Erkenntnis
(von mir ausgewählte Textpassagen
in der Reihenfolge der Schriften)

.Nur was die Sinne deines Körpers be‐
rührte, hattest du für das Seiende gehalten...
.Nun mußt du sehen, daß die vergängliche
Freude am Sinnenfälligen des Men‐
schen etwas sehr wesentlich anderes ist,
als die bleibende Freude am Menschen
selbst.
.Nun mußt du erkennen lernen, daß alle
„Sichtbarkeit” nur unsichtbarer Wirk
lichkeit zeitliches Zeugnis ist.
.Alle Wirklichkeit wirkt aus dem Un
sichtbaren!
196 Das Buch der königlichen Kunst
.Willst du die Wirklichkeit des Men
schen finden, so wirst du sie nur im Un
sichtbaren, durch dein Unsichtbares er‐
reichen können! —
.Du darfst der Sichtbarkeit zwar vieles,
aber nicht alles glauben!
.Du mußt die Sichtbarkeit als Gegenpol
deines Unsichtbaren erkennen lernen!
.Wir könnten nicht in diesem Dasein
uns erleben, ohne den ins Äußere streben‐
den Willen zum erdensinnenhaften Sicht‐
barsein.
.Unsichtbar wirkender und sichtbar ge
wirkter Wille sind in uns zeitlich vereint.
.Noch nähern wir uns nicht der geist‐
gesetzlich bestimmten Bedingung zu blei
bender Einung beider Willenspole.
.Erlösung vom Zuviel, —
.Ergänzung des Zuwenig: —
nichts anderes ist in Wahrheit der „Tod”,
der unser Unsichtbares aus dem Sichtbaren
löst.
.Nicht mehr gehemmt durch sichtbare
Formen, werden wir dennoch auch in der
Sichtbarkeit leben und wirken: — ein jeder
als Ganzes, bewußt seiner selbst nun aus
dem allewigen Ganzen...
197 Das Buch der königlichen Kunst
.Ihr wißt von allen Dingen klug zu sagen,
wieso sie also sind wie sie sich zeigen, wes
halb ihr Wirken einmal sich ergibt, ein
andermal versagt, und manches Andere
mehr, — doch niemals dringt ihr zu den
letzten Gründen vor, denn was ihr „Gründe”
nennt, sind immer nur die Wirkungen von
Ursachen, und hinter diesen liegen erst
die wahren Gründe, die keiner von euch
aus Erfahrung kennt...
.Die Kräfte der Seele aber, — wenn ihr
sie aus eurem „Ich” heraus beherrschen
lerntet, wie sie beherrscht sein wollen, —
werden euch auch die letzten Gründe er‐
hellen, denn sie sind mit ihnen gleicher
Art, wenn auch nicht gleicher Wirkungs
form...
.Erweisbar wird diese Art von „Grün‐
den” freilich jenen nur, die selbst bereits
der Seele Kräfte zu gebrauchen wissen, —
während eure Beweise immerhin leichter
zu erlangen sind, obwohl sie auch nur dem
verstehbar werden, der die Voraussetzungen
sich erworben hat, auf denen die Beweise
eurer Art beruhen.
225 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Die Wirkungsweise geistiger Gewalten,
— sei ihre Wirkung nun von den höchsten
oder den niedersten unsichtbaren Lenkern
ausgelöst und in ihrer Art bestimmt, —
kennt kein zeitliches, kein örtliches
Hindernis.
.Heute noch wirken durch hohe wie
durch niedere Lenker einst ausgelöste und
bestimmte Gewalten in der Seelenwelt des
Erdenmenschen, obwohl diese Gewalten
schon vor vielen Hunderten, ja Tau
senden von Erdenjahren, den Weg zu
den Herzen fanden, — durch einen mensch‐
lichen Agenten...
.Wo auch ein solcher lebt oder lebte: —
die geistige Gewalt, die durch ihn zur Wir‐
kung kam, wird alle erreichen, die in ihr
ähnlichen Schwingungen vibrieren, mögen
die solcherart Prädisponierten auch auf des
Erdballs anderer Seite wohnen, oder erst in
einer zukünftigen Generation geboren wer‐
den...
274 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Jeder, der in dieses Reich gelangt, ist ein
Vollendeter, frei in sich selbst, — und je‐
der weiß, daß ihm Vollendung nur erreichbar
war in seiner Eigenform. — — —
.Es ist nur Folge deiner erdgezeugten
Nichterkenntnis, wenn du etwa nach
einer Form der geistigen Vollendung strebst,
die nicht aus deiner Individualität heraus
gefordert ist...
279 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Wenn ihr jedoch zu seinen „Jüngern”
werden könnt, dann wird er in eurem eige
nen Herzen zu euch „reden”...
.Er wird aber niemals eure Sinne durch
die Reize schwüler Ekstase zu umnebeln su‐
chen, — sondern neben euren irdischen
Sinnen wird er neue, geistige Sinne in euch
eröffnen.
.Ihr werdet zuerst sein „Lehren” verneh‐
men, ohne zu wissen, ob es der Freund und
Führer eurer Seele ist, oder ob ihr selbst das
seid, was in euch „spricht”. — —
.Ein gewisses, reines, neues Fühlen jedoch,
das sein „Lehren” begleitet, wird euch aber
in Bälde sagen, daß mit „geweihter” Stimme
in euch „gesprochen” wird: — durch un
mittelbares Erzeugen innerer Klarheit,
ohne Worte der Sprache des Mundes. —
— —
.Dieses, oft ganz unvermutete, ganz
unerwartete Empfangen eines klaren inne‐
ren Erhellens geistiger Dinge, — das so sehr
alles überstrahlt, was logisches Denken
sonst gewohntermaßen uns an „Klarheit”
bringt, — mag euch immer ein sicheres Zei‐
chen sein, daß echtes geistiges „Lehren” sich
in euch bezeugt...
.GeistigesLehren” ist kein „Überzeu‐
genwollen”, sondern ein unmittelbares
Aufhellen dessen, was vorher im Dunkel
lag. — — —
.Ein Menschenbruder „spricht” so in euch,
der nicht mehr die Schallwellen der
Luft dem Ohre des Leibes senden muß,
wenn er empfängliche offene Herzen, die ihm
vertrauen, „lehrend” erreichen will...
.Vielleicht werdet ihr im Anfang noch
nicht alles „verstehen” können, was auf
diese Weise sich in euch ereignet, denn man
kann sehr wohl etwas in absoluter Klarheit
erkennen, ohne imstande zu sein, das Er‐
kannte vor sich selbst gedanklich aufzu
lösen. —
.Bleibet ruhig in solchem Falle und „zer‐
grübelt” euch das Klare nicht!
.Lernet vor allem die Stimme, die in euch
„spricht” unterscheiden von den falschen
„Stimmen” eurer aufgeregten Phantasie! —
.Bleibet nüchtern und still, als ob es gel‐
ten würde, Längstgewohntes in euch zu
beobachten!
.Die Stimme des „Lehrenden” ist im Be‐
ginn der „Führung” so leise, wie ein ganz
zarter Gedanke, ein kaum wahrnehmbares
Fühlen.
.Aber der Führer im Geiste spricht kein
„Wort” in seiner geistigen „Sprache”, von dem
nicht ein sehr präzise unterscheidbares „Ge
fühlder Gewißheit ausginge, das schwer
beschreibbar ist, aber mit aller Sicherheit
von jedem sofort erkannt wird, der es auch
nur ein einzigesmal erlebte...
.Kein eigener „Gedanke”, und sei er noch
so hoher Art, kann jemals dieses „Fühlen”
erzeugen, das der Geist erzeugt, in dem und
durch den der geistig Lehrende wirkt...
.Je mehr die Sicherheit wächst, mit der
ihr seine „Stimme” unterscheiden lernt
von allem was nicht seines Wesens ist, desto
klarer wird sie in euch „sprechen” können.
.Dann wird eines Tages „die große Stun
de” kommen, in der auch euer letzter,
leiser Zweifel euch verlassen haben wird!
.Werdet aber nicht ungeduldig, wenn ihr
nicht gleich das erste der Ziele in euch er‐
reichen könnt!
301 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Nicht dieser Glaube ist nötig zur Selig‐
keit deiner Seele! — —
.Wir wollen aber dein Empfinden öffnen
für eine ewige Kraft, die in dir lebt, und
stetig in lebendiger Bewegung, stetig
schaffend, deines Willens Kräfte in ge‐
formte Wirkung faßt. —
.Glaube ist Gestaltungskraft im Geiste!
.Glaube schafft die Form, durch die das
Wirken deines Willens sich bestimmt!
.Glaube ist die Wirkungsform des
Willens!
.Du kannst nicht wahrhaft wollen, ohne
zu glauben, — denn ungeformter Wille
ist eine zerfließende Kraft und wird als
solche ohne Wirkung vergeudet. — —
.Sobald du aber deinem Willen eine feste
Form durch deinen Glauben schaffst,
wird er zur mächtigen Gewalt und wan‐
delt selbst die scheinbar festgefügten Ketten‐
glieder äußeren Geschehens derart um, daß
sie wie Wachs sich ändern nach deiner
Glaubensform...
.Deine Seele schmachtet, solange du
nicht glauben kannst, und sie wird dich
selbst zum Aberglauben verführen in ihrer
Not! — —
.Deiner Seele „Leben” ist Wille, und
aller Wille will seine feste Form gewin
nen, in der er zur Wirkung kommen kann.
— —
.Wenn du erst fühlen wirst, was „Glaube”
wirklich ist, dann wirst du wahrlich glau‐
ben können...
.Dein Glaube ist das Modell, nach dem das
flüssige Erz deines Schicksals sich formt. —
.Dein Glaube braucht absolute Freiheit!
.Du selbst allein bist deines Glaubens
Norm! — — —
.Dir zum Bilde formt dein Glaube dei‐
nen Gott, wie er deine Götter formte...
.Ungeformt ist Göttliches in seinem un
ergründbaren Sein...
.Geformt nur wird es dir ergründbar.
— —
.Dir offenbart es sich in dir nur in
deiner Form!
.Darum kannst du deinen Gott nicht
deinem Bruder zeigen, denn er kann dei
nen Gott in Ewigkeit nicht schauen...
.Er sieht die gleiche Gottheit, aber ge‐
formt nach seinem Bilde...
.Du glaubst noch, deinen Bruder zu dei
nem Gott ver-führen zu können, aber wenn
er sich verführen läßt, wird er „ein Bild
anbeten und seinem Gotte entfremdet
werden. — — —
.Unendlichfältig offenbart sich der
Eine, und wehe denen, die Ihm auch nur
eine einzige Seiner Formen streitig machen
wollen!
.Im gleichen Augenblick, in dem du dei
nes Gottes inneres Bild einem anderen
Menschen schamlos enthüllst, hast du dei‐
nen Gott verloren! —
.Glaube nicht, daß unter allen Tausenden,
die sich um einen von ihnen allen hochge‐
lobten Gottesnamen scharen, auch nur
zwei wahrhaft Gläubige sind, die in diesem
Namen Gleiches glauben! — —
.Der Glaube selbst aber kann sich eines
jeden Gottes- oder Teufels- Namens be‐
dienen...
.Die formende Kraft des Glaubens,
die deinen Willen bestimmt, ist die allei‐
nige Ursache aller „magischenWirkung.
.Weiße” und „schwarze” Magie grün‐
den in der gleichen Kraft!
.Wie die Weltkraft, die der Blitz dir
kündet, dem Menschen dienstbar wird, sobald
er sie in Form zu bannen weiß, — wie sie
sich binden läßt und aufbewahren in Metallen
und Gefäßen, — so läßt sich auch die Kraft
des Willens, der durch den Glauben seine
Formung fand, in Gebilde der Materie
binden...
313 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Ein jeder Gegenstand, den du mit
deinem, durch den Glauben klar geformten
Willen selbst „geladen” hast, ist ein „Ta
lisman”, und solcher „Talismane” Wir
kung hast du oft genug erfahren, auch
wenn dir niemals zu Bewußtsein kam, was
Ursache der Wirkung war, und du im Traum
nicht daran dachtest, daß du dich selbst
mitTalismanenrings umgeben hast...
.Der Gegenstand ist freilich nur der
Träger und Bewahrer einer an sich freien,
— nun in ihn gebannten Kraft. — — —
.Ihm eignet sie nicht selbst!
.Dein Glaube formte deine Willenskraft
und lenkte sie, meist ohne dein Verstandes‐
wissen, hin auf jenen „Träger”, der sie nun
bewahrt, bis sie sich ausgegeben hat. — — —
.Dein neuer Glaube aber „lädt” erneut
den „Talisman”, auch wenn du ihn als sol‐
chen nicht betrachtest...
.Ein jedes Ding, das du gebrauchst, damit
dir dies und das gelinge, obwohl das Ding
zu deinem Tun nicht unbedingt vonnöten
wäre, — ist einTalisman”, auch wenn du,
„aufgeklärt” des „Aberglaubens” spottest,
hörst du von Menschen, die dergleichen Dinge
vollbewußt und steter Wirkung sicher, zu
gebrauchen pflegen. — —
.Du — bist nur unbedacht, — doch Jene
wissen”!
.Ein Gleiches sind die Götterbilder!
.Der Fetisch in der Hütte eines Wilden,
wie das hohe Kultbild der Athena. —
.Das Bild des Heiligen im hohen Dom,
wie auch das „Gnadenbild” der alten Klo‐
sterkirche. —
.Sie alle sind „Träger” konzentrierter
Willenskräfte von gar vielen Menschen,
die durch den Glauben ihren Willen
formten und in das Bildwerk einzusen
ken wußten, — ja auch in arme materielle
Überreste, die in Wahrheit, oder nur ver‐
meint, von einem „heiligen” Menschen stam‐
men. — — —
.Der Glaube derer, die vor diesen Din‐
gen beten, ist es wieder, der die hier gebun‐
denen Kräfte „löst”. —
.Darum kann keiner diese Kräfte lösen,
der nicht an sie glaubt, — denn nur der
Glaube schafft die hohe Spannung dei‐
ner Willensströme, die jene gehäuften, und
im Glauben klar geformten Willenskräfte
zwingt, in deinen Willen einzuströmen und
mit ihm vereint, nach deinem Wunsch zu
wirken. — — —
316 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Du bist nicht jederzeit in gleicher
Willenskraft, — doch, wenn du in den Zeiten
deiner Stärke dir Bewahrer deiner Kräfte
schaffst, dann wirst du in der Zeit der
Schwäche wahre „Wunder” an dir selbst
erleben...
.Ein jedes Ding, das du zu gebrauchen
liebst, oder das dich Tag für Tag umgibt
kann dir zum Träger und Verstärker
deiner Willenskräfte werden, und du ver‐
magst es dann, in Stunden, die dich nicht
auf deiner Höhe finden, die Kräfteauszu
lösen” aus dem selbstgeschaffenen Bewahrer,
die du zu solchen Stunden brauchst...
.Vorzüglich aber eignen sich die Dinge
hoher Schönheit als Bewahrer!
.Was schon sein eigenes Dasein hoher
Formkraft dankt, wird dir am besten ei
gene geformte Kraft in sich erhalten. — —
.Umgib dich mit solchen Dingen, die
du täglich neu in hohen Stunden füllen und
erfüllen magst mit jener Art geformter Wil‐
lenskraft, die dir vonnöten ist in Stunden
deiner Schwäche!
.Trage solche Dinge immer bei dir, wo‐
hin du dich auch begibst! —
.Glaube, daß du deine beste Kraft
diesen Dingen übertragen kannst, und
daß du sie wieder von ihnen zurückerlangst,
sobald du sie benötigst!
.Wahrlich, — solcher Glaube ist kein
Überglaube”!
.Du ahnst noch nicht, wie „wirklich
deine Willenskräfte sind, und welche
Macht du in den Händen hast, wenn du den
Willen durch den Glauben „formen
lerntest! — —
.Zerstöre aber deinen Glauben nicht durch
eitle Reflexionen: — wie dergleichen „psy‐
chologisch zu erklären” sei?! — —
.Wenn einer dir von „Autosuggestion
hier reden mag, so lass' dich nicht betören!
.Mit solchen Worten ist hier nichts „er‐
klärt”!
.Man setzt da nur ein neues Wort, und
kann die Wirkung, die auf hohen Kräften
ruht, damit gewiß nicht fassen. — —
.Natur wirkt ihrer Art gemäß und wartet
nicht, ob du ihr Wirken auch „erklären
kannst! — — —
319 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Sieh um dich, und wohin du auch blickst,
wirst du die magische Kraft des Wortes in
ihren Vorboten, — in ihren Zerrbildern
sogar, — erblicken!
.Es zeigt sich so dem Menschen, daß das
Wort denn doch noch anderes vermag, als
nur Verständigung von Hirn zu Hirn zu brin‐
gen. —
.Wenn du weise bist, dann achtest du
auf solche Zeichen!
.Achte auf das Wort! — — —
.Man lehrte dich lange schon das Wort
verachten.
.Nur den Sinn solltest du zu ergründen
suchen.
.So hat man dich daran gewöhnt, vor allem
verstehen” zu wollen, — du aber hast die
kostbarste Gabe des Herzens: — deinen ein‐
zigen „okkulten” geistigen „Sinn”, — das
Fühlenkönnen der Dinge dabei verloren...
.Wenn du diesen „okkulten” Geistes-Sinn
wiedererlangen möchtest, dann bereite
dich, Worte nicht nur ihrem „Inhalt” nach
zu verstehen, sondern suche Worte, Wort‐
klang und Formung stets zu erfühlen! — —
.Siehe, es ist Gesetz, und nicht Willkür,
was Worte zu magischen Kräften werden
läßt, — was höchstemagischeKraft
in die Form des Wortes, in die Elemente
der Worte band, so daß es Worte: — Worte
menschlicher Sprachen, — gibt, die ei
nen Berg ins Wanken bringen könnten,
würde die in ihnen gebundene Kraft be
freit...
.Es gibt Worte, denen dein „Verstehen”
machtlos gegenübertritt, und dennoch
sprichst du sie nicht aus, ohne daß sie „ma‐
gisch”, deine Seele formen, obwohl du sie
keineswegs zu „sprechen” weißt in jener
Weise, in der sie alle ihre Kraft aus sich
befreit sehen würden...
.Ich könnte dir wundersame Dinge von
solchen Worten sagen, aber du würdest mir
unmöglich glauben können.
.Gläubig wirst du hier nur durch Er
fahrung werden! —
.Bedenke, mein Freund: — Alles im
Kosmos hat seinen Rhythmus und seine
Zahl! — —
.Auf Zahl und Rhythmus gründet sich
alle „Magie”! —
.Wer diese beiden finden kann, der hat
selbst den „Schlüssel”, der diese Pforte
öffnet...
.Für ihn schreibe ich nicht.
326 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Alle geistige Weisheit schreitet dir ent‐
gegen im Rhythmus der Ewigkeit.
.Alle letzten Dinge tragen kosmische
Zahlen an der Stirnbinde, wenn sie im Ge‐
wande des Wortes erscheinen. — — —
.Die da vermeinen, daß der „Sinn” eines
„heiligen” Buches, — eines Buches, das ein
Wissender” schrieb, — dir schon sein
Letztes, Tiefstes und Un-erhörtestes
enthülle, — — sie irren sehr...
.Mag dir der „Sinn” auch Tiefen des
ewigen Grundes erhellen, — die letzten
Dinge, und ihr verborgenstes Geheimnis
mußt du aus der Art, der Form, dem Klang,
der Geltung der Worte „erfühlen”...
.Glaube nicht, daß es jemals auch nur
einem, der „Rhythmus und Zahl” beherrsch‐
te, gleichgültig war, auf welche Weise er
das Wort zu Worten stellte! — — —
.Dichter mögen allein nach Schönheit
streben, — Seher geben den Worten ewigen
Klang! — — —
328 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Höre” in dir die Worte, von denen du
lernen willst!
.Du wirst alsbald sie „hören”, als ob sie
ein Anderer spräche, und das soll dir das
erste Zeichen sein, daß du auf sicherem Wege
bist, — das Sprechen der Worte selbst
in dir vernehmen zu lernen, denn das Wort
hat wahrhaftig die Kraft, sich selbst zu
sprechen...
.Auch das Wort der Ewigkeit „erklärt”
sich selbst, wenn du es „hören” lerntest,
in dir! — — —
.So scharf auch dein Verstand „ver‐
stehen” kann, — du darfst ihn dennoch nie‐
mals in des Wortes Rede mischen. —
.Du sollst das Wort der Ewigkeit in dir
lebendig werden lassen, auf daß es so dir
seine letzte Weisheit zeige...
.Doch glaube nicht, ein Spiel zu treiben,
dessen man sich freut am ersten Tage, und
das man dann gelangweilt unterläßt! — —
.Soll dir die Lehre wirklich nützen, dann
mußt du jeden Tag beharrlich üben, bis der‐
einst der Tag erscheint, an dem das Wort in
tiefsten Schauern sich selbst in dir erlebt...
.Dann wirst du erst durch die Erfahrung
wissen, was das Wort zu sagen hat! — — —
330 Das Buch vom Lebendigen Gott
.Hast du das Reich der Träume „über
stiegen”, dann erst betrittst du das Reich
des Geistes, das unschwer auch von deinen
lebhaftesten und „natürlichsten” Träumen
zu unterscheiden ist, denn du bist dort ver‐
möge deiner geistigen Sinne in einem Zu‐
stand des Bewußtseins, dem gegenüber selbst
das wacheste Tagesleben auf dieser Erde nur
wie ein Schlafwandeln erscheint. —
.Du siehst, hörst und fühlst die gleiche
ursächliche „Welt”, die du im tagwachen
Bewußtsein deines physischen Daseins als
physische Erscheinungswelt wahrnimmst,
— nur empfindest du sie „von der an
deren Seite”. — —
.Die dir im physischen Erdenkörper un
wahrnehmbare Gestaltung der ursäch
lichen, wesenhaften Welt ist dir plötzlich
wahrnehmbar geworden, und die nur phy
sisch-sinnlich wahrnehmbaren Dinge, die
du bisher die „reale” Welt nanntest, wer‐
den dir: — „leere Luft”. —
20 Das Buch vom Jenseits
.Im Augenblick dieses Erwachens, das
einige Sekunden oder Minuten nach dem
äußerlich konstatierbaren „Tode” erfolgt,
findet sich der Mensch bereits in seinem,
ihm nun allein noch Erfahrung vermitteln‐
den geistigen Organismus auf der nur
geistig wahrnehmbaren „anderen Seite”
der ursächlichen Welt: — der ewigen
„Wirklichkeit”, die alle geistige, wie alle
physische Daseinsform aus sich ausstrahlt,
je nach der sie erregenden Anschauungs‐
weise.
.Die bisher durch seine physischen
Sinne bedingte Wahrnehmungsfähigkeit des
nun Gestorbenen wurde vertauscht mit einer
neuen, ihm vorher normalerweise noch nicht
bekannten Art des Wahrnehmens, wäh‐
rend seine formzeugende Anschauungs
weise vorerst noch unverändert bleibt. K+  K-
Wahrnehmung von Hitze erzeugt wirklich eine neue Form
- aber wahrnehmbar ist Geformtes nur ...

29 Das Buch vom Jenseits
.Hier fängt dann für jene, die nicht „die
Kunst des Sterbens” während ihrer Er‐
dentage übten, das geistige Irren an, denn
der geistige Organismus eines Menschen wird
durch den Tod keineswegs etwa über die
bis dahin erlangte Sicherheit im Erkennen
hinaufgesteigert.
35 Das Buch vom Jenseits
.Aber gerade diese Wahrnehmungswand‐
lung läßt sich nicht willkürlich hervor‐
rufen, außer von den Meistern der ewigen
Darstellung des Menschen im höchsten
geistigen Reiche, oder ihren Beauftragten:
ihren erwählten Schülern, soweit deren ei‐
gene psychophysische Veranlagung dazu ge‐
eignet ist.
39 Das Buch vom Jenseits
.Der ganze physische und geistige Kos‐
mos ist ein einheitliches Ganzes, auch
wenn dieses Ganze sich in sehr unter
schiedlichen Aspekten darstellt.
.Die eigentliche Wirklichkeit die hin‐
ter den Aspekten steht, war und ist immer
nur sehr wenigen Erdenmenschen aufge‐
schlossen.
.Sie entzieht sich sowohl dem Experiment
wie dem spekulierenden Denken.
.Auf der physisch-sinnlichen, wie auf
der geistigen Seite des Alls gibt es jeweils
wieder die verschiedensten Abwandlungen
der Anschauungsform, und alles solcher‐
art ins Bewußtsein gelangende tritt mit dem
gleichen Anspruch auf, — „das Wirkliche
zu sein.
.Die Wesen, die sich im All erleben,
sehen fast alle nur Teile des Wirklichen,
und selbst diese Teile nur in unbewußter
eigenschöpferischer Umgestaltung. K+  K-
... formzeugende Anschauung eben
.So ist auch das Leben nach dem „Tode”
des physischen Körpers bestimmt durch einen
Wechsel der Anschauungsform.
.Es wird das gleiche Wirkliche empfun‐
den und erlebt, — nur in geistiger An‐
schauungsform, — da die physischen Sinne
mit dem Erlöschen der einheitlichen Lebens‐
funktionen des irdischen Körpers aufhören,
brauchbare Vermittlungsorgane für das Er‐
leben zu sein.
.Sinnlich wahrnehmbar aber ist das
Leben in allen seinen Regionen, auch wenn
die Art der Sinnesorgane sehr verschieden
ist. —
.„Sterben” ist für den Erdenmenschen
nur ein Vorgang, der zwangsweise dazu
führt, bisher im Unterbewußten verbor‐
gene Sinne bewußt gebrauchen zu lernen...
.Auch während des Erdenlebens sind diese
geistigen Sinne schon vorhanden, — ja,
sie allein sind die Ursache, daß der Mensch
aus seiner tierleiblichen Sinneswahrnehmung
Eindrücke empfangen kann, die dem Tiere,
auch auf höchster Stufe, unerlebbar bleiben,
so sehr auch seine physische Sinnesschärfe
die des Menschen übertreffen mag. — —
.Nur in relativ seltenen Sonderfällen
wird es möglich, daß die Sinne des geistigen
„Leibes” im Menschen schon während die
ses Erdenlebens sich eröffnen, und es ge‐
schieht dies niemals in der Form einer
plötzlich sich einstellenden Fähigkeit, die
geistigen Sinnesorgane gebrauchen zu können,
sondern immer nur in der Art eines sukzes‐
siven „Wachwerdens”, das zwar sanft ge
fördert, aber keinesfalls durch willkürliche
Mittel erzwungen werden kann.
67 Das Buch vom Jenseits
.Was durch die geistigen Sinne wahrge‐
nommen wird, ist in gleichem Grade „ob
jektiv” gegenwärtig, wie das, was die phy
sischen Sinne des Erdenkörpers wahr‐
zunehmen vermögen, und aus diesem Grunde
entspricht das geistig-sinnlich Wahrgenom‐
mene auch bis zu den höchsten Stufen
geistiger Selbstdarstellung „objektiv” durch‐
aus den Formen der physisch-sinnlichen An‐
schauungswelt, wenn auch in geistbedingter
Abwandlung.
.Auch in der geistigen Welt gibt es
„Länder und Meere”, tiefe Schluchten und
hohe Berge, Firnen mit ewigem Schnee be‐
deckt, und weite, stille Täler voll von An‐
mut und Frieden...
77 Das Buch vom Jenseits
.Um die physisch-sinnliche Wahrneh‐
mung dieses Eindruckskomplexes zu bewir‐
ken, sind gewiß physikalische Eindrucks‐
erzeuger notwendig, hingegen wird der gleiche
Eindruckskomplex für geistige Sinne nur
dann wahrnehmbar, wenn geistige Ener‐
gien sich zu der nämlichen Eindruckserzeu‐
gung vereinen. — —
79 Das Buch vom Jenseits
.Auch auf der geistigen Seite der
ursächlichen Welt gibt es „Raum und
Zeit”, „Ursache und Wirkung”, wenn
wir auch zu alledem in wesentlich an‐
derer Beziehung stehen, als wir es auf
der Erde und im physisch-sinnlichen Leben
gewohnt sind. —
.Alles was hier in der geistigen Welt
erlebt wird, ist von gleicher Realität wie
die Dinge der mit physischen Sinnen
wahrnehmbaren Welt, kann aber nur auf
geistige Weise zu Bewußtsein gelangen.
.Was solcherart wahrgenommen wird, ist
auch keineswegs örtlich ferne der physi‐
schen Welt, aber es untersteht nicht mehr
den in der physischen Erscheinungswelt wirk‐
samen Gesetzen. —
.Wirkender Wille läßt im Geistigen er‐
wachsen, was uns im geistigen Leibe dienen
soll, und der gleiche Wille läßt die reife
Frucht ohne Mühe geerntet sein.
80 Das Buch vom Jenseits
.Gewiß ist der erdensinnlich faßbare
Mensch mit dem Tode seines irdischen Kör‐
pers auf immer vernichtet!
.Was weiterbesteht, ist der aus sich ge‐
formte ewige Wille, so wie er sich bis zum
Tode des Körpers in diesem und durch
dessen Kräfte Ausdruck schuf, und das in
dieser Willensform sich selbst erkennende
Bewußtsein, so, wie es noch in den letzten
Momenten klaren Empfindens im Körper
sich auch sinnenhaft empfand.
.Beides aber genügt wahrlich, um den
nachfolgenden Zustand ein „Weiterleben
zu nennen, denn auch das irdische Leben
ist ja nur sinnenfällige „Äußerung” des
durch seine Eigenformung bestimmten, und
damit sein Selbstbewußtsein bestimmen‐
den ewigen Willens.
102 Das Buch vom Jenseits
.Dein eigenes „Daseinsgefühl” muß sich
aus den Fesseln lösen, die es bislang noch
umstricken, willst du das einzig „Wirk
liche”, das Ursache aller Erscheinung ist,
mit unbeirrbarer Sicherheit erfühlen.
.Magische Fäden durchziehen auch diese
äußere, physische Sinnenwelt, und wenn
du mit Ausdauer dich bestrebst, nach in
nen sehen zu lernen, so wirst du bald die
Erscheinungsform dieser Außenwelt von
dem Ursächlichen, das sich in ihr offen‐
bart, zu unterscheiden wissen.
.Du wirst die überraschende Entdeckung
machen, daß das einzig Wirkliche aller
Erscheinungswelt auch in der physisch
sinnlichen Erscheinungsart erfaßbar ist, in
Gestalt der verborgenen geistigen Ur
seinskräfte, die zwar oft genug von Men‐
schen erfahren wurden, aber dennoch von
vielen geleugnet werden, weil ihre Er‐
fahrung nichts davon weiß...
117 Das Buch vom Jenseits
.Die ganze physische Erscheinungswelt,
die dich umgibt, — dein eigener Körper
miteingeschlossen, — ist aufgebaut auf der
Auswirkung der den Erdensinnen verbor
genen geistigen Kräfte aus dem Ursein,
und alle geistigen Welten sind gleicher‐
weise dieser ursächlichen Kräfte Erschei‐
nungsform.
.Es ist die andere Anschauungsart,
die das Wirken dieser Kräfte als physi
sche, oder als geistige „Welt” empfin‐
den läßt.
119 Das Buch vom Jenseits
.Dein Bewußtsein ist zwar nicht Schöpfer
der Wirklichkeit, denn es ist selbst ein
„Teil” dieser Wirklichkeit, — ist selbst
eine der verborgenen geistigen Urseinskräfte,
— aber es ist im „Diesseits” wie im „Jen‐
seits”: Schöpfer der Erscheinungsform,
die sich hier wie dort aufbaut auf der Aus‐
wirkung der gleichen Kräfte.
.Zu der „diesseitigen” Anschauungs‐
form gehört eine Auswirkungsfolge dieser
Kräfte, die dir sehr vertraut ist als die
Funktion deiner physischen Sinne.
.Durch diese, dir hier gegebenen Sinne
wird all dein Anschauen und Anerkennen
der Wirklichkeit auf Erden genau bestimmt,
und so nimmst du nichts anderes wahr,
als was sie dich wahrnehmen lassen.
.Da du aber selbst ein „Teil” der ewigen
Wirklichkeit bist, gleichwie ein Wasser‐
tropfen im Meere ein Teil des Meeres ist,
so trägst du auch in dir potentiell alle
Möglichkeiten die der ewigen Wirklich‐
keit innewohnen, wie der Tropfen im
Meere alle Eigenschaften des Meerwassers
aufweist.
.So bist du nicht nur fähig, durch die
Sinnesorgane deines physischen Organis‐
mus wahrzunehmen, denn du selbst bist
ja geistiger Natur und deines geistigen
Organismus ewiger Eigner.
.In deinem geistigen Organismus besitzest
du andere Sinnesorgane, die du bis jetzt
noch nicht kennst, und sie entsprechen auf
geistiger Seite durchaus deinen physi
schen Sinnesorganen hier im irdischen
Leib.
.Durch deine geistigen Sinne wirst du
im „Jenseits” ebenso zum Schöpfer deiner
geistigen Erscheinungswelt, wie du hier
auf Erden Schöpfer der dir wahrnehmbar
werdenden physischen Erscheinungswelt
bist, ohne darum zu wissen...
120 Das Buch vom Jenseits
.Betrachte, um deinem Verstehen zuhilfe
zu kommen, beispielsweise einen Menschen
in der Hypnose!
.Er sieht, hört und fühlt alles, was du
ihn durch deine Suggestion sehen, hören
oder fühlen lassen willst, und es gilt ihm
als wahrhaft vorhanden.
.Du glaubst mit aller Bestimmtheit, er
unterliege einer von dir gewollten Täuschung,
— allein du bist es, der sich in dieser
Annahme täuscht!
.Du hast den Hypnotisierten nur für
kurze Zeit von dem Zwang befreit, seinen
physischen Sinnen allein glauben zu müs‐
sen, und nun sieht, hört und fühlt er vor‐
übergehend, und dort, wo du es ihm be‐
fiehlst, auch mit seinen geistigen Sinnen,
und wird durch sie zum Schöpfer dessen,
was ihm wahrzunehmen aufgetragen ist.
.Nicht du zeigst ihm, was er sieht, und
er sieht auch gewiß noch nichts von dem,
was in geistigen Erscheinungswelten allen
dort Wahrnehmenden gemeinsam sichtbar
ist.
.Du leitest nur seine plastische Phantasie,
und da er, bei gehemmter Funktion der
physischen Sinne, zugleich auch mit sei‐
nen geistigen Sinnen wahrzunehmen ver‐
mag, so gestaltet sein Wille vorübergehend
in geistiger Substanz die Aequivalente der
Vorstellungsbilder, zu deren Erzeugung du
ihn veranlaßt hast.
.Nicht der Holzstab mit dem du seine
Hand berührst, — während du suggerierst, es
handle sich um ein glühendes Eisen, —
schafft die Brandblase, die alsbald auf der
Hand zu sehen ist, — sondern die geist
sinnliche Erscheinungsform eines glü
henden Eisenstabes hat sie bewirkt, und
sie konnte derartiges nur bewirken, weil
sie auf der Auswirkung der verborgenen
Kräfte aufgebaut war, die in aller Er‐
scheinung das einzig Wirkliche sind. —
.Keinen Augenblick wird der Hypnoti‐
sierte an der Objektivität seiner Eigen‐
schöpfung zweifeln, und wenn du ihm be‐
fohlen hast, sich seiner Erlebnisse auch
nach dem Erwachen noch zu erinnern,
so wird er dann im Wachzustand kaum zu
begreifen vermögen, daß seine Wahrneh‐
mungen nicht in der physischen Sinnen‐
welt erfolgten.
.So intensiv aber konnte er nur erleben,
weil sein Erleben auf der Auswirkung der
gleichen Wirklichkeit beruhte, wie die
ihm vertraute physische Erscheinungs‐
welt. — —
.Wenn nun die Hypnose hier auch nur
der Verständigung wegen erwähnt wurde,
und wenn auch gewiß die Einblicke in
geistig-sinnliche Bezirke, die sie gewährt,
sehr beengt und oberflächlich bleiben, so
kann dir dieses Beispiel doch immerhin
zeigen, daß deine gegenwärtige physisch
sinnliche Anschauungsmöglichkeit nicht
etwa die einzig vorhandene ist.
.Wir Menschen hier auf der Erde sind
alle gleichsam in einer Kollektivhypnose,
so daß wir hier nicht auf andere Weise
wahrnehmen können, als wie unser „Hyp‐
notiseur”, der hier unser eigener „ein-ge‐
borener” Wille ist, uns wahrnehmen lassen
mag, und er wäre nicht in irdischem Be‐
reiche, ginge sein Streben nicht nach dem
Selbsterleben in physisch-sinnlicher Er‐
scheinung.
.Sobald wir unseren zeitlich ins Physische
gerichteten ewigen Willen umzukehren
verstehen, werden wir andere Wahrneh‐
mungsarten und ihre Gesetze kennenler‐
nen. —
.Das ist zwar während des physischen
Daseins auf der Erde nur sehr wenigen
Menschen möglich, — es wird aber allen
zur Notwendigkeit, sobald der Tod des
Erdenkörpers dem Willensbewußtsein die
bisherigen Sinnesorgane entzieht.
.Alle „Furcht vor dem Tode” erwächst
aus dem Widerstreben des ins Physische
gerichteten Willens gegen eine Umkehr
seiner, im Akt des „Falles” aus dem Ur‐
licht eingeschlagenen Richtung. — —
125 Das Buch vom Jenseits
.Was man auf Erden und in der Rede
des Alltags „Wille” nennt, ist nur ein
Wünschen, ein Begehren, oder irgend
einer Neigung Ausdruck, bedingt durch
eine Gehirnfunktion.
.Würde der wirkliche ewige Wille des
Menschen auf der Erde den Wünschen
folgen, dann müßte sich jeder Wunsch und
jedes Begehren erfüllen.
.Dem ist aber nicht so, wie jeder weiß,
und wir können wahrlich dem Himmel
danken, daß allhier nicht hinter jedem
Wunsch ein Wille steht...
.Auf der Erde „will” unser ewiger Wille
nur in der Beschränkung, die ihm die ge
wollte physische Anschauungsweise
auferlegt, auch wenn die Wünsche diese
Schranken nur zu oft und zu gerne über
fliegen möchten.
.Erst im Geistigen, — in der anderen
Anschauungsform, — kann unser Wille auch
anders wollen.
.Dort ist der Bann „diesseitiger” Hypnose
gebrochen und die anderen, in uns vor‐
handenen Möglichkeiten der Anschauungs‐
weise können sich offenbaren.
128 Das Buch vom Jenseits
.Damit du eine wirkliche geistige Wesen‐
heit durch deine geistigen Sinne wahr‐
nehmen kannst, ist es nötig, daß man dich
von geistiger Seite her vorübergehend aus
der „Hypnose” physisch-sinnlicher An‐
schauungsart befreit.
.Deine unbeeinflußte Umgebung wird
dann weder die Gestalt sehen, die du er‐
blickst, noch eines der Worte hören, die
du vernimmst, und doch braucht es sich
bei deinem Erleben keineswegs um eine
„Halluzination” zu handeln, die ja nur ein
Erzeugnis deiner eigenen plastischen Phan‐
tasie wäre...
.Empfängst du ein echtes geistiges Er‐
lebnis, ohne es gesucht zu haben, so nimm
es ehrfürchtig hin und verwahre in deinem
Herzen, was du empfinden durftest!
.Töricht aber wäre es, dir solche Erleb‐
nisse etwa zu wünschen, denn es gehört
schon sehr hoch entwickelte Kritikfähig‐
keit dazu, echte Wahrnehmungen der gei‐
stigen Sinne sicher von lebhaften Hallu
zinationen zu unterscheiden, und du wirst
doch kaum erstreben, einen „Geist” zu
sehen, von dem du nicht wissen kannst,
ob er nicht gar dein eigenes, in einer Maske
agierendes Projektionsbild ist.
.Die Fälle echter geistigsinnlicher Wahr‐
nehmung sind so überaus selten, daß man
gut tut, erst dann an eine tatsächliche Ein‐
wirkung aus geistigen Regionen zu glauben,
wenn schärfste Kritik die Möglichkeit
einer Halluzination unter allen Umstän
den ausschließt.
.Das zu beurteilen, lehrt aber nur reiche
Erfahrung, und ein sicheres Urteil steht
hier nur Menschen zu, deren geistige Sinne
schon dauernd erschlossen sind.
135 Das Buch vom Jenseits
.Jede Kraft wirkt nach der Richtung hin,
nach der sie ausgesandt wurde.
.Der Erdenmensch aber, in dem das den
Menschen tragende „Tier” die Oberhand
gewonnen hat, so daß er das irdisch-tierisch
Begründete an sich für sein Wesentliches,
ja für sich selber hält, sucht nun außer
sich, was er nur in sich finden könnte, allwo
ja die Verbindung mit den höheren Stufen
seines Menschseins immerdar gegeben bleibt
durch den „silbernen Faden” strahlender
Kräfte, der auch das, was wirklich „Mensch”
ist im Erdenmenschen, noch mit allem
Menschtum des Geistes verknüpft hält.
.Auch kein Helfer aus geistigen Re‐
gionen, und keiner derer, die als „Meister”
des geistigen Erkennens auf Erden in der
Sichtbarkeit leben um dem wirklichen
„Menschen” der Ewigkeit die „Brücke” zu
bauen, kann den Erdenmenschen in seinem
Bewußtseinskern anders erreichen, als nur
von Innen her, wo allein das wahrhaft
Menschliche gefunden wird.
32 Das Buch vom Menschen
.Es ist der „lebendige” Gott, von dem ich
spreche, und nicht ein „Gott” etwelcher
Götzendiener. —
.Gar leicht läßt derlebendige Gott
sich finden, wenn du mutig ihm vertraust,
noch ehe du ihn kennst, doch wird er
immer ferner dir entschwinden, je ängst‐
licher du erst „Beweise” forderst, ob er
denn auch wirklich sei, und ob die Kraft
in dir sich finden lasse, ihm zu nahen...
.Je weiter du dich so von ihm entfernst,
desto mehr wird er dir entgleiten, so daß
du zu einer Beute jener Außenwelt werden
wirst, der du gebieten könntest, wärest
du bewußt vereint mit deinem Gott. — —
.Es ist nur ein Bewußtseinsakt, der
dir den Schlüssel gibt, mit dem du alle
Pforten, die zu geheimster Weisheit führen,
öffnen kannst...
.Du lebst, selbst hier in diesem Außen‐
leben, nur in dem Bereich, den dir dein
Wissen um dich selbst entschleiert, —
und viele, die am gleichen Orte leben,
sind dennoch recht verschiedenartig ihrer
bewußt, in den verschiedensten Erlebnis‐
welten, die das Reich der Außenwelt in
sich beschließt. — —
.Du hast dich aber an das Dasein dieser
Außendinge so verhaftet, daß es dir
schon ein „Wunder” scheinen mag, wenn
du von einem Menschen hörst, der eine
Überwelt bewußt betreten kann, die du
kaum ahnst, weil dein Bewußtsein nur in
Rhythmen schwingt, die sehr verschieden
sind, von jenen Schwingungswellen, die das
Reich der Überwelt dem anderen offen‐
baren...
.Das Äußere ist dir die wahre „Wirk‐
lichkeit”, und nur mißtrauend wendest
du dich an dein Innenleben, in dem du
„Ein-Bildung” und Phantasie allein am
Werke glaubst.
.Auch hier gilt, was ich vordem sagte:
— —
.Du kannst die „Wirklichkeit” im Innern
niemals finden, wenn du nicht mutvoll ihr
vertraust, bevor du sie noch kennst...
.Du wirst dich immer weiter von der
Wirklichkeit entfernen, je mehr du ängst‐
lich dich vor „Täuschung” fürchtest, und
erst „Beweise” haben willst, wo der „Be‐
weis” dir nur als Krone deines muter‐
füllten Strebens winkt. —
.Du tust sehr wohl daran, und dein Be‐
wußtsein hat dich gut geleitet, wenn du in
dieser Außenwelt stets erst „Beweise” ha‐
ben willst, bevor du ihr vertraust, denn
diese Welt der Außendinge ist wahrhaftig
eine Welt der Täuschung, und selbst die
Beweise”, die sie dir gewähren kann,
sind selten von Täuschung frei. —
.Du bist so sehr gewohnt daran, in einer
Welt der steten Täuschung dich zu sichern,
ehe du handeln willst, daß du auch in der
Welt der „Wirklichkeit” den gleichen Arg‐
wohn nötig glaubst. —
.In deinerWahrheit” die dir durch
„Beweise” unantastbar wurde, ist so viel
plumpe oder feine Täuschung, daß du je‐
des Maß verloren hast, — und wenn du
wirklich einmal auf die Spur der wahren
Wirklichkeit gelenkt, die absolute Wahr‐
heit findest, dann scheuchst du ängstlich sie
von dir, weil du dich nur in eitlem Täuschungs‐
wahn befangen glaubst, und längst schon
deiner „Wahrheit” Sklave bist. — — —
.Du wirst erst völlig neue Wege gehen
lernen müssen, bevor du einst zur Wahrheit,
wie sie wirklich ist, gelangen kannst!
.Hier wäre wahrlich eine neue Wertung
aller Werte sehr vonnöten!
154 Das Buch vom Menschen
.Wüßte man aber, was der Wille des Men‐
schen wirklich vermag, dann wäre bald auf
dieser Erde eine Zahl der Glücklichen zu
finden, weit größer als sie selbst der kühnste
Träumer zu erhoffen wagt, der alle Glückes‐
möglichkeit vom Siege seiner Weltverbesse‐
rungs-Ideen abhängig glaubt. — —
.Wir sind, was wir sein wollen!
11 Das Buch vom Glück
.Glück ist die Befriedigung des
Schaffenden in seiner Schöpfung.
.Diese Schöpfung aber ist niemals be
endet, und ihr Schöpfer kennt nur «Ruhe‐
tage», — Sabbate der Seele, die ihm neue
Kraft zu neuer Schöpfung spenden.
.Der Glückliche ist allezeit ein Schaf
fender und wird des Schaffens niemals
müde.
.Was er schaffend formt, ist sein Glücks
grund und die Bedingung seines Glückes, —
sein Glück aber ist die Macht des Schaffen‐
den, die ihm alles zuführt, was ihm dauernde
Befriedigung gewährt.
13 Das Buch vom Glück
.«Suchet vor allem das Reich Gottes und
seine Gerechtigkeit, so wird Euch alles
Übrige beigegeben werden!»
.Wie übel hat man doch diese Worte des
Meisters von Nazareth mißdeutet!
.Zwar sagte er nach den Büchern, die seine
Lehre schildern, auch die Worte: «Das
Reich Gottes ist nicht da oder dort; es ist
in Euch!» und zeigte dadurch eine Kraft
im Menschen auf, deren «Gerechtigkeit»,
deren Gesetzbedingungen zu erfüllen
sind, wenn «alles Übrige beigegeben
werden» soll, — — allein wer hatte je den
Mut, die Worte, die hier überliefert wurden,
so zu deuten, wie der Meister sie in schlichter
Weisheit einst gegeben hatte!?!
14 Das Buch vom Glück
.Der Wille ist bei den meisten Menschen
noch zu sehr durch sie selbst in die
«Hypnose» irdisch-sinnlicher Anschauungs‐
art gebannt, als daß sie die irdisch-sinn‐
lichen Dinge durch Kräfte des Geistes
zu lenken sich getrauen würden.
.Kleingläubig warten sie auf etwas, das
mechanisch von außen Hilfe bringen soll, —
oder sie haben alles Hoffen und Erwarten
längst begraben, — und die Wenigsten nur
finden sich bereit, auch nur den Versuch
zu wagen, geistige Lenker ihres Schicksals
zu werden. —
16 Das Buch vom Glück
.Du empfindest Dich allein als «Ich» und
keinen Anderen außer Dir kannst Du in
diesem «Ich» noch unterbringen.
.Für Dich bist Du als «Ich» der Mittel‐
punkt der Welt.
.Du bist für Dich, als «Ich», das «Ich»
der ganzen Menschheit. — —
.Diese «Menschheit» aber ist ein homo
genes Ganzes, gebildet aus Milliarden von
«Ichen», von denen zwar kein einziges
Dir völlig gleicht, und deren jedes doch,
der Formgestaltung nach, mit dem, was
Du in Dir als «Ich» empfindest, durchaus
identisch ist. — — —
.Schwer in menschliche Worte zu fassen ist,
was ich Dir hier sagen will, und ich muß
Dich bitten, meiner Rede letzten Sinn er
fühlend zu ertasten, denn ich weiß gar
wohl, daß letzte Klarheit hier in Worten
sich nicht restlos geben läßt, und daß ich
nur in meiner Sprache reden kann, die
Du erst in die Deine «übersetzen» lernen
mußt.
.Ich möchte Dir zum Bewußtsein bringen,
daß Du der einzigartige Mittelpunkt
eines Ganzen bist, das nur aus einzigarti‐
gen «Mittelpunkten» gebildet ist, und, da
es ein Unendliches, wenn auch nicht Un‐
Begrenztes, ist, an jeder Stelle seinen
«Mittelpunkt» besitzt . . . . . . . . . . . . . . . . .
.Jeder Mittelpunkt aber ist sich selbst
hier «Ich» und jeder andere Mittelpunkt
ist für ihn «Du». —
.Willst Du Dein Mittelpunkts-Glück Dir
schaffen, so mußt Du diese Gegebenheit im
Auge behalten, und mußt die geheimen
Beziehungen zu finden suchen, die zwischen
«Ich» und «Du» obwalten.
.Diese Beziehungen sind stets fluktuierend
und in jedem Augenblick anders zu beur‐
teilen.
.Unabänderlich bestehen bleibt allein der
immerfort geregelte Ausgleich aller Wir‐
kungen und Gegenwirkungen im Mensch‐
heits-Ganzen.
.Du kannst als «Ich» auf ein «Du» nur
wirken, entweder absichtslos, ohne daß
Du eine Wirkung erzielen willst, — oder
bewußten Willens.
.Willst Du aber auf ein «Du» wirken,
so sind Deine Mittel: Bitte, Überredung
oder Gewalt.
.Wisse aber, daß Du für allen Erfolg Dei‐
nes Wirkens, ja für die Absicht schon,
einen bestimmten, unabänderlichen Preis
zu erlegen hast! — — —
.Bitte und überrede daher nicht, wenn Du
Dich nicht willens findest, Dich von irgend‐
einem anderen «Du» gleichfalls bitten und
überreden zu lassen, — noch weniger aber
wirke durch Gewalt, wenn Du selbst jede
Gewalt als unerträglichen Zwang emp‐
findest! —
.Es wird dir nichts «geschenkt» werden, so
sicher Du Dich auch geborgen fühlen magst
und so gut Du auch Deine wahren Absichten
verhüllt glaubst.
.Vor dem einzelnen «Du» kannst Du Dich
wohl verbergen, aber dem Gesamtorga
nismus der Menschheit ist stets alles
enthüllt, was in Dir vorgeht, und mit auto
matischer Sicherheit wirst Du die Kon
sequenzen Deiner Handlungsweise zu ge‐
setzmäßig gegebener Zeit, früher oder spä‐
ter, zu tragen haben. — — — — — — —
.Wenn Du Dich selbst nicht gerne bit‐
ten läßt, und dennoch bittest, wenn Du
selbst keiner Überredung zugänglich bist,
und dennoch zu überreden suchst, — wenn
Du selbst Dir nicht Gewalt antun lassen
magst, und dennoch Gewalt gebrauchst, so
wirst Du in jedem dieser Fälle etwas er‐
reichen, für das du den Kaufpreis nicht ent‐
richten zu müssen glaubst, aber Du irrst! —
.Die Gesetze des Geistes lassen sich nicht
wie irdische Gesetze — umgehen, oder nur
zu Deinen Gunsten deuteln. Du fin‐
dest auch keinen Anwalt, der versuchen
würde, Dich vor den Folgen Deiner Hand‐
lungsweise zu bewahren. —
.Du mußt restlos alles bezahlen, was
Du durch Dein Verhalten, irgend einem
anderen Menschen gegenüber, der Mensch
heit schuldig geworden bist und du
wirst dem Gesetze nicht entrinnen, bis auch
«der letzte Heller» bezahlt ist. — —
.Je länger man Dir die Zahlung stundet,
desto mehr hast Du alle Ursache, recht be‐
sorgt zu sein, — denn es werden dir Zins und
Zinseszins in Ewigkeit nicht erlassen...
.Ja noch mehr!
.Du selbst kannst für Dich zum Gläubi‐
ger werden, denn auch Du bist für Deine
Person der Menschheit verantwort
lich und Du darfst von Dir nichts ver‐
langen, wofür Dir nicht ein Äquiva
lent durch die Menschheit in Aussicht
steht...
.Andernfalls mußt Du für Dich ebenfalls
den Kaufpreis Deines Handelns früher oder
später erlegen, — mit Zins und Zinseszins, —
wie für irgend einen Andern. — — —
.Du hörst erst heute zum erstenmal von
diesem Gesetze, oder es wird Dir vielleicht
erst heute zum erstenmal seine unerbittliche
Folgerichtigkeit und Unbeirrbarkeit klar? —
.Es steigen Bedenken in Dir auf wegen
Deiner früheren Taten, auch wenn Du
nun entschlossen bist, Deine Handlungs‐
weise diesem Gesetze gemäß in Zukunft
weise abzuwägen? —
.Willst Du Dein Glück Dir schaffen, dann
wisse, daß Du Mittel und Wege finden
wirst, Deine Schuld an die Menschheit in
einer Dir genehmen Weise abzutragen,
sobald Du erst wissen wirst, was Du wirk‐
lich noch zu bezahlen hast!
.Du mußt nicht warten, bis das Gesetz mit
rücksichtsloser Gleichgültigkeit gegen Dein
Wohl und Wehe seine Forderung geltend
macht. —
.Arbeite Dir selber eine «Bilanz» aus und
erschrick nicht, wenn das «Soll» Dein
«Haben» ganz gewaltig übersteigt!
.So unerbittlich der Gesamtorganismus der
Menschheit von jedem seiner Einzelglieder
jede Forderung einziehen muß, an deren
Bezahlung geflissentlich «vergessen» wurde,
so teilnahmslos und automatisch muß er
auch einem anderen Gesetze folgen, das
ihm jede Gewaltsamkeit unmöglich macht,
jede Selbsteintreibung verbietet, sobald
Du auch nur den Willen zur Begleichung
Deiner Schuld einmal ernsthaft in Dir auf‐
gerichtet hast, und solange Du Dich stets
verpflichtet fühlst, — auch wenn Dir die
Umstände noch nicht gleich erlauben, die
ganze Schuld zu begleichen, ohne dadurch
wieder aufs neue Dich oder Andere zu
Schaden zu bringen.
23 Das Buch vom Glück
.Du wirst für alles, was Du erhalten willst,
vollwertige Äquivalente darbieten müs‐
sen, oder der Menschheit Gesamtorganismus
wird von Dir einstens fordern, was Du
schuldig geblieben bist, und Du darfst Dich
nicht beklagen, wenn er in einer, durch
Deine Wünsche unbeirrbaren Weise, sich zu
seinem Rechte verhilft...
.Ob es nun Dein Verhalten zu völlig
Fremden anlangt, ob Deine Liebe und
Dein Liebesbedürfnis in den Beziehungen
zwischen Weib und Mann in Frage kommt,
ob es sich um die Liebe der Eltern zu
ihren Kindern oder der Kinder zu
ihren Eltern handelt, oder um Geschwi
sterliebe, — — nie darfst Du rechtmäßig
mehr erwarten als Du gibst, und gibt man
Dir mehr, so siehe zu, daß Du baldigst
das Deine dafür entrichtest, wenn Du nicht
willst, daß man es einmal von Dir nehmen
wird, wenn Du es am wenigsten erwartest,
und auf eine Art, die Dir vielleicht wenig
gefallen wird! — — — —
.Die geistigen Gesetze wirken nicht
anders, als die sogenannten physikali
schen Gesetze der äußeren Natur, und wenn
Du eines dieser Gesetze verletzt, dann
weißt Du aus Erfahrung, daß Du die Folgen
zu tragen hast, ob sie Dir gefallen oder nicht.
25 Das Buch vom Glück
.Du selber bist der Magnet für
Dein Wohl und Wehe!
.Du kannst Dich «einstellen» für die
Kräfte, die Du heranziehen willst, und sie
müssen Dir folgen. —
.Du wirkst aber nicht nur als «Ich» für
Dich selbst, sondern zugleich für jedes
«Du», das mit Dir im gesamten Mensch‐
heitsorganismus geistig verbunden ist. — — —
.Die Stärke Deiner Wirkung wird sich
viel weniger als Du glaubst nach äußeren
Entfernungen richten, vielmehr werden
alle Stärkegrade bestimmt durch die grö
ßere oder geringere Ähnlichkeit Dei
ner Eigenschwingungen mit denen
anderer Menschen. — Aber ein Jeder aus
den Milliarden, die Du als «Du» empfin‐
dest, wird in irgendeiner Weise noch
von den Ausklängen der von Dir erzeug‐
ten Wirkungen erreicht werden. —
.Daher trägst Du ungeheure Verantwor‐
tung! — — — — —
.Du bist niemals allein, magst Du Dich
auch hinter den dicksten Mauern verborgen
glauben...
.Stets handelst Du, als «Ich», in Bezie
hung und Verbindung mit allem
«Du», denn obwohl Du ein einzigarti
ges «Ich» jeweils bist, herrscht doch völ
lige Identität aller «Mittelpunkte» des
Menschheitsganzen...
32 Das Buch vom Glück
.Dies kann sehr lange währen und erst die
Erben des Erben treffen, denn die geistigen
Gesetze wirken stets gemäß dem Impuls,
der ihnen einst genügen wollte.
.Ein schnell errafftes Vermögen wird
auch schnell verschwunden sein, sobald
nicht neue Impulse es zu schützen wissen,
und schwer errungener Besitz wird sich
noch lange halten, auch wenn die Erben
ganz gewiß nicht seiner würdig sind. — —
.Glaube nur ja nicht, daß hier irgendeine
«Ungerechtigkeit» im Spiele sei!
.Und Dir auch wird gewißlich nichts ent‐
zogen!
.Es steht Dir jederzeit frei, zu erringen,
was Du erringen kannst, und Du kannst
erringen, was Du wahrhaft erringen willst.
— — —
.Daß Andere vieles besitzen, ohne es
selbst errungen zu haben, darf Dich dabei
nicht stören.
.Der Reichtum, über den die Erde ver
fügt, ist so unermeßlich groß, daß jeder‐
zeit auch für Dich der ungeheuerlich
ste Reichtum verfügbar bleibt. — — — — —
.Aber verwechsle nicht Deine Wünsche
mit Deinem Willen!!
.Deine Wünsche werden nur etwas er‐
reichen, wenn es ihnen gelingen sollte, etwa
Deinen Willen in ihrem Sinne zu überreden.
.Die Menschen des großen Willens haben
fast unermeßliche Vermögen geschaffen, ob‐
wohl sie beginnen mußten in tiefster Ar
mut; — die Menschen des großen Wün
schens aber kannst Du auf allen Gassen
finden, und Du wirst selten einem begegnen,
der auch nur das Wenigste seiner Wün‐
sche schließlich durch seinen Willen in Er‐
scheinung treten lassen konnte...
54 Das Buch vom Glück
.Die Kraft Deines Glaubens würde den
Lebensnerv verlieren, wenn Du nicht auch
zu gleicher Zeit alle anderen Energien
nach der gleichen Richtung hin anspannen
würdest, — und wenn dann auch schließlich
die Hilfe aus einer Richtung kommt, nach
der Du niemals Ausschau gehalten hast,
wenn es auch den Anschein gewinnen sollte,
als wäre Dein äußeres Mühen «völlig über‐
flüssig» gewesen, so lasse Dich dennoch da‐
durch nicht verleiten, in einem späteren
Falle die äußeren Mittel, die Dir zu Ge‐
bote stehen, zu verschmähen.
.Du würdest es bitter bereuen müssen,
denn die Kraft Deines Glaubens kann die
Anspannung aller Deiner Energien niemals
entbehren, wenn sie für Dich wirksam wer‐
den soll. — —
.Ohne die Anspannung aller Deiner übri‐
gen Kräfte ist die Kraft Deines Glaubens
biegsames Blei, — erst dadurch, daß Du
trotz allem Vertrauen in die Kraft Deines
Glaubens jede nur auffindbare Ener
gie in Dir, um Dir selbst zu helfen,
auch nach außen hin tätig werden läßt,
wird die Kraft Deines Glaubens zu federn
dem Stahl, zu einer «Toledoklinge», die
auch am härtesten Widerstand nicht zer‐
bricht und schließlich den Knoten durch‐
schlägt und durch-schneidet, der sich
anders nicht mehr lösen läßt...
77 Das Buch vom Glück
.Während ich so zu dir rede, fühlst du in dir
eine innere Gewalt — mag sie dir stark
empfindbar werden, oder nur erst zag an deines
Herzens hart verschlossene Pforte klopfen...
.Etwas ist in dir, das meine Worte besser
vernimmt, als dein Verstand, der nur der
Sätze Sinn sich übereignen will! — — —
.Dieses «Etwas» aber ist die Kraft des
Glaubens, die du in dir trägst und noch
nicht kennst! —
.Kaum magst du es wahrhaben, dass sie in dir
zu finden sei! — —
.Du hast dich zu sehr von Jugend auf dem
Denken übergeben, und alle letzte Sicher
heit, soweit sie Menschen eben noch erreichbar
sei, vermeintest du in ihm allein zu finden! — —
.Nun hat dich dein Denken tausendmal be
trogen, und heute noch bist du ein Sklave
dessen, was du dir erdachtest! —
.Dennoch fürchtest du, in leeres Nichts
hinabzufallen, wenn du dich Anderem mehr als
deinem Denken je vertrauen würdest!...
.Es ist nichts als diese Furcht, die dich zu‐
rückhalten will, der Kraft des Glaubens dich
zu übergeben! — — —
.Aber vergeblich wirst du meine Worte hö‐
ren, solange du sie nur zu deinem Denken
reden läßt, und nur im Denken sie bestätigt
finden möchtest! —
12 Der Weg zu Gott
.Ich aber habe dir zu sagen, dass Denkkraft
zwar ein sehr erprobtes Werkzeug ist, so‐
fern es sich um die Durchdringung dieser Er
dendinge handelt, — dass sie jedoch sofort
versagen muss, sobald du strebst, zu der Er‐
kenntnis dessen zu gelangen, was im Geiste
wurzelt! —
.Hier kann dir nur die Kraft des Glau
bens helfen!
.Glaube nicht, dass sie etwa weniger geeignet
wäre, dir Sicheres zu geben, als die Kraft des
Denkens dort dir gibt, wo sie allein das taug
liche Werkzeug ist! — —
.Noch immer verbindest du mit dem Worte
«Glaube» nur den einen Begriff des «Für
wahrhaltens» dessen, was man «glaubt», oder
zu «glauben» vermeint! Die Kraft des
Glaubens aber ist eine innere Sicher
heit, dass man das erreiche, was sie
verheisst! —
.Sobald du in solcher Weise Gott zu «glau
ben» suchst, wirst du gewiss nicht denen glau‐
ben, die dir alten, in der Enge eigenen Erfassens
ausgebrüteten Wahn als Wahrheit darzu‐
stellen suchen! — —
.Du wirst nur dir selber glauben, wenn du
der Kraft des Glaubens vertraust! — — —
.In dir selber wirst du sie am Werke finden,
und was sie dir zu offenbaren hat, wird in dir
selber begründet sein! —
.In dir wirst du erleben, was sie dich lehren
kann! — — —
.Nur was du in dir erlebst, mein
Freund, wird dir zu eigen sein! —
.Was dir nicht gewiss wird wie dein eigener
Erdenleib, wird dir niemals «Gewissheit»
heissen dürfen! — —
.Was du nicht erfassen kannst, so wie du
dich selbst erfassest, hast du gewiss nicht
erfasst! — —
.Was du nicht «glauben» kannst, so wie du
an dein eigenes Dasein glaubst, soll dir
nicht «Glaube» heissen! — —
16 Der Weg zu Gott
.Hast du erfahren, was nur die Kraft des
Glaubens dir erfahrungsnahe bringen kann,
dann wirst du eine Sicherheit errungen haben,
die man dir in Ewigkeit nicht wieder nehmen
kann! — —
18 Der Weg zu Gott
.Du wirst gewisslich niemals zu gewissem
«Wissen» kommen, wenn vordem dir die
Kraft des Glaubens nicht den Weg er‐
leuchtet hat! — — —
.Siehe, auch ich war einst auf Irrtumswegen,
als ich mich selbst noch nicht kannte! —
20 Der Weg zu Gott
.Auch ich musste einst der Kraft des Glau
bens vertrauen, bevor ich zu gewissem Wissen
kam! —
.Und grösseres Vertrauen wurde von mir
verlangt, als jemals du bekunden sollst! —
.Es gab einen Tag, an dem ich mich bereiten
musste, dieses Erdenleben dauernd zu verlas
sen, und nur die Kraft des Glaubens
konnte mich bewegen, einer Prüfung zu ent‐
sprechen, deren Ausgang mir sowohl das Ende
meines Erdenlebens hätte bringen können, wie
er mir, — nicht vorgeahnt, und noch viel we‐
niger gewusst, — in Wahrheit erst das wache
Leben brachte...
.Ich darf dir also wohl bezeugen, dass man der
Kraft des Glaubens vertrauen kann!
.Und weiter darf ich dir sagen, dass du zu ge‐
wissem Wissen finden wirst, je nach dem Masse
deines Vertrauens in die hohe Kraft des
Glaubens! — — —
.Hier steht «Glauben» und «Wissen» kei
neswegs im Gegensatz, denn das, was ich
hier «Glaube» nenne, ist Voraussetzung,
willst du zum «Wissen» gelangen! — — —
.Die Kraft des Glaubens schafft in dir erst
die Möglichkeit des gewissen Wissens! — —
.Solange du noch Zweifel hegst und dich der
Kraft des Glaubens nicht vertrauen
magst, hast du keinen Anspruch, jemals ein
«Wissender» zu werden! —
.Es besteht hier eine Kette, deren Glieder in‐
einander greifen.
.Vertrauen ist vonnöten in die Kraft des
Glaubens, und diese selbe Kraft des Glau
bens schafft dir das Vertrauen, das du
brauchst, willst du zum Wissen gelangen! — — —
.«Wissen» ist hier nicht die Erkenntnis ir‐
gend eines kausalen Zusammenhangs!
.«Wissen» ist hier ein gewisses Innewerden,
das keinen Zweifel mehr kennt und in sich
selbst gefestigt steht! — —
21 Der Weg zu Gott
.Umfangen vom Dunkel erdentierischen Er‐
kennens werden die Seelen auf dieser Erde
in tiefem Schlafe erhalten aus eigenem Wil‐
len....
.Traum nur ist all ihr «Erleben» bevor sie
erwachen!
.Noch können sie nicht fassen, was waches,
wirkliches Erleben ist. — —
.Erst der Erwachte weiss zu sondern
zwischen wirklichem Erleben und der selbst‐
geschaffenen Trugwelt, die sein Traum ihm
bot. —
.Nur selten dringt auch in den Traum schon
das Bewusstsein: zu träumen, ein...
31 Der Weg zu Gott
.Im Traume erträumt sich jede Seele ihre
eigne Welt, auch wenn gar viele sich die
gleiche Welt erträumen. —
.Nicht anders erträumt sie sich ihren fernen,
fremden «Gott» in einer unerreichbar hohen
Überwelt, und weiss nicht, dass sie nur ein
lichtes Abbild ihrer selber schuf um sich in
solchem Bildnis selber anzubeten. —
32 Der Weg zu Gott
.Allmählig sollst du dem Schlafe und seinem
Traum entzogen werden! —
.Du sollst nicht im Erschrecken zum Er‐
wachen kommen! — —
.Nicht in Verwirrung will man dich finden,
wenn du aus deinem lebenslangen bunten
Traume erwachst! —
.Auch dein Erwachen könnte sonst deiner
Seele zum Schaden gereichen! —
.Des Geistes überhelles Licht will zuerst er
tragen werden, bevor man es lieben lernt! —
.Du wirst es nur dann ertragen können, wenn
du mählig wacher werdend, dich dem Schlafe
entwunden hast.
38 Der Weg zu Gott
.Wer immer aber diese Worte lesen wird, der
kennt auch Schlaf und Traum.
.So wie dir nun jeder als gar töricht erscheinen
würde, der dir zu sagen wüsste: — nur im
Schlafe sei er im wahren Leben, und nur der
Traum sei ihm die erdenhafte Wirklichkeit,
so sollst du auch erkennen lernen, dass dieses
Erdenleben keineswegs die höchste Wirk‐
lichkeit umschliesst: — dass alles, was du hier
«Erlebnis» und «Erkennen» nennst, gar weit
zurückbleibt hinter dem Erleben und Erken
nen, das dir in der Welt des wesenhaften
Geistes werden wird, bist du erst selbst — auch
wenn du noch als Mensch der Erde in
der sinnenfälligen Erscheinung lebst
in diese Welt des Geistes eingegangen. — — —
40 Der Weg zu Gott
.Und doch blieb bis auf den heutigen Tag die
«Wahrheit» gar hoch im Kurs, auch wenn die
Frage oftmals nahe lag: — was denn zur Zeit
als Wahrheit gelten solle?! —
.Wenn hier von der «Wahrheit» nun ge‐
sprochen werden soll, so wollen wir bewusst
beiseite lassen, was alles in der Zeiten Lauf als
«Wahrheit» galt!
.In solchem Sinne nur sei von der Wahrheit
hier die Rede, wie denn ein jegliches Geschlecht
noch ausser seiner zeitlich engbegrenzten Mei
nung eine Wahrheit kannte, die nicht durch
Spätere entwertet werden konnte.
.In solchem Sinne aber ist als Wahrheit an‐
zusprechen, dass menschliche Erkenntnis wie
im Denken sie erreichbar wird, stets Stück
werk bleibt, und dass in gleicher Weise alle
Macht des Menschen über die Natur — trotz
aller Siege über die Naturgewalten — nur allzu‐
bald gewisse Grenzen anerkennen muss, die sie
sich selber keineswegs gezogen hat. —
.Aus dieser Wahrheit folgerte das Denken,
dass die Bereiche des Erkennens und der
Macht, die Menschen unerreichbar sind,
in eines anderen Willens Allgewalt gegeben
seien. Mit dieser Folgerung jedoch ist schon
ein Vorstellungsgebilde aufgerichtet, das all‐
zuleicht auch wieder umgestossen werden
kann, da ihm die Fundamente mangeln auf
denen jene Wahrheit ruht, die solches folgern
lässt....
.Mag auch das Denken und Erschliessen Vor‐
stellungsgebilde schaffen, die als der Wahrheit
bestes Gleichnis gelten können: — die Wahr
heit selbst, soweit sie hier in Frage steht,
wird niemals zu erdenken oder zu erschliessen
sein! —
.Letzte Wahrheit ist hier allem Denken
hoch entrückt und bleibt dem Denken ewig
unerreichbar, es sei denn, dass der Mensch
in sich der Wirklichkeit begegne und im
wirklichen Erleben innewerde was er sucht,
um es dem Denken dann als Gabe darzu
bieten. — — —
.Unzähligemale hat man sich «Gott» erdacht
und glaubte im Denken die Gottheit gefun
den zu haben.
.Auch im sublimsten Denken aber wurde nur
ein Götze aufgerichtet nach des Menschen
Vorbild: — ein Vorstellungsgebilde, das —
allein nur in der Vorstellung der mensch
lichen Gehirne — als sinnlich-unsinnlicher
Schemen west...
44 Der Weg zu Gott
.Kein Vorstellungsbild lässt sich schaffen,
das diesem Erlebten gleichen würde! Durch
keinen Gedanken ist es darzustellen und in
keinem Worte wird es mittelbar! —
.Der Erlebende selbst nur weiss darum,
und weiss — durch das Erlebte allein — dass er
wahrhaft das erlebt, was nicht nur den Namen
trägt, als sei es «Gott», sondern was Gottheit
in sich selber ist von Ewigkeit zu
Ewigkeit...
.Hier hat der Zweifel, der des Denkens
wacheste Erkenntnis noch benagt, für immer
jegliche Gewalt verloren! Es ist ein
Innewerden des innersten Lebensgrun
des im eigenen «Ich». — — —
.So wie ein Licht, entzündet in einer bunten
Lampe, der bunten Scheiben Farben zeigt und
dennoch sich selbst im Innern der Lampe
nicht färbt, so tritt die Gottheit in das
Innerste des Menschen ein, — bekundet sich
in ihm in seiner individuellen Weise, und bleibt
doch was sie ewig war und ist. —
.In solcher Wirklichkeit mit seinem Ur‐
grund eng vereinigt, erkennt des Menschen irdi‐
sches Bewusstsein erst die wirkliche Wahrheit
und dieser ewigen Wahrheit Wirklichkeit!
