DIE EHE
Verlagslogo
KOBERSCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG AG
BERN
Bô Yin Râ ist der geistliche Name von
Joseph Anton Schneiderfranken
6.Auflage
Erste Auflage: Richard Hummel Verlag Leipzig 1925
Ungekürzte wohlfeile Auflage daselbst 1929
© 1950, 1978, 1986 und 1988
Kobersche Verlagsbuchhandlung AG
3001 Bern
INHALT Seite
Erstes Kapitel
Von der Ehe hehrer Heiligkeit 4
Zweites Kapitel
Von der Liebe 29
Drittes Kapitel
Von der Gemeinsamkeit 59
Viertes Kapitel
Von Leid und Freude 85
Fünftes Kapitel
Von Versuchung und Gefahr 107
Sechtes Kapitel
Vom Zwang des Alltags 137
Siebentes Kapitel
Vom Willen zur Einigkeit 167
Achtes Kapitel
Von der Vererbung des Glücks 199
Neuntes Kapitel
Von ewiger Verbundenheit 219
Originalscan
ALLEN,
DIE DAS GLÜCK DER EHE
SUCHEN!
ERSTES KAPITEL
VON
DER EHE HEHRER HEILIGKEIT
HEILIG, dreimal heilig, die Ver‐ OO
einigung von Weib und Mann​ OO
zu engverschmolzener Gemein‐ OO
samkeit des Erdenlebens! ‒
Heilig der Geschlechter Inbrunst, sich OO
zu einen! ‒
Heilig das Mysterium des Zeugens​ OO
und Gebärens! ‒
Heilig das unsichtbare Band, das OO
längst Gewordenes vereint, auf OO
daß es neuem Werden eine Stätte OO
schaffe! ‒ ‒ ‒
Glückselig Mann und Weib, die solches OO
fassen, und sich in liebender Vereinung OO
zu erkennen wissen, so wie der Ur‐ OO
sprung alles Seins als „Mann” und​ OO
„Weib” sich selbst erkennt, in ewig‐ OO
licher Liebeseinung! ‒ ‒ ‒
5 Die Ehe
Glückselig ist das Haus, das Gottes​ OO
hehrster Tempel hier auf Erden wird, OO
da eine wahre Ehe sich in ihm vollzieht, OO
geschlossen vor dem Angesicht der​ OO
Ewigkeit, von Menschen, die um​ OO
ihres Menschtums hohe Würde wis‐ OO
sen! ‒ ‒ ‒
Was hier Erfüllung findet, ist geheim‐ OO
nisreiches Wunder, Wenigen auf die‐ OO
ser Welt nur kund, und denen selbst OO
verborgen, die es wirken! ‒ ‒ ‒
Wie so unsagbar töricht klingt es OO
meinen Ohren, ‒ wie aller Weisheit OO
wüstenweit entfernt, ‒ so man mir OO
von „Vollendung” reden möchte, dort, OO
wo sich Mann und Weib auf ihren Le‐ OO
benswegen meiden, um der vermeint‐ OO
lich höheren Entfaltung ihrer Seelen OO
willen! ‒ ‒
6 Die Ehe
Teilgestaltung wähnt Vollendung​ OO
sich zu schaffen, ‒ jeder Ahnung bar, OO
daß sie ihr nur erreichbar wäre in Ver‐ OO
schmelzung mit dem anderen, einst im OO
Geiste ihr vereinten, nur hier im Er‐ OO
dendasein körperlich von ihr getrenn‐ OO
ten Teil! ‒ ‒
Beklagenswert vielmehr der Mann, OO
beklagenswert das Weib auf dieser Erde, OO
wenn es dem einen Teile hier in seinem OO
Dasein nicht gelingt, den ihm gemäßen OO
anderen Teil zu finden, mit dem ver‐ OO
eint er erst ein Ganzes bilden würde, OO
er-gänzt in dem, was seines Einzel‐ OO
poles Eigenschwingung ihm nicht ge‐ OO
ben kann! ‒ ‒
Beklagenswert, wie manches Andere​ OO
in dieser Erdenwelt, das gleicherweise OO
sich behindert findet, die Entfaltung​ OO
wirklich zu erreichen, zu der latent​ OO
7 Die Ehe
die Möglichkeit sehr wohl gegeben​ OO
wäre...
Oft bietet Sehenden in solchen Fällen OO
sich der Anschein dar, als wolle selbst OO
Natur sich dieser armen, auf ihr uner‐ OO
löstes, halbes Menschtum nur Ver‐ OO
wiesenen erbarmen, indem sie ihre OO
schöpferische Phantasie erregt, sich OO
irgend ein Idol des anderen Geschlechts OO
im Außerweltlichen zu schaffen, das den OO
auf Erden hier vermißten Ausgleich​ OO
durch den körperlichen Gegenpol, auf OO
kümmerliche Weise dann ersetzt. ‒ ‒ OO
Wer die Geschichte der Ekstase und der OO
Mystik kennt, wird unschwer Beispiel​ OO
hier auf Beispiel häufen können...
Gewiß wird dann das so Erlebte umge‐ OO
deutet und als sublimste geistige Er‐ OO
fahrung aufgewertet, allein, was solcher‐ OO
art erfahren werden kann, ist immer​ OO
8 Die Ehe
nur aus körperlicher Regung und Er‐ OO
regung zu erklären! ‒ ‒ ‒
Kein Mensch der Erde ‒ mag er Mann​ OO
sein oder Weib ‒ der körperlich zur OO
Ehe tauglich, und nicht durch unerbitt‐ OO
lich hartes Schicksal oder unbehebbar​ OO
schweren Grund von ihr sich ausge‐ OO
schlossen sieht, wird hier auf Erden OO
schon sein Geistiges in letzter Klar‐ OO
heit zu erleben fähig, solange er aus​ OO
freien Stücken den realen, hier natur‐ OO
gegebenen Ausgleich der Geschlech‐ OO
ter flieht! ‒ ‒ ‒
Hier ist nichts „abzuhandeln”, nichts​ OO
zu drehen und zu deuteln!!
Keiner derer, die sich selbst auf Erden OO
zu „vollenden” wähnen, und die Ehe​ OO
als Behinderung im Vorwärtsschreiten, OO
9 Die Ehe
oder gar als etwas zu Vermeidendes​ OO
betrachten, kann sein Ziel erreichen, ‒ OO
sei es, daß nur verkappte Eigensucht​ OO
ihn zu verblenden weiß, ‒ sei es, daß OO
„religiöser” Wahn ihn zu dem irren OO
Glauben führt, ‒ hier, wo die Gottheit​ OO
sich zutiefst zu ihm herabneigt, OO
müsse er sich vor des „Teufels” Schlin‐ OO
gen hüten, um einer „Heiligkeit” teil‐ OO
haft zu werden, die nur als tolle Aus‐ OO
geburt phantastischer Asketenhirne​ OO
Scheindasein genießt, und leider hier in OO
dieser Scheinwelt wahrlich unheil‐ OO
bringende Verehrung fand, ja stets OO
noch findet! ‒
Dem Wüstling wird das heiligste​ OO
Mysterium des Menschen nur zum An‐ OO
laß, Nervenreiz zu schaffen, und in Be‐ OO
friedigung des Reizes: Lust zu suchen. OO
10 Die Ehe
Er ist ein Verirrter, der die Würde​ OO
seines Menschtums nicht erfühlt, und OO
Heiligstes mit Schmutz besudelt! ‒ OO
Verirrte aber sind nicht minder alle​ OO
jene, die auf dem Wege zur Vollkom‐ OO
menheit vorangelangen wollen, ohne OO
zu erkennen, daß sie des Gegenpols​ OO
bedürfen, sollen sie ein Ganzes wer‐ OO
den! ‒ ‒ ‒
Verirrte sind die töricht Überhebli‐ OO
chen, die gar in ihrer Ehelosigkeit Ge‐ OO
währ zu haben glauben, daß sie auf dem OO
rechten Wege seien, und die sich hoch​ OO
erhaben wähnen, weil sie, ‒ vermeint‐ OO
lich um des „Himmelreiches” willen, ‒ OO
auf der Ehe Einung mit dem ande‐ OO
ren Geschlecht verzichten! ‒ ‒ ‒ OO
Wohl kann zwar auch der Ehelose​ OO
seinen Weg zur Vollendung wahrlich OO
11 Die Ehe
allein durchmessen und sein höchstes OO
Ziel auf seine Art dereinst erreichen, OO
auch wenn ihm während seiner Er‐ OO
dentage niemals die Erfüllung werden OO
kann, die nur die Ehe ihm erreichbar​ OO
machen würde. ‒ ‒
Stets kann er nur als Teil sich Teilvoll‐ OO
endung zu erringen suchen, und wird im OO
Erdenleben nie zu jener Klarheit kom‐ OO
men, die nur erreicht wird, wo der Mensch OO
die neue Einheit eines Ganzen, ‒ OO
aus Männlichem und Weiblichem ver‐ OO
eint, ‒ in einer wahren Ehe schuf. ‒ ‒ OO
Doch wird der Ehelose dann nur sich auf OO
seine Weise Teilvollendung schaffen OO
können, wenn wirklich Gründe, die nicht OO
Menschenwahnwitz erst ergrub, vor​ OO
Gott die Ehelosigkeit als nicht ge‐ OO
wollt bezeugen! ‒ ‒
12 Die Ehe
Weit seltener jedoch als Wahn es will, OO
sind solche Gründe vor dem Urteil Got‐ OO
tes aufzufinden...
Keiner möge sich auf sie berufen, der OO
nicht in tiefster Einkehr mit sich​ OO
selbst zu Rate ging, und nicht gewiß​ OO
ward, daß er Gottes Stimme, in der OO
Stille ruhevoller Selbstversenkung, hör‐ OO
te! ‒ ‒ ‒
Keiner aber möge andererseits Verei‐ OO
nigung mit einem Gegenpole ande‐ OO
ren Geschlechts nur aus Begier erstre‐ OO
ben, und bevor er in sich selber sich OO
belehrt fand, daß solche Einigung nur​ OO
dann ihm Heil verheißt, wenn er sich OO
willig weiß, allein für sie die ewige​ OO
Verantwortung zu tragen, ‒ ganz​ OO
einerlei, ob auch der andere Eheteil sie OO
für sich selber tragen will, oder von OO
solcher Pflicht nichts ahnen mag! ‒ ‒ OO
13 Die Ehe
Der Irrwahn ist alt, daß: „heiraten​ OO
gut” sei, „nichtheiraten” aber „bes‐ OO
ser”, ‒ und der ‒ vor solcher Torheit OO
nicht geschützt ‒ ihn erstmals aus‐ OO
sprach, hatte wahrlich hohe Einsicht in OO
gar manche geistige Verborgenheiten, so OO
daß hier geistiges Gewicht von unge‐ OO
heuerlicher Schwere seitdem auf den​ OO
Gewissen aller Nachgeborenen​ OO
lastet...
Es ist an der Zeit, daß endlich hier OO
der Wahn des Weisen seine Macht ver‐ OO
liere!
Es ist an der Zeit, daß endlich nun die OO
Ehe, die man als „Sakrament”, zu OO
deutsch ‒ als Mittel, seine Heiligung​ OO
sich zu erwirken, ‒ betrachtet sehen will, OO
obwohl man Ehelosigkeit als unver‐ OO
gleichbar „heiligmäßiger” erklärt, der OO
14 Die Ehe
Schändung enthoben werde, die darin​ OO
ausgesprochen ist, daß man: ‒ das reife OO
Weib, dem höchstes, heiligstes Erfüllen​ OO
seines Weibtums fremd bleibt, höher​ OO
stellt, als jede Frau die ihre Mutter‐ OO
würde zu erlangen wußte, ‒ den ste‐ OO
rilen Selbstling aber, der seine Man‐ OO
neskraft in sich verzehrt und seines OO
Blutes Wert der Erde raubt, im Wahn OO
befangen, über jeden Mann zu stellen​ OO
sucht, der hier auf Erden Vater neuen OO
Lebens wurde! ‒ ‒ ‒
Es ist wahrhaftig an der Zeit, daß sich OO
die Ehe ihres Heiligsten zu wehren​ OO
wisse, wenn man den Zeugungsakt: „Be‐ OO
fleckung” nennt, so daß man sich nicht OO
scheut, der alten „Heiden” Wundermär OO
zu übernehmen, um die Geburt des Gott‐ OO
erhabensten der Menschen, nach alter OO
Mythen Weise, einer „Jungfrau” zu‐ OO
15 Die Ehe
zuschreiben, ‒ nicht ahnend, daß die OO
alten Mythen von der Gottgeburt im​ OO
Menschenherzen tiefverhüllte Kunde OO
geben, ‒ der Geburt des „Gottessohnes” OO
in der Seele, die nur der Gottesgeist​ OO
befruchten kann...
Hoch aller Ehrung würdig ist wahr‐ OO
haftig jene Frau, die Mutter eines OO
Sohnes werden konnte, dessen lichte​ OO
Lehre aller Welt das Heil bereiten wür‐ OO
de, wollte man nach ihr zu handeln sich OO
bequemen, soweit man sie noch wahrhaft OO
kennt! ‒
Allein, nicht minder sollte man den Vater​ OO
eines solchen Sohnes ehren, denn: wer OO
den Sohn hier sieht, der sieht auch den, OO
der ihn erzeugte, da Bluteserbe sich be‐ OO
reits im Dasein finden muß, bevor es OO
Erbe werden kann! ‒ ‒ ‒
16 Die Ehe
Hier ist die Ableugnung der Zeugung​ OO
aus des Vaters Blut nur Ausdruck je‐ OO
ner Mißachtung, die anderenortes auch OO
die Ehelosigkeit für „heiligmäßiger” OO
erklärt, als Ehe! ‒ ‒ ‒
„Ehe” heißt mir freilich nicht: ein OO
dumpfes, triebversklavtes Beieinander‐ OO
leben, um gegenseitig seiner Sinne​ OO
trübe Glut zu löschen! ‒ ‒
„Ehe” heißt mir nicht die Mischung der OO
Geschlechter, die im Kinde nur das Übel​ OO
sieht, das ihre Lust bedroht! ‒ ‒
„Ehe” aber ist auch nicht: die unver‐ OO
antwortliche Zeugung neuen Le‐ OO
bens, dem die Bedingungen zu se‐ OO
gensreicher Selbstentfaltung nicht​ OO
gegeben werden können! ‒ ‒ ‒
17 Die Ehe
Wahrhaftig: es gibt auf dieser Erde OO
keinen Lebenszustand, der mehr Be‐ OO
herrschung seiner selbst, mehr Mit‐ OO
empfinden mit dem Anderen, mehr​ OO
Verantwortungsbewußtsein for‐ OO
dern würde, als die rechte Ehe! ‒ ‒ ‒ OO
Nur, wer hier alle hohe Forderung er‐ OO
füllt, darf hoffen, daß er auch das Glück​ OO
der Ehe finde, das doch so viele suchen, OO
und so wenige erfahren, da es die OO
allermeisten heischend ‒ als ihr „gutes​ OO
Recht” ‒ erlangbar glauben, statt ein‐ OO
zusehen, daß es der Mensch ‒ wie alles​ OO
Glück ‒ sich selber auferbauen, sich OO
selber schaffen muß! ‒ ‒ ‒
In diesem Buche wird nunmehr von dem​ OO
die Rede sein, was wahre Ehe ist, und OO
was sie fordert.
18 Die Ehe
Ich werde zeigen, daß es zwar unbeirr‐ OO
bare Bereitschaft, geschulten Willen​ OO
und erzogene Kraft verlangt, die Ehe, OO
wie sie sein muß, aufzurichten, ‒ daß OO
es jedoch viel leichter ist, die wahr‐ OO
haft gute Ehe und ihr Glück zu schaf‐ OO
fen, als die vielen unglücklichen Ehen OO
glauben machen möchten...
Für alle, die noch vor der Ehe stehen, OO
möge das Folgende zur Vorbereitung​ OO
dienen.
Die längst in einer Ehe leben, ‒ OO
sei sie nun glücklich, oder getrübt, ‒ OO
mögen aus meinen Worten wählen, was OO
ihnen noch nützen kann!
Wer aber vor der furchtbar ernsten Frage OO
keinen Ausweg sieht, ob er die Ehe, die OO
er einst in froher Glückserhoffung schloß, OO
nun lösen soll, da alle Glückes-Mög‐ OO
19 Die Ehe
lichkeit ihr längst erstorben scheint, der OO
frage sich nach der Lektüre dieses Buches, OO
ob er zu solcher Lösung wirklich sich OO
berechtigt weiß, und ob er die Ver‐ OO
antwortung dafür auch vor dem An‐ OO
gesicht der Ewigkeit noch tragen​ OO
will?! ‒ ‒ ‒
Gewiß soll unrettbar Zerrüttetes nicht OO
jedem neuen Glück im Lichte stehen​ OO
bleiben!
Gewiß soll man in einem Lebensbunde, OO
der Enttäuschung an Enttäuschung​ OO
reihte, und nun Tag für Tag nur Gram​ OO
und Unheil schafft, nicht bis zum letz‐ OO
ten Fluch verharren!
Allein: ‒ gar manche Ehe wurde unter OO
Menschen schon gelöst, obwohl sie OO
keineswegs vor Gott die Schäden​ OO
zeigte, die zur Lösung die Berechtigung​ OO
gegeben hätten...
20 Die Ehe
Gar oftmals hätte ernster Neubeginn​ OO
der Ehe, auch zu neuem und nun dau‐ OO
erbaren Glück den Grund gelegt, wären OO
nicht vorschnell alle Brücken zuein‐ OO
ander abgebrochen worden, da man OO
bereits nach neuem Glück an eines an‐ OO
deren Menschen Seite schielte. ‒ ‒ ‒ OO
Wer da hören will, und fühlt, daß​ OO
es ihn angeht, ‒ möge hören!
Der aber der Ehe fernbleiben muß, ‒ OO
sei es nun Schicksal, daß sie ihm ver‐ OO
sagt bleibt, oder werde er durch Pflicht​ OO
gezwungen, ehelos zu bleiben, weil er OO
Verantwortung für eine Ehe niemals OO
tragen könnte, ‒ ‒ der lege dieses​ OO
Buch zur Seite, denn nicht für ihn ist OO
es geschrieben worden! ‒
Ich schreibe hier für Menschen, die durch OO
keinen unabänderlichen und vor Gott​ OO
21 Die Ehe
gegebenen Grund behindert werden, OO
die Vollendung in der Einheit einer​ OO
Ehe zu erstreben. ‒
Nur diesen gilt, was hier zu Worte​ OO
wird!
Wohl sind mir auch die Truggespen‐ OO
ster irren Fühlens sehr bekannt, die OO
an dem Heiligtum der Ehe rütteln wie OO
an altersgrauen Mauern, die man stür‐ OO
zen müsse, wolle man den Weg zur​ OO
Freiheit finden.
Hier aber ist nicht eindringlich ge‐ OO
nug zu warnen, vor verhängnis‐ OO
voller Täuschung!
Aus wilder Herdengemeinschaft, in OO
der sich ‒ kurz und derb gesprochen ‒ OO
jedes Weib noch jedem Mann ergeben​ OO
22 Die Ehe
mußte, der es zu bezwingen fähig war, OO
führte unsagbar weiter Weg den OO
Erdenmenschen endlich zu dem hohen​ OO
Tempel in der Geisteswelt, der einen​ OO
Mann dem einen Weibe eint. ‒ ‒ ‒
Die Tierheit ward dem Geiste unter‐ OO
tan, auch wenn sie sich noch immer sträu‐ OO
ben mag, ihm willig zu gehorchen. ‒ ‒ OO
Und wenn es auch noch heute Millionen​ OO
gibt, die nicht auf solcher Stufe stehen, OO
‒ wenn auch noch ganze Völker in OO
dem Weibe einzig die Gebärerin und OO
das Gefäß der Lust erblicken, oder gar OO
das Arbeitstier, das man erhandelt​ OO
wie das liebe Vieh, so daß die Anzahl​ OO
Frauen, die der Mann „besitzt”, zum OO
Zeugnis seines Reichtums wird, wie OO
seine Herden auf der Weide, ‒ so ward OO
auf höherer Stufe doch auch längst er‐ OO
23 Die Ehe
kannt, daß nur die Ehe, die das eine​ OO
Weib dem einen Mann verbindet, OO
geistig-göttlichem Gesetz ent‐ OO
spricht. ‒ ‒ ‒
Wehe denen, die in unbezähmter​ OO
Gier die eigene Ehe unterwühlen, ‒ OO
nicht fähig, einen Menschen anderen​ OO
Geschlechts zu sehen, ohne seiner zu OO
begehren! ‒ ‒
Man nenne es nicht „Zufall”, sondern OO
fühle einen Willen hier am Werke, wenn OO
die von jeder anderen Geschlechtsver‐ OO
mischung sorglichst reingehaltene​ OO
Ehe, aus dem Geschlechtsverkehr​ OO
her, unerreichbar bleibt für jene fürch‐ OO
terliche Seuche, die aus kurzer Augen‐ OO
blicke unbezähmter Lustgier: Fluch​ OO
und Unheil über Generationen​ OO
bringt! ‒ ‒ ‒
24 Die Ehe
Hier zeigt Natur mit aller Deutlichkeit, OO
was sie, auch schon von sich aus, von OO
dem Erdenmenschen dieser Tage for‐ OO
dert!
Wer es auch sei, und welche Gründe​ OO
ihn bestimmen mögen, ‒: der Mensch, OO
der an der Ehe, die das eine Weib dem OO
einen Mann verbindet, freventlich zu OO
rütteln wagt, indem er solcher Ehe Bin‐ OO
dung und Verpflichtung nicht beachtet, OO
ladet schwerste Schuld auf sich: ver‐ OO
sündigt sich an aller Erdenmensch‐ OO
heit, und schafft kosmische Verwirrung, OO
‒ ‒ ganz abgesehen von der unge‐ OO
heuerlichen Schändung eines Tem‐ OO
pels, der dort, wo eine Ehe sich voll‐ OO
zieht, im reinen, wesenhaften Geiste​ OO
aufgerichtet wurde! ‒ ‒ ‒
Nur hohe Gnade kann den so mit​ OO
Frevelschuld beladenen Verbrecher​ OO
25 Die Ehe
an der Ehe noch entsühnen, und nur: OO
wenn selber er die Sühne sucht! ‒ ‒ OO
Doch, nicht viel kleiner ist auch jene​ OO
Schuld, die jeder auf sich bürdet, der OO
sich vermißt, hier eine Form zu spren‐ OO
gen, die ihm „überlebt” erscheint, da OO
er sie nicht mit wahrem Leben zu er‐ OO
füllen weiß! ‒ ‒
Vergeblich bleibt auf dieser Erde alles OO
Streben, etwa eine neue, bessere Form OO
der Einung der Geschlechter zu gestalten, OO
denn: ‒ was die Menschheit in der​ OO
Ehe eines Mannes mit dem einen​ OO
Weibe zu erringen wußte, gründet​ OO
in der Gottheit innerster Gestal‐ OO
tung! ‒ ‒ ‒
Wer hier zerstören will, was hohe Ein‐ OO
sicht auferbaute, der ist sich nicht der OO
Folge seines Tuns bewußt!
26 Die Ehe
Ein Sanktuarium des Geistes würde OO
so vernichtet, an dem Jahrtausende die OO
Weisesten der Erde bauen sahen! OO
‒ ‒ ‒
Es müßten kommende Jahrtausende OO
vergehen, sollte es dereinst erneut​ OO
errichtet werden, so dies möglich wäre, OO
läge es in seinen Trümmern! ‒ ‒ ‒ OO
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ OO
*
27 Die Ehe
ZWEITES KAPITEL
VON DER LIEBE
SO, wie der Ehe heilighoher Bund, OO
wie ich ihn sehen lehren will, vor OO
allem in der Liebe sich vollendet, und OO
ohne Liebe nicht bestehen kann, ‒ so OO
sei auch hier, vor allem Anderen, nun OO
der Liebe ein Betrachtungswort geweiht. OO
Es wird die Rede sein zuerst von einer OO
Form der Liebe, die zwar im Irdischen​ OO
zur Wirkung kommt, doch tief im OO
Geiste gründet. ‒
Auch im Tiere ist diese Liebe zu finden, OO
wie in allem, was lebt!
Jedoch, das Tier vermag es nicht, die OO
Geistbegründung dieser Art der Liebe​ OO
zu erfühlen, und so bleibt es beschränkt OO
auf Trieb und Brunst, ‒ auf dumpfes OO
Suchen seiner Mutterschaft und Sorge​ OO
für den „Wurf”. ‒
31 Die Ehe
Nur allzuoft ist aber leider auch der OO
Mensch der Erde ganz in gleicher Weise OO
seiner Tierverhaftung Sklave: ohne OO
jede Sehnsucht, sich als Herr und Mei‐ OO
ster seiner Tierheit zu bewähren...
Erbarmen faßt den Sehenden, erblickt OO
er solche Schmach an Wesen seiner​ OO
Art, ‒ sieht er die jämmerliche Selbst‐ OO
erniedrigung, die sich genügen läßt an OO
geiler Lust und viehischem Behagen, OO
wo Macht gegeben ist, die göttlich​ OO
reinsten Freuden zu erleben! ‒ ‒ OO
So mancher aber, der zwar nicht die OO
tiefsten Gründe allen Daseins offen sah, OO
jedoch in sich die Ahnung von der Würde​ OO
seines Menschtums trug, ward seines OO
Ekels nicht mehr Herr, sah er den Men‐ OO
schennamen solcherart entweiht. ‒
32 Die Ehe
Er wähnte nun, daß alle Liebe, die der OO
Tierheit Kräfte auslöst um sich zu er‐ OO
leben, auf gleicher abgrundtiefer​ OO
Stufe stehen müsse, und konnte nicht OO
mehr fassen, daß auch der Tierheit​ OO
Trieb dem Geiste Anlaß eigenen Er‐ OO
lebens werden kann...
