Ich des Seins
(von mir ausgewählte Textpassagen
in der Reihenfolge der Schriften)

.Lösche „Ich” aus, und Alles ist aus‐
gelöscht, — denn alles Sein und alles
Scheinen ist nur durchIch”, fürIch
gewirkt: — wird wirkend nur inIch
empfindbar...
59 Das Buch der königlichen Kunst
.Ewig ist das Ur-„Ich”, das ewig dich
aus sich erzeugt.
.Nicht eine Sekunde wärest du im Da‐
sein, würde diese geistige Zeugung auch nur
während einer Millionstel-Sekunde dich
nicht im Dasein wollen. —
60 Das Buch der königlichen Kunst
.Ich” bist du, o Suchender, von Ewig
keit her, auch wenn du deine eigene Iden‐
tität noch nicht in der ewigen Spirale
geistiger Aufeinanderfolge erkennst!
61 Das Buch der königlichen Kunst
.„Ich” ist unerklärbar, denn „Ich” ist
absolute Einheit, — „Licht an sich”,
und vollendete Klarheit.
62 Das Buch der königlichen Kunst
.Zerstören kannst du nur dein Bewußt
sein um dein unzerstörbares „Ich”. — —
63 Das Buch der königlichen Kunst
.„Ich” ist nur einmal in dir im Dasein,
— aber Unzähliges sucht sich in dir zu
behaupten, indem es unter diesem Namen
dir verbirgt, daß es nur Angenommenes ist.
64 Das Buch der königlichen Kunst
.Törichter!” erwiderte der Meister, „ich
glaubte, du fragtest nach mir! — Du woll‐
test wissen, was ich sei!?!
.Indessen hast du nach dem Tiere ge‐
fragt, das mir hier noch zur Nahrung dient,
und verzehrt wird von mir, indem ich dieser
Welt durch seine Kräfte lebe. —
106 Das Buch der königlichen Kunst
.Wir wollen Gott nicht in der Trübsal
des Herzens suchen, denn uns erzeugte
Gottes Wille zur Freude! —
178 Das Buch der königlichen Kunst
.Siehe, der Tag ist erschienen, o Suchen‐
der, an dem dein Gott sich als dein Gott
nun in dir selber offenbart, — in deinem
Ich”! — — — —
.Er wird in dir, und du wirst in ihm
„geboren”...
.Geheimnis bleibt, auch für den Schau
enden im Geiste, was sich geistig solcherart
vollzieht. — —
90 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Du siehst vor dir eine Ewigkeit, deren
tiefste Tiefen immer Tieferes erahnen
lassen, und weißt, daß du, mit deinem
Gott vereinigt, durch die tiefsten ihrer
Wunder ewig weiterschreiten wirst.
.Wenn du dich hier in dieser Außen
welt gewahrst, in Leid und Erdenfreude,
wirst du nach wie vor nur einen Erden
menschen finden, — und dennoch wird dein
Geist in deinem Gott hoch über alles Erden‐
menschliche hinauf erhoben sein, denn
deine Seele ist ein „Reich” der Ewigkeit
geworden: — ein Himmel in den Him
meln! — — —
93 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Die „nackte” Wahrheit kann euch auch
kein Leuchtender des Urlichts zeigen!
.Die müßt ihr selbst enthüllen in der
Stille, — in euch selbst. — — —
.Nur in euch selbst kann höchstes Wun‐
der sich in Wirklichkeit bezeugen!
.Nur im eigenen „Ich” könnt ihr einst
wiederfinden, was ihr vor eurer Erdenzeit
verloren habt! — — —
.Ihr seid nicht nur die mit höherer In‐
telligenz begabten Tiere dieser Erde, als die
ihr euch betrachtet nach eurer äußeren Na‐
tur und eurer Geschichte. — —
.In euch ist Tieferes und Höheres ver‐
borgen. —
.Ihr seid gewohnt, euch selbst zu meinen
in dem Wörtchen „Ich”.
.Noch aber wißt ihr nicht, wasIchist
in euch selbst, — — denn „Ich” ist unend
lich und in unzählbaren Stufen wachen
Seins erlebbar...
.Jede solche „Stufe” wird in aller Ewig
keit stets eine neue, höhere Erlebnisstufe
über sich gewahren...
.Jede solche „Stufe” sieht unzählbar viele
Stufen unter sich, hinab, in tiefste Tiefen
eingebaut...
.Ihr aber lebt noch wie die Tiere, die
dasIchnicht in sich tragen, — wenn
auch euer Leben wohl mit „Wissenschaft
und „Kunst” verbrämt, und euer Dasein
mit Genuß schon reichlich übersättigt ist.
.Wenn ihr euch selbst einmal erkennen
werdet, dann könnt ihr nur mit Grauen und
mit Schaudern noch der Tage euch erin‐
nern, die ihr heute arglos und gar leichten
Sinnes lebt, als ob in ihnen alles Sein für
euch allein beschlossen wäre...
207 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Es ist in allen Weltenräumen und über
allen Sternen kein äußerer Gott für dich
erreichbar, der deine lahmen Bitten hören
würde...
.Du mußt dir selber helfen wollen,
willst du, daß dein Gott, der nur in dir
selber dir erreichbar ist, dir hohe Hilfe
sende, nach der urbestimmten Ordnung die
in ihm geordnet ist! —
.In deinem „Ich” ist alles Sein beschlos‐
sen, und allen Schein erschaffst du dir nur
selbst und unbewußt aus Kräften deines
Ich”. — — —
.Du hast dich selbst vor deiner Erdenzeit
von deinem Gott getrennt, als du ihn nicht
mehr in deinem „Ich” erkanntest, weil du
dich selber suchtest, wo — dein Gott allein
zu finden war...
.So wurde „Gott” dir ein „Anderer
und du ihm „fremd”. — — —
.Nun spaltest du dein „Ich” für deine
Vorstellung, und es scheint dir ein „höhe
res” wie ein „niederes” „Ich” in dir ver‐
borgen, da du den Umfang deines ungeteil‐
ten, unteilbaren einen „Ich” nicht kennst. —
.Es ist jedoch keinhöheres” und kein
niederes” Ich in dir, aber in deinem einen
„Ich” ist alle Unendlichkeit verborgen,
und es umfängt die tiefste Tiefe, wie die
höchste Höhe in der Geisteswelt...