.Hier erst wird ihm bewusst, was Gott ist in
Wahrheit und Wirklichkeit! — In graues
Dämmerdunkel sinken hier alle früheren Vor
stellungsbilder von Gott! Der so die Gott‐
heit in sich selbst erlebt und seine eigene
Wirklichkeit in ihr, der braucht fürwahr kein
Bild und Gleichnis mehr, und nur wenn Andere
er belehren will, muss er sich Bild und Gleichnis
für die Anderen schaffen, damit sein Wort ihr
inneres Erfühlen wecken könne. —
.Ein Stammeln aber und unbeholfenes
Deuten muss seine Rede dennoch bleiben, auch
wenn er mit allen Bildern der Sprache von sol‐
chem Erleben Kunde bringen will...
.Nur der allein, der in solcher Weise seinen
lebendigen Gott in sich erlebte, weiss in
gewissem Wissen um Gott, so wie auch er
allein erst um sich selber in gewissem
Wissen weiss! — — —
.Doch ist auch diese hohe Stufe erst nur Vor
bedingung aller weiteren Entfaltung in
der geistigen Welt, wenn auch nur Wenige zu
allen Zeiten, während ihres Erdenlebens diese
Stufe erreichten, oder gar sie überstiegen. — —
.Verbrechen ist es, von Gott zu reden, und
sei es in den wundersamsten Worten, so der
Redende diese Stufe nicht mit aller Sicherheit
unter seinen Füssen weiss!! —
.Hat er sie aber erreicht, so weiss er auch, ob
er zur Lehre wahrhaft berufen ist, und nur
der Berufene wird Gottes Namen nicht ent
weihen.
.Ihm wird «gegeben» was er reden soll, von
denen, die hier mehr als er erhalten haben, da
sie vor Jahrtausenden schon auf der Bahn ge‐
funden wurden, die er erst heutigen Tages be‐
tritt. — —
.Es ist unmöglich, seinen lebendigen
Gott in sich selbst zu erleben, ohne der Füh
rung der älteren Menschenbrüder aus
dem Geiste her bewusst zu sein...
47 Der Weg zu Gott
.Willst du der Wirklichkeit in dir selbst
begegnen, dann wirst du achten müssen,
was die Wirklichkeit ins Dasein rief!
.Nicht du hast zu bestimmen, auf welche
Weise Gott dir bewusst werden solle, sondern:
Gott!! — — —
49 Der Weg zu Gott
.Wie sollten sie die Seelen die allhier im Dun‐
kel sind, in liebender Verströmung aller Geistes‐
kraft die sich durch sie ergiesst, aus dieser Fin‐
sternis erretten können, wären des Erdenmen‐
schen Nöte ihnen fremd!? —
.Durch ihr Erkennen aller Menschen
not wird ja die Kraft des Geistes also um
gewandelt, dass sie den Seelen in der Form
der Hilfe, deren sie auf ihrem Weg zu
Gott bedürfen erst fühlbar und erfassbar
wird! — —
.Du kannst dich wahrlich ihnen anvertrauen,
zumal, da man ja nichts von dir verlangt, als
dass du dich vor jedem Sträuben gegen ihre
Hilfe hütest.
52 Der Weg zu Gott
.Du kannst nicht erwarten, deinen Weg zu
Gott zu finden, solange du in deinem Erden
leben deinem «Ja» und deinem «Nein» nicht
unverletzlich sichere Grenzen ziehst! —
.Dein «Ja» und «Nein» darf nicht durch dei‐
ner Wünsche wechselreiche Ziele jeweils erst
die Richtung finden! —
.Noch weniger darf deiner Triebe erden‐
tierische Gewalt in dir bestimmen, wo dein
«Ja» gesprochen werden soll und wo dein
«Nein»! —
.Von deiner Entschiedenheit hängt die
Entscheidung deines Schicksals ab, und
du allein nur wirst dein Schicksal zu tragen
haben! —
54 Der Weg zu Gott
.Selbst wenn du noch irren solltest in dei‐
ner Selbstbestimmung, wird dein Irren wenig
nur zu besagen haben, ward es durch den
Willen zu deiner höchsten Höhe be‐
stimmt. —
.Nur Unbestimmtheit ist vom Übel; nur
Unentschiedenheit gereicht zum Verderb!
56 Der Weg zu Gott
.Du darfst nicht erwarten, zu deiner höchsten
Höhe zu gelangen, solange noch dein «Ja» dem
erdentierischen Behagen sich verdingt,
wo nur dein «Nein» dich aus der Tiefe lösen
könnte...
.In einer Stunde der Einkehr bei dir selbst,
frage dich sehr genau, was bisher dein «Ja»,
und was dein «Nein» erhielt? —
.Frage dich aber auch weiter: — wo du in Un
entschiedenheit bisher verblieben bist, um
stets nach deinen trüben Gelüsten, dich bald
zu einem «Ja», bald zu einem «Nein»
entscheiden zu können!? —
.Lass' dich nicht erschrecken, wenn du also
sehen musst, dass der grösste Teil deines Hauses
auf schwankendem Grunde ruht!
.Du sollst ja jetzt den Grund auf dem die Fun‐
damente ruhen, untersuchen, damit du ihn
allenthalben befestigen kannst durch neue
starke Pfähle!
57 Der Weg zu Gott
.Dein eigenes Wachsen wird sehr oft von dir
fordern, dass du wechselst in deiner Ent‐
scheidung.
.Bist du aber ein für allemale in dir selbst
bestimmt, dann wird in solchem Wechsel
dennoch stets ein Beharren sein.
.Du wirst in allem Wechsel stets beharren
bei deinem eigenen «Ja» und «Nein» in dir
selbst, und wie auch jeweils deine Entschei‐
dung fallen mag, — stets wirst du nur nach
deiner bleibenden Bestimmtheit ent‐
scheiden. —
.Dem Äusseren nach kannst du heute an
ders als gestern entscheiden, dieweil die äus
seren Bedingnisse anders wurden, allein dein
«Ja» und «Nein» darf auch im Wechsel nur
bestimmt sein durch dich selbst: — durch
deine Selbstbestimmtheit, die du dir für
alle Zeit gegeben hast, als du die unverrück‐
bar festen Grenzen setztest deinem allbe
stimmenden «Ja» und «Nein». — —
.Es geht nicht an, dass du dich selbst betörst
und heute «Ja» sagst, morgen aber «Nein»,
nur weil das eigene Behagen, oder deiner
Wünsche Neigung dich zum Wechsel der
Entscheidung überreden wollen!
59 Der Weg zu Gott
.Hüte dich aber auch vor der Neigung, dein
eigenes «Ja» und «Nein» den anderen auf
zudrängen!
.So wie du dich bestimmtest, so sollst
nur du selber sein, auch wenn gewiss dir
andere ähnlich werden können.
63 Der Weg zu Gott
.Auch wenn du von heute an keinen Men‐
schen mehr siehst, bleibst du doch mit den
Menschen eng verbunden!
.Durch unsichtbare Schwingungen die
deines Denkens, Fühlens und Erlebens stets
getreue Boten sind, bleibst du auch aus der
weitesten Entfernung her mit allen eng
vereint, die deiner eigenen Artung ähnlich
sind, und du empfängst von ihnen auf die
gleiche Weise stete Botschaft...
.Wohl bist du dir noch dessen nicht be
wusst, — doch, magst du darum wissen oder
nicht: — nie wird das stetige Geschehen hier
sich ändern lassen! —
.So helfen sich alle, die auf gleichen
Wegen sind!
.So wirst auch du den Anderen helfen, die
sich selbst bestimmen wollen, wenn du
dich in dir selber bestimmst! —
.So wird dein eigenes «Ja» und «Nein»
auch Anderen zu ihrem «Ja» und «Nein»
verhelfen! — — —
64 Der Weg zu Gott
.Es ist ein folgenschwerer Tag, an dem dein
Inneres sich gegen dieses unsichtbaren Fürsten
Macht erhebt — dem ausser seinen eigenen
Scharen auch die Tiefgesunkenen ergeben
sind, die einst als «Meister» aus dem hohen
Leuchten fielen — und sich entschliesst, ihm
nun für alle Zukunft den Gehorsam abzu‐
schwören...
.Zuerst mag es dir leichthin so erscheinen,
als sei dies nur ein kindliches Komödienspiel,
das du dir selbst bereitest, und ohne jede
Wirkung in den unsichtbaren kosmischen Be‐
reichen.
.Bald aber wirst du anderen Sinnes werden,
und nur zu deutlich wirst du sehen lernen,
mit wem du nun im Kampfe stehst...
.Was aber auch dir nun begegnen möge: —
sei unverzagt und wisse, dass dir hohe
Hilfe nahe ist, — auch dann, wenn du schon
glauben möchtest, deine Niederlage sei ge
wiss! — — —
.Du wirst nicht unterliegen können, so‐
lange du nur dein Vertrauen in den Sieg
ausschliesslich in der Kraft des Geistes
gründest.
.Die hier unterlegen sind, waren stets zu
sicher ihrer eigenen Kraft, so dass die Hilfe
aus der Kraft des Geistes sich an ihrem
Kampfe nicht beteiligen konnte.
.Nur dann, wenn du der Kraft des Geistes
Anteil lässt an deinem Kampfe, wird sie für
dich streiten...
.Es sind die Schlechtesten nicht und
nicht die Feigen, die solchen Anteil am
Kampfe nicht gewähren möchten. —
.Nicht immer ist es Eigendünkel, wenn ein
Mensch den Kampf allein durch seine eigene
Kraft entscheidbar glaubt. — —
.Doch immer ist es menschlich enges Irren,
glaubt der Mensch sich selbst befähigt, ohne
Geisteshilfe hier den Sieg sich zu erkämpfen. — —
.Ihm kann dann nicht geholfen werden,
auch wenn er Geisteshilfe dringend braucht,
da all sein Tun die Hilfe abweist, die für ihn
den Kampf zu Ende kämpfen will...
.Wer hier den Sieg für sich errungen
wissen will, der darf ihn niemals aus der
eigenen Kraft erringen wollen!
.Dankbar muss er den Sieg entgegenneh
men, den des Geistes hohe Kraft für ihn
erringt. — —
.Stets muss er in sich selbst bewusst sein, dass
sein Wille, diesen Kampf zu kämpfen, alles
ist, was man vom Geiste her von ihm ver‐
langt, dass aber dieser Kampf allein vom
Geiste nur entschieden werden kann...
.Der aber, der aus eigener Kraft den Sieg
erlangbar wähnt, der weiss noch nicht, was hier
der Kampfpreis ist: — der ahnt nicht, dass es
letzten Endes gilt, allhier ein Irdisches der
erdenhaften Bindung zu entreissen, damit es
sich dem Geiste einen könne. —
.Gewiss wirst du auch dann, nachdem durch
Geisteskraft der Sieg errungen ist, mit deiner
erdentierischen Natur dem «Fürsten dieser
Welt» noch dienstbar bleiben müssen, so‐
lange du auf dieser Erde lebst; — allein, es ist nur
das, was einst verwesen wird, das noch in
seiner Hörigkeit verbleibt...
.Was aber über diese, einst verwesliche
Substanz hinaus als Erdenmensch dir zuge‐
hört — wie du auch immer es benennen magst —
das wird nunmehr auch nach dem Erdentode
noch dein eigen sein, und wird dir zugehören,
— dir, dem Unvergänglichen geeint, — für
alle Ewigkeit...
.So gehe sicher und vertrauend denn in
diesen Kampf, in dem du nur mit Geisteskraft,
durch Abwehr, siegen kannst!
.Du wirst den Sieg gewiss erringen, so du nur
der Kraft des Geistes Anteil lässt an deinem
Kampf!
.Zwar sollst du hier das Deine tun, — doch
ist «das Deine» allzeit nur die Abkehr von
des Erdendämons kosmischer Gewalt, und
deines Willens Wendung, ihm die Gegen‐
wehr zu bieten — unausgesetzt, in jedem
Augenblicke deines weiteren Erden
lebens. — — —
.Wird dieses «Deine» stetig durch dich
selbst getan, dann wird des Geistes hohe
Kraft für dich den Sieg erlangen! Du wirst dein
Irdisches, soweit es nicht verweslich ist,
alsdann mit deinem Geistigen für alle Zeit
vereinen lernen!
.So, in dir selbst geeint, wirst du den
Weg zu Gott in dir nicht mehr verlieren
können, bis du dereinst das hohe Ziel des
Weges in dir selbst erreichst! — — —
74 Der Weg zu Gott
.Es soll dir zu Bewusstsein kommen, wie
dein äusseres Alltagsleben in dir zu Be‐
wusstsein kommt, und niemals wirst du das
Bewusstsein deines ewigen Lebens je ver
lieren können, hast du es einmal in dir er
langt...
.Urteile selbst, ob es dir nicht des steten
Mühens wert erscheint, dieses Hochziel zu er‐
reichen?! —
81 Der Weg zu Gott
.Dort wird dein Mühen alsdann zu
Ende sein! — — —
.Doch, glaube nicht, dass auch dein Finden
nun am Ende sei! —
.Unendlich ist, was du gefunden hast und
ewig wirst du in ihm Neues finden! — — — —
.Mit deinem Gott in dir vereint, wirst du
vollenden, was allein in dir Vollendung
finden wollte, — und so wirst du dir selbst zu
einem überreichen Funde werden, der in
Unendlichkeit sich nicht erschöpfen
lässt! — —
.Dann aber wird das Reich des wesen
haften Geistes sich dir mehr und mehr er‐
schliessen, und von Beglückung zu Beglückung
weiterschreitend, wirst du innewerden, dass du
auf dieser Erde schon inmitten deines eigenen
ewigen Lebens stehst! — — —
.In dir hast du alsdann gefunden, was du
einstmals über Wolkenhöhen suchtest und
nicht finden konntest! —
.Vollendet, wirst du das Verwesliche
dann der Verwesung überlassen, da dir aus
Unverweslichem die Neugeburt in Gott
bereitet wird! — —
.Wahrlich: — hier wirst du ewig geborgen
sein! —
.Dein Weg zu Gott war nur der Weg zu
deiner eigenen Vollendung! —
82 Der Weg zu Gott
.Du bist darum mitnichten etwa ent
schuldigt, wenn du dich irrenden Leh‐
rern anvertraust, denn dir gab Urnatur in
deinem Gefühlsvermögen die Kraft der
Unterscheidung, und es ist nur deine
eigene Lässigkeit, wenn du nicht alsbald
erkennst, daß du einer „Seelenführung
dich ergabst, die selbst zu-recht geführt zu
werden nötig hätte! —
85 Das Buch der Liebe
.Ich aber gebe hier dem einen wie dem
andern nur die Be-gründung seines eige
nen Erkennens, — denn letzter Grund
fehlt allem Glauben, der seiner Lehren
tiefste Fundamente nicht erreicht, und
alles Wissen ist nur dann gegründet,
wenn es in Felsentiefen ankert, die der
Ewigkeit ihr Dasein danken...
94 Das Buch der Liebe
.In urgewaltigem Drang offenbart sich
Liebe schon in ihrer irdisch niederen
Form, und hier schon zeigt sie sich als
Schöpferkraft, so daß älteste Kulte be‐
reits in dieser niederen Form der Liebe
letztes Geheimnis zu finden hofften. —
.Bis auf die heutige Zeit sind solche Kul‐
te erhalten, und irreleitende Lehren haben
das verderblichste Wähnen asiatischer Ge‐
heimsekten auf düsteren Wegen neuerdings
aufgegriffen, damit es auch im Abendlande
Verbreitung fände. Leider hat es weitere
Verbreitung gefunden, als die „aufgeklärte”
Öffentlichkeit der westlichen Weltstädte heute
noch ahnt! —
.Verhängnisvolle Zerstörungskräfte,
ausgesandt aus nachtschwarzen Tempelgrüf‐
ten teuflisch fanatisierter Asiaten, suchen
so ihre Opfer in der weißen Rasse!
111 Das Buch der Liebe
.Sie glauben der Lösung des Rätsels
aller Rätsel auf der Spur zu sein, und
lassen sich von selbstbetrogenen „Adepten”
sagen, auf diesem Wege werde göttliche
Freiheit winken, während sie nur der Schar
der höllischen „Hunde des Abgrundes
harmlos entgegenlaufen, denen schon die
Lefzen triefen vor Gier, ihre Seelen zerreißen
zu können, so wie sie jene bereits zerrissen
haben, die diesen Arglosen heute als macht‐
erfüllte Meister ihres teuflisch verwirrten
Glaubens dünken. —
.Wohl waren Phallus und Yoni seit ur‐
alten Zeiten heilige Symbole, und beide
Gegenpole bilden der tiefsten Mysterien hei‐
lige Anker im Erdenleben, doch — wer hier
suchen möchte, bevor man ihn sucht, der
hüte sich wohl, daß er nicht die Wirkungs‐
region verwechsle, und statt der „heiligen
Anker”: schlüpfrige Schlangen aus der
Tiefe hole!
.Es gibt wahrlich kein Gebiet okkulter
Kräfte, das so der Täuschung Raum ge‐
währt, wie der Bereich des Sexualmyste
riums!
— — — — — — — — — —
.Wehe denen, die hier zu finden glau‐
ben was sie suchen! —
.Sie werden im besten Fall ihre som
nambulen Kräfte wecken, die ihnen jedes
Trugbild gerne gewähren, das ihr Wähnen
nährt, bis sie, in solcher Verstrickung sich
wie die Götter” wähnend, zu spät, und
unerlösbar geworden, einst in Verzweiflung
entdecken, daß sie der „Schlange des Pa
radieses” Gehör gegeben hatten. —
.Wer auf diesen Wegen sich weiß, der
reiße sich eilends los von allem, was
ihn an diese Wege binden mag, denn die
Gefahr ist unnennbar groß! —
.Wer aber nicht alles, was ihm lieb war,
nötigenfalls verlassen kann um des „Him
melreichs” willen, der ist wahrhaftig des
„Reiches” nicht wert, und wird nicht hin‐
dern können, daß er hinausgeschleudert wird
in die äußerste Finsternis”, — wenn
nicht zu dauernder Vernichtung, so doch
zu äonenlanger dumpfer Qual im Wissen
um die eigene Schuld!
.Alles, was hohe und oft dunkle Worte
von jenem Geheimnis sagen, das irdische
Zeugungskraft und ihre Organe umgibt,
wird erst dann in Wahrheit erfaßt, wenn
man weiß, daß die hier verborgenen Kräfte
sich in ihrer segenbringenden Form nur
dem Vollendeten des Urlichts ergeben,
und nur als ungesuchte Folge der Vollen‐
dung!
.Allerdings verhält sich die dem wahr‐
haft Berufenen mögliche geistige Lösung die‐
ser Kräfte zu dem, was da in gewissen „eso‐
terischen” Zirkeln vorgeht, wie höchstent‐
wickelte Chemie zu dem absurden Treiben
wahnwitziger Sudelköche. —
.Wer nicht zu den geistig Vollendeten
gehört, die, ehe sie auf Erden geboren
wurden, höchste „Meisterschaft” erlangten,
der bleibe hier allem Suchen fern, denn
was er zu finden vermeint, wird er hier
niemals finden, und was er finden kann,
würde ihn nur zur Beute dunkler Ge
walten werden lassen, der seit der Urzeit
Tausende und Abertausende in die Netze
gerieten, oft noch für geraume Zeit in die‐
sem Erdenleben angestaunt als wahre „Adep‐
ten”, und ihren Vernichtern so als Köder
dienend für weitere Vernichtungsopfer! —
.Ich brauche wohl kaum zu sagen, daß
ich hier alle geheimgehaltenen „Methoden”
kenne, die solche vermeintliche „Geistes‐
kräfte” entfesseln können.
.Ich kenne jedoch auch das Schicksal
derer, die sie entfesselt haben, und darum
wird mir die Pflicht der Warnung, — für
alle, die sich warnen lassen wollen. — —
115 Das Buch der Liebe
.Euch allen aber, die ihr nach Licht und
Erleuchtung sucht, und nicht euch trü‐
gerischen Täuschungskräften übergeben
möchtet, denen nichts anderes zugänglich
wird, als was in eurer Körperzellen
Ahnenreihe aufgespeichert wurde, —
euch allen will ich hier der Liebe Schöpfer
kräfte am Werke zeigen, so wie sie euch
zuteil werden können ohne jegliche Gefahr:
— in jener hohen „himmlischen” Bekundung
ewiger Liebe, die lebendes Licht in euch
gießt und leuchtendes Sonnenfeuer,
gleichwie sie in „irdischer” niederer Form
nur den Brand der Sinne entfacht, um eure
Art zu erhalten und euch ahnen zu las‐
sen in dieser Glut, daß sie auch wahrlich
Höheres vermag. — —
116 Das Buch der Liebe
.Noch ward auf dieser Erde keiner je
vollendet durch die Schöpferkraft der
Liebe, dem nicht des Erdenlebens nimmer
ruhende Zerstörungskräfte seine hohe Form
bedrohten, und wenn du etwa glaubst, die
Leuchtenden des Urlichts seien hier wohl
aller Sorge ledig, — so lasse dir sagen, daß
auch sie, wie jeder, der des Tieres Leben
seinem Ewigen zu einen sucht, sich stünd‐
lich wach erhalten müssen, wollen sie nicht
aus dem hohen Leuchten fallen, wie ein
Stern, der plötzlich in den Abgrund fährt,
und dort zerstäubt in seine Uratome!
.Es sind solche Fälle zwar überaus selten,
aber sie sind immerhin möglich.
.Im äußeren Leben wird aus einem sol‐
chen Gefallenen dann ein furchtbarer Fana
tiker der Bosheit: — ein Mensch, der
„über Leichen geht”, und seinen größten
Selbstgenuß darin findet, alles allenthalben
zu zerstören, an dessen Aufbau er einst
beteiligt war...
.Es bleibt daher immer ein unerhörtes
Wagnis für jeden im Geiste dazu Vorberei‐
teten, die Berufung zur Einung des Geist‐
menschen mit dem Menschentiere freiwillig
anzunehmen, denn sein Erdenweg ist, weit
mehr als der aller anderen Menschen, von
zahllosen unsichtbaren Gefahren umdroht.
.Du wirst daher auch in dem Leuchten
den des Urlichts einen Menschen-Bruder
sehen lernen müssen, der, — wahrlich allem
Erdenmenschenfehlen nicht entrückt, — zu
kämpfen hat wie du, um aus dem Kampf
des Lichtes mit der Finsternis hervorzugehen
als ein Sieger, wenn einst sein Erdenlauf
vollendet ist!
123 Das Buch der Liebe
.Die solcher Machtlust Rausch einmal
genossen haben, sind fürderhin verloren
für die Stimme der Wahrheit, sind ver
loren für der Wahrheit unerbittlich fixierte,
geistige Voraussetzungen...
.Doch sollst du auch den für die Wahr‐
heit Verlorenen gewiß nicht zürnen, wenn
du der Liebe Schöpferkraft zu deiner
eigenen, höchsten Formung dich überlassen
willst!
.Du würdest sonst ein Hemmnis schaf‐
fen, das deiner Eigenformung schwere Schä
digung bewirken müßte! — —
.Du, den nach Licht und Leuchten
verlangt, — — lerne Barmherzigkeit üben
auch gegen jene, die dich am liebsten in
ihrem Dämmerdunkel halten möchten!
.Sie haben es meistens nicht selbst ver‐
schuldet, daß sie also werden mußten, wie
sie heute sind, — und allzu schwer ist es für
viele, sich furchtlos Fesseln zu entwinden,
die oft für sie die einzige Errettung vor
dem Sturz in noch weit tiefere Verfinste‐
rung bedeuten, für sie, die nur zu sehr in
allen Fasern fühlen, daß nur die feste Fes
sel ihnen Halt verleihen kann. — —
.Für viele dieser blinden Blindenführer
ist auch die Angst vor dem Versiegen der
Ernährungsquelle Grund genug um dem er‐
kannten Irrtum weiterhin zu dienen, dem
sie nur zu gern entsagen würden, wüßten
sie, wovon sie fernerhin leben sollten, mit
denen, die bislang ihre Pfründe leidlich
ernährt.
.Der „Sünde” längstvergessener Geschlech‐
ter dargebrachte Opfer hat die Menschheit
heute nun in den Nachkommen zu beklagen,
und neue Schuld nur würde sie zur alten
häufen, wollte sie die armen Engumfesselten
entgelten lassen, daß sie der Vorzeit starre
Banden noch tragen! —
.Die noch die Arme regen können, wer‐
den jedoch mit einem Male, und ohne
daß einer der Ihren fehlen würde bei dem
Werke, die Welt in Erstaunen setzen!
.Sie werden in aller Stille den Tag sich
bereiten, an dem sie ihre Banden sprengen
werden, — ohne Altgeheiligtes zu verletzen!
.Sie werden „den Greuel der Verwüstung
an heiliger Stätte” nicht mehr dulden und
werden neu das Heiligtum errichten!
.Sie werden denen nicht mehr glauben,
die ihnen sagen: da und dort ist der „Ge‐
salbte”, und werden gar manche, die „in
seinem Namen” kamen, ihres Ruhmes ent‐
kleiden!
.Sie werden wahrlich nicht zerstören,
und dennoch wird das Abgelebte sich er
neuern, weil sie die alte Form erst mit
der Fülle allen Lebens, das sie fassen kann,
durchlichten werden! — —
.Noch ist der Tag, an dem solches begin‐
nen wird, gewiß nicht zu bestimmen, —
doch daß er dereinst erscheint, ist so sicher
wie das Erscheinen eines neuen Tages nach
dunkelschwangerer Nacht!
130 Das Buch der Liebe
.Die hohe Schöpferkraft der Liebe
wird alsdann die so Erwachten lehren, dem
Leben neue Form zu schaffen!
.Sie werden ferne sein dem Wahn, daß
nur aus Trümmern sich der Menschheit
hoher Tempel auferbauen lasse, und jeder
wird sich selbst zum „Baustein” weihen,
sobald er erst erkannte, daß das höchste
Heiligtum des Lebens nur aus Lebendi
gem errichtet werden kann!
136 Das Buch der Liebe
.Nur dann, wenn die Erkenntnis aufzu‐
glühen beginnt, daß die Form des mensch‐
lichen Zusammenlebens auf dieser Erde
durch die Arbeit des Einzelnen an sich
selbst bestimmt wird und nur in sehr
bedingtem Maße von außen her zu beein‐
flussen ist, darf man sicher sein, sich auf
dem Wege zu befinden, auf den ich die mir
Vertrauenden zu leiten suche.
.Es ist der einzige Weg, der aus der
Wirrnis dieser Tage hinaus und hinauf
zur Klarheit wertbestimmender Überblicke
führt, und zugleich der einzige Weg, der
den verirrten Einzelnen in sich den Frie
den finden läßt, nach dem alle noch nicht
völlig verhärteten Herzen so heiß verlangen.
.Tierhafte Kampflust wird sich dann
nicht mehr ungezähmt, als Zerstörungs‐
faktor inmitten menschlicher Gemeinschaft
austoben können, sondern, zu geistiger
Wehrhaftigkeit sublimiert, die Vielheit
der Einzelnen fähig machen, alle Angriffe
niederer planetarischer Gewalten auf die
eigene Seele in sich selber zurückzuweisen,
— im sicheren Bewußtsein der einzigen
Kraft, die alle auf Erden drohenden, glück‐
zerstörenden Triebkräfte siegend bezwingt!
137 Das Buch der Liebe
.In alter Enge dürftiger Erkenntnis ein‐
gesponnen, suchst du vergeblich eine
„Schuld” an dir, als deren „Sühne” du be‐
werten könntest, was dir widerfahren ist.
.Hier bist du schon der ersten groben
Täuschung ausgeliefert, denn nirgends
ist ein „Rächer” deiner Schuld, der dir
nach jenes engen Wähnens Weise „Sühne”
auferlegen könnte.
.Wohl trägt zwar jede Tat in sich die
unabänderlich gesetzte Folge, und nie‐
mals wirst du es vermögen, solcher Folge
zu entrinnen, allein es kann dich herbstes
Leid auch hart in Banden schlagen, das
keineswegs aus deiner Tat erwachsen ist.
15 Das Buch des Trostes
.Vor allem aber sage dir, daß eben die‐
ser Schmerz, der dir so unerträglich schei‐
nen will, nur darum dich in Banden hält,
weil du die Wahrheit noch nicht sehen
kannst, die jene Lüge auf dem Grunde
jedes Leides dir verbirgt! —
18 Das Buch des Trostes
.Aus deiner Erkenntnis dessen, was
dein Leben von dir verlangt, wenn es
dich dem Leide begegnen heißt, wird dir
die Kraft des Trostes werden, die du ver‐
geblich suchst, solange du rückwärts
deine Blicke wendest. —
22 Das Buch des Trostes
.Ich erachte es als eine grobe Blasphe
mie, wenn man sich nicht entblödet, einen
ewigen „Gott”, von dem gesagt ist, daß
er die Liebe sei, den unsichtbaren Vam
piren gleichzusetzen, die sich im Dunst‐
kreis dieser Erde aus den Kräften des Men‐
schen nähren — indem man unbewußt
lästernd zu sagen weiß:
.Wen Gott lieb hat, den züchtigt
er.” —
30 Das Buch des Trostes
.«Du bist ein echter Sohn des Westens! Was
du nicht als 'Wissenschaft' empfängst, das er‐
scheint dir fragwürdig, und du wagst es nicht,
der Wahrheit zu vertrauen, sofern sie nicht im
Gewande der 'Wissenschaft' auf die Weise, in
der man dieses Wort an eueren hohen Schulen
versteht, dir gegenübertritt. — — — — —
.Du wirst 'umlernen' müssen, mein Freund!
.Du wirst eine andere Art der Belehrung ver‐
stehen lernen müssen, als die es ist, die in eue‐
ren Landen allein nur Geltung hat. — — —
.Wenn du zur Wahrheit kommen willst, so
musst du vor allem den Wahn ertöten, als
wenn Wahrheit ein 'Wissen' wäre!
.Dein Streben muss hinfort auf anderes ge‐
richtet sein.
.Du musst dich bestreben, das Geschehen
zu ergründen! — — —»
5 Das Buch der Gespräche
.«Die Welt der Seele ist ständiges Geschehen.
.Nicht anders kann die Welt der Seele sich dir
enträtseln, als dadurch, dass du eingehst in
diese, irdischen Sinnen unerfassbare Welt, als
ein Zeuge ihres Geschehens.
.Dann wirst du erst jene Weisheit finden, von
der auch der Weiseste nichts 'wissen' kann, son‐
dern der nur wirklich weiss, der jenes Ge
schehen in sich erlebt hat und zu jeder
Stunde neu zu erleben vermag...»
6 Das Buch der Gespräche
.«Kulturhöhe, Wissen, Gelehrsamkeit, ästhe‐
tisches Gefühl, Kunstverständnis und Philoso‐
phie, — kurz alles, woran du bei deiner Frage
streifend dachtest, sind völlig indifferente
Dinge bei Erreichung letzter Wahrheits
erkenntnis. —
.Das, was ihr 'philosophische Spekula
tion' nennt, und was auch nicht zum wenigsten
in meinem Lande seit Jahrtausenden geübt
wird, wenn nicht gar mein Land die Wiege die‐
ser Art 'Wissenschaft' zu treiben, ist, — — wirkt
geradezu hemmend auf jene geistigen Kräfte,
die dem Menschen das Erlebnis seelisch-geisti‐
gen Geschehens verschaffen können. — —
.Hier sind unsere Gelehrten im Irrtum,
wenn sie letzte Wahrheitserkenntnis auf ihre
Weise gefunden zu haben glauben, und eure
Gelehrten im Westen irren, wenn sie ehr‐
furchtsvoll die Tiefe unseres Denkens bestau‐
nen und in seinen Resultaten die letzte er
reichbare Kenntnis der Wahrheit ver‐
muten. — — — — —
.Es ist auch kein Zufall, dass bei euch im
Westen Männer des messerscharfen Denkens er‐
wuchsen, die durch ihr Denken zu ziemlich
ähnlichen, wenn nicht gleichen, Resultaten
kamen, wie die Denker unseres Landes. —
.Wie beim Schachspiel unzählige Kombinatio‐
nen des Figurenbildes auf dem Brette möglich
sind, und dennoch niemals das Brett als Spiel‐
platz verlassen wird, so sind auch alle durch
Denken zu erringenden Resultate stets an die
Gesetze des Denkens selbst gebunden und ver‐
mögen ihr Spielfeld nie zu verlassen.
.Das aber, was man erdenken möchte, liegt
fernab von diesem Spielfeld, kann zwar ein
Gegenstand des Denkens werden, — — nach
dem man es gefunden hat, — ist aber nie und
nimmer durch Denken zu finden...»
8 Das Buch der Gespräche
.«Um den 'Stein der Weisen' — 'die
Wahrheit' — das urtiefe Geheimnis aller Ge‐
heimnisse zu entdecken, — — das Urquellende,
Ruhe-gebende, alles Sehnen Stillende, —
dazu braucht man nicht zu wissen, dass die
Erde sich um die Sonne dreht, dass die Sterne
der Nacht keine Lichter an der Kuppel des
Himmels, sondern Weltkörper sind, woher der
Blitz und der Donner kommt, und was derarti‐
ger Dinge, die der Verstand des Menschen ent‐
rätselte, mehr sind. —
.Alles das ist im letzten Sinne für das Erlebnis
des Urgründigen völlig gleichgültig. —
.Die Sonne könnte sich täglich um die Erde
drehen, Blitz und Donner könnten Äusserungen
dämonischer Mächte sein, und die Sterne könn‐
ten als kleine Leuchtkörper sich allabendlich
über unseren Häuptern durch Geister der Luft
entzünden lassen. —
.Alles das ist nur als durchaus unwesentlich
zu betrachten, wenn es sich um die letzte Wahr‐
heitserkenntnis, um das Erleben des Ewigen,
handelt...
.Irgendeine Fiktion zur Erklärung aller die‐
ser Erscheinungen würde dem Menschen eben
so dienen, wie das sicherste, durch allerlei
komplizierte Instrumente zu bestätigende Wis‐
sen um den naturgegebenen Zusammenhang.
.Wir bedauern die menschliche Willensrich‐
tung, die dem Menschen solches Wissen so un‐
gemein wertvoll erscheinen liess, weil sie ihm
seinen Weg zum Geiste mehr und mehr er‐
schwert. — —
.Er verliert durch all dieses Wissen eine
Welt der Gefühle, in der er heimisch blei‐
ben sollte. —
.Er schafft sich durch seine Instrumente gigan‐
tische Organe gedanklichen Erfassens, die zu
seinem gegebenen Erfassungsvermögen
durchaus in keinem harmonischen Verhältnis
stehen, und belügt sich selbst, wenn er
glaubt, durch diese, seinen wirklichen Wir
kungs-Möglichkeiten längst nicht mehr ent‐
sprechenden Verstandes-Erkenntnisse, der
Wahrheit, die er letzten Endes sucht, auch
nur um Fadenbreite näher zu kommen...
.Alles, was er so erreicht, ist das Bewusstsein
einer Ohnmacht in bezug auf die ihm gegebene
Gewalt, ein Gefühl der Disharmonie zwischen
'Wissen' und Erreichenkönnen. —
.Dieses Gefühl der Ohnmacht verleitet ihn
dazu, die ihm wirklich, aber in rein geistiger
Weise gegebene Macht gering zu schätzen,
während er zu gleicher Zeit mit Stolz auf seine
'Erfindungen' blickt, ohne sich bewusst zu wer‐
den, dass sie es sind, die ihm gerade das Beste
rauben, weil sie das Streben seines Willens in
durchaus das eigentliche Endziel fliehen
der Richtung erhalten...
.Er verliert den Sinn für das Relative in den
Gegebenheiten der Aussenwelt, verliert den
Sinn dafür, dass die 'Gesetze' der Natur, die er
so zu erkennen meint, — auch wenn er sie rich
tig erkannte, — doch nur bedingungsweise
gültig sind, und dass die Kraft des Geistes
zwar nicht die 'Gesetze' wohl aber die Be
dingungen der Aussenwelt zu ändern ver‐
mag..
.Das Ewige aber, das er mit all seinem Mühen
doch eigentlich immer klarer erkennen lernen
möchte, bleibt seiner Erkenntnis auf diese
Weise, solange er nicht die Richtung seines
Suchens wechselt, — dauernd fern. — — — — —
.Morgen schon könnte diese ganze Welt des
unermesslichen Raumes in Trümmer zerstäu‐
ben, ein neues Weltenall mit ganz anderer Be‐
dingtheit könnte die Räume erfüllen, 'Natur‐
gesetze' könnten zur Wirkung kommen, von
denen all eure 'Wissenschaft' noch nichts
ahnt, und doch hätte sich nichts geändert im
ewigen Geiste, den es durch Erleben zu er‐
fassen gilt. — — —
.Eitel und eintägig ist alles stolze 'Wissen'
das ihr im Äusseren zu erreichen sucht, — eitel
und eintägig ist alle vermeintliche 'Erkennt‐
nis' die noch der Krücken philosophierenden
Denkens bedarf, — aber das durch Erleben
bewirkte Erfassen des Wesenhaften macht
aus dem ungelehrtesten Bettler, der, nichts von
allem ahnend, was ihr 'Kultur' und 'Fortschritt'
nennt, in seiner Hütte im Walde sitzt, und nur
von den milden Gaben der Pilger lebt, die den
Dschungel durchwandern müssen, — — einen
ewigen König aller Welten, — einen Mei
ster alles Lebens. — — — — — — — — — —
.Wohl sollt ihr nicht, einem solchen Yogi
gleich, in den Urwald ziehen, wohl ist es er‐
wünscht, wenn der Schüler der Weisheit, der
im Abendlande wohnt, so viel von dem äusseren
Wissen seiner Zeit sein eigen nennt, dass er in
der Sprache seiner Zeit zu den Menschen seines
Landes zu sprechen weiss, allein, alle äus
sere Wissenserkenntnis darf ihm den Weg nicht
verbauen, der ihn erlebend zum Wissen des
Geistes führt, darf ihm keine Fessel werden,
die sein Schreiten hindert! — —
.Erst wenn er sein äusseres Wissen über
wunden hat, darf er ernstlich hoffen, das ge
wisse 'Wissen' im Erleben des Geistes in
sich zu finden! — — — — — — — — — —»
13 Das Buch der Gespräche
.Ein anderes Mal kam die Rede darauf, wie
das Erleben des Erdendaseins, im Lichte
des Geistes betrachtet, zu werten sei, und
der Erhabene begann zu sprechen:
.«Du sollst dein Erleben schleifen, wie man
den Diamanten schleift, — in seinem eige
nen Staube!...
.Du sollst dein Erleben 'fassen' — wie einen
kostbaren Edelstein! — —
.All dein Erleben muss sich in klare Facet
ten schleifen lassen, damit es das Licht des
Himmels gleichsam: wie in geometrisch geord‐
neten Formen, wiederstrahle. —
.Wie ein Goldschmied sollst du bedächtig den
'goldenen Ring' zu schaffen wissen, der deinem
'geschliffenen' Erleben die würdige 'Fas
sung' werden darf!
.Du selbst bist dein Erleben! —
.Du selbst bist die 'Fassung'! —
.Du selbst bist der Edelstein-Schleifer
und der Goldschmied deines Lebens-Rin
ges! —
.Was du so schaffen wirst, — schenke du
dem Unendlichen! —
.Dich selbst — schenke dem Unendlichen,
als ein Geschmeide!...
.In seiner Schatzkammer wirst du sicher
und geborgen sein. — — —
.Als ein Kleinod des Herzens wird dein
Erleben ewig im Lichte der Ewigkeit
strahlen! —»
21 Das Buch der Gespräche
.Der Allbarmherzige, der Erbarmer, — sein
Name sei gelobt, — ist gleich einem Schah-in‐
Schah, der über alle Königreiche der Erde
herrscht.
.Er setzt, in Gerechtigkeit und Liebe, Könige
über die Länder der geistigen Welt und gibt
ihnen Macht und Weisheit, auf dass sie das An‐
vertraute verwalten können, aber ihm allein
bleibt dennoch alles Land. —
.Im innersten Herzen, in euch selbst, ist ein
Vorraum, gross wie ein Senfkorn, und in ihm
eine kleine Pforte, kleiner als das kleinste
Sonnenstäubchen.
.Durch diese Pforte muss sich zwängen, wer
zum 'innersten Osten' will! — —
.Ist er da hindurch, dann wird er hinter der
Pforte ausgebreitete Länder finden, — eine ewige
'Erde' — ein 'Indien' aller Indien, — ein 'Ge‐
birge' aller Gebirge...
.Dort wird er sein Reich gegründet finden, von
aller Ewigkeit her.
.Bevor er aber zu seinem Reiche hingelangen
kann, das in jenen Landen ihm verliehen wird
von jenem Schah-in-Schah, der dort von Ewig‐
keit zu Ewigkeiten herrscht, muss er an den
heiligen Strom gelangen, der ewig im
Kreislauf um das Innerste der Lande fliesst,
der keine Quelle und keinen Abfluss hat, —
der stets sich selbst erzeugt und sich selbst
verschlingt...
.Dort wird er den 'Fährmann' finden und der
Fährmann wird ihn nach seinem 'Namen'
fragen. —
.Weiss er hier seinen 'Namen' nicht, so muss
er unweigerlich sogleich zurück auf die äussere
Erde.
.Doch, wenn er dem Fährmann Antwort geben
kann, so wird er ihn übersetzen auf die an
dere Seite des Stromes, wo er alsdann im —
'innersten Osten' ist. — — —
.Dort wird er den Führer finden, der ihn zum
'grossen Gebirge' im 'innersten Osten' hingelei‐
ten wird.
.Dort wird er inmitten ewig schneebedeckter
Höhen plötzlich ewig grüne Matten voll
blühender Blumen finden, so dass er sich
vor Staunen kaum zu fassen wissen wird.
.Dort wird er die ragenden Kuppeln eines him‐
melhohen Tempels erspähen, — und wenn er
endlich anlangt und ihn betreten darf, — dann
wird er in diesem Tempel auch die 'weisen
Männer des Ostens' sehen, nach denen er
bis hierher stets vergeblich suchte.» — — — — —
— — — — — — — — — —
.Als aber die Frager weiter fragten, ob es denn
unumgänglich nötig sei, die «weisen Männer»
des Ostens zu finden, wenn einst die Seele ihr
geistiges Reich erlangen wolle, sprach der Weise:
.«Ihr wisst noch nicht, was ihr da fragt! —
.Wer das Reich seiner Seele finden will, dem
muss von innen her dabei geholfen werden. —
.Helfen aber können nur jene Wenigen,
die im 'innersten Osten' leben, und die der
Allerbarmer mit Macht begabte, ihren 'Brü‐
dern im Dunkel' Licht zu spenden, sobald
deren Wille und nicht nur ihr 'Wünschen' ernst‐
lich nach solchem Lichte verlangt. — — —
.Also müsst ihr die 'weisen Männer des Ostens'
in euch finden, wenn ihr jemals das Reich,
das in euch ist, erlangen wollt! — — — — — —»
29 Das Buch der Gespräche
.Bis dahin war der andere noch des Gesalb‐
ten Schüler, auch wenn er längst bereits unter
den Meistern der sieben Tore ein Meister
war...
.Nun spricht der Scheidende zu ihm:
.'Heute will ich dich zum Wege machen,
denn ich selbst war 'Weg' und habe mich selbst
überschritten.
.— Zwei sind fortan eines und aus zweien
wird der dritte, — — darin verbirgt sich das
Geheimnis, in dem nun du mit mir vereinigt
wirst! — — — — —
.Stets dreht sich der Kopf des Janus!
.Der Alte weicht dem Jungen und der
Junge muss der Alte werden. — — —
.Beide aber gebären aus sich den dritten, —
den einen, der immer im Dasein bleibt, und
da sein muss, wo immer 'Dasein' ist...
.Was mitten durch die Kette strömt, gibt
Leben dem Alten, dem Jungen, und dem,
den sie beide aus sich erstehen lassen! —
.So in die Kette verwoben durch alle kommen‐
den Gezeiten, spende du nun das Licht, das in
uns beiden leuchtet! —
.Dieses Kleid der Erde lege ich nun ab.
.Was es barg, lege ich in deine Hand!
.Mich selbst verberge ich nun in dir, denn
zu jenen gehöre ich, die bei den Menschen
dieser Erde helfend bleiben, und du gehörst
in gleicher Weise zu uns! — — —
.Niemals können wir die Erde verlassen, nicht
in dieser und nicht in einer kommenden
Weltenperiode, ehevor nicht der letzte der
Menschen einging ins Licht! —
.Es ist auf Erden kein Mysterium, das
diesem gleicht! —'
.So geht der Geist des Gesalbten ein, in den,
der vorher sein Schüler war, und beide sind nun
eines.....................................»
32 Das Buch der Gespräche
.Es war noch damals, als ich erst meines hohen
Guru Schüler war. —
.Es war noch damals, als ich erst beweisen
sollte, dass ich ein «Bruder» meines Meisters
werden könne...
44 Das Buch der Gespräche
.Zum Reiche der Seele muss jeder dieser
Geistesfunken, will er sich seine Welt ge
stalten und sich selbst in seiner Wirkung
finden.
.Vorher ist nur ein Wissen um sich selbst in
ihm, als ein Wissen um sein reines Sein. —
.Im Reiche der Seele erst wird er seiner
eigenen Wirkungskräfte bewusst. — — —
.Im Reiche der Seele erst kann er nach
seiner Göttlichkeit in sich verlangen und erst im
nach «Gott» verlangenden Geiste kann sich
das «Destillat» des Geistes gestalten, kann
sich sein lebendiger «Gott» im Geistesfunken
«gebären». — — — — — — — — — —
.In jener ewig kreisenden, ihrer selbst allein
in ihrer unermesslichen Grösse bewussten
«Geistessonne», die ewig ihre «Funkensonnen»
in den geistigen Raum ersprüht, — dort ist kein
Bedürfen nach einem «Gott», denn dort ist
alles nur leuchtende Einheit des Seins...
.Damit aber «Gott» sein könne, muss etwas
Empfindendes sein, das nicht «Gott» ist,
nicht nur in sich selber kreist, in sich
selbst genug und vollendet...
.Wie das weisse Licht des Tages sich
zerspalten lässt in helle und dunklere Farben,
also muss sich die Ur-Einheit des Geistes
gleichsam zerteilen in mancherlei Strahlen,
wenn «Gott» sich im «Geiste» gebären kön‐
nen soll...
.Es müssen farbige Dunkelheiten im an
sich farblos weissen Lichte des Geistes wer‐
den, damit das gold-weisse Licht der Gott
heit sich zeigen kann. — — — — —
.Dazu aber dient das Reich der Seele.
56 Das Buch der Gespräche
.«Diesen Tempel», sprach der eine der beiden
Männer, «hat einst, vor Jahrtausenden, einer
der unseren begründet, und manches Jahr‐
hundert hindurch standen seine Priester unter
unserer Leitung...
.In der Sage des Volkes hiess es dann später,
einer ihrer Götter sei der Gründer des Heilig‐
tums gewesen.
.Der Ort, an dem wir lagern, ist heute noch
geheimnisvoll, nur wissen die Menschen dieser
Zeit nichts mehr von seinem Geheimnis...
.Wo immer einer der unseren in alter Zeit ein
solches Heiligtum begründete, dort suchte er
sich eine Stätte, an der es gelingen konnte, ge
wisse fluidische Kräfte der Erde zum
Überquellen zu bringen, was durchaus nicht an
allen Orten auf diesem Planeten möglich ist.
.Heute sind diese Quellen fluidischer Kräfte
zwar an den meisten dieser Orte längst versiegt,
aber noch immer sind die Kräfte, die einst hier
wirksam werden konnten, an solchen Orten wie
auf einen Anziehungspunkt konzentriert, die
Kräfte folgen noch den gleichen Bahnen, die
einst den Schöpfer des Heiligtums bewogen
hatten, an dieser Stätte einen Tempel zu be‐
gründen und Priester zu heiligem Dienste heran‐
zubilden.
.Die Priester dieser Tempelheiligtümer waren
keineswegs von Anfang an jene «Betrüger», für
die man sie heute halten muss, da man nichts
mehr von den geheimnisvollen Kräften ahnt,
die an solchen Orten zur Betätigung kamen,
durch eine wahrhafte Magie, von der die Welt
nur noch den Namen kennt und ihn dem Be‐
trug und der Täuschungslust als Mantel ver‐
liehen hat...
.Es gab eine wahrhaftige hohe Magie, und es
gab magische Stätten auf dieser Erde, ja,
man könnte sie jetzt noch finden, wenn man zu
suchen wüsste.
.Dieses «Suchen» jedoch ist den Menschen
der heutigen Zeit nicht mehr möglich, denn
sie haben allmählich die Kräfte in sich verküm‐
mern lassen, die sie zum erfolgreichen Suchen
benötigen würden. — —
.Der Mensch ist enger mit den Kräften der
Erde verbunden, als er, dem blossen Augen‐
schein zu sehr vertrauend, glauben kann.
.Unzählige Kräfte dieser Erde wären ihm un‐
tertan, wenn er in sich jene Macht zur Ent‐
faltung bringen würde, der diese Kräfte Gehor‐
sam leisten müssen...
.Wenn man es lehren könnte, diese Macht in
sich zu entfalten, dann würde gar bald alle Welt
zu eines solchen Lehrers Füssen sitzen. —
.Die Entfaltung dieser Macht ist aber an ein
inneres Wachstum gebunden, und bevor es
nicht im Innersten eines Menschen licht und
klar geworden ist, so dass er bei geschlossenen
Augen alles was er sehen will, in sich selber
sieht, kann er die Macht in sich nicht finden,
noch jemals gebrauchen lernen.
.Er ahnt nicht einmal wovon man spricht,
auch wenn man ihm von der Macht in seinem
eigenen Innern redet. — — — — —
.Auch wenn man von dem 'Sehenkönnen bei
geschlossenen Augen' zu sprechen wagt, weiss
keiner, was das ist, und die meisten glauben,
sie vermöchten das längst, weil sie die Gebilde
ihrer Phantasie mit wahrer Innenschau ver‐
wechseln. — —
.Was es heisst, dass alles im Innern klar und
leuchtend werden müsse, vermögen sie nie‐
mals zu erfassen, und sie glauben, dass die
Klarheit des Verstandes, das logisch auf‐
gebaute Denken, — diese Klarheit sei. — — — — —
.Sie ahnen noch nicht, dass es über diesem
vielgepriesenen 'Denken' das für immer zu
Ende ist, wenn der Erdenleib zerfällt, noch ein
anderes Denken gibt, bei dem der Gedanke
selbst lebendig und seiner bewusst wird, so dass
er, losgelöst von allem erdgebundenen 'Den‐
ken' sich selbst zu denken vermag. — — — — —
.Da gibt es kuriose 'Lehrer' in meinem Lande,
und sie fanden auch den Weg zu euch ins Abend‐
land, — die ihre Schüler dazu erziehen wollen,
'die Gedanken zu beherrschen' und sie sehen
darin alles Heil, weil sie eine leise Spur der
Wahrheit gefunden haben, und entdeckten,
dass irgend etwas hier mit dem Gedanken
zusammenhängt...
.Wenn diese Törichten fassen könnten, dass
kein Mensch je zur Wahrheit gelangen kann,
in dem nicht der lebendige, seiner selbst
bewusste Gedanke aus dem Schlafe er
wacht, und Herr und Meister wird, dann
würden sie voll Entsetzen sehen, wie sie sich
selbst und andere einer zwecklosen Marter
unterwerfen, die schon so manchen an den Rand
des Wahnsinns, wenn nicht zu völliger Um
nachtung seines Denkens führte...
.Sie lassen ihre Schüler stille sitzen und sich
auf einen einzigen Gedanken des Gehirns nun
'konzentrieren'.
.Sie wollen es soweit bringen, dass sie selbst
und ihre Schüler minutenlang und länger ohne
jeden Gedanken zu verharren vermögen, und
glauben so das Licht der Wahrheit endlich zu
empfangen.
.Alles aber, was sie so erreichen, ist eine Zer
rüttung der Nerven und des Gehirns in
diesem physischen Körper. — —
.Die 'Erlebnisse' geistiger Art, die sie zu haben
vermeinen, sind niemals etwas anderes, als die
Ergebnisse der widernatürlichen Reizung ihrer
physischen Nerven. — — —»
.«Demnach», sprach der andere, «sollte man
doch eigentlich vor aller 'Gedankenkonzentra‐
tion' und aller Beherrschung des 'Gedanken‐
lebens' lieber warnen?! —»
.Doch jener, der zuerst gesprochen hatte, fiel
ihm in die Rede und liess sich also vernehmen:
.«Mitnichten, mein Freund!! —
.Es kommt nur darauf an, was man er
reichen will, und wie man diesen Rat ver‐
steht! — —
.Wenn es sich nur darum handeln soll, jenes
'Denken' das durch die Vermittlung subtilster
physischer Organe, also durch das Gehirn
bewerkstelligt wird, und durch die gleichen Or‐
gane 'bewusst' zu werden vermag, von seinem
planlosen Schweifen abzubringen, dann
magst du stets empfehlen, alle Mittel anzuwen‐
den, um diese 'Gedanken' die nur Reflexe des
wirklichen Gedankens in den abertausend
Facettenspiegeln der Gehirne sind, jeweils auf
einen Punkt zu sammeln.
.Der denkende Mensch, der an sich noch nichts
anderes ist als ein höher geartetes 'Tier' wird
die Fähigkeit, auf solche Weise die Arbeit seines
Gehirns zu bestimmen, auf dieser Erde sehr
wohl gebrauchen können.
91 Das Buch der Gespräche
.Auch sollst du ihn lehren, seine 'Gehirn‐
gedanken' an Gehorsam zu gewöhnen, so dass
er nicht ihr Sklave wird. —
.Er soll lernen, jene Gedanken festzuhal
ten, die sein Tun bestimmen dürfen, allen
anderen aber keine Beachtung zu schen‐
ken. — —
.Er soll wissen, dass er nur seine Nerven zu‐
grunde richtet, wenn er unfruchtbare oder ver‐
derbliche Gedanken durch Kampf gegen sie,
aus sich entfernen will, dass er aber leicht ihr
Herr wird, wenn er sie völlig unbeachtet
lässt, wie sehr sie auch immer wieder sich in sein
Bewusstsein einzudrängen versuchen.
.Er muss wissen, dass er niemals, es sei denn
auf Kosten seiner Nerven, ohne Gedan
ken sein kann, dass es aber in seiner Macht
steht, den gewollten Gedanken sich hinzu‐
geben und die ungewollten dabei in aller
Ruhe, wie Bilder, die ihm nichts mehr zu sagen
haben, an sich vorüberziehen zu lassen. — — — —
.Solche stete Übung, die dann allmählich zur
Gewohnheit wird, schafft Ruhe und Ordnung
im Denken, das des Gehirns bedarf, und diese
Ruhe und Ordnung ist erste Vorbedingung,
will der Mensch einst dahin gelangen, den sich
selbst bewusst empfindenden, lebendigen
Urgedanken aus seinem Schlafe zu erwecken.
.Hat er ihn erst in sich erweckt, was allerdings
unter Zehntausenden kaum einem gelingt, nur
weil so wenige wagen, ihn zu erwecken, — dann
wird ihm alles 'Denken' wie er es vorher
gleich allen andern allein vermochte, nur wie
der Schatten eines Lichtes erscheinen, das er
bis dahin kaum in seinen fernsten Strahlen er‐
ahnte. — — — — — — — — — —»
92 Das Buch der Gespräche
.So musste ich nun die deutliche Unterschei‐
dung setzen zwischen dem, was die Menschen
'Denken' nennen und dem lebendigen, sei
ner selbst bewussten Gedanken, der in uns,
die wir ihn erweckten, aller 'Meister' Meister
ist, da doch nur er allein jene Macht uns gab,
durch die wir geheimen Kräften der Erde ge‐
bieten können.
.Sage nun aber den Menschen des Westens,
dass sie diese Macht in irriger Weise ver‐
stehen, — sage ihnen, dass keiner aus ihnen diese
Macht erlangen kann aus sich selbst, —
dass nur einer ist, der den Schlüssel zu dieser
Macht in Händen hält, und dem auch wir sie
danken, — dass aber auch wir sie nicht empfan‐
gen hätten, wäre nicht vorher in uns der le
bendige, seiner selbst bewusste Ge
danke aus seinem vieltausendjährigen Schlafe
erwacht, wäre er nicht in uns zu unsterbli
cher Herrschaft und Herrlichkeit ge‐
langt! — — — — — — — — — —
.Die Menschen glauben noch immer, diese
Macht sei Folge einer äusseren Tätigkeit,
verlange von dem, der sie besitzt, die Ausübung
'magisch' genannter Künste, und ihre Wirkung
sei an 'Riten' und 'Zeremonien' gebunden.
.Du sollst nicht verbergen wollen, dass es auch
eine Art niederer und nur zeitweiliger Herr‐
schaft über gewisse geheime Kräfte der Erde
gibt, die durch solcherlei Übung bewirkt wer‐
den kann, — allein du sollst mit aller Deutlich‐
keit auch verkünden, dass alles dies keines
wegs mit jener Macht über Kräfte dieser Erde,
und durch sie über kosmische Kräfte, in Be‐
ziehung steht, die man als die erhabene Magie
des Geistes bezeichnen darf. — — —
.Die 'Magie' die durch äussere Mittel,
durch 'Riten' und 'Zeremonien' wirkt, und an
die Ausübung gewisser äusserer Verrich
tungen gebunden ist, steht in dem gleichen
Verhältnis zur Magie des Geistes, wie der
'Gedanke' der das Gehirn zu seiner Darstel‐
lung gebraucht, zu dem ewigen, seiner
selbst bewussten und sich selbst denken‐
den Gedanken. — — —
.Versuche es, den Menschen des Westens Klar‐
heit darüber zu geben, dass das einzige Wir‐
kungsmittel der göttlichen Magie des Geistes
der Wille ist, den kein Wunsch mehr be
herrscht, und dass dieser Wille über weite
Reiche der geheimen Kräfte der Erde gebietet
durch sich selbst. —
.Schenke ihnen Klarheit darüber, dass wir
selbst uns in enge Bindung an ewige Gesetze
geben mussten, als wir diesen wunschlosen
Willen in uns erlangten, dass wir in keiner
Weise mehr tun können, 'was wir wollen',
wobei der Mensch der Erde gemeinhin sein
Wünschen als Wollen fasst, sondern dass wir
uns einem ewigen Willen einen mussten, der
nun in unserem Willen sich selber will, ohne
Rücksicht auf unsere Wünsche, wenn sie ihm
entgegenstehen wollten. — —
.Sage den Menschen, die du lehren magst, dass
wir alle unsere Wünsche dem ewigen Willen
ein für allemal unterordnet haben, so dass
unser Wille frei ist von jedem Wunsch und
nur aus sich selber wirkt, im Dienste des
ewigen Willens und aufs innigste mit ihm
vereint...
96 Das Buch der Gespräche
.Wir wollen, dass eine neue Zeit tiefsten
geistigen Lebendigwerdens auf dieser Erde
beginnen möge, und wir glauben, dass die Völ‐
ker des Westens einst die reifen Früchte
mit uns teilen werden, die sie aus dem
Samen, den wir durch dich ihnen gaben, er‐
zielen können...
100 Das Buch der Gespräche
.Lehre die westliche Welt, dass die magischen
Kräfte auf dieser Erde nicht verschwunden
sind, und dass sie nur einer neuen Menschheit
harren, um sich aufs neue zu betätigen.
.Lehre alle, die dich fragen, wie sie den magi‐
schen Pol in sich selber wieder zum Leben brin‐
gen können.
.Lehre sie, dass Bereitsein, hohen Kräften
zu begegnen, diese Kräfte wieder ins Leben
rufen kann!
.Lehre sie, dass aller Anspruch auf höheres in‐
neres Erleben sich nur auf die innere Hal
tung gründet, niemals auf die Heftigkeit des
Wunsches!
.Lehre sie, dass nur in völliger Ruhe der
Seele die Botschaft des Geistes zu empfangen
ist!
.Lehre sie, dass die Fähigkeiten ihrer
Seele nur zum allerkleinsten Teil sich
ihrem Bewusstsein zeigen!
.Lehre sie, auf nichts sich zu verlassen, als auf
das eigene innerste 'Ich' das alle Hilfe
automatisch herbeizieht, deren es bedarf!
.Alles Vertrauen, so sage ihnen, muss Ver‐
trauen zum Leben, zum eigenen 'Ich' muss
Selbstvertrauen sein!
101 Das Buch der Gespräche
Aberglauben ausliefert, hielt es die 'Weiße
Loge' an der Zeit, diesem Unfug entgegen‐
zutreten, und da sie niemals etwas Schäd‐
liches bekämpft, auch wenn sie es beim
rechten Namen zu nennen pflegt, so steuert
sie dem Wahn lediglich dadurch, daß sie
durch eines ihrer Glieder, das die nötigen
Voraussetzungen besitzt, die Wahrheit vor
aller Augen darstellen läßt.”
50 Das Geheimnis
.„Abgesehen davon” erwiderte der Jün‐
gere, „daß Ihnen kein Angehöriger der 'Wei‐
ßen Loge' mehr sagen würde, als was Sie
nach seiner Beurteilung zur Zeit vertragen,
51 Das Geheimnis
.'Sie haben da im Bilde einen gewissen
geistigen Zusammenhang erkannt, denn die
Voraussetzungen, die es ermöglichen, daß
Sie mein Schüler werden können, haben Sie
tatsächlich Ihrer Mutter zu danken, in de‐
ren Ahnenreihe allmählich die physischen
Körperzellen jene Umwandlung erfahren
haben, durch die Sie aufnahmefähig zu wer‐
den vermögen für das praktische Erken
nen, dem ich Sie zuführen soll.
145 Das Geheimnis
.In Ihrem allerinnersten Innern sollen
Sie durch geistige Kraftübertragung
gewandelt werden, bis Sie — falls es Ihr
physischer Organismus erlaubt — bei
wachen irdischen Sinnen fähig sind,
sich, wie einer der Weisesten Ihres Glaubens
sagt: zu dem siebenten der Himmel zu er‐
heben!!
150 Das Geheimnis
.Unser eigener Leib ist letzten Endes
für den Geist die Höhle der Erlösung;
ist die 'Erde', in deren innerste Tiefen wir
erst hinabsteigen müssen, um in ihnen den
Grund zu legen, der unseren geistigen Tem‐
pelbau tragen kann. —
.Die meisten aber möchten ihren geistigen
Tempel erbauen, indem sie — noch törichter
als jene sagenhaften Erbauer des Turmes zu
Babylon — zuerst die Kuppel zu wölben
versuchen, und sind dann gar sehr betroffen,
wenn ihr Werk alsbald in sich selbst zusam‐
menstürzen muß. —
.Sie fangen im Kopfe an und wölben
kühne Gedankenbogen, bevor sie im Inner
sten des Leibes, mit allen Fasern füh
lend, fest zu verankern wußten, was die
Kuppel stützen und tragen könnte! —
*
.Das Herz ist der Mittelpunkt des körper‐
lichen Lebens, und wenn es zu schlagen auf‐
hört, hat dieses Körpers Leben sein Ende
gefunden.
.Aber es ist durchaus nicht nur poeti
sches Bild, wenn dem Herzen auch in be‐
zug auf seelisches Fühlen und Erleben, bei
allen Völkern und zu allen Zeiten die bedeut‐
samste Wertung wird! — —
.Gewiß kann kein Anatom im Herzen des
Körpers jemals die Seele finden; aber alle
unsere körperlichen Organe entspre
chen korrelativen seelisch-geistigen
Organen, und wenn nun in geistiger Bedeu‐
tung vom 'Herzen' gesprochen wird, so ist
nur vom Herzen des geistigen Organismus
die Rede, dessen Regungen jedoch zum Her‐
zen des Körpers — während des Erdenda‐
seins — in steter Wechselbeziehung sind: so
daß gleichsam das Herz des Erdenleibes den
Resonanzboden bildet, durch dessen ver‐
stärkende Wirkung uns Menschen alles see‐
lisch-geistige Erleben mit größtmöglichster
Klarheit zu Bewußtsein kommt. — —
.Auch das Tier hat ja die gleichen Kör
perorgane, aber es fehlt ihm der gei
stige Organismus, der ihnen entspräche,
und was man so gemeinhin die 'Seele' des
Tieres nennen kann, ist nichts anderes als
der Gesamtkomplex seiner feineren
fluidischen Körperkräfte, die man ja,
in Unkenntnis befangen, meist auch beim
Menschen schon der 'Seele' zuzurechnen
dürfen glaubt...
.Der dem Tiere gleiche Leib ward einst des
aus seinem geistigen Urzustande 'gefallenen'
Geistesmenschen selbstgesuchte Zu
flucht, und dieser gleiche Tieresleib, in dem
er sich nun findet, sobald 'seine Zeit' gekom‐
men ist, wird ihm auch zur 'Höhle der Er
lösung', denn der Geist verlor auch in sei‐
nem 'Falle' keineswegs die Schöpferkraft,
so daß er sich selbst den Formen des
Tierleibes gleichzubilden wußte, so
allein erst auf Erden erlösbar werdend, da
er nur so dem Bewußtsein des Men
schentieres erfaßbar wird. — — —
*
Wer dieses unsagbar tiefe Mysterium in sei‐
ner unermeßlichen Tragweite fühlend er‐
kannte, dem wird hinfort sein Erdenleib ge‐
wiß nicht mehr als Hinderung und lästiger
Ballast erscheinen bei seinem Streben nach
Bewußtwerdung im reinen Geiste...
.'Was ihr auf Erden bindet, soll auch im
Himmel' — im Reiche des reinen Geistes —
'gebunden sein, und was ihr auf Erden löset,
soll auch im Himmel gelöset sein.' —
.Es gibt keine wahrhafte Erlösung
für den Erdenmenschen, es sei denn:
im Leibe und leiblich empfindbar
durch den, seinem Leibe gleichge
formten, lebendig substantiellen
Geist!! — — —
.Erst wenn er in seinem ganzen Selbst
empfinden durch den Erdenleib, sei‐
nes gleichgeformten geistigen Lebens inne
wird, ist er 'in den Geist gelangt', und
dann erst darf er ohne Furcht vor Täu‐
schung seinem Denken zugestehen, die hohe
Kuppel zu wölben, die den Tempel des Gei‐
stes weithin sichtbar bekrönen soll. —
178 Das Geheimnis
.Diese 'Nacht' aber ist nichts anderes als
die mangelnde Fähigkeit, ohne des Körpers
Resonanz die Stimme des eigenen ewigen
Geistes, so wie es hier auf Erden möglich
wäre, zu vernehmen, denn jener 'Tempel',
den es zu bauen gilt, gleicht, mit anderem
Bildwort bezeichnet, einer Symphonie, die
nicht nur den Komponisten und sein Or
chester braucht, sondern auch den Hörer,
der sie aufzunehmen fähig ist! —”
179 Das Geheimnis
.Es lag mir sehr ferne, eine Lehre zu ver‐
künden, nach der alle verloren seien, die
nicht hier im Leibe der Erde sich ihrem gei‐
stigen, ewigen Bewußtsein zu einen ver‐
mochten.
.Ich sage nur, daß man hier auf Erden auch
den Leib der Erde nützen muß, um dieses
Ziel zu erreichen, daß man es ohne die Re‐
sonanz, die der Erdenkörper gibt, überhaupt
nicht erreichen kann, solange man auf
der Erde lebt, und ferner: daß sich der
ewige Geistmensch in uns dem Erdenkör‐
per so anzugleichen wußte, daß durch
dieses geistgeschaffene Verhältnis eine Mög‐
lichkeit der Erlösung entstand, die wir nur
ausnützen können, solange wir noch in
diesem Erdenkörper leben, dem sich un‐
ser Ewiges durch den 'Fall' in das Bewußt‐
sein des Tierkörpers verband. — —
.Daraus folgert aber durchaus nicht die ab‐
surde Annahme, daß sich nach der Loslösung
vom Erdenleibe überhaupt keine Möglich‐
keit der Erlösung fände!
.Aber während wir — noch an den Leib
der Erde gebunden — aktiv in dieses Er‐
lösungswerk einzugreifen vermögen und die‐
ses Leibes Kräfte uns dabei eine sehr wirk‐
same Hilfe bieten, wenn wir sie zu gebrau‐
chen wissen, — sind wir nach der Loslösung
zu völlig passiver Haltung gezwungen, und
was im Leibe der Erde in wenigen Jahr‐
zehnten erreichbar ist, kann alsdann —
nach irdischen Zeitbegriffen gesprochen
Jahrtausende, ja Äonen dauern!
— — —”
184 Das Geheimnis
.Wer aber den Geist in sich finden will,
der bleibe sich bewußt, daß er ihn nur der
Materie gleichgeformt zu finden vermag,
aber weder in Materie versunken, noch
über allem Materiellen, in erträumter we‐
senloser Vorstellung!
*
.So auch kann der Geist, solange er noch
nicht dem eigenen Bewußtsein des Men‐
schen sich einte, niemals des Menschen Be‐
wußtsein anders erreichen, als indem er die
Möglichkeit schafft, daß das ihm noch nicht
geeinte Bewußtsein empfindend teilzuneh
men vermöge am inneren Lichtesleben eines
Menschenbewußtseins, das bereits dem
Geiste vereinigt ist! — — —
.Diese dem Geiste restlos Vereinigten
auf unserer Erde, sind aber jene wenigen
Männer zu jeder Zeit, von denen ich sprach,
als von des Urlichtes Leuchtenden!
.Nicht dadurch, daß man einen, oder sie
alle kennenlernt, kommt man ihnen nahe,
denn dieses Nahekommen hängt weder
ihrerseits noch unsererseits von freier
Willkür, von persönlichen Wünschen ab,
— sondern nur die eigene, durch Tat
und Leben bewirkte innere Einstel
lung entscheidet, ob man an ihrem geist‐
geeinten Bewußtseinsleben teilzunehmen
vermag, oder nicht! — — — — —
.Wer aber fähig wurde — wenn auch nur
in leisester Erahnung — daran teilzuneh‐
men, den könnte auch kein Gott daran ver‐
hindern; und je mehr er sich in solcher
Fähigkeit zu befestigen vermag, desto
mehr wird ihm Kraft aus jener geistigen
Sphäre kommen, in der das dem Gottesgeiste
geeinte Bewußtsein dieser Meister des Er‐
kennens ruht; je mehr wird ihm Hilfe zuteil
aus jenen Strömen geistiger Allgewalt, in
denen ihr Wille ewig wirkend nach dem Ge‐
setz des Geistes waltet! — — —
*
.Wer dies einmal erkannte, ist schon weit
vorangekommen auf seinem Wege, der ihn
zur Einheit im Geiste in sich selber
führen soll!
200 Das Geheimnis
.Gar töricht erweisest Du Dich, mein
Freund, wenn Du in solcher Denkart Dich
gefangen geben willst!
.So sprechen nur enge Herzen und erd
gebundene Seelen, doch Dich sah ich wei
ter blicken bereits, und es waren entlege
nere Fernen, die ich Dich mit Adlerblick
erfassen lehrte!
227 Das Geheimnis
.Siehe, alles, was Dir Dein Verstandeswis‐
sen gibt, ist nur in dem kleinsten Teil Dei‐
nes Körpers — in Deinem Gehirn veran‐
kert, allein das Wissen, das Dir ewig Nah‐
rung bieten soll, muß Deines ganzen Kör
pers eigen werden!
.Darauf wollen wir weiterbauen!
.Daraus soll Dir die Gewißheit werden,
daß Dein Körper Dir vonnöten ist,
willst du zu völliger Erkenntnis kommen!
— —
.Nicht von heute auf morgen ist solche Er‐
kenntnis zu erlangen, aber wer sie aus tief‐
stem Herzensgrunde sucht, dem wird sie
sicherlich werden! —
*
.Wie jede tiefere Erregung Deiner Seele
alsbald Deines ganzen Körpers Atome mit
schwingen läßt, so muß auch Dein Körper
willig sich bewegen lernen, wenn Geisti
ges Dein Bewußtsein berührt.
.Was Dir auch nahekommen mag, von gei‐
stigen Dingen: Du wirst es erst wahrhaft
erfassen und dann nur restlos Dir zu eigen
werden sehen, wenn jede Faser Deines
Erdenleibes greifend danach verlangt, um
so, wie zwei Hände einander finden, sich als‐
dann ergreifen zu lassen!
.Nur in solcher „„Ergriffenheit””, auch
Deines ganzen Körpers, wird sich Dir eini‐
gen können, was vom Geiste her zu Dir
kommt; und anders wird wahrhaft Gei
stiges niemals erlangt, als durch vollkom‐
mene Vereinigung! — — —
*
.Über Geistiges nachzudenken, mag
Dich wohl in gewisser Weise fördern, allein
zum Ziele führt es nicht!
.Wohl kannst Du Dir manches Wissen die‐
ser Erde auf solche Weise erwerben, aber so‐
bald Du einmal dieser Erde Leib verlassen
mußt, wird solches Wissen Dir verloren und
zu nichts mehr nütze sein!
