Geist des Seins
(von mir ausgewählte Textpassagen
in der Reihenfolge der Schriften)

.Vollkommen ist nur der ewig unendlich‐
fältige Eine, der sich in unzählbarer Ge‐
staltung im Ursein, Urlicht und Urwort
ewig neu als sich selbst erlebt...
48 Das Buch der königlichen Kunst
.Das aber ist aller geistigen Belehrung
Endzweck, denn was sollte es nutzen, hier
von Geistigem zu reden, das uns ewiglich
erhalten bleibt, — wäre dieses Geistige der
inneren Erlebensfähigkeit des Erdenmen‐
schen so entrückt, daß er es während seines
Erdenlebens doch nicht fassen könnte! — —
.Nur das, was hier im Irdischen uns
schon Erlebnis wurde, kann uns geleiten,
und uns neues Leben deuten, wenn wir dieses
Irdische dereinst verlassen werden!
232 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Ihr lebt in einer Welt, der „Geistiges”:
Verstandesarbeit ist.
.Was diese Welt als „Geist” bezeichnet,
ist Begriff und Denken, — oder gar: —
die Virtuosität, durch schnell gefundenen
Gedanken das Entlegene in frappierenden Zu‐
sammenhang zu bringen. —
.Dem „Geiste” aber, der als substantielle
Wirklichkeit die Welt durchleuchtet, ist
alles, was die Menschen dieser Tage „Geist”
benennen, — nur bloßes Werkzeug irdisch‐
allzuirdischen Erkennens...
.Die Welt in der ihr lebt, weiß nur noch
von dem „Werkzeug”, und glaubt in ihm
das „Werk” zu haben. — —
.So wurde euch der „Geist der Welt
zum Blender eures „Seelen-Auges”!
.Es wird schwer sein, ihm, der euch nun‐
mehr beherrscht, und hinführt, wohin er
euch führen will, noch Widerstand zu lei‐
sten! — —
.Der Geist, der selbstbewußt in seinem
eigenen Lichte lebt, ist nichts Verschweben‐
des, nichts, was sich nur im frommen Glauben
fühlen läßt.
.Er ist nicht nur so „wirklich”, wie ein
Baum, ein Stein, ein Berg, — ein Blitz, der
aus der Wolke niederfährt, sondern in ihm
allein kann unser irdischer Begriff der
Wirklichkeit” erst seine irdisch nicht
zu findende vollkommene Entsprechung
fassen...
.Wenn schon kein Ding von relativer
Wirklichkeit durch eines Menschenhirnes
Vorstellung von ihm an sich verändert
wird, — wie wollt ihr wähnen, daß die ab
solute Wirklichkeit nach eurem Wahn sich
wandeln könne!?!
.Die Bilder eurer Vorstellung berühren
nicht einmal das kleinste Erdending im
Grunde seines Daseins, und so auch läßt
der Geist der Ewigkeit sich wahrlich nicht
von dem berühren, was ihr als „Geistbe
nennen möget, solange ihr sein substan
tielles Sein noch nicht in euch erfassen
könnt...
250 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Euch, die ihr entschlossen seid, dem
„Geiste” der Gehirne fürderhin nur noch
zu geben was das Seine ist, damit er nicht
um das Erkennen urewigen, wesenhaf
ten Geistes euch betrügen könne, —
euch sage ich nun hier erneut, damit ihr es
in eure Herzen hämmert:
.Geist ist nichts Erdachtes!
.Geist ist nicht die Kraft des Denkens!
.Geist ist substantielles, aus sich sel
ber seiendes, lebendiges Licht!
.Alle Unendlichkeiten sind erfüllt von
diesem Geiste und alles lebt aus ihm, aber
der Erdenmensch kann ihn nirgends finden,
außer: — in sich selbst. — — —
.In euch selbst ist und lebt er, seiner selbst
bewußt, wie er im unendlichen All seiner
selbst bewußt das All durchlebt!
.Er ist nicht in euren Gehirnen allein,
oder nur in eurenHerzen”!
.Der Körper des Erdenmenschen ist zwar
tierischer Art, aber dieses Tierische birgt
geheimnisvoll in sich einen geistigen Or‐
ganismus...
.Ihr selbst seid „Tempel” des Geistes, und
in jedem Glied an euch, wie in jedem
inneren Organ steht ihm ein heiliger
Schrein auf unsichtbarem Altar...
.Bevor ihr daher nicht im ganzen Kör
per, von den Zehen bis zum Scheitel, euch
selbst empfindet, werdet ihr niemals den
Geist empfinden können, nie vermögen, mit
eurem Gotte euch zu einen!
.Dieses Selbstempfinden, durch den gan‐
zen Körper, der in sich ein Heiligtum des
Geistes birgt, muß eure vornehmlichste Auf‐
gabe sein, und sie ist bereits in allem einbe‐
griffen, was ich bisher zu sagen hatte, wenn
auch in anderer Weise davon die Rede
war. — —
253 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Wem Glieder seines Leibes fehlen, der
wisse, daß jedes Glied in geistiger Substanz
vorhanden ist, auch wenn es nie im Äußeren
vorhanden war, — und daß in gleicher Weise
jedes Glied in seiner geistigen Gestalt vor‐
handen bleibt, auch wenn es im Äußeren
vom Körper abgetrennt wurde.
.Im geistigen „Leibe” gibt es keine Ver‐
stümmelung!
.Im geistigen „Leibe” ist jeder Menschen‐
geist Sammelpunkt aller Schönheit, die er
seiner „Seele” geben kann, in der sich der
Geistesleib „erlebt”, — und die im Geiste
zu „sehen” vermögen, erschauen in ihm nur
das, was durch Seelenkräfte Gestalt ge
wonnen hat, nicht aber irgend einen Mangel
der physisch sichtbaren, durch materielle
Einwirkung bestimmten Erscheinungsform...
.Seid ihr nun an diesem Punkte angelangt,
und empfindet ihr euch selbst im Ganzen
eures Leibes als ein Ganzes, dann werdet
ihr wahrhaftig auch den Leib zu ehren wissen,
als das Äußere des „Tempels”, der in sich
das allem Außensinn verhüllte heilige Myste‐
rium geistigen Lebens birgt, wie es allein
der Menschengeist auf seiner Rückkehr
in das Licht aus dem er einst sich löste, er
langen und erleben kann...
258 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Er wirkt aus dem Geiste, der das Ur
Seiende ist, und er wirkt nur aus der Kraft
des Geistes...
.Aus dem ewigen substantiellen Geiste
aber gestaltet sich „Gott”, — wie ein „De‐
stillat” des Geistes, — in jedem Menschen,
der mit Inbrunst seinem Gott entgegenstrebt,
und in Geduld den Tag erwartet, der ihn so
vorbereitet findet, daß sein Gott sich in ihm
selbst „gebären” kann. — — —
.Gott ist Geist, — jedoch: — des Gei
stes höchste Selbstformung! —
.Sich selber formend aus sich selbst,
offenbart sich des Geistes höchste Seins
form — als „Gott”! — — —
261 Das Buch vom Lebendigen Gott
.So, wie ihr auf Erden von einem Menschen
sagt, er „lebe” sein Leben, wenn er es, gut
oder ungut, tätig genießt, — so ist denn auch
hier alles „leben” ein Tun, und „Leben”
nicht nur Bezeichnung eines Seins-Zu
standes. — —
.Hier ist „Leben”: — das „Licht”, aus
dem der Geistige leuchtet, — aus dem er
lebt”! — — —
.Ihr selbst seid „eingewoben” der ewi‐
gen Welt der Geister, und euch durchflutet
aller ewigen Geister „Leben”, ohne daß ihr
darum wißt! — — — K+  K-
Gibt es Nichtgeistiges? oder doch eher: ALLES ist Geist - in unendlicher Formenfülle, deren Einzelformen einander durchdringen

287 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Was durch die geistigen Sinne wahrge‐
nommen wird, ist in gleichem Grade „ob
jektiv” gegenwärtig, wie das, was die phy
sischen Sinne des Erdenkörpers wahr‐
zunehmen vermögen, und aus diesem Grunde
entspricht das geistig-sinnlich Wahrgenom‐
mene auch bis zu den höchsten Stufen
geistiger Selbstdarstellung „objektiv” durch‐
aus den Formen der physisch-sinnlichen An‐
schauungswelt, wenn auch in geistbedingter
Abwandlung.
.Auch in der geistigen Welt gibt es
„Länder und Meere”, tiefe Schluchten und
hohe Berge, Firnen mit ewigem Schnee be‐
deckt, und weite, stille Täler voll von An‐
mut und Frieden...
77 Das Buch vom Jenseits
.Auch auf der geistigen Seite der
ursächlichen Welt gibt es „Raum und
Zeit”, „Ursache und Wirkung”, wenn
wir auch zu alledem in wesentlich an‐
derer Beziehung stehen, als wir es auf
der Erde und im physisch-sinnlichen Leben
gewohnt sind. —
.Alles was hier in der geistigen Welt
erlebt wird, ist von gleicher Realität wie
die Dinge der mit physischen Sinnen
wahrnehmbaren Welt, kann aber nur auf
geistige Weise zu Bewußtsein gelangen.
.Was solcherart wahrgenommen wird, ist
auch keineswegs örtlich ferne der physi‐
schen Welt, aber es untersteht nicht mehr
den in der physischen Erscheinungswelt wirk‐
samen Gesetzen. —
.Wirkender Wille läßt im Geistigen er‐
wachsen, was uns im geistigen Leibe dienen
soll, und der gleiche Wille läßt die reife
Frucht ohne Mühe geerntet sein.
80 Das Buch vom Jenseits
.Wir kennen nur keine Tiere in dem
Bereiche der geistigen Welt, von dem hier
die Rede ist, obwohl die reine Formen
welt tierhafter Erscheinung auch hier kei‐
neswegs fehlt.
.Alles aber, was am Menschen auf Erden
des Tieres” ist, hat hier seine Macht
über uns in gleicher Weise verloren, wie
alles Feindliche, das uns auf Erden in
der Erscheinungsform des Tieres gegen‐
übertritt.
.Was im Geistigen sich uns offenbart in
Formen, die denen der Tiere auf der Erde
in höchster Schönheit entsprechen, hat
nicht das mindeste zu tun mit tierhaf
ter Natur, wie sie sich uns auf Erden in
tierischen Formen zeigt...
.Auf Erden mögen Menschen, um sich
irdisch zu nähren, das Fleisch der Tiere
genießen, andere es meiden, — hier im
geistig-sinnlichen Erleben aber gibt es keine
andere „Speise”, als die geistigen Aequiva‐
lente irdischer Pflanzenfrüchte, sowie der
irdischen Erscheinung von Wein und Brot.
.(Es wird kaum nötig sein, zu sagen, daß
es sich hier um „Brot” handelt, das ohne
Backofen wurde, und um „Wein” der wahr‐
lich nicht „berauscht”...)
.Aber „Speise” und „Trank” ist auch auf
der geistigen Seite der ursächlichen Welt
die geistsinnliche Form der Krafterneue
rung, gleichwie es einen Zustand der Er‐
quickung gibt im geistigen Erleben, der sich
vergleichen läßt mit dem gesunden Schlafe
der irdisch Ermüdeten.
.Da „Speise” und „Trank” im Geistigen
jedoch Erzeugnisse der Kraft des Willens
sind, so ist auch ihre Wirkung nur Ver‐
wandlung der gleichen Kraft in geistleib‐
liche Elemente und es entfällt somit für
den Leib des Geistes alle auf Erden tier‐
bedingte Ausscheidung.
81 Das Buch vom Jenseits
.Ein Reich des Geistes wie ihr es euch
erträumt und wie man seit Jahrtausenden
es immer wieder euch erträumen lehrte:
ohne Formen, ohne Symbole — gibt es
nirgends, es sei denn, man nähme vorlieb
mit den verblasenen Nebelreichen, die in
manchen Köpfen als „Wirklichkeit” gelten.
.Das „gestaltlose Meer der ungeformten
Gottheit”, von dem die Mystiker reden, ist
über allem Dasein, aber einmal verloren
in diesem Meere, würdet ihr euch nie mehr
wiederfinden.
.Aus ihm seid ihr hervorgegangen um
Gestalt und Ausdruck eures Willens zu
werden, aber was euch nun einmal indivi
dueller Formung übergab, müßte ewig einen
jeden abstoßen und stets wieder ins All hin‐
ausschleudern, falls einer in die unbegrenzte
Urflut zurückkehren könnte. — —
.Gar weit von dieser Urflut sind die armen
Träumer entfernt, die in ihrem Unterbe‐
wußtsein das verborgene Erfahrungsgut fern‐
ster Vorahnen fanden und deren Unfähig
keit zu individuellem Selbsterleben in
sich erneut durchkosteten, als vermeintliches
„Gottheitserleben”...
.Die innerste Lichtwelt geistiger Anschau‐
ung aus der wir euch Kunde bringen, ist
zwar der Formung nach das Werk aller,
die diese Geisteswelt zu erleben vermögen,
und dennoch bleibt jeder Einzelne der Ge‐
stalter seines eigenen Erlebens.
.In der Gemeinsamkeit der Willenswir‐
kung erstrebt jeder Einzelwille hier die
gleiche Formung.
.Für sich selbst aber schafft der Einzel‐
wille innerhalb unserer Gemeinsamkeit
dennoch sein eigenes Erleben, das hin‐
wieder keinen anderen Einzelwillen stört,
wie es ja auch niemals anderem Einzel‐
willen erlebbar werden könnte, es sei denn,
infolge gegenseitiger Durchdringung.
.Wenn aber nun auch die ganze geistig
sinnliche Weltgestaltung in gleicher Weise
als „reale” Welt empfunden wird wie die
Welt der physisch-sinnlichen Wahrneh‐
mung, so stellen sich doch unserem Willen
innerhalb der geistigen Welt keine der
Widerstände entgegen, die ihn auf Erden
hemmen und beschränken.
