Gott des Seins
(von mir ausgewählte Textpassagen
in der Reihenfolge der Schriften)

.Lösche „Ich” aus, und Alles ist aus‐
gelöscht, — denn alles Sein und alles
Scheinen ist nur durchIch”, fürIch
gewirkt: — wird wirkend nur inIch
empfindbar...
59 Das Buch der königlichen Kunst
.Ewig ist das Ur-„Ich”, das ewig dich
aus sich erzeugt.
.Nicht eine Sekunde wärest du im Da‐
sein, würde diese geistige Zeugung auch nur
während einer Millionstel-Sekunde dich
nicht im Dasein wollen. —
60 Das Buch der königlichen Kunst
.Ich” bist du, o Suchender, von Ewig
keit her, auch wenn du deine eigene Iden‐
tität noch nicht in der ewigen Spirale
geistiger Aufeinanderfolge erkennst!
61 Das Buch der königlichen Kunst
.„Ich” ist unerklärbar, denn „Ich” ist
absolute Einheit, — „Licht an sich”,
und vollendete Klarheit.
62 Das Buch der königlichen Kunst
.Zerstören kannst du nur dein Bewußt
sein um dein unzerstörbares „Ich”. — —
63 Das Buch der königlichen Kunst
.„Ich” ist nur einmal in dir im Dasein,
— aber Unzähliges sucht sich in dir zu
behaupten, indem es unter diesem Namen
dir verbirgt, daß es nur Angenommenes ist.
64 Das Buch der königlichen Kunst
.Törichter!” erwiderte der Meister, „ich
glaubte, du fragtest nach mir! — Du woll‐
test wissen, was ich sei!?!
.Indessen hast du nach dem Tiere ge‐
fragt, das mir hier noch zur Nahrung dient,
und verzehrt wird von mir, indem ich dieser
Welt durch seine Kräfte lebe. —
106 Das Buch der königlichen Kunst
.Wir wollen Gott nicht in der Trübsal
des Herzens suchen, denn uns erzeugte
Gottes Wille zur Freude! —
178 Das Buch der königlichen Kunst
.Siehe, der Tag ist erschienen, o Suchen‐
der, an dem dein Gott sich als dein Gott
nun in dir selber offenbart, — in deinem
Ich”! — — — —
.Er wird in dir, und du wirst in ihm
„geboren”...
.Geheimnis bleibt, auch für den Schau
enden im Geiste, was sich geistig solcherart
vollzieht. — —
90 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Du siehst vor dir eine Ewigkeit, deren
tiefste Tiefen immer Tieferes erahnen
lassen, und weißt, daß du, mit deinem
Gott vereinigt, durch die tiefsten ihrer
Wunder ewig weiterschreiten wirst.
.Wenn du dich hier in dieser Außen
welt gewahrst, in Leid und Erdenfreude,
wirst du nach wie vor nur einen Erden
menschen finden, — und dennoch wird dein
Geist in deinem Gott hoch über alles Erden‐
menschliche hinauf erhoben sein, denn
deine Seele ist ein „Reich” der Ewigkeit
geworden: — ein Himmel in den Him
meln! — — —
93 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Die „nackte” Wahrheit kann euch auch
kein Leuchtender des Urlichts zeigen!
.Die müßt ihr selbst enthüllen in der
Stille, — in euch selbst. — — —
.Nur in euch selbst kann höchstes Wun‐
der sich in Wirklichkeit bezeugen!
.Nur im eigenen „Ich” könnt ihr einst
wiederfinden, was ihr vor eurer Erdenzeit
verloren habt! — — —
.Ihr seid nicht nur die mit höherer In‐
telligenz begabten Tiere dieser Erde, als die
ihr euch betrachtet nach eurer äußeren Na‐
tur und eurer Geschichte. — —
.In euch ist Tieferes und Höheres ver‐
borgen. —
.Ihr seid gewohnt, euch selbst zu meinen
in dem Wörtchen „Ich”.
.Noch aber wißt ihr nicht, wasIchist
in euch selbst, — — denn „Ich” ist unend
lich und in unzählbaren Stufen wachen
Seins erlebbar...
.Jede solche „Stufe” wird in aller Ewig
keit stets eine neue, höhere Erlebnisstufe
über sich gewahren...
.Jede solche „Stufe” sieht unzählbar viele
Stufen unter sich, hinab, in tiefste Tiefen
eingebaut...
.Ihr aber lebt noch wie die Tiere, die
dasIchnicht in sich tragen, — wenn
auch euer Leben wohl mit „Wissenschaft
und „Kunst” verbrämt, und euer Dasein
mit Genuß schon reichlich übersättigt ist.
.Wenn ihr euch selbst einmal erkennen
werdet, dann könnt ihr nur mit Grauen und
mit Schaudern noch der Tage euch erin‐
nern, die ihr heute arglos und gar leichten
Sinnes lebt, als ob in ihnen alles Sein für
euch allein beschlossen wäre...
207 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Es ist in allen Weltenräumen und über
allen Sternen kein äußerer Gott für dich
erreichbar, der deine lahmen Bitten hören
würde...
.Du mußt dir selber helfen wollen,
willst du, daß dein Gott, der nur in dir
selber dir erreichbar ist, dir hohe Hilfe
sende, nach der urbestimmten Ordnung die
in ihm geordnet ist! —
.In deinem „Ich” ist alles Sein beschlos‐
sen, und allen Schein erschaffst du dir nur
selbst und unbewußt aus Kräften deines
Ich”. — — —
.Du hast dich selbst vor deiner Erdenzeit
von deinem Gott getrennt, als du ihn nicht
mehr in deinem „Ich” erkanntest, weil du
dich selber suchtest, wo — dein Gott allein
zu finden war...
.So wurde „Gott” dir ein „Anderer
und du ihm „fremd”. — — —
.Nun spaltest du dein „Ich” für deine
Vorstellung, und es scheint dir ein „höhe
res” wie ein „niederes” „Ich” in dir ver‐
borgen, da du den Umfang deines ungeteil‐
ten, unteilbaren einen „Ich” nicht kennst. —
.Es ist jedoch keinhöheres” und kein
niederes” Ich in dir, aber in deinem einen
„Ich” ist alle Unendlichkeit verborgen,
und es umfängt die tiefste Tiefe, wie die
höchste Höhe in der Geisteswelt...
.Du selbst mußt wählen, — und du
wählst” hier nur durch Tat, — was du
dir selber offenbaren willst in deinem
Ich”...
.In deiner eigenen Unendlichkeit, — im
Mittelpunkte des von deinem „Ich” um‐
faßten Seins, — wird dir aufs neue dann
dein Gott „geboren” werden! — — —
.Auch dann wirst du zuerst ihn noch als
anderes Sein empfinden, bis du sodann er‐
kennst, daß er dich selbst in deinem
ganzen ungeteiltenIchumfaßt. —
— —
217 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Ihr fühlt euch noch in eurem „Ich”, —
als das ihr vorerst nur imHirnreflex
euch spiegelhaft empfindet, — als unver‐
bundenes „Einzelsein”. —
.Lebendiges” jedoch ist stets vereint
mit allem Leben!
.Es gibt auf Erden nichts, und nichts
im ganzen All, und nichts im Geiste, was
sein „Leben” hätte, was zuleben” fähig
wäre, — nur für sich allein! — —
.Ein jedesEinzelsein” ist letzten En‐
des wahrhaft alles Sein! — —
.Auch wenn es nicht erkenntnisfähig ist,
darum zu wissen! —
.Er-lösung” kann ein Einzel-Sein nur
finden, wenn es im All-Sein sich erlebt, er
löst von allem anderen „Einzel-Sein”.
.Er-lösung” wird euch darum nur, wenn
ihr in eurem „Ich”; — im „Ich” das ewig
euch erhalten bleiben soll, — empfinden
lernt, daß alles „Ich” sich nur in diesem,
eurem „Ich” euch gibt, — euch ewiglich sich
selbst ergibt: — sich selbst vereint!
.In euch: — im „Ich” der Ewigkeit, —
ist alles „Leben”, und in diesem Leben
findet ihr allein die wahrhaft „Ewigen”:
— die ewig Lebenden! — — —
.Längst hättet ihr sie schon gefunden,
wenn ihr nicht immer, eigensinnig und be‐
tört, nur dort nach ihnen suchen würdet,
wo sie nimmermehr zu finden sind!
.Umsonst sucht ihr euch einzudrängen
in die unsichtbaren Reiche dieser Außen
welt! —
288 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Das ewige, geistgezeugte „Ich” ist die
reine Quelle der geistigen Kräfte im Men‐
schen der Erde, aber der Körper ist der
Schöpfeimer, um diese Kräfte aufzuneh‐
men und heraufzuholen ins irdische Leben.
.In diesem ewigen „Ich” finden wir uns
selbst, so wie wir ewig sind im Ewigen!
.Nur in diesem innersten „Ich” finden
wir den allumfassenden ewigen, substan
tiellen Geist!
.In deinem, dich selber erzeugenden „Ich
allein findest du deinenlebendigen
Gott! —
180 Das Buch vom Jenseits
.Du empfindest Dich allein als «Ich» und
keinen Anderen außer Dir kannst Du in
diesem «Ich» noch unterbringen.
.Für Dich bist Du als «Ich» der Mittel‐
punkt der Welt.
.Du bist für Dich, als «Ich», das «Ich»
der ganzen Menschheit. — —
.Diese «Menschheit» aber ist ein homo
genes Ganzes, gebildet aus Milliarden von
«Ichen», von denen zwar kein einziges
Dir völlig gleicht, und deren jedes doch,
der Formgestaltung nach, mit dem, was
Du in Dir als «Ich» empfindest, durchaus
identisch ist. — — —
.Schwer in menschliche Worte zu fassen ist,
was ich Dir hier sagen will, und ich muß
Dich bitten, meiner Rede letzten Sinn er
fühlend zu ertasten, denn ich weiß gar
wohl, daß letzte Klarheit hier in Worten
sich nicht restlos geben läßt, und daß ich
nur in meiner Sprache reden kann, die
Du erst in die Deine «übersetzen» lernen
mußt.
.Ich möchte Dir zum Bewußtsein bringen,
daß Du der einzigartige Mittelpunkt
eines Ganzen bist, das nur aus einzigarti‐
gen «Mittelpunkten» gebildet ist, und, da
es ein Unendliches, wenn auch nicht Un‐
Begrenztes, ist, an jeder Stelle seinen
«Mittelpunkt» besitzt . . . . . . . . . . . . . . . . .
.Jeder Mittelpunkt aber ist sich selbst
hier «Ich» und jeder andere Mittelpunkt
ist für ihn «Du». —
.Willst Du Dein Mittelpunkts-Glück Dir
schaffen, so mußt Du diese Gegebenheit im
Auge behalten, und mußt die geheimen
Beziehungen zu finden suchen, die zwischen
«Ich» und «Du» obwalten.
.Diese Beziehungen sind stets fluktuierend
und in jedem Augenblick anders zu beur‐
teilen.
.Unabänderlich bestehen bleibt allein der
immerfort geregelte Ausgleich aller Wir‐
kungen und Gegenwirkungen im Mensch‐
heits-Ganzen.
.Du kannst als «Ich» auf ein «Du» nur
wirken, entweder absichtslos, ohne daß
Du eine Wirkung erzielen willst, — oder
bewußten Willens.
.Willst Du aber auf ein «Du» wirken,
so sind Deine Mittel: Bitte, Überredung
oder Gewalt.
.Wisse aber, daß Du für allen Erfolg Dei‐
nes Wirkens, ja für die Absicht schon,
einen bestimmten, unabänderlichen Preis
zu erlegen hast! — — —
.Bitte und überrede daher nicht, wenn Du
Dich nicht willens findest, Dich von irgend‐
einem anderen «Du» gleichfalls bitten und
überreden zu lassen, — noch weniger aber
wirke durch Gewalt, wenn Du selbst jede
Gewalt als unerträglichen Zwang emp‐
findest! —
.Es wird dir nichts «geschenkt» werden, so
sicher Du Dich auch geborgen fühlen magst
und so gut Du auch Deine wahren Absichten
verhüllt glaubst.
.Vor dem einzelnen «Du» kannst Du Dich
wohl verbergen, aber dem Gesamtorga
nismus der Menschheit ist stets alles
enthüllt, was in Dir vorgeht, und mit auto
matischer Sicherheit wirst Du die Kon
sequenzen Deiner Handlungsweise zu ge‐
setzmäßig gegebener Zeit, früher oder spä‐
ter, zu tragen haben. — — — — — — —
.Wenn Du Dich selbst nicht gerne bit‐
ten läßt, und dennoch bittest, wenn Du
selbst keiner Überredung zugänglich bist,
und dennoch zu überreden suchst, — wenn
Du selbst Dir nicht Gewalt antun lassen
magst, und dennoch Gewalt gebrauchst, so
wirst Du in jedem dieser Fälle etwas er‐
reichen, für das du den Kaufpreis nicht ent‐
richten zu müssen glaubst, aber Du irrst! —
.Die Gesetze des Geistes lassen sich nicht
wie irdische Gesetze — umgehen, oder nur
zu Deinen Gunsten deuteln. Du fin‐
dest auch keinen Anwalt, der versuchen
würde, Dich vor den Folgen Deiner Hand‐
lungsweise zu bewahren. —
.Du mußt restlos alles bezahlen, was
Du durch Dein Verhalten, irgend einem
anderen Menschen gegenüber, der Mensch
heit schuldig geworden bist und du
wirst dem Gesetze nicht entrinnen, bis auch
«der letzte Heller» bezahlt ist. — —
.Je länger man Dir die Zahlung stundet,
desto mehr hast Du alle Ursache, recht be‐
sorgt zu sein, — denn es werden dir Zins und
Zinseszins in Ewigkeit nicht erlassen...
.Ja noch mehr!
.Du selbst kannst für Dich zum Gläubi‐
ger werden, denn auch Du bist für Deine
Person der Menschheit verantwort
lich und Du darfst von Dir nichts ver‐
langen, wofür Dir nicht ein Äquiva
lent durch die Menschheit in Aussicht
steht...
.Andernfalls mußt Du für Dich ebenfalls
den Kaufpreis Deines Handelns früher oder
später erlegen, — mit Zins und Zinseszins, —
wie für irgend einen Andern. — — —
.Du hörst erst heute zum erstenmal von
diesem Gesetze, oder es wird Dir vielleicht
erst heute zum erstenmal seine unerbittliche
Folgerichtigkeit und Unbeirrbarkeit klar? —
.Es steigen Bedenken in Dir auf wegen
Deiner früheren Taten, auch wenn Du
nun entschlossen bist, Deine Handlungs‐
weise diesem Gesetze gemäß in Zukunft
weise abzuwägen? —
.Willst Du Dein Glück Dir schaffen, dann
wisse, daß Du Mittel und Wege finden
wirst, Deine Schuld an die Menschheit in
einer Dir genehmen Weise abzutragen,
sobald Du erst wissen wirst, was Du wirk‐
lich noch zu bezahlen hast!
.Du mußt nicht warten, bis das Gesetz mit
rücksichtsloser Gleichgültigkeit gegen Dein
Wohl und Wehe seine Forderung geltend
macht. —
.Arbeite Dir selber eine «Bilanz» aus und
erschrick nicht, wenn das «Soll» Dein
«Haben» ganz gewaltig übersteigt!
.So unerbittlich der Gesamtorganismus der
Menschheit von jedem seiner Einzelglieder
jede Forderung einziehen muß, an deren
Bezahlung geflissentlich «vergessen» wurde,
so teilnahmslos und automatisch muß er
auch einem anderen Gesetze folgen, das
ihm jede Gewaltsamkeit unmöglich macht,
jede Selbsteintreibung verbietet, sobald
Du auch nur den Willen zur Begleichung
Deiner Schuld einmal ernsthaft in Dir auf‐
gerichtet hast, und solange Du Dich stets
verpflichtet fühlst, — auch wenn Dir die
Umstände noch nicht gleich erlauben, die
ganze Schuld zu begleichen, ohne dadurch
wieder aufs neue Dich oder Andere zu
Schaden zu bringen.
23 Das Buch vom Glück
.Zuvörderst müssen wir uns einig werden,
was unter dem Worte «Gott» hier unter uns
nun zu verstehen sei. —
.Dass ich nicht irgend eines Wähnens, dem
Wahn nur wirklich scheinendes Gespenst des
irren Denkens mit dem Worte «Gott» be‐
zeichne, zeigt dir schon meiner ersten Worte
heller Hintergrund! —
9 Der Weg zu Gott
.Was dir begegnen wird, ist jenes Eine, das
kein Zweites neben sich kennt, — das aber in
Unendlichfältigkeit sich selber offenbart,
wo immer es sich Offenbarung werden kann! —
.Du selbst bist seine Offenbarung, obwohl
du noch nicht darum weisst, und in dir selber
nur kann das sich Offenbarende dem Of
fenbarten fassbar werden! — — —
.Auch dem Truge bist du in dir selbst be‐
gegnet; — jetzt aber sollst du die Wahrheit in
dir selber finden! — —
.Nicht allzuschwer ist es für dich, zu unter
scheiden, was da Wahrheit ist, und was
Selbstbetrug! —
10 Der Weg zu Gott
.Bist du jedoch auf rechtem Wege, und be
reitet, sie zu erkennen, dann wirst du wahr‐
lich nicht mehr im Zweifel sein, ob es die
Wahrheit selber ist, oder ein selbstgeschaf‐
fenes Trugbild, was dir in dir selbst sich
zeigt. — —
.In dem, was in dir selber Wahrheit ist,
wird sich die ewige Wahrheit bezeugen!...
.Das Licht, das aus sich selber leuchtet,
wird dich erleuchten, und alle Lampen die du
dir einst selbst geschaffen hast, damit sie deinen
Weg umlichten sollten, werden dir kaum noch
sichtbar bleiben in deiner strahlenden Er‐
hellung! — —
.Du wirst deinem eigenen Leben begegnen in
seiner ewigen Fülle; — dich selbst wirst du
aus Lichteskraft im Lichte auferstehen sehen
aus deiner Erdengrabesnacht!...
.Mit «Gott» — dem Seinsgrund alles
Seins — wirst du dich selbst in Einheit fin‐
den! — —
.Indem du zu dir selber «ICH» sagst, wirst du
erst verstehen lernen, dass du seinen «Namen»
heilig halten sollst! — — — — — — — — — —
11 Der Weg zu Gott
.Du bist alsdann zu jeder Zeit fürwahr «in
Gott» und lebst in Gottes ewigem Leben,
jedoch: — du bist nicht Gott, und auch in allen
Ewigkeiten kannst du nicht «zu Gotte» wer
den!
.Du kannst nur dich selbst in Gott und
deinen lebendigen Gott in dir erleben, —
geeint im Bewusstsein des Erlebens,
und dennoch stets der verbleibend, der
du bist! —
.Gott aber «erlebt» sich in dir «im Bilde», so
wie sich Gottheit niemals in sich selbst
erleben könnte: — der Sonne gleich, die
ihres Lichtes Strahlen durch ein Brennglas
sammelt und im Brennpunkt Licht und
Feuer zeugt....
35 Der Weg zu Gott
.Es sind nicht zwei Menschen auf dieser Erde,
die sich in allem gleichen würden.
.So aber, wie im Samenkorn der Pflanze ihre
künftige Gestaltung schon beschlossen
ruht, so trägt ein jeder Menschengeist in sich
das Urbild seiner einstigen Vollendung. —
.Unendlichfältig sind die Lebensformen,
in denen sich Gott erlebt in sich selbst...
.Unendlichfältig spiegelt sich der Gottheit
Leben in den Menschengeistern...
.Unendlichfältig sind die Formen der
Vollendung...
.Du kannst für dich nur deine eigene Voll‐
endung in dir selbst erreichen und eines
jeden Anderen Vollendung kann dir nur zum
Ansporn werden, auch die deine in dir selbst
zu suchen.
.Des Anderen Vollendung ist die deine
nicht und kann dir nie ersetzen, was du in dir
selber versäumst.
76 Der Weg zu Gott
.Du kannst nicht Gottes Leben leben, —
wohl aber lebt Gott in dir und du kannst in
Vereinigung mit Gott die höchste Form
deines eigenen Lebens finden. — —
.Ein Gleichnis möge dich hier zum Verstehen
führen:
.Betrachte die Lampe in der durch elektrische
Kraft ein haardünner Faden zum Glühen und
Leuchten kommt!
.Noch bist du der Lampe gleich, die der
Kraftstrom noch nicht durchfliesst. — —
.Bist du jedoch dereinst zu der Vereinigung
mit Gott gekommen, dann wirst du der Lampe
gleichen, deren sonst kaum sichtbares Aller
innerstes in strahlendem Lichte erglüht. —
.Es ist nicht die Lampe selbst, die sich
zum Leuchten bringen kann!
.Erst wenn der Strom der Kraft sich ihrem
Allerinnersten vereint, kann sie erstrahlen!
.Könnte die Lampe aber sich selbst er‐
fühlen: — sie würde immer nur ihres Aller
innersten innewerden, — wenn auch erglüh
end im Licht, dort wo sie vordem finster
war — und nur in diesem Allerinnersten könnte
der Kraftstrom der sie durchfliesst, ihr zu
Bewusstsein kommen. — —
.So wirst auch du stets nur dein eigenes
Allerinnerstes erleben, bist du einst deinem
lebendigen Gott vereint...
.Dein Allerinnerstes wird dann in dir
in strahlender Klarheit leuchten, — durch‐
lebt von der Gottheit lebendigem Licht!
.Nicht du wirst «Gott geworden» sein,
aber Gottes Kraft wird dich durch
strömen...
.Du kannst in aller Ewigkeit nichts anderes
erleben als dich selbst und was in dir Er
lebnis wird! — — — —
.Im selben Gleichnis kannst du auch ver‐
stehen lernen, was da mein Wort besagen will,
dass du nur in Gott Vollendung finden wirst
und dass der Anderen Vollendung niemals
dich vollendet.
.Die Lampe, die der Kraftstrom nicht durch‐
fliesst, mag wohl durch ihre Konstruktion
geeignet sein, ein wundersames Licht in
sich zu offenbaren und dennoch bleibt sie
unerhellt. Ihre Vollendung wird sich erst
erweisen, wenn sie in den Stromkreis einge‐
schaltet ist.
.So kannst auch du dir alle Vorbedingung
zur Vollendung schaffen, — Vollendung aber
wirst du nur erreichen in Vereinigung mit
deinem Gott! — — —
.Und wenn der Lampen viele wohl an einem
Orte sind, so werden doch nur immer jene
sich erhellen, durch die der Strom geleitet
wird.
.Der Anderen Leuchten wird die stromlose
Lampe niemals erglühen lassen.
.So kannst auch du nur dann Vollendung
finden, wenn du für dich nach deiner Voll‐
endung strebst, und aller Anderen Vollen‐
dung ist für dich vergeblich da, solange du
nicht selbst in dir die Einigung mit Gott
gefunden hast...
79 Der Weg zu Gott
.Es ward von den vielerlei Formen gespro‐
chen, unter denen der Mensch sein «Ich» zu
erkennen vermeint.
.Schliesslich bat man den Meister um Beleh‐
rung.
.Er aber liess sich also vernehmen:
.«Was dem nottut, der das Leben im
Ewigen sucht, — hier, wie in nachir
dischen Zuständen, — das ist nicht Ver‐
neinung seiner Individualität, sondern
die innere Verneinung, die Nichtaner
kennung der Person, als die ihn die
Aussenwelt und seine eigene Unwissen
heit — maskiert. — — —
.Wunschlos geworden als «Person», kann er
dennoch Wünsche in sich hegen, die weiter
weisen, — über seinen Zustand hinaus, — empor
zu reinerer Höhe, wenn auch die Wünsche nie‐
mals anders wirksam werden können, als da‐
durch, dass sie Willenskraft in ihrem Sinn
bewegen. —
.Nur solche Wünsche wurzeln im wahrhaft
Individuellen.
.Die Wünsche der Person aber sind immer
derart, dass sie als bleibend erhoffen, was vor
übergehen soll, und als Wahrheit nehmen,
was nur zeitliche Täuschung ist. —
.Sie führen in ihrer Erfüllung niemals höher
und hindern nur das freie Höhersteigen...
.Wo noch Persönliches gehätschelt wird in
Vorstellung und Wunsch, kann Ewiges, kann
«Individualität» noch nicht zum Ausdruck
kommen.
.Wer als Person sich selbst erhalten will,
muss anderes vernichtet wissen wollen.
.Immer noch findet er ein anderes ausser ihm,
das ihm im Wege steht. —
.Auch Individualität will nur sich selbst,
aber nur, um in sich selbst alles andere zu
erhalten. — — —
Alles was ist, weiss Individualität mit
sich selbst vereinigt.
.Sie kann sich selbst nicht lieben, ohne in
sich selbst auch alles andere in Liebe zu um‐
fangen. —
.Nie wird sie Persönliches hassen!
.Sie hat es ja als unreal erkannt...
.Es ist ihr wie die 'Rolle' eines Schauspielers
geworden. —
.Sie mag die 'Rolle' werten nach dem Grade,
in dem sie ihren Träger, als ewige Individua
lität, zum Ausdruck kommen lässt.
.Stets wird 'Individualität' nur jene Werte
suchen, die zur Erhöhung und zu reinerer
Gestaltung alles Daseins führen.
.Was dem nicht dient, wird ihr wie 'nicht
vorhanden' sein. — —
.Ewige Individualität und bleibendes
'Ich' sind ineinander eines. —
.'Person' ist enge Begrenzung!
.Individualität ist zeitlich wie räumlich
unendlich! —
.Keine 'Individualität' könnte jemals die an‐
dere hindern, sich selbst zu entfalten.
.Jede hat ihr unendliches Reich für
sich!
.Vereinigt mit allen anderen 'Individuali‐
täten' alle anderen durchdringend und von
ihnen durchdrungen, erlebt sie alle nur in
sich selbst. — — —
.Stets dem einzig Seienden entströmend,
baut sie nur sich selbst, als eine der unend‐
lichfältigen Formen des einzig Seienden. —
.Trotzdem erlebt sie alle anderen dieser For‐
men in sich selbst und weiss sich mit allen
formal identisch.
