinen freiwillig
übernommenen täglichen geistigen Oblie‐
genheiten gehört, umfassen natürlich auch
die Bewußtseinsbereiche der von dieser
Erde Abgeschiedenen. Auch da aber gibt
es hinsichtlich der Unmöglichkeit, be‐
stimmte Einzelschicksale auszuforschen,
keine Ausnahme.
.Hingegen liegt die Zeit noch nicht lange
zurück, die mich episodisch auf andere,
nur schwer erträgliche Art in der Möglich‐
keit sah, unter gewissen seltenen aber
durchaus nicht von mir allein abhängigen
Verhältnissen, kurzen Kontakt auch mit
individuell bestimmten, von der Erde ab‐
geschiedenen Seelen innerhalb ihres Be‐
wußtseinsbereiches zu erlangen. Es war das
die nicht gerade erwünschte und auch ge‐
wiß von keiner Seite her erstrebte psy‐
chophysische Nachwirkung gewisser Not‐
wendigkeiten meiner früheren jahrelangen
geistkörperlichen Schulungen, und ich
habe sehr darunter gelitten, — auch kör‐
perlich! — da die ganze Situation einen
unerhörten Kräfteaufwand verlangte, um
ihr gewachsen zu bleiben. Gewiß konnte
ich auch in einzelnen Fällen Menschen die
ihnen Liebes verloren hatten, authenti‐
schen Trost bringen, aber die Vermittler‐
schaft zwischen auf der Erde im Sichtbaren
Lebenden und denen, die diese Sichtbar‐
keit verlassen haben, ist weder im physisch
kosmischen, noch vom ewigen geistigen
All her vorgesehen, und am allerwenigsten
könnte sie gerade meine Aufgabe sein. Ich
war daher recht froh, eines Tages keiner
Gegenwehr mehr zu bedürfen, und dann
immer deutlicher diesen unerwünschten
Zustand einer nicht gewollten Sensitivität
im Abklingen zu gewahren. Aber noch
mehr war ich erfreut, als es mir gelungen
war, ihn definitiv zu beenden, und ich
trauere ihm gewiß nicht nach.
.Über die Beziehungsmöglichkeiten eines
Leuchtenden des Urlichtes zu erdentrück‐
ten Menschenseelen herrschen selbst unter
sonst recht einsichtigen und belehrbaren
Menschen leider phantastische Vorstellun‐
gen. „Richtig” vermutet wird dabei nur,
daß wir imstande sind, innerhalb der Be‐
wußtseinsbereiche irdisch „Gestorbener”
zu empfinden. Was das aber in Wahrheit
bedeutet, macht man sich keineswegs klar,
— denn es bedeutet nichts anderes, als im‐
stande zu sein, sich selbst innerhalb der Be‐
wußtseinsbereiche Gestorbener als realiter
auf Erden „verstorben” zu empfinden. —
.Statt dessen aber nehmen sonst recht
urteilsfähige Menschen überlegungslos an,
es müsse einem doch ein Leichtes sein,
unter ungezählten Millionen Seelen, die
zu innerst in beglückender Konzentration
auf ihr geistig gegebenes Licht versunken
sind und allen „Anruf” als bitterste Stö‐
rung empfinden würden, eine bestimmt
bezeichnete Seele geradezu „herbeizu‐
rufen” um von ihr gleichsam eine Art
jenseitiges „Interview” zu erhalten.
.Die einzigen Abgeschiedenen, denen
man auf die Art „begegnen” könnte, wie
die oben charakterisierte Naivität sich das
vorstellt, wären die — wahrhaftig „armen”
— Seelen, die noch in ihren selbstgeschaf‐
fenen „Strandreichen” ihr Wesen treiben.
Aber sie sind ja derart im Banne ihrer
Schöpfung, daß sie nichts anderes erleben
wollen und daher nichts zu erleben ver
mögen, als was sie sich durch ihren eigenen
Glauben, als das für sie allein zu Erlebende,
gestalten und nach ihrem „Außen” proji‐
zieren. Es ist uns unmöglich, uns ihnen er‐
kennbar zu machen, bevor sie die von der
Erde mitgebrachten Glaubensenergien auf‐
gebraucht haben, und das kann sehr lange
währen. Menschenseelen, die Jahrtausende
vor unserer Zeitrechnung in einem Erden‐
körper lebten, sind heute noch in ihre
„Strandreiche” gebannt! Es gibt da auch
keine „Massenerweckungen”, sondern die
Auflösung dieser durch fehlgeleitete Glau‐
bensenergien geschaffenen Kollektivgebil‐
de erfolgt, — auch in den günstigsten Fäl‐
len, — immer nur sporadisch infolge des
Aufwachens Einzelner und wieder Einzel
ner.