.Wollen wir, daß etwas sei, so genügt
unser Wille, damit es werde...
.Es wird, — je nach der Kraft unseres
Willens, früher oder später, — aber es wird
so, wie wir es wollen.
.Die schöpferischen Kräfte des Willens
allein lassen in der geistigen Welt ins Dasein
treten was gewollt wird, und andererseits
entschwindet das bisher Gewollte ohne
jede Spur, sobald der Wille es verneint,
so daß hier dann in Wahrheit die Macht
des Willens nahe an den Begriff der „All‐
macht” grenzt...
.Nur die von allen, die des hier beschrie‐
benen Erlebens innewerden, gemeinsam
gewollte geistige Welt, — als Ergebnis ge‐
meinsamer geistig-sinnlicher Anschauungs‐
form, — läßt sich ebensowenig verändern
oder vernichten wie die physische Sinnen‐
welt.
.Es gibt aber auch noch andere Welten
geistig-sinnlicher Anschauung: — Welten
getrübter Erkenntnis und mißleiteten
Willens.
.Das sind die Welten derer, die ins Gei‐
stige gerieten ohne sich lösen zu können
aus den engen Fesseln irdischer Hirnge‐
spinste und Gedankenketten.
.Unfähig, sich vollbewußt zu den er
kenntnisklaren Höhen schöpferischen
Geistes zu erheben, schafft jeder, der auf
solche Art Gefesselten sich eine niedere
geistsinnliche Scheinwelt, die den Vor‐
stellungen gleicht an die er auf der Erde
schon gebunden war, — aber das Erzeugnis
seines Willens hat keinen dauernden Bestand.
.Da jeder Anderes will als der andere,
so zerstört immer einer des anderen Werk.
.Dennoch bleiben auch solche Trugwelten
viele Jahrtausende hindurch erhalten,
sofern sie ihr Dasein gemeinsamen Vor
stellungen danken, die auf Erden lange
Zeit mit großer Glaubenskraft gehegt und
genährt wurden. —
.Die unbewußten Schöpfer dieser Welten
stehen jedoch immerfort im Kampfe gegen
ihre Widersacher: — gegen alle Willens‐
kräfte die ein anderes Ziel erstreben.
.Ihr wißt nicht, wieviel religiöse Un‐
duldsamkeit, wieviel nationaler Hader und
wieviel andere Zwistigkeiten auf Erden
nur Rückwirkungen sind, hervorgerufen
durch wuterfüllte Verteidigungskämpfe in
den Trugreichen, die sich der Mensch in
den niederen Regionen geistig-sinnlicher
Anschauungsform seit Urzeiten schuf. — —
.Alles, was auf der Erde ernstlich ge
glaubt oder gewollt wird, erzeugt in den
niederen Bereichen geistig sinnlicher Wahr‐
nehmung eine dem gleichen Glauben und
Wollen entsprechende „Welt”, die so lange
bestehen bleibt, wie dieser Glaube oder Wille
auf Erden besteht und Glaubende oder Wol‐
lende hinübersendet in jene Bereiche.
.Alles, was sich auf Erden bekämpft,
ist sich auch Feind in der Welt scheinbarer
Erfüllung, die es sich unwissenderweise in
diesen geistig-sinnlichen Bezirken schafft,
und was da geistig gegeneinander wütet,
wirkt mit seinen feindlichen Kräften zurück
auf die Erdenmenschheit. —
.Durch Wechselwirkung wird Feindschaft
und Haß auf beiden Seiten genährt.
.Aber alle diese Sonderwelten, — diese
geistigen „Strandreiche”, — gehen dereinst
zugrunde, mag auch ihr Bestand gesichert
erscheinen für Aeonen!
.Ewigen Bestand hat im Geistigen nur
jene Geistesweltgestaltung, die einem er‐
kenntnisdurchlichteten, ewig geeinten Kol
lektivwillen entstammt, der durch nichts
verändert werden kann, da in ihm der Selbst‐
bejahungswille aller Einzelnen identisch
ist mit der ewigen Liebe, als dem Urgrund
unvergänglichen Seins...
.Wir, die wir im Ewigen leben, unserer
Ewigkeit gewiß, — wir befeinden keine
Willensrichtung und keinen Glauben, mö‐
gen sie uns auch noch so absurd oder ver‐
werflich erscheinen.
.Wir haben unsere geistige Welt vor kei‐
nerlei Feinden zu schützen, denn die uns
feind sein könnten, sind nicht imstande
die Welt in der wir geistig leben, zu er‐
reichen.
.Was immer sie auch von uns gehört
haben, — wie immer auch ihr Wähnen und
Meinen uns beurteilen mag, — so wissen
sie ja doch nicht, wovon wir Zeugnis geben,
und werden es auch nicht erfahren können,
solange ihre geistige Blindheit nicht behoben
ist...
.So würde denn auch ihr uns feindlicher
Wille nur gegen ein Bild sich richten, das
sie sich selbst geschaffen haben, — nie‐
mals gegen uns selbst und unsere geistige
Welt. —
.Wir aber sehen, unermeßlich tief unter
den Firnenhöhen die uns im Geiste Heim‐
statt sind, jene vergänglichen geistigen Wel‐
ten, die sich erdversklavter Wille schuf,
und wir sind immerdar bereit, aus ihnen
zu befreien, was sich befreien lassen will.
.Keinen können wir erlösen, der nicht
reinen Willens, im Innersten wahr vor
sich selbst, das Höchste und Lichteste
von sich verlangt, und unerschütterlich an
die Hilfe ewiger Liebe glaubt!
.Selten genug ist der Wille, der sich in
solcher Weise äußert, — selten genug die
Einsicht, daß nur die Erschöpfung eigener
Kraft ein Anrecht auf Hilfe begründet...
91 Das Buch vom Jenseits
.Wer heute noch die Sprache dieser Bild‐
lehren zu deuten weiß, dem sage ich gewiß
nichts Fremdes, wenn ich lehre, daß es keine
andere, wahrhaft ewige „Seligkeit” für den
bleibenden Menschengeist gibt, als in der
innersten lichtgezeugten Welt des Geistes
mit ihrem unendlichen Reichtum an Form
und Ursymbol, — mit ihren unendlich‐
fältigen Möglichkeiten der Erfüllung höch‐
sten und reinsten Wollens...
101 Das Buch vom Jenseits
.Die Anschauungsart ist trotz aller
Sonderformen, die sie umfaßt, die gleiche
in den niedersten der nur geistig-sinn‐
lich erfahrbaren Welten, wie in der höch
sten, innersten Welt des Geistes.
.Verschieden sind nur die Gestaltungen,
die wahrgenommen werden, — verschieden
ist die Klarheit individueller Erkenntnis
innerhalb des Wahrnehmungsbereiches.
.Je höher diese Erkenntnis, desto reiner
empfindet sich der dann bereits kristall‐
scharf geformte ewige Wille im Selbst‐
bewußtsein als Schöpfer der Erscheinungs‐
formen aus geistiger Substanz, — desto
lichtklarer offenbart sich dem Bewußtsein
die ewige, alle Seinsform tragende Wirk
lichkeit.
.Zum „Gestaltlosen” strebt nur un
klar geformter, seiner selbst noch nicht
sicherer Wille. —
.Geklärter, formstraff in sich selbst
gefestigter ewiger Wille aber, der Ord
nung nach Maß und Zahl in sich begreift,
muß auf jeder Stufe seiner Auswirkung
zur Gestaltung in Erscheinungsformen
führen, und höchstes Glück ist ihm die
Ausgestaltung seiner Eigenschöpfung zu der
in ihr begründeten Vollkommenheit...
.Wohl kennt jeder wirklich schöpferische
Künstler und auch mancher andere „Schaf
fende” auf der Erde einen fernen Abglanz
solchen Glückes, aber erst auf der geistigen
Seite des Universums findet Erfüllung,
was auf Erden Vorahnung war.
.Darum ist die Erziehung des Willens,
durch Nützung seiner eigenen Formungs‐
triebe, die erste und nötigste geistige
Schulung und der erste Schritt auf dem
Wege, der zur ewigen Welt im Innersten
des Geistes führt.
.Wir sind euch wahrhaftig näher als ihr
glaubt, — ja wir sind bei euch, wo immer
ihr auch seid, denn was in euch des Geistes
ist, hat sein ewiges Sein in der uns er‐
schlossenen geistigen Welt, obwohl ihr noch
nicht imstande seid, eure Identität mit die‐
sem eurem ewigen Geistigen zu empfinden.
.Zu dieser Identitätsempfindung könnt
ihr nicht eher kommen, als bis euer ewiger
Wille sich rein und formklar in Ordnung
und Gesetzlichkeit vollendet hat.
.Nur wer ohne Unterlaß daran arbeitet,
sich dem Nebel trüber Dämmerdünste zu
entreißen, in dem ihn verschwommene Be‐
griffe vom Geistigen umherirren lassen, der
kann dereinst zu der Klarheit geistigen Lich‐
tes kommen, die uns Lebensodem ist. —
106 Das Buch vom Jenseits
.Wer aber zum „Wissenden” in den Din‐
gen des Geistes wurde, der hat wahrlich
mehr erreicht, als wenn ihm alle Wissen‐
schaft der Erde eigen wäre...
.Er wird sich selbst in uns erkennen,
und mit uns vereint wird ihm das Reich
des Lichtes ewige Heimstatt werden!
109 Das Buch vom Jenseits
.Damit du verstehen lernst, was das
„Jenseits” ist, wirst du drei Reiche im Kos‐
mos unterscheiden lernen müssen.
.Einmal das Reich der physisch-sinn‐
lichen Anschauungsart, oder die physische
Welt.
.Dann das Reich geistig-sinnlicher An‐
schauung, oder die Welt des Geistes.
.Drittens aber das Reich der verborge
nen, ursacheschaffenden Kräfte des Ur
seins: — das einzig Wirkliche, auf des‐
sen Auswirkung alle Anschauungsformen
und ihre Erscheinungswelten, sowohl auf
der geistigen wie auf der physischen Seite
des Kosmos, beruhen.
.Diese verborgenen, ursacheschaffenden
Kräfte des Seins wirken im Erdenmenschen
als seine „Seelenkräfte”.
.Einmal in einem Menschenleben zu zeit‐
weiliger Kollektivform kristallisiert, nehmen
sie gleichsam die individuelle „Färbung” des
Menschen an und werden durch den in ihm
sich manifestierenden ewigen Willen, für
alle weitere Zeit bestimmt, so daß sie dem
einmal empfangenen Impuls fortan folgen
müssen, bis er Erfüllung fand.
.Ist diese Erfüllung im Erdenleben des
Menschen, der den Impuls gab, nicht zu
finden, dann äußern sich die einmal nun
nach bestimmter Richtung strebenden „See‐
lenkräfte” immer wieder in neuen Men
schenleben, bis sie zuletzt Erfüllung er‐
reichen, indem sie sich dem Willen, der sich
in einem Menschen manifestiert, verschmel
zen und mit ihm zur Einheit werden.
.Unrichtige Deutung dessen, was sie von
diesem Geschehen wahrzunehmen vermoch‐
ten, verführte die Völker des Ostens zu dem
Glauben an eine oftmalige „Wiedereinver‐
leibung” des Menschen durch Geburt auf
der Erde.
.Der Wahrheit nach ist aber solche Wieder‐
einverleibung, — also ein Zurückfallen in
die Selbsthypnose physisch-sinnlicher An‐
schauungsart, — nur möglich bei Menschen,
die bewußt und absichtlich selbst ihren Kör‐
per zerstören (was keinesfalls ein Werk des
ewigen Willens, sondern immer nur ein
Ausbruchsversuch des Wunsches ist! — —)
ferner: bei Kindern, die starben, bevor der
ewige Wille Erfüllung seines Dranges zu
physisch-sinnlicher Erfahrung fand, und drit‐
tens: bei Menschen in denen der Drang zu
solcher Erfahrung gleichsam in Hypertrophie
ausartete, so daß selbst der Tod des Erden‐
körpers nur für kurze Zeit die Selbsthyp‐
nose zu unterbrechen vermochte.
141 Das Buch vom Jenseits
.Im ewigen Urgrund: im ewig sich selbst
und in sich alles Seiende zeugenden Geiste,
— in der Quelle allen Seins und Offenbar‐
werdens tief verborgen, — ruht das My‐
sterium „Mann und Weib”...
.Irdischer Erkenntnis Brücken bauend,
redet man vom „reinen Geiste” als dem
absoluten Sein”, obwohl ein solches,
ewig ruhendes „absolutes Sein”, für sich
allein in sich beharrend, niemals war, nicht
ist, noch jemals bestehen könnte.
.Wer solchen Hilfsbegriff einer Wirk
lichkeit gleichsetzt, der hat seinem Denken
allzusehr vertraut, und ist noch ferne der
Erkenntnis, daß denkendes Erschließen nie‐
mals weiter vordringt, als bis zur Grenze
jener Vorstellungen, die den Gesetzen, denen
sich das Denken fügen muß, noch unter
ordnet sind. —
.Die Wirklichkeit des reinen Geistes aber
ist sich selbst allein „Gesetz”, und un‐
erreichbar bleibt sie allen denkgerechten
Schlüssen! — —
.Sich selbst in sich umfassend, ist „reiner
Geist” von Ewigkeit zu Ewigkeit im Schaf
fen seiner selbst begriffen, — sich selbst
erzeugend und gebärend, — denn reiner
Geist ist: „Mann und Weib”. —
.Mann und Weibim Geiste aber
zeugen und gebären aus der urgegebenen
Selbstdarstellung weiter — anfanglos —
endlos — den Menschen des reinen Geistes,
und sie zeugen und gebären ihn, sich selbst
„zum Bilde und Gleichnis”, — als „Mann
und Weib”, vereint in urgegebener Ein
heit zwiepolaren Wesens...