.Nichts ausser ihr kann ihr jemals zum Hin
dernis werden, und nichts kann sie vernich
ten, wenn sie in sich selbst begründet
ruht. — — — — — — — — — —»
50 Das Buch der Gespräche
.Wehe dem, der noch in Zweiheit lebt und
noch nicht 'Ich' geworden ist in mir! — — —
.Alles Äussere ist dir gegeben, es zu überwin‐
den!
.Ich aber bin der Herr des Äusseren und
Inneren, und du wirst nur in mir, — mit mir
zu einem Ich vereint, jemals zur Herrschaft
gelangen können über alles, was in dir und
ausser dir ist! — — — '
69 Das Buch der Gespräche
.Das 'Ich' ist eure gegebene Quelle
aller Kraft!
.Im 'Ich' nur findet ihr euch selbst!
.Im 'Ich' spiegelt sich alles Wirkliche!
.Das 'Ich' ist die Quelle alles Wissens
letzter Wahrheit und Wirklichkeit!
.Das 'Ich' ist das Forum, auf dem ihr
allen Geistern des unendlichen Daseins
begegnen werdet!
.Im 'Ich' ist die Kraft gegeben, die
alle Kräfte meistern lernen kann!
.Das 'Ich' ist ewig still. — —
.Wer in die grosse Stille gelangt, der
kann in ihm die höchsten Kräfte fin
den!
.Im 'Ich' findet ihr den allumfassen
den ewigen Geist!
.Im 'Ich' nur kann sich euch euer le
bendiger Gott gebären!
.Der Körper der Erde aber muss glau
ben lernen an das ewige 'Ich'!
— — — — — — — — — —
.Sage ihnen weiter:
.Niemand kommt zum Bewusstsein
seines ewigen 'Ich' der nicht verges
sen kann, was er vorher war! — — —
.'Ich' ist: nicht etwas, — kein Gegen
stand, der ergriffen werden könnte, kein
'Wesen' — also ein 'Nichts' aber das
Nichts, das Alles ist: — — die Form der
Einheit alles Seienden!
.Ihr seid wahrhaftig nur in diesem 'Nichts'!
.Wird es von euch als euer 'Ich' empfunden,
dann habt ihr alles, was da ist, gefunden in
euch selbst!
.'Ich'-Bewusstsein ist das Bewusstsein
alles Seins 'Mittelpunkt' in sich selbst zu
tragen. — — — — — — — — — —
.So lehre die Menschen der westlichen Welt,
die deiner Lehre sich anvertrauen, und du wirst
sie zu ihrem höchsten Ziele führen.
.Keiner hat das 'höchste Ziel' mit dem an‐
deren gemein.
.Verschieden wie die Sterne des Himmels in
ihrer Grösse sind die 'letzten Ziele'.
.Jeder aber kann hier auf Erden in seiner
Weise das höchste Ziel, das ihm allein be‐
stimmt ist, erreichen!
103 Das Buch der Gespräche
.Mit alledem jedoch weiß er noch keines‐
wegs um seine Wirklichkeit, denn alles,
was er an sich kennt, ist nur zeitweilig An
genommenes, das mit ganz unbezweifel‐
barer Sicherheit dereinst ihm wieder ab
genommen werden wird. — —
.Es gibt jedoch etwas, das keiner an
zunehmen, oder abzulegen braucht, da er
es ewig war und ist und sein wird, selbst
wenn er die Macht verwirkt, sich ewig mit
dem so Bestimmten als identisch zu emp‐
finden...
.Es gibt etwas in uns, das nicht von
dieser Erde ist, auch wenn es sich in unserem
Erdendasein nur in erdenhaft bestimmter
Form erfassen läßt. — —
.Dieses gilt es zu ergründen!
.Dieses, vor allem, gilt es an sich
wahrzunehmen!
180 Das Gespenst der Freiheit
.Es dürfte begreiflich sein, daß der Su‐
chende, der „in den Geist” gelangen will,
— außer dem Deuter und Wegbereiter, als
der ich in meinen Lehrworten zu wirken
habe, — auch noch andere Hilfe braucht,
sobald er sich, wenn auch fast überreich
belehrt, selbst auf dem Wege findet!
.Für diese Hilfe aber ist dann gesorgt,
und um ihrer habhaft zu werden, braucht
es nur die innere Haltung der Zuversicht
eines im voraus Dankenden.
.Dem Menschen kann aber kein „Gott”
unvermittelt helfen, sondern nur der Mensch,
und, wenn es sich um „göttliche” Hilfe
handelt: — nur ein Mensch, der zum Trans‐
formator substantieller geistiger Kräfte wurde!
.Was dann den Menschen an geistiger
Hilfe erreicht, ist seiner Aufnahmefähigkeit
angepaßt, und bleibt ihr angepaßt, bis
er selbst das substantielle ewige Geistige,
in seinem, aus der Latenz erweckten geistigen
Organismus zu erleben vermag, — einerlei,
ob der dazu nötige Prozeß während des
irdischen Leibeserlebens schon beendet wer‐
den kann, oder — wie zumeist — hier nur
begonnen wird, um in nachirdischen Er‐
lebenszuständen seine Vollendung zu finden.
.Es gibt da unzählige, verschiedene
Stufen der Entfaltung, und das Gleiche gilt
von dem einzig möglichen, wahrhaft wirk
lichen Gotteserlebnis, das dem Menschen
werden kann: — dem Erleben seines „leben‐
digen” Gottes in der eigenen Seele. — —
.Dieses einzige wirklich „reale” Gott‐
erlebnis („Gott” ist nicht nur „Geist”, son‐
dern, vergleichungsweise gesagt: die subtilste
Eigengestaltung des Geistes! —) ist keines‐
wegs erst zu erlangen nach der Vollendung
des substantiellgeistigen Organismus, wohl
aber muß dieser tatsächlich „erweckt” worden
sein, so daß er bereits das distinkte Bewußt‐
sein der Identität des „Ich” (als der singu‐
lären Erlebensform aller ewigen Bezirke) in
der Seele zum Aufleuchten bringen konnte.
.Der Mensch, dem dann solches Erleben
wirklich wird, fragt nicht mehr, und kann
nicht mehr fragen, ob es ihm nun auch
wahrhaft geworden sei, oder ob er nicht
nur einer Selbsttäuschung erliege, denn was
er erlebt, durchstrahlt seine Ich-Form mit
der unangreifbar sichersten Gewißheit,
die es in Zeit und Ewigkeit gibt!
89 Der Weg meiner Schüler
.Wer aber sein Pfund vergräbt und nur
wiederbringt, was ihm von Anfang an ge‐
geben war, der wird nach den ewigen Ge‐
setzen „die äußerste Finsternis” erleben müs‐
sen: die aller Seelenwärme beraubte Region,
in der „Heulen und Zähneklappern” herrscht
vor innerer Kälte und Verdüsterung. — —
Die hier herangezogenen Worte der Evan‐
gelien sind nichts anderes als bildhaft ge‐
staltete, lebendige Darstellungen der Wir‐
kungsweise ewiger Gesetze.
.Körperliches können wir auch wahr‐
nehmen ohne die Seele, wenn auch die
durch die Seele geleitete körperliche
Wahrnehmung wesentlich andere Bewußt‐
seinseindrücke ergibt, als sie die feineren
physischen Kräfte vermitteln können.
.Der Glaube des Volkes, der kein Leben
des Körpers ohne „Seele” kennt, meint hier
irrigerweise mit dem Wort „Seele” nur jene
feineren, fluidischen, physi
schen Kräfte, auch wenn dabei gleichzeitig
diesen Kräften Eigenschaften zugeschrieben
werden, die nur der wirklichen Seele zu‐
kommen.
.Möchte nur der Körper, seelenlos
geworden, auch „leblos” sein, — dann
würden nicht so viel Seelenlose dieses Erden‐
dasein um seine Wärme bringen, und die War‐
nungen der Evangelien wären gegenstandslos
gewesen!
.Während aber de facto der Körper auch
ohne Seele sein Bewußtsein hat, wäh‐
rend auch der Seelenlose sich selbst als kör‐
perlich bedingtes „Ich” — etwa im Sinne
Stirners — empfindet, ist es völlig
unmöglich für uns, das Reich des reinen
Geistes, die realen geistigen
Welten, ohne Seele wahrzunehmen. —
JenesIch”, das allein auch dort
wahrzunehmen vermag, ist selbst eine
Seelenkraft, die von einem Funken ewigen
Geisteslichtes durchlebt und durch‐
leuchtet wird für alle Ewigkeit, sobald sie
einmal die Fähigkeit in sich erwachend er‐
kannte, diesem ewigen Geistesfunken ewiger
leuchtender „Leib” zu werden, sobald, um
mit anderen Worten zu reden, der „lebendige
Gott” sich in diesem „Ich” die „Geburt” be‐
reiten konnte.
.Um diesesIch” müssen alle anderen
Seelenkräfte sich kristallisieren, — ihm müs‐
sen alle Seelenkräfte geeinigt werden,
soll der Mensch vollbewußt das ewige Reich
des wesenhaften Geistes betreten können! —
86 Das Mysterium von Golgatha
.Nicht anders sagt auch der wahrhaft
Gottvereinte: «Ich», nur ist bei ihm
der Inhalt dieses «Ich» zugleich durch‐
leuchtet von der Gottheit Strahlen‐
licht, in dem das Unvergängliche des
Menschen aufglüht wie ein Edelstein
im Licht der Erdensonne...
46 Der Sinn des Daseins
.Jeder Mensch jedoch ist eine völlig ein
zigartige Emanation des mit Individualisie‐
rungswillen „geladenen” ewigen Geistes,
männlicher oder weiblich-polarer Span‐
nung, — obgleich im Manne auch Weib‐
liches und im Weibe Männliches lebt, —
und ein Mensch, der hier auf Erden seinen
Lebensweg vollendet hat, kehrt unter nor‐
malen Umständen niemals als ein späterer
Mensch auf die Erde zurück.
124 Mehr Licht
Dich selbst sollst du erreichen in deiner
höchsten Geistesform!
Kein Gott kann dich erlösen, solange du
nicht in dir selbst das hohe Ziel vor Augen
siehst, das nur DU SELBER bist, geeint mit
deinem Gott! — — —
61 Das hohe Ziel
In allen Atomen deines Körpers leuchte Ich! —
... Dieser Körper aus festem und halbfestem
Stoffe ist mir wie eine alabasterne Lampe, in
der ich, das Licht, alles durchleuchte. — —
Mich hält er nicht!
Mich kann nichts halten!
Alles ausser mir ist mir Bild, und ich bin
Licht allem Gebilde das ich durchleuchte! —
— — — — —
Ich bin fluidische Kraft und doch über allen
fluidischen Kräften! — —
Ich klinge in allen Lauten, Harfen und Flöten
des unendlichen Raumes! —
Ich bin der Meister unendlicher Symphonien,
von denen die Sphären der Ewigkeit wider‐
hallen!
Wer mich erkennen und aus der Kraft des
Lichtes in mir leben will in Ewigkeit, der
muss zu einem meiner Instrumente werden...
Im leuchtenden Tone einer meiner Sym‐
phonien muss er ewigen Sphären erklingen. — —
Ich binde die Klänge und ich löse sie auf
nach meinem eigenen Gesetz, das mir von Ewig‐
keit her innewohnt.
Ich habe als Meister meiner Symphonien gute
Spielleute unter mir.
Sie alle gehorchen meinem Winke, und keiner
wird jemals meinen Instrumenten falsche
Töne entlocken...
Ich selbst gebe nur die Zeichen.
Meine Spielleute aber bringen die Instrumente
alsdann zum Tönen, und ich bin hinwieder der
Ton, der ihnen entquillt. — — — — —
Manche der Instrumente werden sich dessen be
wusst, manche aber auch nicht, dass sie nur
durch mein Gesetz geleitet zum Ertönen ge‐
langen, und dass ich der Ton bin, der in ihnen
klingt. —
...Dieser Leichnam, den du siehst, wenn du
dich von aussen her betrachtest, bin wahrlich
nicht Ich! — — —
In ihm aber habe ich hier meiner Kraft einen
Stützpunkt gegeben, damit ich auf dieser
Erde alles zum Erklingen bringe, und selbst
mich in allem als Klang gebären könne...
Unnennbar ist die Zahl der Symphonien die in
mir verborgen ruhen und offenbar werden
wollen. — —
Zu leuchtendem Klang will ich mich formen
in allem was durch mich erklingen will!
Auch dich werden meine Spielleute nicht ver‐
gessen, wenn du zu einem meiner Instrumente
werden willst. —
Auch du sollst ewig leuchtend tönen in einer
meiner unendlichen Symphonien!
Ich bin es, der dich erlösen kann, denn nur
wenn ich selbst in Dir erklinge wirst du ewig
beseligt sein! — — —
Siehe, all deine Sehnsucht will nichts anderes,
als dich mir in leuchtendem Klange vereinen!
Du fühlst zwar deines Herzens Sehnsucht, aber
du weisst sie noch nicht zu deuten. —
Verhalten, wie in einer unberührten Saite, birgt
sich in dir dein eigener Klang; aber nur
wenn mir du dich einen willst, wirst du dich
selbst zum Erklingen bringen können. —
Ein neuer Ton wird dann dem All erklingen
und du wirst dich in Allgewalt vernehmen —
mir geeint — in deinem eigenen
Ich! — — —
14 Worte des Lebens
— Möglichkeit
zu solchem Mich-verschwindenlassen hin‐
ter meinem Zeitlichen bot diesem ja immer
der glückhafte Zustand, daß in meiner
Selbstbezeichnung „Ich” ebenso mein ir
disch Vergängliches wie mein urewiges
substantielles geistiges Sein sich ausspre‐
chen kann, da sie ja allem mich ewig Dar‐
bildenden wie allem mir nur auf Zeit
dauer Eigenen dient.
171 Briefe an Einen und Viele
Wenn sowohl in der mittelalterlichen als
auch in der so viel älteren orientalischen
Mystik die Abkehr vom „Ich”, ja das innere
Auslöschen des „Ich” verlangt wird, so
darf ich gewiß von mir sagen, daß es wohl
kaum einen „Mystiker” auf Erden gab,
der mit solcher Bestimmtheit von sich wis‐
sen konnte, daß dieses vergängliche „Ich”
in ihm bis auf den letzten Funken ausge‐
brannt sei, wie ich das von mir — aus mei‐
nem bewußten ewigen Geistigen her ge‐
sehen — unumstößlich weiß. Sage ich also
in meinen Lehrtexten dennoch, daß der
Weise „Ich” ist von Grund auf, und daß
alles in ihm untertan ist seinem „Ich”, so
liegt doch wohl zutage, daß ich mit dem
gleichen Worte etwas Anderes meine als
die erwähnten „Mystiker”. Ich rede viel‐
mehr: — vom Entgegengesetzten, — von
der ewigen, aus dem ewigen Geiste stam‐
menden Urgestalt, deren verzerrte tier‐
heitsbestimmte Vortäuschung allein jene
Meister der Mystik meinen. Ich warne
wahrhaftig nicht vor der Verachtung dieser
Maske, die sich „Ich” nennt! Leider ge‐
nießt sie ja in aller Welt und unter allen
Völkern ein solches Ansehen, daß fast
keiner, der sie mit sich identifiziert
noch merkt, wie er damit nur sein
wirkliches Selbst karikiert. Kein Wunder,
daß nur so wenige Menschen das Trugbild
fahren zu lassen willens sind, wie das un‐
erbittliche Voraussetzung für das Bewußt‐
werden in der geistigen Urgestaltung
„Ich” ist! Man hat sich im selbstgeschaf‐
fenen Trugbilde seines ewigen „Ich” viel
zu lieb, ist viel zu sehr von seiner tatsäch‐
lich vorhandenen irdischen Geltung, von
wirklicher oder vermeintlicher, diesem
Trug-Ich zugedachter Bedeutung durch‐
drungen, als daß man sich noch dazu
überreden möchte, das gekannte, anschei‐
nend so Sichere dahinzugeben um eines
vermeintlich so Unsicheren willen, wie der
eigenen ewigen Urgestaltung „Ich”. —
.Keiner weiß mehr, daß das, was er im
Begriff und Wort „Ich” zusammenbündelt,
nur ein irdisch Angenommenes ist, das ihm
nur darum anzunehmen möglich wird,
weil die ihn durchlebende geistige Urge‐
staltung „Ich” das ihm unbewußte Vor
bild abgibt, dem er die seinen irdischen
Neigungen am meisten entsprechende Dar‐
stellung seiner selbst in sich gegenüber‐
zustellen sucht und so seinen täuschenden
„Ich”-Begriff sich selber suggeriert. —
.Das zum ersten Erkunden seiner Umwelt
fähig gewordene Kind weiß noch nicht, was
das ist, wenn eine Stimme in seiner Um‐
welt „Ich” sagt. Es ist sich selbst noch „Um‐
welt”, in der offenbar, wie ihm seine kleine
Alltagserfahrung zeigt, alle Dinge mit ge‐
wissen Lautverbindungen zusammenhän‐
gen. So hört es denn auch eine bestimmte
Lautegruppe immer mit seiner Selbstäuße‐
rung in Verbindung gebracht und lernt
seinen „Namen” in seiner Umwelt genau
so mit sich identifizieren, wie das auch
einem jungen Tiere gelingt, das in Men‐
schennähe lebt. Will das Kind aber, — das
ja vor allen Tieren die Möglichkeit einer
differenzierten Sprache voraushat, — sich
selbst bezeichnen, so nennt es das Stück
seiner Umwelt, das es für sich selber ist,
indem es den immer wieder dafür gehörten
Namen” sagt. Erst viel später lernt es
dann auf mechanische Art durch Nachspre‐
chen: — „Ich” sagen und dann auch all‐
mählich begreifen, daß das scheinbar der
Allen gemeinsame „Name” ist, wenn sie
von sich zu sprechen haben. Sagt das Kind
nun aber fortan auch zu sich selber: „Ich”,
so ist doch der Umfang und die Tiefe sei‐
nes Bewußtseinsinhaltes dadurch in keiner
Weise verändert, wenn auch den Erwach‐
senen der Gebrauch der ihnen so wichtigen
Selbstbezeichnung bei dem kleinen Wesen
wie ein gewaltiger Fortschritt erscheint.
.Für den heranwachsenden, wie später
für den erwachsenen Menschen, bedeutet
all seine Lebenserfahrung eine mosaikartig
geformte Zusammensetzung von vielem
Einzelnen, das erst „Umwelt” war, bis es
sich dem schon in kindhafter Zeit gebil‐
deten Selbstbegriff „Ich” einfügen ließ,
und falls unter dem vielen Einzelnen auch
der Glaube an eine Bewußtseinsfortdauer
über den Tod hinaus zu dem eigenen „Ich”‐
Mosaik gehört, dann erscheint dem Selbst‐
bewußtsein im „Ich” nichts einleuchten‐
der, als daß alle seine zusammengelebten
Inhalte auch auf „ewige” Dauer Anspruch
haben müßten.
Wenn dann aber doch die abgründige
Naivität dieser Annahme zu Bewußtsein
kommt, dann ist die Erschütterung derart
zerreißend, daß sich aller übrige Selbst‐
bewußtseinsinhalt nicht nur von dem vor‐
maligen Glauben, sondern auch von jeder
Möglichkeit, ihm eine weniger gefahrum‐
drohte Begründung zu finden, in brüsker
oder elegischer Weise löst. Eine Revision
der einzelnen Mosaiksteine auf ihre mög‐
liche Ewigkeitsbeständigkeit hin, und ein
rücksichtsloses Ausmerzen des mit Sicher‐
heit Vergänglichen aus dem „Ich”-beton‐
ten Bewußtseinsinhalt erscheint nicht nur
als unerfüllbare Zumutung, sondern auch
als aussichtslos. Man hat ja jeglichen Prüf‐
stein mitverloren, nach dem man be‐
stimmen könnte, was ewigkeitsgezeugt und
was irdisch vergänglich ist, so daß man nun‐
mehr nur dann noch sicher zu gehen meint,
wenn man unterschiedslos Alles dem Unbe‐
ständigen tellurischer Existenz zurechnet.
.Es ist ein Spottspiel, das von Gläubigen
wie von den ungläubig Gewordenen mit
dem ewigen „Ich” getrieben wird, dem
allein sie zu danken haben, daß sie nicht
nur Tiere, sondern auch „Menschen” sind:
72 Hortus Conclusus
— denn der „Mensch” wurzelt nicht auf
der Erde, sondern im Herzen der Ewig
keit, — im innersten Göttlichen, das in
seinem höchsten Selbstbilde „Mensch” in
sich selber ist! Damit aber, statt des Spott‐
bildes, das ewigeIchder Wirklichkeit
im Erdenmenschen Fleisch und Blut durch‐
dringe, wird vom Ewigen her wahrhaftig
nicht verlangt, daß alles aus dem Bewußt‐
sein schwinde, was nicht „ewiger” Abkunft
ist. Wohl aber muß unerbittlich im Bewußt‐
sein unterschieden werden, was ewiger
und was zeitlicher Inhalt ist. Lange Zeit
braucht es unausgesetzte Sorgfalt, damit
sich nicht morgen womöglich unversehens
das wieder in dem ihm verwehrten Be‐
wußtseins-Innersten: — im „lch”, — er‐
neut einwachse, was gestern ausgerottet
erschien. Es ist, wie wenn man einen mit
Unkraut überwucherten Acker zu einem
geordneten Garten voll edelster Gewächse
umschaffen will. Erst wird der Boden wie‐
der und wieder gepflügt, und rücksichts‐
los unter der Hacke gereinigt werden
müssen, bis er ganz leer wird von allem,
was vorher seine Kräfte saugte. Dann aber,
nachdem man das Neue einpflanzte, wird
es noch langehin eifrige Wachsamkeit ko‐
sten, damit nicht zum wiederkehrenden
Wachstum komme, was ausgerodet wurde,
was aber Vögel und Wind immer wieder
unvermerkt auszusäen wissen.
.Das alles ist kein gedankliches Tun,
sondern Empfindungsarbeit mit der schar‐
fen Pflugschar und dem kräftigen Grab‐
scheit aus unabnützbarem geheimnisvol‐
lem Stahl, der nur in der Glut des innersten
seelischen Fühlens geschmiedet werden
kann... Man läßt aber statt dessen leider
zuerst immer noch die früher vertraut ge‐
wordenen gedanklichen Scheinerkennt
nisse in sich weiterwachsen, und hier ist
auch die Ursache dafür zu suchen, daß viele
von Zeit zu Zeit das Drängen in sich fühlen,
sich für ewig Wirkliches, das nur erlebend
zu erlangen ist, — vorläufig — ein zusam‐
mengedachtes Surrogat zu schaffen, das sie
dann in der Folge am konkreten Empfin‐
den des Wirklichen hindert, zu dem sie
doch vordringen wollen. —
74 Hortus Conclusus
GOTT LEBT IN DER FREUDE, —
NICHT IM LEID!
DES LEIDES SKLAVEN SCHUFEN
SICH DEN „LEIDENDEN” GOTT!
DEIN LEID SOLLST DU DIR
DIENSTBAR MACHEN, DAMIT ES
DEINER FREUDE KNECHT
UND HELFER WERDE!
173 Das Buch der königlichen Kunst
.Alles im Kosmos lebt aus polaren Gegen‐
sätzen.
.Klein und groß, nieder und hoch,
Leid und Freude, Lüge und Wahrheit,
Schwäche und Kraft, — daraus lebt alles
Leben!
.Ohne das Leid könnte die Freude nicht
zu sich selber kommen, denn alles Tren‐
nen und Teilen schafft Leid: — Trennung
und Teilung aber ist vonnöten, damit
Freude sich in allen Formen offenbaren
kann, die ihr unendlichfältig verschiedenes
Wirken braucht, aus dem alles Leben sich
erhält.
188 Das Buch der königlichen Kunst
.Leid und Freude brauchen einander,
aber Leid und Freude bekämpfen auch
einander ohne zum Frieden zu gelangen.
.Leid wie Freude wollen deine Kräfte
an sich ziehen.
.Leid wie Freude wollen durch dich ge
wertet werden.
.Soviel du der Freude Wert beimessen
wirst, soviel Wert entziehst du dem Leid,
— bis es dereinst zum willigen Diener
deiner Freude wird! —
189 Das Buch der königlichen Kunst
.Liebe ist Streben nach Einigung alles
Ent-zweiten!
.Liebe allein zwingt Haß zum Dienste!
.Liebe vereinigt alles Entgegen-ge‐
setzte!
.Aus der Liebe allein kann Wille zur
Freude die Freude zeugen!
.Wille zur Freude ist männlicher Wille,
— er bedarf der Gebärerin: — der
Liebe! —
.Ohne Liebe wäre der Wille zur Freude
wie ein ruheloser Verdammter...
.Liebe erst gibt ihm Ziel und sichere
Richtung.
.Liebe schafft Ausgleich zwischen gegen‐
sätzlichen Polen.
.Liebe ordnet alles Kleine dem Großen ein.
.Liebe einigt Wert und Unwert nach
ewigen Gesetzen in umfassender Einheit.
.Jeder Unwert ist ihr lieb um des Wertes
willen, dem er dienen muss, — denn es
gibt keine isolierten Werte und Unwerte
im Bereich der Wirklichkeit.
.Ungleichen Ranges, bedingen doch Wert
und Unwert immerdar einander.
.Alles was wachsen will, muß Wert und
Unwert zu vereinen streben.
.Alles Lebendige braucht Vereinigung
ungleicher Teile in der Liebe.
.So nur erwächst das Bleibende!
193 Das Buch der königlichen Kunst
.Willst du die Wirklichkeit des Men
schen finden, so wirst du sie nur im Un
sichtbaren, durch dein Unsichtbares er‐
reichen können! —
.Du darfst der Sichtbarkeit zwar vieles,
aber nicht alles glauben!
.Du mußt die Sichtbarkeit als Gegenpol
deines Unsichtbaren erkennen lernen!
.Wir könnten nicht in diesem Dasein
uns erleben, ohne den ins Äußere streben‐
den Willen zum erdensinnenhaften Sicht‐
barsein.
.Unsichtbar wirkender und sichtbar ge
wirkter Wille sind in uns zeitlich vereint.
.Noch nähern wir uns nicht der geist‐
gesetzlich bestimmten Bedingung zu blei
bender Einung beider Willenspole.
.Erlösung vom Zuviel, —
.Ergänzung des Zuwenig: —
nichts anderes ist in Wahrheit der „Tod”,
der unser Unsichtbares aus dem Sichtbaren
löst.