.Du selbst mußt wählen, — und du
wählst” hier nur durch Tat, — was du
dir selber offenbaren willst in deinem
Ich”...
.In deiner eigenen Unendlichkeit, — im
Mittelpunkte des von deinem „Ich” um‐
faßten Seins, — wird dir aufs neue dann
dein Gott „geboren” werden! — — —
.Auch dann wirst du zuerst ihn noch als
anderes Sein empfinden, bis du sodann er‐
kennst, daß er dich selbst in deinem
ganzen ungeteiltenIchumfaßt. —
— —
217 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Ihr fühlt euch noch in eurem „Ich”, —
als das ihr vorerst nur imHirnreflex
euch spiegelhaft empfindet, — als unver‐
bundenes „Einzelsein”. —
.Lebendiges” jedoch ist stets vereint
mit allem Leben!
.Es gibt auf Erden nichts, und nichts
im ganzen All, und nichts im Geiste, was
sein „Leben” hätte, was zuleben” fähig
wäre, — nur für sich allein! — —
.Ein jedesEinzelsein” ist letzten En‐
des wahrhaft alles Sein! — —
.Auch wenn es nicht erkenntnisfähig ist,
darum zu wissen! —
.Er-lösung” kann ein Einzel-Sein nur
finden, wenn es im All-Sein sich erlebt, er
löst von allem anderen „Einzel-Sein”.
.Er-lösung” wird euch darum nur, wenn
ihr in eurem „Ich”; — im „Ich” das ewig
euch erhalten bleiben soll, — empfinden
lernt, daß alles „Ich” sich nur in diesem,
eurem „Ich” euch gibt, — euch ewiglich sich
selbst ergibt: — sich selbst vereint!
.In euch: — im „Ich” der Ewigkeit, —
ist alles „Leben”, und in diesem Leben
findet ihr allein die wahrhaft „Ewigen”:
— die ewig Lebenden! — — —
.Längst hättet ihr sie schon gefunden,
wenn ihr nicht immer, eigensinnig und be‐
tört, nur dort nach ihnen suchen würdet,
wo sie nimmermehr zu finden sind!
.Umsonst sucht ihr euch einzudrängen
in die unsichtbaren Reiche dieser Außen
welt! —
288 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Das ewige, geistgezeugte „Ich” ist die
reine Quelle der geistigen Kräfte im Men‐
schen der Erde, aber der Körper ist der
Schöpfeimer, um diese Kräfte aufzuneh‐
men und heraufzuholen ins irdische Leben.
.In diesem ewigen „Ich” finden wir uns
selbst, so wie wir ewig sind im Ewigen!
.Nur in diesem innersten „Ich” finden
wir den allumfassenden ewigen, substan
tiellen Geist!
.In deinem, dich selber erzeugenden „Ich
allein findest du deinenlebendigen
Gott! —
180 Das Buch vom Jenseits
.Du empfindest Dich allein als «Ich» und
keinen Anderen außer Dir kannst Du in
diesem «Ich» noch unterbringen.
.Für Dich bist Du als «Ich» der Mittel‐
punkt der Welt.
.Du bist für Dich, als «Ich», das «Ich»
der ganzen Menschheit. — —
.Diese «Menschheit» aber ist ein homo
genes Ganzes, gebildet aus Milliarden von
«Ichen», von denen zwar kein einziges
Dir völlig gleicht, und deren jedes doch,
der Formgestaltung nach, mit dem, was
Du in Dir als «Ich» empfindest, durchaus
identisch ist. — — —
.Schwer in menschliche Worte zu fassen ist,
was ich Dir hier sagen will, und ich muß
Dich bitten, meiner Rede letzten Sinn er
fühlend zu ertasten, denn ich weiß gar
wohl, daß letzte Klarheit hier in Worten
sich nicht restlos geben läßt, und daß ich
nur in meiner Sprache reden kann, die
Du erst in die Deine «übersetzen» lernen
mußt.
.Ich möchte Dir zum Bewußtsein bringen,
daß Du der einzigartige Mittelpunkt
eines Ganzen bist, das nur aus einzigarti‐
gen «Mittelpunkten» gebildet ist, und, da
es ein Unendliches, wenn auch nicht Un‐
Begrenztes, ist, an jeder Stelle seinen
«Mittelpunkt» besitzt . . . . . . . . . . . . . . . . .
.Jeder Mittelpunkt aber ist sich selbst
hier «Ich» und jeder andere Mittelpunkt
ist für ihn «Du». —
.Willst Du Dein Mittelpunkts-Glück Dir
schaffen, so mußt Du diese Gegebenheit im
Auge behalten, und mußt die geheimen
Beziehungen zu finden suchen, die zwischen
«Ich» und «Du» obwalten.
.Diese Beziehungen sind stets fluktuierend
und in jedem Augenblick anders zu beur‐
teilen.
.Unabänderlich bestehen bleibt allein der
immerfort geregelte Ausgleich aller Wir‐
kungen und Gegenwirkungen im Mensch‐
heits-Ganzen.
.Du kannst als «Ich» auf ein «Du» nur
wirken, entweder absichtslos, ohne daß
Du eine Wirkung erzielen willst, — oder
bewußten Willens.
.Willst Du aber auf ein «Du» wirken,
so sind Deine Mittel: Bitte, Überredung
oder Gewalt.
.Wisse aber, daß Du für allen Erfolg Dei‐
nes Wirkens, ja für die Absicht schon,
einen bestimmten, unabänderlichen Preis
zu erlegen hast! — — —
.Bitte und überrede daher nicht, wenn Du
Dich nicht willens findest, Dich von irgend‐
einem anderen «Du» gleichfalls bitten und
überreden zu lassen, — noch weniger aber
wirke durch Gewalt, wenn Du selbst jede
Gewalt als unerträglichen Zwang emp‐
findest! —
.Es wird dir nichts «geschenkt» werden, so
sicher Du Dich auch geborgen fühlen magst
und so gut Du auch Deine wahren Absichten
verhüllt glaubst.