.Geistiges Wissen ist wahrlich anderer
Art!
.Es kann Dir nur werden, wenn Du mit dem
Gegenstande dieses Wissens Dich zu ver
einigen vermagst! — — —
.Während vergängliches Wissen stets
nur ein Be-greifen, ein Er-fassen, ein
Ent-decken, ein Er-finden, ein Er
schließen ist, handelt es sich beim geisti
gen, ewig bleibenden Wissen um ein Inne
werden! — —
.Du kannst im Geistigen nichts erlangen,
es sei denn, Du selber läßt Dich in Deinem
innersten Innern durch das Geistige wan
deln und wirst, was Du erkennen
willst! — — — — —
*
.Das erscheint Dir heute noch unsagbar
schwer, da Dein Denken noch nicht gelernt
hat, Deinem Willen zu gehorchen.
.Nicht eher aber kannst Du Geistiges ver‐
nehmen in Dir selbst, als bis Du Deinem
Denken Schweigen zu gebieten vermagst
und seinem vorlauten Wichtigtun wehren
lerntest!
.Später, wenn Du dereinst im Innewerden
zur Erkenntnis in Vereinigung gekom‐
men bist, wirst Du Dein Denken reichlich
entschädigen können für die Zurückhaltung,
die Du ihm vorher auferlegen mußtest!
.Dann wirst Du ihm eine neue Unterlage
für sein Wirken geben können, auf der es
sodann in gleicher Sicherheit bauen mag,
wie dort wo die Sinnenwelt ihm Funda‐
mente bietet. — —
.Die Kraft des Denkenkönnens ist eine
wundersame Gabe, allein sie kann Dir dort
nur Segen bringen, wo Du ihr selbst die
sichere Unterlage gibst. — —
.Du darfst nicht durch Dein Denken erst
diese Unterlage schaffen oder finden zu
können wähnen, wenn Du nicht einem Wahn
erliegen willst, der in den Gehirnen schon
seit den frühesten Zeiten der Erden‐
menschheit bis auf unsere Tage, tausend‐
fachen Irrtums Ursache ward! — — —
.Man scheitert stets aufs neue daran, daß
man erdenken möchte, was allein im Inne‐
werden zu erleben ist und dann erst Ma‐
terial des Denkens werden kann.
.Man glaubt in seinem Denken Geistiges
zu erkennen und weiß nicht, daß Geistiges
nie in Gedanken faßbar wird, bevor man
es erlebte, da es nur im Erleben wahrhaft
empfunden werden kann; in einem Erleben,
das nichts mit gedanklichem Erkennen ge‐
meinsam hat. — —
*
.Jenseits allen Denkens, die Gedanken an
sicherem Halfter zügelnd, als Beherrscher
Deines Denkens, sollst Du das Erschau
bare in Dir selbst erschauen lernen durch
Versenkung in Deine innerste Tiefe: — als
dann erst darfst Du Deinen Gedanken Frei‐
heit geben, und dann erst werden Deines
Denkens Schlüsse Geistiges aus Geisti
gem zu erschließen vermögen! — —'
233 Das Geheimnis
.'Gewohnt von Jugend auf, nur in Deinem
Denken letzte Entscheidung zu suchen, hast
Du die Kraft in Dir verkümmern lassen,
durch die Dir Gewißheit im Innewerden
kommen soll!
.Aber alle Gewißheit, die Dir Dein Denken
jemals geben kann, ist nur wie ein Schatten‐
bild jenes gewissen Wissens, das Dir im
Innersten wird, sobald Du es vermagst, Dich
über Dein Denken zu erheben und selber
einzugehen in jenes Reich, davon Dein
Denken Dir niemals Kunde bringen kann.
.Du selbst mußt Deinem Denken von je‐
nem Reiche Kunde bringen, wenn es auch
hier sich bewähren soll! — —
237 Das Geheimnis
.Urzeitigen Falles Versklavter, warst Du in
düsterste Nacht versunken, aus der nur gött‐
liche Kraft Dich zu befreien wußte.
.Selbsteigenen Willens Gebundener an die
Macht der Herren dieses äußeren physischen
Kosmos, ein Höriger des „Fürsten dieser
Welt”, wurdest Du Deiner Gedanken
Beute, — Du, der vordem Herr allen Den‐
kens war! —
.Aus solcher Hörigkeit gilt es Dich
zu lösen! — —
.Wäre jener nicht über diese Erde ge‐
schritten, von dem ich vordem sprach: jener,
den wir den Größten der Liebenden nen‐
nen, so würde nur wenigen erreichbar das
Ziel, von dem ich Dir künde...
.Er aber vermochte es, die „Aura” dieser
Erde so zu wandeln, daß alle, die da „guten
Willens” sind, einzugehen ins Licht, auch
die Kraft empfangen, die ihres Willens
Sehnsucht Erfüllung werden läßt. — —
.So können heute gar viele ihre „Erlö
sung” finden, die ohne seine Liebestat auf
Golgatha nur Opfer der Vernichtung hätten
werden müssen, — zum mindesten jedoch
äonenlanger Qualen Beute, bevor Befreiung
und Errettung ihnen hätte werden kön‐
nen. — — —
.Du hast es durch ihn nun leicht, Dich
selbst zu lösen, so Du Dich er-lösen
willst! —
*
.Laß fahren alle erdachte Weisheit und
scheine sie Dir auch „Götterwort”, um zu
jener Weisheit aus Tat und Leben hinzu‐
finden, die auch der Weisesten dieser Erde
hohe Lehren nicht ergründen, da sie in Tie‐
fen ankert, die kein Denken je ermessen
kann! — — —
.Die Einfalt des Kindes suche in Dir
zu erreichen, durch die Du vermagst, aus
Deiner vielfältig gewundenen Enge Dich
zu lösen, in der Dich gebunden hält, was
nicht Du selber bist! — —
.Es ist wahrlich leichter, daß ein Kamel
— und sei es auch nur ein Seil aus dessen Haa‐
ren — eingehe durch ein Nadelöhr, als ein
nach irdisch gerichteter Geistigkeit „Rei‐
cher” in das Himmelreich!!
*
.Das heißt: daß alle Verstandesweisheit
nur zur Torheit wird, wo es gilt, den Geist
des Lebens in sich selbst zu finden! —
.Hier gibt es kein „Training”, keine Schü‐
lerübung, die zum Erfolge führt, und nichts
kann sichere Gewähr verheißen, als nur die
Tat und waches, tatbereites Leben! —
.In wacher Tat nur kann der Strebende
hier vorwärts kommen, und so nur erschließt
sich ihm ein Geheimnis, das er vergeb
lich zu ergründen sucht, solange er noch in
Gedanken darum buhlt! — — —
.Hat er erkannt, um was es sich handelt,
dann wird er lächelnd seiner Torheit ge‐
denken, die vordem ihm erreichbar scheinen
ließ in menschlichem Erdenken, was nun
erfaßbar nur sich zeigt durch die hohe
Gnade. — —
246 Das Geheimnis
.Ach, daß so viele zwar den glühendsten
Wunsch in sich tragen, das Endziel zu er‐
reichen, aber sich nicht zur Einsicht erheben
können, daß dieses Endziel sich nur errei‐
chen läßt, wenn man den Anfang des Weges
mitten im Alltag sucht, und dann von hier
aus stets die nächste Wegstation als
erstes Zwischenziel ins Auge faßt, bis man
sie erreichte, um dann die wieder nächste
sich zum Ziele zu setzen! —
.Statt dessen glaubt man schon den An
fang des Weges nur finden zu können, in‐
dem man dem Alltag entflieht und eine
Welt sich aus der Phantasie erbildet, die
nur der Vorstellungskraft ihr Dasein
dankt! — —
248 Das Geheimnis
.Man weiß sich nicht in Zucht zu nehmen,
um in Beharrlichkeit den Weg des Le
bens zu durchschreiten: möchte vielmehr
am liebsten morgen schon am Ziele sein, und
schafft sich so selbst die Täuschung, der
man dann erliegt in einer trügerischen
Wonne, die zu Ende ist, wenn dieser Erde
Leib die Kräfte nicht mehr nährt, aus de‐
nen man sich seine Scheinwelt zu gestalten
wußte. — —
249 Das Geheimnis
in‐
dem Du den Weg des Lebens, den Weg der
wachen Tat von Anfang an beschreitest, um
ihn von Ziel zu Ziel bis zum Endziel hin
zu durchwandern, ohne danach zu fragen,
wann Du das Endziel erreichen wirst!
250 Das Geheimnis
.Es ist dieser „Anfang” nichts anderes als
das Erkennen, daß man auch sein alltäg
liches Leben vom Standpunkt eines ewi
gen Lebens her betrachten und auswirken
kann. — — —
.Die erste Aufgabe ist nun: sein Alltags‐
leben als einen Teil seines ewigen Lebens
betrachten zu lernen und in eiserner Be
harrlichkeit alle Verpflichtung des All‐
tagslebens so zu erfüllen, daß man gewiß
zu sein glauben darf, in aller Ewigkeit nichts
zu bereuen zu haben, was man in diesem All‐
tagsleben tun oder unterlassen mag.
.Das erste Wegziel, das es zu erreichen
gilt, besteht darin, daß man jene Ruhe des
sicheren Gewissens erreiche, die solcher
beharrlichen Erfüllung der Alltagspflich‐
ten früher oder später, aber mit aller Ge
wißheit folgen muß.
*
.Ist dieses erste Wegziel erreicht, dann
zeigt sich von selbst das zweite, das darin
besteht, daß man über den Alltagspflichten
noch andere erkennt, die zwar im Alltag
nicht als „Pflichten” gelten, aber dann als
solche empfunden werden. —
.Nun gilt es, diese Pflichten ebenso zu
erfüllen, ohne etwa die Alltagspflichten
hintenan zu stellen! — —
.Was diese Pflichten gebieten, wirst Du
augenblicklich wissen, sowie Du wirklich das
erste Wegziel zu erreichen wußtest!
.Für jeden einzelnen zeigen sich diese wei‐
teren Pflichten in anderer Gestalt, und es
wäre daher unmöglich, Dir sie näher be‐
zeichnen zu wollen. —
.Du wirst aber niemals, wenn Du das erste
Wegziel erreichtest, etwa in Zweifel ge‐
raten können, worin diese neuen Pflichten
für Dich bestehen, und was sie von Dir for‐
dern!
*
.Hast Du auch diese Pflichten getreulich
und mit Beharrlichkeit, so wie die Alltags‐
pflichten, längere Zeit hindurch erfüllt, so
wird sich von selbst das dritte Wegziel Dir
als erreicht erweisen, indem Du die gleiche
Ruhe des sicheren Gewissens, die nach
vollendeter Erfüllung der Alltagspflich
ten Dir geworden war, nun auch in Hinsicht
auf diese höheren Pflichten empfinden
wirst. — — —
*
.Alsdann aber wird sich Dir auch sogleich
ein neues Wegziel zeigen, und Du wirst se‐
hen, daß es nichts anderes von Dir verlangt,
als daß Du nun auch für andere wirksam
zu machen suchst, was Dich selbst so weit
förderte.
.Es ist hier nicht von Dir verlangt, daß Du
in törichtem Bekehrungseifer, jeden, der
Deinen Weg kreuzen mag, zu dem überreden
sollst, was Dich zu Deiner Selbstgewißheit
führte; allein man will, daß auch Du Dich
in den Dienst des gleichen Wirkens stellst,
das Dir schon erste Befreiung brachte, und
daß Du durch Dein Beispiel in gleichem
Sinne zu wirken trachtest. —
.Auch dieses vierte Wegziel bestätigt seine
Erreichung durch die bewußte Ruhe des
Gewissens, die Dir anzeigt, daß Du es
— nicht durch Reden und Dispute — son‐
dern durch Leben, Tat und Handeln zu
erreichen vermochtest!
*
.Und allsogleich wirst Du das fünfte Weg‐
ziel vor Dir sehen, das von Dir verlangt, Dich
als Schaffenden zu bewähren!
.Du wirst auf irgendeine Weise nun pro
duktiv in das Leben Deiner Umwelt einzu‐
greifen haben, nicht etwa indem Du ver‐
suchst, hier Mißstände auszutilgen, son‐
dern dadurch, daß Du Förderliches im
Sinne der Dir bereits gewordenen Erkennt‐
nis, in Deiner Umwelt zu schaffen trach‐
test. — — —
.Stellt sich auch hiernach dann die schon
mehrfach mit Sicherheit empfundene, si‐
chere Ruhe des Gewissens ein, so wird
sie jetzt verbunden einer neuen Erkennt
nis in Dir sich bezeugen, und dies ist die
sechste Wegstation, die sechste Stufe Dei‐
nes Weges, der Dich dann in der siebenten
zur Vereinigung mit Deinem geistigen Ur‐
grund führen soll! — — —
*
.Die neue Erkenntnis aber wird Dir sagen,
daß nun der Zeitpunkt gekommen ist, zu
versuchen und immer erneut zu ver‐
suchen: ob Du Dich mit Deinem ganzen Sin‐
nen und Trachten, ohne die Erde zu ver
lassen, dennoch geistig soweit aus ihrem
Getriebe zu lösen vermagst, wie es nötig
ist, um das Reich des Geistes in Dir die
Vereinigung vollziehen zu lassen, durch
die Dein erdenhaftes Bewußtsein fähig wird,
Deines lebendigen Gottes heiliges Wort
in Dir selbst zu vernehmen, ohne jemals noch
der Täuschung zu verfallen.
*
.Nicht früher sollst Du es versuchen,
Dich aus dem gewordenen Getriebe zu lösen,
als bis Du völlig sicher bist, alle früheren
Wegstationen wachend durchwandert zu ha‐
ben!
.Würdest Du es früher versuchen, so
müßtest Du notgedrungen zur Beute täu
schender Gewalten werden, um erst
nach Deiner Erdenlebenszeit voll Ent‐
setzen zu erkennen, wie sehr man Dich be‐
trog!
.Du würdest dann einem gleichen, der im
Traume zu fliegen glaubt und sich seines
Könnens freut, während er beim Erwachen
sehen muß, daß er nach wie vor der Schwer‐
kraft, die ihn an die Erde fesselt, nicht Herr
zu werden vermag. —
*
.So einfach es Dir auch erscheinen mag,
jene früheren Wegstationen zu durchwan‐
dern, und so sehr Dich die Versuchung lok‐
ken will, zu glauben: Du hättest sie längst
durchwandert, so sehr muß ich Dich warnen,
Dich hier einer Selbsttäuschung hinzu‐
geben!
.Du stellst nicht nur den Erfolg Deines gan‐
zen Strebens in Frage, sondern begibst Dich
freventlich in Gefahr, den Weg, der Dich
zum Lichte führen sollte, für Äonen zu ver‐
lieren, wenn Du zu früh versuchst, die Lö‐
sung aus dem erdenhaften Getriebe zu er‐
reichen.
.Hast Du aber wahrhaft und ehrlich Dei‐
nen vorbezeichneten Weg durchschritten und
bist Dir bewußt, daß Du keines seiner Zwi‐
schenziele versäumtest, dann wird Deine
Loslösung damit beginnen müssen, daß Du
versuchst, den nackten Menschen in Dir zu
finden!
.Das scheint Dir nicht allzu schwer zu sein
und ist dennoch weit schwerer als Du er‐
ahnen kannst! — —
*
.Bis hierher durftest Du Dich ja noch
als Sohn einer bestimmten Familie, eines
bestimmten Volkes, als Angehöriger eines
bestimmten Kreises empfinden, — und
das mit gutem Recht.
.Bis hierher durftest Du Dich ja noch
nicht aus solcher Bindung gelöst empfin‐
den, wolltest Du Hoffnung hegen, jemals
Dein Ziel zu erreichen.
.Nun aber mußt Du alle solche Bindung
allmählich vom Gesichtspunkte der Ewig
keit aus werten lernen, denn der ewige Geist
gibt sich keinem „Meder” und keinem
Perser”, keinem „Griechen” oder „
mer”, — keinem Sproß aus diesem oder je‐
nem ehrenwerten Hause, und keinem Gliede
dieser oder jener Kaste, sondern nur: — dem
nackten
MENSCHEN! — — —
.Diesen „nackten”, kosmisch gegebenen
Menschen mußt Du also nun in Dir allein
noch fühlen und alles was ihn irdischer‐
weise besonders bestimmen mochte, muß Dir
dann wesenlos und vergänglich erscheinen!
.Doch würdest Du wahrlich meine Worte
gar irriger Deutung unterwerfen, wolltest Du
etwa glauben, nun müßte Dir auch in Dei‐
nem Alltagsleben dieses als „wesenlos”
und „vergänglich” Erkannte, wertlos er‐
scheinen!
*
.In Dein Alltagsleben fügt es sich wohl
begründet ein und muß daselbst erhal
ten bleiben, wenn Du die kosmische Ord‐
nung nicht stören willst; aber ebenso würdest
Du diese Ordnung in verbrecherischer Weise
stören, wolltest Du innerhalb Deines All
tagslebens diesen bestimmenden und
durch ihre Bestimmtheit trennenden Mo‐
menten größeren Wert verleihen, als ihnen
durch ihre Naturgegebenheit allein schon zu‐
steht! — —
.Wenn Du im Alltag liebend solche Be‐
dingtheit umfaßt, — mag sie Familien
kreis oder Kaste, Volkstum oder Na
tion sich nennen, so wirst Du immer rich
tig handeln und auch die Bedingtheiten
anderer zu lieben wissen; allein, sobald
Du besonders hervorzuheben suchst, was
Dich in solcher Weise als Glied des Mensch‐
heitsganzen bestimmt, wirst Du zum Störer
kosmischer Ordnung, gleichwie ein Mu‐
siker in einem großen Orchester das Tonwerk
stören würde, wollte er sein Instrument ver‐
stärkt ertönen lassen und lauter als es die
Rolle verlangt, die ihm des Tonwerks Mei‐
ster zugeschrieben hat! — — — — —
*
.Auch angelangt an dieser letzten irdi‐
schen Wegstation, von der aus Du das Reich
des Geistes bald betreten sollst, darfst Du
nicht etwa wähnen, nun auch nur eine der
vorher erkannten Pflichten versäumen zu
dürfen!
.Im Alltag mußt Du daher stets allem
seine Rechte lassen, was des Alltags ist,
und trotzdem mußt Du in Dir selbst jenes
höhere Empfinden tragen, das Dich als
„wesenlos” und „vergänglich” sehen läßt,
was gleichwohl im Alltag seinen Alltags
wert erweist! — — —
*
.Ist so nun im höchsten Bereiche Deines
Empfindungslebens nichts mehr zu finden als
der nackte, kosmisch gegebene MENSCH,
der sich der GOTTHEIT einen will, dann
wirst Du Dich erst selbst wahrhaft lieben
lernen müssen, wirst immer mehr und mehr
Dich selbst nur noch als LIEBE zu emp‐
finden suchen dürfen, bis nichts mehr in
Dir ist, das etwas anderes als LIEBES‐
FEUER wäre. — — — — —
.Also in Liebe verzehrt, wirst du in dieser
glutgeläuterten Region zum Gefäße GÖTT‐
LICHER Liebe werden, und in Deinem inner‐
sten „Ich” wird sich Dein „LEBENDIGER
GOTT” Dir einen...
*
.Hier erst hast Du dann Deines Höhen‐
weges Endziel erreicht, aber Du würdest
gar bald das Erlangte wieder verlieren,
wolltest Du Dich nun, soweit Du als Sohn der
Erde auch Deinem Alltag gehörst, Dei
nen Alltagspflichten enthoben wäh‐
nen! — — —
.Der Weg ist nun in Dir, auf dem Du fort‐
an zu jeder Zeit, und zwar noch im Augen‐
blick Deines Wunsches, Dich zu Deiner höch‐
sten Höhe im Reiche des Geistes, zu Deiner
Einheit mit Deinem lebendigen
Gotte erheben kannst; und von dieser höch‐
sten Höhe aus wird auch Dein Alltag Licht
empfangen, — ein Licht, das nicht von die‐
ser Erde ist, und irdischem Gesetz nicht
unterworfen! — — —
.Dann wirst Du vielleicht erfassen können,
was jener große Liebende einst lehrte, als
er davon sprach, daß das Reich der Himmel
„nahe” sei, und daß man nicht sagen könne,
es sei da oder dort, oder glauben dürfe, es
komme mit großer Gebärde, denn:
.Das Reich Gottes ist in Euch!” '
*
262 Das Geheimnis
Die den Weg zu finden wissen, der zu
diesem Tempel führt, werden stets nur
die Erwählten sein, die aus reinster
Herzensinbrunst suchen, bis ihnen
die ersehnte Führung wird im eige
nen «Ich».
Geheimnisvoll Verborgenes wird ihnen
sich enthüllen; doch was auch immer
noch im Laufe der Jahrtausende sich
dieser Menschheit offenbaren mag,
wird stets weit tieferes Geheimnis in
der Ferne zeigen, und niemals wird die
Gottheit sich dem Erdenmenschen als
Gegenstand begrifflichen Erfas
sens überlassen. —
Nur Bild und Gleichnis dürfen von
der letzten Wahrheit Kunde bringen!
Wer aber solche Wahrheit nicht mehr
außen sucht; wer da erkannt hat, daß
sie nur im Innersten des Innern
Menschen faßbar werden kann «von
Angesicht zu Angesicht», dem
zeigen Bild und Gleichnis Weg und
Weise, in das Innerste des Innern zu
gelangen.
Dort kann ihm, ist er ein Berufener,
noch vieles sich eröffnen, was ich hier,
und so vor jedem Menschenohr, ver
schweigen muß:
83 Die Weisheit des Johannes
Geistiges Erschauen,
das nur bei wachen, — ja fast überwachen
Sinnen erreichbar ist, erfordert von dem
Schauenden, der noch an die Gesetze
dieser Erde durch die irdische Erschei‐
nungsform gebunden ist, so unerhörte
Kräfte, um die Einstellung auf das
Erschaubare auch festzuhalten, daß über‐
dies hier auch der Wert des Resultats in
keinerlei Verhältnis stehen würde zu dem
Aufwand, den die Erreichung dieses Re‐
sultats verlangte, wenn man der ganzen
Urschrift ursprünglichen Sinn in lük‐
kenloser Folge wiedergeben wollte. Die
Wenigen allein, die solches Schauen aus
Erfahrung kennen — und nur den
noch im Erdenkleide hier auf dieser Erde
Wirkenden der «Leuchtenden des
Urlichts» ist ein solches Schauen mög‐
lich —, wissen um die Kraftausgabe lan‐
ger Jahre, die da Vorbedingung ist, um
in des eigenen Erlebens Helle zu er‐
blicken, was ein Menschengeist der Vor‐
zeit in sich trug, als er sein Werk zu for‐
men suchte.
Was so erschaut wird im Erleben
— nicht etwa von außen her —, muß
dann erst neue Formung finden in den
Worten dessen, der es schaut, um so in
seiner eigenen Redeweise des ersten
Formers wahre Meinung aufzuzeigen,
90 Die Weisheit des Johannes
Hier wird
Verwirrung nur vermieden, wenn man
weiß, daß einmal nur von der Art des
Menschengeistes gesprochen wird, der
latent die Erlebnismöglichkeit in
sich enthält, durch die ihm das Reich des
Geistes Gewißheit werden kann, doch
ohne die Fähigkeit, sich in den höchsten
Regionen geistiger Welten bewußt wie
hier im Erdenleben und noch wäh
rend dieses Erdenlebens zu empfinden
— und ein andermal von dem höch
sten Ziele des Menschengeistes: daß er
nach diesem Erdenleben und vielleicht
erst nach einer langen Vorbereitung in
der geistigen Welt eine neue Lebens
form erlange, in der er erst sich selbst
im Innersten des geistigen Reiches be
wußt und wirkend erleben kann. —
Es sind hier verschiedene aufein‐
anderfolgende Zustände im Auge zu
behalten.
Der erste ist die Erweckung des Men‐
schengeistes aus seinem Schlafe im Men‐
schentiere, wodurch er, aus der Nacht der
Nichterkenntnis erwachend, ahnend
erfühlt, daß er nicht von dieser
Erde ist: daß er aus einem Lebensreiche
stammt, in dem das Leben anderer Ge‐
setze Formung ist als hier in dieser ir
dischen Erscheinungswelt. — Hieraus
ergibt sich als zweites dann das Entgegen‐
streben, dem Urlicht zu, aus dem
durch des Geistes hierarchisch geordnetes
Leben stufenweise weitergeleitet, letzten
Ursprungs das Leben des Menschengeistes
in ewigem Sein sich findet.
Diesem Entgegenstreben aber kann noch
während dieses Erdendaseins Erfül
lung werden, indem ein «Geistes
funke», ein Strahl aus dem Urlicht
— durch alle hierarchischen Stufen gei‐
stigen Lebens herabgeleitet —, im Men‐
schengeiste und aus dieses Menschen‐
geistes Kräften einen geistigen Orga
nismus schafft, durch den sich der
Menschengeist vereinigt findet mit
diesem göttlichen «Geistesfunken» oder
«Strahl» des Urlichts, den er erkennt
als seinen «lebendigen Gott».
Nun ist ihm sicherste Gewißheit ge‐
worden, was vorher nur ahnendes Er
fühlen war: — er ist sich seines Lebens
im Geiste und aus dem Geiste be
wußt!
Noch aber ist er keineswegs fähig,
auch jenes hohe Geistesreich bewußt
und handelnd betreten zu können,
aus dem er einst sich selbst durch seine
Willensneigung löste in jenem «Fall»
aus hohem Leuchten, der ihn an diese
irdische Erscheinungswelt verhaftet
hat. —
Hierzu ist anderes vonnöten; und wenn
er auch der Erde irdische Gestaltung
einstens nicht mehr trägt und sich in
Geistesform nach seines Körpers Erden‐
tod bewußt und lebend findet in den
niederen Regionen geistigen Lebens, so
bleibt ihm dennoch jenes höchste,
innerste der geistigen Erscheinungs‐
reiche — «das Reich Gottes» im höch
sten Sinne — so lange verschlossen, bis
er in ihm «aufs neue geboren» wird:
aus geistigem Samen neu gezeugt —
aus den Urwassern des Lebens im
Geiste.
«Geburt» in irdische Erscheinungs‐
welt ist die Frucht der Weiterzeugung
tierischen Lebens und ermöglicht
allein Bewußtsein und Handeln in die‐
ser irdischen Erscheinungswelt.
Wer nicht in sie geboren wird, kann
anders nicht in sie hineingelangen: — sie
ist ihm nicht erschlossen, auch wenn er
um sie wüßte.
So auch kann in keine der geistigen
Erscheinungswelten — und alles, was im
Reiche des Geistes lebt, ist sich nur er‐
faßbar als geistige Erscheinung
ein Menschengeist hineingelangen, er sei
denn hineingeboren.
Ursprünglich ist nun der Menschengeist
in jenes innerste «Reich Gottes», aus
Gott gezeugt, von Ewigkeit her «geboren»,
ließ aber den geistigen, gottgebore
nen Organismus — in diesem Bilde ge‐
sprochen — im innersten Reiche des
Geistes zurück, allwo er wieder der Kraft
der Gottheit sich verschmolz, so daß eine
individuelle «Wiedergeburt» erfol‐
gen muß, soll sich der Menschengeist in
jenem «Reiche Gottes» einst be
wußt und handelnd finden können.
Vorher ist der Menschengeist, auch bei
höchster Entfaltung durch das Erden‐
leben, nur seiner selbst und seines
lebendigen Gottes bewußt und fin‐
det sich nach dem «Tode» des Erden‐
körpers nur in jenen niederen geisti‐
gen Welten, deren Organismus ihm
keimhaft erhalten blieb, auch nach
seinem Falle in tierische Erscheinungs‐
welt — als einzige geistige Daseinsform,
die er hier noch besitzt und zu entfalten
vermag durch seine Haltung im Erden‐
leben. Von diesem höchsten und letzten
Ziele allein aber läßt der Verfasser der
alten Sendschrift den Meister sprechen:
«WENN EINER NICHT WIEDERGE
BOREN WIRD AUS DEM WASSER IM
GEISTE — AUS GEISTIGEM SA‐
MEN —, SO KANN ER IN DAS REICH
GOTTES NICHT EINGEHEN
Und zur Bekräftigung und Verdeut‐
lichung läßt er den Meister weiter sagen:
«WAS AUS DEM FLEISCHE GE‐
BOREN IST, DAS IST FLEISCH; UND
WAS AUS DEM GEISTE GEBOREN
IST, DAS IST GEIST
Damit nur ja kein Zweifel sei, daß hier
die Erzeugung eines wirklichen Or
ganismus erfolge, wie aus dem Fleische,
so aus dem Geist...
114 Die Weisheit des Johannes
Aber keinem Menschengeiste kann im
Reiche des Geistes das dauernde Leben
werden, wenn er nicht glaubt, daß er
dieses Leben finden wird. —
Und von diesem Glauben allein, der
ein selbstgewisses Vertrauen sein muß,
hatte der Meister einst gesprochen im
Hinblick auf seine Lehre, die alle Ge
wißheit aus der Geisteswelt durch
eines Menschen Mund auf diese
Erde brachte:
127 Die Weisheit des Johannes
Der «Geist der Wahrheit» aber ist
des Urwortes Leben: — das Urlicht
selbst in seiner Unerfaßbarkeit —, das
sich als Urwort offenbart und in dem
alle Geisteshierarchien leben, die gleich‐
sam Ton und Stimme dieses Urwortes
sind und seine ewig weiterzeugende
Offenbarung in der Geisteswelt des Ur
lichts.
Auch das niedere geistige Leben, das
dem Menschengeiste noch verblieb nach
seinem Falle aus hohem Leuchten, lebt
nur aus dem gleichen Geiste der Wahr
heit: dem substantiellen Geiste des ewi‐
gen Urlichts, von dem der Menschen‐
geist auch schon in diesem Erdendasein
einen «Strahl» erfassen und in seinem
eigenen «Ich» erkennen kann als seinen
«Lebendigen Gott».
Das Urlicht ist allein die ewige
Quelle alles Lebens: das aus sich selber
Seiende!
In sich als Sein unfaßbar für sich selbst,
«spricht» es sich aus im Urwort, das
in ihm allein sein Leben hat «aus sich
selbst»...
Und weiterzeugend, offenbart sich so das
Urwort in dem ewigen Geistes
menschen, der wieder «aus sich selbst»
das gleiche Leben nur im Urlicht
hat und weiterzeugt die Hierarchien aller
Geisteswesenheiten, die alle «aus
sich selbst» das Leben haben, da sie alle
nur des Urlichts nähere und ferne
Offenbarung durch das Urwort
sind, das selbst des Urlichtes erstes,
ewiges Offenbaren ist. — —
150 Die Weisheit des Johannes
.Der Grad der Wahrheitserkenntnis eines
Menschen wird bestimmt durch seine Er
lebnisse; durch die Intensität seines Er‐
lebens, — nicht aber durch die Erschei
nungen, die dieses Erleben auslösen.
.So einfach und leicht begreiflich diese
Tatsache auch ist, so wenig wird sie begriffen.
.Man begegnet allerorten einer maßlosen
Überschätzung des Phänomens, während
die Erlebnisfähigkeit in den allermeisten
Fällen derart verkümmert ist, daß es erst
besonderer Sensationen, unerhörter äußerer
Anregungen bedarf um sie vorübergehend
noch zu erwecken.
.Wer darf sich wundern, daß dann auch
die so erzielten „Erlebnisse” der vermin‐
derten Fähigkeit zum Erlebenkönnen ent‐
sprechen?!
.Was man „erlebt”, ist nur noch Schaum
der Oberfläche, da die Fähigkeit fehlt,
tiefer in die Erscheinung einzudringen, mag
sie auch mit der Lanzette scheinbar bis ins
Innerste zerlegt und unter dem Mikroskop
bis zu den feinsten Fasern erforscht werden.
.Auch wenn die physikalischen Bedin‐
gungen der Erscheinung genauestens nach
exakter Forschungsmethode erkannt sind,
bleibt dennoch ein letztes, auf solche Weise
niemals Erkennbares: — die „Seele” der
Erscheinung, die nur erkannt werden kann,
wenn die Erlebnisfähigkeit derart entwickelt
ist, daß sie auch auf Anstöße reagiert, die
den physischen Sinnen völlig unwahr
nehmbar bleiben.
.Für solches Erkennen ist es belanglos, ob
man die Erscheinung bis auf ihre innersten
Fasern seziert, oder sie in der Gesamtheit
ihrer Formkomplexe auf sich wirken läßt,
ohne sie erst mechanisch, sei es auch durch
die Mechanik des Denkens, in ihre einzel‐
nen Teile aufzulösen.
.Es besteht an sich durchaus keine Be‐
dingtheit der Tiefe und Bedeutung des
Erlebens durch die Umfänglichkeit, oder
die mechanische Wucht in der eine Er
scheinung wahrgenommen wird!
.Ein Feuerwerk kann das Auge blenden,
und mit ungeheurem Geprassel und Ge‐
knatter enden, — dennoch kann ein win‐
ziger Glühwurm im Dunkel sommernächt‐
lichen Waldes Anlaß zu einem weit tieferen
Erlebnis werden als es jemals die Künste
des Pyrotechnikers in uns hervorzurufen
vermöchten...
.So ist es mit aller Erscheinung, möge
sie nun durch das Auge, das Ohr, oder einen
anderen physischen Sinn von uns „aufge‐
faßt” werden!
.Gewiß kann die Majestät ragender Hoch‐
gebirgsgipfel, oder die tosende Wildheit an‐
stürmender Meeresbrandung Ursache tiefen
und starken Erlebens werden, aber auch
Allerkleinstes und scheinbar Unbe
deutendstes kann gewaltiges Erlebnis
wecken.
.Unzählige Menschen, — und wahrlich
nicht die seelisch kältesten, — sind dauernd
in der Erwartung eines ungeheuren Er‐
lebens, das ihre innersten Tiefen erschüttern
könne, — und weil alle Sehnsucht dieses
Erleben nicht herbeiziehen kann, hasten
sie unstet suchend von Erscheinung zu Er‐
scheinung, befangen im Wahn, das erhoffte
Erleben müsse zu erreichen sein, fände
man nur die gewaltige Erscheinung, die
durch ihre Ungeheuerlichkeit die Seele über‐
wältigen könne.
.So bleibt ihnen schließlich kein Wunder
der Natur mehr fremd und alle Erdteile
werden ihnen vertraut, aber die Sehnsucht
der Seele bleibt dennoch ungestillt.
.Andere wieder suchen die große Erfül‐
lung in den Bereichen der Kunst, der Wissen‐
schaft, oder des abstrakten Denkens, — und
wieder andere, besonders in heutigen Tagen,
erwarten alles Heil von den „Wundern der
Technik”, wenn sie nicht gar die sportliche
„Sensation” und den Kitzel verwegenen
Spiels um Leben oder Tod, als Opfer einer
Selbsthypnose, für das mit allen Kräften
ersehnte Erlebnis halten.
.Keiner denkt daran, daß alle die zeit‐
weiligen Erregungen, die er sich solcherart
verschafft, — mögen sie ihm nun auf Höhen
oder in den Niederungen der Erscheinungs‐
welt zuteil werden, — nur Betäubung,
ja Betrug an der eigenen Seele sind, die
nach wie vor ihr Recht verlangt, das Glück
des Erlebens zu empfinden in dem sie
ihrer selbst bewußt zu werden vermag.
.Solches Erleben aber kann jeder in
seinem allernächsten Umkreis zur Ge‐
nüge finden, und weiß er es zu finden,
dann wird ihm alle Sucht nach fernem Un‐
bekannten töricht, aller Nervenkitzel den
er andere als „Erlebnis” preisen hört, nur
als bedenkliches Surrogat echten Erlebens
erscheinen.
.Doch — wie schon zu Anfang gesagt
— setzt wirkliches Erleben: Erlebnis‐
Fähigkeit voraus.
.In jedem Menschen ist, latent, diese
Fähigkeit vorhanden, aber keiner wird sie
zu gebrauchen wissen, der sie nicht bis zu
einem gewissen Grade in sich entfaltet
hat, und solche Entfaltung ist das Werk
steter Übung.
.Erlebnis erfordert äußerste Konzen
tration: — Einstellung allen Aufnahme‐
willens auf jeweils einen einzigen Punkt,
— und stete Bereitschaft, sich bei gege
benem Anstoß sogleich in solcher Konzen‐
tration zu „sammeln”.
.Wer dagegen stets nach „Zerstreuung
Ausschau hält, der wird ganz gewiß nicht
seine Erlebnisfähigkeit entfalten!
.Er jagt nur von Phänomen zu Phänomen,
unersättlich wie ein Sklave berauschender
Gifte, um bestenfalls am Ende seiner Tage
einzusehen, daß alles was er je getrieben
hat „eitel” war, — um dann in bitterer Re‐
signation zu enden. —
.Man soll das Erlebnis auch niemals
suchen, — noch soll man es als eine Feier‐
tagsgabe betrachten.
.Das echte Erlebnis kommt stets unge
sucht und läßt sich am leichtesten mitten
im Alltag finden.
.Plötzlich entdeckt man es auf Wegen,
die man gewiß nicht ging um ein Erlebnis
zu suchen, — doch wenn man sich auf‐
macht mit großer Vorbereitung, wird man
sicherlich zuletzt nach Hause kommen,
leeren Herzens und voll Traurigkeit...
.Das gilt vor allem auch für jegliches
Erlebnis das da Kunde bringen kann von
einer Welt des wesenhaften Geistes.
.Nicht in der irdischen Erscheinung,
wohl aber im Erlebnis vermag der erd‐
gebundene Mensch das Geistige zu fassen,
und doch bedarf auch dieses Erleben der
Auslösung durch Formen und Ereignisse
die zur Erscheinungswelt gehören, ja das
Geistige selbst ist innere Erscheinungswelt
und läßt nur als solche sich im Innern der
Seele fassen. —
.Wo aber äußere Erscheinung, die den
Erdensinnen faßbar wird, sich aufzu‐
drängen sucht als Bote aus der reinen
Geisteswelt, dort sei man stets auf seiner
Hut, denn seltener als Diamanten in dem
Ufersand des Meeres sind jene Kräftekon‐
stellationen, die das Geistige den Erden
sinnen faßbar werden lassen im Phäno
men, und unter allen Millionen Menschen
auf der Erde sind nur zu jeder Zeit so
wenige, daß sie in einer engen Stube
sich versammeln könnten, von denen
solches Phänomen sich fassen läßt. —
.Wer aber Geistiges, und sei es auch
nur einmal, in seiner Seele innerstem
Erleben faßte, der verlangt nicht mehr,
daß es im Phänomen der Außenwelt sich
offenbare, denn ihm ward eine Offenbarung
jener Art, die manchen Schauenden so
sehr beglückte, daß er vermeinte, alle Aus‐
senwelt sei nichts als Schein und Trug,
verglichen mit der hellen Wirklichkeit die
er in sich erfahren hatte. —
.Ist es schon Torheit, zu glauben, man
habe die äußere Erscheinungswelt durch‐
drungen, weil man ihre kleinsten Teile
seinen Sinnen faßbar machte, — ihre Wir‐
kungsmöglichkeiten aufzuspüren suchte und
im Denken sich ein Gleichnis schuf in dem
man sie nun zu besitzen wähnt, so ist es
erst recht unsagbar töricht, verlangt man
gar, daß sich die Welt des Geistes auf
solche Weise in der sichtbarlichen Erschei‐
nungswelt finden lasse, und schließt man
mit kindlichem Eigensinn: — da sie so
nicht zu finden sei, so sei sie auch auf
andere Weise nicht erreichbar.
.Nicht minder töricht aber ist auch die
Forderung eines Beweises für das Vor‐
handensein geistiger Kräfte, durch Mani‐
festationen die den Erdensinnen faßbar
werden.
.Wer noch in solchen Irrgärten der Ge
dankenwelt gefangen ist, der ahnt noch
nicht aus weitester Ferne was „wesenhaften
Geistes” Art und Gestaltung ist, ja, er
hält wohl gar den Teil der Gedanken
Welt dessen Dasein er fühlt, obwohl es
sich ihm noch nicht erschließt: — den Teil,
der außerhalb des ihn umfangenden Irr‐
gartens ist, — für den ewigen, substantiellen
Geist!
.So hören denn auch manche, daß die
Welt des wesenhaften Geistes nur im Er
lebnis sich offenbart, und wähnen, dieses
Erlebnis längst zu kennen, als das Erleben
ihres hirngebundenen Denkens.
.Das Erlebnis aber, von dem ich hier
rede, hat nicht das mindeste mit dem
Denken zu tun, und die Welt des wahr‐
haftigen, wirklichen Geistes ist himmel
hoch erhaben über allen Wundern der
Gedankenwelt! —
.So aber, wie jedes Gebiet menschlichen
Erkennens dem sich aufschließt, der die
Bedingungen zu seiner Erschließung erfüllt,
so wird auch ein Mensch der seine Fähig
keit innerlich zu erleben, an allen Erlebnis‐
möglichkeiten der äußeren Erscheinungswelt
schult, allmählich dahin gelangen, durch
die Erscheinung den Anstoß zu jenem
Erleben zu erhalten, das ihm die Welt
des wesenhaften Geistes offenbart.
.Nur im Erlebnis seiner eigenen Seele
wird er sie erfassen, — jene Welt, die
jenseits der Sinne und jenseits des
Denkens ist! —
.Dann aber erst wird ihm auch alle Er‐
scheinung das innere Sein enthüllen, als
dessen Abglanz sie er-scheint...
.Dann erst wird der Erlebende sein
eigenes Dasein zu deuten wissen, und
was bis dahin dunkel war, wird aufleuchten
in ewigem Licht! — — —
26 Wegweiser
.Wie kannst du wissen, ob du Wahrheit
weitergibst, solange das, was du zu geben
hast, sich dir noch nicht als wahr er
wiesen hat?! —
.Nicht, daß ich also lehre, darf dir als
Bestätigung der Wahrheit meiner Lehre
gelten, sondern was ich lehre, muß sich in
deiner Erfahrung bewährt haben, als un
anfechtbare Wahrheitserkenntnis!
.Dann erst darfst du weitergeben, was
vordem ich dir gegeben habe! — — —
44 Wegweiser
.Hoch erhebt der Kritiktrieb den Men‐
schen über das Tier!
.Auch das intelligenteste Tier nimmt seine
Umwelt hin wie sie ist, und äußert nicht
die leisesten Anzeichen wirklich kritischen
Verhaltens.
.Freudiges Annehmen, oder Abwendung
und Widerstand im Verhalten des Tieres
zur Außenwelt, sind nur Äußerungen seines
Selbsterhaltungstriebes und dürfen nie‐
mals als Ergebnis kritischen Erwägens ge‐
deutet werden.
.Der Kritiktrieb des Menschen setzt die
Erahnung eines vollkommeneren Zustandes
der Dinge voraus, als er jemals hier auf
Erden anzutreffen ist.
.Wäre der Mensch hier im Leben der
physischen Erscheinungswelt heimisch, wie
das Tier, — wie würde er Kritik üben
können an seiner ihm äußeren Welt!? —
.Nur weil sein Geistiges Vollkomme
neres kennt, als die ihn umgebende irdische
Welt, konnte der Mensch den Trieb zur
Kritik in sich erzeugen.
.Die ihm heute nicht mehr bewußtseins‐
gegenwärtige Erfahrung seines urgegebenen
geistigen Seins ist dennoch Ursache seines
kritischen Verhaltens gegenüber der ihn
nun umgebenden physischen Welt.
.Durch eigene Willens-Strebung ausge‐
stoßen aus dem Bewußtseinsbereich des
reinen Erlebens wesenhaft geistiger Ge‐
staltung, bleibt die ewige Geistsubstanz, die
im Erdmenschtiere sich nun physisch-sinnlich
erlebt, doch immer noch Träger der Er‐
innerung an ihren vormaleinst erlebten
Seinszustand, und wenn auch das erden‐
tierhafte Gehirn nicht ohne weiteres fähig
ist, an solcher „Er-Innerung” teilzunehmen,
so wird es gleichwohl ihrer ahnend teil‐
haftig durch Influenzwirkung. —
.Alle Auswirkung gesunden Triebes zur
Kritik ist bestimmt durch unbewußtes Ver‐
gleichen des im Irdischen Dargebotenen
mit der Form absoluter Vollkommenheit,
die ihm in geistiger Erscheinung ent‐
sprechen würde.
.Wir Menschen hier auf Erden leben
unter dem Einfluß zweier, voneinander
äußerst verschiedener Vollkommenheits‐
Ideale, mögen wir unsere Doppelstrebigkeit
ignorieren, oder — wie alle nicht ganz
irdisch verkrusteten Naturen — bitter an
ihr leiden...
.Wären wir nur irdisch-sinnliche Na‐
turen, dann wäre die Zwiestrebigkeit und
alles ihr entspringende Leid unmöglich.
.So aber sagt uns das physische Dasein
zwar mit brutaler Vehemenz, was ihm für
sich „Vollkommenheit” heißt, während wir
durch das gleiche physische Gehirn auch
rein geistige Influenz aufnehmen, womit
uns die Vorstellung einer Vollkommenheit
gegeben wird, neben der alles irdisch Voll‐
kommene für uns zur Unvollkommen
heit verdammt erscheint. — —
.Es muß zu innerer „Zerrissenheit”
führen, wenn ein Mensch danach strebt,
Dinge, die ganz der physischen Gesetz‐
lichkeit unterordnet sind, zu einer Voll‐
kommenheit zu führen, die nur im Gei
stigen gegeben ist!
.Alles Streben nach „Vergeistigung” des
Körperlichen gehört hierher...
.Es ist uns nur die erhabene Möglichkeit
geboten, hier im Physischen den Geist zu
verkörpern, aber auch diese Geist-Verkör
perung ist nur nach der Weise physisch
sinnlicher Vollkommenheit vollziehbar, —
wird also der Vollkommenheit des ewigen
Geistes gegenüber allzeit als „unvoll
kommen” gelten müssen. — — —
.Nun verleitet uns aber der zwar geist
gezeugte, jedoch nur im Physischen sich
auswirkende Kritiktrieb immer wieder zu
der irrtümlichen Annahme, wir könnten
das in der physisch-sinnlichen Erscheinung
Gegebene zu jener Vollkommenheit führen,
die nur im Geistigen möglich ist.
.Daher dann die Übersteigerung unserer
Ansprüche an uns selbst und die mit uns
Lebenden, — daher die Hypertrophie
des ungehemmten Kritiktriebes! —
100 Wegweiser
.Jakob Böhme gab dem Schauen seiner
Seele nur die Wortgestalt, in der es für ihn
selber bleibend faßbar und be-haltbar
werden konnte, da er ja nicht Herr und
Meister dieses Schauens war, sondern immer
warten mußte, bis es ihm aufs neue vom
Reiche des Geistes her eröffnet wurde, so
daß ihm das jeweils Erschaute in Gefahr
geriet, wieder verloren zu gehen. — — —
121 Wegweiser
.Gewiß kann der Wille, besonders in seiner
höchsten Potenz: als Imagination, als
Einbildungskraft wirkend, im Menschen
wahre „Wunder” vollbringen, und das gilt
auch hinsichtlich der Freimachung jener
Heilkräfte, die als automatisch wirksame
Ordner in jedem menschlichen Organismus
vorhanden sind, aber durch die leiseste
Einrede der Gedanken schon gelähmt
werden, so daß alles darauf ankommt, wie
man am besten die Fesselung durch solche
Gedanken-Einrede entferne.
.Darüber hinaus aber handelt es sich hier
— wie bei allen Bekundungen der Lebens‐
kräfte — um ein Wirksamwerden zweier
Pole, deren einer im triebhaften Willen
der Zellen des erkrankten Organismus zur
Entartung, deren anderer im geistigen
Willen (nicht „Wunsch”!) zur Gesundung
zu finden ist.
.Bei der Selbstheilung ist es unum‐
gängliche Voraussetzung, daß der Kranke
seinen Willen zur Gesundung objek
tiviere; ihn gleichsam sich selber „fremd”
mache, damit die nötige Spannung ent‐
steht zwischen dem organhaften Willen
zur Krankheit und dem geistigen Willen
zur Gesundung.
.Das ist nicht immer ganz leicht und zu‐
weilen fast unmöglich, während die An‐
forderungen an den Kranken auf ein letztes
Minimum herabgesetzt werden, sobald der
geistige Wille zur Gesundung: — zur Ord
nung des im Organismus Ungeordneten
— wenigstens zu Anfang, von außen her
auf ihn einwirkt und durch Influenzwir‐
kung seinen eigenen geistigen Willen ent‐
sprechend zur Tätigkeit anregt.
.Dieser äußere geistige Wille kann ein
Kollektivwille sein, wie er an Wallfahrts‐
orten z. B. in Wirksamkeit ist, — er kann
aber auch von einer einzelnen Persön
lichkeit ausgehen und ist alsdann bedingt
durch die einwohnende Kraft dieser Per‐
sönlichkeit, solchen „heilenden” Willen auf
Andere übertragen zu können. —
131 Wegweiser
.Die Fälle, in denen Menschen Geistiges
mit restloser Klarheit und Sicherheit er‐
lebten, sind äußerst selten, aber es wäre
sehr töricht, sie um ihrer Seltenheit willen
unbeachtet zu lassen oder gar fortleugnen
zu wollen. Dies um so mehr, als es auch
heute Menschen gibt, die in solcher Art
erleben und mit wachester Urteilsfähigkeit
um ihr Erleben wissen.
.Man muß aber stets unterscheiden zwi‐
schen diesem eigentlichen Erleben und der
Mitteilung des Erlebten, wie es der also
Erlebende in Worten zu geben sucht.
.In solcher Mitteilung strebt der Mensch
mit aller Inbrunst, auszusagen, was sich
doch niemals in Worten sagen läßt,
und notgedrungen schafft er sich Bild
und Gleichnis, um auch anderen Seelen
erfaßbar zu machen, was ihm wider‐
fahren ist.
.Es zeigt sich in diesem Bestreben das
innere Ahnen, daß das eigene Erleben ir‐
gendwie auch für alle anderen Menschen
Gültigkeit und befruchtenden Wert haben
müsse; zugleich aber weiß der Berichtende
mit Sicherheit, daß dieses Erleben den
meisten anderen nicht zugänglich ist, sodaß
er sich verpflichtet fühlt, davon Kunde
zu geben, selbst wenn es ihm schwer werden
sollte, Bekenntnis abzulegen.
.Man könnte, folgt man der Bild- und
Gleichnis-Spur hierhergehöriger Bekennt‐
nisse, gar leicht vermuten, daß es sich
im Grunde stets um das gleiche innere
Erleben handle, nur verschieden darge‐
stellt, je nach der Darstellungsfähigkeit
des Erlebenden und seiner ihm eigenen
Bildwelt.
.Sieht man aber näher zu, so ist es auch
für den, der niemals von ähnlichen Erleb‐
nissen erschüttert wurde, nicht allzu schwer,
zu entdecken, daß es sich doch um Berichte
sehr wesentlich verschiedenen Erlebens
handelt, auch wenn oft die gebrauchten
Darstellungsbilder dazu verleiten könnten,
wesentlich gleichartige Erfahrungen vor‐
auszusetzen.
.Ja, man wird alsbald ersehen, daß es
sich um ganze Gruppen völlig gesonderter
Erlebnisse handelt, trotzdem in den gleichen
oder sehr ähnlichen Worten berichtet
werden mag. —
.Das hat seinen Grund darin, daß alles
mit physischen Sinnen nicht mehr faßbare
Erleben durchaus nur vergleichsweise
und andeutend ausdrückbar ist: — daß der
Berichtende aber auch außerdem gerne die
Bilder und Gleichnisse anderer aufgreift,
um aus seiner Not des Nichtsagenkönnens
herauszukommen.
.Es handelt sich im Wesentlichsten um
zwei große Gruppen Erlebender, und jede
dieser Gruppen umfaßt wieder beson
dere Arten des individuellen Erleben‐
könnens.
.Auf der einen Seite stehen jene Men‐
schen, die nur das Verborgene ihres
eigenen Innern erleben, hier aber schon
vermeinen, „das Göttliche” erlebt zu haben,
da sie die Höhe und Tiefe, die Weite und
Breite dessen, was die menschliche Seele
umfaßt, nicht kennen, und nicht zu dem
Glauben sich erheben wollen, das alles sei
noch des Menschen Bereich.
.Hier wird zumeist in Ekstasen und
Visionen erlebt, immer aber in einem
„anderen Zustand”, der vom normalen
wachen Tagesbewußtsein sehr verschieden ist.
.Auf der anderen Seite stehen die wirklich
im Geiste objektive geistige Wirklich
keit Erlebenden, die alle Ekstasen und
Visionen instinktiv scheuen und nur ein
Erleben gelten lassen, zu dem sie mit un
getrübten Außensinnen, stets ihrer selbst
und ihrer äußeren Umwelt bewußt,
gelangen können.
.Diese Erlebenden sind weitaus selte
ner als die Ekstatiker und Visionäre, denn
solches tagwache Geisteserleben fordert eine
recht strenge innere Erziehung und Selbst‐
kontrolle. Es setzt voraus, daß sich der
Mensch ein durchaus gesundes, geordnetes
Innenleben zu erringen wußte, daß er sich
peinlichst aller schwärmerischen Gefühle
und Ausdeutungen enthält, um nüchternen
Sinnes, aber voller Ehrfurcht vor dem wesen‐
haften Geistigen, die wirkliche Erfahrung
geistiger Wirklichkeit stets freizuhalten
von allem Rankenwerk der Phantasie. —
144 Wegweiser
So, wie die Welt der Außensinne
Nur kund wird dem,
Der sich als Teil von ihr
In ihr bewegt,
Und, selbst bewegend,
Sich von ihr umschlossen findet,
So wird nur dem die Welt des Geistes kund,
Der alles Geistige in sich
Bereitet hat,
Unendlich sich zu weiten,
Um die Welt des Geistes zu umschließen. —
Dann ist er nicht nur Teil
Der Welt, die er erlebt!
Umfangend hält er das Umfangene
Im eigenen Sein
Und keine Grenze scheidet
Den Erlebenden
Fortan von dem,
Was er in sich erlebt: —
Zur Einheit wird
Erlebtes und Erlebender
Dann im Erlebnis...
156 Wegweiser
Auf sich gestellt,
In sich vollendet,
So lebt in der Seele
Ewige Kraft
Und wirkt sich selbst
Zu göttlichem Leben — .
.— Nie ward sie geboren,
.— Nie kann sie sterben!
Wer sie erkannte,
Erkennt sich selber,
Lebt aus sich selbst
Ihr ewiges Leben!
.— Er fürchtet nicht,
.— Daß er vergehen könnte.
157 Wegweiser
.Mit alledem jedoch weiß er noch keines‐
wegs um seine Wirklichkeit, denn alles,
was er an sich kennt, ist nur zeitweilig An
genommenes, das mit ganz unbezweifel‐
barer Sicherheit dereinst ihm wieder ab
genommen werden wird. — —
.Es gibt jedoch etwas, das keiner an
zunehmen, oder abzulegen braucht, da er
es ewig war und ist und sein wird, selbst
wenn er die Macht verwirkt, sich ewig mit
dem so Bestimmten als identisch zu emp‐
finden...
.Es gibt etwas in uns, das nicht von
dieser Erde ist, auch wenn es sich in unserem
Erdendasein nur in erdenhaft bestimmter
Form erfassen läßt. — —
.Dieses gilt es zu ergründen!
.Dieses, vor allem, gilt es an sich
wahrzunehmen!
180 Das Gespenst der Freiheit
.Aus längst vergessenem Bewußtsein seiner
selbst erreicht den Erdenmenschen noch die
leise Ahnung, daß alles, was ihn heute un
frei macht, ihm ungemäß, und nicht in
seinem wahren Sein beschlossen ist.
.So wird ein unbewußtes Streben zu sich
selbst, verwandelt in den wohlbewußten
Drang nach Freiheit.
184 Das Gespenst der Freiheit
.Hier soll dir vorerst das als „wirklich”
gelten, was auch ein Kind als seine Wirk‐
lichkeit empfindet!
.Benenne ruhig diese „Wirklichkeit” mit
Worten, die dir deine Schulung an die Hand
gab um der Unterscheidung der im Denken
nötigen „Begriffe” willen!
.Auch wenn du solcher Unterscheidung
denkgeübter Meister bist, wirst du dein
intellektuelles Wissen wahrlich nicht zu
opfern brauchen, denn auch die Aus
wirkung der Wirklichkeit darf um des
hier erstrebten Zieles willen einmal hin‐
genommen werden als das erdensinnlich
faßbar „Wirkliche”...
.Auch wenn du nicht mehr „wirklich”
nennen magst, was deine Körpersinne dich
erkennen lassen, so bleibt doch dieses körper‐
sinnenhaft Erkannte Ausgangspunkt für den
Begriff der Wirklichkeit, wie hoch du ihn
auch denkend überhöhen mochtest. —
.In gleicher Weise muß dir jetzt das
erdensinnlichWirkliche” zum Aus
gangspunkte deines Weges werden!
.Das allernächste erdensinnlich „Wirk‐
liche” ist dir dein eigener Erdenleib,
und nur von ihm aus wirst du sicheren,
geraden Weges weiterkommen, willst du
schließlich auch das absolute Wirkliche
erreichen. — —
193 Das Gespenst der Freiheit
.Es ist ein Anderes, ob deine Körper
zellen dir gehirnbewußt sind, oder ob
dein ganzer Erdenleib durchströmt von
deinem Selbstbewußtsein ist!
.Was hier Notwendigkeit verlangt, er‐
fordert vieles Mühen, äußerste Beständig
keit und unermüdbare Geduld!
195 Das Gespenst der Freiheit
.Nur was umgesetzt wurde in Wirken
und Lebensform, bleibt für die Dauer
erhalten: — dann, wenn kein Atom des
Gehirns mehr in der gleichen Form be‐
steht, die voreinst nötig war, das von mir
Übernommene aufzugreifen. —
12 Der Weg meiner Schüler
.Was ich in meinen Schriften mit dem
Worte „Geist” bezeichne, läßt sich irdisch
Bekanntem nicht vergleichen.
.Es ist die wesensgemäßeste Darstel‐
lungsform für das Ur-Sein aus dem alles
Dasein ausgeht, — von dem alles Dasein
Leben” empfängt, solange es bestehen
bleibt in seiner jeweiligen Eigenform.
.Wenn ich sage: es ist wie freie, unfaß‐
bar hochgespannte Elektrizität, die jeden
in ihr Kraftfeld gebrachten Körper durch
dringt, und je nach seiner Eignung sich
in ihm manifestiert, — so ist das gewiß
kein Vergleich, wohl aber doch ein brauch‐
bares Bild, das Irrtum verhüten helfen
kann.
.Wir tragen ein Erlebnisvermögen für
dieses Ur-Seiende in uns, aber ohne unser
bewußtes Mitwirken vermag auch keine
„Gnade” das hier gemeinte Vermögen so
zu entfalten, daß es uns die ihm zugäng‐
liche Welt des wesenhaften substantiellen
Geistes zu offenbaren imstande ist.
.Diese Welt des urewigen Geistes, die
wieder unzählige Einzelwelten in sich faßt,
ist kein unwandelbar Starres, kein unge‐
ordnetes Chaos, sondern ein stets Beweg‐
tes: — ein Kosmos klarster, in steter Ver‐
wandlung begriffener, dennoch im Sein mit
sich selbst identischer Formen.
.Wer im Geiste die Welt des Geistes
erleben lernen will, der muß zuvor in sich
selbst die Hemmungen beseitigen, die ihm
aus der Vorstellung erwachsen sind, als
sei das dem irdischen Auge unerfaßbare
Geistige in keiner Weise sinnengemäß, viel‐
mehr ein flüchtiges, in sich ungegliedertes
Wehen und Wogen ohne bestimmte For‐
menerzeugung.
.Er wird sich klar darüber werden müssen,
daß seine eigene letzte Lebensursache
der Geist ist, — daß auch in irdischer Ver‐
körperung der Organismus des geistigen
„Leibes” zur Tätigkeit kommen kann, und
daß dann rein geistige „Sinne” an Stelle
der Körpersinne sich entfalten.
.Allerdings wird sich der Suchende auch
sagen müssen, daß im Geiste nur erlebt
werden kann nach geistiger Anschauungs‐
weise, genau so, wie die uns hier auf Er‐
den umgebende und leibvertraute physische
Welt nur infolge physisch-sinnlicher
Anschauungsart erlebbar ist.
.Und wie in der physischen Welt das
Welterlebnis durch die physischen Sinne
bedingt ist, so kann auch im Geiste nur
das erlebt werden, was der jeweilige Ent‐
faltungszustand der geistigen Sinne des
Einzelnen erlebensmöglich werden läßt.
.So, wie nun in unserer physischen Er‐
denwelt die irdischen Sinne ganz verschie‐
dene Entwicklungsmöglichkeiten aufweisen,
wodurch denn das Welterlebnis eines je‐
den Menschen anders bestimmt wird, je
nachdem der eine oder der andere Sinn
die Führung übernimmt, so ist auch das
Geisterlebnis von der in jedem Menschen‐
geist anders geordneten Entfaltungsfähigkeit
der geistigen Sinne abhängig.
.Soll die Reihe der Analogien, die ich
hier aufzeige, aber vollständig sein, so muß
ich den Schüler noch auf eine sehr wesent‐
liche Gleichheit aufmerksam machen, die
zwar alles Vorgenannte voraussetzt, aber
für die Beurteilung geistigen Erlebens
keineswegs etwa erst an letzter Stelle steht.
.Ich meine hier die Tatsache, daß wir
das Geistige ebenso wie das Physischsinn‐
liche sowohl kalt-sachlich erkennend,
wie auch mit der ganzen Wärme seelischen
Einklangs erleben können.
.Beim erdensinnlichen, wie beim
geistsinnlichen Erleben handelt es sich
immer nur um das Erleben von verschie‐
denen Aspekten der gleichen Urkraft,
die ich in einem meiner Bücher daher gerade‐
zu als „das einzig Wirkliche” bezeich‐
net habe.
.In dieses „Einzigwirkliche” vermag
in aller Ewigkeit kein anderes, als sein
eigenes „Bewußtsein” einzudringen, so
daß es selbst den höchsten, irdisch schon
unvorstellbaren Stufen ewigen Geistesmen‐
schentums wie nicht vorhanden wäre, be‐
wirkte sein Dasein nicht die Influenz-Er‐
scheinung der Seelenkräfte, die sich so‐
wohl im physisch-sinnlichen wie im
geistsinnlichen Leben in uns auszuwirken
trachten, wenn wir dieses Wirken nicht
selbst unterbinden.
.Darum ist es so überaus bedeutsam,
welche Seelenkräfte wir in unserem innersten
Wollen zu einen, — mit diesem Wollen
zu identifizieren wissen. —
.Nicht nur für unser erdenzeitliches, son‐
dern in noch weit höherem Maße auch für
unser geistig-ewiges Erleben!
.Darum ist es Denen, die in den Geist
gelangen wollen, höchste und strengste
Pflicht, ihre Seelenkräfte vor „Schaden”
zu wahren, damit nicht höchstes Streben
mit dem „Tode” der Seele ende, denn
jenes kalt-sachliche Erkennen, dem die
Inbrunst der Seele fehlt, ist Selbstver
dammnis die sich nicht eher endigen läßt,
als bis sich das Individualbewußtsein im
Laufe von Aeonen darin verbrauchte...
.Darum sind die ungestümen Streiter für
die Seele, denen es darum geht, daß der
„Geist” der Gehirne nicht die Seele töte,
zwar in Unkenntnis des ewigen substan
tiellen Geistes, aber innerhalb ihrer Er‐
lebnisweite keineswegs im Irrtum. —
.Das Erleben des ewigen, substantiellen
Geistes ist an sich gänzlich unabhängig
vom „Geist” der Gehirne: — vom Denken
und gedanklichen Erschließenkönnen.
.Nur zur Widerspiegelung und Mit
teilung des geistig Erlebten bedürfen wir
hier, im physisch-sinnlichen Zustand, der
Arbeit des Gehirns.
.Hingegen sind die Seelenkräfte, die —
wenn ich ohne Gefahr, irriges Verstehen
zu begünstigen, so sagen darf — in unserem
geistgeformten „Ich” an Stelle des phy‐
sischen Gehirns treten, erst dieses Erlebens
ewige Rechtfertigung.
47 Der Weg meiner Schüler
.Wer, als mein Schüler, den Weg zu
seinem Ziel, den ich ihm zeige, auf die
seiner Art entsprechende Weise einmal be‐
schritten hat, für den darf es kein Hasten,
Drängen und Jagen nach dem Ziele geben!
.Mit sicherer Zuversicht muß er einen
Schritt an den andern reihen, ausdauernd
und mit Bedacht, immer auf seine ihm
eigene Weise, wie er sie in meinen Worten
beschrieben fand und sonach wählte, —
denn dieser „Weg” wird beim endlichen
Erreichen des Zieles nicht „aufgegeben”,
wie etwas, das man nun nicht mehr braucht,
sondern wird ewiger geistiger Besitz des
zum Ziele Gelangten.
.Der bedarf dieses, nun für ihn — weil
durch ihn — „geöffneten” Weges, soll sein
erlangtes ewiges Geistesbewußtsein mit dem
vereinigt bleiben, was ihm die Identität
verbürgt in seinem geistigen und irdischen
Erleben...
.Das „Durchschreiten” des Weges, der
in den Geist gelangen läßt, ist ein „Schrei‐
ten” in der äußeren Zeit, aber im eigenen
inneren, geistigen Raum!
.So ist auch das Ziel zwar in der äußeren
Zeit, jedoch nur im inneren, geistigen
Raum zu finden. —
.Darum nutzt es nichts, nach außenhin
zu suchen, und es ist verkehrt, zu glauben,
daß sich das Ziel an einem Orte leichter
erlangen lasse, als an einem anderen.
.Das Gleichnis des „Weges” ist aber für
das Vorwärtsgelangen im eigenen Innern,
und während des ununterbrochenen Ab‐
laufs der äußeren Zeit, durchaus nicht will‐
kürlich gewählt.
.Nicht „zufällig” gebrauchten, seit den
ältesten Zeiten, alle „aus dem Geiste” Leh‐
renden immer wieder den Hinweis auf die
hier bestehende Analogie.
.Obwohl der Suchende sein Ziel nur im
eigenen inneren, geistigen Raum finden
wird, kann er doch im gleichen inneren
Raum noch unendlich fern von seinem
Ziele sein. —
.Er muß die äußere Zeiterwandern”,
die ihn Tag um Tag näher an den Tag
der Erlangung bringt.
.Es sind erfühlbare Zustände des Empfin‐
dungsvermögens, die sich da aneinander
reihen.
.Jeder folgende ist durch den zu Bewußt‐
sein gelangten vorhergehenden bedingt, und
keiner kann etwa „übersprungen” oder er‐
lassen werden!
64 Der Weg meiner Schüler
.Aber die Schädeldecken der mensch‐
lichen Häupter bilden durchaus keinen her‐
metischen Abschluß der Gehirne gegen ge‐
hirnlich wahrnehmbare Außenschwingungen,
— und die Kräfte aus denen sich organisch
die Seele formt, lassen sich nie und nimmer
so vollkommen isolieren, daß sie dem All‐
bewußten, Allfühlenden, Allerlebenden im
unermeßlichen Meere der bindungsfreien
Seelenkräfte unzugänglich würden.
.So kommt es denn dazu, daß jedem
Menschen viel mehr bekannt ist, als er
weiß, auch wenn dieses hier gemeinte „Be‐
kannte” erst einen Anruf braucht, um be‐
wußt zu werden, — sei dieser „Anruf” ein
Wort, ein sichtbares Ding, oder ein inneres
Erleben.
.Und auf diese Weise ist einer unver‐
krüppelten Seele denn auch von dem, was
ich ihr nahezubringen habe, bereits weit
mehr „bekannt”, als der nur gehirnerleuch‐
tete Mensch beim Schein seiner immerfort
unruhig flackernden Lichtquelle sich träumen
läßt...
76 Der Weg meiner Schüler
.Es ist schon manche Schwierigkeit aus
dem Wege geräumt, wenn man sich klar
macht, daß ich in allererster Linie mit
dem von mir charakterisierten, noch nicht
dem Gehirn Faßbaren, aber der Seele be‐
reits „Bekannten”, als Verständigungsfaktor
rechne.
.Wenn der Leser meiner Bücher — einst‐
weilen — den stets vordringlichen, immer
vorlauten Einreden des seiner selbst so
ahnungslos „sicheren” Verstandes einiger‐
maßen zu wehren weiß, so daß jenes der
Seele „Bekannte”, wenn auch dem Gehirn‐
bewußtsein noch nicht Nahegekommene,
überhaupt aufgerufen werden kann, dann
hat er sich selbst den Zugang geöffnet, um
auf den Weg „in den Geist” zu gelangen,
wie meine Worte ihn zeigen und beschreiten
lehren.
.Dann wird er schwerlich noch beson‐
deren „Schwierigkeiten” begegnen, voraus‐
gesetzt, daß er die Ausdauer wirklich be‐
sitzt, die unerläßliche Vorbedingung für
Alle ist, die den Weg in den Geist be‐
schreiten lernen wollen.
78 Der Weg meiner Schüler
.Bei dem Worte: „geistsubstantiell
bitte ich zu bedenken, daß ich überall, wo
ich vom substantiellen Geiste spreche, —
im Gegensatz zu dem Geistbegriff, der den
menschlichen Verstand und die Äußer‐
ungen der Gehirnbewegungen meint —
unter den Worten geistige „Substanz” das
Allerwirklichste: — die Fülle aller Ur‐
seinskräfte, verstanden wissen will!
.Diese Geistes-„Substanz” ist nichts Starres,
sondern aus sich selbst heraus das Aller
freieste, durch nichts zu Behindernde,
ewig Bewegliche, ewig sich Bewegende.
.Sie ist nicht etwa „geschaffen”, sondern,
ohne besonderen Willensakt, — gege
ben durch das bloße Vorhandensein des
Urseins”, wie ich das Allerinnerste des‐
sen, was „ist”, nennen muß, wenn es be‐
zeichnet werden soll.
.Auch die, heute kaum erst von genialen
Theoretikern der Physik erahnten aller
subtilsten Kräfte des Weltalls sind nur
als eine Art „Induktionswirkung” der
von mir gemeinten geistigen „Substanz”
zu verstehen, während die „gröberen” ir‐
dischen Kraftäußerungen, wie etwa alles,
was wir elektrische oder magnetische Er‐
scheinungen nennen — um nur ein Bei‐
spiel zu geben — erst gleichsam Reflex
wirkungen dessen sind, was ich, — in
bildmäßiger Erinnerung an die Induktions‐
spule, in der ein indirekt bewirkter elek‐
trischer Strom entsteht, — als „Induktions‐
wirkung” bezeichne...
86 Der Weg meiner Schüler
.Es dürfte begreiflich sein, daß der Su‐
chende, der „in den Geist” gelangen will,
— außer dem Deuter und Wegbereiter, als
der ich in meinen Lehrworten zu wirken
habe, — auch noch andere Hilfe braucht,
sobald er sich, wenn auch fast überreich
belehrt, selbst auf dem Wege findet!
.Für diese Hilfe aber ist dann gesorgt,
und um ihrer habhaft zu werden, braucht
es nur die innere Haltung der Zuversicht
eines im voraus Dankenden.
.Dem Menschen kann aber kein „Gott”
unvermittelt helfen, sondern nur der Mensch,
und, wenn es sich um „göttliche” Hilfe
handelt: — nur ein Mensch, der zum Trans‐
formator substantieller geistiger Kräfte wurde!
.Was dann den Menschen an geistiger
Hilfe erreicht, ist seiner Aufnahmefähigkeit
angepaßt, und bleibt ihr angepaßt, bis
er selbst das substantielle ewige Geistige,
in seinem, aus der Latenz erweckten geistigen
Organismus zu erleben vermag, — einerlei,
ob der dazu nötige Prozeß während des
irdischen Leibeserlebens schon beendet wer‐
den kann, oder — wie zumeist — hier nur
begonnen wird, um in nachirdischen Er‐
lebenszuständen seine Vollendung zu finden.
.Es gibt da unzählige, verschiedene
Stufen der Entfaltung, und das Gleiche gilt
von dem einzig möglichen, wahrhaft wirk
lichen Gotteserlebnis, das dem Menschen
werden kann: — dem Erleben seines „leben‐
digen” Gottes in der eigenen Seele. — —
.Dieses einzige wirklich „reale” Gott‐
erlebnis („Gott” ist nicht nur „Geist”, son‐
dern, vergleichungsweise gesagt: die subtilste
Eigengestaltung des Geistes! —) ist keines‐
wegs erst zu erlangen nach der Vollendung
des substantiellgeistigen Organismus, wohl
aber muß dieser tatsächlich „erweckt” worden
sein, so daß er bereits das distinkte Bewußt‐
sein der Identität des „Ich” (als der singu‐
lären Erlebensform aller ewigen Bezirke) in
der Seele zum Aufleuchten bringen konnte.