.Nicht mehr gehemmt durch sichtbare
Formen, werden wir dennoch auch in der
Sichtbarkeit leben und wirken: — ein jeder
als Ganzes, bewußt seiner selbst nun aus
dem allewigen Ganzen...
197 Das Buch der königlichen Kunst
.Ruhe und Tat sind in ewigem Wechsel
wie Ebbe und Flut, im ewigen Meere inner‐
sten Geschehens.
.Ewige Ruhe wäre wirklicher Tod!
.Ewige Tat wäre wirkliche Verdammnis!
.Ruhe und Tat in Freude vereinigt,
sind seliges Leben!
200 Das Buch der königlichen Kunst
.„Außen” und „Innen” aber werden dir
zu Einem werden, wenn du dich selbst
erst im Willen zur Freude erkennst!
205 Das Buch der königlichen Kunst
.Im ewigen Urgrund: im ewig sich selbst
und in sich alles Seiende zeugenden Geiste,
— in der Quelle allen Seins und Offenbar‐
werdens tief verborgen, — ruht das My‐
sterium „Mann und Weib”...
.Irdischer Erkenntnis Brücken bauend,
redet man vom „reinen Geiste” als dem
absoluten Sein”, obwohl ein solches,
ewig ruhendes „absolutes Sein”, für sich
allein in sich beharrend, niemals war, nicht
ist, noch jemals bestehen könnte.
.Wer solchen Hilfsbegriff einer Wirk
lichkeit gleichsetzt, der hat seinem Denken
allzusehr vertraut, und ist noch ferne der
Erkenntnis, daß denkendes Erschließen nie‐
mals weiter vordringt, als bis zur Grenze
jener Vorstellungen, die den Gesetzen, denen
sich das Denken fügen muß, noch unter
ordnet sind. —
.Die Wirklichkeit des reinen Geistes aber
ist sich selbst allein „Gesetz”, und un‐
erreichbar bleibt sie allen denkgerechten
Schlüssen! — —
.Sich selbst in sich umfassend, ist „reiner
Geist” von Ewigkeit zu Ewigkeit im Schaf
fen seiner selbst begriffen, — sich selbst
erzeugend und gebärend, — denn reiner
Geist ist: „Mann und Weib”. —
.Mann und Weibim Geiste aber
zeugen und gebären aus der urgegebenen
Selbstdarstellung weiter — anfanglos —
endlos — den Menschen des reinen Geistes,
und sie zeugen und gebären ihn, sich selbst
„zum Bilde und Gleichnis”, — als „Mann
und Weib”, vereint in urgegebener Ein
heit zwiepolaren Wesens...
.Alles was je Erscheinung wurde: — alle
Sonnen und Welten des geistigen, wie des
physisch-sinnlich wahrnehmbaren Kosmos,
alles, alles ist „Schöpfung” dieses, aus dem
Geiste gezeugten, rein geistigen „Men‐
schen”, insofern es „Erscheinung” ist,
— und diese Schöpfung ist daher auch Zeug‐
nis von „Mann und Weib” im ewigen
Geiste. —
.In unendlichfältiger Zahl, — in un
endlichfältiger Individualisierung
wird dieser erste „Mensch” des reinen Geistes
aus Mann und Weib im Geiste gezeugt und
geboren, und jeder einzelne ist ewig
schaffend: — ewig in sich zeugend und
gebärend, — denn er „ist” nur, soweit er
im ewigen Zeugen und Gebären sich dar
stellt, als „Mann und Weib”: — als
männlich-weiblich polarisierte Kraft.
.Was er zeugt und gebiert ist „er selbst”,
ist Sein aus seinem Sein, jedoch in gleich‐
sam „dichterer”, lichtärmerer Form, bis er
endlich, in ferner Weiterzeugung dem ur‐
gegebenen Sein bereits weit entrückt, sich
selbst in bestimmter geistiger „Dichte” als
Erscheinung” zeugt, aus sich gebärend
alle Welten, die sich als Erscheinung offen‐
baren.
.Unendlichfältig ist auch die „Er‐
scheinung” des Menschen der Ewigkeit in
seiner Erscheinungsschöpfung, und jede
einzelne Erscheinungsdarstellung die von ihm
ausgeht, zeugt und gebiert weiter die nächste
tieferstehende Erscheinungsart.
.Es gibt Stufen des „Menschen” im gei
stigen, und selbst im Kosmos physischer
Erscheinungswelten, die dem Erscheinungs‐
menschen dieser Erde — wenn er der
Wahrnehmung fähig wäre — höher erschei‐
nen würden als ein Gott...
.Eine der tiefsten Stufen der Erschei‐
nung des „Menschen” stellt aber der Erden‐
mensch selber dar.
.In ihm hat sich der urgezeugte Mensch
des reinen Geistes einem der unfreiesten
Wesen seiner Erscheinungsschöpfung: — der
Erscheinung des Tieres, verbunden.
22 Das Buch vom Menschen
.Aber auch seinen wahren „lebendigen
Gott findet der Erdenmensch nur schwer,
— denn er hat sich daran gewöhnt, in seinem
Gotte nur den „Mann” zu wähnen, während
sein „lebendiger Gott”: — „Mann ist und
Weib”. —
.Erlösung kommt dem Erdenmenschen
nur, wenn auch das „Weib” in seinem Gotte
wieder zu seinem Bewußtsein spricht...
.„Das Ewig-Weibliche zieht uns hin‐
an”. — —
.Daß er nur „Mann” in seinem er‐
träumten Gotte sieht, ist Schuld, ist Ab‐
kehr von den Kräften urgewollten Seins: —
Verstrickung in das Weiblich-Empfäng
nisbegehrende seines Wesens, — Aufgeben
des Männlich-Aktiven in ihm selbst. —
.Disharmonie muß überall entstehen, wo
„Männliches” und „Weibliches” im Kosmos
nicht vereinigt wirken.
.Nenne „Mann und Weib” getrost auch
mit anderen Namen!
.Immer sind es die beiden gegensätz
lichen Pole, die in ihrer Vereinigung
Leben bewirken!
.Positiv und negativ, aktiv und passiv,
zeugend und gebärend, gebend und emp‐
fangend, ausstossend und einziehend, be‐
wegend und bewegt werdend...
.Und alles dieses verbindet sich in ewigem
Kreislauf, so wie das Weib auf Erden: Mut‐
ter des Mannes, und der Mann: Vater des
Weibes wird. —
.Und kein Gebilde, kein Wesen ist im
geistigen wie im physisch-sinnlichen Kos‐
mos: — auch nichts anscheinend „Reinmänn‐
liches” oder „Reinweibliches”, — in dem
nicht „Mann und Weib” zugleich zu finden
wären, wenn auch in tausendfach verschie‐
dener Amalgamierung.
.„In nichts zerfallen” müßte selbst jedes
Atom”, wenn „Mann und Weib” nicht
ständig zeugend und gebärend in ihm wirken
würden.
.Wie immer der forschende Mensch die
von ihm entdeckten Potenzen im kleinsten
Teilchen der „Materie” benennen mag:
— stets handelt es sich um Formen der
urbestehenden Kräfte „Mann und Weib”. —
.Aber auch deinen „lebendigenGott
wirst du erst dann in dir zu finden hoffen
dürfen, wenn du ihn in dir suchst, so wie
allein er zu finden ist: — als „Mann und
Weib”, — und erst, wenn du in solcher
Weise ihn erfühlend „suchst”, wird er aus
Männlichem und Weiblichem sich in dir
selbst zu jenem ganz aus Licht bestehenden
„Kristall” gestalten können, der dann die
beiden Pole deines eigenen Seins in seiner
zwiepolaren Wesenheit vereinigt. —
28 Das Buch vom Menschen
.Vor allem mußt du damit beginnen,
wenn du „Ich” zu dir selber sagst, nicht
mehr nur das feinere Tier, sondern den
ewigen „Menschen” zu rufen! — —
.„Mann und Weib” mußt du suchen in
allem was in dir und was über dir ist! —
.Magst du Mann sein oder Weib, —
immer wisse, daß du von Ewigkeit her
dich selbst polar bestimmt hast, und daß
diese polare Bestimmtheit auch in aller Ewig‐
keit nicht mehr wechseln kann, — aber stets
den Gegenpol zu sich selbst in sich ver‐
langt. —
.Dein geistiges Männliches darf das
geistig Weibliche in dir nicht unterdrücken
wollen, gleichwie dein geistig Weibliches
nicht das geistig Männliche in dir negieren
darf!
.So nur wirst du dereinst auch im Geiste
wieder deinem urgegebenen Gegenpol ver‐
einigt werden, in der gleichen geistigen Ver‐
einung die dich und ihn zu einer Einheit
band, bevor die Trennung sich vollziehen
mußte durch den „Fall” aus hohem Leuch‐
ten...
.Suche in rechter Weise, so wie ich all‐
hier dich suchen lehre, und du wirst einst
dich selbst als den „Menschen der Ewig
keit” finden!
.In ihm, — in dir, — wirst du über
alle Zwischenstufen empor gelangen, deinem
lebendigenGott vereint, in den Urstand
deines urgezeugten, nur durch eigene Willens‐
wahl für dein Bewußtsein preisgegebenen
Seins: — aus Geist gezeugt, im Geiste
geboren, — „aus Mann und Weibim
Geiste ewig lebend! — — —
.Nicht jeder Erdenmensch gelangt schon
während dieses tierverhafteten Lebens
zum Bewußtsein in der Welt des reinen,
substantiellen Geistes.
.Sehr wenige nur werden jeweils wäh‐
rend ihres Erdendaseins schon in der Geist‐
region der Erde wachbewußt.
.Alle aber können hier schon und
während ihrer Erdentage in sich selbst
ihr ewiges Leben finden! K+  K-
Also wirklich alle? Kein verunmöglichender Grad der Abkehr?
40 Das Buch vom Menschen
.Nur dann, wenn du in dir dein ewiges
Leben gefunden hast und in ihm lebst, wirst
du „vollkommen” sein wie der „Vater”,
der „im Himmel” ist, als ewig Zeugen
der im Mutterschoß ewigen Gebärens:
— Urkraft im Ursein, — „Mann” zugleich
und „Weib”! — — —
42 Das Buch vom Menschen
.In jener höchsten Sphäre geistiger Er‐
scheinungswelt, wo Geistesmenschentum sich
selbst zum erstenmale in Erscheinung
— hier aber immer noch in geistige Er‐
scheinung — zeugt, ist „Mann” und „Weib”
noch eng vereint in urgegebener Einheit
zwiepolarer „Ich”-Empfindung.
.Mit jeder neuen Weiterzeugung aber
werden die geistigen Welten in die dieser
erste geistige Erscheinungsmensch sich wei‐
terzeugt, „dichter” gleichsam und ärmer an
ursprungsgegebenem „Licht”, — doch immer
bleibt noch die engste Vereinung von „Mann
und Weib” in gemeinsamer zwiepolarer Er‐
scheinung.
.In seiner gleichsam „dichtesten” Dar‐
stellung geistiger Erscheinung endlich an‐
gelangt, — nur schwach noch von dem ur‐
sprungsgegebenen „Lichte” erhellt, lernt nun
der Geistmensch dieser, seiner ersten Zeu‐
gung so fernen Bereiche, zum erstenmale die
Welten der physischen Gestaltung kennen.
.Hier aber geschieht es, daß den weib
lichen Pol in ihm eine neue Empfindung:
— die Furcht, befällt.
.Furcht vor den ungeheuren Kräften,
denen der geeinte zwiepolare Geistmensch
bis hierher noch geboten hatte, die er aber
nun in einer neuen Art am Werke sieht, —
ihm selbst so fremd, daß er hier nicht mehr
zu gebieten wagt und damit seine Macht
verliert...
.Doch hinter dem Werke der ihm nun
bedrohlich erscheinenden Kräfte gewahrt
er — eine neue Welt, mit Lebewesen, die
alle aus seiner eigenen Kraft in höchster
geistiger Erscheinung stammen: — die Welt
der physisch-sinnlichen Anschauungs
form, — der physisch sich erlebenden
Erscheinung.
.Furcht vor den nicht mehr zu mei‐
sternden Kräften, und Anziehung, aus‐
gehend von den Formen der physischen
Welt, veranlassen schließlich, daß der weib
liche Pol des geistigen Erscheinungsmen‐
schen nun durch einen Willensakt die
Mauer bricht, die ihn bis dahin noch von
dem physisch-sinnlichen Kosmos schied.
.Zwingend überwältigt ihn das Wissen um
die neuentdeckte Möglichkeit zu ungekannter
Art der Selbsterfahrung, und vor Verlangen
in sich selber erbebend, erfolgt sein Los‐
reißen aus bisheriger Erscheinungsform: —
die Vereinung mit dem Tiere der Erde, —
nicht anders als wie ein Blitzstrahl sich los‐
reißt aus der Wolke um sich der Erde zu
einen. —
.Unzählige „Erden” gibt es im kosmi‐
schen Raum, auf denen der Geistmensch
solcherart nun im tierhaften Körper sich er‐
leben muß: — dem physischen Körper des
Tieres, dessen Reste man auf diesem Pla‐
neten erhalten findet, noch aus Zeiten her
in denen es noch nicht in sich den Geist
menschen trug, auch wenn es jetzt als „Ur‐
mensch” bezeichnet werden mag. —
.Mit der Losreißung aus geistiger Er‐
scheinungswelt und der neuen Bindung an
den Tierleib ist der „Fall” aus hohem Leuch‐
ten endgültig vollzogen.
.Der Geistmensch, der bis hierher „Mann”
war und „Weib”, — in gleicher „Ich”-Emp‐
findung vereint und sich selber stets in an‐
dere geistige Welten weiter-zeugend, — ist
damit nun entzweit, denn in der phy
sischen Erscheinungswelt trennen sich
zwangsläufig die Pole „Mann” und „Weib”
voneinander, da diese Welt nur Bestand hat
in der steten „Spannung” die aus der Ge
trenntheit beider urgegebenen Pole re‐
sultiert.
.Es ist zuerst der weibliche Pol des
geistigen Erscheinungsmenschen, der diesen
„Fall” bewirkt und das Dasein in der Tier‐
form begehrt, — aber in geistigen Reichen
vermag nichts zu verharren, in dem nur
einer der beiden Pole „Mann”, — „Weib”,
wirksam wäre, und so muß der männliche
Pol dem „Falle” gleichzeitig folgen.
.Die Tierform, die der weibliche Pol
sogleich in seinem „Falle” findet, — „ge‐
schaffen” bereits von Geistmenschen frü‐
hester Zeugung, — wird dem männlichen
Pole Zwang, die gleiche Form für sich zu
begehren.
.Da aber die Söhne der Götter sa
hen, daß die Töchter der Erde schön
waren, nahmen sie diese zu Weibern.” —
.(Die Töchter der „Götter” sind hier
bereits zu „Töchtern der Erde” geworden!
— Die Söhne der Götter folgen nach!
— —)
.So etwa läßt sich auf irdische Weise
der ewig sich erneuernde Vorgang schildern,
der den Menschen geistiger Erscheinungs‐
welt zuletzt an die Gestaltung physisch
sinnlicher Erscheinungswelt verhaftet.
.Es ereignet sich nichts anderes als ein
vom weiblichen Pol her zuerst gewollter
Wechsel der Anschauungsform, der so‐
fort die vorher geeinten Pole entzweit und
zerfallen läßt in einen für sich bestehenden
weiblichen, wie einen ebenso nun für sich
bestehenden männlichen Pol, — der Ge‐
schlechtertrennung des Erdenmenschentieres
angepaßt, das nur in solcher Trennung sich
zu erhalten vermag.
.Die Sage vom Paradiese läßt „Eva” durch
„die Schlange” verführt werden und danach
den „Adam” verführen. Mag auch diese
Sage, so wie wir sie kennen, nicht in ursprüng‐
licher Gestalt überliefert sein, so zeigt sie
doch noch deutlich, daß hier ein Erkennen‐
der sein Wissen um einen sich ewig er‐
neuernden Vorgang, in einen zeitgebundenen
Bericht symbolisch verhüllt, der Nachwelt
überliefern wollte, soweit sie seine Sprache
der Symbole kennen würde.
.Wer zu lesen weiß in den Worten dieses
Wissenden, der wird auch die weitere Folge
für „Mann” und „Weib”, in irdischer Tren‐
nung, alsbald durch die Worte bezeichnet
finden, die der Weise den „Herrn” zu
„Adam” und zu „Eva” sprechen läßt, Worte,
die in sehr bedeutsamer Unterscheidung
das Maß der Schuld-Folge verteilen.
.Es ist bei dem stetig sich wiederholenden
Vorgang des „Falles” — in jedem einzelnen
Falle — der seiner Natur nach passive
weibliche” Pol, der zuerst der „Urschuld”
durch Furcht, verfällt, der zuerst den An
ziehungskräften der physischen Welt er‐
liegt.
.Keineswegs ist aber der männliche Pol
etwa frei von Schuld, — etwa nur das
„Opfer” seiner Vereinung mit dem weib‐
lichen Pol!
.„Schuld” des „männlichen” Poles ist
die Aufgabe aktiven Widerstandes im
zwiepolaren gemeinsamen Leben, bei der
Bedrohung des weiblichen Poles durch
Furcht und Anziehung.
.So geschieht es, daß beide Pole ihre
Rolle tauschen: — eine geistige Perversion,
wobei der weibliche Pol aktive, der
männliche aber passive Haltung annimmt,
was den „Fall” in die physische Erschei‐
nungswelt unabwendbar macht.
.Entscheidend als „Urschuld” ist aber
allein der positive Willensakt im weib‐
lichen Pol. —
.Darum, in der Sage vom „Sündenfall”,
der „Fluch”, der die Menschheit trifft im
Weibe”, — der dem Weibe in erden‐
hafter Form körperliche Schmerzen, Ängste
und Nöte verheißt wie sie dem physi‐
schen Tierkörper nicht erspart werden kön‐
nen, und jenen steten Kampf mit der
schillernden „Schlange” physisch-sinnlicher
Anschauungsart.
.Dem „Manne” aber wird nur diese
Anschauungsweise selbst entwertet durch
ihre Verfluchung.
.Ihm wird nur die Mühe und Plage
verheißen, an die das Dasein in physischer
Anschauungsform gefesselt ist.
.Darum weiter, in der Sage, das Wort
des „Herrn” an das „Weib” im Menschen:
.Du sollst dem Manne untertan, und
er soll dein Herr sein!” — —
.Wie oft wurde dieses Wort schon miß
braucht als ein Freibrief zur Unterdrückung
weiblicher Individualität auf Grund der hier
vermeintlich zugestandenen unbedingten
Herrschgewalt des Mannes in der Ehe!
.Aber auch aller lächelnde oder entrü‐
stete Spott kann die große Wahrheit nicht
aus der Welt schaffen, die jener Wissende
nur dadurch bedeutungsvoll genug betont
glaubte, daß er den „Herrn” befehlend
also sprechen läßt zu Mann und Weib. —
.Hier ist wahrlich Anderes zu finden,
als jene wähnten, die sich aus dieser nur
noch leicht verhüllten Wahrheitsoffenbarung
eine willkommene göttliche Bestätigung der
Rechte männlicher Machtgelüste über das
Weib herauszulesen suchten!
.Hier ist der Weg gezeigt zur dermal‐
einstigen Wiedervereinung der beiden ir‐
disch getrennten Pole im Reiche des Geistes,
wie sie nur erfolgen kann durch Auflösung
der geistigen Perversion der Pole, die einst
Vorbedingung des „Falles” war!
.Hier ist auf das geistige Gesetz verwiesen,
das nur des Mannes hier auf dieser Erde
sich bedienen kann, soweit es menschliche
Antennen braucht um die „frohe Botschaft”
des Menschen der Ewigkeit dem im
„Dunkel” irrenden Erdenmenschen er‐
neut vernehmbar zu machen und ihm die
Kräfte zuzuleiten, die er zu seiner Rück‐
kehr in das „Licht” benötigt! — —
.Noch tragen Mann und Weib in dieser
irdischen Erscheinungswelt in sich die letz‐
ten Spuren einstiger Verbundenheit der
Pole.
.Im Weibe dieser Erde lebt noch etwas
wie „Erinnerung”, daß es geistig vormal‐
einst sein „Ich” auch im „Manne”: — in
einem männlichen Pole — fand, und der
Mann dieser Erde kann in sich die gleiche
Spur seiner vormaligen Vereinung mit dem
„Weibe”: — einem weiblichen Pole, —
noch entdecken...
.Alles seelische Vereinigungs-Streben
zwischen Mann und Weib auf dieser Erde
ist nur begründet in dem, was solcherart
noch im Manne vom Weibe, und im Weibe
vom Manne weiß. —
.Selbst die unerhörte Macht der in tier‐
hafter Leiblichkeit gegebenen sexualen
Anziehung bestimmter Individuen der bei‐
den Geschlechter würde im Menschen der
Erde nicht zu ihrer Auswirkung kommen
können, wären die hier in Betracht kom‐
menden seelischen Widerstände nicht bis
auf minimale Reste ausgeschaltet durch
ein seelisches „Erinnern”, — ein letztes
Erahnen — ehemaliger polarer Verei
nung. —
.Kein seelisches „Verstehen” zwischen
Mann und Weib im Erdenkörper wäre mög‐
lich, ohne das, was noch im Weibe weiter
wirkt aus seiner einstigen Vereinung mit
dem Manne her, — und ohne das was noch
im Manne an Auswirkungen des ihm einst‐
mals vereinten weiblichen Poles erhalten
ist. — —
.Nicht alle „Menschen” geistiger Er‐
scheinungsform sind dem „Falle”: — der
Ent-zweiung, — erlegen.
.Von den Nicht-Entzweiten, die in der
geistigen Region der Erde leben, — den
Nichtgefallenen, — geht immerfort er‐
neut der glühende, liebegeleitete Rettungs‐
wille aus, der nur das eine Ziel kennt: —
die in physisch-sinnliche Erscheinungsform
Gefallenen zurückzuführen in den geistigen
Urzustand.
56 Das Buch vom Menschen
.Der hohe Weg des Weibes, der aber nicht
nur ausschließlich dem Weibe vorbehalten
bleibt, ist solcherart ein indirekter Weg,
führt jedoch ebenso wie der nur wenigen
erreichbare direkte Weg des Mannes einst zu‐
rück zu geistiger Vereinung von „Mann”
und „Weib”, und damit zu selbstbewußtem
Leben in den Welten geistiger „Erschei‐
nung”, die weit höher liegen als das „Jen‐
seits”, — in dem sich jeder Menschengeist
— auch ohne jedes Streben — sogleich nach
dem Tode seines irdischen Körpers findet: —
jenseits der Anschauungsform physischer
Außen-Sinne.
64 Das Buch vom Menschen
.Auch jene heiligen Frauen, die einst dem
Meister dienten, den die Evangelien schil‐
dern, fanden erst nach vollbrachtem Erden‐
leben in ihm den Helfer, der ihnen das Reich
des Geistes eröffnen konnte, nachdem er
selbst den Erdenkörper verlassen hatte.
.Vorher „erkannten” sie ihn nicht und
hielten ihn für den „Gärtner” irdischer
Gärten...
65 Das Buch vom Menschen
.Erst wenn das Weib der Erde wieder
frei von dem voreinst erstrebten Erden‐
körper wurde, — nach einem Erden
leben, das darauf gerichtet war, das
Sein im Geiste später wieder zu er
reichen, in geistiger Gestaltung und mit
wohlgeeinten Seelenkräften, erfüllt von sei‐
nem „lebendigenGott, — — erst dann
darf es erwarten daß ihm ein Meister nahen
kann in geistiger Gestaltung, der ihm zu‐
rückerstattet, was es einstmals als weiblicher
Pol des Geistesmenschen dort zurücklassen
mußte, wo die Paralysierung seiner Kraft
erfolgte durch die Verkehrung seiner Stre‐
bensrichtung...
.Dann aber wird es mit Sicherheit auch
seinen geistigen Gegenpol zu finden ver‐
mögen, mit dem es voreinst vereint war und
nun ewig aufs neue vereint wieder den
„vollendeten” Geistesmenschen darstellt, —
sich selbst in seinem „Ich” bewußt emp‐
findend und zugleich, im selben „Ich”,
seinen männlichen geistesmenschlichen Ge‐
genpol.
68 Das Buch vom Menschen
.Der „Weg des Weibes” ist wie der des Man‐
nes ein Weg zurück zum Urstande in der gei
stigen Erscheinungswelt, bevor der Mensch
seine geistigen Sinne in die physischen
Sinne des „Tieres” versenkte und sie auf
solche Weise unfähig machte Geistiges noch
wahrzunehmen.
71 Das Buch vom Menschen
.Alles Geistige, was dem Manne erreich‐
bar ist, wird dermaleinst durch den Mann
auch dem Weibe wieder erreichbar.
.Es zieht alsdann der männliche Pol
des geistigen Menschen den weiblichen
nach, gleichwie ehedem der weibliche Pol
den männlichen nachzog in das Leben
physisch-sinnlicher Anschauungsform...
74 Das Buch vom Menschen
.Der Mann allerdings, der einmal wirk‐
lich erfaßte, daß es schon bei den ersten
Schritten auf seinem geistigen Wege das
Geistig-Weibliche ist, das ihn hinanzieht,
— das über höchste geistige Hierarchien bis
herab zu seinen erdenmenschlichen geistigen
Helfern flutet um ihn zu erreichen, — der
ist gewiß gegen die Gefahr gesichert, sich
als Mann für höherwertiger zu halten als
das Weib...
.Er wird dem Weibe geben, was des
Weibes, und dem Manne, was des Mannes
ist, — wissend, daß der Mensch der gei
stigen Erscheinungswelten, nur dann er‐
neut erstehen kann in bleibender Vollendung,
wenn Männliches und Weibliches sich der‐
einst wieder eint zu einem Geisteswesen,
in dem er alsdann sich selbst und sei
nen Gegenpol erlebt in seinem eigenen
Ich”. —
82 Das Buch vom Menschen
.An jenem Ziele dann, das allen hier
auf Erden schon erreichbar ist, die ernst‐
haft und beharrlich es erreichen wollen:
denlebendigenGott im eigenen
Herzen, — werden Mann und Weib zuletzt
von den höchsten Kräften mitgerissen, die
jene Wenigen zu jeder Zeit durchströmen,
deren sich göttliche Liebe bedient um empor‐
zuleiten was nach Licht verlangt und nach
Befreiung aus der Chaos-Nacht ungewissen
Willens.