— denn der „Mensch” wurzelt nicht auf
der Erde, sondern im Herzen der Ewig
keit, — im innersten Göttlichen, das in
seinem höchsten Selbstbilde „Mensch” in
sich selber ist! Damit aber, statt des Spott‐
bildes, das ewigeIchder Wirklichkeit
im Erdenmenschen Fleisch und Blut durch‐
dringe, wird vom Ewigen her wahrhaftig
nicht verlangt, daß alles aus dem Bewußt‐
sein schwinde, was nicht „ewiger” Abkunft
ist. Wohl aber muß unerbittlich im Bewußt‐
sein unterschieden werden, was ewiger
und was zeitlicher Inhalt ist. Lange Zeit
braucht es unausgesetzte Sorgfalt, damit
sich nicht morgen womöglich unversehens
das wieder in dem ihm verwehrten Be‐
wußtseins-Innersten: — im „lch”, — er‐
neut einwachse, was gestern ausgerottet
erschien. Es ist, wie wenn man einen mit
Unkraut überwucherten Acker zu einem
geordneten Garten voll edelster Gewächse
umschaffen will. Erst wird der Boden wie‐
der und wieder gepflügt, und rücksichts‐
los unter der Hacke gereinigt werden
müssen, bis er ganz leer wird von allem,
was vorher seine Kräfte saugte. Dann aber,
nachdem man das Neue einpflanzte, wird
es noch langehin eifrige Wachsamkeit ko‐
sten, damit nicht zum wiederkehrenden
Wachstum komme, was ausgerodet wurde,
was aber Vögel und Wind immer wieder
unvermerkt auszusäen wissen.
.Das alles ist kein gedankliches Tun,
sondern Empfindungsarbeit mit der schar‐
fen Pflugschar und dem kräftigen Grab‐
scheit aus unabnützbarem geheimnisvol‐
lem Stahl, der nur in der Glut des innersten
seelischen Fühlens geschmiedet werden
kann... Man läßt aber statt dessen leider
zuerst immer noch die früher vertraut ge‐
wordenen gedanklichen Scheinerkennt
nisse in sich weiterwachsen, und hier ist
auch die Ursache dafür zu suchen, daß viele
von Zeit zu Zeit das Drängen in sich fühlen,
sich für ewig Wirkliches, das nur erlebend
zu erlangen ist, — vorläufig — ein zusam‐
mengedachtes Surrogat zu schaffen, das sie
dann in der Folge am konkreten Empfin‐
den des Wirklichen hindert, zu dem sie
doch vordringen wollen. —
Der
„Glaube” als bloßes, gehirnlich umschlung‐
genes, gefühlsmäßiges „Fürwahrhalten”
hat in fast allen Religionen den lebendigen
Glauben, der die höchste Kraft der ewigen
Seele ist, auf weite Strecken hin erstickt
nötig sind zur Schaffung der Formen- und
Farbenkombinationen, die der Seele den
Weg in ihr inneres Licht, und zwar einen
für jede der betreffenden Religionsform
zugetane Seele leicht begehbaren Weg, —
aufs deutlichste „bezeichnen” sollen. Mit
aller Inbrunst drängt er danach, auf diesem
ihm gewiesenen Wege seinen eigenen Le
bensgrund in sich zu erfassen. Er glaubt
innerstem unwiderlegbaren Erfühlen, daß
er diesem, seinem Lebensgrund dereinst
am Ziele des Weges „von Angesicht zu An‐
gesicht” gegenübertreten wird, aber er
fühlt sich auch schon auf dem Wege dort‐
hin befähigt, das ihn Belebende lebendig
in sich zu erfassen, — frei von aller Zweifel‐
bedrängung. — Erfüllt von solchem inner‐
sten lebendigen Glauben besitzt sich die
Seele in ihrem Mittelpunkt und ist außer
aller Gefahr, fortan sich mit einem gehirn‐
lichen „Fürwahrhalten” des Vorstellun‐
genschatzes ihrer irdischen Religionsform
begnügen zu können.
In Bild- und Gleichnis‐
form ging es in die Seele des Hörenden
über, um sein eigen zu werden. Solches
Vor-stellen eines transparenten, plasti‐
schen Bildes vor die seinem Denken anders
unfaßbare geistige Wirklichkeit, kann frei‐
lich auf den höchsten Höhen der Seele
auch zu sublimster Einfühlung und Gottes‐
kenntnis im Lichte ewiger Liebe führen,
aber weit näher liegt es dem Erdenmen‐
schen, das von ihm geschaffene, sich selber
vorgestellte Bild immer kompakter zu ge‐
stalten, wobei er es dann allerdings auch
immer mehr irdischen Vorbildern nach‐
zubilden sucht.
und die Seele, die doch in
Wahrheit das ewige Wirkliche erfahren will,
.So ist auch das wirkliche Endziel für
alles zeitliche Wollen und Tun, Daseinwol‐
len und Gestaltbegehren des irdischen
Menschen: — Selbstbestätigung seiner
gottbedingten ewigen Seelenkräfte in ei‐
gener Selbstempfindung, denn nur in sol‐
cher Selbstempfindung kann die Seele
wieder in Gott eingehen und Gottes „inne”
werden. Nur aus Selbstbestätigung durch
Selbstempfinden in der Selbstempfindung
Gottes ist Liebesvereinigung mit Gott in
Gott möglich. Vorher steht die Seele nur
in Liebes-„Bereitschaft”, und ihre ver‐
meintliche „Liebe” zu Gott ist Liebes‐
Verlangen”, indem sie ihre Liebeskraft
einem „Über-ihr” darbietet, an das sie
zwar zu „glauben” verhalten wird, — das
sie aber keinesfalls kennt. Und nur in der
sie alle jeweils zu ewigem Vereinigtbleiben
einenden Einzelseele können die ewigen
Seelenkräfte ihr Selbstempfinden im Ewi‐
gen wiedererlangen, von dem sie ausge‐
strahlt sind, um selbstgeformt wieder in
ihren Ursprung eingesogen zu werden, —
kristallisiert an einen ewigen Bewußtseins‐
kern, der sie alle durchleuchtet und allen
seine ewige Eigenfarbe verleiht, die zu
ihm gehören.