.Der Mensch, dem dann solches Erleben
wirklich wird, fragt nicht mehr, und kann
nicht mehr fragen, ob es ihm nun auch
wahrhaft geworden sei, oder ob er nicht
nur einer Selbsttäuschung erliege, denn was
er erlebt, durchstrahlt seine Ich-Form mit
der unangreifbar sichersten Gewißheit,
die es in Zeit und Ewigkeit gibt!
89 Der Weg meiner Schüler
.Wenn aber gesagt wird: „Glaube ist
Wille”, so ist auch weiter zu sagen: —
Wille, wie er hier gefordert wird, ist
nichts anderes als die hohe Kraft der
Imagination”, durch die der Mensch in
seinem Innern sich die Form seines Schick‐
sals gestaltet, sei es in Bezug auf sein
äußeres Dasein oder im Hinblick auf das
Erreichen seines höchsten Zieles in der
geistigen Welt. — —
98 Der Weg meiner Schüler
.So, wie jedoch der körperlich Kranke,
dessen Krankheit von einer Art ist, die
durch den Glauben geheilt werden kann,
das Bild der Gesundheit in sich aufrich‐
ten muß, und zwar aus gleicher Kraft, durch
die er bisher in sich das Bild der Krank‐
heit aufgerichtet hatte, so muß auch der
Suchende, der sein höchstes Ziel im
Reiche des Geistes erreichen will, aus
der Kraft des Glaubens in sich selbst die
geistige Form erschaffen, in die er sich
wandeln will...
.Noch nie hat auch der glühendste
Wunsch aus einem Suchenden einen Fin
der werden lassen im Reiche des Geistes!
.Auch hier muß die Möglichkeit des
Findens erst zur Gewißheit geworden
sein, bevor das hohe Ziel erreicht werden
kann.
.Der Glaube an sich selbst ist der
einzig wirksame Wille zu Gott, und dieser
formgebende Wille allein errichtet „das
Bildnis dessen, was er werden soll”, im
Innern des Suchenden. —
.Nach diesem Bildnis wandelt sich dann
der unsichtbare geistige Organismus des
Suchenden dergestalt um, daß er mehr und
mehr des Findens fähig wird.
101 Der Weg meiner Schüler
.Alle geistige, hohe Hilfe, die dem Men‐
schen stetig dargeboten ist, damit sie er‐
setze, was ihm noch mangeln muß, wenn
er, aus irdischer Dunkelheit heraus, sich
auf den Weg zum Lichte wendet, bleibt
völlig machtlos, so lange sie nicht das
Vertrauen zu sich selbst in dem Su‐
chenden wirksam findet. —
.Nur einer, der sich selbst vertraut,
vermag es auch, der hohen Hilfe zu ver‐
trauen, die er auf seinem steilen Höhenpfade
nicht entbehren kann. —
.Nur einer, der sich selbst vertraut, ist
des rechten dynamischen Glaubens fähig:
— steht im Willen zu seiner Erlösung,
entwunden dem bloßen Wunsche!
104 Der Weg meiner Schüler
.Die Bekämpfung der Angst wird nur
dann erfolgreich vor sich gehen, wenn, die
im jeweiligen Fall wirksamen, angsterzeu‐
genden Vorstellungen klar erkannt, und
die angstbewirkenden Momente dieser
Vorstellungen durch nüchterne Betrachtung
zur Zersetzung gebracht werden.
.Da diese Vorstellungen nicht nur in den
einzelnen angstanfälligen Menschen ver‐
schieden sind, sondern auch im Einzelnen
selbst vielfältig wechseln können, so ist es
ratsam, sich immer wieder den schon er‐
wähnten Gehirnbefehl zu geben, sofort aus
dem eingetretenen Angstkrampf zu „er‐
wachen”.
.Danach aber muß unbedingt die angst‐
bewirkende Vorstellung gedanklich isoliert
und auf ihre angsterzeugenden Momente
hin untersucht werden.
.Hat man diese Momente genau festge‐
stellt, dann sind sie leicht im Denken auf
zulösen und können dann fernerhin nicht
mehr zur Wirkung kommen.
117 Der Weg meiner Schüler
.Die Erlangung identischen Bewußtseins
im verstandesartig-begrifflichen, im
seelischen, und im substantiell-geisti
gen Erfassen ist gewiß ein Postulat der
substantiell-geistigen Welt, aber keineswegs
lautet diese Forderung etwa dahin, daß der
Inhalt des verstandesmäßig-begrifflichen
Bewußtseins einfach nur gewechselt werden
solle, so daß fortan lediglich Begriffe von
geistsubstantiellen Dingen aufzunehmen
wären.
.Es handelt sich vielmehr um drei, dis
tinkt in ihrer Erlebensart voneinander
geschiedene Bewußtseinsarten, die in der,
selbst dem innersten Göttlichen eigenen,
Erlebnisform: — „Ich” — gemeinsamer
Besitz eines Individuums werden sollen!
.Darum hängt so Außerordentliches hier
vom Willen des Menschen ab: — von seiner
Bereitwilligkeit, ganz neue Bewußtseins‐
formen in sich kennenzulernen, die mit dem
ihm bisher bekannten verstandesartig
begrifflichen Bewußtsein sehr wenig ge‐
meinsam haben, und sich auch in Worten
nicht schildern lassen, da sie nur durch
eigenes „Innewerden” erfahrbar sind.
.Es würde den Suchenden aber in keiner
Weise weiter bringen, wenn er sich nun
darauf verlegen wollte, sich allerlei „aus‐
zumalen” um zu irgend einem Begriff von
der besonderen, ihm noch nicht bekannten
Eigenart des Bewußtwerdens in den ewigen
Kräften der Seele, und im substantiellen,
ewigen Geiste zu gelangen.
.Was wirklich vom Geiste her von je‐
dem Schüler des Geistes erwartet wird, liegt
auf physisch greifbarem Gebiet, wenn die
Auswirkungen auch bereits weit darüber
hinaus in rein seelische und geistsubstan‐
tielle Gefilde reichen.
140 Der Weg meiner Schüler
.Nur weil er zugleich substantieller,
ewiger Geist ist, kann er nach vollbrach‐
ter Vereinung Geistiges erleben, — kann
er in sich selbst, als Geist vom Geiste der
Ewigkeit, seiner selbst geistbewußt wer‐
den. —
.Es ist dazu vonnöten, daß ein bestimmtes
Verhalten, ausdauernd für lange Zeit, ein‐
gehalten wird.
.In meinen Lehrtexten sind die verschie‐
denen Formen, in denen sich dieses Ver‐
halten darstellen kann, genau beschrieben.
.Zweck dieses Verhaltens ist in erster
Linie: — die Gewohnheit, das Leben zu
denken, statt es zu leben, mehr und mehr
aufzuheben, und wirklich aktiv und be‐
wußt leben zu lernen. —
.Aktives Leben soll an Stelle des „Ge‐
dankenlebens” treten.
.Vollkommen hat solches Streben seinen
Zweck dann erreicht, wenn auch das Denken
gelebt wird, nicht mehr nur: „gedacht”. —
.Was hier gemeint ist, kann ich nicht
deutlicher sagen, weiß aber wohl, daß sich
Keiner, der noch gewohnt ist, sein Leben
zu denken, auch nur schattenhaft vor
stellen kann, was ich hier meine...
.Das ist auch nicht notwendig, denn es
handelt sich nicht um ein Vorstellenkönnen,
sondern um das Lebenlernen!
.Der sein Leben denkende Mensch glaubt
in dem Denken: daß er lebe, und dessen,
was er erlebt, sein Leben zu umfassen, —
aber dem Denken ist das Leben nur Ge
genstand, wenn auch der Gegenstand,
der alle anderen möglichen Gegenstände
des Denkens in sich schließt, — und das
Leben ist für das Denken im gleichen
Moment erloschen, in dem das Denken
selbst erlischt.
.Nun kann aber das Leben immerhin
doch gedacht werden, und ungezählte
Millionen kennen es nur im Denken, —
aber niemals ist der substantielle ewige
Geist im Denken erfaßbar, sondern nur
im Leben: — im geschehenden, — nicht
gedankenbedingten, — Erleben! — —
.Während im Denken das Leben immer
nur gedacht wird: — nur als Gedanke
Realität aufweist, — bildet das wirkliche
Leben des Lebens ein Geschehen in das
man einverwoben ist.
.Daher ist „leben lernen” die Aufgabe
dessen, der „in den Geist” gelangen will,
denn in den Geist gelangt man nicht im
Denken, sondern durch ein erhabenes
Geschehen, das nur dem erfahrbar ist,
der dort, wo Andere zu leben denken,
erfahrungsfähig im aktiven Leben wurde.
.Dieses Leben-lernen wird nicht „mit
einem Schlage” erreicht, und das Leben‐
können kommt nicht über den Menschen
wie eine „urplötzliche Erleuchtung”.
.Es muß vielmehr erarbeitet werden!
.Es ist ein „Lernen”, — wenn auch
kein Lernen mit dem Verstand, — und
wie jedes Lernen hat es seine verschiedenen
Stufen, oder, wenn man bei dem Gleichnis
des inneren Weges bleiben will, — seine
verschiedenen Wegstationen! —
154 Der Weg meiner Schüler
.Der Tod des Erdenleibes berührt diese
„Ausübung” des „Gelernten” nur insofern,
als danach dieser Leib nicht mehr gelebt
wird, — wohl aber das von diesem Leibe
gelernte Denken, das ein Mensch im ewi
gen Leben nur dann zugleich zu leben
weiß, wenn er es hier im irdischen Leibe,
durch den Leib, „gelernt” hat...
.Wer es nicht „leben” lernte im Leib,
der kann es auch nach des Leibes Tod nur
träumend denken, wie er auch sich selbst
noch lange Zeit — bis er das Geistige leben
lernt — traumhaft denkt, wenn auch die
ses Denken nicht mehr in einem Gehirn
registriert wird.
.Ich rede auch nicht umsonst von unserem
substantiell-geistigen Organismus!
.Ein „Organismus” ist mir etwas aus sich
selbst Erwachsenes und im eigenen Leben
Stehendes.
.Der irdische Leib ist mir in meinem
Sinne kein „Organismus”, sondern eine
Kombination von Organen.
.Ich weiß wohl, daß man auch in anderer
Terminologie denken kann, und als ich noch
mein Leben dachte, war sie auch die meine,
— aber seitdem ich mein Denken zu leben
vermag, kann ich sie nicht mehr brauchen...
159 Der Weg meiner Schüler
.Diese Außenwelt wird ihm, soweit es
sich um sein eigenes Leibliches handelt,
empfindungsbewußt, und alle Zustands
veränderung wird fühlend wahrge‐
nommen.
.Was aber außerhalb des eigenen Erden‐
leibes, diesen umgibt, gelangt nur inso‐
weit zu einer Wahrnehmung im leiblichen
Fühlen, als es eben dieses Leibliche be
eindruckt, mögen die Einwirkungen kaum
wahrnehmbar oder überaus heftig sein,
— mögen sie das Gefühlsvermögen ange
nehm oder quälend erregen.
.All dieses sinnenfällig Wirkende ist je‐
doch dem Fühlen nur für den jeweiligen
Augenblick gegeben und wird sogleich
durch neues Fühlen abgelöst, mag auch
dieses Aneinanderreihen von Augenblicks‐
inhalten zuweilen als konstantes Währen
des Fühlens erscheinen, wie die unzähligen
Projektionsbilder, die von einem Film‐
streifen herrühren, als währendes Bild
aufgenommen werden, solange in dieses
Bild keine Bewegung der Darsteller oder
anderer bewegungsfähiger Erscheinungen
eintritt.
.Für begrenzte Zeit, — im äußersten
Falle bis zum Tode des Erdenleibes, —
können sich dem Bewußtsein Erinner
ungsbilder ehemaligen Empfindens der
eigenen leibesbedingten Existenz, sowie des
jeweiligen Gefühlswertes der sinnenfälligen
Beeindruckungen durch die Außenwelt, er‐
halten.
.Alle weitere Beziehung zur Außenwelt
wird dem Erdenmenschen nur durch sein
Vorstellungsvermögen, — aber die Pro
dukte, die das Vorstellungsvermögen her‐
vorbringt, sind derart dem menschlichen
Willen — in seinem Aspekt als Glaube
unterworfen, daß der philosophische Irrtum
auftauchen konnte, als sei „die Vorstellung”
Schöpferin der außenweltlichen Erschei‐
nungsformen.
.Wenn sie das nun auch freilich gewiß
nicht ist, sondern vielmehr das Resultat
des Vermögens darstellt, sinnlich unerfaß‐
bare Wirkungen der Ur-Seinskräfte in Bild
form zusammenzufassen: — gleichsam Ab‐
breviaturen komplizierter Geschehensab‐
läufe, in einer, den menschlichen Sinnen
angepaßten Formierung zu gestalten, — so
bildet doch die Welt der Vorstellung auch
keineswegs die wirkliche, den physischen
Sinnen zugängliche Welt.
.Wie tiefgründig verankert dem Einzelnen
seine Vorstellungswelt auch erscheinen mag,
so wird es doch für ihn zuweilen Momente
geben, in denen er sich vor der Erkenntnis
findet, daß er noch sehr weit davon ent‐
fernt ist, die seinen physischen Sinnen mög
liche Aufnahmefähigkeit vollständig in Ge‐
brauch genommen zu haben. —
.Die Welt der Vorstellung ist aber un‐
streitig die für den Einzelnen maßgebende
Welt, einerlei, wie wenig sie der Welt ent‐
spricht, die ihm bei gänzlicher Ausnützung
der Möglichkeiten seiner Erdensinne erfaß‐
bar werden könnte.
.Nun ist aber diese, für das menschliche
Handeln so folgenschwer bedeutungsvolle
Welt der selbsterzeugten Vorstellungsbilder
ein sehr variables Gebilde, das nicht nur
durch eigene Einsichten und Erfahrungen
beeinflußt wird, sondern gleichzeitig auch
durch die Vorstellungswelten der Anderen.
.So bilden sich denn Menschengruppen
aus vielen Einzelnen, die ihre Vorstellungs‐
welten sehr weitgehend einander angeähnelt
haben, und aus der Feststellung solcher
Ähnlichkeit wird den Einzelnen ein schein‐
bar „schlagendes” Argument für die „Rich‐
tigkeit” ihrer Vorstellungsbilder, obwohl
diese vielleicht nur Karikaturen der Welt
sind: der Welt, die unverblendeten phy‐
sischen Sinnen wahrnehmbar ist.
.Der Schüler im Geistigen wird also nicht
nur immer wieder sein eigenes Vorstellungs‐
weltbild zu überprüfen haben, sondern auch
das der Gruppe, zu der er im Verlauf
seiner Lebensumstände hinfand, — oder
auch der, viele Untergruppen oder „Par‐
teien” umfassenden Volksgruppe, in die
er sich hineingeboren weiß.
.Da die Forderungen des Geistes die glei‐
chen bleiben, ob es sich um den Einzelnen,
oder um eine „Masse” Einzelner handelt,
so kann man nicht als Einzelner den For‐
derungen nachleben, deren Erfüllung Vor
aussetzung sind für Jeden, der „in den
Geist” gelangen will, — und gleichzeitig,
ohne klaren Vorbehalt, dem Vorstellungs‐
weltbild einer Gruppe dienen, deren Äus‐
serungsformen automatisch den inneren Weg
in den Geist verbauen.
169 Der Weg meiner Schüler
.Wohl soll die Fähigkeit, Haß empfin‐
den zu können, nicht etwa ausgerottet
werden, denn mit ihr wäre auch die Fähig‐
keit, urgeistige, ewige Liebe zu empfinden,
ausgerottet, — aber die aufkeimende Empfin‐
dung des Hasses darf nicht gehegt, sondern
nur „konstatiert” werden, wonach für
den Schüler im Geistigen die große Tat
beginnt, den eben in seiner ganzen Wucht
in sich vernommenen Haß — in Liebe
umzuwandeln, deren Gegenpol er ist, als
171 Der Weg meiner Schüler
.Überall, wo es nötig wird, sind die von
mir formulierten Sätze, Worte und Silben
mit substantiellem Geistigen — gleichnis‐
weise gesagt: — „geladen”.
.Ich kann den dazu nötigen, im höch
sten Sinne „magischen” Vorgang, weder
beschreiben noch lehren, sondern nur dar‐
auf hinweisen, daß es sich dabei um gar
nichts Mysteriöses, wohl aber um das Be‐
nützen der in fast allen Sprachelementen
latent vorhandenen, und beim lauten oder
auch nur „gedachten” Aussprechen frei‐
werdenden substantiell geistigen Schwing‐
ungen handelt.
.Viele haben sie bewußt empfunden,
ohne zu ahnen, wie die von ihnen wahr‐
genommene Hilfe in den ihnen dargebotenen
Worten „akkumuliert” war...
185 Der Weg meiner Schüler
.Solange eine Stelle in einem meiner Bü‐
cher, die vom wirklichen ewigen Geiste und
den Dingen des substantiellen geistigen Le‐
bens handelt, noch nicht den freudigen
Widerhall weckt, den man empfindet, wenn
etwas lang Vergessenes, dem voreinst unsere
Liebe gehörte, wieder vor uns genannt
wird, — solange ist die betreffende Text‐
stelle noch nicht verstanden!
189 Der Weg meiner Schüler
.Die heutige Welt ist in jeder Beziehung
Ausdruck dessen, was der heutige Mensch
auf Erden durchlebt haben muß, soll seine,
seit vielen Jahrhunderten beibehaltene Stre‐
bensrichtung ins Äußere und Aller
äußerste, wieder umkehrfähig werden
und sich dem Inneren zuwenden können.
.Man darf sich nur eine solche Umkehr
nicht wie eine Art „Massenbekehrung” vor‐
stellen!
.Was wirklich wandlungsfähig wurde,
wird ganz unvermerkt gewandelt, — und
so stehen wir heute bereits mitten in der
Verwandlung, während doch die Meisten
meinen, es gehe immer noch weiter nach
außen hin...
.Die Augen sind vorerst noch zu sehr
an das Suchen weit draußen vermuteter,
oder nur erhoffter Horizonte gewöhnt, als
daß sie heute schon klar zu erkennen ver‐
möchten, wie verkrampft bereits alles Stre‐
ben ins Äußere, Alleräußerlichste wurde,
weil es nur noch peripheres Ausbeben
müssen längst schon in ihre Triebkraft‐
quelle zurückgenommener Allmensch‐
heitsimpulse ist. —
.Wie ein kaum noch leuchtendes Kerzen‐
licht kurz vor dem Erlöschen noch einmal
überhell aufflackert, so feiert heute der
Trieb ins Äußere Triumphe die nichts
anderes als Bestätigungen seines Erlöschen
müssens sind, weil die Richtungsumkehr
bereits unvermerkt überall dort begonnen
hat, wo sie die ihr gemäßen Bedingungen
erfüllt fand.
.Die großen Allmenschheitsimpulse bie
gen die Strebenskräfte um, aber sie bre
chen sie nicht!
.In solcher Zeit ist das Denken, Reden
und Tun des Einzelnen weitaus bedeutungs‐
voller als inmitten der noch nicht end‐
nahen Auswirkung zeitbedingter Allmensch‐
heitsimpulse.
.Mehr als jeder Andere braucht aber der
Suchende nach seinem eigenen geistgegebenen
Seinsmittelpunkt, in solcher Zeit eine innere
Erfahrungswelt, in der schon das dem Äus‐
seren noch Zukünftige, in wirklichkeits‐
gemäßer Gestaltung wirkungskräftig ist...
199 Der Weg meiner Schüler
.Daher ist der Suchende immer in Gefahr
arger Täuschung, wenn ihm nicht Einsichten
zugänglich sind, die das in Wahrheit
Zukunftsbildende klar erkennen lassen.
.Solchen Einsichten aber wird er fast
auf jeder Seite meiner Bücher begegnen.
.Läßt er sich tagtäglich durch sie beraten,
dann wird sich ihm die Zukunft in seiner
eigenen Gegenwart bereits offenbaren,
und er wird Mitschöpfer des Kommen
den sein aus eigenem vorempfangenen
Erleben!
.Dann erst wird er an sich selbst erfahren,
daß das irdische Dasein auch in den schwer
sten und traurigsten Zeiten seinen „Sinn”
nicht verlieren kann, — daß es ihn aber
nicht etwa im Denken und Gedachten
hat, sondern in der Fähigkeit, geistgemäß
handeln zu können.
.Wer mir „Schüler” im Geistigen sein
will, der ist es keineswegs schon, weil er
so denkt, wie er mich denken findet oder
zu finden glaubt, — sondern wird es erst
dann, wenn sein tätiges Leben sich derart
umgestaltet, wie die Ratschläge meiner Bü‐
cher das nahelegen!
.Kann er sich dann eines Tages sagen,
daß diese Bücher ihm zum Anlaß wurden,
ein neues, von innerer Gewißheit und frü‐
her ungekannter Tätigkeitsfreude erfülltes
Leben zu beginnen, und daß er nicht mehr
ohne die Lehren und Anregungen, die ich
für ihn niederschrieb, leben möchte, —
dann hat er meine Bücher gebraucht, „wie
sie gebraucht sein wollen”!
202 Der Weg meiner Schüler
Gezwungen, in zeitlichen Bildern zu
reden, weiß ich wohl, daß mancher, stolz
und gewiß, seines begrifflichen Erkennens
froh, solches Geschehen in dem, was „ewig”
ist, als „absurd” erklären wird, allein das
wirkliche „Ewige” ist ein anderes als
der Begriff, den sich intellektuel
les Vorstellen schuf, und keine Weis‐
heit des Verstandes wird je den Be‐
griff zu bilden vermögen, der sich hier mit
der Wirklichkeit deckt...
.In tiefstem Fühlen nur läßt sich für
jene, die „guten Willens sind”, ein we
niges von dem erahnen, was das Ewige
in Wirklichkeit ist, und alles speku‐
lative Erdenkenwollen muß an dieser
Wirklichkeit zerschellen. —
.Von allen, die auf Erden leben, kann stets
nur einer, der „zurückgefunden” hat,
dorthin, von wo er einst als Geistform
ausgegangen war, von dieser „Wirklich‐
keit” wahrhaftes Zeugnis geben.
33 Das Mysterium von Golgatha
.Die Erkenntnisse der Seele wollen nicht
„verstanden”, sie wollen geschaut, er
fühlt, erlebt und erobert werden.
54 Das Mysterium von Golgatha
.Das, was der Deutsche „Gemüt” nennt,
führt vielleicht noch am ehesten in jene
Region, in der ein Ahnen dieser Kraft
zu Zeiten möglich ist, allein man verbindet
mit diesem Wort und seinem Inbegriff so viel
Verschwommenes, daß selbst dieser
zage Hinweis schon zu grobem Irrtum führen
kann.
55 Das Mysterium von Golgatha
.Du mußt dich ähnlich so zu empfinden
suchen, wie du dich empfindest, wenn eine
liebe, längst nicht mehr gehörte Melodie dir
unerwartet in der Abenddämmerstunde aus
der Ferne zuströmt, dich ergreift, und dich
im sanften Schweben ihrer Töne mit sich
zieht...
.In solchen Stunden, solchen Augenblicken,
öffnet sich ein wenig jene Pforte, durch die
du dereinst schreiten mußt, willst du ihr wirk‐
lich nahen, — jener Kraft, die dir auf deine
letzten Fragen Antwort geben kann. —
.Fasse den leisen Lichtstrahl, der aus dem
Spalt der Pforte fällt, mit liebendem Auge
und suche dich an sein mildes Licht zu ge‐
wöhnen!
.Wolle nicht gleich auf einmal alle
Helligkeit „erkennen”, die hinter der Pforte
ist, sondern zügle deine Wünsche und mache
dein Auge erst tüchtig, damit es die Art
dieses sanften Lichtes von jedem ande
ren Leuchten unterscheiden lernt...
.Du wirst gar bald entdecken, daß du bis‐
her etwas vernachlässigt hast, was
wohl sorgsamer Pflege wert gewesen wäre. —
Gehe mit mir hinaus in die Natur. Nicht
in der lauten Mittagshelle, obwohl auch die
Stunde, da „der große Pan schläft”, voll der
Geheimnisse ist, für den, der sie zu empfinden
weiß, — — sondern am späten Abend, wenn
alle Laute des Tages ruhen, oder am frühen
Morgen vor Sonnenaufgang.
.Du wirst da etwas fühlen in der weiten
Runde, das dich erhebt und beglückt ohne
Denken und Verstandesgründe...
.Gib dich diesem Fühlen hin und laß' es
in dir Wurzel fassen!
Wiederhole das oft, damit du ver
traut wirst mit deinem inneren Fühlen!
.Suche es in seinen differenzierten Nüancen
klar zu unterscheiden!
.Es ist nicht gleichgültig, ob du diese Ge‐
fühle nur in deiner Stube reproduzierst,
oder ob du sie, frisch und jedesmal neu, im
Freien empfindest. —
.Dein Zimmer, wie es auch sei, hat seine
eigene Stimmung, und wenn du auch noch
so klar in deine Erinnerung dich zu versenken
verstehst, so wirst du doch deine gewollte
Stimmung unwillkürlich fälschen.
Im geschlossenen Raume hast du andere
Möglichkeiten, dich zu stimmen und die ver‐
borgensten Saiten deines Gemüts zum Klin‐
gen zu bringen.
.Musik und Bildnerkunst, nicht
weniger als Poesie des Wortes, kön‐
nen dich in deinen Räumen zu dir
selber bringen.
.Ob du aber im Freien sein magst, auf
Bergeshöhen oder am Ufer eines stillen Flusses,
ob du die endlose Weite des Meeres auf dich
wirken lassen wirst, oder beim Lampenschein
die Worte eines Dichters lesen und empfangen
magst, — stets wird das Bewegte dein
Inneres sein, denn alles, was außen ist,
erteilt nur den Anstoß zur Schwingung,
trägt nicht in sich, was deine Seele durch
seine Vermittlung erfühlt. —
.Natur bleibt tot und kalt, und jedes Kunst‐
werk läßt sich fühllos betrachten, wenn du
nicht selbst bei der Seele hast, was dir
Natur und Kunst als Bewußtseinswert ver
mitteln soll.
.Nur in dir ist der Zauberbrunnen, aus
dem du deine goldenen Becher füllen kannst. —
So bist du nun jener unbenennbaren Kraft
schon um ein beträchtliches näher gerückt.
.Du lernst allmählich, daß du dich
selbststimmen” kannst, und alles, —
Nahrung, Kleidung, Aufent
haltsort, Einsamkeit und Ge
sellschaft, kann mit der Zeit dir „Stimm‐
gabel” werden...
.Je nach deiner „Stimmung” wirst du ver‐
schiedene „Klänge” in dir zum Ertönen
bringen, und du wirst dann gar bald ent‐
decken, welche Stimmung deinem Wunsche
nach seelischer Klarheit entgegenkommt. —
.Du arbeitest schon mit jener unbe‐
nennbaren Kraft, doch sind es vorerst nur
ihre fernsten und dunkelsten Strah‐
len, die du zu deinen Zwecken beherrschen
lerntest.
.Doch hier gibt es ein Weiterschrei
ten, hinauf, empor, hinein zu restloser
seelischer Klarheit! — —
.Wer hier vorwärts will, der muß zum
Künstler an seinem eigenen Le
ben werden. —
.Was vordem ihm „Erfüllung” schien, muß
jetzt ihm nur als Rohstoff gelten, aus
dem er, dem Bildner gleich, das Kunst
werk seines seelischen Gefüges
schafft! — — —
.Nicht mehr wahllos, oder nach Laune, darf
er sich dem überlassen, was ihm das Leben
bringt.
.Er muß das Leben selbst formen lernen,
dadurch, daß er sich in jedem Augen
blick zu „stimmen” weiß, so wie es seinem
letzten Ziel entspricht. —
Bis hierher konnte wohl mancher mit mir
gehen, doch an diesem Punkte werden die
meisten scheitern, weil es ihnen über
menschlich schwer erscheint, die man‐
nigfachen Geschehnisse des Alltags und seine
Nöte also zu meistern...
.Nur die Wenigen, die dazu reif geworden
sind, werden hier nicht versagen!
.Sie allein werden auf diesem Wege
auch zuletzt jene Kraft in sich entdecken,
deren Beherrschung Vorbedingung ist
für jeden, der den Pfad zum höchsten Lichte,
den ihm hohe Meister bahnten, mit Nutzen
betreten will.
.Mit dem Tage, an dem ein Mensch jene
Kraft in sich entdeckt und sie gebrauchen
lernt, beginnt für ihn ein neues Leben,
gegen das betrachtet alles, was er früher
„Leben” nannte, ihm erscheint wie ein dunk‐
les Frührot gegen mittagshelle Sommersonne.
.Und doch findet dieser Tag ihn erst am
allerersten Anfang jenes Weges, der
zum ewigen Lichte führt, jenes Weges, der
unendlich ist, weil er von Klarheit zu
Klarheit steigt, auf dem jedes Erkennen
stets wieder überstrahlt wird durch ein
neues, tieferes und reineres Erfassen,
das nur wieder höherer Erkenntnis, tie‐
ferem Erleben, klarerem Erschauen weicht...
.Endlos ist jener Weg, weil sein Ziel
unendlich ist und auf unendlichfältige Weise
sich erschauen läßt, — endlos ist er, weil
sein Ziel Unendlichkeiten birgt, und nie
mals, — auch nicht in Milliarden „Ewig‐
keiten” ganz zu ergründen wäre. — — —
Niemals aber wird ihn einer finden, der
jene unbenennbare Kraft, jenes geistige Auge
in sich nicht vorher entdeckt, von
dem die Weisesten aller Zeiten in mehr oder
minder durchsichtigen Symbolen geredet ha‐
ben, jenes Auge, das auch dort noch zu sehen
vermag, wo das Licht unserer Erdensonne in
einem höheren Lichte verschwindet, wie ein
Funke in lohendem Brand.
.Niemals wird einer jenes Auge in sich ent‐
decken und damit sehen lernen, der sich blen‐
den läßt durch die Feuerwerkskünste seines
Verstandes, — dem der Verstand (in
seiner Region ein verläßliches Werkzeug)
zum Herren und damit zum furcht
barsten Feinde wird! —
.Solches wissend aus tiefster Selbsterfahrung,
dankt der hohe Meister dem, den er den
„Vater” nennt, daß er „den Kleinen und
Unwissenden” sich offenbare, vor denen
aber, die ihres Wissens Sklaven
sind, sich verborgen halte. — —
.Solches erkennend, spricht er das Wort von
den „Kindlein”, denen jeder gleichen
müsse, der das „Reich des Himmels” in sich
selbst erfahren wolle. —
64 Das Mysterium von Golgatha
Man läßt sich allzu sehr dadurch täuschen,
daß das Gehirn während unseres irdischen
Lebens für alle Bewußtseinsarten zum Trans‐
formator wird, so daß sowohl die Äußerungen
der feineren physischen Kräfte
des Körpers, mögen sie irrtümlich als
„geistige” oder als „seelische” Äußerungen
gewertet werden, wie auch das wirkliche
Erleben des ewigen Reiches der
Seele und das Erleben des we
senhaften Geistes, stets im Ge
hirn registriert werden, solange ein gesun‐
des, lebendes Gehirn vorhanden ist.
.Wenn aber hier das gleiche Instrument
recht verschiedene Bewegungen re
gistriert, so darf man eben darum nicht
alle Unterscheidung beiseite lassen,
muß vielmehr in sich selbst „ablesen” lernen,
welche Art der Bewegung jeweils den Ge‐
hirnapparat berührt.
.Will man für das Wachstum der
Seele sorgen, so muß man wohl oder übel
allen Wert darauf legen, möglichst für eine
solche Einstellung des Gehirns zu sorgen,
der keine echte seelische Regung, kein Be‐
rührtwerden durch die Kräfte der Seele je‐
mals entgeht.
.Es ist darum durchaus nicht nötig und wäre
auch nur sehr unvollkommen möglich, daß
man die Empfindlichkeit des Gehirns für
andersartige Bewegungen abstumpft,
denn während wir hier als Erdenmenschen
leben, sind auch die Bewegungen der feineren
physischen Kräfte des Körpers, wie auch
seine gröberen Kräfte, für uns von Wich‐
tigkeit und sollen der Wachsamkeit des Ge‐
hirns keinesfalls entgehen.
.Aber: „Suchet vor allem das Reich
Gottes” und das, was es verlangt: „seine
Gerechtigkeit”, als Folge der rechten Erfül‐
lung ewiger Gesetze, „so wird euch alles
übrige beigegeben werden”.
89 Das Mysterium von Golgatha
.Solche Führung wird für den Suchenden
stets nur ein Teilnehmen an dem in
neren Leben eines in Gott Voll
endeten sein, genau dem Grade der Emp‐
findungsfähigkeit angepaßt, der bei dem Su‐
chenden bereits gegeben ist.
.Der „Führer” wird mit seiner quasi „pas‐
siven” Ein-Sprache da sein, wenn das Ver‐
halten des Suchenden ihn „ruft”, und der
Suchende wird nichts von dem Dasein des
Führers bemerken, sobald er seiner Führung
entraten zu können glaubt.
.Wie ein im Innersten verbundener, mit ihm
Eines gewordener Freund wird er den Su‐
chenden geleiten, ohne sich selbst anders als
durch sein eigenes Innenleben im
Geiste zu offenbaren, als „Vor-Bild” des Su‐
chenden, als Einstrahlung eines geistigen Seins,
das durch seine Existenz allein wirkt,
ohne eines Frage- und Antwortspieles zu be‐
dürfen. — —
114 Das Mysterium von Golgatha
.Ja, er stelle auch in rein geistigen
Dingen niemals „Fragen”, sondern warte
ruhig, in innerer Sammlung, bis ihm durch
Ein-Sicht in seines geistigen Lehrers inner‐
stes Erkennen Aufschluß wird über
jene Dinge, die ihm bislang noch ungeklärt
erschienen.
.Der wahrhafte geistige Führer weiß
ohne jede Anfrage, was in dem Suchen‐
den nach Klarheit verlangt, aber er ist auch
gehalten, Zeit und Situation zu be‐
achten, die für den Suchenden die Bedingungen
bieten, restlose Klärung in sich aufnehmen zu
können, denn nicht zu jeder Zeit
und in jeder Lage ist die Seele fähig,
das Bild, das die Strahlen geistigen Lichtes
ihr dauernd einprägen können, ohne Ver‐
zerrung wirklich in sich aufzunehmen.
115 Das Mysterium von Golgatha
.Wenn der „selig” wird, der daglaubt”,
so wird er es wahrlich nicht, weil er irgendeine
metaphysische Lehre für richtig hält, sondern
weil er die Kunst erworben hat, die Kraft
zu gebrauchen, von der hier die Rede ist, weil
er aus dem „Glauben”, aus der Kraft des
„Namens” lebt, der das Wort ist, das „bei
Gott” und das da „Gott” ist!
130 Das Mysterium von Golgatha
.Dieser „Glaube” ist nicht die durch
Erfahrung gewonnene Gewißheit, daß
man etwas tun könne, sondern die
Kraft, mittels der man es tatsächlich tun
kann!
132 Das Mysterium von Golgatha
.Torheit wäre es und Anmaßung
zugleich, wollte der Suchende glauben, hier
aus eigenem Ermessen den rechten
Pfad zu unterscheiden!
.Torheit und Anmaßung wäre es
aber auch, wollte er sich verwegen fähig
dünken, sein höchstes Ziel zu erreichen,
ohne die Prüfungen seiner Kräfte
erst zu bestehen, die auf den einzelnen Stadien
seines Weges neu an ihn herantreten werden. —
.Torheit und Anmaßung wäre es
endlich, wollte er in sich selbst sein höchstes
Ziel, das Bewußtsein der Ein
heit mit der Urquelle allen
Lebens, zu erreichen hoffen, ohne die
Hilfe solcher, die dieses Ziel schon er‐
reichten. — —
.Er würde dann einem Bergsteiger gleichen,
der den höchsten Gipfel des Gebirges
von der Ebene aus erreichen möchte, ohne
die Vorberge zu ersteigen, die den
Hauptgipfel umlagern, und von deren Höhe
aus ihm erst der richtige Weg zur er‐
sehnten höchsten Höhe des Gebirges
gezeigt werden kann.
162 Das Mysterium von Golgatha
Ohne jegliche Führung, ohne
jede Hilfe geistig Erwachter
kann jeder Mensch ein geistiges
Licht in sich gewahren, das Bild eines
flammenden Sterns, das die Mön‐
che des Athos nicht anders genugsam wür‐
digen zu können glaubten, als dadurch, daß
sie es das „heilige Licht der Gottheit” nannten.
.Aber nicht nur die Mönche der Athos
klöster, auch viele andere Mystiker und
Gottsucher ließen sich verführen, in diesem
Lichte die Gewißheit der Vereinigung ihrer
Seele mit dem lebendigen Gotte
bestätigt zu sehen.
.Indessen war alles, was sie erlebten, nur
ein vager Abglanz ihrer eigenen höch
sten Lebensform; — sie waren zu
Selbstanbetern geworden, wo sie die
Gottheit gefunden zu haben wähnten...
.Sie schauten in sich nur jene Lebens
form ihres Geistes, die erst
dann zu ewigem Leuchten erwachen
kann, wenn der „lebendige Gott”, voll
Kraft und Wirklichkeit, sie zum Throne seiner
Herrlichkeit macht, — wenn er sich selbst
„als Kind der Jungfrau” im Menschen dieser
Erde die „Geburt” bereitet, verkündet von
den „Hirten”, die da die „Nachtwache”
halten, — angebetet von den „Weisen des
Morgenlandes”, den Priesterkönigen aus dem
„innersten Osten”, die allenthalben den „Stern”
zu sehen vermögen, sobald er über einem
„Stalle” aufleuchtet, in dem „zwischen un‐
vernünftigen Tieren” der König geboren
wird, der Israel „erlösen” will.
.Viele sprachen in trunkener Rede von der
„Wiedergeburt”, — von der innigen „Freund‐
schaft” ihrer Seele mit „Gott”, — von der
„geistigen Hochzeit” mit dem „himmlischen
Bräutigam”, — — viele glaubten das Werk
getan und das „Nirvana” erreicht, — und
hatten doch nur in sich das Bild des „flam
menden Sterns” gesehen, der erst zu
ewigem Leuchten die Kraft empfangen muß,
die nur das „Urwort” geben kann und die
keiner je erlangt, der nicht den Weg beschrei‐
ten mag, den dasUrwortselbst
dem gefallenen Sohn des Geistes bereiten
mußte, damit es erneut für ihn erreichbar
werde.
Wir Menschen stehen nicht isoliert im
Dasein! Wir sind alle nur Auswirkung ewiger
Schöpferkraft, und als solche Auswirkung
durch tausend geheime Fäden miteinander
verbunden.
.Was immer es zu erreichen gilt, — niemals
kann der eine ohne den anderen fertig
werden, und in der harmonischen Wechsel‐
wirkung des einen auf den andern werden
alle großen Ziele menschlichen Strebens er‐
reicht. —
.Wollen wir um jeden Preis allein und
ohne Hilfe anderer etwas erreichen, so zei‐
gen wir dabei nur, daß wir uns selbst noch
nicht als das verstehen, was wir nun ein‐
mal sind und auch vor unserem „Falle”
von Ewigkeit her waren. — —
167 Das Mysterium von Golgatha
Nur aus dem strahlenden „Urwort” geht
„das Wort des Herrn in alle Lande” und
schafft zu aller Zeit die Leuchtenden
der Erde, die ihren noch nicht erwachten
Brüdern Licht ins Dunkel bringen kön
nen, denn der Mensch, der nicht berei
tet wurde, — längst ehe er als seiner Mutter
Sohn auf dieser Erde geboren ward, — ver‐
mag es nach dem „Falle” nicht mehr,
ohne Hilfe jenes Licht zu fassen, das dem
Urwort” nur allein entströmt, und das
nur den zum „Worte” werden lassen kann,
der schon Jahrtausende, bevor die Erde ihm
den Leib des Tieres zur Verhüllung gab, aus
freiem Willen eine Bürde auf sich nahm, die
schwer zu tragen ist für einen Erdenmenschen,
und die nur selten einen findet, der dem
Fall” erlegen war, und sie dann doch noch
aus Mitleid und Erbarmen mit der Erden‐
menschheit auf sich nimmt.
.Nur wer so zumWorteberei
tet wurde, hat das Recht, seine Ne‐
benmenschen nun zu belehren, wo es
höchste Lehre gilt, und es ist der Mensch‐
heit noch zu allen Zeiten solche gesicherte
Lehre geworden, durch Lehrer, deren
Wort in Gott begründet war.
169 Das Mysterium von Golgatha
.Was er einst für die Menschheit wirkte,
kann erst der erfassen, der seinen eige
nen Erlösungsweg beschritten hat
und dann die Kraft erfühlt, die durch
das Werk des „großen Liebenden” ihm zu‐
strömt auf dem Wege, den er wählte...
.Ein solcher wird auch wissen, was des
hohen Meisters Wort besagt:
.„Und ich, wenn ich von der Erde er
höht bin, werde alles an mich ziehen.”
.Ein solcher wird allein erst imstande sein,
die „magnetische”, in das Ursein zurück‐
ziehende Kraft zu gebrauchen, die einst jener
Leuchtende aus ihrer Fessel riß durch seine
unbegrenzte Liebe!
184 Das Mysterium von Golgatha
.Es zeigt sich da eine äußerst naive
Beurteilung realen geistigen Le
bens! — Man verwechselt ganz offenbar das
geistige Erlebnis, dessen „Wirklichkeit” weit
stärker empfunden wird als die scheinbar noch
so kompakte Realität physischer Er‐
lebnisse, mit irgendwelchen Phantasievorstel‐
lungen, mit einer Art wachen Träumens, mit
Halluzinationen oder Wirkungen „spiritisti‐
scher” Einflüsse, ohne zu ahnen, daß ein
Mensch, der bewußt in den realen geisti
gen Welten zu leben fähig ist, ein völlig
andersartiges Leben kennt, dem ge‐
genüber alles, was man so im allgemeinen
Sprachgebrauch „geistiges” Leben nennt,
durchaus verblaßt, schattenhaft, künstlich und
unwirklich erscheint!
190 Das Mysterium von Golgatha
.Während unsere Mitmenschen nur die äußere
physische Welt und das Leben der Seelen‐
kräfte wahrzunehmen vermögen, jedoch das
Dasein der realen geistigen Welten höch‐
stens ahnend gewahr werden, sind uns die
Welten des realen substantiellen Geistes bis
zu den höchsten Stufen, die ein gleichzeitiges
Leben im Erdenkörper noch zulassen, voll‐
bewußt erschlossen.
.Wir erleben zu gleicher Zeit die äußere
physische Welt, die Welt der Seelenkräfte
und die reale geistige Welt, ohne einer an‐
deren Vorbereitung zu bedürfen, als der be‐
wußten Einstellung auf dieses oder jenes Blick‐
feld.
193 Das Mysterium von Golgatha
.Auf geistig-reale Weise können wir uns
alle einander sichtbar und vernehm
bar machen durch bloßen Willensakt.
194 Das Mysterium von Golgatha
.Diese Verpflichtung geschieht in einem
geistigen Zustand, der dem Erdenmen‐
schen bewußtseinsfremd bleibt, obwohl ihn
jeder auf Erden Geborene einst durchlaufen
hat.
.Auch die Glieder unserer geistigen Ver‐
einigung wissen nur in ihrer rein geistigen
Wesenheit durch direkte Erinnerung von die‐
sem früheren Zustand ihres Seins.
195 Das Mysterium von Golgatha
.Unser Wirken kennt nur die Kräfte der
real-geistigen Welten, d. h. wir schaffen nach
streng verpflichtenden geistigen Gesetzen
jeweils geistige Ursachen, deren Fol‐
gen in der seelischen und physischen Welt
gewisse wohltätige Änderungen für die Mensch‐
heit zeitigen.
196 Das Mysterium von Golgatha
wirkten, daß aber, bevor man mir den geistig
verpflichtenden Auftrag gab, noch zu
keiner Zeit in einer allen ver
ständlichen Sprache offen über
alle diese Dinge gesprochen
oder geschrieben wurde, wie es
jetzt durch mich geschieht, und daß mehr als
nur ein Jahrtausend vergehen wird, bevor ein
späterer meiner Brüder im Geiste diese meine
Arbeit fortsetzen kann. —
198 Das Mysterium von Golgatha
.Es fehlt da wie dort leider allzusehr am
Verantwortungsbewußtsein, und
bitter schmerzlich wird es mir, hier auszu‐
sprechen, daß auch bewunderungswürdige
dichterische Gestaltung keineswegs im‐
stande ist, die Giftwirkungen zu paralysieren,
denen der seelische Organismus allenthalben
sich ausgesetzt findet, wo über die letzten
Dinge ohne Ruf und Recht gesprochen wird,
als ob da ein Thema gegeben sei, das man
nach Geschmack und Laune abwandeln
könne...
210 Das Mysterium von Golgatha
.Selbst die bisherige Unfähigkeit der Völker,
einander auf andere Weise Achtung ab‐
zugewinnen, als nur durch die Angsterzeugung
vor den schauerlichsten Vernichtungsmitteln,
— ist wirkliche „Unfähigkeit”, nicht
Entartung!
.Diese Menschheit ist noch nicht fähig,
den Sinn ihrer mechanischen Eroberungen
während der letzten hundert, — und noch
weniger: während der letzten fünfzig
Jahre, — zu begreifen!
.Sie ist eben dadurch auch nicht fähig, die
genannten Eroberungen wirklich als Besitz
zu beherrschen, sondern wird vielmehr
von dem, was ihr zu erobern gelang, vorerst
„besessen”...
.Ist dieser gespenstische Zustand erst ein‐
mal überwunden, dann wird sich auch Fähig‐
keit einstellen, die urgründigen geistigen
Lehren zu entdecken, die hinter allen tech‐
nischen Erfindungen der neuesten Zeit auf
Entdeckung warten. —
212 Das Mysterium von Golgatha
.Es sind aber zu jeder Zeit, unter allen
Millionen Menschen der verschiedenen Rassen,
nur ein paar Männer, die derart vorbereitet
geboren werden, daß sich die Wirklichkeit
ihnen zeigen, und daß sie den Anblick
der Wirklichkeit ertragen können. —
.Das Wort der Alten: — „Wer Gott
sieht, muß sterben!” — hat, für
fast alle Menschen, seine tiefe Berechtigung,
und selbst die winzige Gruppe wirklich Be‐
reiteter muß sich diesem Satze beugen, wenn
sie seine Wahrheit auch nur zu empfinden hat
in abgeschwächter Form...
214 Das Mysterium von Golgatha
.Wirkliches Wissen um die in Jahr‐
tausenden noch nicht aufzulösenden Fol
gen, würde auch selbst den gewissenlosesten
literarischen Glücksritter unbedingt davor
bewahren, die Erfindungen seiner Vorstellungs‐
kraft als Wahrbild der Wirklichkeit
in Kurs zu bringen...
215 Das Mysterium von Golgatha
.Auch wenn kein anderes Wort des großen
Liebenden erhalten wäre, würde allein der
Hinweis genügen, daß das wahre Reich der
Himmel für jeden Erdenmenschen nur in
ihm selbst zu finden ist, — so, wie
gerade er es erleben, so wie gerade
seine Kraft es erfassen kann. —
.Hier aber hat sich denn auch jede Deutel‐
sucht respektvoll fern zu halten!
.Es handelt sich um das Reich der
Himmel, — um das Reich der Welten
wesenhaften, ewigen Geistes, — nicht etwa
um ein frommes Gefühl vermeintlicher Gott‐
wohlgefälligkeit! —
.Und nur in uns selbst sind uns die
Himmel offen, die uns ewig dereinst Heim‐
statt werden sollen. — —
.In uns ist der Eingang zu allen Geistes‐
regionen, weil unser eigenes Geistiges von
allen durchdrungen wird.
.Doch auch in dir selbst wirst du
nur in den „Himmel” aufgenommen, der
deiner eigenen Bewußtseinsfähigkeit ent‐
spricht, die nur durch Tat und Wir
ken in der dir gemäßen Umwelt Signatur
und Gradbestimmung sich verschaffen kann!
.Sobald dereinst dein Erdenleib dir nicht
mehr dienstbar ist, wirst du mit jenem
„Himmel” dich begnügen müssen, dem dein
Verhalten gegen dich und deine Neben‐
menschen dich vereinbar werden ließ, und
erst in irdisch unbegreifbar langen Zeiten
wirst du derart zu wandeln sein, daß dir auch
eine höhere Region der wesenhaften Geistes‐
welten dermaleinst erfaßbar werden kann.
218 Das Mysterium von Golgatha
So ward die Sprache ihres Mundes ihnen
selbst schon Bild und Gleichnis, und jene
Anderen, die sie vernahmen, ließen Bild
und Gleichnis bilderzeugend weiter in sich
wirken. —
Hohe Wissende aber, die da erkannten, was
des Menschen geistige Kraft vermag,
schufen dem Mythos den Kult, — schufen
die hohen Formen magischen Wirkens,
die verborgen hinter Bild und Gleichnis, des
Menschen geheimste Macht ihm dienstbar
werden ließen.
15 Kultmagie und Mythos
.Im Lichtesfeuerglanze ewiger Liebe hei‐
misch, zu ewigem Leuchten im Dasein,
fand sich der Menschengeist, inmitten aller
Schauer einer chaotischen Welt, auf dieser
Erde als ein gefallener Stern.
Tier unter Tieren geworden, hatte ihn den‐
noch nicht alles Licht verlassen.
Unglücklicher als das Tier, ward ihm die un‐
sagbare Einsamkeit bewußt, in die er selber
ehe er sie kannte, sich hinausgesehnt, — die
er sich selbst bereitet hatte. —
Und nun ertrug er nicht, wonach ihn ehedem
so sehr verlangte...
.Bildner von Anbeginn, blieb aber
Schöpferkraft ihm noch erhalten, und
selbst in seiner tiefsten Gottverlassenheit
vermochte doch das «Tier» sie ihm nicht zu
rauben.
Zu dieser seiner Schöpferkraft nahm er nun
seine Zuflucht, und so erschuf er sich im
Bilde, wenn auch dunkel nur und mannig‐
fach verwirrt, aufs neue, in den Augen‐
blicken ärgster Qual, den Wiederschein der
Lichteswelt aus der er selbst sich ausge‐
stoßen hatte.
21 Kultmagie und Mythos
.Jahrtausende diente der Mythos dem
Menschen, ihm seine Nacht zu erhellen, —
nun aber ist die Zeit der Lehre durch den
Mythos erfüllt, — die Zeit der Erkenntnis
aus der Wirklichkeit ist angebrochen!
— — —
28 Kultmagie und Mythos
Sie waren es, die den Kult der Götter zu‐
erst aus Banden dumpfen Aberglaubens
lösten, und ihn benutzten, um des Men‐
schen innewohnende magische Kraft zu
wecken.
Sie wußten um die Fähigkeit des Menschen,
Unsichtbares zu erregen, so daß es nach des
Menschen Willen wirken und ihm dienst
bar werden muß.
Sie wußten aber auch, daß nur letzte innere
Zuversicht solches Werk zum Gelingen
bringen kann, und banden so bewußt das
magische Tun an den Glauben, den sie je‐
weils fest gegründet fanden.
Als der Götter Gnade und Huld trat so in
des Menschen Bewußtsein, was er eigener
magischer Kraft zu danken hatte...
Noch war er nicht reif — noch ist er es heute
nicht — die Wirkung dieser hohen Kraft,
nur auf sich selbst gestellt zu er‐
proben.
.Wohl war es nicht augenblickliche Zau
berwirkung die auf solche Weise erfolgte,
doch zeigte sich nun eine weitaus gewissere
vermeintliche «Erhörung» der Wünsche.
Infolge der Durchlichtung des Mythos er‐
wuchs der Kult zu erhabenem Geschehen
und tiefste seelische Klänge wurden in dem
Gläubigen erweckt.
Die spätere Zeit des Verfalls und der Erstar‐
rung erst zerstörte auch hier das Leben und
hegte nur noch die äußere Form als ste‐
riles Gehäuse.
34 Kultmagie und Mythos
Eine heute vielleicht nicht mehr zu ferne
Zeit wird freilich des Mythos nicht mehr
bedürfen um sich ihren Kult zu schaffen. —
Ihr Kult wird auf dem Wesentlichsten
aller alten Kulte fußen, wird reinste Kult‐
Magie und Dienst am Innersten des
Menschen sein! — —
Aber auch dieser kommende Kult läßt sich
nicht, aus Sehnsucht nach ihm, nach bloßer
Willkür schaffen.
Erst müssen die Kräfte im Menschen, die er
voraussetzt, allüberall in Vielen erweckt
und in lauterer Wirksamkeit sein!
Dann wird er gewißlich erstehen, aller
Hemmnisse spottend!
38 Kultmagie und Mythos
.Aus einem Dienste, den man gleich
dem Königsdienst, den Göttern, die man
selbst geschaffen hatte, einst zu schulden
glaubte, hatten des Urlichtes Leuchtende den
Kult zur Kult-Magie erhoben.
Noch aber durften zu selbiger Zeit nur Er
lesene hier um letztes Geheimnis wissen.
Noch war die Überzahl der Menschen keines‐
wegs herangereift, das Wissen um ihre eigene
Geistesmacht ohne Schaden für die Seele zu
ertragen.
So sehr bleibt stets der Menschengeist dem
«Tiere» dieser Erde, das ihm Zuflucht wurde,
unterworfen, daß auch die allermeisten Men‐
schen dieser heutigen Tage an der Seele
Schaden leiden würden, wüßten sie um ihre
Macht im Unsichtbaren.
Doch braucht die letzte Wahrheit heute
trotzdem keine Hülle, da jene, denen sie
nicht taugt, sie ihren Augen selbst verber‐
gen, mag auch im hellsten Sonnenlichte sie
vor aller Welt erscheinen. —
Sicherster Schutz wird ihnen durch ihren
entkräfteten Glauben!
43 Kultmagie und Mythos
Die Gottheit, die des Menschen bedarf
um sich dem Menschen zu offenbaren, heischt
wahrlich keinen Kult um ihretwillen, allein
der Kult, der in Magie sich auswirkt, kann
den Geist des Menschen aus dem Schlaf
im «Tiere» lösen und ihm ein Reich des
Wirkens neu erschließen, das ihn erkennen
lehrt, daß ihm auch dort noch Hilfe wird, wo
alle Macht des «Tieres» ihre Grenzen fühlt.
44 Kultmagie und Mythos
Und dennoch wirkt Magie auf allen Wegen!
Zum Fluche wird sie allen die sie nützen
wollen, ihren Erdentiereswünschen feil
zu sein...
Zum Segen wandelt sich ihr Wirken, wenn
die Liebe ihr begegnet! —
Darum ist alle hohe Kultmagie so mächtig,
weil in ihr, verborgen unter manchem dich‐
ten Schleier, dennoch die Liebe wirkt! —
.Von Kultmagie kann nur die Rede sein
wenn Viele sich zu magischem Tun in
Einem einen, und solche Einigung bedarf
der Liebe. —
Hier wird das Mysterium enthüllt, das in den
Worten noch erhaltener Kultfragmente im‐
mer wiederkehrt, wenn jenes neueren Kultes
Priester die Gemeinde segnen:
«Der Herr sei mit euch
und wenn dieser Segen dann aus der Vielheit
stets zurückhallt:
«Und mit deinem Geiste!» —
45 Kultmagie und Mythos
Hier soll in altgegebener Form die Seelen
einigung sich vollziehen, durch die dem
magisch Wirkenden die Kräfte aller die an
seinem Wirken Anteil nehmen, liebend über
tragen werden. —
Mit dieser ungeheuren aufgetürmten Seelen‐
kraft beginnt nun und vollendet hier der
Einzelne, in sich vereinigend den Willen
Aller, das hohe magische Werk. —
Die Deutung, die man diesem Werke gibt,
liegt hier weit außer dem Bereich der
Wirksamkeit!
Was hier geeinter Wille, glaubensstark und
in dem magischen Geschehen durch die
Liebe, die den eigenen Glauben in dem
Anderen liebt, verbunden, heiß erstrebt, ist
durch kein «Dogma» zu berühren! —
Die Gottheit, die durch diese Kultmagie
veranlaßt werden soll, dem Menschengeiste
sich für Augenblicke innerlich, als in diese
Welt der Erdensinne nun erfaßbar einge‐
gangen, zu bezeugen, ist wahrlich aller Wir‐
kung solchen magischen Geschehens sehr
entrückt, allein der Gläubige wird dennoch
letzte Wirklichkeit erleben.
46 Kultmagie und Mythos
Wie anders sollte der Gott sich mit ihm ver
einen, als durch Speise und Trank, da
nur durch Trank und Speise Fremdes sich
ihm einverleiben konnte!
48 Kultmagie und Mythos
Wer in den Reichen des Unsichtbaren be‐
wußt und erlebnisfähig wurde, der weiß auch,
daß sich der inbrünstig Gläubige bei solchem
Kultmahl keineswegs betrügt.
.Nicht Brot und Wein bewirken freilich
die für die Zeit der höchsten Konzen
tration nach ihrem Genusse mögliche
«Schwingungsänderung» der eigenen Gei‐
stessubstanz, so daß sie für diese Mo
mente wahrhaft göttlichgeistiges Le
ben aufzunehmen fähig werden kann, son‐
dern allein die magische Kraft, die der
Glaube aus sich erzeugt. —
.Noch haben nur wenige erkannt, was
diese magische Kraft vermag, wenn sie zu
gleich von Vielen ausgeht, die alle des
gleichen Willens und des gleichen Glau
bens sind. —
Es ist diese akkumulierte Kraft, die zu
rückströmt auf jeden Einzelnen der des
gleichen Glaubens und Willens ist, selbst
dann, wenn er nicht bei ihrer Erweckung
während der Kulthandlung beteiligt war. —
49 Kultmagie und Mythos
.Der Weckung dieser Kräfte dient die
eigentliche Kult-Magie: eine Magie der
Zeichen, die von dem sie Ausübenden ver‐
langt, daß sein eigener Körper nach
streng bestimmtem Rhythmus und in streng
gegebener Folge selbst sich zu magischen
Zeichen forme, — eine Magie der Laute,
die ebenso streng bestimmte Lautfolgen
und solcher Lautfolgen öftere Wiederholung
fordert.
Der begriffliche Sinn der Gebete, in
die sich diese Lautmagie verhüllt — nicht
alle Gebete, die der Kult verlangt, sind sol‐
chen magischen Charakters — kommt für die
erstrebte Wirkung keineswegs in Betracht.
Aus dieser Lautmagie erklärt es sich, daß
die Hälfte des noch erhaltenen Kultes ver
nichtet wäre, wollte man das gesprochene
Wort, das er fordert, nicht mehr in jener
alten Sprache sprechen, aus der er hervor
gegangen ist...
50 Kultmagie und Mythos
Wie hohe Kultur der Vertiertheit wei‐
chen mußte, so trat dann an die Stelle hohen
magischen Kultes, finsterer Fetisch
dienst und Zauberbrauch.
Im Zerrbild endet, wenn der Mensch dem
«Tiere» und damit dem Dämon dieser Erde
sich ergibt, was er einst schuf, auf daß es ihn
der Gottheit nahe bringen sollte...
53 Kultmagie und Mythos
Alles aber, was zu dieser irdischen Er
scheinungswelt gehört, ist jenes «Außen»,
dem ein Innerstes entspricht, das nie im
Denken zu erreichen ist, da alles Denken,
mag es sich auch noch so hoch erheben,
Funktion bleibt der Erscheinungs
welt, in ihr beschlossen und verhaftet, mag
auch der Gegenstand des Denkens an
sich selbst hoch über aller irdischen Er‐
scheinung liegen. —
Als Material des Denkens ist des Gegen‐
standes vages Abbild nur gegeben. Er
selbst bleibt wo er war und kann dem
Reiche irdischer Erscheinung niemals sich zu
eigen lassen.
.Der Denker kann nicht Dinge letzter
Wirklichkeit erfassen.
Er setzt für sie Gedanken, die als Ge
bilde der Erscheinungswelt in ihr be
schlossen bleiben. — —
Auch alle Geisteswelten sind Erschei
nungs-Welten, wenn auch von weit subli‐
merer Art als die Erscheinungswelt der kos‐
mischen Materie.
Und auch in ihnen kann das Denken nie
das Innerstedie letzte Wirklich
keit — erreichen. —
Wohl ist das Denken dort an geistige Or‐
gane nur gebunden und so mannigfacher
Hemmung frei, die irdische Gehirne fesselt.
Allein auch jene geistigen Organe sind nur
Teile geistiger Erscheinungswelten und
was sie fassen können, bleibt in geistiger Er‐
scheinungswelt beschlossen.
Soll aber letzte Wirklichkeit der sicheren
Erkenntnis sich enthüllen, dann gibt es nur
ein Inne-Werden dessen, was es zu erkennen
gilt!
Nur im Erleben ist die letzte Wirklich
keit zu fassen! — — —
.Es ist dies ein Erleben, das, der Kraft
nach, über allem Denken steht, der Art
nach aber jenseits allen Denkens. —
Solches Erleben zu bewirken lehrten die
hohen Meister vorgeschichtlicher Tage einst
die reine Magie, die sie im Kulte zu ver‐
ankern suchten.
Es wurde jene Kultmagie der Welt gege‐
ben, die sich noch jetzt in letzten Resten auf
der Erde findet...
60 Kultmagie und Mythos
Nur der verliert ihn nicht, der klar erkannte,
daß die alte Kultmagie nicht Lehre als Ge
dankengut vermitteln wollte, sondern
Menschen zum Erleben dessen führte, was
anders nicht zu fassen ist als nur im inner‐
sten Erlebnis höchster Art. —
In solchem Erleben nur wird Erdenmen‐
schen jene Erkenntnis, die auch der Tod
des Erdenleibes nicht erschüttern oder gar
vernichten kann! —
.Nur solche Erkenntnis aber lohnt des
Erdenmenschen Streben nach gesichertem
Erkennen!
Dem so Erkennenden wird jegliche Erschei‐
nungswelt — sei es die Welt der kosmischen
Materie oder eine jener Welten geistiger
Substanz — zum Ausdruck und zum reinen
Bilde letzter Wirklichkeit.
Nur er wird jegliche Erscheinung aus dem
Innersten des Seins heraus verstehen, sei es
in diesem Erdenleben, oder in den mannig‐
fachen Lebensformen, die der Menschengeist
durchlebt, wenn er vom Körper dieses Erden‐
tieres bereits abgeschieden ist! —
62 Kultmagie und Mythos
Was nicht auf dieser Erde in des Erdenlebens
kurzen Tagen ihm geworden ist, wird ihm
auch nach dem Scheiden aus der irdischen
Erkenntnisform erst einstens werden müs‐
sen aus dem gleichen innersten Erleben,
das ihm auch während dieses Erdendaseins
hätte werden können, bevor er von der
Erde schied. —
Es kann ihm nichts erlassen werden, wo
immer er sich auch finden mag, denn hier
heischt ewiges Gesetz Erfüllung!
.Wohl kann der Menschengeist Jahrtau‐
sende in Geisteswelten glückerfüllt durch‐
leben, allein zuletzt wird ihn das gleiche
Grauen fassen, das ihn hier auf Erden faßt,
empfindet er in großen Augenblicken, daß
über aller höchsten Seelenregung noch ein
höchstes Innerstes ihm unerreichbar
bleibt. —
Dann wird er dort wie hier der hohen
Helfer Hände suchen müssen, soll er ins
Innerste des Seins geleitet werden...
Er selber aber muß sich erst erlebnisfähig
machen, soll ihm das Erlebnis werden! — —
Ist es ihm geworden, so wird er zwar ver‐
bleiben in seiner geistigen Erscheinungswelt,
jedoch als ein Wissender, den nichts mehr
trügen kann, — nicht anders als wie er hier
auf Erden gewiß die Erdenwelt nicht ver
lassen wird, nachdem ihm Erkenntnis aus
dem Erleben wurde. —
64 Kultmagie und Mythos
Darum vereinigten sie die Erde dem
Himmel, — darum schufen sie den kulti
schen Gebrauch, der irdische Kräfte:
Zeichen, Laut und Ton, dazu benützt,
das Innerste des Menschen zu erreichen,
in dem allein das heilige Erlebnis letzter
Wirklichkeit zur Wahrheit werden
kann. —
66 Kultmagie und Mythos
.Hier ist die hohe Lehre aufgezeigt, die
aus den Resten alter Kultmagie auch noch
dem Menschen dieser Tage werden kann!
Hier gilt es zu erfassen, daß alles Äußere
dem Inneren verbunden ist und darum nie‐
mals anders als nur bruchstückweise sich
erkennen läßt, solange man es nur von
außen her beleuchtet! — —
Hier gilt es zu erfassen, daß ein jegliches Ge‐
schehen in der Außenwelt zurück auf die
Innenwelt wirkt! — —
Hier gilt es zu erfassen, daß auch des Men‐
schen Alltagsleben sich zur Kultmagie
erheben läßt, wenn er in allem seinem Tun
bestrebt ist, auf sein Inneres in solcher
Weise einzuwirken, daß dieses Innere all‐
mählich zum Erwachen kommt! —
.Noch sind nur Seltene sich der Verant‐
wortung bewußt, die sie für jeden leisesten
Gedanken, jedes Wort und jede Tat in
dieser Außenwelt zu tragen haben...
Die Allermeisten wissen nicht — und manche
wollen es nicht wissen — daß Worte und
Gedanken für die Wirkung in das Innere
des Menschen fast gleichen Wertes sind
wie die vollbrachte Tat, und daß sie stets
durch all ihr Denken, Reden oder Tun
nicht nur ihr eigenes Inneres in guter oder
übler Weise formen, sondern auch der Innen‐
welt der anderen entweder zum Segen
werden oder zum Fluch...
.Hier möge jeder, der diese Worte liest,
sich selber fragen, ob er hinfort sein ganzes
Wirken so gestalten will, daß es ihm selbst
und allen, die in seiner Mit- und Nachwelt
leben, zum Segen werde! —
Nur wenn er solchen Willens ist, wird er die
Vorbedingung schaffen, die von ihm selbst
allein geschaffen werden kann und die von
ewigem Gesetz gefordert wird, soll sich das
innere Licht ihm offenbaren! — — —
76 Kultmagie und Mythos
ich ihm zeige, zu betreten weiß, zur Heili‐
gung des ganzen Erdenlebens werden! — —
Er wird durch all sein Denken, Reden
oder Tun sich magisch wirkend wissen,
und wird gar bald erkennen, daß nichts in
dieser Außenwelt geschehen kann, das
ohne Wirkung bleiben könnte im Bereich
des Unsichtbaren.
So wird er seine Seele zum Erwachen brin‐
gen und in sich selbst erfühlen, daß ihm — je
nach seines Strebens Inbrunst — eine Gei
steshilfe nahekommt, von deren Dasein er
vordem kaum wußte, oder deren Wirken ihm
vor seinem Selbsterleben, außer aller Mög‐
lichkeit zu liegen schien, so daß er jede
Kunde, die ihm davon sagte, in das Reich
der «frommen Fabeln» wies...
Durch solche Geisteshilfe wird er sich auf
seiner Bahn alsdann geleitet wissen, bis
seine Seele so bereitet ist, daß sie des inne
ren Lichtes endlich teilhaft werden
kann...
In diesem inneren Lichte wird er dann
sich selbst für alle Ewigkeit geborgen fin‐
den, und allen seinen letzten Fragen nach
des Menschendaseins Sinn wird unbezweifel‐
bare Antwort aus dem eigenen Erleben
kommen...
79 Kultmagie und Mythos
Er sei gut zu dem Tiere und wisse ihm zu
sagen: «Wahrlich, ich danke dir, du mein
Tier, daß du solcherart stark in mir bist,
allein deine Kraft sei nun allein in meiner
Macht! — Wisse: du sollst mir gewandelt
werden, und gefügig mir fortan dienen als
deinem Herrn!» —
.Wie Donnerschlag ist solches Wort dem
«Tiere», so daß es daran sterben muß, —
jedoch, wie eine ekle Raupe zwar als Raupe
stirbt, um dann als farbenreicher Falter
zu erstehen, so ist auch des «Tieres» Sterben
nur vonnöten, damit es zu neuer Art des
Lebens — geläutert und durchlichtet
in sich selbst — gewandelt werde...
Der aber ehedem ein Höriger des «Tieres»
war, ist dann sein Eigner und es dient
ihm willig aus seiner erneuten, hochge
wandelten Kraft! — —
Im gleichen Leibe geschah sein «Sterben»
und sein Auferstehen, und doch sind alle
Atome dieses Leibes geistig erneut!
.Wer solcherart das «Tier» in sich zu
wandeln weiß, den wird des «Tieres» Leben
nicht mehr hindern können.
Dem Leben des Geistes wird es sich völlig
einen!
Wie das Gehäuse der Laute Resonanz dem
Klang der Saite gibt, so wird der tierische
Leib dem Menschen dienen, seines Gei
stes Kraft zu voller Entfaltung zu bringen.
Es wird fürderhin nur der Geist alle Herr‐
schaft üben!
Ausgelöscht ist des «Tieres» Eigenwille,
der vordem des Geistes Feind und steter
Widersacher war...
.Nun erst ist die Gefahr beschworen, die
einem Jeden stetig droht, der sich vermißt,
zur Höhe aufzusteigen, bevor das «Tier» in
ihm erstarb und wieder ihm erstand, in
heilig hehrer Wandlung hingegeben nun
des Geistes Willen! — —
.Zwar hat es zu jeder Zeit auch Menschen
gegeben, die, ihrer Geistigkeit bewußt, zu
hohen Stufen vorgedrungen waren, ohne des
«Tieres» sichere Eigner zu sein, allein, —
man lasse sich durch hohen Erdenruhm nicht
täuschen.
Kein einziger aus ihnen hat sein höch
stes Ziel erreicht auf dieser Erde, kein
einziger aus ihnen erlebte während dieses
Erdenlebens in sich selbst, in seinem Aller‐
innersten, seinen lebendigen Gott! — —
Wohl hat ihr Geist in herrlich hohen Worten
sich bekundet, allein sie selber blieben stets
im Zwiespalt bis zum Ende! —
.Wer dieser geistig Hochgelangten weise
Worte in sich aufzunehmen weiß, tut wohl,
doch wahrlich darf er nicht ihr Leben sich
zur Richtschnur dienen lassen, wenn er zum
Vollbewußtsein seiner höchsten Daseins
form im Göttlichen gelangen will! — — —
Gar mancher Mensch, der in Verborgenheit
sein Leben lebte und dessen Name keine
Kunde nennt, hat unbeschreiblich Höheres
erreicht als auch der Größte derer, die zwar
hohe Geistesstufen zu ersteigen wußten, aber
nicht vermochten, aus des «Tieres» Fesseln
sich zu lösen...
.Nur dort, wo das «Tier» verwandelt
und vollkommen dem Geiste geeinigt
wurde, — nur dort werden die Geheimnisse
nicht mehr nur geahnt, sondern in klarem,
wachen, eigenen Erleben erlebt! —
Solchem Erleben aber kann jede
Seele erschlossen werden.
Es bedarf dazu nicht des Glaubens an einen
Mythos, noch ist ein Kult dazu vonnöten,
der aus einem Mythos erwuchs.
.Wird Kult in seiner höchsten Form zur
Kult-Magie, so läßt sich von des Erden‐
menschen Alltagsleben sagen, daß es erst
lebens-wert und lebens-würdig wird, so‐
bald der Mensch erkennt, daß all sein Tun ein
magisches Geschehen auslöst, mag er
darum wissen oder nicht... Erst dann ist die
höchste Form des Lebens erreicht, wenn alles
Denken, Reden oder Tun bestimmt wird
durch das Wissen um die Wirkung in der
unsichtbaren Welt des physischen Ge‐
schehens, und weiter: durch das Wissen um
die Wirkung jeglicher Impulse auf die
eigene Geistsubstanz. — — —
94 Kultmagie und Mythos
.Siehe: — es ist die Sünde deiner
Väter, mein Freund, die heute dich
nun leiden macht, und du nur kannst
deiner Väter Erlöser werden, — du nur
kannst jetzt ihre Sünde tilgen! — —
26 Der Sinn des Daseins
.Frage nicht mehr: — «Was ist Wahr
heit?» — — sondern frage, ob du
selbst wahrhaftig bist, und willens,
nichts in dir zu dulden, was dir
deine Wahrheit trüben könnte!? —
30 Der Sinn des Daseins
.Kein Anderer kann jemals dir
deine Antwort geben! —
.Nur als Erlebnis ist sie in dir zu
erlangen, und erleben kannst du sie
nur in dir selbst! — — —
31 Der Sinn des Daseins
.Jeder, der heute mit dir hier auf
Erden lebt, und jeder, der später nach
dir kommt, wird für sich selber
rechte Fragestellung lernen müssen, und
nur im eigenen Erleben wird dann
jedem seine Antwort auf die letzten
Fragen seines Daseins faßbar wer‐
den! — —
.Wer aber das Rätsel für sich löste,
das er sich selber vordem war, der
suche lediglich die Anderen zu warnen
vor dem Irrtum, als ob je ein Erden‐
mensch des anderen Lebensrätsel lösen
könne! — —
Er wehre einzig dort, wo er Gefahr
gegeben sieht, daß Suchende sich
durch der Väter Erbe irren
lassen! — — —
35 Der Sinn des Daseins
.In seltenen und weihevollen Augen‐
blicken nur dringt dieses wahre Sein
durch alles Trübe in dir selbst hindurch,
um dein Gehirnbewußtsein zu er‐
reichen, das es alsdann erschreckt ver‐
nimmt und wie das Allerfremdeste
empfindet!