.Sicherer als Lehre in Wort und Schrift
es jemals vermöchte, werden alle ehrlich
Suchenden von jenen Welten klaren Lichtes
her geleitet, die aus allen hier auf Erden
Lebenden allein die Meister kosmischen Er‐
kennens mit Bewußtsein, wissend und aus
solchem Wissen handelnd, zu betreten fähig
sind noch während ihrer Erdentage. —
.Dereinst erlöst aus irdischer Gebunden‐
heit werden „Mann” und „Weib” in der
vollkommensten Erhaltung individueller
Eigenart, — in ausgeprägter polarer Ver‐
schiedenheit als zwei in sich geschlossene
Geisteswesen, — dennoch in einem ein
zigenIchvereinigt sein, da sich im
neugeborenen Geistesmenschen dann beider
Sonder-„Ich” restlos „deckt”, und jedes
Einzel-„Ich” zugleich das „Ich” des Gegen‐
pols in sich empfindet wie sich selbst. —
.Was Zwei war und ent-zweit, wird so
in einem Dritten, als ein neugeeintes Gei‐
steswesen das aus „Mann” und „Weib”
besteht, durch alle Ewigkeit verbunden
bleiben. — — —
86 Das Buch vom Menschen
.Es gab so manchen, der sich in der
Liebe glaubte, weil er nicht hassen konnte.
.Doch dieses Unvermögen ist noch lange
nicht Gewähr dafür, daß man die Liebe
kennt!
.Haß ist der Gegenpol der Liebe, ist
die gleiche Kraft in ihrer Umkehr, —
und wer nicht fähig ist, zu hassen, obwohl
er längst erkannte, daß nur Torheit sich
dem Haß ergibt, der wird auch niemals
diese Liebe in sich finden, von der Paulus,
wahrhaftig ein Liebender, zu sagen wußte:
.Wenn ich mit Menschen- und
Engelszungen redete, und hätte die
Liebe nicht, so wäre ich gleich einem
tönenden Erz oder einer klingenden
Schelle.” — — —
10 Das Buch der Liebe
.Wohl ist alles Leid dieses Erdenlebens
in höherem Erkennen nur als Lüge zu
werten und als trüglicher Schein; allein:
es gibt keine Lüge, die nicht zuletzt der
Wahrheit dienen müßte, und so auch
muß das Leid, das diese Erde überreich‐
lich aus sich selbst erzeugt, zuletzt denn
doch der Freude noch zum Sieg verhelfen.
8 Das Buch des Trostes
.Sie wußten zu leiden, so wie sie der
Freude sich hinzugeben wußten.
.Sie wußten, daß alles Leid nur der
Freude Bedingnis und Unterpfand wird,
sobald nur die Leidempfindung erlöst
wird aus der Lüge und dem Reich des
Scheins. —
.Du kannst das Leid gewiß nicht aus dei‐
nem Erdenleben tilgen; allein dein Emp
finden kannst du wandeln und also auch
das Leid entwerten, denn alles Leid ist
nur dir dargeboten, damit durch dich es
die Ent-wertung finde. —
.So erst wirst du aus einem Sklaven des
Erdenleides sein Herr und Bezwinger
werden!
.So nur wirst du das Leid auf solche
Weise erleben, daß es dich fördern muß,
obwohl es vorher dich zu vernichten
drohte! —
9 Das Buch des Trostes
.Du bist des Leides Lüge noch allzu‐
sehr verhaftet, und sie lehrt dich hegen
dein Leid, so daß du unwillig wirst, wenn
man dir die Freude zeigen will, die eben‐
so in Dauer steht, wie alles Leid in Ver
gänglichkeit. —
19 Das Buch des Trostes
.Die gleiche Macht wirkt in dem 'Leuch
tenden' und in seinem Gegenpol, dem Herrn
der Finsternis, und dieser Herrscher des
Abgrunds, erfüllt von Vernichtungswillen,
besitzt nur seine Macht, weil er sie einst erhielt
als — 'Leuchtender' — — — — — — —
.Durch seinen Fall aus dem 'Leuchten' ist er
einer der 'Brüder des Schattens' geworden.
.Dies ist die Wahrheit an dem, was man dir
erzählte, und auch in den Ländern des
Abendlandes gibt es unzählige Menschen,
die nicht ahnen, dass sie nur Marionetten
dieser grossen Vernichter sind, — ganz
deren grossem geistigen Einfluss hingegeben. —»
17 Das Buch der Gespräche
.Ein einziger positiver Wert kann
die Fülle aller vorhandenen Fehler
und Mängel überwiegen!
.Die Sage erzählt, daß Sodom vernichtet
wurde, weil die Sünde seiner Tausende
ihm zum Verderben gereichte, aber — um
zehn Gerechter” willen wäre die ganze
Stadt gerettet worden...
104 Wegweiser
.Gewiß kann der Wille, besonders in seiner
höchsten Potenz: als Imagination, als
Einbildungskraft wirkend, im Menschen
wahre „Wunder” vollbringen, und das gilt
auch hinsichtlich der Freimachung jener
Heilkräfte, die als automatisch wirksame
Ordner in jedem menschlichen Organismus
vorhanden sind, aber durch die leiseste
Einrede der Gedanken schon gelähmt
werden, so daß alles darauf ankommt, wie
man am besten die Fesselung durch solche
Gedanken-Einrede entferne.
.Darüber hinaus aber handelt es sich hier
— wie bei allen Bekundungen der Lebens‐
kräfte — um ein Wirksamwerden zweier
Pole, deren einer im triebhaften Willen
der Zellen des erkrankten Organismus zur
Entartung, deren anderer im geistigen
Willen (nicht „Wunsch”!) zur Gesundung
zu finden ist.
.Bei der Selbstheilung ist es unum‐
gängliche Voraussetzung, daß der Kranke
seinen Willen zur Gesundung objek
tiviere; ihn gleichsam sich selber „fremd”
mache, damit die nötige Spannung ent‐
steht zwischen dem organhaften Willen
zur Krankheit und dem geistigen Willen
zur Gesundung.
.Das ist nicht immer ganz leicht und zu‐
weilen fast unmöglich, während die An‐
forderungen an den Kranken auf ein letztes
Minimum herabgesetzt werden, sobald der
geistige Wille zur Gesundung: — zur Ord
nung des im Organismus Ungeordneten
— wenigstens zu Anfang, von außen her
auf ihn einwirkt und durch Influenzwir‐
kung seinen eigenen geistigen Willen ent‐
sprechend zur Tätigkeit anregt.
.Dieser äußere geistige Wille kann ein
Kollektivwille sein, wie er an Wallfahrts‐
orten z. B. in Wirksamkeit ist, — er kann
aber auch von einer einzelnen Persön
lichkeit ausgehen und ist alsdann bedingt
durch die einwohnende Kraft dieser Per‐
sönlichkeit, solchen „heilenden” Willen auf
Andere übertragen zu können. —
131 Wegweiser
.Haß aber ist nur die Form ohnmäch
tiger — ihrer Macht nicht bewußter —
Kraft: der gleichen Kraft, die als Liebe
ihre Selbsterlösung findet. — —
.Wer Haß noch hassen kann, der hat
die Liebe noch nicht erkannt! Wer aber nie‐
mals hassen konnte, der wird auch nie‐
mals lieben lernen.
In dunkeln, urweltlichen Abgrundtiefen an‐
kert die Kraft, die sich in göttlicher Gestalt
als Liebe offenbart, und bildet alldorten
ihren Gegenpol: den Haß.
.Haß und Liebe sind eines Wesens, so
wie die Wurzel eines Weizenhalmes eines
Wesens mit der Ähre ist, die dem Menschen
krafterfüllte Nahrung gibt.
.Wie aber zwischen Wurzel und Ähre so
mancher Halmknoten liegt, so liegt auch man‐
cher Zwischenzustand auf dem Wege,
der, vom naturgegebenen, niederen Trieb zum
Hasse, hinführt zu der Götternähe der
gleichen Kraft, — zur Allgewalt
entfaltenden Liebe. —
.Keiner dieser Zwischenzustände darf
„übersprungen” werden, wenn ein Mensch in
Wahrheit die Kunst der Liebe üben lernen
will. — —
Vielleicht bist du erst auf einer dieser Zwi
schenstufen angelangt?
.Vielleicht bist du zu wahrhafter echter
Liebe noch nicht fähig? —
.Gräme dich darum nicht und suche nichts
zu erzwingen!
.Bitte vielmehr in dir selbst um die hohe
Gnade, daß sich die Kraft, die dir noch zu
hassen befiehlt, in Bälde in ihrer leuch‐
tendsten göttlichen Form — als Liebe
offenbaren möge!
.So allein kannst du die Macht der Liebe
einst wahrhaft in dir erfahren, und dann
wirst du gewiß den Haß, die niedere Ge‐
walt der gleichen Kraft, in dir nicht mehr
kennen, dann wirst du aber auch den Haß
nicht mehr hassen können. — —
71 Das Mysterium von Golgatha
.Die magischen Riten der alten Kulte
sind wahrlich von Weisen geformt, die um
die Gesetze alles geistigen Geschehens wuß‐
ten.
Hier waren Wirkende am Werke die im
Geisteslicht erkannten, daß der Mensch mit
beiden Füßen fest auf dieser Erde Boden
stehen müsse, wenn er mit weitgespreiteten
Armen himmlische Gestirne in die Macht
seiner Hände zwingen wolle...
Gleichweit entfernt von selbstgeschaffener
Ekstase wie von jenem engen, erdgebundenen
Blicke der sich über seine nächste Umwelt
nicht erheben kann, erlebten sie im Innersten
die unvergleichliche hohe Einung aller
Seelenkräfte, die alles Äußere ins Innere
bringt und die kein «Außen» kennt, das nicht
der sichtbarliche Ausdruck innersten Ge‐
schehens wäre. —
So wußten sie ein äußeres Tun zu formen,
das Allerinnerstes erreichen mußte, um
durch dies Allerinnerste das Äußere zu
wandeln.
Den geistigen Gesetzen untertan, suchten
sie Menschen und Dinge aus erdenhafter
Bindung zu erlösen.
Sie lehrten äußere Kräfte so gebrauchen,
daß Allerinnerstes, durch sie zur Wir
kung angeregt, die Banden sprengte,
die anders nicht zu lösen waren.
Selbst hohe Magier, lehrten sie Magie
der göttlich höchsten Art und wurden
so zu Erlösern ihrer im Tiere schlafenden
Brüder.
Nicht jene irdische Erkenntnis wollten sie
vermitteln, die, als Frucht des Denkens,
zwar hohe Werte fördern, aber nie zu
geistigem Erwachen tauglich machen
kann.
Ihr Wirken galt dem geistigen Erkennen,
dem jene Dinge sich entschleiern müssen,
die nie dem Denken sich enthüllen kön‐
nen, da sie dem Schein entrückt, als letzte
Wirklichkeit im Sein allein sich finden. —
57 Kultmagie und Mythos
Alles aber, was zu dieser irdischen Er
scheinungswelt gehört, ist jenes «Außen»,
dem ein Innerstes entspricht, das nie im
Denken zu erreichen ist, da alles Denken,
mag es sich auch noch so hoch erheben,
Funktion bleibt der Erscheinungs
welt, in ihr beschlossen und verhaftet, mag
auch der Gegenstand des Denkens an
sich selbst hoch über aller irdischen Er‐
scheinung liegen. —
Als Material des Denkens ist des Gegen‐
standes vages Abbild nur gegeben. Er
selbst bleibt wo er war und kann dem
Reiche irdischer Erscheinung niemals sich zu
eigen lassen.
.Der Denker kann nicht Dinge letzter
Wirklichkeit erfassen.
Er setzt für sie Gedanken, die als Ge
bilde der Erscheinungswelt in ihr be
schlossen bleiben. — —
Auch alle Geisteswelten sind Erschei
nungs-Welten, wenn auch von weit subli‐
merer Art als die Erscheinungswelt der kos‐
mischen Materie.
Und auch in ihnen kann das Denken nie
das Innerstedie letzte Wirklich
keit — erreichen. —
Wohl ist das Denken dort an geistige Or‐
gane nur gebunden und so mannigfacher
Hemmung frei, die irdische Gehirne fesselt.
Allein auch jene geistigen Organe sind nur
Teile geistiger Erscheinungswelten und
was sie fassen können, bleibt in geistiger Er‐
scheinungswelt beschlossen.
Soll aber letzte Wirklichkeit der sicheren
Erkenntnis sich enthüllen, dann gibt es nur
ein Inne-Werden dessen, was es zu erkennen
gilt!
Nur im Erleben ist die letzte Wirklich
keit zu fassen! — — —
.Es ist dies ein Erleben, das, der Kraft
nach, über allem Denken steht, der Art
nach aber jenseits allen Denkens. —
Solches Erleben zu bewirken lehrten die
hohen Meister vorgeschichtlicher Tage einst
die reine Magie, die sie im Kulte zu ver‐
ankern suchten.
Es wurde jene Kultmagie der Welt gege‐
ben, die sich noch jetzt in letzten Resten auf
der Erde findet...
60 Kultmagie und Mythos
.Jeder Mensch jedoch ist eine völlig ein
zigartige Emanation des mit Individualisie‐
rungswillen „geladenen” ewigen Geistes,
männlicher oder weiblich-polarer Span‐
nung, — obgleich im Manne auch Weib‐
liches und im Weibe Männliches lebt, —
und ein Mensch, der hier auf Erden seinen
Lebensweg vollendet hat, kehrt unter nor‐
malen Umständen niemals als ein späterer
Mensch auf die Erde zurück.
124 Mehr Licht
Gegensätzliche Auffassungsarten mögen in
Ruhe so lange bestehen bleiben, wie sie
vonnöten sind, und man maße sich nicht
hier ein Richteramt an, wo höchste gei‐
stige Leitung allein das Gegensätzliche
zu seiner Zeit zu vereinen fähig ist.
241 Mehr Licht
.Es scheint dir seltsam, daß dir Allerinnerstes im Ursein erschlossen
wird, während das Äußere dir unfaßbar bleiben soll?
.Aber besinne dich auf dich selbst und vergiß nicht, daß du hier in
deiner Urheimat bist, aus der du dich vor Aeonen selbst hinaus in
die Fremde drängtest, obwohl dir bewußt war, daß du dort draußen
nur in Wirkungen dich bezeugen solltest und nicht in deiner ureigensten
Wesenheit! — —
.Deine eigene Größe hat dich einst zu Fall gebracht! — — — —
.Auch heute noch kannst du aufs neue dem Falle erliegen und so deine
dauernde Rückkehr ins Licht um Aeonen aufs neue verzögern. Selbst
Seelen, die das gleiche Gelöbnis gegeben hatten, das als freigewählte
Bürde auch auf meinen Schultern liegt, sind schon solchem neuen Falle
in die Finsternis erlegen, wenn sie ihrer eigenen Größe nicht gewachsen
waren. —
.Darum ward dir meine Leitung, auf daß du dich nicht verleiten lassen
mögest...
.Hier im Innersten wird dir allein dein «Reich» erstehen, damit du
erneut ins Äußere zu wirken weißt!
.Hier wirkst du dann dereinst aus der gleichen Kraft, der alles Äußere
entstammt, aber im Äußeren würdest du nur abgeleitete Kräfte finden, die
dort dir zu mächtig sind, weil du dort nicht in deiner Lichtkraft dich offen‐
baren kannst. — — —
.Alles im unermeßlichen «Raum» ist nur an seinem, ihm vorbehaltenen
Ort seiner eigenen Macht und Kraftbezeugung gewiß, und in seiner Fülle
kann es sich an keinem anderen Orte entfalten...
.Das Urlicht selbst ist nur in sich selber mächtig, obwohl das ganze
unendliche All aus ihm entströmt! —
.Je weiter entfernt von dieser einen, alles gebärenden Urfeuersonne,
desto mehr verlieren die aus ihr entströmenden Kräfte die Ähnlichkeit
mit ihrem Sein, bis sie schließlich im Alleräußersten sich zum Gegen
Sein gestalten. —
.Nur hier im Innern dieser unermeßlichen Kugel sind wir noch in wahr‐
haft «göttlichem» Sein!
.Sobald wir wieder in jene Weltsysteme untertauchen, um den Erdball
dort zu erreichen, sind wir, dem Äußeren nach, diesem «göttlichen» Leben
entrückt, und nur im eigenen Innersten vermögen wir es uns zu erhalten...
.Wohl wird auch das Äußerste von göttlicher Geisteskraft durchdrungen,
allein: dort ist sie nicht in ihrer Macht, und nur die im Innersten erwacht
sind, können sie noch in sich finden. — —
.Wenn dir trotzdem auf Erden die äußere Natur schon voll «göttlicher
Wunder» erschien, so bedenke, daß auch das Äußerste aus dem Innersten
stammt, und daß es trotz allem Gegen-Sein noch die äußersten Spuren
seines Ausgangs aus dem Urlicht zeigt!
.Dort im Äußeren aber werden dir die Hände gebunden sein, denn dort
sind die Kräfte des Gegen-Seins an ihrem Ort und so allein in ihrer
Macht. — —
.Du mußt stets vom Innersten deines Innern her diese hohe Licht
region erreichen, wenn du dort, im Äußeren, auch nur in geringen
Dingen jene Gegenkräfte meistern willst; doch niemals kannst du sie
restlos bezwingen.
.Fakire und machtbegierige Adepten der Magie haben es anders ver‐
sucht, indem sie gewisse Formen jener Kräfte des Gegen-Seins in
langem Mühen sich dienstbar machten, aber noch keiner ist je auf Er‐
den gefunden worden, der nicht zuletzt mit all seinen Künsten elend
zerschellen mußte. —
.Die göttlichen Magier aller Zeiten haben immer nur von hier aus ge‐
wirkt, aus den Kräften göttlichen Seins, die uns hier umgeben, und wenn
die Sage sie zu «Wundertätern» werden ließ, so hat sie doch gerade die
wirklichen «Wunder», die sie wirkten, nicht erkannt, denn diese echten
«Wunder» sieht das Menschenauge nicht, und ihre Wirkung, die es wahr‐
lich sieht, wird nie die wahre Ursache enthüllen.
.Hier sind die Zeichen aufzufinden, die jeder, dem die göttliche Magie
zu eigen werden soll, gebrauchen können muß; aber niemals wurden diese
Zeichen von denen gefunden, die in ihrer Gier nach Macht nach dem
Rufe eines Wundertäters lechzten. —
.Hier an diesem heiligen Ort sollst du erfühlen lernen, was dir diese
Zeichen sagen wollen.
.Hier mußt du wahrhaft heimisch werden, wenn dir deine Heimat ihre
Schätze anvertrauen soll!
37 Welten
.Urewige Emanation der Urfeuersonne ewiger Liebe spricht sich selbst
in ewigem Werde-Willen aus, wird sich selbst zu rhythmisch geballter
Bewegung, wird zum Ur-Wort, das alles Werden aus sich selbst hervor‐
spricht, geordnet nach innewohnendem Maß, nach innewohnender
Zahl!
.Das Wort der Sprache des Menschenmundes ist nur fernster Ausklang
dieses «Wortes», das «bei Gott» und das Gott ist von Ewigkeit zu
Ewigkeit! —
.Der Weise spricht von einem «Anfang», der immer war und ewig sein
wird!
.Hier taucht vor deinem geistigen Auge dieser «Anfang» auf, und das
«Wort» offenbart sich dir in Rhythmus und Farbe, in Form und Klang
als erster Ausdruck des ewigen Willens zur Gestaltung.
.Fühlend verweile und suche in dir selbst, in deinem Allerinnersten,
dieses Urwortes tiefstes Sein zu erleben, aus dem alles wurde, was je
geworden ist, aus dem alles werden wird, was je werden kann! — — —
*
.Als «LUX IN TENEBRIS...», — als Licht in der Finsternis, spricht
sich selbst dieses Urwort aus in die unermeßlichen Tiefen des «Rau‐
mes» — erste Ur-Form gestaltend aus sich selbst, und in Schauern ei‐
genen Selbsterfassens baut es sich hier schon seinen Altar der Anbe‐
tung...
.Urträchtig zeugende Gestaltung steht wie ein Priesterchor voll Ehr‐
furcht um diesen Altar, in erster Seinsgestaltung kristallisiert, noch starr
gebunden, und dennoch schon ein stummes Beten...
*
.Doch hier ist kein Verharren im Gewordenen möglich, und alsbald
siehst du, wie sich aus erster Form der Formenfülle ewige Zeugung
ausergießt, wie immer neue Formung sich gestaltet, wogt und ineinander
sich verschlingt, bis aus der Fülle immer lichter sich das Kleinod hebt,
in dem das «Wort» sich selbst in der von ihm gesprochenen Welt erkennt
und formhaft faßt. — —
.Und wie es nun inmitten seiner Formung sieghaft leuchtet, erhebt sich
allzugleich der Jubelchor der ersten Schöpfung durch alle Geistes-Sphären.
.«TE DEUM LAUDAMUS...» — Dich Gott loben wir — erklingt der
Hymnus der Form durch die erstgeschaffene Welt des Geistes, und alle
Himmel sind erfüllt von hehrer Anbetung...
.Hier ist das «Wort» in seiner Schöpfung «Ich» geworden, und alle Geistes‐
form erkennt in ihm ihres Daseins Grund in jubelnder Verzückung. —
.Das Reich des reinen Geistes ist erstanden, um in seinen Formen ewig
in sich selbst zu kreisen.
.Das Ur-Wort wirkt sich aus in seiner innersten Erfüllung!
*
.Noch aber ist sein schöpferischer Werde-Wille hier in diesem Licht‐
kreis nicht am Ende seines Wirkens. —
.Auch dieses Reich der innersten Erfüllung ist schöpfungsträchtig ge‐
blieben und zeugt weiter im ewigen unermeßlichen «Raum», — zeugt
selbst sich seine Grenzen und schafft die Gegenwirkung ewigen «Raumes»,
ewiger Zeit. —
.Was im innersten Reiche des Geistes Eines ist — hier wird es nun zur
Zweiheit, und vor deinem geistigen Auge siehst du gleichsam eine kos‐
mische Werkstätte erstehen, in der die ungeborene Kraft des Geistes
formend baut, was Vorbedingung jener Weltsysteme ist, die uns wie ferne
Nebel hier in diese lichte Kugel schließen: — hier wird in schaffendem
Gestalten RAUM UND ZEIT der äußeren Weltgefüge! — —
.Dem ewigen «Raume» nicht mehr gleich und dennoch seine Gesetze in
sich bergend...
.Nicht mehr der «Raum» des Geistes, der seine Zeit in sich beschließt,
wird dieser neu geschaffene Raum die Zeit erst aus sich selber bilden. —
Während du selbst hier den ewigen «Raum» durchdringst, wie du von
ihm durchdrungen wirst, wird dir dieser zeitgebärende Raum an allen
Orten Grenzen setzen! —
.Während dein geistiges Auge hier in diesem ewigen «Raum» in einer
Weise zu sehen vermag, als wäre es selbst eine unermeßliche Kugel,
die alles in sich enthält und zugleich von allen Seiten sieht, wirst du
dort nur von innen nach außen sehen können und stets nur von einem
Punkte aus wahrzunehmen vermögen. —
*
.Nun beginnt erst die zweite Schöpfung, — gleichsam der Nachhall des
«Wortes», das die erste aus sich gebar!
.Wie ein unermeßliches Meer dehnen sich die Wogen der äußersten
Finsternis — doch: «der Geist Gottes schwebt über den Gewässern» und
sein schimmerndes Strahlenlicht voll Kraft und wirkender Gewalt senkt
in ewiger URZEUGUNG Werde-Willen in das Meer der Finsternis.
.Magische Urzeichen werden zu Formen äußerer Welten, und bald wird
deinem geistigen Auge die Finsternis sich lösen.
*
.WELTENKEIME siehst du erstehen in einem Domgewölbe wirkender
Kräfte.
.Immer erneut drängen sie ins Dasein, während das Meer der Finster‐
nis sich zu leuchtender Wolke wandelt.
*
.Schon siehst du aus diesen Keimen WERDENDE WELTEN ins Da‐
sein treten! Urmächtige Formkräfte wirken ihr Werk, und kosmisches
Licht zieht wie Nebelschwaden durch den geschaffenen Raum. —
.Bald wird ihr Werden vollendet sein.
*
.Was du nun sehen wirst, ist DIE GEBURT DES KOSMOS, der Aus‐
gang der gezeugten äußeren Welten aus dem Bereich der formenden kosmi‐
schen Kräfte...
.In der ewigen Weltennacht, in unendlicher Ferne von der Urfeuersonne
ewiger Liebe, die dich zum Stern gebar, sind Weltballgebilde erstanden in
unendlicher Zahl — die äußerste Grenze, die sich das Wirken des Ur‐
Wortes selber setzt — jene leuchtenden Weltennebel bildend, die uns
hier in unendlich weiter Wölbung von allen Seiten, oben und unten, um‐
fassen.
*
.Nun wird sich dein inneres Auge für jenes Geschehen öffnen, das auf
einer dieser Welten, die nun ihr eigenes Leben leben, sich erfüllt!
.Erinnere dich, daß ich dir sagte, wie nichts in aller Gestaltung je ge‐
schah, noch geschehen kann, das nicht in diesem Lichtreiche innersten
Werdens in ursächlichen Gesichten schaubar ist! —
.Hier wirst du nun den Wegen folgen, die der gefallene Geistmensch, —
«gefallen», da er sich seiner Urheimat entwand, um im Äußeren ihrer
Schöpfungsgrenzen sich zu erleben — auf diesen äußeren Welten durchwan‐
dern muß, um sich einst der Torheit seiner Willensrichtung zu entwinden
und die Rückkehr ins Licht seiner ewigen Heimat wollen zu können. —
*
.Zuerst findet er auf diesen Welten nur ein farbenprächtiges, starres,
enges LABYRINTH, das ihm stetig den Ausgang in ein neues Licht ver‐
heißt, um ihn stets erneut zu betrügen. —
.Ermattet hält er schließlich inne, denn er muß sehen, daß seiner Geistes‐
form hier keine Freiheit werden kann.
*
.So erfüllt ihn nun der DRANG ZUR GESTALTUNG, und er, der
einst über alle Begriffe frei war, schließt sich nun dem Zuge der Millionen
Wesen an, die auf diesen Welten ihre äußere Formgestaltung ersehnen.