.Es ist aber hier nicht die Rede von
einem nur gedachten Vorgang, sondern
von einem wirklichen Geschehen, und alle
Belehrung dient nur dazu, dieses Ge
schehen in der Seele herbeizuführen, in‐
dem alle irrigen Vorstellungen, die dem
Eintreten des Geschehens Hindernisse be‐
reiten, nach Möglichkeit hinweggeräumt
werden, um solchen Vorstellungen Raum
zu schaffen, die das Eintreten des Ge‐
schehens wirksam vorbereiten.
.So ist alles, was ich notgedrungen von
dem Einen und Unendlichfältigen sagen
mußte, was „Gott” ist, nicht dazu gegeben,
um in gedanklicher Spekulation zerdacht
zu werden, sondern um in der Seele jene
Vorstellungen wieder zu erwecken, die sie
unbewußt aus dem ewigen Ursprung der
Seelenkräfte her in sich verwahrt. Was ich
sage, erwartet keine Glaubensbereitschaft
und will ebensowenig etwa „verstanden”
werden, sondern sucht in den ewigen Kräf‐
ten der Seele die ihm entsprechenden
Erinnerungen wieder bewußt zu machen,
was um so eher gelingt, je mehr der Auf‐
nehmende seinem spekulierenden Denken
zu wehren weiß, dem meine Worte gerade
gut genug sind, um sie als Material für
seine Verstandes-Spiele zu verwerten. Es
handelt sich um eine wirkliche Verände
rung des Bewußtseinszustandes der Seele,
und nicht nur um eine andere Art zu
denken”. Nur diese sehr erhebliche Ver‐
änderung des normalerweise im Irdischen
für unveränderlich gehaltenen Bewußt‐
seinszustandes bringt der Seele die unum‐
stößliche Gewißheit, nach der sie stets
vergeblich durch Gehirnarbeit strebt. Die
ewige Wirklichkeit ist Gedankenschlüssen
unerreichbar. Sie kann nur im Bewußtsein
empfunden werden und bringt nur in der
Empfindung Bestätigung, — allerdings
eine Bestätigung, die so vollkommen ist,
daß auch nicht mehr der leiseste Wunsch
nach gedanklicher Erfassung des Erlangten
bestehen bleibt.
Im Glauben, ihrem
gehirnlichen Denken müsse sich jedes
Dunkel auflichten, vermuten sie überall
Irrtum und Täuschung, wo ihrem erträum‐
ten Erkennen die Aufhellung unmöglich
ist, weil nur die erwachte Empfindungs
fähigkeit der Seele das substantielle Licht
des ewigen Geistes zu erfassen vermag.
Und keiner der in ihren Träumen so
Selbstgewissen wird gewahr, wie wertvoll
ihm sein Erdenkörper werden könnte,
wenn er ihn zu nützen wüßte als zeitlich
gegebenen Empfindungs-Verstärker, durch
den es der Seele unsagbar erleichtert
wird, das hauchzart im Geiste Emp‐
fundene an das Gehirnbewußtsein her‐
anzubringen.
Erst dann faßt er das, was
ich zu sagen habe, wenn er in jedem Wort
nur meinen Willen erfühlt, die Empfin
dungsfähigkeit seiner Seele zu wecken,
und dann erst werden ihm meine Worte
auch wirklich „etwas zu sagen haben”!
Wenn immer wieder gesagt wird, daß der
Weg zum ewigen Lichte, ja, das ewige
Lichtreich selbst, aus dem der unzerstör‐
bare Kern geistigen Menschentums: — der
substantielle ewige „Geistesfunke” — ent‐
stammt und in das er mit oder ohne das
Individualbewußtsein des Erdenmenschen
wieder zurückkehren muß, — nur „im
Innern” zu finden ist, so wird damit frei‐
lich nicht gemeint, daß die erdgezeugte
Menschnatur das ewige geistige Licht‐
reich und den Weg zu ihm in sich um‐
schließe, wie ein Gefäß seinen Inhalt um‐
schließt. Der Mensch dieser Erde ist viel‐
mehr die Zusammenfassung einer Gruppe
von sehr verschiedenen Regionen der
Empfindungsfähigkeit, und der Weg zum
Lichte führt von einer dieser Regionen
zur anderen, immer näher zu der aller‐
innersten. Seit den ältesten Zeiten haben
alle, die von diesem Wege wußten, ihn
zwar im Bilde einer Stufenfolge und eines
Aufstieges dargestellt, aber es ist hier nicht
an einen Weg in die Ferne zu denken,
sondern immer festzuhalten, daß jede
„Stufe” auf dem „Wege” zum Lichte,
eine Stufe nach innen darstellt, und nur
„höher” als die vorherige liegt, weil sie in
nerlicher gelagert ist. Der „Weg” ist aus
konzentrisch geordneten Regionen immer
lichterer Empfindungsfähigkeit gebildet.
Man könnte ihn an einem technischen Ver‐
ständigungsmodell darzustellen suchen,
indem man vor eine Lichtquelle eine nicht
zu geringe Anzahl gleichgroßer kreisrun‐
der Glastafeln von verschiedener Färbung
befestigen würde, so, daß eine dieser Ta‐
feln nach der anderen zu entfernen wäre.