Fluchend grollte er dem Schicksal, das OO
ihn zwang, in seinen Adern „Tierisches” OO
zu fühlen, dem er sich niemals ganz ent‐ OO
winden konnte. ‒ ‒
In solcher Wirrnis qualbefangen, über‐ OO
gab er sich alsdann dem Wahn, daß alle OO
Liebe, die sich in ihm irdisch-tierhaft OO
äußern wolle, eine Ausgeburt der Hölle​ OO
sei, und seine Seele zu vernichten​ OO
drohe. ‒
Wo hätte er auch die Belehrung suchen OO
sollen, die seiner Selbstqual Auflösung​ OO
geschaffen hätte durch Erkenntnis?!? OO
33 Die Ehe
Die Einen suchten nur sein Wähnen zu​ OO
bestärken, da sie selbst im gleichen​ OO
Wahn befangen waren, ‒ die Anderen​ OO
‒ ‒ verlachten ihn...
Die aber selbst das Glück des seligsten OO
Gewährens kannten, ‒ das Glück der​ OO
Liebe, die das „Tier” der Gottheit​ OO
eint: die alle „Ächtung” von ihm nimmt, OO
indem sie seine Triebe läutert und zum​ OO
Dienste seelischen Erlebens schult, OO
‒ wußten nur selten über das zu reden, OO
was ihnen heiligste Erfahrung war. OO
‒ ‒ ‒
Wo aber wird Belehrung mehr ent‐ OO
behrt, als auf den Wegen durch der​ OO
Liebe irdische Gefilde, da allenthalben OO
giftgeschwängerte Gewächse in den OO
gleichen gluterfüllten Farben sprießen, OO
34 Die Ehe
wie jene reinsten Blütenkelche, die in OO
ihrer Tiefe Tau des Himmels bergen!? OO
‒ ‒
Man wird nicht lange suchen, will man OO
Menschen finden, die nur ironisch‐ OO
bitter lächeln können, hören sie die OO
Liebe preisen...
Man wird die Ehen leichthin zählen​ OO
können, in denen Mann und Weib in OO
solcher Art die Liebe kennen, wie sie OO
jede Menschenehe kennen sollte! ‒ ‒ OO
Die Einen glauben, wahre Liebe müsse OO
sich allein im Seelischen erschöpfen OO
lassen, und ihre Leiber werden ihnen OO
gegenseitig fast zum Greuel, da sie eben OO
doch noch Anderes heischen...
Die Anderen aber glauben ihre Liebe​ OO
nur in der Befriedigung der Triebe​ OO
zu genießen, bis sie zuletzt in Über‐ OO
35 Die Ehe
sättigung sich voneinander wen‐ OO
den. ‒ ‒
Beides ist freilich nicht die rechte Art, OO
um jene Form der Liebe zu erleben, die OO
eine wahre Ehe braucht!
Die Liebe, die allhier allein Erfüllung​ OO
geistigen Gesetzes schafft, will weder​ OO
Geistiges, noch Tierhaftes in ihrer OO
Auswirkung entbehren.
Das durch die Tiernatur des Erdenmen‐ OO
schen aber einmal nun Gegebene, soll OO
keineswegs nur tierisch, „viehisch”, OO
ausgekostet werden, sondern, vom Gei‐ OO
stigen durchdrungen und dadurch ver‐ OO
wandelt: ‒ selbst ins Geistige er‐ OO
hoben, ‒ zu Bewußtsein kommen.
So sollen Mann und Weib, in geistig‐ OO
körperlicher Einung, sich ineinander​ OO
36 Die Ehe
nun erkennen, wie Mann und Weib​ OO
im Göttlichen vereinigt waren, einst OO
vor dem „Fall” in diese physisch-sinn‐ OO
liche Erscheinungswelt, ‒ und wie das OO
Männliche dem Weiblichen erneut ver‐ OO
einigt wird, sobald erst beide Mensch‐ OO
tumsteile die Erlösung sich erwirkten OO
in der Geisteswelt...
Für diese Worte wird dem geilen Wüst‐ OO
ling ganz in gleicher Weise das Ver‐ OO
ständnis fehlen, wie dem Asketen, der OO
in jeder Regung seiner ‒ durch ihn​ OO
selbst allein beschmutzten ‒ Tiernatur, OO
nur „teuflische” Versuchung wit‐ OO
tert. ‒ ‒
Die aber Ähnliches, wie das, was meine OO
Worte darzustellen suchen, auch nur OO
einmal in sich selbst erfahren haben, OO
37 Die Ehe
werden wahrlich wissen, was die Worte OO
meinen! ‒ ‒ ‒
Wer aber auch nicht aus Erfahrung​ OO
weiß, von welchem heiligen Myste‐ OO
rium, ‒ erlebbar in der körperlichen OO
Leibvereinung, ‒ ich hier rede, der wird, OO
so er nur reinen Herzens ist, erahnen​ OO
können, was er dann erst wissen kann, OO
wenn er es selbst erlebt! ‒
Jegliches Weib, und jeder Mann, wird OO
nur in diesem, hier auf Erden höchsten, OO
körpersinnlich-geistigen Erleben​ OO
neuer Einheit die Erfüllung finden, OO
die ‒ ohne jeden schalen Rest an​ OO
unbefriedigter Empfindung ‒ erst OO
völlig jenes heiße seelisch-körper‐ OO
liche Sehnen stillt, das die Geschlech‐ OO
ter, ‒ wo nicht Tierbrunst nur Befrie‐ OO
38 Die Ehe
digung erheischt, ‒ in Liebe bis zum​ OO
Selbstvergessen, zueinander zieht! OO
‒ ‒ ‒
Doch nur in einer wahren Ehe, die Mann OO
und Weib in neuer Einheit faßt, und ‒ OO
mindestens dem ernsten, festen Wil‐ OO
len nach ‒ für beider Lebenszeit ge‐ OO
schlossen wurde, kann sich Geschlechts‐ OO
vereinigung zu solcher Höhe heben, OO
da hier nur jene Einheitsform im we‐ OO
senhaften Geiste sich gestaltet fin‐ OO
det, die so erlebbar wird. ‒
Immer aber wird nur höchste Zucht​ OO
der Sinne, höchste Zucht der Phan‐ OO
tasie, das Unbegreifliche: Ereignis​ OO
werden lassen im Erleben! ‒ ‒ ‒ OO
Gewiß ist das Kind jeder wahren Ehe OO
Ziel und Wunsch!
39 Die Ehe
Und dennoch ist, nach geistigem Ge‐ OO
setz, das durch die Ehe zur Erfüllung​ OO
kommen will, ‒ die Zeugung und Ge‐ OO
bärung neuen Lebens erst der zweite​ OO
Zweck der ehelichen Einung! ‒ ‒ ‒
Ihr erster ist die Bildung einer neuen OO
Geisteseinheit, in der sich Teil und an‐ OO
derer Teil zu jenem Ganzen ineinander‐ OO
schmelzen, das nur auf geistig-kör‐ OO
perliche Weise für den Menschen dieser OO
Erde noch empfindbar ist, ‒ dann​ OO
aber auch, in Auswirkung des so Er‐ OO
lebten, ‒ dem ganzen Dasein einen OO
Kräftezuwachs schafft, den nur das OO
geistige Ganze spenden kann, und den OO
kein Teil, wie immer er sich strebend OO
recken mag, für sich allein erreicht! OO
‒ ‒ ‒
So ist die Ehe, schon um der in ihr​ OO
allein nur möglichen Erfüllung allen​ OO
40 Die Ehe
Sehnens reiner geistig-körperlicher​ OO
Liebe willen, eine hohe Hilfe auf dem​ OO
Wege zur Vollendung, ‒ eine tief​ OO
geheimnisvolle Vorbereitung auf​ OO
die Rückkehr in das Reich des we‐ OO
senhaften Geistes, ‒ eine Pforte, OO
die zu seligstem Erahnen überer‐ OO
denhaften Lebens alle jene führt, OO
die willens sind, den Schlüssel zu​ OO
gebrauchen, der ihnen hier in diesem OO
Buche dargeboten wird! ‒ ‒ ‒
Wäre der Erdenmensch nur wesenhafte OO
Geistgestaltung, so würde wahrlich OO
alles, was die Ehe ihm erlebnisnahe​ OO
bringt, auch nur in seiner Geistgestalt​ OO
erlebbar sein.
So aber ist der Mensch, der einst aus sei‐ OO
nem hohen, göttergleichen „Leuchten” OO
fiel, um sich in physisch-sinnlicher Er‐ OO
41 Die Ehe
scheinungswelt nun zu erleben, ‒ ‒ OO
wie er vermeinte: als sein eigener, OO
seinem Ursprung nicht mehr einge‐ OO
borener „Gott”, ‒ ‒ allhier dem Tie‐ OO
rischen verhaftet worden, so daß ihm OO
alles, was er noch im Geistigen emp‐ OO
finden will, nur faßbar wird in leib‐ OO
hafter Empfindung durch der Tierheit​ OO
ihm vertraute Kräfte. ‒ ‒
Und fühlt er sich, ‒ obwohl ihn nur des OO
Erdentieres Körper trägt, solange er auf OO
Erden lebt, ‒ in eitlem Wahn dem Tier‐ OO
haften enthoben, so trügt er nur sich​ OO
selbst und hindert seine eigene Ent‐ OO
faltung, vermeintlich „geistiges” Er‐ OO
leben kennend, das ‒ ‒: nur des​ OO
„Tieres” irrgeleitetes Empfinden​ OO
ist! ‒ ‒ ‒
Nichts aber schützt vor solcher Irre‐ OO
leitung tierhaften Empfindens wir‐ OO
42 Die Ehe
kungsvoller, als die rechte Ehe, in der OO
die geistig-körperliche Liebe ihre OO
reinste, höchste Form gefunden hat! OO
Doch ist die Liebe, die in einer wahren OO
Ehe alles lenkt und leitet, keineswegs OO
allein darauf verwiesen, sich ausschließ‐ OO
lich nur in geistig-körperlicher Art OO
zu zeigen: ‒ gebunden an die Sehnsucht OO
der Geschlechter, sich zu einen.
Bleibt diese geistig-körperliche Liebe OO
auch stets Vorbedingung einer ehe‐ OO
lichen Einung, ansonst ein „Ehebund” OO
zum eklen Spottbild seiner selbst her‐ OO
abgeschändet wird, so überstrahlt doch OO
auch zu gleicher Zeit die Liebe noch in OO
anderer Form das Leben zweier Men‐ OO
schen, die sich in der Ehe fanden und um OO
ihre Zweieinheit im Geiste wissen... OO
43 Die Ehe
Ich rede hier jetzt von der Liebe ohne​ OO
Gegenstand der Liebe: ‒ von einer OO
Form der Liebe, die des Gegenstandes​ OO
nicht bedarf! ‒
Auch sie wird Irdischem nur dann OO
empfindbar sein, wenn sie durch Ir‐ OO
disches vermittelt wird...
Wenn aber geistig-körperliche Liebe, OO
wie sie zur Einung der Geschlechter​ OO
in der Ehe führt, stets ihren Liebes‐ OO
Gegenstand benötigt, um sich in Ver‐ OO
einungsglut zu fühlen, ‒ ja, wenn selbst OO
jene Liebe, die das Kind umhegt, und OO
rückstrahlt auf das Elternpaar, nicht OO
ohne Gegenstand der Liebe ist, so han‐ OO
delt es sich hier nun um die völlig los‐ OO
gelöste Liebe, die nichts im Äußeren OO
begehrt, und auch nicht Gegenliebe​ OO
fordert, da sie Erfüllung findet in sich​ OO
selbst, wo immer sie im Dasein ist. ‒ ‒ OO
44 Die Ehe
Nicht allzuvielen ist diese Liebe OO
bekannt!
Nicht allzuoft wird sie im Erdenleben​ OO
ausgewirkt!
Und doch ist sie weit häufiger zu fin‐ OO
den, als jene höchste Form der ehe‐ OO
lichen Liebe, die es vordem zu um‐ OO
schreiben galt!
Schon darum, weil sie durchaus nicht​ OO
nur in der Ehe sich allein Erfüllung​ OO
schaffen kann...
Es darf jedoch die Ehe, soll sie wahr‐ OO
haft glücklich sein, auch diese Liebe OO
ohne Gegenstand der Liebe nicht ent‐ OO
behren müssen! ‒
Nicht nur im heilighehren Tempel​ OO
ehelicher Lagerstätte, ‒ zu dem die OO
45 Die Ehe
kleinste, engste, arme Hütte wird, in der OO
sich Mann und Weib vereint in jener OO
höchsten Form der geistig-körper‐ OO
lichen Liebe finden, ‒ wirkt sich das OO
Leben zweier Ehegatten aus!
Die wahre Ehe ist Gemeinsamkeit des​ OO
Lebens in der weitesten Bedeutung OO
dieses Wortes!
Es läßt sich aber dieses Erdenleben nicht OO
gemeinsam führen, ohne beiden Teilen OO
stets auf Schritt und Tritt zu zeigen, daß OO
sie trotz aller geistig-körperlichen​ OO
Einung, doch in der Außenwelt noch​ OO
zwei getrennte Teile eines Geistes‐ OO
Ganzen bleiben, deren jeder von Na‐ OO
tur aus eigenen Gesetzen unterordnet OO
ist. ‒ ‒
Zwei Eigenleben stehen sich auf solche OO
Weise gegenüber, und sollen doch in​ OO
46 Die Ehe
einem neuen Leben der Gemein‐ OO
samkeit vereinigt werden!
Sie müssen diese Einung ebenso er‐ OO
reichen, ‒ wollen sie ihr Glück nicht OO
von sich jagen, wie sie in ihrer geistig‐ OO
körperlichen Liebe eine neue Einheit OO
wurden...
Hier aber ist die geistig-körperliche​ OO
Liebe nicht mehr tauglich, Einung zu OO
bewirken, ‒ und so liegt hier die Wur‐ OO
zel jenes Wahnes bloß, der da vom an‐ OO
geborenen „Hasse der Geschlechter” OO
zu orakeln weiß. ‒
Ach nein, meine Freunde, ‒ wahr‐ OO
lich, solcher Haß ist nicht begründet​ OO
im Geschlecht an sich, wenn er zu‐ OO
weilen dort sich zeigt, wo Menschen​ OO
im Zusammenleben sich begegnen, OO
47 Die Ehe
die verschiedenen Geschlechtes sind! OO
‒ ‒
Stets handelt es sich dann nur um den​ OO
Widerstreit erotischen Vereinungs‐ OO
willens gegen jenen anderen Willen, OO
der den Teil allein als Ganzes aner‐ OO
kannt, und seines Eigenlebens Norm​ OO
allein in Geltung sehen möchte!
Aus solchem Widerstreit kann dann ein OO
Haß erstehen, den man sehr zu Unrecht​ OO
so zu deuten sucht, als sei er schon​ OO
naturgegeben im Geschlecht!
Ihn aber zu besiegen ist nur jene Art OO
der Liebe fähig, die nicht durch einen​ OO
Gegenstand der Liebe erst entzündet​ OO
wird, und die sich auswirkt, ohne einen OO
Gegenstand zu suchen, da sie in sich​ OO
selbst Erfüllung ist. ‒ ‒
Nur diese Liebe um der Liebe willen​ OO
lehrt auch stets die rechte Weise fin‐ OO
48 Die Ehe
den, nach der sich Teil und anderer​ OO
Teil in einer Ehe immerdar zu for‐ OO
men und zu schleifen suchen müssen, OO
wollen sie in Lebenseinheit zuein‐ OO
anderpassen! ‒ ‒
Selbst manche sogenannte „Ehe”, die OO
von der wahren Ehe nur den Namen​ OO
borgt, wird oftmals noch zu einer leid‐ OO
lichen Gemeinsamkeit geformt, wenn in OO
dem einen dieser Ehegatten, oder gar OO
in beiden, etwas von der Liebe um​ OO
der Liebe willen wirkt, ‒ auch wenn OO
die geistig-körperliche Liebe nie zu OO
ihrer höchsten Form gefunden hatte, ja OO
wenn sie selbst in niederen Formen OO
kaum vorhanden war...
Sprichwörtlich ist die „heiße Liebe”, OO
die dann später zum „Erkalten” kam! OO
49 Die Ehe
Doch: ‒ echte Liebe kann niemals „er‐ OO
kalten”, weil sie nur dort entzündet​ OO
wird, wo ihre helle Lichtglut uner‐ OO
schöpflich reiche Nahrung findet! ‒ ‒ OO
Sie kann zum wilden Feuer werden, OO
aber niemals, ‒ möge man sie auch​ OO
mit allen Mitteln zu ersticken su‐ OO
chen, ‒ kann sie verlöschen: kann sie OO
zum Erkalten kommen!
Was solcher Glut der Liebe aber nicht​ OO
entspricht, mag sinnlicher Rausch sein, OO
oder eine künstlich aufgestachelte​ OO
Erotik, ‒ mag Freundschaft miß‐ OO
verstehen, mag Bewunderung, OO
mag Dankbarkeit vielleicht in „Liebe” OO
fälschen, ‒ ‒ mit echter Liebe aber hat OO
dann dieses Fühlen nur das Wort ge‐ OO
mein...
Niemand soll sich viel verwundern, OO
50 Die Ehe
wenn hier Pseudo-Liebe früher oder OO
später zum „Erkalten” kommt!
Nie aber darf derartig aufgenährtes OO
Scheingefühl in einem Menschen so zur OO
Macht gelangen, daß er sich selbst​ OO
betört und überredet, als sei der Un‐ OO
terbau gegeben, eine Ehe aufzurich‐ OO
ten! ‒ ‒
Unsägliches Unglück würde auch ver‐ OO
mieden, wollten Mann und Weib, die OO
sich im Leben irgendwie begegnen, nicht​ OO
gleich aus jeder leisen Regung der​ OO
Erotik einen Fetisch machen, den sie OO
ihre „Liebe” nennen!
Es ist naturbegründet, daß zwischen OO
jedem Mann und jedem Weibe Schwin‐ OO
gung der Erotik stets vibriert, und sei OO
auch dieses feine, stetige Vibrieren​ OO
51 Die Ehe
unsichtbarer Kräftewellen, ‒ wie OO
bei allen Menschen seelisch reiner Art, OO
‒ so leise, daß es im Bewußtsein​ OO
völlig unbeachtet bleibt.
Gefahr liegt hier nur dadurch vor, daß OO
ungefestigte Naturen, deren Phan‐ OO
tasie nicht ahnt, was Zucht und Herr‐ OO
schaft eines reinen Herzens heißt, OO
an solcher leisen Schwingung schon die​ OO
Freude der Berauschung suchen, von​ OO
sich aus stetig dann die Schwingung​ OO
steigern, und nicht eher ruhen, als bis OO
aus Übersteigerung: ‒ Begehren wird... OO
Dieses Begehren aber nennen sie dann OO
„Liebe”, und leiten gar das Recht, ein OO
eheliches Bündnis zu erstreben, aus OO
solcher Ausgeburt haltloser Phanta‐ OO
sie-Entartung ab, ‒ um Wüstenweite OO
ferne jeglicher Oase des Verantwor‐ OO
tungsbewußtseins, ‒ fast monoma‐ OO
52 Die Ehe
nisch nach Erfüllung des Begehrens​ OO
strebend, ‒ um schließlich, nach Errei‐ OO
chung ihres Zieles, dem einst so heiß OO
begehrten anderen Teil der so erstreb‐ OO
ten „Ehe” jede Neigung zu entziehen, OO
da ja längst schon wieder anderes Be‐ OO
gehren lockt...
Ich brauche kaum zu sagen, daß es sich OO
in solchen Fällen meistens nur um Män‐ OO
ner handelt, die das Weib begehren, OO
denn selten nur ist auch die Phantasie OO
des Weibes so entartet, daß sie das OO
Weib die gleichen Wege gehen heißt. OO
Wer anders über Weibesart Bescheid OO
zu wissen glaubt, der möge sich erinnern, OO
daß seine Weisheit solchenfalles​ OO
sicherlich von ‒ ‒ Männern stammt, OO
die allzuunverhohlen ihre Wesensart OO
am liebsten auch im Weibe wiederfinden OO
53 Die Ehe
möchten, ‒ es sei denn, daß er selber​ OO
nur die Dirne kenne, und Dirnenart​ OO
in jedem Weibe wittere! ‒ ‒
Gar vielfach aber läßt sich leider auch OO
das Weib verleiten eine „Ehe” ohne​ OO
Liebe anzustreben, um später in die OO
Klage auszubrechen, daß es „kein Glück” OO
in seiner „Ehe” finde.
Doch schafft das Weib sein Unheil meist OO
aus anderen Gründen, und vielfach sind OO
sie weit verzeihlicher als die des OO
Mannes. ‒
Ehrgeiz, den Mann, den es bestaunt​ OO
in irgend einer Leistung, sich vor an‐ OO
deren zu erringen, ‒ der Wunsch, OO
„versorgt” zu sein, oder dem allzu‐ OO
strengen Elternhause zu entfliehen, OO
‒ das sind zumeist die Gründe, die das​ OO
54 Die Ehe
Weib bestimmen können, eine „Ehe” OO
einzugehen, ohne Liebe zu empfinden, OO
wenn nur die Schwingung der Erotik​ OO
soweit steigerbar erscheint, daß sie OO
ihm einen sinnlich-äußeren Ersatz für OO
Liebe bildet. ‒
Auf welcher Seite aber auch die Schuld OO
am schwersten lasten möge: ‒ stets OO
wird ein solcher „Lebensbund”, der oft OO
kaum Jahre schlecht und recht noch OO
überdauert, nur arges Zerrbild einer OO
wahren Ehe sein! ‒ ‒
Das geistige Gesetz, das unerbittlich OO
fordert, daß man ihm genüge, wo sich OO
Mann und Weib zur Ehe einen wollen, OO
ist nicht zu „biegen” und zu „brechen”, OO
wie man eine „Ehe” biegt und bricht, OO
die da in Wahrheit keine ist, und nie‐ OO
55 Die Ehe
mals eine war, wenn solches sich ereig‐ OO
nen kann, ‒ auch wenn die beiden Ehe‐ OO
gatten einstmals glaubten, daß sie die​ OO
Ehe eine, und es solange glauben OO
mochten, bis dann Prüfung dieser Ehe​ OO
Unterbau erprobte. ‒ ‒ ‒
Wo darum wahre Ehe werden soll, OO
dort frage man vor allem nach der wahren OO
Liebe! ‒ ‒ ‒
Sie ist gar leicht zu erkennen, und OO
unmöglich wird es ihr, sich zu ver‐ OO
bergen! ‒ ‒ ‒
Man kann sich aber niemals früh genug​ OO
aus Träumen reißen, die eine Pseudo‐ OO
Liebe hätscheln wollen, und niemals OO
kann man streng genug sich selber OO
jedes Tun verweisen, das einen Ne‐ OO
benmenschen, der, gefühlsbetört, in OO
56 Die Ehe
solcher Pseudoliebe sich gefällt, auch OO
noch in seinem Wahn bestärken​ OO
könnte...
Doch, wahre Liebe ist nicht nur „Ge‐ OO
fühl”, und nicht im Fühlen läßt sie sich OO
erschöpfen! ‒
Liebe ist vor allem Kraft! ‒
Wer sie mißbraucht, kann diese gleiche OO
Kraft im ‒ Hasse kennenlernen!
Dort wirkt sie dann in ihrer Selbst‐ OO
verzerrung...
Wer aber Liebeskraft in ihrer höchsten​ OO
und erhabensten Entfaltung in sich OO
selbst empfindet, der strahlt Liebe​ OO
aus und wird sie sicherlich auch dort OO
erwecken, wo sie noch im Schlafe ruht, OO
sobald er fühlt, daß ihm der Mensch be‐ OO
57 Die Ehe
gegnet ist, den ihm sein Schicksal zube‐ OO
stimmte, um in einer wahren Ehe sich mit OO
ihm zu einen. ‒ ‒ ‒ ‒
Wo beide Teile fühlend voneinander OO
wissen, daß sie echte Liebe eint, dort OO
soll wahrhaftig aus der Liebe auch die OO
Ehe aufgerichtet werden!
Glückselig jede Ehe, die auf solchem​ OO
Fundamente baut!
Sie wird durch keinen Sturm, der sie um‐ OO
tost, erschüttert werden, und keine OO
Brandung kann sie jemals unter‐ OO
wühlen!
*          *
*
58 Die Ehe
DRITTES KAPITEL
VON DER GEMEINSAMKEIT
AUCH das allerengste Beieinander‐ OO
leben zweier Eheleute schafft noch OO
lange nicht Gemeinsamkeit, während OO
sie dort gar oft besteht, wo Mann und OO
Weib ‒ sehr gegen Wunsch und​ OO
Willen ‒ gezwungen sind, meist lange OO
Zeit in äußerer Entfernung zu ver‐ OO
harren: nur kurz und selten unter glei‐ OO
chem Dach vereint. ‒
Wenn aber auch Gemeinsamkeit nicht OO
abhängt von der steten Bindung an die OO
gleichen Räume, so wird doch jede wahre OO
Ehe Raumgemeinschaft zu erstreben​ OO
suchen, wo immer dies mit der gebotenen OO
Sorge für des Lebens Notdurft, mit den OO
Pflichten, die Beruf und Stand erheischen, OO
zu vereinen ist.
Aber ein Anderes ist das Beieinander‐ OO
leben in den gleichen Räumen, nur weil OO
61 Die Ehe
man das Alleinsein nicht erträgt: die OO
Gegenwart des Anderen nicht missen​ OO
möchte, ‒ und wieder ein Anderes ist OO
Gemeinsamkeit! ‒
Gemeinsamkeit ist Einung zweier OO
Menschen, auch in allem Denken, al‐ OO
lem Fühlen, allem Handeln!
Sie wird nicht durch das nahe Beiein‐ OO
anderleben etwa erst erzeugt!