.Dennoch aber ist nur dieses wahre
Sein, das du in solchen Augenblicken
plötzlich fühlst und dann als fremde,
hohe Macht dir deutest, in Wirklich‐
keit dein eigenster Besitz! — — —
.Was immer du sonst noch in dir zu
besitzen glaubst, kann dir zu jeder
Zeit genommen werden, — gehört
dir nur für eine kurze Spanne dieser
Erdentage! —
.Nur dieses wahre Sein, seit aller
Ewigkeit im Geist durch Geist er
zeugt, bleibt dir durch alle Ewigkeit
erhalten, sobald es dein Bewußtsein
einmal in sich aufgenommen hat. — —
40 Der Sinn des Daseins
.Noch ist der «Brennpunkt» deines
Bewußtseins von dir nach außen
hin ver-rückt!
.Es sei deine Sorge, mein Freund,
ihn wieder dorthin zu rücken, wo
er vor Ewigkeiten war, und wo er
dann ewig in deinem Eigentum ver‐
bleiben wird! —
.Sobald du dieses Erdendasein einst
verlassen mußt, — ob du auch noch
so fest an deinen Scheinbesitz dich
klammern magst, — würde der «Brenn‐
punkt» deines Bewußtseins sonst im
ewig Leeren sein, und erst nach
qualvoll durchlebten Äonen könntest
du ihn endlich wieder in dir selber
finden. — — —
.Es ist viel leichter, als du glauben
wirst, auf dieser Erde noch zurück in
dein innerstes Sein zu gelangen, und
dort dich zu empfinden, wo du in
deinem ewig Eigenen bist!
.Noch ist dies ja nicht die einstige
«Gottvereinigung», — aber eher
kannst du nicht dich selbst in Gott dem
Göttlichen vereint erleben, als bis
du vorerst in dir selbst bewußt ge‐
worden bist in deinem wahren
Sein! — —
.Hierher: — in dieses Aller
innerste, muß all dein Selbst-Be
wußtsein kehren, soll dein Dasein
durch dich selber seinen «Sinn» er‐
langen!
.Du wirst erreichen, wonach du
strebst, wenn du — trotz aller Freude
an der Außenwelt — stets die Emp‐
findung in dir wacherhalten kannst, daß
noch ein Anderes in dir lebt, das
alles überragt, was je im Äußeren dir
begegnen könnte, und daß du dieses
«Andere» selber bist! —
.Du bist nur ein «Anderes» gegen‐
über der Außenwelt, und ein «An
deres» als das, was du, — in diese
Außenwelt verflochten, — gemeinhin
für dich selber hältst!
45 Der Sinn des Daseins
.Es genüge dir hier, wenn ich dir sage,
daß alles, was vom Geiste Gottes
kommt, nur zu dir eingeht durch dein
Allerinnerstes, und nur vernehmbar
wird aus deinem wahren «Ich» in
deinem ewigen Sein! —
.Du empfindest dann: — «Ich weiß!
— aber nun weiß ich wahrlich auf
andere Weise, als ich jemals ehedem
aus mir selbst zu wissen vermochte!» —
.Es «spricht» etwas in dir, — aber
stets wird dieses «Etwas» aus deinem
innersten wahren Sein zu dir reden,
und dein wirkliches «Ich» wird dir
vermitteln, was es im Geiste der
Ewigkeit empfängt....
.So nur kann dir aus dem Geiste
her auch die Ein-sicht mitgegeben
werden, derer du bedarfst, sobald du
Geistiges mit sicherer Gewißheit
unterscheiden lernen willst von den
Gebilden deiner stets gestaltungsfrohen
Phantasie....
.Nicht anders ergeht es auch dem
wahrhaft geistig Schauenden, wenn
echtes Geistiges sich bis zur Sicht
barkeit vor ihm verdichtet!
.Stets bleibt er aktiv in seinem
Schauen!
.Es werden die Gesichte ihm nicht
aufgedrängt, sobald sie wahrhaft aus
dem reinen Geiste stammen....
.Auch wenn er noch nicht die Macht
hat, in sich selber zu bestimmen,
was er erschauen will, so weiß dennoch
jeder, der im Geiste zu schauen ver
mag, daß ihm die Freiheit bleibt, die
Geistesbilder aufzunehmen, oder
aber, — wenn er ihrer nicht bedarf,
— sogleich zu bewirken, daß sie vor
ihm verschwinden!
.Niemals kann eine bildhafte Ge‐
staltung, die im wesenhaften, reinen
Geiste gründet, den Menschen quasi
«verfolgen», — niemals wird sie sich,
von dem Schauenden ungewollt, auch
dann noch zeigen, wenn er sein Augen‐
merk auf andere Dinge richtet!
.Wer sich bei seiner Schauung unter
einem Zwange fühlt, der darf ganz
sicher sein, daß das, was er etwa er‐
schaut, gewiß nicht aus dem Rei
che reinen, wesenhaften Geistes
stammt, — mag es auch scheinen, als
könne es nur aus den höchsten Sphären
des Lichtes kommen! — —
51 Der Sinn des Daseins
.Aber auch der «boshafte» Mensch
ist zuweilen nur Sachwalter seines
Selbsterhaltungstriebes, oder des
Triebes zur Erhaltung der Art...
.Was dir dann als «boshaft» an ihm
erscheint, kann immer noch in jenen
Grenzen bleiben, die Natur dem Selbst‐
und dem Arterhaltungstriebe gezogen
hat...
.Erst dort, wo diese Grenzen durch
den Menschen eingerissen werden,
entartet solcher Trieb ins Fürchterliche!
.Dann wird er zum Triebe, anderes
zu zerstören aus Lust am Leide, das
dem anderen dadurch entsteht...
.Erst hier aber stehen wir wirklich
vor dem «Bösen»!
.Hier wird das «Böse» erst durch
den Menschen erzeugt! — —
.Hier aber ist es auch schon erzeugt,
wenn es dem Augenschein nach außen
hin noch verborgen bleibt, denn im
Denken wird alles «Böse» gezeugt
und geboren!
.Als Gedanke ist es zuerst im Da‐
sein, bevor es — weiterzeugend —
Wort und Tat gebären kann! — —
.Siehe, das «Böse» ist wider die
Natur und wird ihr erst aufgezwungen
durch den Menschen! — —
.Sobald der Trieb zur Selbsterhaltung
übermächtig werden und entarten
muß, weil ihm des Menschen Denken
alle Grenzen einreißt, die ihm auch
in Menschentiernatur gezogen sind,
muß aus ihm der Trieb zum «Bösen»
werden, der schließlich Lust am «Bö‐
sen» schafft, und Lust am Leiden
machen anderer! — —
.Von allen sichtbaren Geschöpfen
ist es nur der Mensch allein, der
in der Sichtbarkeit das «Böse» erzeugt!
.Unter allen physisch-sinnlich faß‐
baren Wesen ist nur er allein dazu
befähigt, da er allein nur durch sein
Denken jene Grenzen niederreißen
kann, die in der Tiernatur den Selbst‐
erhaltungstrieb umdämmen! — —
.Aber glaube nun nicht etwa, daß
alles «Böse» nur auf diese Welt der
Sichtbarkeit beschränkt, und nur im
menschlichen Aktionsbereich erzeug‐
bar sei!
.Verhängnisvoll könnte dir solcher
Glaube werden! — —
.Hier mußt du deine Vorsicht auch
auf Unsichtbares erstrecken, denn
was dir an der Welt der Außendinge
sinnlich wahrnehmbar erscheint,
ist wahrlich nur der kleinste Teil
dieser Welt, und es wäre töricht, woll‐
test du den größeren ganz unbeachtet
lassen...
.Im Unsichtbaren dieser Außenwelt
ist nun gar mancherlei zu finden, was
du in gleicher Weise «böse» nennen
würdest, wie du auch vom «bösen»
Tiere redest, und doch ist hier wie
dort nur Selbst- und Arterhaltungs
trieb am Werke. —
.Anderes ist hier zugleich verborgen,
das mehr der Wut des Tieres hinter
Gitterstäben zu vergleichen wäre, —
der Wut des Tieres, das in die Frei‐
heit möchte, die es vor Augen sieht
und die ihm dennoch unerreichbar
bleibt...
.Endlich aber gibt es auch Wesen hier,
die, ganz auf gleiche Weise wie der
sichtbarliche Erdenmensch, die Gren
zen ihres Triebs zur Selbsterhaltung
niederreißen können durch ihr Den
ken, denn der Gedanke ist im Kos‐
mos keineswegs bedingt durch physi‐
sche Gehirne, wenn er auch dem
Menschentiere hier auf Erden nur
durch das Gehirn erfaßbar wird. — —
.So wie der Erdenmensch, so zeugen
und gebären diese Wesen «Böses» im
Gedanken, aber da hier der Gedanke
frei ist von dem Widerstand, den seine
Transformation in Gehirnbewegung
beim Menschen findet, so wirkt er
auch mit unvergleichlich stärkerer
Gewalt sich aus, und es ist nicht zu
ermessen, welche Flut des Unheils
ständig solcherart in die Sichtbarkeit
strömt, dem Menschen dieser Erden‐
welt verborgen für sein Bewußtsein
und dennoch von ihm aufgenommen, —
zumeist ohne jede bewußte Gegen‐
wehr! — — —
.Preise dich glücklich, daß du
immerhin in dieser Sichtbarkeit um
mauert bist und dich — sobald du
wirklich willst — vor jener Flut der
«Bosheit» in deine eigene Höhe
retten kannst! —
.Hüte dich, selbst die Bresche
zu schlagen, durch die dich der giftige
Bosheits-Schlamm dieser Unsichtbaren
erreichen könnte! — —
.Unwissentlich aber durchbricht
gar mancher die Ummauerung durch
seine eigenen Gedanken....
.Jeder Gedanke der «Bosheit», oder
des Hasses — sei auch, deiner Meinung
nach, das Gehaßte noch so sehr des
Hassens «wert» — liefert dich, ohne
dein Wissen, den Unholden aus dem
Unsichtbaren in die Gewalt! — —
.Du hast sie alsdann gerufen, —
hast ihnen den Weg zu dir bereitet,
— und wahrlich: sie wissen ihre Ge‐
dankenkräfte bei dir einzunisten! —
.So sind Unzählige schon zu «Be
sessenen» geworden ohne es zu
ahnen, und jeder Erdentag schafft die‐
ser Zahl der Unglückseligen reichen
Zuwachs! — —
74 Der Sinn des Daseins
.Wie stark auch in dir die vielleicht
vererbte Lust am «Bösen» dich locken
mag: — solange du deinen Willen
dieser Lust nicht verbindest, wird sie
nichts über dich vermögenl
.Wer zur Beute seiner im Blute
lockenden verderblichen Gelüste wird,
der hat törichtes Spiel mit sich selbst
getrieben und ist ferne dem Wissen
um seine eigene Kraft!
80 Der Sinn des Daseins
.Die erste leise Regung zum «Bö‐
sen» mußt du erwürgen, bevor sie
zum Gefühl erstarkt oder gar Ge
danke wird!
.Wenn du in dir wachsam bleibst,
dann wird es dir leicht, dich vor
Gefahr zu schützen!
84 Der Sinn des Daseins
GEWISS, mein Freund, sind jene
Augenblicke dir nicht völlig
fremd, in denen — scheinbar ohne
allen Grund — dich plötzlich und
auch wohl inmitten vieler Menschen,
eine seltsame Empfindung grenzen
loser Fremdheit gegenüber deiner
Umwelt packte, zugleich mit dem Er‐
wachen einer unnennbaren Sehnsucht,
die oft stundenlang noch in dir weiter
wirkte. —
.Suchst du dich dieser Sehnsucht zu
erinnern, so wirst du heute mir zu
sagen haben:
.«Es war Sehnsucht nach er
ahnter, unerfaßlich ferner Heimat
meiner Seele
.«Es war Sehnsucht nach Ver
einigung mit lichten Wesen, die
mein Innerstes erfühlen und ver
stehen könnten
.«Es war wohldas Ersehnen
eines unbekannten hohen Glük
kes, das mir dennoch wunderbar
vertraut erschien
.Vielleicht war in dir auch ein Er
staunen über dein Erleben, denn du
wußtest dir nicht zu erklären, wo es
begründet sein könnte...
.Dort, wo du im Augenblick dich
verflochten fandest mit der Außenwelt,
war Ursache nicht zu finden.
89 Der Sinn des Daseins
.Viele suchen die Welt des Lichtes
zu erspähen und finden sie nicht.
.Hier aber kann jeder ihre Be‐
kundung erfahren, und diese Erfahrung
wird jedem, ob er sie auch niemals
suchen mag!
93 Der Sinn des Daseins
.Die Welt des Lichtes ist dir nahe
wie die Welt der Außendinge, — doch,
sie wird sich nimmermehr bekunden
können, wenn du dein Empfinden nicht
dazu erziehen willst, das feine Fluidum
zu fassen, das ihr Substanz und Lebens‐
odem ist. — —
.Berührung beider Welten wird
allein bewirkt durch Wahrnehmung
der Schwingung wesenhafter Gei
stes-Licht-Substanz in deinem Be‐
wußtsein, auch wenn du nicht zu
deuten weißt, was dir bewußt ge‐
worden ist...
96 Der Sinn des Daseins
.Ein Werk der Kunst kann dir zum
Anlaß werden, in dir selbst die Licht‐
welt zu berühren, und das kleinste
Wunder der Natur kann dich dazu
gelangen lassen...
97 Der Sinn des Daseins
.Du sollst die Außenwelt, mit wachen
Sinnen, freudig, als das hier auf dieser
Erde dir Gegebene, verbrauchen, —
aber: sei auf deiner Hut, damit du dich
nicht in die Außenwelt ver-hängst
und so dir selber zum «Verhängnis»
wirst! —
.Was du auch in der Außenwelt er‐
leben magst, — stets mußt du Herr
deines Erlebens bleiben! — —
98 Der Sinn des Daseins
.Nur das, was in dir selbst der Licht‐
welt ähnlich ist, wird sich mit ihrem
Lichte einen können...
101 Der Sinn des Daseins
.So ist es denn wahrlich nötig, alles
Hohe in dir zu pflegen, und du wirst
gut tun, dein Bewußtsein stets in dir
in deiner höchsten Höhe zu erhalten!
.Du wirst es von allem abziehen
müssen, was mit dem Höchsten in
dir nicht vereinbar ist, und manches,
was dir leider längst Gewohnheit
wurde, wird fortan schwinden müssen,
willst du wachend mit der Lichtwelt
einst dich einen können! — —
.Dann aber wird auch sicherlich der
Tag dir erscheinen, der dich fähig
finden wird, fast Unerfaßliches freud‐
bewegt zu erfassen.
.Alles Erdendunkel wird alsdann aus
hohem Leuchten dir überlichtet werden!
.Was früher dir nur ferne Ahnung
war, wird dann Gewißheit des Er
lebens sein!
Die Lichtwelt, die sich vordem dir
so oft bekundet hatte und immer wie‐
der dir alsbald entschwunden
war, ist dann für dich zu jeder
Zeit erreichbar, — immer‐
dar dem wachen Sinne
offen! — —
102 Der Sinn des Daseins
.Den Wert des Schweigens wirst du
kaum ermessen können, bevor du nicht
an dir erfahren hast, wie alle Seelen‐
kräfte erst im Schweigen sich in
ihrer höchsten Wirkung offen‐
baren! — —
117 Der Sinn des Daseins
.Unwandelbar in sich selbst,
bleibt Wahrheit nur im reinen «Sein»,
— in sich selbst begründet, aus sich
selber quellend, — aber unendlich
fältig stellt sie sich dar in Raum und
Zeit....
.Niemals würdest du die absolute
Wahrheit fassen können, die auch im
Reich des wesenhaften Geistes ewig
unerfaßbar bleibt und nur sich
selber faßlich ist! — — —
.Allem, was der «Vater» aus der
Wahrheit in ihrem Quellgrunde
zeugt, kann Wahrheit nur in gleicher
Weise faßlich werden: — als Selbst
erfassung!
.So wird es für dich denn wahrlich
«nur eine Wahrheit» geben, — nur
eine Wahrheit, die du fassen kannst:
die Wahrheit deiner selbst! — —
.Unzählige Wahrheiten aber um
strömen dich von allen Seiten, und
jede dieser Wahrheiten strebt nach ihrer
Anerkennung....
.Es wird deine eigene tiefste Wahr‐
heit oft gar sehr bedrängen, daß sie
Wahrheiten anerkennen soll, die ihr
«fremd» erscheinen und nur schwer
mit ihr selbst vereinbar.
.Doch wirst du dich daran nicht
stören dürfen!
.Erwäge, daß jede Wahrheit in Raum
und Zeit ihre eigene Formung hat,
und nur umfaßt, was ihrer Formung
entspricht.
.So sollst auch du deiner eigenen
Wahrheit entsprechen!
.Das aber wird geschehen, wenn du
selbst dir zu gebieten weißt, so daß
dein Denken, Reden oder Handeln
stets von Grund aus wahrhaft ist und
bleibt. —
.Kennst du dich selbst als durchaus
wahr, so wirst du allenthalben auch
die vorher scheinbar «fremden» Wahr‐
heiten fassen, — in der Art, wie sie
allein dir faßbar werden können: —
eingewoben in die Wahrheit deiner
selbst! — —
.Siehe: — ein jeder Erdenmensch
trägt alle unendlichfältigen Formen der
Wahrheit verhüllt in sich selbst, aber
nur eine dieser Formen kann sich in
ihm entfalten, kann ihm Gewißheit
und Bestimmtheit geben!
.Er darf nicht bald dieser, bald
jener Form der Wahrheit sich ergeben,
sonst wird er sicher seine Form der
Wahrheit niemals finden....
.Die aber findet er, wie ich schon
sagte, wenn er durchaus wahr wird
in allem Denken, Reden oder Tun,
— in aller Äußerung des Lebens!
.Was dann in seiner Wahrheit Licht
sich ihm als wahr erweist, das wird
wahrlich Wahrheit sein, denn Trug und
Lüge haben keine Macht, wo eines
Menschen eigene Wahrheit Leitstern
seines Daseins wurde. — —
.Du siehst jedoch, daß viele Men‐
schen glauben, «in der Wahrheit» zu
sein, und dennoch offenkundig irgend
eines folgenschweren Irrtums, oder
einer nichterkannten Lüge Sklaven
sind...
.Werde nicht irre an solcher Ver‐
blendung und lasse dich nicht fangen in
den Fallen ihrer trügerischen Schlüsse!
.Halte auch nicht jeden für «schlecht»,
der solcher Trugschlüsse Beute wurde!
.Sei gerecht und erkenne ruhigen
Blutes, daß die allermeisten dieser
Sklaven irgend eines Wahns, ehrlich
bei sich überzeugt sind, wirklich
in der Wahrheit zu sein!
.Sie alle freilich wären alsbald ihrer
Fesseln ledig, wollten sie nur selbst
erst wahrhaft werden, statt sich um‐
spinnen zu lassen von Gedankenge
spinsten, in denen sie der Wahrheit
urgewisse Selbstbezeugung zu erfassen
glauben! — — —
.Andere wieder wirst du allzusehr
im Banne gewisser Wahrheiten sehen,
so daß sie keine andere Wahrheit
daneben gelten lassen können...
.Wenn du solchen begegnest, so sei
nicht ebenso unduldsam, und trachte
nicht danach, sie gewaltsam ihrem Banne
zu entreißen!
.Es gibt vielerlei Wege, auf denen ein
Mensch zuletzt denn doch zu seiner
eigenen Wahrheit finden, — ja selbst
zur Wahrheit werden kann, und
manche Seele muß erst lange im Banne
der verschiedensten Wahrheiten
verweilen, bevor sie zu sich selber
findet, um vor sich selber wahr zu
werden. — —
130 Der Sinn des Daseins
.Sobald du aber einmal wirklich wahr
geworden bist in dir selbst, werden
tagtäglich dir neue Wahrheiten be‐
gegnen, und sie werden dir nicht mehr
«fremd» erscheinen, wie einst! —
.Du wirst entdecken, daß du auch
eines jeden anderen Menschen Wahr‐
heit in dir selber trägst, auch wenn
sie in dir nur eine Nebenwahrheit
ist, — nicht, wie deine eigene Mittel
punktswahrheit, Weg und Ziel be‐
stimmend. —
.So wirst du duldsam gegen andere
werden, und du wirst keinen anderen
darum geringer schätzen, weil er nicht
deiner Wahrheit folgt, wenn du ihn
nur auf seine Weise seiner Wahrheit
Folge leisten siehst! — —
.Du wirst erkennen, daß die absolute
Wahrheit, die allein sich selber
«fassen» kann, in unzählbaren
Formen sich der Fassungskraft des
Menschen offenbart, und daß auch
noch die fernste dieser Formen Licht
von ihrem Lichte enthält. —
136 Der Sinn des Daseins
.Du magst auf dieser Erde wohl der
Mächtigste und Erhabenste sein, der
Erbe alter Geschlechter, vererbten
Herrscherwillens und unermeßlichen
Besitzes, und bleibst doch als Erden‐
mensch vor dem Werturteil der Ewigen
ein armer, törichter Wurm, den
ein Fußtritt zertreten kann, auch wenn
das Herz, das diesen Fuß bewegt, dich
gerne schonen möchte!!!
.Die Umgestaltung deines Daseins,
die deines Daseins Folge umgestaltet,
erfordert mehr von dir, als nur einen
Wandel deiner Gefühle, — eine Trans‐
ponierung deines seitherigen Erden
geltungswillens in die Bereiche
ewigen Erlebens! —
.Magst du unter Herrschern der Aller‐
mächtigste sein, oder unter Bettlern
der Allerärmste, so mußt du in beiden
Fällen wissen, daß alles das wahrhaft
irrelevant, — in jeder Hinsicht we
senlos ist, vor dem Angesicht Derer,
die des wesenhaft-wirklichen, ewi
gen Geistes Priester und Könige
sind, auch wenn sie dich hier auf dieser
Erde nach deiner irdischen Geltung
gelten lassen, soweit du selbst es
ihnen möglich machst! — — —
147 Der Sinn des Daseins
Ich zeige vielmehr dem Suchen‐
den das Geistige, dem er zustrebt, von den
verschiedensten Gesichtspunkten her in
immer wieder neuen Bildern, seinem Füh‐
len vertrauend und sein eigenes Urteil an‐
rufend, damit er aus dem so Vielfältigen
sich die innere Gewißheit selber verschaffe,
die jede Seele sich nur selbst zu geben
vermag. Es liegt mir nicht das geringste
an der Zustimmung des Verstandes, die
ich etwa bei einem Aufnehmenden meiner
Worte finde. Ich will ihm lediglich die
innere Verfassung erreichen helfen, in der
allein ihm offenbar werden kann, was das
Dunkel um ihn her seiner Seele verbirgt!
18 Mehr Licht
Dazu gehört Einsamkeit
und absolute Isolation von Schwingungen
anderer Gehirne: — unvorstellbar inten‐
sive Konzentration!
20 Mehr Licht
.Keiner ahnt, daß Wunder und Zeichen
ihn umgeben, während er sich, im Traume
suchend, unruhig wild im Schlafe wälzt.
Wären zu allen Zeiten nicht wenigstens
einige Wenige gewesen, die gewaltsam
ihrem Schlafe sich entrissen, dann wäre
auch für die Anderen kein Erwecken mög‐
lich, und in ihren Träumen müßten sie
dem Allbewußten entschwinden wie ein
Traum.
.So aber fanden Fürsten des Lichtes we‐
nigstens einige wache Augen und Ohren,
denen sie des Lichtes Zeichen deuten,
denen sie das Wort des Lichtes künden
konnten, und diese wenigen Erwachten
sind die Einzigen, die euch auch heute,
an diesem eurem Tage, aus dem Schlafe
rütteln können, wenn ihr erwachen wollt,
und euer Schlaf nicht schon des Todes
bleierne Umhüllung ist.
Wer diese Worte liest, wenn auch in tie‐
fem Traum befangen, der suche in sich
Erinnerung in seinen tiefsten Schächten!
Vielleicht wird dort, in trübem Dämmer‐
licht, sich noch ein Kleinod finden, das
ihm als teurer Fund den reichen Schatz
gleichwie in ferner Ahnung zeigt, den
einst auch er besaß!
.Wer aber so in Schlaf gebunden ist, daß
er auch diesen letzten Schimmer der Er‐
innerung an waches Vor-Sein nicht mehr
in sich finden kann, der lese diese Worte
nicht, denn ohne Macht, ihn heute seinem
Schlafe zu entreißen, könnten sie ihm nur
die liebsten, altgewohnten Träume stören,
die ihn ergötzen bis zu einem unerwünsch‐
ten Tage, der ihn dann doch erkennen las‐
sen muß, daß alles vordem so „Leibhaf‐
tige” nur Traum und Irrung war.
.Soll ich euch mehr als leere Worte ge‐
ben, dann muß ich manchem heißgelieb‐
ten Traum ein Ende setzen.
.Soll ich euch wirklich aus dem Schlafe
lösen, dann darf mein Wort sich nicht vor
harter Rede scheuen.
.Soll ich euch heute zu euerem Tage
erwecken, dann muß ich alle matten,
müden, schlafbeschwerten Worte eurer
erträumten Erlöser und Heilande mei‐
den.
25 Mehr Licht
.Ihr wißt nicht, daß der lebendige Geist,
soll er des Erdenmenschen „Gott” sein,
den Menschen, der aus ihm hervorgeht,
braucht, „nach seinem Bilde” sich zu for‐
men. Das ungeformte Meer des Geistes
wollt ihr fassen, und es entgleitet, indem
ihr es zu halten wähnt, euren Händen!
.Einst sagte euch einer: „Der Geist er‐
forscht alles, auch die Tiefen der Gott
heit! — ” Ihr aber erdreistet euch in euren
Träumen, auch den Geist zu erforschen, —
gebt ihm wünschenswerte Attribute, und
nennt ihn, eurer Weisheit froh, in aller
vermeintlichen Ehrfurcht ehrfurchtslos:
— euren „Gott”!
32 Mehr Licht
.Unnahbar wie der Blitz, der von Wolke
zu Wolke überspringt, blendend wie die
Sonne am Mittag und sogleich wieder in
Nacht gehüllt, ist jenes Wirkliche ewig
lebendig, und wirkend sich selbst in sei‐
ner gewaltigen Macht und Größe.
.Aber es ist unendlich ferne eurer Vor‐
stellung vom „Geiste”, — unendlich ferne
jeder Vorstellung von „Gott”, die hier auf
diesem Erdball „Religionen” schuf.
.Und doch: — wenn je ein „Gott” den
Gläubigen erhört, mag dieser Gläubige
nun: Brahma, Allah, „Vater”, „Herr” und
„Heiland”, Christus oder Buddha rufen,
so ist es einzig jene Wirklichkeit, die ihm
Erhörung schafft. —
.Nur wirklich Erwachten wird sie offen
bar.
.Nur denen, die den Schlaf und seine
Träume für immer verlassen haben, gibt
sie sich zu erkennen.
.Nur wer erwacht, mit wachen Sinnen
seinen Gott vernehmen kann, darf hoffen,
daß er in ihm selbst das Wort des Lebens
spreche.
.Solange du noch glaubst, in deinen Träu
men der Gottheit zu begegnen, mußt du
es dulden, daß dich deine selbstgeschaf‐
fenen Götzen äffen und du ihr Spielball
wirst.
Glaube nicht, diese Götzen seien macht
los, wie du selbst dir erscheinst! —
34 Mehr Licht
.Noch ahnst du nicht, daß du mit Macht
begaben kannst, und daß gerade darin
deine Macht besteht, daß über Mächte du
gebieten kannst, die weitaus mächtiger
sind als du...
.So hast du dir Götzen erdacht, und den‐
kend sie mit Macht begabt durch deinen
Glauben!
35 Mehr Licht
.Ihr könnt diese Mächte zum Dienen
zwingen durch den Glauben, und könnt
sie zwingen, euch zu quälen, ja euch zu
vernichten!
36 Mehr Licht
Gedanken sind wahrhaftig mehr als die
„Dinge” dieser Erde, — sind Kräfte: —
einzielige Bewußtheiten, denen nichts auf
dieser Erde zu vergleichen ist, — erfüllt
mit gierigem Lebenswillen, dem ihr durch
euer Denken Nahrung schafft!
.Aus solchen Kräften habt ihr eure Göt‐
zen gebildet und sie durch euren Glauben
mit der Macht begabt, euch Gutes oder
Böses anzutun nach ihrem Willen.
37 Mehr Licht
.Er spottet eurer Traumes-Übermen‐
schen-Herrlichkeit und läßt euch ruhig
rufen: „Gott ist tot!” — derweil sein Le‐
ben auf Jahrtausende gesichert ist, durch
tausendjährig wiederholten Glauben.
39 Mehr Licht
.Es ist euch un-heim-lich, aus den Ker‐
kerwänden dieses Wissens hinaus zu flie‐
hen in jene freie, wache Welt der Wirk
lichkeit, die jenseits allen Wissens ist, —
die nur erfährt, wer selber in ihr: wirklich
wird, und also zu sich selber kommt, be‐
freit von aller Qual des Wissen-Wollens.
40 Mehr Licht
doch selten nur will einer alles Wissen
seinen Träumen schenken, und wirklich
werden in der von ihm vielleicht schon ge‐
ahnten Welt der Wirklichkeit...
.Hier aber liegt der Schlüssel in tiefem
Schachte verborgen, seit Ewigkeit gehütet
von den „Müttern”!
.Wer nicht hinabsteigt zu ihnen, wird
ihn nicht erlangen.
.Wer nicht das Wissen seines Traumes
seinem Traume überläßt, und mutig auf
sich selbst verzichtend, sich ins Unge
wußte, niemals seinem Wissen Unterwor‐
fene wenden will, der wird, in seinen
Träumen vermeintlich wissend, ewig su
chen können, ohne je zu finden, was er
sucht.
41 Mehr Licht
.Solange ihr aber einem selbstgeschaffe‐
nen Götzen ausGedankentrieben” un‐
terworfen seid, auch wenn ihr ihn „den
einen, wahren Gott” zu nennen pflegt,
kann niemals lebendiger Geist sich selbst
in euch zu eurem „lebendigen Gott” ge‐
bären.
Bevor der „lebendige Gott” in dir gebo‐
ren ist, mußt du notwendigerweise ein
„gottloser Götzendiener deiner Traum‐
welt” sein.
.Bevor der „lebendige Gott” in dir ge‐
boren ist, bist du lebendig tot, und ahnst
noch nicht in deinen kühnsten Träumen,
was dein Leben in Wahrheit ist, — dein
Leben, das du, träumend, längst zu ken‐
nen glaubst.
43 Mehr Licht
.Nur in erwachten Seelen kann der „le‐
bendige Gott” sich selbst aus „Geist und
Wasser” gebären. (Zu „wissen”, was die‐
ses Wort besagt, wird nicht von dir ver‐
langt. Wenn du es jedoch erfahren willst,
wirst du zuvor erwachen müssen!)
44 Mehr Licht
.Noch fesseln dich der Andern Träume
allzusehr, und du wagst es nicht, deine
eigenen Wege zu beschreiten, denn dich
schreckt die Einsamkeit, durch die du
unermüdlich wandern mußt, wenn du die
neuen Gefährten der Welt der Wirklich
heit dereinst erreichen willst.
45 Mehr Licht
.Suche dich loszureißen von jeder Vor‐
stellung, die andere Träumende in deine
Träume brachten, auf deine Frage nach
den letzten Dingen!
47 Mehr Licht
.Hüte dich, was du nun zu erlangen
strebst: — die Wahrheit des lichten Ta
ges der Wirklichkeit, — durch dein Den
ken erschließen, oder nach den dir be‐
kannten Denkgesetzen überprüfen zu
wollen!
.Was du nun erlangen willst, steht über
dem Denken, und du kannst erst, wenn
du es erlangtest, dein Denken zu ihm er‐
heben!
.Was du nun erlangen willst, mußt du
selber werden: es kann dir niemals durch
die Formen deiner seitherigen Versuche,
die Wahrheit zu erfassen, sich erschließen.
Dein erstes Beginnen muß darauf gerich‐
tet sein, eine weite Leere in dir zu schaf‐
fen, damit das Neue, das dich erfüllen soll,
auch Raum in dir finde.
48 Mehr Licht
.Wenn du aber ernsthaft bestrebt bist,
dich aus den Fesseln deiner Träume und
der Traumwelt der Andern zu lösen, dann
werden dir, schon nach weniger Zeit, die
Dinge, die du jetzt noch träumend zu er‐
kennen meinst, bald diese, bald jene an
dere Seite zeigen und dich so belehren,
daß du bereits auf dem rechten Wege bist.
50 Mehr Licht
.Gar mancher war dem Erwachen nahe
und fiel zurück in Schlaf und Traum, weil
er dem geheimnisreichen Wunderweben
über seinem Wege noch nicht gewachsen
war und sich betäuben ließ durch wunder‐
same übermächtige Stimmen.
Je nüchterner und von Romantik freier
du deine Straße wandelst, desto besser!
.Du sollst nichts erwarten und nichts er‐
streben, außer dem Einen: — aus deinem
Schlafe, — aus der Traumwelt der An‐
dern, — erwachen zu wollen!
.Je stärker und konzentrierter dich in
stetem Gleichmut nur dieser eine Wunsch
beseelt, desto eher ist Hoffnung vorhan‐
den, daß man dir helfen kann, und man
muß dir helfen, denn niemals würdest du
allein das Werk vollbringen, auf welcher
hohen Stufe irdischen Erkennens du auch
immer als Mensch der Traumwelt dieser
Erde stehen magst.
.Halte es nicht für „Ungerechtigkeit”,
daß du erreichen sollst, was andere noch
nicht erreichen!
.Ich spreche zu dir, als zu einem, der
dem Erwachen nahe kommen kann in
diesen Tagen, — auch wenn er um sich
her nur Träumende gewahrt in ihren be‐
drückenden angstbedrängten Träumen.
Kannst du noch nicht erwachen, dann
werden dir meine Worte ohnehin unver‐
ständlich sein und vorerst unverstehbar
bleiben. Du wirst dann erst zu späterer
Zeit, — vielleicht erst nach Jahrtausen‐
den, — in anderer Daseinsform einen ähn‐
lichen Weckruf hören und ihn dann auch
verstehen können!
Was in der Traumwelt dieser Erde als
„ewige Gerechtigkeit” gesucht, und allzu‐
oft nur, nicht gefunden wird, ist eine
bloße Forderung traumgerechter Gebun‐
denheit.
.In jener Welt der Wirklichkeit, die
euch wie mich umgibt und die ihr nie‐
mals sehen könnt, solange ihr im Schlafe
träumend sucht, herrscht eine unleugbar
gesicherte Gerechtigkeit, die aber euren
Augen erst faßbar wird, wenn ihr zu Wirk
lichkeiten wurdet in der Welt der Wirk‐
lichkeit!
.Dann erst werdet ihr sehen, daß Vieles,
was ihr jetzt in eurem Traum als „Gött‐
liche Gerechtigkeit” erwartet, in schauer‐
licher Weise ungerecht zu nennen wäre,
würde es sich so, wie ihr es hofft, erfül‐
len...
.Und Vieles, was euch heute als schreien‐
des Unrecht in der „Weltordnung” er‐
scheint, wird dann seine unerschütterbare
Gerechtigkeit euch zeigen, denn nicht
erst nach dem Tode des Erdenleibes be‐
ginnen die Wirkungen in die Strandreiche
der geistigen Welt: — die letzten und un
erbittlichsten Folgen erdgezeugter Im‐
pulse!
Sucht nicht vorweg zu erhaschen, was
euch gerechterweise erst dann zu eigen
werden kann, wenn ihr den „Preis” dafür
entrichtet habt in jahrelanger treuer
Ergebenheit!
.Jede Erfüllung in der Welt der Wirk
lichkeit kann nur als Folge genau be‐
stimmter, erfüllter Gesetze euch gegeben
werden.
54 Mehr Licht
.Traut keinem Wort, das euch schnell
und ohne harte Zucht zu Erkennern zu
machen verspricht!
55 Mehr Licht
.Sie betrachten das ungestüme Wissen
wollen westlicher Wissenschaft als eine Art
geistigerVivisektion” und sehen den
Wissenstrieb des Menschen nur dort in ge‐
ordneten Bahnen, wo er den Umkreis sei‐
ner durch das erdenmenschliche Dasein
normalerweise bedingten Erfahrungswelt
nicht überschreitet.
65 Mehr Licht
und daß es an sich völlig gleich‐
gültig ist, ob er in früheren oder in spä
teren Lebensjahren in Konnex mit dem
Zentralpunkt „aller Brüder auf Erden”
kommt, ob er als Jüngling oder als Greis
die Spiralen der geistigen Schulung durch‐
läuft, die ihn eines Tages erwachen läßt
als legitimen Nachfolger und Erben eines
dahingegangenen Meisters, der auch wei‐
terhin bei der Erde bleibt, dergestalt, daß
er nun sich mit dem Geiste seines Nach‐
folgers vereinigt und ihm so seine bereits
vollendete Meisterschaft überträgt.
.Erst dann ist der zum Meister Geborene
auch de facto „Meister”, erst dann ist er
sich seines Priestertums „nach der Ord‐
nung des Melchisedek” bewußt. —
.Im Laufe seiner Entwicklungsjahre hatte
er vorher die verschiedensten Phasen ok‐
kult-geistiger Möglichkeiten zu durchlau‐
fen, so wie das Kind im Mutterleib alle
Stadien der Lebewesen durchläuft, die
unterhalb der Stufe des irdischen Men‐
schen liegen.
67 Mehr Licht
.Im äußeren Leben auf dieser Erde ist
jeder wirkliche geistige Meister den glei
chen Naturgesetzen unterstellt, wie alle
übrigen Menschen, und hat längst frei‐
willig darauf verzichtet, die Kräfte zu ge‐
brauchen, durch die er als erklärter oder
geheimer Fakir in den Ruf eines Wunder‐
täters hätte gelangen müssen.
.Um den Preis dieses Verzichtes hat er
allerdings eine Kraft erlangt, die, wie die
Königin in einem Bienenstock, unzählige
andere Kräfte unter sich vereinigt, die
alle durch sie nur dem Willen des Mei
sters dienen, und allen anderen zum Ver
derben gereichen müßten.
.Diese hohe Kraft und die ihr unterge‐
ordneten Kräfte wirken zwar zurück bis
in die äußere physisch-sinnliche Erschei‐
nungswelt, obwohl ihr Ursprung hier
nicht mehr wahrgenommen wird, allein
die Wirkungsebene, auf der diese Kräfte
durch einen wahren geistigen Meister in
Tätigkeit gesetzt werden können, ist allen
verschlossen, die nicht wie er als Leuch‐
tende des Urlichts geboren und in jahre‐
langer Schulung vollendet wurden.
.Nur unbewußt reicht jeder Menschen‐
geist auf dieser Erde in jene hohe Sphäre
hinein, und so ergibt sich die Möglichkeit,
von dorther alle Menschen zu erreichen.
Während aber bei den meisten Menschen
eine Inspiration in jener Sphäre völlig
wirkungslos bleibt, weil ihre höheren
geistigen Organe in einer Art Totenstarre
verharren, gibt es doch auch in jedem
Zeitalter eine große Anzahl, bei denen die
geistigen Organe höherer Art bereits in
Tätigkeit sind, auch wenn diese Tätigkeit
von dem Gehirnbewußtsein des irdischen
Menschen noch nicht registriert wird.
.Diese Vorgeschrittenen, die durch eige
ne Arbeit an sich selbst bereits eine Art
spontaner, unwillkürlicher Tätigkeit ihrer
höheren geistigen Organe erzielten, bil‐
den, — obwohl auch sie es in ihrem irdi‐
schen Gehirnbewußtsein nicht wissen, —
die eigentliche Gemeinde derer, die den
geistigen Einfluß der „Meister”, der im
Urlicht Leuchtenden, erfahren.
.Bewußt wird dieser Einfluß erst dann,
wenn die höheren geistigen Organe eines
solchen Menschen genügend entfaltet sind
und wenn der Wille, aus der Latenz er‐
wacht, die Inspirationen, die er aus seinem
höheren Geistesbereich empfängt, stets so
ehrlich durchzuführen bestrebt ist, daß
die Gefahren, die einen Unvorbereiteten
beim Erwachen der höheren geistigen Or‐
gane bedrohen, bei ihm als ausgeschaltet
gelten können.
.Es ist nur ein Schutz, den die Natur den
Hilflosen gewährt, da ja Menschen nicht
mit völlig erwachten höheren Geistes‐
organen zur Welt kommen, wenn sie die
Bedingung stellt, daß diesem Erwachen
erst eine jahrelange ausdauernde Arbeit
an sich selbst vorausgehen muß, und daß
der zum Erwachen Dringende nicht wirk‐
lich zum Erwachen kommt, bevor er die
Prüfungen bestand, die seine moralische
Widerstandskraft gewährleisten.
.Wäre das nicht, dann würden die höhe‐
ren geistigen Organe des Menschen, die
seine höchste Glückseligkeit bedingen,
ihm nur dazu dienen, in absoluter Ver‐
zweiflung und Hoffnungslosigkeit sich
selbst geistig zu vernichten, ohne daß der
Verzweifelnde auch nur ahnen würde, wo
zu er sie gebrauchte.
Man glaube aber auch hinwiederum nicht,
daß jene, die zwar noch nicht „erwachten”
und dennoch schon den geistigen Einfluß
der „Meister” empfangen, diesen Einfluß
in gar keiner Weise empfinden könnten.
.Wohl wird er empfunden, aber man
ahnt seine Ursache nicht und deutet zu‐
meist auf eine platt rationalistische Art,
oder befangen in abergläubische oder reli‐
giös gefärbte Vorstellungen, was man le‐
diglich dem Einfluß der „älteren Brüder”
auf hochgeistiger Ebene zu danken hat.
.Dieser Einfluß besteht nicht, wie man
meinen könnte, in der Eingebung beson‐
derer Ideen aus der Erkenntniswelt der
geistigen Meister, wenn auch ein solcher
Einfluß bei höher entwickelten Indivi‐
duen nicht absolut ausgeschlossen ist, son‐
dern er erstreckt sich zumeist lediglich auf
eine Kräftezuleitung, — auf geistig ver
anlaßte Hilfe, — die den betreffenden
Menschen in den Stand setzt, durch seine
geistigen höheren Organe solcher Dinge
innezuwerden, die in der Richtung seiner
eigenen höheren Impulse liegen.
Es wurde gesagt, daß die Meister „jedes
Volk und jeden Einzelnen” geistig zu er‐
reichen wissen, aber wenn auch schon
ganze Völker unter ihrem lange dauernden
Einfluß standen, so geschah dies nur, weil
diese Völker auffallend viele Einzelne her‐
vorgebracht hatten, die in den Einflußbe‐
reich der Meister des Lichtes auf hoher
geistiger Ebene zu gelangen vermochten.
Man kennt auf seiten dieser rein geisti
gen Gemeinsamkeit weder Vorrechte noch
Vorurteile in Bezug auf „Volk”, „Nation
oder „Rasse”, insoferne es sich um Auf‐
nahmefähige geistigen Lichtes handelt.
Man hat es immer nur mit den Einzelnen
zu tun, aus denen alle diese irdisch ge‐
trennten Menschenkomplexe gebildet
sind. Die Zugehörigkeit zu Rassen und
Völkern oder zu deren Parteien ist auf
jener hohen geistigen Ebene, auf der die
Leuchtenden im Urlicht wirken, nicht nur
durchaus belanglos, sondern auch in kei‐
ner Weise mehr wirksam oder auch nur
erkennbar! Hier herrscht wirklich eine,
— allerdings rein geistige, — „allgemeine
Bruderschaft” derer, die in diesen gehei‐
ligten Bereich gelangen konnten. Alles
Destruktive bleibt ihm schon aus eigener
Abneigung fern und wäre ihm niemals
assimilierbar.
Jedoch gibt es in diesen hohen geistigen
Sphären nur insoweit „Freiheit”, als sie
durch die Einordnung in die Bindungen
des kosmischen Gesetzes sich erringen
läßt, während es niemals eine „Gleich
heit” gab noch geben wird, denn in die‐
sen Regionen herrscht allein das Gesetz
der Hierarchie, ein Gesetz, das jedem
Einzelnen mit unerbittlicher Notwendig‐
keit die ihm vorbehaltene Stelle anweist.
Der gotische Dom ist das vollkommenste
Abbild dieser hierarchischen, kosmischen
Ordnung! Während die Mauersteine nach
Tausenden zählen, verringert sich schon
die Anzahl der Steine, die zu Pfeilern
brauchbar sind, und der Fialen des Tur
mes werden weniger und noch weniger,
bis zuletzt ein einziger Stein die Kreuz
blume bildet.
.So verschiedenwertig aber alle diese
Steine auch sein mögen, so sind sie doch
alle zur Harmonie des Ganzen von glei‐
cher Notwendigkeit, und hierin allein
kann man einen Ausdruck der „Gleich‐
heit” sehen. Es herrscht eine absolute
Unterordnung, von der Kreuzblume und
den weithin sichtbaren Fialen des Tur‐
mes an bis zu den verstecktesten Stei‐
nen der Fundamente, die keine andere
Aufgabe haben, als das ganze Gebäude zu
tragen.
.Nicht anders ist es in der geistigen Welt,
deren ewige Harmonie nur durch die un‐
beirrbare Wirkung des hierarchischen Ge‐
setzes gesichert ist.
.Wenn wir das Bild des gotischen Domes
im anderen Sinne beibehalten wollen, dann
ist die verborgene geistige Aufgabe der
Leuchtenden im Urlicht, als Meister des
Tempelbaues, gewissermaßen: — geistige
Hilfeleistung bei der „Steinmetzarbeit
der einzelnen an sich selbst arbeitenden
„Steine” die Hilfe brauchen bei ihrer
Selbstformung. — Es wäre jedoch nutzlos,
daß sich ein geistiger, lebendiger „Stein”
beklagen würde, weshalb er nicht zu einem
Pfeilerstein oder einer Turmfiale werden
könne, während er vielleicht nicht zu ent‐
behren ist als einer der vielen Mauer‐
steine, die das Gewölbe des Domes nach
außen stützen.
Das „Wissen” des wirklichen Meisters der
kosmischen Baukunst, dem die ewigen
Baupläne vorliegen, ist ein absolut sicheres
Seelenwissen, kein Erschließen und kein
Errechnen, kein Wissen im Sinne einer
irdischen Wissenschaft.
.Ein Beispiel möge das verdeutlichen. —
Jeder Mensch mit gesunden Augen weiß,
daß er bei geöffneten Augenlidern zu se‐
hen vermag.
.Der Vorgang, den wir „Sehen” nen‐
nen, ist aber, wissenschaftlich betrachtet,
äußerst komplizierter Art, und es gehört
eine Menge Denkarbeit dazu, ihn soweit
zu begreifen, wie er gedanklich erfaß‐
bar ist.
.Die Meister halten es in diesem Falle
mit dem allernaivsten Menschen oder dem
Kinde...
.Sie wollen nicht mehr und nicht weniger
als sehen können, und es genügt ihnen zu
„wissen”, daß sie sehen.
.Die irdisch-wissenschaftliche Untersu
chung dieses Vorganges ist für ihre über‐
materielle Welt in jeder Weise belanglos,
aber sie wäre darüber hinaus noch aus‐
gesprochen schädlich und in höchstem
Grade verwerflich, denn da hier Tätigkeit
und Untersuchung der Tätigkeit nicht wie
im irdisch-wissenschaftlichen Prozeß des
Erkennens zu trennen sind, so würde
durch die Untersuchung die Tätigkeit
selbst unmöglich gemacht.
.Mit anderen Worten: auf rein geistigem,
überweltlichen Gebiet läßt sich nur bei
vollkommenster Naivität absolut sichere
Erfahrung gewinnen, und sehr vieles, was
irdischer Wissenschaft so wichtig erscheint,
daß sich gläubig-fromme Wissenschafter zu
der Hoffnung verstiegen, es müsse wohl
im „Jenseits” auf alle ihre Fragen „rest
lose Aufklärung” geben, wird auf gei
stiger Ebene nicht nur als wissensunwert,
sondern als verderblich betrachtet.
.Man sieht dort in jeder analytischen
Wissens-Sehnsucht nichts anderes als das
Unheil, das den Menschen aus dem „Pa
radiese” jagte: — man sieht darin einen
Ausdruck der Unvernunft, die nicht bes‐
ser handelt, als ein Mensch, der ein Uhr‐
werk, um seinen geheimen Mechanismus
zu ergründen, in scharfe Säuren legen
würde, damit es, in Atome aufgelöst, ihm
Aufschluß gäbe.
.Man weiß in jenen Sphären, daß jedes
analytische Wissen-Wollen zur entgegen
gesetzten Richtung führt, gegenüber dem
kosmischen Gesetz, das aus Kräftepunkten
im Chaos Formen werden läßt, deren wirk‐
liche Erklärung sich erst in höchsten gei‐
stigen Formen findet. Man weiß dort, daß
jede höhere Form die niedere durchleuch‐
tet, daß aber alles Schließen vom Niederen
aufs Höhere, auch wenn es in gewissen
Grenzen befriedigende Resultate zu ge‐
währen scheint, dennoch ein trügliches
Erschließen darstellt.
.Dies ist auch der Grund, weshalb es
keinem wirklichen geistigen Meister ein‐
fallen wird, dem Alltagsgeschehen seiner
Zeit, die für seine Zeitbegriffe stets nur
ein winziges Zeit-Atom bedeuten kann,
mehr Aufmerksamkeit zu widmen, als für
sein persönliches irdisches Leben gerade
unumgänglich nötig ist.
Atavistische okkulte Überbleibsel, wie
„Hellsehen” und ähnliches, sind bei sei‐
ner von Geburt an gegebenen Artung von
vornherein ausgeschlossen.
.Es gibt kein untrüglicheres Zeichen für
einen „falschen” Meister, mag er auch gu‐
ten Glaubens sich für einen geistigen Mei‐
ster halten, als wenn man etwa von ihm
weiß, daß er „Hellseher” ist.
.Jeder Hellseher sieht nur, bestenfalls,
verborgene Dinge, die in den Bereich
der unsichtbaren physischen Welt fallen.
Glaubt er Geistiges zu sehen, dann ist er
lediglich den Spiegelungen irdisch ent‐
standener Vorstellungsbilder erlegen, die
wie eine Fata Morgana von tausend und
aber tausend Bildern, die physische, nor‐
malerweise unsichtbare Aura dieses Pla‐
neten erfüllen.
.Es gab auch noch niemals einen wirk‐
lichen echten geistigen „Meister”, der in
irgendeiner Hinsicht etwa „allwissend
gewesen wäre! Alles, was abergläubische
Schwärmer oder gewissenlose Betrüger in
dieser Hinsicht zu jeder Zeit zu verbreiten
wußten, gehört in den Bereich der Fabel.
.Würde ein wirklicher geistiger Meister
in Dingen des irdischen Lebens unge‐
wöhnlichen Scharfsinn bekunden, so läge
das lediglich begründet in seiner persön
lichen menschlichen Begabung, denn nie‐
mals würde er in diesen Dingen okkulte
Hilfe in Anspruch nehmen können, ohne
das bindende Gesetz zu durchbrechen,
mit dessen absoluter Anerkennung aus
freiem Willen er steht und fällt. —
Auch ein geistiger „Meister” kann, soweit
sein Irdisches in Frage kommt, noch „fal
len”, aber auch er nur kann als Irdischer
die einzige „Sünde” begehen, für die es
keine Vergebung” gibt — „die Sünde
gegen den heiligen Geist”, — die in sei‐
nem Falle widerstrebendes, überhebliches
Ignorieren Dessen in ihm ist, was durch
ihn sich offenbaren will. Er verschwindet
dann aus der geistigen Welt, lautlos, wie
ein erloschener Stern versinkt im Welt‐
raum. Sein Name ist ausgetilgt aus dem
„Buche des Lammes”, das „sieben Siegel”
trägt.
.Gewiß kann das Ewige eines solchen
Verbrechers im Geistigen niemals mit sei‐
nem geistigen Selbstmord vernichtet wer‐
den, aber sein Individualbewußtsein löst
sich in Jahrtausende dauerndem Zerset‐
zungsprozeß allmählich auf im allgemei‐
nen planetarischen Bewußtsein, und sein
letztes individuelles Wissen um sich selbst
sagt ihm nur, daß er sich selbst verurteilt
hat, in qualvolle Nacht zu versinken.
.Er ist „Luzifer”, der gestürzte Leuch‐
ter, der vor dem Throne des Ewigen stand,
und es ist wahrlich keine „Erfindung
herrschsüchtiger Priester”, daß es, so‐
lange die Erde Menschen tragen wird,
eine „Hölle” gibt, daß dieser Planet um‐
geben ist von einem Heer von „Teufeln”,
die nichts anderes sind, als gefallene „Got
tessöhne”, die nach ihrem Fall nicht Ruhe
finden können, bis der Abgrund des Chaos
den letzten Funken ihres Bewußtseins
verschlingt.
.„Der Teufel aber geht umher wie ein
brüllender Löwe und sucht, wen er ver‐
schlingen könne.” —
.Unter lebenden Menschen auf dieser
Erde haben sich diese Gefallenen Helfers‐
helfer verschafft, indem sie ihre Jünger
mit allen Fakirkünsten vertraut machten,
denen sie selbst einst abgeschworen hatten.
.Sie erhalten sie in dem Wahn, sie seien
nichtgefallen”, sondern über ihre ehe‐
maligen Brüder emporgestiegen, sie wüß‐
ten jetzt, daß deren selbstauferlegte Bin‐
dung an ewige Gesetze frommer Trug sei.
Alles, was auf Erden als teuflisch, böse
und gemein gilt, erklären sie ihren Schü‐
lern als erlaubt, und so erhalten sie bis
auf den heutigen Tag im Innern Asiens ein
satanisches Zerrbild der geistigen Gemein‐
schaft des Lichtes, — einen Pfuhl schauder‐
hafter Greuel, dessen giftige Miasmen alle
niedrig stehenden Menschenrassen ver‐
seuchen, die aber auch auf der westlichen
Erdhälfte nicht wenige unbewußte Opfer
fordern. Hierher gehören auch die über
ganz Asien und andere Erdteile verbreite‐
ten Geheim-Bünde, Bruderschaften und
geheimen Sekten, denen der Mensch aus
religiösen Gründen als ein Nichtseinsol
lendes gilt, die aber charakteristischer‐
weise in erster Linie die Ausrottung des
weißen Menschen anstreben.
90 Mehr Licht
.Des wirklichen geistigen Meisters unbe‐
streitbares Vorrecht gegenüber anderen
Menschen ist eine absolute Erfahrungs
sicherheit in rein geistigen Dingen und
seine Macht, auf hoher geistiger Ebene Be
dingungen zu schaffen, durch die in nie‐
deren geistigen Sphären bis herab zu der
unsichtbaren physischen Aura dieses Pla‐
neten nach Möglichkeit Unheil verhütet
wird.
.Der Kampf gegen seine ehemaligen Brü‐
der, die in ihrem „Falle” alles mit sich
reißen möchten, was sie erreichen können,
ist eine seiner vornehmsten Aufgaben.
.Da aber dieser Kampf niemals angrei
fend, sondern stets nur durch Verhinde
rung der Anschläge geführt werden kann,
wird die Aufgabe in demselben Maße er‐
leichtert, in dem es gelingt, Menschen auf
die Gefahr aufmerksam zu machen.
92 Mehr Licht
.Geheimnisvoll im äußeren Leben, —
und zwar auch für die Beteiligten selbst, —
bleibt die ständige geistige Verbindung
zwischen einzelnen Meistern, mögen sie
auch an den entgegengesetzten Enden der
Welt leben, und die Verbindung aller
Meister mit ihrem verborgenen irdischen
Zentralpunkt im Innern Asiens. Aber kein
wirklicher Meister würde hier jemals den
Schleier lüften, auch wenn es ihm möglich
wäre, und alle die schönen Erklärungen
okkultistischer Bücher, alles Heranziehen
des Allerweltsbegriffes „Telepathie” kön‐
nen niemals die „Methode” einem Men‐
schen begreiflich machen, der sie nicht
selbst auszuüben imstande ist. Einem sol‐
chen aber genügt es völlig, daß er sie aus‐
üben kann, und er wird niemals in Ver‐
suchung kommen, sie, und sei es auch nur
für sich selbst, „wissenschaftlich” erklären
zu wollen.
96 Mehr Licht
.Möge einigen, die „das Licht” zu suchen
unternehmen, das Vertrauen erleichtert
werden, daß ihr Weg behütet ist — „von
den Meistern des lichten Tages”, den Bau‐
meistern am Dome der Menschheit, denen
der Meister aller Meister die Maßeinheit
des „Ecksteins” zu eigen gab, der alle gei‐
stige „Maßgerechtigkeit” in sich enthält!
98 Mehr Licht
.Sie sind die einzigen wahren geistigen
Meister” auf dieser Erde, die Leuchten
den des Urlichtes, die lebendigen Träger
des ewigen „Christos”-Geistes, die Trans‐
formatoren ewiger, göttlicher Weisheit in
erdenmenschliches Erfassungsvermögen...
108 Mehr Licht
.Es ist ein „Wissen”, das auf Gewißheit
durch Betätigung gegründet ist und zu
dem keiner kommt, der nicht von Geburt
an die Fähigkeit mitbringt, es praktisch
auszuüben, denn es ist kein Wissen „von
etwas, kein Wissen „über” etwas, sondern
besteht nur in einer permanenten Tat: —
in einem bewußten, lebendigen Einswer
den mit dem Gegenstand des Wissens
selbst.
.Der indische Weise Patânjali sagt dem
Sinne nach etwa: „So wie Wasser die Form
eines Gefäßes, in das man es schüttet, es
ausfüllend, annimmt, so nimmt der Geist
des Yogi die Form des Dinges an, das er
wissend durchdringen will!” (Daß er nicht
etwa die „Yogis” an Straßen und Tempel‐
pforten meint, versteht sich von selbst!)
.Der Zustand derer, die dieses „Wissen”
sich erwirken können, läßt sich bezeich‐
nen mit den Worten: „durch Selbstver
wandlung wissen”.
.Es gibt außer diesem geistigen „Wissen”
eine „Lehre”, die nicht in Worten „ge‐
lehrt” werden kann, — die niemals in
einem Buche niedergeschrieben werden
konnte, weil auch sie einzig der Selbster‐
fahrung zugänglich ist, — und die seit den
ältesten Tagen des zum Menschentum er‐
wachten Menschentieres, von Meistern,
die „durch Selbstverwandlung wissend”
waren, durch geistige Übertragung wei‐
tergegeben wurde.
.Auch zum Empfang dieser geheimen
Lehre” muß man von Natur aus geeignet
sein, aber es sind immerhin doch mehr
Menschen zum Empfang dieser Art von
Belehrung geeignet, als zum Wissen durch
Selbstverwandlung geboren.
.Es gibt ein innerstes, geheimes Reich
des Geistes und geistiger Gewalten, in der
geistigen Region unseres Planeten, dem
alle, die auf Erden leben, ihr Bestes dan‐
ken!
.Es gibt ein ewiges Vorleben vor dem
Eintritt des Menschengeistes in diese Welt
der Sichtbarkeit, und es gibt ein ewiges
Fortleben nach dem „Tode” des Erden‐
körpers!
.Es gibt geistige „Wunder”, die jedes
orientalische Märchen noch in den Schatten
stellen und doch Wirklichkeiten sind!
.Aber, was über alle diese Dinge in Wor‐
ten menschlicher Sprache gesagt werden
kann, und was durch eine erhabene Hier‐
archie geistiger Wesenheiten vom „Ur‐
licht” herab bis zu den „Leuchtenden”
auf Erden und durch sie in die Kanäle
menschlicher Sprachen floß, ist unsagbar
wenig gegenüber dem, was der „durch
Selbstverwandlung Wissende” seiner Er
fahrung verdankt, der von sich sagen
darf, wie der Meister der Evangelien:
„Alles, was der Vater hat, ist mein!” —
„Ich aber, und der Vater — sind Eins!”
114 Mehr Licht
In unseren Tagen erschien es der Welt als
ein Gebot der Gerechtigkeit, daß das Weib
dem Manne gleichgestellt werde, und die
Mahnung eines echten geistigen Schülers
seines Meisters, — eines Schülers, der sein
Wissen durch „geistige Übertragung” er‐
halten hatte, — das Weib solle „schwei‐
gen”: — es solle nicht lehren in der Ge‐
meinde, da es weder durch „geistige Über‐
tragung” noch „durch Selbstverwandlung”
wissend werden kann, wurde als „veraltete
und unwürdige Auffassung vom Wesen des
Weibes” verlacht und verächtlich befunden.
.Mit dem ganzen Vollgewicht seiner ver‐
pflichtenden Erkenntnisbürde muß aber
jeder, dem durch „geistige Übertragung”
oder durch Selbstverwandlung „Wissen”
ward, trotz aller in heiliger Ehrfurcht vor
dem „Wesen des Weibes” begründeten
Verehrung der Frau, die Worte des Paulus
bestätigen, die auch heute noch zu Recht
bestehen und ihre Gültigkeit auch in Jahr‐
tausenden niemals verlieren können!
117 Mehr Licht
und das Weib hatte stets
nur zu den Vorstufen allgemeiner Beleh
rung Zutritt, während nur der Mann zum
„Eingeweihten” werden konnte, obwohl
man auch Frauen wahrlich jederzeit gerne
gab, was sie zu tragen vermochten. (De‐
generierte Mysterienverbände, die bereits
Frauen aufnahmen, konnten das nur, weil
das wirkliche Mysterium von ihnen ent‐
weiht, und ihnen daher längst entzogen
worden war!) Alle höchsten Mysterien in
des Wortes erhabenstem Sinne, — in wel‐
cher Form sie auch in der bisherigen
Menschheitsgeschichte aufgetreten sein
mögen, — sind im Grunde reine, geistige
Sexualmysterien, und „Kundalini”, die
geistgewandelte Zeugungskraft, ist nicht
umsonst den Indern heilig als die höchste
der Yogikräfte, — wenn auch die solcher
Wandlung Kundigen nicht unter den Yogis
zu suchen sind, die der Reisende sieht.
.Alle geistige Kraftbetätigung braucht
korrelative körperliche Organe, um über‐
haupt in diesem Erdenleben in Erschei‐
nung treten zu können.
.Ein weiblicher geistiger „Meister” ist
ein Widerspruch in sich selbst
119 Mehr Licht
.Ihre geistig höchste Stufe erreicht die
Frau ausnahmslos erst in nachirdischen
Zuständen durch ihre Verschmelzung: ihre
Einswerdung mit einem männlich-pola‐
ren, in Göttlichkeit verklärten Menschen‐
geiste, der sie in sich selbst, in geheimnis‐
voller Vereinung, — wie in einem Taber‐
nakel geborgen, in Liebe eingehüllt, —
durch die Unendlichkeit der geistigen
Sphären trägt.
.Man betrachte nur einmal die mancher‐
lei Männertypen der Evangelien, von dem
Meister angefangen bis zum entferntesten
seiner Jünger, und vergleiche mit allen
diesen Männern und ihrem machtvollen
Wort, — nachdem sie zur Reife gelangten,
— die Frauengestalten, die in den Evan‐
gelien geschildert werden, um zu begrei‐
fen, in welcher Stellung allein die Frau
einen Platz finden kann, wenn das Chri
stos-Mysterium des Mannes ihr Dasein
wirksam berühren soll.
.Die beiden Pole des Geschlechtes sind
ewiger Natur und reichen bis ins Innerste
des Urlichtes hinauf.
.Niemals war eine Frau, wie populäre
Afterweisheit orakelt, „in einer früheren
Inkarnation” ein Mann, niemals könnte
sie „in einer späteren Inkarnation” zum
Manne werden!
.Was heute auf Erden „Mann” ist, war
immer, auch vor Ewigkeiten, männlich
polarer Art in ursprünglicher Geistnatur,
und was heute auf Erden als „Weib” lebt,
war ewig weiblich-geistiger Artung aus
dem weiblichen Sein in der Gottheit her,
die da „Mann” ist und „Weib”!
122 Mehr Licht
.Jeder Mensch jedoch ist eine völlig ein
zigartige Emanation des mit Individualisie‐
rungswillen „geladenen” ewigen Geistes,
männlicher oder weiblich-polarer Span‐
nung, — obgleich im Manne auch Weib‐
liches und im Weibe Männliches lebt, —
und ein Mensch, der hier auf Erden seinen
Lebensweg vollendet hat, kehrt unter nor‐
malen Umständen niemals als ein späterer
Mensch auf die Erde zurück.
124 Mehr Licht
.In völliger Passivität verfiel sie den Be‐
einflussungen einer anderen, über ganz
Asien verbreiteten und am tiefstem in ein‐
zelnen Gegenden Tibets wurzelnden Ge‐
heimsekte, deren religiöse Pflicht es ist,
alle ihr reichlich bekannten okkulten Mit‐
tel aufzubieten, um Europäer zu schädigen
und, wenn möglich, zu vernichten.
130 Mehr Licht
.Nun sagte ich aber schon, daß man noch
außerdem von autoritativer Seite her ge
nötigt war, auf eine indirekte Weise alle
Mitteilungen an jene Frau verwirren zu
lassen, die sich auf gewisse Dinge bezo‐
gen, deren Geheimhaltung für jeden da‐
von Wissenden strengste Pflicht ist, will
er nicht, daß dem schauerlichen Reich‐
tum an Zerstörungs-Erfindungen, über
den die westliche „Kultur”-Menschheit
verfügt, noch die entsetzlichsten okkult‐
geistigen Spreng- und Auflösungskräfte
beigefügt werden. —
.(Wie Feuer und Elektrizität als wohl‐
tätige Diener des Menschen fungieren,
aber auch alles dem Menschen Wertvolle
vernichten können, so wirken jene Kräfte
in der Hand verantwortungsvoller Berufe
ner zum Segen der Menschheit, während
sie allen anderen, auch wenn dies gegen
ihren Willen ist, zu Vernichtungskräften
werden.)
132 Mehr Licht
füh‐
ren hin zu wahrer „Theo-Sophia”, die
identisch ist mit dem urgegebenen, ge‐
heimnisvollen geistigen „Christentum
aus dem ewigen „Christos” im Urlichte,
dessen erhabenster Tempel auf Erden
lange bevor der Meister von Nazareth als
ein ihm Eingefügter die ewige Liebe er‐
leben lehrte, im „innersten Osten” allein
gefunden ward. Hier wird er bestehen
bleiben bis zum Ende der Tage auf dieser
Erde, und, mit ihm für alle Zeiten die
ewig Verordneten, die ihm eingefügt sind
als „Priester nach der Ordnung des Mel
chisedek”: — der Ordnung, die das
Ewige sich selbst im Zeitlichen setzt!
147 Mehr Licht
.„Denn draußen sind die Hunde und
die Zauberer und die Hurer und die Tot‐
schläger und alle, die lieb haben und tun
die Lüge.”
170 Mehr Licht
.In fast allen Religionen ist die Vorstel‐
lung einer individualisierten Selbstdar
stellung des ewigen Urlichtes als Spur
einer tiefen Wirklichkeitserkenntnis zu
finden.
175 Mehr Licht
.Gnostischer Erkenntnis entstammt der
„Logos”-Begriff. Hier aber, in dem „Wort”,
das aus Gott ist, und Gott ist, steht nichts
anderes vor uns, als die Selbstaussprache
des ewigen, unfaßbaren Urlichts in einer
individualisierten geistigen Gestaltung,
und diese Erkenntnis geistiger Wirklich‐
keit gelangte in die Lehre des Christen
tums, wo sie völlig der durchaus anders
gearteten „Gottessohnschaft” des Meisters
von Nazareth vermischt wurde, so daß der
„Gesalbte”, der Christos der Evangelien,
nun schon seit fast zweitausend Jahren
als: „menschgewordener” Logos aufgefaßt
und angebetet wird.
Im Grunde zeigt aber die gnostisch-alexan‐
drinische Logos-Lehre nur in aller Klarheit
die Erkenntnis einer Wirklichkeit, die
allen — wie man zu sagen pflegt: „persön‐
lichen” Gottesvorstellungen ihre volle Be
rechtigung gibt, — — vorausgesetzt, daß
sie nicht in anthropomorphe Ungeistig
keit ausarten, die dann dazu führt, einen
„persönlichen Gott” über den Wolken zu
erträumen, der nichts weiter ist, als ein
mit göttlichen Machtvollkommenheiten
ausgestatteter „irdisch-allzuirdischer” Po‐
tentat.
177 Mehr Licht
.Wäre nicht vom ewigen, allesumfassen‐
den Geiste aus dem Urlicht allen Seins ein
gangbarer Weg bereitet, dann könnte
wahrlich kein Menschengeist jemals zu sei‐
nem ewigen Ursprung zurückgelangen.
.Dieser „Weg” ist aber der gleiche, den
der Geistesmensch einstmals durchlaufen
hat, bevor er sich dem Menschentiere der
Erde einte.
.Unbeschreitbar wäre er dem Menschen
dieser Erde, wenn einst alle Geistesmen‐
schen gemeinsam „gefallen” wären.
.So aber ist es immer nur eine geringe
Zahl, die diesem „Falle” erliegt, auch wenn
es sich um Myriaden handelt, die nun im
Laufe der Jahrtausende, auf diesem und
anderen Planeten, das Leben des Tieres
teilen müssen zu ihrer Zeit.
181 Mehr Licht
Diese denkbar subtilste Vereinung im
Geiste Lebendiger wirkt auf Erden mit
einer Art „magnetischer” äußerlich un‐
wahrnehmbarer, rein geistiger Gewalt auf
alle Menschengeister, die bereits des Auf‐
stiegs fähig sind, und zieht sie empor in
einen geistigen Zustand, der dem ihrer
Glieder gleicht
185 Mehr Licht
.Erst nach vollendeter Rückkehr, verei
nigt mit demWortedasGottist,
schaut der Geistesmensch die Gottheit,
wie sie ewig ist und wirkt „von An
gesicht zu Angesicht”, aber nicht von
außen her, sondern in sich selbst.
.Erst dann „erkennt” er, wie auch er
„erkannt wird”!
Aber schon am ersten Anfang dieses un‐
ermeßlichen Weges kann sein „leben
diger Gott” sich in ihm gebären, in
menschlich empfindbarer Form.
.Der „lebendige Gott” des erwachenden
oder erwachten Menschen auf dieser Erde
ist gleichsam ein unfaßbares Fünklein
aus dem ewigen Strahlenlichte des „Wor‐
tes” das da „Gott” ist von Ewigkeit zu
Ewigkeit, und das selbst das Urlicht in
seiner Selbstaussprache als Urwort ist, —
so wie es „gleichzeitig” sich selbst als ewi
geGottheit” erfaßt.
.Um letzter Klarheit willen, sei hier der
Vergleich erlaubt mit einer der Kräfte
des physischen Universums, die der Mensch
sich dienstbar zu machen wußte:
.So wie elektrische Kraft ein haardünnes
Fädchen zum Glühen und Leuchten brin‐
gen kann, wie aber der Strom der glei
chen Kraft, der eine große Stadt versor‐
gen soll, in seiner ganzen Stärke ge
braucht, diesen Kohlenfaden im Augen
blick vernichten würde, so würde auch
das Fassungsvermögen des irdischen Men‐
schen im Augenblick vernichtet sein,
könnte es unbereitet dem Strahlenglanze
des ewigenWortes” und damit dem Ur
lichte selber nahen, — während erden‐
menschliche Fassungskraft es wohl vermag,
jene unendlich zarte Durchströmung zu
ertragen, die im Innersten des seelischen
Innern jenen „Abglanz des Vaters”: —
jenen leuchtenden Stern erzeugt, in dem
ihm allein sein „lebendiger Gott” auf die‐
ser Erde erfaßbar werden kann, will er
des Erdgeborenen Bewußtsein nicht zer‐
stören durch seines Glanzes Fülle.