.Alles was je Erscheinung wurde: — alle
Sonnen und Welten des geistigen, wie des
physisch-sinnlich wahrnehmbaren Kosmos,
alles, alles ist „Schöpfung” dieses, aus dem
Geiste gezeugten, rein geistigen „Men‐
schen”, insofern es „Erscheinung” ist,
— und diese Schöpfung ist daher auch Zeug‐
nis von „Mann und Weib” im ewigen
Geiste. —
.In unendlichfältiger Zahl, — in un
endlichfältiger Individualisierung
wird dieser erste „Mensch” des reinen Geistes
aus Mann und Weib im Geiste gezeugt und
geboren, und jeder einzelne ist ewig
schaffend: — ewig in sich zeugend und
gebärend, — denn er „ist” nur, soweit er
im ewigen Zeugen und Gebären sich dar
stellt, als „Mann und Weib”: — als
männlich-weiblich polarisierte Kraft.
.Was er zeugt und gebiert ist „er selbst”,
ist Sein aus seinem Sein, jedoch in gleich‐
sam „dichterer”, lichtärmerer Form, bis er
endlich, in ferner Weiterzeugung dem ur‐
gegebenen Sein bereits weit entrückt, sich
selbst in bestimmter geistiger „Dichte” als
Erscheinung” zeugt, aus sich gebärend
alle Welten, die sich als Erscheinung offen‐
baren.
.Unendlichfältig ist auch die „Er‐
scheinung” des Menschen der Ewigkeit in
seiner Erscheinungsschöpfung, und jede
einzelne Erscheinungsdarstellung die von ihm
ausgeht, zeugt und gebiert weiter die nächste
tieferstehende Erscheinungsart.
.Es gibt Stufen des „Menschen” im gei
stigen, und selbst im Kosmos physischer
Erscheinungswelten, die dem Erscheinungs‐
menschen dieser Erde — wenn er der
Wahrnehmung fähig wäre — höher erschei‐
nen würden als ein Gott...
.Eine der tiefsten Stufen der Erschei‐
nung des „Menschen” stellt aber der Erden‐
mensch selber dar.
.In ihm hat sich der urgezeugte Mensch
des reinen Geistes einem der unfreiesten
Wesen seiner Erscheinungsschöpfung: — der
Erscheinung des Tieres, verbunden.
22 Das Buch vom Menschen
.Wie gar gering musst du vom Reiche des
Geistes denken, wenn du nicht ahnend fühlst,
dass auch in diesem Reiche Stufe auf Stufe
folgt, und dass fast unendliche Hierarchien
folge sich erhebt, bevor die höchsten Geistes‐
fürsten erst erreichbar sind, die wirklich, als im
innersten Lichte der Gottheit lebend, sich
dem Bilde einen, das menschliche Phantasie
sich von den höchsten «Engeln», vom «Se
raph» und «Cherub» schuf! — — — — —
25 Der Weg zu Gott
.Du wirst deiner Seele Kräfte in dir selbst nur
dann also zu sammeln und zu einen wissen,
wenn dir die Ströme geistigen Lebens Kraft
verleihen, die von denen in die Erdennacht
geleitet werden, die aus dem wesenhaften
Geiste wirken, weil sie also wirken müssen! —
.Sie selbst sind nur Werkzeuge göttli
chen Willens!
.Nicht ihre Kräfte kannst du empfangen, son‐
dern allein des Geistes Kraft, aus der sie leben
in des Geistes wacher Welt. Umformer sind
sie der Kraft des Geistes, die anders nicht
in dieser Erdentieresdunkelheit dir
fühlbar werden könnte...
.Sie glauben nicht «Höheres» zu sein als du,
denn alles was sie einst etwa glauben
mochten, zu sein, haben sie aufgelöst
in dem, aus dem sie sind...
.Wenn du dieses Sein jedoch dir über
ordnet fühlst, so wisse, dass auch sie es
allem überordnet fühlen, was sie als Erden
menschen einst für sich erreichbar oder
wünschbar wussten. Sie gieren wahrlich nicht
nach Dank für ihre Hilfe, und all ihr «Helfen»
beruht nur in ihrem Sein!
51 Der Weg zu Gott
.Ich sagte dir auch schon, soweit es sag‐
bar wird, in einem anderen Buche, daß
dieser „Vater” aller Leuchtenden des Ur‐
lichts, der ewig aus dem Urwort licht‐
gezeugte Geistmensch ist, selbst „Wort”
im „Wort” und „Gott bei Gott” — der
große „Alte”, der im „Anfang” ist, —
der selbst des Urworts erste Selbstgestal
tung darstellt, der „Mensch der Ewig
keitin seiner ersten Zeugung ewig
lich verharrend.
.In alter Lehre wird er als der höchste
aller „Engel” aufgefaßt, — die „Krone
jener Hierarchie der Geister, die in den
Leuchtenden des Urlichts hier auf Erden
sich die „Brückenbauer” schuf für jene
„große Brücke”, die den Erdenmenschen
aus dem Reich des Tieres leitet, so daß er
seine Geistesheimat wiederfinden kann,
der er sich vor Aeonen einst entwand! —
.In jedem Leuchtenden des Urlichts ist
dieser „Vater”, ewig weiterzeugend seinen
Sohn”, den Leuchtenden, — in Wahrheit
eines Wesens mit dessen Lichtnatur, der
dieser Erde Leib nur äußeres Vehikel ist,
um erdenhaft zu wirken, was der Erde For
mung braucht, soll es im Erdenmenschen‐
leben in Erscheinung treten! —
.So konnte in Wahrheit der Meister von
Nazareth seinen Schülern sagen: „Wer mich
sieht, der sieht auch den Vater”, — und
Niemand kommt zum 'Vater' denn
durch mich”: — durch das, was in mir
Leben ist, als des „Vaters” geistgezeugter
„Sohn”...
96 Das Buch der Liebe
.Wieder fragte ich einst den hohen Weisen,
der mir zu jener Zeit sein Wissen übertrug, be‐
vor ich selbst zu «Wissen im Geiste» werden
konnte, ob nicht doch aus alten, geheimgehal‐
tenen Büchern, in der «Wissenden» Besitz, sich
manche Weisheit, manches hohe Können er‐
lernen lasse, und er antwortete mir:
.«Mehr sollst du dich freuen über jede
kleinste Weisheit, die dein Geist
dir gibt, als über alle Lasten 'erlernten'
Wissens! —
.Mehr sollst du dich freuen über jedes klein
ste Gelingen, das dein Geist dir schenken
mag, als über alle erlernte Kenntnis und
Geschicklichkeit der Erde! —
.Du sollst nichts zu tun haben wollen mit de‐
nen, die alles 'gelernt' haben müssen, um es
zu können! — —
.Du sollst nichts zu tun haben wollen mit
denen, die alles 'gehört' haben müssen, oder
'gelesen' um es zu wissen! — — —
.Dein Geist soll immerdar frei sein und in
Freiheit seine Kräfte erproben können!
.Dein Geist soll allezeit all deiner Seelen
kräfte Herr und Meister sein und sie unter
seiner Herrschaft einen! — — —
.Wahrlich, deine Seele hat tiefe Kräfte,
die noch keiner in sich völlig ergründet
hat, und auch dein Körper hat vieles geheime
Können, das noch keiner völlig in sich er
kannte! — —
.Ich will deinen Körper lösen und lebendig
machen und deiner Seele Kräfte dir zu stets
bereiten Dienern geben!
.Du sollst nicht aus Büchern haben, was du
an Weisheit erlangst, und nicht von anderen
sollst du dir dein Können borgen! — — —
.Du hast selbst in dir deinen kunst
reichsten Lehrer, und alle Weisheit, die
in Büchern aufgezeichnet wurde, ist nur ein
Kleines neben dem, was deine Seele in sich
selber birgt! —»
19 Das Buch der Gespräche
.Die Lehre von der Seele, wie sie in grauer
Vorzeit schon die Leuchtenden erkannten,
will ich dir hier verkünden.
.Dies ist die Weisheit jener Wenigen, die auch
heute noch im Lichte dieser Lehre leben. —
.Menschen des Westens lehrten andere
Lehre, und selbst auch im Osten wirst du sel
ten nur dieser Lehre der wahrhaft durch
Selbsterfahrung Wissenden begegnen...
.Dennoch wird jeder dich in Irrtum führen,
der anderes lehrt! — — — — — — — — — —
.So höre denn, und verstehe in deinem Herzen:
.Urewig ist des Menschen Geist, anfanglos
und ohne ein Ende. —
.Ewig lebt er in eigenem, wesenhaftem
Lichte, denn er selbst ist Licht, — ein
leuchtender Funke jener ewig sich selbst ge‐
bärenden Sonne, die stetig sprühend ihren
Funkenregen in den Raum ergiesst. — — —
.Nenne diese «Sonne» nicht «Gott», denn
Gott ist etwas anderes!
.Schwer wird es werden, dir das begreiflich zu
machen. —
.Ich muss ein Wort aus der Alltagswelt ge‐
brauchen, um dir verständlich zu werden, und
so sage ich dir denn:
.«Gott» ist das subtilste Destillat des
Geistes, nicht «der Geist» in seinem
stetig sich gebärenden Entbrennen! — —
.Des Menschen ewiger Einzelgeist aber
ist gleichsam ein Funke jener ewig sprühenden
Sonne, ein Funke, in dem sich das Destillat
des Geistes bilden, — in dem sich der leben
dige Gott unendlichfältig gebären kann...
.Ewig gebärt sich selbst die ewig sprühende
Ursonne ewigen Geistes!
.Ewig sprüht diese kreisende Sonne ihre
Geistesfunken, als Geister-Hierarchien in den
geistigen «Raum»!
.Die «Funken», die sie selbst aus sich
sprüht, sind gleichsam noch selbst Riesen
sonnen, doch diese sprühen wieder ewig
«Funken», ewig «Sonnen» aus, die wieder
in gleicher Weise stets kleinere und schwä
chere «Funken» oder Funkensonnen sprü‐
hen...
.Was im Menschtier der Erde sich selbst ge‐
fangen hat, der Geistesfunke, durch den
dieses Menschtier erst zum «Menschen» wird,
ist keineswegs der kleinste dieser Funken.
.Du kannst deiner Vorstellung dadurch am
besten zu Hilfe kommen, wenn du die
«Grösse» dieses «Funkens» etwa im gleichen
Verhältnis zu grösseren und kleineren «Geistes
funkensonnen» suchst, wie sie das Verhältnis
der Grösse dieses Erd-Planeten zu grösse
ren oder kleineren Weltkörpern zeigt. — — —
.Es lag im Wesen des Geistesfunkens, der sich
im Erdenmenschentiere sein Gefängnis schuf,
beschlossen, dass er das Reich der Seele sich
als Wirkungsfeld erkor, und dass er schliesslich,
um auch Herrscher in dem Reiche der Materie
zu werden, nach einem «Körper», einem «Leib»
der materiellen Gestaltung strebte.
.Ein solcher «Körper» aber war ihm bereits
gegeben, ein Körper, der wohl der Materie
verbunden, doch nicht ihr unterworfen
war. — — —
.Dass er aus Furcht vor der materiellen Wir‐
kung seiner Kräfte sich mit dem Körper des
Menschentieres der Erde verband, das erst
gereichte seinem Streben zum «Fall». —
.Ein «Fall» ist dieses Streben, doch zugleich
ein Tauchen in die tiefsten Tiefen, in denen
ein neues Bewusstsein geboren werden
kann. — —
.Es verlor zwar der Geistesfunke im Fallen
das Bewusstsein um sich selbst, als einer
Sonne des ewigen Geistes, aber die ewige
Kraft, die ihm trotzdem innewohnen bleibt,
treibt ihn wieder empor zu sich selbst, aufs
neue sich selbst erkennend bei seiner völligen
Rückkehr, und dies in einer Herrlichkeit, die
nur aus der Tiefe, in die er gefallen war, zu er‐
schauen und zu empfinden ist ............
.Uranfänglich muss jeder dieser kleineren
Geistesfunken, dieser kleinen «Funkensonnen»,
nach dem Reiche der Seele streben, und nur
die Heftigkeit seines Strebens lässt ihn das
Ziel, das er eigentlich erreichen will, über
schiessen. —
54 Das Buch der Gespräche
.Zum Reiche der Seele muss jeder dieser
Geistesfunken, will er sich seine Welt ge
stalten und sich selbst in seiner Wirkung
finden.
.Vorher ist nur ein Wissen um sich selbst in
ihm, als ein Wissen um sein reines Sein. —
.Im Reiche der Seele erst wird er seiner
eigenen Wirkungskräfte bewusst. — — —
.Im Reiche der Seele erst kann er nach
seiner Göttlichkeit in sich verlangen und erst im
nach «Gott» verlangenden Geiste kann sich
das «Destillat» des Geistes gestalten, kann
sich sein lebendiger «Gott» im Geistesfunken
«gebären». — — — — — — — — — —
.In jener ewig kreisenden, ihrer selbst allein
in ihrer unermesslichen Grösse bewussten
«Geistessonne», die ewig ihre «Funkensonnen»
in den geistigen Raum ersprüht, — dort ist kein
Bedürfen nach einem «Gott», denn dort ist
alles nur leuchtende Einheit des Seins...
.Damit aber «Gott» sein könne, muss etwas
Empfindendes sein, das nicht «Gott» ist,
nicht nur in sich selber kreist, in sich
selbst genug und vollendet...
.Wie das weisse Licht des Tages sich
zerspalten lässt in helle und dunklere Farben,
also muss sich die Ur-Einheit des Geistes
gleichsam zerteilen in mancherlei Strahlen,
wenn «Gott» sich im «Geiste» gebären kön‐
nen soll...
.Es müssen farbige Dunkelheiten im an
sich farblos weissen Lichte des Geistes wer‐
den, damit das gold-weisse Licht der Gott
heit sich zeigen kann. — — — — —
.Dazu aber dient das Reich der Seele.