*
.Endlich im Tiere zur Form der äußern Welt gekommen, glaubt er ein
neues Zeichen seiner rechten Wahl zu sehen, doch er verfällt nur der
schaurig grauenerfüllten Sphäre des ASTRALLICHTES, das jede dieser
äußeren Welten umgibt. —
.Täuschend ist dieses Licht, aber seine Kräfte lassen den nicht los, der
seine Region einmal betreten hat, und von Täuschung zu neuer Täuschung
tastend, verfällt er schließlich in Schuld, um dann in irrer Torheit allem
Lichte Hohn zu sprechen. — —
.Das Tier nimmt seine Geistigkeit nun völlig in Besitz, um in zügellosen
Orgien, aus vertierter Geistigkeit ersonnen, ihm sein SODOM zu be‐
reiten...
*
.Nun scheint ihm auch die letzte Hoffnung entschwunden, und in
grauenvoller Verfinsterung irrt er durch ein INFERNO, eine Hölle, die er
sich selber geschaffen hat — gepeinigt von Schrecken, die seiner Wahn‐
sinnstat wie Furien folgen.
.Hier scheint kein Entrinnen mehr möglich. —
.Alle Schauer des Entsetzens muß er verkosten, bis ihn Verzweiflung zu
Erinnerung an seine einstige Größe führt und er sich entsinnt, daß er
göttlichen Ursprungs ist. —
*
.Nun erst empfindet er zum erstenmal jenes sehnende Zurückverlangen,
das ihn einst wieder aufwärts führen soll, seiner Heimat zu, die jetzt noch
in unendlichen Fernen für ihn verschwunden scheint.
.Der erste Schritt zur Umkehr wird zaghaft und furchterfüllt getan...
.Eine bebende Ahnung möglicher Rettung erfüllt sein neues Sehnen.
*
.Nach schier endlosem, quälendem Suchen gewahrt er aber doch zuletzt
in aller Dunkelheit ein Leuchten, das er als seiner Heimat Licht erkennt.
.Mit verdoppelter Kraft lenkt er seine im Dunkel tappenden Schritte
diesem Leuchten entgegen.
.Endlich kommt er ihm näher.
.Er erblickt nun ein verborgenes Heiligtum inmitten seines Inferno.
.Schon möchte er sich gerettet glauben, aber furchtbare Augen blicken
ihn gespenstig an — entsetzliche Wächter halten hier drohende Wacht...
.Es bedarf seiner letzten Kraft, um hier nicht von tötender Furcht über‐
mannt zu werden.
.Unzählige Male macht er den Versuch, den hohen Stufen zu nahen, um
die Schwelle zu überschreiten.
.Stets wieder hält ihn seine Furcht vor den Hütern zurück.
.Doch endlich wird seine Ausdauer ihm belohnt.
.Aus der Höhe der Düsternis tönt ihm eine Stimme und erfüllt ihn mit
neuer Kraft.
.Er fühlt sich plötzlich wie an den Händen gehalten, und mit mutigem
Blick sieht er den drohenden Ungetümen ins Auge, um nun die Schwelle
sieghaft wie ein Held zu überschreiten.
.Nun ist er im Innern des Mysterienheiligtums, und sogleich ist ihm, als
sei das «Tier» von ihm abgeglitten. —
.Als geistiges Wesen fühlt er sich wieder, und aus der tiefsten Inbrunst
seines Fühlens entströmen seinen Lippen die Worte: «DE PROFUN-
DIS...», aus der Tiefe erlöse o Herr meine Seele!
.Anbetend neigt er sich vor dem Gottesbild, das in der Tiefe des lichten
Raumes er erblickt.
.Erste Erlösung aus unerträglicher Qual erscheint ihm hier sein Gebet...
*
.Aber wie er endlich die Augen hebt, gewahrt er hinter dem Gottesbild
eine neue strahlende Helle und fühlt sich von unsichtbarer Hand geleitet,
diesen Strahlenraum zu betreten.
.Unsicher wagt er Schritt um Schritt.
.Auch hier ist noch drohendes Geschehen zu durchschreiten, aber die
Furcht hat ihn nun verlassen.
.Endlich teilen sich vor ihm unter Donnergetöse die letzten Hüllen, und
vor sich erblickt er hell leuchtend das Kleinod der OFFENBARUNG...
.Längst entwöhnte Erinnerung wird ihm wieder, und er fühlt sich zurück‐
versetzt an jenen geistigen Ort, da einst auch er seine jubelnde Stimme in
einem «Te Deum» der Geisterchöre hörte.....
*
.So schreitet er trunken von innerer Freude dem Kleinod entgegen, das
sich vor seinen Augen zu einer Sonne wandelt, vor der auch die letzten
Hüllen, vom Lichte besiegt, zur Seite weichen.
.Jetzt erst wird ihm völlige ERLEUCHTUNG, und sein ganzes Sein er‐
strahlt in geistig reinem Licht. —
.So selbst zu reinstem Leuchten vollendet, überblickt er nun seinen Weg,
und aus Urgrundtiefen sieht er die Formen gestaltender Kräfte am Werke
der Schöpfung einen hohen Tempelraum erbauen, in dem die Hüllen des
Allerheiligsten sich langsam vor seinem Auge öffnen und ihm nun in weit
strahlenderer Gestalt ein noch reicheres Kleinod zeigen, als jenes selbst
war, das ihm die Offenbarung des Gottesbildes brachte.
.ERFÜLLUNG wird hier endlich seinem höchsten Sehnen...
*
.Nun aber verlangt ihn nach der äußeren Erde zurück, denn nun weiß
er, daß er sich selbst in seiner Erdenform nur erlösen kann, wenn er den
Geist in sich zu körperlichem Ausdruck bringt.
.Verkörperung des Geistes ist der «Schlüssel», wie er nunmehr fühlt, der
seine Erdenfessel dauernd lösen wird, so daß er als ein Freier, als ein Sohn
des Lichtes über den Erdball schreiten kann — ein Selbsterlöster und
Erlöser seiner Menschenbrüder — ein Helfer jener, die auch ihm, obwohl
er es nicht ahnte, auf dem Erlösungsweg zur Seite standen.
*
.Erfüllt von solchem großem, reinem Willen findet er sich fast im gleichen
Augenblick auf hohen Bergeszinnen, — und aus den Felsenschründen, aus
den Tälern, scheinen Lichtesgarben aufzusprießen.
.Was auch sein Auge sieht, erstrahlt in gold'nem Leuchten, und je‐
der Strahl verkündet ihm den SIEG!
*
.Doch für den Sieger gibt es kein Verweilen, will er die Frucht des Sieges
bergen.
.Hoch über seinem Standort findet nun sein Blick ein weitaus höher
ragendes Gebirge, ewig mit strahlenweißem Schnee bedeckt.
.Der Hort des Ewigen auf dieser Erde hat seinem Geistesauge sich
gezeigt...
.Er fühlt: — der ferne Gipfel dort im reinen Weiß vor golddurchglühtem
Himmel — — ist «HIMAVAT», der Berg der Einzigen auf dieser Erde, die
das Urlicht selbst zu Priesterkönigen sich weihte!
.Dort ist das Urbild jenes Tempels und seiner Hüterschar, dort ist die stete
Wirklichkeit, von der die Sage fromme Kunde geben wollte, die Menschen
einst in Formen, die sie fassen konnten, sprach: vom «heiligen Gral.» — —
*
.Dorthin führt ihn nunmehr sein Weg.
.Wohl sieht er, daß auf diesem Wege noch manche Hinderung ihm
drohen wird, allein, er weiß, daß man ihn dort erwartet, daß seiner dort
der Führer harrt, der durch das Erdenleben ihn geleiten soll, und ihm nach
der vollbrachten Zeit die Pforte öffnen wird, damit er, so wie du, zu seiner
Heimat finde.
.Die klebrig grünen, vorgewälzten Massen dumpfer Trägheit, denen er
zuerst begegnet, wollen seinen Fuß am Schreiten hindern, doch ihm genügt
ein Blick zum fernen Ziel, um sie zu überwinden!
.Der starre Felsenzackenzaun der Zweifel baut sich siegessicher vor ihm
auf, um seinen Mut zu lähmen, doch keine Kraft der Erde hält ihn mehr
zurück, und wenn er auch aus tausend Wunden bluten müßte, wird er
doch auch dies allerletzte Hindernis besiegen!
.Nach langer, harter Beschwernis endlich am Ziele angelangt, wird er
gewiß nicht mehr an die Gefahren des durchmessenen Weges denken.
.Als Finder seiner selbst wird man ihn empfangen und ihm den Goldreif
der Erkenntnis um die Stirne legen.
.Man wird ihn in heiliges, weißes Linnen kleiden, so daß kein Makel,
der ihn auf seinem Wege je befleckte, an ihm haften bleibt.
.So wird man ihn dem Ewigen weihen und ihn die hohe königliche Kunst
zu lehren wissen, die Kraft des reinen, wesenhaften Geistes durch die
Liebe erdenmenschhaft zu verkörpern. —
.Was vorher dunkle Tierheit war, wird dann in ihm verwandelt werden,
und all sein Erdenhaftes wird nur Ausdrucksform des Geistes sein. —
.Man wird ihn lehren, daß im ewigen Geiste nur der Tapfere seines
geistigen Reiches Krone dauernd behaupten kann, und daß nur Feigheit
oder angsterfüllte Torheit der Außenwelt der Erdensinne entfliehen möchte,
in die sich eigener Wille einst verhaftet hat...
*
.Doch — — ich greife bereits einer Lehre voraus, die du, der im Geiste
zum Stern der Ewigkeit Geborene nunmehr von mir erhalten sollst!
.Alles, was du bisher geschaut hast mit geöffnetem inneren Auge, war
ja nichts anderes als dein eigener Weg, vom Ausgang deines ewigen Seins
bis zu der Rückkehr, die dich nun zum Stern gewandelt vor mir sieht. —
.Du wirst hinfort gar oft in diesem innersten geistigen Reich der wesen‐
haften Schauung, mit mir vereint, als deinem dir verbundenen Führer,
dieses Reiches Wunder an dir vorüberziehen lassen, und es werden stets
andere Gesichte sein, die dir der Urgrund alles Werdens offenbart.
.Wisse aber, daß diese «Gesichte» stets nur wesenhaftes Wirken zeigen,
daß diese «Bilder» wahrhafte Urbilder allen Geschehens sind, davon du
auf Erden, in jener äußersten Region der Grenzen des Seins, nur immer
das Abbild siehst. — — —
*
.Wir kehren nun zurück zur Erde, die dein sieghaftes Leuchten braucht.
.Lasse nicht Trauer dein inneres Licht verhüllen, — gewähre dem Schmerz
keine Stätte in dir, wenn du jetzt das Reich des Lichtes mit mir verlassen
wirst, und dann, zurückgekehrt zur Erde, die trübe Geistesnacht gewahrst,
die dort dich umfängt!
.Wer wie du zurückkehrt in sein Erdendasein, hat keine Nacht mehr zu
fürchten, denn er trägt in sich selbst sein Licht — das Licht der Ewigkeit! —
.All deine Sorge sei es hinfür: mit dem dir eigenen Lichte alles zu ver
klären, was dir nahekommt, und als Stern aus der Urfeuersonne ewiger
Liebe allen, die noch im Dunkel sind, zu leuchten.
.Begehre nichts mehr für dich selbst und du wirst alles, was du brauchst
durch deines eigenen Lichtes Kraft besitzen! — —
.Du kannst keinen Strahl deines Lichtes auf andere Herzen ergießen,
der dir nicht tausendfach Herzen gewinnen würde!
.Du wirst dich nicht etwa mühen müssen, zu leuchten; — du wirst dich
nur mühen müssen, das Licht der Ewigkeit, das aus dir strahlen will,
niemals durch äußeres erdenhaftes Tun für andere zu verdunkeln! — —
.Wenn du nur selbst deinem Lichte dich vertraust, wird auch dein Erden‐
körper so durchleuchtet sein, daß er keinen Schatten mehr auf andere
wirft, die deines Lichtes in der Erdennacht bedürfen! —
*
.Mich aber wirst du allzeit finden, wenn du meiner bedarfst, und sollten
unsere Erdenkörper auch weite Meere trennen.
.Nicht in meinem äußeren Erdenkleide sollst du mich suchen, denn nie‐
mals könnte ich im Äußeren mich dir so vereinen, wie wir im Allerinnersten
nunmehr vereinigt sind. —
.Ins Allerinnerste deines Fühlens mußt du selbst dich begeben, wenn ich
dir wieder vernehmbar werden soll, und nur im Allerinnersten wirst du
auch stets wieder dieses Reich des wesenhaften Lichtes schauen! — —
48 Welten
Heilig das unsichtbare Band, das
längst Gewordenes vereint, auf
daß es neuem Werden eine Stätte
schaffe! — — —
Glückselig Mann und Weib, die solches
fassen, und sich in liebender Vereinung
zu erkennen wissen, so wie der Ur
sprung alles Seins alsMannund
Weibsich selbst erkennt, in ewig
licher Liebeseinung! — — —
5 Die Ehe
Teilgestaltung wähnt Vollendung
sich zu schaffen, — jeder Ahnung bar,
daß sie ihr nur erreichbar wäre in Ver
schmelzung mit dem anderen, einst im
Geiste ihr vereinten, nur hier im Er
dendasein körperlich von ihr getrenn
ten Teil! — —
Beklagenswert vielmehr der Mann,
beklagenswert das Weib auf dieser Erde,
wenn es dem einen Teile hier in seinem
Dasein nicht gelingt, den ihm gemäßen
anderen Teil zu finden, mit dem ver
eint er erst ein Ganzes bilden würde,
er-gänzt in dem, was seines Einzel‐
poles Eigenschwingung ihm nicht ge‐
ben kann! — —
7 Die Ehe
Wohl kann zwar auch der Ehelose
seinen Weg zur Vollendung wahrlich
allein durchmessen und sein höchstes
Ziel auf seine Art dereinst erreichen,
auch wenn ihm während seiner Er
dentage niemals die Erfüllung werden
kann, die nur die Ehe ihm erreichbar
machen würde. — —
Stets kann er nur als Teil sich Teilvoll
endung zu erringen suchen, und wird im
Erdenleben nie zu jener Klarheit kom‐
men, die nur erreicht wird, wo der Mensch
die neue Einheit eines Ganzen, —
aus Männlichem und Weiblichem ver‐
eint, — in einer wahren Ehe schuf. — —
Doch wird der Ehelose dann nur sich auf
seine Weise Teilvollendung schaffen
können, wenn wirklich Gründe, die nicht
Menschenwahnwitz erst ergrub, vor
Gott die Ehelosigkeit als nicht ge
wollt bezeugen! — —
11 Die Ehe
Nur in dir selber wirst du mir begegnen; ich
aber bin es allein, der sich dir als die Kraft
zum Siege gibt! — — —
Ich bin die Kraft, die alle Kräfte meistert,
denn nur aus mir stammt aller Kräfte wirkende
Gewalt!
Täusche dich nicht und werde nicht irre an mir,
wenn du sehen musst, dass diese Kräfte sich als
Widerpart gegenüberstehen!
In unendlichfältiger Formung sende ich aus mir
selbst unendlichfältige Kräfte in alle Erschei‐
nungswelten und nur infolge ihrer Gegen
sätze vermögen sie zu wirken...
Ewig tot und kalt und starr wären die Welten
die ich ewig meinem Sein entgegen setze als
äussersten Gegen-Satz, würden die Kräfte, die
aus mir durch diese Welten strömen, nicht in
ewigen Gegensätzen verharren! — — —
Ich aber bin in mir selbst aller dieser sich selbst
entgegengesetzten Kräfte Kraft und Leben,
und in mir finden sie ihre Einigung, so sehr
sie auch in der Erscheinung auseinander
streben müssen...
55 Worte des Lebens
sobald du den Willen in dir schaffen magst,
der nichts anderes mehr will, als dich in mir,
in deinem Allerinnersten, zu deiner Vollendung
führen! — — —
In dir selbst wirst du dann alle Kraft be‐
sitzen um über alle Kräfte aller Welten als
Sieger zu triumphieren!
In dir selbst wirst du alle Gegensätze dann
vereinigt finden!
Du selbst wirst alles Widerstrebende in dir in
steter Wechselwirkung also bannen, dass wohl
die Kräfte in ihren Gegensätzen verharren, und
dennoch eine heilige Einheit formen...
Nur wenn du in mir dich selber gefunden hast,
kann dir dieses hohe Wunder gelingen!
Du bist dann nicht mehr auf dieser oder jener
Seite, sondern im Innersten der Kraft, die
aus sich selber aller Kräfte Wirkung schafft!
In mir nur kann dir die Sicherheit werden,
die dem Willen zum Siege auch gewisslich den
Sieg verleiht! —
Wenn du in mir, in deinem Innersten, in Ich
Vereinigung dich einst gefunden haben wirst,
wird keine Kraft in allen Welten dich noch fer‐
ner schrecken können. — —
Die Krone des Siegers wird dir keine Macht der
Hölle mehr entreissen, denn was du also nennst,
ist nur ein Gegenspiel der Kräfte, die du dann
beherrschen wirst! — — —
57 Worte des Lebens
lebt tief in unserem Herzen und dürstet nach Fleischwerdung. Im
griechisch überprägten Süden, sind sogar die Schatten noch
trunken und golden von Licht. So finden sich denn Licht und Schat-
ten schon hienieden in höherem Licht geeint, trotz der trägen Mate-
rie, die sich ja doch immer wieder als nichts denn eine Manifestation
des Geistes bekundet, als dessen Geheimniszustand, wie Novalis be-
griffen hat.
43 R.Schott - Der Maler Bô Yin Râ
.Auf dem Bilde "Wintertag in Attika" wurde attischer
Boden als Gleichniswert, als Wirkung, als Sache gewissermaßen in die
Ursache zurückgehoben, wurde eine irdische Landschaft in einen gei-
stigen Plan zurückverwandelt, ohne daß dem Stoff Gewalt angetan
worden wäre. Er bleibt durchaus weiterbestehen, aber auf sein
Wesentliches hin gesteigert, so daß alle Schwingungen der Einzel-
motive ihre Spannkraft voll entwickeln können. Das ist Wirkung
dessen, was man Komposition nennt.
So entsteht Raum, so entsteht eine Leere, die zugleich Fülle ist. Was
nicht ist, was im Leeren zwischen Geländeformen und Kahl-
heiten der Felsmassen und Erdwüste schwingt, verschmilzt mit dem
harten Sein dieser Gebilde zu einem höheren Sinn, in welchem das
Bipolare in Einheit aufgegangen ist.
.Es muß befremden, wenn hier von seelischen Bereitschaften gesprochen wird. Aber es
hilft nicht: zunehmende Bewußtheit zeigt uns, daß Raum und Zeit mit allem Inhalt nicht außer-
halb, sondern innerhalb unserer vom Geiste durchlichteten Seele als dessen Projektionen existieren.

62 R.Schott - Der Maler Bô Yin Râ
.Das Bipolare scheint in seiner physischen Spannungsqual ausge-
löscht. Es herrscht etwas, das beide Pole umspannt und zusammen-
stimmt, etwas, das sozusagen absolute Stimmung ist. Was wir hier
meinen, wird noch deutlicher, wenn wir uns, nach Analogie der
Planetengänge, Gefühlsbahnen elliptisch vorstellen. Die Gefühle um-
schweben und umschwingen zwei Brennpunkte, ihren Tagpunkt
und ihren Nachtpunkt. Und es ist nun, als ob der eiförmige Lauf
zum harmonischen Kreislauf würde. Tag- und Nachtpunkt schmel-
zen ineinander zum Kreismittelpunkt, wie männliche und weib-
liche Seinskräfte zur Einheit innigster Ehe (Hierὁs Gάmos), zu
jenem geistigen Zustand also, wie ihn gewisse indo-tibetanische
Götterbilder versinnbildlichen.....
89 R.Schott - Der Maler Bô Yin Râ
.Vollkommen ist nur der ewig unendlich‐
fältige Eine, der sich in unzählbarer Ge‐
staltung im Ursein, Urlicht und Urwort
ewig neu als sich selbst erlebt...
48 Das Buch der königlichen Kunst
.Zuerst, o Suchender, wirst du vieles ver
gessen müssen! — —
.Man gab dir eine falsche Vorstellung
von „Gott”, und so erstickte man in dir mit
eitler Lehre jenen Keim, aus dem in deiner
tiefsten Seele heiligen Gewässern sich die
Lotosblüte” einst entfalten sollte, in der
das Licht, das ewig dich erleuchten soll,
geboren” werden kann...
.Der Geist, der über den Wassern
schwebte” erfüllt die unendlichen Räume,
aber du kannst ihm nicht anders nahen, als
nur — in dir! — — —
.Nur wenn er in dir, — als dein Gott,
— aus Licht zu Lichte sich gestaltet, wirst
du von seinem stillen Walten Kunde geben
können. —
.Die seine Unendlichkeit ergründen
wollen, irren sehr...
.Sie glauben, Dem, den alle Weltenräume
nicht umfassen können, in Vermessenheit
zu nahen, und ahnen nicht, daß sie ein Zerr
bild schufen, das sie nun beherrscht. —
75 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Wenn ihre Blüte dann entfaltet ist, wird
sich der Geist, der aus sich selber sich er
zeugend, aus sich selber lebt, in dich her‐
niedersenken und als dein Gott in dir „ge‐
boren” werden, — — als dein in dir leben
diger Gott! — — —
.Nicht eher weißt du vonGott”!
76 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Du suchst noch einen Gott in unbe
grenzten Fernen. — —
.Siehe aber, ich sage dir:
.Bevor dein Gott in dirgeboren
ist, wie du in ihm, wirst du ihn nir
gends finden!
.Ehedenn dein Gott dir „geboren” ward,
wirst du vergeblich alle unendlichen Räume
durch deinen tiefsten Schrei nach Gott erbe‐
ben lassen...
.Man sagte dir, der Erdenmensch sei ein
verhüllter „Gott”, und müsse nur zu der Er‐
kenntnis seiner selbst gelangen, um sich für
alle Ewigkeit als „Gott” zu finden.
.Die also zu dir sprachen, waren wahrlich,
weiter als sie wußten, fern von Gott!
.Nicht du bist Gott, jedoch in dir allein
auf dieser Erde, kann sich dein Gott gestal
ten, und dann bist du mit deinem Gotte so
verbunden, wie Wort und Sinn im Lied
vereinigt sind! — —
.Nichts wird alsdann dich je von deinem
Gotte trennen können!
.In aller Ewigkeit wird er in dirleben
dig” sein! — — —
.Darum suche Gott nicht mehr in un
endlichen Weiten, und nicht in einer
unnahbaren Welt, hoch über allen Ster
nen! —
.Solange du Gott noch suchst, ist dir dein
Gott noch nichtgestaltet”!
.Sobald er dir einmal „geboren” wurde,
kannst du ihn nicht mehr suchen. —
.Nichts ist weniger vonnöten, als das
Suchen nach Gott”!
.Aber suche in dir den Weg zu finden,
auf dem dir Gott entgegenkommen kann!
.Suche dann alles in dir zu bereiten, da‐
mit dein Gott sich dir vereinen kann!
.Siehe, der Wille des ewigen, allumfassen‐
den Geistes „will” dich und „lebt” in dir,
auf daß er einst in dir sich selbst als dein
Gott „gebären” könne! —
.Advent”, — die Zeit der Vorberei
tung, — sei hinfort in deiner Seele, denn
siehe: du bist „Bethlehem”, und in dir soll
dein König erscheinen, der dich erlösen
kann, — — der allein dich er-lösen kann!
— — —
124 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Tätig sollst du sein und wirken auf
deinem Wege, wo immer zu Tat und Wir‐
ken Kraft und Begabung sich in dir finden.
.Wenn du dereinst mit deinem Gott in
dir vereinigt bist, wird all dein Leben
nur ein Tun und Wirken, — ja du selber
wirst nur Tun und Wirken sein! — —
.Gottist ein lebendiges Feuer!
.In ihm wird alles zerstört, was tatlos
fault und erstarrt. — —
.Der Wille des Geistes kann sich in dir
nicht als dein Gott „gebären”, wenn du
nicht tätig bist, als wäre dein Gott schon
vereint mit dir...
.Dein Gott wird ein Gott der Kraft
und der Wagnisse sein, und nicht ein
Dämon der kraftlosen Wünsche, der zeh‐
renden Ängste! — — —
.Tätiges Wirken möge deine Liebe
finden zu jeder Zeit, wie auch der Geist in
Ewigkeit sich selber wirkt in steter Tat!
.Wie willst du hoffen, deinem Gott dich
zu vereinen, solange deine Liebe sich von
ihm entfernt?! — —
.Du kannst nur zu dir selbst gelangen
in deinem Gott, wenn du bereit bist, wir
kend deinem Gott dich zu vereinen, denn
der lebendige Gott ist nicht ein Gott
der Träumer und Phantasten!
.Nur in erwachten Seelen kann er sich
„gebären”...
.Sein Licht ist viel zu hell, als daß es
Dämmerseelen je vertragen hätten. — —
.Einige deiner Seele Kräfte zu ho
hem Tun!
.Vollende, was immer du auf Erden hier
vollenden kannst, und wirke, soweit du es
vermagst!
.So wirst du deinem Gott in dir, — dei‐
nem lebendigen Gott, — von Furcht be‐
freit, dereinst begegnen können.
.Du wärest nicht im Leben, wäre „Leben”
nicht als „Tat” des Geistes in dir wirkend...
.Ewig” ist dein Leben nur, weil alle
Tat” des ewigen Geistes ewig, wie er sel
ber ist. —
.Zeitlich aber bist du als die zeitliche
Erscheinung dieser Erdenwelt, und also
ist es Erdenpflicht für dich, allhier im
Zeitlichen das Zeitliche zu wirken, so wie
du selbst im Ewigen gewirkt wirst ewiglich
durch Ewiges! — — —
.Nur im steten Wirken kannst du dich
als bewährt erweisen, und in der Tat mußt
du dich selbst bereitet haben, wie es hohe
Führung von dir fordert, soll dein Gott
sich in dir selbst „gebären” können.
131 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Er wirkt aus dem Geiste, der das Ur
Seiende ist, und er wirkt nur aus der Kraft
des Geistes...