Wo innere und äußere Gemeinsamkeit OO
nicht schon bestand, bevor man Raum‐ OO
gemeinschaft suchte, dort kann das enge OO
Beieinanderwohnen, statt Gemeinsam‐ OO
keit zu fördern, ihr die grimmigsten​ OO
Gefahren schaffen. ‒ ‒
Es ist darum für Alle, die sich in der Ehe​ OO
einen wollen, bitter nötig, nach Ge‐ OO
meinsamkeit, im hier gemeinten Sinn, OO
62 Die Ehe
zu streben, noch bevor sie ihre Ehe OO
schließen! ‒
Wie vieles Unheil wäre schon verhü‐ OO
tet worden, hätte man zur rechten Zeit OO
erkannt, daß diese Forderung sich nicht​ OO
umgehen läßt, statt sorglos sich dem OO
falschen Glauben hinzugeben, daß Ge‐ OO
meinsamkeit, wie sie vonnöten ist in OO
jeder wahren Ehe, sich ganz von selbst​ OO
im Eheleben finde! ‒ ‒
Das Streben nach Gemeinsamkeit in OO
allem Denken, allem Fühlen, allem Han‐ OO
deln, wird aber niemals zu Erfolgen füh‐ OO
ren, dort, wo der eine Teil den anderen OO
stets durch Wort-Turniere überzeu‐ OO
gen will, daß er nur seiner Ansicht sich OO
bequemen müsse, um allsogleich „Ge‐ OO
meinsamkeit” mit ihm zu haben...
63 Die Ehe
So kann der eine Teil gewiß den anderen OO
ermüden, und ihn dann endlich zwin‐ OO
gen, um des lieben Friedens willen, sich OO
zu fügen, allein, was so zustande‐ OO
kommt, ist alles andere eher, als Ge‐ OO
meinsamkeit, und früher oder später OO
hinkt die böse Folge nach!
Nie kann ein Zwang, ‒ und sei es selbst OO
der „süße Zwang der Liebe”, ‒ in OO
einer Ehe die Gemeinsamkeit begrün‐ OO
den, die ihr nicht minder nötig als die OO
Liebe ist!
Willst du, o Liebender, Gemeinsam‐ OO
keit zu schaffen suchen, die dich mit dem OO
geliebten Menschen, dem du in der Ehe​ OO
dich vereinen willst, hinfort nun auch OO
in allem Denken, allem Fühlen, allem OO
Handeln einen soll, dann wirst du dich OO
64 Die Ehe
vor allem selbst an straffem Zügel​ OO
halten müssen!
Du mußt dich selber in die „hohe Schule” OO
nehmen, damit du zu Beweglichkeit ge‐ OO
langst und dich auch anderer Gangart OO
anzupassen lernst!
Bisher warst du dir selbst das Maß​ OO
der Dinge!
Ob du vom Elternhause her die Art OO
des Denkens, Fühlens, und des durch OO
Beides dann bestimmten Handelns, OO
übernommen haben magst, die dir nun OO
eignet, oder ob du selbst dich Schöpfer​ OO
der Maximen deines Lebens weißt, ‒ OO
stets bist du nur zu sehr geneigt, dein​ OO
eigenes Ermessen sehr zu überwer‐ OO
ten, und alles, was dir auch entgegen‐ OO
treten mag, durch deine selbstgefärb‐ OO
te Brille zu betrachten. ‒ ‒
65 Die Ehe
Hier aber steht, mein Freund, nunmehr OO
ein zweiter Mensch vor dir, dem es OO
kaum anders gehen mag, und der in OO
gleicher Weise alles nur durch seine​ OO
Brille sehen möchte!
Ihr werdet beide euch entschließen OO
müssen, eure „Brillen” abzulegen, auch OO
wenn sie euch bisher die Dinge in den​ OO
denkbar schönsten Farben zeigten, OO
so daß ihr jetzt kaum glauben wollt, OO
daß man sie offenen Auges auch noch OO
anders sehen könne...
Ihr werdet aber nicht erwarten dürfen, OO
daß ihr von heute auf den anderen​ OO
Tag euch schon verstehen lernen könn‐ OO
tet, denn: wenn ihr auch die gleichen OO
Worte braucht, so redet ihr doch stets OO
von anderen Dingen, weil jeder noch OO
66 Die Ehe
die Dinge nur nach seiner Weise sieht, OO
und nur nach seiner Weise sie bezeich‐ OO
nen kann!
Es wird euch ja noch kaum recht glaub‐ OO
haft scheinen, daß wirklich jedes Ding OO
in jedem von euch beiden anders zu OO
Bewußtsein kommt!
Noch glaubt ihr, von dem gleichen Ding​ OO
zu reden, und redet doch von völlig​ OO
Anderem, da jeder nur von seinem​ OO
Bild des Dinges redet! ‒ ‒
Hier ist Geduld vonnöten, die sich nicht​ OO
erschüttern läßt, wenn man sich einstens OO
in der gleichen Weise des Betrachtens OO
finden will!
Es wird hier jeder Teil erst zur Er‐ OO
kenntnis kommen müssen, daß seine​ OO
Art zu sehen, ‒ mochte sie ihm auch OO
67 Die Ehe
bisher als Norm erscheinen, ‒ keines‐ OO
wegs die einzige, ihm mögliche Be‐ OO
trachtungsweise darstellt...
Auch wird man nicht allein die Worte​ OO
hören dürfen, sondern stets auch zu er‐ OO
fühlen suchen müssen, was der Andere OO
mit seinen Worten meint, und ob sich OO
dies auch ganz mit jenen Dingen decke, OO
die man selbst mit gleichen Worten OO
meinen würde. ‒
Zu oft nur hört man Menschen bitter OO
streiten, weil sie Gegensätze zu er‐ OO
kennen glauben, die als unvereinbar​ OO
gelten, wo nur das falsch gewählte Wort​ OO
den Anschein schafft, als seien Gegen‐ OO
sätze aufzufinden.
Und oftmals glauben Menschen sich durch OO
eine „tiefe Kluft” getrennt, wo nur die​ OO
68 Die Ehe
Nacht der Nichterkenntnis solchen OO
Trug ermöglicht, weil sie zu sehen hin‐ OO
dert, daß die scheinbar „tiefe Kluft” nur OO
ein willkürlich, und mit sehr bezweifel‐ OO
barem Rechte, ausgehobener seichter​ OO
Graben ist, den man mit Leichtigkeit OO
zu überschreiten wüßte...
Mit unbeirrbarer Gelassenheit und OO
liebevollem Geltenlassen aber, wird OO
man auch dort zuletzt doch zuein‐ OO
anderfinden, wo wirklich Gegensatz OO
besteht: wo wahrhaft eine „tiefe Kluft” OO
für immerdar zu trennen schien, weil OO
man erst lernen mußte, sie zu über‐ OO
brücken. ‒ ‒ ‒
Gemeinsamkeit in allem Denken, al‐ OO
lem Fühlen, allem Handeln, schafft jeder OO
Ehe eine hohe Mauer sicherster Be‐ OO
schützung!
69 Die Ehe
Ehe verträgt es nicht, daß sie im Außen‐ OO
leben ohne sichere Umhegung bleibe! OO
Die Lebenseinung zweier Menschen in OO
der Ehe darf niemals allen Winden, OO
jedem Wetterwüten, jeder Überflu‐ OO
tung offenstehen! ‒
Wie immer auch zwei Menschen, die sich OO
in der Ehe fanden, Geselligkeit und OO
heiteren Verkehr mit anderen Men‐ OO
schen suchen mögen, ‒ stets muß die OO
sichere Umhegung ihnen fühlbar blei‐ OO
ben, und niemals darf der heilige Be‐ OO
zirk, der ihnen nur allein gehört, vor OO
Anderen eröffnet werden! ‒ ‒ ‒
Auch hier ist, ‒ wie bei jeglichem Ver‐ OO
hältnis menschlicher Verbundenheit, ‒ OO
das Schweigenkönnen eine rechte OO
„Kunst”, die jeder zu erlernen hat, der OO
sie noch nicht beherrscht! ‒ ‒ ‒
70 Die Ehe
Was nur die Eheleute selber angeht, OO
hat niemals laut zu werden vor den​ OO
Ohren Anderer, und wenn die Ande‐ OO
ren auch die nächsten Freunde und​ OO
Verwandten, ‒ ja selbst die Eltern​ OO
wären! ‒ ‒ ‒
Sehr zweifelswürdig bleibt die OO
„Hilfe”, die man vielleicht auf solche OO
Weise finden mag, ‒ auch wenn die OO
Menschen, denen man sich so vertraut, OO
den redlichsten und reinsten Willen​ OO
haben, wahre Hilfe darzubieten! OO
‒ ‒
Weit öfter, als man wirklich Hilfe fin‐ OO
det, wird das Unheil, dem man wehren OO
wollte, nur genährt, so daß es erst zum​ OO
Wachsen und zum rechten Wuchern​ OO
kommt, obwohl es anfangs schnell im​ OO
Keim erstickt gewesen wäre, hätte man OO
71 Die Ehe
sich selbst bemüht, es zu ersticken, und OO
nicht den Anderen vorgeklagt, wie OO
sehr man schon darunter leide! ‒ ‒ ‒ OO
Doch auch sein Glück soll man für sich OO
verwahren und nicht in eitler Rede zum​ OO
Verströmen bringen! ‒
Auch nicht in Worten soll man es mit​ OO
Anderen teilen wollen! ‒ ‒
Es geht nur beide Eheteile an, wenn OO
sie, als geistgeeintes Ganzes, sich ihr​ OO
Glück zu schaffen wußten...
Vor allem aber sei man auf der Hut, den OO
Neid zu wecken, der ‒ oft nur künst‐ OO
lich eingeschläfert ‒ sich gar leicht​ OO
erwecken läßt, wenn eine redefrohe Zunge OO
allzusehr ein Eheglück lobpreist! ‒
Man schädigt sonst den Neider, wie OO
72 Die Ehe
sich selbst, da Neid stets eine Kraft​ OO
zur Wirkung bringt, die das verneint, OO
was Neid erregte, und die sich gegen​ OO
Neider und Beneideten in gleicher​ OO
Weise richtet, da sie den Wert ver‐ OO
nichtet sehen will, den der Beneidete OO
besitzt, der Neider aber nur zu gern​ OO
besitzen möchte...
Ist aber schon bei Glück wie Unheil‐ OO
drohung: Schweigen angezeigt, so OO
schweige man erst recht, wo platte, OO
widerliche Witzelei und ein im „Hän‐ OO
seln” Anderer sich sielendes Behagen, OO
die Ehe in den seichten, trüben Tüm‐ OO
pel kläglich-armer Geistverlassenheit OO
herabzuziehen suchen, um meckernd OO
ihre Hintertreppenweisheit anzubringen OO
und in Bierbankblödigkeiten sich genug‐ OO
zutun!
73 Die Ehe
Jeder der dies liest, wird unschwer wis‐ OO
sen, was ich meine...
Nur glaube man nicht, daß solche öde​ OO
Witzelei doch wohl zu dulden wäre, OO
wenn sie Menschen üben, die sich​ OO
gewiß nicht vorzuwerfen haben, OO
daß sie je im Ernst die Heiligkeit​ OO
der Ehe angetastet hätten!
Das Heilige darf nie zum Stoff des OO
schalen Witzes werden, wenn es der OO
Meltau der Zersetzung nicht berühren OO
soll, und selbst der gütigste Humor​ OO
wird sich hier Zügelung gefallen lassen OO
müssen, auf daß er nicht zerstöre, was OO
er nicht zerstören will! ‒ ‒
Heilig bleibt dem Menschen nur, was OO
er als „heilig” noch empfinden kann: OO
‒ was stets bewahrt bleibt vor er‐ OO
niedrigenden Worten, und unan‐ OO
74 Die Ehe
tastbar aller Lebensäußerung ent‐ OO
rückt, die nicht mit Ehrfurcht ihm zu OO
nahen weiß...
Der heilige Bezirk, den nie ein ande‐ OO
rer Mensch betreten darf, als nur​ OO
die beiden Ehegatten, ist aber wahr‐ OO
lich weiter ausgesteckt als ihres Schlaf‐ OO
gemaches Wände!
Es wird von ihm so manches noch um‐ OO
schlossen, was durchaus nicht an und​ OO
für sich schon Verborgenheit erfor‐ OO
dern würde...
Gemeinsamkeit will manches vor der OO
Außenwelt verborgen wissen, auch​ OO
wenn es nicht die Ehe selbst be‐ OO
trifft. ‒
Gemeinsamkeit braucht unverbrüch‐ OO
liches Vertrauen, und fordert, daß man OO
75 Die Ehe
jederzeit vor dem vereinten Men‐ OO
schen stehen könne, wie vor sich​ OO
selbst! ‒ ‒ ‒
Gemeinsamkeit kennt keinen Spott​ OO
und kein Verhöhnen!
Gemeinsamkeit weiß nichts von liebe‐ OO
leerem, überheblichen Verlachen!
Gemeinsamkeit ist stets darauf be‐ OO
dacht, daß man sich gegenseitig schone: OO
‒ seine Schwächen zu bedecken suche, OO
und sich Hilfe biete!
Ein Leben in Gemeinsamkeit ist nur OO
zu führen, wenn beide Ehegatten wis‐ OO
sen, daß keiner etwas, das er vor sich​ OO
selbst gesteht, dem anderen verber‐ OO
gen muß. ‒ ‒ ‒
Nur so kann die Gemeinsamkeit zu OO
einer äußeren Schule innerer Voll‐ OO
endung werden!
76 Die Ehe
Liebe und Nachsicht werden aber we‐ OO
nig nur vermögen, solange nicht die​ OO
absolute Sicherheit besteht, daß dieser OO
Schule Pforte stetig fest verschlossen​ OO
bleibt, und sich nur beiden Menschen​ OO
öffnet, die in ihr sich gegenseitig​ OO
durch ihr Leben zu belehren suchen! OO
Es muß erst völlig alle Furcht verschwin‐ OO
den, daß eines Tages unbehütet leichte OO
Rede Andere von Dingen hören lassen OO
könne, die man in Gemeinsamkeit be‐ OO
schlossen glaubte!
Niemals darf die Gefahr bestehen, daß OO
Anderen zu Ohren kommen kann, was​ OO
Ehegatten gegenseitig sich ver‐ OO
trauten!
So manche werdende Gemeinsam‐ OO
keit ist schon durch unbedachte Rede​ OO
früh vernichtet worden! ‒ ‒ ‒
77 Die Ehe
Gemeinsamkeit erstreckt sich aber end‐ OO
lich auch auf alles Ungemach und Leid, OO
von dem man seinen anderen Eheteil be‐ OO
troffen findet, auch wenn man selbst nicht​ OO
mitbetroffen ist und auch den Anlaß​ OO
der Bedrückung nicht in gleicher Weise​ OO
wertet, ‒ sei es, daß man den Um‐ OO
fang seiner Auswirkung nicht kenne, OO
sei es, daß man anders ihn empfin‐ OO
den möge.
Hier ist das Tragenhelfen oftmals gar‐ OO
nicht möglich, aber immer wird das OO
Tragenhelfen-Wollen möglich sein und OO
dem von Leid Betroffenen Erleichte‐ OO
rung gewähren. ‒ ‒ ‒
Man sage sich nicht los von solcher​ OO
willigen Bereitschaft, auch wenn man OO
sicher weiß, daß man nicht helfen kann, OO
denn schon der Wille, Hilfe darzu‐ OO
78 Die Ehe
bieten, wird dem Anderen Hilfe bringen​ OO
helfen! ‒ ‒ ‒
Auch läßt sich nicht Gemeinsamkeit er‐ OO
halten, solange einer beider Eheteile OO
bitterlich empfindet, wie er mit seiner OO
Last, ‒ sei sie nun wirklich, oder nur OO
in seiner Vorstellung so drückend OO
schwer ‒ allein zu Berge gehen muß, OO
und daß der andere Eheteil an solcher OO
Not kaum Anteil nimmt. ‒
Es ist gewiß nicht mehr als selbstver‐ OO
ständlich, daß man des Leides Last ge‐ OO
meinsam trägt, dort, wo das Schicksal OO
sie auf beider Ehegatten Schultern bür‐ OO
det, allein, sehr oft verkennt auch​ OO
tiefste Liebe ihre Pflicht zur Anteil‐ OO
nahme, wenn sie sich außerstande​ OO
sieht, das Leid, dem nur der Andere​ OO
verhaftet ist, in gleicher Weise mitzu‐ OO
tragen oder auch nur zu verstehen.. OO
79 Die Ehe
Suchst du das Glück der Ehe, dann OO
strebe nach Gemeinsamkeit in allen Din‐ OO
gen dieses Erdenlebens, die gemein‐ OO
sam sich erleben lassen, und ziehe OO
diese Grenze weiter, als der erste​ OO
Anschein dich bestimmen könnte, sie OO
zu ziehen! ‒
Es ist für jeden Teil der Ehe ratsam, OO
daß er auch dort wo ihn des anderen​ OO
Eheteiles Angelegenheiten nicht von OO
allem Anbeginn her interessieren, in sich​ OO
Interesse dafür wecke...
Es ist jedoch nicht minder nötig, daß OO
man den anderen Eheteil für die ihm OO
fremden Angelegenheiten einzuneh‐ OO
men suche und ihm den Zugang öffne, OO
so daß er sie verstehen lerne...
Doch wisse auch, daß jede Seele ihre OO
eigenen Bereiche hat, die auch der aller‐ OO
80 Die Ehe
nächsten anderen Seele sich nicht öffnen OO
können!
Wisse auch, daß oftmals Pflicht gebietet, OO
gewisse Dinge in Verborgenheit zu hal‐ OO
ten, und ehre dann, vertrauend, was OO
deinem Miterleben sich entziehen muß! ‒ OO
Du wirst vertrauen können, wenn in​ OO
allem, was Gemeinsamkeit verträgt, OO
das lauterste Vertrauen zwischen​ OO
dir und deinem, in der Ehe dir ge‐ OO
einten Gegenpole herrscht! ‒ ‒ OO
Hüte dich vor der Neugier, die so gerne OO
dich verleiten möchte, dich in Bereiche​ OO
des Erlebens einzudrängen, zu deren OO
Pforte man den Schlüssel nicht be‐ OO
sitzt, oder durch Pflicht gehalten ist, OO
ihn dir nicht darzureichen! ‒
In einer wahren Ehe wird auch dort, wo OO
sich das eigene, gesonderte Erleben​ OO
81 Die Ehe
der Gemeinsamkeit nicht öffnen läßt, OO
der so Erlebende gewiß den anderen OO
Teil hinlänglich noch zu unterrichten​ OO
wissen, von welcher Art das jeder​ OO
Mitteilung Entrückte ist, so daß auch OO
hier kein Riß durch innigstes Gemein‐ OO
samkeits-Erleben geht...
Wo gegenseitiges Vertrauen herrscht, OO
dort wird sich niemals Argwohn zu er‐ OO
heben suchen, auch wenn nur ganz im OO
Allgemeinen angedeutet wird, um was OO
es sich bei jenen Dingen handelt, die OO
nicht ausgesprochen werden können, OO
oder die durch Schweigepflicht der OO
Mitteilung entzogen bleiben müssen, ‒ OO
und wahre Liebe wird gewiß nicht wei‐ OO
terforschen wollen, wo sie erfühlt, daß​ OO
ernste Gründe die Verhüllung for‐ OO
dern...
Doch treibe man auch nicht mit Dingen, OO
82 Die Ehe
die sich nicht in Worte fassen lassen, OO
oder die Verpflichtung ein für allemal OO
dem Wort verwehrt, unnötige und OO
künstliche Geheimniskrämerei, um so OO
die Neugier stetig wach zu halten, oder OO
gar sich selbst mit einem Nimbus des Ge‐ OO
heimnisvollen zu umgeben!
So handelt ärgste Torheit nur, und sol‐ OO
ches Handeln straft sich selbst durch OO
Folgen, die gewiß sehr weit von seiner OO
eitlen Absicht liegen...
Wenn wirkliche Gemeinsamkeit be‐ OO
stehen und erhalten werden soll, dann OO
muß man ehren, und zuweilen auch ver‐ OO
ehren können, was der Andere ‒ auch OO
wenn er gerne davon reden würde, so OO
er könnte ‒ verborgen halten muß! OO
‒ ‒ ‒
Dann aber läßt man sich an dem ge‐ OO
83 Die Ehe
nügen, was man sich gegenseitig offen‐ OO
baren kann, und wahrlich: es wird mehr​ OO
sein als genug um einer Ehe auch im OO
innersten Erleben beider Teile die Ge‐ OO
meinsamkeit zu sichern, die sie braucht, OO
da ohnehin noch keine Seele hier auf OO
Erden restlos alles auszusprechen​ OO
wußte, was in ihr Erlebnis war! ‒ ‒ ‒ OO
*          *
*
84 Die Ehe
VIERTES KAPITEL
VON LEID UND FREUDE
ES gab noch niemals eine Ehe, die – OO
allzeit jedem Leid entrückt – OO
nur Freuden kannte.
Leid und Freude mischen dieses Er‐ OO
denlebens ‒ nicht jedem bekömmlichen OO
‒ Trank, und doch ist es an uns: die OO
Art der Mischung zu bestimmen, auch OO
wenn wir leider nicht verhindern können, OO
daß sich nun einmal Leid mit Freuden OO
mischen muß!
Besonders aber in der Ehe wird es tief​ OO
bedeutsam sein, wie weit sich unsere​ OO
Kraft bewährt, das Leid zu mindern​ OO
und die Freude zu vermehren...
Gewiß bleibt Leid stets Leid, auch wenn OO
so manches Wort uns trösten möchte, OO
als könne Leid sich selbst in Freude​ OO
wandeln.
Hier weiß das Wort der Rede nur von OO
87 Die Ehe
Aufeinanderfolge: ‒ von Leid-Ver‐ OO
drängung durch der Freude Wieder‐ OO
kehr!
Allein, wir haben Macht, der Freude OO
Wiederkehr zu fördern, ‒ wir haben OO
Macht, der Erde Freuden zu vermeh‐ OO
ren!
Es ist gewiß nicht nötig, daß man einen OO
Menschen etwa lehre, Leid zu schaffen, OO
‒ und auch wenn nie ein Mensch dem OO
anderen Leid bereitet hätte, wäre OO
wahrlich Leid genug auf Erden anzu‐ OO
treffen, denn alles, was in dieser Außen‐ OO
Welt: Erscheinung bildet, hat Da-Sein​ OO
nur durch Leid: ‒ vermag sich nur im OO
Da-Sein zu erhalten, indem es seinet‐ OO
wegen Anderes leiden läßt...
Nur dort, wo Güte: ‒ träumendes​ OO
88 Die Ehe
Verlangen, Mitleid: ‒ Wahnwitz​ OO
zeugte, kann sich des Erdenmenschen OO
Denken so ver-messen, daß es die OO
Weise findbar glaubt, das Leid aus OO
dieser Außen-Welt, ‒ in der es Folge OO
ihrer Raum verdrängenden und Eigen‐ OO
Raum verschließenden Struktur ist, ‒ OO
zu verbannen. ‒ ‒
Wo immer Außen-Welt den an sich​ OO
homogenen Raum zerstückelt, dort OO
ist Leid, ‒ und Menschenmacht ver‐ OO
möchte dann nur dieses Leid zu tilgen, OO
wenn sie imstande wäre, alle „Außen”‐ OO
Welt für immer zu vernichten, womit OO
jedoch zugleich auch alle „Innen”‐ OO
Welt Vernichtung fände...
Ist aber diese äußerste der „Außen”‐ OO
Welten, die wir, in tierverhafteter Ge‐ OO
staltung, durch den Tier-Sinn wahrzu‐ OO
89 Die Ehe
nehmen uns gezwungen fühlen, auch OO
erfüllt von Leid, und sind auch weite OO
unsichtbare Reiche dieser „Außen”‐ OO
Welt noch ganz in gleicher Weise ‒ OO
manche sogar mehr ‒ dem Leide aus‐ OO
geliefert, da auch dort noch alles Da‐ OO
Sein nur besteht in Raum-Verdrän‐ OO
gung und in Eigen-Raum-Verschlie‐ OO
ßung, so stehen doch dem gegenüber OO
unzählbare „Innen”-Welten, in denen OO
alles Sein, ‒ dem homogenen Raume OO
keineswegs etwa entrückt, ‒ sich OO
gegenseitig öffnet und durchdringt, OO
so daß hier jede Möglichkeit des Lei‐ OO
den-Könnens völlig fehlt. ‒ ‒ ‒
Nie aber läßt sich eine Welt vom Leid OO
befreien, die nur bestehen kann durch OO
Leid, ‒ und alles Mühen Einzelner, OO
durch Da-Seins-Unterdrückung und OO
Verzichtleistung auf Da-Sein, dieser OO
90 Die Ehe
Erde Leid zu mindern, bleibt ergeb‐ OO
nislos: ist nur des Mit-Leids tröstende OO
Betäubung...
In diesem Erdenleben ist des Menschen OO
ganze Macht darauf allein beschränkt, OO
daß er zwar dieser Erde Leid ins Un‐ OO
gemessene und niemals Nötige zu OO
steigern fähig ist, ‒ doch ebenso ver‐ OO
mag, das Leid zurückzudrängen in die OO
urgegebenen Bereiche, aus denen es nicht OO
lösbar werden kann, wenn diese „Au‐ OO
ßen”-Welt ‒ und mit ihr jede „Innen”‐ OO
Welt ‒ bestehen bleiben soll, und wahr‐ OO
lich „sollen” sie bestehen! ‒ ‒ ‒
Es kann sich jeder Mensch von vielem OO
Leid befreien, das er in törichter Ver‐ OO
blendung selbst sich schuf, ‒ und OO
vieles Leid kann er vermeiden, macht OO
er nur Gebrauch von seiner Kraft!
91 Die Ehe
In gleicher Weise aber hat er Macht, OO
gar manches Leid von seinen Neben‐ OO
menschen abzuwenden!