56 Das Buch der Gespräche
.Ein jeder Menschengeistesfunke taucht ein in
dieses Reich, und um ihn bilden sich, wie Kri‐
stalle in einer salzgeschwängerten Flüssigkeit,
die seelischen Formen, die eure westliche
Lehre: seine «Seele» nennt. — —
.Ihr glaubt im Abendlande hier, diese «Seele»
sei gleichsam ein abgeschlossener Leib aus un‐
sichtbarem, fluidischem Stoff, und eure Lehre
lässt diesen Seelenorganismus mit eurer Geburt
im Fleische entstehen, damit er nie mehr euch
verlasse, damit er, in der Zeit entstanden, ewig
erhalten bleibe. —
.Eure «Seele» ist aber keineswegs dies festge‐
fügte, in sich Geschlossene, denn das Reich der
Seele ist ein unsichtbares, fluidisches Meer,
in dem es keine unveränderlichen Formen
gibt, ausser jenen unzählbaren Kräften, die man
als Seelen-Atome bezeichnen könnte, und die
zeitweilig euere Seele bilden, sie aus sich ge
stalten; doch in jeder «Seele» sind es jeweils
ihrer Tausende, und mehr als tausendmal
Tausende! — — — —
.Sobald das, was ihr wirklich im höchsten
Sinne seid, jener ewige Geistesfunke, das
Reich der Seele erreicht, sobald er eintaucht
in dieses fluidische Meer, — schiessen diese Mil‐
liarden von Kräften um ihn zusammen und
werden von dem Eigenlichte des Geistes erfüllt.
.Der Geistesfunke aber strebt tiefer und tiefer,
bis auf den Grund dieses Meeres, wo ihm die
furchterregenden Kräfte dann begegnen, die ihn
verleiten, im äusseren Reiche der dich
testen Materie Schutz zu suchen, so dass er
sich dem Menschentiere eint, und sich in
seiner Form verliert.
57 Das Buch der Gespräche
.Wer aber den Geist in sich finden will,
der bleibe sich bewußt, daß er ihn nur der
Materie gleichgeformt zu finden vermag,
aber weder in Materie versunken, noch
über allem Materiellen, in erträumter we‐
senloser Vorstellung!
*
.So auch kann der Geist, solange er noch
nicht dem eigenen Bewußtsein des Men‐
schen sich einte, niemals des Menschen Be‐
wußtsein anders erreichen, als indem er die
Möglichkeit schafft, daß das ihm noch nicht
geeinte Bewußtsein empfindend teilzuneh
men vermöge am inneren Lichtesleben eines
Menschenbewußtseins, das bereits dem
Geiste vereinigt ist! — — —
.Diese dem Geiste restlos Vereinigten
auf unserer Erde, sind aber jene wenigen
Männer zu jeder Zeit, von denen ich sprach,
als von des Urlichtes Leuchtenden!
.Nicht dadurch, daß man einen, oder sie
alle kennenlernt, kommt man ihnen nahe,
denn dieses Nahekommen hängt weder
ihrerseits noch unsererseits von freier
Willkür, von persönlichen Wünschen ab,
— sondern nur die eigene, durch Tat
und Leben bewirkte innere Einstel
lung entscheidet, ob man an ihrem geist‐
geeinten Bewußtseinsleben teilzunehmen
vermag, oder nicht! — — — — —
.Wer aber fähig wurde — wenn auch nur
in leisester Erahnung — daran teilzuneh‐
men, den könnte auch kein Gott daran ver‐
hindern; und je mehr er sich in solcher
Fähigkeit zu befestigen vermag, desto
mehr wird ihm Kraft aus jener geistigen
Sphäre kommen, in der das dem Gottesgeiste
geeinte Bewußtsein dieser Meister des Er‐
kennens ruht; je mehr wird ihm Hilfe zuteil
aus jenen Strömen geistiger Allgewalt, in
denen ihr Wille ewig wirkend nach dem Ge‐
setz des Geistes waltet! — — —
*
.Wer dies einmal erkannte, ist schon weit
vorangekommen auf seinem Wege, der ihn
zur Einheit im Geiste in sich selber
führen soll!
200 Das Geheimnis
.Siehe, alles, was Dir Dein Verstandeswis‐
sen gibt, ist nur in dem kleinsten Teil Dei‐
nes Körpers — in Deinem Gehirn veran‐
kert, allein das Wissen, das Dir ewig Nah‐
rung bieten soll, muß Deines ganzen Kör
pers eigen werden!
.Darauf wollen wir weiterbauen!
.Daraus soll Dir die Gewißheit werden,
daß Dein Körper Dir vonnöten ist,
willst du zu völliger Erkenntnis kommen!
— —
.Nicht von heute auf morgen ist solche Er‐
kenntnis zu erlangen, aber wer sie aus tief‐
stem Herzensgrunde sucht, dem wird sie
sicherlich werden! —
*
.Wie jede tiefere Erregung Deiner Seele
alsbald Deines ganzen Körpers Atome mit
schwingen läßt, so muß auch Dein Körper
willig sich bewegen lernen, wenn Geisti
ges Dein Bewußtsein berührt.
.Was Dir auch nahekommen mag, von gei‐
stigen Dingen: Du wirst es erst wahrhaft
erfassen und dann nur restlos Dir zu eigen
werden sehen, wenn jede Faser Deines
Erdenleibes greifend danach verlangt, um
so, wie zwei Hände einander finden, sich als‐
dann ergreifen zu lassen!
.Nur in solcher „„Ergriffenheit””, auch
Deines ganzen Körpers, wird sich Dir eini‐
gen können, was vom Geiste her zu Dir
kommt; und anders wird wahrhaft Gei
stiges niemals erlangt, als durch vollkom‐
mene Vereinigung! — — —
*
.Über Geistiges nachzudenken, mag
Dich wohl in gewisser Weise fördern, allein
zum Ziele führt es nicht!
.Wohl kannst Du Dir manches Wissen die‐
ser Erde auf solche Weise erwerben, aber so‐
bald Du einmal dieser Erde Leib verlassen
mußt, wird solches Wissen Dir verloren und
zu nichts mehr nütze sein!
.Geistiges Wissen ist wahrlich anderer
Art!
.Es kann Dir nur werden, wenn Du mit dem
Gegenstande dieses Wissens Dich zu ver
einigen vermagst! — — —
.Während vergängliches Wissen stets
nur ein Be-greifen, ein Er-fassen, ein
Ent-decken, ein Er-finden, ein Er
schließen ist, handelt es sich beim geisti
gen, ewig bleibenden Wissen um ein Inne
werden! — —
.Du kannst im Geistigen nichts erlangen,
es sei denn, Du selber läßt Dich in Deinem
innersten Innern durch das Geistige wan
deln und wirst, was Du erkennen
willst! — — — — —
*
.Das erscheint Dir heute noch unsagbar
schwer, da Dein Denken noch nicht gelernt
hat, Deinem Willen zu gehorchen.
.Nicht eher aber kannst Du Geistiges ver‐
nehmen in Dir selbst, als bis Du Deinem
Denken Schweigen zu gebieten vermagst
und seinem vorlauten Wichtigtun wehren
lerntest!
.Später, wenn Du dereinst im Innewerden
zur Erkenntnis in Vereinigung gekom‐
men bist, wirst Du Dein Denken reichlich
entschädigen können für die Zurückhaltung,
die Du ihm vorher auferlegen mußtest!
.Dann wirst Du ihm eine neue Unterlage
für sein Wirken geben können, auf der es
sodann in gleicher Sicherheit bauen mag,
wie dort wo die Sinnenwelt ihm Funda‐
mente bietet. — —
.Die Kraft des Denkenkönnens ist eine
wundersame Gabe, allein sie kann Dir dort
nur Segen bringen, wo Du ihr selbst die
sichere Unterlage gibst. — —
.Du darfst nicht durch Dein Denken erst
diese Unterlage schaffen oder finden zu
können wähnen, wenn Du nicht einem Wahn
erliegen willst, der in den Gehirnen schon
seit den frühesten Zeiten der Erden‐
menschheit bis auf unsere Tage, tausend‐
fachen Irrtums Ursache ward! — — —
.Man scheitert stets aufs neue daran, daß
man erdenken möchte, was allein im Inne‐
werden zu erleben ist und dann erst Ma‐
terial des Denkens werden kann.
.Man glaubt in seinem Denken Geistiges
zu erkennen und weiß nicht, daß Geistiges
nie in Gedanken faßbar wird, bevor man
es erlebte, da es nur im Erleben wahrhaft
empfunden werden kann; in einem Erleben,
das nichts mit gedanklichem Erkennen ge‐
meinsam hat. — —
*
.Jenseits allen Denkens, die Gedanken an
sicherem Halfter zügelnd, als Beherrscher
Deines Denkens, sollst Du das Erschau
bare in Dir selbst erschauen lernen durch
Versenkung in Deine innerste Tiefe: — als
dann erst darfst Du Deinen Gedanken Frei‐
heit geben, und dann erst werden Deines
Denkens Schlüsse Geistiges aus Geisti
gem zu erschließen vermögen! — —'
233 Das Geheimnis
.'Gewohnt von Jugend auf, nur in Deinem
Denken letzte Entscheidung zu suchen, hast
Du die Kraft in Dir verkümmern lassen,
durch die Dir Gewißheit im Innewerden
kommen soll!
.Aber alle Gewißheit, die Dir Dein Denken
jemals geben kann, ist nur wie ein Schatten‐
bild jenes gewissen Wissens, das Dir im
Innersten wird, sobald Du es vermagst, Dich
über Dein Denken zu erheben und selber
einzugehen in jenes Reich, davon Dein
Denken Dir niemals Kunde bringen kann.
.Du selbst mußt Deinem Denken von je‐
nem Reiche Kunde bringen, wenn es auch
hier sich bewähren soll! — —
237 Das Geheimnis
.Vor dem ewigen, wesenhaften Geiste
aber ist alles „Böse” nur zeitlich erschei‐
nender, vergänglicher Irrtum, dessen phy
sische Realität für geistiges Bewußtsein
ein „Nichtsein” ist, denn was allein im
Geiste sich selbst erlebt, ist ewige Voll
kommenheit: — das urgezeugte und ewig
sich selber weiterzeugende „Gute”. — — —
102 Wegweiser
.Vom substantiellen ewigen Geiste,
als dessen durchleuchtende Strahlung uns
Gott allein in uns lebendig erfahrbar
werden kann, hat man keine Ahnung.
32 Der Weg meiner Schüler
.Daß hier jedoch vom substantiellen, das
Gehirn aus sich erst schaffenden, in
keiner Weise gehirnabhängigen, ewigen
Geiste die Rede geht, ist leider längst Ge‐
heimnis geworden...
33 Der Weg meiner Schüler
.Dieser „Geist” ist ebensowenig im ge‐
hirnlichen Denken, wie mit irdisch‐
tierischen Sinnen zu fassen.
.Wir müssen „in” ihm sein, wenn wir
in ihm erkennen, ergründen, erforschen
wollen, und wir können in ihn gelangen,
weil wir — auch physisch — von ihm durch
lebt werden: — weil er in uns „lebt”,
auch wenn wir noch nicht in ihm zu leben
vermögen...
.Niemals aber können wir mit Hilfe
irgend einer Art Gehirntätigkeit „in den
Geist” kommen!
.Es handelt sich ja um ein Geschehen,
und nicht um ein Erdenken oder Vorstellen!
.Dieses Geschehen kann zwar vom Gehirn
„registriert” und dann als gesichertes Faktum
ins Denken einbezogen, aber unmöglich
durch das Gehirn herbeigeführt werden.
.Wie man dahin gelangt, es zu erleben,
zeige ich in meinen Büchern.
35 Der Weg meiner Schüler
.Ich zeige aus dem Geiste der die Liebe
ist, die Weise der Liebe und allewig un‐
erschöpfbaren Barmherzigkeit: — den Weg
des sich selbst verströmenden Erbarmens.
41 Der Weg meiner Schüler
.Was ich in meinen Schriften mit dem
Worte „Geist” bezeichne, läßt sich irdisch
Bekanntem nicht vergleichen.
.Es ist die wesensgemäßeste Darstel‐
lungsform für das Ur-Sein aus dem alles
Dasein ausgeht, — von dem alles Dasein
Leben” empfängt, solange es bestehen
bleibt in seiner jeweiligen Eigenform.
.Wenn ich sage: es ist wie freie, unfaß‐
bar hochgespannte Elektrizität, die jeden
in ihr Kraftfeld gebrachten Körper durch
dringt, und je nach seiner Eignung sich
in ihm manifestiert, — so ist das gewiß
kein Vergleich, wohl aber doch ein brauch‐
bares Bild, das Irrtum verhüten helfen
kann.
.Wir tragen ein Erlebnisvermögen für
dieses Ur-Seiende in uns, aber ohne unser
bewußtes Mitwirken vermag auch keine
„Gnade” das hier gemeinte Vermögen so
zu entfalten, daß es uns die ihm zugäng‐
liche Welt des wesenhaften substantiellen
Geistes zu offenbaren imstande ist.
.Diese Welt des urewigen Geistes, die
wieder unzählige Einzelwelten in sich faßt,
ist kein unwandelbar Starres, kein unge‐
ordnetes Chaos, sondern ein stets Beweg‐
tes: — ein Kosmos klarster, in steter Ver‐
wandlung begriffener, dennoch im Sein mit
sich selbst identischer Formen.
.Wer im Geiste die Welt des Geistes
erleben lernen will, der muß zuvor in sich
selbst die Hemmungen beseitigen, die ihm
aus der Vorstellung erwachsen sind, als
sei das dem irdischen Auge unerfaßbare
Geistige in keiner Weise sinnengemäß, viel‐
mehr ein flüchtiges, in sich ungegliedertes
Wehen und Wogen ohne bestimmte For‐
menerzeugung.