.Aus dem ewigen substantiellen Geiste
aber gestaltet sich „Gott”, — wie ein „De‐
stillat” des Geistes, — in jedem Menschen,
der mit Inbrunst seinem Gott entgegenstrebt,
und in Geduld den Tag erwartet, der ihn so
vorbereitet findet, daß sein Gott sich in ihm
selbst „gebären” kann. — — —
.Gott ist Geist, — jedoch: — des Gei
stes höchste Selbstformung! —
.Sich selber formend aus sich selbst,
offenbart sich des Geistes höchste Seins
form — als „Gott”! — — —
261 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Aber auch seinen wahren „lebendigen
Gott findet der Erdenmensch nur schwer,
— denn er hat sich daran gewöhnt, in seinem
Gotte nur den „Mann” zu wähnen, während
sein „lebendiger Gott”: — „Mann ist und
Weib”. —
.Erlösung kommt dem Erdenmenschen
nur, wenn auch das „Weib” in seinem Gotte
wieder zu seinem Bewußtsein spricht...
.„Das Ewig-Weibliche zieht uns hin‐
an”. — —
.Daß er nur „Mann” in seinem er‐
träumten Gotte sieht, ist Schuld, ist Ab‐
kehr von den Kräften urgewollten Seins: —
Verstrickung in das Weiblich-Empfäng
nisbegehrende seines Wesens, — Aufgeben
des Männlich-Aktiven in ihm selbst. —
.Disharmonie muß überall entstehen, wo
„Männliches” und „Weibliches” im Kosmos
nicht vereinigt wirken.
.Nenne „Mann und Weib” getrost auch
mit anderen Namen!
.Immer sind es die beiden gegensätz
lichen Pole, die in ihrer Vereinigung
Leben bewirken!
.Positiv und negativ, aktiv und passiv,
zeugend und gebärend, gebend und emp‐
fangend, ausstossend und einziehend, be‐
wegend und bewegt werdend...
.Und alles dieses verbindet sich in ewigem
Kreislauf, so wie das Weib auf Erden: Mut‐
ter des Mannes, und der Mann: Vater des
Weibes wird. —
.Und kein Gebilde, kein Wesen ist im
geistigen wie im physisch-sinnlichen Kos‐
mos: — auch nichts anscheinend „Reinmänn‐
liches” oder „Reinweibliches”, — in dem
nicht „Mann und Weib” zugleich zu finden
wären, wenn auch in tausendfach verschie‐
dener Amalgamierung.
.„In nichts zerfallen” müßte selbst jedes
Atom”, wenn „Mann und Weib” nicht
ständig zeugend und gebärend in ihm wirken
würden.
.Wie immer der forschende Mensch die
von ihm entdeckten Potenzen im kleinsten
Teilchen der „Materie” benennen mag:
— stets handelt es sich um Formen der
urbestehenden Kräfte „Mann und Weib”. —
.Aber auch deinen „lebendigenGott
wirst du erst dann in dir zu finden hoffen
dürfen, wenn du ihn in dir suchst, so wie
allein er zu finden ist: — als „Mann und
Weib”, — und erst, wenn du in solcher
Weise ihn erfühlend „suchst”, wird er aus
Männlichem und Weiblichem sich in dir
selbst zu jenem ganz aus Licht bestehenden
„Kristall” gestalten können, der dann die
beiden Pole deines eigenen Seins in seiner
zwiepolaren Wesenheit vereinigt. —
28 Das Buch vom Menschen
.Es ist der „lebendige” Gott, von dem ich
spreche, und nicht ein „Gott” etwelcher
Götzendiener. —
.Gar leicht läßt derlebendige Gott
sich finden, wenn du mutig ihm vertraust,
noch ehe du ihn kennst, doch wird er
immer ferner dir entschwinden, je ängst‐
licher du erst „Beweise” forderst, ob er
denn auch wirklich sei, und ob die Kraft
in dir sich finden lasse, ihm zu nahen...
.Je weiter du dich so von ihm entfernst,
desto mehr wird er dir entgleiten, so daß
du zu einer Beute jener Außenwelt werden
wirst, der du gebieten könntest, wärest
du bewußt vereint mit deinem Gott. — —
.Es ist nur ein Bewußtseinsakt, der
dir den Schlüssel gibt, mit dem du alle
Pforten, die zu geheimster Weisheit führen,
öffnen kannst...
.Du lebst, selbst hier in diesem Außen‐
leben, nur in dem Bereich, den dir dein
Wissen um dich selbst entschleiert, —
und viele, die am gleichen Orte leben,
sind dennoch recht verschiedenartig ihrer
bewußt, in den verschiedensten Erlebnis‐
welten, die das Reich der Außenwelt in
sich beschließt. — —
.Du hast dich aber an das Dasein dieser
Außendinge so verhaftet, daß es dir
schon ein „Wunder” scheinen mag, wenn
du von einem Menschen hörst, der eine
Überwelt bewußt betreten kann, die du
kaum ahnst, weil dein Bewußtsein nur in
Rhythmen schwingt, die sehr verschieden
sind, von jenen Schwingungswellen, die das
Reich der Überwelt dem anderen offen‐
baren...
.Das Äußere ist dir die wahre „Wirk‐
lichkeit”, und nur mißtrauend wendest
du dich an dein Innenleben, in dem du
„Ein-Bildung” und Phantasie allein am
Werke glaubst.
.Auch hier gilt, was ich vordem sagte:
— —
.Du kannst die „Wirklichkeit” im Innern
niemals finden, wenn du nicht mutvoll ihr
vertraust, bevor du sie noch kennst...
.Du wirst dich immer weiter von der
Wirklichkeit entfernen, je mehr du ängst‐
lich dich vor „Täuschung” fürchtest, und
erst „Beweise” haben willst, wo der „Be‐
weis” dir nur als Krone deines muter‐
füllten Strebens winkt. —
.Du tust sehr wohl daran, und dein Be‐
wußtsein hat dich gut geleitet, wenn du in
dieser Außenwelt stets erst „Beweise” ha‐
ben willst, bevor du ihr vertraust, denn
diese Welt der Außendinge ist wahrhaftig
eine Welt der Täuschung, und selbst die
Beweise”, die sie dir gewähren kann,
sind selten von Täuschung frei. —
.Du bist so sehr gewohnt daran, in einer
Welt der steten Täuschung dich zu sichern,
ehe du handeln willst, daß du auch in der
Welt der „Wirklichkeit” den gleichen Arg‐
wohn nötig glaubst. —
.In deinerWahrheit” die dir durch
„Beweise” unantastbar wurde, ist so viel
plumpe oder feine Täuschung, daß du je‐
des Maß verloren hast, — und wenn du
wirklich einmal auf die Spur der wahren
Wirklichkeit gelenkt, die absolute Wahr‐
heit findest, dann scheuchst du ängstlich sie
von dir, weil du dich nur in eitlem Täuschungs‐
wahn befangen glaubst, und längst schon
deiner „Wahrheit” Sklave bist. — — —
.Du wirst erst völlig neue Wege gehen
lernen müssen, bevor du einst zur Wahrheit,
wie sie wirklich ist, gelangen kannst!
.Hier wäre wahrlich eine neue Wertung
aller Werte sehr vonnöten!
154 Das Buch vom Menschen
.Zuvörderst müssen wir uns einig werden,
was unter dem Worte «Gott» hier unter uns
nun zu verstehen sei. —
.Dass ich nicht irgend eines Wähnens, dem
Wahn nur wirklich scheinendes Gespenst des
irren Denkens mit dem Worte «Gott» be‐
zeichne, zeigt dir schon meiner ersten Worte
heller Hintergrund! —
9 Der Weg zu Gott
.Was dir begegnen wird, ist jenes Eine, das
kein Zweites neben sich kennt, — das aber in
Unendlichfältigkeit sich selber offenbart,
wo immer es sich Offenbarung werden kann! —
.Du selbst bist seine Offenbarung, obwohl
du noch nicht darum weisst, und in dir selber
nur kann das sich Offenbarende dem Of
fenbarten fassbar werden! — — —
.Auch dem Truge bist du in dir selbst be‐
gegnet; — jetzt aber sollst du die Wahrheit in
dir selber finden! — —
.Nicht allzuschwer ist es für dich, zu unter
scheiden, was da Wahrheit ist, und was
Selbstbetrug! —
10 Der Weg zu Gott
.Bist du jedoch auf rechtem Wege, und be
reitet, sie zu erkennen, dann wirst du wahr‐
lich nicht mehr im Zweifel sein, ob es die
Wahrheit selber ist, oder ein selbstgeschaf‐
fenes Trugbild, was dir in dir selbst sich
zeigt. — —
.In dem, was in dir selber Wahrheit ist,
wird sich die ewige Wahrheit bezeugen!...
.Das Licht, das aus sich selber leuchtet,
wird dich erleuchten, und alle Lampen die du
dir einst selbst geschaffen hast, damit sie deinen
Weg umlichten sollten, werden dir kaum noch
sichtbar bleiben in deiner strahlenden Er‐
hellung! — —
.Du wirst deinem eigenen Leben begegnen in
seiner ewigen Fülle; — dich selbst wirst du
aus Lichteskraft im Lichte auferstehen sehen
aus deiner Erdengrabesnacht!...
.Mit «Gott» — dem Seinsgrund alles
Seins — wirst du dich selbst in Einheit fin‐
den! — —
.Indem du zu dir selber «ICH» sagst, wirst du
erst verstehen lernen, dass du seinen «Namen»
heilig halten sollst! — — — — — — — — — —
11 Der Weg zu Gott
.Du bist alsdann zu jeder Zeit fürwahr «in
Gott» und lebst in Gottes ewigem Leben,
jedoch: — du bist nicht Gott, und auch in allen
Ewigkeiten kannst du nicht «zu Gotte» wer
den!
.Du kannst nur dich selbst in Gott und
deinen lebendigen Gott in dir erleben, —
geeint im Bewusstsein des Erlebens,
und dennoch stets der verbleibend, der
du bist! —
.Gott aber «erlebt» sich in dir «im Bilde», so
wie sich Gottheit niemals in sich selbst
erleben könnte: — der Sonne gleich, die
ihres Lichtes Strahlen durch ein Brennglas
sammelt und im Brennpunkt Licht und
Feuer zeugt....
35 Der Weg zu Gott
.Kein Vorstellungsbild lässt sich schaffen,
das diesem Erlebten gleichen würde! Durch
keinen Gedanken ist es darzustellen und in
keinem Worte wird es mittelbar! —
.Der Erlebende selbst nur weiss darum,
und weiss — durch das Erlebte allein — dass er
wahrhaft das erlebt, was nicht nur den Namen
trägt, als sei es «Gott», sondern was Gottheit
in sich selber ist von Ewigkeit zu
Ewigkeit...
.Hier hat der Zweifel, der des Denkens
wacheste Erkenntnis noch benagt, für immer
jegliche Gewalt verloren! Es ist ein
Innewerden des innersten Lebensgrun
des im eigenen «Ich». — — —
.So wie ein Licht, entzündet in einer bunten
Lampe, der bunten Scheiben Farben zeigt und
dennoch sich selbst im Innern der Lampe
nicht färbt, so tritt die Gottheit in das
Innerste des Menschen ein, — bekundet sich
in ihm in seiner individuellen Weise, und bleibt
doch was sie ewig war und ist. —
.In solcher Wirklichkeit mit seinem Ur‐
grund eng vereinigt, erkennt des Menschen irdi‐
sches Bewusstsein erst die wirkliche Wahrheit
und dieser ewigen Wahrheit Wirklichkeit!
.Hier erst wird ihm bewusst, was Gott ist in
Wahrheit und Wirklichkeit! — In graues
Dämmerdunkel sinken hier alle früheren Vor
stellungsbilder von Gott! Der so die Gott‐
heit in sich selbst erlebt und seine eigene
Wirklichkeit in ihr, der braucht fürwahr kein
Bild und Gleichnis mehr, und nur wenn Andere
er belehren will, muss er sich Bild und Gleichnis
für die Anderen schaffen, damit sein Wort ihr
inneres Erfühlen wecken könne. —
.Ein Stammeln aber und unbeholfenes
Deuten muss seine Rede dennoch bleiben, auch
wenn er mit allen Bildern der Sprache von sol‐
chem Erleben Kunde bringen will...
.Nur der allein, der in solcher Weise seinen
lebendigen Gott in sich erlebte, weiss in
gewissem Wissen um Gott, so wie auch er
allein erst um sich selber in gewissem
Wissen weiss! — — —
.Doch ist auch diese hohe Stufe erst nur Vor
bedingung aller weiteren Entfaltung in
der geistigen Welt, wenn auch nur Wenige zu
allen Zeiten, während ihres Erdenlebens diese
Stufe erreichten, oder gar sie überstiegen. — —
.Verbrechen ist es, von Gott zu reden, und
sei es in den wundersamsten Worten, so der
Redende diese Stufe nicht mit aller Sicherheit
unter seinen Füssen weiss!! —
.Hat er sie aber erreicht, so weiss er auch, ob
er zur Lehre wahrhaft berufen ist, und nur
der Berufene wird Gottes Namen nicht ent
weihen.
.Ihm wird «gegeben» was er reden soll, von
denen, die hier mehr als er erhalten haben, da
sie vor Jahrtausenden schon auf der Bahn ge‐
funden wurden, die er erst heutigen Tages be‐
tritt. — —
.Es ist unmöglich, seinen lebendigen
Gott in sich selbst zu erleben, ohne der Füh
rung der älteren Menschenbrüder aus
dem Geiste her bewusst zu sein...
47 Der Weg zu Gott
.Willst du der Wirklichkeit in dir selbst
begegnen, dann wirst du achten müssen,
was die Wirklichkeit ins Dasein rief!
.Nicht du hast zu bestimmen, auf welche
Weise Gott dir bewusst werden solle, sondern:
Gott!! — — —
49 Der Weg zu Gott
.Es sind nicht zwei Menschen auf dieser Erde,
die sich in allem gleichen würden.
.So aber, wie im Samenkorn der Pflanze ihre
künftige Gestaltung schon beschlossen
ruht, so trägt ein jeder Menschengeist in sich
das Urbild seiner einstigen Vollendung. —
.Unendlichfältig sind die Lebensformen,
in denen sich Gott erlebt in sich selbst...
.Unendlichfältig spiegelt sich der Gottheit
Leben in den Menschengeistern...
.Unendlichfältig sind die Formen der
Vollendung...
.Du kannst für dich nur deine eigene Voll‐
endung in dir selbst erreichen und eines
jeden Anderen Vollendung kann dir nur zum
Ansporn werden, auch die deine in dir selbst
zu suchen.
.Des Anderen Vollendung ist die deine
nicht und kann dir nie ersetzen, was du in dir
selber versäumst.
76 Der Weg zu Gott
.Du kannst nicht Gottes Leben leben, —
wohl aber lebt Gott in dir und du kannst in
Vereinigung mit Gott die höchste Form
deines eigenen Lebens finden. — —
.Ein Gleichnis möge dich hier zum Verstehen
führen:
.Betrachte die Lampe in der durch elektrische
Kraft ein haardünner Faden zum Glühen und
Leuchten kommt!
.Noch bist du der Lampe gleich, die der
Kraftstrom noch nicht durchfliesst. — —
.Bist du jedoch dereinst zu der Vereinigung
mit Gott gekommen, dann wirst du der Lampe
gleichen, deren sonst kaum sichtbares Aller
innerstes in strahlendem Lichte erglüht. —
.Es ist nicht die Lampe selbst, die sich
zum Leuchten bringen kann!
.Erst wenn der Strom der Kraft sich ihrem
Allerinnersten vereint, kann sie erstrahlen!
.Könnte die Lampe aber sich selbst er‐
fühlen: — sie würde immer nur ihres Aller
innersten innewerden, — wenn auch erglüh
end im Licht, dort wo sie vordem finster
war — und nur in diesem Allerinnersten könnte
der Kraftstrom der sie durchfliesst, ihr zu
Bewusstsein kommen. — —
.So wirst auch du stets nur dein eigenes
Allerinnerstes erleben, bist du einst deinem
lebendigen Gott vereint...
.Dein Allerinnerstes wird dann in dir
in strahlender Klarheit leuchten, — durch‐
lebt von der Gottheit lebendigem Licht!
.Nicht du wirst «Gott geworden» sein,
aber Gottes Kraft wird dich durch
strömen...
.Du kannst in aller Ewigkeit nichts anderes
erleben als dich selbst und was in dir Er
lebnis wird! — — — —
.Im selben Gleichnis kannst du auch ver‐
stehen lernen, was da mein Wort besagen will,
dass du nur in Gott Vollendung finden wirst
und dass der Anderen Vollendung niemals
dich vollendet.
.Die Lampe, die der Kraftstrom nicht durch‐
fliesst, mag wohl durch ihre Konstruktion
geeignet sein, ein wundersames Licht in
sich zu offenbaren und dennoch bleibt sie
unerhellt. Ihre Vollendung wird sich erst
erweisen, wenn sie in den Stromkreis einge‐
schaltet ist.
.So kannst auch du dir alle Vorbedingung
zur Vollendung schaffen, — Vollendung aber
wirst du nur erreichen in Vereinigung mit
deinem Gott! — — —
.Und wenn der Lampen viele wohl an einem
Orte sind, so werden doch nur immer jene
sich erhellen, durch die der Strom geleitet
wird.
.Der Anderen Leuchten wird die stromlose
Lampe niemals erglühen lassen.
.So kannst auch du nur dann Vollendung
finden, wenn du für dich nach deiner Voll‐
endung strebst, und aller Anderen Vollen‐
dung ist für dich vergeblich da, solange du
nicht selbst in dir die Einigung mit Gott
gefunden hast...
79 Der Weg zu Gott
.Ich sagte dir auch schon, soweit es sag‐
bar wird, in einem anderen Buche, daß
dieser „Vater” aller Leuchtenden des Ur‐
lichts, der ewig aus dem Urwort licht‐
gezeugte Geistmensch ist, selbst „Wort”
im „Wort” und „Gott bei Gott” — der
große „Alte”, der im „Anfang” ist, —
der selbst des Urworts erste Selbstgestal
tung darstellt, der „Mensch der Ewig
keitin seiner ersten Zeugung ewig
lich verharrend.
.In alter Lehre wird er als der höchste
aller „Engel” aufgefaßt, — die „Krone
jener Hierarchie der Geister, die in den
Leuchtenden des Urlichts hier auf Erden
sich die „Brückenbauer” schuf für jene
„große Brücke”, die den Erdenmenschen
aus dem Reich des Tieres leitet, so daß er
seine Geistesheimat wiederfinden kann,
der er sich vor Aeonen einst entwand! —
.In jedem Leuchtenden des Urlichts ist
dieser „Vater”, ewig weiterzeugend seinen
Sohn”, den Leuchtenden, — in Wahrheit
eines Wesens mit dessen Lichtnatur, der
dieser Erde Leib nur äußeres Vehikel ist,
um erdenhaft zu wirken, was der Erde For
mung braucht, soll es im Erdenmenschen‐
leben in Erscheinung treten! —
.So konnte in Wahrheit der Meister von
Nazareth seinen Schülern sagen: „Wer mich
sieht, der sieht auch den Vater”, — und
Niemand kommt zum 'Vater' denn
durch mich”: — durch das, was in mir
Leben ist, als des „Vaters” geistgezeugter
„Sohn”...
96 Das Buch der Liebe
.Die Lehre von der Seele, wie sie in grauer
Vorzeit schon die Leuchtenden erkannten,
will ich dir hier verkünden.
.Dies ist die Weisheit jener Wenigen, die auch
heute noch im Lichte dieser Lehre leben. —
.Menschen des Westens lehrten andere
Lehre, und selbst auch im Osten wirst du sel
ten nur dieser Lehre der wahrhaft durch
Selbsterfahrung Wissenden begegnen...
.Dennoch wird jeder dich in Irrtum führen,
der anderes lehrt! — — — — — — — — — —
.So höre denn, und verstehe in deinem Herzen:
.Urewig ist des Menschen Geist, anfanglos
und ohne ein Ende. —
.Ewig lebt er in eigenem, wesenhaftem
Lichte, denn er selbst ist Licht, — ein
leuchtender Funke jener ewig sich selbst ge‐
bärenden Sonne, die stetig sprühend ihren
Funkenregen in den Raum ergiesst. — — —
.Nenne diese «Sonne» nicht «Gott», denn
Gott ist etwas anderes!
.Schwer wird es werden, dir das begreiflich zu
machen. —
.Ich muss ein Wort aus der Alltagswelt ge‐
brauchen, um dir verständlich zu werden, und
so sage ich dir denn:
.«Gott» ist das subtilste Destillat des
Geistes, nicht «der Geist» in seinem
stetig sich gebärenden Entbrennen! — —
.Des Menschen ewiger Einzelgeist aber
ist gleichsam ein Funke jener ewig sprühenden
Sonne, ein Funke, in dem sich das Destillat
des Geistes bilden, — in dem sich der leben
dige Gott unendlichfältig gebären kann...
.Ewig gebärt sich selbst die ewig sprühende
Ursonne ewigen Geistes!
.Ewig sprüht diese kreisende Sonne ihre
Geistesfunken, als Geister-Hierarchien in den
geistigen «Raum»!
.Die «Funken», die sie selbst aus sich
sprüht, sind gleichsam noch selbst Riesen
sonnen, doch diese sprühen wieder ewig
«Funken», ewig «Sonnen» aus, die wieder
in gleicher Weise stets kleinere und schwä
chere «Funken» oder Funkensonnen sprü‐
hen...
.Was im Menschtier der Erde sich selbst ge‐
fangen hat, der Geistesfunke, durch den
dieses Menschtier erst zum «Menschen» wird,
ist keineswegs der kleinste dieser Funken.
.Du kannst deiner Vorstellung dadurch am
besten zu Hilfe kommen, wenn du die
«Grösse» dieses «Funkens» etwa im gleichen
Verhältnis zu grösseren und kleineren «Geistes
funkensonnen» suchst, wie sie das Verhältnis
der Grösse dieses Erd-Planeten zu grösse
ren oder kleineren Weltkörpern zeigt. — — —
.Es lag im Wesen des Geistesfunkens, der sich
im Erdenmenschentiere sein Gefängnis schuf,
beschlossen, dass er das Reich der Seele sich
als Wirkungsfeld erkor, und dass er schliesslich,
um auch Herrscher in dem Reiche der Materie
zu werden, nach einem «Körper», einem «Leib»
der materiellen Gestaltung strebte.
.Ein solcher «Körper» aber war ihm bereits
gegeben, ein Körper, der wohl der Materie
verbunden, doch nicht ihr unterworfen
war. — — —
.Dass er aus Furcht vor der materiellen Wir‐
kung seiner Kräfte sich mit dem Körper des
Menschentieres der Erde verband, das erst
gereichte seinem Streben zum «Fall». —
.Ein «Fall» ist dieses Streben, doch zugleich
ein Tauchen in die tiefsten Tiefen, in denen
ein neues Bewusstsein geboren werden
kann. — —
.Es verlor zwar der Geistesfunke im Fallen
das Bewusstsein um sich selbst, als einer
Sonne des ewigen Geistes, aber die ewige
Kraft, die ihm trotzdem innewohnen bleibt,
treibt ihn wieder empor zu sich selbst, aufs
neue sich selbst erkennend bei seiner völligen
Rückkehr, und dies in einer Herrlichkeit, die
nur aus der Tiefe, in die er gefallen war, zu er‐
schauen und zu empfinden ist ............
.Uranfänglich muss jeder dieser kleineren
Geistesfunken, dieser kleinen «Funkensonnen»,
nach dem Reiche der Seele streben, und nur
die Heftigkeit seines Strebens lässt ihn das
Ziel, das er eigentlich erreichen will, über
schiessen. —
54 Das Buch der Gespräche
.Zum Reiche der Seele muss jeder dieser
Geistesfunken, will er sich seine Welt ge
stalten und sich selbst in seiner Wirkung
finden.
.Vorher ist nur ein Wissen um sich selbst in
ihm, als ein Wissen um sein reines Sein. —
.Im Reiche der Seele erst wird er seiner
eigenen Wirkungskräfte bewusst. — — —
.Im Reiche der Seele erst kann er nach
seiner Göttlichkeit in sich verlangen und erst im
nach «Gott» verlangenden Geiste kann sich
das «Destillat» des Geistes gestalten, kann
sich sein lebendiger «Gott» im Geistesfunken
«gebären». — — — — — — — — — —
.In jener ewig kreisenden, ihrer selbst allein
in ihrer unermesslichen Grösse bewussten
«Geistessonne», die ewig ihre «Funkensonnen»
in den geistigen Raum ersprüht, — dort ist kein
Bedürfen nach einem «Gott», denn dort ist
alles nur leuchtende Einheit des Seins...
.Damit aber «Gott» sein könne, muss etwas
Empfindendes sein, das nicht «Gott» ist,
nicht nur in sich selber kreist, in sich
selbst genug und vollendet...
.Wie das weisse Licht des Tages sich
zerspalten lässt in helle und dunklere Farben,
also muss sich die Ur-Einheit des Geistes
gleichsam zerteilen in mancherlei Strahlen,
wenn «Gott» sich im «Geiste» gebären kön‐
nen soll...
.Es müssen farbige Dunkelheiten im an
sich farblos weissen Lichte des Geistes wer‐
den, damit das gold-weisse Licht der Gott
heit sich zeigen kann. — — — — —
.Dazu aber dient das Reich der Seele.
56 Das Buch der Gespräche
.Ein jeder Menschengeistesfunke taucht ein in
dieses Reich, und um ihn bilden sich, wie Kri‐
stalle in einer salzgeschwängerten Flüssigkeit,
die seelischen Formen, die eure westliche
Lehre: seine «Seele» nennt. — —
.Ihr glaubt im Abendlande hier, diese «Seele»
sei gleichsam ein abgeschlossener Leib aus un‐
sichtbarem, fluidischem Stoff, und eure Lehre
lässt diesen Seelenorganismus mit eurer Geburt
im Fleische entstehen, damit er nie mehr euch
verlasse, damit er, in der Zeit entstanden, ewig
erhalten bleibe. —
.Eure «Seele» ist aber keineswegs dies festge‐
fügte, in sich Geschlossene, denn das Reich der
Seele ist ein unsichtbares, fluidisches Meer,
in dem es keine unveränderlichen Formen
gibt, ausser jenen unzählbaren Kräften, die man
als Seelen-Atome bezeichnen könnte, und die
zeitweilig euere Seele bilden, sie aus sich ge
stalten; doch in jeder «Seele» sind es jeweils
ihrer Tausende, und mehr als tausendmal
Tausende! — — — —
.Sobald das, was ihr wirklich im höchsten
Sinne seid, jener ewige Geistesfunke, das
Reich der Seele erreicht, sobald er eintaucht
in dieses fluidische Meer, — schiessen diese Mil‐
liarden von Kräften um ihn zusammen und
werden von dem Eigenlichte des Geistes erfüllt.