.Vor dem einzelnen «Du» kannst Du Dich
wohl verbergen, aber dem Gesamtorga
nismus der Menschheit ist stets alles
enthüllt, was in Dir vorgeht, und mit auto
matischer Sicherheit wirst Du die Kon
sequenzen Deiner Handlungsweise zu ge‐
setzmäßig gegebener Zeit, früher oder spä‐
ter, zu tragen haben. — — — — — — —
.Wenn Du Dich selbst nicht gerne bit‐
ten läßt, und dennoch bittest, wenn Du
selbst keiner Überredung zugänglich bist,
und dennoch zu überreden suchst, — wenn
Du selbst Dir nicht Gewalt antun lassen
magst, und dennoch Gewalt gebrauchst, so
wirst Du in jedem dieser Fälle etwas er‐
reichen, für das du den Kaufpreis nicht ent‐
richten zu müssen glaubst, aber Du irrst! —
.Die Gesetze des Geistes lassen sich nicht
wie irdische Gesetze — umgehen, oder nur
zu Deinen Gunsten deuteln. Du fin‐
dest auch keinen Anwalt, der versuchen
würde, Dich vor den Folgen Deiner Hand‐
lungsweise zu bewahren. —
.Du mußt restlos alles bezahlen, was
Du durch Dein Verhalten, irgend einem
anderen Menschen gegenüber, der Mensch
heit schuldig geworden bist und du
wirst dem Gesetze nicht entrinnen, bis auch
«der letzte Heller» bezahlt ist. — —
.Je länger man Dir die Zahlung stundet,
desto mehr hast Du alle Ursache, recht be‐
sorgt zu sein, — denn es werden dir Zins und
Zinseszins in Ewigkeit nicht erlassen...
.Ja noch mehr!
.Du selbst kannst für Dich zum Gläubi‐
ger werden, denn auch Du bist für Deine
Person der Menschheit verantwort
lich und Du darfst von Dir nichts ver‐
langen, wofür Dir nicht ein Äquiva
lent durch die Menschheit in Aussicht
steht...
.Andernfalls mußt Du für Dich ebenfalls
den Kaufpreis Deines Handelns früher oder
später erlegen, — mit Zins und Zinseszins, —
wie für irgend einen Andern. — — —
.Du hörst erst heute zum erstenmal von
diesem Gesetze, oder es wird Dir vielleicht
erst heute zum erstenmal seine unerbittliche
Folgerichtigkeit und Unbeirrbarkeit klar? —
.Es steigen Bedenken in Dir auf wegen
Deiner früheren Taten, auch wenn Du
nun entschlossen bist, Deine Handlungs‐
weise diesem Gesetze gemäß in Zukunft
weise abzuwägen? —
.Willst Du Dein Glück Dir schaffen, dann
wisse, daß Du Mittel und Wege finden
wirst, Deine Schuld an die Menschheit in
einer Dir genehmen Weise abzutragen,
sobald Du erst wissen wirst, was Du wirk‐
lich noch zu bezahlen hast!
.Du mußt nicht warten, bis das Gesetz mit
rücksichtsloser Gleichgültigkeit gegen Dein
Wohl und Wehe seine Forderung geltend
macht. —
.Arbeite Dir selber eine «Bilanz» aus und
erschrick nicht, wenn das «Soll» Dein
«Haben» ganz gewaltig übersteigt!
.So unerbittlich der Gesamtorganismus der
Menschheit von jedem seiner Einzelglieder
jede Forderung einziehen muß, an deren
Bezahlung geflissentlich «vergessen» wurde,
so teilnahmslos und automatisch muß er
auch einem anderen Gesetze folgen, das
ihm jede Gewaltsamkeit unmöglich macht,
jede Selbsteintreibung verbietet, sobald
Du auch nur den Willen zur Begleichung
Deiner Schuld einmal ernsthaft in Dir auf‐
gerichtet hast, und solange Du Dich stets
verpflichtet fühlst, — auch wenn Dir die
Umstände noch nicht gleich erlauben, die
ganze Schuld zu begleichen, ohne dadurch
wieder aufs neue Dich oder Andere zu
Schaden zu bringen.
23 Das Buch vom Glück
.Zuvörderst müssen wir uns einig werden,
was unter dem Worte «Gott» hier unter uns
nun zu verstehen sei. —
.Dass ich nicht irgend eines Wähnens, dem
Wahn nur wirklich scheinendes Gespenst des
irren Denkens mit dem Worte «Gott» be‐
zeichne, zeigt dir schon meiner ersten Worte
heller Hintergrund! —
9 Der Weg zu Gott
.Was dir begegnen wird, ist jenes Eine, das
kein Zweites neben sich kennt, — das aber in
Unendlichfältigkeit sich selber offenbart,
wo immer es sich Offenbarung werden kann! —
.Du selbst bist seine Offenbarung, obwohl
du noch nicht darum weisst, und in dir selber
nur kann das sich Offenbarende dem Of
fenbarten fassbar werden! — — —
.Auch dem Truge bist du in dir selbst be‐
gegnet; — jetzt aber sollst du die Wahrheit in
dir selber finden! — —
.Nicht allzuschwer ist es für dich, zu unter
scheiden, was da Wahrheit ist, und was
Selbstbetrug! —
10 Der Weg zu Gott
.Bist du jedoch auf rechtem Wege, und be
reitet, sie zu erkennen, dann wirst du wahr‐
lich nicht mehr im Zweifel sein, ob es die
Wahrheit selber ist, oder ein selbstgeschaf‐
fenes Trugbild, was dir in dir selbst sich
zeigt. — —
.In dem, was in dir selber Wahrheit ist,
wird sich die ewige Wahrheit bezeugen!...
.Das Licht, das aus sich selber leuchtet,
wird dich erleuchten, und alle Lampen die du
dir einst selbst geschaffen hast, damit sie deinen
Weg umlichten sollten, werden dir kaum noch
sichtbar bleiben in deiner strahlenden Er‐
hellung! — —
.Du wirst deinem eigenen Leben begegnen in
seiner ewigen Fülle; — dich selbst wirst du
aus Lichteskraft im Lichte auferstehen sehen
aus deiner Erdengrabesnacht!...
.Mit «Gott» — dem Seinsgrund alles
Seins — wirst du dich selbst in Einheit fin‐
den! — —
.Indem du zu dir selber «ICH» sagst, wirst du
erst verstehen lernen, dass du seinen «Namen»
heilig halten sollst! — — — — — — — — — —
11 Der Weg zu Gott
.Du bist alsdann zu jeder Zeit fürwahr «in
Gott» und lebst in Gottes ewigem Leben,
jedoch: — du bist nicht Gott, und auch in allen
Ewigkeiten kannst du nicht «zu Gotte» wer
den!