.Er wird sich klar darüber werden müssen,
daß seine eigene letzte Lebensursache
der Geist ist, — daß auch in irdischer Ver‐
körperung der Organismus des geistigen
„Leibes” zur Tätigkeit kommen kann, und
daß dann rein geistige „Sinne” an Stelle
der Körpersinne sich entfalten.
.Allerdings wird sich der Suchende auch
sagen müssen, daß im Geiste nur erlebt
werden kann nach geistiger Anschauungs‐
weise, genau so, wie die uns hier auf Er‐
den umgebende und leibvertraute physische
Welt nur infolge physisch-sinnlicher
Anschauungsart erlebbar ist.
.Und wie in der physischen Welt das
Welterlebnis durch die physischen Sinne
bedingt ist, so kann auch im Geiste nur
das erlebt werden, was der jeweilige Ent‐
faltungszustand der geistigen Sinne des
Einzelnen erlebensmöglich werden läßt.
.So, wie nun in unserer physischen Er‐
denwelt die irdischen Sinne ganz verschie‐
dene Entwicklungsmöglichkeiten aufweisen,
wodurch denn das Welterlebnis eines je‐
den Menschen anders bestimmt wird, je
nachdem der eine oder der andere Sinn
die Führung übernimmt, so ist auch das
Geisterlebnis von der in jedem Menschen‐
geist anders geordneten Entfaltungsfähigkeit
der geistigen Sinne abhängig.
.Soll die Reihe der Analogien, die ich
hier aufzeige, aber vollständig sein, so muß
ich den Schüler noch auf eine sehr wesent‐
liche Gleichheit aufmerksam machen, die
zwar alles Vorgenannte voraussetzt, aber
für die Beurteilung geistigen Erlebens
keineswegs etwa erst an letzter Stelle steht.
.Ich meine hier die Tatsache, daß wir
das Geistige ebenso wie das Physischsinn‐
liche sowohl kalt-sachlich erkennend,
wie auch mit der ganzen Wärme seelischen
Einklangs erleben können.
.Beim erdensinnlichen, wie beim
geistsinnlichen Erleben handelt es sich
immer nur um das Erleben von verschie‐
denen Aspekten der gleichen Urkraft,
die ich in einem meiner Bücher daher gerade‐
zu als „das einzig Wirkliche” bezeich‐
net habe.
.In dieses „Einzigwirkliche” vermag
in aller Ewigkeit kein anderes, als sein
eigenes „Bewußtsein” einzudringen, so
daß es selbst den höchsten, irdisch schon
unvorstellbaren Stufen ewigen Geistesmen‐
schentums wie nicht vorhanden wäre, be‐
wirkte sein Dasein nicht die Influenz-Er‐
scheinung der Seelenkräfte, die sich so‐
wohl im physisch-sinnlichen wie im
geistsinnlichen Leben in uns auszuwirken
trachten, wenn wir dieses Wirken nicht
selbst unterbinden.
.Darum ist es so überaus bedeutsam,
welche Seelenkräfte wir in unserem innersten
Wollen zu einen, — mit diesem Wollen
zu identifizieren wissen. —
.Nicht nur für unser erdenzeitliches, son‐
dern in noch weit höherem Maße auch für
unser geistig-ewiges Erleben!
.Darum ist es Denen, die in den Geist
gelangen wollen, höchste und strengste
Pflicht, ihre Seelenkräfte vor „Schaden”
zu wahren, damit nicht höchstes Streben
mit dem „Tode” der Seele ende, denn
jenes kalt-sachliche Erkennen, dem die
Inbrunst der Seele fehlt, ist Selbstver
dammnis die sich nicht eher endigen läßt,
als bis sich das Individualbewußtsein im
Laufe von Aeonen darin verbrauchte...
.Darum sind die ungestümen Streiter für
die Seele, denen es darum geht, daß der
„Geist” der Gehirne nicht die Seele töte,
zwar in Unkenntnis des ewigen substan
tiellen Geistes, aber innerhalb ihrer Er‐
lebnisweite keineswegs im Irrtum. —
.Das Erleben des ewigen, substantiellen
Geistes ist an sich gänzlich unabhängig
vom „Geist” der Gehirne: — vom Denken
und gedanklichen Erschließenkönnen.
.Nur zur Widerspiegelung und Mit
teilung des geistig Erlebten bedürfen wir
hier, im physisch-sinnlichen Zustand, der
Arbeit des Gehirns.
.Hingegen sind die Seelenkräfte, die —
wenn ich ohne Gefahr, irriges Verstehen
zu begünstigen, so sagen darf — in unserem
geistgeformten „Ich” an Stelle des phy‐
sischen Gehirns treten, erst dieses Erlebens
ewige Rechtfertigung.
47 Der Weg meiner Schüler
.Ihr wißt nicht, daß der lebendige Geist,
soll er des Erdenmenschen „Gott” sein,
den Menschen, der aus ihm hervorgeht,
braucht, „nach seinem Bilde” sich zu for‐
men. Das ungeformte Meer des Geistes
wollt ihr fassen, und es entgleitet, indem
ihr es zu halten wähnt, euren Händen!
.Einst sagte euch einer: „Der Geist er‐
forscht alles, auch die Tiefen der Gott
heit! — ” Ihr aber erdreistet euch in euren
Träumen, auch den Geist zu erforschen, —
gebt ihm wünschenswerte Attribute, und
nennt ihn, eurer Weisheit froh, in aller
vermeintlichen Ehrfurcht ehrfurchtslos:
— euren „Gott”!
32 Mehr Licht
.Unnahbar wie der Blitz, der von Wolke
zu Wolke überspringt, blendend wie die
Sonne am Mittag und sogleich wieder in
Nacht gehüllt, ist jenes Wirkliche ewig
lebendig, und wirkend sich selbst in sei‐
ner gewaltigen Macht und Größe.
.Aber es ist unendlich ferne eurer Vor‐
stellung vom „Geiste”, — unendlich ferne
jeder Vorstellung von „Gott”, die hier auf
diesem Erdball „Religionen” schuf.
.Und doch: — wenn je ein „Gott” den
Gläubigen erhört, mag dieser Gläubige
nun: Brahma, Allah, „Vater”, „Herr” und
„Heiland”, Christus oder Buddha rufen,
so ist es einzig jene Wirklichkeit, die ihm
Erhörung schafft. —
.Nur wirklich Erwachten wird sie offen
bar.
.Nur denen, die den Schlaf und seine
Träume für immer verlassen haben, gibt
sie sich zu erkennen.
.Nur wer erwacht, mit wachen Sinnen
seinen Gott vernehmen kann, darf hoffen,
daß er in ihm selbst das Wort des Lebens
spreche.
.Solange du noch glaubst, in deinen Träu
men der Gottheit zu begegnen, mußt du
es dulden, daß dich deine selbstgeschaf‐
fenen Götzen äffen und du ihr Spielball
wirst.
Glaube nicht, diese Götzen seien macht
los, wie du selbst dir erscheinst! —
34 Mehr Licht
.Jeder Mensch jedoch ist eine völlig ein
zigartige Emanation des mit Individualisie‐
rungswillen „geladenen” ewigen Geistes,
männlicher oder weiblich-polarer Span‐
nung, — obgleich im Manne auch Weib‐
liches und im Weibe Männliches lebt, —
und ein Mensch, der hier auf Erden seinen
Lebensweg vollendet hat, kehrt unter nor‐
malen Umständen niemals als ein späterer
Mensch auf die Erde zurück.
124 Mehr Licht
Regionen des Geschehens, die völlig un‐
erkannt bleiben, solange man sie in kon‐
tinuierlichem Zusammenhang mit jenen
Möglichkeiten des Geschehens glaubt, die
uns als naturgesetzlich begründet er‐
scheinen. —
Zwei Worte stehen mir zur Bezeichnung
dieser höheren Regionen zur Wahl: „Seele
und „Geist”.
.In neuerer Zeit gibt es gar viele, die
dem Worte „Seele” höheren Rang an‐
weisen, aber ich glaube, daß schon die
Genesis dieses Wortes innerhalb der deut‐
schen Sprache mir ein Recht geben dürfte,
es als Bezeichnung jenes „flutenden” lich‐
ten Zwischenreiches zu wählen, das zwischen
dem, was man die physische „Na‐
tur” zu nennen pflegt, und dem urgrün‐
digen, wesenhaften Reiche höchster Kraft
und Weisheit, das ich das Reich des
Geistes nenne, mitteninne liegt.
.Das Reich der Seele gleicht einem „flu‐
tenden Meere” geheimnisvoller, vom Rei‐
che des Geistes überstrahlter Kräfte, die
alles übersteigen, was in der Region der
okkulten Kräfte der physischen „Natur”
zu finden ist, und die durchaus unab
hängig von jenen Gesetzen wirken, durch
die sich das Wirken der okkulten Kräfte
der physischen „Natur” bestimmt sieht.
.Auch in dieser Region der Seele ist der
Mensch, gleichwie in der physischen „Na‐
tur”, in seinem Eigentum. Auch hier ist
er selbst ein Teil des unermeßlichen Gan‐
zen, und seine Eigenseele ist ein Komplex
aus Myriaden dieser Kräfte des „Meeres”
der Seele.
.Hier hat er jedoch ein Recht, sich Kräfte
untertan zu machen! Hier ist es Gebot für
ihn, die Kräfte meistern, zu lernen! —
Zwischenliegend, zwischen den Kräften
der physischen „Natur” und denen des
reinen Geistes, ist das Reich der „Seele
beider Influenz erreichbar. Seine Kräfte
sind jedoch nicht etwa den Kräften der
physischen „Natur” unterworfen!
.Beruf des Menschen ist es, sich selbst,
soweit er Niederem zugehört, dem
heren in ihm zu Dienste zu geben. Nur
so kann er sich zu ewiger Gestaltung
schaffen, als individuelle Wesenheit.
.Darum muß er auch noch über das
Reich der Seele hinaus zu seinem Ursein,
im Geiste, das er einst verließ, zurück
gelangen.
.Hier erst ist er wirklich in seiner „Hei‐
mat”, und von hier aus erst vermag er es,
sich ewig zu erhalten.
158 Mehr Licht
.In fast allen Religionen ist die Vorstel‐
lung einer individualisierten Selbstdar
stellung des ewigen Urlichtes als Spur
einer tiefen Wirklichkeitserkenntnis zu
finden.
175 Mehr Licht
.Gnostischer Erkenntnis entstammt der
„Logos”-Begriff. Hier aber, in dem „Wort”,
das aus Gott ist, und Gott ist, steht nichts
anderes vor uns, als die Selbstaussprache
des ewigen, unfaßbaren Urlichts in einer
individualisierten geistigen Gestaltung,
und diese Erkenntnis geistiger Wirklich‐
keit gelangte in die Lehre des Christen
tums, wo sie völlig der durchaus anders
gearteten „Gottessohnschaft” des Meisters
von Nazareth vermischt wurde, so daß der
„Gesalbte”, der Christos der Evangelien,
nun schon seit fast zweitausend Jahren
als: „menschgewordener” Logos aufgefaßt
und angebetet wird.
Im Grunde zeigt aber die gnostisch-alexan‐
drinische Logos-Lehre nur in aller Klarheit
die Erkenntnis einer Wirklichkeit, die
allen — wie man zu sagen pflegt: „persön‐
lichen” Gottesvorstellungen ihre volle Be
rechtigung gibt, — — vorausgesetzt, daß
sie nicht in anthropomorphe Ungeistig
keit ausarten, die dann dazu führt, einen
„persönlichen Gott” über den Wolken zu
erträumen, der nichts weiter ist, als ein
mit göttlichen Machtvollkommenheiten
ausgestatteter „irdisch-allzuirdischer” Po‐
tentat.
177 Mehr Licht
.Erst nach vollendeter Rückkehr, verei
nigt mit demWortedasGottist,
schaut der Geistesmensch die Gottheit,
wie sie ewig ist und wirkt „von An
gesicht zu Angesicht”, aber nicht von
außen her, sondern in sich selbst.
.Erst dann „erkennt” er, wie auch er
„erkannt wird”!
Aber schon am ersten Anfang dieses un‐
ermeßlichen Weges kann sein „leben
diger Gott” sich in ihm gebären, in
menschlich empfindbarer Form.
.Der „lebendige Gott” des erwachenden
oder erwachten Menschen auf dieser Erde
ist gleichsam ein unfaßbares Fünklein
aus dem ewigen Strahlenlichte des „Wor‐
tes” das da „Gott” ist von Ewigkeit zu
Ewigkeit, und das selbst das Urlicht in
seiner Selbstaussprache als Urwort ist, —
so wie es „gleichzeitig” sich selbst als ewi
geGottheit” erfaßt.
.Um letzter Klarheit willen, sei hier der
Vergleich erlaubt mit einer der Kräfte
des physischen Universums, die der Mensch
sich dienstbar zu machen wußte:
.So wie elektrische Kraft ein haardünnes
Fädchen zum Glühen und Leuchten brin‐
gen kann, wie aber der Strom der glei
chen Kraft, der eine große Stadt versor‐
gen soll, in seiner ganzen Stärke ge
braucht, diesen Kohlenfaden im Augen
blick vernichten würde, so würde auch
das Fassungsvermögen des irdischen Men‐
schen im Augenblick vernichtet sein,
könnte es unbereitet dem Strahlenglanze
des ewigenWortes” und damit dem Ur
lichte selber nahen, — während erden‐
menschliche Fassungskraft es wohl vermag,
jene unendlich zarte Durchströmung zu
ertragen, die im Innersten des seelischen
Innern jenen „Abglanz des Vaters”: —
jenen leuchtenden Stern erzeugt, in dem
ihm allein sein „lebendiger Gott” auf die‐
ser Erde erfaßbar werden kann, will er
des Erdgeborenen Bewußtsein nicht zer‐
stören durch seines Glanzes Fülle.