Wo immer Menschen sich begegnen OO
mögen, dort wird es ihnen Pflicht, ihr OO
eigenes wie des Nebenmenschen​ OO
Leid zu mindern! ‒ ‒
Wenn aber Menschen, die sich nie im OO
Leben sahen, niemals wiedersehen wer‐ OO
den, hier ein Pflichtgebot erkennen OO
müssen, so gilt es heiliger und bin‐ OO
dender fürwahr noch für die innigste​ OO
Vereinung zweier Menschen, die in der OO
Ehe eine neue Lebenseinheit bilden, OO
um sich gegenseitig durch Er-gänzung​ OO
zu vollenden! ‒ ‒ ‒
Und wo ist leichter Leid von seinem OO
Nebenmenschen abzuwenden, als hier, OO
wo Weib und Mann in einem Leben der OO
92 Die Ehe
Gemeinsamkeit von allen Leidgefahren OO
wissen, die ihnen gegenseitig und ge‐ OO
meinsam drohen können!? ‒ ‒
Die Ehe kann ein Born der Freude​ OO
sein, ‒ man kann sie aber auch zu​ OO
einem Pfuhl des Leides wandeln!
Wer nicht des anderen Eheteiles Glück​ OO
in seiner Ehe als sein höchstes Ziel er‐ OO
strebt, der wird gar leicht sich um sein OO
eigenes Glück betrügen, ohne es zu OO
ahnen! ‒ ‒
Wer aber wirklich in der Liebe ist, der OO
wird weit eher selber leiden wollen, OO
als daß er je den anderen Eheteil im OO
Leide sehen könnte. ‒ ‒ ‒
Es wird ihm nichts beschwerlich fallen, OO
wenn er weiß, daß er des anderen Tei‐ OO
les Leid dadurch vermindern kann... OO
93 Die Ehe
Nun aber ist es keineswegs damit​ OO
getan, daß man sich nur darauf be‐ OO
schränke, allem Leid zu wehren, dem OO
man wehren kann! ‒
Erst dort ist höchste, schönste Menschen‐ OO
pflicht erfüllt, wo man das Leid des OO
Anderen durch Freude, die man in sein OO
Leben bringt, verdrängt!
Wo aber läßt sich schöner noch, als in OO
der Ehe, solche Liebespflicht erfüllen?! ‒ OO
Es sind im Leben einer Ehe viele Dinge OO
aufzufinden, die der Freude Anlaß wer‐ OO
den können, sich zu äußern und ein OO
großes Leid im Keime zu ersticken... OO
Doch ist es hier vonnöten, daß man zu OO
erfühlen suche, was der Andere er‐ OO
sehnt: was er als Freude zu empfin‐ OO
94 Die Ehe
den weiß, denn allzuleicht kann hier OO
auch bester Wille irren, wenn er dazu OO
verleitet, nur das eigene Empfinden und OO
Ersehnen als das allgerechte Maß der OO
Dinge anzusehen. ‒ ‒
Was dir gewißlich höchste Freude​ OO
wäre, kann deinem Gegenpole kaum​ OO
beachtsam scheinen, und seine Freude OO
mag vielleicht nur dort erstehen, wo OO
dein Empfinden völlig unberührt ge‐ OO
blieben wäre...
Wie aber dem auch sei, und wie gar sehr OO
du auch „daneben greifen” magst, so OO
darfst du doch in keinem Falle eine OO
„Kränkung” darin sehen, daß dein Be‐ OO
streben nicht zum Ziele führte, weil deine OO
liebevoll erdachte Freude für den An‐ OO
deren nicht als solche aufgenommen​ OO
wurde! ‒ ‒
95 Die Ehe
Soll dir Erfahrung wirklich Nutzen​ OO
bringen, dann wirst du mit dir selbst zu OO
Rate gehen müssen, um am Ende zu er‐ OO
kennen, daß du verabsäumt hattest, dich OO
in anderes Empfinden einzufühlen, OO
denn wenn auch innigste Gemein‐ OO
samkeit euch beide eint, so bleibt doch OO
jeder von euch beiden noch in seinem, OO
ihm nur eigenen Empfindungs-Leben, OO
und dessen Ablaufsrhythmus wird be‐ OO
stimmen, was er, im jeweils sich erge‐ OO
benden Moment, als Freude werten​ OO
kann...
Suche also nicht dich selbst, in deinem OO
Willen, Freude für den Anderen zu OO
bereiten! ‒
Wer sich stets Freude schaffen will, der OO
suche stetig seine Freude darin: Ande‐ OO
ren auf ihre Weise Freude zu bereiten! OO
‒ ‒ ‒
96 Die Ehe
Vergeblich aber wirst du Freude​ OO
spenden wollen, solange du noch OO
Zweifel hegst an deiner Kraft, die OO
Freude zu erzeugen! ‒
Nie darfst du etwa glauben, daß dir OO
nicht gelingen könne, was dir, aus OO
irgend einem Grunde, leider oftmals​ OO
nicht gelang!
Du mußt dich selber aber erst zur Freude OO
„stimmen”, bevor du dem mit dir ver‐ OO
einten Menschen Freude bringen willst! OO
‒ ‒
Nur, wer im Überflusse „hat”, kann OO
Freude überfließen lassen in den An‐ OO
deren! ‒
So suche denn vor allem eine Quelle OO
steter Freude in dir selber zu erschür‐ OO
fen, so daß du unabhängig wirst von OO
97 Die Ehe
allem äußeren Geschehen, und nicht der OO
Freude Anlaß erst von außenher er‐ OO
warten mußt, auch wenn du solchen OO
Anlaß, wo er sich auch immer bieten​ OO
mag, stets nützen sollst! ‒
Du wirst jedoch am besten jene Freude OO
übertragen können, für die du keinen​ OO
Grund im Außenleben anzugeben weißt! OO
Durch solche Freude wirst du mehr be‐ OO
glücken können als durch jede andere​ OO
Art der Freude, die von außenher ver‐ OO
anlaßt wird! ‒ ‒ ‒
Vergesse aber trotzdem auch die klei‐ OO
nen Freuden nicht, zu denen jeder Tag​ OO
dir ja so manchen Wink und Hinweis​ OO
bringt!
Achte nichts als zu gering, wenn es dir OO
98 Die Ehe
dazu dienen kann, auch nur die aller‐ OO
kleinste Freude zu bereiten! ‒ ‒
Oftmals gebar die kleinste Freude​ OO
schon ein großes, lang ersehntes​ OO
Glück! ‒ ‒ ‒
Im Leben einer Ehe gibt es täglich „tau‐ OO
send” Möglichkeiten, kleine Freuden​ OO
zu er-finden, die gegenseitige Be‐ OO
glückung bringen, und sei es auch für OO
kurze Augenblicke nur...
An keiner solchen Möglichkeit darf man OO
vorübergehen, ohne sie zu nützen! ‒ ‒
Wo immer du das Glück in einer Ehe OO
dauernd heimisch weißt, dort wirst du OO
auch bemerken, daß man sehr erfinde‐ OO
risch die kleinen Freuden zu gestalten OO
sucht, zu denen jede Stunde neuen An‐ OO
laß bringt...
99 Die Ehe
Der gute Gärtner wird in seinem Blüten‐ OO
garten auch die allerkleinsten Blüm‐ OO
lein niemals übersehen, mögen sie auch OO
recht bescheiden scheinen, neben jenen OO
hochgestielten Farbenwundern, deren OO
Beet sie rings umfassen.
So aber ist auch in der Ehe: selbst der OO
kleinste Freuden-Anlaß nicht bedeu‐ OO
tungslos, und darf nicht übersehen​ OO
werden, will man des ehelichen Blüten‐ OO
gartens schönste Harmonie gestalten! OO
‒ ‒ ‒
Ist aber Ehe einer Zweiheit wahre Ei‐ OO
nung, und muß Leid ertragen werden OO
im Verlauf des Lebens, das oft nur in OO
Vereinung zweier Willen noch ertrag‐ OO
bar ist, ‒ so bleibt auch Freude zu er‐ OO
streben, wie sie die Zweiheit dann nur OO
100 Die Ehe
schaffen kann, wenn sie Verschmelzung​ OO
fand in neuer Lebenseinheit. ‒ ‒
Hier ist dann jeder Teil der Schen‐ OO
kende und der Beschenkte, und beide OO
nur gemeinsam sind imstande, diese​ OO
Freude, die der Einheit Farbe trägt, zu OO
mehren!...
Nur wo der Wille beider Teile völlig OO
sich geeinigt findet, ist solcherart dem OO
Leide zu begegnen, und kann in gleicher OO
Weise höchste Freude aus der Einung OO
sprießen! ‒
Die Ehe, die hier weiß um ihre Macht, OO
und sie gebraucht, wird nie im Leide​ OO
Schaden nehmen können, und nie an​ OO
Freude Mangel leiden! ‒ ‒ ‒
Sie kennt die Kunst, das Leid in seine OO
engste Grenze einzubannen!
101 Die Ehe
Sie weiß von einer Freude, die auch OO
alles Leid nicht mehr verdunkeln kann! OO
Und solche Freude, solche Kraft der​ OO
Leidverdrängung wird aus dieser Ehe​ OO
auch auf alle anderen Menschen über‐ OO
strahlen, die mit den Ehegatten in Be‐ OO
rührung kommen...
So wird dann diese Ehe segensreiche​ OO
Wirkung schaffen, weit über ihren​ OO
eigenen Bereich hinaus, und wahrlich OO
unvergleichlich mehr an Gutem för‐ OO
dern als so mancher andere Ehebund, OO
in dem die beiden Ehegatten längst ver‐ OO
lernten, sich noch gegenseitig Freude OO
zu bereiten, und von der Freude, die aus​ OO
ihrer Einung kommen könnte, keine​ OO
Ahnung haben, ‒ weil sie vor lauter OO
Sorge, anderen Menschen in geschäf‐ OO
tiger Betätigung zu helfen, nicht mehr OO
die erste Pflicht erkennen, ihre eigene​ OO
102 Die Ehe
Ehe erst harmonisch zu gestalten. OO
‒ ‒ ‒
Im stärksten Gegensatz zu einer sol‐ OO
chen irrig überwerteten Geschäftig‐ OO
keit, die ihre Pflicht zur „Nächsten‐ OO
liebe” bei den Allerfernsten erst be‐ OO
ginnen fühlt, und Andere beglücken​ OO
will, derweil sie alles Glück aus ihrem​ OO
eigenen Hause scheucht, ‒ wird eine OO
Ehe, die das Glück der Einheit in der​ OO
Freude aus der Einung kennt, kaum OO
wissen, daß sie Anderen hilft, indem OO
sie, nur in ihrem eigenen Bereich, das​ OO
Leid der Erde mindert, und das den‐ OO
noch unvermeidbar bleibende durch​ OO
Freude zu verdrängen sucht. ‒ ‒ ‒ OO
Solche Ehe aber ist ein wahres Heilig‐ OO
tum der Freude, aus dem noch fernsten, OO
103 Die Ehe
kommenden Geschlechtern Segen strö‐ OO
men wird! ‒ ‒ ‒
Ein Heiligtum der Freude in der Welt OO
des Leides aber sollte jede Ehe hier OO
auf Erden sein, und eine jede Ehe kann​ OO
zu solcher Höhe sich erheben, so es nur OO
nicht am Willen beider Eheteile fehlt, OO
die reine, hehre Freude zu gestalten, die OO
nur in der geeinten Zweisamkeit der​ OO
Ehe sich gestalten läßt! ‒ ‒
Soll diese Erdenmenschheit einst zu der OO
Vollendung kommen, die ihr auch hier: OO
in dieser „Außen”-Welt schon werden OO
kann, ‒ dann wird allein die wahre Ehe​ OO
dieses Wunder wirken müssen: ‒ die​ OO
Ehe, die sich selbst in Freude zu​ OO
vollenden weiß! ‒ ‒ ‒
Damit sie es auch wirken könne, muß OO
104 Die Ehe
sie vertausendfacht erstehen, wis‐ OO
send um die hohe Macht, der Erde Leid​ OO
zu bannen und der Erde reinste Freu‐ OO
den zu vermehren! ‒ ‒ ‒
*          *
*
105 Die Ehe
FÜNFTES KAPITEL
VON
VERSUCHUNG UND GEFAHR
WO Liebe eine Ehe schuf, dort ist OO
die Einheit beider Eheteile so OO
gegründet und umhegt, daß selten​ OO
nur von außenher noch Störung gegen‐ OO
seitigen Empfindens kommen kann...
Und doch bleibt keine Ehe so geschützt, OO
daß ihr Versuchung nicht zu nahen OO
wüßte!
Stets aber wird es sich beim Nahen der OO
Versuchung zeigen, ob eine Ehe wirk‐ OO
lich in der echten Liebe wurzelt, oder OO
ob nur Neigung Mann und Weib zu‐ OO
sammenführte, ‒ Neigung, die auf bei‐ OO
den Seiten auch sehr leicht durch andere​ OO
Neigung wieder zu verdrängen ist...
Wo eine Ehe wurzelfest in echter Liebe​ OO
gründet, dort wird auch heftigste Ver‐ OO
suchung ihr nicht Schaden bringen OO
können!
109 Die Ehe
Selbst wenn Versuchung nur durch OO
schweren Kampf sich noch besiegen OO
läßt, wird doch zuletzt die Liebe Sieg OO
erringen, denn alle Kräfte der Versu‐ OO
chung sind nicht fähig, weiter Wider‐ OO
stand zu leisten, sobald sich echte Liebe​ OO
ihrer Kraft bewußt wird, und aus dieser OO
Kraft heraus bekämpft, was sie be‐ OO
drohen will! ‒ ‒
Trotz allem aber sollst du wachsam​ OO
sein, und nicht erst warten, bis Versu‐ OO
chung so erstarkt, daß sie nur noch​ OO
durch schweren Kampf besiegbar ist! OO
Du kannst dich selbst zu solcher Wach‐ OO
samkeit erziehen, so wie du dich auch OO
leichten Sinnes der Versuchung über‐ OO
lassen kannst, bis sie dich hart be‐ OO
drängt und starke Gegenwehr er‐ OO
fordert. ‒ ‒
110 Die Ehe
Versuchung kann dir allerorten nahen, OO
auch wenn du sie gewiß nicht suchst, OO
ja dann auch, wenn du sorglichst deine OO
Wege wählst, um ihr nur ja nicht zu be‐ OO
gegnen, da sie deine Furcht erregt. ‒ OO
Versuchung aber ist noch keine OO
„Schuld”!
Erst, wenn du anfängst, ihr Gehör zu​ OO
schenken, ‒ sie dir zu nahe kommen​ OO
läßt, ‒ sie hegst und mit ihr spielst, OO
‒ wirst du dich wahrlich nicht mehr OO
schuldfrei wähnen dürfen! ‒ ‒
Auch wenn du noch zu gutem Ende OO
Sieger bleibst, hast du dich doch mit OO
schwerer Schuld beladen, und wirst OO
nunmehr nicht ruhen dürfen, bis alle OO
Folge dieser Schuld aus deinem Leben OO
schwindet! ‒ ‒ ‒
111 Die Ehe
Vielleicht wirst du dir selbst gestehen OO
müssen, daß du gar oft nicht wachsam OO
warst, wo Wachsamkeit von dir ge‐ OO
fordert werden konnte? ‒
Vergeblich wäre es, wenn du dich nun OO
in Selbstqual winden wolltest!
Du wirst nun jetzt mit allen Selbstvor‐ OO
würfen nichts mehr ungeschehen ma‐ OO
chen können, und deines Fehlers Spu‐ OO
ren kannst du nur aus deinem Leben OO
tilgen, wenn du dafür sorgst, daß alles OO
Übel, das aus ihm entstand und noch OO
entstehen könnte, an seiner Auswir‐ OO
kung verhindert wird. ‒ ‒
Aus jeglicher Erfahrung sollst du Lehre​ OO
ziehen, und so wird dich dein Strau‐ OO
cheln lehren können, wie du durch OO
Wachsamkeit dich künftig frei von​ OO
Schuld erhalten kannst, auch wenn du OO
112 Die Ehe
nicht imstande sein wirst, der Versu‐ OO
chung immer auszuweichen...
Die leiseste Empfindung mußt du OO
kontrollieren lernen, mußt sie wägen, OO
und im selben Augenblicke von dir OO
weisen, in dem du fühlst, daß sich in OO
ihr bereits Versuchung zu verbergen OO
trachtet!
Erkennst du so das Feindliche so‐ OO
gleich, wenn es sich naht, dann wird OO
es immer leicht sein, es zu überwin‐ OO
den, und niemals wirst du wirklich ‒ OO
in des Wortes letztlicher Bedeutung ‒ OO
„in Versuchung fallen”! ‒ ‒ ‒
Nur, wenn du Wohlgefallen an der OO
ersten Regung der Versuchung findest, OO
wird Versuchung dir zur Schuld!
Es kann dir großer Kraftzuwachs aus OO
113 Die Ehe
der Versuchung kommen, wenn du stets OO
wachsam bleibst und sie in jeglicher OO
Verkleidung zu erkennen suchst, um ihr OO
den Zugang in dein Inneres zu wehren. OO
‒ Ein jeder Mensch hat irgendeine OO
„schwache Seite”, und stets wird die OO
Versuchung seine Schwäche auszu‐ OO
spüren wissen. ‒
Begegnest du jedoch dem ersten Na‐ OO
hen schon mit Abwehr, und mit einem OO
„Nein”, das kein Paktieren kennt, dann OO
wirst du immer mehr, ‒ gerade dort, wo OO
Stärkung dir vonnöten ist, ‒ erstar‐ OO
ken! ‒ ‒
Du wirst durch deine Wachsamkeit dich OO
gänzlich wandeln, so daß dir jegliche OO
Versuchung ungefährlich wird, weil OO
Abwehr dir Gewohnheit wurde, und OO
die Versuchung dann vergeblich eine OO
114 Die Ehe
unbewachte Pforte sucht, durch die sie OO
Einlaß zu dir finden könnte!...
Dann aber erst bist du geborgen, und OO
dann erst darf man dir Vertrauen​ OO
schenken!
Dann erst wird deine Ehe so behütet​ OO
sein, daß sie dir alles geben kann, was OO
sie, in unerschöpflich reicher Fülle, OO
Mann und Weib, die wert sind, ihr My‐ OO
sterium zu erleben, stetig neu zu geben OO
hat! ‒ ‒ ‒
Du trägst nicht nur für dich allein die OO
heiligste Verantwortung, sobald du OO
dich dem Anderen verpflichtet hast, mit OO
ihm die Geisteseinheit einer Ehe aufzu‐ OO
richten!
Die Ehe ist auch nicht nur: ‒ „mensch‐ OO
licher Vertrag”, obwohl der andere​ OO
115 Die Ehe
Eheteil ein un-bedingtes Recht an dich OO
erlangte, und du ihm dann selbst noch​ OO
die „Treue” schuldest, wenn er be‐ OO
trügerisch sie bricht. ‒ ‒ ‒
Ein jegliches Gelöbnis zwischen Mann OO
und Weib, in dem sich beide Teile ehe‐ OO
liche Einung dargeloben, stellt vielmehr OO
ein kosmisches Geschehen dar, und OO
bindet nicht nur beide Ehegatten, ‒ OO
bindet nicht nur aller Menschheit ge‐ OO
genüber, sondern reicht mit seinem OO
„Jawort” auch hinein in höchste Gei‐ OO
steswelt! ‒ ‒ ‒
Es wird nur lösbar, wenn der „Tod” OO
die beiden Eheteile scheidet, oder, wenn OO
‒ durch triftigste und schwerste​ OO
Gründe ‒ beide Teile sich gezwungen OO
sehen, sich gegenseitig voneinander zu OO
befreien, indem sie, ‒ ebenso gemein‐ OO
sam, wie es einst geschlossen wur‐ OO
116 Die Ehe
de, ‒ ihr Gelöbnis vor einander, OO
vor aller Menschheit, wie auch vor​ OO
dem wesenhaften Geiste wider‐ OO
rufen, ‒ es sei denn, daß der eine Teil, OO
auch ohne solchen Widerruf, den an‐ OO
deren verlasse, oder sonstwie ihm OO
unmöglich mache, das Gelöbnis auf‐ OO
rechtzuerhalten...
Solange also dein Gelöbnis noch zu​ OO
Recht besteht, bist du in dreifacher​ OO
Verpflichtung, aus der kein „Gott” OO
dich zu befreien wüßte! ‒ ‒
Es wird Verantwortung von dir ge‐ OO
fordert werden, auch wenn du während OO
dieser kurzen Spanne Zeit, ‒ die auch OO
das längste Erdenleben darstellt vor OO
der Ewigkeit, ‒ dich jeglicher Verant‐ OO
wortung entzogen wähnst! ‒ ‒ ‒
Daß Andere Versuchung suchen und OO
117 Die Ehe
ihr keinen Widerstand entgegensetzen, OO
kann niemals dich von deiner Schuld OO
entlasten!
In deiner Ehe bleibst du für dich selbst​ OO
verantwortlich, und Niemand kann dir OO
helfen die Verantwortung zu tragen, OO
‒ Niemand kann sie von dir neh‐ OO
men, ‒ wenn man dich hier auf Erden OO
auch entschuldbar finden mag!
Auch vor dem Angesicht der Ewig‐ OO
keit magst du vielleicht „entschuld‐ OO
bar” sein, und doch bleibst du verhaftet OO
der Verantwortung, so daß du alle​ OO
Folge deiner selbstgeschaffenen Im‐ OO
pulse tragen mußt, bis auch der letzte OO
seine Auswirkung erreichte in der OO
Kette des Geschehens! ‒ ‒ ‒
Einst lehrte Einer, der dies wahrlich OO
118 Die Ehe
aus dem Geiste lehren durfte, daß da OO
ein Jeglicher schon Ehebruch begehe, OO
der durch den Anblick eines Weibes sich OO
verführen lasse, es auch leiblich zu be‐ OO
gehren.
Man hat an diesem Wort vielfach sehr OO
wenig Wohlgefallen, und suchte es zu OO
drehen und zu deuteln, da es so manchen OO
nicht behagen will. ‒
Ich aber muß dir sagen, daß auch schon OO
jedes Hegen und geflissentliche​ OO
Steigern der naturbedingten​ OO
Schwingung der Erotik zwischen​ OO
Mann und Weib, ‒ sobald es einem OO
anderen Menschen, als dem eigenen​ OO
Ehegatten gilt, ‒ die Ehe schändet, OO
auch wenn sich solche Steigerung noch OO
keineswegs dem leiblichen Begehren​ OO
nähert, und somit noch nicht zum Ehe‐ OO
bruch im Unsichtbaren führt! ‒ ‒ ‒ OO
119 Die Ehe
Selbst wenn du durch ein Abbild dich OO
verleiten läßt, geschlechtsbewußte​ OO
Regung zu empfinden und dich ihr​ OO
zu überlassen, ‒ schändest du die OO
Ehe! ‒ ‒ ‒
Du mußt dich selbst dazu erziehen, OO
Schönheit auch am anderen Ge‐ OO
schlecht bewundernd zu betrachten, OO
ohne auch die leiseste Erregung der​ OO
Erotik ins Bewußtsein einzulassen! OO
Jeder wahre Künstler, dem die mensch‐ OO
liche Gestalt zum Vorbild seiner Schöp‐ OO
fung wird, muß solcherart sein Vor‐ OO
bild sehen lernen und kann dir sagen, OO
daß in seinem, von Erotik völlig los‐ OO
gelösten Schauen, wundersame see‐ OO
lische Beglückung möglich ist, die OO
jedem sich versagt, der hier ge‐ OO
120 Die Ehe
schlechtsbewußte Regung hegt, und​ OO
niemals dem Begehrenden erreich‐ OO
bar wird...
Daß du auch Künstler finden kannst, die OO
selbst ihr Können noch zum Makler​ OO
der Begehrlichkeit erniedrigen, kann OO
dir nur zeigen, daß auch Künstlertum​ OO
nicht schützt vor niedriger Verskla‐ OO
vung an die Tiernatur, wenn sich der OO
Mensch nicht selbst aus solcher Skla‐ OO
verei befreien will. ‒ ‒ ‒ ‒
Du kannst nicht streng genug dich OO
selber kontrollieren, willst du dich OO
lösen aus der Hörigkeit, und dein OO
Geschlechtliches beherrschen lernen! OO
‒ ‒ ‒
Jede dich umschleichende Empfindung, OO
die vor allerstrengster Prüfung nicht​ OO
121 Die Ehe
bestehen kann, mußt du entweder von​ OO
dir weisen, oder aber sie in Bahnen OO
zwingen, die sie völlig der Geschlecht‐ OO
lichkeit entziehen!
Laß' dich nicht irreführen durch die laxe OO
Art, in der man meistens diesen Dingen OO
gegenübersteht und sie als leichthin läß‐ OO
lich „Menschliches” betrachtet, ohne OO
sich der Schmach bewußt zu werden, OO
die man schon durch das Wort allein​ OO
auf seinen Menschennamen wirft! ‒ ‒ OO
Wo immer du es nicht vermagst, die OO
Anderen aus ihrer Tiergebundenheit in‐ OO
soweit loszulösen, daß sie selbst zu​ OO
Willen kommen um sich völlig ihr OO
dann zu entwinden, dort sollst du Nach‐ OO
sicht üben, bis auch einst noch ihre​ OO
Stunde schlagen wird!
Wo sie jedoch dich selbst behindern​ OO
122 Die Ehe
wollen, deine Freiheit zu erringen, OO
dort ist Abkehr heilig-hohe Pflicht! OO
‒ ‒ ‒
Ich lehre nicht, daß man Versuchung OO
immer meiden könne, sondern zeige, OO
wie man ihrer sich erwehren kann!
Auch wenn du aus der Welt entfliehen​ OO
wolltest, würde dich Versuchung noch​ OO
in deiner fernsten Einsamkeit zu​ OO
finden wissen...
Du mußt dich so erziehen, daß du ihr OO
allerorten und zu jeder Zeit begeg‐ OO
nen kannst, ‒ des Sieges schon im OO
voraus sicher, ‒ nicht mehr erregbar, OO
mag sie auch mit allen Künsten locken: OO
‒ gelassen in der Abwehr, und be‐ OO
stimmten Willens!