Zuerst würde kaum ein Schein des Lichtes
die farbigen Gläser durchdringen, aber je
mehrere man von den äußeren, die zu‐
gleich die dunkelfarbigsten sein müßten,
hinwegnähme, desto deutlicher käme die
Form des innen brennenden Lichtes dem
Auge zu Bewußtsein, wenn auch noch im‐
mer durch mancherlei Färbung gesehen,
bis zuletzt die gänzlich farbenfreie in‐
nerste Kreistafel auch die wirkliche Eigen
farbe des Lichtes freilegen würde.
.Seiner Tiernatur nach eingeboren der
allen bekannten äußeren physischen Welt,
sieht es der Mensch als seine nächstliegen‐
de, zumeist sogar als seine einzige Aufgabe
an, nur die alleräußerste Region der
Empfindungsfähigkeit, die gerade noch
seine Tierseele umschließt, sich zu Bewußt‐
sein zu bringen und auszukunden. Immer
wieder aber wurden Menschen, trotz der
fast undurchlässigen Dichte der ihnen allein
vertrauten äußeren Empfindungsregion,
doch das innere Licht fühlend in sich ge‐
wahr, wenn es ihnen auch nur in der Art
einer Ahnung aufschimmern konnte. So
entdeckte der Mensch, daß auch noch an‐
dere Regionen der Empfindungsfähigkeit
ihm gegeben seien, durch die er dem ge‐
ahnten Lichte näherkommen könne, und
wenn er auch zumeist nicht weiter gelangte
als in die Region der Bilder, wie sie in
den Offenbarungen seiner Religionen zum
Ausdruck kommt, so war damit doch schon
Entscheidendes erreicht. Bis hierher konn‐
te jeder geführt werden, um seines Inner‐
sten wenigstens im Bilde bewußt zu
werden.
.Es ist aber vielen auch mehr zu erlangen
möglich, wenn auch unter diesen wieder
nicht alle die Kraft der Zuversicht auf‐
bringen, die unbedingt und viele Jahre
oder selbst Jahrzehnte hindurch nötig ist,
um in jene Regionen der Empfindungs‐
fähigkeit zu gelangen, in denen die Kräfte
der ewigen Seele unvermittelt empfunden
werden können, oder gar in die aller
innerste Region hinzufinden, in der al‐
lein der ewige Geistesfunke um den die
ewigen Seelenkräfte „kristallisieren”, sich
dem Empfinden des irdischen Menschen
zu eigen gibt. Aber so, wie im äußeren
irdischen Leben gar viele lebensbedeut‐
same und richtungweisende Dinge keines‐
wegs allen Menschen erlebbar und versteh‐
bar werden können, obwohl die Auswir‐
kung dieser Dinge aller Menschheit fühl‐
bar wird und keinen ausnimmt, der sich
nicht selber ausschließt, so genügt es auch
vollauf, von den im Geistigen nicht allen
erfahrbaren und durchdringbaren Dingen
durch die Verkündigung der Leuchtenden
des Urlichtes zu wissen, — die in den hier
in Betracht kommenden Regionen allein
erfahrungsfähig sind und im Verlaufe der
Jahrtausende immer wieder ihren Ver‐
künder finden, — will man die Gefahr ver‐
meiden, daß man sich selber ausschließe
durch verkehrte Willensrichtung. Das
„Heil der Seele” wird durch den Willen
bestimmt, nicht durch ein Fürwahrhalten
irgendwelcher Berichte und Glaubens‐
lehren! Wenn sich der Wille des irdischen
Menschen weigert, seine Direktiven wei‐
terhin nur von seiner Tierseele allein ent‐
gegenzunehmen, so stellt sich der Mensch
schon damit in die Leitung des sich in
ihm erlebenden ewigen Geistesfunkens,
wodurch seine ewige Seele allmählich die
Form empfängt, die sie braucht um sein
sonst zeitlich vergängliches Individualbe‐
wußtsein in ihre Unvergänglichkeit auf‐
nehmen zu können. Diese „Transfusion”
erfolgt gänzlich unvermerkt, und unab‐
hängig davon, welche inneren Empfin‐
dungsregionen dem irdischen Menschen
schon zugänglich wurden. Nur der eigene
Wille des Menschen kann wieder scheiden,
was in solcher Art Verschmelzung fand.
Die Fragen, die beim
Suchen nach Licht und Erleuchtung wirk‐
lich berechtigt sind, können nicht in Worte
gefaßt werden, sondern formen sich nur
der Empfindung, in der allein sie auch
ihre Beantwortung finden. Jedes Fragen
in Worten ist hingegen nur ein Hinaus‐
schieben der erlangbaren Antwort in der
Seele selbst.
Es handelt sich vielmehr
allein um den verborgenen substantiellen
Urgrund des eigenen zeitlichen Daseins
wie des eigenen Seins im ewigen substan‐
tiellen Geiste!