.Beschreitet dann der endlich Erwachte
den einzigen Weg, der wirklich zurück in
die Urheimat des Geistesmenschen führt,
so leuchtet ihm dieser Stern voran und
wird mit jedem errungenen höheren Zu‐
stand lichter und strahlenreicher, bis er
zuletzt, im unnennbaren Glanze des ewi‐
gen „Wortes”: — im sich selbst gebärenden
ewigen Urlicht, — sich mit ihm selber für
alle Ewigkeiten eint.
Das ist, nach menschlichem Vermögen dar‐
gestellt, der Weg, der den Geistesmen‐
schen nach seinem Falle wieder aufwärts
führt!
192 Mehr Licht
Du siehst die Sternenheere der Nacht und
du kannst nicht fassen, was sie erhält, und
dennoch ist dieses ganze Weltenall mit
seinen zahllosen Sonnensystemen nur das
geringste Zeugnis einer Kraft und ihres
eingewobenen Willens, einer Kraft, der
auch du dein Dasein dankst, und deren
höhere Offenbarung dir, bis in ihr ureigen‐
stes Wesen, werden kann, wenn du den
Weg, den Liebe und Erbarmen offenhal‐
ten beschreiten magst!
.Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr
gehört, was Gott denen bereitet hat, die
ihn lieben!” Nichts physisch Irdisches
kann das Ewige erfassen!
.Möchten dich meine Worte alles Gött
liche lieben lehren!
.Erst wenn du Göttliches, soweit du in
der Betrachtung das vermagst, erkennst,
wirst du es lieben! Sonst liebst du nur
einen Fetisch, den du dir selbst geschaffen
hast in deiner Vorstellung.
.Erst wenn du die aufwärts ziehende
Kraft des Göttlichen meditierend in dir
empfindest, wirst du auch die ewige Liebe
in dir erkennen, durch die du alles, was
zu deiner geistigen Rettung dient, voll‐
bringen kannst!
.Dann erst wirst du jene unvergleich‐
liche Kraft, die alle Kräfte meistert, auch
selbst gebrauchen lernen: — die Liebe,
losgelöst von jedem Gegenstand der Liebe!
.Diese göttlich lebendige, schwingende
Urkraft aus der geistigen „Welt”, durch
die allein das Leben des Menschen auf
dieser Erde erlöst werden kann aus aller
Gebundenheit!
.Diese höchste Kraft, durch die du aus
der Haftung dich befreien kannst, in der
dich die unsichtbaren Gewalten der phy‐
sischen Allnatur in der du lebst, gefangen
halten, — sie, die tief unter dir stehen,
und dennoch derzeit mächtiger sind als
du, bevor dich die Liebe an sich zum un‐
besiegbaren Herrn deines Lebens macht!
.Dann wirst du verstehen lernen, was
das Wort besagen will:
.Gott ist die Liebe, und wer in der
Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott
in ihm!”
197 Mehr Licht
Hier in diesem Erdenleben ist es dem Men‐
schen möglich, zu „wirken”. — Nach dem
Verlassen der physischen Welt aber findet
er sich in dem Zustand, den er sich selber
schuf, und muß passiv verharren, bis sich
ohne sein Zutun, vielleicht in kürzerer
Zeit, vielleicht auch erst nach Jahrtausen‐
den, — in irdischer Weise zu sprechen, —
sein Seelisches derart geläutert hat, daß
es substantiell gottgeeinten Geisteswesen‐
heiten gelingt, in ihm das Bewußtsein
vom wesenhaften Innewohnen seines gött‐
lichen Wesenskernes, seines lebendigen
Gottes, zu erwecken. Erst dann kann in
ihm die Willensumkehr erfolgen, durch
die er alle Kräfte seinem „lebendigen
Gott” zum Dienste überläßt, wodurch
dann erst die Vereinung seines Bewußt‐
seins mit dem ewigen Bewußtsein des
göttlichen Geistes in ihm herbeizuführen
ist, die auch kein „Gnadenakt” der Gott‐
heit jemals anders herbeizuführen vermag!
.Dann aber ist sein erdenmenschliches
Bewußtsein ihm längst entschwunden, wie
ein Traum, der sich selbst entschwand.
.Er ist zwar „gerettet”, aber sein Leben
auf dieser Erde mit all seinem Trachten,
seinem Glück und seiner Mühsal ist auf
ewig ihm unerinnerbar geworden, er hat
den Preis des Siegers, die Erweiterung
des Bewußtseins Dessen, der die äußer
sten Reiche göttlicher Selbstoffenbarung
durchlaufen hat, für sich nicht erlangt!
.Zwar wird auch er, — dann dem gött‐
lichen Geiste Darstellungsform geworden
und mit seinem ihm gleichgearteten männ‐
lichen oder weiblichen geistigen Gegen‐
pol vereint, — in der Fülle unendlichen
Glückes das Leben des reinen Geistes le‐
ben, doch ungleich höher ist die Art der
Selbstempfindung jener ewig Geistigen,
die in all ihrem unendlichen Glück auch
des Bewußtseins der tiefsten Tiefe noch
fähig bleiben, in die sie, dem Erdenmen‐
schentiere einst verbunden, hinabgetaucht
waren.
.Wie der Mensch der Ebene, in seiner
ganzen Seele erschüttert und beglückt vor
den Wundern der Bergwelt, steht, von dem
Gebirgsbewohner zuweilen kaum in seiner
Andacht verstanden, so ermißt erst der
Geist, der auch aller Tiefen noch bewußt
sich erinnern kann, die ganze Höhe seines
Glückes, und je höher die Stufen werden,
die er, wenn auch erst in Äonen, erreichen
soll, desto weniger möchte er die Er
innerungsmöglichkeit an seine tiefste
Stufe missen.
Da Geistiges niemals in seinem Wesen
veränderlich ist, so handelt es sich bei dem
Aufstieg der Seele auch niemals um eine
Veränderung ihres göttlich-geistigen, ewig
sie zeugenden Wesenskernes.
.Der „lebendige Gott” in des Menschen
innerstem Innen, dem er hier schon auf
dieser Erde sich im Bewußtsein zu einen
vermag, ist der Gleiche, auf jeder geistigen
Stufe, die je erreicht wird, durch alle
Ewigkeit hindurch.
.Nur der Zustand der Seele, der Zustand
menschlich-seelischen Bewußtseins erwei‐
tert sich, um stets höhere geistige Bewußt‐
heit zu erlangen, um stets weitere Un‐
ermeßlichkeiten geistigen Seins empfinden
zu können.
.Würde es sich nur darum handeln, ir
gendein Individualbewußtsein seelischer
Art um den geistigen, zeugenden Wesens‐
kern herum zu bilden, dann wäre jedes
Trachten nach der Einung des Bewußt‐
seins mit dem Geiste, hier während dieses
irdischen Lebens, völlig überflüssig, denn
die Einung kann, mit Ausnahme der Fälle
gänzlicher Bewußtseinsauflösung, nach
ewigen, dem göttlichen Leben inhärenten
Gesetzen noch erfolgen, auch wenn sie
erst in Äonen erfolgt.
.Der Weckruf aller wirklichen Geistes‐
lehrer der Menschheit erging zu allen Zei‐
ten deshalb, weil es das höchste Glück der
Seele in aller Ewigkeit ausmacht, ihr ir
disches Bewußtsein und damit die Fähig
keit des Erinnerns in sich zu erhalten,
und weil unsägliches Leid der Seele, das
zur Auslösung kommen kann, nachdem
sie den Erdenkörper verlassen hat, durch
ihre Geisteseinung während des irdischen
Lebens vermeidbar wird.
.Die Menschheit zu jeder Zeit durch ihre
berufenen Sprecher auf diese Bahn ver
mehrten Glückes hinzuleiten, ist Aufgabe
Derer, aus deren Mitte heraus ich diese
Lehren künde und jedes Wort dieses Bu‐
ches soll seine Leser nichts anderes lehren,
als diese Art des „rechten Gottesdienstes”.
Möge keiner, der diese Worte liest, aus
diesem Leben irdischer Mühsal scheiden,
bevor sein Bewußtsein geeinigt wurde
seinemlebendigen Gott”!
.Möge keiner in jene „Nacht” der Un
möglichkeit eigenen Wirkens gelangen,
aus der es kein Entrinnen gibt, ehe die
Schuld des Harrenden „bis auf den letzten
Heller” beglichen ist!
.Noch ist es „Tag” und hilfreiche Hände
sind am Werke, Allen geistige Hilfe zu‐
zuleiten, die danach verlangen. — Es be‐
darf keiner Sonderschulung, diese Hilfe
herbeizuziehen, und keiner persönlichen
Einzel-Belehrung, sie sich zu eigen zu
machen.
.Wer Ohren hat zu hören, der höre!”
298 Mehr Licht
.Es war nicht klügliches Ersinnen, was die
alten Weisen immer wieder zu der Mahnung
drängte, den Geist in der Stille zu suchen,
bei «verschlossenen Türen» des Geistes Ruf
zu erwarten. —
Was dann im Inneren vernommen werden
kann, wird nur der Seele hörbar sein, und
fühlend nur wird sie vernehmen können,
was niemals sich in Worte einer Menschen‐
sprache fassen läßt...
Wohl dem, der solcherart fühlend zu hören
weiß!
13 Das hohe Ziel
«Gott ist Geist, und die ihn anbeten,
müssen im Geiste die Wahrheit anbeten!»
Wer nicht den Geist in sich zu suchen unter‐
nimmt, wird Gott in Ewigkeit nicht finden!
90 Das hohe Ziel
Du bist die Liebe, — du das Licht, das aus der
Liebe lebt!
Nun trage wissend ich dich in mir, — ich weiß
dich wie ich mich selber weiß!
In mir selber bin ich dir vereinigt, — meiner Seele
bist du in mir geboren...
In deinem Lichte darf ich deine Herrlichkeit
schauen, — das Auge des Geistes hast du mir ge‐
öffnet...
Ich sehe dich, du ewiges Urlicht, unerfaßbar für
dich selbst im Sein, — ich sehe wie du selbst dich
ewiglich als Urwort fassest...
Du zeigst mir wie das Urwort ewiglich den „Ewi
gen Menschen” spricht: — den Geistgeborenen,
der ewiglich in ihm verharrt...
Du zeigst mir, wie der Menschengeist in dieser
Finsternis nur Zeugnis jenes „Ewigen Menschen
ist, — des „Alten der Tage”, — des „Vaters” aller
deiner Leuchtenden...
Aus ihm nur kannst du in dir selbst dem Menschen
geiste dieser Erde fassbar werden...
Aus ihm hast du mir Erlösung bereitet...
Aus ihm ward mir der Führer gesandt...
*
Du allein bist der Seiende!
Als Urwort offenbarst du dich für dich selbst!
Im „Ewigen Menschen” schaffst du dir des
Urworts Offenbarung, die weiterzeugend alle
Hierarchien hoher Geister bis herab zum Men
schengeiste dieser Erde aus sich selber offen
bart...
Ruhe und Schaffen sind in dir...
Ruhe bist du in deinem Sein, — als Schaffenden
spricht dich das Urwort aus...
Mann” und „Weib” bist du in deinem Sein, du
ewiges Urlicht, — du ewiger Geist der Wahr
heit, — du, der du selbst die Liebe bist...
Mann” und „Weib” spricht das Urwort aus...
Mann” und „Weib” ist der Ewige Mensch...
*
In einem Funkenstrahl deines Lichtes nur vermag
ich dich zu ertragen...
So bist du mir vereint, als mein lebendiger Gott! —
In dir erkenne ich, daß diese Liebe, die du selber
bist, stets Tat und Wirken aus weiser Ruhe will...
Alles Erkennen sehe ich fruchtlos und ohne Wert,
wenn es nicht gründet in dir, der du die Liebe
bist!
35 Psalmen
.Auch der Geist bedarf der Form, soll er dir
innewerden! — —
.Wie nichts in dieser Aussenwelt der For
mung entbehrt, so wird auch in der inneren
Welt nichts wahrgenommen, es sei denn Form
geworden...
.Du sprichst von «leerer» Form!
.Bedenke aber, dass auch die leere Form noch
Offenbarung eines Willens ist, der sich in
ihr einst Ausdruck schuf, so wie das leere
Haus der Schnecke dir noch von dem Tiere sagt,
das in ihm lebte! — —
.Was Form geworden ist in dieser Aussen
welt, ist Ausdruck eines Inneren der Aussen‐
welt, das anders dir sich niemals offenbaren
könnte...
.So aber ist auch jede Form der inneren
Welt stets wieder Ausdruck eines Allerinner
sten, das niemals dir vorhanden wäre, würdest
du es nicht als Form in dir erkennen...
.Suche hier in der Aussenwelt in jeglicher
Form das ihr Innere zu erfassen, dessen Aus
druck sie ist!
.So wirst du am besten dich vorbereiten, einst
auch in der Welt des Geistes, in jeglicher
Form die dir allda begegnen mag, das Aller
innerste, dem sie Ausdruck ist, aus ihr
leuchten zu sehen! — — —
.Auch alles, was der Mensch an Lebensform
geschaffen hat in dieser Aussenwelt, damit er
leichter in Gemeinsamkeit mit seinesgleichen
dieses Erdenlebens Bürde trage, kann dir zu
hoher Lehre dienen...
.Auch hier entspricht dem «Aussen» stets ein
«Innen», selbst wenn das «Innen» längst
nicht mehr gefühlt wird. —
.Suche nach diesem «Innen», und wenn du
es gefunden hast, dann wird dir manche schöne
Lebensform, die dir nur als der Ausdruck
einer Lüge galt, gewiss zu einem anderen
Werte sich erheben! — — —
.Auch manches was dir heute töricht noch er‐
scheint in Sitte und Gepflogenheit der Men‐
schen, wird sich dann als Form dir zeigen der
ein weiser Inhalt innewohnt!