Dann wirst du nicht nur deine Ehe heilig OO
123 Die Ehe
halten und vor jeglicher Beschmutzung​ OO
wahren, sondern dir und dem mit dir OO
vereinten Menschen auch gar vieles​ OO
Leid ersparen, selbst wenn es nur das OO
Leid vorübergehender Betrübung​ OO
wäre, was der nächste Tag schon wieder OO
wenden könnte. ‒ ‒ ‒
Noch andere Gefahr jedoch, ‒ kaum OO
minder groß als die Versuchung, die OO
von außenher zu kommen scheint, da OO
du im Äußeren den Anlaß ihrer Aus‐ OO
lösung gewahrst, ‒ kann aus Empfin‐ OO
dungstiefen her der Ehe Glück bedrohen. OO
Auch hier ist Warnung nötig, und auch OO
hier ist vieles Unheil leicht noch abzu‐ OO
wehren, wird sogleich erkannt, daß OO
Pflicht besteht, Gefahr zu bannen... OO
Es gibt in jedem Menschen dieser Erde OO
124 Die Ehe
einen inneren Bereich, den er kaum sel‐ OO
ber kennt, und den er noch viel weniger OO
vor irgend einem Nebenmenschen völlig​ OO
offenbaren kann, ‒ nicht, weil hier OO
Heimliches verschwiegen werden OO
müßte, oder zu Erhabenes sich nicht​ OO
in Worte fassen ließe, ‒ sondern: OO
weil der Mensch hier selbst zu we‐ OO
nig von sich selber weiß...
Nun kann es kommen, daß die Einung OO
zweier Menschen in der Ehe sie ver‐ OO
leitet, auch noch dort nach gegenseitiger OO
Entschleierung zu streben, wo unab‐ OO
weisliches Gebot: Verhüllung heischt, OO
‒ und daß sie dann urplötzlich in Ent‐ OO
setzen sich vor einer gegenseitigen Ent‐ OO
täuschung sehen, die sie selbst herauf‐ OO
beschworen haben, und der nur selbst‐ OO
geschaffene Phantome, die das Eigen‐ OO
bild in wahrheitswidriger Verzerrung​ OO
125 Die Ehe
zeigen, mehr als fragliche Gewähr​ OO
verleihen. ‒ ‒
Man glaubt, man müsse sich einander OO
bis ins Innerste enthüllen, und OO
schreckt alsdann zurück, wenn man sich OO
endlich seelisch nackt zu sehen meint, OO
‒ nicht ahnend, daß man vor einander OO
gegenseitig nur Popanze schuf und OO
ihnen nun mehr glaubt als aller Wirk‐ OO
lichkeit. ‒
Zwei Menschen, die sich stets im Aller‐ OO
tiefsten nur als Eines fühlten, werden OO
sich nun fremd, weil sie in Worten wahr OO
sein wollten, dort, wo Worte nie die OO
Wahrheit wissen können...
Ein äußeres Geschehen, ein Begegnen, OO
oder sonst ein Anlaß, der von außen OO
kam, läßt unversehens Zweifel keimen: OO
126 Die Ehe
ob man sich noch ganz „gehöre”, und OO
allsobald mißtraut man aller Sicher‐ OO
heit des Fühlens, um in sich zu wühlen OO
und zu bohren, bis man sich endlich nun OO
in Herz und Nieren aufgefunden wähnt. OO
Lebendigen Leibes hat man sich seziert, OO
und da man sich auf diese Weise nie‐ OO
mals finden konnte, formte man aus OO
eigenen Eingeweiden das Phantom, in OO
dem man so recht eigentlich sich selbst​ OO
zu haben meint. ‒
So zeigt man nun einander diese Aus‐ OO
geburt des Wahns, und, schreckerfüllt, OO
fühlt man sich von dem Anblick abge‐ OO
stoßen. ‒ ‒
Gar arges Unheil ist auf solche Art aus OO
reiner Torheit nur geschaffen worden, OO
und manche Ehe, die vor Gott bestehen​ OO
bleiben sollte, wurde so zerstört durch OO
127 Die Ehe
einen Wahrheitswillen, der zum Irr‐ OO
tum führen mußte, da er den Worten​ OO
mehr vertraute, als der inneren Ge‐ OO
wißheit fühlenden Erlebens, in der OO
allein die Wahrheit für ihn auffind‐ OO
bar gewesen wäre...
Es ist jedoch nicht nur nicht nötig, daß OO
man alles voreinander auszukramen OO
suche, was dort, wo man sich selbst kaum OO
kennt, als dunkle Regung das Ge‐ OO
fühl beirren will: ‒ es ist vielmehr in OO
jedem Fall verderblich, diese Dinge, OO
die im Lichte eigenen Bewußtseins noch OO
molluskenhafte Formen zeigen, und OO
bald hell, bald dunkel, in der wider‐ OO
streitendsten Verfärbung schillern, OO
geflissentlich hervorzuzerren, um sie OO
in die Form bestimmter Worte einzu‐ OO
pressen! ‒ ‒
128 Die Ehe
Schnell ist ein Wort gesprochen, dessen OO
Folgen selbst in einem langen Menschen‐ OO
leben nicht mehr auszumerzen sind! OO
Bei solchen dunklen Regungen jedoch, OO
die keine klarbestimmten Formen zeigen OO
können, wird außerdem das Wort stets OO
fälschen, wird vergröbern und ver‐ OO
stärken müssen, soll es das noch Un‐ OO
sagbare, Ungeformte formen und zu OO
sagen suchen...
Es werden Worte dann gesprochen, vor OO
denen man erschrickt, noch während OO
sie die Zunge schrill hervorzustoßen sich OO
gezwungen fühlt, als hetzten sie Dä‐ OO
monen...
Im nächsten Augenblicke möchte man OO
das so Gesagte auch schon widerrufen, OO
hätte man nicht, ungewollt, schon wie‐ OO
der weit verletzenderes Wort auf OO
seinen Lippen...
129 Die Ehe
Worte, die man gar nicht sagen​ OO
wollte, tauchen aus Tiefen auf, um die​ OO
man niemals wußte, und diese Worte OO
haben überzeugende Gewalt, für OO
uns, wie für den Andern, obwohl sie OO
alles Andere eher, nur nicht der Wahr‐ OO
heit Zeugnis sind...
Wurden sie jedoch nun einmal ausge‐ OO
sprochen, so holt sie keine Macht der OO
Erde wieder in das Unerkennbare zu‐ OO
rück, und selbst dem späteren, ernsten OO
Widerruf wird man nur zögernd​ OO
schwachen Glauben schenken können. OO
‒ ‒
Und doch hat man sich gegenseitig nur OO
aus einem tollen Wahn heraus belo‐ OO
gen, ‒ derweil man sich nun endlich, OO
‒ so als ob es nie geschehen wäre, ‒ OO
„die Wahrheit” sagen wollte! ‒ ‒
130 Die Ehe
Besonders dann, wenn gar noch Zorn​ OO
und Heftigkeit den Worten Wirkungs‐ OO
kraft zu sichern suchten! ‒ ‒ ‒
Bei ruhigem Betrachten wird man OO
bald bemerken, wie der Schein der​ OO
Wahrheit solchen Worten schwindet, OO
‒ ja, oft wird man entdecken, daß nur OO
das Gegenteil von dem, was man in​ OO
seinem Wahn als „wahr” empfun‐ OO
den hatte, der Wahrheit unverfälschte​ OO
Darstellung geschaffen hätte...
Nun aber kommt Erkenntnis leider viel​ OO
zu spät, und Reue wird jetzt wenig​ OO
ändern können. ‒ ‒
Will man das Unheil, das sich aus zu OO
früh geborenen Worten immer neue OO
Nahrung saugt, dann wieder aus der​ OO
Welt zu schaffen suchen, so hat man OO
131 Die Ehe
wahrlich seine bittere Not, ‒ und schafft​ OO
man es auch endlich fort, so wird es doch​ OO
noch immer Spuren hinterlassen, die OO
niemals gänzlich zu verwischen​ OO
sind. ‒ ‒
Unendlich leichter aber wäre es ge‐ OO
wesen, sich die Rede vorher zu ver‐ OO
wehren, und Dinge, die kein Recht be‐ OO
saßen, Wort zu werden, niemals aus‐ OO
zusprechen! ‒ ‒ ‒
Was sich in jenem inneren Bereich, in OO
dem der Mensch sich selber fremd​ OO
bleibt, zu verbergen trachtet, das hat OO
guten Grund, Verborgenheit zu for‐ OO
dern, und niemals soll man es gewalt‐ OO
sam in das grelle Licht des Tages​ OO
zwingen wollen!
Was Ruhe braucht, wird man am besten OO
stets in seiner Ruhe lassen, damit es OO
132 Die Ehe
nicht in wilder Wut zerstöre, was es OO
auferbauen soll! ‒ ‒
Auch in dem Streben, seine eigene​ OO
Tiefe zu ergründen muß man sich be‐ OO
meistern lernen, damit man nicht ver‐ OO
sucht wird, Tiefen auszuloten, die grund‐ OO
los sind, ‒ und dort das Leben störe, OO
wo es erst nach Formung drängt, OO
die nur in steter Ruhe sich gestalten OO
kann...
Dann aber wird sich jede dunkle Re‐ OO
gung innerer Beirrung als ein Durch‐ OO
gangsstadium völlig andersartiger​ OO
Empfindungsbildung zeigen, ‒ denn OO
stets, wenn sich Empfindung feste Form​ OO
erschaffen will, bedarf sie eines Gegen‐ OO
satzes, den sie sich selber setzen​ OO
muß, um ihn zu überwinden! ‒ ‒ ‒ OO
Zwei Menschen, die in ihrer Ehe ihrer​ OO
133 Die Ehe
Liebe sicher sind, und doch sich täglich OO
neu erproben wollen, um sich auch in​ OO
Worten ihre Liebe zu „beweisen”, OO
begeben sich nur in Gefahr, das Glück, OO
das sie sich schaffen sollen, zu zerstö‐ OO
ren, noch bevor es sich aus seinen Fun‐ OO
damenten frei erheben kann! ‒
Was dir dein innerstes Gefühl beweist, OO
dem sollst du nicht noch Wortbeweis​ OO
zur Seite stellen wollen!
Auch dann nicht, wenn dich eine dunkle OO
Regung unklar wogenden Empfindungs‐ OO
webens in dir selbst beirrt, so daß, OO
was vorher im Gefühl gesichert war, OO
dir nun zur Frage wird! ‒ ‒
Warte gelassen in dir selber Ant‐ OO
wort ab, und übe Schweigen, bis du OO
sie erhalten hast!
134 Die Ehe
Im Schweigen wirst du alle Störung OO
deines Fühlens sicher meistern!
Im Schweigen wird dir deine Ruhe​ OO
wiederkehren, und bald wirst du erneut OO
auch wieder deines Fühlens sicher​ OO
sein!
Dann aber wirst du dich vor jedem​ OO
Wort entsetzen, das da vordem schon OO
auf deiner Zunge schwebte!
Dankbar wirst du deinem Schwei‐ OO
gen sein!...
Vor vielem Unheil hat es deine Ehe OO
dir behütet. ‒ ‒ ‒
Jetzt aber wirst du wahrlich reden​ OO
dürfen!
Glück und Freude hast du neu errun‐ OO
gen, und von Glück und Freude wird​ OO
nun jedes deiner Worte zeugen!
135 Die Ehe
Nur schaudernd denkst du noch zurück OO
an jenen dunklen Tag, der dich schon in OO
Versuchung und Gefahr sah, zu verflu‐ OO
chen, was du nunmehr aus ganzer Seele OO
segnen mußt! ‒
Wahrhaftig: ‒ daß du schweigen konn‐ OO
test, wo die Rede Fluch gewesen wäre, OO
‒ das wird nun deiner Ehe Segen! OO
‒ ‒ ‒
*          *
*
136 Die Ehe
SECHSTES KAPITEL
VOM ZWANG DES ALLTAGS
UNZÄHLIG sind die „unglückli‐ OO
chen Ehen”, in denen sich einst OO
beide Teile als zu allem Glück berech‐ OO
tigt glaubten, bis dieser Traum in Reue​ OO
und Verzicht sein armes Ende fand. ‒ ‒ OO
Es gibt ja leider nur zu viele Gründe, OO
die zu so bitterer Enttäuschung führen OO
können! ‒
Doch geht man sicherlich nicht fehl, wenn OO
man sehr vieler Ehen vornehmlich‐ OO
stes Unglück darin grundverankert​ OO
sucht, daß beide Teile in der Ehe die OO
Erfüllung eines Lebenswunsches zu OO
erreichen glaubten, der, ‒ durch Ver‐ OO
stiegenheiten töricht-lebensferner​ OO
Vorstellung genährt, ‒ im Glück der OO
Ehe sich ein Glück des steten fest‐ OO
lichen Erlebens vorbehalten sah. ‒ ‒ OO
Die Ehe aber ist gewiß kein ewiger​ OO
139 Die Ehe
Feiertag und läßt sich niemals aus dem OO
Zwang des Alltags lösen!
Man kann in ihr nicht immer Feste​ OO
feiern und, beglückt im Liebesrausch, OO
die Welt vergessen! ‒
Gedeihliches Leben braucht seinen OO
Rhythmus: braucht Steigerung und OO
Senkung seines Ablaufs, ohne Unter‐ OO
laß! ‒
So aber muß auch in der Ehe steter OO
Lebensrhythmus herrschen!
Auch dort, wo aller Reichtum dieser OO
Erde zur Verfügung steht, kann eine OO
Ehe nur gedeihen, wenn sie, außer​ OO
ihren Festen, einen Alltag kennt! ‒ OO
So aber ist auch da, wo sich die Not​ OO
des Daseins solchen Alltag zu er‐ OO
zwingen weiß, durchaus kein Grund OO
140 Die Ehe
gegeben, einer Ehe Glück gefährdet zu OO
erachten, wenn nur die beiden Ehegatten OO
diesen Zwang des Alltags so zu OO
nützen suchen, daß er dem inneren Le‐ OO
bensrhythmus ihrer Ehe Kräfte bringt, OO
aus denen ihm auch Feste einst erstehen OO
werden. ‒ ‒
Wohl ist es freilich leichter, sich im OO
Festgewande zu gefallen, als im All‐ OO
tagskleide! ‒
Und leichter ist es, sich gemeinsam OO
heiterem Genießen hinzugeben, als OO
des Alltags schwere Forderungen​ OO
zu erfüllen! ‒
Die Ehe aber kann kein stetes „Arm‐ OO
in-Arm”, ‒ kein stetes Liebeskosen​ OO
sein und wenn auch jeder Eheteil dem OO
anderen nur zu gerne stete Zärtlich‐ OO
keit bezeigen möchte, so wird gar oft OO
141 Die Ehe
die Sorge um des Lebens Notdurft, oder OO
sonstige Verpflichtung, Anderes erhei‐ OO
schen, und Liebesstunden werden Feier‐ OO
stunden bleiben! ‒ ‒
Hierfür fehlt aber allzuoft das rich‐ OO
tige Verstehen!
Man möchte auch den Alltag in der Ehe OO
nur als Fest erleben, und fühlt sich „um​ OO
sein Glück betrogen”, wenn er sich OO
als Alltag zeigt. ‒ ‒ ‒
Zu allem Überfluß läßt es sich meistens OO
nicht verhüten, daß jeder Eheteil in sei‐ OO
nem Alltag einem anderen Bereich des OO
Lebens dienen muß.
Nun kann es sich ereignen, daß der eine​ OO
nach getanem Werke sich auf einer​ OO
Wellen-Höhe des Empfindens fühlt, OO
indessen sich der andere in einer Nie‐ OO
derung weiß, die er erst überwinden​ OO
142 Die Ehe
muß, um seine Höhe wieder zu er‐ OO
reichen.
Wenn man sich nun begegnet, und nicht OO
liebendes Verstehen alsbald aus‐ OO
zuspähen sucht, wie es dem ande‐ OO
ren Teil zumute ist, dann müssen​ OO
beide Teile aneinander leiden, ob‐ OO
wohl sich dieses Leid so leicht vermei‐ OO
den ließe, würde man nicht gar zu sehr OO
von seinem eigenen Erleben einge‐ OO
nommen sein. ‒ ‒
So mancher Zwist wird nur hervorge‐ OO
rufen, weil der eine Eheteil nur seinen​ OO
Alltag kennen will, und für den Alltag​ OO
seines Gegenpoles kein Verstehen​ OO
zeigt!
Man spricht da aus verschiedenen Er‐ OO
lebnishöhen zueinander, und ist „ge‐ OO
kränkt”, wenn man sich nicht ver‐ OO
143 Die Ehe
standen sieht, statt erst einmal des​ OO
Anderen Erlebnislage zu erfassen... OO
Dies alles aber ist nur Folge einer Sucht, OO
den Alltag um sein Recht zu brin‐ OO
gen: ‒ sich seinen Forderungen​ OO
möglichst zu entziehen! ‒ ‒ ‒
Die Sitte, seine Ehe, nach erfolgter äuße‐ OO
rer Bestätigung, sogleich mit einer Reise​ OO
zu beginnen, mag manches für sich​ OO
haben, und doch trägt sie recht oft die OO
Schuld daran, wenn glückliches Be‐ OO
ginnen in Enttäuschung endet. ‒ ‒ OO
Frei von Alltagspflicht, und nur allein OO
dem heiteren Genießen hingegeben, be‐ OO
ginnt ein Ehepaar auf solcher Reise sein OO
Gemeinsamkeitserleben unter Vorbedin‐ OO
gungen, die selten oder nie im Leben OO
wiederkehren.
144 Die Ehe
Zu leicht wird man verführt, in diesem OO
ungestörten Beieinandersein nunmehr OO
des Ehelebens Inbegriff zu sehen.
‒ ‒
Die Tage dieser Reise schaffen eine holde OO
Täuschung, der man gerne sich ergibt, OO
und die man nie beendet sehen möchte. ‒ OO
Doch, ist das Ehepaar, das nun schon OO
glaubt, die Ehe recht zu kennen, end‐ OO
lich heimgekehrt, so meldet sich zu‐ OO
meist auch schon der Alltag an und OO
heischt die Pflicht gesonderten Er‐ OO
lebens.
Die eigenen vier Wände sind der jungen OO
Gattin fremd wie eine Gasthofstätte, ‒ OO
nur ist der eigene Haushalt jetzt da‐ OO
zugekommen und macht das Leben nicht OO
mehr ganz so leicht, wie es erschienen OO
war, solange auf der Reise Andere für OO
145 Die Ehe
alles sorgten, was man zum Behagen OO
brauchte. ‒
Zum erstenmal ist in der jungen Ehe OO
viele Stunden währende, ja oftmals OO
tagelange Trennung beider Ehegatten OO
nötig, und jeder Teil sieht sich vor Auf‐ OO
gaben gestellt, die dem bisherigen Er‐ OO
leben seiner Ehe völlig fremd geblieben OO
waren. ‒ ‒
Schon hier beginnt zuweilen die Er‐ OO
nüchterung des ersten Liebesrau‐ OO
sches, und wahre Liebe sieht sich schon OO
vor ihrer ersten Probe stehen...
Es ist nicht gar so leicht, sich aus der OO
Übersteigerung der Freuden seiner OO
Reisetage nun zu lösen und den „All‐ OO
tag” zu bezwingen! ‒ ‒
In vielen Fällen hätte sicherlich sich OO
146 Die Ehe
Besseres ergeben, wenn die Ehe erst OO
im Alltag aufgerichtet worden wäre, OO
bevor man sie in stetem Feiertage, OO
und losgelöst von jeder Alltagspflicht, OO
erlebte. ‒ ‒ ‒
Wie aber dem auch immer sei, so läßt OO
sich doch hier sagen, daß recht Erheb‐ OO
liches gelungen ist, wenn sich das junge OO
Paar allmählich auch vertraut mit seinem OO
Alltag zeigt, denn Ehe findet stets erst​ OO
dann sich in Bewährung, wenn sie den OO
Alltag zu bemeistern weiß. ‒
Ihr, die der Ehe heilig-hehre Bindung OO
nun vereint, wart euch vielleicht vor OO
gar nicht langer Zeit noch völlig fremd! OO
Jeder von euch Beiden lebte noch sein OO
eigenes Leben, und der Kreis von Men‐ OO
147 Die Ehe
schen, der ihn dort umgab, war ihm ver‐ OO
traut, wie er dem Kreise...
War es bisher das Elternhaus, das euch OO
umhegte, dann mag auch innigstes Ver‐ OO
bundensein euch täglich neu umfangen OO
haben, und treue Eltern- und Geschwi‐ OO
sterliebe war um euer Wohl besorgt.
Vielleicht jedoch wart ihr schon längst OO
dem Elternhaus entwachsen und eure OO
Freunde waren in der Fremde euch er‐ OO
standen?
Jetzt aber habt ihr Beide euch gefun‐ OO
den, und damit trat ein neues Fühlen OO
nun in seine Rechte, das anderer Ar‐ OO
tung ist als Eltern- und Geschwister‐ OO
liebe, ‒ anderer Artung als die tiefste OO
Freundschaft, und das allein euch​ OO
Beiden gegenseitig gilt: niemals mit​ OO
Anderen zu teilen ist...
148 Die Ehe
Glaubt nicht, daß dieses neue Fühlen nur OO
bedingt sei durch das erdenhafte Glück OO
des körperlichen Angehörens!
Wenn echte Liebe euch vereint, dann OO
ist hier wahrlich Anderes in euch er‐ OO
blüht, das euch zwar nun auch körper‐ OO
lich vereint, zugleich jedoch die körper‐ OO
liche Einung überstrahlt mit über‐ OO
erdenhaftem Lichte! ‒ ‒ ‒
Nun seid ihr für das Erdenleben, ‒ OO
zumindest eurem Willen nach, ‒ ver‐ OO
einigt, ‒ doch noch sind hier zwei​ OO
Leben, die sich keineswegs von einem OO
Tage auf den anderen so verschmel‐ OO
zen lassen, daß sie schon wirklich jenes OO
eine neue Leben auch im äußeren Da‐ OO
sein bilden könnten, das höchstes Ziel​ OO
und hehrste Hoffnung eurer jungen Ehe OO
ist! ‒ ‒
149 Die Ehe
Vorerst müßt ihr euch noch gedulden, OO
und alles Streben muß darauf gerichtet OO
sein, in gegenseitigem Gewähren zu er‐ OO
fühlen, wo sich: ‒ die Trennungs‐ OO
punkte eurer beider Lebensläufe zeigen, OO
und: ‒ wo etwa der eine schon dem OO
anderen Einungspunkte darzubieten OO
habe...
Der Zwang des Alltags wird euch​ OO
hier ein guter Lehrer sein! ‒
Ihr werdet sicher sehr viel mehr an​ OO
Trennendem gewahren, als euch lieb​ OO
und wünschenswert erscheint, ‒ OO
doch, wenn die Liebe eure Augen schärft, OO
dann werdet ihr auch bald bemerken, wo OO
das eine Leben sich dem anderen am OO
ehesten vereinen kann...
Was aber eure Leben bisher trennte, OO
150 Die Ehe
‒ in der ganzen Auffassung des Le‐ OO
bens, ‒ das sollt ihr klug, und völlig OO
eures Tuns bewußt, stets mehr und OO
mehr zu übersehen suchen, ‒ doch, OO
was zur Einung eurer Beider, bis vor OO
kurzem noch getrennten Leben führen OO
kann, muß ebenso bewußt gesucht und OO
gegenseitig dargeboten werden.
‒ ‒ ‒
Der Alltag wird euch manche harte Probe​ OO
bringen, die ihr nur dann bestehen​ OO
werdet, wenn ihr euch Beide in dem ste‐ OO
ten Streben findet: ‒ das Einigende​ OO
eurer Beider Art, dem Leben zu begeg‐ OO
nen, in und an euch aufzusuchen, das OO
bisher Trennende jedoch zu ignorie‐ OO
ren!
Die neue häusliche Gemeinsamkeit OO
schon bringt so manche, oftmals nicht OO
151 Die Ehe
ganz leichte Probe, die bestanden​ OO
werden will...
‒ Solange ihr im Einzel-Leben wart, OO
bewohnte jeder von euch Beiden seinen OO
eigenen Raum, den er nach seiner Weise OO
schmückte, und in dem er alles, was ihm OO
lieb und wertvoll war, nach seiner Weise OO
unterbrachte.
Jetzt aber lebt ihr in den gleichen Räu‐ OO
men, und wenn auch äußere Bedingungen OO
es euch erlauben sollten, daß dennoch OO
jeder außerdem sich einen eigenen Be‐ OO
reich für sich allein gestalten kann, so OO
wird auch das gewiß nicht ganz das​ OO
Gleiche sein, wie eure frühere Allein‐ OO
herrschaft in dem euch zugemessenen OO
Raum...
In allem seid ihr Beide aufeinander​ OO
angewiesen, und eure Liebe schon OO
152 Die Ehe
wird euch bewegen, euer Heim doch OO
wohl zu gegen-seitigem Gefallen aus‐ OO
zubauen. ‒
Manche liebgewordene Gestaltung wird, OO
‒ aus welchen Gründen immer es ge‐ OO
schehen möge, ‒ letzten Endes doch dem​ OO
Anderen zuliebe aufgegeben werden OO
müssen, und manche alte Neigung wird OO
zu wandeln sein, wenn eure Räume OO
wirklich eurer Beider Heimstatt werden OO
sollen, in der sich jeder Eheteil „zu‐ OO
hause” fühlt! ‒ ‒ ‒
Nicht minder wichtig als die Woh‐ OO
nung ist die Speise!
Ich rede nicht hier von der Frage, ob OO
man Tierisches genießen solle, oder OO
alles, was vom Tiere stammt, zu meiden​ OO
153 Die Ehe
habe, ‒ und auch nicht von anderen​ OO
„Reformen” der Ernährung!
Wer sich der Sünde fürchtet, ‒ ein OO
Tier zu schlachten, oder zu erjagen, der OO
unterlasse solches, aber er glaube nicht OO
etwa, ein besserer Mensch zu sein, OO
und öde Andere nicht an mit Lehren, OO
die allzubillig sich erhandeln lassen​ OO
auf dem bunten Jahrmarkt mensch‐ OO
licher Verstiegenheiten! ‒ ‒ ‒
Ich aber rede hier nunmehr nur von der OO
Zubereitung dessen, was dem Erden‐ OO
körper neue Aufbaustoffe bieten soll.