.Du kannst nur dich selbst in Gott und
deinen lebendigen Gott in dir erleben, —
geeint im Bewusstsein des Erlebens,
und dennoch stets der verbleibend, der
du bist! —
.Gott aber «erlebt» sich in dir «im Bilde», so
wie sich Gottheit niemals in sich selbst
erleben könnte: — der Sonne gleich, die
ihres Lichtes Strahlen durch ein Brennglas
sammelt und im Brennpunkt Licht und
Feuer zeugt....
35 Der Weg zu Gott
.Es sind nicht zwei Menschen auf dieser Erde,
die sich in allem gleichen würden.
.So aber, wie im Samenkorn der Pflanze ihre
künftige Gestaltung schon beschlossen
ruht, so trägt ein jeder Menschengeist in sich
das Urbild seiner einstigen Vollendung. —
.Unendlichfältig sind die Lebensformen,
in denen sich Gott erlebt in sich selbst...
.Unendlichfältig spiegelt sich der Gottheit
Leben in den Menschengeistern...
.Unendlichfältig sind die Formen der
Vollendung...
.Du kannst für dich nur deine eigene Voll‐
endung in dir selbst erreichen und eines
jeden Anderen Vollendung kann dir nur zum
Ansporn werden, auch die deine in dir selbst
zu suchen.
.Des Anderen Vollendung ist die deine
nicht und kann dir nie ersetzen, was du in dir
selber versäumst.
76 Der Weg zu Gott
.Du kannst nicht Gottes Leben leben, —
wohl aber lebt Gott in dir und du kannst in
Vereinigung mit Gott die höchste Form
deines eigenen Lebens finden. — —
.Ein Gleichnis möge dich hier zum Verstehen
führen:
.Betrachte die Lampe in der durch elektrische
Kraft ein haardünner Faden zum Glühen und
Leuchten kommt!
.Noch bist du der Lampe gleich, die der
Kraftstrom noch nicht durchfliesst. — —
.Bist du jedoch dereinst zu der Vereinigung
mit Gott gekommen, dann wirst du der Lampe
gleichen, deren sonst kaum sichtbares Aller
innerstes in strahlendem Lichte erglüht. —
.Es ist nicht die Lampe selbst, die sich
zum Leuchten bringen kann!
.Erst wenn der Strom der Kraft sich ihrem
Allerinnersten vereint, kann sie erstrahlen!
.Könnte die Lampe aber sich selbst er‐
fühlen: — sie würde immer nur ihres Aller
innersten innewerden, — wenn auch erglüh
end im Licht, dort wo sie vordem finster
war — und nur in diesem Allerinnersten könnte
der Kraftstrom der sie durchfliesst, ihr zu
Bewusstsein kommen. — —
.So wirst auch du stets nur dein eigenes
Allerinnerstes erleben, bist du einst deinem
lebendigen Gott vereint...
.Dein Allerinnerstes wird dann in dir
in strahlender Klarheit leuchten, — durch‐
lebt von der Gottheit lebendigem Licht!
.Nicht du wirst «Gott geworden» sein,
aber Gottes Kraft wird dich durch
strömen...
.Du kannst in aller Ewigkeit nichts anderes
erleben als dich selbst und was in dir Er
lebnis wird! — — — —
.Im selben Gleichnis kannst du auch ver‐
stehen lernen, was da mein Wort besagen will,
dass du nur in Gott Vollendung finden wirst
und dass der Anderen Vollendung niemals
dich vollendet.
.Die Lampe, die der Kraftstrom nicht durch‐
fliesst, mag wohl durch ihre Konstruktion
geeignet sein, ein wundersames Licht in
sich zu offenbaren und dennoch bleibt sie
unerhellt. Ihre Vollendung wird sich erst
erweisen, wenn sie in den Stromkreis einge‐
schaltet ist.
.So kannst auch du dir alle Vorbedingung
zur Vollendung schaffen, — Vollendung aber
wirst du nur erreichen in Vereinigung mit
deinem Gott! — — —
.Und wenn der Lampen viele wohl an einem
Orte sind, so werden doch nur immer jene
sich erhellen, durch die der Strom geleitet
wird.
.Der Anderen Leuchten wird die stromlose
Lampe niemals erglühen lassen.
.So kannst auch du nur dann Vollendung
finden, wenn du für dich nach deiner Voll‐
endung strebst, und aller Anderen Vollen‐
dung ist für dich vergeblich da, solange du
nicht selbst in dir die Einigung mit Gott
gefunden hast...
79 Der Weg zu Gott
.Es ward von den vielerlei Formen gespro‐
chen, unter denen der Mensch sein «Ich» zu
erkennen vermeint.
.Schliesslich bat man den Meister um Beleh‐
rung.
.Er aber liess sich also vernehmen:
.«Was dem nottut, der das Leben im
Ewigen sucht, — hier, wie in nachir
dischen Zuständen, — das ist nicht Ver‐
neinung seiner Individualität, sondern
die innere Verneinung, die Nichtaner
kennung der Person, als die ihn die
Aussenwelt und seine eigene Unwissen
heit — maskiert. — — —
.Wunschlos geworden als «Person», kann er
dennoch Wünsche in sich hegen, die weiter
weisen, — über seinen Zustand hinaus, — empor
zu reinerer Höhe, wenn auch die Wünsche nie‐
mals anders wirksam werden können, als da‐
durch, dass sie Willenskraft in ihrem Sinn
bewegen. —
.Nur solche Wünsche wurzeln im wahrhaft
Individuellen.
.Die Wünsche der Person aber sind immer
derart, dass sie als bleibend erhoffen, was vor
übergehen soll, und als Wahrheit nehmen,
was nur zeitliche Täuschung ist. —
.Sie führen in ihrer Erfüllung niemals höher
und hindern nur das freie Höhersteigen...
.Wo noch Persönliches gehätschelt wird in
Vorstellung und Wunsch, kann Ewiges, kann
«Individualität» noch nicht zum Ausdruck
kommen.
.Wer als Person sich selbst erhalten will,
muss anderes vernichtet wissen wollen.