12 Geist und Form
Den Geist der Ewigkeit
Kannst du nicht unvermittelt finden.
Um faßbar dir zu werden,
Muß er sich an Körperhaftes binden.
Die gröbsten, wie die allerfeinsten,
Der Organe deines Erdenleibes
Mußt du ganz dem Geiste geben,
Damit er sie erwecken und befruchten kann
Mit seinem Leben!
In jeglichem Organ des Körpers
Schafft der Geist dann, —
Bleibt dein Wille wach, —
Sich eine „Zunge”: — einen „Mund”, — —
Doch, erst, wenn ihm dein Körper
Resonanz zu bieten weiß, —
Wird dir des Geistes sanfte Sprache
Auch als menschliches Erfühlen
Und Gedanke kund!
„Vergeistigung des Körpers”
Könnte selbst ein Gott niemals erringen, —
Nur die Verkörperung des Geistes
Weiß dich in den Geist zu bringen!
79 Über dem Alltag
Alles ist in Gott, und Gott ist in Allem!
Primär in seinen ihm eigenen Wurzelbe‐
zirken: „Ursein”, „Urlicht” und „Urwort”,
wie in seiner Selbstgestaltung, dem „Va‐
ter” — sekundär in allem unsichtbaren,
wie in allem sichtbaren Leben.
.Das darf aber nicht etwa so verstanden
werden, als predigte ich da eine Art „Pan‐
theismus”, und ebensowenig ist es mein
Wille, das was Gott ist, als „Person” er‐
scheinen zu lassen. Auch „Ursein”, „Ur‐
licht” und „Urwort” sind wahrhaftig nicht
„Personen”, wie etwa im christlichen Tri‐
nitätsdogma: Vater, Sohn und Geist! Und
was den Leuchtenden des Urlichtes „der
Vater” ist, darf hinwiederum nicht im
Sinne dieses Dogmas aufgefaßt werden.
.Wir kennen und lehren die Wirklichkeit,
nicht irgendeine Glaubenslehre!
.Im Wirklichen aber: — in der Struktur
des geistigen Lebens, besteht ein Mono‐
theismus, der auch polytheistische Ausle‐
gungen verträgt, ohne dadurch zu sich selbst
in ein Mißverhältnis gebracht werden zu
können.
.Der Gott der Wirklichkeit ist nicht, wie
gesagt wird: „das höchste Wesen”! — Das
ist vielmehr — der Vater, der sich selbst
in die Formen der zwölf Väter ausstrahlt,
die seine Wirkungsaspekte sind. Gott aber
ist nicht „Wesen”, sondern: — hier in be‐
sonderem, einmaligen Sinne gemeint, —
die Wesenheit in allem, was wesenhaft
wirklich ist. So im „Ursein”, „Urlicht”
und „Urwort”! So im „Vater” in allen
seinen Aspekten!
.Der Vater aber ist — „Mensch” im Ur‐
sein, im Urlicht, im Urwort: — der sich
selber ewig zeugende Ur-Geistesmensch
und das Maß aller Dinge die aus ihm Ge‐
staltung erlangen, daher auch des Ewigen
im Erdenmenschen! —
.Gott ist ebenso absoluterweise Gott in
den „Vätern”: — der Offenbarungsform
des Vaters, — wie im Ursein, Urlicht und
Urwort. Für sich selber aber ist das, was
Gott ist, auch nur in sich selber „Gott”: —
die Wesenheit an sich selbst, — aber von
allem anderen in ihm Seienden im ewigen,
substantiellen geistigen Leben aus „ge‐
sehen”, ist Gott Wesenheit allen Wesens!
— Und „Wesen” ist Wirklichkeit aus „We‐
senheit”!
.Ich stelle aber hier kein „Nebeneinan‐
der” oder „Übereinander”, sondern das
„Ineinander” der Struktur ewigen, geistig‐
substantiellen Lebens dar, soweit ich es
durch Worte irdischer Sprache vermag.
.Man sage nicht, daß die Darbildung des
ewigen Wirklichen für den Menschen auf die‐
ser Erde praktisch zwecklos sei, da dieser
hier für ganz andere und ihn leiblich näher
angehende Fragen nach Lösung zu suchen
habe! Kein Mensch auf Erden kann vielmehr
die von jedem bewußt oder unbewußt er‐
sehnte innere Ruhe und Erlösung seiner
Seele finden, solange sein Vorstellungs‐
haushalt noch nicht gänzlich konform mit
der Struktur ewigen geistigen Lebens ge‐
ordnet ist.
144 Briefe an Einen und Viele
daß man den Be‐
griff „Wesenheit” für das Wesen-Gebende
gelten läßt. Das höchsteWesen” aber ist
dadurch „Wesen”, daß es in derWesen
heitist wie sie in ihm, und wenn ich
darstellen will, was ich darzustellen habe,
müssen mir beide Worte als Bestimmungen
zur Verfügung stehen. Nicht anders, als
wenn ich einem Menschen, der nach hun‐
dert Jahren wieder irdisch auferstanden
wäre, nun klarmachen sollte, daß ein Elek‐
tromotor sich nur dann bewegt, wenn er
unter Elektrizität steht. Auch da müßten
mir die Worte für Bewegtes und für das
Bewegende, zu Gebote stehen. Dieser Ver‐
gleich hinkt jedoch beträchtlich, denn mir
ist „Wesenheit” nicht bloß das Bewegende
des Wesens, sondern vielmehr in erster
Hinsicht des Wesens Allerinnerstes, — ver‐
gleichend gesagt: sein lebendiger „Kern”!
147 Briefe an Einen und Viele
„Ge‐
burt” Ihres „lebendigen Gottes” in Ihrer
ewigen Menschenseele sage, denn eben hier
handelt es sich um nichts anderes, als um
die von mir gemeinte „Wesenheit”, die
auch dem individuellen Erdenmenschen in
der, seiner Individualität auf das genaueste
entsprechenden Form bewußt werden kann
und durch die allein er wesenhaft zu wer‐
den vermag in Ewigkeit wie Zeit. —
.Der „Vater” ist nur den Leuchtenden
des Urlichtes, die seine eigene Zeugung
durch seine Offenbarungsform: — die
zwölf „Väter” — darstellen, bewußtseins
zugänglich, und zwar jedem einzelnen
Leuchtenden in der Form dessen unter
den zwölf mit dem Vater alle identischen
Vätern, der diesen individuellen Leuchten‐
den individuell im Urwort „zeugte”. Der
lebendige Gott” aber, von dem ich als
von der einzigen, allen Erdenmenschen
praktisch erreichbaren Selbstoffenbarung
Gottes spreche, kann jedem Menschen auf
Erden, — soweit dieser selbst sich dazu
vorzubereiten weiß, — seelisch erlebbar
werden, was ich mit einer „Geburt” Gottes
in der Seele vergleiche.
150 Briefe an Einen und Viele
Wenn Sie den „Vater”, — der Ihnen ja
nicht bewußtseins-zugänglich ist, obwohl
auch Sie aus ihm leben, — als „sich in zwölf
Selbstreflexionen erlebende Einheit” auf‐
fassen wollen, so entfernen Sie sich durch‐
aus nicht von der Wirklichkeit. Nur müssen
Sie dann die alle zwölf „Selbstreflexionen”
umfassende zwölfeigene Einheit als ein
Dreizehntes hinzufügen, wie es wohlweis‐
licher Gebrauch „Wissender” der Vorzeit
war. Es ist mit Sicherheit zu sagen, daß
die in den Evangelien berichtete Zwölfzahl
der Jünger, mit Jesus als dem sie alle gei‐
stig umfassenden Dreizehnten, hierher‐
gehört
159 Briefe an Einen und Viele
Man hätte nur auch we
niger oder ebenso mehr der Schüler Jesu
in so besonders betonter Weise nennen
können, wenn hier nicht eine Parallele zu
dem Vater-Mysterium hätte sichtbar wer‐
den sollen, das ja zu Jesu Zeit nicht nur
einzelnen „Wissenden”, sondern ganzen
Mysterienvereinen bekannt war, aus denen
später viele Anhänger der Lehre Jesu
kamen.
161 Briefe an Einen und Viele
.Überlegen Sie, daß in jedem Erden‐
menschen, bei aller Tiergleichheit in bezug
auf den Leib und die wieder auflösbare
„Tierseele”, die Funktionsergebnis dieses
Leibes ist, auch ein Ewiges sich darlebt,
mag es auch bei vielen zeitlebens latent
bleiben. Dieser ewige „Geistesfunke”, dem
die aus ewigen Seelenkräften sich gestal‐
tende und daher ewige Seele Darstellungs‐
bereich ist, erfüllt innerhalb der Struktur
ewigen geistigen Lebens ebenso seine ihm
allein vorbehaltene Stätte, wie der ewige
Leuchtende des Urlichtes die seine ein‐
nimmt. Dem Leuchtenden, der erdenkör
perlich wirkt, ist ein solcher Geistesfunke
seit unermeßlicher Zeit geistig vereinigt,
und mit ihm dessen ewige Seelenkräfte,
so daß zuletzt auch Tierseele und Leib die
Influenzwirkungen des ewigen Leuchten‐
den erfahren, dessen zeitliche Werkzeuge
sie sind, solange sie auf Erden im Physi‐
schen lebensbeständig bleiben können.
Während aber dem Leuchtenden des Ur‐
lichtes alle Erlebensmöglichkeit, die das
Leben des ewigen Geistes umschließt, bis
ins Innerste dieses Lebens gegeben sind,
da er ja von ihm aus bewußt ist, kann er
doch nur dem ewigen Einzelmenschen‐
geiste, dem er sich im Ewigen vereinigte,
um durch ihn einst dann auf Erden die
Möglichkeit zu geistiger Hilfeleistung zu
haben, Anteil an seiner, alles geistige Le‐
ben in sich durchdringenden Erlebensweise
geben, indem er ihn, Jahrtausende vor der
ihn später tragenden „Tierwerdung” auf
Erden, in sich realiter „hineinnimmt” und
so ihn an allem teilnehmen läßt, was in
ihm selber Leben ist. Dieses „Hineinneh‐
men” ist geistesgesetzliche Folge der un‐
darstellbare Zeit vordem dargebotenen frei‐
willigen Verpflichtung, die der von nun an
geheimnisvollste Vorbereitung Genießende
eingegangen war. Allen anderen im Irdi‐
schen inkarnierten ewigen Geistesfunken
vermögen jedoch die Leuchtenden des Ur‐
lichtes nur dazu zu verhelfen, ihrer ewigen
Seelenkräfte habhaft und Herr zu werden,
um im Bewußtsein der Seele sich selbst
zu finden und die ihnen gemäße Form der
Seele sich bilden und vereinigen zu können.
Da nun zwischen den ewigen Seelenkräften
und dem gehirnbedingten Erkennen, Emp‐
finden und Erlebenkönnen stete Influenz‐
wirkungen bestehen, so kann dieses see‐
lische Erwachen in entscheidender Weise
von den Vorstellungsbereichen des Erden‐
menschen her gefördert werden, wie an‐
dererseits auch die Einflüsse aus dem ewigen
Geiste über die Individualgestaltung des
Geistes, die in dem ewigen Geistesfunken
des Menschen gegeben ist, allmählich den
ganzen tiernahen Leib derart zu durch‐
dringen vermögen, daß er zur Verkörpe‐
rung des Geistes auf Erden zu werden ver‐
mag.
.Dem Geistigen eines jeden Erdenmen‐
schen entsprechen nun aber ganz be‐
stimmte, nur ihm allein zugängliche gei‐
stige Erlebensformen und die hier mög‐
lichen Kombinationen sind der Zahl nach
unendlich, so daß es ganz unmöglich wäre,
sie alle jemals darzustellen, ja nur gruppen‐
weise zu charakterisieren. Da nun aber der
Erziehung des Vorstellungslebens so uner‐
meßliche Bedeutung zufällt, und der vom
Irdischen her nach dem Geistigen Suchende
möglichst von dem schon irdisch erfahren
haben sollte, was ihm geistiges Erleben
werden kann, so ist es besser, er weiß von
allem, was an diesen Dingen Menschen er‐
fahrbar zu werden vermag, als wenn ich
nur das Allgemeinste erörtern, alles Be‐
sondere aber verschweigen wollte. Ich sagte
Ihnen schon einmal, daß jeder, sich selbst
gegenüber ehrliche Suchende alsbald wissen
wird, was ihm in meinen Lehrtexten im
Besonderen gilt, wobei es ihm nur zu grö‐
ßerer und tieferer Einsicht in die Natur
alles Geistigen dienen kann, wenn er auch
von anderen Möglichkeiten erfährt, denen
gegenüber er spontan fühlt, daß sie der
Art nach nicht für ihn in Frage kommen,
auch wenn Andere so zum gleichen Ziele
gelangen.
.Es sind dunkle triebdumpfe Atavismen
die durch unsere tierleibliche Herkunft
aus der Substanz des Planeten nur zu sehr
erklärlich werden, wenn immer wieder der
widergeistige Gedanke in den Köpfen auf‐
lebt, alle Menschen seien „gleich” vor
Gott. Tröstlich bleibt dabei nur, daß dieser
„Gott” der Langweile das Erzeugnis gleich
wertiger Ursache ist. — Die Wirklichkeit
aber kennt in den Beziehungen zu Gott
innerhalb der Struktur des Lebens im ewi‐
gen Geiste nur unendlichfältige Verschie
denheit. Eine Gleichheit vor Gott darf le‐
diglich insofern zu Recht behauptet wer‐
den, als sie sich auf die allen Erdenmen‐
schen gemeinsame leibliche Tiernatur be‐
zieht, die von dem Planeten genommen
ist und ihm wieder anheimfällt. Soweit aber
das Doppelwesen, das sich auf Erden be‐
scheidenerweise für den Inbegriff des „Men‐
schen” hält, geistiger Natur zugehört, sind
seine einzelnen Geistesfunken verschie
dener voneinander als alles Verschiedene,
was es auf Erden an irdischen Formen zu
unterscheiden gibt! Und zwar nicht nur
im Nebeneinander gesehen, sondern eben‐
so in bezug auf die hierarchisch unfaßbar
scharf bestimmte Stufe der Eigenkapazität
innerhalb des geistigen Lebens!