.Hat aber der Erdenmensch auch nur ein‐
mal diesen durch alle Geschlechterfolgen
weiter sich auswirkenden und in jedem
Einzelnen erneut sich individualisieren‐
den Urgrund seines eigenen Lebens leib‐
haftig empfindend in sich erfahren, dann
sieht er erst erschauernd, welcher Torheit
er voreinst verfallen war, als er noch
wähnte, dieses Erste und Letzte, — Ein‐
malige und Unendlichfältige, — lasse in
Worten sich erfragen und könne Frage‐
worten Antwort werden... Aller Auf‐
schluß über innere Zusammenhänge
ewigen, substantiellen geistigen Lebens
kann ja niemals das Bewußtwerden im
eigenen Innern ersetzen, und keine ge‐
dankliche Darlegung vermag jemals die
Gewißheit zu schaffen, die allein das Inne
werden dieses Einen, das alle Zahl in sich
darlebt, in der leibhaften Empfindung er‐
zeugt. Hier endet jeder Bereich der Frage
und alle gedanklich genährte Fragelust ist
erloschen. Wird aber auch solches Ein‐
gehen in die allerinnerste Region der
Empfindungsfähigkeit wahrhaftig nur
Wenigen gewährt, da nur die Wenigsten
darauf zu warten wissen, so bleibt doch
Allen wache Einsicht offen, wo auch
immer sich ihr Empfinden Ewigem einzu‐
beziehen strebt: — fraglos allem gehirn‐
bedingten Fragedrang sich selbst ver
sagend und dem Wirklichen zugekehrt,
das nur dem Empfindungsbewußtsein sich
offenbaren kann.
Daß Menschen dem Tiere die Seele ab‐
sprechen konnten, erscheint unbegreiflich
töricht, wird aber auch scheinbar unver‐
ständlich, angesichts der Gewißheit, daß
die übergroße Mehrzahl der Erdenmen‐
schen nur ebendiese Tierseele als eigene
„Seele” kennt und die aus ewigen Seelen‐
kräften gestaltete, ihrer Substanz nach in
der Dauer verharrende Seele kaum oder
garnicht im Innern wahrzunehmen fähig
ist. Und doch liegt hier nur ein wohlbe‐
greifliches Irren vor, insoferne, als der
Mensch alles Überphysische, was in ihm,
gleich der Seele des Tieres, nur Funktions‐
ergebnis des Lebens der Zellen seines sicht‐
baren tiergemäßen Körpers ist, schon zu
seiner ewigen Seele zählte, über deren Da‐
sein er durch Solche seiner Art unterrich‐
tet worden war, die sich in ihr zu erleben
vermochten.
stößt die in
ewiger Starre sich selbst erschütternde
Nacht des Urseins ohne Unterbruch dunkle
Kräfte aus: — gleichsam Splitter ihrer eige‐
nen, ewigen unerschöpflichen Substanz, —
ewiges Ursein, wie sie selbst, und nach der
Auswirkung in einem jeweils bestimmten
schöpferischen Zyklus wieder in sie zu‐
rückkehrend. Ich habe dort dargelegt, wie
diese Urseinskräfte Ursache aller Gestal‐
tung im Weltenall sind. Ich zeigte aber auch,
wie sie in sehr verschiedenen Formen wir‐
ken. Eine der subtilsten dieser Formen
zeigte ich in den im „Urlicht” zu absolu‐
ter Klarheit aufleuchtenden Kräften, aus
denen die Individualform der ewigen Seele
des Menschen sich gestaltet. Diese Gestal‐
tung kann jedoch nur erfolgen, wenn der
ewige „Geistesfunke”, — der als dauernde
Individualisierung im ewigen Geiste, An‐
laß aller Individualisation im Zeitlichen
wird, — diese „Seelenkräfte” an sich zur
Kristallisation bringt, dadurch, daß der
Wille des Erdenmenschen sie ihm zur Eini‐
gung überläßt. Wie alles Gestaltete, ist
auch das Tiergemäße des Erdenmenschen,
und mit ihm, dessen Wille, nur Folge-Er‐
scheinung der Auswirkung jener Urseins‐
kräfte, die wieder in die Nacht des Urseins
zurückkehren, nachdem sie jeweils den
Zyklus ihres zeitlichen Wirkens vollbracht
haben. Im Tiere ist dieses Vollbringen mit
der Gestaltung der Tierseele geschehen,
die ebenso im Erdenmenschen — soweit
er des Tieres ist — sich darstellt als bloßes
zeitliches Funktionsergebnis seines tierge‐
mäßen Organismus, und aufhört zu beste‐
hen, sowie dieser Organismus seine Lebens‐
bedingungen nicht mehr erfüllen kann.
Der entscheidende Unterschied zwischen
Tier und Erdenmensch besteht darin, daß
der Mensch auch noch in der Tiergebun‐
denheit, in die er auf Erden gefesselt ist,
fähig bleibt, seiner selbst als des ewigen
„Geistesfunken” aus dem Urlicht bewußt
zu werden, — und das wieder ist innerhalb
des Irdischen nur möglich, weil der Erden‐
mensch nicht nur die Folge-Erscheinung
der Auswirkung bloß im Physischen gestal‐
tungsfähiger Urseinskräfte darstellt, son‐
dern jene hohen, durchlichtungsfähigen
Urseinskräfte, — die ihm schon allein aus
ihrer eigenen ewigen Dauer und Ewig‐
keitskonsistenz heraus seiner Seele „Un‐
sterblichkeit” verbürgen, — in direkter
Beziehung als sein Eigen in sich selber
findet. Es ist des Erdenmenschen not‐
wendige, durch sein Dasein selbstge‐
setzte Aufgabe, die hohe Form der Ur‐
seinskräfte, — die als „Ursein” im „Ur‐
licht” aufleuchtend, seine Seelenkräfte
bilden, um endlich im „Urwort” blei‐
bender Gestaltung der Seelenform zu
dienen, — im Kristallisationspunkt sei‐
nes Ewigen zu einen! Das aber erfolgt
durch einen konstanten Akt des erden‐
menschlichen Willens, der ja nur Folge‐
Erscheinung des Wirkens jener primiti
ven Form der ewigen Urseinskräfte ist,
deren dem Erdenmenschen zugängliche
höchste Form seine eigenen ewigen See‐
lenkräfte sind.