Ihr stammt aus zwei verschiedenen El‐ OO
ternhäusern, vielleicht sogar aus von ein‐ OO
ander weit entfernten Heimatsgauen, ‒ OO
und in jedem dieser, schon durch Lan‐ OO
desart vielleicht bestimmten Eltern‐ OO
154 Die Ehe
häuser herrschte eine andere Art der OO
Nahrungszubereitung.
Was jeder aber stets gewohnt war, OO
schätzt er über alle Maßen, ‒ und wie OO
die Speise zubereitet wurde, die man OO
ihm von Kindheit auf zu reichen wußte, OO
so will er sie auch weiter zubereitet​ OO
sehen...
Auch hier gibt euch der Alltag reich‐ OO
liche Gelegenheit euch anzuglei‐ OO
chen!
Mag man auch lächeln, finde ich hier diese OO
Dinge der Erwähnung wert, so wird OO
doch manche Ehe leider aus Erfahrung​ OO
wissen, daß schon oft ein sorglichst OO
wohlbereitetes Gericht die Zwietracht​ OO
an den Tisch des Hauses brachte. ‒ ‒
Ihr seid nunmehr zu Zweien, und ver‐ OO
pflichtet, euch einander anzupassen, OO
155 Die Ehe
obwohl da jeder nur auf seines Eltern‐ OO
hauses Küche schwört, und jeder seine​ OO
eigenen Vorlieben und Abneigungen OO
gegenüber manchen Speisen hegt.
Sehr oft jedoch ist eines Ehegatten OO
„Lieblingsspeise” darum nur dem an‐ OO
deren ein Greuel, weil sie im Aufbau OO
seines Körpers nicht die gleiche Wir‐ OO
kung zeitigt, ‒ und manche Ableh‐ OO
nung der Zubereitung resultiert aus OO
instinktivem Fühlen, daß sie dem​ OO
physiologischen Bedürfnis eigener OO
Natur zuwiderläuft...
Da man jedoch gemeinsam speisen will, OO
so ist es oft recht schwer, weit ausein‐ OO
anderstrebendes Bedürfnis zu befriedi‐ OO
gen, zumal, da vielfach der Geruchsinn​ OO
schon durch diese oder jene, nicht der OO
eigenen Natur gemäße Speise bis zur​ OO
Unerträglichkeit gefoltert wird. ‒ OO
156 Die Ehe
Hier wird nun jeder Eheteil erst zu er‐ OO
fühlen suchen müssen, was dem ande‐ OO
ren Gewohnheit lieb zu machen wußte, OO
oder was er aus Instinkt begehrt, und OO
aus dem gleichen, gut begründeten In‐ OO
stinkt, zu meiden strebt. ‒
Auch hier wird jeder von euch Beiden OO
auszuspüren haben, wo die „Tren‐ OO
nungspunkte” liegen, und wo ihr euch OO
von selbst beim gleichen Wählen und​ OO
Verwerfen findet!
Glaubt nicht, daß solches gegensei‐ OO
tige Verstehen etwa überflüssig wäre, OO
oder, daß ich gar von jenen wunder‐ OO
lichen Ehen rede, in denen nur des OO
Mannes Gaumenlust bestimmt, was auf OO
den Tisch des Hauses aufgetragen wer‐ OO
den darf! ‒ ‒
Der Zwang des Alltags: stetig wieder OO
157 Die Ehe
neue Nahrung darzubieten, gibt für OO
beide Teile einer Ehe reichliche Gele‐ OO
genheit, sich gegenseitig Freude zu​ OO
bereiten und die eheliche Harmonie​ OO
zu fördern, ‒ denn körperliches​ OO
Wohlbehagen löst auch seelisches Be‐ OO
hagen aus! ‒ ‒ ‒
So mag man, wo es möglich ist, auch OO
zu gewissen Tagen dafür Sorge tragen, OO
daß nicht nur Allernötigstes den OO
Tisch des Hauses decke, obwohl ich weit​ OO
davon entfernt bin, hier etwa der Es‐ OO
sens-Schwelgerei das Wort zu re‐ OO
den...
Es läßt sich aber oft mit kleinen Dingen OO
recht viel Freude schaffen, ‒ beson‐ OO
ders wenn aus ihrer Darbietung ersicht‐ OO
lich wird, daß man sich gegenseitig OO
Freude bringen wollte, durch Erfül‐ OO
lung irgend eines kleinen Lieb‐ OO
158 Die Ehe
lingswunsches, der sich mit Leichtig‐ OO
keit erfüllen ließ. ‒ ‒
Wie hier die Frau des Hauses ihres​ OO
Gatten Neigung liebevoll erspähen OO
wird, so möge aber auch der Mann ver‐ OO
suchen, ihr die kleinen Überraschun‐ OO
gen zu bieten, die Frauen meist so​ OO
sehr zu schätzen wissen! ‒ ‒
Ein wenig „Überfluß” ‒ und halte er OO
sich auch in sehr bescheidenen Gren‐ OO
zen ‒ wird in der Ehe, wie auch sonst OO
in diesem Erdendasein, stets das Mit‐ OO
einanderleben freudiger und leichter​ OO
machen, so daß man dort, wo er sich ir‐ OO
gend noch bereiten läßt, gewiß nicht OO
von „Verschwendung” reden darf! OO
‒ ‒ ‒
Hier aber führt ein Schritt nur uns zu OO
159 Die Ehe
einer gegensätzlich anderen Art, den OO
Zwang des Alltags in der Ehe zu OO
empfinden, ‒ und wahrlich: ‒ hier ist OO
bitterer Zwang!
Ich denke an den oft so schweren​ OO
Kampf, um auch nur unentbehrlichste​ OO
Ernährung aufzutreiben, ‒ an den OO
Zwang zu unerbittlichster Erschöp‐ OO
fung aller Kraft, um soviel zu verdie‐ OO
nen, daß man die dringendsten Er‐ OO
fordernisse seines Lebens gerade noch​ OO
bestreiten kann. ‒ ‒
Wahrlich: ‒ die Ehe, die mit solchem​ OO
harten Zwang des Alltags rechnen OO
muß, sieht beider Eheteile Liebe täglich OO
neu vor ernster Prüfung stehen! ‒ ‒ ‒ OO
Zugleich ist aber beiden Teilen hier ‒ OO
wie nirgends sonst ‒ Gelegenheit ge‐ OO
schaffen, sich ihre Liebe zueinander OO
160 Die Ehe
täglich neu zu offenbaren durch die​ OO
Tat: ‒ sich gegenseitig Hilfe darzu‐ OO
bieten, und sich das Allzuschwere ge‐ OO
genseitig zu erleichtern, wie nur Liebe​ OO
hier erleichtern kann. ‒ ‒ ‒
‒ Mehr noch, als in erfreulicheren​ OO
Lebenslagen, werdet ihr euch seelisch​ OO
ineinanderschmiegen müssen, wenn OO
sich der Zwang des Alltags eurer Ehe​ OO
in so harter Weise fühlbar macht!
Gebt nicht dem leisesten Empfinden​ OO
in euch Raum, das euch gerade hier die OO
innere Gemeinsamkeit verlieren lehren OO
könnte, wo sie am allernötigsten ge‐ OO
fordert wird, wollt ihr als Sieger einst OO
aus solchem Kampfe schreiten!
Auf Schritt und Tritt könnt ihr euch hel‐ OO
fen, ‒ selbst, wenn es nicht von​ OO
außen her geschehen kann, wenn nur OO
161 Die Ehe
der eine Eheteil auf seine Weise stets OO
des anderen verbrauchte Kraft in Liebe OO
zu erneuern: ‒ des anderen Teiles OO
schon gesunkenen Mut aufs neue auf‐ OO
zurichten sucht! ‒ ‒ ‒
Vergeßt jedoch auch nicht, daß ihr euch OO
zum Verhängnis werden könnt, wenn OO
beide Teile, ‒ statt sich aneinander im‐ OO
mer wieder zu erheben, ‒ einander OO
niederziehen, weil euch die Not ver‐ OO
führt, zu glauben, daß sie leichter trag‐ OO
bar sei, wenn man sie stetig sich vor​ OO
Augen halte, und auch Sorge trage, OO
daß der Andere sich ja nicht etwa da‐ OO
zu aufzuschwingen wisse, seiner Last​ OO
zu spotten! ‒ ‒ ‒
Ihr könnt euch dann nur wirklich hel‐ OO
fen, wenn Einer stets im Anderen​ OO
lebt, und ihr die Zwangslast, die der OO
Alltag auf euch bürdet, gemeinsam zu OO
162 Die Ehe
ertragen sucht, ‒ verbergend, daß​ OO
sie euch in gleicher Weise wie den​ OO
Anderen drückt! ‒ ‒
Nichts ist törichter, als einen Zustand​ OO
zu bejammern und durch stete Kla‐ OO
gen unerträglich zu gestalten, den OO
man durch eigenes Tun nicht ändern​ OO
kann!
Ist man jedoch imstande, ihn zu än‐ OO
dern, dann wird erst recht die stete OO
Klage nichts verbessern, sondern nur OO
den Antrieb hemmen, der in ganzer​ OO
Kraft vonnöten ist, will man aus sei‐ OO
ner üblen Lage sich befreien. ‒ ‒ ‒
In welcher Weise aber auch der OO
Zwang des Alltags sich in eurer Ehe OO
äußern mag: ‒ er kann in jeder Form OO
163 Die Ehe
euch Segen bringen, wenn ihr ihm OO
richtig zu genügen wißt!
Und ist auch anderes Leben in ihn ein‐ OO
bezogen, so wird auch dieses Leben OO
Segen oder Fluch erfahren, je nach OO
eurer Art, dem Alltag zu begegnen... OO
Man kann nicht segnen und zugleich​ OO
auch an der gleichen Stelle fluchen, ‒ OO
und so auch kann man anvertrautes​ OO
Leben nicht mit Segen und mit Glück​ OO
erfüllen, wenn man zugleich sein eige‐ OO
nes Leben ‒ durch das eigene Verhal‐ OO
ten ‒ nur mit Fluch belädt, und ihm OO
auf solche Weise jede Glückesmög‐ OO
lichkeit entzieht! ‒ ‒ ‒
Erfüllung aller eurer Wünsche aber OO
wird euch werden, wenn ihr dem OO
Zwang des Alltags so Genüge leistet, OO
164 Die Ehe
daß ihr zuletzt ihn ganz beherrschen​ OO
lernt!
Dann werdet ihr auch Feste feiern kön‐ OO
nen, so, wie sie zu feiern sind, soll OO
euch aus ihnen wieder neue Kraft er‐ OO
stehen, um den Alltag zu ertragen, OO
‒ ‒ den gleichen Alltag, der doch OO
letzten Endes immer wieder eurer OO
Feste frohen Anlaß schafft! ‒ ‒ ‒
*          *
*
165 Die Ehe
SIEBENTES KAPITEL
VOM
WILLEN ZUR EINIGKEIT
ES könnte so unendlich viel mehr​ OO
Glück in mancher Ehe sich entfalten, OO
würde man sich mehr bemühen, stets OO
nach Einigkeit zu streben! ‒ ‒
Man unterschätzt gar sehr den Wert​ OO
der Eintracht, als Erhalterin des​ OO
Glückes, sonst würde man sie nicht so OO
oft um eitler Dinge willen stören: ‒ OO
um „Meinungen” und „Ansichten” OO
zum Sieg zu bringen voreinander, die OO
wahrlich wenig wiegen, wägt man in OO
der anderen Hand sein Glück! ‒ ‒ ‒ OO
Durch jegliche Lappalie bringt man OO
seiner Ehe Eintracht in Gefahr, ‒ und OO
wenn sich alle Eheleute, die ihr Glück in OO
Scherben gehen sahen, fragen wollten, OO
was der dann folgenden Zertrümmerung OO
einst ersten Anlaß dargeboten habe, OO
dann würde sich, weit öfter als man OO
169 Die Ehe
glauben möchte, zeigen, daß meist ganz​ OO
lächerliche Störungen der Einigkeit OO
Vernichtung ehelichen Glückes​ OO
wirkten, ‒ auch wenn man später dann OO
noch andere Gründe schuf, die nie​ OO
geschaffen worden wären, hätte man OO
sich vorher nicht entzweit. ‒ ‒ ‒
Ich rede nicht nur von „Rechthaberei” OO
und „Eigensinn”, die beide nur als OO
Wehr der Dummheit, oder als das OO
kläglich armselige Schild verknöcher‐ OO
ter Erstarrung anzusehen sind, als OO
welche sie bekanntlich ja in allen​ OO
Lebensbindungen zum „Schrecken” aller OO
Denkbeweglichen und seelisch​ OO
Freien werden: ‒ zu einem „Schrecken” OO
den nur Mitleid bannt und Ironie ver‐ OO
scheucht! ‒ ‒
Ich rede hier vielmehr von jener Art OO
170 Die Ehe
der Eintrachtstörung bei der die OO
Gegensätze tatsächlich bedeutsam sind, OO
und dennoch Ausgleich möglich wäre, OO
würden Klugheit und Vertrauen​ OO
liebevoll versuchen, die Basis der​ OO
Vereinungsmöglichkeit zu finden, ‒ OO
und schließlich rede ich von einer Tor‐ OO
heit, der ihr Weltbild schon vernichtet OO
scheint, wenn um der Eintracht willen, OO
Weiß als „Schwarz” und Schwarz​ OO
als „Weiß” bezeichnet werden soll!
‒ ‒
Selbst wenn ganz unbestreitbar alles OO
„Recht” auf deiner Seite ist, wirst OO
dennoch du versuchen müssen, einen OO
Ausgleich herzustellen, ‒ auch wenn OO
der Augenblick erfordert, daß du um​ OO
der Eintracht willen auf dein „Recht” OO
verzichtest, bis es der Andere aus​ OO
171 Die Ehe
freien Stücken dir dann später viel‐ OO
leicht zugesteht!
Betrachte, was dein eheliches Glück dir OO
gilt, und wäge dann den Wert der​ OO
Dinge, die es in Gefahr zu bringen​ OO
suchen! ‒
Dann wähle, was dir mehr am Herzen OO
liegt! ‒ ‒
Sehr selten wird es sich um Dinge OO
handeln, die so bedeutsam sind, daß OO
sie dich in Bereitschaft finden müssen, OO
selbst dein Eheglück zu opfern, wenn​ OO
sie nicht in solcher Weise zwischen OO
euch Entscheidung finden, daß ihre OO
strenge Forderung auch im Bestehen​ OO
deines Glücks erfüllbar bleibt. ‒
Zu allermeist wird eheliche Eintracht OO
nur gestört durch Streiten über Fragen, OO
die sehr wohl Antwort der ver‐ OO
172 Die Ehe
schiedensten Gestaltung finden OO
können...
Es kommt nur darauf an, daß du den OO
Anderen alsdann gewähren läßt, wie OO
er nun einmal will, und ruhig wartest, OO
bis er seinen Irrtum einsieht, oder OO
‒ ‒ bis du selbst erkennst, daß du​ OO
im Irrtum warst. ‒ ‒ ‒
So wird dann Harmonie erhalten und OO
euer Eheglück wird durch ein wenig OO
Selbstbeherrschung der Gefahr ent‐ OO
zogen.
Wille zur Einigkeit muß euch zur​ OO
unbedingten Forderung des​ OO
Glückes werden, und keiner beider OO
Teile darf sich dieser Forderung ent‐ OO
ziehen wollen!
173 Die Ehe
Es hängt zu viel von ihrer stetigen​ OO
Erfüllung ab! ‒ ‒
Bei jeder Möglichkeit, die zur Ent‐ OO
zweiung führen könnte, ‒ und sei es OO
auch Entzweiung nur für eine kurze OO
Stunde, ‒ müßt ihr euch klar zu machen OO
suchen, daß doch der Mensch vor​ OO
allen Dingen steht, so daß die Auf‐ OO
fassung der Dinge, die in Frage OO
kommt, doch wahrlich erst in zweiter​ OO
Linie der Beachtung würdig bleibt, wenn OO
sie nicht ganz und gar belanglos​ OO
wird, wo Menschenglück Beachtung OO
heischt!...
Ihr dürft auch nie vergessen, daß diese OO
Auffassung der Dinge, die euch heute OO
„wichtig” scheinen will, zu einer OO
anderen Zeit ganz in Bedeutungs‐ OO
losigkeit versinken kann! ‒ ‒
174 Die Ehe
Vor allem aber lernt erkennen, daß OO
Gegensatz nicht aus der Welt zu​ OO
schaffen ist durch Streit! ‒ ‒ ‒
Auch dort, wo ihr empfindlich leiden​ OO
möget, weil euch plötzlich Gegensätze​ OO
zu Bewußtsein kamen, die als völlig​ OO
unvereinbar gelten, werdet ihr mit OO
allem Streiten, allem Überzeugen‐ OO
wollen nichts gewinnen! ‒ ‒
Ihr werdet euch nur selbst auf solche OO
Weise schließlich um die Möglichkeit zu OO
bringen wissen, eine Brücke aufzu‐ OO
richten, auf der ihr euch begegnen​ OO
und erneut vereinen könntet...
So manche Ehe wäre heute nicht zer‐ OO
stört, wenn man den Gegensatz, der zur OO
Zerstörung führte, einst in sich be‐ OO
ruhen hätte lassen, ‒ der Zeit und​ OO
ihrer Ausgleichswirkung sich ver‐ OO
175 Die Ehe
trauend, ‒ statt sich in Kämpferstellung OO
aufzurecken und sein vermeintlich​ OO
oder wahres „gutes Recht” in Wort OO
und Tat zu suchen, ‒ Verletzung durch​ OO
Verletzung fordernd, ‒ bis das OO
letzte Fünklein Liebe sich in Haß ge‐ OO
wandelt hatte. ‒ ‒ ‒
Ihr aber, die ihr eure Ehe erst be‐ OO
ginnen wollt, ‒ ihr habt die Macht​ OO
noch in den Händen, die so mancher OO
anderen Ehe längst verloren ging: ‒ OO
‒ die Macht, euch bitterste Enttäuschung OO
zu ersparen! ‒ ‒ ‒
So hütet euch denn vor dem ersten​ OO
Streit! ‒ ‒ ‒
Sobald ihr einmal nur im Streite​ OO
euch begegnet seid, habt ihr schon​ OO
viel von eurer Macht verloren!
176 Die Ehe
Zwar mag der Streit durch eure Liebe​ OO
bald geschlichtet werden, aber in den OO
dunklen Schächten unbewußten Füh‐ OO
lens bleibt Erinnerung zurück, auch OO
wenn im Denken alles längst ver‐ OO
gessen wurde...
Bei jedem neuen Anlaß, der zum OO
Streite führen könnte, fühlt ihr euch OO
aus dem Unbewußten nun zur Wieder‐ OO
holung aufgefordert, und ihr erliegt​ OO
dem dunklen Raunen, ohne recht zu OO
wissen, wie euch das geschieht...
Wo einmal Streit war, will er immer​ OO
wiederkehren, wie sehr der Mensch OO
sich auch dagegen sträuben mag, ‒ OO
und stetig wird er neue Gründe auszu‐ OO
heben wissen, aus denen er gespenstig OO
sich beleben kann, wenn man ihn nicht OO
begräbt, noch während er versucht, OO
aufs neue zu erstehen! ‒ ‒ ‒
177 Die Ehe
Darum: ‒ solange ihr den ersten Streit OO
vermeiden könnt, strengt alle eure​ OO
Kräfte an und sucht ihn zu ver‐ OO
meiden! ‒ ‒ ‒
Es wird euch weitaus schwerer, OO
seine Wiederkehr ihm zu versagen, OO
als es euch schwer sein mag, ihm OO
seinen ersten Eintritt in das Leben OO
eurer Ehe zu verwehren!
Habt ihr ihm einmal Rechte zuge‐ OO
standen, so wird er sie zu wahren​ OO
wissen, ‒ und schließlich wird es euch OO
unmöglich scheinen, in eurer Ehe ohne​ OO
Streit zu leben...
Es gibt genugsam Menschen, die es OO
niemals fassen können, daß auch der OO
kleine Streit, der ihnen längst alltäg‐ OO
liche Gewohnheit wurde, aus einer OO
178 Die Ehe
Ehe zu verbannen ist, wenn beide​ OO
Teile ernstlich ihn verbannen wollen!
So, wie dem Fuchs der Fabel jene OO
Trauben „sauer” heißen, die er sich nicht OO
holen kann, so suchen sie nun sich OO
und anderen Eheleuten einzureden, daß OO
eine Ehe, die nur Eintracht kennt, für OO
sie ganz unerträglich wäre, und wohl OO
nur bei Menschen möglich werden könne, OO
die zu keiner resoluten Lebens‐ OO
äußerung befähigt seien...
So töricht solche Rede ist, so frevel‐ OO
haft ist es, den Streit gleichsam als​ OO
integrierenden Bestandteil ehe‐ OO
lichen Lebens aufzufassen!
Wie oft ward leider schon der kleinste, OO
halb aus Scherz geführte Streit, zum OO
ersten Anlaß ehelicher Auseinander‐ OO
179 Die Ehe
setzungen, die endlich alles Glück zer‐ OO
rütten mußten! ‒ ‒
Wo solches aber möglich ist, da ist OO
fürwahr die Pflicht gegeben, alle​ OO
Kräfte aufzubieten, um die Eintracht​ OO
stetig in der Ehe zu erhalten! ‒ ‒ ‒ OO
Doch, auch das beste Wollen mag zu‐ OO
weilen unterliegen, wenn Affekt es OO
plötzlich rücklings überfällt...
Ist so der Streit hereingebrochen, OO
gleich einer Wasserflut, die ihre Dämme OO
brach und nun das blühende Gefilde OO
plötzlich in ein Schlammfeld wandelt, OO
dann muß es eure erste Sorge sein, OO
so bald als irgend möglich solchen​ OO
Zustand wieder aufzuheben, ‒ und OO
nie ist es zu früh, will man die alte OO
Ordnung wiederkehren sehen...
180 Die Ehe
Jetzt ist es mehr als sonst noch nötig, OO
daß ihr Beide guten Willens seid und OO
gegenseitig euch zu helfen sucht, OO
damit euch Harmonie in eurer Ehe OO
wiederkehre!
Nie darf es dazu kommen, daß der eine​ OO
Eheteil dem anderen weiter grollt, OO
auch wenn er dessen Absicht sieht, Ver‐ OO
söhnung anzubahnen!
Doch sollt ihr euch auch jetzt nicht vor‐ OO
einander reinzuwaschen suchen, OO
ängstlich bestrebt, nur ja die liebe eigene OO
Eitelkeit vor Schaden zu bewahren!
Und noch viel weniger sollt ihr nun‐ OO
mehr beginnen, festzustellen, wen die OO
Schuld an dem Zerwürfnis trifft: ‒ wer OO
etwa mehr, wer nicht so sehr im Un‐ OO
recht war!
Es ist töricht, und kann nur zu leicht zu OO
181 Die Ehe
neuem Streite führen, wenn ihr nunmehr OO
mit vielen Worten euch beweisen wollt: OO
‒ „warum” ‒ „weshalb” ‒ „wie‐ OO
so” ‒ ihr euch vergessen konntet! OO
Stets sucht dann nur die Eitelkeit des OO
Einzelnen, ‒ und sei es auch nur völlig OO
unbewußt ‒ zu Wort zu kommen, und OO
will um jeden Preis verhüten, daß​ OO
sie bei dem Friedensschluß etwa​ OO
„Terrain verliere”...
Oft ist der eine Eheteil schon längst OO
bereit, den Frieden anzubieten, und OO
nur die Furcht, durch Abweisung in​ OO
seiner Eitelkeit gekränkt zu wer‐ OO
den, hält ihn zurück, und läßt ihn nicht OO
zum ersten guten Worte kommen. ‒ ‒ OO
So steht ihr Beide euch dann gegenüber, OO
und keiner wagt, sich selbst zu über‐ OO
182 Die Ehe
winden, ‒ keiner will „der Erste” OO
sein, der sich versöhnlich zeige...
In kindlich lächerlicher „Pädagogik”, OO
wollt ihr, die ihr euch eben noch so OO
unerzogen zeigtet, nun euch gegen‐ OO
seitig zu erziehen suchen, wobei ihr OO
ganz im Stillen hofft, erneuten Streit OO
am besten dadurch abzuhalten, daß OO
ihr euch jetzt, ‒ im Herzen längst ver‐ OO
zeihend, ‒ nach außenhin recht un‐ OO
versöhnlich zeigt, da so der Andere OO
sehen könne, wie es schwer sei, nach​ OO
dem Streite wieder Frieden zu er‐ OO
langen...
Ihr solltet euch fürwahr ein wenig vor‐ OO
einander schämen, ‒ vielleicht, daß OO
dann die Scham euch schneller zu‐ OO
einander führen könnte! ‒ ‒
In eurer Art, Versöhnung zu ver‐ OO
183 Die Ehe
suchen, werdet ihr euch gegenseitig nur OO
stets weiter quälen und wenn kein OO
äußeres Geschehen euch zuhilfe OO
kommt, das euch zu zwingen weiß, OO
euch wieder zu vereinen, dann könnt OO
ihr tagelang so weiterschmollen, ohne OO
euch zu finden! ‒ ‒
Ihr kompliziert das ohnehin euch nicht OO
ganz einfach Scheinende in eurer Vor‐ OO
stellung nur immer mehr, und immer​ OO
schwerer wird es euch, Nächst‐ OO
liegendes zu tun, indem ihr gegen‐ OO
seitig eines jeden Mund, ‒ der doch​ OO
nicht weiß wie er die erste Rede​ OO
formen soll, ‒ mit einem resoluten, OO
heißen Kuß verschließen würdet...