.Der Geistesfunke aber strebt tiefer und tiefer,
bis auf den Grund dieses Meeres, wo ihm die
furchterregenden Kräfte dann begegnen, die ihn
verleiten, im äusseren Reiche der dich
testen Materie Schutz zu suchen, so dass er
sich dem Menschentiere eint, und sich in
seiner Form verliert.
57 Das Buch der Gespräche
.Dann danken Sie 'Gott', der in Ihnen
selbst, wie in einem Tabernakel einge‐
schlossen ruht
202 Das Geheimnis
Die den Weg zu finden wissen, der zu
diesem Tempel führt, werden stets nur
die Erwählten sein, die aus reinster
Herzensinbrunst suchen, bis ihnen
die ersehnte Führung wird im eige
nen «Ich».
Geheimnisvoll Verborgenes wird ihnen
sich enthüllen; doch was auch immer
noch im Laufe der Jahrtausende sich
dieser Menschheit offenbaren mag,
wird stets weit tieferes Geheimnis in
der Ferne zeigen, und niemals wird die
Gottheit sich dem Erdenmenschen als
Gegenstand begrifflichen Erfas
sens überlassen. —
Nur Bild und Gleichnis dürfen von
der letzten Wahrheit Kunde bringen!
Wer aber solche Wahrheit nicht mehr
außen sucht; wer da erkannt hat, daß
sie nur im Innersten des Innern
Menschen faßbar werden kann «von
Angesicht zu Angesicht», dem
zeigen Bild und Gleichnis Weg und
Weise, in das Innerste des Innern zu
gelangen.
Dort kann ihm, ist er ein Berufener,
noch vieles sich eröffnen, was ich hier,
und so vor jedem Menschenohr, ver
schweigen muß:
83 Die Weisheit des Johannes
.Dieses einzige mögliche reale Gott‐
erleben ist auch kein Überstürzen der Seele
mit einem Erlebniszwang, den sie kaum
auszuhalten vermag, sondern, wo immer
es Ereignis wird, ist es der jeweiligen
Eigenart des Menschen entsprechend.
.Darum ist in meinen Lehrworten gesagt:
daß jeder nur seinen lebendigen Gott er‐
leben kann, und daß er seinen lebendigen
Gott niemals, hier auf Erden und in aller
Ewigkeit, seinem Bruder zu zeigen vermag.
.Jeder Versuch, dieses Erleben „mit
Gewalt” herbeiführen zu wollen, muß
zur Selbsttäuschung führen!
.Wenn man hingegen das so viel miß‐
brauchte (und darum von mir fast niemals
verwendete) Wort: „Gnade”, hier um der
Verdeutlichung willen heranziehen, und so
verstehen will, daß es eine Beglückung
bedeutet, für die man die Voraussetzung
erfüllt hat, so daß eben diese Beglückung
eintreten muß, weil sie von keinem, auch
nicht von einem göttlichen Willen zurück‐
gehalten werden kann, — dann kommt
man in Wahrheit dem Verständnis für
dieses Erlebendürfen ziemlich nahe...
.Ob es einer einmalig, immer erneut,
oder für die Dauer ununterbrochen zu
erleben vermag, hängt nur von ihm selbst:
— von seinen seelischen Möglichkeiten ab,
aber jeder, dem es in der für ihn möglichen
Weise einmal wurde, tritt damit in ein
neues Leben ein und findet sich in einer
Erneuerung, die nur von dem, der sie weiß,
empfunden, aber niemals in Worten dar‐
gestellt werden kann.
91 Der Weg meiner Schüler
.So ist auch aller vorgebliche „Glaube
an Gott” nur Selbstbetrug, so lange er
nicht durch den felsenfesten Glauben an
sich selbst gerechtfertigt wird.
97 Der Weg meiner Schüler
Kulte wußten, daß „wer Gott sieht, sterben
muß”, und schufen daher die Wahrheits‐
Bilder der Wirklichkeit, für alle, die ihren
lebendigen Gott in sich selbst zu
finden hofften, wo er nicht „gesehen”, —
wohl aber in jedem Atom der Seele, in jeder
Zelle des Körpers, empfunden werden
kann: Segen, Kraft und Erleuch
tung spendend. —
216 Das Mysterium von Golgatha
.Mit Donnerworten möchte ich euch aus
dem Schlafe erwecken, um euch der laut‐
losen Stille des ewig wachen Lebens der
Wirklichkeit zuzuführen, in der allein
der „lebendige Gott” in euch geboren
werden kann!
.In euch, — in dir und in dir, — muß er
sich selbst im irdischen Bewußtsein ge
bären können, damit er euch erfahrbar
sei! —
.Nicht im All und nicht außer dem All ist
er von dir für dich zu finden, bevor er
nicht in dir — und in dir allein für dich
leibhaftig — geboren wurde!
30 Mehr Licht
.Ihr wißt nicht, daß der lebendige Geist,
soll er des Erdenmenschen „Gott” sein,
den Menschen, der aus ihm hervorgeht,
braucht, „nach seinem Bilde” sich zu for‐
men. Das ungeformte Meer des Geistes
wollt ihr fassen, und es entgleitet, indem
ihr es zu halten wähnt, euren Händen!
.Einst sagte euch einer: „Der Geist er‐
forscht alles, auch die Tiefen der Gott
heit! — ” Ihr aber erdreistet euch in euren
Träumen, auch den Geist zu erforschen, —
gebt ihm wünschenswerte Attribute, und
nennt ihn, eurer Weisheit froh, in aller
vermeintlichen Ehrfurcht ehrfurchtslos:
— euren „Gott”!
32 Mehr Licht
.Unnahbar wie der Blitz, der von Wolke
zu Wolke überspringt, blendend wie die
Sonne am Mittag und sogleich wieder in
Nacht gehüllt, ist jenes Wirkliche ewig
lebendig, und wirkend sich selbst in sei‐
ner gewaltigen Macht und Größe.
.Aber es ist unendlich ferne eurer Vor‐
stellung vom „Geiste”, — unendlich ferne
jeder Vorstellung von „Gott”, die hier auf
diesem Erdball „Religionen” schuf.
.Und doch: — wenn je ein „Gott” den
Gläubigen erhört, mag dieser Gläubige
nun: Brahma, Allah, „Vater”, „Herr” und
„Heiland”, Christus oder Buddha rufen,
so ist es einzig jene Wirklichkeit, die ihm
Erhörung schafft. —
.Nur wirklich Erwachten wird sie offen
bar.
.Nur denen, die den Schlaf und seine
Träume für immer verlassen haben, gibt
sie sich zu erkennen.
.Nur wer erwacht, mit wachen Sinnen
seinen Gott vernehmen kann, darf hoffen,
daß er in ihm selbst das Wort des Lebens
spreche.
.Solange du noch glaubst, in deinen Träu
men der Gottheit zu begegnen, mußt du
es dulden, daß dich deine selbstgeschaf‐
fenen Götzen äffen und du ihr Spielball
wirst.
Glaube nicht, diese Götzen seien macht
los, wie du selbst dir erscheinst! —
34 Mehr Licht
.Solange ihr aber einem selbstgeschaffe‐
nen Götzen ausGedankentrieben” un‐
terworfen seid, auch wenn ihr ihn „den
einen, wahren Gott” zu nennen pflegt,
kann niemals lebendiger Geist sich selbst
in euch zu eurem „lebendigen Gott” ge‐
bären.
Bevor der „lebendige Gott” in dir gebo‐
ren ist, mußt du notwendigerweise ein
„gottloser Götzendiener deiner Traum‐
welt” sein.
.Bevor der „lebendige Gott” in dir ge‐
boren ist, bist du lebendig tot, und ahnst
noch nicht in deinen kühnsten Träumen,
was dein Leben in Wahrheit ist, — dein
Leben, das du, träumend, längst zu ken‐
nen glaubst.
43 Mehr Licht
.Nur in erwachten Seelen kann der „le‐
bendige Gott” sich selbst aus „Geist und
Wasser” gebären. (Zu „wissen”, was die‐
ses Wort besagt, wird nicht von dir ver‐
langt. Wenn du es jedoch erfahren willst,
wirst du zuvor erwachen müssen!)
44 Mehr Licht
.In fast allen Religionen ist die Vorstel‐
lung einer individualisierten Selbstdar
stellung des ewigen Urlichtes als Spur
einer tiefen Wirklichkeitserkenntnis zu
finden.
175 Mehr Licht
.Gnostischer Erkenntnis entstammt der
„Logos”-Begriff. Hier aber, in dem „Wort”,
das aus Gott ist, und Gott ist, steht nichts
anderes vor uns, als die Selbstaussprache
des ewigen, unfaßbaren Urlichts in einer
individualisierten geistigen Gestaltung,
und diese Erkenntnis geistiger Wirklich‐
keit gelangte in die Lehre des Christen
tums, wo sie völlig der durchaus anders
gearteten „Gottessohnschaft” des Meisters
von Nazareth vermischt wurde, so daß der
„Gesalbte”, der Christos der Evangelien,
nun schon seit fast zweitausend Jahren
als: „menschgewordener” Logos aufgefaßt
und angebetet wird.
Im Grunde zeigt aber die gnostisch-alexan‐
drinische Logos-Lehre nur in aller Klarheit
die Erkenntnis einer Wirklichkeit, die
allen — wie man zu sagen pflegt: „persön‐
lichen” Gottesvorstellungen ihre volle Be
rechtigung gibt, — — vorausgesetzt, daß
sie nicht in anthropomorphe Ungeistig
keit ausarten, die dann dazu führt, einen
„persönlichen Gott” über den Wolken zu
erträumen, der nichts weiter ist, als ein
mit göttlichen Machtvollkommenheiten
ausgestatteter „irdisch-allzuirdischer” Po‐
tentat.
177 Mehr Licht
.Erst nach vollendeter Rückkehr, verei
nigt mit demWortedasGottist,
schaut der Geistesmensch die Gottheit,
wie sie ewig ist und wirkt „von An
gesicht zu Angesicht”, aber nicht von
außen her, sondern in sich selbst.
.Erst dann „erkennt” er, wie auch er
„erkannt wird”!
Aber schon am ersten Anfang dieses un‐
ermeßlichen Weges kann sein „leben
diger Gott” sich in ihm gebären, in
menschlich empfindbarer Form.
.Der „lebendige Gott” des erwachenden
oder erwachten Menschen auf dieser Erde
ist gleichsam ein unfaßbares Fünklein
aus dem ewigen Strahlenlichte des „Wor‐
tes” das da „Gott” ist von Ewigkeit zu
Ewigkeit, und das selbst das Urlicht in
seiner Selbstaussprache als Urwort ist, —
so wie es „gleichzeitig” sich selbst als ewi
geGottheit” erfaßt.
.Um letzter Klarheit willen, sei hier der
Vergleich erlaubt mit einer der Kräfte
des physischen Universums, die der Mensch
sich dienstbar zu machen wußte:
.So wie elektrische Kraft ein haardünnes
Fädchen zum Glühen und Leuchten brin‐
gen kann, wie aber der Strom der glei
chen Kraft, der eine große Stadt versor‐
gen soll, in seiner ganzen Stärke ge
braucht, diesen Kohlenfaden im Augen
blick vernichten würde, so würde auch
das Fassungsvermögen des irdischen Men‐
schen im Augenblick vernichtet sein,
könnte es unbereitet dem Strahlenglanze
des ewigenWortes” und damit dem Ur
lichte selber nahen, — während erden‐
menschliche Fassungskraft es wohl vermag,
jene unendlich zarte Durchströmung zu
ertragen, die im Innersten des seelischen
Innern jenen „Abglanz des Vaters”: —
jenen leuchtenden Stern erzeugt, in dem
ihm allein sein „lebendiger Gott” auf die‐
ser Erde erfaßbar werden kann, will er
des Erdgeborenen Bewußtsein nicht zer‐
stören durch seines Glanzes Fülle.
.Beschreitet dann der endlich Erwachte
den einzigen Weg, der wirklich zurück in
die Urheimat des Geistesmenschen führt,
so leuchtet ihm dieser Stern voran und
wird mit jedem errungenen höheren Zu‐
stand lichter und strahlenreicher, bis er
zuletzt, im unnennbaren Glanze des ewi‐
gen „Wortes”: — im sich selbst gebärenden
ewigen Urlicht, — sich mit ihm selber für
alle Ewigkeiten eint.
Das ist, nach menschlichem Vermögen dar‐
gestellt, der Weg, der den Geistesmen‐
schen nach seinem Falle wieder aufwärts
führt!
192 Mehr Licht
Du siehst die Sternenheere der Nacht und
du kannst nicht fassen, was sie erhält, und
dennoch ist dieses ganze Weltenall mit
seinen zahllosen Sonnensystemen nur das
geringste Zeugnis einer Kraft und ihres
eingewobenen Willens, einer Kraft, der
auch du dein Dasein dankst, und deren
höhere Offenbarung dir, bis in ihr ureigen‐
stes Wesen, werden kann, wenn du den
Weg, den Liebe und Erbarmen offenhal‐
ten beschreiten magst!
.Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr
gehört, was Gott denen bereitet hat, die
ihn lieben!” Nichts physisch Irdisches
kann das Ewige erfassen!
.Möchten dich meine Worte alles Gött
liche lieben lehren!
.Erst wenn du Göttliches, soweit du in
der Betrachtung das vermagst, erkennst,
wirst du es lieben! Sonst liebst du nur
einen Fetisch, den du dir selbst geschaffen
hast in deiner Vorstellung.
.Erst wenn du die aufwärts ziehende
Kraft des Göttlichen meditierend in dir
empfindest, wirst du auch die ewige Liebe
in dir erkennen, durch die du alles, was
zu deiner geistigen Rettung dient, voll‐
bringen kannst!
.Dann erst wirst du jene unvergleich‐
liche Kraft, die alle Kräfte meistert, auch
selbst gebrauchen lernen: — die Liebe,
losgelöst von jedem Gegenstand der Liebe!
.Diese göttlich lebendige, schwingende
Urkraft aus der geistigen „Welt”, durch
die allein das Leben des Menschen auf
dieser Erde erlöst werden kann aus aller
Gebundenheit!
.Diese höchste Kraft, durch die du aus
der Haftung dich befreien kannst, in der
dich die unsichtbaren Gewalten der phy‐
sischen Allnatur in der du lebst, gefangen
halten, — sie, die tief unter dir stehen,
und dennoch derzeit mächtiger sind als
du, bevor dich die Liebe an sich zum un‐
besiegbaren Herrn deines Lebens macht!
.Dann wirst du verstehen lernen, was
das Wort besagen will:
.Gott ist die Liebe, und wer in der
Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott
in ihm!”
197 Mehr Licht
.Was nützt alles verstandesmäßige Er‐
kennen, alles Wissen über die Welten des
Geistes, wenn doch alles das mit dem Fort‐
fall der Gehirnfunktionen lautlos in Nichts
zerstäubt und nie mehr im seelischen Be‐
wußtsein gefunden werden kann, falls die‐
ses seelische Bewußtsein nicht vorher,
noch während es das Gehirn zur Verfügung
hatte, den ewigen Willen zur Einigung
mit seinem lebendigen Gott, seinem gött‐
lichen Geistesfunken im innersten Innen,
erreichte?
Diese Einigung aller Seelenkräfte, al
ler Empfindungsmöglichkeiten, auch der
durch den Körper allein gegebenen, im
allerinnersten „Ich”, — in der höchsten
Region inneren Fühlens, die allein die
Gottheit erreicht und sie eben nur im
Menschen selbst, als den in ihm leben
digen Gott erreichen kann, — ist die ein
zige geistige Aufgabe des Menschen, die
sich wirklich aller Anstrengung wert er‐
weist.
.„Das Himmelreich leidet Gewalt, und
nur die Gewalt brauchen, reißen es an
sich!”
.Wahrlich, es braucht „Gewalt”, alle
störenden Einreden des nur auf die phy
sische Welt und auf die aus ihr abgelei‐
teten Spekulationen beschränkten Ver
standes abzuweisen, damit die innere
Stille zustande kommt, die uns das Urbild
unseres „Ich” empfinden läßt, unsern le
bendigen Gott, der uns jeden Augenblick
unseres Seins stets neu nach seinem Bilde
schafft, — dessen ewigen Schaffens Aus
druck wir geistig sind, — dem wir völlig
uns angleichen sollen, damit wir aus sei
nem Bewußtsein heraus, durch alle Ewi‐
keit hindurch, uns selbst in Bewußtseins
identität zu erhalten fähig werden!
279 Mehr Licht
.Auch wenn der Menschengeist in den
höchsten geistigen Regionen Ewigkeiten
hindurch nach Gott suchen wollte, würde
er niemals Gott begegnen, denn so, wie in
der ganzen physischen Natur niemals Na‐
turkraft an sich zu finden ist, und dennoch
in jedem Atom dieser Sichtbarkeit erkannt
wird, so äußert sich Gottheit nur in den
aus ihr gezeugten Geisteswesenheiten, —
in jeder individuell gesondert auf die nur
in ihr allein erstrebte Weise der Offen‐
barung, — und kann niemals, auch nicht
in einer der höchsten Geisteswelten, iso
liert und für sich bestehend gefunden
werden.
.Wir müssen Gott in uns selbst entdecken,
in seinem ewigen, zeugenden Leben, und
damit wir Gott in uns selbst entdecken
283 Mehr Licht
Hier in diesem Erdenleben ist es dem Men‐
schen möglich, zu „wirken”. — Nach dem
Verlassen der physischen Welt aber findet
er sich in dem Zustand, den er sich selber
schuf, und muß passiv verharren, bis sich
ohne sein Zutun, vielleicht in kürzerer
Zeit, vielleicht auch erst nach Jahrtausen‐
den, — in irdischer Weise zu sprechen, —
sein Seelisches derart geläutert hat, daß
es substantiell gottgeeinten Geisteswesen‐
heiten gelingt, in ihm das Bewußtsein
vom wesenhaften Innewohnen seines gött‐
lichen Wesenskernes, seines lebendigen
Gottes, zu erwecken. Erst dann kann in
ihm die Willensumkehr erfolgen, durch
die er alle Kräfte seinem „lebendigen
Gott” zum Dienste überläßt, wodurch
dann erst die Vereinung seines Bewußt‐
seins mit dem ewigen Bewußtsein des
göttlichen Geistes in ihm herbeizuführen
ist, die auch kein „Gnadenakt” der Gott‐
heit jemals anders herbeizuführen vermag!
.Dann aber ist sein erdenmenschliches
Bewußtsein ihm längst entschwunden, wie
ein Traum, der sich selbst entschwand.
.Er ist zwar „gerettet”, aber sein Leben
auf dieser Erde mit all seinem Trachten,
seinem Glück und seiner Mühsal ist auf
ewig ihm unerinnerbar geworden, er hat
den Preis des Siegers, die Erweiterung
des Bewußtseins Dessen, der die äußer
sten Reiche göttlicher Selbstoffenbarung
durchlaufen hat, für sich nicht erlangt!
.Zwar wird auch er, — dann dem gött‐
lichen Geiste Darstellungsform geworden
und mit seinem ihm gleichgearteten männ‐
lichen oder weiblichen geistigen Gegen‐
pol vereint, — in der Fülle unendlichen
Glückes das Leben des reinen Geistes le‐
ben, doch ungleich höher ist die Art der
Selbstempfindung jener ewig Geistigen,
die in all ihrem unendlichen Glück auch
des Bewußtseins der tiefsten Tiefe noch
fähig bleiben, in die sie, dem Erdenmen‐
schentiere einst verbunden, hinabgetaucht
waren.
.Wie der Mensch der Ebene, in seiner
ganzen Seele erschüttert und beglückt vor
den Wundern der Bergwelt, steht, von dem
Gebirgsbewohner zuweilen kaum in seiner
Andacht verstanden, so ermißt erst der
Geist, der auch aller Tiefen noch bewußt
sich erinnern kann, die ganze Höhe seines
Glückes, und je höher die Stufen werden,
die er, wenn auch erst in Äonen, erreichen
soll, desto weniger möchte er die Er
innerungsmöglichkeit an seine tiefste
Stufe missen.
Da Geistiges niemals in seinem Wesen
veränderlich ist, so handelt es sich bei dem
Aufstieg der Seele auch niemals um eine
Veränderung ihres göttlich-geistigen, ewig
sie zeugenden Wesenskernes.
.Der „lebendige Gott” in des Menschen
innerstem Innen, dem er hier schon auf
dieser Erde sich im Bewußtsein zu einen
vermag, ist der Gleiche, auf jeder geistigen
Stufe, die je erreicht wird, durch alle
Ewigkeit hindurch.
.Nur der Zustand der Seele, der Zustand
menschlich-seelischen Bewußtseins erwei‐
tert sich, um stets höhere geistige Bewußt‐
heit zu erlangen, um stets weitere Un‐
ermeßlichkeiten geistigen Seins empfinden
zu können.
.Würde es sich nur darum handeln, ir
gendein Individualbewußtsein seelischer
Art um den geistigen, zeugenden Wesens‐
kern herum zu bilden, dann wäre jedes
Trachten nach der Einung des Bewußt‐
seins mit dem Geiste, hier während dieses
irdischen Lebens, völlig überflüssig, denn
die Einung kann, mit Ausnahme der Fälle
gänzlicher Bewußtseinsauflösung, nach
ewigen, dem göttlichen Leben inhärenten
Gesetzen noch erfolgen, auch wenn sie
erst in Äonen erfolgt.
.Der Weckruf aller wirklichen Geistes‐
lehrer der Menschheit erging zu allen Zei‐
ten deshalb, weil es das höchste Glück der
Seele in aller Ewigkeit ausmacht, ihr ir
disches Bewußtsein und damit die Fähig
keit des Erinnerns in sich zu erhalten,
und weil unsägliches Leid der Seele, das
zur Auslösung kommen kann, nachdem
sie den Erdenkörper verlassen hat, durch
ihre Geisteseinung während des irdischen
Lebens vermeidbar wird.
.Die Menschheit zu jeder Zeit durch ihre
berufenen Sprecher auf diese Bahn ver
mehrten Glückes hinzuleiten, ist Aufgabe
Derer, aus deren Mitte heraus ich diese
Lehren künde und jedes Wort dieses Bu‐
ches soll seine Leser nichts anderes lehren,
als diese Art des „rechten Gottesdienstes”.
Möge keiner, der diese Worte liest, aus
diesem Leben irdischer Mühsal scheiden,
bevor sein Bewußtsein geeinigt wurde
seinemlebendigen Gott”!
.Möge keiner in jene „Nacht” der Un
möglichkeit eigenen Wirkens gelangen,
aus der es kein Entrinnen gibt, ehe die
Schuld des Harrenden „bis auf den letzten
Heller” beglichen ist!
.Noch ist es „Tag” und hilfreiche Hände
sind am Werke, Allen geistige Hilfe zu‐
zuleiten, die danach verlangen. — Es be‐
darf keiner Sonderschulung, diese Hilfe
herbeizuziehen, und keiner persönlichen
Einzel-Belehrung, sie sich zu eigen zu
machen.
.Wer Ohren hat zu hören, der höre!”
298 Mehr Licht
«Gott ist Geist, und die ihn anbeten,
müssen im Geiste die Wahrheit anbeten!»
Wer nicht den Geist in sich zu suchen unter‐
nimmt, wird Gott in Ewigkeit nicht finden!
90 Das hohe Ziel
Das ewige reine Sein, dem allein in Wirk
lichkeit der Name «Gott» gebührt, ist in
sich selber eins und unteilbar, auch wenn
es sich selber darstellt in Unendlich
fältigkeit.
Wie könnte es jemals sich selbst in irgend
einer seiner Darstellungsformen negieren!? —
Nichts ist im Kosmos, das nicht letzten En
des eine der Darstellungsformen wäre des
ewigen Seins, das in sich selber liebend ver‐
harrt, indessen die Darstellungskräfte es, ewig
bewegt, gleichsam umkreisen.
Sich selbst ist dieses ewige Sein «Gesetz»
und «Norm», und alle die wahrlich unendlich
fältigen Kräfte, die seiner Darstellung die
nen, sind trotz aller Ausstossung als Gegen
Gesetztes dennoch ewig nur in seinem Sein
gegeben, könnten niemals ein Dagegen-Sein:
das «Dasein» wirken, ohne dieses ewige
Sein...
So ist denn jegliche Kraft nur gesetzt im
innewohnenden «Gesetz» des ewigen Seins und
trägt die Möglichkeiten ihres Wirkens un
veränderbar in sich, auch wenn in mensch‐
lich unermessbar langen Zeiten jene Kombi
nationen dieser Kräftewirkungen, die wir er‐
kannt zu haben glauben als «Naturgesetze»
manchem Wechsel unterworfen sind, den nur
der Mensch nicht wahrnimmt, da die
menschliche Beobachtung auf dieser Erde sol‐
che Zeiträume nicht umfasst.
Solange aber eine Kombination von Kräfte‐
wirkungen, — von uns «Naturgesetz» genannt,
— nicht wieder aufgelöst ist, kann das ewige
Sein sie niemals negieren, da ja auch sie in
ihm allein gesetzt ist, und es sich selber nicht
negieren kann. —
Hier sind die Grenzen der vermeinten
göttlichen «Allmacht»: — ewig unüber
schreitbar auch dem ewigen Sein!
Das heisst: — in der Weise schlichtesten Gottes‐
glaubens gesprochen — Gott würde gegen sich
selber wüten, wollte oder könnte göttlicher
Wille sich der Wirkungsart irdischer Kräfte
entgegenstemmen, da Norm und Gesetz
dieser Kräfte ja aus dem gleichen göttlichen
Willen ihre Bestimmung haben. —
Vollkommenheit ist an dieser Stelle nicht
durch göttlichen Willen gewollt: — kann
nicht gewollt werden, denn Vollkommenheit ist
nur möglich im reinen, absoluten Sein, nicht
aber in dem Dagegen-Gesetzten, das wir «Da
sein» nennen.