.Beschreitet dann der endlich Erwachte
den einzigen Weg, der wirklich zurück in
die Urheimat des Geistesmenschen führt,
so leuchtet ihm dieser Stern voran und
wird mit jedem errungenen höheren Zu‐
stand lichter und strahlenreicher, bis er
zuletzt, im unnennbaren Glanze des ewi‐
gen „Wortes”: — im sich selbst gebärenden
ewigen Urlicht, — sich mit ihm selber für
alle Ewigkeiten eint.
Das ist, nach menschlichem Vermögen dar‐
gestellt, der Weg, der den Geistesmen‐
schen nach seinem Falle wieder aufwärts
führt!
192 Mehr Licht
Du siehst die Sternenheere der Nacht und
du kannst nicht fassen, was sie erhält, und
dennoch ist dieses ganze Weltenall mit
seinen zahllosen Sonnensystemen nur das
geringste Zeugnis einer Kraft und ihres
eingewobenen Willens, einer Kraft, der
auch du dein Dasein dankst, und deren
höhere Offenbarung dir, bis in ihr ureigen‐
stes Wesen, werden kann, wenn du den
Weg, den Liebe und Erbarmen offenhal‐
ten beschreiten magst!
.Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr
gehört, was Gott denen bereitet hat, die
ihn lieben!” Nichts physisch Irdisches
kann das Ewige erfassen!
.Möchten dich meine Worte alles Gött
liche lieben lehren!
.Erst wenn du Göttliches, soweit du in
der Betrachtung das vermagst, erkennst,
wirst du es lieben! Sonst liebst du nur
einen Fetisch, den du dir selbst geschaffen
hast in deiner Vorstellung.
.Erst wenn du die aufwärts ziehende
Kraft des Göttlichen meditierend in dir
empfindest, wirst du auch die ewige Liebe
in dir erkennen, durch die du alles, was
zu deiner geistigen Rettung dient, voll‐
bringen kannst!
.Dann erst wirst du jene unvergleich‐
liche Kraft, die alle Kräfte meistert, auch
selbst gebrauchen lernen: — die Liebe,
losgelöst von jedem Gegenstand der Liebe!
.Diese göttlich lebendige, schwingende
Urkraft aus der geistigen „Welt”, durch
die allein das Leben des Menschen auf
dieser Erde erlöst werden kann aus aller
Gebundenheit!
.Diese höchste Kraft, durch die du aus
der Haftung dich befreien kannst, in der
dich die unsichtbaren Gewalten der phy‐
sischen Allnatur in der du lebst, gefangen
halten, — sie, die tief unter dir stehen,
und dennoch derzeit mächtiger sind als
du, bevor dich die Liebe an sich zum un‐
besiegbaren Herrn deines Lebens macht!
.Dann wirst du verstehen lernen, was
das Wort besagen will:
.Gott ist die Liebe, und wer in der
Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott
in ihm!”
197 Mehr Licht
daß die Seele für den Menschen dieser
Erde eine gähnende Leere, ein inhalts‐
loses Sprechen, eine Uhr ohne Zifferblatt,
eine Werkstatt mit tausend surrenden,
aber leerlaufenden Rädern, ein ungemünz‐
ter und unhebbarer Reichtum wäre, ohne
den Inhalt ihres Erlebens, das ihr, hier
auf dieser Erde, durch den Körper ver‐
mittelt wird.
.Man wußte nicht, daß wir keinen einzi‐
gen Gedanken fassen können, der nicht
im Erdenkörper seine analoge Beziehung
hat, seinen eigentlichen Inhalt irdisch sin
nenfällig dargestellt findet: daß all unsere
Vorstellungsbilder, — selbst die kompli‐
ziertesten, im Körper vorgebildet sind,
und daß uns keine Empfindung bewußt
zu werden vermag, ohne Beziehung auf
die Empfindungsfähigkeit des Körpers und
seiner Organe. —
Aber auch heute noch sind die Wenigen
zu zählen, die wissen, daß bei jeglichem
erdbewußten seelischen Wahrnehmen, bei
jeglichem Denken, etwas mehr in Tätigkeit
gesetzt wird, als nur das Gehirn: — daß viel‐
mehr jedes Atom unseres Körpers uns die
nen muß zu seelischer Wahrnehmung, so‐
lange wir diesem Körper in einer phy
sisch körperlichen Erscheinungswelt ver‐
haftet sind, — und daß der Reichtum der
Seele, wie seine Gebrauchsmöglichkeit,
uns hier auf Erden nur durch die Mit
arbeit des irdischen Körpers erreichbar
ist.
.Was wir „fühlen” und „empfinden”
nennen, ist in gewisser Weise Äußerung
der gleichen Kraft, durch die wir auch zu
„denken” vermögen, und unser Fühlen
und Empfinden läßt sich zu gleicher,
wenn nicht weit größerer Schärfe der Ein
stellung, tatsächlich aber zu weit höhe
rer Sicherheit emporentwickeln, als das
Denken.
.Die Vorgänge, die da in Betracht kom‐
men, sind dem blitzschnellen Aussenden
bewußter und halbbewußter Fragen ver‐
gleichbar, auf die meist mit der gleichen
Schnelligkeit die Beantwortung erfolgt,
und die Antwort kommt uns stets, — ohne
daß wir es ahnen, — vom Körper her, auch
wenn wir glauben, ohne ihn fertig werden
zu können und ihn undankbarerweise ver
achten zu dürfen meinen...
.Bei jedem Gedanken, bei jedem Emp‐
findungsanreiz, und handle es sich um Ge‐
danken noch so abstrakter, um Empfin‐
dungen noch so sublimer Art, senden wir
mit Hilfe unseres Gehirns gleichsam einen
Kundschafter aus in jene Teile des Kör‐
pers, — ob wir sie nun kennen oder nicht,
— in denen das Analogon zu jenen ge‐
danklichen oder empfindungsmäßig zu fas‐
senden Verhältnissen physisch-körperlich
dargestellt ist, die uns im Moment beschäf‐
tigen. Und fast in gleicher Sekunde kehrt
der Bote zurück und berichtet uns — wie‐
der in der Transformation durch das Ge‐
hirn, — von dem, was er gefunden hat.
.Es ist nicht ganz leicht, diesen Vorgang
zu verstehen. Aber unsere ganze Wahr‐
nehmung der physisch gegebenen Welt
wird nur auf solche Art erreicht, und die
ganze äußere Welt wäre uns ein Chaos, —
hätte weder Maß noch Grenze und bliebe
uns seelisch unerfaßbar, — ohne diese
Mithilfe des Körpers — nicht etwa nur
des Gehirnes allein, — obwohl gewiß das
Gehirn die zentrale Regierungsstelle des
Körpers ist, und nichts Körperliches zum
Bewußtsein unserer Seele dringen kann,
ohne diese Zentralstelle durchlaufen zu
haben um in ihr für unsere seelische Wahr‐
nehmung empfindungsfähige Gestaltung
zu erhalten.
Auch alles künstlerische Künden der
Seele ist nur möglich auf dieser Erde durch
die Mitarbeit des Körpers.
.Die künstlerische Ausdrucksform kann
— in jeglichem Einzelfall — nur dann zu
einer Sprache der Seele werden, wenn
bewußt oder unbewußt Rhythmen in ihr
und durch sie zum Schwingen gebracht
werden, die irgendwo im Körper analoge
Rhythmen zum Mitschwingen bringen.
.Selbst die äußere Wiedergabe der
menschlichen Gestalt und der Dinge, die
sie umgeben, in der bildenden Kunst, ist
seelisch nur faßbar durch die Auslösung
gewisser Beziehungs-Bewußtheiten im
Körper des Beschauers, auch wenn er le‐
diglich durch das Auge, und mit Hilfe des
Gehirns, des Geschauten habhaft zu wer‐
den glaubt.
.Wer aber das eigentlich Wesentliche in
aller Kunst erfassen will, der wird stets
mehr mit dem Körper aufzunehmen ge‐
nötigt sein, als er weiß und zugeben
möchte.
.Wohl wird Musik primär durch das Ohr
empfangen, aber der Prozeß des Bewußt
werdens ist komplizierter als mancher
Hörende ahnt! — Das Ohr ist nur Auf
nahmeapparat für die Schallwellen. Um
diese aber zu deuten, ist es genötigt, den
empfangenen rhythmischen und klang‐
lichen Anstoß durch den ganzen Körper
zu leiten, bis er jeweils jene Stellen im
Körper erreicht, die ihm analog sind: —
die gleiche Beziehungsintervalle, gleiche
Schwingungseinheiten, gleiche Rhythmen
aufweisen, und so wie ein Echo die Ant
wort zurücksenden zum Mechanismus des
Ohres, das die Antwort sogleich dem Ge
hirn vermittelt, in dem sie allein sich
zu jener Sprache verdichten kann, die
der Seele faßbar ist.
.Ein Gleiches geschieht in Bezug auf das
Auge, sobald es sich um die Wahrneh‐
mung eines künstlerischen Bauwerkes, ei‐
nes Werkes der Plastik oder der Malerei
handelt, während oft alle Sinne zugleich
beansprucht werden, insonderheit aber
immer das Gehör, sobald es sich um das,
wenn auch im stillen Lesen erfolgende
Aufnehmen eines Werkes der Dichtkunst
handelt.
.Es ist immer der gleiche Vorgang!
.„Geheimnisvoll am lichten Tag...”
.Alles Wirken „künstlerischer Ausdrucks
formen” ist: — Zeichen-Magie, bedingt
durch das Finden der gleichen Kräftedia‐
gramme, wie sie der Körper physisch-real
in sich zur Darstellung bringt.
.Das gilt sowohl von dem schöpferischen
Gestalten, als auch vom empfindungsbe‐
wegten seelischen Erfassen eines jeglichen
Werkes jeglicher Kunst, wenn auch für
den Gestalter künstlerischer Ausdrucks‐
form ebenso wie für den durch sie Ange‐
sprochenen geheimnisvoll bleibt, was bei‐
der Erleben erregt.
209 Mehr Licht
.Es dürfte fast überflüssig sein, zu beto‐
nen, daß die indischen, tibetanischen und
chinesischen „Kabbalisten” in hingebend‐
ster geistiger Verbindung mit der hohen
Geistesgemeinschaft stehen, als deren gei‐
stigem, ewigkeitsbestimmten Glied mir
das Wissen über diese Dinge ward, die kaum
jemals vorher einem Europäer enthüllt
wurden, mochte er auch alle Länder, die
hier in Betracht kommen, aus eigener An‐
schauung kennen und fließend ihre Spra‐
chen sprechen.
220 Mehr Licht
.In erster Linie gilt es da, den Knäuel
der dogmatischen Verwirrung aufzulösen,
der durch die religionsgeschichtliche, also
rein zeitlich, bedingte Gleichsetzung des
Meisters von Nazareth mit der Selbst‐
aussprache des ewigen Urlichtes, — dem
Logos — entstanden ist.
.Hier ist eine wirkliche Re-formation,
eine wirkliche Reinigung der Begriffe,
brennend nötig. —
.Die Darstellung der Selbstaussprache
Gottes, des Logos, des ewigen „Wortes,
das bei Gott ist und Gott ist” und die
reinlich davon zu trennende Darstellung
der geist-menschlichen Potenz, die uns in
dem Meister der Evangelien entgegen‐
tritt, — das alles theologisch derart be‐
gründet, daß jedes ältere Dogma dadurch
nicht aufgehoben, sondern im wahrhaftig‐
sten Sinne verklärt würde, — diese Tat
harrt noch des Mutigen, der sie wagt, des
Kundigen, der sie zu wagen imstande ist,
und der Segen, der aus dieser Tat erblü‐
hen könnte, wäre unermeßlich.
243 Mehr Licht
„Arbeiter” am Bau
dieses Menschheitsdomes kann jeglicher
Erdenmensch sein, insoferne er willens ist,
an sich selber geistig zu arbeiten, bis er
der rein geistigen Form entspricht, der er
zu entsprechen vermag.
253 Mehr Licht
.Die Tempelbauten des alten Ägypten
wurden ebenso von wirklichen Kennern
des Geistigen im Menschen für die Ent
faltung der Seele errichtet, wie der Par
thenon, und, in christlicher Zeit, so man‐
che weltberühmte Kathedrale. — Alle
diese äußeren Tempelbauten zeigen in
sichtbaren Formen seelische Symbole aus
dem ewigen unsichtbaren Tempelbau, der
um der Entfaltung der Seele willen bauen
lehrte. Nicht umsonst entstammen der al‐
ten Baukunst die Symbole für geistige
Dinge, die als zu heilig galten, um in die Re‐
deweise des Alltags einzugehen. Künstler
der Baukunst hatten selbst die Symbole
geschaffen! Auch die Schöpfer der großen
Baukunstwerke des antiken und mittel‐
alterlichen Morgenlandes waren ebenso
wie die Baumeister des alten Mexiko, tra‐
ditionelle geistige Schüler dieser, „des
Bauens und der Zierde Kundigen”, davon
heute noch zahllose Bauten und Ruinen
deutlich zeugen.
254 Mehr Licht
Beim Bau des erhabenen Domes, den es
geistig zu errichten gilt, ist jeder, der daran
arbeitet, Arbeiter, Werkzeug und Bau
stein zugleich.
.Arbeiter” durch seinen freien Willen,
wird er zum „Werkzeug” durch die er‐
worbene „Kunst”: — durch Deutung der
Symbole, die ihm ihre Anwendung zeigen,
— und zum „Baustein” endlich durch die
Arbeit an sich selbst, mittels der bau‐
gerechten Zubereitung im rechten Ge‐
brauch des dargebotenen Werkzeugs.
.Nur aus kunstgerecht nach geistiger An‐
weisung der bauleitenden „Steinmetzen”
behauenen Steinen kann der Dom der
Menschheit nach dem ewigen, aus der Lie‐
be, die Gott ist, gegebenen Bauplan er‐
stehen.
.Jeder, der an diesem hochheiligen Tem‐
pel Gottes „bauen” hilft so gut er es ver‐
mag, will sich selbst als tragenden Bau
stein seinem Gefüge einverleiben, den
Weisungen Derer entsprechend, die selbst,
durch eigenen Willens Auswirkung, zu ra‐
genden Säulen behauen, als Monolithen,
das hohe Gewölbe des Tempels zu tragen
haben.
.Um Baustein zu werden, muß jeder,
der danach strebt, das Handwerk erlernen,
muß Unterweisung erhalten von einem,
der bereits das Handwerk kennt, damit er
fähig wird, das Handwerkszeug gebrau
chen zu können und damit sich selbst nach
Vorschrift geistiger Planung zu bearbeiten.
.Noch ist er ein rauher, unregelmäßig ge‐
formter, dem Steinbruch entnommener
Stein. Er wird sich durch eigene Arbeit
behauen und schleifen müssen, auf daß er
zum maßgerechten an seine Stelle passen‐
den Baustein werde.
.Ist er es geworden, so wird er willig sich
an seiner ihm vorbehaltenen Stelle ein
fügen lassen in den heiligen geistigen
Tempelbau.
Doch, damit ist er für sich selbst noch nicht
am Ende des Werkes.
.Noch ist er innerlich dunkel, — aber er
soll als Baustein leuchtend werden, denn
der Dom, den es zu bauen gilt, ist aufer‐
baut aus innerlich leuchtenden Steinen,
damit er in den unermeßlichen Weiten der
Ewigkeit mit seinem geistigen Lichte er‐
strahle.
.Nun beginnt für den Mysten die innere
Arbeit, zu der ihn die altgeheiligten Sym
bole der geistigen Dombauhütte leiten, die
er schon zu Anfang kennen lernte, und die
er auch jetzt, nachdem er Baustein wurde,
dem das Handwerkszeug nichts mehr nützt,
in sich behält als untrügliche Räte.
.Trotzdem könnte er, aus sich selbst her‐
aus und allein auf sich beschränkt, nur
schwerlich, und erst nach unermeßlichen
Zeiten, zu eigenem Lichte kommen.
.Er bedarf der Aufnahme jener Strahlen,
die von den anderen „Steinen” ausgehen,
die gleich ihm sich einstens formten, aber
schon leuchtend wurden, — und vor allem
braucht er das Licht jener Säulen-Mono
lithen, die im Innern des Tempels stehen.
.Ohne seine eigene innere Arbeit, zu
der ihn die in seinem Innersten erkann
ten Symbole leiten, würde er aber nie‐
mals tauglich werden, dieses Licht, das
ihn allenthalben umstrahlt, auch aufzu
nehmen, und es könnte geschehen, daß
die hohen Dombaumeister in ihm einen
toten” Stein erkennen müßten: — daß
sie ihn also aus dem Gefüge des Baues zu
entfernen, und einen anderen Stein an
seine Stelle zu setzen hätten. —
K+  K-
.. an meinem! Platz? - Dombaustein ist demnach nicht
"mein Königreich", das nur ich regieren kann, so lange
ich in der Liebe bleibe.
.Bringt er sich aber durch eigene innere
Arbeit soweit, daß das Licht, das ihn rings‐
um überstrahlt, auch ihn im Innern leuch
tend werden lassen kann, dann wird er
für alle ewigen Zeiten in seinem eigenen
Lichte strahlen, allen kommenden Ge
schlechtern leuchtend, am Ziele seiner
mühereichen Arbeit angelangt.
.Mit anderen Worten gesagt: Einer der
ehedem in die Nacht der Nichterkenntnis
tierhaften Daseins gefallenen Menschen‐
geister hat sich selbst im Lichte der Ewig‐
keit wiedergefunden, seiner selbst nun
bewußt als eines ewig Lebenden!
Der hier gemeinte geistige Dombau ist
wahrhaftig noch nicht vollendet, und wird
nicht eher vollendet sein, als bis auch der
letzte der erdgebundenen Menschengei‐
ster, die zurück zu ihrer Urheimat streben,
seinen Weg heimgefunden hat ins Licht.
265 Mehr Licht
wird mit geistgege‐
bener Notwendigkeit dennoch dereinst der
flammende Stern erneut erscheinen, der
vordem über der „Krippe” stand, in der
das Licht der Ewigkeit, zwischen den ar‐
men Tieren dieser Erde, wieder zu den
Menschen kam.
270 Mehr Licht
Dieser rechte Gottesdienst ist kein Be
dienen der Gottheit, kein Kult, in der Mei‐
nung zelebriert, damit der Gottheit schul
digen Tribut zu entrichten, sondern ein
freiwilliges Darbieten aller Kräfte und
Fähigkeiten des Menschen, damit sie Die
ner des göttlichen Willens werden, auf
daß sie bedingungslos sich der Lenkung
des lebendigen Gottes in des Menschen
eigener ewiger Geistigkeit unterordnen,
— eine Erlösung aus dem Chaos wilder
Wünsche, ein Kristallisationsprozeß, bei
dem jedes Kräfteatom sich der ewigen kos‐
mischen Gestaltungskraft überläßt, um so
an seine geordnete Stelle zu gelangen.
.Mag der Mensch auch in äußeren Kulten
seine Erhebung suchen, mag auch die Seele
tief innerlich berührt durch kultische
Handlung sein, so wird doch wirkliche Ver
einung der Seele mit der Gottheit nur ge‐
funden durch solche Hingabe aller Kräfte
des Menschen in ihre Hand.
Hier wird eine „Dienstbarkeit” gefordert,
die allein zu höchster Freiheit zu führen
vermag, ein Dienen, das zum Herrschen
lernen in sich selber leiten soll, ein Unter‐
ordnen, um alles Niedere dem Höchsten
anzugleichen, damit es im Rhythmus die‐
ses Höchsten zu schwingen vermag, und
so erhalten bleibe durch alle Äonen ewigen
Lebens. —
.Dieses Erhalten der Individualität, der
Bewußtseinsfülle, über den Tod des Kör‐
pers hinaus, aber durch ihn nicht berührt,
durch alle Ewigkeiten hindurch, — dieses
In-Gleichklang-Setzen aller Kräfte mit
dem ewigen Gottesfunken, um den herum
sich alles Bewußtsein geordnet kristalli‐
sieren soll, ist ja dem Wissenden der End‐
zweck allen richtigen geistigen Strebens
des Menschen auf dieser Erde.
276 Mehr Licht
.Was nützt alles verstandesmäßige Er‐
kennen, alles Wissen über die Welten des
Geistes, wenn doch alles das mit dem Fort‐
fall der Gehirnfunktionen lautlos in Nichts
zerstäubt und nie mehr im seelischen Be‐
wußtsein gefunden werden kann, falls die‐
ses seelische Bewußtsein nicht vorher,
noch während es das Gehirn zur Verfügung
hatte, den ewigen Willen zur Einigung
mit seinem lebendigen Gott, seinem gött‐
lichen Geistesfunken im innersten Innen,
erreichte?
Diese Einigung aller Seelenkräfte, al
ler Empfindungsmöglichkeiten, auch der
durch den Körper allein gegebenen, im
allerinnersten „Ich”, — in der höchsten
Region inneren Fühlens, die allein die
Gottheit erreicht und sie eben nur im
Menschen selbst, als den in ihm leben
digen Gott erreichen kann, — ist die ein
zige geistige Aufgabe des Menschen, die
sich wirklich aller Anstrengung wert er‐
weist.
.„Das Himmelreich leidet Gewalt, und
nur die Gewalt brauchen, reißen es an
sich!”
.Wahrlich, es braucht „Gewalt”, alle
störenden Einreden des nur auf die phy
sische Welt und auf die aus ihr abgelei‐
teten Spekulationen beschränkten Ver
standes abzuweisen, damit die innere
Stille zustande kommt, die uns das Urbild
unseres „Ich” empfinden läßt, unsern le
bendigen Gott, der uns jeden Augenblick
unseres Seins stets neu nach seinem Bilde
schafft, — dessen ewigen Schaffens Aus
druck wir geistig sind, — dem wir völlig
uns angleichen sollen, damit wir aus sei
nem Bewußtsein heraus, durch alle Ewi‐
keit hindurch, uns selbst in Bewußtseins
identität zu erhalten fähig werden!
279 Mehr Licht
Diese
Zurückweisung aber ist unumgänglich nö‐
tig, damit das große Lassenkönnen mög‐
lich werde, das, — als Vorausbedingung,
— erreicht sein muß, sollen alle unsere
Empfindungskräfte zu willigen Dienern
unseres inneren Gottes werden, aus dem
wir leben und sind, — soll der ewige
Mensch im Erdmenschen aus seinem Grabe
erstehen, aus dem Geiste neu geboren: —
Bild und Gleichnis seinesVaters” der
in ihm in seinem „Himmel” ist.
280 Mehr Licht
Es ist auch gewiß verstattet, das
geistig Erfühlte, nachdem es erfühlt ward,
auch auf intellektuelle Weise zu be
trachten: — sich gleichsam ein Gedanken‐
gebäude nach logischer Folge aufzurich‐
ten, als geordnete „Schatzkammer”, in
der wir die Kleinodien unseres inneren
Fühlens zu verwahren wissen. Ja ohne
ein solches selbst erbaute Schatzhaus wäre
unser inneres Erleben, wäre der Schatz
unseres geistigen Erfühlens sehr in Gefahr,
uns im Leben des Alltags wieder verloren
zu gehen, verstreut zu werden in alle
Winde, statt uns stets in geordneter Weise
zur Verfügung zu stehen.
281 Mehr Licht
.Auch wenn der Menschengeist in den
höchsten geistigen Regionen Ewigkeiten
hindurch nach Gott suchen wollte, würde
er niemals Gott begegnen, denn so, wie in
der ganzen physischen Natur niemals Na‐
turkraft an sich zu finden ist, und dennoch
in jedem Atom dieser Sichtbarkeit erkannt
wird, so äußert sich Gottheit nur in den
aus ihr gezeugten Geisteswesenheiten, —
in jeder individuell gesondert auf die nur
in ihr allein erstrebte Weise der Offen‐
barung, — und kann niemals, auch nicht
in einer der höchsten Geisteswelten, iso
liert und für sich bestehend gefunden
werden.
.Wir müssen Gott in uns selbst entdecken,
in seinem ewigen, zeugenden Leben, und
damit wir Gott in uns selbst entdecken
283 Mehr Licht
.Es bleibt nur Eines, das not tut: — Alle
Kräfte der Seele, alle Empfindungsfähig‐
keit des Körpers, jeden Impuls und jede
Regung, dem Geiste, — dem lebendigen
Gott in uns, — willig und ohne Vorbehalt
zum Dienste an uns darzubieten, damit
es dem ewigen, göttlichen Geiste möglich
ist, allmählich sich mit unserem mensch
lichen Bewußtsein zu vereinen und uns
aus sich heraus wieder diese Kräfte, Im‐
pulse, Regungen und Empfindungsfähig‐
keiten zu willfährigen Dienern zu geben,
— nachdem wir bereitet wurden, sie aus
dem ewig uns zeugenden leuchtenden Kern
unseres Seins heraus zu beherrschen.
292 Mehr Licht
Hier in diesem Erdenleben ist es dem Men‐
schen möglich, zu „wirken”. — Nach dem
Verlassen der physischen Welt aber findet
er sich in dem Zustand, den er sich selber
schuf, und muß passiv verharren, bis sich
ohne sein Zutun, vielleicht in kürzerer
Zeit, vielleicht auch erst nach Jahrtausen‐
den, — in irdischer Weise zu sprechen, —
sein Seelisches derart geläutert hat, daß
es substantiell gottgeeinten Geisteswesen‐
heiten gelingt, in ihm das Bewußtsein
vom wesenhaften Innewohnen seines gött‐
lichen Wesenskernes, seines lebendigen
Gottes, zu erwecken. Erst dann kann in
ihm die Willensumkehr erfolgen, durch
die er alle Kräfte seinem „lebendigen
Gott” zum Dienste überläßt, wodurch
dann erst die Vereinung seines Bewußt‐
seins mit dem ewigen Bewußtsein des
göttlichen Geistes in ihm herbeizuführen
ist, die auch kein „Gnadenakt” der Gott‐
heit jemals anders herbeizuführen vermag!
.Dann aber ist sein erdenmenschliches
Bewußtsein ihm längst entschwunden, wie
ein Traum, der sich selbst entschwand.
.Er ist zwar „gerettet”, aber sein Leben
auf dieser Erde mit all seinem Trachten,
seinem Glück und seiner Mühsal ist auf
ewig ihm unerinnerbar geworden, er hat
den Preis des Siegers, die Erweiterung
des Bewußtseins Dessen, der die äußer
sten Reiche göttlicher Selbstoffenbarung
durchlaufen hat, für sich nicht erlangt!
.Zwar wird auch er, — dann dem gött‐
lichen Geiste Darstellungsform geworden
und mit seinem ihm gleichgearteten männ‐
lichen oder weiblichen geistigen Gegen‐
pol vereint, — in der Fülle unendlichen
Glückes das Leben des reinen Geistes le‐
ben, doch ungleich höher ist die Art der
Selbstempfindung jener ewig Geistigen,
die in all ihrem unendlichen Glück auch
des Bewußtseins der tiefsten Tiefe noch
fähig bleiben, in die sie, dem Erdenmen‐
schentiere einst verbunden, hinabgetaucht
waren.
.Wie der Mensch der Ebene, in seiner
ganzen Seele erschüttert und beglückt vor
den Wundern der Bergwelt, steht, von dem
Gebirgsbewohner zuweilen kaum in seiner
Andacht verstanden, so ermißt erst der
Geist, der auch aller Tiefen noch bewußt
sich erinnern kann, die ganze Höhe seines
Glückes, und je höher die Stufen werden,
die er, wenn auch erst in Äonen, erreichen
soll, desto weniger möchte er die Er
innerungsmöglichkeit an seine tiefste
Stufe missen.
Da Geistiges niemals in seinem Wesen
veränderlich ist, so handelt es sich bei dem
Aufstieg der Seele auch niemals um eine
Veränderung ihres göttlich-geistigen, ewig
sie zeugenden Wesenskernes.
.Der „lebendige Gott” in des Menschen
innerstem Innen, dem er hier schon auf
dieser Erde sich im Bewußtsein zu einen
vermag, ist der Gleiche, auf jeder geistigen
Stufe, die je erreicht wird, durch alle
Ewigkeit hindurch.
.Nur der Zustand der Seele, der Zustand
menschlich-seelischen Bewußtseins erwei‐
tert sich, um stets höhere geistige Bewußt‐
heit zu erlangen, um stets weitere Un‐
ermeßlichkeiten geistigen Seins empfinden
zu können.
.Würde es sich nur darum handeln, ir
gendein Individualbewußtsein seelischer
Art um den geistigen, zeugenden Wesens‐
kern herum zu bilden, dann wäre jedes
Trachten nach der Einung des Bewußt‐
seins mit dem Geiste, hier während dieses
irdischen Lebens, völlig überflüssig, denn
die Einung kann, mit Ausnahme der Fälle
gänzlicher Bewußtseinsauflösung, nach
ewigen, dem göttlichen Leben inhärenten
Gesetzen noch erfolgen, auch wenn sie
erst in Äonen erfolgt.
.Der Weckruf aller wirklichen Geistes‐
lehrer der Menschheit erging zu allen Zei‐
ten deshalb, weil es das höchste Glück der
Seele in aller Ewigkeit ausmacht, ihr ir
disches Bewußtsein und damit die Fähig
keit des Erinnerns in sich zu erhalten,
und weil unsägliches Leid der Seele, das
zur Auslösung kommen kann, nachdem
sie den Erdenkörper verlassen hat, durch
ihre Geisteseinung während des irdischen
Lebens vermeidbar wird.
.Die Menschheit zu jeder Zeit durch ihre
berufenen Sprecher auf diese Bahn ver
mehrten Glückes hinzuleiten, ist Aufgabe
Derer, aus deren Mitte heraus ich diese
Lehren künde und jedes Wort dieses Bu‐
ches soll seine Leser nichts anderes lehren,
als diese Art des „rechten Gottesdienstes”.
Möge keiner, der diese Worte liest, aus
diesem Leben irdischer Mühsal scheiden,
bevor sein Bewußtsein geeinigt wurde
seinemlebendigen Gott”!
.Möge keiner in jene „Nacht” der Un
möglichkeit eigenen Wirkens gelangen,
aus der es kein Entrinnen gibt, ehe die
Schuld des Harrenden „bis auf den letzten
Heller” beglichen ist!
.Noch ist es „Tag” und hilfreiche Hände
sind am Werke, Allen geistige Hilfe zu‐
zuleiten, die danach verlangen. — Es be‐
darf keiner Sonderschulung, diese Hilfe
herbeizuziehen, und keiner persönlichen
Einzel-Belehrung, sie sich zu eigen zu
machen.
.Wer Ohren hat zu hören, der höre!”
298 Mehr Licht
Noch weniger aber darfst du heischen und
fordern, was sich dir von selbst ergibt,
sobald dein Inneres durch die Stille bereitet
ist. —
Erwarte in heiterer Ruhe deinen Tag! Sei
tätig mit all deinen äußeren Kräften in der
Außenwelt, doch lasse das Tabernakel dei‐
nes Innern niemals durch die Sorgen dieser
Außenwelt entweihen! In deinem Innern
mußt du, unbeirrt durch die äußeren Stürme,
stets die Stille bewahren!
Kein Geräusch der Außenwelt darf dieses
Innere in dir erreichen!
So wirst du dereinst — an deinem Tage —
deine tiefste Tiefe ergründen und zu dei‐
ner höchsten Höhe erhoben werden!
So wirst du dereinst den Ruf des Geistes
in dir selbst vernehmen und dich selbst
im Geiste erkennen! —
Im Leben des Geistes wirst du dann
selbst dich im ewigen Leben finden!
17 Das hohe Ziel
Er wird aber schwerlich dabei dem Irrwahn
erliegen, als ob ihm ein Schicksal vorge‐
zeichnet sei, dem er nicht entrinnen könne,
sondern den Ablaufsrhythmus seines
Schicksals sich nur zu enträtseln suchen,
um dann an Hand seines Wissens ihn also
auszunützen, daß vermieden wird, was zu
vermeiden ist, und herbeigeführt, was
wünschbar scheint. —
26 Das hohe Ziel
und uns veranlaßt, alle Kräfte
aufzubieten, unser Dasein frei zu machen
von der Furcht vor wechselnden Gezeiten
unsichtbarer Ströme, die zwar alles Erden‐
hafte stets durchfluten, jedoch gebrochen
werden an den diamantenen Dämmen, die
des Geistes unbesiegbare Macht um den
Vertrauenden erbaut, der durch die Tat
darum zu bitten weiß...
27 Das hohe Ziel
In allem seinem Tun und Lassen dient er nur
der Freiheit, die allein des Geistes Kinder
kennen!
28 Das hohe Ziel
Einzig die tat‐
gebärende, nüchterne Folgerung, die aus
wahrer Ein-Sicht sprießt, kann das Er
lösungswunder wirken, wenn sie in Tat
und Wirken umzusetzen weiß, was sich der
Seele offenbarte;
30 Das hohe Ziel
Verwehret darum hinfort jedem lauten Ge‐
danken in euch die Rede, bis jene große
Stille allein in euch zu finden ist, in der
nichts mehr spricht, was jemals euch von
außen kam! — —
Dann aber lernt die hohe Kunst vertrauens
vollen Wartens!
Sie wird wahrlich nicht leicht erlernt; aber
jeder, der nachmals fand, was er ersehnte,
mußte sie erlernen, und keinem bleibt diese
Lehrzeit erspart, der in sich selbst zum Fin
der werden will...
Hütet euch, so ihr finden wollt, vor der
Versuchung, die Zeit des Wartens kürzen
zu wollen!
34 Das hohe Ziel
Solange noch solches Streben in einem Su‐
chenden ist, hat er die große Ruhe nicht er‐
langt, die erste Vorbedingung ist für jedes
Finden!
Wie darf er dann klagen, wenn vergeblich
all sein Mühen war?! —
Auch wer Verborgenes in dieser Außen
welt zu finden strebt, wird stets vergeblich
suchen, so er nicht die Ruhe in sich selbst
zu schaffen weiß, die ihm auch hier von‐
nöten ist, will er zum Finder des Gesuchten
werden! —
Alle aber, die jemals im Allerinnersten
das Letzte suchten und hier gefunden ha‐
ben, wonach ihr Sehnen stand, hatten vor‐
dem die Kunst des Wartens geübt und
waren so zur Kultur der Ruhe gelangt! —
Nur in stillster Versenkung gab sich
ihnen zu eigen, was Tausende vergeblich
suchten, die der Ruhe ermangelten...
«Das Himmelreich leidet Gewalt, und nur die
Gewalt brauchen, reißen es an sich!» Es ist
aber diese «Gewalt» nichts anderes, als die
Gewalt der Selbstbezähmung, die alle
Unrast aus der Seele zu verbannen weiß! —
Erst wenn du in dir eine solche Stille ge‐
schaffen hast, daß es dir töricht erscheint,
danach zu fragen: wann dir die Erleuchtung
werden wird, bist du wahrhaftig der Erfül‐
lung nahe und kannst getrosten Mutes ver‐
trauen, daß du finden wirst, was dir ver‐
hüllt blieb, als du, noch in Ungeduld gebun‐
den, dich vergeblich mühtest! — — —
Es muß dir völlig nebensächlich werden,
wann du auf dieser Erde die höchste Er‐
kenntnis erlangen wirst! Du mußt suchen
wie einer, dem keine zeitliche Grenze jemals
gezogen ist!
Du mußt suchen wie einer, der da weiß, daß
er finden wird, weil das, wonach er sucht,
vorhanden ist und sich ihm nicht verber‐
gen kann, sobald er selbst des Findens
würdig ist!
Je mehr deine Sicherheit wächst und dein
Vertrauen zu dir selbst, desto näher
wird dir auch hohe Hilfe sein! —
.Pflege in dir selbst das gläubige Ver
trauen und meide die zersetzenden Ge‐
danken, die dich immer wieder in Furcht
bannen wollen, so als ob das Finden dir nicht
beschieden sei! —
Lerne erkennen, daß es Lästerung ist,
wenn solcher Furcht du dich ergibst! — —
36 Das hohe Ziel
Wendet euch selbst der Sonne zu, und
alle Dunkelheit wird hinter euch liegen!
.So schritten die Urväter stark und freu‐
dig ins Licht und ließen hinter sich was
dunkel war...
Doch ihre Enkel lockte mehr und mehr die
Finsternis. —
Was hinter ihnen lag, ward ihnen wich‐
tiger, als was sie noch durchschreiten
sollten...
42 Das hohe Ziel
Kehret euch mutig dem ewigen Lichte
zu, und lasset hinter euch die Dunkelheit!
Sehet: — Licht und Finsternis sind stetig
an ihrem Ort. —
Nur auf euch selber kommt es an, ob ihr
dem steten Dunkel euch verhaften, oder
euren Blick zum Lichte kehren wollt!
Wahrlich: — euch allen leuchtet ewiges
Licht!
44 Das hohe Ziel
Du selbst nur kannst dich hier durch deine
eigene Torheit um dein Eigenstes betrügen!
.Ich sehe dich zittern hier und der Furcht
verfallen: allein du würdest wahrlich töricht
meine Worte deuten, wolltest du fürchten,
den Hindernissen zu erliegen, die zwischen
dir und deinem Ziele sich erheben:
Nur furchtloser Mut wird dich das Ziel er
reichen lassen! — Das Ziel, das in dir
selber sich verborgen hält! — —
.Siehe, mein Freund, es ist Kinderspiel,
auch das höchste irdischer Außenziele
zu erringen, aber Heldenwerk, das hohe Ziel
zu erreichen, das man in sich selber trägt! — —
Im äußeren Leben können dich andere
hindern, ein Ziel zu erreichen, das du errei‐
chen möchtest; — hier aber gibt es nur Hin‐
dernisse, die du selber in dir selber schaffst!
Du selbst kannst jedes Hindernis in dir
zur Seite räumen, so du ernstlich willst,
und hohe Hilfe wird alsdann dir Kraft ver‐
leihen!
56 Das hohe Ziel
Wohl sucht der Törichte zu jeder Zeit
nach dem «unerhörten Neuen», und
doch war Zeugen und Gebären noch zu aller
Zeit an gleiche Voraussetzung gebunden...
So wirst du auch niemals zu wahrer geistiger
Erkenntnis deiner selbst gelangen, es sei
denn auf wesentlich gleiche Art wie jene
Alten, auch wenn die Form des Suchens
mit den Zeiten wechselt! —
Eine jede Zeit hat ihre eigene Form des
Suchens und Findens; aber wenn du das
Wesentliche in allen Formen zu ergründen
suchst, so wirst du gar leicht erkennen, daß
es stets das Gleiche bleibt in allen For‐
men. —
Suche auch du nur in der Form deiner Zeit
und lasse dich nicht verleiten, in alten er‐
borgten Kostümen suchen zu wollen!
Du würdest nur Mummenschanz treiben und
als Theaterheld wuchtige Tat zu vollführen
glauben, wolltest du jener Alten Form dir
zu eigen machen, um in ihr dich zu bewähren.
Du kannst nur finden, wenn du in dei
ner Form, die stets die Form deiner Zeit
sein wird, zu suchen dich bemühst!
66 Das hohe Ziel
Aus aller Zeiten schriftlichem Vermächtnis
werden alte Bücher aufgestöbert, in denen
man genaue Anweisung zu finden hofft, wie
man das Wunder an den Alltag fesseln
könnte, denn längst hat man gehört von
hohen Kräften, die denen sich erreichbar zei‐
gen sollen, die des Geistes ewiges Gesetz
erkennen.
73 Das hohe Ziel
«Gott ist Geist, und die ihn anbeten,
müssen im Geiste die Wahrheit anbeten!»
Wer nicht den Geist in sich zu suchen unter‐
nimmt, wird Gott in Ewigkeit nicht finden!
90 Das hohe Ziel
.Noch «bist» du nicht, denn was du dein
«Dasein» nennst, ist nicht wahres, seiner
selbst bewußtes Sein!
93 Das hohe Ziel
Nur, daß er letzten Endes Sieger blieb,
macht seine Größe aus, so wie ein jeder, der
ihm folgen will, sich nur als «auserwählt»
bezeugt, wenn er der Erde Torheit, der er
niemals ganz entrinnen kann, solange er
auf dieser Erde lebt, für «Nichts» zu achten
weiß und aller «Sündenschuld» sich zu ent‐
winden lernt, um im Erlösungslicht sich
zu erheben, sich selbst verzehrend in den
Feuergluten jener Liebe, die in dem Meister,
dem er nur in Liebe sich vereinen kann,
das hohe Wunder seines Lebens wirkte...
105 Das hohe Ziel
Darum ist es dem Menschen gut, dass er auf
Erden schon erkenne, wie alles Wissen, das er
grübelt und erdacht wird, nur wie ein Trop‐
fen Tau an jenem Spinnwebfaden hängt, den
die Spinne Vorstellung zwischen «Nicht
mehr» und «Nochnicht» zu spinnen weiss.
Hat er solches erkannt, dann wird er nicht all‐
zusehr mehr dieser Art Wissen sich vertrauen,
auch wenn er klug die Macht und Herrschaft
nützen mag, die ihm dieses Wissen hier auf
Erden über Irdisches gibt. —
Es wird die Ahnung eines anderen Wissens
ihm erkeimen: — eines Wissens, das nicht mehr
ab-hängt von dem Spinnengewebe zwischen
Nicht-mehr und Noch-nicht. —
So wird er, — reisst für ihn dereinst der Faden
ab, an dem sein Erdenwissen hing, — bereit ge‐
funden werden, jenes andere Wissen zu er‐
langen, dessen Fundamente tief im Urgrund
allen Seins verankert sind...
Wahrlich, solcher Art ist das Wissen
des Weisen schon während seines Er
denlebens, und keiner dünke sich wei
se, der es nicht kennt! —
Solche Weise zu wissen, ist die Weise der
Ewigkeit, wie sie dereinst allen vertraut wer‐
den wird, auch wenn sie erst nach Äonen fähig
werden sollten, sich über die Weise vergäng
lichen Wissens zu erheben! — — —
Alles Wissen der Erde bleibt ausserhalb seines
Gegenstandes, — im Wissen der Ewigkeit
aber ist der Wissende, der Gegenstand
seines Wissens, und das Gewusste, in völliger
Durchdringung.
So nur wird wahrhaft «erkannt»! —
23 Auferstehung
...«Gesetz» glaubst du verborgen, oder
meinst du offenbarlich zu erkennen in jedem
Ablauf irdischen Geschehens, der dir mit Sicher‐
heit erlaubt, aus einer Wirkung ihre Ursache
zu erschliessen, oder von einer Ursache her
bestimmte Wirkung zu erwarten.
Wo du jedoch vor einer Wirkung stehst, die
du dir ebenso auch anders möglich denken
kannst, weil ihre Ursache verborgen bleibt,
dann redest du von einem «Zufall».
Nun kannst du gar wohl zwar eine Ursache
dafür entdecken, dass diese Worte heute dich
erreichen, ja: eine ganze Kette ursächlicher
Verknüpfung zeigt sich dir, deren letztes, dir
nächstes Glied eben die Wirkung schafft, dass
diese Worte von dir jetzt gelesen werden.
Doch all dieses Zurückverfolgen einer Ursachen‐
reihe zeigt dir nur, dass alles, was hier auf Erden
geschieht, nicht aus dem Zusammenhang von
Ursache und Wirkung zu lösen ist.
Vergeblich suchst du eine Lücke, in der du dem
«Zufall» auf die Spur geraten könntest.
Auf Ursache folgt Wirkung, die selbst wieder
neuer Wirkung Ursache bildet, aber an keiner
Stelle entdeckst du den Hebel, der dieses Ge‐
triebe — wie die Erfahrung hinreichend zeigt —
gar oft so scheinbar willkürlich ablenkt, dass
du dir dann selbst mit dem Worte «Zufall» zu
verbergen suchst, wie unzureichend hier deine
Erkenntnismöglichkeiten sind. —
28 Auferstehung
Alles was du «Zufall» nennst, ist wirklich
ein Dazugekommenes, ein dem kausalen Ab‐
lauf des Geschehens Zugefallenes, aus dem
dir unzugänglichen Bereich der unsichtbaren
Welt, es sei denn, du gebrauchtest das Wort
«Zufall» nur aus Aberglaube, oder um stets
eine billige, scheinbare Erklärung des dir Un‐
erklärlichen zur Hand zu haben. —
Wohl ist das «Gesetz» nicht aufgehoben,
wo der «Zufall» in Erscheinung tritt, allein
eine zweite und andersartige Reihe von Ur‐
sache und Wirkung ist zu dem dir erforschbaren
Ablauf des äusseren Geschehens hinzugekom
men und übt ihren Einfluss aus, durch den die
einzelnen Ablaufsreihen äusseren Geschehens
sich oft in sehr wesentlich anderer Weise
kreuzen als dies ohne solchen Einfluss je er‐
forderlich gewesen wäre...
Was du «Zufall» nennst, ist nichts anderes als
die Auswirkung dir unbekannter Impulse aus
der unsichtbaren Welt.
Von sehr verschiedenen Ausgangspunkten
können diese Impulse herrühren.
Sie können geschaffen sein durch dir unwahr
nehmbare Intelligenzen der unsichtba
ren physischen Welt, durch Menschen, die
gleich dir auf dieser Erde leben, und durch den
Willen hoher Geisteswesenheiten.
Immer aber ist hinter jedem echten «Zufall»
ein solcher Impuls als «Ursache» aus einem
Wirkungsbereich zu suchen, der deinem äusse‐
ren erdenmenschlichen Erkennen verschlossen
bleibt! —
Auch im «Zufall» tritt gesetzmässiges Wir‐
ken zutage, aber es handelt sich hier nicht mehr
nur um die Gesetze, die menschlichem Ver‐
standeserkennen erforschbar sind.
«Zufall» ist das Resultat des Ineinander
greifens der Gesetze des äusseren und des
sinnlich unfassbaren Bereiches der physi‐
schen Welt, wobei jedoch stets ein Willens
impuls die verborgene Auslösung schafft! —
Ob solcher Impuls in einer dir günstigen oder
dir Schaden bringenden Weise wirkt, wird
von seinen Urhebern abhängen, die vor dir
verborgen bleiben...
Hinter jedem echten «Zufall» aber wirst du
einen Willen entdecken können, der bei ande
rem Geschehen fehlt, und kein Geschehnis soll
dir als «Zufall» gelten, bei dem sich nicht mit
aller Deutlichkeit ein Wille hinter dem Ge‐
schehen erweisen lässt!
31 Auferstehung
Strebst du, deiner eigenen Willensrichtung nach,
bedenklichen Dingen zu, dann wird dir der
«Zufall», gelenkt durch die niederen Intelli‐
genzen der unsichtbaren physischen Welt,
alsbald die Wege ebnen, die dich zu Schuld
und Frevel führen, und jeder Tag wird dir
neue, ungesuchte Versuchung bringen. —
Bist du jedoch bereits auf dem Wege zum
Geiste angelangt, so wirst du auch da auf
Schritt und Tritt dem «Zufall» begegnen, doch
hier gelenkt von den hohen, liebenden Führern
aus der Geisteswelt, die dir auf solche Weise
gar manches nahezubringen wissen, dessen du
auf deinem Wege, hier in der Aussenwelt, für
dein geistiges Entfaltetwerden, bedarfst. —
Ein jeder «Zufall» stellt dich unerwartet auf
die Probe und es wird sich zeigen, wohin du
dich selber stellst, je nachdem du ablehnst
oder aufgreifst, was er dir nahebringt. —
33 Auferstehung
ES gibt in diesen Tagen schier unzählige
Menschen, denen zu Bewusstsein kam, dass
aller Inhalt, den sie ihrem Leben zu geben such‐
ten, nur zeitweilige Erfüllung war.
So suchen sie nun nach einem anderen, blei
benden Inhalt, und ahnend erfühlen sie, dass
solcher unverlierbarer Inhalt auch irgendwie
zu erlangen sein müsse, ja, dass andere ihn zu
allen Zeiten und selbst in jeder, noch so schwie‐
rigen Lebenslage zu erlangen wussten.
37 Auferstehung
Wesentlich wichtig ist aber für den Men‐
schen nur, dass er von jenen Zusammenhän‐
gen erfahre, die ihn bewegen können, sein ei
genes Leben umzugestalten, so dass er für
die Hilfe aus dem Reiche des Geistes endlich
erreichbar wird, die ihn hier auf Erden schon
zu seinem ewigen Bewusstsein erhebt. — —
Dieses ewige Bewusstsein ist nicht nur ein
neuer Bewusstseins-Inhalt, sondern zugleich
eine neue Art, bewusst zu sein...
Hier kann nichts mehr von aussen her kom‐
men und jede Bestätigung findet der Mensch,
nachdem er solches Bewusst-Sein erlangte,
fortan in sich selbst. — —
Auch die Lehre wird gegenstandslos, sobald
man das Ziel erreichte, denn nun ist alles, was
sie erst in Worten nahebringen musste, ewige
Gegenwart und jederzeit bewusst. Der
erahnte und so sehr ersehnte Lebens-Inhalt ist
für immer gefunden! —
46 Auferstehung
Wer nicht alles von sich wirft, was ihn — so wie
er ewig im Geiste Gottes, im steten Sein
verharren kann — — vor seinem Erdenbewusst‐
sein verbirgt, der kann nicht seinem leben
digen Gott sich einen!
60 Auferstehung
Zweitens:
Eine jede «Stimme», die als von einer unsicht‐
baren Wesenheit ausgehend empfunden wird,
ist sofort zu ignorieren, sobald die mitge‐
teilten Worte nicht nur dem inneren geistigen,
sondern auch dem äusseren physischen Gehör
lautbar werden!
70 Auferstehung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jede
innere Stimme abgelehnt werden muss, die
anderes auszusagen hat, als was zur höheren
geistigen Entfaltung, zur Klärung der
inneren Einsicht und zum Besserwerden
des Hörenden dient!
Niemals wird eine Stimme aus dem ewigen
Reiche des reinen Geistes einen Menschen dahin
beeinflussen wollen, auf seine Mitmenschen in
irgendeinem Sinne einzuwirken!
Nur die geistige Liebe zu den Mitmenschen
wird sie zur Entfaltung bringen, aber in jedem
Einzelfalle wird sie es dem innerlich Be
lehrten überlassen, nach seinem Willen
und nach Maßgabe seiner Kraft aus dieser
Liebe heraus zu handeln!
Wahrlich kann aber auch geistige hohe Füh‐
rung sich zur inneren Stimme verdichten,
die alsdann, in der Sprache des also Geleiteten,
in klarer Rede vernehmbar wird!
Doch stets wird solche Rede nur im Inner
sten: — im geistigen Organismus des Men‐
schen, — vernommen werden, so, als ob das Un‐
bekannte, das in ihm spricht, nur sein eigen
stes Allerinnerstes wäre, denn nur durch
dieses eigene Allerinnerste des Menschen ver‐
mögen wirkliche geistige Wesenheiten sich ihm
auf geistige Weise vernehmbar zu machen! —
73 Auferstehung
Wer also frei bleiben will von dieser unsicht‐
baren Brut, der sorge in sich selbst für äusser
ste Sauberkeit seines Denkens, seines
Trieb- und Vorstellungslebens!
Ist er darauf bedacht, dann wird er schwerlich
jener Sucht nach inneren Sensationen verfallen,
die so viele schon zu völliger Zerrüttung führte.
Jene Menschen, die wahrhaft bereitet waren,
wirklich geistige innere Stimmen in sich zu
vernehmen und somit unter hoher Führung leb‐
ten, hatten niemals das Hören innerer Stim‐
men in sich angestrebt, — wohl aber waren sie
in jahrelanger Arbeit an sich selbst bemüht ge‐
wesen, den Irrtum in sich auszujäten und
ihre Mängel abzutun.
So hatten sie endlich die Stufe erreicht, die es
hoher geistiger Liebe möglich machte, in ihrem
Innersten sich ihnen kundzutun.
Nur diese geistigen Stimmen der Liebe aber
sind für den Erdenmenschen wahrhaft beglük‐
kend!
Nur diese inneren Stimmen können ihn leiten
zu seinem höchsten Ziel!
Sie kommen ungerufen und unverlangt,
sobald der geistig Strebende für sie erreichbar
ist.
75 Auferstehung
Wohl mögen auch viele in mancher Hinsicht
wirklich furchtlos sein, und doch sind sie
Sklaven der Furcht, sobald sie das Gebiet
verlassen, auf dem sie sich dazu erzogen haben,
der Furcht zu trotzen. —
79 Auferstehung
Gewisse Folgen früheren Geschehens las‐
sen sich durch keine Macht der Erde und
des Himmels bannen, und wo einst irriges
Verhalten Unheil vorbereitet hat, dort muss
es ausgekostet werden, ob man sich auch
noch so sehr dagegen wehren möge: — ob man
die tieferen Zusammenhänge zu begreifen
fähig sein mag, oder nicht. —
Verführt durch falsche Schlüsse seines Den‐
kens, setzt der Mensch nun selbst die Furcht
in alle Rechte ein und ahnt nicht, dass er so
durch eigene Kraft dem Übel, das er nicht
vermeiden kann, noch hundertfältig Zu
wachs schafft...
Willig gibt jeder seine magische Gewalt in den
Dienst der Furcht, und wird er der Wirkung
dann gewahr, so meint er Bestätigung zu er‐
halten für den düsteren Glauben, den die Furcht
in ihm zu wecken wusste.
So ist dann kein Ende des Übels abzusehen,
denn immerfort wird neues Übel magisch
herbeibeschworen! —
Urkräftiger Wille, der alles längst zum
Besseren wenden könnte, wird missbraucht
um die Herrschaftszeit des Übels zu verlän‐
gern. — —
81 Auferstehung
Gar vieles liegt verborgen im Bereich der
Möglichkeit, das dennoch nie ins Dasein
tritt, wenn es die Glaubenskraft des Men
schen nicht ins Dasein zieht!
Übel und Heil lassen so sich erlangen!
Wahrhaftig! Es ist kein leeres Spiel mit Wor‐
ten, wenn ich hier warne vor der Magie der
Furcht!
83 Auferstehung
auch heute die Erde keinen Menschen, der
nicht mit all seinem Denken, Reden
oder Tun, tagtäglich und Stunde für Stunde
magische Wirkungen in seinem eigenen Leben
und dem seiner Umwelt zur Auslösung bringen
würde! —
Nur weiss man heute nichts mehr von seiner
Macht und hält für «wirkungslos», was allezeit
und allerorten folgenschwerste Wirkung schafft.
84 Auferstehung
Niemals kann Furcht vermeiden lehren, was
unvermeidbar ist und nur durch Ertragen
aufgelöst werden will!
86 Auferstehung
So wie Furcht einst die kosmische Freiheit des
Geistesmenschen zerstörte: — so wie Furcht
ihn «fallen» liess aus göttlichem Leuchten,
so ist auch des Erdenmenschen Dasein
schwer durch die Furcht bedroht. —
Wer auch nur ein weniges mithilft, die stete
Furcht aus den Menschenherzen zu vertreiben,
der wirkt mit am grossen Erlösungswerke.
Aber Furchtbefreitheit ist keineswegs
Blindheit gegenüber der Gefahr!
Nur wer die ihm drohende Gefahr in ihrem gan‐
zen Umfang kennt, kann ihr furchtlos ent
gegentreten, denn er nur weiss, wie ihr zu
begegnen ist! — — —
87 Auferstehung
Das ewige reine Sein, dem allein in Wirk
lichkeit der Name «Gott» gebührt, ist in
sich selber eins und unteilbar, auch wenn
es sich selber darstellt in Unendlich
fältigkeit.
Wie könnte es jemals sich selbst in irgend
einer seiner Darstellungsformen negieren!? —
Nichts ist im Kosmos, das nicht letzten En
des eine der Darstellungsformen wäre des
ewigen Seins, das in sich selber liebend ver‐
harrt, indessen die Darstellungskräfte es, ewig
bewegt, gleichsam umkreisen.
Sich selbst ist dieses ewige Sein «Gesetz»
und «Norm», und alle die wahrlich unendlich
fältigen Kräfte, die seiner Darstellung die
nen, sind trotz aller Ausstossung als Gegen
Gesetztes dennoch ewig nur in seinem Sein
gegeben, könnten niemals ein Dagegen-Sein:
das «Dasein» wirken, ohne dieses ewige
Sein...
So ist denn jegliche Kraft nur gesetzt im
innewohnenden «Gesetz» des ewigen Seins und
trägt die Möglichkeiten ihres Wirkens un
veränderbar in sich, auch wenn in mensch‐
lich unermessbar langen Zeiten jene Kombi
nationen dieser Kräftewirkungen, die wir er‐
kannt zu haben glauben als «Naturgesetze»
manchem Wechsel unterworfen sind, den nur
der Mensch nicht wahrnimmt, da die
menschliche Beobachtung auf dieser Erde sol‐
che Zeiträume nicht umfasst.
Solange aber eine Kombination von Kräfte‐
wirkungen, — von uns «Naturgesetz» genannt,
— nicht wieder aufgelöst ist, kann das ewige
Sein sie niemals negieren, da ja auch sie in
ihm allein gesetzt ist, und es sich selber nicht
negieren kann. —
Hier sind die Grenzen der vermeinten
göttlichen «Allmacht»: — ewig unüber
schreitbar auch dem ewigen Sein!
Das heisst: — in der Weise schlichtesten Gottes‐
glaubens gesprochen — Gott würde gegen sich
selber wüten, wollte oder könnte göttlicher
Wille sich der Wirkungsart irdischer Kräfte
entgegenstemmen, da Norm und Gesetz
dieser Kräfte ja aus dem gleichen göttlichen
Willen ihre Bestimmung haben. —
Vollkommenheit ist an dieser Stelle nicht
durch göttlichen Willen gewollt: — kann
nicht gewollt werden, denn Vollkommenheit ist
nur möglich im reinen, absoluten Sein, nicht
aber in dem Dagegen-Gesetzten, das wir «Da
sein» nennen.
Die Einzigartigkeit des absoluten Seins
schliesst notwendig aus, dass Vollkommenheit
im Dasein gestaltbar wäre.
Alles «Dasein» ist ja nur «Reflex» eines be‐
stimmten Aspektes im reinen, absoluten Sein,
und so wie die Erdensonne gleichsam «voll‐
kommen» genannt werden könnte gegenüber
ihrem Spiegelbilde auf ruhiger Wasserfläche, so
ist nur das ewige Urbild jeglicher Darstellungs‐
kraft, die am «Dasein» wirkt, im ewigen Sein
vollkommen, — nicht aber der dargestellte Ge
gensatz, der in der Erscheinung fassbar
wird. —
Vom Göttlichen, Geistigen her kann die Er‐
scheinungswelt nur insofern beeinflusst wer‐
den, als göttlich-geistiger Wille auf sie einwir‐
ken kann, ohne sich selbst zum Widerspruch
zu werden.
Es wäre nicht die leiseste göttliche Ein‐
wirkung möglich auf diese Erscheinungswelt,
wären die Ketten kausalen Geschehens wirklich
so straff gespannt, wie menschliches Den‐
ken es wahrhaben möchte...
Gleichwie aber die Wirkung jener Kräfte-Kom‐
binationen, die der Mensch als «Naturgesetz»
fasst, keineswegs etwas Unveränderbares
darstellt, so ist auch die Richtung, in der sich
die einzelnen Kettenglieder des kausalen Ge‐
schehens aneinanderreihen, immer noch durch
den geistigen Willen relativ bestimmbar,
aber alle Macht des geistig-göttlichen Wil‐
lens ist auch nur in dieser durchaus rela
tiven Bestimmbarkeit kausalen Geschehens be‐
schlossen und kann die Grenzen nicht über‐
schreiten, die der gleiche Wille in sich sel
ber findet: — durch sich selbst gesetzt von
Ewigkeit zu Ewigkeit...
In aller gläubigen Einfalt gesprochen, könnte
man sagen: — Gott vermag es zwar, bis zu
einem gewissen Grade auf die irdischen
Begebnisse einzuwirken, doch bleibt sein Wille
hier stets durch innewohnendes, eigenes
Gesetz bestimmt, so dass alle Einwirkung
nur durch die Benützung der aus gleichem
Willen bestimmten Wirkungsart irdischer
Erscheinungs-Funktionen erfolgen kann. —
Der Mensch darf jederzeit sicher sein, dass
Gott jedes Unheil auf dieser Erde verhüten
wird, das Er hier verhüten kann, so dass
also alles Hadern mit Gott, weil Unheil nicht
durch Ihn verhütet wurde, nur aus der törichten
Annahme materieller göttlicher «All-Macht»
— im Sinne steter Abänderungsmöglich
keit des Geschehensverlaufes — seine schein‐
bare «Berechtigung» herzuleiten vermag und
darum Lästerung aus «Nichtwissen» dar‐
stellt. —
Was aber weiter zu wissen nottut, ist die un
umstössliche Tatsache, dass alle Möglich
keit der Richtungsablenkung irdischen kau‐
salen Geschehens von Gott aus durch den
Menschengeist allein gegeben ist: — dass
also jegliche Einwirkung Gottes auf irdisches
Dasein des Menschen bedarf, und des Men‐
schen Bereitschaft, solcher Möglichkeit die
Bahn frei zu machen, geschehe das nun in
bewusster menschlicher Willenseinstellung
oder durch passive Hingabe im Gebet. — —
Alle Kreatur wartet auf die Erlösung
durch die Kinder Gottes!
Aber auch solches wissend, soll der Mensch
nicht Unmögliches erwarten und stets dessen
eingedenk bleiben, dass die wirkliche «All‐
macht» Gottes von Ewigkeit her durch den
Willen zur Selbstdarstellung bestimmt ist,
nicht aber gegen diese Selbstbestimmtheit wir‐
ken kann, da dies, wenn es möglich wäre,
Selbstvernichtung bedeuten würde. — —
So ist denn wahrlich «Allmacht» im göttlichen
ewigen Sein, insofern, als alles «Dasein»
die Macht dieses absoluten Seins bezeugt,
aber nicht in jenem abstrusen Sinne, als könnte
das Göttliche jemals das durch eigenes Sein
bestimmte «Dasein» des aus ihm heraus und
sich entgegen-Gesetzten anders bestimmen,
als es von Ewigkeit her aus ihm bestimmt ist,
infolge innewohnender Notwendigkeit. — —
Bis in graueste Vorzeit erstreckt sich mensch‐
liches Mühen, die Gemüter in irrtumsbeladener
Vorstellung einer unmöglichen «Göttlichen
Allmacht» hypnotisch gebannt zu erhalten...
Wahrlich: es ist an der Zeit, dass dieser Bann
gebrochen werde, damit der Mensch nicht
allen Glauben an Gott verliere! —
Die Grenzen der Allmacht erkennen, heisst erst
wirklich das All verstehen, als Offenbarung
aller ewigen Macht! — — —
100 Auferstehung
auch das wundersamste äussere Erlebnis nie‐
mals jene innere Erleuchtung geben kann,
die alles Dunkel des Erkennens lichtet, weil
der Erkennende dem Licht des Geistes selbst
vereinigt wird. —
Selbst inneres Erleben hat ja nur insoweit
bleibenden Wert, als es Vorzeichen solcher
Geistvereinigung ist. —
Höchstes Ziel aber ist ein inneres Erleben,
das keinem Einzelerlebnis mehr gilt!
Was hier erlebt wird, ist: — EIN NEUES
SEIN!
Erst aus diesem neuen Sein heraus wird dann
alles Erleben gewandelt, — sei es im In
nern gegeben oder in der Aussenwelt.
Ein neues Leben ist sodann dem Suchenden
geworden!
Ein Leben, so voller Inhalt, dass alle Sucht
nach dem Wunder, die vordem vielleicht den
Wunsch berückt haben mag, für immer schwin‐
det. —
Was sollte auch für den, der selbst in sich
das unerfasslich höchste Wunder fortan nun
erlebt, das «Wunder» in der Aussenwelt,
106 Auferstehung
In deinem äusseren Leben muss sich nicht das
geringste ändern.
Sei fröhlich mit Fröhlichen, und traure, wo du
Trauer empfindest!
Geniesse den Tag auf solche Weise, dass du
vor keinem deiner Nebenmenschen die Ver‐
antwortung zu scheuen hast!
113 Auferstehung
So gehe auch du in aller Stille deinen dir
vorgezeichneten Pfad in der Aussenwelt, und
wähne nicht, es sei vonnöten, dass du dich ab‐
sondern müsstest von aller Welt, um in dir
in den Geist zu gelangen! —
Was du im Innern in dir erlebst, ist nur für
dich selbst dir gegeben.
Was du den anderen aber geben kannst, das
trägt seinen Wert in sich, auch wenn es mit
keiner Silbe durch die Bekundung eigenen Er‐
lebens bestätigt wird.
Rede nur dort von diesem Erleben, wo du
gewiss sein kannst, dass es unbedingt nötig
ist, davon zu sprechen!
Allen anderen Menschen gegenüber aber wird
dein ganzes Tun und Lassen schon eine
wortlose Lehre sein, die oftmals Besseres
bewirkt, als wenn du allerorten das, was
dich bewegt, in lauten Worten kundtun woll‐
test. — —
Du hast viel zuviel noch mit dir selbst zu
tun, als dass du dich schon berufen fühlen
dürftest, andere, die es nicht von dir fordern,
zu belehren. —
114 Auferstehung
dass du am ehesten Herr
wirst alles dessen in dir, was dir untertan
sein soll, wenn du es verstehst, nicht nur das
Widerstrebende zu zwingen, sondern auch
dem Willigen, sooft es sich ermüdet zeigt,
ein hehres Fest zu feiern. —
Solche Festesfreude der Seele ist wahrlich
mehr vonnöten, als mancher der Besten erahnt!
«Nicht vom Brote allein lebt der Mensch, son‐
dern von jedem Worte, das aus dem Munde
Gottes kommt!»
Das nährende Gotteswort aber geht nur in dich
ein, wenn du deine Seele festlich zu seinem
Empfang bereitet hast! —
119 Auferstehung
Wohl ist es dir Pflicht, dem Alltag als Werk‐
statt zu dienen, doch sind dir auch Feier
stunden gesetzt, in denen du frei bist, die
Form zu wählen, die deiner Seele tiefstes
Sehnen verlangt.
In solchen Feierstunden kannst du dich selbst
zum hohen Dome wölben und in dir sel
ber kannst du die Mysterien begehen...
Du selbst kannst dich mit Glockenklang und
Orgelton erfüllen!
Du selbst wirst hier der Sänger heilig-hehrer
Psalmen sein!
Wenn du zu deuten weisst, was bildhaft hier
zur Sprache werden will, dann weisst du längst
schon um die Art der «Festesfreude», die deine
Seele braucht, soll sie im Alltagsdasein nicht
verkümmern.
Du kennst die Stunden nur zu gut, in denen
deine Seele müde wird und alles, was ihr sonst
als Nahrung diente, von sich weist.
Ich rate dir: quäle dich nicht in solchen Stun‐
den, sondern suche alsbald deiner Seele ein
Fest zu bereiten!
Schliesse dich ein in dein Zimmer oder gehe hin‐
aus in die Natur, um dort eine Stätte zu suchen,
in der dich niemand stören kann.
Dort oder hier, wo immer du mit dir allein
sein kannst, ist der rechte Ort, und sei es selbst
mitten unter anderen Menschen, so du nur sicher
sein darfst, dass sie dich nicht nötigen zur Rede.
Bist du mit dir alsdann allein, so ignoriere
alles in dir, was dich an den Alltag und an des
Alltags Kämpfe und Plagen noch erinnern will.
Du wirst später wieder Zeit genug finden, alles
zu schlichten und winkelrecht zu richten, was
dich jetzt etwa beirren möchte.
Mache dich leer von allem, was dir nicht fest
lich, nicht festesfreudig erscheint!
Dann aber forme in deinem Denken das reinste,
grösste und schönste Bild eines Menschen, das
noch in der Gewalt deiner Vorstellungskraft
beschlossen liegt.
Lasse dieses Bild in dir lebendig werden, und
wenn es greifbar vor deiner Seele steht, dann
identifiziere dich mit ihm und schlage
dir jeden Gedanken aus dem Sinn, der dir zu
zeigen suchen will, wie sehr du dich, — und
nicht zu deinen Gunsten, — von diesem idealen
Bilde unterscheidest! —
Gewiss bist du in deinem Alltagsdasein diesem
von dir selbst geformten und darum in dir als
Möglichkeit bezeugten Bilde noch nicht gleich,
und niemand weiss, ob du dir selber treu ge‐
nug zu sein vermagst, dich ihm einst völlig
anzugleichen.
Allein: — für diese deine Feierstunde sollst
du zu vergessen trachten, was an dir noch
Mangel ist!
Für diese deine Feierstunde sollst du dich nur
in dem von dir geformten hohen Menschen‐
bilde sehen, und alles, was ihm nicht ent‐
spricht, sollst du von dir weisen.
In solcher Haltung erzeuge nun in dir eine
heilige Weihestimmung voll innerer Festes‐
freude und Dankbarkeit, ohne jegliche Rück‐
sicht auf deine Gewohnheit, dir durch dein
Denken erst die Berechtigung zu deinem
Tun zu beweisen.
Sei ohne Sorge und glaube mir, dass nach dei‐
ner Rückkehr in das Alltagsdasein sich gar
manche Stunde anbieten wird, in der du alles
nachholen kannst, was du in deiner Feierstunde
etwa an Selbstkritik zu versäumen meinst! —
Es ist so unendlich wichtig für deine Seele,
dass sie alle deine menschlichen Schwächen und
Fehler kennt, aber es ist noch wichtiger, dass
du ihr dann auch des öfteren die Möglichkeit
schaffst, dich so zu sehen, wie du werden
kannst, nachdem du einst Herr geworden bist
in dir selbst! — —
123 Auferstehung
«Besser» wird nur der Schaffende, der, nach
der Erkenntnis seiner Fehler, aus sich selbst
sein Idealbild schafft und diesem dann stets
mehr und mehr sich anzugleichen strebt. —
Die Feierstunden deiner Seele aber sollen dein
Fühlen und Denken lockern, so dass sich alles
in dir bereitet, dem von dir geformten idealen
Bilde zu entsprechen.
Darum leite ich dich an, dir solche Festesfreude
zu schaffen, sooft deine Seele sich im Alltag
ermüdet fühlt.
Aus jeder solchen Feierstunde wirst du hervor‐
gehen mit einem Zuwachs an seelischer Kraft,
der dich erstaunen lassen mag...
Mehr und mehr wirst du den Alltag zwingen
lernen und deine Festesfreude wird dir noch
die dunkelsten Stunden hellen!
Zuletzt aber wirst du so einst schon auf Er‐
den jene Festesfreude erleben, die nicht mehr
unterbrochen werden kann, da sie ein Zeugnis
ist: der Ewigkeit! — —
125 Auferstehung
Du kannst nicht verstehen, dass es Menschen
gibt, die selbst den zehrendsten Schmerz noch
durch ihr Lachen zu bändigen wissen.
Oberflächlich und gefühlsarm erscheinen dir alle,
die noch zu lachen wissen, wenn graue Trübsal
sie umgibt.
129 Auferstehung
Du aber sollst deine Sünde verlachen lernen,
denn nur wenn du erkennst, dass deine Sünde
eine Ausgeburt der Torheit war, wirst du sie
fürder meiden! —
Zum Anlass der Selbstverspottung sollst
du dir werden, gedenkst du der dunklen Tage,
da du noch sündigen konntest, und in der
Sünde «Glück» zu finden glaubtest! — —
Wahrlich, keine Reue wird dich so aus der
Sünde reissen, wie dein freies Lachen über
dein törichtes Tun! —
Und wärest du in Sünde versunken gewesen
bis über den Scheitel, so sollst du erst recht
deiner einstigen Narrheit spotten und über dich
selber lachen lernen! — —
Du wirst mit allem Weheklagen nichts unge‐
schehen machen können, was dereinst gesche‐
hen ist.
Vielleicht wird deine Reue wie ein Stachelzaun
das Reich der Sünde dir umgrenzen, — allein es
bleibt dir nur «verbotenes Land», und bist du
ehrlich vor dir selbst, so wirst du, tiefversteckt,
doch ein Bedauern in dir finden, dass dieses
nun umzäunte Land dir fortan als die Grenze
deiner Freiheit gelten soll...
Nur wenn du lernst, dein Gieren nach der
Sünde zu verlachen, wirst du in Wahrheit
ihm entrinnen!
So nur wirst du von dem Hang zur Sünde wirk‐
lich frei!
132 Auferstehung
Dieses Tier aber wurde, — im Gegensatz zu
anderen Tieren, — zum Manifestationsob
jekt einer geistigen Potenz, so dass im Laufe
der Jahrtausende auch die Psyche dieses Tie‐
res durch Influenzwirkung erweitert und er
höht wurde.
Trotzdem aber blieb die tierische Art er‐
halten und könnte, auch wenn sie in ihrer
Einzelform ewig währen würde, in aller Ewig‐
keit niemals «vergeistigt», — das heisst also:
in Geistiges umgewandelt werden.
Ebenso kann auch die geistige Potenz, die
sich in dieser Tierform manifestieren will, in
Ewigkeit nicht zur Vertierung gelangen.