.Alle Ewigkeitsempfindung ist dem ins
Irdische „gefallenen” Menschen nur mög‐
lich durch die ewigen Seelenkräfte, — aber
nur dann, wenn sie ihren Herrn und Mei‐
ster in dem ewigen „Geistesfunken” des
Menschen fanden, und in ihm die Eini
gung. Ein wie geheimnisvoll Erhabenes
auch jede einzelne ewige Seelenkraft dar‐
stellt, so ist doch jede ein Eigenwilliges,
das — ohne Bündelung in einer individuell
bestimmten Seelenform — nur sich selber
und seine Eigenstrebung auswirkt. So
kann der Erdenmensch trotz allen seinen
Seelenkräften dennoch seinem Ewigen
verloren gehen, wenn er nicht seinen, nur
die Folge-Erscheinung geistiger Urseins‐
kräfte bildenden irdischen sekundären
Willen nach aller, wenn auch erdbehin‐
derten Möglichkeit konstant dem primä
ren Willen des ewigen Geistesfunken in
sich anzugleichen bestrebt ist. Denn nur
in diesem rein ewigkeitsbestimmten Wil‐
len lassen sich die ewigen Seelenkräfte
nach bestimmter, geistig dargebotener
Formung in der bleibenden ewigen Men‐
schenseele einen. So aber nur erfolgt auch
jene „festliche Einung”, in der des Men‐
schen nurirdisches Bewußtsein die Be‐
fruchtung aus ewigem Geistesmenschen
tum durch Erfassung des eigenen ewigen
Geistesfunkens in sich empfängt, wonach
dem nun geistig Überlichteten „sein le‐
bendiger Gott” in der eigenen, indivi‐
duell geformten Seele „geboren” wird.
wenn nicht beim Erden‐
menschen während seines leiblichen Le‐
bens die Tierseele mit der bleibenden
Seele derart intensive Empfindungsge‐
meinschaft eingegangen wäre, daß sich
das in der Tierseele Erlebte in vielfältig‐
ster Verwobenheit mit den Kräften der
ewigen Seele findet. So ist nun zwar auch
nach dem Tode des Menschen kein weite
res Bestehen der Tierseele möglich, aber
das, was in der menschlichen Tierseele bis
zu ihrem Erlöschen erlebt worden war,
ist in den ewigen Seelenkräften neben
und unter deren eigenem Erlebensinhalt
vorerst noch mitverwahrt, und es braucht,
— nach irdischer Zeitvorstellung bemes‐
sen, — je nach der Art des Erlebten und
der Stärke seiner Einprägung, Jahrzehnte,
Jahrhunderte, Jahrtausende und mehr, bis
die endgültige Siebung nach dem Willen
der ewigen Seele jeweils durchgeführt
werden kann, wonach sich dann bestimmt,
welche Erinnerungsgegenwart dem ewi‐
gen Bewußtsein erhalten bleibt und wel‐
che die Seele für immer erloschen sein
läßt. Die ewigen Seelenkräfte, die in my‐
riadenhafter Anzahl die während des Er‐
denlebens vom Menschen durch Wille und
Tat gestaltete Form seiner Seele bilden,
haben mitempfunden, haben miterlebt,
was in der Tierseele ehedem empfunden
und erlebt worden war, und verwahren es
im Bewußtsein der bleibenden Seele bis
diese durch eigenen Willensakt entschei‐
det, was ihr erhalten sein, und was ihr
entschwinden soll.
.Diese Entscheidung sogleich nach dem
Tode des irdischen Körpers zu treffen, ist
unmöglich, weil die einzelnen, der Tier‐
seele entstammenden Erlebenseindrücke
den ewigen Seelenkräften in ganz ver‐
schiedener Intensität eingeprägt sind, je
nach den Impulsen, die das Empfinden in
der Tierseele gleichzeitig in den ewigen
Seelenkräften zum Mitschwingen gebracht
hatten. Nicht eher steht es der bleiben‐
den Seele frei, zu entscheiden, was sie
in ihrem dauernden Bewußtsein behalten
und was sie ausstoßen will, als bis alle Im‐
pulskraft aufgebraucht ist, durch die ehe‐
dem ein Empfinden der Tierseele sich
den ewigen Seelenkräften einzuprägen
vermochte. Alles Identitätsbewußtsein ist
aber nur in den Empfindungskomplexen
enthalten, die sich die ewige Seele der‐
einst für die Dauer einbezogen sehen
will. Was sie hingegen ausstößt, ist damit
für die Dauer ausgelöscht, wie alles beim
Tode des Tieres erloschen ist, was jemals
für das Tier in seiner Seele bewußtes Er‐
leben geworden war. Von allem Tiereser‐
leben kann ja nur in die Dauer eingehen,
was die ewigen Seelenkräfte eines Men
schen, der an dem Erleben eines Tieres
Anteil nahm, als menschliche Empfindung
berührte und Eindrücke hinterließ als
Erinnerungsgegenwart.