Die Einzigartigkeit des absoluten Seins
schliesst notwendig aus, dass Vollkommenheit
im Dasein gestaltbar wäre.
Alles «Dasein» ist ja nur «Reflex» eines be‐
stimmten Aspektes im reinen, absoluten Sein,
und so wie die Erdensonne gleichsam «voll‐
kommen» genannt werden könnte gegenüber
ihrem Spiegelbilde auf ruhiger Wasserfläche, so
ist nur das ewige Urbild jeglicher Darstellungs‐
kraft, die am «Dasein» wirkt, im ewigen Sein
vollkommen, — nicht aber der dargestellte Ge
gensatz, der in der Erscheinung fassbar
wird. —
Vom Göttlichen, Geistigen her kann die Er‐
scheinungswelt nur insofern beeinflusst wer‐
den, als göttlich-geistiger Wille auf sie einwir‐
ken kann, ohne sich selbst zum Widerspruch
zu werden.
Es wäre nicht die leiseste göttliche Ein‐
wirkung möglich auf diese Erscheinungswelt,
wären die Ketten kausalen Geschehens wirklich
so straff gespannt, wie menschliches Den‐
ken es wahrhaben möchte...
Gleichwie aber die Wirkung jener Kräfte-Kom‐
binationen, die der Mensch als «Naturgesetz»
fasst, keineswegs etwas Unveränderbares
darstellt, so ist auch die Richtung, in der sich
die einzelnen Kettenglieder des kausalen Ge‐
schehens aneinanderreihen, immer noch durch
den geistigen Willen relativ bestimmbar,
aber alle Macht des geistig-göttlichen Wil‐
lens ist auch nur in dieser durchaus rela
tiven Bestimmbarkeit kausalen Geschehens be‐
schlossen und kann die Grenzen nicht über‐
schreiten, die der gleiche Wille in sich sel
ber findet: — durch sich selbst gesetzt von
Ewigkeit zu Ewigkeit...
In aller gläubigen Einfalt gesprochen, könnte
man sagen: — Gott vermag es zwar, bis zu
einem gewissen Grade auf die irdischen
Begebnisse einzuwirken, doch bleibt sein Wille
hier stets durch innewohnendes, eigenes
Gesetz bestimmt, so dass alle Einwirkung
nur durch die Benützung der aus gleichem
Willen bestimmten Wirkungsart irdischer
Erscheinungs-Funktionen erfolgen kann. —
Der Mensch darf jederzeit sicher sein, dass
Gott jedes Unheil auf dieser Erde verhüten
wird, das Er hier verhüten kann, so dass
also alles Hadern mit Gott, weil Unheil nicht
durch Ihn verhütet wurde, nur aus der törichten
Annahme materieller göttlicher «All-Macht»
— im Sinne steter Abänderungsmöglich
keit des Geschehensverlaufes — seine schein‐
bare «Berechtigung» herzuleiten vermag und
darum Lästerung aus «Nichtwissen» dar‐
stellt. —
Was aber weiter zu wissen nottut, ist die un
umstössliche Tatsache, dass alle Möglich
keit der Richtungsablenkung irdischen kau‐
salen Geschehens von Gott aus durch den
Menschengeist allein gegeben ist: — dass
also jegliche Einwirkung Gottes auf irdisches
Dasein des Menschen bedarf, und des Men‐
schen Bereitschaft, solcher Möglichkeit die
Bahn frei zu machen, geschehe das nun in
bewusster menschlicher Willenseinstellung
oder durch passive Hingabe im Gebet. — —
Alle Kreatur wartet auf die Erlösung
durch die Kinder Gottes!
Aber auch solches wissend, soll der Mensch
nicht Unmögliches erwarten und stets dessen
eingedenk bleiben, dass die wirkliche «All‐
macht» Gottes von Ewigkeit her durch den
Willen zur Selbstdarstellung bestimmt ist,
nicht aber gegen diese Selbstbestimmtheit wir‐
ken kann, da dies, wenn es möglich wäre,
Selbstvernichtung bedeuten würde. — —
So ist denn wahrlich «Allmacht» im göttlichen
ewigen Sein, insofern, als alles «Dasein»
die Macht dieses absoluten Seins bezeugt,
aber nicht in jenem abstrusen Sinne, als könnte
das Göttliche jemals das durch eigenes Sein
bestimmte «Dasein» des aus ihm heraus und
sich entgegen-Gesetzten anders bestimmen,
als es von Ewigkeit her aus ihm bestimmt ist,
infolge innewohnender Notwendigkeit. — —
Bis in graueste Vorzeit erstreckt sich mensch‐
liches Mühen, die Gemüter in irrtumsbeladener
Vorstellung einer unmöglichen «Göttlichen
Allmacht» hypnotisch gebannt zu erhalten...
Wahrlich: es ist an der Zeit, dass dieser Bann
gebrochen werde, damit der Mensch nicht
allen Glauben an Gott verliere! —
Die Grenzen der Allmacht erkennen, heisst erst
wirklich das All verstehen, als Offenbarung
aller ewigen Macht! — — —
100 Auferstehung
Nun habe ich dich selbst als deines Lichtes Funken‐
strahl in mir erlangt: — dich, meinen lebendigen
Gott! — — —
Nun ist mir alle Finsternis erhellt in deinem
Lichte! —
Nun sehe ich den Weg vor mir, den ich durch‐
wandeln muß, um einst durch dich in deinem Reiche
neu gezeugt zu werden: — in deinem Lichte neu
geboren! — — —
Du, der sich selbst in mir geboren hat, wirst
mein Erzeuger: — ewiglich in mir dich selbst
gebärend, und aus dir erzeugend mich in dir, zu
ewiger Neugeburt in deinem Lichte! — — —
Erkenntnis ward mir aus der Liebe, die du selber
bist, den ich in meinem Allerinnersten mir nun
vereinigt weiß! — — —
Liebe hat das Wunder vollbracht!
31 Psalmen
Du bist die Liebe, — du das Licht, das aus der
Liebe lebt!
Nun trage wissend ich dich in mir, — ich weiß
dich wie ich mich selber weiß!
In mir selber bin ich dir vereinigt, — meiner Seele
bist du in mir geboren...
In deinem Lichte darf ich deine Herrlichkeit
schauen, — das Auge des Geistes hast du mir ge‐
öffnet...
Ich sehe dich, du ewiges Urlicht, unerfaßbar für
dich selbst im Sein, — ich sehe wie du selbst dich
ewiglich als Urwort fassest...
Du zeigst mir wie das Urwort ewiglich den „Ewi
gen Menschen” spricht: — den Geistgeborenen,
der ewiglich in ihm verharrt...
Du zeigst mir, wie der Menschengeist in dieser
Finsternis nur Zeugnis jenes „Ewigen Menschen
ist, — des „Alten der Tage”, — des „Vaters” aller
deiner Leuchtenden...
Aus ihm nur kannst du in dir selbst dem Menschen
geiste dieser Erde fassbar werden...
Aus ihm hast du mir Erlösung bereitet...
Aus ihm ward mir der Führer gesandt...
*
Du allein bist der Seiende!
Als Urwort offenbarst du dich für dich selbst!
Im „Ewigen Menschen” schaffst du dir des
Urworts Offenbarung, die weiterzeugend alle
Hierarchien hoher Geister bis herab zum Men
schengeiste dieser Erde aus sich selber offen
bart...
Ruhe und Schaffen sind in dir...
Ruhe bist du in deinem Sein, — als Schaffenden
spricht dich das Urwort aus...
Mann” und „Weib” bist du in deinem Sein, du
ewiges Urlicht, — du ewiger Geist der Wahr
heit, — du, der du selbst die Liebe bist...
Mann” und „Weib” spricht das Urwort aus...
Mann” und „Weib” ist der Ewige Mensch...
*
In einem Funkenstrahl deines Lichtes nur vermag
ich dich zu ertragen...
So bist du mir vereint, als mein lebendiger Gott! —
In dir erkenne ich, daß diese Liebe, die du selber
bist, stets Tat und Wirken aus weiser Ruhe will...
Alles Erkennen sehe ich fruchtlos und ohne Wert,
wenn es nicht gründet in dir, der du die Liebe
bist!
35 Psalmen
GOTT
In allen Formen
Former und Gestaltung,
In allem Leben
Zeugung und Erhaltung,
In Einheit bergend
Aller Zahlen Fülle
Ist Gott sich selber Inhalt
Und des Inhalts Hülle.
Der Ewig-Eine
Setzt sich selbst
Im „Raum” die „Zeit”,
Und bleibt doch ewig
Selbst die Ewigkeit.
*
47 Leben im Licht
auch wenn in
einem davon recht verschiedenen Sinne von
„Gott” zu sprechen ist, — nicht als einem
Postulat des Glaubens, sondern als dem
innersten Selbstbewußtsein aller ewigen
geistigen Wirklichkeit. — Nur so will ich
das Wort „Gott” erfaßt wissen, wo immer
es von mir gebraucht wird. Aber es ist
hier nicht etwa an ein verstandesmäßiges
Eigenbewußtsein zu denken, sondern die‐
ses innerste Bewußtsein, das sich immer‐
fort aus dem ewigen Geiste aufs neue er‐
zeugt, — diese, dem unermeßlichen All des
einzigen Seienden entströmende sublimste
Selbstüberlichtung und innerste Essenz des
ewigen substantiellen Geistes, — ist zu‐
gleich ewig wirkender Wille und uner‐
schöpfbare Kraft, in Maß und Milde allein
sich offenbarend, bewogen, einzig durch
eigenes innewohnendes Gesetz.
140 Briefe an Einen und Viele
Alles ist in Gott, und Gott ist in Allem!
Primär in seinen ihm eigenen Wurzelbe‐
zirken: „Ursein”, „Urlicht” und „Urwort”,
wie in seiner Selbstgestaltung, dem „Va‐
ter” — sekundär in allem unsichtbaren,
wie in allem sichtbaren Leben.
.Das darf aber nicht etwa so verstanden
werden, als predigte ich da eine Art „Pan‐
theismus”, und ebensowenig ist es mein
Wille, das was Gott ist, als „Person” er‐
scheinen zu lassen. Auch „Ursein”, „Ur‐
licht” und „Urwort” sind wahrhaftig nicht
„Personen”, wie etwa im christlichen Tri‐
nitätsdogma: Vater, Sohn und Geist! Und
was den Leuchtenden des Urlichtes „der
Vater” ist, darf hinwiederum nicht im
Sinne dieses Dogmas aufgefaßt werden.
.Wir kennen und lehren die Wirklichkeit,
nicht irgendeine Glaubenslehre!
.Im Wirklichen aber: — in der Struktur
des geistigen Lebens, besteht ein Mono‐
theismus, der auch polytheistische Ausle‐
gungen verträgt, ohne dadurch zu sich selbst
in ein Mißverhältnis gebracht werden zu
können.
.Der Gott der Wirklichkeit ist nicht, wie
gesagt wird: „das höchste Wesen”! — Das
ist vielmehr — der Vater, der sich selbst
in die Formen der zwölf Väter ausstrahlt,
die seine Wirkungsaspekte sind. Gott aber
ist nicht „Wesen”, sondern: — hier in be‐
sonderem, einmaligen Sinne gemeint, —
die Wesenheit in allem, was wesenhaft
wirklich ist. So im „Ursein”, „Urlicht”
und „Urwort”! So im „Vater” in allen
seinen Aspekten!
.Der Vater aber ist — „Mensch” im Ur‐
sein, im Urlicht, im Urwort: — der sich
selber ewig zeugende Ur-Geistesmensch
und das Maß aller Dinge die aus ihm Ge‐
staltung erlangen, daher auch des Ewigen
im Erdenmenschen! —
.Gott ist ebenso absoluterweise Gott in
den „Vätern”: — der Offenbarungsform
des Vaters, — wie im Ursein, Urlicht und
Urwort. Für sich selber aber ist das, was
Gott ist, auch nur in sich selber „Gott”: —
die Wesenheit an sich selbst, — aber von
allem anderen in ihm Seienden im ewigen,
substantiellen geistigen Leben aus „ge‐
sehen”, ist Gott Wesenheit allen Wesens!
— Und „Wesen” ist Wirklichkeit aus „We‐
senheit”!
.Ich stelle aber hier kein „Nebeneinan‐
der” oder „Übereinander”, sondern das
„Ineinander” der Struktur ewigen, geistig‐
substantiellen Lebens dar, soweit ich es
durch Worte irdischer Sprache vermag.
.Man sage nicht, daß die Darbildung des
ewigen Wirklichen für den Menschen auf die‐
ser Erde praktisch zwecklos sei, da dieser
hier für ganz andere und ihn leiblich näher
angehende Fragen nach Lösung zu suchen
habe! Kein Mensch auf Erden kann vielmehr
die von jedem bewußt oder unbewußt er‐
sehnte innere Ruhe und Erlösung seiner
Seele finden, solange sein Vorstellungs‐
haushalt noch nicht gänzlich konform mit
der Struktur ewigen geistigen Lebens ge‐
ordnet ist.
144 Briefe an Einen und Viele
daß man den Be‐
griff „Wesenheit” für das Wesen-Gebende
gelten läßt. Das höchsteWesen” aber ist
dadurch „Wesen”, daß es in derWesen
heitist wie sie in ihm, und wenn ich
darstellen will, was ich darzustellen habe,
müssen mir beide Worte als Bestimmungen
zur Verfügung stehen. Nicht anders, als
wenn ich einem Menschen, der nach hun‐
dert Jahren wieder irdisch auferstanden
wäre, nun klarmachen sollte, daß ein Elek‐
tromotor sich nur dann bewegt, wenn er
unter Elektrizität steht. Auch da müßten
mir die Worte für Bewegtes und für das
Bewegende, zu Gebote stehen. Dieser Ver‐
gleich hinkt jedoch beträchtlich, denn mir
ist „Wesenheit” nicht bloß das Bewegende
des Wesens, sondern vielmehr in erster
Hinsicht des Wesens Allerinnerstes, — ver‐
gleichend gesagt: sein lebendiger „Kern”!
147 Briefe an Einen und Viele
„Ge‐
burt” Ihres „lebendigen Gottes” in Ihrer
ewigen Menschenseele sage, denn eben hier
handelt es sich um nichts anderes, als um
die von mir gemeinte „Wesenheit”, die
auch dem individuellen Erdenmenschen in
der, seiner Individualität auf das genaueste
entsprechenden Form bewußt werden kann
und durch die allein er wesenhaft zu wer‐
den vermag in Ewigkeit wie Zeit. —
.Der „Vater” ist nur den Leuchtenden
des Urlichtes, die seine eigene Zeugung
durch seine Offenbarungsform: — die
zwölf „Väter” — darstellen, bewußtseins
zugänglich, und zwar jedem einzelnen
Leuchtenden in der Form dessen unter
den zwölf mit dem Vater alle identischen
Vätern, der diesen individuellen Leuchten‐
den individuell im Urwort „zeugte”. Der
lebendige Gott” aber, von dem ich als
von der einzigen, allen Erdenmenschen
praktisch erreichbaren Selbstoffenbarung
Gottes spreche, kann jedem Menschen auf
Erden, — soweit dieser selbst sich dazu
vorzubereiten weiß, — seelisch erlebbar
werden, was ich mit einer „Geburt” Gottes
in der Seele vergleiche.
150 Briefe an Einen und Viele
Wenn Sie den „Vater”, — der Ihnen ja
nicht bewußtseins-zugänglich ist, obwohl
auch Sie aus ihm leben, — als „sich in zwölf
Selbstreflexionen erlebende Einheit” auf‐
fassen wollen, so entfernen Sie sich durch‐
aus nicht von der Wirklichkeit. Nur müssen
Sie dann die alle zwölf „Selbstreflexionen”
umfassende zwölfeigene Einheit als ein
Dreizehntes hinzufügen, wie es wohlweis‐
licher Gebrauch „Wissender” der Vorzeit
war. Es ist mit Sicherheit zu sagen, daß
die in den Evangelien berichtete Zwölfzahl
der Jünger, mit Jesus als dem sie alle gei‐
stig umfassenden Dreizehnten, hierher‐
gehört
159 Briefe an Einen und Viele
Man hätte nur auch we
niger oder ebenso mehr der Schüler Jesu
in so besonders betonter Weise nennen
können, wenn hier nicht eine Parallele zu
dem Vater-Mysterium hätte sichtbar wer‐
den sollen, das ja zu Jesu Zeit nicht nur
einzelnen „Wissenden”, sondern ganzen
Mysterienvereinen bekannt war, aus denen
später viele Anhänger der Lehre Jesu
kamen.
161 Briefe an Einen und Viele
.Führen Sie auch keine Selbstgespräche
in sich, in der Meinung, mit Gott zu reden!
Gott „spricht” erst dann in Ihnen, wenn
Sie in sich vollkommen still zu bleiben ver‐
mögen. Gott „hört” nur, was ihm Ihr
Stillesein sagt. — Und niemals „spricht”
Gott in Ihnen in Worten einer irdischen
Sprache!
239 Briefe an Einen und Viele
Gott kann nur soviel „geben
.wie er „nimmt”,
Denn aller Gabe Maß
.ist ihm bestimmt
Durch das, was der Begabte
.freudvoll gibt,
Der seines Gottes Gabe
.mehr als alle Habe
.liebt!
240 Briefe an Einen und Viele
Die Milde ewigen geistigen Lichtes wird
von überreizten Nerven nicht wahrgenom‐
men. Nur in der vorher erlangten unstör‐
baren heiteren Ruhe der Seele kann sich
das goldweiße Licht der Gottheit irdischem
Erfühlen offenbaren.
.Ich darf wahrhaftig über die Art des
Lebens und Erlebens im ewigen Geiste
mit innerster geistiger Vollmacht sprechen,
und so, wie es nur dem Selbsterfahrenden
möglich ist. Gerade darum aber muß ich
bekennen, daß auch im höchsten geistigen
Leben, das mir jedoch als faßbares Erlebnis
bewußt ist, die gleiche nüchtern klare
Einfachheit und Selbstverständlichkeit
herrscht, die jeder kennt, dem auch nur
ein einzigesmal in seinem Erdenleben
Ewiges, gleichviel in welchem Grade, zu
Bewußtsein kam.
.Was sich die meisten Menschen unter
dem Leben des ewigen Geistes und dem
menschlichen Erleben dieses geistigen
Lebens vorstellen, ist derart irdisch gefärbt
und derart kompliziert erdacht, daß es die
sicherste — Ausschaltung wirklichen Er‐
lebens im ewigen Geiste bewirkt. Wer aber
einmal vor der unsagbaren Selbstverständ
lichkeit und nüchtern klaren Einfachheit
geistigen Lebens und Erlebens im Tiefsten
erschüttert stand, der weiß zu begreifen,
weshalb ich vor allen phantastischen Vor‐
stellungen warne, die im voraus festlegen
möchten, wie Geistiges dem Irdischen sich
darbieten „müsse”.
Ich habe wahrhaftig allem Darstellbaren
ewiger substantieller Geistgestaltung ein
Wahrbild in Worten erwirkt, und nur jene
Gebiete der Struktur geistigen Lebens mit
Schweigen umhegt, die sich jedem Ver‐
gleich, und somit jeder Erfassung in irdi‐
scher Sprache entziehen. Aber auch dieser
Gebiete erhabenstes Geheimnis ist durch
ihre unbeschreibliche, irdisch unvorstell‐
bare Einfachheit geschützt: — durch das
über jede Frage hinaus „Selbstverständ‐
liche” des in ihnen zu erlebenden Ge‐
schehens. Es gibt da nichts Beunruhi‐
gendes, Aufregendes, Verblüffendes, Er‐
schreckendes oder gar „Unheimliches” zu
erleben, sondern vielmehr Welten abso
luter geistiger Klarheit, die jegliches Ver‐
schwommene, Fragwürdige und Ungewisse
ausschließen. So ist es in allen Bereichen
vollbewußten inneren, geistsubstantiellen
„ewigen” Lebens und mithin auch in der
ewigen Seele eines Irdischen, in der sich
ein Leuchtender des Urlichtes darlebt
innerhalb der Abmessungen seiner ihm
zubestimmten irdischen Zeit.
.Es ist jedoch der Leuchtende des Ur‐
lichtes nur darum der ewigen Seele des
ihm Dargebotenen im irdischen Leben ver‐
eint, weil allein durch solche Vereinung
auch allen anderen ewigen Seelen, die sich
zeitlich in Erdenmenschen erleben und
formen, die „Kraft aus der Höhe”: — die
geistgeborene ewige Lichtesenergie — zu‐
geleitet werden kann, deren sie zur Er‐
reichung ihres Erwachens im ewigen Be‐
wußtsein bedürfen. Was ich als Leuchten‐
der des Urlichtes in Worten lehre, mag
vielen zum ersten Anlaß werden, um durch
ihr eigenes Nachfühlen und Mitempfinden
sich allmählich für das Erwachen ihrer
ewigen Seele vorzubereiten, aber vom
ewigen substantiellen Geistigen her ge‐
sehen, ist mein bloßes geistigesDasein
innerhalb des Erdenlebens weitaus be‐
deutsamer als all mein bewußtes „Tun”,
wobei noch zu sagen ist, daß die in
Worte geformte, sichtbarlich aufnehm‐
bar gewordene Lehre wahrlich nur den
geringsten Teil dessen darstellt, was mir
vom ewigen Geiste her zu bewirken ob‐
liegt.
.Was aber mein bewußtes Tun — wie im
Seelischen, so bei der sprachlichen Dar‐
legung lehrenden Bekundens — am aller‐
ärgsten erschwert, ist die Diskrepanz zwi‐
schen der sich selbst immer weiter kom‐
plizierenden Kompliziertheit gehirnlich
bedingten Vorstellungserzeugens und der
irdisch unfaßbaren Einfachheit ewigen sub‐
stantiellen geistigen Lebens.
24 Hortus Conclusus
— denn der „Mensch” wurzelt nicht auf
der Erde, sondern im Herzen der Ewig
keit, — im innersten Göttlichen, das in
seinem höchsten Selbstbilde „Mensch” in
sich selber ist! Damit aber, statt des Spott‐
bildes, das ewigeIchder Wirklichkeit
im Erdenmenschen Fleisch und Blut durch‐
dringe, wird vom Ewigen her wahrhaftig
nicht verlangt, daß alles aus dem Bewußt‐
sein schwinde, was nicht „ewiger” Abkunft
ist. Wohl aber muß unerbittlich im Bewußt‐
sein unterschieden werden, was ewiger
und was zeitlicher Inhalt ist. Lange Zeit
braucht es unausgesetzte Sorgfalt, damit
sich nicht morgen womöglich unversehens
das wieder in dem ihm verwehrten Be‐
wußtseins-Innersten: — im „lch”, — er‐
neut einwachse, was gestern ausgerottet
erschien. Es ist, wie wenn man einen mit
Unkraut überwucherten Acker zu einem
geordneten Garten voll edelster Gewächse
umschaffen will. Erst wird der Boden wie‐
der und wieder gepflügt, und rücksichts‐
los unter der Hacke gereinigt werden
müssen, bis er ganz leer wird von allem,
was vorher seine Kräfte saugte. Dann aber,
nachdem man das Neue einpflanzte, wird
es noch langehin eifrige Wachsamkeit ko‐
sten, damit nicht zum wiederkehrenden
Wachstum komme, was ausgerodet wurde,
was aber Vögel und Wind immer wieder
unvermerkt auszusäen wissen.
.Das alles ist kein gedankliches Tun,
sondern Empfindungsarbeit mit der schar‐
fen Pflugschar und dem kräftigen Grab‐
scheit aus unabnützbarem geheimnisvol‐
lem Stahl, der nur in der Glut des innersten
seelischen Fühlens geschmiedet werden
kann... Man läßt aber statt dessen leider
zuerst immer noch die früher vertraut ge‐
wordenen gedanklichen Scheinerkennt
nisse in sich weiterwachsen, und hier ist
auch die Ursache dafür zu suchen, daß viele
von Zeit zu Zeit das Drängen in sich fühlen,
sich für ewig Wirkliches, das nur erlebend
zu erlangen ist, — vorläufig — ein zusam‐
mengedachtes Surrogat zu schaffen, das sie
dann in der Folge am konkreten Empfin‐
den des Wirklichen hindert, zu dem sie
doch vordringen wollen. —
74 Hortus Conclusus
Um diese Weise:
— das Wirkliche in sich selber als des
eigenen Daseins Urgrund erfahren zu
dürfen, — lehrend aufzuzeigen, wird man
gewiß der Vorstellungsbilder auch nicht
entraten können. Doch diese Vorstellungs‐
bilder werden sorglichst jedes Vorbild aus
dem Irdischen her meiden, das nicht in
hellster Transparenz zu durchschauen
wäre. Und alles, was sich in bildhaften
Worten sagen läßt, wird nur dazu dienen
wollen, in dem Belehrten die Vorstellung
von der Struktur des ewigen Wirklichen
zu erwecken, in dem und aus dem er
selber lebt. Gott ist so Vieles und so Viel
seitiges wie Verschiedenes zu gleicher
Zeit und gleicher Ewigkeit, daß es nie‐
mals möglich wäre zu sagen, was Gott ist,
wenn es nicht möglich wäre, die Struk‐
tur des geistigen Lebens, dessen Selbstbe‐
wußtsein Gott ist, in großen Linien auf‐
zuzeichnen. Die Seins-Aspekte Gottes, die
ich in solcher Weise aufgezeichnet habe,
von der geistigen Zahlwertauswirkung Eins
ausgehend, die dem Menschen nur „zwi‐
schenliegend” denkbaren verschiedenen
Wertauswirkungen bis zur Zahl Zwölf um‐
fassend, sind ausschließlich in solchem
Sinne gemeint, und es ist dabei an keiner
Stelle an ein Nebeneinander oder Überein‐
ander, wie es im Irdischen allein möglich
wäre, zu denken, sondern zu versuchen,
ein lückenloses gleich ewiges Ineinander
zu erfühlen, denn „vorstellen” läßt sich
dieses sich gegenseitig erfüllende Selbst‐
sein in der Struktur des ewigen Geistes
nicht, und es ist auch nicht meine Absicht
eine „Vorstellung” zu vermitteln, wo ich
die Wirklichkeit selbst dem Einfühlungs‐
vermögen meiner Mitmenschen empfin‐
dungsnahe bringen kann.
140 Hortus Conclusus