Hingegen ist diese geistige Potenz an einen
Organismus gebunden, — einen Organismus
subtilster, unsichtbarer Art, — der, wenn
auch nicht «ausser»- oder «über»-kosmisch,
so doch wahrhaftig «über-irdisch» zu nennen
ist, da er aus einer Substanz besteht, die wohl
die Erde durchdringt, keineswegs aber zu
den integrierenden Substanzen des Planeten
«Erde» gehört.
Es handelt sich hier um den kosmisch-gei
stigen «Menschen» in seiner erdnächsten
Form, durch dessen Einwirkung erst aus
dem Erdentier, in dem er sich manifestiert, der
Erden-Mensch wird.
Nun ist zwar der kosmische Geistesmensch
erdnächster Form aufs engste mit seinem Mani‐
festationsobjekt: dem Erdenmenschtiere, ver
bunden, solange dieses Tieres Erscheinung
auf Erden währt, — allein, diese Verbindung
kann für den Geistmenschen ebenso Ursache
der Freude wie furchtbarster Höllenqual
sein, denn sein Drang, sich zu manifestieren,
kann ebenso durch das Erdentier gefördert,
wie behindert, ja völlig eliminiert werden.
Der gegebenen Norm nach ist der Erdenmensch
nur im Bewusstsein der durch Influenz des
Geistmenschen mehr oder weniger gehobenen
Tierheit.
Das gilt für Gelehrte und Ungelehrte
für Junge und Alte, für Mächtige wie
für Bettler!
Es ist jedoch möglich, die Norm zu durch
brechen, so dass der Erdenmensch alsdann
nicht mehr nur im Bewusstsein der Tierheit,
— sei diese auch noch so hoch differenziert,
— sondern zugleich im lichtdurchfluteten Be‐
wusstsein des Geistesmenschen steht.
Das aber lässt sich nur erreichen nach Erfül‐
lung jener Vorbedingung, die von den Er‐
leuchteten aller Zeiten «Selbstüberwindung»
genannt wird!
141 Auferstehung
Gefordert wird nur Überwindung aller
Strebungen des Tieres, die erfühlter
maßen der Manifestation des Geistes
menschen im Wege stehen.
Gefordert wird, dass das Tierbewusstsein
sich selbst als solches erkennt und über
sich selbst hinausverlangt.
Das allein ist rechte «Selbstüberwin
dung»! — — —
Was daraus resultieren kann, ist die Ver
einigung des tierischen Bewusstseins
mit dem Bewusstsein des Geistesmen
schen zu einer homogenen Einheit für
Zeit und Ewigkeit. — —
Dann hat wahrhaftig der Tod «seinen Stachel
verloren», denn im Bewusstsein seiner
Identität geht der so geeinte neue Mensch aus
diesem Erdenleben in die Welt des substan
tiellen reinen Geistes ein!
Sich selbst schuf der Tiermensch Erlösungs‐
möglichkeit, — zugleich aber wurde der Gei
stesmensch von ihm er-löst: — befreit aus der
Pein der Behinderung durch das Tier, das ihm
nun auf Erden willig dient und durch sein Seeli‐
sches vereint bleibt in unlöslicher Vereinung. —
Wenn aber diese Vereinung hier auf Erden
nicht erfolgt, dann können Äonen vergehen,
bevor die «Seele», die das Menschtier über‐
lebt, einst fähig wird, in dem ihr ewiges Eigen‐
leben verleihenden Geistesmenschen zu Bewusst‐
seinseinung aufzugehen...
143 Auferstehung
Alle höchste Weisheit ruht im Sein
      und nicht im «Denken». — —
Tiefste Wirklichkeit im wahren Sein
      kann dir erst leuchtend wahres Denken
      schenken!
Denken, das nur «Denken» ist
      führt irre Pfade —
Wahres Sein allein gebärt Gedanken
      voll der Gnade!
Alle höchste Weisheit quillt
      aus vollem Leben — —
Nie kann dir dein blosses Denken
      höchste Weisheit geben!
147 Auferstehung
.Bereite dich auf ferne Fahrt in dir noch unbekanntes oder nur geahntes
Land; aber wisse, daß ich dich in deine Heimat führen will, deine Heimat,
die du einst vor undenklicher Zeit verlassen hast und deren lichte Weite
dir nun un-heimlich geworden ist, da du nur Kerkermauern als die Grenze
deines Blickes kennst...
.Du sollst nichts von dem verlieren müssen, was deines Herzens Liebe
fand in deiner Gefangenschaft.
.Alles wirst du nach deinem Willen später wiederfinden, und keiner ist,
der dich berauben könnte, außer dir selbst!
.Aber wenn du alsdann, nach unserer Sternenfahrt, zurückkehrst an
diesen Ort, wird deine enge Zelle sich verwandelt haben in ein lichtes,
strahlendes Gemach in einem Königschloß, und — du wirst «Herr der
Schlüssel» sein...
.Alles, was hier dein eigen war, wird dir auch fürderhin gehören; doch
wirst du wahrlich besseren Gebrauch davon zu machen wissen, und was
bis heute noch allhier im Schmutze liegt, wird dann von jenem Strahlen‐
glanz umleuchtet sein, den du aus deiner Heimat mit dir nehmen sollst
in dieses Erdendaseins dämmerdüstere Gefilde. —
17 Welten
.Vernimm hier die Wahrheit, daß es in allen Unendlichkeiten keine
«Leere» gibt, daß alle scheinbare «Leere» gedrängt erfüllt von Form und
Leben ist, und daß deine Wahrnehmungsfähigkeit für dieses Leben stetig
wachsen wird, je intensiver dein eigenes Leben sich sublimieren und ver‐
feinern kann! —
19 Welten
.Wir müssen noch weitaus höher entschweben durch alle Sternen‐
räume!
.Über die fernsten Sonnen müssen wir hoch empor, damit wir in jene
Sphären gelangen, in denen dein inneres Auge dir erwachen soll aus
tausendjährigem Schlaf! — —
*
.Schon sind auch die Weltenkreise, die man auf Erden nur als lichte
Nebel am samtenen Himmel klarer Nächte sieht, tief unter uns, und noch
immer hat unser Höhenflug kein Ende gefunden...
.Wir gewahren uns nun in einem unermeßlichen Raum, und du
siehst staunend die gleichen lichten Sternen-Nebel, die tief unter uns
blieben, auch ferne über dir und nach allen Seiten hin uns jetzt um‐
schließen!
.Wir sind wie im Innern einer unfaßbar gewaltigen Kugel, deren äußere
Umgrenzung durch Myriaden von Weltsystemen gebildet wird...
.Inmitten dieses unermeßlichen Raumes aber gewahrst du nun ein neues
Licht, heller als der leuchtendste Blitz, strahlender als das hellste Sonnen‐
leuchten auf tropischen Meeren...
.— Ich höre deinen ersten Freudenruf?
.Ja, es ist keine Täuschung: — dein inneres Auge hat sich aufgetan! — — —
*
.Fester faßt du meine Hand?
.Du fühlst wohl schon, daß alles bisher Bekannte dich nun verlassen hat
und daß du in diesem Lichte hier erst sehen lernen mußt?!
.Wie jenes Leuchten, das die lange Nacht an den Eispolen des Erd‐
balls erhellt, so lebt auch dieses unendliche Lichtmeer, in dem wir jetzt
schweben, in aber tausend lodernden Strahlen und in wundersamer
Farbenpracht.
.Noch kann dein Auge nichts Formgewordenes in diesem lebenden
Lichte erkennen.
.Dazu bedarf es noch der Zeit und immer höheren Fluges! — —
*
.— Gewahrst du bereits die ersten schrillweißen Strahlenfunken, die uns
auf unserem Wege entgegenblitzen? —
.Wende deine Blicke aufwärts, ihrem Ausgangspunkte zu!
.Erschreckt bebst du zurück?!
.Du fühlst, daß wir längst nicht mehr emporsteigen aus eigener Kraft,
sondern daß jene unbeschreiblich strahlende URSONNE, die du jetzt im
Innersten des kugelförmigen Raumes erblicktest, mit magnetischer Gewalt
uns erfaßte, um uns in ihres Feuerlichtes Mitte einzusaugen!
.Du kannst nicht mehr Widerstand leisten, und während du noch voll
innerem Beben einzuhalten glaubst, bist du mit mir ihren äußern Licht‐
und Flammenhüllen schon immer näher gekommen...
*
.— Ich begreife deine Furcht, auch wenn ich sie längst nicht mehr teile.
.Auch ich habe einst dieses Erschauern durchlebt, als ein Anderer an
meiner Seite mich zum erstenmal in diese Region entführte.
.Aber ich sagte dir nur letzte Wahrheit, als ich dir versprach, dich in
deine Heimat zu führen, obwohl dein ganzes Sein jetzt in Furcht vor
Vernichtung erbebt. — —
*
.— Hörst du die dröhnenden Donner, die uns jetzt entgegenschallen, so
laß dich auch dadurch nicht ängsten!
.Auch durch diesen «Kreis der Schrecken» wird uns die Kraft dieser
Ursonne schneller emporziehen, als du vermuten magst.
.Bleibe nur deiner selbst gewiß und deines Willens, in deine Heimat zu
gelangen.
.Gib alles Fürchten und Vermuten auf, und selbst die Sorge um dein
Sein! —
.Sein oder Nichtsein muß dir gleichen Wertes dünken, wenn ich dich
nicht vergeblich auf diesem Höhenflug begleitet haben soll! — —
.Alles, was du selbst dir warst, was du selbst aus dir machtest, mußt du
opfern wollen.
.Du wirst gewißlich in diesem Urfeuer nun verwandelt werden, du
magst wollen oder nicht wollen, aber hier wird es sich nun erweisen, wer
du bist! — — —
.Du wirst hier verbrennen, um als leuchtender Stern zurückgesandt zu
werden in die Finsternis, damit sie von deinen Strahlen ewiges Licht
empfange, oder aber: — dein schwankender Wille wird dir zum Verderben
und bringt dir Aeonen erneuter Qual...
.Niemals hätte ich dich aus deinem Kerker geholt und zu diesem Fluge
überredet, wenn du nicht selbst mich vorher tausendmal «gerufen» hättest,
in den einsamen Nächten deiner Erdengefangenschaft. — —
.Nun ist dir kein Rückweg mehr möglich! — —
.Nun muß es sich zeigen, ob du schon zum «Rufen» berechtigt warst!
.Nur wer zu früh nach Erlösung schrie, kann hier seinen Untergang finden
und das Wissen um sich selbst für Aeonen in diesen Urfeuern verlieren. —
.Auch er wird einst wieder als «Funke» in den ewigen «Raum» gesandt,
aber er war noch nicht reif geworden, heute schon ein Stern zu sein und
die Urfeuer dieser Sonne, die seine Heimat ist, konnten ihn nicht zu
seinem höchsten Sein aufs neue gebären. — —
*
.Doch löse jetzt die Furcht von deinen Schultern!
.Furcht hat noch niemals ein großes Ziel erreicht! — —
.Solange die Furcht dich bedrückt, wirst du an diesem Ur-Ort nicht
deine Stätte finden, denn du willst noch nicht dich selbst zum Opfer
bringen, um dich selbst zu finden! —
.Kennst du die Worte des Meisters nicht, daß deine Seele dir verloren
sein wird, wenn du sie erhalten willst, daß du dich nur gewinnen kannst,
wenn du die Fesseln lösest, die an dich selbst dich binden? — —
22 Welten
.Bereite dir nicht selber Qual und vertraue deinem Stern!
.Dem Stern, der deine höchste Formung darstellt und in den gewandelt
du dann wiederkehren sollst, wenn du dich selbst in diesem Sonnenfeuer
von dir selbst befreitest! —
.Wolle nicht mehr ein Anderes sein — neben diesem Sonnenfeuer, das
alles Sein in sich beschließt, und es wird neu dich gebären aus seiner Kraft,
so daß du ewig in ihm dein Leben hast! — — —
23 Welten
.Im gleichen Urfeuer sind wir nun bewußt vereinigt durch alle Ewig‐
keiten!
.Und nun weißt du auch, daß jeder, der hier «Meister» ist, eines
Vollendeteren «Schüler» sein muß, und daß die Stufenleiter dieser
Hierarchie kein Ende haben kann, weil Absolutes in sich selbst kein
Ende kennt und jeder «höchsten» Stufe eine höhere erscheint, in die
sie wieder selbst sich wandelt, wenn sie ihr Höchstes in sich selbst ver‐
wirklicht hat. — — —
.Wir sind beide noch die untersten Stufensprossen dieser Himmels‐
leiter!
.Mir ward, wie du weißt, das bindende Gelöbnis einst auferlegt, den
Stromkreis des ewigen Geistes, aus dem der Erdenmensch lebt, nicht eher
zu verlassen, als bis auch der letzte meiner Menschenbrüder einging
ins Licht wie du: bis er der Stufenleiter ewig leuchtender Sterne ver‐
einigt ist. —
27 Welten
.Du aber wirst, nachdem einst der Erde Fessel dich nicht mehr bindet,
sogleich zur nächsten Stufe dich wandeln, als die dein geistiges Auge mich
hier erblickt; doch wirst du keineswegs in ihr verharren müssen... Sie ist
für dich auch nur Form des Empfindens, nicht was sie mir ist: — ureigenster,
selbstgewollter Arbeitsbereich!
.Sobald du in ihr deine höchste Vollendung erreichst, wirst du die
nächste höhere Stufe über dir erblicken, und alsobald auch wirst du dich
selbst in diese höhere Stufe wandeln, so wie du dich in meine Form dereinst
verwandelt haben wirst, wenn du befreit vom Erdentiere dich in deiner
höchsten Vollendung gefunden hast.
.In aller Ewigkeit wird dieses stete «Empor» kein Ende finden, und
wahrlich: schon die höchste Vollendung jeder einzelnen Stufe, die über
uns erscheint, braucht immer längere Zeitenfolgen, bis dann selbst das,
was wir Menschen «Ewigkeit» nennen, nur ein winziger Bruchteil ist jener
Zeit, in der sich die höheren Stufen erst zu ihrer höchsten Vollendung
formen. — — —
.Hier ist jedes menschliche Wort, das dieses ewige Geschehen dir be‐
greifbar machen möchte, nur ein Stammeln, und erst wenn du selbst zur
«Ein-sicht» in dies alles fähig wirst, kannst du durch eigene Anschauung
zu letzter Erkenntnis kommen. —
.Die Liebe der Ursonne, die dich nun zum ewigen Stern aus sich geboren
hat, lebt jetzt in deiner Form in dir, und nur aus dieser Liebe wirst du die
Kraft der Ein-sicht erhalten!
28 Welten
.— Erstaunend siehst du nun, daß hier, wo dir vordem nur lodernde
Strahlenmeere in allen Farben erschienen waren, eine neue Welt ur‐
sprünglicher Formen dich umgibt. —
.Jetzt siehst du alles erfüllt hier mit formenden Kräften, die selbst ge‐
formt sein müssen, damit sie weiterschaffend Formen bilden können. — — —
Noch ist dir das alles ein Chaos, und du weißt nicht, wie du es deuten
sollst!
.Bald aber wirst du es zu entwirren wissen, wenn du dein inneres Auge
nun gebrauchen lernst!
.Gar vieles wird sich dir dann enträtseln, das hieroglyphengleich dich
hier umgibt, und du wirst zuletzt hier auch den «Schlüssel» finden, der
jene Fesseln löst, die du auf Erden, als Mensch der irdischen Erscheinung,
tragen mußtest. —
.Dein tiefstes Sein wird dir so «erschlossen» werden!
*
.Tausendfach verschlungen und ineinanderverwoben tauchen unzählige
Bilder innersten Geschehens hier vor dir auf.
.Dir sind es noch «Bilder», weil dein Sinn noch nicht geschult ist, ur‐
sächliches Geschehen zu erfassen, und weil du gewohnt bist, alles dir zum
Bilde formen zu müssen, bevor du verstehen kannst. —
.In Wahrheit ist das, was du hier siehst, nur das Walten jener urgründig‐
verankerten Kräfte des Werdens, deren Wirkung alles ist, was je ge‐
worden ist...
.Du kannst deshalb auch alles je Gewordene hier wiederfinden und
erkennen lernen, und bevor du nicht zu erkennen vermagst, was hier zu
erkennen ist, hast du mit aller irdischen «Erkenntnis» dir nur trübe
täuschende Schleier geschaffen, auf die deine Phantasie jene Formeln
malt, die dir deine Nichterkenntnis verbergen sollen. — — — — —
*
.Unter all diesem tausendfältigen Geschehen wird dein innerer Sinn,
den du nun erlangtest und in dem hier alle anderen Sinne vereinigt sind,
gar bald Einzelnes aus der verschlungenen Vielheit des Ganzen zu lösen
wissen.
.Urweltliches, schöpferisches Geschehen wird in seinen einzelnen Phasen
sich dir enthüllen!
.Urzeitig Fernes wird dir zur Gegenwart werden!
Alles, was Menschen jemals erdenken konnten, ist nur Schatten und
Abbild dessen, was hier ist! — — —
.Erst wenn du dies weißt, wird dir diese Welt der farbenreichsten Wunder
ihre inneren Geheimnisse zeigen...
.Blicke nicht auf Irdisches zurück und suche nicht durch Vergleiche das
zu enträtseln, was nur ein Einmaliges ist und nur aus seiner eigenen Form
heraus sich erkennen läßt!
.Du wirst Zeichen, Formen und Farben sehen, denen manches
auf Erden gleicht, und dennoch darfst du nicht vergleichen wollen,
wenn du nicht verwirren willst, was in sich einfach und ohne Zweites
ist! —
.Es ist eine neue Sprache, die du hier verstehen lernen sollst, und erst
wenn sie in dir die gleichen Klänge weckt, wirst du allmählich ahnen, was
sie dir zu sagen hat. — — —
29 Welten
.«Das Wort des Herrn ergeht in alle Lande», aber man muß dieses
Wortes Klang erst zu vernehmen wissen, bevor man den Sinn dieser
Sprache deuten will...
.Wenn nicht so viele in ihrer Taubheit gedeutelt hätten, würde wahrlich
weniger Verwirrung auf Erden herrschen!
*
.Es gibt keine Kraft in den unendlichen kosmischen «Räumen», die
nicht zugleich als Ton und Zeichen ihre Art dir offenbaren könnte.
.Hier aber, wo alle Sinne in einem Sinn verschmolzen sind, vernimmst
du auch Ton und Zeichen in einer Wahrnehmung.
.Erkenne hier Form und Farbe, — und Fühlen, Geschmack, Geruch und
Ton wird alsogleich in dir lebendig sein! — — —
.Da auch du selbst durch die gleichen Kräfte, die du hier wahrnimmst,
gestaltet bist, so muß sich in dir für alles, was sich dir zeigt, eine innere
Antwort finden.
.Du darfst in das, was du hier siehst, nichts «hinein-legen» wollen, son‐
dern mußt in völliger Ruhe und Sammlung verharren, bis aus dir selbst
die Antwort kommt!
.Ist dir die Antwort geworden, so zögere nicht, sie anzunehmen, doch
wisse, daß hier jeder seine eigene Antwort empfängt, und daß es dich um
dein Bestes bringen würde, wolltest du nun auf andere warten, um deine
Antwort mit den Antworten jener etwa zu vergleichen!
.So wie du allein und ohne Zweiten aus Urfeuersonnenlicht zum leuch‐
tenden Stern geboren wurdest, so kannst du auch nur allein für dich selbst
dir höchste Erkenntnis hier erringen, und doch wird dein Erkennen in deinen
Formen auch die Erkenntnis aller anderen spiegeln, die hier auf gleiche Art
erkennen lernten...
*
.Du weißt nun, weshalb ich dir hier weder Formen noch Farben deuten
darf? —
.Ich würde dir nur von außenher meine Deutung geben können und so
dich um deine eigene Antwort bringen. — —
.Nur deine eigene Antwort aber erweckt die Kräfte in dir, deren du für
deine höchste Vollendung in deiner Form bedarfst. — — —
.Wir wollen dennoch jetzt beieinander bleiben, aber erwarte du nicht
von mir, daß ich dir deuten möge, was du nur selbst für dich selber
deuten — was du nur selbst für dich selber erfühlen lernen mußt!
31 Welten
.Es scheint dir seltsam, daß dir Allerinnerstes im Ursein erschlossen
wird, während das Äußere dir unfaßbar bleiben soll?
.Aber besinne dich auf dich selbst und vergiß nicht, daß du hier in
deiner Urheimat bist, aus der du dich vor Aeonen selbst hinaus in
die Fremde drängtest, obwohl dir bewußt war, daß du dort draußen
nur in Wirkungen dich bezeugen solltest und nicht in deiner ureigensten
Wesenheit! — —
.Deine eigene Größe hat dich einst zu Fall gebracht! — — — —
.Auch heute noch kannst du aufs neue dem Falle erliegen und so deine
dauernde Rückkehr ins Licht um Aeonen aufs neue verzögern. Selbst
Seelen, die das gleiche Gelöbnis gegeben hatten, das als freigewählte
Bürde auch auf meinen Schultern liegt, sind schon solchem neuen Falle
in die Finsternis erlegen, wenn sie ihrer eigenen Größe nicht gewachsen
waren. —
.Darum ward dir meine Leitung, auf daß du dich nicht verleiten lassen
mögest...
.Hier im Innersten wird dir allein dein «Reich» erstehen, damit du
erneut ins Äußere zu wirken weißt!
.Hier wirkst du dann dereinst aus der gleichen Kraft, der alles Äußere
entstammt, aber im Äußeren würdest du nur abgeleitete Kräfte finden, die
dort dir zu mächtig sind, weil du dort nicht in deiner Lichtkraft dich offen‐
baren kannst. — — —
.Alles im unermeßlichen «Raum» ist nur an seinem, ihm vorbehaltenen
Ort seiner eigenen Macht und Kraftbezeugung gewiß, und in seiner Fülle
kann es sich an keinem anderen Orte entfalten...
.Das Urlicht selbst ist nur in sich selber mächtig, obwohl das ganze
unendliche All aus ihm entströmt! —
.Je weiter entfernt von dieser einen, alles gebärenden Urfeuersonne,
desto mehr verlieren die aus ihr entströmenden Kräfte die Ähnlichkeit
mit ihrem Sein, bis sie schließlich im Alleräußersten sich zum Gegen
Sein gestalten. —
.Nur hier im Innern dieser unermeßlichen Kugel sind wir noch in wahr‐
haft «göttlichem» Sein!
.Sobald wir wieder in jene Weltsysteme untertauchen, um den Erdball
dort zu erreichen, sind wir, dem Äußeren nach, diesem «göttlichen» Leben
entrückt, und nur im eigenen Innersten vermögen wir es uns zu erhalten...
.Wohl wird auch das Äußerste von göttlicher Geisteskraft durchdrungen,
allein: dort ist sie nicht in ihrer Macht, und nur die im Innersten erwacht
sind, können sie noch in sich finden. — —
.Wenn dir trotzdem auf Erden die äußere Natur schon voll «göttlicher
Wunder» erschien, so bedenke, daß auch das Äußerste aus dem Innersten
stammt, und daß es trotz allem Gegen-Sein noch die äußersten Spuren
seines Ausgangs aus dem Urlicht zeigt!
.Dort im Äußeren aber werden dir die Hände gebunden sein, denn dort
sind die Kräfte des Gegen-Seins an ihrem Ort und so allein in ihrer
Macht. — —
.Du mußt stets vom Innersten deines Innern her diese hohe Licht
region erreichen, wenn du dort, im Äußeren, auch nur in geringen
Dingen jene Gegenkräfte meistern willst; doch niemals kannst du sie
restlos bezwingen.
.Fakire und machtbegierige Adepten der Magie haben es anders ver‐
sucht, indem sie gewisse Formen jener Kräfte des Gegen-Seins in
langem Mühen sich dienstbar machten, aber noch keiner ist je auf Er‐
den gefunden worden, der nicht zuletzt mit all seinen Künsten elend
zerschellen mußte. —
.Die göttlichen Magier aller Zeiten haben immer nur von hier aus ge‐
wirkt, aus den Kräften göttlichen Seins, die uns hier umgeben, und wenn
die Sage sie zu «Wundertätern» werden ließ, so hat sie doch gerade die
wirklichen «Wunder», die sie wirkten, nicht erkannt, denn diese echten
«Wunder» sieht das Menschenauge nicht, und ihre Wirkung, die es wahr‐
lich sieht, wird nie die wahre Ursache enthüllen.
.Hier sind die Zeichen aufzufinden, die jeder, dem die göttliche Magie
zu eigen werden soll, gebrauchen können muß; aber niemals wurden diese
Zeichen von denen gefunden, die in ihrer Gier nach Macht nach dem
Rufe eines Wundertäters lechzten. —
.Hier an diesem heiligen Ort sollst du erfühlen lernen, was dir diese
Zeichen sagen wollen.
.Hier mußt du wahrhaft heimisch werden, wenn dir deine Heimat ihre
Schätze anvertrauen soll!
37 Welten
.Urewige Emanation der Urfeuersonne ewiger Liebe spricht sich selbst
in ewigem Werde-Willen aus, wird sich selbst zu rhythmisch geballter
Bewegung, wird zum Ur-Wort, das alles Werden aus sich selbst hervor‐
spricht, geordnet nach innewohnendem Maß, nach innewohnender
Zahl!
.Das Wort der Sprache des Menschenmundes ist nur fernster Ausklang
dieses «Wortes», das «bei Gott» und das Gott ist von Ewigkeit zu
Ewigkeit! —
.Der Weise spricht von einem «Anfang», der immer war und ewig sein
wird!
.Hier taucht vor deinem geistigen Auge dieser «Anfang» auf, und das
«Wort» offenbart sich dir in Rhythmus und Farbe, in Form und Klang
als erster Ausdruck des ewigen Willens zur Gestaltung.
.Fühlend verweile und suche in dir selbst, in deinem Allerinnersten,
dieses Urwortes tiefstes Sein zu erleben, aus dem alles wurde, was je
geworden ist, aus dem alles werden wird, was je werden kann! — — —
*
.Als «LUX IN TENEBRIS...», — als Licht in der Finsternis, spricht
sich selbst dieses Urwort aus in die unermeßlichen Tiefen des «Rau‐
mes» — erste Ur-Form gestaltend aus sich selbst, und in Schauern ei‐
genen Selbsterfassens baut es sich hier schon seinen Altar der Anbe‐
tung...
.Urträchtig zeugende Gestaltung steht wie ein Priesterchor voll Ehr‐
furcht um diesen Altar, in erster Seinsgestaltung kristallisiert, noch starr
gebunden, und dennoch schon ein stummes Beten...
*
.Doch hier ist kein Verharren im Gewordenen möglich, und alsbald
siehst du, wie sich aus erster Form der Formenfülle ewige Zeugung
ausergießt, wie immer neue Formung sich gestaltet, wogt und ineinander
sich verschlingt, bis aus der Fülle immer lichter sich das Kleinod hebt,
in dem das «Wort» sich selbst in der von ihm gesprochenen Welt erkennt
und formhaft faßt. — —
.Und wie es nun inmitten seiner Formung sieghaft leuchtet, erhebt sich
allzugleich der Jubelchor der ersten Schöpfung durch alle Geistes-Sphären.
.«TE DEUM LAUDAMUS...» — Dich Gott loben wir — erklingt der
Hymnus der Form durch die erstgeschaffene Welt des Geistes, und alle
Himmel sind erfüllt von hehrer Anbetung...
.Hier ist das «Wort» in seiner Schöpfung «Ich» geworden, und alle Geistes‐
form erkennt in ihm ihres Daseins Grund in jubelnder Verzückung. —
.Das Reich des reinen Geistes ist erstanden, um in seinen Formen ewig
in sich selbst zu kreisen.
.Das Ur-Wort wirkt sich aus in seiner innersten Erfüllung!
*
.Noch aber ist sein schöpferischer Werde-Wille hier in diesem Licht‐
kreis nicht am Ende seines Wirkens. —
.Auch dieses Reich der innersten Erfüllung ist schöpfungsträchtig ge‐
blieben und zeugt weiter im ewigen unermeßlichen «Raum», — zeugt
selbst sich seine Grenzen und schafft die Gegenwirkung ewigen «Raumes»,
ewiger Zeit. —
.Was im innersten Reiche des Geistes Eines ist — hier wird es nun zur
Zweiheit, und vor deinem geistigen Auge siehst du gleichsam eine kos‐
mische Werkstätte erstehen, in der die ungeborene Kraft des Geistes
formend baut, was Vorbedingung jener Weltsysteme ist, die uns wie ferne
Nebel hier in diese lichte Kugel schließen: — hier wird in schaffendem
Gestalten RAUM UND ZEIT der äußeren Weltgefüge! — —
.Dem ewigen «Raume» nicht mehr gleich und dennoch seine Gesetze in
sich bergend...
.Nicht mehr der «Raum» des Geistes, der seine Zeit in sich beschließt,
wird dieser neu geschaffene Raum die Zeit erst aus sich selber bilden. —
Während du selbst hier den ewigen «Raum» durchdringst, wie du von
ihm durchdrungen wirst, wird dir dieser zeitgebärende Raum an allen
Orten Grenzen setzen! —
.Während dein geistiges Auge hier in diesem ewigen «Raum» in einer
Weise zu sehen vermag, als wäre es selbst eine unermeßliche Kugel,
die alles in sich enthält und zugleich von allen Seiten sieht, wirst du
dort nur von innen nach außen sehen können und stets nur von einem
Punkte aus wahrzunehmen vermögen. —
*
.Nun beginnt erst die zweite Schöpfung, — gleichsam der Nachhall des
«Wortes», das die erste aus sich gebar!
.Wie ein unermeßliches Meer dehnen sich die Wogen der äußersten
Finsternis — doch: «der Geist Gottes schwebt über den Gewässern» und
sein schimmerndes Strahlenlicht voll Kraft und wirkender Gewalt senkt
in ewiger URZEUGUNG Werde-Willen in das Meer der Finsternis.
.Magische Urzeichen werden zu Formen äußerer Welten, und bald wird
deinem geistigen Auge die Finsternis sich lösen.
*
.WELTENKEIME siehst du erstehen in einem Domgewölbe wirkender
Kräfte.
.Immer erneut drängen sie ins Dasein, während das Meer der Finster‐
nis sich zu leuchtender Wolke wandelt.
*
.Schon siehst du aus diesen Keimen WERDENDE WELTEN ins Da‐
sein treten! Urmächtige Formkräfte wirken ihr Werk, und kosmisches
Licht zieht wie Nebelschwaden durch den geschaffenen Raum. —
.Bald wird ihr Werden vollendet sein.
*
.Was du nun sehen wirst, ist DIE GEBURT DES KOSMOS, der Aus‐
gang der gezeugten äußeren Welten aus dem Bereich der formenden kosmi‐
schen Kräfte...
.In der ewigen Weltennacht, in unendlicher Ferne von der Urfeuersonne
ewiger Liebe, die dich zum Stern gebar, sind Weltballgebilde erstanden in
unendlicher Zahl — die äußerste Grenze, die sich das Wirken des Ur‐
Wortes selber setzt — jene leuchtenden Weltennebel bildend, die uns
hier in unendlich weiter Wölbung von allen Seiten, oben und unten, um‐
fassen.
*
.Nun wird sich dein inneres Auge für jenes Geschehen öffnen, das auf
einer dieser Welten, die nun ihr eigenes Leben leben, sich erfüllt!
.Erinnere dich, daß ich dir sagte, wie nichts in aller Gestaltung je ge‐
schah, noch geschehen kann, das nicht in diesem Lichtreiche innersten
Werdens in ursächlichen Gesichten schaubar ist! —
.Hier wirst du nun den Wegen folgen, die der gefallene Geistmensch, —
«gefallen», da er sich seiner Urheimat entwand, um im Äußeren ihrer
Schöpfungsgrenzen sich zu erleben — auf diesen äußeren Welten durchwan‐
dern muß, um sich einst der Torheit seiner Willensrichtung zu entwinden
und die Rückkehr ins Licht seiner ewigen Heimat wollen zu können. —
*
.Zuerst findet er auf diesen Welten nur ein farbenprächtiges, starres,
enges LABYRINTH, das ihm stetig den Ausgang in ein neues Licht ver‐
heißt, um ihn stets erneut zu betrügen. —
.Ermattet hält er schließlich inne, denn er muß sehen, daß seiner Geistes‐
form hier keine Freiheit werden kann.
*
.So erfüllt ihn nun der DRANG ZUR GESTALTUNG, und er, der
einst über alle Begriffe frei war, schließt sich nun dem Zuge der Millionen
Wesen an, die auf diesen Welten ihre äußere Formgestaltung ersehnen.
*
.Endlich im Tiere zur Form der äußern Welt gekommen, glaubt er ein
neues Zeichen seiner rechten Wahl zu sehen, doch er verfällt nur der
schaurig grauenerfüllten Sphäre des ASTRALLICHTES, das jede dieser
äußeren Welten umgibt. —
.Täuschend ist dieses Licht, aber seine Kräfte lassen den nicht los, der
seine Region einmal betreten hat, und von Täuschung zu neuer Täuschung
tastend, verfällt er schließlich in Schuld, um dann in irrer Torheit allem
Lichte Hohn zu sprechen. — —
.Das Tier nimmt seine Geistigkeit nun völlig in Besitz, um in zügellosen
Orgien, aus vertierter Geistigkeit ersonnen, ihm sein SODOM zu be‐
reiten...
*
.Nun scheint ihm auch die letzte Hoffnung entschwunden, und in
grauenvoller Verfinsterung irrt er durch ein INFERNO, eine Hölle, die er
sich selber geschaffen hat — gepeinigt von Schrecken, die seiner Wahn‐
sinnstat wie Furien folgen.
.Hier scheint kein Entrinnen mehr möglich. —
.Alle Schauer des Entsetzens muß er verkosten, bis ihn Verzweiflung zu
Erinnerung an seine einstige Größe führt und er sich entsinnt, daß er
göttlichen Ursprungs ist. —
*
.Nun erst empfindet er zum erstenmal jenes sehnende Zurückverlangen,
das ihn einst wieder aufwärts führen soll, seiner Heimat zu, die jetzt noch
in unendlichen Fernen für ihn verschwunden scheint.
.Der erste Schritt zur Umkehr wird zaghaft und furchterfüllt getan...
.Eine bebende Ahnung möglicher Rettung erfüllt sein neues Sehnen.
*
.Nach schier endlosem, quälendem Suchen gewahrt er aber doch zuletzt
in aller Dunkelheit ein Leuchten, das er als seiner Heimat Licht erkennt.
.Mit verdoppelter Kraft lenkt er seine im Dunkel tappenden Schritte
diesem Leuchten entgegen.
.Endlich kommt er ihm näher.
.Er erblickt nun ein verborgenes Heiligtum inmitten seines Inferno.
.Schon möchte er sich gerettet glauben, aber furchtbare Augen blicken
ihn gespenstig an — entsetzliche Wächter halten hier drohende Wacht...
.Es bedarf seiner letzten Kraft, um hier nicht von tötender Furcht über‐
mannt zu werden.
.Unzählige Male macht er den Versuch, den hohen Stufen zu nahen, um
die Schwelle zu überschreiten.
.Stets wieder hält ihn seine Furcht vor den Hütern zurück.
.Doch endlich wird seine Ausdauer ihm belohnt.
.Aus der Höhe der Düsternis tönt ihm eine Stimme und erfüllt ihn mit
neuer Kraft.
.Er fühlt sich plötzlich wie an den Händen gehalten, und mit mutigem
Blick sieht er den drohenden Ungetümen ins Auge, um nun die Schwelle
sieghaft wie ein Held zu überschreiten.
.Nun ist er im Innern des Mysterienheiligtums, und sogleich ist ihm, als
sei das «Tier» von ihm abgeglitten. —
.Als geistiges Wesen fühlt er sich wieder, und aus der tiefsten Inbrunst
seines Fühlens entströmen seinen Lippen die Worte: «DE PROFUN-
DIS...», aus der Tiefe erlöse o Herr meine Seele!
.Anbetend neigt er sich vor dem Gottesbild, das in der Tiefe des lichten
Raumes er erblickt.
.Erste Erlösung aus unerträglicher Qual erscheint ihm hier sein Gebet...
*
.Aber wie er endlich die Augen hebt, gewahrt er hinter dem Gottesbild
eine neue strahlende Helle und fühlt sich von unsichtbarer Hand geleitet,
diesen Strahlenraum zu betreten.
.Unsicher wagt er Schritt um Schritt.
.Auch hier ist noch drohendes Geschehen zu durchschreiten, aber die
Furcht hat ihn nun verlassen.
.Endlich teilen sich vor ihm unter Donnergetöse die letzten Hüllen, und
vor sich erblickt er hell leuchtend das Kleinod der OFFENBARUNG...
.Längst entwöhnte Erinnerung wird ihm wieder, und er fühlt sich zurück‐
versetzt an jenen geistigen Ort, da einst auch er seine jubelnde Stimme in
einem «Te Deum» der Geisterchöre hörte.....
*
.So schreitet er trunken von innerer Freude dem Kleinod entgegen, das
sich vor seinen Augen zu einer Sonne wandelt, vor der auch die letzten
Hüllen, vom Lichte besiegt, zur Seite weichen.
.Jetzt erst wird ihm völlige ERLEUCHTUNG, und sein ganzes Sein er‐
strahlt in geistig reinem Licht. —
.So selbst zu reinstem Leuchten vollendet, überblickt er nun seinen Weg,
und aus Urgrundtiefen sieht er die Formen gestaltender Kräfte am Werke
der Schöpfung einen hohen Tempelraum erbauen, in dem die Hüllen des
Allerheiligsten sich langsam vor seinem Auge öffnen und ihm nun in weit
strahlenderer Gestalt ein noch reicheres Kleinod zeigen, als jenes selbst
war, das ihm die Offenbarung des Gottesbildes brachte.
.ERFÜLLUNG wird hier endlich seinem höchsten Sehnen...
*
.Nun aber verlangt ihn nach der äußeren Erde zurück, denn nun weiß
er, daß er sich selbst in seiner Erdenform nur erlösen kann, wenn er den
Geist in sich zu körperlichem Ausdruck bringt.
.Verkörperung des Geistes ist der «Schlüssel», wie er nunmehr fühlt, der
seine Erdenfessel dauernd lösen wird, so daß er als ein Freier, als ein Sohn
des Lichtes über den Erdball schreiten kann — ein Selbsterlöster und
Erlöser seiner Menschenbrüder — ein Helfer jener, die auch ihm, obwohl
er es nicht ahnte, auf dem Erlösungsweg zur Seite standen.
*
.Erfüllt von solchem großem, reinem Willen findet er sich fast im gleichen
Augenblick auf hohen Bergeszinnen, — und aus den Felsenschründen, aus
den Tälern, scheinen Lichtesgarben aufzusprießen.
.Was auch sein Auge sieht, erstrahlt in gold'nem Leuchten, und je‐
der Strahl verkündet ihm den SIEG!
*
.Doch für den Sieger gibt es kein Verweilen, will er die Frucht des Sieges
bergen.
.Hoch über seinem Standort findet nun sein Blick ein weitaus höher
ragendes Gebirge, ewig mit strahlenweißem Schnee bedeckt.
.Der Hort des Ewigen auf dieser Erde hat seinem Geistesauge sich
gezeigt...
.Er fühlt: — der ferne Gipfel dort im reinen Weiß vor golddurchglühtem
Himmel — — ist «HIMAVAT», der Berg der Einzigen auf dieser Erde, die
das Urlicht selbst zu Priesterkönigen sich weihte!
.Dort ist das Urbild jenes Tempels und seiner Hüterschar, dort ist die stete
Wirklichkeit, von der die Sage fromme Kunde geben wollte, die Menschen
einst in Formen, die sie fassen konnten, sprach: vom «heiligen Gral.» — —
*
.Dorthin führt ihn nunmehr sein Weg.
.Wohl sieht er, daß auf diesem Wege noch manche Hinderung ihm
drohen wird, allein, er weiß, daß man ihn dort erwartet, daß seiner dort
der Führer harrt, der durch das Erdenleben ihn geleiten soll, und ihm nach
der vollbrachten Zeit die Pforte öffnen wird, damit er, so wie du, zu seiner
Heimat finde.
.Die klebrig grünen, vorgewälzten Massen dumpfer Trägheit, denen er
zuerst begegnet, wollen seinen Fuß am Schreiten hindern, doch ihm genügt
ein Blick zum fernen Ziel, um sie zu überwinden!
.Der starre Felsenzackenzaun der Zweifel baut sich siegessicher vor ihm
auf, um seinen Mut zu lähmen, doch keine Kraft der Erde hält ihn mehr
zurück, und wenn er auch aus tausend Wunden bluten müßte, wird er
doch auch dies allerletzte Hindernis besiegen!
.Nach langer, harter Beschwernis endlich am Ziele angelangt, wird er
gewiß nicht mehr an die Gefahren des durchmessenen Weges denken.
.Als Finder seiner selbst wird man ihn empfangen und ihm den Goldreif
der Erkenntnis um die Stirne legen.
.Man wird ihn in heiliges, weißes Linnen kleiden, so daß kein Makel,
der ihn auf seinem Wege je befleckte, an ihm haften bleibt.
.So wird man ihn dem Ewigen weihen und ihn die hohe königliche Kunst
zu lehren wissen, die Kraft des reinen, wesenhaften Geistes durch die
Liebe erdenmenschhaft zu verkörpern. —
.Was vorher dunkle Tierheit war, wird dann in ihm verwandelt werden,
und all sein Erdenhaftes wird nur Ausdrucksform des Geistes sein. —
.Man wird ihn lehren, daß im ewigen Geiste nur der Tapfere seines
geistigen Reiches Krone dauernd behaupten kann, und daß nur Feigheit
oder angsterfüllte Torheit der Außenwelt der Erdensinne entfliehen möchte,
in die sich eigener Wille einst verhaftet hat...
*
.Doch — — ich greife bereits einer Lehre voraus, die du, der im Geiste
zum Stern der Ewigkeit Geborene nunmehr von mir erhalten sollst!
.Alles, was du bisher geschaut hast mit geöffnetem inneren Auge, war
ja nichts anderes als dein eigener Weg, vom Ausgang deines ewigen Seins
bis zu der Rückkehr, die dich nun zum Stern gewandelt vor mir sieht. —
.Du wirst hinfort gar oft in diesem innersten geistigen Reich der wesen‐
haften Schauung, mit mir vereint, als deinem dir verbundenen Führer,
dieses Reiches Wunder an dir vorüberziehen lassen, und es werden stets
andere Gesichte sein, die dir der Urgrund alles Werdens offenbart.
.Wisse aber, daß diese «Gesichte» stets nur wesenhaftes Wirken zeigen,
daß diese «Bilder» wahrhafte Urbilder allen Geschehens sind, davon du
auf Erden, in jener äußersten Region der Grenzen des Seins, nur immer
das Abbild siehst. — — —
*
.Wir kehren nun zurück zur Erde, die dein sieghaftes Leuchten braucht.
.Lasse nicht Trauer dein inneres Licht verhüllen, — gewähre dem Schmerz
keine Stätte in dir, wenn du jetzt das Reich des Lichtes mit mir verlassen
wirst, und dann, zurückgekehrt zur Erde, die trübe Geistesnacht gewahrst,
die dort dich umfängt!
.Wer wie du zurückkehrt in sein Erdendasein, hat keine Nacht mehr zu
fürchten, denn er trägt in sich selbst sein Licht — das Licht der Ewigkeit! —
.All deine Sorge sei es hinfür: mit dem dir eigenen Lichte alles zu ver
klären, was dir nahekommt, und als Stern aus der Urfeuersonne ewiger
Liebe allen, die noch im Dunkel sind, zu leuchten.
.Begehre nichts mehr für dich selbst und du wirst alles, was du brauchst
durch deines eigenen Lichtes Kraft besitzen! — —
.Du kannst keinen Strahl deines Lichtes auf andere Herzen ergießen,
der dir nicht tausendfach Herzen gewinnen würde!
.Du wirst dich nicht etwa mühen müssen, zu leuchten; — du wirst dich
nur mühen müssen, das Licht der Ewigkeit, das aus dir strahlen will,
niemals durch äußeres erdenhaftes Tun für andere zu verdunkeln! — —
.Wenn du nur selbst deinem Lichte dich vertraust, wird auch dein Erden‐
körper so durchleuchtet sein, daß er keinen Schatten mehr auf andere
wirft, die deines Lichtes in der Erdennacht bedürfen! —
*
.Mich aber wirst du allzeit finden, wenn du meiner bedarfst, und sollten
unsere Erdenkörper auch weite Meere trennen.
.Nicht in meinem äußeren Erdenkleide sollst du mich suchen, denn nie‐
mals könnte ich im Äußeren mich dir so vereinen, wie wir im Allerinnersten
nunmehr vereinigt sind. —
.Ins Allerinnerste deines Fühlens mußt du selbst dich begeben, wenn ich
dir wieder vernehmbar werden soll, und nur im Allerinnersten wirst du
auch stets wieder dieses Reich des wesenhaften Lichtes schauen! — —
48 Welten
.Wer das Leben der Erde flieht, statt es beherrschen zu lernen, der hat
«die Welt» wahrhaftig nicht überwunden!!
57 Welten
.Es sind tiefe Kräfte in deinen erdenhaften Trieben verborgen, und du
gewahrst sie oft genug, wenn du ihnen, häufiger, als du möchtest, erliegst!
.Aber diese Triebe verlangen dich als Herrn, und wenn du nicht Herr
zu sein vermagst, und statt dessen deine Triebe tötest, erschlägst du dir
nur deine besten Diener...
.Du beherrschst deine Triebe nur dann, wenn du jederzeit mit wachem
Willen dich ihnen anvertrauen kannst, ohne befürchten zu müssen, daß sie
dich weiter treiben könnten, als du getrieben werden willst! —
.Hast du das erreicht, dann hast du die höchste Spannkraft gewonnen, die
dir dein irdisches Leben für deines Geistes Entfaltung zu geben vermag...
.Du kannst nur in dein wesenhaftes, ewiges Geistes-Sein zurück gelangen,
wenn du hier stets alle die Wirkungskräfte zu benutzen weißt, über die du,
nun einmal dem tierischen Körper verbunden, in dieser Daseinsart verfügst!
.Alles andere ist nur ein Erträumen, dem nichts wahrhaft Wirkliches
entspricht!
58 Welten
.Wer nicht bei seinem Suchen nach der innersten Wirklichkeit von
Tag zu Tag die Kräfte zu äußerem Tun und Wirken in sich wachsen
fühlt, der ist auf falschen Bahnen...
*
.Der Weg zum wesenhaften Geiste ist im Grunde so einfach, daß du gut
tun wirst, dich selbst, in deinem ganzen Denken und Empfinden, zu «ver
einfachen»!
.Dies ist der Sinn der Worte des hohen Meisters, wenn er lehrte: «So ihr
nicht werdet wie die Kindlein, wird euch das Reich der Himmel sich nicht
erschließen.» —
.Die meisten Gehirne sind zu kompliziert geworden, als daß sie noch
fähig wären, ohne bewußte Umstellung zu einfachstem Reagieren das
Mysterium des Menschen zu erfassen.
.Vielfältig sind zwar die Mittel, die du anwenden kannst, um dich
wieder zu geistigem Leben zu erwecken, aber am Ziel deiner Mühen
wirst du dich immer nur wundern müssen, weshalb du nicht früher er‐
kanntest, was dir dann als das Allereinfachste und von selbst Verständlichste
erscheint. —
.Du bist auch jetzt nicht getrennt vom geistigen Leben, doch es schläft
noch jene einfache Erkenntniskraft in dir, die es dir enthüllen könnte, und
durch deinen irrigen Glauben, die geistige Wirklichkeit sei durch dein
Denken zu erreichen, versäumst du es, diese einzige Kraft in dir zu er
wecken, die dir auf alle deine Fragen Antwort geben würde, wäre sie in
dir erwacht...
60 Welten
.Glaube aber nicht, daß du ihr Erwachen erzwingen könntest!
.Du kannst nur immer erneut an jedem Tage die Vorbedingungen
schaffen und mußt in Geduld verharren, bis sie früher oder später, spontan
in dir zum Erwachen kommt.
.Wichtigste Vorbedingung ist eine Einstellung deines ganzen Sinnens
und Trachtens auf äußerste Einfachheit des Empfindens hin. —
61 Welten
.Erhalte dir in jeder Lebenslage eine heitere Ruhe, und wenn du dies
noch nicht vermagst, so erziehe dich selbst dazu!
62 Welten
.Du kannst in dem Äußeren dieses Daseins gar vieles nicht ändern, auch
wenn deine Änderung allen zum Heile würde.
.Nur in dir selbst hast du fast unumschränkte Macht, und immer mehr
wird sich dir deine Macht erweisen, je mehr du sie in dir gebrauchen
lernst. —
.So töricht war noch nie ein Fürst, daß er in fremden Ländern den Ge‐
horsam hätte finden wollen, den er im eigenen Lande nur erwarten durfte.
.So sollst auch du hinfür nicht mehr von außen her erwarten, was du nur in
dir selbst, in deinem Innenreich, nach Wunsch und Willen ordnen kannst.
.Wohl werden immer äußere Begebenheiten dich beim Zusammenprall
für den ersten Augenblick erregen können, allein, der zweite Augenblick
soll dich schon wieder in deiner Macht erblicken, zur Ruhe alle Kräfte in
dir zwingend, wenn sie noch nicht auf den ersten Ruf gehorchen wollen.
.Du wirst dir viel Leid auf solche Weise ersparen und dir erst selbst
dadurch zur Freude werden! —
63 Welten
Ich will mich hinfort in alle dunkelwarme Wollust
stürzen die mir die Finsternis gewähren mag!
Gepriesen seiest du, düstere Nacht der Nicht
erkenntnis, die du meinem Auge gütig zu
verbergen weißt, was mich fürder schrecken
könnte!...
In der Finsternis aus der ich stamme, will ich mir
mein wohlumhegtes Dunkeldasein schaffen, das
mir kein Traum vom Lichte stören soll!...
12 Psalmen
O, hätte man früher mir gesagt, daß Lichterkennt
nis nur die Liebe geben kann! —
O, hätte man früher mir vertraut, daß du, der selbst
die Liebe ist, inmitten dieser Finsternis dir selbst ein
Heiligtum der Liebe zu begründen wußtest! — — —
22 Psalmen
Erbarmen aber faßt mich so in gleicher Weise, denke
ich an alle, die im Denken das Licht zu finden
glauben, durch Erkenntnis der die Liebe fehlt! —
24 Psalmen
Meine Sorge ist einzig: — in der Liebe zu bleiben,
und ich weiß gewißlich, daß mir einst Erkenntnis
wird nach meiner Kraft, so ich nur stetig in der
Liebe bin. — — —
Zu tief war ehedem meine Not, als daß ich erneut
dem Drange nach liebeleerem Erkennen folgen
würde!...
Erahnend hatte ich zuerst gefühlt, daß nur das
innere Erleben in der Liebe zu gesicherter Er
kenntnis führen könne, daß das Licht sich nur der
Liebe offenbare. — —
Nun folgte Belehrung meinem Ahnen, und ich
weiß, daß er, der mich lehrt, die Worte deines
Mundes spricht. —
Zu klar schon hat er mir sich offenbart, als daß ich
noch an seiner Wahrheit zweifeln könnte!
25 Psalmen
Nun habe ich dich selbst als deines Lichtes Funken‐
strahl in mir erlangt: — dich, meinen lebendigen
Gott! — — —
Nun ist mir alle Finsternis erhellt in deinem
Lichte! —
Nun sehe ich den Weg vor mir, den ich durch‐
wandeln muß, um einst durch dich in deinem Reiche
neu gezeugt zu werden: — in deinem Lichte neu
geboren! — — —
Du, der sich selbst in mir geboren hat, wirst
mein Erzeuger: — ewiglich in mir dich selbst
gebärend, und aus dir erzeugend mich in dir, zu
ewiger Neugeburt in deinem Lichte! — — —
Erkenntnis ward mir aus der Liebe, die du selber
bist, den ich in meinem Allerinnersten mir nun
vereinigt weiß! — — —
Liebe hat das Wunder vollbracht!
31 Psalmen
Der Weg ist zwar steil, doch kann ihn jeder erstei‐
gen, der alles selbstgewisse Wissen von sich wirft
und nur des Führers Stimme lauscht, der ihn mit
Sicherheit emporzuführen weiß, ist er gefunden
worden in der Liebe...
Laßt aber alle Hoffnung fahren, etwa selbst zu fin
den, solange man euch selbst noch nicht gefun
den hat!
33 Psalmen
Du bist die Liebe, — du das Licht, das aus der
Liebe lebt!
Nun trage wissend ich dich in mir, — ich weiß
dich wie ich mich selber weiß!
In mir selber bin ich dir vereinigt, — meiner Seele
bist du in mir geboren...
In deinem Lichte darf ich deine Herrlichkeit
schauen, — das Auge des Geistes hast du mir ge‐
öffnet...
Ich sehe dich, du ewiges Urlicht, unerfaßbar für
dich selbst im Sein, — ich sehe wie du selbst dich
ewiglich als Urwort fassest...
Du zeigst mir wie das Urwort ewiglich den „Ewi
gen Menschen” spricht: — den Geistgeborenen,
der ewiglich in ihm verharrt...
Du zeigst mir, wie der Menschengeist in dieser
Finsternis nur Zeugnis jenes „Ewigen Menschen
ist, — des „Alten der Tage”, — des „Vaters” aller
deiner Leuchtenden...
Aus ihm nur kannst du in dir selbst dem Menschen
geiste dieser Erde fassbar werden...
Aus ihm hast du mir Erlösung bereitet...
Aus ihm ward mir der Führer gesandt...
*
Du allein bist der Seiende!
Als Urwort offenbarst du dich für dich selbst!
Im „Ewigen Menschen” schaffst du dir des
Urworts Offenbarung, die weiterzeugend alle
Hierarchien hoher Geister bis herab zum Men
schengeiste dieser Erde aus sich selber offen
bart...
Ruhe und Schaffen sind in dir...
Ruhe bist du in deinem Sein, — als Schaffenden
spricht dich das Urwort aus...
Mann” und „Weib” bist du in deinem Sein, du
ewiges Urlicht, — du ewiger Geist der Wahr
heit, — du, der du selbst die Liebe bist...
Mann” und „Weib” spricht das Urwort aus...
Mann” und „Weib” ist der Ewige Mensch...
*
In einem Funkenstrahl deines Lichtes nur vermag
ich dich zu ertragen...
So bist du mir vereint, als mein lebendiger Gott! —
In dir erkenne ich, daß diese Liebe, die du selber
bist, stets Tat und Wirken aus weiser Ruhe will...
Alles Erkennen sehe ich fruchtlos und ohne Wert,
wenn es nicht gründet in dir, der du die Liebe
bist!
35 Psalmen
Weise wirken deine hohen Kräfte: — gegründet
sind sie in deinem Willen...
Wie die Sonne ihre Strahlen sendet, so sendest du
deine Kräfte aus: — sie sind nicht mehr in dir, und
doch bist du in ihnen...
In allen Welten wirken sie auf gleiche Weise: —
auch diese Finsternis ist ihres Wirkens voll...
Liebe ist ihr innerstes Gesetz; — nur wer in der
Liebe ist, dem können sie dienen...
*
Wahrlich, der Menschengeist kann sich nicht son
dern aus dem All des Geistes: — was immer Geistes
zeugung ist, wird durchlebt von dem gleichen Le
ben. —
Töricht ist jeder der da handelt als ob ihm Tren
nung vom Ganzen möglich sei? —
Töricht ist jedes Streben das der Gemeinsamkeit
entraten will? —
Töricht ist jede Tat, wie hoch man sie auch an sich
selber werten möge, fügt sie sich nicht dem alles
Geistige vereinenden Gesetz der Liebe! —
Zahlreich ist solche törichte Tat in der Finsternis!
Die im Dunkel Träumenden erträumen sich eine
gesonderte Welt: — jeder nach seinen Wünschen
und Begierden...
So ist all ihr Tun ein totes Mühen: — die Kräfte
des Lebens sind ihrer Tat nicht verbunden!...
*
O ihr Menschengeister, die ihr in die Finsternis
geboren seid und nach dem Lichte verlangt, wisset,
daß ewige Geisteskräfte euch zu Dienern werden,
so all euer Tun in der Liebe bleibt! — — —
Letzter Antrieb zu allem Tun muß in der Liebe
gründen, soll eurer Tat die hohe Hilfe werden! —
Auf hohen Planen wirken die Kräfte des Gei
stes die euch dienstbar werden können: — Ur
sache schaffen sie aller Wirkung in der irdischen
Welt...
Dort wo sie wirken, dort reicht euer Ruf nicht hin;
— nur eurer Tat Impuls kann sich zu jenen hohen
Reichen heben, so er aus der Liebe stammt! — — —
*
Die hohen geistigen Kräfte werden euch allezeit
dienstbar sein, wenn all euer Tun in Harmonie
bestehen kann mit dem Gesetz des Geistes das in
der Liebe gründet! — —
Was nicht in Liebe sich dem Ganzen einen will,
läuft seinen leeren Lauf; — im Reiche des Geistes
wird seine Spur nicht gefunden! — — —
Ach, es sind viele Taten in der Menschen Mund, die
als „groß” und „weise” gelten: — im Reiche des
Geistes aber sind sie nie geschehen!...
Schein und Schatten nur vermochten sie zu be‐
wegen und in Schein und Schatten wirken ihre
Impulse fort!...
Sie waren nicht geboren aus der Liebe, und nur
was aus der Liebe stammt geht in die Liebe ein...
38 Psalmen
Eine Zeit der Erfüllung ist angebrochen und eine
Zeit des leichteren Erlangens!
Jeweils vor dem Nahen einer solchen Zeit, haben
die Drachen der Finsternis doppelte Macht...
Sie bäumen sich auf in ihrer Herrschaft: — alle Sche‐
men des Grauens weckt ihr Brüllen...
43 Psalmen
Unsagbar lange währte diese Nacht!
Unendlich” schien sie denen, die das Licht auf
seinem Weg zum Siege glaubten!...
Und dennoch wird die Zeit der Erfüllung die nun
angebrochen ist, alle frühere Zeit der Umnach
tung unbeschreiblich überdauern!...
*
In dieser neuen Zeit aber werden endlich die Her
zen geöffnet werden!
In dieser kommenden Zeit wird die Liebe endlich
offene Herzen bereitet finden!
Schon schreiten viele die vor einer kurzen Zeit das
Licht kaum glauben konnten, nun liebenden Her‐
zens ihren Weg zur Lichterkenntnis; — die Liebe
wußte sie zu erfassen: — es verlor alle Macht über
sie die Finsternis!...
Mit jedem Tage wird man mehr und mehr der Lie
benden auf ihrem Wege finden!...
49 Psalmen
Gewißheit wird ihm seines ewigen Bestehens: —
das Ende dieser Erdentage ist ihm kein Ende seines
Lebens mehr!...
Ein neues Leben hat er in sich selbst gefunden, das
ewig währt, da es der Ewigkeit entstammt!...
Dort wo ihn ehedem, da er im Finstern war, die
bangen Fragen irren wollten, dort findet Antwort
er nun in sich selbst!...
Bleibt er nur in der Liebe allezeit, so kann ihm keiner
die Krone des Siegers rauben!...
*
An seines Erdenlebens letztem Tage weiß er sich in
guter Hut...
Emporgeleitet aus der Erde Niederung wird er die
hohen Reiche finden, da des Geistes Fülle sich in
Geisterhierarchien offenbart, und ewig weiter‐
schreitend einst in jenem Geistgewande, das der
Vater” ihm verleihen wird, sieht er von Lichter
kenntnis sich zu neuer Lichterkenntnis wandeln.
Ihm ist die Ewigkeit nicht mehr verhüllt durch
dichte Schleier: — die Wahrheit offenbart sich ihm
schon während seines Erdendaseins!...
*
Wie hätte das liebeleere Erkennen, das die Fin
sternis den Ihren gibt, mir je des Lichtes Farben
reichtum offenbaren sollen! — —
Wahrlich: — töricht und arm sind alle, die da an
jener Scheinerkenntnis noch Genüge finden!
62 Psalmen
Keiner aber möge andererseits Verei
nigung mit einem Gegenpole ande
ren Geschlechts nur aus Begier erstre‐
ben, und bevor er in sich selber sich
belehrt fand, daß solche Einigung nur
dann ihm Heil verheißt, wenn er sich
willig weiß, allein für sie die ewige
Verantwortung zu tragen, — ganz
einerlei, ob auch der andere Eheteil sie
für sich selber tragen will, oder von
solcher Pflicht nichts ahnen mag! — —
13 Die Ehe
den ste‐
rilen Selbstling aber, der seine Man
neskraft in sich verzehrt und seines
Blutes Wert der Erde raubt, im Wahn
befangen, über jeden Mann zu stellen
sucht, der hier auf Erden Vater neuen
Lebens wurde! — — —
15 Die Ehe
nicht ahnend, daß die
alten Mythen von der Gottgeburt im
Menschenherzen tiefverhüllte Kunde
geben, — der Geburt des „Gottessohnes”
in der Seele, die nur der Gottesgeist
befruchten kann...
16 Die Ehe
Ehe” aber ist auch nicht: die unver
antwortliche Zeugung neuen Le
bens, dem die Bedingungen zu se
gensreicher Selbstentfaltung nicht
gegeben werden können! — — —
Wahrhaftig: es gibt auf dieser Erde
keinen Lebenszustand, der mehr Be
herrschung seiner selbst, mehr Mit
empfinden mit dem Anderen, mehr
Verantwortungsbewußtsein for‐
dern würde, als die rechte Ehe! — — —
17 Die Ehe
Der aber der Ehe fernbleiben muß, —
sei es nun Schicksal, daß sie ihm ver
sagt bleibt, oder werde er durch Pflicht
gezwungen, ehelos zu bleiben, weil er
Verantwortung für eine Ehe niemals
tragen könnte, — — der lege dieses
Buch zur Seite, denn nicht für ihn ist
es geschrieben worden! —
21 Die Ehe
Man nenne es nicht „Zufall”, sondern
fühle einen Willen hier am Werke, wenn
die von jeder anderen Geschlechtsver‐
mischung sorglichst reingehaltene
Ehe, aus dem Geschlechtsverkehr
her, unerreichbar bleibt für jene fürch‐
terliche Seuche, die aus kurzer Augen‐
blicke unbezähmter Lustgier: Fluch
und Unheil über Generationen
bringt! — — —
Hier zeigt Natur mit aller Deutlichkeit,
was sie, auch schon von sich aus, von
dem Erdenmenschen dieser Tage for
dert!
Wer es auch sei, und welche Gründe
ihn bestimmen mögen, —: der Mensch,
der an der Ehe, die das eine Weib dem
einen Mann verbindet, freventlich zu
rütteln wagt, indem er solcher Ehe Bin
dung und Verpflichtung nicht beachtet,
ladet schwerste Schuld auf sich: ver‐
sündigt sich an aller Erdenmensch
heit, und schafft kosmische Verwirrung,
— — ganz abgesehen von der unge
heuerlichen Schändung eines Tem
pels, der dort, wo eine Ehe sich voll‐
zieht, im reinen, wesenhaften Geiste
aufgerichtet wurde! — — —
Nur hohe Gnade kann den so mit
Frevelschuld beladenen Verbrecher
an der Ehe noch entsühnen, und nur:
wenn selber er die Sühne sucht! — —
Doch, nicht viel kleiner ist auch jene
Schuld, die jeder auf sich bürdet, der
sich vermißt, hier eine Form zu spren
gen, die ihm „überlebt” erscheint, da
er sie nicht mit wahrem Leben zu er
füllen weiß! — —
Vergeblich bleibt auf dieser Erde alles
Streben, etwa eine neue, bessere Form
der Einung der Geschlechter zu gestalten,
denn: — was die Menschheit in der
Ehe eines Mannes mit dem einen
Weibe zu erringen wußte, gründet
in der Gottheit innerster Gestal
tung! — — —
Wer hier zerstören will, was hohe Ein‐
sicht auferbaute, der ist sich nicht der
Folge seines Tuns bewußt!
Ein Sanktuarium des Geistes würde
so vernichtet, an dem Jahrtausende die
Weisesten der Erde bauen sahen!
— — —
Es müßten kommende Jahrtausende
vergehen, sollte es dereinst erneut
errichtet werden, so dies möglich wäre,
läge es in seinen Trümmern! — — —
— — — — — — — — — —
*
26 Die Ehe
Jedoch, das Tier vermag es nicht, die
Geistbegründung dieser Art der Liebe
zu erfühlen, und so bleibt es beschränkt
auf Trieb und Brunst, — auf dumpfes
Suchen seiner Mutterschaft und Sorge
für denWurf”. —
31 Die Ehe
Er wähnte nun, daß alle Liebe, die der
Tierheit Kräfte auslöst um sich zu er‐
leben, auf gleicher abgrundtiefer
Stufe stehen müsse, und konnte nicht
mehr fassen, daß auch der Tierheit
Trieb dem Geiste Anlaß eigenen Er
lebens werden kann...
33 Die Ehe
Die aber selbst das Glück des seligsten
Gewährens kannten, — das Glück der
Liebe, die dasTierder Gottheit
eint: die alle „Ächtung” von ihm nimmt,
indem sie seine Triebe läutert und zum
Dienste seelischen Erlebens schult,
— wußten nur selten über das zu reden,
was ihnen heiligste Erfahrung war.
— — —
34 Die Ehe
Das durch die Tiernatur des Erdenmen‐
schen aber einmal nun Gegebene, soll
keineswegs nur tierisch, „viehisch”,
ausgekostet werden, sondern, vom Gei‐
stigen durchdrungen und dadurch ver
wandelt: — selbst ins Geistige er
hoben, — zu Bewußtsein kommen.
36 Die Ehe
Jegliches Weib, und jeder Mann, wird
nur in diesem, hier auf Erden höchsten,
körpersinnlich-geistigen Erleben
neuer Einheit die Erfüllung finden,
die — ohne jeden schalen Rest an
unbefriedigter Empfindung — erst
völlig jenes heiße seelisch-körper
liche Sehnen stillt, das die Geschlech‐
ter, — wo nicht Tierbrunst nur Befrie‐
digung erheischt, — in Liebe bis zum
Selbstvergessen, zueinander zieht!
— — —
Doch nur in einer wahren Ehe, die Mann
und Weib in neuer Einheit faßt, und —
mindestens dem ernsten, festen Wil
len nach — für beider Lebenszeit ge‐
schlossen wurde, kann sich Geschlechts‐
vereinigung zu solcher Höhe heben,
da hier nur jene Einheitsform im we
senhaften Geiste sich gestaltet fin
det, die so erlebbar wird. —
Immer aber wird nur höchste Zucht
der Sinne, höchste Zucht der Phan
tasie, das Unbegreifliche: Ereignis
werden lassen im Erleben! — — —
Gewiß ist das Kind jeder wahren Ehe
Ziel und Wunsch!
Und dennoch ist, nach geistigem Ge
setz, das durch die Ehe zur Erfüllung
kommen will, — die Zeugung und Ge
bärung neuen Lebens erst der zweite
Zweck der ehelichen Einung! — — —
Ihr erster ist die Bildung einer neuen
Geisteseinheit, in der sich Teil und an‐
derer Teil zu jenem Ganzen ineinander‐
schmelzen, das nur auf geistig-kör
perliche Weise für den Menschen dieser
Erde noch empfindbar ist, — dann
aber auch, in Auswirkung des so Er‐
lebten, — dem ganzen Dasein einen
Kräftezuwachs schafft, den nur das
geistige Ganze spenden kann, und den
kein Teil, wie immer er sich strebend
recken mag, für sich allein erreicht!
— — —
So ist die Ehe, schon um der in ihr
allein nur möglichen Erfüllung allen
Sehnens reiner geistig-körperlicher
Liebe willen, eine hohe Hilfe auf dem
Wege zur Vollendung, — eine tief
geheimnisvolle Vorbereitung auf
die Rückkehr in das Reich des we
senhaften Geistes, — eine Pforte,
die zu seligstem Erahnen überer
denhaften Lebens alle jene führt,
die willens sind, den Schlüssel zu
gebrauchen, der ihnen hier in diesem
Buche dargeboten wird! — — —
40 Die Ehe
so daß ihm
alles, was er noch im Geistigen emp‐
finden will, nur faßbar wird in leib
hafter Empfindung durch der Tierheit
ihm vertraute Kräfte. — —
42 Die Ehe
Gemeinsamkeit ist Einung zweier
Menschen, auch in allem Denken, al
lem Fühlen, allem Handeln!
Sie wird nicht durch das nahe Beiein‐
anderleben etwa erst erzeugt!
Wo innere und äußere Gemeinsamkeit
nicht schon bestand, bevor man Raum‐
gemeinschaft suchte, dort kann das enge
Beieinanderwohnen, statt Gemeinsam‐
keit zu fördern, ihr die grimmigsten
Gefahren schaffen. — —
Es ist darum für Alle, die sich in der Ehe
einen wollen, bitter nötig, nach Ge
meinsamkeit, im hier gemeinten Sinn
zu streben, noch bevor sie ihre Ehe
schließen! —
62 Die Ehe
Es wird euch ja noch kaum recht glaub‐
haft scheinen, daß wirklich jedes Ding
in jedem von euch beiden anders zu
Bewußtsein kommt!
Noch glaubt ihr, von dem gleichen Ding
zu reden, und redet doch von völlig
Anderem, da jeder nur von seinem
Bild des Dinges redet! — —
Hier ist Geduld vonnöten, die sich nicht
erschüttern läßt, wenn man sich einstens
in der gleichen Weise des Betrachtens
finden will!
Es wird hier jeder Teil erst zur Er
kenntnis kommen müssen, daß seine
Art zu sehen, — mochte sie ihm auch
bisher als Norm erscheinen, — keines
wegs die einzige, ihm mögliche Be‐
trachtungsweise darstellt...
Auch wird man nicht allein die Worte
hören dürfen, sondern stets auch zu er‐
fühlen suchen müssen, was der Andere
mit seinen Worten meint, und ob sich
dies auch ganz mit jenen Dingen decke,
die man selbst mit gleichen Worten
meinen würde. —
67 Die Ehe
Mit unbeirrbarer Gelassenheit und
liebevollem Geltenlassen aber, wird
man auch dort zuletzt doch zuein
anderfinden, wo wirklich Gegensatz
besteht: wo wahrhaft eine „tiefe Kluft
für immerdar zu trennen schien, weil
man erst lernen mußte, sie zu über
brücken. — — —
Gemeinsamkeit in allem Denken, al‐
lem Fühlen, allem Handeln, schafft jeder
Ehe eine hohe Mauer sicherster Be
schützung!
69 Die Ehe
Es geht nur beide Eheteile an, wenn
sie, als geistgeeintes Ganzes, sich ihr
Glück zu schaffen wußten...
72 Die Ehe
Hier ist das Tragenhelfen oftmals gar
nicht möglich, aber immer wird das
Tragenhelfen-Wollen möglich sein und
dem von Leid Betroffenen Erleichte
rung gewähren. — — —
Man sage sich nicht los von solcher
willigen Bereitschaft, auch wenn man
sicher weiß, daß man nicht helfen kann,
denn schon der Wille, Hilfe darzu
bieten, wird dem Anderen Hilfe bringen
helfen! — — —
78 Die Ehe
Doch wisse auch, daß jede Seele ihre
eigenen Bereiche hat, die auch der aller
nächsten anderen Seele sich nicht öffnen
können!
Wisse auch, daß oftmals Pflicht gebietet,
gewisse Dinge in Verborgenheit zu hal‐
ten, und ehre dann, vertrauend, was
deinem Miterleben sich entziehen muß! —
Du wirst vertrauen können, wenn in
allem, was Gemeinsamkeit verträgt,
das lauterste Vertrauen zwischen
dir und deinem, in der Ehe dir ge
einten Gegenpole herrscht! — —
Hüte dich vor der Neugier, die so gerne
dich verleiten möchte, dich in Bereiche
des Erlebens einzudrängen, zu deren
Pforte man den Schlüssel nicht be
sitzt, oder durch Pflicht gehalten ist,
ihn dir nicht darzureichen! —
In einer wahren Ehe wird auch dort, wo
sich das eigene, gesonderte Erleben
der Gemeinsamkeit nicht öffnen läßt,
der so Erlebende gewiß den anderen
Teil hinlänglich noch zu unterrichten
wissen, von welcher Art das jeder
Mitteilung Entrückte ist, so daß auch
hier kein Riß durch innigstes Gemein‐
samkeits-Erleben geht...
Wo gegenseitiges Vertrauen herrscht,
dort wird sich niemals Argwohn zu er‐
heben suchen, auch wenn nur ganz im
Allgemeinen angedeutet wird, um was
es sich bei jenen Dingen handelt, die
nicht ausgesprochen werden können,
oder die durch Schweigepflicht der
Mitteilung entzogen bleiben müssen, —
und wahre Liebe wird gewiß nicht wei
terforschen wollen, wo sie erfühlt, daß
ernste Gründe die Verhüllung for
dern...