Damit es aber niemals euch begegnen OO
kann, daß ihr wie trotzig-ungezogene OO
184 Die Ehe
Kinder aufeinander wartet: ‒ „Wer​ OO
wird nun der Erste sein, der nach‐ OO
gibt?” ‒ so will ich euch raten, daß ihr OO
gegenseitig euch in guten Tagen streng​ OO
gelobt, euch niemals abzuweisen, OO
wenn, nach einer Trübung eures Einver‐ OO
nehmens, der eine Eheteil den anderen​ OO
versöhnen will! ‒ ‒
Ihr sollt euch dabei feierlich ver‐ OO
pflichten, daß eure Aussöhnung auch OO
niemals durch die liebe Eitelkeit​ OO
behindert werden darf, und daß der​ OO
Erste, der Versöhnungswillen zeigt, OO
nicht etwa fürchten muß, sich durch sein OO
Wiedernahenwollen als am meisten​ OO
schuldhaft zu bekennen! ‒ ‒
Ihr sollt euch weiter streng geloben, OO
daß nach erfolgter Aussöhnung, der OO
„Grund” des beigelegten Streites nicht​ OO
mehr Gegenstand erklärender Erör‐ OO
185 Die Ehe
terungen werden darf, und daß es nie​ OO
für einen von euch Beiden etwa „Unter‐ OO
werfung” heißen soll, wenn er, als‐ OO
bald nach einem Zwist, dem anderen​ OO
Teile in Versöhnlichkeit zu nahen​ OO
sucht! ‒ ‒
Wenn es euch schon unmöglich wurde, OO
stete Eintracht zu erhalten, so wird OO
euch wenigstens nun das bestehende​ OO
Gelöbnis helfen, Trotz und Eitel‐ OO
keit zu überwinden, wenn sie euch OO
hindern wollen, euch erneut in Eintracht OO
zu begegnen. ‒ ‒ ‒
Besser freilich ist es, ihr erzieht euch OO
gegenseitig durch das Beispiel und die OO
Tat, und gegenseitig wissend, daß ihr OO
euch dazu erziehen wollt: ‒ zum Wil‐ OO
len zur Einigkeit!
186 Die Ehe
Auch da muß aber alle Eitelkeit von​ OO
vornherein beseitigt werden!
Es muß unmöglich sein, daß einer von OO
euch Beiden etwa „triumphiert”, weil OO
er den anderen in Schwäche sah, und OO
nur durch eigenes kluges Handeln OO
einen Streit vermied! ‒ ‒
Ihr sollt vielmehr, ‒ des Glückes einge‐ OO
denk, daß ihr euch helfen könnt, ‒ in OO
jedem Augenblicke eures Lebens euch OO
auch helfen wollen, ohne aber jemals OO
euch zu überheben, wenn ihr helfen OO
durftet! ‒
Der einen Streit vermeiden half, weil OO
er in kluger Weise „einzulenken”, ‒ OO
„nachzugeben” wußte und nicht noch OO
Öl ins Feuer goß, darf sich wahrhaftig OO
seiner Kraft der Mäßigung er‐ OO
freuen, ‒ allein, in gleicher Weise OO
187 Die Ehe
wird der andere Teil, der sich zur​ OO
Ruhe wenden ließ, auch wenn ihn OO
schon Erregung fassen wollte, sich​ OO
in Freude fühlen dürfen, weil es ihm OO
gelang, sich selbst erneut in eigene​ OO
Gewalt zu bringen. ‒ ‒
Nur dann seid ihr in rechter Auffassung OO
der Dinge, wenn ihr euch gegenseitig​ OO
immerdar zu danken wißt, daß es​ OO
durch eurer Beider guten Willen​ OO
wieder möglich war, die Glücksge‐ OO
fahr zu bannen!
Es ist jedoch auch hier nicht gut, etwa OO
nachher davon zu sprechen, wie man​ OO
der Gefahr entronnen sei, ‒ wo​ OO
sich der Fehler finde, der sie immer‐ OO
hin heraufbeschwor, und wer wohl OO
richtiger gehandelt habe...
Auch ohne jegliche Erwähnung weiß​ OO
188 Die Ehe
der Teil, der sich vorher „vergessen” OO
hatte, daß er fehlte.
Er wird dir sehr zu danken wissen, OO
wenn du es ihm allein nun überlassen OO
willst, in sich die rechte Art und Weise OO
aufzufinden, wie solches Fehlen künf‐ OO
tig meidbar werden könne! ‒ ‒
Nichts aber rächt sich bitterer in​ OO
einer Ehe, als ein Zwang, sich ge‐ OO
genseitig voreinander zu ernied‐ OO
rigen!
Demütigungen voreinander sind das​ OO
fürchterlichste Gift für eine jede Ehe, OO
und nach Jahrzehnten noch kann die‐ OO
ses Gift zur Wirkung kommen! ‒ ‒ ‒ OO
Ihr sollt euch gegenseitig nur in Ehr‐ OO
furcht sehen wollen, und müßt ihr​ OO
euch zuweilen auch in euren Schwä‐ OO
189 Die Ehe
chen sehen, so dürft ihr doch die Ehr‐ OO
furcht voreinander nicht verlieren! OO
Überseht, bewußt, die Schwächen, ‒ OO
redet nie davon, ‒ und zeigt einander OO
nicht, daß einer um des anderen Schwäche OO
weiß! ‒ ‒ ‒
Stärkt ständig gegenseitig euer​ OO
Selbstvertrauen, und lehrt euch, durch OO
die Art, wie ihr euch zu begegnen wißt, OO
die Achtung vor euch selbst! ‒ ‒ ‒
Verpflichtet euch, daß ihr allein das OO
Gute, Starke und Erfreuliche an euch OO
beachten, ‒ was fehlerhaft und OO
schwach ist, aber ignorieren wollt! OO
‒ ‒ ‒
In keinem menschlichen Verhältnis ist OO
es so verhängnisvoll, dem Neben‐ OO
menschen seine Fehler vorzuhalten, OO
als in einer Ehe...
190 Die Ehe
Was man sich in der Ehe gegenseitig OO
lehren kann, das muß für jeden beider OO
Teile aus dem eigenen Erleben re‐ OO
sultieren!
Nie darf man etwa gegenseitig sich „be‐ OO
lehren” wollen, so wie der Lehrer​ OO
seinen Schüler lehrt! ‒ ‒ ‒
Es ist zu tief schon im Geschlechtlichen​ OO
begründet, daß jeder Teil vom anderen OO
nur in der denkbar schönsten Form​ OO
gesehen werden will, als daß ein stetes OO
Lehrenwollen, oder gar ein täppisch‐ OO
tölpelhaftes stetes Fehlerkorrigieren, OO
nicht die unheilvollsten Folgen haben OO
müßte, selbst wenn sich diese Folgen OO
nicht im Augenblicke zeigen! ‒ ‒ ‒ OO
Wie sollen in der körperlichen Einung​ OO
sich die Seelen einen können, wenn OO
stetig der Gedanke Störung schafft, daß OO
191 Die Ehe
hier nur körperlicher Trieb befriedigt OO
werden will, derweil dem anderen Teil OO
nichts recht an einem ist, ‒ es sei OO
denn eben dieser Leib, der sich miß‐ OO
braucht fühlt, wird er nur zum Spiel‐ OO
ball der Begierde von dem Anderen OO
herabgewürdigt!? ‒ ‒ ‒
Kein Mensch ist ganz von allen Fehlern OO
frei, doch ist es nur naturbedingt, daß OO
er sie dort, wo er Geschlechtsverei‐ OO
nung sucht, von seinem Gegenpole OO
übersehen wissen will! ‒
So mancher Ehebruch ist nur begangen OO
worden, weil ein Mensch in seiner eige‐ OO
nen Ehe sich um seiner Mängel wil‐ OO
len so gering geachtet wußte, daß es OO
ihm wie „Erlösung” schien, als er den OO
anderen Menschen außer seiner Ehe OO
fand, der ihn ‒ trotz seiner Mängel ‒ OO
schätzte, und ihn in jener Art zu OO
192 Die Ehe
sehen suchte, wie er selbst gesehen​ OO
werden wollte...
Gewiß ist hier zu sagen, daß das Leben OO
einer Ehe einen Menschen anders zeigt, OO
als er sich dort gibt, wo kein rechter​ OO
Anlaß ist, der seine Fehler offenbaren OO
könnte!
Allein: ‒ gerade so, wie er sich ohne​ OO
seine Fehler gibt, will jeder Mensch OO
von Anderen „genommen” werden... OO
Da es nun in der Ehe aber unvermeid‐ OO
bar bleibt, daß man sich auch in seinen​ OO
Fehlern kennenlernt, so ist da nur zu OO
helfen, wenn man gegenseitig sich​ OO
verpflichtet, daß man mit aller Ab‐ OO
sicht seine Fehler übersehen will. OO
‒ ‒ ‒
So nur wird man sich vieles Leid er‐ OO
193 Die Ehe
sparen und sich gegenseitig wirklich OO
Glück ins Leben bringen!
Versteht ihr, was es heißen will, ein OO
Glück der Einheit als ein Glück zu​ OO
Zweien in der innigsten Vereinung​ OO
aufzurichten, dann wird es euch gewiß OO
gelingen, eure Ehe rein zu halten von​ OO
Verärgerung und Zwist!
Ihr werdet jeglicher Gefahr begegnen​ OO
können, wenn ihr nur euch vereinigt OO
wißt im Willen zur Einigkeit! ‒
Auch hier wird bloßer „Wunsch” nur OO
wenig helfen können!
Es wird nur selten Menschen geben, die OO
nicht „wünschen” würden, Einigkeit in OO
ihrer Ehe zu erhalten...
Wenn es nun trotzdem so viel Streit​ OO
194 Die Ehe
und Zank in manchen Ehen gibt, und OO
auch die scheinbar „guten” Ehen sich OO
noch Überfluß an Leid durch manche OO
Trübung ehelichen Einvernehmens schaf‐ OO
fen, so ist das daran nur gelegen, daß OO
der Wille mangelt! ‒ ‒ ‒
Meist ist man solchen Mangels nicht​ OO
bewußt, da man den „Wunsch” schon OO
für den Willen hält...
Wille zur Einigkeit lebt aber nicht, wie OO
jeder bloße „Wunsch”, nur aus der OO
Hoffnung, daß vielleicht gelingen OO
möge, was man wünscht!
Wille zur Einigkeit ist unverbrüchliche OO
Gewißheit, daß man Einigkeit erhal‐ OO
ten kann und Einigkeit erhalten wird! OO
‒ ‒ ‒
Wille zur Einigkeit kennt keine​ OO
Grenze des Vertrauens zu sich​ OO
195 Die Ehe
selbst, und weiß sich unbesiegbar​ OO
auch wenn ständig ihn Gefahr um‐ OO
droht! ‒ ‒ ‒
Von solchem Willen aber, ‒ nicht von OO
„Wünschen” hängt es ab, ob eurer Ehe OO
stete Einigkeit erhalten bleibt! ‒
So werdet ihr euch nun entschließen OO
müssen, diesen Willen aus dem „Wun‐ OO
sche” zu erwecken und ihn stetig in OO
euch wach zu halten! ‒ ‒ ‒
Seid ihr im wahren Willen zur Einig‐ OO
keit, dann wird Zwietracht eure Ehe OO
nicht erreichen können!
Nichts wird euch gleichen Wertes dün‐ OO
ken, wie euer Glück, das nur errichtet OO
werden kann, wenn Eintracht in der Ehe OO
unverletzlich bleibt! ‒ ‒ ‒
Dann aber wird die Liebe erst in eurer OO
196 Die Ehe
Ehe die Erfüllung finden, die sie in OO
jeder Ehe finden sollte!
Dann ist die Liebe eurer Ehe wahrlich OO
„stärker als der Tod”, und bleibt​ OO
bestehen, wenn auch dieses Erd‐ OO
balls Trümmer längst im Raum zu​ OO
Weltenstaub zermahlen wurden! ‒ OO
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ OO
*          *
*
197 Die Ehe
ACHTES KAPITEL
VON DER
VERERBUNG DES GLÜCKS
WO jemals hier auf Erden Glück​ OO
erstand, da mehrte es die Glückes‐ OO
Möglichkeiten dieser Erde noch für​ OO
fernste Generationen!
Glück aber läßt sich in gewissem Sinne OO
auch „vererben”, und wie sich erden‐ OO
hafter Reichtum fortvererben läßt auf OO
Kind und Kindeskinder, so kann ein OO
Elternhaus sein Glück: ‒ das Glück​ OO
der wahren Ehe, allem was aus ihm OO
hervorgeht, hinterlassen...
‒ Von seinen frühesten Tagen an wird OO
es dem Kinde einer Ehe fühlbar​ OO
werden, ob seiner Eltern Lebensbund OO
mit Glück gesegnet ist, wie es auch OO
fühlen muß, ob Hader und Zerwürf‐ OO
nis beide Menschen trennt, die ihm sein OO
erdenhaftes Leben gaben. ‒ ‒
Wohl kommt es dem Kinde noch nicht OO
201 Die Ehe
zu Bewußtsein, was es fühlt, und doch OO
ist es, ‒ noch nicht imstande, sein OO
Empfinden sich zu deuten, ‒ ge‐ OO
zwungen, jede Schwingung auf‐ OO
zunehmen, die aus dem Blute derer​ OO
kommt, die sich in ihm auf Erden​ OO
irdisch weiterzeugten...
Man weiß sehr wohl, daß sich im Blute OO
Kraft wie Krankheit fortvererben: ‒ OO
Begabung und Talent, wie stumpfes OO
Unvermögen, allein man ahnt zur Zeit OO
noch nicht, daß Blut Aussender und​ OO
Empfänger feinster Strahlen ist, für OO
die das Instrument, das sie bezeugen​ OO
könnte, noch nicht erfunden wurde, ‒ OO
vielleicht auch nie erfunden werden OO
kann. ‒ ‒
So weiß man denn auch nicht, daß​ OO
dieser Strahlen Schwingungsart​ OO
202 Die Ehe
bestimmt wird durch das Eltern‐ OO
paar, ‒ durch Zeit und Ort der väter‐ OO
lichen Zeugung, wie der mütterlichen OO
Schwangerschaft, ‒ und daß natur‐ OO
gegebene Verbindung zwischen Kind OO
und Eltern bleibt, solange dieser Eltern OO
Erdenleben währt. ‒ ‒ ‒
Man weiß nicht, daß hier steter​ OO
Schwingungsaustausch wirkt, durch OO
den der Vater unbewußt des Kindes OO
Seele formt, die Mutter aber noch​ OO
weit stärker dieser Seele Formung OO
mitbestimmt vom ersten Tage an. ‒ ‒ OO
Auch wenn das Kind erwachsen ist, OO
bleibt dieser Schwingungsaustausch stets OO
bestehen, mag ihm dann auch des OO
Kindes Eigenleben stärkere Verdrän‐ OO
gung schaffen, oder mag er nach wie OO
vor in gleicher Weise aufgenommen​ OO
werden. ‒
203 Die Ehe
Nur dann ist eine Art der Trennung​ OO
hier bewirkbar, wenn das Kind bewußt, OO
durch eine neue intensive Einstellung OO
des Fühlens, sich einem anderen Men‐ OO
schen durch die Strahlungen des Blutes OO
zu verbinden sucht.
Dann wird der Austausch zwischen Kind OO
und Eltern zwar nicht völlig auf‐ OO
gehoben, jedoch in seiner Wirkung​ OO
ausgelöscht.
Doch kann er jederzeit erneut in Wir‐ OO
kung treten, durch bloße Willens-Ein‐ OO
stellung. ‒
Von diesen Dingen wußten immer nur OO
sehr Wenige auf Erden, obwohl auch OO
Andere sie erahnten, so daß man von OO
dem „Band des Blutes” sprach, und OO
„Blutsfreundschaft” besiegelt wähnte, OO
204 Die Ehe
wenn zwei Menschen sich zusammen‐ OO
fanden und symbolisch Tropfen ihres OO
Blutes mischten...
Soll ich hier aber geben, was zu geben OO
ist, so muß ich das Bestehen dieser OO
Strahlungen des Blutes vorerst zur OO
Erwähnung bringen, da auf ihnen jene OO
Möglichkeit beruht, das Kind vom ersten OO
Tage seines Daseins an zur Glücks‐ OO
gestaltung anzuregen, wie auch, der OO
Kindesseele Kräfte umzukehren, so OO
daß sie dann in seinem ganzen Leben OO
triebhaft alles aufzusuchen streben, was OO
dem Kinde Unheil bringen muß. ‒ ‒ ‒ OO
Sobald das Kind ins Dasein tritt, wird OO
einer Ehe neue unerhörte Pflicht er‐ OO
wachsen, durch Verantwortung für​ OO
neues Leben, dem man Glück nur dann OO
205 Die Ehe
„vererben” kann, wenn man sich​ OO
selber Glück zu schaffen wußte...
Während irdischer Besitz dem über‐ OO
lebenden Geschlechte aber dann erst OO
„Erbe” werden mag, wenn die Voran‐ OO
gegangenen von dieser Erde scheiden, OO
wird Glück und Unglück schon vom​ OO
Mutterleibe her „vererbt”. ‒ ‒
Und stets wird dieses Erbe dann ver‐ OO
mehrt, und auch vermindert werden OO
können, bis an der Eltern Lebensende OO
auf der Erde...
Ausschlaggebend aber bleibt, was in​ OO
der Kinderzeit dem neuen Leben dar‐ OO
geboten wurde!
Zwar kann das Kind auch später gegen​ OO
dieses Erbe kämpfen, ‒ mag es OO
sein Glückeserbe nicht zu schätzen​ OO
wissen, oder sich aus seinem Unheils‐ OO
206 Die Ehe
erbe lösen wollen, ‒ allein, was ihm OO
die Eltern in der Kinderzeit „vererb‐ OO
ten”, wird niemals gänzlich zu ver‐ OO
nichten sein, ‒ ‒ wie mancher dank‐ OO
bar anerkennen wird, der sich sein​ OO
Glück zu schaffen wußte auf dem​ OO
Unterbau, den ihm das Elternhaus​ OO
bereitet hatte, und was auch leider OO
mancher täglich neu bestätigt findet, der​ OO
schwer zu kämpfen hat, um sich​ OO
von seinem Unheilserbe zu be‐ OO
freien. ‒ ‒ ‒
Ich muß jedoch ausdrücklich hier beto‐ OO
nen, daß ich noch immer von dem „Erbe” OO
rede, das durch des Blutes Strahlung​ OO
jedem Kinde mitgegeben wird, und daß OO
es sich dabei um weitaus Wichtigeres​ OO
und Bedeutenderes handelt, als​ OO
alles darstellt, was durch äußere Er‐ OO
207 Die Ehe
ziehung dargeboten werden kann! OO
‒ ‒ ‒
Wo eine Ehe sich ihr eigenes Glück OO
noch nicht zu schaffen wußte, dort ist OO
das Kind sehr in Gefahr, durch Strahlun‐ OO
gen geformt zu werden in der Seele, die OO
aus dem Blute noch sehr schwanken‐ OO
der und disharmonischer Erzeuger OO
kommen, so daß es dann ein „Erbe” OO
mit durchs Leben schleppen muß, das​ OO
ihm wahrhaftig nicht viel Segen​ OO
bringen kann...
Nicht unbekannt ist vielen Ehepaaren, OO
die arm an äußeren Gütern sind, die OO
Sorge, ob sie auch ein Kind ernähren​ OO
könnten, ‒ und manches neue Leben OO
muß durch solche Sorge seiner Zeuger OO
schon im Mutterleib erfahren, daß es OO
unerwünscht ins Dasein treten wird.
208 Die Ehe
Viel wichtiger jedoch als diese Eltern‐ OO
sorge, die ja doch dann meistens irgend‐ OO
wie noch zu beheben ist, muß stets OO
die Sorge bleiben um das Glückeserbe, OO
das man seinem Kinde darzubieten hat. OO
‒ ‒ ‒
Doch ist auch diese Sorge weitaus OO
leichter aus der Welt zu schaffen, OO
wenn man nur selbst sich zur Erkenntnis OO
durchzuringen weiß, daß man ver‐ OO
pflichtet ist, sein Eheglück sich zu ge‐ OO
stalten, wodurch man dann auch seinem OO
Kinde Glück „vererben” kann. ‒ ‒
Wie aber Eheglück zu schaffen ist, das OO
wurde hier in mannigfacher Weise OO
wahrlich schon genugsam dargelegt. OO
‒ ‒
Zwar weiß ich nur zu gut, daß dieses OO
209 Die Ehe
Buch nicht all' die tausendfältigen​ OO
Gegebenheiten in Betrachtung zie‐ OO
hen kann, die da im Einzelfall von OO
denen, die es angeht, weise zu beachten OO
sind, ‒ doch sind hier alle Einzelfälle​ OO
durchaus einbezogen, so daß sich jede OO
Ehe das, was ihren Sonderfall betrifft, OO
leicht aus des Buches Worten abzuleiten OO
wissen wird...
Ich aber weiß auch, daß es mir unmög‐ OO
lich bleibt, durch Worte der Belehrung OO
nun auf einmal allen Ehen, die bisher​ OO
ihr Glück versäumten, ohne Zutun​ OO
der zunächst Beteiligten, das große​ OO
Glück zu bringen. ‒
Bei keiner menschlichen Beziehung hier OO
auf Erden läßt sich von außenher so​ OO
wenig helfen, Glück zu schaffen, als OO
bei der Ehe!
210 Die Ehe
Hier finden die nur Hilfe, die sich lehren OO
lassen wollen, wie sie selbst sich hel‐ OO
fen können! ‒ ‒ ‒
Ihnen nur ist dieses Buch gewidmet!
Wo wahres Eheglück besteht, dort OO
wird das Kind der Ehe aber nicht nur OO
jenes Glückeserbe mitbekommen, das OO
aus dem Blut der Eltern auf das neue OO
Leben überstrahlt und seinem Blute OO
Rat und Richtung gibt, sondern solches OO
Erbe wird auch Zuwachs finden in dem OO
Außenleben eines Elternhauses. ‒
So wie das Wort nur dann „erzieht”, OO
wenn es durch Beispiel die Bestäti‐ OO
gung empfängt, so wird, was Gutes​ OO
aus dem Blute überstrahlt, verdoppelt​ OO
wirken, wenn das Elternhaus in dem ein OO
Kind heranwächst und in dem es selbst OO
211 Die Ehe
als mitbeteiligt sich erlebt, von Glück​ OO
und Frieden zeugt und ihm den Ein‐ OO
druck in die Seele prägt, daß eine an‐ OO
dere Art zu leben, als sie hier sich​ OO
auswirkt, gar nicht möglich sei. OO
‒ ‒
Mag auch dann später arges Ungemach OO
in eines solchen Kindes Leben treten, so OO
wird es dennoch über dem Geschehen OO
stehen, denn, was das Elternhaus ihm OO
mitgegeben hat, bleibt starker Halt, OO
auch dann, wenn alles Andere wankt! OO
Wer da aus eigener Erfahrung aus dem OO
Elternhause her noch weiß, wie reich die OO
Glückes-Möglichkeiten dieses Erden‐ OO
lebens sind, der wird dem Leben nie‐ OO
mals fluchen können, auch wenn, ‒ OO
verschuldet, oder unverschuldet, ‒ bit‐ OO
teres Leid durch Andere ihm wider‐ OO
fahren mag! ‒
212 Die Ehe
Er findet in sich selbst die Kraft zum​ OO
Neubeginn, und wird sich, ‒ selbst OO
aus Trümmern noch, ‒ sein neues​ OO
Glück zu schaffen wissen! ‒ ‒ ‒
Alles Glückeserbe trägt ja dadurch in OO
sich selbst den hohen Wert, daß es den OO
„Erben” lehrt, sein eigenes Glück zu​ OO
schaffen! ‒ ‒
Es ist ein „Erbe”, das man nur ge‐ OO
nießt, indem man es benützt zu eige‐ OO
nem Wirken! ‒ ‒ ‒
Vergeblich suchen die nach Glück, die OO
immerfort nach neuen Wegen Ausschau OO
halten, auf denen sie ihm wohl begeg‐ OO
nen könnten! ‒
Vergeblich wird man auch das Glück OO
erwarten, so als ob es eines Tages OO
213 Die Ehe
kommen müsse, weil man ein Recht zu OO
haben glaubt auf Glück! ‒ ‒
Man hat kein „Recht” auf Glück, ‒ wohl OO
aber hat ein jeder Mensch die Pflicht, OO
sein Glück zu schaffen, was schon das OO
Volkswort ahnt, wenn es von einem, OO
den es „glücklich” nennt, zu sagen weiß: OO
Er hat sein Glück „gemacht”! ‒ ‒ ‒
Nirgends wird man wahres Glück​ OO
auf Erden finden, ‒ es sei denn, OO
daß es einer sich geschaffen hätte! OO
‒ ‒ ‒ OO
Auch jenes Glückeserbe, das dem Kinde​ OO
durch die Eltern werden kann, muß OO
erst geschaffen werden von den El‐ OO
tern! ‒ ‒
Es wird erst dann dem Kinde wirken‐ OO
der Besitz, wenn sich das Kind, bereits OO
herangewachsen, nicht mehr nur an sei‐ OO
214 Die Ehe
nem Glückeserbe freut, sondern er‐ OO
kennt, daß ihm nun Pflicht erwächst, OO
sein Erbe zu gebrauchen, und auf ihm OO
sein eigenes Glück sich zu erbauen. OO
‒ ‒
Die aber werden es am besten bauen OO
lernen, die schon im Elternhause mit‐ OO
erlebten, wie ein Glück sich aufer‐ OO
bauen läßt...
Die werden nie die Kraft verlieren, OO
neues Glück zu schaffen, auf die in ihrer OO
Jugend einst die Kraft von Eltern über‐ OO
strömte, die da selbst das Glück zu​ OO
schaffen wußten! ‒ ‒ ‒
So wird das Glück der guten Ehe noch OO
auf Kindeskinder überströmen, und OO
immer wieder neue Glückesmöglichkeit OO
erzeugen!
215 Die Ehe
Selig die Ehe, die auf solche Art zu OO
einem Schatzhaus wird, das seinen OO
Glückesreichtum nie vermindert sieht, OO
wie überreich er sich auch in die Welt OO
ergießen mag!