.Immer noch findet er ein anderes ausser ihm,
das ihm im Wege steht. —
.Auch Individualität will nur sich selbst,
aber nur, um in sich selbst alles andere zu
erhalten. — — —
Alles was ist, weiss Individualität mit
sich selbst vereinigt.
.Sie kann sich selbst nicht lieben, ohne in
sich selbst auch alles andere in Liebe zu um‐
fangen. —
.Nie wird sie Persönliches hassen!
.Sie hat es ja als unreal erkannt...
.Es ist ihr wie die 'Rolle' eines Schauspielers
geworden. —
.Sie mag die 'Rolle' werten nach dem Grade,
in dem sie ihren Träger, als ewige Individua
lität, zum Ausdruck kommen lässt.
.Stets wird 'Individualität' nur jene Werte
suchen, die zur Erhöhung und zu reinerer
Gestaltung alles Daseins führen.
.Was dem nicht dient, wird ihr wie 'nicht
vorhanden' sein. — —
.Ewige Individualität und bleibendes
'Ich' sind ineinander eines. —
.'Person' ist enge Begrenzung!
.Individualität ist zeitlich wie räumlich
unendlich! —
.Keine 'Individualität' könnte jemals die an‐
dere hindern, sich selbst zu entfalten.
.Jede hat ihr unendliches Reich für
sich!
.Vereinigt mit allen anderen 'Individuali‐
täten' alle anderen durchdringend und von
ihnen durchdrungen, erlebt sie alle nur in
sich selbst. — — —
.Stets dem einzig Seienden entströmend,
baut sie nur sich selbst, als eine der unend‐
lichfältigen Formen des einzig Seienden. —
.Trotzdem erlebt sie alle anderen dieser For‐
men in sich selbst und weiss sich mit allen
formal identisch.
.Nichts ausser ihr kann ihr jemals zum Hin
dernis werden, und nichts kann sie vernich
ten, wenn sie in sich selbst begründet
ruht. — — — — — — — — — —»
50 Das Buch der Gespräche
.Wehe dem, der noch in Zweiheit lebt und
noch nicht 'Ich' geworden ist in mir! — — —
.Alles Äussere ist dir gegeben, es zu überwin‐
den!
.Ich aber bin der Herr des Äusseren und
Inneren, und du wirst nur in mir, — mit mir
zu einem Ich vereint, jemals zur Herrschaft
gelangen können über alles, was in dir und
ausser dir ist! — — — '
69 Das Buch der Gespräche
.Das 'Ich' ist eure gegebene Quelle
aller Kraft!
.Im 'Ich' nur findet ihr euch selbst!
.Im 'Ich' spiegelt sich alles Wirkliche!
.Das 'Ich' ist die Quelle alles Wissens
letzter Wahrheit und Wirklichkeit!
.Das 'Ich' ist das Forum, auf dem ihr
allen Geistern des unendlichen Daseins
begegnen werdet!
.Im 'Ich' ist die Kraft gegeben, die
alle Kräfte meistern lernen kann!
.Das 'Ich' ist ewig still. — —
.Wer in die grosse Stille gelangt, der
kann in ihm die höchsten Kräfte fin
den!
.Im 'Ich' findet ihr den allumfassen
den ewigen Geist!
.Im 'Ich' nur kann sich euch euer le
bendiger Gott gebären!
.Der Körper der Erde aber muss glau
ben lernen an das ewige 'Ich'!
— — — — — — — — — —
.Sage ihnen weiter:
.Niemand kommt zum Bewusstsein
seines ewigen 'Ich' der nicht verges
sen kann, was er vorher war! — — —
.'Ich' ist: nicht etwas, — kein Gegen
stand, der ergriffen werden könnte, kein
'Wesen' — also ein 'Nichts' aber das
Nichts, das Alles ist: — — die Form der
Einheit alles Seienden!
.Ihr seid wahrhaftig nur in diesem 'Nichts'!
.Wird es von euch als euer 'Ich' empfunden,
dann habt ihr alles, was da ist, gefunden in
euch selbst!
.'Ich'-Bewusstsein ist das Bewusstsein
alles Seins 'Mittelpunkt' in sich selbst zu
tragen. — — — — — — — — — —
.So lehre die Menschen der westlichen Welt,
die deiner Lehre sich anvertrauen, und du wirst
sie zu ihrem höchsten Ziele führen.
.Keiner hat das 'höchste Ziel' mit dem an‐
deren gemein.
.Verschieden wie die Sterne des Himmels in
ihrer Grösse sind die 'letzten Ziele'.
.Jeder aber kann hier auf Erden in seiner
Weise das höchste Ziel, das ihm allein be‐
stimmt ist, erreichen!
103 Das Buch der Gespräche
.Mit alledem jedoch weiß er noch keines‐
wegs um seine Wirklichkeit, denn alles,
was er an sich kennt, ist nur zeitweilig An
genommenes, das mit ganz unbezweifel‐
barer Sicherheit dereinst ihm wieder ab
genommen werden wird. — —
.Es gibt jedoch etwas, das keiner an
zunehmen, oder abzulegen braucht, da er
es ewig war und ist und sein wird, selbst
wenn er die Macht verwirkt, sich ewig mit
dem so Bestimmten als identisch zu emp‐
finden...
.Es gibt etwas in uns, das nicht von
dieser Erde ist, auch wenn es sich in unserem
Erdendasein nur in erdenhaft bestimmter
Form erfassen läßt. — —
.Dieses gilt es zu ergründen!
.Dieses, vor allem, gilt es an sich
wahrzunehmen!
180 Das Gespenst der Freiheit
.Es dürfte begreiflich sein, daß der Su‐
chende, der „in den Geist” gelangen will,
— außer dem Deuter und Wegbereiter, als
der ich in meinen Lehrworten zu wirken
habe, — auch noch andere Hilfe braucht,
sobald er sich, wenn auch fast überreich
belehrt, selbst auf dem Wege findet!
.Für diese Hilfe aber ist dann gesorgt,
und um ihrer habhaft zu werden, braucht
es nur die innere Haltung der Zuversicht
eines im voraus Dankenden.
.Dem Menschen kann aber kein „Gott”
unvermittelt helfen, sondern nur der Mensch,
und, wenn es sich um „göttliche” Hilfe
handelt: — nur ein Mensch, der zum Trans‐
formator substantieller geistiger Kräfte wurde!