Die dunklen Ur‐
seinskräfte ohne Eigenbewußtsein, die
Ursache für des Tieres Leben, Gestaltung
und Tierseele gewesen waren, sind hin‐
gegen nur indirekt durch das Erleben des
Tieres berührt worden, insofern als ein‐
drucksames und lange hindurch wieder‐
holt empfundenes Erleben in der Tier‐
seele die einzelnen Urseinskräfte gleich‐
sam zu imprägnieren vermag, so daß in
ihrer nächsten zur Gestaltung drängenden
Verbindung Ausdruck finden kann, was
sie in der vorhergehenden empfingen.
denn in Wirklich‐
keit kann die ewige Seele weder durch
Irdisches geschädigt, noch gar getötet wer‐
den. Wohl aber kann sie dem Erdenmen
schen verlorengehen, — wie der Erden‐
mensch ihr, — so daß in ihm abstirbt, was
ehedem aus den Kräften seiner Seele gei
stiges Leben in der Zeit empfangen hatte.
Was hingegen des Erdenmenschen Tier
seele anlangt, so kann diese allerdings sei‐
ner ewigen, bleibenden Seele Erinne‐
rungsgegenwärtiges darbieten, das die
ewige Seele auch dann sich erhalten
wissen will, wenn längst die Impulse,
die es ihr einprägten, aufgebraucht sind.
So wird in Ewigkeit die Bewußtseins
einheit zwischen dem vormals im Irdi‐
schen lebenden Menschen und seiner blei
benden Seele erhalten. Aber mit nicht
geringerer Wirksamkeit kann die ewige
Seele auch aus der Tierseele her nur
mit ihr Ungemäßem belastet werden, das
auf unermeßbare Zeiträume hin jede
Einung des vormaligen irdischen mit
dem ewigen Bewußtsein ausschließt,
oder — auch für alle Ewigkeit unmög
lich macht...
Zwar ist die Tierseele nur ein in
direktes Ergebnis des Wirkens ewiger Ur‐
seinskräfte dunkelster drang- und trieb
mäßiger Auswirkungs-Stufe ohne Eigen
bewußtsein der am Leben eines Organis‐
mus beteiligten Myriaden solcher Kräfte
für sich selbst, während die bleibende
Seele sich ihre Form bilden läßt aus Myri‐
aden vollbewußter, im Urlicht aufleuch
tender Urseinskräfte der menschlich emp‐
findbaren höchsten Stufe, und somit eine
direkte Manifestation dieser hohen Ur‐
seinskräfte darstellt, — aber dennoch han‐
delt es sich bei Beidem um überaus Ähn‐
liches, soweit die Empfindungsform für
Beides in Frage kommt.
Beide Irrtümer
können nur überwunden werden, wenn
man weiß, daß es sich bei allem „Seeli‐
schen” im Erdenmenschen um zwei di‐
stinkt voneinander zu unterscheidende
Lebensbereiche, aber ihre der Empfin‐
dung nach ähnlichen Äußerungen handelt.
.Es ist nun freilich dem nicht gänzlich
im Geistigen Bewußten praktisch uner‐
reichbar, etwa in jedem Einzelfall fest‐
stellen zu können, was an seelischen Äuße‐
rungen noch der Tierseele entstammt, und
was mit Bestimmtheit die Existenz der
bleibenden: — der ewigen, unsterblichen
Seele voraussetzt. Zu sehr ist Beides in‐
einander verflochten, wenn auch insoferne
bedeutsame Unterscheidung besteht, als
zwar alles, was in der Tierseele empfun‐
den und erlebt wird, auch der ewigen
Seele zu Bewußtsein kommt, ja, in ihr
verwahrt wird, — während es einer sorg‐
fältigen Erziehung der Tierseele und
jahrelanger ausdauernder Hingabe bedarf,
wenn sie auch nur die Gewißheit der Exi
stenz der bleibenden Seele erlangen will.
Das hindert jedoch nicht, daß die mensch‐
liche Tierseele in einemfort Einflüsse aus
der bleibenden Seele empfängt, ohne der
Herkunft und Natur dieser Influenzen be‐
wußt zu werden. Ihnen dankt es der Er‐
denmensch, daß seine Tierseele sich zu
unermeßlicher Höhe über die Seele der
bloßen Erdentiere emporzuheben ver‐
mag, — wie das zum Beispiel in den Be‐
reichen der freien Künste geschehen
kann, — obgleich es freilich dennoch
möglich bleibt, daß Menschen kaum jene
Höhe der Entwicklung ihrer Tierseele er‐
reichen, die schon in höheren Tieren
vielfach vorgefunden wird.