‒ Und alles, was man sonst auf dieser OO
Erde finden kann, bleibt nur ein klei‐ OO
nes neben jenem Glück, das in der Ehe​ OO
aufgerichtet werden soll! ‒
Was hier auf Erden sonst noch als be‐ OO
gehrenswert erscheint, ist selten in des OO
Menschen freie Macht gegeben.
Stets zeigt es sich bedingt durch​ OO
Außendinge: ‒ kann durch Andere​ OO
behindert und vernichtet werden!
Das wahre Glück der Ehe aber ist im OO
inneren Leben nur zu gründen, und OO
ward es da auf festen Fundamenten auf‐ OO
erbaut, dann kann nichts Äußeres​ OO
216 Die Ehe
es jemals mehr zerstören, ‒ ja selbst OO
den Erden-Tod wird es zu über‐ OO
dauern wissen, wollen die es sich er‐ OO
halten sehen, die es sich einst schufen! OO
‒ ‒ ‒
So aber wird auch eines Kindes​ OO
Glückeserbe aus der guten Ehe sei‐ OO
ner Eltern tief verankert sein im in‐ OO
neren Leben, und keine Macht der Erde OO
wird dem Kinde je sein „Erbe” rauben​ OO
können, das ihm erhalten bleibt, selbst OO
in der Ewigkeit! ‒ ‒ ‒
*          *
*
217 Die Ehe
NEUNTES KAPITEL
VON
EWIGER VERBUNDENHEIT
ALLES Glücksverlangen, das hin‐​ OO
aufreicht über niederes irdisches OO
Begehren, ist nur Sehnsucht nach Ver‐ OO
einigung der Geister in dem Geistes‐ OO
Urgrund, der sie ewig zeugt, und ewig OO
sie aus sich entläßt, um ewig wieder OO
sie in sich zurückzunehmen...
Noch aber ist der Menschengeist der OO
Erde Irdischem verhaftet, das dort, wo OO
seine Sehnsucht Einung will, nur Tren‐ OO
nung schafft. ‒ ‒
Freundschaft entsteht, und sucht die OO
Trennung aufzuheben, ‒ aber siehe: OO
‒ Freund und Freund verbleiben den‐ OO
noch Einer nur und Einer, die sich beide OO
nie im Innersten zu Einheit ineinander‐ OO
schmelzen können! ‒ ‒
Nur die Ehe, die das Männliche dem​ OO
221 Die Ehe
Weiblichen vereint, schafft wirklich​ OO
eine neue Einheit! ‒ ‒ ‒
Hier ist nun Mensch und Mensch zu OO
übererdenhaftem Ganzen neu ver‐ OO
schmolzen, so wie einst beide vor dem OO
„Fall” in irdische Erscheinungswelt ver‐ OO
einigt waren! ‒ ‒ ‒
Mag das auch den Vereinten nur in sel‐ OO
tenen hohen Fällen zu Bewußtsein OO
kommen, so ändert dies nicht, daß die OO
Einung nun erneut im gleichen Ur‐ OO
grund allen Seins Ereignis wurde, OO
in dem sie einstmals urgegebenes Er‐ OO
eignis war. ‒ ‒ ‒
Das Allerwenigste von dem, was OO
wirklich ist, wird Menschen je „be‐ OO
wußt”, und was im Un-Bewußten, OO
Un-Gewußten bleibt, ist dennoch für​ OO
den Menschen mehr bestimmend, OO
222 Die Ehe
als alles was ihm zu Bewußtsein​ OO
kommt. ‒ ‒ ‒
Sobald auf dieser Erde Mann und​ OO
Weib sich gegenseitig angeloben, ‒ OO
im festen Willen, ihr Gelöbnis immer‐ OO
dar bis an das Ende ihres Erden‐ OO
daseins aufrecht zu erhalten, ‒ er‐ OO
steht im wesenhaften Geiste eine neue OO
Einheit: der Form nach völlig jener​ OO
Einheit gleich, in der einst jeder dieser OO
beiden, auf der Erde nun geeinten Men‐ OO
schengeister, im Geistigen mit seinem OO
urgegebenen Gegenpol vereinigt war. OO
Für diese Erdenzeit ist stets der leib‐ OO
lich sichtbare, dem anderen Teile ehe‐ OO
lich verbundene Gegenpol, allein in OO
Wirksamkeit, ganz einerlei, ob es​ OO
sich, ‒ wie in äußerst seltenen Fällen, OO
223 Die Ehe
‒ wirklich um zwei Pole handelt, OO
die dermaleinst vereint gewesen​ OO
waren und in der Zeiten Fülle wie‐ OO
der sich für alle Ewigkeit vereinen​ OO
werden, oder um zwei urgegeben​ OO
„fremde” Pole! ‒ ‒ ‒
Jeder Eheteil hat darum nur in dem ihm OO
hier auf Erden angelobten anderen​ OO
Eheteile seinen ihm vereinten Ge‐ OO
genpol zu sehen, da während die‐ OO
ser Erdenzeit kein anderer sich ihm​ OO
einen kann...
Nur mit ihm hat er die Geistes-Ein‐ OO
heit aufgerichtet, von der allhier die OO
Rede ist, und niemals weiß hier auch​ OO
der Weiseste mit aller Sicherheit, OO
ob dieser, für die Erdenlebenszeit​ OO
vereinte Gegenpol ihm nicht auch OO
ewig als sein urgegebener Er-gän‐ OO
224 Die Ehe
zungsteil verbunden bleiben wird. OO
‒ ‒ ‒
Nur ganz bestimmte geistige Erfah‐ OO
rungsfähigkeit kann da zuweilen, ‒ OO
wenn auch nicht ganz leicht, ‒ den​ OO
Schleier lüften...
Um aber keiner Frage Raum zu lassen, OO
muß ich hier erwähnen, daß auch dort, OO
wo sicherste Gewähr besteht, daß​ OO
zwei im Urzustand einst in Verei‐ OO
nung geistgezeugte Gegenpole sich OO
als Erden-Menschen hier begegnet sind, OO
‒ die neue Einheitsform von der ich OO
rede, nur dann zu schaffen ist, wenn​ OO
diese beiden Erdenmenschen sich in​ OO
einer wahren Ehe hier für dieses​ OO
Erdenleben einen. ‒ ‒ ‒
Es ist diese „Einheitsform” eine gei‐ OO
stige Gestaltung, die gleichsam latent, OO
225 Die Ehe
im Geiste stets als Möglichkeit gege‐ OO
ben ist, doch aber nur, wenn Ehe‐ OO
wille sie erneut „erregt”, zur Seins‐ OO
wirkung gelangt, wonach sie dann OO
bestehen bleibt, solange dieser Ehe‐ OO
Wille sich erhält. ‒ ‒
Erlischt er durch den Tod des Erden‐ OO
körpers eines beider Eheteile, oder OO
durch die Lösung einer Ehe, so tritt OO
auch diese Einheitsform nun in Latenz​ OO
zurück, um stetig wieder neu zur​ OO
Seinswirkung zu kommen, wo OO
immer neuer, anderer Ehe-Wille sie OO
„erregt”. ‒ ‒ ‒
Man wähne nicht, im Ewigen sei​ OO
solches Werden und Vergehen, Ver‐ OO
sinken und dann wieder Auferstehen​ OO
bestimmter Formen doch „unmöglich”, OO
226 Die Ehe
da Ewiges doch keinen „Anfang” und OO
kein „Ende” dulde! ‒
Hier tat der menschliche Verstand dem OO
Menschen wahrlich schlechten Dienst, OO
wenn er ihn zu verleiten wußte, sich nach OO
seinen, nur im Irdischen begründeten OO
Gesetzen, ein Bild des Ewigen zu OO
konstruieren!...
Da hier auf dieser Erde, wie im gan‐ OO
zen sichtbarlichen Kosmos, alles, was da OO
„Anfang” nimmt, auch „Ende” finden OO
wird, ‒ da hier, was sich aus „Ele‐ OO
menten” einst zusammenfügte, auch OO
unerbittlich wieder auseinanderfallen​ OO
muß, ‒ so glaubt der irdische Verstand OO
sich sehr berechtigt zu dem billigen OO
Schluß: ‒ daß Ewiges dann nur im​ OO
Gegensatz zum Irdischen bestehen OO
könne, ‒ ‒ falls es überhaupt bestehe. OO
227 Die Ehe
Und die in solcher Weise klügelnd kal‐ OO
kulieren, ‒ ihrer „Weisheit” froh, die OO
sie in unerschütterbaren „Denkge‐ OO
setzen” felsenfest gegründet wähnen, OO
‒ ahnen nicht, daß sie mit einem​ OO
Maße messen, das im Ewigen nicht​ OO
existiert, da nur der wesenlose​ OO
Schein gewisser Denkvorgänge ihm OO
den Schein des Daseins schenkt. OO
‒ ‒ ‒
Mag es für irdisch-menschliche Gehirne OO
aber auch als völlig „unbegreifbar” OO
gelten, so bleibt doch Ewigkeit, ‒ und OO
„Ewigkeit” ist nur das Sein des we‐ OO
senhaften Geistes ‒ anfang- und OO
endlos immerdar nur Sein als stets​ OO
bewegtes Leben, von dem das OO
„Leben” dieser Erdenwelt, wie alles OO
physisch-kosmische Geschehen, nur fer‐ OO
ner, letzter Abglanz ist, getrübt​ OO
228 Die Ehe
durch der „Materie” rauhen, dunklen OO
Spiegel. ‒ ‒ ‒
In wesenhafter Ewigkeit, ‒ im reinen OO
Geiste, ‒ ist die Ehe zweier Erden‐ OO
menschen nur allein begründet! ‒ ‒ ‒ OO
Wäre diese letztliche Begründung nicht​ OO
gegeben, dann wäre füglich nicht von OO
„Ehe” mehr zu reden, sondern nur von OO
der Verbindung der Geschlechter: aus​ OO
eigenem Wohlgefallen aneinander, OO
und, um dieser Erdenmenschheit Nach‐ OO
wuchs zu erzeugen...
Dann bliebe freilich alles Miteinander‐ OO
leben der Geschlechter auch am besten OO
freier Willkür überlassen, ‒ nur dort OO
etwa noch eingedämmt, wo Dämme auf‐ OO
zuwerfen wären um der Gesamtheit​ OO
Wohl nicht zu gefährden. ‒
229 Die Ehe
Nun aber ist es Erdenmenschen mög‐ OO
lich, in männlich weiblicher Verschmel‐ OO
zung einen Tempel aufzurichten, der OO
bis ins Innerste der Gottheit ragt! OO
‒ ‒ ‒
„Mann und Weib und Weib und​ OO
Mann, reichen an die Gottheit an” OO
‒ singt Weisheit wie aus Kindermund OO
in einem Texte, den ein naiver „Wissen‐ OO
der” dem größten Künstlergenius seiner OO
Zeit zur Tongestaltung bot. ‒ ‒ ‒
Im reinen Geiste wird die Ehe zweier OO
Erdenmenschen geistiges Geschehen! OO
Auf solche Art, und nicht etwa durch OO
Priesterwort, noch weniger gar durch die OO
Anerkennung staatlicher Behörden, die OO
allein der Ordnung irdischen Geschehens OO
230 Die Ehe
dient, empfängt die Ehe ihre hohe OO
Weihe in der Ewigkeit! ‒ ‒ ‒
Dunkles Ahnen dieses wirklichen Ver‐ OO
bundenwerdens in der Ewigkeit, spricht OO
Volksweisheit im Sprichwort aus, wenn OO
sie zu sagen weiß, daß „Ehen im Him‐ OO
mel geschlossen” würden...
Und selbst die machtbewußte Kirche​ OO
Roms hat längst entschieden, daß das​ OO
Versprechen zwischen Mann und​ OO
Weib, einander bis zum Tode in der​ OO
Ehe zu gehören, an sich bereits die​ OO
Ehe schließt, und daß der Weiheakt OO
des Priesters nur die so geschlossene​ OO
Ehe segnen könne, ‒ ‒ auch wenn OO
man es geflissentlich vermeidet, diese, OO
nach dem Dogma durch den „heiligen​ OO
Geist” gegebene, Konzilsentscheidung OO
allem Volk bekanntzugeben. ‒ ‒
231 Die Ehe
Noch wirkt die alte Weisheit Wissender OO
auch dort sich aus, wo man den​ OO
Schlüssel längst verloren hat, der OO
heutigen und kommenden Geschlechtern OO
uralt hehre Tabernakel öffnen​ OO
könnte...
Doch auch im innersten Gefühl des OO
Menschen, der die Ehe kennt, wie​ OO
sie Gestaltung hier auf Erden finden​ OO
soll, wird leise zu ertasten sein, daß OO
ein Mysterium in der wahren Ehe sich OO
erfüllt, ‒ ‒ auch wenn man nicht die OO
letzte Wirklichkeit erschaut, die strah‐ OO
lend über jeder wahren Ehe auf zum OO
Himmel ragt. ‒ ‒ ‒
Diese Wirklichkeit jedoch wird jedes OO
Ehepaar allmählich mehr und mehr er‐ OO
fühlen lernen müssen, wenn es er‐ OO
232 Die Ehe
kennen will, daß es im Ewigen ver‐ OO
bunden ist. ‒ ‒ ‒
Im Irdischen herrscht Auswirkung des OO
kosmischen, unbeugsamen Gesetzes, OO
und Liebe kann hier nur begrenzt ins OO
Dasein wirken. ‒
Was man auf Erden „Liebe” nennt, ist OO
nur ein schwacher Wiederschein der​ OO
Liebe, die des Geistes Ewigkeit im​ OO
Sein durchflutet: ‒ der Liebe, die in​ OO
Gott und Gottes Leben ist, ‒ die alles OO
was das kosmische Gesetz erstrebt und OO
nie erreichen kann, erst zur Erfüllung​ OO
bringt! ‒ ‒ ‒
Ihr wirkungsvollster Wiederschein OO
auf Erden wird Erlebnis in der wahren OO
Ehe!
Ihn zu erleben und erlebend zu emp‐ OO
233 Die Ehe
finden, ist der Ehe höchstes, ihr allein​ OO
nur vorbehaltenes Glück! ‒ ‒ ‒
Wo immer dieser reinste Wiederschein OO
der Liebe, die da Gottes Leben ist, in OO
Einheit geistigkörperlicher Ineinander‐ OO
schmelzung zum Erlebnis wird, dort OO
hat das Reich des wesenhaften Gei‐ OO
stes sich dem Irdischen verbunden, OO
‒ und ‒ wie einst alle Menschen‐ OO
geister sich in Liebe einen werden in OO
der Ewigkeit, so wurden Mann und​ OO
Weib, die solches heiligste Erleben​ OO
kennen, hier auf Erden schon ge‐ OO
eint. ‒ ‒ ‒
Wo aber diese Geistereinigung ein‐ OO
mal besteht, dort wird sie auch nicht​ OO
aufgehoben, wenn in der Ewigkeit​ OO
dereinst sich jene urgegebenen Pole​ OO
234 Die Ehe
wiederfinden, die hier getrennt und OO
meist nicht umeinander wissend, im OO
Menschentieresleibe über diese Erde OO
schreiten. ‒ ‒ ‒
Im Geistigen durchdringt das Ein‐ OO
zelne sich gegenseitig, und so auch OO
lebt der Geistesmensch, der in Vereini‐ OO
gung mit seinem Gegenpol den urgege‐ OO
benen Zustand seines Seins zurück‐ OO
errungen hat, in gegenseitiger Durch‐ OO
dringung aller anderen erneut Ge‐ OO
einten. ‒ ‒ ‒
Es ist nicht etwa so, daß eine Ehe, die OO
sich hier auf Erden in der höchsten OO
Glücksvollendung fand, obwohl die OO
beiden Eheteile keineswegs etwa​ OO
auch urgegebene Einheitspole wa‐ OO
ren, nun in der Geisteswelt durch un‐ OO
gewollte Trennung leiden könnte!
235 Die Ehe
Nur, was getrennt sein will, ist dort ge‐ OO
trennt, und schon der Wille eines Teils OO
genügt, um solche Trennung zu bewir‐ OO
ken, bis einst beide Teile auf der glei‐ OO
chen höchsten Stufe stehen, auf der es OO
keinen Trennungs-Willen gibt...
Auf jenen niederen Stufen geistig‐ OO
wachen Seins jedoch, die nach dem „Tode” OO
dieses Erdenkörpers erst durchschritten OO
werden müssen, herrscht in gleicher OO
Weise Trennungs-, wie Vereinungs‐ OO
wille. ‒
Wenn aber Trennungswille wirksam OO
ist, durchdringt das Einzelne einander OO
ohne gegenseitig seiner Gegenwart​ OO
bewußt zu sein, wogegen der Ver‐ OO
einungswille gegenseitiges Erleben​ OO
im Durchdringen schafft, das über jede​ OO
erdenhafte Vorstellung erhaben ist, OO
236 Die Ehe
und sich in Worten niemals schildern OO
lassen würde. ‒ ‒ ‒
Schwacher Abglanz solchen geistigen OO
Erlebens mag sich noch erahnen lassen OO
in der Vorstellung, als könne man hier OO
auf der Erde seinen Erdenleib verlassen, OO
um in dem geliebten Menschen, ‒ mehr​ OO
noch als ihm selbst je zu Bewußt‐ OO
sein käme, ‒ jegliche körperliche, OO
jede Seelenregung intensiv und​ OO
klarbewußt mitzuempfinden...
Höchstes Sehnen aller wahrhaft​ OO
Liebenden auf dieser Erde findet so​ OO
im Geistes-Sein Erfüllung! ‒ ‒ ‒ OO
Es ist die wahre Ehe wahrlich niemals​ OO
lösbar, und auch in aller Ewigkeit​ OO
wird sie bestehen bleiben!
237 Die Ehe
Jedoch ist sie auch keineswegs in einem OO
Menschenleben auf der Erde einmal​ OO
nur erlebbar!
Wo „Tod” die irdische Verbindung schei‐ OO
det, dort kann der Überlebende sehr OO
wohl auch eine neue Ehe schließen, und OO
somit eine neue Einigung im Geiste​ OO
schaffen, die der ersten keinen Abbruch OO
anzutun vermag. ‒ ‒
Die geistige Durchdringung derer, die in​ OO
Liebe ewiglich verbunden bleiben, OO
kennt keine „Eifersucht”, da nichts im​ OO
Geiste ist, das sie begründen könnte, OO
‒ wie denn alle Eifersucht der Lieben‐ OO
den auf Erden letzten Endes aus der OO
Seele banger Sorge kommt, erstrebte OO
Einung könne in Gefahr geraten, nicht​ OO
bewirkt zu werden...
Im Geiste aber ist die Einigung bewirkt​ OO
und nichts kann sie gefährden!
238 Die Ehe
In gegenseitiger Durchdringung ist OO
im Geiste alles in Ver-Einung, was OO
sich nur jemals auf der Erde hier in wah‐ OO
rer Liebe fand! ‒ ‒ ‒
Was aber einmal in der Ehe hier auf OO
Erden schon zur Einung kam, das kann OO
durch Erdentod zwar körperlich ge‐ OO
schieden werden, doch ist es niemals​ OO
mehr im Geistesreich zu trennen! OO
‒ ‒ ‒
Dort mehrt es nur den Einungswillen, OO
der einst aller Erdenmenschheit Geist‐ OO
vereinung schaffen soll, und der in​ OO
jeder neuen wahren Ehe Mann und​ OO
Weib bereits zu solcher Einung​ OO
führt. ‒ ‒ ‒
So schafft die wahre Ehe wahrlich OO
ewige Verbundenheit, ‒ und nicht OO
239 Die Ehe
nur zwischen beiden Menschenpo‐ OO
len, die sie geistig eint, sondern, in OO
anderer Weise, dann auch zwischen​ OO
ihnen und den schon im wesenhaf‐ OO
ten Geist Geeinten in der Ewigkeit! OO
‒ ‒ ‒
Wohl denen, die hier fassen, was​ OO
da zu erfassen ist!
Wohl denen, die es in der Ehe zu er‐ OO
leben wissen!
An allen Orten dieser Erde sollten „Tem‐ OO
pel der Ehe” sich erheben, ‒ Weihe‐ OO
stätten, deren Priesteramt nur Menschen OO
führen dürften, die um die Möglich‐ OO
keit der Geisteseinung in der Ehe​ OO
wissen, und gewillt sind, sie mit​ OO
allen Kräften zu erstreben!
Hier sollten alle Dinge würdige Bera‐ OO
tung dann erfahren, die irgendwie ge‐ OO
240 Die Ehe
eignet scheinen, um in dieser Welt: der​ OO
Ehe hehrer Heiligkeit zu dienen!
Von hier aus sollte man versuchen, allen OO
Ehen auch die äußeren Bedingungen OO
zu schaffen, unter denen sie gedeihen​ OO
könnten!
Von solchen hohen Weihestätten sollte OO
alle Sorge um die Jugend ihren Aus‐ OO
gang nehmen!
Hier sollten alle Liebenden die sich OO
zur Ehe einen wollen, gütigen Er‐ OO
fahrungsrat empfangen!
Hier sollte allen denen Hilfe darge‐ OO
boten werden, die ihrer Ehe Glück​ OO
nicht schaffen konnten und sich vor OO
der Lösung ihrer Ehe sehen!
Wahrhaftig, ‒ hier wäre Großes​ OO
noch zu tun, und aller Menschheit​ OO
241 Die Ehe
würde Segen über Segen kommen OO
aus dem Wirken derer, die als wahre​ OO
Sorger um die Seelen, ‒ frei von​ OO
jeder Sucht nach Seelenfang für eine​ OO
Glaubensmeinung, ‒ hier zu helfen OO
suchen wollten, daß die Ehe werde, OO
was sie hier auf Erden sein kann, OO
weiß man von ihrer geistigen Be‐ OO
gründung vor dem Angesicht der​ OO
Ewigkeit!!
Noch hat die Erdenmenschheit aber nicht​ OO
erkannt, daß alles Heil ihr aus der​ OO
Ehe werden könnte...
Noch sucht man nur „Verbesserung” OO
zu schaffen da und dort mit redlichstem OO
Bemühen, und niemand scheint zu sehen, OO
daß der Menschheit nur zu helfen​ OO
wäre, würde diese Hilfe aus der​ OO
wahren Ehe sich von selbst erge‐ OO
ben! ‒ ‒ ‒
242 Die Ehe
Niemand scheint zu wissen, daß die​ OO
menschliche Vereinung die das Leben OO
zeugt, natur- und geistgewollter Aus‐ OO
gangspunkt für seine rechte Führung, OO
seine rechte Lenkung ist! ‒ ‒ ‒
Wenn Übel in der Menschheit zu be‐ OO
kämpfen sind, ‒ und wer vermöchte OO
das zu leugnen? ‒ ‒ dann sind die​ OO
Wurzeln dieser Übel dort zu suchen, OO
wo man nicht um die hehre Heilig‐ OO
keit der Ehe weiß, ‒ oder wo geile​ OO
Gier in Wort und Bild und Tat sie​ OO
schänden darf, ‒ oft noch des Beifalls OO
Solcher sicher, die ihre eigene Ehe OO
rein zu halten wissen! ‒ ‒ ‒
Hier muß Wandlung werden, soll die OO
Menschheit nicht in Lüsternheit und OO
seichtem Wohlbehagen an der steten, OO
nur zu gern gesuchten Überreizung im OO
Geschlechtlichen zugrunde gehen! ‒ OO
243 Die Ehe
Vor allem aber wird das neue Leben, ‒ OO
wird die Jugend, selbst sich schützen​ OO
müssen vor Verfall, und das kann OO
nur geschehen, wenn sie selbst die Ehr‐ OO
furcht vor der Heiligkeit der Ehe in​ OO
den Herzen zu erwecken sucht! OO
‒ ‒ ‒
Nur einer Generation die um die Hei‐ OO
ligkeit der Ehe weiß und so in tief‐ OO
ster Ehrfurcht vor dem hocherha‐ OO
bensten Mysterium des Menschen​ OO
steht, kann jene Menschheitszukunft​ OO
werden, die, von den Besten aller Völker OO
längst herbeigesehnt, gewiß erreichbar​ OO
ist, ‒ jedoch nur dann, wenn man sie OO
selber ‒ ‒ schafft! ‒ ‒ ‒
Der Wille nur, ‒ niemals der Wunsch! OO
‒ ‒ kann hier das hohe Wunder wir‐ OO
ken!! ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
244 Die Ehe
Dann wird so manche „Frage” lösbar​ OO
werden, die heute noch unlösbar​ OO
scheint, ‒ und großes Leid wird​ OO
aus der Erdenwelt verschwinden! OO
‒ ‒ ‒
Noch sind wir leider allzuweit von OO
dieser neuen Zeit die jedem Men‐ OO
schen seines Menschtums heilig‐ OO
hohe Würde zu Bewußtsein brin‐ OO
gen wird! ‒
Und doch wird diese Zeit dereinst​ OO
erscheinen, ‒ wenn jeder Mensch der OO
hier zur Einsicht kommt, in sich die OO
Pflicht empfindet, alles was an seinen​ OO
Kräften liegt daranzugeben, um so OO
bald als möglich sie herbeizuführen! OO
Keiner glaube etwa, daß an seinen​ OO
Kräften allzuwenig nur gelegen sei! OO
Hier wird Jeder zum Verstärker eines​ OO
245 Die Ehe
Willens, der schon in der Welt vorhan‐ OO
den ist, und dieser so geeinte Wille​ OO
wird sich seine Wege schaffen, um den OO
Willen Aller zu erreichen! ‒ ‒ ‒
Heilig wird dann allen heißen: ‒ der​ OO
Geschlechter Inbrunst, sich zu​ OO
einen! ‒ ‒ ‒
Heilig: ‒ das Mysterium des Zeu‐ OO
gens und Gebärens! ‒ ‒ ‒
Heilig, ‒ dreimal heilig: ‒ die Ver‐ OO
einung die das Weib dem Manne​ OO
eint, zu engverschmolzener Ge‐ OO
meinsamkeit für Zeit und Ewigkeit! OO
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ OO
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246 Die Ehe
ENDE