81 Die Ehe
denn wenn auch innigste Gemein
samkeit euch beide eint, so bleibt doch
jeder von euch beiden noch in seinem,
ihm nur eigenen Empfindungs-Leben,
und dessen Ablaufsrhythmus wird be‐
stimmen, was er, im jeweils sich erge‐
benden Moment, als Freude werten
kann...
96 Die Ehe
So suche denn vor allem eine Quelle
steter Freude in dir selber zu erschür‐
fen, so daß du unabhängig wirst von
allem äußeren Geschehen, und nicht der
Freude Anlaß erst von außenher er
warten mußt, auch wenn du solchen
Anlaß, wo er sich auch immer bieten
mag, stets nützen sollst! —
Du wirst jedoch am besten jene Freude
übertragen können, für die du keinen
Grund im Außenleben anzugeben weißt!
97 Die Ehe
Ein jegliches Gelöbnis zwischen Mann
und Weib, in dem sich beide Teile ehe
liche Einung dargeloben, stellt vielmehr
ein kosmisches Geschehen dar, und
bindet nicht nur beide Ehegatten, —
bindet nicht nur aller Menschheit ge
genüber, sondern reicht mit seinem
Jawort” auch hinein in höchste Gei
steswelt! — — —
Es wird nur lösbar, wenn der „Tod
die beiden Eheteile scheidet, oder, wenn
durch triftigste und schwerste
Gründe — beide Teile sich gezwungen
sehen, sich gegenseitig voneinander zu
befreien, indem sie, — ebenso gemein
sam, wie es einst geschlossen wur
de, — ihr Gelöbnis vor einander,
vor aller Menschheit, wie auch vor
dem wesenhaften Geiste wider
rufen, — es sei denn, daß der eine Teil,
auch ohne solchen Widerruf, den an
deren verlasse, oder sonstwie ihm
unmöglich mache, das Gelöbnis auf
rechtzuerhalten...
116 Die Ehe
Selbst wenn du durch ein Abbild dich
verleiten läßt, geschlechtsbewußte
Regung zu empfinden und dich ihr
zu überlassen, — schändest du die
Ehe! — — —
Du mußt dich selbst dazu erziehen,
Schönheit auch am anderen Ge
schlecht bewundernd zu betrachten,
ohne auch die leiseste Erregung der
Erotik ins Bewußtsein einzulassen!
Jeder wahre Künstler, dem die mensch‐
liche Gestalt zum Vorbild seiner Schöp‐
fung wird, muß solcherart sein Vor
bild sehen lernen und kann dir sagen,
daß in seinem, von Erotik völlig los
gelösten Schauen, wundersame see
lische Beglückung möglich ist, die
jedem sich versagt, der hier ge
schlechtsbewußte Regung hegt, und
niemals dem Begehrenden erreich
bar wird...
120 Die Ehe
Auch in dem Streben, seine eigene
Tiefe zu ergründen muß man sich be
meistern lernen, damit man nicht ver‐
sucht wird, Tiefen auszuloten, die grund
los sind, — und dort das Leben störe,
wo es erst nach Formung drängt,
die nur in steter Ruhe sich gestalten
kann...
Dann aber wird sich jede dunkle Re
gung innerer Beirrung als ein Durch
gangsstadium völlig andersartiger
Empfindungsbildung zeigen, — denn
stets, wenn sich Empfindung feste Form
erschaffen will, bedarf sie eines Gegen
satzes, den sie sich selber setzen
muß, um ihn zu überwinden! — — —
133 Die Ehe
Gedeihliches Leben braucht seinen
Rhythmus: braucht Steigerung und
Senkung seines Ablaufs, ohne Unter
laß! —
140 Die Ehe
Wenn echte Liebe euch vereint, dann
ist hier wahrlich Anderes in euch er‐
blüht, das euch zwar nun auch körper
lich vereint, zugleich jedoch die körper‐
liche Einung überstrahlt mit über
erdenhaftem Lichte! — — —
149 Die Ehe
Wille zur Einigkeit muß euch zur
unbedingten Forderung des
Glückes werden, und keiner beider
Teile darf sich dieser Forderung ent
ziehen wollen!
173 Die Ehe
Wille zur Einigkeit lebt aber nicht, wie
jeder bloße „Wunsch”, nur aus der
Hoffnung, daß vielleicht gelingen
möge, was man wünscht!
Wille zur Einigkeit ist unverbrüchliche
Gewißheit, daß man Einigkeit erhal‐
ten kann und Einigkeit erhalten wird!
— — —
Wille zur Einigkeit kennt keine
Grenze des Vertrauens zu sich
selbst, und weiß sich unbesiegbar
auch wenn ständig ihn Gefahr um‐
droht! — — —
195 Die Ehe
Man weiß sehr wohl, daß sich im Blute
Kraft wie Krankheit fortvererben: —
Begabung und Talent, wie stumpfes
Unvermögen, allein man ahnt zur Zeit
noch nicht, daß Blut Aussender und
Empfänger feinster Strahlen ist, für
die das Instrument, das sie bezeugen
könnte, noch nicht erfunden wurde, —
vielleicht auch nie erfunden werden
kann. — —
So weiß man denn auch nicht, daß
dieser Strahlen Schwingungsart
bestimmt wird durch das Eltern
paar, — durch Zeit und Ort der väter‐
lichen Zeugung, wie der mütterlichen
Schwangerschaft, — und daß natur‐
gegebene Verbindung zwischen Kind
und Eltern bleibt, solange dieser Eltern
Erdenleben währt. — — —
Man weiß nicht, daß hier steter
Schwingungsaustausch wirkt, durch
den der Vater unbewußt des Kindes
Seele formt, die Mutter aber noch
weit stärker dieser Seele Formung
mitbestimmt vom ersten Tage an. — —
Auch wenn das Kind erwachsen ist,
bleibt dieser Schwingungsaustausch stets
bestehen, mag ihm dann auch des
Kindes Eigenleben stärkere Verdrän
gung schaffen, oder mag er nach wie
vor in gleicher Weise aufgenommen
werden. —
Nur dann ist eine Art der Trennung
hier bewirkbar, wenn das Kind bewußt,
durch eine neue intensive Einstellung
des Fühlens, sich einem anderen Men‐
schen durch die Strahlungen des Blutes
zu verbinden sucht.
Dann wird der Austausch zwischen Kind
und Eltern zwar nicht völlig auf
gehoben, jedoch in seiner Wirkung
ausgelöscht.
Doch kann er jederzeit erneut in Wir‐
kung treten, durch bloße Willens-Ein‐
stellung. —
Von diesen Dingen wußten immer nur
sehr Wenige auf Erden, obwohl auch
Andere sie erahnten, so daß man von
dem „Band des Blutes” sprach, und
Blutsfreundschaft” besiegelt wähnte,
wenn zwei Menschen sich zusammen‐
fanden und symbolisch Tropfen ihres
Blutes mischten...
Soll ich hier aber geben, was zu geben
ist, so muß ich das Bestehen dieser
Strahlungen des Blutes vorerst zur
Erwähnung bringen, da auf ihnen jene
Möglichkeit beruht, das Kind vom ersten
Tage seines Daseins an zur Glücks
gestaltung anzuregen, wie auch, der
Kindesseele Kräfte umzukehren, so
daß sie dann in seinem ganzen Leben
triebhaft alles aufzusuchen streben, was
dem Kinde Unheil bringen muß. — — —
204 Die Ehe
Das Allerwenigste von dem, was
wirklich ist, wird Menschen je „be
wußt”, und was im Un-Bewußten,
Un-Gewußten bleibt, ist dennoch für
den Menschen mehr bestimmend,
als alles was ihm zu Bewußtsein
kommt. — — —
222 Die Ehe
Nur, was getrennt sein will, ist dort ge‐
trennt, und schon der Wille eines Teils
genügt, um solche Trennung zu bewir‐
ken, bis einst beide Teile auf der glei‐
chen höchsten Stufe stehen, auf der es
keinen Trennungs-Willen gibt...
Auf jenen niederen Stufen geistig‐
wachen Seins jedoch, die nach dem „Tode”
dieses Erdenkörpers erst durchschritten
werden müssen, herrscht in gleicher
Weise Trennungs-, wie Vereinungs
wille. —
Wenn aber Trennungswille wirksam
ist, durchdringt das Einzelne einander
ohne gegenseitig seiner Gegenwart
bewußt zu sein, wogegen der Ver
einungswille gegenseitiges Erleben
im Durchdringen schafft, das über jede
erdenhafte Vorstellung erhaben ist,
und sich in Worten niemals schildern
lassen würde. — — —
Schwacher Abglanz solchen geistigen
Erlebens mag sich noch erahnen lassen
in der Vorstellung, als könne man hier
auf der Erde seinen Erdenleib verlassen,
um in dem geliebten Menschen, — mehr
noch als ihm selbst je zu Bewußt
sein käme, — jegliche körperliche,
jede Seelenregung intensiv und
klarbewußt mitzuempfinden...
Höchstes Sehnen aller wahrhaft
Liebenden auf dieser Erde findet so
im Geistes-Sein Erfüllung! — — —
Es ist die wahre Ehe wahrlich niemals
lösbar, und auch in aller Ewigkeit
wird sie bestehen bleiben!
236 Die Ehe
Was aber einmal in der Ehe hier auf
Erden schon zur Einung kam, das kann
durch Erdentod zwar körperlich ge‐
schieden werden, doch ist es niemals
mehr im Geistesreich zu trennen!
— — —
Dort mehrt es nur den Einungswillen,
der einst aller Erdenmenschheit Geist
vereinung schaffen soll, und der in
jeder neuen wahren Ehe Mann und
Weib bereits zu solcher Einung
führt. — — —
So schafft die wahre Ehe wahrlich
ewige Verbundenheit, — und nicht
nur zwischen beiden Menschenpo
len, die sie geistig eint, sondern, in
anderer Weise, dann auch zwischen
ihnen und den schon im wesenhaf
ten Geist Geeinten in der Ewigkeit!
— — —
Wohl denen, die hier fassen, was
da zu erfassen ist!
239 Die Ehe
Nur einer Generation die um die Hei
ligkeit der Ehe weiß und so in tief
ster Ehrfurcht vor dem hocherha
bensten Mysterium des Menschen
steht, kann jene Menschheitszukunft
werden, die, von den Besten aller Völker
längst herbeigesehnt, gewiß erreichbar
ist, — jedoch nur dann, wenn man sie
selber — — schafft! — — —
244 Die Ehe
.Auch der Geist bedarf der Form, soll er dir
innewerden! — —
.Wie nichts in dieser Aussenwelt der For
mung entbehrt, so wird auch in der inneren
Welt nichts wahrgenommen, es sei denn Form
geworden...
.Du sprichst von «leerer» Form!
.Bedenke aber, dass auch die leere Form noch
Offenbarung eines Willens ist, der sich in
ihr einst Ausdruck schuf, so wie das leere
Haus der Schnecke dir noch von dem Tiere sagt,
das in ihm lebte! — —
.Was Form geworden ist in dieser Aussen
welt, ist Ausdruck eines Inneren der Aussen‐
welt, das anders dir sich niemals offenbaren
könnte...
.So aber ist auch jede Form der inneren
Welt stets wieder Ausdruck eines Allerinner
sten, das niemals dir vorhanden wäre, würdest
du es nicht als Form in dir erkennen...
.Suche hier in der Aussenwelt in jeglicher
Form das ihr Innere zu erfassen, dessen Aus
druck sie ist!
.So wirst du am besten dich vorbereiten, einst
auch in der Welt des Geistes, in jeglicher
Form die dir allda begegnen mag, das Aller
innerste, dem sie Ausdruck ist, aus ihr
leuchten zu sehen! — — —
.Auch alles, was der Mensch an Lebensform
geschaffen hat in dieser Aussenwelt, damit er
leichter in Gemeinsamkeit mit seinesgleichen
dieses Erdenlebens Bürde trage, kann dir zu
hoher Lehre dienen...
.Auch hier entspricht dem «Aussen» stets ein
«Innen», selbst wenn das «Innen» längst
nicht mehr gefühlt wird. —
.Suche nach diesem «Innen», und wenn du
es gefunden hast, dann wird dir manche schöne
Lebensform, die dir nur als der Ausdruck
einer Lüge galt, gewiss zu einem anderen
Werte sich erheben! — — —
.Auch manches was dir heute töricht noch er‐
scheint in Sitte und Gepflogenheit der Men‐
schen, wird sich dann als Form dir zeigen der
ein weiser Inhalt innewohnt!
12 Geist und Form
.Die Heimstatt soll dir Zuflucht sein und
dich durch alles was sie bergen mag, zur Freude
stimmen: — zu warmer, reiner seelischer Heiter
keit!
.Auch wenn dich Düsteres vordem umgab
und böse Dinge schwer noch auf dir lasten mö‐
gen, sollst du bei dem Betreten deiner Wohn‐
statt alles von dir schütteln, was dich nie
derdrücken will! —
.Hier sollst du wieder zu dir selber kommen
und zu deiner höchsten Höhe! — — —
21 Geist und Form
.Fühllos wird jede echte Form, die Aus‐
druck eines inneren Empfindens ist, von ge‐
schäftigen Händen nachgeahmt; aber das
Leben der Form entweicht bei solchem Tun
und was übrig bleibt ist Leiche...
.Man hat vergessen oder nie geahnt, dass jede
Form ein lebendiges Zeichen einer Sprache
ist und etwas zu sagen hat. — —
22 Geist und Form
.Würde der Mensch des Westens noch in glei‐
cher Weise Formen zu empfinden fähig sein,
dann wäre wohl vieles in seiner Umwelt, das er
aus seinem Empfinden heraus mit gleichem
Abscheu von sich weisen müsste. — —
.So aber weiss er die Sprache der Form nicht
mehr zu deuten, und leidlicher Geschmack der
Anordnung und Farbengebung tut seiner For‐
derung Genüge.
.Doch glaube man nicht, dass ich hier nur von
Dingen rede, die als Schmuck und Zierde be‐
trachtet werden!...
.Der einfachste Tisch oder Stuhl kann das
Leben der Form in sich tragen, so wie auch das
prunkvollste Möbel gleicher Art nur totes
Gerüste sein kann, «verziert» mit «Leichen‐
teilen»...
.Das Gleiche gilt von allem Gefäss und Ge
rät, die auch das einfachste Leben verlangt. — —
.Darum sorge dafür, dass dich nur Dinge um‐
geben, die du vor dem Geiste, den du in dir
finden willst, so du ihn einst findest, auch
verantworten kannst!
24 Geist und Form
.Niemals betrügt sich der Mensch so sehr, als
wenn er da vermeint, die rechte Freude müsse
hemmungslos sich wie ein Wildbach ergiessen
können! —
.Der Wildbach gibt mir hier ein wohlgeeigne‐
tes Bild, und wenn ich in diesem Bilde bleiben
darf, dann sei daran erinnert, dass auch der
Wildbach nur gefahrlos wird, wenn man ihn
einzudämmen, wenn man seine Strasse zu
formen weiss. —
.Wehe aber den Fluren, — wehe der jungen
Saat, wenn er in seiner Frühlingsvollkraft über‐
schäumt und seines naturgebundenen Laufes
Steinbett verlässt!! —
.So auch wird deine Freude dir zur Gefahr,
solange sie nicht deine Formung trägt, und
— glaube mir — auch ich habe vordem solche
Gefahr gar oft erfahren, so dass ich wahrlich
vor ihr warnen darf!...
28 Geist und Form
.Du wirst zwar bedauern, dass du nicht völlig
dich deiner Freude überlassen kannst, — aber
bedenke wohl, dass alles, dem du dich völlig
überlässt, dich nur zu seinem Sklaven
macht! —
29 Geist und Form
.Was immer dir Freude bringt, soll dir ein
Anlass sein, deine formende Kraft zu er‐
proben!
.Du wirst deine Freude verhundertfältigen
können, wenn du es verstehst, sie zu formen
nach deiner Artung Massgerechtigkeit! — —
34 Geist und Form
.Du selbst bist das Bleibende, — dein Leid
aber ist vergänglich, und es ist Lüge, wenn
es dich betören will, an seine Dauer zu glau‐
ben! — —
40 Geist und Form
.Es ist die Rede hier von dem Kunstwerk,
zu dem dein geistiges Leben werden soll!
.Dein Erdendasein schafft dir täglich neues
Material aus dem du dein geistiges Leben
kunstvoll auferbauen kannst!
.Nie wird es dir an «Steinen» und «Bauholz»
fehlen!
.An dir aber wird es sein, das rohe Material in
solcher Weise zu bearbeiten, dass es sich dem
erhabenen Grundriss anpasst, den deine Seele
in sich selber findet, in ihrem innersten
Schrein! —
.An dir wird es sein, den rechten «Mörtel» zu
bereiten, der Baustein an Baustein bindet!
.An dir wird es sein, die «Balken» so zu fügen,
dass sie tragen können!
.Du wirst nichts von dem verachten dürfen,
was dir dein Erdendasein alltäglich zuführen
mag!
43 Geist und Form
.Was du nicht verarbeitet hast, wird dir
dann im Wege liegen, und so wirst du selbst
dich sehr behindern, auch wenn du zu späte‐
rer Zeit aufs neue beginnen willst! — —
44 Geist und Form
.Suche alles, was dir dein äusseres Leben
bringen mag, in geistiger Weise zu verwerten,
indem du es geistig zu formen strebst, und du
wirst manches Hindernis, das dir im äusseren
Leben unüberwindlich erschien, dir gar bald
durch dein weises geistiges Tun aus dem
Wege räumen! — — —
.Dein ganzes äusseres Leben wird sich nach
dem Bilde deines geistigen Lebens wandeln,
so du nur alles Äussere dir geistig zu formen
weisst! — —
47 Geist und Form
.Ihm wird auch alle irdische Form erst ihren
tiefsten Wert offenbaren! —
.In aller Form wird er den Geist am Werke
finden! — — —
49 Geist und Form
Im Äusseren aber musst du dich behaupten
lernen, soll das Äussere dir nicht zur Fessel
werden!
Binde du selbst alles Äussere um dich her mit
den starken Schnüren deines Willens, damit
es nicht über dich herfalle, wie eine Horde
Wegelagerer den arglosen Wanderer überfällt,
ihn bindet und seines Besitzes beraubt!
21 Worte des Lebens
Du erliegst noch der Täuschung und bist in
tausend Sorgen, wie du der Aussenwelt be‐
gegnen könntest!
Was hier dich bedrängt und vielleicht dem
Scheine nach besiegt, wird von dir noch immer
viel zu hoch gewertet!
Noch immer verlierst du den Glauben an
dich selbst, wenn man dich von aussen her
überrennt!
Ach, dass du endlich sehend würdest um zu er‐
kennen, dass aller äussere Sieg wie alle Nieder‐
lage in der Aussenwelt, nur törichte Täu
schung bergen!
Nur was du im Innern dir zu Diensten zwingst,
wird wahrhaft bezwungen sein!
Nur wenn du im Innern endlich den Sieg er‐
ringst, wirst du mir Sieger heissen!
44 Worte des Lebens
Noch keiner hat jemals den wahrhaften Frie
den sich erkämpft, der nicht den Willen in sich
trug, den Kampf nur als Sieger zu been‐
den!
Sehnsucht nach Friede ist eine grosse Ver
führung, und wehe dem, der solcher Verfüh‐
rung erliegt!
Sie macht ihn zu wehrloser Beute seiner un‐
sichtbaren Feinde und lässt ihn schutzlos zum
Opfer ihrer Willkür werden, dort, wo selbst
siegloser Widerstand ihm noch der Feinde
Waffen in eigenen Dienst gezwungen hätte...
Darum, wenn du den Frieden willst, lass' dir
den Mut zum Kampfe nicht rauben, und höre
nicht eher zu kämpfen auf, als bis dir deine
inneren Feinde selbst den Frieden bieten! — — —
Erst dann wirst du dich wirklich deines
Friedens freuen! —
49 Worte des Lebens
Nicht anders sollst du in mir den ewigen Frie
den finden! — — —
Friede heisst mir die Sicherheit dessen, der
sich die Sicherheit erkämpfte, dass nichts mehr
ihn zum Kampfe laden könne!
Friede ist nur jene Ruhe in sich selbst,
die aller inneren Kämpfe Preis und entflam‐
mendes Kampfziel bildet!
51 Worte des Lebens
Lerne vor allem erkennen, dass dein Leben
nichts ausser dir ist, — dass all dein Wissen um
dich selbst nur ein Wissen um die Auswirkun
gen dessen darstellt, was sich in dir als eigen‐
gründiges Leben selbst erlebt...
Ich aber bin, was sich so als dein Leben
offenbart, und nur wenn du mich in dir gefun‐
den hast, bist du wissend deinem Leben ver‐
einigt!
Vorher nimmst du noch die Wirkung für die
Ursache und was du als dich selbst empfindest,
ist nur der Widerschein des Lebens in dem
dein ewiges Bewusstsein um dich selbst dir in
mir gegeben ist; denn siehe: mich selbst habe
ich dir geschenkt, auf dass du aus meiner Kraft
dich ewiglich in mir begründet finden mö‐
gest! — — —
62 Worte des Lebens
Was du «Bewusstsein» nennst, ist nur das
seiner selbst gewisse Spiegelbild aufleuch
tender Seelenatome, vergleichbar jenem
Bilde deines Körperinnern, das der Arzt auf
einem Schirm von chemischer Substanz erhält,
wenn er mit jenen Strahlen deinen Leib durch‐
leuchtet, die dichte, dunkle Körper zu durch‐
dringen fähig sind...
Wie aber der Schirm, der jene Strahlen sichtbar
machen soll, bereitet sein muss nach Gesetz
und Regel, soll er deines Körperinnern untrüg‐
liches Bild in leuchtender Erscheinung zeigen,
so musst auch du selbst dich bereiten,
willst du dir selbst zum Spiegel deines Aller‐
innersten werden! — —
Nicht eher wirst du mich in dir als dein inner‐
stes Sein und Leben erkunden, als bis du selbst
dich mit wachem Willen bereitet hast, so dass
deine Seelenatome leuchtend dir das Bild deines
Lebens wiederspiegeln!
Dann aber wirst du in diesem Bilde dich mit
mir vereinigt finden, denn was auf solche
Weise zum Aufleuchten kommt, bin in Wahr‐
heit ich selbst, so wie in dir ich mich er‐
lebe. — —
Dunkel bleibt dir, trotzdem ich es durch‐
strahle, alles, was nicht du selber bist! —
Dunkel bleibt alles, was nicht mit wachem
Willen bereitet ist! —
Jenen irdisch-geheimnisvollen Strahlen gleich,
von denen ich vordem zu dir sprach, bleibe ich
unwahrnehmbar der unbereiteten Seele...
So aber du selbst dich in dir bereitet hast,
wirst du in meinem Eigenlichte erstrahlen, und
als dein eigenes Leben will ich dir mich
enthüllen in dir selbst! — — —
64 Worte des Lebens
In den tiefsten Tiefen deines Bewusstseins muss
dein Vertrauen Grund gefunden haben, so dass
kein Geschehen das dir widerfährt, es zu ent‐
wurzeln vermag! —
81 Worte des Lebens
Urewige Kraft ist es, die in dir zur Wirkung
kommen soll!
Du kannst diese Kraft nur erwecken durch
jene innere Haltung, die in der Sprache des
Menschenmundes als «Vertrauen» bezeichnet
wird. — —
Keineswegs sollst du nun blindlings vertrauen,
dass irgendwelche Wünsche stets Erfüllung
fänden, wenn nur das Vertrauen in ihre Er‐
füllung in dir vorhanden sei!
Grösseres wird von dir verlangt und Grös
seres sollst du erlangen! —
Ich will, dass du mir ohne Vorbehalt vertraust
und solches absolute Vertrauen schliesst in sich,
dass du auch mir allein deiner Wünsche Erfül‐
lung überlassen magst. — —
Nur wenn du mir allein die Erfüllung deiner
Wünsche überträgst, darfst du mit aller Zu‐
versicht erwarten, dass ich sie zu erfüllen
trachte! — — —
Glaube nicht, du müsstest mir Anweisung ge‐
ben, wie sie zu erfüllen wären!
Ich weiss allein, wie sie zu erfüllen sind und ob
ihre Erfüllung dir zum Segen wird! —
Ich aber weiss auch nur allein, auf welche
Weise deinen Wünschen, so sie höherem Ge‐
setz in mir nicht widerstreiten, die Erfüllung
werden kann! — —
Ich nur allein weiss in gewissem Wissen, wann
die Zeit erreicht ist, um dir deine Wünsche, so
sie auch vor mir als wünschbar gelten können,
zu erfüllen! — — —
Würdest du auf andere Art dir die Erfüllung
erschleichen und erlisten können, so sei si‐
cher, dass die Erfüllung dir zuletzt nur Unheil
bringen würde, und dass du alsdann den Tag
der Erfüllung verfluchen müsstest! —
Vertraue mir, wie du vertrauen sollst: — in ab‐
solutem Vertrauen, und du darfst sicher sein,
dass ich alles dir gewähre, was dir und Anderen
zum Heil gereicht!
Hadere nicht mit mir, wenn ich anders erfülle,
als du dir die Erfüllung dachtest!
Hadere nicht mit mir, wenn ich nicht erfülle,
was dir so leicht erfüllbar schien, ja wenn ich
das Gegenteil von dem was du «Erfüllung»
nennen würdest, deinen Wünschen widerfahren
lasse! — —
Warte geduldig die Folge des Geschehens ab,
und dann erst fälle dein Urteil, ob ich dein Heil
versah, oder aber um deines Heiles willen An
deres bewirkte, um auf solche Weise deiner
Wünsche letztes Sehnsuchtsziel zu erreichen!
Vorbehaltloses Vertrauen zu mir bedingt, dass
du auch dann mir dein Vertrauen nicht ent‐
ziehen wirst, wenn meine Art dir zu entspre‐
chen, in ihrer Weisheit dem nicht entspricht,
was du erwartet hattest! —
Vertraue auch dann und du wirst zuletzt er‐
kennen, dass wahrlich deine Wünsche Erfül
lung finden, auch wenn der Weg zu ihrer Er‐
füllung dir zuerst wie ein böser Umweg erschien,
oder gar dein Vertrauen auf harte Proben
stellte! — — —
Zumeist aber wirst du sehen, dass deine Wün‐
sche alsbald Erfüllung finden, soweit sie nur
die Grenzen achten, die alles Geschehens Ablauf
bestimmen, und soweit du selbst dafür zu sorgen
wusstest, dass die Erfüllung alle Vorbedin
gung antrifft, deren sie bedarf. —
Ich werde gewiss nicht auf andere Weise zur
Erfüllung schreiten als du es erwartest,
wenn du nicht durch deiner Wünsche Art mich
dazu zwingst!
Wisse aber, dass du erst dann dich deinem Ver‐
trauen zu mir übergeben darfst, wenn ich selbst
dich zu diesem Vertrauen durch die von mir ge‐
gebene innere Gewissheit berechtigt habe! — —
Du wirst diese innere Gewissheit mit aller Si
cherheit in dir zu erfühlen vermögen, sobald
du nur in dir selbst jene innere Haltung genü‐
gend gefestigt hast, die dich aller Torheit des
Wähnens entrückt, und wirkliche Kraftbe
zeugung genug bekundet, um meiner Kraft
zu einem festen Hebelpunkt zu dienen...
Vorher aber musst du dich selbst zu der Er‐
kenntnis durchgerungen haben, dass du stets
meiner Kraft bedarfst, — dass du nur der
Stützpunkt werden kannst, an dem meine
Kraft, die stetig in dir selber ruht, sich er
weisen kann. — — —
Du selbst musst fest in dir werden und dir
selbst vertrauen können, bevor du auf mich
dein Vertrauen setzen darfst! —
In gleichem Grade, in dem ich dir vertrauen
kann, weil du dir selbst vertraust, wirst
du auf mich vertrauen dürfen! — — —
Siehe, zu solchem Vertrauen soll mein Wort
deine Seele leiten!
Solches Vertrauen soll in dir Grund und Nah‐
rung finden!
In solchem Vertrauen wirst du wahrlich alles
erreichen, was nur immer du erreichen willst! —
89 Worte des Lebens
Wenn aber jeweils auch nur Einer unter den
Menschen wäre, in dem ich sie zu erzeugen ver‐
möchte, da er in seiner Geistnatur aus freien
Stücken sich dazu erbot, noch ehe er der Erde
Leib empfing, so würde doch auch aus diesem
Einen schon alles Menschenbewusstsein diese
Wandlungskraft erhalten; denn was ich so in
einem dieser Menschen zeuge, ist keineswegs
in ihm allein beschlossen, sondern
wirkt in Schwingungen sich aus, die
über diesen ganzen Erdball sich ver
breiten und jedes Bewusstsein in die
gleiche Schwingung setzen, das, wis
send oder auch nur gläubig seinem
Fühlen folgend, mit allen Seelenkräf
ten nach mir verlangt! — — — — —
100 Worte des Lebens
Als «Luzifer», als Träger Deines Lichtes, war
ich einst Dir nahe, ehe ich mich selbst in grauen‐
hafte Finsternis versinken liess, da ich ver‐
meinte, selbst das
Licht
zu sein! — — — — —
107 Worte des Lebens
Nun weiss ich, dass ich selbst nur Abbild
Deines Lebens bin, und dass alles, was ich
selbst mir zuschrieb, einzig und allein nur Dei
ner Allkraft Wirkung war! — — —
109 Worte des Lebens
O Du, der meine Seele in sich selber trägt, leite
mich fortan durch jene Wandlungskraft, die
Du in Menschengeistesformen zeugst, damit er‐
kennend ich zum Schauen komme, jenen gleich,
die Du zu meinem Heile Dir zu Helfern schufst!
Siehe, ich bin Dein Eigen und nichts
mehr ist an mir, das da Anrecht er
heben könnte an mich!
Ich gehöre nur Dir und habe nichts mehr, das
nicht von Dir ergriffen werden wollte!
In Dir allein will ich mein Heil und meine Selig‐
keit finden!
Dir allein soll hinfort all mein Atmen ein Lob‐
preis sein!
Zu Dir allein soll sich all mein Denken kehren!
Durch Dich allein will ich ewig dereinst im
Leben sein! — — — — —
Du, —
der:
«Ich Bin!»
110 Worte des Lebens
Nun sind wir lang schon
Ineinander Eines
Und doch Zwei, —
Und solcherart vereint
Zu geistigem Bewußtsein — :
In Zweieinheit — Drei.
Nie wirkt der Eine, nie der Andere allein,
Denn jeder tritt zugleich für Beide
Und sich selber ein.
20 Über dem Alltag
Unzähligemale
Bin ich gefallen!
Gefallen auf meinem Wege zum Licht, —
Gefallen, wo ich weiterschreiten sollte, —
Gefallen, wo ich unbewegsam stehen wollte!
Sünde häufte ich auf Sünde,
Torheit auf Torheit,
Schuld auf Schuld, — —
Unvermeidbar! —
Denn die mich formten,
Mußten mich in meinem eignen Staube
      schleifen,
Wie man den härtesten der Edelsteine
Nur in seinem Staube schleifen kann.
Niemals ward mir Sünde Genuß!
Niemals Torheit Freude!
Niemals Schuld Befriedigung!
23 Über dem Alltag
Wenn ihr „nicht werdet wie die Kinder”,
Wird eurer keiner je zum Finder!
Doch: — birgt er ihn nicht bei den Alten,
Wird keiner seinen Fund behalten!
Jugend schafft Wertes nur im Warten!
Jugend ist keimbereiter Garten!
Nur bei den Alten reifen die Früchte!
Der Jugend verderben sie lüsterne Süchte!
Jugend kann niemals sich selbst gestalten,
Findet sie Former nicht bei den Alten!
Jegliches Volk wird sich selbst zum Vernichter,
Bleiben die Alten nicht seine Richter!
107 Über dem Alltag
Und so, wie keiner, der ein wildes Tier
Sich willenshörig machen will,
Des Tieres Willen besser, als durch Güte
.zwingt,
So ist auch keinem noch auf Erden
Bändigung der eigenen Tiernatur gelungen,
War er nicht zur Erkenntnis durchgedrungen,
Daß aller Zwang sein Tierhaftes nicht zwingt,
Wenn nicht der Liebe zu der eigenen Tiernatur
Des Tieres Bändigung gelingt.
75 Ewige Wirklichkeit
Der, dem durch Willensumkehr
Ehedem bewirkte „Sünde”
Fernerhin vergeben wird,
Ist damit aller Schuld
Die seine „Sünde” auf ihn lud
Für alle Ewigkeit enthoben,
Er bleibt erlöst
Aus aller Schuldverstrickung,
Die den Unerlösten
Zeitlich und im Ewigen
An seiner Selbstvollendung hindert.
Doch solche zeitliche
Und ewige Erlösung
Ist gebunden an die Sühne,
Die sich der Erlöste
Selbst aus freien Stücken auferlegt.
Dem Unerlösten
Bleibt sie Qual und Zwang. —
Befreiung schafft die Sühne dem,
Dem wahre Willens-Umkehr
Hier im Erdendasein
In sich selbst gelang.
79 Ewige Wirklichkeit
Willst du im zeitbedingten Leben
Dich gestalten und erhalten,
So wirst du wachsam ringen müssen
Mit vergänglichen Gewalten.
Das Ewige jedoch
Wird dir gegeben,
Weißt du dich nur
In dir noch zu erheben,
Um das, was man dir gibt
Auch zu empfangen. —
Nicht anders wirst du je
Zu Ewigem gelangen!
Nur, was als „Gabe”
Dich erreicht,
Wird dir im Ewigen
Zu eigen, —
Was aber Ungeduld
Ertrotzen möchte,
Wird sich niemals zeigen!
83 Ewige Wirklichkeit
Alles Göttliche ist kinderfaßlich einfach,
Obwohl es in sich selbst unendlichfältig,
Und klarer Form entwöhnten Augen
Kaum in seiner Einfachheit erkennbar ist.
87 Ewige Wirklichkeit
Noch wußte man,
Daß nur das geistbestimmte Handeln
Die Kraft erzeugen kann,
Das Irdische zu wandeln.
Die Alten strebten nicht danach,
Zu suchen, was kein Suchen je gewahrt,
Wenn es nicht geistgerechtes Leben
Ohne alles Suchen offenbart.
Sie wußten, daß ein Irdischer
Nur dann Unsterblichkeit erlangt,
Wenn er nicht mehr genießendes „Erkennen”,
Sondern sein urgegeben ewigliches Sein
Im göttlich Ewigen für sich verlangt.
91 Ewige Wirklichkeit
Von allen sichtbarlich gewirkten Werken
Die euch schöpferisch allhier gelungen,
Von allem, was ihr, es erkämpfend, euch er‐
.rungen
Bleibt euch nichts anderes im Ewigen er‐
.halten,
Als was, in solchem Tun zugleich bezwungen,
Der Seele diente, sich im Geiste zu gestalten.
Die Male, die der Nachruhm euch errichtet,
Bleiben im Land der Seele ungesichtet,
Und wertlos wird, was man euch zugedichtet.
Nur eurer Taten allerfernste Erdenfolgen
Folgen euch nach noch aus dem Erdentag
Und müssen euch durch Ewigkeiten folgen,
Bis der voreinst von euch geschaffene Impuls
.vermag,
Sich selbst in letzter Folge aufzulösen: —
Im ewig Guten, wie im zeitlich Bösen.
99 Ewige Wirklichkeit
Aber das, was ich bin,
Könnte ich nicht sein
Wenn ich nicht allen Geltungsdrang
Des Irdischen an mir
Dem Ewigen dahingegeben hätte.
Was ich bin, kann keiner sein,
Der noch etwas „sein” will
Vor sich selbst und denen,
Die mit ihm die Zeit erfahren.
Ver-west sein muß der Wahn,
Wo der Wahrhaftige, Urewige
Sich selbst im Erdenmenschen
Wesenhaft erfahren lassen soll.
11 Leben im Licht
Allem irdisch-sinnlichen Erfahren
Setzt das Vorstellungsvermögen
Des Erfahrenden die Grenzen.
Grenzen, die keiner überschreitet,
Der sie in seiner Vorstellung
Sich selber zog.
Die Sinne können ihm nur geben,
Was der selbstgefügten Vorstellung
Entsprechend sich erweist,
Und füglich ihr sich fügt.
Ihr Fremdes bleibt ihr unerkennbar,
Und alle Kraft der Erdensinne
Bringt es dem Erfahrenden nicht nah'.
So auch im Geistigen!
Auch da kann übererdenhafter Sinne Kraft
Die Grenzen niemals überschreiten,
Die ihr jeweilen Vorstellungen setzen,
Und immer wird die Seele nur erfahren,
Was sich den Vorstellungen fügen kann,
Die sie sich selber voreinst fügte.
Alles Andere nimmt sie nicht wahr.
Im Geiste weiterschreiten
Heißt: — der Seele Vorstellungen wandeln,
Und die sie wandeln wollen,
Wissen hier zu handeln, —
Wissen die dunklen Mächte zu bezwingen,
Die in der Seele um die Seele ringen.
Wer in sich selbst
Um Hilfe bittet,
Wird sie in sich selbst erlangen,
Und in der Seele
Vorstellung um Vorstellung empfangen,
Bis seine geistgewirkten „Sinne”
Nicht mehr Hinderung
In ihm erfahren,
Und endlich in ihm selbst
Das Ewig-Wirkliche gewahren.
*
76 Leben im Licht
Gott findest du erst dann
In dir,
Wenn du dich vordem
Selbst in Gott verloren...
Bevor dir solches
Wach in Gott geschah,
Bleiben der Seele „Sinne”
Noch dem Traum verschworen.
Erst dann vermag dein Gott
Sich in dich einzusenken,
Wenn es dir selbst gelang,
Dich selber ihm zu schenken.
Hast du dich dargebracht
Und dich in Gott verloren, —
Dann wird in heiliger Nacht
Dein Gott in dir „geboren”.
*
UNDARSTELLBAR
Wie wir im Irdischen
Den Raum
Nur in der Zeit erfahren,
So wird im Ewigen
Dem liebenden Gewahren
Das zu Erkennende allraumhaft kund.
Raumhaft ist jedes Wort aus Gottes Mund!
Auch alle „Zeit”
Ist hier im Raum gebunden
Und wird von aller Seele
Raumumfaßt empfunden.
Doch läßt sich ewiges Erfahren
Nicht in Worten
Einer Erdensprache schildern,
Und die es dennoch
Darzustellen suchten,
Konnten nur in Bildern
Und dunklen Zeichen
Anzudeuten trachten,
Was die allein erfahren,
Die in Gott erwachten.
*
ERHELLUNG
Wie irdisches Erkennen uns erwächst
Aus der Beobachtung durch Körpersinne, —
Aus Gedankenschlüssen,
Die in Gleichungsworten und Begriffen
.    gründen, —
So wird im Ewigen urgründende Erkenntnis
Ewiglich erlangt als raumhafte Erfüllung
Lichtbereiten Seelenraumes.
Doch solche Offenbarung wird erst Seelen,
Die den Erdenleib verlassen haben.
Auf Erden wird sie nur den Geistgezeugten,
Die, gleich mir, zwar hier im Erdenleben
.    stehen,
Aber dennoch hier, als ihrer Artung Folge,
So wie ich, das Ewige, Unendliche
Im eigenen Seelenraum,
Im eigenen Liebeslichte sehen.
Euch aber, — denen ich hier niederschreibe,
Was euch und Kommenden als Erbe bleibe, —
Ist geistig andere Erfahrungsweise zugeteilt,
Solange ihr noch hier im Irdischen verweilt!
*
LEBEN
IM
LICHT
Leben im Licht
Läßt sich nur in Bezirken,
Die Licht-erzeugt
Und Licht-gestaltet sind,
Erwirken.
Hier hält der „Raum
In sich die „Zeit” umschlossen,
Und alle Zeit
Ist in den Raum ergossen.
Und aller Raum
Ist ungetrenntes Leben
Im Licht gelebt:
Ihm liebend hingegeben.
Erfahrung und Erkenntnis
Einen sich im Sein
Und gehen raumgestaltet
In die Seele ein,
Die selber Raum ist,
Der in sich
Die Zeit verwahrt,
In der das Licht sich, —
Raumgestaltet, — offenbart.
*
SELBSTVERWANDLUNG
Im „Licht”
Das aus dem Urlicht quillt
Und wie das Urlicht,
„Raum” ist als Gestaltung,
Wandeln alle seelischen Impulse
Allsogleich sich selbst zu krafterfüllten
Lichtbelebten Raumgebilden,
Die in gegenseitigem Durchdringen
Ineinanderwirken:
Sich erkennen und erfahren,
Und dennoch ihrer Formen
Sprechende Gestalt bewahren.
Hier sind nicht mehr
Gehirngedankenformen aufzufinden,
Wie sie das irdische Erkennen braucht
Um das Erkannte im „Begriff” zu binden.
Hier wandelt sich die Seele selbst
In das Erkannte,
Das vordem sie auf Erden
Zu erkennen meinte,
Wenn sie einen Namen nannte...
*
103 Leben im Licht
Nur was der geistgezeugten
Seele sie allhier gewonnen,
Ist ihnen nicht
Im Todeslicht zerronnen,
Und was aus ihrer Zeit
Sie mitgenommen haben,
Ist die Gestaltung
Die sie selbst der Seele gaben.
115 Leben im Licht
Nicht das Erleben
Einer gleichsam zeitentrückten „Zeit”
Ist Ewigkeitserleben!
„Ewiges Leben” ist:
Das auch in jeglicher Sekunde —
Wollte man zeithaft deuten —
Ewigkeitserfüllte Leben
Geistgezeugter Geisteswirklichkeit.
Gar viele sind den gleichen Weg gegangen
Um durch das Tor der „Zeit”
In raumhaftes Erleben zu gelangen,
Und dennoch waren sie
Noch lange nicht bereit,
Sich an der Hand der Helfer zu erheben,
„Ewiges Leben” zu empfangen
Und fortan zu leben...
Erst als sie alle Erdenziele aufgegeben,
Fanden auch sie an ihrer Helfer Hand
„Ewiges Leben”.
*
127 Leben im Licht
daß mir mein ewiges, allem irdischen
Einfluß entrücktes Sein zwar in distinkte‐
stem Erleben als über-zeitlich bekannt ist,
für mich aber gewiß nichts Über-natürliches
bedeutet, da ich ja seiner Geistesnatur aus
dem Ewigen her, als der meinen, immer
bewußt war. Ein zeitlich umgrenztes Pro‐
blem ergab sich erst — nachdem mir ein
irdischer Menschenkörper geboren worden
war — durch die in gewissem Sinne alles
menschliche Erlebenwollen überfordernde
Notwendigkeit, im irdischen Menschbe‐
wußtsein, meiner, als des Ewigen, innezu‐
werden. Daß diese Forderung lange Jahr‐
zehnte brauchte um sich im Irdischen end‐
lich ganz durchzusetzen, und daß sich immer
wieder der Widerstand menschlichen Er‐
lebenswillens dem unumschränkten Inne‐
werden können in den Weg stellte, ist —
nun im irdischen Sinne gemeint — nur
natur-gemäß. Mit einer Art heftigen Trot‐
zes, der zuweilen in geradezu burleske Situa‐
tionen führen kann, wehrt sich menschlich‐
irdischer Erlebenswille immer wieder ge‐
gen die Okkupation des ihn nährenden
Menschen durch ein Über-irdisches, von
dem er ja vorher nicht weiß, ob es ihm
nicht endgültig alle Erfüllung verweigern
wird.
43 Briefe an Einen und Viele
.Ich bitte Sie, sich mit der Antwort be‐
gnügen zu wollen, daß Ihnen solche Ein‐
sicht und Erkenntnis „wahrlich nicht
Fleisch und Blut gegeben” hat, sondern
Ihr eigenes Ewiges, aus dem allein die
Wahrheit über die Wirklichkeit, in der es
selbst lebendig ist, erlangt werden kann.
Die Erkenntnisse des Blutes — was besagen
will: des an tierhaft enge Bedingtheiten
gebundenen, erdmenschlichen Fühlens und
gehirnlichen Erdenkens — verhalten sich
zu dem, was nur das eigene Ewige zu ge‐
ben vermag, wie sich etwa das „Leben”
eines hartstarren Steines im nächstbesten
Bachbett zu den höchsten uns bekannten
Lebensäußerungen verhält. Nur aus dem
Ewigen kann Erkenntnis des Ewigen dem
Menschen zukommen! —
66 Briefe an Einen und Viele
.In allediesem Geschehen wirkt nur der
tiergebundene Mensch der Erde, und was
immer ihn zum Wirken drängt, ist — ein‐
schließlich aller lemurischen Antreiber‐
peitschenschläge aus dem unsichtbaren Teil
der physischen Welt — bloß irdisch verur‐
sacht, ohne die geringste Mitwirkung gei
stiger Einflüsse und Kräfte!
Ihr sagt:
„Die Weltgeschichte
Ist das Weltgericht!”
Gewiß!
Doch ein Gericht,
In dem der Mensch allein
Sich selbst das Urteil spricht!
Hier hat sich „Allmacht”
Aller Macht begeben...
Hier spricht nur geist-getrenntes,
Tierversklavtes Leben!
83 Briefe an Einen und Viele
Ich kann das gut nachfühlen,
denn auch mir ist es vor einigen Jahrzehn‐
ten durchaus nicht leicht gewesen, alles,
was ich von Jugend auf gehört und so gerne
geglaubt hatte, dahingeben zu müssen, als
ich der Wirklichkeit zum ersten Male an‐
sichtig geworden war.
87 Briefe an Einen und Viele
.Fehlgehen aber würden Sie, wenn Sie
aus meinen Worten eine allgemeine Ge‐
ringschätzung aller Dinge zwischen Geburt
und Grab herauslesen wollten. Mir sind
diese Dinge schon darum bedeutsam, weil
sie ja über ihre Zeit hinaus weiterwirkende
— wenn auch nicht gerade „ewige” —
Folgen auszulösen vermögen. Aber auch
in dem ihnen zubemessenen Bereich selbst
ist es von größter Bedeutsamkeit, wie wir
ihnen gegenüberstehen, sie zu nehmen
wissen, und ihnen schließlich gerecht wer‐
den.
.Ebenso würden Sie gewaltig irren, wenn
Sie aus meinen Worten die Lehre heraus‐
lesen wollten, daß es überhaupt keine
göttlich-geistige Einwirkung auf die Dinge,
die von unserer Lebensdauer irdisch um‐
schlossen werden, gäbe. Wohl sind solche
Einwirkungen nicht nur „möglich”, son‐
dern geradezu alltäglich und überaus häu‐
fig. Sie sind jedoch nur das Zeugnis des rein
gesetzmäßigen Reagierens ewiger, vom
Geiste ausgestrahlter Mächte und Kräfte,
deren Einflüsse der Erdenmensch ohne jede
Beihilfe auslöst, — nur durch sein, den gei
stigen Gesetzen entsprechendes Verhalten.
Eine große Anzahl religiöser Vorschriften,
— ja selbst manche Gebote des Aberglau‐
bens, — gehen auf das erfahrungsmäßige
Beobachten des rechten oder falschen Ver‐
haltens gegenüber solcher geistigen Gesetz‐
mäßigkeit zurück, die auch in manchen reli‐
giösen Lehren der Vorzeit, — auch sehr
deutlich in den „Psalmen Davids”, — per
sonifiziert und dramatisiert, an Beispielen
zur Darstellung gelangen. Der, dem der
Gott solcher Darstellungen alle Huld ge‐
währt, ist stets einer, der den ewigen Ge‐
setzen entsprechend handelt und dadurch
manches Gute und Erfreuliche in seinem
Erdenleben sich auswirken sieht. Der aber,
der als den Gott verachtend: als „Lästerer”
und „Tor” dargestellt wird, ist einer, der
blind, seiner eigenen Unkenntnis wichti‐
ger, durch Erfahrung eruierbarer geistiger
Gesetze zum Opfer fällt.
89 Briefe an Einen und Viele
da ja jeder Leuchtende,
trotz ausgeprägter Männlichkeit seines ir‐
dischen, ihm nur für die kurze Lebens‐
epoche auf dieser Erde dienenden, verwes‐
lichen Körpers, im Geistigen doch auch
dem „Ewig Weiblichen” unlösbar vereint
ist, und daher seine Gestalt sowohl dem
geistig Männlichen, wie dem geistig Weib‐
lichen Ausdruck geben könnte.
110 Briefe an Einen und Viele
Da aber alles Leben aus dem ewigen, sub‐
stantiellen Geiste hervorgeht und das erden‐
menschliche Gehirnbewußtsein, bei aller
darüber verhängten Dunkelheit der Tier‐
natur, dennoch Einflüsse aus dem ewigen
substantiellen Geiste fortwährend emp
fängt, ob es sie nun auffassen mag oder zu
dumpf ist dazu, so kann schon das bloße
Aufzeigen der Struktur ewigen Geistes‐
lebens zu einem ersten Erwachen führen,
wonach man die Welt freilich etwas anders
betrachten wird als früher.
.Ob einer damit schon alles hat, was er
sich vordem für seine Seele wünschte, oder
ob er sich nun erst recht veranlaßt sieht, in
die ihm von mir gezeigten weiteren Grade
des Erwachtseins vorzudringen, das wird
zwar von ihm allein abhängen — aber
nicht überall von ihm abhängig sind die
irdischen Voraussetzungen zu solcher Ent‐
scheidung.
.Es mag bei manchen viel guter Wille vor‐
handen sein, seelisch wacher und wacher zu
werden, aber nicht die Kraft, alle irdischen
Hindernisse, die ein helleres Erwachen un‐
möglich machen, aus dem Wege zu räumen.
Bei anderen mag diese Kraft schon da sein,
aber zugleich auch die Einsicht, daß an die
Beseitigung vorhandener Hindernisse nicht
gedacht werden darf, weil übernommene
Pflicht dadurch verletzt werden würde. Da
es aber nicht die Aufgabe des Menschen auf
der Erde ist, alles was er hier zu guter Er‐
füllung und zu einer wenigstens relativen
Vollendung zu bringen vermöchte, stehen
und liegen zu lassen um nur seiner Erkennt‐
nis zu leben, — ja, da er, wenn er so han‐
deln wollte, sich ganz sicher um die Frucht
seines Mühens bringen würde, so fördert
sich der Suchende nur durch sein Genü
gen an dem, was ihm seine irdischen Um‐
stände gewähren. Alles Weiterverlangen,
über das hinaus, was die äußeren Um‐
stände zulassen, ist hingegen ein Daneben
langen und kann selbst das in äußerste
Gefahr bringen, was ganz gewiß erreichbar
wäre, und Zuwachs geistigen Besitzes wer‐
den könnte.
.Es ist nicht viel anders, als mit den all‐
täglichen irdischen Dingen: — Wer zuviel
verlangt, kommt zu nichts! Man soll nicht
zu algebraischen Aufgaben und zum Inte‐
gralrechnen aufsteigen wollen, wenn einem
das Einmaleins noch nicht gehört.
.Aber die Suchenden machen sich auch
viel zu phantastische Vorstellungen von
dem, was sie sich im Geistigen erreichbar
glauben, und keine Belehrung vermag sie
davon abzuhalten, statt dem Erleben gei
stigen Lebens, die wunderlichsten Sensa‐
tionen und Ausweitungen im erdenkörper
lich bedingten, mit all seinem Inhalt der‐
einst sein sicheres Ende findenden Erleben
zu suchen. Ein exaltiertes Übersteigern an
sich wertvoller, den Gehalt der Seele ge‐
wichtig bereichernder und auch im körper‐
lichen Sinne urgesunder Empfindungen zu
bedenklichster Nervenerregung, bedeutet
den meisten schon „geistiges Erlebnis”.
Vielen gilt es noch immer als notwendiges
und darum höchst erstrebenswürdiges Ziel,
den Körper immer mehr zu „vergeistigen”,
was sie natürlich von einer Selbsttäuschung
zur anderen führen muß. Zur geistgesetz‐
lich geforderten Verkörperung des Geistes
gelangen die Allerwenigsten: — jene allein,
die nur das Wirkliche wollen, aber keine
Sensationen.
Es kann der Wissensmensch
Im Irdischen nicht leicht begreifen:
Daß alles ewige Erleben
Selbst sich Inhalt ist, —
Daß der Erlebende im Ewigen
Kein „Anderes” erlebt,
Das ihm — dem irdischen Erleben gleich —
Durch sein Erlebnis nahe käme.
Im Ewigen
Bleibt irdische Erlebensweise
Schein und Schaum...
Erst ein sich selbst erschließendes Erleben
Öffnet ewigkeitsgezeugten „Raum”!
122 Briefe an Einen und Viele
Alles ist in Gott, und Gott ist in Allem!
Primär in seinen ihm eigenen Wurzelbe‐
zirken: „Ursein”, „Urlicht” und „Urwort”,
wie in seiner Selbstgestaltung, dem „Va‐
ter” — sekundär in allem unsichtbaren,
wie in allem sichtbaren Leben.
.Das darf aber nicht etwa so verstanden
werden, als predigte ich da eine Art „Pan‐
theismus”, und ebensowenig ist es mein
Wille, das was Gott ist, als „Person” er‐
scheinen zu lassen. Auch „Ursein”, „Ur‐
licht” und „Urwort” sind wahrhaftig nicht
„Personen”, wie etwa im christlichen Tri‐
nitätsdogma: Vater, Sohn und Geist! Und
was den Leuchtenden des Urlichtes „der
Vater” ist, darf hinwiederum nicht im
Sinne dieses Dogmas aufgefaßt werden.
.Wir kennen und lehren die Wirklichkeit,
nicht irgendeine Glaubenslehre!
.Im Wirklichen aber: — in der Struktur
des geistigen Lebens, besteht ein Mono‐
theismus, der auch polytheistische Ausle‐
gungen verträgt, ohne dadurch zu sich selbst
in ein Mißverhältnis gebracht werden zu
können.
.Der Gott der Wirklichkeit ist nicht, wie
gesagt wird: „das höchste Wesen”! — Das
ist vielmehr — der Vater, der sich selbst
in die Formen der zwölf Väter ausstrahlt,
die seine Wirkungsaspekte sind. Gott aber
ist nicht „Wesen”, sondern: — hier in be‐
sonderem, einmaligen Sinne gemeint, —
die Wesenheit in allem, was wesenhaft
wirklich ist. So im „Ursein”, „Urlicht”
und „Urwort”! So im „Vater” in allen
seinen Aspekten!
.Der Vater aber ist — „Mensch” im Ur‐
sein, im Urlicht, im Urwort: — der sich
selber ewig zeugende Ur-Geistesmensch
und das Maß aller Dinge die aus ihm Ge‐
staltung erlangen, daher auch des Ewigen
im Erdenmenschen! —
.Gott ist ebenso absoluterweise Gott in
den „Vätern”: — der Offenbarungsform
des Vaters, — wie im Ursein, Urlicht und
Urwort. Für sich selber aber ist das, was
Gott ist, auch nur in sich selber „Gott”: —
die Wesenheit an sich selbst, — aber von
allem anderen in ihm Seienden im ewigen,
substantiellen geistigen Leben aus „ge‐
sehen”, ist Gott Wesenheit allen Wesens!
— Und „Wesen” ist Wirklichkeit aus „We‐
senheit”!
.Ich stelle aber hier kein „Nebeneinan‐
der” oder „Übereinander”, sondern das
„Ineinander” der Struktur ewigen, geistig‐
substantiellen Lebens dar, soweit ich es
durch Worte irdischer Sprache vermag.
.Man sage nicht, daß die Darbildung des
ewigen Wirklichen für den Menschen auf die‐
ser Erde praktisch zwecklos sei, da dieser
hier für ganz andere und ihn leiblich näher
angehende Fragen nach Lösung zu suchen
habe! Kein Mensch auf Erden kann vielmehr
die von jedem bewußt oder unbewußt er‐
sehnte innere Ruhe und Erlösung seiner
Seele finden, solange sein Vorstellungs‐
haushalt noch nicht gänzlich konform mit
der Struktur ewigen geistigen Lebens ge‐
ordnet ist.
144 Briefe an Einen und Viele
daß man den Be‐
griff „Wesenheit” für das Wesen-Gebende
gelten läßt. Das höchsteWesen” aber ist
dadurch „Wesen”, daß es in derWesen
heitist wie sie in ihm, und wenn ich
darstellen will, was ich darzustellen habe,
müssen mir beide Worte als Bestimmungen
zur Verfügung stehen. Nicht anders, als
wenn ich einem Menschen, der nach hun‐
dert Jahren wieder irdisch auferstanden
wäre, nun klarmachen sollte, daß ein Elek‐
tromotor sich nur dann bewegt, wenn er
unter Elektrizität steht. Auch da müßten
mir die Worte für Bewegtes und für das
Bewegende, zu Gebote stehen. Dieser Ver‐
gleich hinkt jedoch beträchtlich, denn mir
ist „Wesenheit” nicht bloß das Bewegende
des Wesens, sondern vielmehr in erster
Hinsicht des Wesens Allerinnerstes, — ver‐
gleichend gesagt: sein lebendiger „Kern”!
147 Briefe an Einen und Viele
„Ge‐
burt” Ihres „lebendigen Gottes” in Ihrer
ewigen Menschenseele sage, denn eben hier
handelt es sich um nichts anderes, als um
die von mir gemeinte „Wesenheit”, die
auch dem individuellen Erdenmenschen in
der, seiner Individualität auf das genaueste
entsprechenden Form bewußt werden kann
und durch die allein er wesenhaft zu wer‐
den vermag in Ewigkeit wie Zeit. —
.Der „Vater” ist nur den Leuchtenden
des Urlichtes, die seine eigene Zeugung
durch seine Offenbarungsform: — die
zwölf „Väter” — darstellen, bewußtseins
zugänglich, und zwar jedem einzelnen
Leuchtenden in der Form dessen unter
den zwölf mit dem Vater alle identischen
Vätern, der diesen individuellen Leuchten‐
den individuell im Urwort „zeugte”. Der
lebendige Gott” aber, von dem ich als
von der einzigen, allen Erdenmenschen
praktisch erreichbaren Selbstoffenbarung
Gottes spreche, kann jedem Menschen auf
Erden, — soweit dieser selbst sich dazu
vorzubereiten weiß, — seelisch erlebbar
werden, was ich mit einer „Geburt” Gottes
in der Seele vergleiche.
150 Briefe an Einen und Viele
Wenn Sie den „Vater”, — der Ihnen ja
nicht bewußtseins-zugänglich ist, obwohl
auch Sie aus ihm leben, — als „sich in zwölf
Selbstreflexionen erlebende Einheit” auf‐
fassen wollen, so entfernen Sie sich durch‐
aus nicht von der Wirklichkeit. Nur müssen
Sie dann die alle zwölf „Selbstreflexionen”
umfassende zwölfeigene Einheit als ein
Dreizehntes hinzufügen, wie es wohlweis‐
licher Gebrauch „Wissender” der Vorzeit
war. Es ist mit Sicherheit zu sagen, daß
die in den Evangelien berichtete Zwölfzahl
der Jünger, mit Jesus als dem sie alle gei‐
stig umfassenden Dreizehnten, hierher‐
gehört
159 Briefe an Einen und Viele
Man hätte nur auch we
niger oder ebenso mehr der Schüler Jesu
in so besonders betonter Weise nennen
können, wenn hier nicht eine Parallele zu
dem Vater-Mysterium hätte sichtbar wer‐
den sollen, das ja zu Jesu Zeit nicht nur
einzelnen „Wissenden”, sondern ganzen
Mysterienvereinen bekannt war, aus denen
später viele Anhänger der Lehre Jesu
kamen.
161 Briefe an Einen und Viele
So viel Blick‐
punkte, so viel Auffassungen sind möglich,
und alle können richtig sein, wenn sie nur
alle das klare, unverzeichnete Bild dessen
ergeben, was aufgefaßt werden soll!
163 Briefe an Einen und Viele
.Überlegen Sie, daß in jedem Erden‐
menschen, bei aller Tiergleichheit in bezug
auf den Leib und die wieder auflösbare
„Tierseele”, die Funktionsergebnis dieses
Leibes ist, auch ein Ewiges sich darlebt,
mag es auch bei vielen zeitlebens latent
bleiben. Dieser ewige „Geistesfunke”, dem
die aus ewigen Seelenkräften sich gestal‐
tende und daher ewige Seele Darstellungs‐
bereich ist, erfüllt innerhalb der Struktur
ewigen geistigen Lebens ebenso seine ihm
allein vorbehaltene Stätte, wie der ewige
Leuchtende des Urlichtes die seine ein‐
nimmt. Dem Leuchtenden, der erdenkör
perlich wirkt, ist ein solcher Geistesfunke
seit unermeßlicher Zeit geistig vereinigt,
und mit ihm dessen ewige Seelenkräfte,
so daß zuletzt auch Tierseele und Leib die
Influenzwirkungen des ewigen Leuchten‐
den erfahren, dessen zeitliche Werkzeuge
sie sind, solange sie auf Erden im Physi‐
schen lebensbeständig bleiben können.
Während aber dem Leuchtenden des Ur‐
lichtes alle Erlebensmöglichkeit, die das
Leben des ewigen Geistes umschließt, bis
ins Innerste dieses Lebens gegeben sind,
da er ja von ihm aus bewußt ist, kann er
doch nur dem ewigen Einzelmenschen‐
geiste, dem er sich im Ewigen vereinigte,
um durch ihn einst dann auf Erden die
Möglichkeit zu geistiger Hilfeleistung zu
haben, Anteil an seiner, alles geistige Le‐
ben in sich durchdringenden Erlebensweise
geben, indem er ihn, Jahrtausende vor der
ihn später tragenden „Tierwerdung” auf
Erden, in sich realiter „hineinnimmt” und
so ihn an allem teilnehmen läßt, was in
ihm selber Leben ist. Dieses „Hineinneh‐
men” ist geistesgesetzliche Folge der un‐
darstellbare Zeit vordem dargebotenen frei‐
willigen Verpflichtung, die der von nun an
geheimnisvollste Vorbereitung Genießende
eingegangen war. Allen anderen im Irdi‐
schen inkarnierten ewigen Geistesfunken
vermögen jedoch die Leuchtenden des Ur‐
lichtes nur dazu zu verhelfen, ihrer ewigen
Seelenkräfte habhaft und Herr zu werden,
um im Bewußtsein der Seele sich selbst
zu finden und die ihnen gemäße Form der
Seele sich bilden und vereinigen zu können.
Da nun zwischen den ewigen Seelenkräften
und dem gehirnbedingten Erkennen, Emp‐
finden und Erlebenkönnen stete Influenz‐
wirkungen bestehen, so kann dieses see‐
lische Erwachen in entscheidender Weise
von den Vorstellungsbereichen des Erden‐
menschen her gefördert werden, wie an‐
dererseits auch die Einflüsse aus dem ewigen
Geiste über die Individualgestaltung des
Geistes, die in dem ewigen Geistesfunken
des Menschen gegeben ist, allmählich den
ganzen tiernahen Leib derart zu durch‐
dringen vermögen, daß er zur Verkörpe‐
rung des Geistes auf Erden zu werden ver‐
mag.
.Dem Geistigen eines jeden Erdenmen‐
schen entsprechen nun aber ganz be‐
stimmte, nur ihm allein zugängliche gei‐
stige Erlebensformen und die hier mög‐
lichen Kombinationen sind der Zahl nach
unendlich, so daß es ganz unmöglich wäre,
sie alle jemals darzustellen, ja nur gruppen‐
weise zu charakterisieren. Da nun aber der
Erziehung des Vorstellungslebens so uner‐
meßliche Bedeutung zufällt, und der vom
Irdischen her nach dem Geistigen Suchende
möglichst von dem schon irdisch erfahren
haben sollte, was ihm geistiges Erleben
werden kann, so ist es besser, er weiß von
allem, was an diesen Dingen Menschen er‐
fahrbar zu werden vermag, als wenn ich
nur das Allgemeinste erörtern, alles Be‐
sondere aber verschweigen wollte. Ich sagte
Ihnen schon einmal, daß jeder, sich selbst
gegenüber ehrliche Suchende alsbald wissen
wird, was ihm in meinen Lehrtexten im
Besonderen gilt, wobei es ihm nur zu grö‐
ßerer und tieferer Einsicht in die Natur
alles Geistigen dienen kann, wenn er auch
von anderen Möglichkeiten erfährt, denen
gegenüber er spontan fühlt, daß sie der
Art nach nicht für ihn in Frage kommen,
auch wenn Andere so zum gleichen Ziele
gelangen.
.Es sind dunkle triebdumpfe Atavismen
die durch unsere tierleibliche Herkunft
aus der Substanz des Planeten nur zu sehr
erklärlich werden, wenn immer wieder der
widergeistige Gedanke in den Köpfen auf‐
lebt, alle Menschen seien „gleich” vor
Gott. Tröstlich bleibt dabei nur, daß dieser
„Gott” der Langweile das Erzeugnis gleich
wertiger Ursache ist. — Die Wirklichkeit
aber kennt in den Beziehungen zu Gott
innerhalb der Struktur des Lebens im ewi‐
gen Geiste nur unendlichfältige Verschie
denheit. Eine Gleichheit vor Gott darf le‐
diglich insofern zu Recht behauptet wer‐
den, als sie sich auf die allen Erdenmen‐
schen gemeinsame leibliche Tiernatur be‐
zieht, die von dem Planeten genommen
ist und ihm wieder anheimfällt. Soweit aber
das Doppelwesen, das sich auf Erden be‐
scheidenerweise für den Inbegriff des „Men‐
schen” hält, geistiger Natur zugehört, sind
seine einzelnen Geistesfunken verschie
dener voneinander als alles Verschiedene,
was es auf Erden an irdischen Formen zu
unterscheiden gibt! Und zwar nicht nur
im Nebeneinander gesehen, sondern eben‐
so in bezug auf die hierarchisch unfaßbar
scharf bestimmte Stufe der Eigenkapazität
innerhalb des geistigen Lebens!
.Hier läßt sich nichts abhandeln durch
philosophische Begriffsbildungen, die in
der Sphäre der Wirklichkeit so wenig Hei‐
matrecht haben, daß man sie nicht einmal
als Schatten und Schemengebilde wahr‐
nimmt.
.Hier läßt sich aber auch nichts erkaufen,
denn alles was der Andere hat, ist in glei
cher Weise wie das Eigene, in der Struktur
des geistigen Lebens gründender, ewig un‐
veräußerlicher Besitz.
.Sie sehen, daß sogar sehr scharfe Gren‐
zen zwischen den Erlebensmöglichkeiten
der einzelnen geistigen Individualitäten
bestehen, aber Sie werden auch bereits
entdeckt haben, daß die Oberfläche der
Erde nicht ausreichen dürfte, diese Gren‐
zen alle aufzuzeichnen, und daß die von
Ihnen vermißte „schärfere Scheidung”
dessen, was nur dem Leuchtenden des Ur‐
lichtes zu erleben möglich ist, und dessen,
was jeder Menschengeist nach dem Er‐
wachen seiner Seele aufzunehmen vermag,
schon dadurch ganz unmöglich würde, daß
es sich in dem einen Falle um eine, Un
endliches in sich fassende, im anderen um
die denkbar differenteste Erlebensfähig‐
keit des Selbstbegrenzten handelt! —
182 Briefe an Einen und Viele
daß der Mensch unmöglich „zwei Herren
dienen”, — also im äußeren irdischen Leben
sich anders verhalten könne, als ihm seine
seelische Einsicht vorschreibe, wenn er
nicht zum Verräter an sich selbst werden
wolle. Das hieß freilich nur, daß irdisches
Verhalten ewigem Gesetz entsprechen
müsse, und daß der Mensch nicht etwa nach
einem System sein irdisches Leben führen
könne und dabei nach einem anderen in
sein ewiges Heil zu kommen vermöge.
185 Briefe an Einen und Viele
Aber man wird auch nicht be‐
zweifeln dürfen, daß die nur gelegentliche
Befolgung geistiges Leben betreffender An‐
weisungen — und um solche handelt es sich
wesentlich in Jesu Lehren — nur frivole
Spielerei ist und vor dem ewigen Geiste
gegenstandslos, wenn sie nicht gar Abwehr‐
kräfte im Geistigen auslöst, deren unheim‐
liche Gerechtigkeit jedem, der sie schon
in ihrer Auswirkung an Anderen auf Erden
gewahrte, erschütternde Schauder der Seele
erregen mußte. In gewissem Sinne ist also
doch aus der nach Jesu Zeit formulierten
Drohung die harte Wahrheit herauslesbar,
daß alle Beschäftigung mit geistgegebenen
Anweisungen nicht zum erstrebten Ziele
führt, wenn nicht der, diese Anweisungen
Kennende, die aus ihnen hervorgehenden
Konsequenzen zieht, aller Außenwelt
gegenüber.
187 Briefe an Einen und Viele
daß alles allmählich aus
diesem Leben schwinden muß, was sich
mit einem Befolgen der Ratschläge und
Lehren in meinen Büchern nicht einwand‐
frei vereinigen läßt. Ebenso ist doch auch
leicht zu verstehen, daß es mit dem bloßen
Vermeiden des Unvereinbaren nicht ge‐
tan ist, sondern daß Sie nun auch die mo‐
ralische Pflicht haben, Ihr Leben mehr und
mehr durch bewußtes und gewolltes Ge‐
stalten des meinen Räten entsprechenden
Positiven, in Ihrem ganzen Tun, Reden
und Verhalten, zu bereichern! Mit dem
„Reden” meine ich aber beileibe nicht
etwa ein stetes Im-Munde-Tragen meiner
Worte! — Ihr Reden soll sich vielmehr in
Ihnen selbst — vor meinen Worten stets
verantwortbar erweisen! —
.Andererseits steht es Ihnen jederzeit frei,
sich, wo Sie es für angebracht halten, auch
namentlich zu mir zu bekennen, — nur
sollte das, wo es geschieht, in einer Art
geschehen, die einigermaßen der Würde
solchen Bekennens entspricht, — also etwa
auf ähnliche Weise, wie sich wissenschaftlich
tätige Menschen mit Selbstverständlichkeit
zu den Begründern ihrer „Schulen”, —
ihrer auf Grund gewisser Erkenntnisse ge‐
einigt strebenden Gruppe, bekennen.
191 Briefe an Einen und Viele
die
gerade diese Steine nur mit Widerwillen
ansehen können, was der beste Beweis da‐
für ist, daß die „verordneten” Kristalli‐
sationserscheinungen zu der betreffenden
menschlichen Natur und ihrem Lebens‐
rhythmus keinerlei, oder gar entgegen
wirkende Strahlungsbeziehungen haben.
Mir sind viele Fälle solcher Art bekannt
geworden. Ich habe immer geraten, sich
nur durch das eigene Gefühl leiten zu
lassen, das gerade Edelsteinen gegenüber
weit sicherer anspricht und entscheidet, als
das beste Horoskop
203 Briefe an Einen und Viele
.Es handelt sich um wesentlich Anderes,
als um das wirkende Agens in Amuletten
und Talismanen, vorausgesetzt, daß diese
nicht auch zugleich Steine sind, wobei dann
eine kombinierte Wirkung vorhanden sein
kann. Wo aber die Steinstrahlung ausschei
det, dort wirkt in einem Amulett oder
einem Talisman lediglich die Willens
ladung, mit der das Stück durchtränkt ist
205 Briefe an Einen und Viele
Seelisches Leid kann aber auch Menschen
zustoßen, die praktisch vor allen Plagen
die den Körper zu peinigen vermögen, frei
sind, und das quälendste seelische Leid ist
Leid um Andere. —
.Mag man aber mehr an seelisches, oder
mehr an körperliches Leid denken bei
meinen Worten, so bleibt doch die Forde‐
rung der „Entwertung” die gleiche. Diese
„Entwertung” besteht in erster Linie da‐
rin, daß man dem Leide das große Pathos
entzieht, das ihm durch viele Jahrhunderte
hindurch immer erneut zugestanden wur‐
de, so daß geradezu Ehrfurcht vor dem Leid,
an Stelle der Leid-Verachtung, und Leid‐
Bekämpfung trat. Es ist unumgänglich gei‐
stig notwendig, daß man die ebenso törich‐
ten wie: satanisch-frivolen Vorstellungen
in sich und anderen tilge, die das Leid als
ein von Gott verordnetes Erziehungs- oder
Strafmittel angesehen wissen wollen und
dabei nicht einmal soviel Raum zu höherer
Einsicht lassen, daß der Mensch gewahr
werden könnte, welche furchtbare Gottes‐
auffassung sie verraten. Es ist für den Gott‐
bewußten kaum zu ertragendes Leid um
Andere, sehen zu müssen, was man da
einem geglaubten „Gotte” an Scheußlich‐
keit zuzutrauen wagt, und was gar noch
armen gequälten Menschen dabei als
„Trost” herhalten muß! Und noch schau‐
derhafter ist die so vielfach vor Augen lie‐
gende Tatsache, daß von den Leidenden
solcher Trostgrund angenommen wird,
denn hier zeigt sich erst der unglaubliche
Grad der Widerstand