.Was dann den Menschen an geistiger
Hilfe erreicht, ist seiner Aufnahmefähigkeit
angepaßt, und bleibt ihr angepaßt, bis
er selbst das substantielle ewige Geistige,
in seinem, aus der Latenz erweckten geistigen
Organismus zu erleben vermag, — einerlei,
ob der dazu nötige Prozeß während des
irdischen Leibeserlebens schon beendet wer‐
den kann, oder — wie zumeist — hier nur
begonnen wird, um in nachirdischen Er‐
lebenszuständen seine Vollendung zu finden.
.Es gibt da unzählige, verschiedene
Stufen der Entfaltung, und das Gleiche gilt
von dem einzig möglichen, wahrhaft wirk
lichen Gotteserlebnis, das dem Menschen
werden kann: — dem Erleben seines „leben‐
digen” Gottes in der eigenen Seele. — —
.Dieses einzige wirklich „reale” Gott‐
erlebnis („Gott” ist nicht nur „Geist”, son‐
dern, vergleichungsweise gesagt: die subtilste
Eigengestaltung des Geistes! —) ist keines‐
wegs erst zu erlangen nach der Vollendung
des substantiellgeistigen Organismus, wohl
aber muß dieser tatsächlich „erweckt” worden
sein, so daß er bereits das distinkte Bewußt‐
sein der Identität des „Ich” (als der singu‐
lären Erlebensform aller ewigen Bezirke) in
der Seele zum Aufleuchten bringen konnte.
.Der Mensch, dem dann solches Erleben
wirklich wird, fragt nicht mehr, und kann
nicht mehr fragen, ob es ihm nun auch
wahrhaft geworden sei, oder ob er nicht
nur einer Selbsttäuschung erliege, denn was
er erlebt, durchstrahlt seine Ich-Form mit
der unangreifbar sichersten Gewißheit,
die es in Zeit und Ewigkeit gibt!
89 Der Weg meiner Schüler
.Wer aber sein Pfund vergräbt und nur
wiederbringt, was ihm von Anfang an ge‐
geben war, der wird nach den ewigen Ge‐
setzen „die äußerste Finsternis” erleben müs‐
sen: die aller Seelenwärme beraubte Region,
in der „Heulen und Zähneklappern” herrscht
vor innerer Kälte und Verdüsterung. — —
Die hier herangezogenen Worte der Evan‐
gelien sind nichts anderes als bildhaft ge‐
staltete, lebendige Darstellungen der Wir‐
kungsweise ewiger Gesetze.
.Körperliches können wir auch wahr‐
nehmen ohne die Seele, wenn auch die
durch die Seele geleitete körperliche
Wahrnehmung wesentlich andere Bewußt‐
seinseindrücke ergibt, als sie die feineren
physischen Kräfte vermitteln können.
.Der Glaube des Volkes, der kein Leben
des Körpers ohne „Seele” kennt, meint hier
irrigerweise mit dem Wort „Seele” nur jene
feineren, fluidischen, physi
schen Kräfte, auch wenn dabei gleichzeitig
diesen Kräften Eigenschaften zugeschrieben
werden, die nur der wirklichen Seele zu‐
kommen.
.Möchte nur der Körper, seelenlos
geworden, auch „leblos” sein, — dann
würden nicht so viel Seelenlose dieses Erden‐
dasein um seine Wärme bringen, und die War‐
nungen der Evangelien wären gegenstandslos
gewesen!
.Während aber de facto der Körper auch
ohne Seele sein Bewußtsein hat, wäh‐
rend auch der Seelenlose sich selbst als kör‐
perlich bedingtes „Ich” — etwa im Sinne
Stirners — empfindet, ist es völlig
unmöglich für uns, das Reich des reinen
Geistes, die realen geistigen
Welten, ohne Seele wahrzunehmen. —
JenesIch”, das allein auch dort
wahrzunehmen vermag, ist selbst eine
Seelenkraft, die von einem Funken ewigen
Geisteslichtes durchlebt und durch‐
leuchtet wird für alle Ewigkeit, sobald sie
einmal die Fähigkeit in sich erwachend er‐
kannte, diesem ewigen Geistesfunken ewiger
leuchtender „Leib” zu werden, sobald, um
mit anderen Worten zu reden, der „lebendige
Gott” sich in diesem „Ich” die „Geburt” be‐
reiten konnte.
.Um diesesIch” müssen alle anderen
Seelenkräfte sich kristallisieren, — ihm müs‐
sen alle Seelenkräfte geeinigt werden,
soll der Mensch vollbewußt das ewige Reich
des wesenhaften Geistes betreten können! —
86 Das Mysterium von Golgatha
.Nicht anders sagt auch der wahrhaft
Gottvereinte: «Ich», nur ist bei ihm
der Inhalt dieses «Ich» zugleich durch‐
leuchtet von der Gottheit Strahlen‐
licht, in dem das Unvergängliche des
Menschen aufglüht wie ein Edelstein
im Licht der Erdensonne...
46 Der Sinn des Daseins
.Jeder Mensch jedoch ist eine völlig ein
zigartige Emanation des mit Individualisie‐
rungswillen „geladenen” ewigen Geistes,
männlicher oder weiblich-polarer Span‐
nung, — obgleich im Manne auch Weib‐
liches und im Weibe Männliches lebt, —
und ein Mensch, der hier auf Erden seinen
Lebensweg vollendet hat, kehrt unter nor‐
malen Umständen niemals als ein späterer
Mensch auf die Erde zurück.
124 Mehr Licht
Dich selbst sollst du erreichen in deiner
höchsten Geistesform!
Kein Gott kann dich erlösen, solange du
nicht in dir selbst das hohe Ziel vor Augen
siehst, das nur DU SELBER bist, geeint mit
deinem Gott! — — —
61 Das hohe Ziel
In allen Atomen deines Körpers leuchte Ich! —
... Dieser Körper aus festem und halbfestem
Stoffe ist mir wie eine alabasterne Lampe, in
der ich, das Licht, alles durchleuchte. — —
Mich hält er nicht!
Mich kann nichts halten!