.Hier läßt sich nichts abhandeln durch
philosophische Begriffsbildungen, die in
der Sphäre der Wirklichkeit so wenig Hei‐
matrecht haben, daß man sie nicht einmal
als Schatten und Schemengebilde wahr‐
nimmt.
.Hier läßt sich aber auch nichts erkaufen,
denn alles was der Andere hat, ist in glei
cher Weise wie das Eigene, in der Struktur
des geistigen Lebens gründender, ewig un‐
veräußerlicher Besitz.
.Sie sehen, daß sogar sehr scharfe Gren‐
zen zwischen den Erlebensmöglichkeiten
der einzelnen geistigen Individualitäten
bestehen, aber Sie werden auch bereits
entdeckt haben, daß die Oberfläche der
Erde nicht ausreichen dürfte, diese Gren‐
zen alle aufzuzeichnen, und daß die von
Ihnen vermißte „schärfere Scheidung”
dessen, was nur dem Leuchtenden des Ur‐
lichtes zu erleben möglich ist, und dessen,
was jeder Menschengeist nach dem Er‐
wachen seiner Seele aufzunehmen vermag,
schon dadurch ganz unmöglich würde, daß
es sich in dem einen Falle um eine, Un
endliches in sich fassende, im anderen um
die denkbar differenteste Erlebensfähig‐
keit des Selbstbegrenzten handelt! —
182 Briefe an Einen und Viele
.Wirklicher Segen ist, wie ich schon eben
sagte, eine geistige Substanz, von der eine
Kraft ausgeht, deren Wirkungsgrad auf das
Genaueste der inneren Haltung des Ge‐
segneten entspricht.
.Segen ist also weder Gebet, noch Wunsch,
noch an irgendeine Geste des Segnenden
geknüpft und von keinem ausgesproche‐
nen oder auch nur gedachten Worte ab‐
hängig, sondern willensbestimmte ewige
Geistsubstanz in zeitliche Auswirkung ge‐
leitet durch einen Geistigen, der in irdi‐
scher Verkörperung lebt. Solche Vereinung
mit einem erdentierhaften Körper ist un
umgängliche Notwendigkeit, wenn Segen
sich auch im äußeren Irdischen des zu
Segnenden auswirken können soll.
.Ich sehe mit geistigem „Auge” den Se‐
gen, den ich erteile, wie eine helle, strah‐
lende Lohe, weißleuchtend, im Irdischen
nur vergleichbar dem unter einem Mikro‐
skop wahrnehmbaren Leuchten des Radi
ums in verdunkeltem Raum. Allerdings ist
das Leuchten ganz unvergleichlich stärker
und nur sein Charakter erinnert mich an
das Leuchten des irdischen Elements. Die
strahlende Helligkeit der geistigen Segens‐
Substanz ist derart intensiv, daß ich aus der
irdischen Gewohnheit heraus, das Auge vor
zu starken Lichteindrücken zu schützen,
oft unwillkürlich im Reizreflex momentan
die Augenlider schließe, obwohl doch nur
das geistige „Auge” hier wahrnimmt, das
allen geistigen Lichtgraden angepaßt ist. —
.Segnen als Tätigkeit ist für den, dem
es möglich ist, eine Reihe von Willensak
ten, durch die sich die Segen-Substanz, die
geistig-sinnlich als leuchtende, vorerst noch
„ungeformte”, unregelmäßige „Lohe” er‐
scheint, in die, für den zu spendenden
Segen notwendigen geistigen Formen um‐
gestaltet, um sodann, gemäß der ihr ge‐
gebenen Bestimmtheit, in nächster Nähe,
oder über Länder und Meere hinweg sich
auszuwirken. Auch wiederholte Auswir‐
kung kann durch willentlich gegebene Be‐
stimmtheit veranlaßt werden.
.Sie haben mehrfach in Ihren Briefen an
mich besonders betont, daß Sie den Emp‐
fang meines Segens in einer alle Selbst‐
täuschung ausschließenden Weise „körper
lich” empfänden. Ich bin auf diese Berichte
absichtlich nicht eingegangen, weil ich —
ohne alle Prophetie — voraussah, daß hier
eines Tages ja doch eine umfassendere Be‐
sprechung nötig werden würde. Aber Ihr
Empfinden hat Sie keineswegs getäuscht.
Sie haben „Körperliches”, — allerdings
geistsubstantiell Körperhaftes, — das aber
erdenkörperlich empfindbar ist, erdenkör‐
perliche Erkraftung und Bereicherung be‐
wirkt, in meinem, von Ihnen angenomme‐
nen Segen tatsächlich empfangen. Hierbei
sei gleich vermerkt, daß Sie wirklichen Se‐
gen auch ablehnen können. Bewußten Wil‐
lens, oder ungewollt, nur durch Ihre inne‐
re Haltung! Er kehrt dann zurück, als wenn
er an einer Granitwand abgeprallt wäre,
zu dem, der ihn ausgesandt hatte.
.Für mich ist im Geistigen die lohende
Substanz des Segens, ihrer Konsistenz nach,
zugleich so greifbar „körperlich”, wie etwa
im irdischen Außenleben der Formsand
der Erzgießer, und ebenso formbar. Noch
niemals, seitdem ich zu segnen vermag,
habe ich gesegnet, ohne an den Gesegneten
des Segens Wirkung in gleicher Weise geistig
„körperlich” zu gewahren, wenn der Se‐
gen angenommen worden war.
226 Briefe an Einen und Viele
Wahrheit” und substantiell-geistige
„Wirklichkeit” sind nicht das Gleiche,
auch wenn alles Wahre im Wirklichen grün‐
det! Wahrheit ist immer ein Bild der Wirk‐
lichkeit, wenn auch — dem Anspruch des
Wortes nach — unter allen Umständen ein
klargeprägt „ähnliches” Bild, bei dem nur
solche, „Retouchen” mit Stichel und Schab‐
eisen in Kauf genommen werden können,
die dazu dienen, eben diese „Ähnlichkeit”
noch zu vertiefen und klarer zutage zu
bringen. Während dieses Bild aber immer
„Bild” bleibt und niemals die ewige sub
stantiellgeistige Wirklichkeit selbst ist,
bleibt diese ewig die Ursache jeglicher
Wahrheitserkenntnis. Ich treibe hier durch‐
aus nicht etwa ein Spiel mit Worten! Die
beiden Begriffe bezeichnen Konkretes, das
genauestens auseinandergehalten werden
muß. In dem Buche: „Der Weg zu Gott”
ist schon vieles Hierhergehörige gesagt.
Wenn ich von ewiger geistsubstantieller
„Wirklichkeit” spreche, so will ich das auf
Erden mit irdischen Sinnen Unwahrnehm
bare, in sich selbst Lebendige und jeder‐
zeit „Ewige” gemeint wissen, das Jesus
„das Reich der Himmel” nennt: — das alle
Dauer in sich allein umschließende Reich
des substantiellen Geistes, der die einzige
unausschöpfbare Fülle aller Kräfte ist —
nichts, was mit dem „Denken” zu tun hat
— nichts Erdachtes, — sondern ewigkeits‐
gezeugter „Raum”. Weniges steht dem
inneren Auffinden dieser ewigen Wirklich‐
keit hindernder und bösartiger im Wege,
als der schauerlich verhängnisvolle Ge‐
brauch, das Wort „Geist” anzuwenden,
wenn von irgendwelchen Äußerungen des
menschlichen Gehirns: — von Gedanken
und Gedankenverknüpfung, „Gedanken‐
leben” und Denkerarbeit die Rede sein
soll. Wenn man diesen, durch die Tätigkeit
des irdisch-physischen Gehirns emporge‐
wirbelten Gedankenrauch als „Geist” zu
bezeichnen gewohnt ist, dann hält es wahr‐
haftig schwer, sein Bewußtsein aufnahme‐
bereit zu machen für den „creator spiri‐
tus”, den Schöpfergeist der Ewigkeit, der
das aus sich selber souveräne „ewige Le‐
ben” ist und alles in seinem substantiellen
Sein umfaßt, was seines Reiches Zeugung
darstellt, aber nichts in sich aufnimmt, was
nicht in Ewigkeit aus ihm hervorgegangen
war. Nur weil der Erdmensch, in seinem ir
disch unfaßbaren Kern, geistiger Zeugung
„Zeugnis” aus aller Ewigkeit her ist, kann
er, der sich selbst aus dem ewigen „Augen‐
blick” in die trügerische Scheindauer der
kosmischen „Zeit” fallen ließ, dereinst wie‐
der in sein Reich eingehen, mitnehmend aus
seinem irdischen Bewußtsein, was er mit‐
nehmen will, soweit es den inhärenten Ord‐
nungen dieses Reiches nicht widerspricht.
.Dieser ewigen „Wirklichkeit” gegenüber
ist ihr nachgeformtes Bild: — die „Wahr‐
heit”, — im Irdischen erfolgte Prägung, —
Ausformung des Siegels der Ewigkeit in
irdischem Siegelwachs! Der Mensch aber,
der nicht das Siegel des ewigen Geistes in
sich trägt, kann nicht die Wahrheit aus dem
ewigen Wirklichen künden, auch wenn er es
mit allen seinen irdischen, und allen Kräf‐
ten seiner ewigen Seele will! — Es handelt
sich ja hier nicht um das biedere mensch‐
liche „Die-Wahrheit-sagen-wollen”, son‐
dern um das Bezeugen des eigenen Ge
prägtseins durch die ewige Wirklichkeit,
und nur wer solchermaßen die Wahrheit
aus der ewigen Wirklichkeit in sich trägt,
kann aus der Wahrheit Kunde geben, weil
sein eigenes Bewußtsein in der ihm ein‐
geprägten Wahrheit leuchtend wurde und
lebendig ist!
81 Hortus Conclusus
Um diese Weise:
— das Wirkliche in sich selber als des
eigenen Daseins Urgrund erfahren zu
dürfen, — lehrend aufzuzeigen, wird man
gewiß der Vorstellungsbilder auch nicht
entraten können. Doch diese Vorstellungs‐
bilder werden sorglichst jedes Vorbild aus
dem Irdischen her meiden, das nicht in
hellster Transparenz zu durchschauen
wäre. Und alles, was sich in bildhaften
Worten sagen läßt, wird nur dazu dienen
wollen, in dem Belehrten die Vorstellung
von der Struktur des ewigen Wirklichen
zu erwecken, in dem und aus dem er
selber lebt. Gott ist so Vieles und so Viel
seitiges wie Verschiedenes zu gleicher
Zeit und gleicher Ewigkeit, daß es nie‐
mals möglich wäre zu sagen, was Gott ist,
wenn es nicht möglich wäre, die Struk‐
tur des geistigen Lebens, dessen Selbstbe‐
wußtsein Gott ist, in großen Linien auf‐
zuzeichnen. Die Seins-Aspekte Gottes, die
ich in solcher Weise aufgezeichnet habe,
von der geistigen Zahlwertauswirkung Eins
ausgehend, die dem Menschen nur „zwi‐
schenliegend” denkbaren verschiedenen
Wertauswirkungen bis zur Zahl Zwölf um‐
fassend, sind ausschließlich in solchem
Sinne gemeint, und es ist dabei an keiner
Stelle an ein Nebeneinander oder Überein‐
ander, wie es im Irdischen allein möglich
wäre, zu denken, sondern zu versuchen,
ein lückenloses gleich ewiges Ineinander
zu erfühlen, denn „vorstellen” läßt sich
dieses sich gegenseitig erfüllende Selbst‐
sein in der Struktur des ewigen Geistes
nicht, und es ist auch nicht meine Absicht
eine „Vorstellung” zu vermitteln, wo ich
die Wirklichkeit selbst dem Einfühlungs‐
vermögen meiner Mitmenschen empfin‐
dungsnahe bringen kann.
140 Hortus Conclusus
.Auf dem Bilde "Wintertag in Attika" wurde attischer
Boden als Gleichniswert, als Wirkung, als Sache gewissermaßen in die
Ursache zurückgehoben, wurde eine irdische Landschaft in einen gei-
stigen Plan zurückverwandelt, ohne daß dem Stoff Gewalt angetan
worden wäre. Er bleibt durchaus weiterbestehen, aber auf sein
Wesentliches hin gesteigert, so daß alle Schwingungen der Einzel-
motive ihre Spannkraft voll entwickeln können. Das ist Wirkung
dessen, was man Komposition nennt.
So entsteht Raum, so entsteht eine Leere, die zugleich Fülle ist. Was
nicht ist, was im Leeren zwischen Geländeformen und Kahl-
heiten der Felsmassen und Erdwüste schwingt, verschmilzt mit dem
harten Sein dieser Gebilde zu einem höheren Sinn, in welchem das
Bipolare in Einheit aufgegangen ist.
.Es muß befremden, wenn hier von seelischen Bereitschaften gesprochen wird. Aber es
hilft nicht: zunehmende Bewußtheit zeigt uns, daß Raum und Zeit mit allem Inhalt nicht außer-
halb, sondern innerhalb unserer vom Geiste durchlichteten Seele als dessen Projektionen existieren.

62 R.Schott - Der Maler Bô Yin Râ
.... Ist doch das Bauen überhaupt die Urhandlung des sich offenbarenden Geistes. Das Leben des Weltalls
ist eben unerschöpfliches Bauen. Darum steht im Anfang allen wirk-
lichen Menschseins das Bauen....
68 R.Schott - Der Maler Bô Yin Râ