Es können nur Ge‐
bilde, die man als „Doppelgänger” oder
als „Astralleib” bezeichnet hat, eine ge‐
wisse Zeit weitererhalten bleiben. Diese
Gebilde sind Schemen, die der Impuls zu
eigener Bildgestaltung aus den Kräften
der Tierseele hervorgehen ließ, als diese
noch bestand und in Wirksamkeit war,
und die als Resultat dieser Wirksamkeit
die Auflösung der Tierseele ebensolange
überdauern können, wie die sonstigen
irdischen Auswirkungen der durch die
tierische Seele ausgelösten Impulse, deren
ja eine große Anzahl als Nachwirkung je‐
des beendeten Erdenlebens im Irdischen
zurückbleiben. Aber diese Schemen kön‐
nen zwar — solange sie noch existieren —
als aktiv sich auswirkende Erinnerungs‐
bilder Spuk und Unfug verursachen, ha‐
ben aber nicht das allermindeste mehr
mit ihren Erzeugern gemeinsam. Das ein‐
zige, was nach dem Tode des Körpers
Träger des ehemals in der Tierseele sei‐
ner selbst bewußt gewesenen mensch‐
lichen Individualbewußtseins des Erden‐
menschen zu sein vermag, ist nur die
bleibende, ewige Seele, die ja in sich
noch alle Empfindungserinnerung ver‐
wahrt, die sie aus der ihr während des kör‐
perlichen Lebens verbundenen mensch‐
lichen Tierseele empfing. In ihr allein
lebt auch der Wille und die irdisch be‐
stimmte Empfindungsfähigkeit weiter,
die voreinst der Erdenmensch in seiner
Tierseele fand.
.Gewiß bedeutet dieser Zustand für die
ewige Seele eine Bindung, der sie sich je
eher desto lieber entzogen sehen will.
Aber anderseits gehört dieses „Leben
nach dem Tode”, wie es bis zur endgül‐
tigen Befreiung der bleibenden Seele
durchlebt werden muß, noch vollständig
zum Erdenleben! Es stellt nur den Teil
des irdischen Menschenlebens dar, der
ohne tierhaften, sichtbaren Körper und
somit ohne Tierseele zu erleben ist. Erst
wenn auch diese Form irdischen Erlebens,
durch Aufbrauchung der im physischen
Leibesleben mit Hilfe der Tierseele ge‐
schaffenen, impulsgetriebenen Kräfte,
endgültig ausgelebt ist, wird die indivi‐
duelle und während des erdenkörper‐
lichen Daseins unter Beihilfe der Empfin‐
dungs-Resonanz des Tierkörpers durch
die ewigen Seelenkräfte geformte blei
bende Seele gänzlich frei, aus irdischer
Erinnerung zu verwahren, was sie ver‐
wahrt wissen will, und aufzulösen, was sie
als nicht der ewigen Erhaltung würdig
empfindet.
denn sie wissen
sehr wohl, daß zwar auch dessen Verstand
sehr vieles den Influenzen der ewigen
Seele verdankt, daß aber sein gelehrtes
Erforschen die ewige Seele kaum be
nötigt....
Es ist sogar angebracht, der
Tierseele in sich mit aller Ehrfurcht zu
begegnen, und keineswegs gering zu
schätzen, was sie dem Erdenmenschen zu
vermitteln hat. Es ist jedoch anzustreben,
daß die tierhafte Seele gänzlich dem
Dienste der ewigen Seele unterstellt
wird, denn sie kann in solchem Dienste
der ewigen Seele Werk in kaum vorstell‐
barer Weise fördern. Ist auch die Tier‐
seele nicht, gleich der bleibenden Seele,
seiner selbst bewußter Erlebensraum
eines individualisierten ewigen Geistes‐
funkens, — offenbart sie sich auch nicht
in einer empfindbaren Form aus höchsten
lichtempfänglichen Urseinskräften, — so
ist sie dennoch sekundäre Auswirkung
des Urseins, wenn auch in seiner licht
fernsten, nur blind schöpfungsträchtigen
Selbstdarstellung aus der alles Gestaltete
im Weltall seine Gestaltung fand und fin‐
det. Ehrfurcht ist hier wahrhaftig wohl‐
angebracht, und jede Unterschätzung muß
unerwünschte Folgen schaffen!
schen Geliebten zu Asche wird. Die seelische Tiefe liegt nicht in der
Wollust des Leidens und im Auskosten des Abgrunds, sondern in der
Selbstheilung und Überbrückung oder Schließung der gähnenden
Klüfte. Solches wußten die Hellenen, indem sie die Lichtgestalten
.Auf dem Bilde "Wintertag in Attika" wurde attischer
Boden als Gleichniswert, als Wirkung, als Sache gewissermaßen in die
Ursache zurückgehoben, wurde eine irdische Landschaft in einen gei-
stigen Plan zurückverwandelt, ohne daß dem Stoff Gewalt angetan
worden wäre. Er bleibt durchaus weiterbestehen, aber auf sein
Wesentliches hin gesteigert, so daß alle Schwingungen der Einzel-
motive ihre Spannkraft voll entwickeln können. Das ist Wirkung
dessen, was man Komposition nennt.
So entsteht Raum, so entsteht eine Leere, die zugleich Fülle ist. Was
nicht ist, was im Leeren zwischen Geländeformen und Kahl-
heiten der Felsmassen und Erdwüste schwingt, verschmilzt mit dem
harten Sein dieser Gebilde zu einem höheren Sinn, in welchem das
Bipolare in Einheit aufgegangen ist.
.Es muß befremden, wenn hier von seelischen Bereitschaften gesprochen wird. Aber es
hilft nicht: zunehmende Bewußtheit zeigt uns, daß Raum und Zeit mit allem Inhalt nicht außer-
halb, sondern innerhalb unserer vom Geiste durchlichteten Seele als dessen Projektionen existieren.