Alles ausser mir ist mir Bild, und ich bin
Licht allem Gebilde das ich durchleuchte! —
— — — — —
Ich bin fluidische Kraft und doch über allen
fluidischen Kräften! — —
Ich klinge in allen Lauten, Harfen und Flöten
des unendlichen Raumes! —
Ich bin der Meister unendlicher Symphonien,
von denen die Sphären der Ewigkeit wider‐
hallen!
Wer mich erkennen und aus der Kraft des
Lichtes in mir leben will in Ewigkeit, der
muss zu einem meiner Instrumente werden...
Im leuchtenden Tone einer meiner Sym‐
phonien muss er ewigen Sphären erklingen. — —
Ich binde die Klänge und ich löse sie auf
nach meinem eigenen Gesetz, das mir von Ewig‐
keit her innewohnt.
Ich habe als Meister meiner Symphonien gute
Spielleute unter mir.
Sie alle gehorchen meinem Winke, und keiner
wird jemals meinen Instrumenten falsche
Töne entlocken...
Ich selbst gebe nur die Zeichen.
Meine Spielleute aber bringen die Instrumente
alsdann zum Tönen, und ich bin hinwieder der
Ton, der ihnen entquillt. — — — — —
Manche der Instrumente werden sich dessen be
wusst, manche aber auch nicht, dass sie nur
durch mein Gesetz geleitet zum Ertönen ge‐
langen, und dass ich der Ton bin, der in ihnen
klingt. —
...Dieser Leichnam, den du siehst, wenn du
dich von aussen her betrachtest, bin wahrlich
nicht Ich! — — —
In ihm aber habe ich hier meiner Kraft einen
Stützpunkt gegeben, damit ich auf dieser
Erde alles zum Erklingen bringe, und selbst
mich in allem als Klang gebären könne...
Unnennbar ist die Zahl der Symphonien die in
mir verborgen ruhen und offenbar werden
wollen. — —
Zu leuchtendem Klang will ich mich formen
in allem was durch mich erklingen will!
Auch dich werden meine Spielleute nicht ver‐
gessen, wenn du zu einem meiner Instrumente
werden willst. —
Auch du sollst ewig leuchtend tönen in einer
meiner unendlichen Symphonien!
Ich bin es, der dich erlösen kann, denn nur
wenn ich selbst in Dir erklinge wirst du ewig
beseligt sein! — — —
Siehe, all deine Sehnsucht will nichts anderes,
als dich mir in leuchtendem Klange vereinen!
Du fühlst zwar deines Herzens Sehnsucht, aber
du weisst sie noch nicht zu deuten. —
Verhalten, wie in einer unberührten Saite, birgt
sich in dir dein eigener Klang; aber nur
wenn mir du dich einen willst, wirst du dich
selbst zum Erklingen bringen können. —
Ein neuer Ton wird dann dem All erklingen
und du wirst dich in Allgewalt vernehmen —
mir geeint — in deinem eigenen
Ich! — — —
14 Worte des Lebens
— Möglichkeit
zu solchem Mich-verschwindenlassen hin‐
ter meinem Zeitlichen bot diesem ja immer
der glückhafte Zustand, daß in meiner
Selbstbezeichnung „Ich” ebenso mein ir
disch Vergängliches wie mein urewiges
substantielles geistiges Sein sich ausspre‐
chen kann, da sie ja allem mich ewig Dar‐
bildenden wie allem mir nur auf Zeit
dauer Eigenen dient.
171 Briefe an Einen und Viele
Wenn sowohl in der mittelalterlichen als
auch in der so viel älteren orientalischen
Mystik die Abkehr vom „Ich”, ja das innere
Auslöschen des „Ich” verlangt wird, so
darf ich gewiß von mir sagen, daß es wohl
kaum einen „Mystiker” auf Erden gab,
der mit solcher Bestimmtheit von sich wis‐
sen konnte, daß dieses vergängliche „Ich”
in ihm bis auf den letzten Funken ausge‐
brannt sei, wie ich das von mir — aus mei‐
nem bewußten ewigen Geistigen her ge‐
sehen — unumstößlich weiß. Sage ich also
in meinen Lehrtexten dennoch, daß der
Weise „Ich” ist von Grund auf, und daß
alles in ihm untertan ist seinem „Ich”, so
liegt doch wohl zutage, daß ich mit dem
gleichen Worte etwas Anderes meine als
die erwähnten „Mystiker”. Ich rede viel‐
mehr: — vom Entgegengesetzten, — von
der ewigen, aus dem ewigen Geiste stam‐
menden Urgestalt, deren verzerrte tier‐
heitsbestimmte Vortäuschung allein jene
Meister der Mystik meinen. Ich warne
wahrhaftig nicht vor der Verachtung dieser
Maske, die sich „Ich” nennt! Leider ge‐
nießt sie ja in aller Welt und unter allen
Völkern ein solches Ansehen, daß fast
keiner, der sie mit sich identifiziert
noch merkt, wie er damit nur sein
wirkliches Selbst karikiert. Kein Wunder,
daß nur so wenige Menschen das Trugbild
fahren zu lassen willens sind, wie das un‐
erbittliche Voraussetzung für das Bewußt‐
werden in der geistigen Urgestaltung
„Ich” ist! Man hat sich im selbstgeschaf‐
fenen Trugbilde seines ewigen „Ich” viel
zu lieb, ist viel zu sehr von seiner tatsäch‐
lich vorhandenen irdischen Geltung, von
wirklicher oder vermeintlicher, diesem
Trug-Ich zugedachter Bedeutung durch‐
drungen, als daß man sich noch dazu
überreden möchte, das gekannte, anschei‐
nend so Sichere dahinzugeben um eines
vermeintlich so Unsicheren willen, wie der
eigenen ewigen Urgestaltung „Ich”. —
.Keiner weiß mehr, daß das, was er im
Begriff und Wort „Ich” zusammenbündelt,
nur ein irdisch Angenommenes ist, das ihm
nur darum anzunehmen möglich wird,
weil die ihn durchlebende geistige Urge‐
staltung „Ich” das ihm unbewußte Vor
bild abgibt, dem er die seinen irdischen
Neigungen am meisten entsprechende Dar‐
stellung seiner selbst in sich gegenüber‐
zustellen sucht und so seinen täuschenden
„Ich”-Begriff sich selber suggeriert. —
.Das zum ersten Erkunden seiner Umwelt
fähig gewordene Kind weiß noch nicht, was
das ist, wenn eine Stimme in seiner Um‐
welt „Ich” sagt. Es ist sich selbst noch „Um‐
welt”, in der offenbar, wie ihm seine kleine
Alltagserfahrung zeigt, alle Dinge mit ge‐
wissen Lautverbindungen zusammenhän‐
gen. So hört es denn auch eine bestimmte
Lautegruppe immer mit seiner Selbstäuße‐
rung in Verbindung gebracht und lernt
seinen „Namen” in seiner Umwelt genau
so mit sich identifizieren, wie das auch
einem jungen Tiere gelingt, das in Men‐
schennähe lebt. Will das Kind aber, — das
ja vor allen Tieren die Möglichkeit einer
differenzierten Sprache voraushat, — sich
selbst bezeichnen, so nennt es das Stück
seiner Umwelt, das es für sich selber ist,
indem es den immer wieder dafür gehörten
Namen” sagt. Erst viel später lernt es
dann auf mechanische Art durch Nachspre‐
chen: — „Ich” sagen und dann auch all‐
mählich begreifen, daß das scheinbar der
Allen gemeinsame „Name” ist, wenn sie
von sich zu sprechen haben. Sagt das Kind
nun aber fortan auch zu sich selber: „Ich”,
so ist doch der Umfang und die Tiefe sei‐
nes Bewußtseinsinhaltes dadurch in keiner
Weise verändert, wenn auch den Erwach‐
senen der Gebrauch der ihnen so wichtigen
Selbstbezeichnung bei dem kleinen Wesen
wie ein gewaltiger Fortschritt erscheint.
.Für den heranwachsenden, wie später
für den erwachsenen Menschen, bedeutet
all seine Lebenserfahrung eine mosaikartig
geformte Zusammensetzung von vielem
Einzelnen, das erst „Umwelt” war, bis es
sich dem schon in kindhafter Zeit gebil‐
deten Selbstbegriff „Ich” einfügen ließ,
und falls unter dem vielen Einzelnen auch
der Glaube an eine Bewußtseinsfortdauer
über den Tod hinaus zu dem eigenen „Ich”‐
Mosaik gehört, dann erscheint dem Selbst‐
bewußtsein im „Ich” nichts einleuchten‐
der, als daß alle seine zusammengelebten
Inhalte auch auf „ewige” Dauer Anspruch
haben müßten.
Wenn dann aber doch die abgründige
Naivität dieser Annahme zu Bewußtsein
kommt, dann ist die Erschütterung derart
zerreißend, daß sich aller übrige Selbst‐
bewußtseinsinhalt nicht nur von dem vor‐
maligen Glauben, sondern auch von jeder
Möglichkeit, ihm eine weniger gefahrum‐
drohte Begründung zu finden, in brüsker
oder elegischer Weise löst. Eine Revision
der einzelnen Mosaiksteine auf ihre mög‐
liche Ewigkeitsbeständigkeit hin, und ein
rücksichtsloses Ausmerzen des mit Sicher‐
heit Vergänglichen aus dem „Ich”-beton‐
ten Bewußtseinsinhalt erscheint nicht nur
als unerfüllbare Zumutung, sondern auch
als aussichtslos. Man hat ja jeglichen Prüf‐
stein mitverloren, nach dem man be‐
stimmen könnte, was ewigkeitsgezeugt und
was irdisch vergänglich ist, so daß man nun‐
mehr nur dann noch sicher zu gehen meint,
wenn man unterschiedslos Alles dem Unbe‐
ständigen tellurischer Existenz zurechnet.
.Es ist ein Spottspiel, das von Gläubigen
wie von den ungläubig Gewordenen mit
dem ewigen „Ich” getrieben wird, dem
allein sie zu danken haben, daß sie nicht
nur Tiere, sondern auch „Menschen” sind:
72 Hortus Conclusus
— denn der „Mensch” wurzelt nicht auf
der Erde, sondern im Herzen der Ewig
keit, — im innersten Göttlichen, das in
seinem höchsten Selbstbilde „Mensch” in
sich selber ist! Damit aber, statt des Spott‐
bildes, das ewigeIchder Wirklichkeit
im Erdenmenschen Fleisch und Blut durch‐
dringe, wird vom Ewigen her wahrhaftig
nicht verlangt, daß alles aus dem Bewußt‐
sein schwinde, was nicht „ewiger” Abkunft
ist. Wohl aber muß unerbittlich im Bewußt‐
sein unterschieden werden, was ewiger
und was zeitlicher Inhalt ist. Lange Zeit
braucht es unausgesetzte Sorgfalt, damit
sich nicht morgen womöglich unversehens
das wieder in dem ihm verwehrten Be‐
wußtseins-Innersten: — im „lch”, — er‐
neut einwachse, was gestern ausgerottet
erschien. Es ist, wie wenn man einen mit
Unkraut überwucherten Acker zu einem
geordneten Garten voll edelster Gewächse
umschaffen will. Erst wird der Boden wie‐
der und wieder gepflügt, und rücksichts‐
los unter der Hacke gereinigt werden
müssen, bis er ganz leer wird von allem,
was vorher seine Kräfte saugte. Dann aber,
nachdem man das Neue einpflanzte, wird
es noch langehin eifrige Wachsamkeit ko‐
sten, damit nicht zum wiederkehrenden
Wachstum komme, was ausgerodet wurde,
was aber Vögel und Wind immer wieder
unvermerkt auszusäen wissen.
.Das alles ist kein gedankliches Tun,
sondern Empfindungsarbeit mit der schar‐
fen Pflugschar und dem kräftigen Grab‐
scheit aus unabnützbarem geheimnisvol‐
lem Stahl, der nur in der Glut des innersten
seelischen Fühlens geschmiedet werden
kann... Man läßt aber statt dessen leider
zuerst immer noch die früher vertraut ge‐
wordenen gedanklichen Scheinerkennt
nisse in sich weiterwachsen, und hier ist
auch die Ursache dafür zu suchen, daß viele
von Zeit zu Zeit das Drängen in sich fühlen,
sich für ewig Wirkliches, das nur erlebend
zu erlangen ist, — vorläufig — ein zusam‐
mengedachtes Surrogat zu schaffen, das sie
dann in der Folge am konkreten Empfin‐
den des Wirklichen hindert, zu dem sie
doch vordringen wollen. —
74 Hortus Conclusus